5. Ergebnisse

5.1. Struktur der Stichproben

▼ 43 (fortgesetzt)

Alle gewonnenen Speichelstichproben stammen von 14 männlichen, allgemeinanamnestisch unauffälligen, oral gesunden, nicht-rauchenden Probanden, welche an dem Zentrum für Zahnmedizin, Campus Virchow – Klinikum, Charité - Universitätsmedizin Berlin, studierten oder dort als Patienten vorsprachen.

▼ 44 

Bei Betrachtung ihres Alters von 22 bis 37 Jahren ergab sich eine Altersdifferenz von 15 Jahren und ein Altersmittelwert von 27,8 Jahren mit einer Standardabweichung von 4,8 Jahren.

5.2. Klinische Befunde

5.2.1. Hygienestaten

Mit Hilfe eines modifizierten Plaqueindex nach QUIGLEY & HEIN (= QH) (Quigley & Hein 1962) wurde die Zunahme der Plaque auf den Zahnoberflächen registriert. Mit einem modifizierten Papillen-Blutungs-Index nach MÜHLEMANN & SON (= PBI) (Mühlemann & Son 1971) ergab sich ein Maß für die gingivale Entzündungsneigung. Die Größe beider Indices stellt einen absoluten Zahlenwert nach Aufsummierung der beobachteten Einzelwerte pro Zahn und Division durch die Zahnanzahl dar.

Als Ergebnisse der Mundhygienestaten wurden folgende Werte zusammengetragen und tabellarisch zur Erkennung ihres Verteilungsmusters als Median bzw. Perzentil 25 sowie 75 wiedergegeben:

▼ 45 

Tabelle 9: modifizierter Plaqueindex nach QH der Probanden an den Versuchstagen

 

QH – Entwicklung - tabellarisch -

QH am Tag

Median

Perzentil 25

Perzentil 75

„x“

0,69

0,47

1,03

„x+2“

0,66

0,48

1,00

„x+5“

1,12

0,81

1,56

„x+8“

1,81

1,48

2,08

„x+13“

2,62

2,44

2,78

Abbildung 12: graphische Darstellung der Schwankungen um den Medianwert des modifizierten Plaqueindex nach QUIGLEY & HEIN an den entsprechenden Versuchstagen;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***

Die ermittelten Durchschnittswerte des modifizierten Plaqueindex nach QUIGLEY & HEIN zeigen nach Aussetzen der Mundhygienemaßnahmen eine stetige Augmentation.

▼ 46 

Die graphische Aufarbeitung der Werte des PBI erfolgte in gleicher Weise:

Abbildung 13: graphische Darstellung der Schwankungen um den Medianwert des modifizierten PBI an den entsprechenden Versuchstagen;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***

Tabelle 10: modifizierter Papillen-Blutungs-Index nach MÜHLEMANN & SON der Probanden an den jeweiligen Versuchstagen

 

PBI – Entwicklung - tabellarisch -

PBI am Tag

Median

Perzentil 25

Perzentil 75

„x“

0,12

0,12

0,19

„x+2“

0,19

0,19

0,25

„x+5“

0,25

0,19

0,31

„x+8“

0,31

0,25

0,53

„x+13“

0,44

0,28

0,59

▼ 47 

Es wird anhand der Medianwerte des modifizierten PBI deutlich, dass bei einer bestimmten Blutungsneigung im geputzten Zustand das Ausmaß der Papillenblutungen durch Aussetzen der Mundhygienemaßnahmen ab Tag „x+5“ signifikant zunimmt.

5.2.2. Speichelmengen

Die Mengen der entnommenen Speichelproben wurden nach dem Auswiegen durch Subtraktion der Leergewichte der Speichelprobengefäße errechnet und in Gramm pro Minute (g/min) angegeben. Wegen der Normalverteilung der gemessenen Werte und zum besseren Vergleich mit Literaturdaten fiel die Wahl des dargestellten Speichelmengenwertes auf den Mittelwert mit entsprechender Standardabweichung.

Somit sind in den Tabellen 11 und 12 für die gewonnenen Speichelmengen der einzelnen Drüsen an den jeweiligen Untersuchstagen die Mittelwerte inklusive ihrer Standardabwei-chungen in Gramm pro Minute zusammengestellt.

