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Morbus Crohn, auch genannt Enteritis regionalis oder Ileitis terminalis, ist eine segmentale chronisch auftretende Entzündung aller Darmwandschichten, meist im Bereich der unteren Ileumsegmente [74]. Jedoch kann derselbe Prozess die Mundschleimhaut, den Ösophagus, den Magen, das Duodenum sowie auch das Jejunum und den Colon befallen [74,122].
Die häufigsten klinischen Symptome des akuten Schubes eines Morbus Crohn sind Abdominalschmerzen, erhöhte Stuhlfrequenz, Gewichtsverlust und Fieber.
Es ist ein Zuwachs der Inzidenz in den Ländern mit hohem Lebensstandard zu verzeichnen, wobei die höchste Inzidenz in der Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren und in der Gruppe der 70 und 79 jährigen vorliegt [1].
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Risikofaktoren |
Assoziation |
Quellen |
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Ernährungseinflüsse |
? |
[104,105,107,113,120,150,157,169] |
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Nichtrauchen/ Rauchen |
-/+ |
[25,99,100,157,169] |
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Ovulationshemmer |
? |
[100] |
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Mykobakterien |
? |
[56] |
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Genet. Permeabilitätsstörung |
? |
[124,154] |
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Immunregulatorische Störungen |
? |
[124,125,149] |
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psychische Faktoren |
? |
[50,53,55,166] |
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Bislang konnte der entscheidende ätiologische Faktor der segmental chronisch entzündlichen Erkrankung des Verdauungstraktes noch nicht gefunden werden. Obenstehende Tabelle 1 zeigt mögliche Risikofaktoren auf. Im folgenden Abschnitt werden zwei Einflussfaktoren näher betrachtet.
Auf Grund der deutlichen Zunahme der Inzidenz des Morbus Crohn in den überwiegend industrialisierten Teilen der Welt, wo mehr industriell aufbereitete, verfeinerte und faserarme Nahrungsmittel zu sich genommen werden, müsste man die Änderungen der Ernährungsgewohnheiten im Laufe dieses Jahrhunderts dafür verantwortlich machen [20,24,138].
Da sich Morbus Crohn als eine transmurale Entzündung der Darmwand manifestiert, wird den Ernährungsfaktoren ein primäres Interesse in der Krankheitsentstehung beigemessen [80]. Es ist allerdings schwierig, Assoziationen festzustellen, da die zum Zeitpunkt der Untersuchungen erhobenen Ernährungsgewohnheiten den Gewohnheiten vor Beginn der Erkrankung nicht unbedingt vergleichbar sind. Wegen der oftmals lang verstreichenden Zeit vom Auftreten der Krankheitssymptome bis zur Diagnosestellung (62% innerhalb von 7 Tagen und 100% erst nach mehr als 24 Monaten [1]), stellt die Erhebung des Nahrungsmittelverzehrs vor Ausbruch der Erkrankung eine Schwierigkeit dar.
Der Zuckerverbrauch hat in nahezu allen Industrienationen in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen (z.B. in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten 20 Jahren um 20% [41]). In diesem Zusammenhang wiesen Burkitt et al. bereits vor 30 Jahren hin, dass Zucker als ein ursächlicher Faktor für die Entstehung entzündlicher Darmerkrankungen verantwortlich sein könnte [24]. Erstmals konnten Martini und Brandes durch anamnestische Erhebung der Ernährungsgewohnheiten bereits vor Auftreten der ersten typischen Symptome einen signifikant höheren Konsum an raffinierten Kohlenhydraten nachweisen [105]. Im Laufe der Zeit wurde diese Aussage durch eine Reihe anderer Studien verfestigt [77,106,113,120,150,169]. Bei Berücksichtigung der Erkrankungsdauer konnten Thornton et al. keinen Unterschied hinsichtlich des Zuckerkonsums bei kürzerer bzw. längerer Erkrankungsdauer finden [169]. Hingegen konnten Järnerot et al. einen erhöhten Zuckerverbrauch nur bei Patienten mit mindestens 6
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monatiger Erkrankungsdauer nach Diagnose nachweisen [77]. Anhand dieser Feststellungen vermuteten Katschinski et al., dass die erhöhte Zuckerinkorporation nur ein „sekundäres Phänomen“ darstellt [80]. Ebenfalls spricht die nicht nachgewiesene Assoziation zwischen Inzidenz und dem Zuckerverzehr sowie zwischen dem zeitlichen Verlauf der Erkrankungshäufung und dem Konsum an Zucker dafür [158].
Darum müssten auch anderen Risikofaktoren für das Auftreten des Morbus Crohn ätiologische Bedeutung beigemessen werden.
So sahen Marcus und Watt in durch Carageene (Stabilisator von Süßigkeiten) induzierten colitisähnlichen ulzerativen Veränderungen bei Versuchstieren den Beweis für eine Beteiligung der Zusatz- und Quellungsstoffe in Produkten wie Süßigkeiten und Marmelade an der Krankheitsentstehung [104]. Dieses Untersuchungsergebnis wurde von anderen Forschungsgruppen allerdings kontrovers diskutiert [176].
Das Risiko, an Morbus Crohn zu erkranken, ist für einen Raucher größer als für einen Nichtraucher. Die Angaben der verschiedenen ätiologischen Studien variieren, so dass es für einen Raucher 2,0 - 4,2 fach risikoreicher ist, Morbus Crohn zu bekommen (siehe Tabelle 2) [25,99,157].
Unklar bleibt, ob es ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für ehemalige Raucher gibt [99, 157]. Ob das relative Risiko in Abhängigkeit von der Höhe des Tabakkonsums zunimmt, konnte in der Literatur noch nicht einheitlich ausgesagt werden.
