| Drabner, Birgit: Charakterisierung und Identifizierung von immundominanten Bereichen der L3-Chitinase von Onchocerca volvulus |
Die Bekämpfung der Onchozerkose erfolgt durch die Behandlung der Bevölkerung mit Ivermectin® und durch Vektorbekämpfung. Es kommt jedoch zu zunehmenden Pestizid-Resistenzen der Insektenstämme. Begleitet werden diese Schwierigkeiten von der Notwendigkeit einer jährlichen Anwendung von Ivermectin und der Tatsache, daß dieses Medikament nur mikrofilarizid wirkt. Adulte Würmer müssen durch Nodulektomien entfernt werden. Dabei entstehen hohe Kosten, die oft mit logistischen Problemen verbunden sind. Die Entwicklung einer Vakzine, die den Entwicklungszyklus unterbrechen würde, könnte eine wertvolle Ergänzung der bestehenden Maßnahmen darstellen. Durch zahlreiche Untersuchungen über die Mechanismen zur Entstehung von Immunität konnten einige
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Antigene von Onchocerca volvulus identifiziert werden, denen eine entscheidende Rolle im Infektionsverlauf zugeschrieben wird (Taylor et al. 1995, Taylor et al. 1996, Jenkins et al. 1996). Eines dieser Antigene stellt die Chitinase von infektiösen Drittlarven dar, die als prominentes Antigen mit einer möglichen Rolle bei erworbener Immunität beschrieben wurde (Freedman et al. 1989, Lucius et al. 1991). Zudem konnten Chitinasen an essentiellen Punkten des Filarienzyklus lokalisiert werden (Justus und Ivey 1969, Ward und Fairbairin 1972, Gooday et al. 1988, Adam et al. 1996). Diese Ergebnisse lassen die OvL3-Chitinase als geeigneten Impfstoffkandidaten erscheinen und gaben den Anstoß für die molekulare Charakterisierung der OvL3-Chitinase.
Die cDNA der OvL3-Chitinase wurde in einen prokaryotischen Expressionsvektor kloniert und durch Affinitätschromathographie aufgereinigt, so daß es für weitere Studien zur Verfügung stand. Zusätzlich wurde der C-terminale Abschnitt des Proteins, die Chitin-Binde-Domäne, kloniert, exprimiert und aufgereinigt. Der Einsatz der Chitin-Binde-Domäne sollte Aufschluß über die Lokalisation möglicher T-Zell-Epitope und über das protektive Potential dieser Domäne geben.
Während sich die Chitin-Binde-Domäne ohne Probleme klonieren und aufreinigen ließ, gestaltete sich die Klonierung und Expression der Chitinase in E. coli schwierig und gelang erst nach zahlreichen Variationen des Versuchsprotokolls. Da Bakterien eine eigene Chitinase und eigenes Lysozym besitzen, das neben der Spaltung von N-acetylmuramin und N-Acetylglucosamin in der Lage ist, Chitin zu spalten (Stryer, 1997), führte die Überexpression der bakterienfremden Chitinase offensichtlich zu Stoffwechsel- und damit zu Wachstumsproblemen der Bakterien. Der verwendete E.coli-Stamm XL-1 blue besitzt eine Mutation im Lac-Iq-Gen, die zu einer hohen Expression des Lac-Repressors führt (QIAexpressionist, 1999). So konnte die Expression der für die Bakterien toxischen Chitinase bis zum Zeitpunkt des Expressionsstartes unterbunden werden. Nach einer kurzen Expressionsphase von 3 Stunden konnte die Chitinase aus den Bakterienkulturen isoliert werden.