▼ 48 

Tabelle 11 gibt die Speichelmengen im Ruhezustand wieder.

Tabelle 12 fasst die Speichelmengen nach erfolgter Stimulation zusammen. Der Stimulationsfaktur des entsprechenden Tages ist additiv im Überblick mit aufgelistet.

Tabelle 11: gemittelte Speichelmengen in Gramm pro Minute vor der Speichelstimulation

Ruhespeichel

in (g/min)

Besuchstag

„x“

„x+2“

„x+5“

„x+8“

„x+13“

Drüse

Seite

Mittelwert

(Std.abweichung)

Mittelwert

(Std.abweichung)

Mittelwert

(Std.abweichung)

Mittelwert

(Std.abweichung)

Mittelwert

(Std.abweichung)

Glandula
parotidea

rechts

0,12 (± 0,11)

0,10 (± 0,07)

0,09 (± 0,06)

0,10 (± 0,05)

0,09 (± 0,06)

links

0,13 (± 0,12)

0,10(± 0,07)

0,10 (± 0,09)

0,09 (± 0,06)

0,13 (± 0,08)

gesamt

0,25 (± 0,23)

0,20 (± 0,14)

0,19 (± 0,15)

0,19 (± 0,11)

0,22 (± 0,14)

Glandulae
submand./-ling.

rechts

0,20 (± 0,11)

0,22 (± 0,16)

0,17 (± 0,10)

0,17 (± 0,10)

0,25 (± 0,16)

links

0,21 (± 0,13)

0,23(± 0,15)

0,20 (± 0,13)

0,21 (± 0,11)

0,29 (± 0,13)

gesamt

0,41 (± 0,24)

0,45 (± 0,31)

0,37 (± 0,23)

0,39 (± 0,21)

0,54 (± 0,29)

gesamt

rechts

0,32 (± 0,22)

0,32 (± 0,23)

0,26 (± 0,16)

0,27 (± 0,15)

0,34 (± 0,22)

links

0,34 (± 0,25)

0,33 (± 0,22)

0,30 (± 0,22)

0,30 (± 0,17)

0,42 (± 0,21)

gesamt

0,67 (± 0,47)

0,66 (± 0,45)

0,56 (± 0,38)

0,58 (± 0,32)

0,76 (± 0,43)

▼ 49 

Tabelle 12: gemittelte Speichelmengen in Gramm pro Minute nach der Speichelstimulation inklusive des errechneten
Stimulationsfaktors Δ gegenüber der Ruhespeichelmenge

Reizspeichel

in (g/min)

Besuchstag

„x“

„x+2“

„x+5“

„x+8“

„x+13“

    

Drüse

Seite

Mittelwert

(Std.abwei-chung)

Δ

Mittelwert

(Std.abwei-chung)

Δ

Mittelwert

(Std.abwei-chung)

Δ

Mittelwert

(Std.abwei-chung)

Δ

Mittelwert

(Std.abwei-chung)

Δ

Glandula parotidea

rechts

0,25 (± 0,16)

2,08

0,20 (± 0,13)

2,00

0,21 (± 0,10)

2,33

0,26 (± 0,12)

2,60

0,27 (± 0,10)

3,00

links

0,22 (± 0,12)

1,70

0,22 (± 0,13)

2,20

0,20 (± 0,11)

2,00

0,23 (± 0,12)

2,56

0,27 (± 0,14)

2,08

gesamt

0,46 (± 0,28)

1,84

0,42 (± 0,26)

2,10

0,40 (± 0,20)

2,11

0,49 (± 0,24)

2,58

0,55 (± 0,24)

2,50

Glandulae submand./-ling.

rechts

0,31 (± 0,14)

1,55

0,36 (± 0,07)

1,63

0,29 (± 0,10)

1,71

0,33 (± 0,13)

1,94

0,35 (± 0,11)

1,40

links

0,30 (± 0,13)

1,42

0,29 (± 0,13)

1,26

0,32 (± 0,11)

1,60

0,33 (± 0,11)

1,57

0,34 (± 0,12)

1,17

gesamt

0,60 (± 0,27)

1,46

0,65 (± 0,20)

1,44

0,60 (± 0,20)

1,62

0,65 (± 0,25)

1,67

0,69 (± 0,23)

