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3  Ergebnisse

3.1 Alter der Daten

Das Alter der Da­ten, gerechnet vom Zeitpunkt der Diagnose betrug durchschnittlich 9,1 Jahre, der Median lag bei 8 Jahren (Spannbreite, 1-32). Die meisten Daten stammen aus dem Zeitraum zwischen 1990 und 2000, siehe Tabelle 4.

Tab. 4: Alter der Daten

Jahre

Anzahl

Prozent

1960-1970

1

1.5

1970-1980

2

3.1

1980-1990

21

32.3

1990-2000

41

63.1

Total

65

100.0

3.2 Altersstruktur

Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Diagnose lag bei 51,3 Jahren, das mediane Alter betrug 53 Jahre. Die jüngste Patientin war 3 Jahre, die älteste Patientin 83 Jahre alt. Der Gipfel der Kurve war in der Altersklasse von 60-69 Jahren zu finden. In unserem Patientenkollektiv befanden sich drei pädiatrische Fälle (4,6%) im Alter von 3, 11 und 16 Jahren. Insgesamt sieben Patientinnen (10,8%) waren unter 30 Jahre alt.

Abb. 1: Altersverteilung


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Tab. 5: Alter bei Ersterkrankung in Jahren (n=65)

 

Durchschnitt

Standardabweichung

Minimum

Maximum

Median

Alter (Jahre)

51,3

17,9

3

83

53

Diese Daten erwiesen sich sowohl nach graphischer Darstellung im Histogramm, als auch nach Überprüfung mit dem Kolmogorov-Smirnov-Test als normalverteilt.

3.3 Gewicht und Größe

Daten über Gewicht und Größe lagen uns von 44 Patientinnen vor. Die mediane Größe betrug 164 cm (Spannbreite,149-184), das mediane Gewicht 65 (Spannbreite, 39-117). Rechnerisch ergab sich ein Bodymaß-Index von 24 (Normalbereich = 20-25).

Tab. 6: Größe und Gewicht

 

Zahl

Durchschnitt

Standardabweichung

Minimum

Maximum

Median

Größe (cm)

44

164,5

7,1

149

184

164

Gewicht (kg)

44

79

13,7

39

117

65

3.4 Reproduktiver und menopausaler Status

36 Patientinnen (55,4%) waren bei Diagnosestellung im postmenopausalen, 41,5% (n=27) im prämenopausalen Alter und 3,1% (n=2) befanden sich im präpubertalen Alter, (siehe Abbildung 2).

Keine Patientin war zum Zeitpunkt der Diagnose schwanger. Von 54 Patientinnen waren 17 (26,6%) Nullipara. Anamnestisch gaben die Patientinnen ein bis zu sechs Entbindungen an. Durchschnittlich betrug die Zahl der Partus 1,3, der Median lag bei einer Entbindung (0-6 Partus, siehe Tab. 7 und 8).


[Seite 14↓]

Abb. 2: : Reproduktionsstatus (n=65)

Tab. 7: Zahl der Geburten

Partus

Anzahl

Prozent

0

17

26.2

1

18

27.7

2

9

13.8

3

7

10.8

4

2

3.1

6

1

1.5

Total

54

83.1

Keine Angabe

11

16.9

Tab. 8: Zahl der Geburten

n

54

Durchschnitt

1.31

Standardabweichung

1,31

Median

1

Minimum

0

Maximum

6


[Seite 15↓]

3.5  Symptome und Anamnesedauer

In 58 Fällen konnten wir anamnestische Informationen zur Erstsymptomatik auswerten. Die verschiedenen Beschwerdebilder sind in Tabelle 9 aufgelistet.

Tab. 9: Erstsymptomatik

Symptom

Anzahl

Unspezifische abdominelle Beschwerden

21

Postmenopausale Blutungen

16

Meno- und Metrorrhagien

10

Keine Beschwerden

7

Andere Zyklusstörungen wie unregel­mäßiger Zyklus etc.

5

Aszites

4

Unklare Blutungen

4

Amenorrhoen

4

Akute vaginale Blutungen

4

Zunahme des Bauchumfanges

4

Gewichtszunahme

3

Gewichtsverlust

2

Miktionsbeschwerden

2

Spannungsgefühl in den Brüsten

1

Hitzewallungen

1

Verdauungsstörungen

1

Die Erstsymptomatik des Granulosazelltumors kann sowohl durch hormonelle Aktivität als auch durch das verdrängende Wachstum des Tumors geprägt sein. Wir unter­schieden deshalb zwischen mechanisch-abdominell und endokrinologisch verursachten Beschwerden (Abb. 3)

30 Patientinnen (46,2%) präsentierten sich primär mit endokrinen Symptomen, 20 (30,8%) hatten primär abdominelle Beschwerden, sieben (10,8%) klagten über beides. Acht Frauen (12,3%) waren asymptomatisch oder es fanden sich keine anamnestischen Angaben. Bei einer Patientin, die an einem Leiomyosarkom verstorben war, handelte es sich um einen Zufallsbefund post mortem.


[Seite 16↓]

Abb. 3: Erstsymptomatik (n=65)

Aszites trat in vier Fällen auf. Von Allgemeinsymptomen einer malignen Tumor­erkrankung, wie Gewichtsabnahme, Fieber und Nachtschweiß, wurde nicht berichtet.

Von Interesse war auch, ob bei den pädiatrischen Fällen hormonelle Veränderungen im Sinne einer Pseudopubertas praecox auftraten. Bei einer dreijährigen Patientin standen jedoch abdominelle Beschwerden im Vordergrund, eine 11-jährige Patientin litt unter unklaren vaginalen Blutungen.

3.5.1 Endokrinologische Symptome

Unter den durch Hormonsekretion entstehenden Symptomen, subsumierten wir postmenopausale Blutungen, Meno-, Metrorrhagien, generelle Zyklusstörungen, akute vaginale Blutungen und Amenorrhoen. Eine Patientin klagte über Spannungsgefühl in den Brüsten, ein seltenes Symptombild, bei dem aber ebenfalls die Hormonproduktion als Ursache im Vordergrund stehen könnte.


[Seite 17↓]

Tab. 10: Blutungsstörungen

 

n

Prozent

Postmenopausale Blutung

16

42%

Meno-,Metrorrhagien

10

26,3%

Andere Zyklusstörungen

4

1,5%

Amenorrhö

4

1,5%

Akute vaginale Blutung

4

1,5%

Gesamt

38

100%

Blutungsstörungen fanden sich insgesamt bei 38 von 65 Frauen (58%). Mit einer postmenopausalen Blutung präsentierten sich 16 Frauen, das entsprach 44% aller Frauen im postmenopausalen Alter (n=36). Bei den prämenopausalen Patientinnen wurden Zyklusstörungen, wie Meno- oder Metrorrhagien und akute Blutungen in der Anamnese dokumentiert. Vier Patientinnen (11%) fielen durch eine Amenorrhö auf.

