1 Einleitung.

1.1 Vorbemerkungen.

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Das Thema der vorliegenden Arbeit vereinigt in sich eine Vielzahl von Aspekten, die mit dem „Tank“ oder frühen „Panzer“1 sowie dessen Entstehungs- und Einsatzgeschichte im Komplex einer militärtechnischen Revolution2 verbunden sind. Diese wurden in den vergangenen rund 90 Jahren in kriegs-, operations- und technik- sowie in jüngerer Zeit auch in kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Betrachtungen3 von vielen verschiedenen Seiten behandelt. Der Verfasser einer heutigen Untersuchung muß demnach gute Gründe haben und zwar sowohl in Hinsicht auf neue Erkenntnisse, als auch bezüglich einer geschichtswissenschaftlichen Legitimation und Relevanz einer neuerlichen Abhandlung, um sich heute diesem Themenfeld zu widmen.

In Hinblick auf die vorliegende Untersuchung von neuen Erkenntnissen zu sprechen, scheint angesichts der bisherigen Bearbeitungsdichte des Themenkomplexes auf den ersten Blick recht verfänglich. Sicherlich läßt sich immer ein Aktenbestand benennen, der nach Ansicht eines Bearbeiters noch nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Und es gibt immer wieder auch mehr oder weniger isolierte Einzelaspekte, die, je nach Verlagerung des Betrachtungsschwerpunktes eines Autors im Gegensatz zu vorherigen Arbeiten, zu wenig Berücksichtigung gefunden zu haben scheinen4. Das Ziel der vorliegenden Dissertation ist es aber nicht, dergestalt ausgemachte „Detaillücken“ zu schließen oder, im Gegensatz dazu, das Bild von der Frühphase der Entwicklungsgeschichte des Panzers (!) zwangsweise grundlegend revidieren zu wollen. Der Panzer wird im Ergebnis weiterhin ein Kriegsmittel bleiben, das die Landkriegführung des 20.Jahrhunderts geprägt hat, und auch weiterhin eine Waffe sein, die, in ihrer Ur- und Frühform als „Tank“ des Weltkrieges, ihren –allerdings noch genauer zu bestimmenden- Einfluß auf den Ausgang des globalen Ringens zwischen 1916 und 1918 hatte. Es geht vielmehr darum, skeptisch und durchaus befreit von einer in weiten Teilen der vergangenen 90 Jahre gepflegten, meist national veranlagten und auf wehrwissenschaftlichen Gewinn zielenden, „applikativen“ Kriegsgeschichtsschreibung sowie unbelastet von individuell-intuitiven oder politischen Vorbehalten5 an ein Thema heranzugehen, das, in Anbetracht der heute greifbaren und weit verbreiteten Vorstellungen, dem „Bauchgefühl“ eines Historikers schon nach recht oberflächlicher Einarbeitung „Kopfzerbrechen“ bereiten muß.

So stellt sich ein ganz erheblicher Teil des Themenfeldes „Tank“, nämlich etwas, das als deutsche Perspektive zu kennzeichnen ist und sich in der Berücksichtigung von Ansätzen zur Bekämpfung alliierter Kampfwagen während des Krieges deutlich wiederfinden lassen müßte, heute als so begrenzt gewürdigt dar6 wie die mit der Einführung einer in der Kriegsgeschichte völlig neuen Waffe auf beiden Seiten der Front verbundene Komplexität7 der Materie an sich. In der historiographischen Aufarbeitung, welche die Angriffswaffe Tank und ihre Nutzer in gleicher Weise wie die zu ihrer Abwehr vorhandenen Mittel und Kräfte berücksichtigt haben müßte, sollte angesichts der vergangenen Jahrzehnte und der Bedeutung der Waffe tatsächlich etwas anderes zu erwarten sein. Doch, wie weiter unten anhand der Darstellung eines sozusagen „populären“ und heute allenthalben auffindbaren Bildes vom Tank und seiner Bedeutung dargelegt werden kann8, entspricht diese Annahme kaum den Realitäten.

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Eine der Ausnahmen hiervon, die wegen ihrer Patenfunktion für die vorliegende Arbeit an dieser Stelle ausdrücklich genannt sein soll, liegt mit Pidgeons Untersuchung des ersten Tankeinsatzes aus dem Jahr 1995 vor9. Erstaunlich ist an dieser Ausarbeitung, die augenscheinlich vom Wunsch geleitet war, endlich auch die durch deutschsprachige Archvialien und Literatur zu eruierende Feindperspektive zu berücksichtigen, eine Ergiebigkeit, die derart angelegte Neubetrachtungen absolut rechtfertigt.