1,28

gesamt

rechts

0,55 (± 0,30)

1,72

0,56 (± 0,20)

1,75

0,50 (± 0,20)

1,92

0,59 (± 0,25)

2,19

0,62 (± 0,21)

1,82

links

0,52 (± 0,25)

1,53

0,51 (± 0,26)

1,54

0,51 (± 0,22)

1,70

0,56 (± 0,33)

1,87

0,61 (± 0,26)

1,45

gesamt

1,05 (± 0,55)

1,57

1,08 (± 0,46)

1,64

1,00 (± 0,42)

1,79

1,14 (± 0,58)

1,97

1,24 (± 0,47)

1,63

Beim Vergleich der Tabelle 11 mit Tabelle 12 ist aufgrund detaillierterer Aufschlüsselung ersichtlich, dass die Speichelmenge im Versuchsverlauf nach Stimulation bis maximal auf einen dreifachen Mengenwert angestiegen ist. Ablesbar ist dies anhand des ebenfalls aufgeführten Stimulationsfaktors Δ, welcher sich durch die folgende Formel errechnen lässt:

▼ 50 

Er stellt die gesteigerte Sekretion der entsprechenden Drüse in Form eines Zahlenwertes dar.

Beim jeweiligen Vergleich des Stimulationsfaktors Δ der rechten plus der linken Glandula parotidea mit den addierten rechten und linken Glandulae submandibulares /-linguales kristallisierte sich konstant ein höherer Wert für die Glandula parotidea heraus. Als Beispiel einer Drüse sei hier die erhöhte Speichelsekretion der Glandula parotidea am vierten Versuchstag erwähnt, die von 0,19 g/min auf 0,49 g/min anstieg. Dies entspricht einer vermehrten Sekretion von 158% bzw. einem Stimulationsfaktor Δ von 2,58. Des Weiteren zeigt sich bei Betrachtung der einzelnen Versuchstage ein stetiger Anstieg des Stimulationsfaktors Δ, der jedoch sowohl bei den Glandulae submandibulares /-linguales als auch bei der Glandula parotidea am Tag „x+13“ einen Rückgang erfährt.

Unter separater Betrachtung beider Stimulationszustände zeigen die Speichelmengen der unterschiedlichen Drüsen im Vergleich, dass die gewonnenen Mengen der Glandulae submandibulares /-linguales mindestens um den Faktor 1,30 am Tag „x“ und maximal 2,45 am Tag „x+13“ über der der Glandula parotidea liegen. Das entspricht einer Speichelmengendifferenz bei zu Grunde legen des Parotis-Werts von 30% bzw. 145%.

▼ 51 

Sowohl die Glandula parotidea als auch die Glandulae submandibulares /-linguales weisen gleich welchen Stimulationszustands im Seitenvergleich rechts/ links keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf die Speichelmengensekretion auf.

Die individuellen Werte zeigen eine starke Streuung sowohl bei den unstimulierten als auch bei den stimulierten Speichelmengen. In den Tabellen 13 und 14 sind die Sekretionsunterschiede der Glandula parotidea und der Glandulae submandibulares /-linguales gemittelt auf die ersten zwei Abnahmetage zum einem im unstimulierten Zustand, zum anderen im stimulierten Zustand herausgearbeitet. Diese beiden Tage bilden die Vergleichswerte für den Versuchsverlauf. Die Probanden zeigten während dieser Tage ihre natürliche individuelle Speichelsekretion, bevor eine Intervention im Mundraum durch Aussetzen der Mundhygiene eingeleitet wurde.

Tabelle 13: Streuung aller entnommener Speichelproben gemittelt über die ersten beiden Versuchstage im unstimulierten Zustand; im Vergleich die verschiedenen Drüsen (= N) beider Seiten in Gramm pro Minute

Mengenübersicht der Speichelproben
der Vergleichstage „x“ und „x+2“ in unstimuliertem Zustand

Speichelmenge
(in g/min)

N

Min.

Max.

Mittelwert
(± Std.Abw.)

Glandula parotidea

52

0,00

0,46

0,11 (± 0,09)

Gll.submand./-ling.