Sechs Frauen hatten sich bereits vor Auftreten der Tumorerkrankung einer Hysterek­tomie unterzogen und konnten so nicht durch Blutungsstörungen auffallen.

3.5.2 Abdominelle Symptome

Abdominelle, in der Regel mechanisch verursachte Symptome, manifestierten als Zu­nahme des Bauchumfangs, Verdauungsstörungen, Miktions­beschwerden und unspezifische abdominelle Beschwerden, wie Schmerzen und Druckgefühl bei 20 von 65 Frauen (30,8%).

Wir zählten auch Gewichtszunahme und Aszites zu dieser Symptomgruppe. Aszites war ein seltenes Erstsymptom, das nur bei vier Patientinnen auftrat. Davon befanden sich zwei Patientinnen im Stadium I und jeweils eine im Stadium II und III.

3.5.3 Andere Symptome

Eine Patientin klagte über Gewichtsabnahme. Dieses Symptom stellte eine Ausnahme dar, so dass wir es keiner Symptomgruppe zuordneten. Bei einer anderen Patientin, ohne jegliche Symptome, wurde die Diagnose zufällig bei einer gynäkologischen Routine­untersuchung gestellt.

3.5.4 Anamnesedauer

Bei 52 Patientinnen konnten wir die Dauer der Symptome rekonstruieren. Die Zeit des Auftretens von Erstsymptomen bis zur endgültigen Diagnosestellung betrug bis zu 24 Monate, bei 18 Frauen mehr als sechs Monate. Durchschnittlich betrug die Dauer 5,2 Monate, der Median lag bei 1,8 Monaten (Spannbreite, 0-24).


[Seite 18↓]

Tab. 11: Zeit in Monaten bis zur endgültigen Diagnosestellung (n=52)

Durchschnitt

5,2

Standardabweichung

7,3

Median

1,8

Minimum

0

Maximum

24

Bei sieben Patientinnen erfolgte die Diagnosestellung erst spät, nachdem wegen chronischer Blutungsstörungen mehrfach kürettiert worden war, siehe Tabelle 12.

Tab. 12: Anamnesedauer

Monate bis zur Diagnose­stellung

Anamnese

Durchmesser des Tumors in cm

9

3 x Curettage

9

15

2 x Curettage

13

12

1 x Curettage

4

14

1 x Curettage

5

22

2 x Curettage

0,6

24

1 x Curettage

15

24

3 x Curettage

7

Wir überprüften weiterhin, ob die Dauer der Symptome mit der Art der Symptomatik zusammenhängt.

Tab. 13: Anamnesedauer und Symptome

Anamnesedauer

 

Hormonelln

Abdominell

n

Mehr als 6 Monate

Häufigkeit

15

2

 

Erwartete Häufigkeit

8,3

6.6

Weniger als 6 Monate

Häufigkeit

9

17

 

Erwartete Häufigkeit

15,7

12,4

Diese Unterschiede erwiesen sich als hochsignifikant (p<0,001).

Patientinnen, die durch mechanische Symptome auffielen, hatten also in der Regel eine kürzere Anamnesedauer, als Patientinnen die sich mit endokrinen Symptomen präsen­tierten.


[Seite 19↓]

3.5.5  Symptomatik und Tumorgröße

Wir verglichen die durchschnittliche Tumorgröße zwischen Patientinnen mit hormonellen bzw. mechanischen verursachten, abdominellen Symptomen.

In der Gruppe der Patientinnen mit endokriner Symptomatik lag die durchschnittliche Tumorgröße bei 8,3 cm und war damit deutlich kleiner als in der Gruppe mit Bauch­beschwerden (14,4 cm).

Tab. 14: Symptome und Tumorgröße

Symptome

n

Durchschnitt

Hormonell

26

8,28 cm

Abdominell

20

14,42 cm

Nach Bestätigung der Normalverteilung wies der t-Test zur Überprüfung unabhängiger Variablen diesen Unterschied mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p<0,001 als höchst signifikant aus. Trotz längerer Anamnesedauer (siehe vorhergehenden Abschnitt 3.5.4) sind Tumoren mit endokrinologischer Vorgeschichte bei Diagnosestellung kleiner als Tumoren, die durch eine abdominelle Beschwerden auffallen.

3.5.6 Palpationsbefund

60-70% dieser Tumoren waren aufgrund ihrer Größe der vaginalen oder abdominellen Palpation zugänglich. Diese einfache Untersuchungsmethode spielte deshalb eine wichtige Rolle bei der Diagnosefindung. Die Zahl der positiven Befunde war bei der vaginalen Untersuchung höher als bei der abdominellen.

Tab. 15: Abdomineller Tastbefund

 

Häufigkeit

Prozent

Positiv

33

50,8%

Falsch negativ

29

44,6%

Keine Angabe

3

4,6%

Tab. 16: Vaginaler Tastbefund

 

Häufigkeit

Prozent

Positiv

44

67,7%

Falsch negativ

9

26,2%

Keine Angabe

4

6,2%

Die Sensitivität beträgt 53% bei der abdominellen Untersuchung und 83% bei der vagi­nalen Untersuchung.


[Seite 20↓]

Wir überprüften, ob die Tumorgröße tatsächlich eine Rolle bei der manuellen vaginalen bzw. abdominellen Untersuchung spielte.

Tab. 17: Durchmesser des Tumors und abdomineller Tastbefund (p=0,007)

Tastbefund abdominell

n

Größe

Positiv

31

13,47 cm

Falsch negativ

25

7,34 cm

Tab. 18: Durchmesser des Tumors und vaginaler Tastbefund (p<0,001)

Tastbefund vaginal

n

Größe

Positiv

40

12,17 cm

Falsch negativ

15

6,17 cm

Diese Unterschiede erwiesen sich als hochsignifikant (p=0,007 bzw. p<0,001 im t-Test) Die Größe des Tumors führt zu einem positiven Befund bei der manuellen Unter­suchung. Tumoren mit einer durchschnittlichen Größe von 6-8 cm werden häufig nicht getastet.

3.5.7 Sonographie

Bei 22 Patientinnen lagen uns Informationen über eine vaginale Ultraschall­untersuchung vor. Einige Patientinnen wurden zu einem Zeitpunkt diagnostiziert, als die Ultraschalluntersuchung noch nicht üblich war, in anderen Fällen war der Ultraschall­befund nicht dokumentiert. Die vorhandenen Befunde sind in Tabelle 19 zusammen­gefasst.

