Ausblick

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Aus den in dieser Arbeit gewonnenen Ergebnissen und den daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen leiten sich Fragestellungen ab, die über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen. Durch Erweiterung der Testserien mit Fourier-gefilterten Abbildern um Tests mit abgewandelten und gefilterten Testmustern lässt sich der für eine Auswertung benötigte geringe Informationsgehalt des visuellen Musters weiter klassifizieren. Der Zusammenhang zwischen Detailreichtum der Dressurmuster und der von den Bienen ausgewerteten wesentlichen Frequenzen kann dabei zusätzlich geklärt werden. Dies erlaubt die Überprüfung der These, ob sich bei Bienen, die mit feiner strukturierten Dressurmustern trainiert werden, die Filtergrenzen der wesentlichen Frequenzbereiche in den höherfrequenten Bereich verschieben. Der Einfluss der Dressursituation auf die Musterbewertung durch die Bienen wird damit unter neuem Aspekt hinterfragt, da mit dieser Methodik der Einfluss der Strukturschärfe der Muster überprüft werden kann.

Aus den Erkenntnissen über den Zusammenhang zwischen Belohnungsposition und Mustereigenschaften folgt, dass insbesondere die Belohnung außerhalb der Musterzentren daraufhin überprüft werden muss, welche Bewertungsschemata Bienen im Detail ausbilden. Die fehlende Unterscheidung der hier verwendeten Testmuster nach dezentraler Dressur der Bienen deutet auf weitere verschiedene Mustermerkmale hin, die von den Bienen bei dieser Dressur bewertet wurden. Es ist die These zu prüfen, inwieweit die Position der Belohnung innerhalb der Muster, sei es durch Belohnung an einem stärker peripher liegenden Punkt oder durch verstreute Belohnung im gesamten Bereich der Musterfläche, die Auswahl der Bewertungsmerkmale beeinflusst. Dies ließe Rückschlüsse darauf zu, inwieweit Bienen das Musterzentrum bzw. seinen Beitrag zur Mustererkennung aus der Symmetrie der verwendeten Muster ableiteten, oder ob die Position des auffälligen Belohnungsröhrchens die Aufmerksamkeit der Bienen auf das Zentrum richtete. Vor diesem Hintergrund sind die Flugbewegungen der Bienen im Verlauf einer Dressur bzw. in der Abfolge mehrerer aufeinanderfolgender Dressuren interessant, da sich daraus ebenfalls Rückschlüsse auf veränderte Präferenzen ableiten lassen sollten.

In den bisher beschriebenen Versuchen konnten sich die Bienen den Mustern frei nähern und einen frei gewählten Fixierungsabstand von 2 - 6 cm einnehmen. Im Anschluss sollte nun geprüft werden, inwieweit der erreichbare Sehwinkel die Bienen in der Auswahl der Musterparameter beeinflusste und welchen Einfluss der Sehwinkel auf die bewerteten Frequenzinformationen der visuellen Muster hat. Eine Erwartung ist, dass sich die besonders bewertete Bildinformation mit zunehmendem Abstand in den höheren Frequenzbereich verschiebt. Vor diesem Hintergrund sollte auch die These überprüft werden, dass die Bienen bei der hier verwendeten Versuchsanordnung auf Grund der großen Sehwinkel nur Mustereigenschaften des belohnten Musters lernten. Bei ermöglichter gleichzeitiger Betrachtung der Muster in der Entscheidungskammer eines Y-Wahltunnels sollten die hier verwendeten Dressurparadigmen A und B nicht mehr zu gleichen Bewertungsstrategien der Bienen führen.

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Die Ergebnisse der Untersuchung zur Bewertungsstrategie zeigten, dass Frugalheuristiken das Wahlverhalten der Bienen bei der Musterbewertung gut vorhersagen konnten. Zukünftige Untersuchungen zur Mustererkennung sollten daher ihr Augenmerk über die ursprünglichen Fragestellungen hinaus auch darauf richten, inwieweit sich noch weitere Wahlentscheidungen der Bienen durch frugal heuristics vorhersagen lassen. Vor dem Hintergrund der begrenzten neuronalen Kapazitäten der Insekten kann erwartet werden, dass unterschiedliche Entscheidungsverhalten mit Hilfe einfacher Heuristiken erklärbar werden. Durch geeignete Versuchsanordnungen lässt sich die mögliche Anpassung der Entscheidungsregeln an die Testsituationen weiter untersuchen. Der angenommene Zeitvorteil der Frugalheuristiken sollte sich dann im Vergleich von Testsituationen zeigen lassen, in denen Bienen die Testmuster gegeneinander abgleichen, da Bienen hier vermutlich die Bewertungsregeln wechseln.


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05.12.2006