Die aufgereinigte Chitinase wurde in einem Aktivitätstest auf ihre Fähigkeit, das Substrat MU-GlucNac-3 zu spalten, überprüft. Das rekombinante Protein (in einer Konzentration mit 8,2 nM) zeigte enzymatische Aktivität, was durch die Zunahme der Fluoreszenz verfolgt werden konnte. Bei der Positivkontrolle, eine käufliche Chitinase von Serratia marcescens, konnte ein ähnlicher Verlauf während des Aktivitätstests beobachtet werden. Die eingesetzte Konzentration lag jedoch mit 3,5 nM deutlich unter der Konzentration der OvL3-Chitinase. Obwohl beide Chitinasen von gram-negativen Bakterien produziert wurden, handelt es sich bei Chitinase von Serratia marcescens um ein natives Protein, während die OvL3-Chitinase rekombinant in diesem prokaryotischen System produziert
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wurde. Die OvL3-Chitinase wird in den Bakterien nicht posttranslational modifiziert, so daß sie vermutlich nicht in der optimalen Proteinkonfiguration vorliegt. Diese Konfiguration könnte jedoch für eine optimale Aktivität notwendig sein.
Da O. volvulus streng primatenspezifisch ist, müssen Untersuchungen über das protektive Potential einzelner Antigene im Tiermodell erfolgen. Dabei eignet sich das Labormodell der Nagetierfilarie A. viteae besonders gut, weil in diesem System der gesamte Nagetierfilarienzyklus von A. viteae unter definierten Bedingungen ablaufen kann. Der Zwischenwirt O. moubata wird über eine Membran mit Blut gefüttert, das eine definierte Menge an Mikrofilarien enthält. Nach ca. 6-8 Wochen werden die infektiösen Drittlarven aus den Zecken isoliert und eine definierte Anzahl (70 oder 75 L3) dem Endwirt verabreicht. Nach Gabe der L3 gibt die Rückfindungsrate adulter Würmer Aufschluß über die Wirkung einzelner Antigene. In diesem System wurde die Chitinase in Kombination mit STP und die Chitin-Binde-Domäne mit Alum getestet.
Die Immunisierung mit Chitinase und STP hatte die Reduzierung der Adultwurmlast von 40% und in einem 2. Versuch von 17,7 % zur Folge. Jedoch konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den immunisierten Gruppen und der Kontrollgruppe gefunden werden. Die Ursache hierfür liegt in den großen Streuungen der Wurmlasten der einzelnen Tiere. Obwohl alle Tiere aus einem Inzucht-Stamm stammten, scheinen einzelne Tiere die Infektion besser kontrollieren zu können. Dies spiegelte sich auch in der Antikörperantwort der Tiere wieder. Während alle Tiere IgG-Antikörper gegen Chitinase bildeten, war der Gehalt an IgG3-Antikörpern in dem ersten Versuch negativ korreliert mit der Anzahl der Würmer (r = -0,8). In dem zweiten Versuch konnte eine Korrelation zwischen dem IgG3- Gehalt und der Anzahl der Würmer nicht gefunden werden. Die Untersuchungen der Antikörperantworten des zweiten Versuches zeigten eine Erhöhung der Antikörper-Subklasse IgG1, gefolgt von IgG3-Antikörpern.
Während IgG3-Antikörper bei TH1-Immunantworten vorherrschend sind, können Antikörper der Subklasse IgG1 bei TH2-Antworten gefunden werden. Durch die unterschiedlichen Antikörperantworten der zwei Versuche ließen sich keine Rückschlüsse zwischen Protektion und der Ausprägung einer bestimmten Immunantwort ziehen. Bei intestinalen Nematoden kann die Ausprägung einer TH2-Antwort für die erfolgreiche Kontrolle der Infektion verantwortlich gemacht werden (Urban et al. 1992, Lokslay et al. 1994). So konnten
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BALB/c-Mäuse die Infektion mit Trichuris muris durch die Ausschüttung von TH2-Zytokinen erfolgreich kontrollieren. Dem gegenüber stehen Mäuse des Stammes AKR, die eine Infektion mit T. muris nicht bekämpfen können und bei denen Zytokine einer TH1-Antwort nachgewiesen werden konnten. Die Neutralisation von INF-
führte bei den AKR-Mäusen zu einer erfolgreichen Ausheilung der Erkrankung, wohingegen die Blockierung von IL-4 bei BALB/c-Mäusen zum Ausbruch der Infektion führte.
