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6  ZUSAMMENFASSUNG

Grundlagen

Für die dilatative Kardiomyopathie gibt es bisher keine vielversprechenden kausalen Therapiemöglichkeiten. Unter der Annahme, dass gegen kardiale Strukturen gerichtete Autoantikörper den Krankheitsprozess induzieren und forcieren, wurde überprüft, ob deren Entfernung zu einer Verbesserung der Herzfunktion führt.

Methoden und Ergebnisse

In die offenene, randomisierte, prospektive und kontrollierte Phase-III-Studie wurden 18 Patienten (NYHA III-IV, linksventrikuläre Ejektionsfraktion < 30 %) eingeschlossen und zufällige der Behandlungs- (IA-Gruppe; n=9) oder Kontrollgruppe (n=9) zugeteilt. An drei aufeinanderfolgenden Tagen erfolgte eine Immunadsorptionsbehandlung. Abschließend wurde polyklonales Immunglobulin-G substituiert. Die Behandlung wurde in monatlichen Abständen über drei weitere Abschnitte wiederholt. Die hämodynamischen Messungen erfolgten mit Hilfe einer Rechtsherzkatheterisierung (Swan-Ganz-Thermodilutionskatheter).

Nach drei Monaten (Ende des vierten Behandlungsabschnittes) waren Herzindex (HI) und Schlagvolumenindex (SVI) um 42,9 % beziehungsweise 51,8 % von 2,1 (SE 0,08) auf 3,0 l/min/m2 (SE 0,29) (p<0,01) beziehungsweise von 27,8 (SE 2,27) auf 42,2 ml/m2 (SE 2,44) (p<0,01) angestiegen. Der systemvaskuläre Widerstand (SVR) fiel von 1428 (SE 89,53) auf 1025 dyn·s·cm-5 (SE 121,88).

Im gleichen Zeitraum wurden ein Anstieg der echokardiographischen linksventrikulären Ejektionsfraktion (LV-EF) von 22,7 (SE 1,66) auf 33,0 % (SE 2,16) (p<0,01), sowie eine Reduktion des indizierten linksventrikulären endsystolischen (ESDI) und enddiastolischen (EDDI) Durchmessers von 28,38 (SE 1,98) auf 26,23 mm/m2 (SE 1,92) (p<0,05) beziehungsweise von 33,74 (SE 1,65) auf 32,16 mm/m2 (SE 1,68) (p<0,05) beobachtet. Diese Veränderungen waren auch nach einem halben Jahr stabil.

Insgesamt war der Behandlungserfolg um so größer, je kürzer die Erkrankung bestand.


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Die positiven Veränderungen der objektiven, hämodynamischen Parameter wurden bei allen Patienten der IA-Gruppe von einer Verbesserung der klinischen Beschwerde­symptomatik – repräsentiert durch die Einteilung nach der NYHA-Klassifikation – begleitet.

Hingegen wurden in der Kontrollgruppe für alle genannten Parameter im gesamten Beobachtungszeitraum keine (signifikanten) Veränderungen beobachtet.

Es ist zu vermuten, dass die Entfernung von Autoantikörpern durch die Immunadsorp­tion der wichtigste Wirkmechanismus für die Verbesserung der Herzfunktion bei dilatativer Kardiomyopathie ist, wenngleich andere Einflüsse - wie ein Effekt der Immunglobulinsubstitution, eine Beeinflussung anderer immunmodulatorischer Komponenten (zum Beispiel von Zytokinen) oder Veränderungen der Mikrozirkulation - anhand der erhobenen Daten nicht definitiv ausgeschlossen werden können.

Schlussfolgerungen

Immunadsorptionsbehandlungen tragen bei dilatativer Kardiomyopathie als Ergänzung zur medikamentösen Basistherapie zur Verbesserung der Herzfunktion und zur Linderung der Beschwerdesymptomatik bei. Die Ergebnisse rechtfertigen die Durchführung von Folgestudien unter Einschluss größerer Patientenzahlen.


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26.10.2004