Tab. 2 : Tabakexposition und Morbus Crohn (F= Fall- Kontrollstudie)
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Autoren |
relatives Risiko für Raucher |
relatives Risiko für Ex-Raucher |
Studienform |
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Calkins et al. 1984 [25] |
2,1 |
0,8 |
F |
|
Lindberg et al. 1988 [99] |
2,2 |
1,9 |
F |
|
Somerville et al. 1984 [157] |
4,2 |
1,5 |
F |
|
Tobin et al. 1987 [172] |
3,2 |
1,6 |
F |
So konnten Logan et al. [100] eine höhere Inzidenz von Rauchern gegenüber Nichtrauchern, im Gegensatz zu Tobin et al. [172], feststellen. Diese Beobachtungen konnten [Seite 14↓] von Thornton et al. [169] nicht bestätigt werden. Auf Grund dieser Daten kann die Annahme von Unabhängigkeit der Risikofaktoren Tabak- und Zuckerverbrauch als gesichert gelten.
Ein eindeutiger pathophysiologischer Zusammenhang zwischen dem Einfluss von Nikotin und dem Auftreten und Verlauf der entzündlichen Darmerkrankung konnte nicht nachgewiesen werden [25,99,157].
Wie bereits erwähnt, ist der klassische Ort der Ausprägung eines Morbus Crohn das terminale Ileum [32]. Es wurde aber auch über extraintestinale Manifestation berichtet, die andere Organe und Organsysteme betreffen können. So kann sich ein Morbus Crohn sowohl an den Augen, den Gelenken, dem Nervensystem und der Haut als auch an für den Zahnarzt interessanten Lokalisationen wie Mundschleimhaut, Gingiva und Tonsillen ausprägen [19,167 ].
Bei den Patienten, bei denen synchron zu den intestinalen auch orale Symptome auftreten, äußern sich diese durch Läsionen am vestibulären Sulkus, Gingiva, der bukkalen Mukosa und an den Lippen [42,48,122]. Seltene Lokalisationen von oralen Läsionen sind am Gaumen, Zunge und Pharynx zu beobachten [10,122].
| Abb. 1 : Hyperplastische bukkale Wangenschleimhaut bei Morbus Crohn [122] | ||
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Die häufigsten klinischen Anzeichen bilden Ödeme, Ulzerationen und eine polypöse hyperplastische Mukosa. Teilweise prägt die Gingiva ebenfalls das typische Pflastersteinrelief mit deutlicher Hyperplasie aus.
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Histologisch assoziieren nur 10% der oralen Läsionen mit den für Morbus Crohn charakteristisch aussehenden Granulomen, typischerweise in der Submukosa [10].
Seltener aber findet man eine orale Erstmanifestation bei völligem Fehlen anderer Befunde, wie es von Sigusch und Eick bei einem Fall mit präpubertärer Parodontitis beschrieben wurde [151 ]. Sie stellen die Beteiligung parodontopathogener Mikroorganismen in einen engen Zusammenhang mit der Pathogenese chronisch entzündlicher Darmentzündungen.
Schnitt et al. fügten 1987 ein weiteres so noch nicht beschriebenes orales Symptom bei einer Erkrankung mit Morbus Crohn hinzu [143]. Diese Forschungsgruppe wies eine granulomatöse Entzündung der kleinen Speicheldrüsengänge, mit Einbeziehung der Mukozelenformation, nach.
Als Therapie sollten systemische beziehungsweise lokale Steroidapplikationen verabreicht werden, was in etwa 50% der Fälle zu einer kompletten Remission der oralen Symptome führte [39].
Ätiologisch gesehen ist die chemische Sinnesmodalität Geruch das älteste Sinnesorgan und besitzt einen bedeutenden Stellenwert für die Geschmackswahrnehmung eines Individuums. Eine Erhöhung der Geruchsschwelle kann größte Einflüsse auf die tägliche Geruchsempfindung und die Wahrnehmung von Lebensmitteln und Getränken haben [160]. Somit klagen Patienten mit Anosmie und Hyposmie über verminderten Genuss von Nahrungsmitteln, weil sie unfähig sind, den Gesamtsinneseindruck (Flavour) wahrzunehmen [47].
Menschen, die ihre Fähigkeit zu riechen verloren haben, verlieren nicht nur die Fähigkeit des einfachen Genießens von Gerüchen und die Schutzfunktion, sondern werden oft unsicher im Umgang mit ihren Mitmenschen. Die Unfähigkeit, die Präsenz von unangenehmen Körpergerüchen oder Gerüchen in der
Wohnung wahrzunehmen, und das deutlich reduzierte Vermögen, Nahrungsmittel zu beurteilen, sind die Hauptgründe, die eingeschränkte soziale Wechselbeziehungen [Seite 16↓] nach sich ziehen [146]. Folgen sind Ängstlichkeit, Boshaftigkeit und Depression, mit denen die Patienten auf den verminderten Geruchssinn unbewusst reagieren.
Zu den Ursachen, die zu Störungen des Geruchssinnes führen, gehört eine Vielzahl von Erkrankungen, Medikamenten und industriellen Schadstoffen [35 ,64,146]. Bei 30% der Patienten mit Verlust der Geruchsempfindung wurde eine Form der nasalen oder paranasalen Sinuserkrankung gefunden. Virale Infektionen des oberen Respirationstraktes (16%) und Schädel-Hirn-Traumata (11%) zählen ebenfalls zu den häufigsten Erkrankungen, bei denen Anosmien und Hyposmien beobachtet werden [146].
Eine getrennte Betrachtung des Geschmackssinnes vom Geruchssinn ist nicht möglich. Denn man kann aus den erhaltenen Angaben der Geschmacksprüfung nicht ohne weiteres ersehen, ob die Geschmackswahrnehmung allein beeinträchtigt ist und nicht dem anderen chemosensitiven Organ zuzuschreiben wäre. Es liegt nahe, dass aus diesen Gründen getrennte Funktionsprüfungen für beide Sinnesorgane zur Verfügung stehen müssen und möglichst von einer Hand ausgeführt werden sollten [54, 135,141].
