Eckhardt, Ulrich: Untersuchungen zur Eisenassimilation in Pflanzen

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Kapitel 1. Einleitung

Seit Jahrtausenden ist bekannt, daß die Düngung von Nutzflächen mit mineralhaltiger Asche das Pflanzenwachstum positiv beeinflußt. Systematische Untersuchungen hierzu wurden erstmalig von Justus von Liebig (1803 - 1873) durchgeführt. Er versuchte, die für das Pflanzenwachstum notwendigen mineralischen Elemente zu benennen und begründete damit das Forschungsgebiet der Pflanzenernährung. In der folgenden Zeit wurde die Einteilung der Nährstoffe in Makro- und Mikronährelemente aufgestellt. Zu den Makronährstoffen gehören Stickstoff, Phosphor, Schwefel, Kalium, Magnesium und Calcium, deren Rolle im Aufbau biologischer Moleküle oder als Osmotika besteht. Mikronährstoffe hingegen, mit Ausnahme des Bors, welches strukturelle Aufgaben in der Zellwand übernimmt, sind als Cofaktoren für Enzyme notwendig. Zu ihnen gehören Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Cobalt, Molybdän, Bor, Chlor und Nickel. Die Assimilation mineralischer Nährstoffe ist durch drei Merkmale gekennzeichnet:

Auf dem Weg in die Pflanze durchqueren hydratisierte Ionen die Poren des zusammenhängenden Raums der Zellwände, des Apoplasten. Bis auf einen schwachen Ionenaustauscher-Effekt, hervorgerufen durch freie Carboxylgruppen der Zellwand-Oligosaccharide, stellt der Apoplast für anorganische Ionen kein Hindernis dar. Die selektive Aufnahme von Nährstoffen erfolgt an der Plasmamembran der Wurzelzellen, wobei drei Mechanismen existieren: Uniport, H+-Symport und erleichterte Diffusion ( Abb. 1 ). Es ist nicht bekannt, ob hydratisierte oder „nackte“ Ionen transportiert werden.

Eine zentrale Rolle bei der Ionenaufnahme kommt der plasmamembranären H+-ATPase zu. Unter ATP-Hydrolyse transportiert sie Protonen aus dem Cytosol in den Apoplasten. Der hieraus resultierende pH-Gradient und der elektrochemische Gradient liefern die Triebkraft für die meisten Transportvorgänge über die Membran. Das Membranpotential der meisten Pflanzenzellen liegt bei -120 bis -180 mV, der pH-Gradient liegt bei etwa 2 Einheiten ( Marschner 1986 ). Bei der Aufnahme von Kationen aus dem Boden erfolgt der Transport entlang des Potentialgradienten, erfordert also keine weitere Energetisierung, solange die Konzentration in der Zelle nicht wesentlich über der des umgebenden Mediums liegt. Anionen und ungeladene Moleküle benötigen eine Energetisierung durch H+-Symport, da sie entgegen dem elektrochemischen Potential transportiert werden. Schließlich erfolgt der Transport einiger Ionen durch Ionenkanäle, deren Öffnungszustand reguliert ist. Diese Kanäle sind selektiv für das transportierte Ion ( Abb. 1 ).


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Abb. 1: Schema des Ionentransportes über die Plasmamembran von Wurzelzellen höherer Pflanzen (nach Marschner 1986 ). Die durch die H+-ATPase erzeugte „protonenmotorische Kraft“, bestehend aus einem pH-Gradienten und einem Membranpotential über die Plasmamembran, treibt die Aufnahme verschiedener Ionen auch gegen einen Konzentrationsanstieg an. Der Ionentransport kann durch Uniporter entlang des Membranpotentials erfolgen, durch Symport mit Protonen (H+) energetisiert sein oder ungerichtet durch kurzzeitig geöffnete Ionenkanäle erfolgen.

1.2 Bedeutung des Eisens in der Pflanzenernährung

Eisen-(Fe)-mangel ist Ursache der häufigsten ernährungsbedingten Krankheiten weltweit (

http://www.who.int/nut/malnutrition_worldwide.htm#ida

). Über 2,7 Milliarden Menschen sind davon betroffen. Er reicht zurück bis zu den primären Nahrungsproduzenten, den Pflanzen. Fe ist für die Ernährung höherer Pflanzen von entscheidender Bedeutung. Es ist Bestandteil zahl-reicher Enzyme, die insbesondere Oxidations- und Reduktionsreaktionen katalysieren ( Tabelle 1 ). Man unterscheidet zwischen Cytochromen und Enzymen, die nicht-Häm-gebundenes Fe enthalten. In beiden Fällen katalysiert Fe als prosthetische Gruppe die Ein-Elektronenübertragungsreaktionen durch seine leichte Fähigkeit zum Valenzwechsel zwischen den Oxidationsstufen +II und +III. Weiterhin ist Fe an der Biosynthese der Phytohormone Ethylen und Auxin sowie an der Porphyrinbiosynthese beteiligt, Letzeres zeigt sich unter Fe-Mangel durch das Ausbleichen der Blätter.

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Tabelle 1: Übersicht über einige eisenhaltige Enzyme in Pflanzen

Enzym

Art der Fe-Bindung

Aufgabe

Aconitase

Fe-S-Cluster

Zitronensäurezyklus

Aminocyclopropancarboxylat-Oxidase

Fe-S-Cluster

Ethylen-Biosynthese

Coproporphyrinogendecarboxylase

Fe-S

Chlorophyllbiosynthese

Cytochrom B5-Reduktase

Häm

Fettsäure-Desaturierung

Cytochrom C

Häm

Zellatmung

Cytochrom C-Oxidase

Häm

Zellatmung

Fe3+-Chelat-Reduktase

Häm

Fe-Assimilation

Ferredoxin

Fe-S-Cluster

Photosynthese, Entgiftung

Katalase

Häm

Entgiftung

NADPH-Oxidase

Häm

Pathogenabwehr

Nitratreduktase

Häm

Stickstoff-Assimilation

Peroxidase

Häm

Oxygenasereaktionen, Entgiftung

Phytoferritin

Fe3+

Eisenspeicherung

„Rieske“-Protein

Fe-S-Cluster

Photosynthese

Ribonucleotid-Reduktase

Fe-S-Cluster

DNA-Synthese

Superoxid-Dismutase

Fe-S-Cluster

Entgiftung

Obwohl Fe das vierthäufigste Element in der Erdkruste ist, stellt seine Verfügbarkeit ein Problem für die Pflanzenernährung dar. Eisenmangel führt weltweit zu erheblichen ökonomischen Schäden im Kulturpflanzenbau ( Vose 1982 ). Er äußert sich in Wachstumsretardierung und dem Auftreten von Chlorosen in den jüngsten Blättern, insbesondere in den intercostalen Regionen ( Abb. 2 ). Fe ist, im Gegensatz zu anderen Ionen, einmal im Blatt festgesetzt, nur schwer wieder mobilisierbar, wodurch erklärbar wird, daß die Chlorosen in den jüngsten Blättern beginnen. Außerdem ist in vielen Pflanzen unter Fe-Mangel beeinträchtigtes Wurzelwachstum bei gleichzeitiger Verdickung und stärkerer Verzweigung der Wurzeln zu beobachten ( Abb. 2 D; Abb. 4 ).


