|
| [Seite 72↓] |
Erste retrospektive Beobachtungen über die Bedeutung des Zuckerkonsums für die Ätiologie des Morbus Crohn wurden von Martini und Brandes [105] gemacht. Dabei fanden sie bereits vor Auftreten der ersten Crohn-assoziierten Symptome einen weit über der Norm liegenden Konsum von raffinierten Kohlenhydraten.
Unseren Beobachtungen zufolge zeigten Patienten mit Morbus Crohn in Gegenüberstellung zur Kontrollgruppe ebenfalls einen erhöhten Zuckerkonsum, der sich in einem um 48,9% gesteigerten Verzehr von Saccharose äußert. Dies stellt eine Bestätigung der bisherigen zahlreichen Publikationen aus Israel, England und Deutschland dar [107,113,150].
Der tägliche Saccharosekonsum unserer Crohn-Patienten beträgt 107,1 ± 27,7 g/d. Der höchste mittlere Tagesverzehr lag bei 164,1 g. Die durchschnittliche Aufnahme der Kontrollpersonen betrug 71,9 ± 13,7 g/d.
Ein Vergleich der erlangten Ergebnisse mit den einzelnen überwiegend retrospektiven, Studien zeigte sich durch die nicht eindeutig deklarierten Kohlenhydratformen und die großen Schwankungen als schwierig (siehe Tabelle 45). Der Grund für die starken Schwankungen liegt in der Schwierigkeit einer gesicherten Erhebung der Ernährungsgewohnheiten. Aber in keiner der veröffentlichten Studien war der Konsum raffinierter Kohlenhydrate der Morbus Crohn-Erkrankten normal oder gar vermindert.
Ein weiterer Punkt erschwert die Gegenüberstellung der erworbenen Resultate. Während englische Studien sich mit dem Zuckerkonsum zum Frühstück befassten [126], legten deutsche Forschungsgruppen eine höhere Gewichtung auf den insgesamt erhöhten Zuckerkonsum und vermehrten Genuss von Süßigkeiten [79,106].
Trotz der Unterschiede stellen die Ergebnisse dieser Arbeiten eine Übereinstimmung mit den Beobachtungen von Martini und Brandes dar [105].
Anhand unserer Ergebnisse kann davon ausgegangen werden, dass die Erkrankungsdauer einen entscheidenden Einfluss auf den Saccharosekonsum hat. Bei unseren Patienten war mit zunehmender Krankheitsdauer eine Abnahme des Konsums von Sascharose nachzuweisen. Der Saccharoseverzehr bei Morbus Crohn-Patienten lag im [Seite 73↓] Vergleich zu den Kontrollpersonen für die Erkrankungsdauer von 1-2 Jahren bei 69,7%, für die Erkrankungsdauer von 3-6 Jahren bei 51,6% und für die Erkrankungsdauer von
mehr als 6 Jahren bei 22,8%, bezogen auf die Gesamtkalorienmenge.
Im Gegensatz zu den bereits erwähnten Studien konnten Thornton et al. keinen Unterschied hinsichtlich des Zuckerkonsums in Abhängigkeit von der Erkrankungsdauer finden [169]. Jedoch muss mit diesem Ergebnis kritisch umgegangen werden, da die Gesamtzahl der untersuchten Patienten in dieser Studie lediglich 30 betrug und in 2 Untergruppen unterteilt war.
Järnerot et al. fanden mit ihren Ergebnissen Gründe, dass der erhöhte Zuckerverbrauch als ein „sekundäres Phänomen“ anzunehmen wäre [77]. Die Morbus Crohn-Patienten konsumierten signifikant mehr raffinierten Zucker (88,9 ± 50,7 g/d) als die Kontrollgruppe (64,3 ± 45,6 g/d). 15 Patienten mit Morbus Crohn, die innerhalb von 6 Monaten nach Diagnosestellung befragt wurden, nahmen die gleiche Menge an Zucker (69,9 ± 43,9 g/d) zu sich wie die Kontrollpersonen. 15 andere Patienten mit Morbus Crohn, die 7-36 Monate nach Diagnose untersucht wurden, zeigten einen signifikant gesteigerten Zuckerkonsum (107,9 ± 51,2 g/d).
|
Zuckerkonsum (g/d) |
||||
|
Autor |
Jahr |
n |
M. Crohn |
Kontrolle |
|
Gesamter Zuckerkonsum | ||||
|
Martini und Brandes [105] |
1976 |
63 |
116 * |
74 |
|
Kasper und Sommer [77] |
1979 |
35 |
156 * |
91 |
|
Thornton et al. [169] |
1985 |
30 |
132 * |
85 |
|
Mayberry et al [108] |
1981 |
16 |
118 * |
104 |
|
Zusätzlicher Zucker | ||||
|
Mayberry et al. [107] |
1980 |
1201 |
66 * |
38 |
|
Mayberry et al. [108] |
1981 |
32 |
45 * |
18 |
|
| [Seite 74↓] |
Diese Beobachtung konnte mit der vorliegenden Arbeit für die 6 Crohn-Patienten mit einer Erkrankungsdauer von <3 Jahren (122,0 ± 25,5 g/d) bestätigt werden. Bezüglich der Höhe der festgestellten täglichen Zuckermenge führte eine Auswertung der Ergebnisse zu einem signifikanten Unterschied im Vergleich zu den Kontrollen.
Weiterer Vergleiche mit den Ergebnissen von Järnerot et al. [77] waren mit der vorliegenden Untersuchung nicht möglich, da alle Probanden eine Erkrankungsdauer über 2 Jahre hatten.