Der Geschmackssinn gehört zu dem kompliziert gestalteten Oralsinn, der den oralen Gesamtsinneseindruck (Flavour) verkörpert. Somit steht das Schmecken nicht alleine für die Summe aller Eigenschaften eines Stoffes, die er hervorrufen kann [135].
Der Mensch erfasst die sensorisch wirksamen Nahrungsbestandteile komplex, d. h. an diesem Vorgang sind neben chemischen Prozessen auch psychische und physische Reaktionen beteiligt. Dadurch wird deutlich, dass der Geschmackssinn nicht als starre Sinnesmodalität anzusehen ist, sondern vielfältigen im weiteren Text erörterten Veränderungen unterlegen ist.
Der Geschmack besitzt eine besonders starke emotionale Komponente, wobei Erziehung und momentane Begleitumstände eine große Rolle spielen. Darum ist der Einfluss des Geschmackes auf die Lebensqualität des Menschen nicht zu unterschätzen [119].
Es kann sich eine Geschmacksstörung ähnlich psychologisch auf Patienten auswirken wie ein chronisches Schmerzsyndrom. Manche Patienten berichten über Änderungen ihrer Ernährungsgewohnheiten, welche
sich durch den Mangel an „Flavour“ in ein kompensatorisch gesteigertes Essverhalten äußert [146].
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So kann ein über die metabolischen Bedürfnisse des Organismus hinaus gesteigertes orales Appetenzverhalten Ausdruck schwerer psychosomatischer Störungen sein.
Seit der ersten Publikation 1967 wird vornehmlich im japanischen und amerikanischen Raum eine fünfte Geschmacksqualität erforscht [182]. Sie wird als „umami“ oder „savory (köstlich) taste“ bezeichnet und durch Monosodium-Glutamat repräsentiert [28,182,183, 184].
Andere sensorische Geschmacksqualitäten wie das Scharf- und das Heißgefühl werden durch einen speziellen ligandenkontrollierten Ionenkanal vermittelt. Zudem belegen die neueren elektrophysiologischen Untersuchungen und humane Genomstudien von Cruz et al. die Existenz von thermosensitiven Neuronen im vorderen und hinteren Zungenbereich [33]. Demnach führten bereits Temperaturänderungen auf der Zunge zur Auslösung von Süß- und Sauerempfindungen.
Die Geschmackswahrnehmung erfolgt an den Sinneszellen in der Geschmacksknospe über unterschiedliche Signaltransduktionsmechanismen, die letztendlich einen Natriumeinstrom (Rezeptorpotential) auslösen. Die Potentialfortleitung und Codierungen erfolgen durch die Gesetzmäßigkeiten der Neurophysiologie. Die Geschmacksknospe ist als ein dynamisches System anzusehen [12]. Das Vermögen zur ständigen Regeneration der Sinneszellen im Sinne einer Biomorphose stellt eine weitere Besonderheit des Geschmacksorgans dar (siehe Abbildung 2).
In den letzten Jahren gelang es, die Sensitivität der Zunge für die Geschmacksqualitäten „salzig“ und „sauer“ auf spezialisierte Natrium- und Protonenkanäle zurückzuführen. Eine Identifizierung von entsprechenden Rezeptoren der anderen drei Qualitäten „bitter“, „süß“ und „umami“ erwies sich als extrem schwierig. Die Entdeckung zweier möglicher Geschmacksrezeptoren für die Qualitäten „süß“ und „bitter“ konnte erst 1999 von Zucker et al. bekanntgegeben werden [68 ]. Ihre Funktion als Geschmacksrezeptor blieb fraglich, da sich die Rezeptoren ausschließlich in Zellen befanden, in denen sich das für die rezeptorinduzierte Auslösung der Geschmackswahrnehmung notwendige Signalprotein Gustducin nicht nachweisen ließ.
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| Abb. 2 : Aufbau der Geschmacksknospe [87] | ||
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Erst humane Genprojekte ließen die Identifikation von Rezeptorgenen für die Rezeptoren der Grundqualität „bitter“ zu [2,27]. Die große Anzahl von Bitterrezeptoren legte den Schluss nahe, dass sie in der Lage sind, bestimmte Bitterstoffe zu erkennen. Das Experiment von Zucker et al. ergab ein interessantes Ergebnis [68 ]. Die unterschiedlichen Bitterstoffe aktivierten unterschiedliche Rezeptoren, aber unabhängig vom Rezeptortyp die gleichen intrazellulären Signalwege. Demnach werden chemisch unterschiedliche Moleküle von speziellen Rezeptoren erkannt, lösen aber die gleichen Geschmackswahrnehmungen aus. Dies hat zur Folge, dass die Vielfalt der Rezeptoren der Sinneszellen eine hohe Sensitivität ermöglicht, aber im Gegenzug die Fähigkeit zur Differenzierung vermindert ist.
Einen weiteren Schritt zur Klärung der Geschmackstransduktion konnten Chaudhari et al. verzeichnen, indem ein möglicher Rezeptor für die Geschmacksqualität „umami“ gefunden wurde [28]. Ihre Forschungsergebnisse lassen den Schluss zu, dass eine Isoform des neuronalen Glutamatrezeptors in der Zunge wahrscheinlich als Rezeptor für „umami“ fungiert. Dies stellt sich insbesondere als eine wichtige Erkenntnis für die Lebensmittel- und Ernährungsforschung dar.
Erst die eindeutige Zuordnung eines Rezeptors für die Qualität „süß“ ermöglicht ein Verständnis des Geschmackssinnes auf molekularer Ebene.
Nach neuesten Untersuchungen zu urteilen, besteht ein Zusammenhang zwischen dem Zuckerkonsumverhalten und der Süßempfindlichkeit sowie dem Präferenzverhalten zum Süßgeschmack. So
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führt eine 6 monatige Reduktion in der Zufuhr von süß schmeckenden Lebensmitteln (Reduktion um mehr als 60 g/d auf 100 g/d Mono- und Disaccharide) zu einer Absenkung der Süßerkennungsschwelle. Ebenfalls verminderte sich nach Angaben von Seppelt et al. die Fehlerhäufigkeit bei der Differenzerkennung von Zuckerlösungen [148].