Die rekombinante Chitin-Binde-Domäne wurde den Wüstenrennmäusen in Kombination mit dem Adjuvans Alum verabreicht. Bei der anschließenden Sektion differierte die Anzahl der Würmer im Vergleich zu der Kontrollgruppe nur wenig. Da bei diesem Versuch nur die IgG-Antiköper-Antworten untersucht wurden, können keine Aussagen über eine Polarisation der Immunantwort gemacht werden. Untersuchungen über die Brugia malayi-Mf-Chitinase konnten durch den Einsatz eines verkürzten Proteins die wichtigsten protektiven Epitope auf der Chitin-Binde-Domäne lokalisieren (Venegas et al. 1996). Bei einem Einsatz dieser Domäne in Immunisierungsversuchen konnte die Mf-Last der immunisierten M. unguiculatus signifikant verringert werden (Wang et al. 1997). Vergleichbare
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Ergebnisse konnten in dieser Studie mit der OvL3-CBD nicht erzielt werden. Nach Abschluß dieser Arbeit und Auswertung der Ergebnisse wird deutlich, daß die OvL3-Chitinase unter den getesteten Bedingungen eine TH2-Immunantwort induziert. Eine weitere Überprüfung der Chitin-Binde Domäne mit einem TH1-Adjuvans ist sinnvoll, um Aussagen über das protektive Potential dieser Domäne machen zu können.
Immunisierungsstudien mit geeigneten Impfstoffkandidaten zeigten, daß nicht nur das Antigen von entscheidender Bedeutung ist, sondern daß die Art des verwendeten Adjuvans, die Route und die Dosis der Immunisierung eine wichtige Rolle bei der Ausprägung der Immunantwort spielt (Comoy et al. 1998; Leclerc und Ronco 1998). Durch den Einsatz von geeigneten Adjuvantien ist es möglich, Immunantworten zu beeinflussen und in eine bestimmte TH-Richtung zu verschieben. In dieser Arbeit sollte deshalb nicht nur die Chitinase näher charakterisiert werden, sondern ein geeignetes Applikationsschema für dieses Protein entwickelt werden. Da im A. viteae-Meriones-Modell keine ausreichenden Immunreagentien zur Verfügung stehen, wurden diese Untersuchungen mit BALB/c-Mäusen durchgeführt. Es wurde das Co-Blockpolymer STP eingesetzt, das eine Polarisation der T-Helfer-Antworten in Richtung TH1 bewirken kann. Die Autoren Byars & Allison (1987) konnten zeigen, daß nach Gabe von Antigenen mit STP die zelluläre Reaktivität auf diese Antigene verstärkt werden konnte. Diese zelluläre Reaktivität wurde von starken Antikörperantworten begleitet.
Als zweites Adjuvans wurde Alum verwendet. Diese Substanz fördert die Antikörperantworten auf schwache Antigene, wobei die Subklassen IgG1 und IgG2b dominieren (Ada 1995). Außerdem konnte
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die Chitinase als Fusionsprotein mit dem atoxischen, aber hochimmunogenen Tetanusfragment TetC in einen Salmonellen-Carrier kloniert werden. Die orale Gabe von Salmonellen hat den Vorteil, daß neben einer humoralen und zellulären Immunantwort zusätzlich eine generalisierte sekretorische Immunantwort sowohl gegen das Fremdantigen als auch gegen den Salmonellenvektor erfolgt. Die Salmonellen werden im intestinalen Lumen von M-Zellen aufgenommen und zu Antigen präsentierenden Zellen (APC, dendritische Zellen, Makrophagen) transferiert, wo sie von diesen phagozytiert werden (Curtis et al. 1994). Dabei wird die Aufnahme in Makrophagen von den Salmonellen induziert. In den Makrophagen verhindern sie die Verschmelzung mit dem Phagolysosomen und verzögern die Übersäuerung des Zell-Kompartiments (Jones 1996; Comoy et al. 1997). Es kommt zur Präsentation der Fremdantigene bzw. der resultierenden Peptide in Verbindung mit dem MHC-I und MHC-II-Komplex (Svenson et al. 1997). Zusätzlich aktivieren intrazelluläre Bakterien natürliche Killerzellen (NK), die INF-
produzieren. Durch die Ausschüttung von INF-
und die IL-12 Produktion von aktivierten Makrophagen wird die Ausprägung einer TH1-Antwort induziert (Abbas et al. 1997).