Obwohl die vorliegende Studie nicht die Ätiologie des Morbus Crohn untersucht, kann ein „sekundäres Phänomen“ nicht ausschlossen werden.
Abschließend ist zu erwähnen, dass Patienten mit einer chronisch gastrointestinalen Erkrankung ihre Ernährungsgewohnheiten infolge gastrointestinaler Symptome geändert haben könnten, so dass ein Rückschluss von nach Erkrankungsbeginn erfassten Ernährungsgewohnheiten auf die vor Ausbruch der Erkrankung bestandene Ernährung nicht mit Sicherheit geführt werden kann.
Die Gültigkeit der Daten könnte nur mit der Erhebung einer größeren Anzahl der Ernährungsgewohnheiten von neu diagnostizierten Erkrankten in einer prospektiven Studie erhöht werden.
Auf der Suche nach den Gründen für die überhöhte Zuckeraufnahme bei Patienten, die an Morbus Crohn erkrankten, sahen einige Autoren eine Veränderung der Geschmacksempfindung für die Qualität „süß“ als mögliche Ursache an.
Tatsächlich konnte in der vorliegenden Studie eine Geschmacksschwellenerhöhung für die Qualität „süß“ bei Morbus Crohn-Patienten festgestellt werden. Die Mittelwerte betrugen für die Crohn-Patienten 7,31g/l und für die Kontrollpersonen 2,91g/l Saccharoselösung. Die Patienten dieser Studie benötigten für das Erkennen der Erkennungsschwelle für den Süßgeschmack im Durchschnitt eine um 60,2% höher konzentrierte Zuckerlösung.
Dieses Resultat bestätigt die Beobachtungen von Solomons et al. [155], die zwar über höhere Geschmacksschwellen berichteten, jedoch keine Angaben über die Art und das Ausmaß der Schwellenerhöhung machten.
|
| [Seite 75↓] |
Die Ergebnisse von Kasper et al. [79], Penny et al. [120] und Tiomny et al. [171] können die Hypothese des geschmacksbedingten, gesteigerten Zuckerkonsums nicht eindeutig stützen (siehe Tabelle 46).
|
Geschmacksschwelle „süß“ (g/l) |
||||
|
Autor |
Jahr |
n |
M. Crohn
|
Kontrolle
|
|
Kasper et al. [79] |
1980 |
23 |
8,4 °° * |
8,1 x |
|
Tiomny et al. [171] |
1982 |
27 |
23,8 x°°° |
23,8 x |
|
Lederer et al. [96] |
1988 |
20 |
22,0 °°* |
13,4 x |
|
44,0 °°* |
13,4 x |
|||
Trotz der positiven Beobachtungen dieser Studie erscheint weder eine veränderte Süßerkennungsschwelle noch das Präferenzverhalten für „süß“ in der Lage zu sein, die Nahrungsauswahl und das tatsächliche Ernährungsverhalten adäquat widerzuspiegeln.
Dafür sprechen ebenfalls die neusten Ergebnisse von Seppelt et al. [148]. Bei deren Untersuchung führte eine signifikante 6 monatige Reduktion in der Zufuhr von süß schmeckenden Lebensmitteln (um mehr als 60 g/d auf 100 g/d Mono- und Disaccharide) zu einer Absenkung der Süßerkennungsschwelle um 46% (von 5 g/l auf 2,7g/l Saccharoselösung) und zu einer erhöhten Fähigkeit, geringere Süßdifferenzen wahrzunehmen.
Grundsätzlich ist daraus zu schlussfolgern, dass ein langfristig veränderter Zuckerkonsum die Süßempfindlichkeit und das Präferenzverhalten zum Süßgeschmack beeinflusst, jedoch nach Angaben der Autoren in einem Maße, dass Auswirkungen auf Nahrungsauswahl und Essverhalten kaum zu erwarten sind.
Außerdem sind die Ausführungen von Drewnowski zu bedenken, dass Geschmackspräferenzen von einer Vielzahl genetischer, physiologischer und metabolischer Faktoren Veränderungen erfährt [37].
|
| [Seite 76↓] |
Bei Auswertung der Geschmacksempfindung für „süß“ nach dem Geschlecht zeigten die weiblichen Crohn-Patienten eine mittlere Erkennungsschwelle von 5,43g/l, während bei den männlichen diese Schwelle 10,00g/l betrug. Eine verminderte Geschmackswahrnehmung des männlichen Geschlechts ist als physiologisch anzusehen [132].
Eine Korrelation von Geschmacksveränderung für „süß“ und Rauchgewohnheiten der Crohn-Patienten ist nicht in Betracht zu ziehen, da langjähriges Rauchen nur eine selektive Wirkung auf den Bittergeschmack hat [132].
Eine Bestätigung der Feststellung von Lederer et al. konnte nicht erbracht werden [96]. Es wurde keine erhöhte Geschmacksschwelle für „süß“ für Patienten mit einem CDAI größer 200 und einer über 2 jährigen Krankheitsdauer beobachtet. Aber das Signifikanzniveau p<0,05 wurde leicht verfehlt, was zur Annahme führt, daß die Schwellenerhöhung für „süß“ von der Aktivität und von der Erkrankungsdauer abhängig erscheinen dürfte und somit eine sekundäre Folge darstellt.