Der Geschmackssinn ist eine Sinnesmodalität, die von ihrer Umwelt stark modifiziert und geprägt wird. Beeinflussend wirken das Altern (Verlust von Geschmacksknospen) sowie cerebrale Durchblutungsstörungen und Multimorbidität mit den dadurch bedingten Pharmakaeinnahmen, die Salivation (Löslichkeit und Umspülbarkeit), Geschlecht, Medikamente (siehe Tabelle 3 und 4) physiologische Rhythmen, Galvanoelementbildung und Xerostomie [21,22,130,136,146,159,170].
Infolge der gestiegenen Lebenserwartung und durch den Rückgang der Geburtenrate ist der Anteil älterer Menschen in unserer Bevölkerung angestiegen. Auch in den kommenden Jahren müssen wir auf Grund immer fortschrittlicherer Untersuchungsmethoden und -verfahren mit einer vermehrten Zahl von multimorbiden Patienten rechnen. Aber gerade die Multimorbidität ist es, die die altersbedingten Geschmacksveränderungen weiterhin negativ beeinflusst.
Die Tabelle 5 zeigt eine Auswahl von Erkrankungen, die im zunehmenden Alter zu chemosensorischen Störungen mit einer Beeinträchtigung des Oralsinnes führen.
Bei der Untersuchung des Geschmacksinns kommt es zum Verschmelzen der Bereiche der objektiven und subjektiven Sinnesphysiologie (siehe Abbildung 3). Einer direkten naturwissenschaftlichen Analyse sind die Empfindungs- und Wahrnehmungsprozesse nicht zugänglich.
| Abb. 3 : Schematische Darstellung der an einem Wahrnehmungsprozess beteiligten Strukturen [87] | ||
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Tab. 3 : Medikamentenassoziierte Störung des Geschmackssinns nach Henkin [64]
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Medikament |
Geschmacksbeeinflussung |
|
Antibiotika antibakteriell Lincomycin Tetracyclin Sulfasalazin antifugal Amphotericin B Griseofulvin antituberkulär Ethambutol antiprotozoan Metronidazol Antidiabetika Biguanide Antiinflammatorische Mittel Phenylbutazone Azetylsalizylsäure Clofibrat Cholestyramin Antikoagulanzien Phenindion Antikonvulsiva Tegretol Antiparkinson-Medikamente Levodopa Antipsychotika Lithiumcarbonat |
Geschmacksstörung metallische Dysgeusie Geschmacksstörung Geschmacksstörung Geschmacksstörung metallische Dysgeusie Geschmacksstörung metallische Dysgeusie Hypogeusie, Ageusie Geschmacksstörung Verminderung der Geschmackssensitivität Geschmacksabnormalitäten Geschmacksstörung Hypogeusie, Ageusie Geschmacksstörungen Hypogeusie, Ageusie |
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Tab. 4 : Medikamentenassoziierte Störung des Geschmackssinns nach Henkin [64]
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Medikament |
Geschmacksbeeinflussung |
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Antithyrotische Medikamente Thiamazol Carbamizol Methimazol Methylthiouracil Arthritis-Medikamente Penicillamin Auranofin Allopurinol Dentalhygiene Agens Natriumlaurylsulfat Immunsuppressiva 5-Fluoruracil Bleomycin Azathioprin Kardio-vaskuläre Medikamente Captopril Enalapril Amrinon Nifedipin Diltiazem Muskelrelaxantien Baclofen Tranquilizer Chlormezanon ZNS-Stimulanzien Dextroamphetamin |
Hypogeusie, Ageusie Hyposmie -geusie, Anosmie, Ageusie Hyposmie -geusie, Anosmie, Ageusie Hyposmie -geusie, Anosmie, Ageusie metallische Dysgeusie, Hypogeusie Geschmacksstörung, metallische Dysgeusie metallische Dysgeusie Geschmacksstörung Anstieg der Sensitivität für süß Hypogeusie Geschmacksstörung Ageusie, bitter, süß und salzig Dysgeusie Dysgeusie, selten Ageusie Hypogeusie Geschmacksstörung Hypogeusie Hypogeusie, Ageusie Ageusie erhöhte Geschmacksschwelle für „süß“, verringerte Geschmacksschwelle für „bitter“ |
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Erkrankung |
Chemosensorische Störung |
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Morbus Alzheimer |
erhöhte SDT, verminderte SID |
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Morbus Parkinson |
erhöhte SDT, verminderte SID |
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Diabetes mellitus (Typ II) |
erhöhte SDT, verminderte SID, erhöhte TDT für Glucose, erhöhte TRT für Dextrose |
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Hypertension |
erhöhte TRT für „salzig“ |
Die Psychophysik untersucht Zusammenhänge zwischen dem physikalisch beschreibbaren Reiz und der davon ausgelösten subjektiven Empfindung mit Hilfe des elementaren ordinalen Messmodells. Hierbei ist die Verschiedenheit der Sensitivität von Versuchspersonen für den Vergleich sensorischer Untersuchungsergebnisse eine erhebliche Unwägbarkeit, weil die Bestimmung subjektiv simultan wirksamer Reize ein altes Problem der experimentellen Psychologie darstellt [46].
Die Validität der Skalierung hängt neben der statistisch ausreichenden Sicherung im Wesentlichen von darüber hinaus wirksamen Einflussgrößen und deren Beherrschung ab. Für den Süßgeschmack erhebliche systematische Fehler verursachende Parameter sind die individuellen Sensitivitäten [69,70,72], die Adaption an den Reizbereich [69,71] und Bezugssystembildungen. Insbesondere können Spannweiteneffekte durch simultane, zwecks schneller Interpolation, vorgelegte Reizsequenzen ebenfalls zu diesen Messgrößen gezählt werden [69]. Das Ziel neuerer Untersuchungen war es, den Versuchsaufwand bei Beherrschung systematischer Fehlerquellen zu senken [72,75].