Tab. 19: Ultraschallbefund

Befund

Anzahl

Prozent

Zystische Struktur

11

50 %

„Verdächtiger“ Befund

6

27 %

Unauffällig

3

14 %

Harnstauung

2

9 %

In den meisten Fällen entsprach der sonographische Befund einer zystischen oder semi­soliden Struktur des Tumors. In sechs Fällen wurde der Befund als „verdächtig“ beschrieben, wenn es sich um eine unklare Vergrößerung mit inhomogener Echo­struktur handelte. Einen falsch negativen Befund in der [Seite 21↓]sonographischen Untersuchung gab es bei nur drei Patientinnen. Bei diesen drei Frauen war die Tumorgröße kleiner als 3 cm (0,6-2,5cm). Die Sensitivität der sonographischen Untersuchung beträgt auf Grundlage dieser Daten 86%. Bei 16 von 19 Frauen mit einem positiven Ultraschall­befund, ergab sich auch ein positiver vaginaler Tastbefund. Nur bei drei Patientinnen war ein falsch negativer Tastbefund dokumentiert, die Tumorgröße betrug jeweils 5,10 und 13 cm.

3.6 Tumorstadium und Lokalisation

Zur Beschreibung des Tumorstadiums benutzten wir die Stadieneinteilung für Ovarial­karzinome nach FIGO (Fédération internationale de Gynécologie et d’Obstétrique) (45).

Tab. 20: FIGO Nomenklatur (Rio de Janeiro 1988)

FIGO

 

I

Tumor auf Ovar(ien) beschränkt

Ia

Tumor auf ein Ovar beschränkt

- kein Oberflächentumor, Kapsel intakt

Ib

Tumor auf beide Ovarien beschränkt

- kein Oberflächentumor, Kapsel intakt

Ic

Ovar(ien) befallen, mit Aszites oder zytologisch positiver peritonealer Spül­flüssigkeit

-Tumor an Ovaroberfläche oder Kapselruptur

II

Tumor befällt ein oder beide Ovarien und breitet sich im Becken aus

IIa

Ausbreitung auf Uterus oder Tuben

IIb

Infiltration anderer Beckenorgane

IIc

Stadium II A oder B mit Aszites oder zytologisch positiver peritonealer Spülflüssig­keit

III

Primärtumor mit Befall der Abdominalorgane

außerhalb des kleinen Beckens, der retroperitonealen Lymphknoten oder des Dünndarms und des Omentums (einschließlich Leberkapsel) (eventuell auch nur histologisch nachweisbar)

IIIa

Befall außerhalb des kleinen Beckens nur histologisch nachweisbar

IIIb

Einzelner Resttumor nach Laparotomie < oder = 2 cm Durchmesser

IIIc

Einzelne Resttumoren nach Laparotomie > 2 cm im Durchmesser

IV

Fernmetastasen (Leberparenchymmetastasen, zytologisch positiver Peuraerguß usw.)

Die Zuordnung zum Tumorstadium erfolgte üblicherweise intra- und postoperativ unter Berücksichtigung der histopathologischen Ergebnisse. 80% (n=52) aller Frauen wurden im Stadium Ia-c, 7,7% (n=4) im Stadium II diagnostiziert. 9,3% (n=6) befanden sich im Stadium III, zwei Patientinnen (3,1%) befanden sich im Stadium IV bei Erstdiagnose.


[Seite 22↓]

Abb. 4: Tumorstadien

Tab. 21: Tumorstadium

 

Häufigkeit

Prozent

I

52

80,0%

II

5

7,7%

III

6

9,2%

IV

2

3,1%

Total

65

100%

Tab. 22: Tumorstadium bei Erstdiagnose

 

Häufigkeit

Prozent

Ia

38

58,5%

Ic

14

21,5%

IIa

4

6,2%

IIb

1

1,5%

IIIa

2

3,1%

IIIb

2

3,1%

IIIc

2

3,1%

IV

2

3,1%


[Seite 23↓]

38 Tumoren (58,5%) wurden im Stadium Ia diagnostiziert. Die Mehrzahl war somit auf ein Ovar begrenzt. Bei 14 Patientinnen befanden sich die Tumoren im Stadium Ic (9,2%). Ein Pleuraaspirat wurde nur bei zwei Patientinnen zytologisch untersucht. Es ergab sich ein negativer Befund bei einer Patientin im Stadium Ia und ein positiver Be­fund bei einer Patientin im Stadium Ic nach intraoperativer Tumorruptur.

3.6.1 Lokalisation

Bei 52 Patientinnen war der Tumor auf ein Ovar beschränkt. In 23 Fällen war das linke, in 29 Fällen das rechte Ovar befallen.

Zur Infiltration des Corpus Uteri kam es bei zwei Patientinnen, bei einer war auch die Tube befallen, in vier weiteren Fällen wurden ein lokaler Befall von Sigma, Parametrien, Peritoneum oder Lymphknoten dokumentiert. Eine Fernmetastasierung oder extra­pelvine Metastasierung wurde bei Erstdiagnose nur bei zwei Frauen (3%) beobachtet.

Tab. 23: Lokalisation der Tumoren in den Stadien II-IV

FIGO

 

Lokalisation

II

1

Linkes Ovar, Tube

 

2

Rechtes Ovar, Parametrium

 

3

Linkes Ovar, Corpus Uteri

 

4

Beide Ovarien, Cervix

 

5

Rechtes Ovar , Parametrium

III

1

Beide Ovarien, retroperitoneale Lymphknoten, Omentum, Tube, Peritoneum, Corpus Uteri, Parametrium

 

2

Linkes Ovar, retroperitoneale Lymphknoten, Sigma

 

3

Beide Ovarien, Omentum, Peritoneum

 

4

Rechtes Ovar, Sigma

 

5

Beide Ovarien, Sigma, Beckenwand

 

6

Linkes Ovar, Omentum, kleines Becken

IV

1

Beide Ovarien, kleines Becken, retroperitoneal, Douglas, positive Zytologie, weitere Fernmetastasen

 

2

Linkes Ovar, Scheidenmetastase, weitere Fernmetastasen


[Seite 24↓]

Abb. 5: Lokalisation der Tumor, Quelle: www.OBGYNET.net (modifiziert)

1: Peritoneum oder Beckenwand 7,7% (n=5)
2: Ovarien, beidseitig 7,6% (n=5), Tube 1,5 %(n=1)
3: Uterus und Parametrien 6,1% (n=4)
4: Sigma oder Rectum 4,6% (n=3)
5: Infiltration der Blase 0%
6: Omentum 4,6% (n=3)

3.6.2 Tumorgröße in Abhängigkeit vom Stadium

Wir verglichen die Größe (jeweils größter Durchmesser) der Tumoren im Stadium I (n=47) mit denen im Stadium II-IV (n=11). Es ergab sich ein geringer Unterschied von 2,3 cm, der sich im t-Test als nicht signifikant erwies (p = 0,44).