Das auf dieser Basis den Ansatz des Verfassers am zutreffendsten charakterisierende Stichwort scheint das der „Revision“ zu sein. Impliziert ist darin ein im Zweifelsfall zumindest „respektlos“ erscheinender Umgang mit vermeintlich unbeweglich zementiert feststehenden Erkenntnissen über die Vergangenheit und der Anspruch, durch den gewählten Zugang ergänzen, neu deuten und wenigstens bis zu einem gewissen Grad auch neu bewerten zu können, was als ein in seiner Komplexität zwangsweise reduziertes Produkt der „Geschichte der Elterngeneration“10 kolportiert worden ist.

Der zweite Anspruch, die geschichtswissenschaftliche Legitimation und Relevanz der vorliegenden Arbeit, ist mit dem unterstellten Ausfall eines ganzen Betrachtungszweiges in Form der deutschen Perspektive eng verbunden, aber etwas diffiziler zu fassen. Denn es handelt sich beim Themenbereich um etwas, das, im Sinne der berechtigten Ausführungen Nowosadtkos zur Reputation der Militärgeschichte und der Militärgeschichte betreibenden Historiker11, eine rein kriegsgeschichtliche, rein militärtechnische, überaus operationsgeschichtslastige und mit militärischen Fachtermini durchsetzte Ausarbeitung verspricht. Vor allem der zuletzt genannte Vorbehalt entspräche, sofern real geäußert, zweifelsfrei allerschlimmsten Befürchtungen. Wenngleich der Verfasser auch bewußt versucht hat, ihm selbst in ihrer Bedeutung letztlich kaum verständliche technische Ausführungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren, bleibt die vorliegende Arbeit durchsetzt von „blutigen Verlusten“, deren zivilsprachliche Entsprechung nun einmal nicht existiert12, von der Benennung von Divisionen und Korps, von Geschütztypen- und Dienstgradbezeichnungen sowie allerlei sonstigen Elementen militärischer Fachsprache. Und sie widmet sich, das sollte aus den bisherigen Vorbemerkungen ersichtlich sein und auf die Vorbehalte des nicht militärgeschichtlich vorgeprägten Betrachters verschärfend wirken, einem Forschungsgegenstand der auf den ersten Blick durchaus als „alter Hut“ eines überkommenen und nur allzu „kriegerischen“ Zweiges einer militärhistoriographischen Subdisziplin der Geschichtswissenschaft bezeichnet werden könnte.

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Einer solchen Argumentation kann aber nicht nur die oben angeführte Behauptung einer von vielfältigen Fesseln freien und demgemäß aus neuen Verhältnissen heraus nach neuen Erkenntnissen strebenden Revision entgegengehalten werden, sondern auch die damit verbundene Hypothese, daß beachtliche Teile vorheriger Arbeiten auf einer „unfreien“ Grundlage verfaßt worden sind.

Geschichtswissenschaftlich sollte es an dieser Stelle interessant werden, geht man über sprachliche und sonstwie geartete Barrieren, welche Historikern die Betrachtung transnationaler Zusammenhänge praktisch erschwert haben und erschweren, hinaus. Denn gerade mit dem vorliegenden, so intensiv bearbeiteten Untersuchungsfeld, liegt ein Themenkomplex vor, welcher nicht nur überaus signifikante Wirkung auf die Wahrnehmung von Verlauf und Ausgang der „Urkatastrophe“ des Ersten Weltkrieges, sondern tatsächlich auch auf die Landkriegführung des 20.Jahrhunderts in ihrer Gesamtheit hatte. Es handelt sich demgemäß um eine Materie, die zumindest anläßlich ihrer Bedeutung für die beiden Weltkriege und ihrer Aufarbeitung in internationalem Maßstab außerordentlich dazu geeignet war, schriftstellernden Betrachtern aller Art eine heutzutage –man schließe sich Pröves hoffnungsvollen Worten zu einer neuen Historikergeneration nicht allein aus Eigeninteresse an13- weitestgehend fremde, nationalpatriotische, militaristische oder sonstwie die wissenschaftliche Arbeit hemmende Intentionsgeladenheit aufzubürden. In diesem Sinne, und man kann dabei parallel zu Wehrhaftmachungstendenzen der Zwischenkriegszeit auch auf eine in Deutschland nach 1945 ausgeprägte Aversion gegen eine allzu „blutige“ und mit vermeintlich überkommenen Ansätzen arbeitende Militärgeschichtsschreibung verweisen, ist die Beschäftigung mit dem bis heute international vielbeachteten Thema der vorliegenden Arbeit auch eine kritische Auseinandersetzung mit einem nicht nur für die deutsche Militärhistoriographie bedeutungsvollen Teilbereich der Geschichtswissenschaft der vergangenen neun Dezennien.