Die Gustometrie kann durch zwei verschiedene Arten erfolgen. Entweder wird eine klassische Methodik mittels Schmecklösungen oder eine Elektrogustometrie vorgenommen.
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Als übliche Prüfsubstanzen für die klassische Methodik kommen Saccharose, Natriumchlorid, Zitronensäure, Chininhydrochlorid und verschiedene andere Bitterstoffe zur Anwendung. Die Substanzen werden je nach Methode appliziert und sind in Tabelle 6 dargestellt.
Die Dreitropfenmethode sowie die Reizung der Zunge mittels Augenpipette und Filterpapierplättchen werden mit dem Ziel eingesetzt, lokalisierte Bereiche der Mundhöhle zu untersuchen (regionale Tests). Diese Methoden ermöglichen neben der allgemeinen Einschätzung des Geschmacksvermögens auch das Erkennen von Seitenunterschieden und speziellen Nervenschäden im Kopfbereich.
Mit der Dreitropfenmethode und der Reizung mittels Augenpipette können vordere Anteile der Zunge isoliert untersucht werden. Ergebnisse für die Bereiche des weichen Gaumens können diese Methoden nicht liefern [54]. Anders als bei der Geschmacksprüfung mit Filterpapierplättchen ist eine gezielte lokale Reizung der gesamten Mundhöhle möglich.
Als eine weitere Untersuchungsmethode stellt die Spülmethode ebenfalls eine Prüfung des gesamten Geschmacksorgans dar. Hierbei können Geschmacksrezeptoren unterschiedlichster Lokalisation gereizt werden [75].
Untersuchungen bezüglich der Sensitivität der Geschmacksprüfungen haben ergeben, dass die Dreitropfenmethode und die Reizung mittels Augenpipette gegenüber den anderen Methoden nur geringfügig weniger sensitiv sind [54,142].
Tab. 6 : klassische Methoden zur Untersuchung des Geschmacksorgans
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Autor |
Jahr |
Methode |
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Schott et al. [145] |
1967 |
Augenpipette |
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Glöckner [54] |
1980 |
Dreitropfenmethode |
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Jandová et al. [76] |
1970 |
Filterpapierplättchen |
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Jäger [75] |
1997 |
Spülmethode |
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Ahne et al. [3] |
2000 |
Tablettenmethode |
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Diese Tests besitzen nach Angaben von Ahne et al. folgende gravierende Nachteile [3].
Aus diesen limitierenden Umständen in der klinischen Applikation heraus entwickelte die Arbeitsgruppe um Ahne et al. in jüngster Zeit einen neuen Test für den Geschmackssinn [3]. Hierbei erfolgt die Reizung des Geschmacksorgans über Geschmackstabletten der jeweiligen Geschmacksqualität in unterschiedlichen Konzentrationen, während die Stimulantien pseudorandomisierend angeordnet sind. Die Durchsetzung dieser Geschmacksprüfung für klinische und wissenschaftliche Fragestellungen ist noch abzuwarten. Außerdem muss die hinzukommende haptische Komponente bei der Prüfung des Geschmackssinnes kritisch betrachtet werden.
Bei der Elektrogustometrie findet das Gerät von Krarup zur elektrischen Reizung der Zunge am häufigsten Anwendung. Da dieses Testverfahren nicht bei allen Patienten eindeutige Geschmacksempfindungen bewirkt und schon bei geringer Überschreitung der Reizschwelle sensible Rezeptoren gereizt werden [140], kann auf die adäquate Reizung nicht verzichtet werden.
Der klassischen Gustometrie sollte gegenüber der Elektrogustometrie noch aus weiteren Gründen der Vorzug gegeben werden. Die Lerneffekte und die individuellen Variabilitäten der Unterschiedsempfindlichkeiten werden durch ein Gustometer nur fehlerhaft erfasst [73 ].
Bei der Prüfung der Geruchsempfindungen hat sich die Riechflaschen-Methode (sniff-bottel technique) im klinischen Einsatz gegenüber den objektivierenden Methoden als genau, patientenfreundlich und kostensparend herausgestellt. So konnte eine 94%ige Übereinstimmung bei der Bestimmung der Geruchswahrnehmungsschwelle mittels der Respirations-Olfaktometrie mit der subjektiven Olfaktometrie ermittelt werden [58].
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Die dentale Plaque ist unbestritten der Auslöser der Karies sowie auch der Parodontopathien, ob jedoch die Quantität (reine Menge an Plaque) oder deren Qualität (spezifische bakterielle Zusammensetzung) das auslösende Moment darstellt, steht immer noch zur Diskussion. Bezüglich der Ätiologie wurden deshalb Plaque-Hypothesen aufgestellt: unspezifische [102], gruppenspezifische [88] und spezifische Plaque-Hypothese [101], exogene Plaque-Hypothese [52] und Theorie der ökologischen Veränderung [114].
Aber es existieren weitere ätiologische Faktoren wie die Ernährung, die Infektion und die genetischen Eigenschaften der Zähne und des Speichels, die für die Kariesentstehung verantwortlich sind [17,67,178].
An dieser Stelle soll herausgehoben werden, dass zwar die Ätiologie der Karies eine Kombination dieser Elemente nötig macht (siehe Abbildung 4), aber bezüglich der Hintergründe dieser Studie nur dem ätiologischen Faktor Speichel in den weiteren Ausführungen eine tiefere Beleuchtung zukommt.
Die Ergebnisse der neueren Kariesstudie zeigen eine Übereinstimmung mit den etablierten Informationen, dass der Speichel-pH-Wert und die Pufferkapazität negativ und die Lactobacillus- und die Streptococcus mutans-Zahl positiv mit dem DMFT-Index korreliert [84].
