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Schon 1913 berichtete T.K. Daziel von einer Erkrankung, die mit entzündlichen Veränderungen des terminalen Ileums einherging und alle Wandschichten des Darmes erfasste. Erst 19 Jahre später beschrieben der New Yorker Arzt Burrill B. Crohn und seine Kollegen Leon Ginzburg und Gordon D. Oppenheimer ein eigenständiges Krankheitsbild, das sie „Regional Ileitis“ nannten [32].
Morbus Crohn gehört bislang zu den Krankheiten mit noch unklarer Ätiologie. Als krankheitsauslösende Faktoren werden neben genetischer Disposition auf Grund familiärer und ethnischer Häufung, infektiöse Agenzien, Immunmechanismen, psychische Merkmale, Rauchgewohnheiten und Ernährungsgewohnheiten diskutiert. Ein ausschlaggebendes Argument dafür ist, dass im Gegensatz zu einer weiteren chronisch entzündlichen Darmerkrankung, der Colitis ulzerosa, die Patienten mit Morbus Crohn im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen einen hohen Verbrauch an raffiniertem Zucker und einen niedrigen Ballaststoffverzehr aufzeigen [77,105,107,113,120,150]. Aus diesem Aspekt stellt sich die kontrovers diskutierte Hypothese: Die erhöhte Zufuhr von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln bei an Morbus Crohn erkrankten Patienten könnte allein auf eine veränderte Geschmacksempfindung bzw. Geschmacksschwelle zurückzuführen sein [77,96,109,120,171].
Der Geschmackssinn im eigentlichen Sinne unterliegt einigen interessanten Besonderheiten. Ein in dem wissenschaftlichen Schrifttum etablierter Aspekt ist die Biomorphose der Geschmacksknospen, deren Regenerationsfähigkeit eine Zeitabhängigkeit von der Länge des vorher notwendigen Neuronenwachstums aufweist [12]. Die funktionelle Notwendigkeit der fortwährenden Regeneration und Neuinnervation zeigt höchst eindrucksvoll, dass die Geschmacksknospen eine außerordentlich dynamische Einheit mit ständigem Ineinandergreifen von Alterung, Abbau und Neubildung darstellen.
Weiterhin ist hinlänglich bekannt, dass der Mensch die sensorisch wirksamen Nahrungskomponenten komplex erfasst. Neben dem gustatorischen (Schmeck-) spielt der olfaktorische (Riech-), der haptische (Fühl-), der optische (Seh-) und der akustische (Hör-) Eindruck eine Rolle bei der Beurteilung der Nahrung. Der Begriff „Flavour“ (Gesamtsinneseindruck oder Oralsinn) kennzeichnet die Summe aller Eigenschaften eines Stoffes, der diese Empfindung mit anschließender Wahrnehmung hervorruft [135]. Diese Empfindungs- und Wahrnehmungsprozesse sind einer direkten naturwissenschaftlichen Analyse
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nicht zugänglich. In der Regel sind nur Korrelationen zwischen objektiven und subjektiven Beobachtungen aufzuzeigen [46]. Eine quantitative Beziehung zwischen Reiz und Geschmacksempfindung kann nur durch die Psychophysik des Geschmacksorgans verifiziert werden.
Aus diesen Tatsachen wird deutlich, dass eine Ernährung im Sinne des Wohlgeschmacks die Voraussetzung für eine gesunde Lebensweise und Lebensführung in allen Lebensphasen darstellt. Eine Geschmacksveränderung würde zu einer unausgewogenen Ernährung führen, die mit einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes einherginge. Gleichermaßen hätte dieses einen Einfluss auf die Lebensqualität [128].
Pathologische Zustände des Geschmackssinnes (Dysgeusien) äußern sich vielschichtig. Einleitend soll an dieser Stelle für das weitere Verständnis der Stellenwert der Parageusie (quantitative Dysgeusien) für die Zahnmedizin herausgearbeitet werden. Gegenüber den Geschmacksstörungen Hypo-, Hyper- und Ageusie (qualitative Dysgeusien) handelt es sich hierbei um eine Nichtübereinstimmung der subjektiven Geschmacksempfindung mit der Geschmacksqualität eines angebotenen Reizes. Außerdem stellt die Parageusie, die nicht selten mit Hypogeusien vergesellschaftet ist, für den Zahnmediziner die interessanteste und häufigste Störung des Geschmacks dar [22].