Tab. 24: Tumorgröße in Abhängigkeit vom Stadium (p = 0,44)

FIGO

n

Durchschnitt

Standardabweichung

Standardfehler der Mittelwertes

I

47

10,3

5,94

0,86

II - IV

11

12

8,11

2,45

3.7 Operative Therapie

3.7.1 Operative Therapie im Stadium I

Die totale Tumorresektion wurde nach Aktenlage von allen Operateuren angestrebt.

Bei den Tumoren im Stadium I erfolgte die Durchführung einer Hysterektomie und bilateralen Adnektomie bei 35 Patientinnen. In zwei Fällen lag ein Zustand nach Hysterek­tomie vor und es wurde nur noch eine beidseitige Adnektomie durchgeführt. Bei zwei weiteren Frauen lag bereits ein Zustand nach Hysterektomie und einseitiger Adnektomie vor, so dass nur noch die verbleibende Adnexe entfernt werden musste. Bei zwei Patientinnen wurde nur eine beidseitige Adnektomie durchgeführt und der Uterus belassen. Bei 12 dieser Frauen wurde eine komplette oder partielle Omentek­tomie, bei drei der [Seite 25↓]Frauen eine Appendektomie durchgeführt.

Tab. 25: Operation im Stadium

n

Präoperativer Zustand

Erfolgte Operation

35

Keine Voroperation

Hysterektomie und Adnektomie bds.

2

Z.n. Hysterektomie

Beidseitige Adnektomie

2

Z.n. Hysterektomie und Adnektomie ein­seitig

Einseitige Adnektomie

3

pädiatrisch

Einseitige Adnektomie

7

Erhaltung der Fertilität gewünscht

 

2

intakt

Adnektomie bds.

1

intakt

Zufallsbefund bei Sektion

3.7.2 Erhaltung der Fertilität

Bei zehn Patientinnen wurde im Stadium FIGO Ia die Tumorresektion auf eine ein­seitige Adnektomie beschränkt und der Uterus sowie das kontralaterale Ovar erhalten um die Fertilität zu erhalten. Darunter befanden sich drei pädiatrische Patientinnen im Alter von drei bis 16 Jahren, die in der kinderchirurgischen Abteilung behandelt wurden. Bei weiteren acht adulten Patientinnen zwischen 21 und 45 Jahren sollte ebenfalls wegen ausdrücklichen Kinderwunsches mit einer einseitigen Adnektomie die Fertilität erhalten werden. Alle Patientinnen befanden sich im Stadium Ia-c (FIGO).

Wir überprüften einen Zusammenhang zwischen Art der Operation und der Rezidivrate, konnten aber keinen signifikanten Unterschied nachweisen (p=0,241). Unter den zehn Patientinnen, die organerhaltend operiert wurden, kam es nach einem medianen Follow-up von 82 Monaten zu einem Rezidiv (siehe Tabelle 26). Ein signifi­kantes Ergebnis bezüglich der Operationsprogredienz ist aus diesen Daten nicht abzu­leiten.

Tab. 26: Operation im Stadium

Operation

Total

Rezidiv

Medianes Follow-up

Beidseitige Adnektomie und Hysterektomie

42

11

86 (0-315) Monate

Einseitige Adnektomie

10

1

82 (13-191) Monate

3.7.3 Behandlung in den fortgeschrittenen Stadien II-IV

Primär wurde die komplette Resektion des Tumors in den Stadien II-IV angestrebt, nur bei einer Patientin (Stadium IV) ergab sich nach Probelaparatomie ein inoperabeler Befund. Bei zwei Patientinnen wurde multiviszeral vorgegangen.

Bei Betrachtung der postoperativen Ergebnisse, ließ sich im Stadium II eine deutlich bessere Tumorreduktion als im fortgeschritten Stadium erreichen. (siehe Tabelle. 27)


[Seite 26↓]

Tab. 27: Fallübersicht, Operation im Stadium II-IV (FIGO)

FIGO

n

Alter

Art der Operation

Multiviszeral

Ergebnis

II

1

52

Z.n. nach HE, Adnektomie bds., Omentektomie, pelvine Lymphknoten

Nein

m.t.*

 

2

66

Hysterektomie & Adnektomie bds., Omentek­tomie, pelvine & paraaortale Lymphonodek­tomie, Netz PE

Nein

m.t.*

 

3

53

Hysterektomie & Adnektomie bds., pelvine Lymphknoten, Appendektomie

Nein

m.t.*

 

4

42

Hysterektomie & Adnektomie bds., Omentek­tomie, Appendektomie

Nein

m.t.*

III

1

56

Debulking, Hysterektomie, Appendektomie, Omentektomie pelvine & paraaortale Lympho­nodektomie

Nein

≤ 2 cm

 

2

64

Hysterektomie & Adnektomie bds., pelvine Lymphonodektomie, Dickdarmresektion, Anus Praeter, Appendektomie

Ja

≤ 2 cm

 

3

39

Hysterektomie & Adnektomie bds., Omentekto­mie, Appendektomie

Ja

≤ 2 cm

 

4

75

Hysterektomie & Adnektomie bds., Dickdarmre­sektion, Appendektomie

Nein

≥2 cm

 

5

39

Debulking, Appendektomie

Nein

≤ 2 cm

 

6

36

Hysterektomie, Adnektomie unilateral, Omen­tektomie, pelvine & paraaortale Lymphonodek­tomie, Appendektomie

Nein

≤ 2 cm

IV

1

44

Hysterektomie & Adnektomie bds., Perito­nealflüssigkeit für Zytologie

Nein

≤ 2 cm

 

2

31

Probelaparatomie

Nein

≥ 2 cm

* m.t. = makroskopisch tumorfrei

Tab. 28: Operatives Ergebnis für alle Tumoren

Tumorrest

Häufigkeit

Prozent

Makroskopisch tumorfrei

54

83,1%

≤2 cm

8

12,3%

≥ 2 cm

2

3,1%

Keine Angabe

1

3,1%

Total

65

100%

Wir fanden außerdem einen starken Zusammenhang zwischen postoperativem Residual­tumor und der Überlebensrate (siehe Abschnitt 3.14.3).