Eine Korrelation zwischen Speichelsekretionsrate und DMFT-Index konnte mit den vorangegangenen Beobachtungen [17,137 ] nicht übereinstimmend gezeigt werden.
Interessanterweise stellte sich heraus, dass die Carboanhydrase VI (CA VI) –konzentration im Speichel mit dem DMFT-Index negativ korreliert. Denn zuvor konnte keine ausgeprägte Korrelation zwischen der Konzentration irgendeines speziellen Speichelproteins und der Kariesprävalenz nachgewiesen werden [83]. Überraschenderweise spielt die CA VI eine spezifische Rolle im natürlichen Abwehrsystem gegen Karies. Früher wurde angenommen, daß die CA VI an der Aufrechterhaltung des Bicarbonatspiegels im Speichel beteiligt ist [45]. Eine interessante Alternative kann die Anheftung der CA VI an das Pellicle darstellen. Dort könnte es zu einer lokal beschleunigten Neutralisation überschüssiger Säure durch die katalytische Reaktion H+ + HCO3- ⇒ H2 O + CO2 kommen, welches das bedeutendste Puffersytem des Speichels ausmacht [17,181].
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| Abb. 4 : Schematische Darstellung der wichtigsten ätiologischen Faktoren für die Entstehung einer Karies [97] | ||
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Ebenfalls hat das Raucherverhalten Einfluss auf die Kariesprävalenz. Das Rauchen bedingt eine Veränderung der Konsistenz der Plaque, der Speicheleigenschaft [4,123] und führt zur Herabsetzung der Vitalität der Phagozytosefähigkeit der polymorphkernigen neutrophilen Granulozyten [82]. Diese Effekte des Rauchens wirken sich schädigend auf das orale Hartgewebe aus, indem die Kariesentstehung begünstigt wird.
Dass Morbus Crohn mit pathologischen Veränderungen des oralen Weichgewebes assoziiert ist, wurde schon zahlreich dokumentiert [10,19,39,42,48,49,122,143,151,167].
Die Existenz von Auswirkungen des Krankheitsbildes auf die oralen Hartgewebe wurde jedoch nur von wenigen Autoren beleuchtet [16,134,163,164,165].
Sundh, Hulten und Rooney gehörten zu den ersten, die eine höhere Kariesaktivität bei Morbus Crohn-Patienten gegenüber Kontrollpersonen aufzeigten [134,164]. Dieses Phänomen war besonders bei Patienten mit ausgeprägten Dünndarmresektionen auffällig [163]. Als Ursache dieser erhöhten Kariesprävalenz werden die auf metabolische Störung zurückgeführten Strukturveränderungen der Zahnhartsubstanz und Veränderung der Speichelzusammensetzung, der signifikant erhöhte Zuckerkonsum, die schlechte Mundhygiene, die labile physische und psychische Kondition während der akuten Phase dieser Erkrankung angesehen [134,163,164,165].
Diese Faktoren zusammengenommen müssten sich in einer Veränderung der oralen Flora äußern, die eine erhöhte Kariesaktivität bedingen. Tatsächlich konnte eine Er[Seite 27↓] höhung der Zahl von kariogenen Bakterien, wie Streptococcus mutans und Lactobacillen, bei Patienten mit Morbus Crohn festgestellt werden [16,164].
Neuere Untersuchungen beschäftigen sich mit antimikrobiellen Speichelproteinen bei Crohn-Erkrankten [164,165]. Folgende Ergebnisse konnten in diesen Arbeiten zusammengetragen werden. Die Speichelsekretionsrate der Crohn-Patienten, die in eine Gruppe mit aktiver und nicht aktiver Erkrankung aufgeteilt wurden, unterschied sich nicht von der der Kontrollgruppe. Die Bestimmung der Sekretionsrate erfolgte im stimulierten und nicht stimulierten Zustand. Außerdem wurde eine erhöhte Anzahl von kariogenen Mikroorganismen, wie Streptococcus mutans und Lactobacillen, und ein erhöhter DS (Decayed tooth surfaces) bei den Patienten mit der nicht aktiven Erkrankung gegenüber der Kontrollgruppe nachgewiesen. Ein signifikanter Unterschied für die antimikrobiellen Proteine konnte jedoch zwischen den Gruppen nicht gefunden werden.
Die Aussagen über die Zusammenhänge zwischen dem Morbus Crohn und der sIgA-Konzentration lassen Konflikte entstehen. Es wurde eine erhöhte sIgA-Produktion in den Speicheldrüsen der Lippen bei Crohn-Patienten gegenüber Gesunden gefunden [30].
Einem anderen Bericht entnimmt man eine verminderte sIgA-Konzentration der Glandula parotis [9], während einer weiteren Publikation zufolge keine sIgA-Konzentrationsdifferenzen im Vergleich von Gesamtspeichel zum Parotisspeichel vorliegen [31].
Der eigentliche Grund für die erhöhte Kariesprävalenz von Patienten mit Morbus Crohn ist noch unklar, aber die Ernährung scheint wahrscheinlich den größten Anteil dabei einzunehmen.
Zink ist ein essentielles Spurenelement, welches bei Mangel spezifische strukturelle und funktionelle biochemische und physiologische Abnormitäten entstehen lässt, die durch Zugabe verhindert oder
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behoben werden können [127 ]. Schweinefleisch und Geflügel gelten als größte Nahrungsquellen für Zink. Ein Mensch mit physiologischen Normwerten enthält eine Gesamtmenge von 1,4-2,3 g (20-35 mmol) Zink, die vorwiegend in Leber, Niere, Knochen, Retina, Prostata und Muskeln vorkommt [174 ]. Die durchschnittliche tägliche Zufuhr beträgt 10-15 mg (150-230 µmol) [57].
Zink liegt in gebundener Form im Organismus vor, wobei die Bindung an Albumin den größten Anteil ausmacht.