1.2 Der Betrachtungsgegenstand.

Bereits Anfang der 1920er Jahre interessierte das deutsche Reichsarchiv ein Sachverhalt, der, als „Tankfrage“ bezeichnet, unter dem Siegel der Verschwiegenheit zum Gegenstand intensiver Untersuchung wurde14. Die Beschäftigung mit dem Tank sowie mit allen mit ihm, seiner Produktion, seiner Bekämpfung und seinen Leistungen während des Krieges verbundenen Aspekten wurde dadurch motiviert, daß man die Wirkungsweise der von den Alliierten in Massen eingesetzten Kampfwagen so klar vor Augen hatte wie ihr nahezu völliges Fehlen in den eigenen Reihen und einen wenigstens intuitiv mit diesem Umstand verbundenen, äußerst bitter erachteten Ausgang des Krieges. Schon während der Endphase desselben waren zudem Vorwürfe von Seiten der Politik und aus dem Heer laut geworden, die sich gegen die damals entscheidende 3.OHL15 als Urheber eines diesbezüglich gravierenden, rüstungstechnischen Versäumnisses gerichtet hatten16. Die Begründungen für das Fehlen deutscher Tankmassen, wie sie von Ludendorff in seinen Kriegserinnerungen von 1919 und in einer Dokumentenedition von 1920 als teilweises Eigenverschulden durch Uneinsichtigkeit, maßgeblich aber mit Verweis auf rüstungstechnische Mangellagen bemerkenswert rasch nach Kriegsende gegeben worden waren17, befriedigten offenkundig schon damals nicht. Gleiches galt für den mit dem eigenen Tankbau verbundenen Komplex der Konstruktion wirkungsvoller Tankabwehrwaffen. Deren Fehlen wurde mancherorts ebenfalls als „kriegsentscheidende“ Unterlassung angeführt, was für den Direktor des diesbezüglich wenigstens mitverantwortlichen Allgemeinen Kriegs-Departements im (preußischen) Kriegsministerium, von Wrisberg, 1922 Anlaß genug war, eine eindeutig als Rechtfertigungsschrift identifizierbare Veröffentlichung anzustreben18.

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All diese Antworten und Rechtfertigungen hielten weder die amtlichen Geschichtsschreiber, noch sonstwie schriftstellernde, Schlachten und den Kriegsausgang analysierende Militärs und Ex-Militärs, Historiographen und Betrachter jeglicher Provenienz davon ab, überaus kritisch zu werten. Noch 1995 widmete sich ein deutscher Doktorand intensiv dem deutschen „Panzerbau im Ersten Weltkrieg“, um bis dahin offengebliebene Fragen endlich zu beantworten19. Beachtenswert ist hierbei, daß auch diesmal jene schon lange vor 1939 festgestellte Beschränktheit der früheren deutschen Führung hinsichtlich der Möglichkeiten von Tanks sowie die grundsätzliche Nichtigkeit rüstungstechnischer Gründe für ihren einmal mehr als nicht ausreichend forciert betrachteten Bau festgehalten wurden20.

Für die vorliegende Arbeit viel wesentlicher als dieser Komplex des deutschen Tankbaues bis Kriegsende 1918, von dem am Rande der folgenden Betrachtungen noch zu zeigen sein wird, daß er real nicht in direktem Zusammenhang mit einer angeblich kriegsentscheidenden Wirkung alliierter Kampfwagen stand21, ist, was sich als Basis für die nach 1918 geschriebenen Betrachtungen über den alliierten Tank und seine im Weltkrieg gezeigten Leistungen eruieren läßt. Dies, und damit zugleich die bisherige wissenschaftlich-schriftstellerische Herangehensweise an das Thema, scheint, zumindest bei frühen deutschen Autoren und vielleicht auch später, seit Ende des Zweiten Weltkrieges, unter dem Gesichtspunkt eines gewissen, möglicherweise gar internationalen „Konsenses“, durch das nicht von ungefähr genährte und dementsprechend sichere Gefühl geprägt (gewesen) zu sein, daß die deutschen Verantwortlichen bis 1918 eine heutzutage überdeutlich erkennbare militärtechnologische Revolution verschlafen22 und nicht zuletzt deshalb den Weltkrieg verloren hatten. Ein für die vorliegende Arbeit überaus wichtiger23, nach 1918 schreibender Generalmajor (der Reichswehr a.D.) Petter schrieb dazu in seiner Studie über die deutschen Kampfwagen-Abwehr:

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„Das zunehmende Interesse der Heimat, sowohl der militärischen als auch der Zivildienststellen, des Reichstags und des Privatlebens an den Kampfw. ist gerade im Berichtzeitraum [gemeint ist der Berichtzeitraum des zitierten Kapitels seiner Arbeit, ab Juli 1918] festzustellen. Jedermann war sich im Zweifel, ob unsere Abwehr dem immer und immer wieder durch die Kriegstagesberichte und die Presse gemeldeten Ansturm feindl. Kampfw. standhalten würde. Ein banges Ahnen durchzog Heimat und Feld. Und das war nur zu berechtigt.“24

Die Benennung anderer Gründe -„Dolchstoß“ und „Blockade“ sind in diesem Kontext zwei überaus bedeutungsschwangere Stichworte- deren Bewertung vom Zeitpunkt des Schreibens in den letzten 90 Jahren abhängig gewesen zu sein scheint, trat hierbei parallel, nachgeordnet oder auch allem anderen vorangestellt auf, ohne den Tank zu irgendeinem Zeitpunkt vollständig seiner Beachtung beziehungsweise seiner Bedeutung für den Ausgang des Krieges berauben zu können.

Von einem der, oder besser dem „Vater“ dieser markanten Innovation des Weltkrieges und der daraus hervorgegangenen Panzertruppen weltweit, dem ersten Stabschef des britischen Tank Corps, Fuller, war die neue Waffe bereits 1920 als „greatest military invention of the Great War“ bezeichnet worden25. Und er -sowie auch andere nach ihm26- attestierte ihr, neben dem Charakter als der den materiell, psychologisch und in Hinsicht auf die menschlichen Opfer gleichermaßen verheerenden Stellungskrieg beendenden Erfindung, kriegsentscheidenden Einfluß an der Hauptkampffront des Ersten Weltkrieges in Belgien und Frankreich gehabt zu haben27.

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Diese Sichtweise wurde späterhin, besonders seit 1939, im Sinne durch Fuller prognostizierter, zukünftiger Leistungen weiterentwickelter Fahrzeuge und Einsatzkonzeptionen28, durch zahlreiche Beispiele für effiziente Panzerkriegführung auf eindrucksvolle Weise bestätigt und bereichert. So stand Ende des 20.Jahrhunderts als Beleg einer These des „Vaters“ der deutschen Panzertruppe des Zweiten Weltkrieges, Guderian, welcher 1937 behauptet hatte, daß in näherer Zukunft „kein kriegerischer Zusammenstoß ohne Mitwirkung von Luftstreitkräften und Panzertruppen denkbar“ sei29, fest, daß die direkten Nachfahren der Tanks des Ersten Weltkrieges die Landkriegführung tatsächlich nachhaltig verändert und sogar geprägt hatten30.

Was die Qualität des Einflusses dieser Waffe anbelangt, so darf man an dieser Stelle getrost auch auf eine von ihr ausgehende –man wähle einen nicht allzu wertenden Terminus- „Faszination“31 auch fern der ziemlich unüberschaubaren Mengen an „Panzer-Literatur“, militär- und kriegsgeschichtlichen sowie militärtechnischen und militärtheoretischen Veröffentlichungen verweisen32. Diese ist heute beispielsweise in Modellbauabteilungen von Spielwarengeschäften, auf dem Sektor von Computerspielen oder auch anläßlich von „Waffensystem-Vorführungen“ und „Tagen der offenen Tür“ von Streitkräften -wenn der mehr oder weniger vorgeprägte Laie dem gewaltigen Eindruck des gepanzerten High-Tech-Gerätes ausgeliefert ist33- spürbar. Und man darf mutmaßen, inwieweit diese Einflüsse und Eindrücke vom Panzer auf Betrachter des Tank bis heute ihre Wirkung ausgeübt haben, ohne daß diese sich wesentliche entwicklungstechnische oder von der Lage 1916-1918 abhängige Faktoren in ausreichendem Maße vorzustellen vermochten beziehungsweise in Erinnerung rufen konnten. Schließlich hatte bereits Guderian ausdrücklich auf die Unterschiede zwischen dem Tank des Weltkrieges und dem Panzer nach 1918 hingewiesen34.