bei Milzzellen, die von STP99
immunisierten Mäusen stammten, nachgewiesen. Bei Mäusen, die Chitinase/Alum erhielten, konnten neben der mRNA von IL-10 Transkripte von IL-4 und INF-
nachgewiesen werden.
bei allen untersuchten Gruppen zu finden war, ließ sich IL-4 nur bei der Gruppe 1 (Chitinase), Gruppe 3 (Chitinase/STP), Gruppe 4 (STP) und Gruppe 5 (Chitinase/Alum) nachweisen. Auch die mRNA von Interleukin 10 konnte, mit Ausnahme von Gruppe 1 (Chitinase), bei allen Gruppen gefunden werden. Durch das Vorhanden sein fast aller untersuchten Zytokine in den Ansätzen, die ohne Antigen kultiviert wurden, lieferten die gefundenen Ergebnissen keine weiteren Hinweise auf die Ausprägung einer bestimmten Immunantwort. Deshalb wurde bei den Untersuchungen der früheren Zeitpunkte (8h und 24h) zusätzlich das Zytokin TNF-
untersucht. Auch diese Ergebnisse konnten die gefundenen Unterschiede der zellulären und humoralen Immunantwort zwischen den immunisierten Gruppen nicht bestätigen. In allen Proben konnten starke Transkripte von TNF-
gefunden werden. TNF-
wird vorwiegend durch LPS-aktivierte Makrophagen, aber auch von antigen-aktivierten T-Zellen und NK-Zellen gebildet. Durch TNF-
kommt es zur verstärkten Ausschüttung von proinflamatorischen Zytokinen, wie INF-
, IL-1 und IL-6 (Abbas et al. 1997). Bei humanen PBMC konnte gezeigt werden, daß nach LPS-Stimulation und Ausschüttung von TNF-
nach ca. 24 Stunden die Hochregulation von IL-10 auf mRNA-Ebene erfolgt (Platzer et al. 1995). Da die rekombinante Chitinase aus E. coli aufgereinigt wurde und LPS-Werte im pg-Bereich im Zellkulturmedium nachgewiesen werden konnten (Hartmann et al., pers. Mitteilung) könnten die starken Transkripte von TNF-
und die Anwesenheit von IL-10 in allen Gruppen auf den Einfluß von LPS zurückzuführen sein. 100
Zytokinen erfaßt, die durch unspezifische Stimulation (wie durch LPS), durch in vitro-Kultivierung oder durch eine konstitutive Expression dieser Zytokine hervorgerufen werden (Klimpel et al. 1995). Zudem benötigt die RT-PCR durch viele voneinander abhängige Versuchsschritte sehr viel Erfahrung und optimale Versuchsbedingungen. Neuere Methode, wie intrazelluläre Zytokin-Messungen im FACS-scan (Tayebi et al. 1999), oder die Quantifizierung der Zytokine mit Hilfe spezifischer Fluoreszenz-markierter Sonden, die an das PCR-Produkt binden und über die Fluoreszenz Aussagen über die Stärke des PCR-Produktes geben (Taq-man®, Perkin-Elmer), stellen zuverlässigere Methoden zum Nachweis von Zytokinen dar.