Die meiste Erkenntnisse über die metabolische Rolle des Zinks wurde durch Symptome des Zinkmangels hergeleitet, wie die der Wachstumsverzögerung, des Hypogonadismus, der Anorexie mit Abnormitäten des Geschmacks und des Geruchs, der Abnahme der Hörfähigkeit, der acrodermatiden Hautläsionen, der Veränderungen im Vitamin A-Metabolismus und der Verminderung der Wundheilung und der Aktivität des Immunsystems [23,60, 98,112,153,179 ]. Diese Zusammenhänge sind nur wenigen Zahnärzten und Ärzten jedoch in einem genügenden Ausmaß bekannt.
Zinkmangel wurde bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen beschrieben [109, 115,155]. Die Tabelle 45 gibt einen Überblick über die verschiedenen Zinkkonzentrationen im Plasma unterschiedlicher Studien der letzten Jahre.
Die Morbus Crohn-Patienten zeigten häufiger Befunde von Hypozinkämie, während diese bei den Colitis ulzerosa-Patienten selten vorkam [115]. Gezielte Untersuchungen von Sjögren et al. [152] und Cunnane et al. [34] in bezug auf den Zinkstatus bei Crohn-Patienten zeigten einen intrazellulären (Erythrozyten, Leukozyten und Muskelzellen) Zinkmangel, der sich jedoch im Plasma nicht durch eine Reduktion des Zinkspiegels äußerte. Obwohl Tiomny et al. den erwarteten ungeklärten hohen Zuckerkonsum an ihren Crohn-Patienten nachweisen konnten [171], fanden sie nur einen geringen klinischen Zinkmangel. Sie zogen die mögliche Beeinflussung durch die relativ hohen von Aufnahmen Getreide, Hülsenfrüchten, Brot, Ballaststoffen, Früchten und Gemüse der jüdischen Bevölkerung in Erwägung. Ebenfalls berichteten Mc.Clain et al. [109] und Solomons et al. [155] über eine herabgesetzte Zinkkonzentration im Serum.
Ein Grund für die Hypozinkämie kann in verschiedenen Prozessen liegen, wie reduzierte exogene
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Zinkaufnahme, Hypoalbuminämie, verminderte Absorption, erhöhte Ausscheidung, Wachstumsverringerung des entzündlichen mukosalen Epithels oder innere Neuverteilung des Zinks durch freiwerdende LEM (leukocyte endogenous mediator) [109,115,155,] sowie maligne Neubildung [7,78 ] oder entzündliche Prozesse [13 ]. Außerdem können adrenocorticotrope Hormone und Steroide ähnliche Wirkung ausüben [44 ]. So stellten Stoll et al. bei 40% der von ihnen untersuchten Crohn-Patienten eine gestörte Zinkabsorption in die Mucosazelle fest [161].
Einen signifikant positiven Zusammenhang zwischen Aktivität oder Dauer der Crohn-Erkrankung und Zinkkonzentration im Serum konnte festgestellt werden [109]. Während Infektionen oder akut entzündliche Erkrankungen sowie regionale Enteritis kaum die Ursache für einen Zinkmangel sind, mag es sich vielleicht um einen anderen Hauptmechanismus handeln [14 ,156].
Gustin ist ein Zink-Metalloprotein und stellt 3% der humanen Parotisspeichelproteine dar [62 ]. Es ist ebenfalls in den Glandulae der Nasenschleimhaut nachweisbar und konnte als Carboanhydrase VI (CA VI) [168] mit weiteren 6 Isoformen [118 ] identifiziert werden.
Eine verminderte Sekretion von Gustin/ CA VI der Glandula parotis konnte nach viralen Erkrankungen (Influenza-Virus) [60,61 ,65] und Zinkmangel [51] nachgewiesen werden.
Folgen waren Störung und Verlust der Geschmacks- (Dysgeusie und Hypogeusie) und Geruchsempfindung (Dysosmie und Hyposmie). Die Patienten zeigen eine verminderte Speichelsekretionsrate, eine verminderte Zinkkonzentration im Serum und pathologische Veränderungen der Geschmacksknospen, die sich als schwere Vakuolisation und Degeneration der zellulären Architektur (Apoptose) äußern [60,65 ].
Gustin/ Carboanhydrase VI spielt in der Geschmacksempfindung eine Schlüsselrolle. Es erscheint wahrscheinlich, dass Gustin/ CA VI als Wachstumsfaktor für Geschmacksknospen und
Riechepithelzellen fungiert [66 ] und dass es der Stimulation von nerve growth factor [63] und der Aktivierung von c AMP PDEase [94], welche eine wichtige Rolle in der Geschmackstransduktion spielt, dient.
Studien haben gezeigt, dass Zinksupplementation eine Steigerung von Gustin/ CA VI mit Korrektur der Geschmacksstörung und der pathologischen Veränderungen der Ge[Seite 30↓] schmacksknospen zur Folge hat [66 ]. Eine Verabreichung von Zink forciert die Synthese von Gustin/ CA VI und könnte das Gen, welches die Gustin/ CA VI-Synthese und Sekretion kontrolliert, induzieren [29,139].
Zink könnte für die neuralen Prozesse bei der Geschmacks- und Geruchsempfindung von Bedeutung sein. Denn Zink ist essentiell für die Synthese von Proteinen, welche für GABA-funktionen erforderlich ist. Außerdem moduliert Zink die Aminosäurebindungen von Neurotransmitterrezeptoren [175].
In den Studien von Henkin et al. zeigten 4 Patienten keinen Anstieg von Gustin/ CA VI, deshalb könnten andere Defekte in der CA VI- Synthese eine Rolle spielen, welche eine Behinderung der Bindung oder der Einlagerung von Zink in die Glandula parotis zur Folge haben. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, dass mehr als nur ein Wachstumsfaktor für das Wachstum und die Entwicklung von Geschmacksknospen verantwortlich ist und die Anwesenheit von Zink nicht nötig ist [66 ].