1.2.1 Wie „General Tank“ den Ersten Weltkrieg gewann.

Kaum verwunderlich erscheint es gerade in der Rückschau auf die stürmische Entwicklung gepanzerter Kampffahrzeuge und auf ihre vergangenen Einsätze, daß heutzutage auf Breite zwischen historischem Kinder- und Jugendbuch, über „kriegspornographische“35 Erzeugnisse eines gewissen Schlachten-, Panzer- und Panzertruppenkultes hinweg, bis zur Auswahlliteratur für Studierende der Geschichtswissenschaft ein Bild von Mitteln, Verfahrensweisen und Erfolgen der Kriegführung mit Tanks des Weltkrieges faßbar ist. Dieses stellt sich als leicht verständliche und in sich logische Initiierung einer stringenten, technischen und militärtechnologischen Entwicklung dar36.

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Das heute offenkundig „populäre“ Bild sei als Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit nun grob skizziert. Dabei wurde auf mehr oder weniger ausgeprägte Divergenzen in der Festlegung von Darstellungs- und Bewertungsschwerpunkten, die in den so zahlreichen Veröffentlichungen internationaler Provenienz zwangsweise vorhanden sind, keine Rücksicht genommen. Es sei an dieser Stelle auch in dieser Form dargelegt, weil die Bestandteile dieses Bildes die Gliederung der vorliegenden Arbeit in weiten Teilen vorwegnehmen oder diese, andersherum, als skeptische Nochmalbetrachtung oder Revision bedingen:

Am 15.September 1916 kamen an der Somme, innerhalb der vermutlich verlustreichsten Schlacht des Krieges, die ersten Tanks zum Einsatz37. Gedacht als motorisierte und geländegängige Waffenträger, welche die panzergeschützte Annäherung an deutsche Stellungen und das Ausschalten der die Infanterie im Vorgehen hemmenden deutschen Stützpunkte ermöglichen sollten, erreichte eine handvoll britischer Fahrzeuge einen vielverheißenden Achtungserfolg, von dem aus eine geradlinige Weiterentwicklung der Waffe ausging. Technische „Kinderkrankheiten“ hafteten diesen ersten Tanks, auch denjenigen, die von den Franzosen bis Frühjahr 1917 entwickelt wurden, zwar an, doch dies spielte nur anfänglich eine Rolle. Besser gepanzerte, schnellere und insgesamt zuverlässigere Fahrzeuge waren baldigst in Bau38.

Auf den Einsatz an der Somme, aus dem die Tanks bereits als „Drachen“, „Bestien“ oder sonstwie benannte Ungeheuerlichkeiten hervorgingen, folgten im April 1917 ein „kleinerer Panzerangriff“39   bei Arras und der erste französische Tankangriff. Letzterer konnte schon deshalb nicht erfolgreich sein, weil er mit der tragischst gescheiterten „Nivelle-Offensive“, einem besonders schauderhaften Symbol einer nutzlosen Schlacht im Stellungskrieg an der Westfront, verbunden war. Wenn der durchschlagende Erfolg des neuen Kriegsmittels bis hierhin auch noch auf sich warten ließ, so gab es dennoch gute Gründe, an sein Potential zu glauben und seine Entwicklung voran zu treiben. So sahen es Briten und Franzosen, nicht aber die selbstgefällige, einfältige und zeitgleich arrogante deutsche Führung.

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Etwas mehr als ein Jahr nach dem ersten Einsatz des Tank war der Zeitpunkt gekommen, an dem niemand mehr ernsthaft an den Möglichkeiten der neuen Waffe hätte zweifeln dürfen:

Am 20.November 1917 griffen erstmals in Massen eingesetzte britische Kampfwagen als Speerspitze eines völlig überraschenden Vorstoßes die aufgrund neuester Erkenntnisse über den bis dahin geführten Stellungskrieg befestigte Siegfried-Stellung bei Cambrai an. Sie walzten Drahtverhaue nieder, überwanden spielend die tiefsten Gräben und überrollten im Nu die ob ihrer Wehrlosigkeit und der Wucht des Angriffes zutiefst geschockten Verteidiger. Binnen kürzester Zeit war der zuvor so oft angestrebte Durchbruch durch die feindlichen Linien an der Westfront erreicht, und in London wurden Siegesglocken geläutet. Wenn dieses akustische Signal auch aus vielerlei Gründen verfrüht kam, so untermalte es klangvoll den Beginn einer neuen Epoche der Landkriegführung40, in welcher der Tank, als Kulminationspunkt von moderner Feuerkraft und wiedergewonnener Bewegungsfreiheit von Truppe und Führung auf dem Gefechtsfeld, von nun an im Mittelpunkt stehen mußte.