Geschmacksveränderungen der anderen Qualitäten „salzig“, „sauer“ und „bitter“ konnten für die Morbus Crohn-Patienten dieser Studie nicht festgestellt werden. Diese Beobachtungen decken sich mit denen von Kasper et al., die ebenfalls keine Veränderungen bei den Geschmacksschwellen bei Crohn-Erkrankten beobachteten [79]. Dies steht im Gegensatz zu Lederers et al. [96] und Pennys et al. [120] Ergebnissen, die eine erhöhte Geschmacksschwelle für „sauer“ bei den Erkrankten fanden. Bei Lederer et al. trat aber diese Veränderung erst bei einer Krankheitsdauer von über 3 Jahren auf [96]. Als einziger konnten Tiomny et al. eine 50%ige Schwellenerhöhung für die Geschmacksqualität „salzig“ angeben [171]. Der überhöhte Zuckerkonsum konnte in keinen signifikanten Zusammenhang mit der nachgewiesenen Geschmacksstörung gebracht werden, wofür die Schwierigkeit der anamnestischen Erhebung der Ernährungsgewohnheiten verantwortlich gemacht werden kann.
Ein weiterer Grund könnte die nicht vorgenommene Einteilung von Gruppenurteilen nach der Fechner-Thurstone’schen Methode sein.
Für repräsentative analytische Untersuchungen ist die klassische Gustometrie nicht ohne weiteres in voller Leistungsbreite einsetzbar. Zum einen ist die gewählte Testdifferenz zur Auflösung der Sensitivitätsvariabilität von Randgruppen ungeeignet. Zum anderen besitzen Fehlersummen von hochsensitiven Personen zwangsläufig keine bzw. nur eine sehr kleine Varianz. Zum weiteren ist bei dem zwangsläufig begrenzten Stichprobenumfang die geringe Häufigkeit der Randgruppen in der Population die Ursache von Mittelwertverfälschungen [73].
|
| [Seite 77↓] |
Das würde bedeuten, dass eine zufällige Unausgewogenheit in einer Richtung eine unangemessen große Mittelwertverschiebung bewirken würde.
Eine auf der veränderten Geschmacksempfindung beruhende gesteigerte Zuckeraufnahme kann hiermit nicht ausgeschlossen werden.
Ebenfalls muss die Beeinflussung der Geschmackserkennungsschwelle für „süß“ auf Grund einer veränderten Aufnahme von süß schmeckenden Lebensmitteln in Betracht gezogen werden. Klärung dieses Sachverhaltes kann nur eine Studie mit Interventionsphasen und speziellen Ernährungsregimen herbeiführen.
Henkin et al. berichteten 1999 über die entscheidende Rolle eines Zink-Metalloproteins bei der Geschmacksempfindung [66]. Zinksupplementationen zeigten eine Steigerung von Gustin/ Carboanhydrase VI mit der Korrektur der Geschmacksstörung und der pathologischen Veränderung der Geschmacksknospen. Ob dies der Hauptmechanismus ist, scheint zweifelhaft zu sein, weil Henkin Responder und Non-Responder bezüglich der Gustin/ CA VI- Sekretion nach Zinktherapie unterscheiden musste.
Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit sprechen für keine signifikanten Zusammenhänge zwischen den Zinkkonzentrationen im Plasma und den Erkennungsschwellen für „süß“.
Zwar wiesen die männlichen Patienten dieser Studie ein signifikantes Zinkdefizit auf, aber eine Verminderung der Geschmacksempfindung lag für beide Geschlechter vor. Darum scheint der Zinkmangel nicht vordergründig der ausschlaggebende Faktor für diese Geschmacksstörung zu sein, zumal neuere Untersuchungen die wesentliche Rolle des Zinks beim Geschmacksvorgang nicht allgemein bestätigen konnten [35]. Hierbei muss auch erwähnt werden, dass Zink selbst Schmeckstörungen verursachen kann [64].
Eine Aussage über den Grad der Beeinflussung der Geschmacksempfindung kann diese Studie für den Zinkgehalt im Plasma nicht angeben.
Von den Crohn-Patienten gaben 20% zum Zeitpunkt der Untersuchung eine nicht auf Medikamente zurückzuführende subjektive Geschmacksveränderung an.
Morbus Crohn-Patienten nehmen eine Reihe geschmacksbeeinflussender Medikamente in unterschiedlicher Kombination ein. Bis auf die Untersuchung von Lederer et al. [96] wurde auf die Medikation und deren mögliche beeinflussende Auswirkung auf die Geschmacksempfindung nicht eingegangen. Vielleicht könnte dies der Grund für die starke Streuung der Ergebnisse für das Geschmacksverhalten der Morbus Crohn-Patienten sein.
|
| [Seite 78↓] |
Wie auch bei Lederer et al. [96] konnte auch bei der vorliegenden Studie kein statistisch signifikantes Niveau für eine Geschmacksempfindung unter dem Gesichtspunkt der Cortisonmedikation erbracht werden.
Auf Grund der vielfältigen Medikamentenkombinationen können zum Sachverhalt Cortisonmedikation und Geschmacksveränderung keine begründeten Aussagen gemacht werden.
Eine Störung der Geschmackswahrnehmung kann auch durch den psychischen Status des Individuums bedingt sein.
Der Geschmackssinn verkörpert vielmehr ein Gefühl von Lebensqualität. Wird die Lebensqualität beeinträchtigt, äußert sich dies auch in der subjektiven Geschmacksempfindung und in einem veränderten Präferenzmuster.