52

0,00

0,47

0,21 (± 0,13)

▼ 52 

Tabelle 14: Streuung aller entnommener Speichelproben gemittelt über alle Versuchstage im stimulierten Zustand; im Vergleich die verschiedenen Drüsen (= N) beider Seiten Gramm pro Minute

Mengenübersicht der Speichelproben
der Vergleichstage „x“ und „x+2“ in stimuliertem Zustand

Speichelmenge
(in g/min)

N

Min.

Max.

Mittelwert
(± Std.Abw.)

Glandula parotidea

48

0,00

0,50

0,22 (± 0,13)

Gll.submand./-ling.

48

0,00

0,49

0,31 (± 0,12)

Beim Vergleich von gemittelten Ruhe- und Reizspeichelwerten über den gesamten Versuchsablauf sowie untergliedert bezüglich der verschiedenen Speicheldrüsen wurden Signifikanzen auffällig. Diese sind mittels „ * “ in die nachfolgenden graphischen Darstellungen der über 20 Minuten gesammelten Speichelmengen eingearbeitet.

Abbildung 14: graphische Darstellung der Speichelmengen in g/20 Minuten der Glandula parotidea an den fünf Untersuchungstagen im Vergleich vor und nach Stimulation des Speichelflusses;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***

▼ 53 

Abbildung 15: graphische Darstellung der Speichelmengen in g/20 Minuten der Glandulae submandibulares /-linguales an den fünf Untersuchungstagen im Vergleich vor und nach Stimulation des Speichelflusses; Signifikanzen: siehe oben

Abbildung 16: graphische Darstellung der kalkulatorischen Gesamtspeichelmengen in g/20 Minuten an den fünf Untersuchungstagen im Vergleich vor und nach Stimulation des Speichelflusses;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***

Während der Tage unter Anwendung der habituellen Mundhygienemaßnahmen „x“ und „x+2“ war beim Vergleich innerhalb eines Stimulationszustandes keine Signifikanz zu erkennen.

▼ 54 

Hingegen lagen die Speichelmengenwerte an allen Versuchstagen nach der Stimulation signifikant über den unstimulierten Werten.

Für die Glandula parotidea ergab sich nur ein signifikanter Anstieg nach erfolgter Stimulation von Tag „x+5“ zu Tag „x+13“. Für die Glandulae submandibulares /-linguales war hingegen auf Grund vieler Signifikanzen eine klare Entwicklung der Speichelmenge ersichtlich: Nach der Intervention durch das Aussetzen des Putzens an Tag „x+5“ zeichnete sich im Vergleich zu den Ausgangstagen „x“ und „x+2“ noch keine Signifikanz ab. An Tag „x+8“ zeigte sich jedoch eine Speichelmengenzunahme, auf die an Tag „x+13“ eine weitere folgte. Der Speichelmengenendwert an Tag „x+13“ lag signifikant über den Ausgangswerten an Tag „x“ und „x+2“ sowie signifikant über Tag „x+5“ und „x+8“.

Alle Signifikanzen, die sich für die Speichelmengenwerte binnen 20 Minuten ergaben, gelten ebenso für die entsprechenden Werte binnen einer Minute.

5.3. Labortechnische Befunde

▼ 55 

Im Labor wurden unter Anwendung des „Lektinbindungs-Inhibitionstests“ die Konzentrationen fünf verschiedener, spezifischer Glykananteile im Speichel bestimmt. Photometrisch zeigte jede einzelne gewonnene Probe nach Zugabe eines Lektins ein bestimmtes Lektinbindungs-Verdrängungspotential. Nach jeweiliger Durchführung des Tests mit den Lektinen ´PNA´, ´GS1´, ´VVA´, ´SNA´ und ´AAA´ ergab sich die Speichelglykankonzentration in Form eines prozentualen Zahlenwertes.