Zur Identifizierung von T-Zell-Epitopen innerhalb von Proteinen wurden von verschiedenen Arbeitsgruppen Algorithmen entwickelt, die auf Grund von Strukturmerkmalen oder von empirisch ermittelten AS-Abfolgen Bindungsvorhersagen von Peptiden an den MHC-Komplex treffen. Mit Hilfe dieser Algorithmen ist es möglich, schnell und effizient potentielle T-Zell-Epitope innerhalb von Proteinen zu detektieren (Rothbard und Taylor 1988, Reyes et al. 1991). In der Literatur sind eine Vielzahl von Algorithmen beschrieben, doch eine Studie über die Zuverlässigkeit dieser Vorhersagen wies auf eine geringe Spezifität und Sensitivität vieler getesteter Algorithmen hin. In der Untersuchung von Deavin et al. (1996) zeigte sich, daß die Vorhersage von Rothbard und Taylor (1988) die einzige zuverlässige und exakte Vorhersage im Mausmodell ist. Im Humansystem lieferte der Algorithmus von Stille (1987) zuverlässige Vorhersagen. Auf Grund dieser Resultate wurden in dieser Arbeit diese beiden Algorithmen ausgewählt und auf die OvL3-Chitinase angewendet. Zusätzlich lieferte die Vorhersage der MHC-II-Bindungs-Motive aus der Arbeitsgruppe Rammensee (Universität Tübingen) weitere Informationen über mögliche T-Zell-Epitope innerhalb der Chitinase.
Bei diesem Ansatz sollten nicht nur T-Zell-Epitope innerhalb der Chitinase detektiert werden, sondern gleichzeitig die Algorithmen auf Zuverlässigkeit und Genauigkeit geprüft werden. Aus diesen Daten sollten Rückschlüsse gezogen werden, ob durch einzelne Algorithmen oder die Kombination von Algorithmen zuverlässig T-Zell-Epitope innerhalb von großen Datenbanken identifiziert werden können. Die vorhergesagten Epitope wurden als synthetische Peptide hergestellt und in Proliferationsassays auf ihre Fähigkeit getestet, Milzzellen von immunisierten Mäusen zur
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Proliferation anzuregen. Zusätzlich gewährleisteten überlappende Peptide, die die Gesamtheit des Proteins umfaßten, daß eine möglichst große Anzahl von T-Zell-Epitopen detektiert wurde.
Ursache für die unterschiedlichen Ergebnisse der Vorhersagen könnten in den verschiedenen Grundlagen der einzelnen Algorithmen liegen. Während sich die Vorhersage von Rothbard und Taylor
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und der Algorithmus von Humphreys auf sekundäre Strukturen oder Sequenz-Charakteristika stützen, wurden die MHC-Bindung-Motive von endogen prozessierten Protein-Antigenen bzw. die Präsentation der resultierenden Peptide durch den MHC-II-Komplex ermittelt. Von einigen Arbeitsgruppen (Takahashi et al. 1989, Berzofski et al. 1991) wurde diskutiert, daß die natürliche Prozessierung von Antigenen der essentielle Schritt bei der Generation von T-Zell-Epitopen darstellt. Die Prozessierung von Antigenen geschieht in Endosomen/Lysosomen von APC, wo Cathepsin B als Protease wirkt. Die Inhibition des Cathepsin B führte zum Verlust von Epitopen, die nach natürlicher Prozessierung bei dem Modell-Antigen