Die ausgewogene Ernährung beginnt im Mund, zu dem die Zähne mit ihrem Parodontium gehören. Die Folgen dysgeusiebedingter Fehlernährung können Karies und Parodontitis mit nachfolgendem Zahnverlust sein.
Mit zunehmendem Gebissverfall wird das Kauvermögen immer stärker reduziert, wobei Auswirkungen auf den Verdauungstrakt möglich sind. So zeigten Untersuchungen der Gebissverhältnisse von Patienten mit chronischer Gastritis, dass Zahnverlust und dadurch eingeschränktes Kauvermögen ursächliche Bedeutung für die Entstehung dieser Krankheit haben können [133]. Es wird deutlich, dass die Geschmacksempfindungen, die orale Mundgesundheit und die Ernährung einer engen Wechselbeziehung unterstehen, der bisher nur wenig Beachtung entgegengebracht wurden.
Die Morbus Crohn-Patienten zeigen häufig Befunde eines gestörten Zinkhaushaltes. Gezielte Untersuchungen von Sjögren et al. [152] und Cunnane et al. [34] konnten bei Crohn-Patienten eine Hypozinkämie feststellen.
Zink besitzt einen Einfluss auf die Glykoproteinsynthese, die Modulation der Genexpression und den Peptidstoffwechsel und damit auf die Synthese von Enzymen. Das Zink-Metalloprotein Gustin/ Carboanhydrase VI (CA VI) spielt in der Geschmacksempfindung eine Schlüsselrolle, die noch nicht eindeutig geklärt ist. Die Funktion als Wach[Seite 10↓] stumsfaktor für Geschmacksknospen und Riechepithelzellen [66 ] sowie das Zusammenspiel in der Geschmackstransduktion [63,94] können als wahrscheinliche Mechanismen angesehen werden.
Welche Bedeutung der Zinkmangel auf die Infektionskrankheit Karies und Parodontitis hat, ist bisher noch nicht ausreichend untersucht worden. Kivelä et al. fanden einen Zusammenhang zwischen einer reduzierten CA VI-Konzentration im Gesamtspeichel und der Kariesprävalenz heraus [84]. Die Tatsache, dass die Synthese von Proteinen, wie CA VI und anderen Proteinen der unspezifischen Abwehr im Speichel, zinkabhängig ist, lässt einen möglichen Therapieansatz durch Zinksupplementation in Erwägung ziehen.
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer Kohortenstudie Morbus Crohn erkrankte Patienten und äquivalente gesunde Probanden. Mit Hilfe anamnestischer, gastroenterologischer, ernährungswissenschaftlicher, zahnmedizinischer und labortechnischer Evaluationen sollen Unterschiede hinsichtlich Zuckerkonsum, Geschmackswahrnehmung und oraler Mundgesundheit erarbeitet und diskutiert werden sowie Vorschläge zum Umgang mit dieser immer größer werdenden Minoritätengruppe formuliert werden.
Die primäre Aufgabe unseres Gesundheitssystems besteht darin, Gesundheit und Leistungsfähigkeit bis ins hohe Lebensalter zu erreichen und nicht nur die Verlängerung der Lebenserwartung.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Beitrag für die allumfassende Betreuung der Patienten, die nur interdisziplinär möglich ist, zu leisten. Schon in der Ausbildung der Ärzte und der Zahnärzte sollte auf eine eng verstrickte Kooperation miteinander geachtet werden, damit bestehende Zusammenhänge frühzeitig erkannt werden können.
Die Verwirklichung dieser Aufgabenstellung erfordert eine verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Fachgebieten Innere Medizin, Gastroenterologie, Endokrinologie, Oto-Rhino-Laryngologie, Neurologie und die Einbeziehung der Zahnheilkunde. Muss doch die orofaziale Region als eine wesentliche Struktureinheit für die Ernährung sowie für die Psyche des Individuums angesehen werden.
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