Die Konzentration des Lektin-äquivalenten Rezeptors im Speichel ist der Faktor für seine antiadhäsive Potenz. Die Reaktion der Speicheldrüsen in Bezug auf ihre Glykosylierungsaktivität lässt sich erst mit Hilfe der relativen Sekretionsrate ermitteln, welche sich aus der Konzentration multipliziert mit der Speichelmenge bezogen auf die Entnahmezeit errechnet:

▼ 56 

Zur optischen Verdeutlichung der Entwicklungen im Studienverlauf wurden Boxplot-Graphiken entworfen. Gegenübergestellt sind die Ergebnisse der Glandula parotidea, die der Glandulae submandibulares /-linguales bzw. im Überblick zusammengefasst die Werte aller großen Speicheldrüsen beschrieben als kalkulatorischer Gesamtspeichel im Mundraum. Zum Vergleich innerhalb einer Graphik wurden die unstimulierten und stimulierten Speichelwerte im Versuchsverlauf aufgearbeitet. Um eine übersichtliche Darstellung zu präsentieren, wurde die Abweichung der Einzelwerte vom Median aller in der jeweiligen Graphik integrierten Messwerte errechnet und durch das Intervall zwischen dem 5. und 95. Perzentil dividiert. Somit ergab sich die relative Bindungskapazität:

Diese Rechenmethode fand Anwendung bei den graphischen Abbildungen der gewonnenen Konzentrations-Einzelmesswerte und der Sekretions-Einzelmesswerte. Mittels dieser Graphiken zeigen sich Konvergenzen und Differenzen der Ergebnisse in gut strukturierter Form: Übereinstimmende Werte gruppieren sich auf gleichem Niveau um die den Durchschnitt angebende Nulllinie; Entwicklungen weichen hingegen mit ihrem Medianwert, der durch den zentral im Balken platzierten Strich wiedergegeben wird, in die positiven oder negativen Skalenbereiche ab. Um eine aussagekräftige Wertung vornehmen zu können, wurden die gemessenen Ausgangswerte statistisch auf signifikante Ergebnisse untersucht. Die sich ergebenden Signifikanzen wurden mit Hilfe von Markierungen in Form von Sternchen (= „ * “) entsprechend in die Abbildungen eingefügt.

▼ 57 

Der Übersicht halber sind abschnittsweise die Konzentrationen entsprechend ihrer Lektinspezifität statistisch aufgearbeitet. Neben einer Darstellung der Ergebnisse in Tabellenform, wo Medianwerte des Ruhe- bzw. Reizspeichels sowie die entsprechenden 25. und 75. Perzentile notiert sind, dienten auch graphische Schaubilder der Analyse des Lektinrezeptorenverhaltens. Durch die besondere Form der Graphiken waren auch Tendenzen erkennbar, obgleich messtechnisch nicht bei allen Vergleichen zwischen den einzelnen Untersuchungstag Signifikanzen nachgewiesen werden konnten.

Im Anschluss sind in gleicher Form die Sekretionsraten der an die fünf Lektine bindenden Speichelbestandteile zusammengestellt.

5.3.1. Betrachtung der Speichelkonzentrationen

5.3.1.1. inhibitorische Glykanstrukturen gegenüber Lektin ´PNA´

Auch die Untersuchung bezüglich des Lektin-Äquivalents ´PNA´ zeigte Signifikanzen beim Speichel der Glandulae submandibulares /-linguales. Dort wurde im unstimulierten Zustand ein Konzentrationsabfall von Tag „x+2“ sowie „x+5“ auf Tag „x+13“ deutlich. Die Stimulation mittels Zitronensäure bewirkte an den Tagen „x+5“ und „x+8“ eine signifikante Konzentrationszunahme.

▼ 58 

Weitere Werte im Bereich des kalkulatorischen Gesamtspeichels bzw. des Speichels der Glandula parotidea ergaben keine signifikanten Ergebnisse.

Abbildung 17: vergleichende Darstellung der Konzentrationen der Glandulae submandibulares /-linguales von Peanut Agglutinin im unstimulierten und stimulierten Zustand im Verlauf der Versuchsreihe;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***


5.3.1.2. inhibitorische Glykanstrukturen gegenüber Lektin ´GS1´

Die Glykankonzentrationswerte des gewonnen Speichels spezifisch in ihrer Adhärenz für das Lektin ´GS1´ haben sich bedingt signifikant gezeigt. Auffällig ist eine Konzentrationszunahme der Glandulae submandibulares/ -linguales-Werte im stimulierten Zustand beim Vergleich des Tages „x+2“ mit Tag „x+8“. An den Tagen „x+8“ und „x+13“ nimmt durch die Stimulation die Konzentration signifikant zu.