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Abb. 2: Habitus und Morphologie eisensuffizient und eisendefizient gewachsener Tomatenpflanzen. Zwei Wochen alte Pflanzen wurden sechs Tage lang in Hydrokultur mit oder ohne Eisen herangezogen. A: Sprosse (links: +Fe; rechts: -Fe); B: Blätter (links: +Fe; rechts: -Fe); C: Blattausschnitt (-Fe); D: Wurzelmorphologie (links: +Fe; rechts: -Fe).


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Der überwiegende Teil des Eisens im Boden liegt in Form außerordentlich schwerlöslicher Fe(III)-Oxide und -Hydroxide vor. Die Gleichgewichtskonzentration des freien Eisens [Fe3+ + 3 OH- Fe(OH)3] liegt bei neutralem pH bei 10-17 M und damit erheblich unter dem Bedarf höherer Pflanzen (10-6 bis 10-5 M, Epstein 1972 ; Guerinot und Yi 1994 ). Allein das Vorhandensein organischer Verbindungen im Boden, die in der Lage sind, Fe3+ zu komplexieren, bringt die Fe-Konzentrationen in einen Bereich, der das Pflanzenwachstum zuläßt. Zur Überwindung des Löslichkeitsproblems haben höhere Pflanzen zwei grundlegende Strategien entwickelt ( Abb. 4 ):

1.3 Eisenassimilation in Pflanzen

Gräser (Poaceae, „Strategie II-Pflanzen“) scheiden hochaffine Komplexbildner, sog. Phytosiderophoren (PS), aus. Die PS binden Fe3+ und werden mit dem gebundenen Fe3+ über ein hochaffines Aufnahmesystem der Plasmamembran in die Wurzel-Epidermiszellen aufgenommen. Die Sekretion der PS wird durch Fe-Mangel induziert und unterliegt einem strengen, diurnalen Rhythmus ( Walter et al. 1995 ). Die Mais-Mutante yellow stripes (ys1) weist gelbe, chlorotische Streifen auf ihren Blattoberflächen auf. Sie ist in der Funktion der PS-Rezeptoren defizient ( von Wirén et al. 1994 ). Dieser PS-Rezeptor wurde kürzlich auf molekularer Ebene beschrieben (Elsbeth L. Walker, Bericht auf dem 10th International Symposium on Iron Nutrition and Interactions in Plants; 14.-19- Mai 2000, Houston TX).

Die meisten anderen Pflanzen („Strategie I-Pflanzen“) reagieren auf Eisenmangel durch eine Reihe spezifischer Adaptationsreaktionen: Die Ansäuerung des äußeren Mediums, die Verkürzung und Verdickung der Wurzeln und die Bildung haariger Seitenwurzeln, innerhalb derer sich spezifische „Transferzellen“ ausbilden ( Landsberg 1986 ) sowie die Induktion von Fe2+-Transportern und einer plasmamembranständigen Eisenchelat-Reduktase (EC 1.6.99.13):

NAD(P)H + 2 Fe3+-Chelat 2 Fe2+ + NAD(P)+ + H+ + 2 Chelator.

Diese NAD(P)H-abhängige Reduktase reduziert extrazelluläre Fe(III)-Chelate, woraufhin Fe2+ freigesetzt und anschließend über Fe-Transporterproteine in die Rhizodermiszellen aufgenommen wird. In der Nährlösung von Sojabohnen verhinderte das Abfangen von Fe2+ durch Fe(II)-spezifische, nicht-membrangängige Chelatoren den Transport von Fe, während Fe(III)-spezifische Chelatoren die Aufnahme nicht beeinträchtigten. Dies führte zu der Auffassung, daß Fe2+, nicht Fe3+ in die Wurzeln aufgenommen wird, und daß die Wurzeln extrazelluläres Fe3+ reduzieren ( Chaney et al. 1972 ).

Das als Fe2+ aufgenommene Eisen wird innerhalb der Wurzelzellen schnell wieder zu Fe3+ oxidiert und durch den Xylemstrom in die oberen Pflanzenregionen transportiert. Dabei wird es durch organische Säuren wie Citrat oder Malat gebunden ( Marschner 1986 ). Außerdem scheint die aus drei Methionineinheiten zusammengesetzte, nicht-proteinogene Aminosäure „Nicotianamin“ im Eisentransport innerhalb höherer Pflanzen eine Rolle zu spielen, da die Tomatenmutante „chloronerva“, die Nicotianamin nicht synthetisieren kann, starke Eisenmangelerscheinungen zeigt, obwohl sie tatsächlich ausreichende oder sogar erhöhte Eisenkonzentrationen in ihren Blättern aufweist. Durch Zufüttern von Nicotianamin wurden diese Mangelerscheinungen auf-


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gehoben ( Scholz et al. 1985 ). In den Chloroplasten der Mesophyllzellen wird Fe in Form von Phytoferritin, ein aus 24 identischen Untereinheiten zusammengesetztes Protein, das bis zu 4500 Eisenionen aufnehmen kann, gespeichert ( Briat und Lobréaux 1997 ).

Abb. 3: Modell der beiden Eisenaufnahmemechanismen höherer Pflanzen. PS = Phytosiderophor, PM = Plasmamembran. Erläuterungen im Text.

