2. Einleitung

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In den heutigen Industrieländern dominieren zwei Infektionskrankheiten mit oralen Ausprägungen das klinische Bild in der Bevölkerung: Karies und Parodontitis. In den vergangenen Jahrzehnten wurden mehrere Ansatzpunkte gesucht, die eine Senkung der Inzidenz bedingen sollen. Orientiert man sich an dem 1987 von KÖNIG entwickelten Modell, welches der Karies und entsprechend der Parodontitis die ätiologischen Faktoren „Wirt“, „Mikroorganismen“, „Substrat“ und „Zeit“ zu Grunde legt, ergeben sich vier mögliche
Wege, auf die Entwicklung dieser beiden Erkrankungen Einfluss zu nehmen. Die individualprophylaktischen karies- und parodontalpräventiven Maßnahmen greifen z.B. über Veränderungen der Faktoren „Zeit“ und „Substrat“ entscheidend in die Mundgesundheit ein. In Bezug auf Karies sind bereits Erfolge im Sinne einer Inzidenzsenkung nachweisbar. Gleiches zeichnet sich jedoch trotz professioneller Präventivmaßnahmen noch nicht für das Krankheitsbild der Parodontitis ab. In Anbetracht des wachsenden Bewusstseins der Bevölkerung für die aktiv beeinflussbare orale Situation ist daher zu vermuten, dass gerade für die Parodontalerkrankungen spezifische und unspezifische Abwehrreaktionen des Körpers, der „Wirt“ selbst, eine ausschlaggebende Rolle spielen.

Mikrobielle Angriffe rufen eine spezifische immunologische Schutzreaktion des Körpers hervor. Vor deren verzögertem Einsetzen bedient der Körper sich einer reflektorischen unspezifischen Abwehr, die grob als ´first line of defence´ umschrieben wird. Das Ausmaß und die Bedeutung dieses Schutzmechanismus sind in ihrer Gesamtheit noch nicht geklärt. Das Institut für Laboratoriumsmedizin und Pathobiochemie, Campus Virchow-Klinikum der Charité – Universitätsmedizin Berlin, hat in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Zahnmedizin, Campus Virchow-Klinkum der Charité – Universitätsmedizin Berlin, bereits Studien zur weiteren Erforschung möglicher Komponenten einer ´first line of defence´ durchgeführt. Dabei sind Glykokonjugate des Speichels auffällig geworden. Sie sind in der Lage, hochspezifisch über Glykanstrukturen an bestimmte bakterielle Lektine zu binden. Somit ist es möglich, dass deren Adhärenz an Oberflächenstrukturen im Mundraum und die weitere Entstehung von Karies und Parodontopathien behindert wird. Des Weiteren zeigte sich eine erhöhte Konzentration bestimmter Glykanstrukturen bei Personen, die unter einem überdurchschnittlich hohen Kariesbefall bzw. unter Parodontitis leiden.

Vor diesem Hintergrund ergab sich als offene Fragestellung und Ziel der nachfolgenden Untersuchung, in wie weit die Speicheldrüsen durch die quantitativ und qualitativ veränderte Produktion und Sekretion von Glykanen auf eine Zunahme der oralen bakteriellen Belastung reagieren und im Sinne einer ´first line of defence´ der reflektorischen Schutzreaktion des Körpers dienen.


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13.04.2006