Die Beurteilung dieser Beeinträchtigung stellt sich als schwierig dar, da der Geschmack einem individuell wirksamen Adaptationsmechanismus [119] unterworfen ist. Außerdem sind die Empfindungs- und Wahrnehmungsprozesse den üblichen Geschmackstestungen wie klassischer Gustometrie und Elektrogustometrie sowie den chromatographischen Untersuchungsmethoden nicht zugänglich.
Es sei unbestritten, dass die Diagnose einer chronischen lebenslangen Erkrankung wie Morbus Crohn bei einem Patienten sekundär emotionale und psychische Probleme nach sich ziehen kann. Tatsächlich sind als Folge der langandauernden chronischen Krankheit eine Reihe sekundärer psychischer Symptome beschrieben worden. Hierzu zählen neurotisches Fehlverhalten, Introvertiertheit, Depressivität, Neigung zu Anorexie, Aggressionshemmung und Unfähigkeit, Gefühle zu äußern [90 ].
Die psychosozialen Faktoren des Morbus Crohn führen aber auch zu Ernährungsstörungen, die bei 70% der Morbus Crohn-Erkrankten das klinische Bild prägen [1]. Das subjektive Unterbewusstsein oder die Angst vor Diarrhoeen und Schmerzen zwingt die Patienten unter Umständen, eine kohlenhydratreiche und ballaststoffarme Kost einzunehmen, wodurch die leicht resorbierbare Nahrung die in ihrer Resorptionsleistung eingeschränkte stark geschädigte Darmmukosa entlasten würde.
Aus diesen Tatsachen wird deutlich, dass eine ausreichende und bekömmliche Ernährung im Sinne des Wohlgeschmacks Grundlage für eine gesunde Lebensweise in jeder Lebensphase und damit primär Voraussetzung für ein gesundes Altern ist.
Offen bleibt, welche praktischen Auswirkungen die beobachtete Süßerkennungsschwellenerhöhung bei Morbus Crohn-Patienten besitzt. Die veränderte Präferenz zu [Seite 79↓] Saccharoselösungen vermag nicht das tatsächliche Ernährungsverhalten und die Nahrungsauswahl widerzuspiegeln.
Als physiologische Störgrößen für die Geschmackswahrnehmung bei Morbus Crohn-Patienten können Störungen der Makro- und Mikrozirkulation [121] und der „Geschmackszellenmauserung“ [12] ebenfalls wahrscheinlich sein.
Entzündungsbedingte Veränderungen der Schleimhäute können Faktoren sein, die die Blutversorgung der peripheren Sinneszellen für Geruch und Geschmack und auch der zentralen Auswertezentren beeinflussen. Dies könnte zu den beobachteten Geschmackswahrnehmungsveränderungen führen.
Ungeklärt ist, ob Patienten mit Morbus Crohn eine veränderte „Geschmackszellenmauserung“ aufweisen und die nachgewiesene Hypozinkämie einen Einfluss auf die Biomorphose des Geschmackssinnes hat. Diese Besonderheit durch Ausdifferenzierung zunächst unspezifischer Zellen und gleichzeitigem Absterben älterer Geschmackszellen hält deren Anzahl beim Individuum zu einer gegebenen Zeit seines Lebens weitgehend konstant.
Mögliche Ansatzpunkte liegen in den folgenden bekannten Fakten über die geschmacksbeeinflussende Rolle des Zinks. Dieses Spurenelement ist durch die Synthese von Proteinen, welche unter anderem für GABA-Funktionen erforderlich sind, essentiell für die neuralen Prozesse bei der Geschmacks- und Geruchsempfindung. Außerdem moduliert Zink die Aminosäurebindungen von Neurotransmitterrezeptoren [175].
Das Zink-Metalloprotein Gustin/ CA VI fungiert wahrscheinlich als Wachstumsfaktor für Geschmacksknospen und Riechepithelzellen [66 ] und dient der Stimulation von nerve growth factor [63] und der Aktivierung von c AMP PDEase [94], welche eine wichtige Rolle in der Geschmackstransduktion spielt.
Durch die voranschreitende Genforschung stellen sich diesbezüglich neue Fragen für das Krankheitsbild Morbus Crohn. Könnte die eingeschränkte Geschmackswahrnehmung auf eine bestimmte Mutation der Rezeptoren für den Süßgeschmack zurückzuführen sein, wie es an isolierten Bitterrezeptoren beobachtet wurde [36]. Durch Weiterverfolgung dieses Gesichtspunktes wäre es möglich, erstmals Unterschiede in der Wahrnehmung des Geschmacks auf einer molekularen Basis zu erstellen.
|
| [Seite 80↓] |
Da sich der Morbus Crohn als eine Erkrankung des gesamten Magen-Darm-Traktes darstellt, ist eine Auswirkung auf die Mundhöhle nahe liegend. In der Vergangenheit wurden deshalb einige Studien über den Einfluss auf die Mundgesundheit durchgeführt. Alle bisherigen Arbeiten stellten ein höheres Kariesrisiko für Morbus Crohn-Patienten fest [134,163,165], während dieses Phänomen sich besonders bei Erkrankten mit ausgeprägten Darmresektionen äußerte [163] (siehe Tabelle 47).
Die Ergebnisse lassen auch die Annahme einer erhöhten Kariesprävalenz zu, obwohl nicht bei allen Studien eine Signifikanz nachgewiesen werden konnte.