1.3.1 Ansäuerung der Rhizosphäre

Die Löslichkeit von Fe3+ ist in saurer Umgebung erheblich größer als unter neutralen/basischen Bedingungen. Daher ist die in Kulturpflanzen, die auf kalkreichen, basischen Böden wachsen, häufig auftretende „Kalkchlorose“ auf Fe-Defizienz zurückzuführen, also eine „Eisenmangelchlorose“ ( Marschner 1986 ). Es ist demnach für Pflanzen sinnvoll, den pH-Wert der Rhizosphäre herabzusetzen, um die Fe-Verfügbarkeit zu erhöhen. Dies geschieht entweder durch die Sekretion organischer Säuren oder durch die direkte Protonenausscheidung über die H+-ATPase der Plasmamembran ( Landsberg 1981a , Bienfait 1985 ). Tatsächlich wurden in Sonnenblumen ( Landsberg 1981b ) sowie in isolierten Plasmamembranen aus Gurkenwurzeln erhöhte H+-ATPase-Aktivitäten unter Fe-Mangel gemessen ( Rabotti und Zocchi 1994 ). Die Ausscheidung organischer Säuren wird kontrovers diskutiert. Es wurde spekuliert, daß die erhöhte H+-Ausscheidung zu einer verstärkten Phosphoenolpyruvat-Carboxylaseaktivität, hervorgerufen durch


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die Alkalinisierung des Cytoplasmas, führt. Dadurch kann die gesteigerte Produktion von Äpfelsäure erklärt werden, aber nicht ihre Sekretion ( de Vos et al. 1986 ).

Die für die Fe-Solubilisierung verantwortliche H+-ATPase ist auf molekularer Ebene nicht bekannt. Die einzige, in Wurzeln nennenswert exprimierte H+-ATPase ist das Produkt des AHA2-Gens. In Northern-Blot-Analysen konnte jedoch kein Einfluß der Fe-Ernährung auf die AHA2-Transkriptmenge in Arabidopsis-Wurzeln gefunden werden (E.E. Rogers, Hanover, NH, pers. Mitt.).

1.3.2 Eisenreduktion an der Plasmamembran von Wurzelzellen

Die Expression der Eisenchelat-Reduktase ist der regulatorische Schritt der Fe-Assimilation. Sie ist streng reguliert: Ein Überschuß an reduziertem Fe im Cytoplasma katalysiert die Bildung reaktiver Sauerstoffradikale, die toxisch für die Zellen sind (Fenton-Reaktion; Halliwell und Gutteridge 1989 ).

H2O2 + Fe2+ Fe3+ + OH- + OH. (Fenton-Reaktion).

Permanent erhöhte Eisenchelat-Reduktaseaktivität führt zur Eisentoxizität: Die „bronze“- und die „dgl“-Mutante, zwei Erbsenmutanten, deren Eisenchelat-Reduktase konstitutiv exprimiert wird, zeigen bronzefarbene Flecken auf ihren Blattoberflächen. Diese zeugen von Fe-Toxizität durch erhöhte Fe-Akkumulation ( Kneen et al. 1990 , Welch und LaRue 1990 ).

1.3.2.1 Induktion der Fe-Chelatreduktase unter Fe-Mangel

Schon bald nach den grundlegenden Experimenten von Chaney et al. 1972 wurde gezeigt, daß die Fe3+-Reduktase unter Eisenmangel stark induziert wird. Bienfait 1988 berichtete von einer „Turbo-Reduktase“, die bei Eisenmangel induziert werde und spezifisch Eisenchelate reduziere, während die „Standard-Reduktase“ konstitutiv und eher unspezifisch sei. Eine Unterscheidung zwischen diesen beiden Reduktasen sei durch die Substrate Fe3+-Chelat (Turbo-Reduktase) bzw. Hexacyanoferrat(III) (Standard-Reduktase) möglich (als Überblick: Bienfait 1988 , Lüthje et al. 1997 ). Bei Erbsen wurde gemessen, daß im Laufe der Pflanzenentwicklung die Eisenchelat-Reduktaseaktivität in den Wurzeln kurz nach der Blütenentwicklung stark ansteigt, um die Versorgung der neugebildeten Samen mit Fe zu gewährleisten. Dieser natürliche Aktivitätsanstieg kann durch Eisenmangel etwa fünffach gesteigert werden ( Grusak 1995 ). Es wurde postuliert, daß der Eisenbedarf in den importierenden Organen über ein noch nicht charakterisiertes Signal die Aktivität der Eisenchelat-Reduktase reguliert ( Grusak und Pezeshgi 1996 ). Man vermutet, daß dieses Signal ein lösliches Polypeptid ist, das durch den Phloemstrom transportiert wird (E. Marentes und M. Grusak, Vorträge auf dem „9th International Workshop on Iron Nutrition“, 20.-25 Juli 1997 in Hohenheim). Abb. 4 zeigt die Induktion der Eisenchelat-Reduktaseaktivität am Beispiel eisengehungerter und eisensuffizienter Tomatenwurzeln.


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Abb. 4: Eisenchelatreduktaseaktivität eisengehungerter (links) und eisensuffizienter (rechts) Tomatenwurzeln: Zwei Wochen alte Pflanzen wurden sechs Tage lang in Hydrokultur mit und ohne Fe herangezogen. Ihre Wurzeln wurden abgeschnitten und in Agarose mit 250 µM Fe3+-Citrat und 750 µM BPDS eingebettet. Die rote Farbe rund um die Wurzeln zeigt Fe3+-Chelat-Reduktaseaktivität an. Auch die veränderte Wurzelmorphologie unter Fe-Mangel wird deutlich.

Fe3+-Chelat-reduzierende Enzyme konnten in vielen Pflanzen, darunter auch in Mais (Strategie II-Pflanzen), nachgewiesen werden. Ihre Lokalisierung ist keineswegs auf Wurzeln beschränkt (als Übersicht: Moog und Brüggemann 1994 ). Die Rolle dieser Enzyme in Sprossen ist bisher weitgehend ungeklärt. Möglicherweise spiegeln sie den allgemeinen Redox-Zustand der Zellen wider, andererseits könnte auch der Fe-Transport innerhalb der Pflanzen durch mehrfache Oxidationen und Reduktionen des Eisens reguliert sein (P. Moog, Frankfurt/M. pers. Mitt.).