Die letztendlichen Beweise für seine Schlagkraft, nun durch verbesserte Fahrzeugmodelle wie den „FT-17“ und den „Whippet“ noch wesentlich gesteigert41, lieferte der französisch-amerikanische Gegenangriff aus dem Wald von Villers-Cotterêts heraus am 18.Juli 1918 und die britische Offensive vor Amiens am 8.August 1918. Das erste Datum kennzeichnete, als Schlußstrich unter die deutschen „Entscheidungsoffensiven“ des Jahres 1918, den militärischen Gezeitenwechsel zuungunsten des Deutschen Reiches. Das zweite Datum, von Ludendorff legendär als „der schwarze Tag des deutschen Heeres“ deklariert42, implizierte die jetzt unausweichlich gewordene, militärische Niederlage einer dem Feind vorher nahezu unbesiegbar erschienen Armee, die nun ohnmächtig dem Schrecken massenhaft auftretender Tanks, dem sogenannten „Tankschrecken“, ausgeliefert war.

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Daß diese Ohnmacht gegenüber einem seit anderthalb Jahren bekannten Kriegsgerät attestierbar is, lag augenscheinlich an einem schon vor dem Krieg faßbaren, technischen Unverständnis führender Militärs. So war der von einem k.u.k. Offizier offerierter Prototyp eines gepanzerten Kampffahrzeuges bereits 1911 leichtfertig als für das erwartete Kriegsbild unbrauchbar abgetan worden43. Eine Handlungsweise, die während des Krieges ihre Entsprechungen im ausgebliebenen Bau eigener Tanks und so fahrlässig-ignoranten wie pervers-dümmlichen Appellen an die den ersten Panzern gegenüber hilflose Truppe fand, diesen allein mit „Mannesmut“ entgegenzutreten. Selbst ein Ernst Jünger, das sei als Tatbestand ergänzt, seines Zeichens so etwas wie das Sinnbild eines Verfechters von Macht und Kraft des auf überlegene Gesinnung bauenden, unbezwingbaren „Mannesmutes“, konnte sich der verheerenden und letztlich kriegentscheidenden Wirkung der Tanks von 1918 –beziehungsweise diesem Bild von ihnen- bei der Aufarbeitung des Kriegsgeschehens nicht verschließen44.

Dem gewaltigen Eindruck der gepanzerten Waffe entsprechend findet sich in der Literatur, namentlich in Überblicksdarstellungen zum relevanten Zeitraum, die allenthalben tabellarisch, das heißt in Form von Zahlen, welche von Darstellung zu Darstellung übrigens erheblich differieren können, manifestierte Feststellung, daß Deutschland bei Kriegsende über eine geradezu lächerlich geringe Anzahl „Panzer“ verfügte, die Alliierten aber bereits tausende einsatzbereit hatten. Eine Aussage, die dazu geeignet ist, dem Leser auf sehr subtile Weise den Wahrheitsgehalt der These von einer entscheidenden Bedeutung des Tank für den Kriegsausgang zu suggerieren45. „General Tank“, wie ein Autor, Heydecker, 1997 in Adaption anderer, legendärer und in entscheidender Weise wirksamer „Generale“ der Kriegsgeschichte formulierte, hatte den Krieg für die Alliierten gewonnen46.

1.2.2 Wieso „General Tank“ den Ersten Weltkrieg nicht gewann.

Daß der von Heydecker formulierte Erklärungsansatz für die Kriegsentscheidung schon in seiner Monokausalität zweifelhaft ist, liegt auf der Hand. „Die Blockade“, Hunger und damit sonstwie wehrkraftzersetzend wirksam verbundene Auswirkungen, grundlegende materielle und personelle Unterlegenheit, verschiedenste Heeresmißstände und ein durch die Kriegsanstrengungen verursachter, im „verdeckten Militärstreik“ (Deist) von 1918 endender, „innerer Zusammenbruch“, der Kollaps der Verbündeten und das Geschehen an anderen Orten als der Westfront sowie eine Vielzahl weiterer Faktoren, denen kriegsentscheidende Bedeutung beigemessen werden muß, bleiben unberücksichtigt. Zudem ist es keinesfalls so, daß es, wie Heydecker durch die Aussage festgehalten sehen wollte, „heute“ (1997) seien alle Historiker darüber einig, daß „General Tank“ den Krieg entschied, keinerlei Vorbehalte gegenüber der bis November 1918 feststellbaren Wirkung dieser Waffe mehr (gab und) gibt.