[Seite 27↓]

3.7.4 Omentektomie

Ein Omentektomie oder Gewebeprobe des Omentums wurde bei 21 Frauen durchge­führt. Bei drei Patientinnen (7%) wurde auch histopathologisch ein Befall bestätigt.

Tab. 29: Omentumbefall

FIGO Tumorstadium

Omentektomie oder Gewebeprobe

Positiver Befund

I

12

0

II

4

0

III

5

3

Gesamt

21

3

3.7.5 Lymphknotenstatus

Eine Lymphknotenexstirpation oder -biopsie wurde bei sieben Patientinnen durchge­führt. In der histologischen Untersuchung ergab sich bei zwei Frauen (29%) ein positiver Befund.

Tab. 30: Lymphknotenstatus

Tumorstadium FIGO

Lymphknotenexstirpation, -biopsie

Positiver Befund

I

3

0

II

1

0

III

3

2

Gesamt

7

2

Beide Patientinnen mit positiven Lymphknotenstatus verstarben neun Monate nach der Operation.

3.7.6 Appendektomie

Neun Patientinnen wurde die Appendix entnommen, ein Befall wurde histologisch jedoch nicht bestätigt.

Tab. 31: Appendektomie

Stadium

n

Ia

3

IIa

2

III

4


[Seite 28↓]

3.7.7  Makropathologie und Tumorruptur

Bei 43 Patientinnen fanden wir Angaben zum makropathologischen Erscheinungsbild. 60,5% (n=26) fielen durch eine zystische Struktur auf.

Tab. 32: Intraoperatives Erscheinungsbild

Erscheinungsbild

Häufigkeit

Prozent

Mono-/polyzystisch

26

60,5%

Solide

11

25,6%

Kystomartig

2

4,6%

Adnexe unauffällig

4

9,3%

Total

42

100%

Bei insgesamt 59 Patientinnen fanden wir Angaben darüber ob es zur Ruptur kam oder der Tumor bei Resektion unversehrt blieb. Bei 28 Frauen wurde von einer Ruptur, einem Zerfall oder einer Punktion berichtet. Die Kapselruptur kann bereits präoperativ bestanden haben oder iatrogen verursacht sein. Nach Aktenlage wurde in 25 Fällen die Ruptur des Tumors während der Operation bemerkt, in zwei Fällen erwähnten die Operateure eine präoperative Tumorruptur. Es bleibt jedoch unklar, bei welchen Patien­tinnen eine spontane Ruptur schon vor der Operation stattgefunden gefunden hatte. Zweimal wurde der Tumor punktiert, wohl unter der Annahme, dass es sich um eine gutartige Zyste des Ovars handelte. In vier Fällen war die Konsistenz des Tumors so fragil, dass von einem regelrechten Zerfall des Tumors berichtet wurde. Bei zwei Patien­tinnen wurden die Operateure durch den spontanen Zerfall an ein Kystom erinnert, weshalb sie den Begriff „kystomartig“ verwendeten. Diese Frauen verstarben innerhalb von sechs Monaten.

Nur in zwei Fällen lag uns das Ergebnis einer zytologischen Untersuchung der Peritoneal­flüssigkeit vor. Wir verglichen die Überlebenszeiten zwischen den Patienten­gruppen mit und ohne Tumorruptur.


[Seite 29↓]

Abb. 6: Tumorruptur und Überlebenszeit

Im Log-Rank-Test erwiesen sich diese Ergebnisse als nicht signifikant (p=0,247).

Tab. 33: Tumorruptur

 

Häufigkeit

Prozent

Resektion in toto (Tumor unversehrt)

32

49,2%

Ruptur des Tumors (spontan, präoperativ oder iatrogen)

21

32,3%

Intraoperativ punktiert

2

3,1%

Regelrechter Zerfall

4

6,2%

Unzureichende oder keine Angaben

6

9,2%

Total

65

100%

3.8 Zytostatische Chemotherapie

3.8.1 Chemotherapie bei Ersterkrankung

Eine Chemotherapie wurde bei Ersterkrankung bei 18 Frauen (28%) im Anschluss an eine operative Therapie durchgeführt. Das mediane Follow-up betrug 98 Monate (6-189), bei einer Patientin war ein Follow-up nicht möglich. Insgesamt wurden neun verschiedene Therapieregime eingesetzt, siehe Tabelle 35.


[Seite 30↓]

Tab. 34: Chemotherapie und Stadium

FIGO

n

Chemotherapie erhalten

Prozent im jeweiligen Stadium

I

52

9

17%

II

5

3

60%

III

6

5

83%

IV

2

1

50%

Tab. 35: Chemotherapie bei Ersterkrankung

Art der Chemotherapie

Häufigkeit

Keine

47

Carboplatin/Cisplatin und Cyclophosphamid

6

Cyclophosphamid, Methotrexat, und 5-Floururacil

4

Vincristin, Cyclophosphamid und Adriamycin/Dactinomycin

3

Cyclophosphamid

1

Cisplatin, Bleomycin und Etoposid

1

Carboplatin und Etoposid

1

Carboplatin und Paclitaxel

1

Actinomycin, Cyclophosphamid und 5-Floururacil

1

Zwei bis sechs, mediane 4 Zyklen wurden appliziert. In zwei Fällen wurde ein Abbruch wegen Tumorprogredienz und myelotoxischer Nebenerscheinungen dokumen­tiert, detaillierte Angaben wurden nicht gemacht.

Tab. 36: Chemotherapie

 

Total

Prozent

Chemotherapie

18

27,7%

Keine Chemotherapie

47

72,3%

 

65

100%

Wir untersuchten den Einfluss der adjuvanten Chemotherapie auf das Überleben.


[Seite 31↓]

Abb. 7: Chemotherapie und Überleben (p=0,62)

Nach Überprüfung mit dem Log-Rank-Test ergab sich ein p-Wert von 0,62 (nicht signifi­kant). Es ist anzumerken, dass unsere Datenlage eine weitere Stratifizierung des Patienten­kollektivs nach jeweiligem Stadium und weiteren Kofaktoren nicht zuließ.

Bei neun Patientinnen enthielt die Chemotherapie Platinkomponenten (siehe Tab 37).

Tab. 37: Platinhaltige Kombinationschemotherapien

Platinhaltig?

Häufigkeit

Prozent

Ja

9

50 %

Nein

9

50 %

Total

18

100.0

Ein Unterschied der Überlebenszeiten zwischen der Behandlung mit platinhaltigen versus nicht-platinhaltigen Substanzen erwies sich im Log-Rank Test als nicht signifi­kant (p=0,3).