1.3.2.2 Physiologische und biochemische Charakterisierung der Eisenchelat-Reduktasen

Die Fe3+-Chelatreduktasen wurden insbesondere in Erbsen- und Tomatenwurzeln untersucht. Buckhout et al. 1989 zeigten, daß die Fe3+-Reduktaseaktivität plasmamembrangebunden ist. In diesen Versuchen wurde die Fe3+-Reduktaseaktivität isolierter Plasmamembranvesikel in Gegenwart verschiedener Substrate gemessen. Die Autoren kamen zu dem Schluß, daß die Reduktase in vitro NADH-, und nicht NADPH-abhängig ist. Die Eisenchelat-Reduktasen aller bisher untersuchten Pflanzenspezies waren durch Protonophoren und sulfhydrylspezifische Reagenzien inhibierbar ( Moog und Brüggemann 1994 , Schmidt 1994 ), was darauf hinweist, daß der Energiezustand der Zelle sowie Cysteinreste eine Rolle in der extrazellulären Reduktion von Fe3+-Chelaten spielt. In Fe-defizienten Bohnenwurzeln wurde die Depolarisation des Membranpotentials nach Fe-Zugabe gemessen. Es wurde gezeigt, daß die trans-plasmamembranäre Reduktion von Fe3+-Chelaten und Ferricyanid ein elektrogener Prozeß ist


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( Sijmons et al. 1984 ).

Versuche, die Fe3+-Chelatreduktase zur Homogenität zu reinigen, waren bisher ohne Erfolg ( Holden et al. 1991 ; Holden et al. 1994 ; Frank Turano, USDA, Beltsville, MD, pers. Mitt.). Sie endeten reproduzierbar mit einem Protein, das im SDS-Gel eine 35 kDa-Bande lieferte, jedoch keine Reduktaseaktivität mehr zeigte. Dieses Protein wurde nach tryptischem Verdau ansequenziert und vier Peptidsequenzen wurden identifiziert (M. Holden und F. Turano, pers. Mitt.). Mit der Sequenzinformation konstruierte man degenerierte Oligonukleotide, um damit PCR-Experimente durchzuführen. Diese blieben jedoch erfolglos. Später erschien ein Arabidopsis-EST in der Datenbank, dessen translatierte Proteinsequenz Homologie zu den Peptidsequenzen aufweist. Dieser Klon wurde mir von Frank Turano zur Verfügung gestellt.

Das Screening einer cDNA-Bank aus eisengehungerten Tomatenwurzeln (s. 3.4 ) mit dem Arabidopsis-EST führte zur Isolierung von cDNAs mit Homologie zu NADH-abhängigen Cytochrom-b5-Reduktasen (eigene unveröffentlichte Daten; Fukuchi et al. 1999 ). Diese Proteine sind in der Membran des endoplasmatischen Retikulums lokalisiert. Ihre Funktion liegt in der Desaturierung von Fettsäuren und keineswegs in der Reduktion von Fe3+. Ähnliche Ergebnisse wurden von Paolo Bagnaresi und seinen Mitarbeitern in Bologna erzielt. Ihnen gelang die Reinigung von Enzymen aus Mais und Tomatenwurzeln, die die Reduktion von Eisencitrat in vitro katalysieren ( Bagnaresi et al. 1997 ). Diese Proteine erwiesen sich ebenfalls als Cytochrom-b5-Reduktasen ( Bagnaresi et al. 1999 ). Ihre physiologische Bedeutung in der Fe-Ernährung ist nicht geklärt.

1.3.2.3 Genetische Ansätze zur Identifizierung der Fe3+-Chelatreduktase

Die Untersuchung mehrerer zehntausend transposonmarkierter und chemisch mutagenisierter Arabidopis-Pflanzen führte zur Isolation von Mutanten (frd1 und frd3), die in der Induktion der Fe3+-Chelatreduktase unter Fe-Mangel defizient sind ( Yi und Guerinot 1996 , Delhaize 1996 ). Die frd1-Mutanten haben keine oder nur sehr begrenzte Fe3+-Chelatreduktaseaktivität unter Fe-Mangel, während frd3-Mutanten hohe Aktivität, auch unter Fe-suffizienten Bedingungen zeigen. Die korrekte Ansäuerung des Wachstumsmediums der frd1-Pflanzen unter Fe-Mangel weist darauf hin, daß die frd1-Mutation tatsächlich die Fe3+-Chelatreduktase und nicht eine regulatorische Komponente betrifft ( Yi und Guerinot 1996 ). Die frd1-Mutation wurde kartiert. Sie befindet sich auf dem oberen Arm von Chromosom 1 ( Yi und Guerinot 1996 ). Inzwischen ist dieser Chromosomenabschnitt im Rahmen des Arabidopsis-Genomprojektes sequenziert worden.

1.3.2.4 Fe3+-Reduktasen und Pathogenabwehr

Die Fe3+-Chelatreduktasen aus Hefen (s.u.) weisen signifikante Homologien zur katalytischen Untereinheit gp91phox der mammalischen Phagozyten-Oxidase auf. Dieses Enzym, auch respiratory burst oxidase genannt, reduziert Sauerstoff (O2) zu Superoxid (O2.-) und initiiert damit die massenhafte Produktion reaktiver Sauerstoffintermediate (ROS), die die Pathogene oxidativ


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schädigen. In Pflanzen dienen die ROS außerdem als Signalmoleküle für die Induktion weiterer Abwehrmechanismen, wie dem induzierten Zelltod in der Nachbarschaft der befallenen Pflanzenteile und der „systemic acquired resistance“, einer Art Gedächtnis, die die anderen Pflanzenteile vor dem erneuten Befall desselben Pathogens schützt (als Überblick: Wojtaszek 1997 ). Verschiedene Gemeinsamkeiten existieren zwischen den Fe3+-Chelatreduktasen aus Hefe und mammalischen Phagozyten-Oxidasen: Beide katalysieren trans-plasmamembranäre Ein-Elektronenübertragungs-Reaktionen. Beide sind hochglycosyliert, enthalten zwei Hämgruppen sowie Flavinbindungsstellen, und sie benötigen NADPH als Elektronendonor. Die Fe3+-Reduktasen übertragen die Elektronen auf Fe(III)-Chelate, während die Phagozytenoxidasen O2 als Substrat haben ( Dancis et al. 1992 , Shatwell et al. 1996 , Wojtaszek 1997 ).

Die Phagozytenoxidase ist bislang nur in Säugern näher charakterisiert worden: Sie besteht aus den katalytischen Membranproteinen gp91phox und p22phox und aus den assoziierten cytosolischen Proteinen p40phox, p47phox und p67phox. Ihre Aktivität benötigt Ca2+ und wird durch Proteinkinasen und -phosphatasen reguliert ( Wojtaszek 1997 ).