▼ 59 

Abbildung 18: vergleichende Darstellung der Konzentrationen der Glandulae submandibulares /-linguales von Bandeira simplicifolia Agglutinin im unstimulierten und stimulierten Zustand im Verlauf der Versuchsreihe;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***

5.3.1.3. inhibitorische Glykanstrukturen gegenüber Lektin ´VVA´

Die labortechnischen Untersuchungen mit dem Vicia villosa Agglutinin haben keinen signifikanten Hinweis auf das Verhalten der an das Lektin bindenden Speichelglykanstrukturen im Versuchsverlauf ergeben. Graphiken und Tabellen sind aus diesem Grund in die Arbeit nicht eingeflochten.

5.3.1.4. inhibitorische Glykanstrukturen gegenüber Lektin ´SNA´

Ausschließlich bei separater Betrachtung des Speichels der Drüsen traten Auffälligkeiten in Bezug auf das Lektin ´SNA´ zu Tage. Die Glandulae submandibulares /-linguales wiesen im Reizspeichel einen Anstieg der Konzentration der ´SNA´-Rezeptoren von Tag „x+2“ zu Tag „x+13“ auf, sowie auch die Stimulation für den Tag „x+8“ einen signifikanten Konzentrationsanstieg bewirkte.

▼ 60 

Abbildung 19: vergleichende Darstellung der Konzentrationen der Glandulae submandibulares /-linguales von Sambucus nigra Agglutinin im unstimulierten und stimulierten Zustand im Verlauf der Versuchsreihe;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***

5.3.1.5. inhibitorische Glykanstrukturen gegenüber Lektin ´AAA´

Die Speicheluntersuchung bezüglich der Anguilla anguilla Agglutinin-spezifischen Glykankonzentrationen und des Verhaltens von ´AAA´-Äquivalenten ergab weder im Pool des kalkulatorischen Gesamtspeichels noch bei den einzelnen Drüsen signifikante Ergebnisse.

5.3.2. Betrachtung der Sekretionsraten

Die Sekretionsratenbestimmung im Rahmen der Lektin-spezifischen Speichelanalyse ergab bezüglich der Seiten rechts/ links weder nach separater Betrachtung der Drüsen noch unter Miteinbeziehung der Stimulationszustände signifikante Ergebnisse. Aufschlussreiche Werte wurden hingegen für das Verhalten des kalkulatorischen Gesamtspeichels, der Glandula parotidea sowie der Glandulae submandibulares /-linguales ggf. entsprechend vor und nach Stimulation im Verlauf der Versuchsreihe gewonnen.

5.3.2.1. inhibitorische Glykanstrukturen gegenüber Lektin ´PNA´

▼ 61 

Für die Glykokonjugate spezifisch für das Peanut Agglutinin ergaben sich nach strukturierter Aufschlüsselung des Speichels signifikante Werte in Bezug auf die Glandulae submandibulares /-linguales. Die Sekretionsrate zeigte unter Ruhebedingungen einen signifikanten Anstieg von Tag „x+8“ zu Tag „x+13“, und auch der eingesetzte Stimulus bedingte jeweils eine signifikante Konzentrationswertzunahme in Abhängigkeit der Speichelsekretion an den Versuchstagen „x+2“, „x+5“, „x+8“ und „x+13“.

Abbildung 20: vergleichende Darstellung der Sekretionsraten der Glandulae submandibulares /-linguales von Peanut Agglutinin im unstimulierten und stimulierten Zustand im Verlauf der Versuchsreihe;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***

5.3.2.2. inhibitorische Glykanstrukturen gegenüber Lektin ´GS1´

Die Sekretionsratenwerte unter Betrachtung des Bandeira simplicifolia Agglutinins erbrachten ausschließlich im stimulierten Speichel für die Glandulae submandibulares /-linguales signifikante Werte. Es errechnete sich ein signifikanter Abfall von Tag „x+8“ zu Tag „x+13“. Die Stimulation mittels Zitronensäure erbrachte einen signifikanten Sekretionsratenanstieg an den Tagen „x“, „x+8“ und „x+13“.