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Mit, gelinge gesagt, als „ignorant“ titulierten Kritikern hatte es bereits Fuller zu tun. Mit diesen, darunter namhafteste Persönlichkeiten wie Haig, rechnete er in seinen Erinnerungen schließlich recht unkonventionell ab47. Zudem hatte er schon 1920 darauf hingewiesen, daß sich erst in jüngerer Zeit gegenüber Wert und Zukunft technischer Innovationen skeptisch eingestellte Personen, nämlich die hinsichtlich der Eisenbahn und des Automobiles Zweifelnden, geradezu der Lächerlichkeit preisgegeben hatten48. Dessen ungeachtet, verstummte die Kritik am auch in Deutschland übernommenen positivistischen Bild49 eines kriegsentscheidenden Tank nicht50, sondern wurde durch Bestrebungen zu seiner Instrumentalisierung beim Aufbau moderner Panzertruppen zum Gegenstand eines umfassenden und in weiten Teilen öffentlichen Diskurses über den Kriegsausgang, die Kriegführung bis 1918 und das zukünftige Kriegsbild51.

Daran beteiligt waren Veteranen und aktive Soldaten, mehr oder weniger hochrangige Ex-Militärs und Angehörige der Reichswehr und dann der Wehrmacht sowie, etwa durch den Reichstags-Untersuchungsausschuß zum „militärischen Zusammenbruch von 1918“ in den 20er Jahren und verschiedene Einflußnahmen der politischen und militärischen Führung nach 1933 auf die Debatte als ein Dreh- und Angelpunkt einer auf „Wehrhaftmachung“52 zielenden „Kriegskultur“53 belegbar, Politik und Öffentlichkeit.

Im Rahmen der Gruppe deutscher Veteranen des Weltkrieges, die für ihre „Alte Armee“ reklamierten, „im Felde unbesiegt“ geblieben zu sein, erschienen Publikationen, welche die Wirkung der alliierten Kampfwagen selbst in den sogenannten „Tankschlachten“ (Cambrai 1917, Soissons und Amiens 1918) relativierten, die auf Beispiele zu ihrer erfolgreichen Bekämpfung rekurrierten und die, unter teilweise kritischen Hinweisen auf Führungsfehler und allgemeine, materielle und personelle Unterlegenheit, andeuteten, daß es andersgelagerte, exogene aber vor allem auch endogene Faktoren für die deutschen militärischen Niederlagen des Jahres 1918 und den Kriegsausgang gab. Darunter fiel, unter Einschränkungen durch mentalitätsgeschichtlich zweifellos sehr interessante Selbstzensur in der Freimütigkeit der Artikulation von Fach- und Sachkritik gegenüber (ehemaligen) Vorgesetzten54, auch der „Dolchstoß“. Dessen wiederholte Anführung als letztendliche und offenbar allgemein verträgliche Erklärung für den vielerorts schmerzhaft empfundenen Ausgang des Krieges trug ihren Teil dazu bei, die Wunden der durch den Feind und die eigene Führung55 geschlagenen Veteranen und die mit deren Auffassungen kaum korrelierenden Visionen einer jüngeren Generation von Soldaten mit nationalsozialistischem Kitt in Form von Helden- und Schlachtenkult weitestgehend binden zu können.

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Die „feldgrauen Heroen“, die Tanks im Nahkampf mit geballter Ladung oder einzeln am Geschütz entgegengetreten waren, konnten durch großangelegte Feierlichkeiten rund um Kasernen-Benennungen sowie Ehren- und Denkmale geehrt werden, womit eine Grundlage gegeben war, konservativ-militaristisch geprägte Kreise zu beeindrucken und im Sinne des Regimes schließlich auch zu vereinnahmen. Zeitgleich war auf dem Tank des Weltkrieges und seiner an sich kaum bestreitbaren Bedeutung für zukünftige Konfrontationen aufzubauen. Dank des „Dolchstoßes“ gelang dies schließlich ohne allzu große Reibungen, da hiernach der Widerstandswille der Alten Armee nach nicht primär durch alliierte Tanks oder sonstwie gelagerte militärische und eben „ehrenrührige“ Umstände, sondern durch Heimtücke und Verrat aus der Heimat, durch Sozialisten, Bolschewisten oder Juden gebrochen worden war. „Panzerbefürworter“ wie Guderian konnten unter dieser Prämisse und von diesem Punkt aus, an dem aus dem Tank des Weltkrieges der moderne Panzerkampfwagen für das Kriegsbild von morgen wurde, ihre Pläne zum Aufbau deutscher Panzertruppen auch gegenüber „Traditionalisten“56 verfolgen, ohne das Ansehen von Weltkriegsteilnehmern, das der Streitkräfte oder das der auf ununterbrochener, preußisch-deutscher-großdeutscher Traditionslinie segelnden Führung zu beschädigen.