Mit Hilfe des ESTs D39082 wurde von Quentin Groom in der Arbeitsgruppe von Prof. Nigel J. Robinson (Newcastle-upon-Tyne, England) das Reis-Gen „rbohA“ (respiratory burst oxidase homolog) isoliert ( Groom et al. 1997 ). Aufgrund der Sequenzähnlichkeit zu gp91phox aus Maus und zu FRE1 aus Hefe schlossen die Autoren, daß es sich bei dem Genprodukt um eine NADPH-Oxidase handele. Da Reis zu den Gräsern (Strategie II-Pflanzen) gehört, wurde dem Gen keine Rolle in der Eisenassimilation zugeordnet, sondern eine Funktion in der Pathogenabwehr postuliert. Kurz darauf wurde eine Arabidopsis-Sequenz isoliert, die die Gene „FrohA“ und „FrohB“ enthielt ( Abb. 5 ). Die RNA dieser putativen Fe3+-Chelatreduktasen ist außerordentlich gering exprimiert, dennoch gelang es Groom, für FrohB eine cDNA zu isolieren ( Robinson et al. 1997 ). Diese cDNA konnte jedoch nicht den eisenchelatreduktase-defizienten Phänotyp von fre1,fre2-Hefemutanten komplementieren (eigene, unveröffentlichte Ergebnisse).

Das FrohB-Gen, später in „FRO2“ umbenannt, kartiert auf demselben Chromosomenabschnitt wie die frd1-Mutation. Die Sequenzanalyse der aus zwei frd1-Mutanten isolierten FRO2-Allele zeigte, daß beide Mutanten im FRO2-Gen Mutationen tragen. Schließlich konnte das FRO2-Gen in den frd1-Mutanten den Fe-Chelatreduktase-defizienten Phänotyp komplementieren ( Robinson et al. 1999 ). Diese Daten ließen keinen Zweifel daran, daß das FRO2-Gen für die Fe3+-Chelatreduktase in Arabidopsis, oder zumindest eine Komponente davon codiert. Eine C-terminale Domäne des FRO2-Proteins zeigt signifikante Homologie zu mammalischen p22phox-Proteinen. Dies führte zu der Vermutung, daß FRO2 in Arabidopsis als transmembranäre Komponente für die Fe3+-Reduktase ausreicht und keine weiteren Untereinheiten benötigt ( Robinson et al. 1999 ).

In neueren Arbeiten konnten mindestens sechs NADPH-Oxidasegene aus Arabidopsis thaliana isoliert werden ( Torres et al. 1998 ), die sich phylogenetisch von den FRO-Genen unterscheiden (M.L. Guerinot, pers. Mitt.).


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Abb. 5: Ausschnitt aus dem ClustalW-Vergleich einiger Polypeptide mit Homologie zur Eisenchelat-Reduktase Fre1p aus Hefe (vom Januar 1997). Einige funktionelle Sequenzbereiche wie die Häm- und die FAD-Bindungsstellen (unterstrichen) sind hochkonserviert. Die Gesamtsequenzen sind jedoch nur mäßig homolog.

1.3.3 Transport von Fe2+ in die Rhizodermis

Das durch die Fe3+-Chelatreduktase bereitgestellte freie Fe2+ wird in die Wurzelzellen transportiert. In Erbsen wurde gezeigt, daß nicht die Fe2+-transportierenden Enzyme, sondern die Fe3+-Chelatreduktase limierend für die Fe-Assimilation ist ( Grusak et al. 1990 ). Dabei ist noch immer offen, ob diese Aufnahme durch Fe2+-spezifische oder unspezifische divalente Kationentransporter erfolgt. Neuere molekularbiologische Studien geben Hinweise auf einen wenig spezifischen Kationentransport: In Hefemutanten überexprimiert transportierte der „eisenregulierte Transporter“ IRT1 aus Arabidopsis thaliana außer Fe2+ eine Reihe anderer zweiwertiger Metallionen ( Eide et al. 1996 , Korshunova et al. 1999 ). Dazu gehören Zn und Mn, und wahrscheinlich auch Cd und Co. Außerdem erwiesen sich Hefen (D. Eide, Columbia, MO, pers. Mitt.) und transgene Pflanzen (M.L. Guerinot, Hanover, NH, pers. Mitt.), die das IRT1-Protein überexprimierten, als hypersensitiv gegenüber Cd im Medium. Trotz ihrer geringen Spezifität muß man annehmen, daß die IRT-Proteine eine physiologische Rolle in der Fe-Assimilation besitzen. Expressionsstudien zeigten, daß die Transkriptmenge von IRT1 unter Fe-Mangel, aber nicht durch Defizienz anderer Kationen, stark erköht wurde ( Eide et al. 1996 ). Außerdem hatte die Fe3+-Chelatreduktase-defiziente Arabidopsis-Mutante „frd1“ erhöhte IRT1-Transkriptmengen, während eine andere Mutante („frd3), die konstitutiv erhöhte Fe3+-Chelatreduktaseaktivität aufweist, ebenfalls stark erhöhte IRT1-Transkriptlevel zeigte ( Eide et al. 1996 ). Physiologische Studien zeigten, daß viele Pflanzen unter Fe-Mangel erhöhte Gehalte anderer divalenter Kationen in ihren Sprossen aufweisen ( Welch et al. 1993 , Yi und Guerinot 1996 ). Diese Daten weisen


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ebenfalls darauf hin, daß das IRT1-Protein auch andere Kationen transportiert. Kürzlich ist die Komplementation von eisen- und mangantransportdefizienten Hefemutanten sowie erhöhte Cd-Sensitivität dieser Hefen, durch Proteine der Natural resistance associated macrophage protein (Nramp)-Familie aus Arabidopsis beschrieben worden. Hierbei wurden jedoch kaum Transportdaten gezeigt und einige der gezeigten Daten lassen durchaus unterschiedliche Interpretationen zu ( Thomine et al. 2000 ).

Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß neben den oben beschriebenen, wenig spezifischen Kationentransportern auch Fe-spezifische Aufnahmemechanismen existieren.