▼ 62 

Abbildung 21: vergleichende Darstellung der Sekretionsraten der Glandulae submandibulares /-linguales von Bandeira simplicifolia Agglutinin im unstimulierten und stimulierten Zustand im Verlauf der Versuchsreihe;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***

5.3.2.3. inhibitorischen Glykanstrukturen gegenüber Lektin ´VVA´

Wie auch bei den Konzentrationen hat die labortechnische Untersuchung mit dem Vicia villosa Agglutinin keinen signifikanten Hinweis auf das Sekretionsverhalten der entsprechenden Speichelglykanstrukturen im Versuchsverlauf gegeben.

5.3.2.4. inhibitorische Glykanstrukturen gegenüber Lektin ´SNA´

Bei detaillierter Betrachtung der ´SNA´-spezifischen Glykanstrukturen im Speichelsekret zeigten nur die Glandulae submandibulares /-linguales signifikante Sekretionsraten. Im Ruhespeichel zeichnete sich eine Augmentation von Tag „x+5“ zu Tag „x+13“ ab sowie im Reizspeichel von Tag „x+2“ zu Tag „x+13“. Die Applikation von Zitronensäure auf die Zunge rief einen signifikanten Sekretionsratenanstieg an den Tagen „x+5“ und „x+13“ hervor. Obgleich die Glandula parotidea keine signifkanten Werte im Versuchsverlauf aufwies, so zeichneten sich jedoch signifikante Anstiege vor und nach erfolgter Stimulation für die Tage „x+5“, „x+8“ und „x+13“ ab.

▼ 63 

Eine aussagekräftige Betrachtung mangels Werten war für den unstimulierten kalkulatorischen Gesamtspeichel nicht möglich, jedoch ergaben die Sekretionsraten des Reizspeichels jeweils einen signifikanten Anstieg von Tag „x“, „x+2“ und „x+5“ zu Tag „x+13“.

Abbildung 22: vergleichende Darstellung der Sekretionsraten der Glandulae submandibulares /-linguales von Sambucus nigra Agglutinin im unstimulierten und stimulierten Zustand im Verlauf der Versuchsreihe;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***

Abbildung 23: vergleichende Darstellung der Sekretionsraten des kalkulatorischen Gesamtspeichels von ´SNA´ im unstimulierten und stimulierten Zustand im Verlauf der Versuchsreihe;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***

5.3.2.5. inhibitorische Glykanstrukturen gegenüber Lektin ´AAA´

▼ 64 

Bei Betrachtung des kalkulatorischen Gesamtspeichels in Bezug auf ´AAA´-äquivalente Strukturen zeigten sich signifikante Sekretionsraten vor und nach Stimulation. Im Ruhespeichel zeichnete sich ein Anstieg von Tag „x+5“ und „x+8“ zu Tag „x+13“, im Reizspeichel von Tag „x+8“ zu Tag „x+13“ ab. Im direkten Vergleich vor und nach Reizung der Speichelsekretion mittels Zitronensäure zeigte Tag „x+13“ eine signifikante Sekretionsratenzunahme.

Abbildung 24: vergleichende Darstellung der Sekretionsraten des kalkulatorischen Gesamtspeichels von Anguilla anguilla Agglutinin im unstimulierten und stimulierten Zustand im Verlauf der Versuchsreihe;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***

Die Glandula parotidea präsentierte im Reizspeichel eine signifikante Sekretionsratenzunahme von Tag „x+5“ und „x+8“ zu Tag „x+13“, dem die Glandulae submandibulares /-linguales beim Vergleich gleicher Tage im unstimulierten Zustand entsprachen. Zuzüglich wurden Signifikanzen vor und nach Stimulation für die Glandula parotidea an den Tagen „x“, „x+5“, „x+8“ und „x+13“ sowie für die Glandulae submandibulares /-linguales am Tag „x+2“ und „x+8“ deutlich.

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Abbildung 25: vergleichende Darstellung der Sekretionsraten der Glandula parotidea von Anguilla anguilla Agglutinin im unstimulierten und stimulierten Zustand im Verlauf der Versuchsreihe; Signifikanzen: siehe unten

Abbildung 26: vergleichende Darstellung der Sekretionsraten der Glandulae submandibulares /-linguales von Anguilla anguilla Agglutinin im unstimulierten und stimulierten Zustand im Verlauf der Versuchsreihe;
Signifikanzen: p < 0,05 ⇒ * , p < 0,01 ⇒ ** , p < 0,001 ⇒ ***


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HTML-Version erstellt am:
13.04.2006