Auf der einen Seite besitzt Zink einen Einfluss auf die Glykoproteinsynthese, die Modulation der Genexpression und den Peptidstoffwechsel und hat damit physiologisch Bedeutung für verschiedene Sinnesfunktionen, die Epithelregeneration, die testikuläre Funktion und die Immunantwort erlangen (siehe Tabelle 7). Auf der anderen Seite ist die Freisetzung von Vitamin A als Komplex aus Vitamin A und retinolbindendem Protein (RBP) aus der Leber nur bei ausreichender Zinkkonzentration möglich [153].
Bei Mangelzuständen, die grundsätzlich durch 4 verschiedene Ursachen entstehen (siehe Tabelle 8) können, sind hyperkeratotische Hautveränderungen, Immundefizienz und eine erhöhte Tumorinzidenz als Folge anzusehen und waren Gegenstand vieler Untersuchungen bei Erkrankung der Schleimhäute [6,78,81, 85,147].
Interessanterweise konnte ein niedrigerer Zinkserumspiegel bei Patienten mit oraler Leukoplakie und bei Patienten mit oralem Plattenepithelkarzinom im Vergleich zu der Kontrollgruppe festgestellt werden [78,85].
Als Ursachen für den Zinkmangel bei den Patienten mit oralem Plattenepitelkarzinom zogen Kleier et al. einen langjährigen Alkoholabusus mit darauf zurückzuführender verminderter Zufuhr und verminderter Resorption [81 ,147] sowie einen vergrößerten porto[Seite 31↓] systemischen Shunt (verminderter hepatischer Extraktion) mit darauf zurückzuführender gestörter Verteilung [81 ] in Betracht.
Der Zinkmangel spielt eine nachgewiesene Rolle bei Karzinomen, die durch Dialkylnitrosamine induziert werden, da der mikrosomale Stoffwechsel der Dialkylnitrosamine zinkabhängig ist [7].
In Hinblick auf den Einfluss von Zink auf die Schleimhautregeneration, die Immunantwort und den Schleimhautschutz sollten die Ursachen eines Mangels ermittelt und beseitigt werden [85].
Die Notwendigkeit zur systemischen Substitution von Zink bei oraler Präkanzerose und oralem Karzinom sind durch prospektive Studien zu untersuchen [85].
Tab. 7 : Funktionen von Zink nach Kleier et al. [85] („+ “ = positive Assoziation)
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Mechanismen und Wirkungen |
Zink |
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Physiologie Sinnesfunktionen Sehen Geschmack Geruch Gehör Wachstum Epithelregeneration Blutbildung Testikuläre Funktion Immunantwort Zerebrale Funktionen Blutgerinnung |
+ + + + + + + + + + + |
Kirstilä et al. fanden einen Zusammenhang zwischen einer reduzierten Carboanhydrase VI-Konzentration (CA VI) im Speichel und der Kariesprävalenz heraus [83], die durch Kivelä et al. erneut bestätigt wurden [84].
Dem Enzym CA VI kommt eine spezifische Rolle in dem natürlichen Abwehrsystem gegen die Infektionserkrankung Karies zu. Die Aufgabe der CA VI liegt nach Angaben von Feldstein et al. in der
Aufrechterhaltung des Bicarbonatspiegels im Speichel [45]. Eine interessante Alternative könnte die Anheftung der CA VI an das Pellicle mit der dortigen lokal be[Seite 32↓] schleunigten Neutralisation überschüssiger Säure durch katalytische Reaktionen darstellen.
Die Bedeutung von Zink für den Stoffwechsel besteht hauptsächlich in seiner Rolle als Aktivator oder Inhibitor von Enzymen. Somit erscheint eine Abhängigkeit des oralen Immunsystems vom Zinkstoffwechsel als wahrscheinlich, was durch prospektive Untersuchungen weiter bestätigt werden muss.
Tab. 8 : Mögliche Ursachen eines Zinkmangels nach Kleier et al. [85]
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Mechanismus |
Ursache |
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Verminderte Zufuhr |
Fehlernährung -Alkohol -Psyche |
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Verminderte Resorption |
Alkoholeinfluß Gallensäuremangel Schleimhautveränderungen Pankreasexkretionsstörung |
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Gestörte Verteilung |
Proteinstoffwechselstörung Zelluläre Aufnahmestörung Gestörte zelluläre Speicherung und Exkretion |
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Erhöhter Verlust |
Gesteigerter Abbau Vermehrte renale Ausscheidung -Verminderte Proteinbindung und Diuretika |
Die Erkrankung Morbus Crohn, die durch klinische Erscheinungen und zahlreiche Symptome charakterisiert ist, zeigt in deren Verlauf häufig spontane Exazerbationen und Remissionen. Die Vielfalt des klinischen Bildes und der möglichen Ursachen erschweren eine genaue Einschätzung des
Schweregrades der Entzündung sowie der Wirksamkeit und Vergleichbarkeit verschiedener Therapieformen [110].
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Als relevanteste biochemische Marker gelten für die Bestimmung der Entzündungsaktivität die akute Phasen Proteine C reaktives Protein (CrP) und α1 – saure Glykoprotein. Beide wissenschaftliche Arbeitsgruppen um Meryn und Vucelic´ konnten einen Unterschied zwischen CrP - und α1 – sauren Glykoproteinwerten bei Patienten mit geringen entzündlichen Aktivitäten und Patienten in schweren entzündlichen Krankheitszuständen feststellen [110,177]. Studien zeigten, daß bei der Beurteilung der entzündlichen Aktivität des Morbus Crohn CrP vielleicht als der beste biochemische Indikator unter den Akute-Phase-Proteinen gilt [26,177].
Das Serumprotein Albumin stellt trotz seiner langen Halbwertzeit sowohl einen guten Parameter des Ernährungsstandes [18] als auch einen guten Indikator für die Entzündungsaktiviät dar, da die Serumalbuminkonzentration mit dem Proteinverlust durch die Darmwand korreliert. So konnten die Untersuchungen von Meryn et al. eine signifikante Korrelation von Albumin zum CDAI aufweisen [110].
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