1.3.4 Eisenassimilation einzelliger Algen

Die sogenannte „Eisen-Hypothese“ postuliert, daß die Biomasse-Produktion in den Ozeanen durch Eisen limitiert ist ( Martin und Fitzwater 1988 ). Dies hat enormen Einfluß auf die weltweite CO2-Fixierung, so daß ernsthafte Überlegungen bestehen, die Ozeane mit Fe zu düngen um damit den Treibhauseffekt einzudämmen ( Behrenfeld und Kolber 1999 ). Trotz dieser globalen Rolle des Eisens in der Ernährung des Phytoplanktons ist über die Eisenassimilation einzelliger, eukaryotischer Algen recht wenig bekannt. Man nahm zunächst an, daß diese sich in der Konkurrenz zu anderen Mikroorganismen der Siderophoraufnahme bemächtigen. In den achtziger Jahren wurde daher die Eisenassimilation der Alge Chlorella vulgaris mit eisenbeladenen Siderophoren untersucht. Mit Hilfe der Elektronenspinresonanz-Spektroskopie wurde das Verschwinden des Fe3+-Signals und damit die Reduktion von Fe3+ zu Fe2+ gemessen. Diese Methode funktionierte jedoch nur bei sehr fest gebundenem Fe3+, also bei Siderophorkomplexen. Bei weniger festen Komplexen wie z. B. Fe3+-Citrat verbreiterte sich das Fe3+-Signal so stark, daß es kaum vom Grundrauschen zu unterscheiden war. Gleichzeitig wurde die Aufnahme von radioaktivem Fe gemessen. Die Autoren kamen zu dem Schluß, daß siderophorgebundenes Fe reduktiv assimiliert wird ( Alnutt und Bonner 1987a und Alnutt und Bonner 1987b ). Sie konnten jedoch nicht unterscheiden, ob das Fe erst reduziert und dann aufgenommen wird, oder umgekehrt.

Moog und Brüggemann 1994 maßen der Eisenreduktion in Chlorella pyrenoidosa zur Eisenassimilation keine große Bedeutung zu. Sie konnten zwar die Reduktion von Eisenchelaten messen, fanden aber keine Substratsättigung. Daraus schlossen sie, daß die Reduktionsaktivität eine unspezifische Reaktion sei.

In der marinen Grünalge Scenedesmus incrassatulus wurde siderophorvermittelte Eisenaufnahme nachgewiesen ( Benderliev und Ivanova 1994 ).

In der halophilen Alge Dunaliella salina wurde ein Transferrin-ähnliches Protein nachgewiesen, das Fe3+ bindet und offenbar den Eisentransport vermittelt ( Fisher et al. 1998 ). Dieses Protein ist durch die Salzkonzentration im Medium reguliert.

Im Laufe dieser Arbeit erschien eine Veröffentlichung, die die Induktion der Ferricyanid- und der Eisenchelat-Reduktase in Chlamydomonas reinhardtii durch Eisendefizienz zum Thema hatte ( Lynnes et al. 1998 ). Die Ergebnisse dieser Autoren decken sich teilweise mit den in dieser Arbeit dargestellten ( Eckhardt und Buckhout 1998 ).


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1.4 Eisenassimilation in Hefe

In der Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae ist die Eisenassimilation vergleichsweise gut untersucht. Man vermutete zunächst, daß Hefen, ähnlich wie Bakterien und die meisten Pilze, Siderophoren zur Eisenassimilation benutzen. Obwohl Hefen selbst keine Siderophoren synthetisieren, wurde gezeigt, daß sie siderophorgebundenes Fe3+ aufnehmen können ( Lesuisse et al. 1987 ). Neuere Studien konnten einen Siderophor-Fe3+-Transporter (Sit1p) identifizieren. Dieser verleiht eisentransportdefizienten Stämmen die Möglichkeit, in Gegenwart des Pilzsiderophors DesferrioxaminB (DFOB) zu wachsen ( Lesuisse et al. 1998 ). Der siderophorvermittelte Eisentransport scheint jedoch in Hefe nur einen „räuberischen“ Nebenweg darzustellen. Der Hauptweg der Fe-Assimilation in Hefe ist reduktiv. Unter Eisenmangel induzieren Hefen eine Eisenchelat-Reduktase, die das zur Eisenaufnahme notwendige Fe2+ bereitstellt ( Dancis et al. 1990 ). Das reduzierte Fe wird über ein hochaffines (Km ap 0,15 µM) und ein niedrigaffines (Km ap 30 µM) Aufnahmesystem aufgenommen ( Eide et al. 1992 ). Der hochaffine Fe-Transport ist streng kupferabhängig: Cu-Mangel oder Mutationen in Genen des Cu-Transportes führen sekundär zur Fe-Defizienz. Viele Komponenten der Fe-Assimilation in Hefe sind auf molekularer Ebene bekannt (als Überblick: Eide 1998 ). An dieser Stelle sollen vier Genprodukte näher besprochen werden: die Fe3+-Chelatreduktase Fre1p, der niedrigaffine Fe2+-Transporter Fet4p und die zwei Komponenten des hochaffinen Fe-Transportes Fet3p und Ftr1p.

1.4.1 Biochemische und genetische Charakterisierung der Eisenreduktasen in Hefe

Erste Hinweise, daß die Fe3+-Chelatreduktasen in Hefe selbst Cytochrome sind, lieferten Häm-defiziente Hefemutanten. Sie erwiesen sich auch als Fe3+-Reduktase-defizient. Durch Zufüttern von delta-Aminolävulinsäure, einem Baustein der Häm-Biosynthese, wurden diese Defekte supprimiert ( Lesuisse et al. 1987 ). Die erste echte Fe3+-Chelatreduktase-Mutante wurde 1990 beschrieben: Sie hatte erhebliche Wachstumsdefizite auf Fe-limitiertem Medium, zeigte keine Induktion der Fe-Reduktaseaktivität unter Fe-Mangel und war in der Lage, angebotenes Fe2+ aber nicht Fe3+ zu transportieren ( Dancis et al. 1990 ). Diese Mutante wurde komplementiert und das FRE1-Gen wurde isoliert. Es erwies sich als Fe-Mangel-induziert und entsprechende Promotorbereiche konnten identifiziert werden ( Dancis et al. 1992 ).

Das Fre1-Protein ist hydrophob mit 5 oder 6 vermuteten Transmembrandomänen. Die Sequenz weist auf zwei Häm-Bindungsstellen, eine Flavin-Bindungsstelle sowie eine NAD(P)H-Bindungsstelle hin ( Dancis et al. 1992 ). Außerdem wurden Sequenz-, und vor allem Strukturhomologien zur katalytischen Untereinheit der mammalischen Phagozyten-Oxidase gp91phox gefunden. Spektroskopische Daten zeigten, daß das Fre1-Protein ein Cytochrom vom b-Typ ist ( Shatwell et al. 1996 ). Zur biochemischen Charakterisierung des Proteins wurde das FRE1-Gen in Hefe überexprimiert. Dabei konnte jedoch keine gesteigerte Fe-Reduktaseaktivität in isolierten Membranfraktionen gemessen werden ( Lesuisse et al. 1996 ). Aus diesen Daten und aus den erfolglosen Bemühungen verschiedener Arbeitsgruppen, fre-Mutanten mit pflanzlichen cDNAs funktionell zu komplementieren, wurde geschlossen, daß die Fe3+-Reduktase in Hefe wahr-


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scheinlich ein Multienzymkomplex ist.