Myoglobin entstanden. Auf Grund dieser Ergebnisse schlossen die Autoren, daß Cathepsin B notwendig und ausreichend für die Generation und Präsentation von Peptiden ist. Die Rammensee-Vorhersage wurde auf der Basis von natürlich prozessierten Antigenen erstellt. Damit wurden auch tatsächliche Schnittstellen von Proteasen berücksichtigt, so daß dies ein Grund für die guten Resultate der Rammensee-Vorhersage sein könnte. Der Nachteil dieser Vorhersage besteht in der Restriktion durch den MHC-Haplotyp. Jede Vorhersage muß gesondert für den jeweiligen MHC-II-Haplotyp erfolgen. Deshalb ist die Identifikation von sogenannten promiskuitiven Epitopen, die von einem breiten Spektrum von MHC-Haplotypen erkannt werden, wichtig. Derzeit gibt es noch keinen Algorithmus, der eine Erkennung der Epitope in großen Populationen gewährleistet, so daß die Prüfung von ermittelten Epitopen in großen Populationen von Individuen erforderlich ist. Eine weitere Schwierigkeit besteht in der eingeschränkten Übertragbarkeit der gefundenen Ergebnisse vom Maussystem auf das Humansystem. Die theoretischen Vorhersagen von MHC-Bindungs-Motiven innerhalb der OvL3-Chitinase für den genetischen Hintergrund von zwei verschiedenen Maus- und drei verschiedenen humanen MHC-Haplotypen zeigten deutliche Unterschiede in der Lokalisation von potentiellen T-Zell-Epitopen.103
im Pepscan gefundenen T-Zell-Epitope detektiert werden. Durch den Einsatz dieser synthetischen Peptide in Proliferationstests konnte eine Lokalisation der T-Zell-Epitope erfolgen. Zudem könnten diejenigen T-Zell-Epitope ausgewählt werden, die eine starke T-Zell-Reaktivität aufweisen und für die Entwicklung einer Vakzine verwendet werden.
Die vorhergesagten T-Zell-Epitope wurden in Form von synthetischen Peptiden hergestellt und in Proliferationsassays mit Milzzellen immunisierter Mäuse getestet. Während die Pepscan-Peptide als 16mere hergestellt wurden, wurden die Rammensee-Peptide mit einer Länge von 15 AS synthetisiert. Auch die vorhergesagten Epitope von Rothbard und Taylor wurden bis auf 3 Ausnahmen als 15mere hergestellt. Die Humphreys-Peptide wurden gemäß der Vorhersage synthetisiert und umfaßten 13 Aminosäuren. Es wurden BALB/c-Mäuse mit rekombinanter Chitinase in Kombination mit STP immunisiert und die isolierten Milzzellen mit den synthetischen Peptiden restimuliert.
Insgesamt waren die Proliferationswerte sehr niedrig, dennoch konnten reproduzierbare Aussagen über einzelne stimulierende Bereiche getroffen werden. Ähnlich geringe Proliferationswerte konnten auch in anderen Studien nach Stimulation mit Peptiden gefunden werden (Raulf-Heimsoth et al. 1998). Zusätzlich zeigt die #OvL3-Chitinase nur schwache Immunogentität. So konnten Milzzellen von Mäusen, die nur mit rekombinanter Chitinase ohne Adjuvans immunisiert wurden, nicht auf Restimulierung mit diesem Protein reagieren. Auch nach Immunisierung mit Chitinase und STP konnten nur Proliferationswerte bis 3000cpm gemessen werden.