3.8.2 Chemotherapie im Stadium I

Neun Patientinnen erhielten eine adjuvante Chemotherapie im Stadium FIGO I. Dabei wurden verschiedene Polychemotherapien appliziert. In zwei Fällen enthielten diese platinhaltige Komponenten. Alle Patientinnen wurden zuvor radikal operiert, d.h. sie unterzogen sich einer Hysterektomie und bilateralen Adnektomie. Das mediane Follow-up betrug 161 Monate (Spannbreite, 33-189).


[Seite 32↓]

Bei zwei der neun Frauen (22%) kam es nach Behandlung mit nicht-platinhaltigen Kombinationen zum Rezidiv. Einen Vergleich der Überlebens­zeiten im Stadium I zwischen den Patientinnen mit und ohne adjuvante Chemotherapie ergab kein signifikantes Ergebnis (p=0,23).

Tab. 38: Adjuvante Chemotherapie im Stadium Ia-c

Art der Therapie

n

Zyklen

Überleben in Monaten

Carboplatin und Etoposid

1

6

RF* 76

Carboplatin und Cyclophosphamid

2

3 und 6

RF* 33 und 108

Cyclophosphamid, Vincristin, Adriamycin

1

3

RF* 161

Cyclophosphamid, Methotrexat und 5-Floururacil

4

2-6

LR* 180 und 115

RF* 148 und 189

Cyclophosphamid

1

6

RF 164

*LR: am Leben mit Rezidiv, RF: Rezidivfrei

3.8.3 Chemotherapie im fortgeschrittenen Stadium und in der Rezidivsituation

16 Patientinnen mit Tumoren im Stadium II-IV (n=19) und in der Rezidivsituation (n=6) erhielten nach Operation eine zytostatische Anschlusstherapie. Das mediane Follow-up betrug 78 Monate (Spannbreite, 5-155 Monate). Bei einer Frau war ein Follow-up nicht möglich. Das mediane Alter der Patientinnen betrug 47,5 Jahre (Spannbreite 31-75).


[Seite 33↓]

Tab. 39: Chemotherapie im Stadium I-IV und bei Rezidiv

Stadium*(FIGO)

Operation

Tumorrest

Chemo

Zyklen

Follow-up, Monate

Status

Rezidiv­inter­vall

II

TAH+BSO+APP

makroskopisch tumorfrei

Dactinomycin, Cyclophosphamid und 5 FU

6

98

ohne Rezidiv

.

II

TAH+BSO+APP

+OMENT

makroskopisch tumorfrei

Actinomycin, Cyclophosphamid und 5 FU

6

78

ohne Rezidiv

.

II

TAH+BSO

+OMENT+LYMPHO

makroskopisch tumorfrei

Carboplatin und Taxol

6

34

Lebend mit Rezidiv

19

III

TAH+BSO

+OMENT+LYMPHO

< 2 cm

Cisplatin und Cyclophosphamid

3

9

verstorben

 

III

TAH+BSO

+OMENT+APP

+LYMPHO

< 2 cm

Carboplatin und Cyclophosphamid

3

9

verstorben

.

III

AORT. LYMPH

< 2 cm

Cisplatin und Cyclophosphamid

6

132

Lebend mit Rezidiv

93

III

TAH+BSO

+OMENT+APP+

LYMPHO

< 2 cm

Cisplatin, Etoposid und Bleomycin

6

0

unbekannt

.

III

DEBULKING BECKEN

makroskopisch tumorfrei

Carboplatin und Cyclophosphamid

2

6

verstorben

.

III

TAH+BSO

OMENT+APP+

DARMRESK.

makroskopisch tumorfrei

Cisplatin und Cyclophosphamid

4

6

Lebend mit Rezidiv

.

IV

INOPERABEL

> 2cm

Vincristin, Cyclophosphamid und Adriamycin

3

5

verstorben

.

Rezidiv

DEBULKING, INFILTRATION BAUCHDE­CKE

makroskopisch tumorfrei

Carboplatin und Cyclophosphamid

4

95

Lebend mit Rezidiv

57

Rezidiv

TAH, DEBULKNIG, SIGMOIDEK

makroskopisch tumorfrei

Carboplatin und Cyclophosphamid

6

63

verstorben

27

Rezidiv

DEBULKING+

OMENT+APP+

PELVINE LYMPH

makroskopisch tumorfrei

Carboplatin und Cyclophosphamid

6

86

Lebend mit Rezidiv

?

Rezidiv

DEBULKING+

RETROPERIT.

makroskopisch tumorfrei

Cisplatin, Etoposid und Bleomycin

2

145

Lebend mit Rezidiv

32

Rezidiv

DEBULKING+OMENT

makroskopisch tumorfrei

Cisplatin, Vinblastin und Bleomycin

3

85

Lebend mit Rezidiv

60

Rezidiv

DEBULKING BIS RIPPENBOGEN

makroskopisch tumorfrei

Cyclophosphamid und 5-FU

5-FU

Dauerinfu­sion

155

verstorben

36


[Seite 34↓]

Bei 12 dieser Frauen (75%) kamen platinhaltige Polychemotherapien zum Einsatz.

Wir selektierten die 11 Patientinnen mit Rezidiv oder im fortgeschritten Stadium, die mit platinhaltigen Substanzen behandelt worden waren. Die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug 67 Monate, der Median 63 Monate (Spannbreite, 6-145). Alle Patientinnen im Stadium III waren in dieser Zeit am Rezidiv erkrankt. Das Gesamtüberleben betrug 61% nach 10 Jahren, der Median wurde nicht erreicht.

Abb. 8: Überlebensrate bei 11 Patientinnen nach platinhaltiger Chemotherapie


[Seite 35↓]

3.9  Strahlentherapie

Acht (12,3%) der Patientinnen erhielten postoperativ ein Strahlentherapie. Bei drei dieser Frauen wurde die Strahlentherapie primär wegen eines Adenokarzinoms des Endometriums durchgeführt (siehe Tab. 40).