Durch Sequenzähnlichkeiten zu FRE1 wurde das FRE2-Gen identifiziert, dem ebenfalls eine Rolle in der Fe-Assimilation zugesprochen wird ( Georgatsou und Alexandraki 1994 ). In unserem Labor konnte die Funktion des Fre2-Proteins in Hefemutanten nicht reproduziert werden, fre2-Mutanten zeigten im Hinblick auf die Fe3+-Reduktion keinen Unterschied zu ihrem Wildtyp (eigene unveröffentliche Ergebnisse). Insgesamt ist die physiologische Funktion des Fre2-Proteins eher fraglich, da in Komplementationsversuchen immer nur das FRE1-, aber nie das FRE2-Gen isoliert wurde (E. Lesuisse, Paris, pers. Mitt.). Es gibt ein einziges Beispiel, in dem die Fe-Reduktasegene aus Hefe funktionell überexprimiert wurden: In Blättern transgener Tabakpflanzen führte die Expression des Fre1- und vor allem des Fre2-Proteins zu gesteigerter Eisenchelatreduktaseaktivität ( Samuelsen et al. 1998 ).

1.4.2 Molekulare Charakterisierung der Fe-Transporter in Hefe

Physiologische Charakterisierungen des Fe-Transportes in Hefe hatten zwei Aufnahmesysteme identifiziert, die Fe2+ mit unterschiedlichen Affinitäten (Km-Werte von 0,15 bzw 30 µM) transportieren ( Eide et al. 1992 ).

Die Arbeiten von Askwith et al. 1994 und Dancis et al. 1994a beschreiben die Identifizierung von eisenaufnahmedefizienten Hefemutanten und die anschließende Isolation der entsprechenden Gene. In beiden Fällen wurden Gene isoliert, die mit dem hochaffinen Fe-Transport in Zusammenhang stehen, nämlich das FET3-Gen ( Askwith et al. 1994 ), das für die kupferhaltige Ferroxidase codiert, und das CTR1-Gen ( Dancis et al. 1994a ), das für einen Cu-Transporter codiert. Eine Mutation im Kupfertransportergen CTR1 verhinderte die Kupfer- und die hochaffine Eisenaufnahme, während die fet3-Mutante nur im hochaffinen Fe-Transport defizient war. Das Fet3-Protein enthält nur eine Transmembrandomäne und kam daher als putativer Fe-Transporter nicht in Betracht. Dafür wurden Eigenschaften gefunden, die für kupferhaltige Oxidasen typisch sind. Tatsächlich wurde Kupfer als wichtiger Cofaktor im Genprodukt von FET3 identifiziert. Das Modell einer Ferroxidase, die das durch die Fe(III)-Reduktasen bereitgestellte Fe2+ erkennt und wieder zu Fe3+ re-oxidiert ( Abb. 6 ), wurde aufgestellt und in verschiedenen Arbeiten experimentell belegt ( Eide 1998 ). Kürzlich wurde das Gen für den hochaffinen Eisentransporter Ftr1p isoliert. Er ist mit dem FET3-Genprodukt assoziiert und beide Proteine sind einzeln nicht funktionell ( Stearman et al. 1996 ).


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Abb. 6: Modell der Eisenaufnahme in Saccharomyces cerevisiae (nach Eide 1998 ): Fe3+-Ionen werden von Eisenchelatreduktasen (Fre1p und Fre2p) außerhalb der Zelle zu Fe2+ reduziert und damit mobilisiert. Das gebildete Fe2+ wird durch den niedrigaffinen Transporter Fet4p transportiert, oder vom hochaffinen Oxidase-Permease-Komplex bestehend aus den Proteinen Fet3p und Ftr1p erkannt. Fet3p ist eine Oxidase, die das Fe2+ wieder zu Fe3+ oxidiert, während der Eisentransporter Ftr1p das gebildete Fe3+ in die Zelle transportiert. Fet3p benötigt Kupfer und Sauerstoff für seine Funktion, weshalb Cu-Defizienz oder Mutationen in den Kupfertransportergenen CTR1, ATX1 oder CCC2 zum Ausfall des hochaffinen Eisentransportes, und dadurch sekundär zu Fe-Mangelerscheinungen führen. Die Synthese aller beteiligten Proteine ist durch die Transkriptionsaktivatoren Aft1p und Mac1p reguliert, die den Eisen- und den Kupferzustand in der Zelle messen und in Mangelsituationen die Genexpression aktivieren. Außerdem werden Mn, Fe und andere Metalle durch Transporter der Nramp-Familie transportiert. Siderophorgebundenes Fe3+ kann durch das Sit1-Protein aufgenommen werden.

Der scheinbar widersinnige Mechanismus der Fe-Assimilation in Hefe: Reduktion des Eisens zu Fe2+, dann die Oxidation zu Fe3+ und schließlich der Transport von Fe3+ in die Zelle, macht Sinn, wenn man bedenkt, daß freies Fe3+ in Lösung praktisch nicht vorkommt. Das lösliche Fe ist an Chelatoren unterschiedlichster Natur gebunden, so daß sich für den Transport eine Vielzahl an Substraten ergibt. Durch die zwischengeschaltete Reduktion werden die meisten Chelatkomplexe gespalten und es entsteht freies Fe2+ als einheitliches Substrat für den Oxidase-Permease-Komplex. Da Fe2+ durch seine Reaktivität mit Sauerstoff jedoch toxisch wirkt, muß es schnell wieder zu Fe3+ oxidiert werden. Dies geschieht in Hefe koordiniert mit dem Transport in die Zelle durch den Fet3p/Ftr1p-Komplex ( Eide 1998 ).