Eine weitere Schwierigkeit trat während der Versuchsdurchführung auf. Bei Wiederholungen der Tests kam es zu immer schlechteren Proliferationswerten und nicht reproduzierbaren Ergebnissen. Erst die Analyse von Peptiden durch HPLC, die mehrfach aufgetaut und wieder eingefroren wurden und der
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Vergleich verschiedener Mikrotiterplatten konnte zeigen, daß es zur Degradation der Peptide und zur Adsorption der synthetischen Peptide an die Mikrotiterplatten kam. Das Aliquotieren der Peptide in Mikrotiterplatten, die dann jeweils für den entsprechenden Test aufgetaut und benutzt wurden, führte zu vergleichbaren Ergebnissen.105
einzelner AS zum MHC-Komplex kann die Immunantwort beeinflußt und verändert werden. Zudem ermöglichen unterschiedliche flankierende Bereiche den Zugang unterschiedlicher Peptidasen. Damit erfolgt die Präsentation unterschiedlicher Peptide, die wiederum unterschiedliche T-Zell-Antworten hervorrufen. Ein weiterer Faktor ist die Konzentration der eingesetzten Peptide. Untersuchungen an MHC-Klasse-I-Peptid-Komplexen ergaben, daß dominante Peptide schon in geringen Konzentrationen zu einer T-Zell-Antwort führten. Bei subdominanten Epitopen war eine deutlich höhere Konzentration notwendig, um eine Stimulation bei T-Zellen hervorzurufen (Busch und Pamer 1998). Zusätzlich hat die Konzentration der Peptide einen großen Einfluß auf die Ausprägung der T-Helfer-Antwort (Murray 1998). In der vorliegenden Arbeit wurden die Peptide mit einer Konzentration von 10µg/Vertiefung in die Proliferationstests eingesetzt. Dieser Wert wurde aus Literaturangaben übernommen, und es erfolgte keine Titration zur Bestimmung der optimalen Konzentration der Peptide. Dies lag zum einem an der großen Anzahl der zu testenden Peptide, zum andern sollte die Vergleichbarkeit der Peptide in den einzelnen Tests gewährleistet sein. Trotz dieser Schwierigkeiten konnten fünf Bereiche gefunden werden, die von allen Algorithmen vorhergesagt und in T-Zell-Tests bestätigt werden konnten.
In einem hyperendemischen Onchozerkosegebiet in Kamerun sollte die humorale und zelluläre Reaktivität von Onchozerkose-Patienten gegen die rekombinante Chitinase, die Chitin-Binde-Domäne getestet werden. Zusätzlich wurden Peptide der Chitinase in T-Zell-Proliferationtests eingesetzt.
Es erfolgte eine gründliche Anamese der Patienten. Durch Hautbiopsien und Beurteilung der
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Krankheitssymtome wurde die Schwere der Erkrankung ermittelt, jedoch erfolgte keine Einteilung in generalisierte und lokalisierte Onchozerkose oder in vermeintlich Immune (PI). Die Mikrofilarienlast der Patienten lag bei durchschnittlich 26 Mf/mg, so daß unter Berücksichtigung der anderen Parameter bei den meisten Patienten auf eine generalisierte Onchozerkose geschlossen werden konnte. Dies spiegelte sich auch in der Immunantwort der Patienten wieder. Während die T-Zell-Reaktivität gegen Mitogen unbeeinflußt blieb, wurde die ausgeprägte Hyporeaktivität dieser Patienten durch Stimulation mit dem Gesamtextrakt von O. volvulus-Würmern (OvAg) sichtbar. Erst der Einsatz hoher Konzentrationen erzielte meßbare Stimulationswerte. Auch die Restimulation mit 18 parallel untersuchten rekombinanten A. viteae- und O. volvulus-Antigenen erwies sich als schwierig. Diese ausgeprägte Hyporeaktivität ist bei Patienten mit generalisierter Onchozerkose vielfach beschrieben worden (Nutman et al. 1987; Bradley et al. 1995). Dennoch konnte die T-Zell-Reaktivität gegen einige rekombinante Proteine bei Onchozerkose-Patienten erfolgreich getestet werden, wenngleich auch in diesen Arbeiten die T-Zell Reaktivität gegen die rekombinanten Proteine schwach ausfiel (Arasu et al. 1989; Seeber et al. 1993). In unser Studie reagierten nur vereinzelt Patienten nach Stimulation mit Chitinase, CBD oder Chitinase-Peptiden. Die Arbeiten dieser Studie haben gezeigt, daß die Chitinase unter den getesteten Bedingungen eine TH2-Immunantwort induziert. Selbst BALB/c-Mäuse, die keiner generalisierten Hyporeaktivität unterliegen, waren nach Immunisierung mit Chitinase nicht in der Lage, auf eine Restimulation mit Chitinase mit Proliferation zu reagieren. Warum jedoch einige Patienten in der Lage waren, auf diese Antigene zu reagieren, konnte nicht geklärt werden. Keiner der untersuchten Parameter (Mf-Last, IgG-Subklassen, Alter) korrelierte mit den gefundenen Ergebnissen aus den T-Zell-Proliferationstests. Eine mögliche Ursache könnte in einem geeigneten MHC-Klasse-II-Haplotyp dieser Patienten liegen (Meyer et al. 1994). Eine weitere Erklärung könnte die Tatsache sein, daß diese Patienten nicht einer generellen Hyporeaktivität unterliegen, sondern daß ihre zelluläre Reaktivität durch bestimmte Faktoren (z.B. die Einnahme von Ivermectin) verbessert wurde. Untersuchungen in einem Patientenkollektiv, bei dem die Einteilung in die verschiedenen Krankheitsbilder erfolgt wäre, hätte die Einordnung der gefundenen Ergebnisse erleichtert.