Tab. 40: Radiotherapie

FIGO

Art der Radiotherapie

Überleben (Monate)

I

Cobalt-60, 50 Gy perkutan

164 mit Rezidiv

 

40 Gy perkutan

161 rezidivfrei

 

40 Gy perkutan

189 rezidivfrei

 

Perkutan wegen Adenokarzinoms des Uterus

180 rezidivfrei

 

Afterloading vaginal wegen Adenokarzinoms des Uterus

148 rezidivfrei

 

Afterloading vaginal wegen Adenokarzinoms des Uterus 20 Gy

Keine Angabe

II

Perkutan und Afterloading 20 Gy

78 rezidivfrei

IV

40 Gy, perkutan

6 verstorben

Auch in der Rezidivsituation wurde bestrahlt (siehe Tab 41)

Tab. 41: Bestrahlung in der Rezidivsituation

Art der Radiotherapie

Überleben (Monate)

40 Gy perkutan, sakral

95 mit Rezidiv

Parametrial 42 Gy

120 mit Rezidiv

50,4 Gy

39 mit Rezidiv

Keine Angabe

103 mit Rezidiv

Vaginale Radiumeinlage

2 Verstorben

3.10 Andere Therapien

Nur eine Patientin erhielt eine postoperative Therapie (FIGO Ia) mit Tamoxifen und Anastrozol, die sequentiell erfolgte. Diese Patientin blieb nach einem Follow-up von 54 Monaten rezidivfrei.

3.11 Rezidiv

Bei 19 Patientinnen kam es zum Rezidiv. Durchschnittlich betrug das krankheitsfreie Intervall 67 Monate, der Median lag bei 55 Monaten (Spannbreite, 3-221). Die Berechnung der Rezidivrate erfolgte nach Kaplan-Meier und betrug 43% nach 10 Jahren (Abb. 9).


[Seite 36↓]

Tab. 42: Krankheitsfreies Intervall in Monaten

n

19

Durchschnitt

69,4 Monate

Median

60 Monate

Minimum

3 Monate

Maximum

221 Monate

Abb. 9: : Rezidivrate


[Seite 37↓]

Abb. 10: : Krankheitsfreie Intervalle in Monaten

Nach statistischer Überprüfung der Unterschiede zwischen den krankheitsfreien Inter­vallen nach dem ersten, zweiten, dritten und vierten Rezidiv (siehe Tab. 43 und Abb. 11) mit dem Friedman-Test ergab sich ein p-Wert von 0,537 (nicht-signifikant). Die Überprüfung ob es einen Unterschied nur zwischen dem ersten und zweiten Rezidiv­intervall gab, ergab einen grenzwertig signifikantes Ergebnis (Wilcoxon-Test) hier be­trug die Irrtumswahrscheinlichkeit p=0,05 (siehe Tab. 43).

Tab. 43: Krankheitsfreies Intervall in Monaten

Patientin

1. Rezidiv

2. Rezidiv

3. Rezidiv

4. Rezidiv

n

19

10

3

3

Durchschnitt

68,9

53,6

42

21,3

Median

55

46,5

44

14

Mittlerer Rang

(Friedman-Test)

3,17

2,50

2,67

1,67


[Seite 38↓]

Abb. 11: Medianes krankheitsfreies Intervall in Monaten

3.11.1 Überleben nach Rezidiv

Die kumulierte Überlebensrate (Kaplan-Meier) nach Auftreten des ersten Rezidivs be­trug 56,8%, nach 10 Jahren. Die durchschnittliche Überlebenszeit betrug 82 Monate, der Median wurde nach 120 Monaten noch nicht erreicht.

Abb. 12: Überlebensrate nach Auftreten des ersten Rezidivs


[Seite 39↓]

3.11.2  Lokalisation von Rezidiven

Rezidive können im kleinen Becken oder extrapelvin, zumeist in der Bauchhöhle ent­stehen. Fernmetastasen in Lunge oder Skelett traten nur bei einer Patientin auf. Bei einer Frau rezidivierte der Tumor in der Leiste. Ein paraaortaler oder pelviner Lymph­knotenbefall wurde nur bei einer Patientin mit Rezidiv betätigt, allerdings ist nach Akten­lage auch nur bei zwei Frauen eine retroperitoneale Lymphonodektomie durchgeführt worden. Je nach Höhe der befallenden Organe haben wir so eine anatomische Ein­teilung in vier Abschnitte vorgenommen: supradiaphragmal, extrapelvin-abdominal, pelvin und inguinal.

Abb. 13: Lokalisation von Rezidiven (n = 18)

Tab. 44: Lokalisation bei Erstrezidiv

Supradiaphragmal

1

5,3

Extrapelvin-abdominal

8

42,1

Pelvin

8

42,1

Inguinal

1

5,3

Fernmetastase (ossär)

1

5,3

Wir überprüften den Zusammenhang zwischen Lokalisation und Überlebenszeit nach Erstrezidiv (siehe Abb. 14). Diese Ergebnisse erwiesen sich im Log-Rank-Test als nicht signifikant (p=0,228).


[Seite 40↓]

Abb. 14: Überleben pelvin (n=9) versus extrapelvin (n=14)

3.12 Allgemeine Daten zur Pathologie

3.12.1 Tumorgröße

Wir entnahmen die Größe der Tumoren den histopathologischen Befunden, eine An­gabe, die uns bei 58 Patientinnen zur Verfügung stand. Wir benutzten jeweils den größten Durchmesser zur statistischen Auswertung. Durchschnittlich betrug die Größe 10,6 cm, der Median lag bei 10 cm (Spannbreite, 0,6-28), siehe Tabelle 45. Auch nach Überprüfung mit dem Kolmogorov-Smirnov-Test erwiesen sich die Werte als normal­verteilt.

Tab. 45: Tumorgröße in Zentimeter

n

Minimum

Maximum

Durchschnitt

Median

Standardabweichung

58

0,6 cm

28 cm

10,6 cm

10 cm

6,36 cm


[Seite 41↓]

Abb. 15: Tumorgröße

3.12.2 Mitoserate

Bei 37 Patientinnen wurde die Mitoserate vom Pathologen beschrieben. Wir unter­schieden zwischen „hoher“ und „niedriger Mitoserate. 5/10 mitotische Figuren oder mehr im HPF (High Power Field) entsprachen einer erhöhten mitotischen Aktivität. Beschreibungen wie, „mäßige“ Mitoserate oder ähnliche, wurden als „niedrige“ Mitose­rate interpretiert.

Tab. 46: Mitoserate

 

Häufigkeit

Prozent

niedrige/mäßige Mitoserate

27

41.5%

erhöhte Mitoserate

10

15.4%

Keine Angabe

28

43%

Gesamtzahl

65

100%

Wir überprüften den Zusammenhang zwischen Mitoserate und Stadium mit dem

Chi-Quadrat-Test. Nach Pearson ergab sich ein sehr signifikanter Chi-Quadrat-Wert von p=0,04, im Fisher-Test ergab sich ein signifikanter Wert von p=0,014.