Wie die Untersuchung von Sundh et al. [165], konnte auch diese vorliegende Arbeit keine signifikanten Unterschiede des DMFT-Indexes im Vergleich zwischen Crohn-Patienten und gesunden Kontrollpersonen erbringen (Crohn-Patienten: 14,0 ± 5,9; Kontrollen: 12,0 ± 4,9). Nur unter der Betrachtung des Decayed tooth surfaces (DS) waren es Sundh et al. möglich, eine Signifikanz zwischen Patienten in einer Remissionsphase und Kontrollpersonen anzugeben. Der Altersunterschied von 8 Jahren zwischen den Gruppen ist eventuell für dieses Resultat ausschlaggebend gewesen.
|
DMFT ° /DMFS °° |
||||
|
Autor |
Jahr |
n |
Patienten |
Kontrollen |
|
Sundh et al. [163] |
1982 |
27 |
52,1°° |
47,9°° |
|
Rooney et al. [134] |
1984 |
21 |
16,1 ± 6,4°* |
11,5 ± 6,2° * |
|
Sundh et al. [165] |
1993 |
25 |
14,0 ± 5,9°* |
11,5 ± 4,9° * |
|
akute: 13 |
17 °°* ,04 ± , |
22°°* ,04 ± , |
||
|
nicht akute: 12 |
22 °°* ,04 ± , |
22° |
||
|
| [Seite 81↓] |
Die Kariesentstehung hängt von 3 Hauptfaktoren ab: den Mikroorganismen (Plaque), dem Wirt (Zahn) und dem Substrat (niedermolekulare Kohlenhydrate) und 2 sekundären Faktoren, der Zeit und dem Speichel (Abwehrreaktionen). Dabei kommt es durch die von kariogenen Mikroorganismen (Streptococcus mutans und Laktobacillus) aus Kohlenhydraten, wie Saccharose, produzierten Säuren (Laktat, Pyruvat) zur Demineralisierung der Zahnhartsubstanzen. Die kariöse Zerstörung beginnt an habituell unsauberen Bereichen der Zähne (Kariesprädilektionsstellen). Zu den kariesdisponierten Bereichen gehören das Fissurensystem der Okklusalflächen, die Zahngrübchen, die Approximalflächen der Zähne, das zervikale Drittel der sichtbaren Zahnkronen und die freiliegenden Wurzeloberflächen.
Die höhere Kariesprävalenz stellt sich als ein multifaktorielles Geschehen dar. So sehen die Autoren die Strukturveränderung der Zahnhartsubstanz, die Veränderung der Speichelzusammensetzung, den signifikant überhöhten Zuckerkonsum, die schlechte Mundhygiene und die eingeschränkte physische und psychische Kondition als mögliche Ursachen an [134].
Wie auch bei der Beobachtung von Sundh et al. zuvor lag bei den untersuchten Patienten eine deutlich schlechtere Mundhygiene vor, was sich in hohen Plaque- und Gingiva- Indexwerten äußerte [163 ]. Ein Vergleich der Ergebnisse ist auf Grund unterschiedlich verwendeter Mundhygieneindices nicht möglich. Sundh et al. bekamen für ihre Patientengruppe ein Plaque-Index von 1,6 und ein Gingiva-Index von 1,0 nach Silness und Löe heraus (siehe Tabelle 48).
|
Mundhygieneindex |
||||
|
Autor |
Jahr |
n |
Patienten |
Kontrollen |
|
Sundh et al. [163] |
1982 |
27 |
1,6 °° |
x |
|
27 |
1,0 °° |
x |
||
Für die Erhebung des Mundhygienezustandes dieser Studie wurde der Approximalraum-Plaqueindex (API) nach Lange und der Papillenblutungsindex (PBI) nach Saxer [Seite 82↓] und Mühlemann verwendet. Die Auswertung erbrachte für die Crohn-Patienten einen um 62,7% gesteigerten API (Crohn-Patienten: 85,4%;
Kontrollen: 31,8%) und einen um 58,3% höheren PBI (Crohn-Patienten: 14,8; Kontrollen: 6,2) gegenüber den gesunden Kontrollen. Zusammen mit den Resultaten von Sundh et al. kann von einer schlechteren Mundhygiene und einem stärkeren Entzündungsgrad der Gingiva ausgegangen werden [163].
Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Kontrollgruppenzusammensetzung eine Rolle für die Resultate spielt. Obwohl die Kontrollgruppe aus Mitarbeitern und Patienten der Zahnklinik bestand und demzufolge unter höherer Motivation bezüglich der Mundhygiene stand, kann sie als repräsentant angesehen werden. Im Vergleich der DMFT-Indiceswerte der Kontrollen dieser Studie mit denen von Rooney et al. [134] und Sundh et al. [165] können Übereinstimmungen gefunden werden. Die Werte der Mundhygieneindices liegen ebenfalls im Normbereich.
Es konnte für den API und den PBI keine signifikante Korrelation zur Kariesprävalenz (DMFT) nachgewiesen werden. Dies ist ein Zeichen dafür, daß die Kariesentstehung von einer Vielzahl von Faktoren abhängig ist und nicht alleinig von der Quantität der Plaque [185]. Vielmehr scheint die von Sundh et al. beobachtete erhöhte Anzahl von Streptococcus mutans und Lactobacillen im stimulierten Gesamtspeichel [165] der Grund für die erhöhte Kariesprävalenz zu sein. Die veränderten Ernährungsgewohnheiten, die sich in einem häufigeren und vermehrten Konsum von niedermolekularen Kohlenhydraten niederschlagen, speziell Saccharose, sind als Basis für eine gesteigerte Mikroorganismenanzahl anzunehmen [165].