Während bei allen untersuchten Patienten IgG-Antikörper gegen OvAg im Serum nachgewiesen werden konnten, enthielten 61% der Patienten IgG-Antikörper im Serum gegen die Chitinase bzw. 43% gegen die OvL3-CBD. Bei einem höheren Prozentsatz von Patienten konnten
-Chitinase-IgG4-spezifische Antikörper im Serum gefunden werden. Diese Differenzen lassen sich auf eine unterschiedliche Sensitivität im ELISA zurückführen, die durch die jeweilige Konjugatverdünnung bedingt wird. Die Antikörperantwort gegen die OvL3-CBD zeigte einen erhöhten Anteil an IgG3-Antikörpern. Mit Hilfe des Algorithmus von Kolaskar (1990) konnten auf dieser Domäne sehr viele
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potentielle B-Zell-Epitope lokalisiert werden (Daten nicht gezeigt). Offensichtlich scheint die OvL3-CBD eine wichtige Rolle bei der Ausprägung von TH1-Immunantworten zu spielen.
nachgewiesen werden. Obwohl die gemessenen INF-
-Werte in einem Bereich liegen, der in der Literatur für Antigene beschrieben wird, die eine TH2-Antwort induzieren (McHugh et al. 1996), konnte eine leicht verstärkte Reaktivität auf zellulärer und humoraler Ebene nach Stimulation mit OvCBD gefunden werden.
PBMC von 7 Patienten generierten Stimulationindizes von
2 nach Stimulation mit OvL3-CBD. Außerdem konnte ein erhöhter Anteil von
-CBD-IgG3-Antikörpern in den Seren der Patienten gefunden werden. Diese Domäne scheint wichtige Komponenten zu besitzen, die für die Ausprägung einer TH1-Antwort wichtig sind. Weitere Untersuchungen im A. viteae-Meriones-Modell mit TH1-induzierenden Adjuvantien werden wichtige Hinweise auf das protektive Potential dieser Domäne geben.108
Entwicklungszyklus des Parasiten bilden Angriffspunkte der Immunantwort, so daß eine TH2-Antwort für das Überleben der Würmer wichtig ist. Durch die Induktion von TH2-Zytokinen entzieht sich der Wurm der Immunantwort. Eine TH1-Antwort auf die Chitinase würde eine starke T-Zell-Reaktivität, eine hohe INF-
-Produktion und damit proinflammatorische Reaktionen hervorrufen. Zusätzlich würden die induzierten IgG3-Antiköper für die Aktivierung von Komplement sorgen, was zur Rekrutierung von Eosinophilen und zur antikörperabhängigen zellvermittelten Zytotoxizität führt. Mit dieser Immunantwort könnte es zu einer Abtötung der L3 kommen, so daß der Entwicklungszyklus unterbrochen wäre.
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