[Seite 42↓]

Tab. 47: Mitoserate in Abhängigkeit vom Stadium

FIGO

 

Niedrige oder mäßige Mitoserate

hohe Mitoserate

Stadium I

Anzahl

26

6

 

Erwartete Anzahl

23,4

8,6

Stadium II-IV

Anzahl

1

4

 

Erwartete Anzahl

3,6

1,4

Wir bestimmten das Ausmaß dieser Assoziation und es ergab sich sowohl nach Pearson`s als auch nach Spearman mit einem Korrelationskoeffizenten von 0,472 eine geringe Korrelation, die sich als sehr signifikant erwies (p=0,003).

3.12.3 Tumorgröße und Mitoserate

Wir untersuchten weiter, ob ein Zusammenhang zwischen Tumorgröße und Mitoserate bestand. Es ergab sich ein Unterschied von 1,5 cm, der sich als nicht signifikant erwies (p=0,5).

Tab. 48: Mitoserate und Tumorgröße

Mitose

n

Mittelwert

Standardabweichung

Standardfehler

hohe Mitoserate

9

12,1

5,18

1,7

niedrige Mitoserate

27

10,5

6,44

1,24

3.12.4 Überlebenszeit und Mitoserate

Nach Kaplan-Meier analysierten wir den Zusammenhang zwischen Mitoserate und Überlebenszeit.

Hier waren die Unterschiede hochsignifikant (p=0,000). Die Überlebensrate betrug 100% nach 120 Monaten bei einer niedrigen bis mäßigen Mitoserate.

Eine hohe Mitoserate geht in unserer Studie somit mit einer deutlich schlechteren Prognose einher.


[Seite 43↓]

Abb. 16: Überlebenszeit und Mitoserate (p=0,000)

3.12.5 Östrogenbedingte Veränderungen am Endometrium

Bei 41 Patientinnen verfügten wir über den histologischen Befund des Endometriums. Was als Hyperplasie I-II oder einfach als Veränderung im Sinne eines hochaufgebauten Endometrium diagnostiziert wurde, fassten wir als „östrogenbedingte Veränderung” zusammen.

Eine Hyperplasie III Grades oder ein Adenokarzinom wurde bei fünf Frauen histologisch diagnostiziert.

Tab. 49: Östrogenbedingte Veränderung am Endometrium

 

Häufigkeit

Prozent

Gültige Prozente

Östrogenbedingte Veränderung

32

49,2%

78%

Karzinom

5

7,7%

12,2%

unauffällig

4

6,2%

9,8%

Keine Angaben

24

36,9%

-

Total

65

100%

100%

3.13 Tumormarker und Hormonstatus

Tumormarker wurden äußerst selten bestimmt und nicht in unserer Auswertung aufge­nommen. Gleiches gilt für Hormonbestimmungen aus dem Serum


[Seite 44↓]

3.14  Überlebenszeiten

Die folgenden Berechnungen stützen sich auf Daten, die multizentrisch erhoben wurden (siehe Abschnitt 2.1). Von 65 Patientinnen, die zwischen 1968 und 2000 erstmalig am Granulosazelltumoren erkrankten, wurden Follow-up Daten bis zum 1. Juli 2001 berücksichtigt. Das mediane Follow-up betrug 75 Monate, mit einer Spannbreite bis zu 315 Monaten. Überlebenszeiten wurden nach der Kaplan-Meier Methode bestimmt (siehe Abschnitt 2.4).

Die kumulierte Fünfjahres-Überlebensrate für alle Fälle betrug 87%, die Zehnjahres-Überlebensrate lag bei 76%.

Abb. 17: Gesamtüberlebenszeiten nach Kaplan-Meier im Zeitraum von 10 Jahren

3.14.1 Alter und Überleben

Wir verglichen die Gruppe der unter 50-jährigen mit den Patientinnen, die älter als 50 Jahre waren (siehe Abb.18). Wir fanden keinen signifikanten Unterschied bezüglich der Überlebenszeiten nach Überprüfung mit dem Log-Rank-Test (p=0,448).


[Seite 45↓]

Abb. 18: Überlebenszeiten und Alter

3.14.2 Überlebenszeit und Tumorstadium

Wir untersuchten die Überlebenszeiten im jeweiligen Tumorstadium I-IV (FIGO). Die kumulierten Überlebensraten im Stadium I betrugen 87,2%, Im Stadium II, 75%, im Stadium III, 20% und im Stadium IV, 0% nach 10 Jahren.

Tab. 50: Kumulierte Fünf- und Zehnjahresüberlebensraten

Stadium

(FIGO)

n

5-Jahresüberleben

10-Jahresüberleben

I

52

95%

87%

II

5

75%

75%

III

6

40%

20%

IV

2

50%

0%

Da nur wenige Frauen in den fortgeschrittenen Tumorstadien II-IV diagnostiziert wurden, fassten wir diese zu einer Gruppe zusammen, um den Zusammenhang zwischen Stadium und Prognose zu verdeutlichen (siehe Abb. 19). Die geschätzte, durchschnittliche Überlebenszeit betrug nach dieser Auswertung (Kaplan-Meier) 113 Monate im Stadium I und 67 Monate im Stadium II-IV. Die Signifikanzprüfung mit dem Log-Rank-Test ergab einen hochsignifikanten Wert (p=0,000).


[Seite 46↓]

Abb. 19: Überlebensfunktion Tumorstadium I versus II-IV (p=0,000)

3.14.3 Überlebenszeit und Tumorrest

Wir überprüften den Zusammenhang zwischen postoperativer Tumorlast und Überlebens­zeit im fortgeschrittenen Stadium. 54 Patientinnen waren makroskopisch tumorfrei, bei 10 Patientinnen war eine komplette Tumorresektion nicht möglich. Nach Überprüfung mit dem Log-Rank-Test erwiesen sich auch diese Unterschiede als hochsignifikant (p<0,001).


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Abb. 20: Tumorrest und Überleben

3.14.4 Prognosefaktoren

Wir überprüften das Überleben, wenn alle drei Risikofaktoren (Residual­tumor, Stadium und Mitoseindex) zusammen auftraten, im Vergleich zu der Gruppe, bei denen weniger als drei Prognosefaktoren auftraten.


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Abb. 21: Prognosefaktoren

Diese Ergebnisse erwiesen sich als hoch-signifikant (p<0,001) im Log-Rank-Test. Es ist allerdings anzumerken, dass bei nur drei Patientinnen alle drei Prognosefaktoren gleichzeitig auftraten. Das mediane Überleben in dieser Gruppe lag bei 9 Monaten (Spannbreite, 6-9).


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08.03.2004