Einen wesentlich größeren Anteil scheint die Mundhygiene und die veränderten Ernährungsgewohnheiten einzunehmen. Vor allem Patienten im akuten Stadium zeigten eine geringere Motivation zur Zahnpflege [165]. Tatsächlich konnte eine signifikante Korrelation zwischen dem gesteigerten täglichen Saccharosekonsum und den Mundhygieneindices API und PBI ermittelt werden. Diese Fakten sprechen für folgende Kausalkette: frequentierter erhöhter Sasccharoseverzehr und schlechtere Mundhygiene – erhöhte Kariesprävalenz.
Es stellt sich die Frage, ob mit zunehmender Erkrankungsdauer auch die Kariesprävalenz steigt. In der vorliegenden Arbeit wiesen Patienten mit einer mindestens 3 Jahre währenden Erkrankung (3-6 Jahre: 14,3 ± 4,6; >7 Jahre: 18,2 ± 7,2) einen signifikant höheren DMFT auf als Erkrankte mit einer 2 jährigen Krankheitsdauer (9,5 ± 4,3). Diese 2 Jahre stellen eine „Inkubationszeit“ dar. Eine wichtige Zeit, um das erhöhte Kariesrisi[Seite 83↓] ko weitgehend durch prophylaktische Maßnahmen zu verringern und ein Ansteigen der Kariesprävalenz zu verhindern.
Für den Zinkgehalt im Plasma lagen keine Zusammenhänge zum DMFT vor. Die Frage, welche Bedeutung der Zinkmangel auf die Infektionskrankheit Karies hat, kann noch nicht beantwortet werden.
Kivelä et al. fanden einen Zusammenhang zwischen einer reduzierten Carboanhydrase VI-Konzentration im Gesamtspeichel und der Kariesprävalenz heraus [84].
Der Speichel besteht aus anorganischen Verbindungen und vielfältigen Proteinen, die die Beschaffenheit der Mundhöhle und der Zahnoberfläche beeinflussen. Die Aufgabe des Speichels liegt in der Reinigung von Nahrungsresten und der Bereitstellung von anorganischen Ionen für die Neutralisation von sauren mikrobiellen Abbauprodukten und in der Remineralisierung des Zahnschmelzes. Im Speichel verbergen sich also eine Reihe von verschiedenen Systemen von Abwehrmechanismen, einschließlich Bikarbonat-Ionen, Leukozyten, sekretorisches IgA, agglutinierende Proteine und eine Reihe von Speichelenzymen [92 ].
Eines dieser Enzyme ist die zinkabhängige Carboanhydrase, welche mit 2 Isoenzymen in Speicheldrüsen exprimiert wird. Die zytoplasmatische CA II ist ein hoch aktives Isoenzym, welches für die Katalysation der Speichelbikarbonatproduktion verantwortlich ist. Die Carboanhydrase VI unterliegt den zirkadiären Rhythmen [117 ].
Nach Untersuchungsergebnissen von Kivelä et al. konnte eine negative Korrelation zwischen der CA VI-Konzentration im Gesamtspeichel und der Kariesprävalenz (DMFT-Index) nachgewiesen werden [84]. Für den Speichel-pH und die Pufferkapazität ergaben sich keine signifikanten Abhängigkeiten zur Carboanhydrase VI-Konzentration. Ebenfalls stellte diese Arbeitsgruppe keinen Zusammenhang zwischen der Amylaseaktivität im Speichel und dem DMFT-Index fest, was sie als eine spezielle Rolle der Carboanhydrase VI in dem natürlichen Abwehrsystem gegen die Kariesentstehung interpretierten.
Auf Grundlage aller Ergebnisse von Kivelä et al. scheint die CA VI-Konzentration ein bedeutenderer Faktor als der Speichel-pH und die Pufferkapazität in der Herabsetzung der individuellen Kariesanfälligkeit [84 ] zu sein, wobei nicht von einer direkten Beeinflussung in der Regulation des pH’s im Speichel ausgegangen wird [181].
Die Tatsache, dass die Synthese von Proteinen, wie CA VI und anderen Proteinen der unspezifischen Abwehr im Speichel, zinkabhängig ist, lässt einen möglichen Einfluss in Erwägung ziehen.
|
| [Seite 84↓] |
Die psychosozialen Faktoren spielen vielleicht wie bei der Ernährung auch bei der Mundhygiene eine wesentliche Rolle. Nicht nur die Depressivität und der Stress, sondern auch die eingeschränkte Mobilität während eines akuten Schubes führen zu einer Vernachlässigung der Mundhygiene [165]. Die Folgen
sind kariöse Läsionen, Gingivitis, die in eine Parodontitis übergehen und den vollständigen Verlust des Zahnes nach sich ziehen kann.
Das erhöhte Kariesrisiko führt dazu, dass Morbus Crohn-Patienten einen 49,8% höheren Zahnverlust als gesunde Kontrollpersonen haben. Dies äußert sich auch in dem Vergleich der Lückengebissklassifikation nach Eichner zwischen den beiden Gruppen. Nur 1/3 der Patienten besitzen noch alle 4 Stützzonen gegenüber 2/3 der Kontrollpersonen. Bisherige Untersuchungen [134,163,164] stellen den Zahnverlust nicht separat dar. Aber die erhöhte Kariesprävalenz äußert sich in einem vermehrten Zahnverlust, welche Auswirkungen auf das gesamte stomatognathe System haben.