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Zur Isolation des niedrigaffinen Fe-Transporters wurden fet3-Mutanten mit einer cDNA-Bank transformiert. Unter den Transformanten wurde nach schneller wachsenden Kolonien auf Fe-limitierendem Medium gesucht. Dabei wurde das FET4-Gen identifiziert, das für den niedrigaffinen Fe2+-Transporter aus Hefe codiert ( Dix et al. 1994 ). Der niedrigaffine Fe-Transport war durch Cadmium und Cobalt, aber nicht durch Mangan, Zink und Strontium und nur leicht durch Nickel inhibierbar.

Schließlich wurde Fe2+-Transport in Hefe durch Proteine der Natural resistance associated macrophage protein (Nramp)-Familie nachgewiesen. Diese Proteine (Smf1-3p) transportieren jedoch eine Reihe von Übergangsmetallionen, insbesondere Mn2+. Der Nramp-vermittelte Fe-Transport scheint nur eine Nebenrolle zu spielen ( Eide 1998 ).

1.5 Ansätze zur molekularen Charakterisierung der Eisenassimilation in höheren Pflanzen

1.5.1 Komplementation von Hefemutanten mit pflanzlichen cDNAs

Hefen sind einzellige Eukaryonten, die sich genetisch und molekularbiologisch einfach handhaben lassen ( Rose et al. 1990 ). Sie eignen sich ausgezeichnet zur Überexpression pflanzlicher Proteine ( Minet et al. 1992 ). Die Komplementation von Hefemutanten erwies sich als überaus erfolgreich zur Isolation sonst nur schwer zugänglicher pflanzlicher Membranprotein-cDNAs. Dabei wurden Kaliumtransportmutanten ( Sentenac et al. 1992 ), Aminosäuretransportmutanten ( Frommer et al. 1993 ) oder genetisch modifizierte Stämme ( Riesmeier et al. 1992 ) verwendet. Auch im Eisenstoffwechsel höherer Pflanzen konnte die Hefekomplementation erfolgreich angewandt werden: Der cDNA-Klon IRT1, der für einen Eisentransporter in Arabidopsis thaliana codiert, wurde durch Komplementation einer fet3,fet4-Doppelmutante isoliert ( Eide et al. 1996 ).

Die Komplementation der Fe-Reduktasemutanten ( Dancis et al. 1990 , Georgatsou und Alexandraki 1994 ) mit pflanzlichen cDNAs wurde von verschiedenen Arbeitsgruppen angegangen, führte aber bislang nicht zum Erfolg (T. Altmann, N. Robinson, M.L. Guerinot, pers. Mitt; sowie eigene unveröffentlichte Daten). Ebenso konnte die Komplementation einer neuen eisenreduktase-defizienten Hefemutante (SJ22, Jakobs 1994 ) mit einem 4,3 kb großen DNA-Fragment aus Hefe nicht zum weiteren Verständnis der Fe-Assimilation in Hefe beitragen ( Jakobs et al. 1995 ). Dieses DNA-Fragment wurde im Rahmen dieser Arbeit sequenziert. Es enthielt jedoch nur zwei recht kurze offene Leserahmen. Außerdem konnte die Komplementation der Mutante kaum reproduziert werden (Daten nicht gezeigt).

1.5.2 Differentielle Proteinmuster in Wurzeln

Durch zweidimensionale Gelelektrophorese wurden Proteinmuster sowie die Muster in vitro-translatierter mRNAs eisensuffizienter und eisengehungerter Tomatenwurzeln verglichen. Es wurden einige differentiell exprimierte Polypeptide identifiziert, die aber offenbar nichts mit physiologisch relevanten Proteinen des Fe-Stoffwechsels zu tun hatten ( Herbik et al. 1996 , Schmidt und Buckhout 1997 ).


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1.5.3 Molekularbiologische Ansätze zur Identifizierung eisenmangel-induzierter Genprodukte

Durch differentielles Screening von cDNA-Banken sowie durch Differential Display PCR wurden RNAs eisengehungerter und eisensuffizienter Tomatenwurzeln miteinander sowie die RNAs der nicotianamin-auxotrophen Mutante chloronerva mit Wildtyp-RNAs verglichen. Dabei konnten einige unterschiedlich exprimierte Gene identifiziert werden. Diese Gene hatten offenbar größere Relevanz in der allgemeinen Stress-Situation der Pflanzen als in der Eisenassimilation ( Giritch et al. 1997 ). Das differentielle Screening einer Gerstenwurzel-cDNA-Bank führte zur Identifizierung von Genprodukten, die an der Phytosiderophor-Biosynthese beteiligt sind ( Nakanishi et al. 1993 , Okumura et al. 1991 , Okumura et al. 1994 ).

1.6 Zielsetzung dieser Arbeit

Grundlage unserer molekularen Kenntnisse des Fe-Transportes höherer Pflanzen bilden die mikrobiologischen Vorarbeiten in Hefe. 1994 waren Komponenten des hochaffinen (FET3) und des niedrigaffinen Fe-Transportsystems (FET4) aus Saccharomyces cerevisiae auf molekularer Ebene bekannt ( Dancis et al. 1994a , Dix et al. 1994 ). Die Konstruktion der Hefemutante DEY1453, die in beiden Fe-Transportsystemen defizient ist, erlaubte die Isolierung und Charakterisierung des ersten Fe-Transporters (IRT1) aus Arabidopsis thaliana durch Hefekomplementation ( Eide et al. 1996 ). Mit der Isolierung der IRT1-cDNA war der Weg frei, Fe-Transporter-cDNAs aus Ertragspflanzen zu isolieren.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit sollten Eisentransporter-cDNAs aus Tomaten auf molekularer Ebene charakterisiert werden. Dazu mußte zunächst eine cDNA-Bank aus den Wurzeln Fe-defizienter Tomatenpflanzen erstellt werden. Weiterhin sollte ein Hefestamm konstruiert werden, der die funktionelle Charakterisierung der aus dieser Bank isolierten Klone zuläßt. Schließlich sollten die Genprodukte der isolierten cDNAs in Hefe in Bezug auf das Wachstum und den Eisentransport physiologisch charakterisiert werden. Expressionsanalysen und Charakterisierungen der entsprechenden Gene sollten durchgeführt werden

In Bezug auf die Fe3+-Chelatreduktase konnte weder die Hefekomplementation noch differentielle Screening-Methoden zum besseren Verständnis der Fe-Assimilation höherer Pflanzen beitragen. Daher war es notwendig, einen neuen Modellorganismus zur Untersuchung der Eisenassimilation zu etablieren. Dafür wurde die einzellige Alge Chlamydomonas reinhardtii ausgewählt. Ihre Eisenassimilation sollte physiologisch charakterisiert werden.


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