Nach Unterbrechung oder Verkürzung einer Zahnreihe konzentriert sich die Kaukraft auf die noch verbliebenen Kaueinheiten. Die daraus entstehende veränderte Statik beeinflusst das Parodontium der restlichen Zähne und den knöchernen Alveolarfortsatz. Folglich wirken auf die Kiefergelenke und die Kaumuskulatur andere mechanische Impulse und Kraftvektoren. Es kommt zu Veränderungen des weichen und harten Gewebes der Mundhöhle, die sich in Elongation der Antagonisten, in Zahnkippung, in Fehlfunktionen der Muskulatur, in Fehlfunktionen der Gelenke (Dysgnathie) sowie Knochenabbau und Atrophie der Kaumuskulatur äußern [95]. Ein prothetischer Eingriff von Seiten des Zahnmediziners ist unabdingbar, damit durch weitgehende Wiederherstellung der verloren gegangenen Funktionen ein neues Gleichgewicht erreicht wird [89 ].
Außerdem muss der völlige Zahnverlust bzw. der Verlust der letzten Zähne als ein ästhetisches, vielmehr noch als ein psychisches Problem angesehen werden. Verlust der Zähne ist ein Verlust eines Körperteils, Verlust der Integrität des Körpers und damit der Ansehnlichkeit und des Ansehens in der Gesellschaft.
Leider scheinen die Crohn-Patienten über eine mögliche Kariesprävalenz nicht aufgeklärt zu sein. Hierfür sprechen eindeutig die Intervalle für den Zahnarztbesuch. Nur 75% der Morbus Crohn-Erkrankten nehmen die von den Krankenkassen vorgeschriebene einmal jährliche Kontrolluntersuchung durch den Zahnarzt in Anspruch. Sundh et al. Beobachteten schon vor 20 Jahren, dass nur bei 65% der Patienten, die an Morbus Crohn erkrankt waren, die letzte Zahnarztuntersuchung nicht länger als 12 Monate zurück lag. Die Verringerung um 10% ist nicht auf eine Aufklärung speziell für Morbus Crohn-Er[Seite 85↓] krankte zurückzuführen, sondern kann nur in dem allgemeinen Anstieg des Gesundheitsbedürfnisses und der Einführung des Bonusheftes durch die Krankenkassen gesucht werden.
Eine spezielle Aufklärung der Patienten mit diesem Krankheitsbild erscheint auf der Grundlage dieser Untersuchungsergebnisse als besonders wichtig, denn im Vergleich mit den Ergebnissen einer Mundgesundheitsstudie in Sachsen liegt ein deutlich schlechteres Zahnarztbesucherverhalten bei den Patienten mit Morbus Crohn vor. Im Durchschnitt liegt die Inanspruchnahme zahnärztlicher Dienste innerhalb der letzten 12 Monate bei 90,3% [131].
Eine Verbesserung der oralen Mundgesundheit von Crohn-Erkrankten ist nur mit einer verstärkten interdisziplinären Zusammenarbeit aller medizinischen Fachgebiete möglich. Besteht doch die Aufgabe der „modernen Medizin“ darin, Gesundheit und Leistungsfähigkeit bis ins hohe Lebensalter zu erreichen.
Immer wieder wurden bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen klinische Symptome beschrieben, die auf eine Störung im Zinkhaushalt hinweisen.
Dabei wurden einander differierende Ergebnisse beschrieben. Während sowohl im Serum, Plasma, Urin als auch in Haaren verminderte Zinkkonzentrationen gefunden wurden, konnten andere Studien nur einen normalen Zinkgehalt in den genannten Kompartimenten publizieren.
Erörterungen über mögliche Auswirkungen des gestörten Zinkhaushaltes auf die Geschmacksempfindung und die Kariesprävalenz sind den entsprechenden Kapiteln zu entnehmen.
In der vorliegenden Untersuchung konnte die bereits 1977 von Solomon et al. Nachgewiesene signifikant verminderte Plasmazinkkonzentration bei jugendlichen Morbus Crohn-Patienten bestätigt werden [155]. Allerdings liegen unsere Zinkwerte mit 11,54 µmol/l über den Werten der Arbeitsgruppe von Solomon et al. (siehe Tabelle 49). Hingegen decken sich unsere Zinkkonzentrationen im Plasma in ihrer Größenordnung mit den von Kuhn bestimmten Werten [91], die aber keinen signifikanten Unterschied zu [Seite 86↓] den Kontrollpersonen aufweisen und eine größere Streuung aufzeigen (siehe Tabelle 50). Wie auch Kuhns Untersuchungen ergaben die von Sturniolo et al. keine signifikanten Unterschiede gegenüber den gesunden Kontrollen [162]. Entgegen unseren Ergebnissen konnten Sjögren et al. [152] und Cunnane et al. [34] zwar einen intrazellulären Zinkmangel aufzeigen, aber im Plasma keine Anzeichen einer Reduktion des Zinkspiegels feststellen.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Ergebnisse der vorliegenden Studie hinsichtlich einer leichten bis mäßigen Verminderung der Zinkkonzentration im Plasma bei dem größten Teil der Morbus Crohn-Patienten mit bereits veröffentlichten Publikationen weitgehend übereinstimmen [91,155].
Wie im Literaturteil schon erläutert, kann Zinkmangel mehrere Ursachen haben. Hierzu zählt ebenfalls physischer und psychischer Stress [85], welcher in der anamnestischen Erhebung bei 70,8% der Crohn-Patienten angegeben wurde. Eine psychische Testung der Patienten durch einen Neurologen ist nicht erfolgt.
Ein Zusammenhang zwischen der Aktivität und Erkrankungsdauer des Morbus Crohn konnte bei dem Vergleich der Untersuchungsergebnisse nicht nachgewiesen werden, was sich mit den Angaben von McClain et al. [109] und Schoelmerich et al. [144] deckt. Außerdem beschrieben beide, dass ebenfalls keine Korrelation zwischen den verminderten auf die Plasmazink übertragbaren Serumzinkwerte und dem Krankheitsort bestand. Die Überprüfung dieser Aussagen war für die vorliegende Studie auf Grund vielfältiger Lokalisation der Mukosaveränderung nicht möglich.
|
Zink im Plasma (µmol/l) |
|||
|
Autor |
Jahr |
n |
M. Crohn |
|
Solomons et al.[155] |
1977 |
20 |
9,53 ± 1,42 * |
|
Sturniolo et al.[162] |
1980 |
15 |
13,29 ± 3,41 * |
|
Penny et al. [120] |
1983 |
70 |
11,23 ± 0,21 * |
|
Cunnane et al. [34] |
1986 |
6 |
12,69 ± 1,99 * |
|
Ainley et al. [5] |
1988 |
31 |
13,51 ± 1,68 * |
|
Kuhn [91] |
1992 |
23 |
11,33 ± 2,16 * |
|
w:12 |
11,54 ± 2,66 * |
||
|
m:11 |
11,14 ± 1,67 * |
||
|
| [Seite 87↓] |
Auch die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchungen konnten die von McClain et al. [109], Penny et al. [120] und Solomons et al. [155] zuvor beschriebene Korrelation von Zink und Albumin statistisch belegen.
Die Albuminwerte im Plasma (Crohn-Patienten: 4,30 ± 0,45 µmol/l; Kontrollpersonen: 4,72 ± 0,36 µmol/l) befanden sich außer bei 3 Kontrollpersonen, welche leicht erhöht waren, in dem vom Labor angegebenen Normbereich und verhielten sich signifikant direkt proportional zu den Zinkkonzentrationen im Plasma. Unsere Ergebnisse stellen eine weitgehende Übereinstimmung mit den Resultaten der in der Tabelle 50 aufgeführten Autoren dar.
Der leichte Albuminabfall ist wahrscheinlich als eine Folge der Malabsorption anzusehen, die zu einer Reduktion der körpereigenen Eiweißsynthese, speziell der des Albumins, führt. Denn es konnte eine positive Korrelation zum Body mass index (siehe Abbildung 18 ) gefunden werden. Auf der anderen Seite geht Albumin laufend auf Grund der chronisch großflächigen Entzündung in das Darmlumen verloren. Es wurde absichtlich auf eine Untersuchung des Albumins und dessen Beziehung zum CDAI verzichtet, da eine Malnutrition im CDAI nur durch das Körpergewicht Berücksichtigung findet. Dies ermöglicht nur eine eingeschränkte Beurteilung des Ernährungszustandes und keinesfalls die Diagnose eines Proteinmangels.
Interessanterweise konnte nur für den Entzündungsparameter α -1-saures Glykoprotein ein signifikanter Zusammenhang zum Plasmazinkgehalt ermittelt werden. Für den andern Entzündungsmarker CrP war dies nicht möglich. Außerdem lagen unsere CrP-Werte (1,32 ± 1,45 mg/dl) beachtlich unter denen der Arbeitsgruppen von Meryn et al. [110], Tromm et al. [173] und Vucelic´ et al. [177]. Ein ähnliches Bild zeigt sich für die α -1-sauren Glykoproteinkonzentrationen (119,6 ± 48,8) der vorliegenden Studie. Nur bei den α -1-sauren Glykoproteinwerten von Vucelic´ et al. [177] sind vergleichbare Angaben feststellbar. Als Ursache für dieses Ergebnis ist die dominierende Entzündungsform zum Zeitpunkt der Untersuchung anzusehen. Es waren nur 5 Patienten, die während der Studie einen akuten Schub und einen stark erhöhten CDAI (>250) hatten. 7 der Crohn-Erkrankten hatten eine aktive Erkrankung, und der Rest befand sich in einer Remissionsphase.
|
| [Seite 88↓] |
Tab. 50 : Studien über Parameter für die Krankheitsaktivität bei Morbus Crohn (* signifikant erhöht)
|
Parameter für die Krankheitsaktivität im Serum |
|||
|
Autor |
|
n |
M. Crohn |
|
Meryn et al. [110] |
Albumin (g/dl) |
40 |
3632 ± 827 *. |
|
CrP (mg/dl) |
40 |
2,69 ± 3,1 *5 |
|
|
α1 -s. Glykoprotein (mg/dl) |
40 |
166 ± 83 *,,, |
|
|
Tiomny et al. [171] |
Albumin (g/dl) |
4,4 ± 0,2 *5 |
|
|
Tromm et al. [173 ] |
Albumin (g/dl) |
24 |
4,0 ± 0,4 *5 |
|
CrP (mg/dl) |
24 |
2,5 ± 3,3 *5 |
|
|
Vucelic´ et al. [177] |
CrP (mg/dl) |
26 |
4,53 ± 7,59 * |
|
α1 -s. Glykoprotein (g/dl) |
26 |
1,09 ± 0,45 * |
|
| © Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme. | ||
| DiML DTD Version 3.0 | Zertifizierter Dokumentenserver der Humboldt-Universität zu Berlin | HTML-Version erstellt am: 03.12.2003 |