Über diese Tendenzen und damit über 1945 hinweg trugen die Präsenz der Dolchstoßlegende und der durchaus als kriegsverherrlichend und nicht selten als kriegsvorbereitend zu kennzeichnende Charakter der dem Tank gegenüber kritischen Schriften der Zwischenkriegszeit ihren Teil dazu bei, bestimmte, genuin aus deutscher Perspektive gewonnene Erkenntnisse über die Wirkung alliierter Kampfwagen, die stets in deren Schatten stehende Tankbekämpfung und die deutsche Kriegführung bis November 1918 zu nivellieren57. Die Erinnerung an den namhaftesten Vertreter einer noch als existent nachzuweisenden deutschen Tankabwehr des Ersten Weltkrieges, an den „Helden von Flesquières“ bei Cambrai 1917, Unteroffizier Krüger, dessen Geschichte tatsächlich einem konstruierten Mythos aus der Ehe von Militarismus und Nationalsozialismus zu entspringen scheint58, konnte nach 1945 folglich wohl kaum anders verlaufen als andere Begegnungen zwischen einer beiderseits der Blockgrenzen und von beiden deutschen Staaten für sich in Anspruch genommenen „Friedenskultur“ mit anderen „Kriegshelden“59, der in beiden deutschen Staaten wunschgemäß auf nimmer Wiederkehr beseitigten Herrschaftssysteme vor Ende der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts. Eine Mischung aus einem im Zweifelsfall verlegen-beschämten Tolerieren, Verstecken oder einer im Zwielicht gesellschaftlicher Unaufmerksamkeit geduldeten Erinnerung war maßgebend.

In dem, was oben als ein heute „populäres“ Bild dargestellt wurde, fehlt dieser Entwicklung entsprechend grundsätzlich das Element der deutschen Gegenwehr und Abwehrmaßnahmen gegenüber feindlichen Tanks beziehungsweise deren „blutige“ Geschichte. Letztere scheint durch eine zügige Evolution mit dem Fokus auf die besonders betonte, militärtechnische Revolution von Cambrai 1917 ersetzt. Gezeigt werden eher die Staubfahnen hinter sich herziehenden, alles überrollenden Stahlriesen aus Wochenschauen der frühen 40er Jahre oder der Medienberichterstattung zum ersten Golfkrieg Anfang der 90er Jahre, als eine anzunehmende Realität, die ohne die heute tatsächlich weitgehend ausgeklammerten Verluste an Fahrzeugen und Besatzungen, getötete, verwundete, verbrannte oder zerrissene Menschen, kaum vorstellbar ist. Die Grundlagen dieser real gegebenen, teilweise extrem brutalen und überaus blutigen Geschichte, die für die Zeit des Ersten Weltkrieges unter den begrifflichen Vorzeichen einer wirkungsvollen deutschen Tankabwehr subsumiert sein müßten, sind heute merkwürdigerweise entweder einfach überaus unkenntlich geworden, oder sie sind ohne auffällige Nachfragen und kritische Kommentare in den Bereich eines wissenschaftlich fragwürdigen Kuriositätenkabinetts mit merkwürdig-spektakulären „Tankgewehren“60, oder eben in den Bereich des hier nur sehr bedingt hingehörenden, vernachlässigten deutschen Tankbaues mit den entsprechenden Konnotationen verbannt worden.

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Bereits in frühen, den Leistungen der Tanks gegenüber grundsätzlich vorteilhaft urteilenden Abhandlungen61 und auch in der alliierten amtlichen Geschichtsschreibung des Krieges62 finden sich Beispiele für gescheiterte oder zumindest „wenig kriegsentscheidend“ verlaufene Einsätze mit erheblichen Ausfällen in den Reihen alliierter Tankeinheiten. Ergänzt werden diese durch neuere Arbeiten, in welchen diese Aspekte alles andere als ausgeklammert werden. Fletchers Edition von Gefechts- und Erlebnisberichten von Angehörigen des Tank Corps zeichnet ein schonungsloses Bild von der Härte der Kämpfe aus Sicht der Besatzungen63. Und Betrachter, die wie Travers, Griffith, Harris, Paschall oder Goya weit über Einzelheiten der Tankeinsätze hinaus die Entwicklung der alliierten Kriegführung und das Zustandekommen des Kriegsendes analysierten64, räumten dem die Landkriegführung vermeintlich revolutionierenden Kriegsgerät allenfalls eine ambivalent zu beurteilende, jedenfalls aber keine kriegsentscheidende Rolle ein. In diesen Betrachtungen, die im Unterschied zu den im vorhergehenden Abschnitt genannten, meist überblicksartigen Darstellungen den Charakter von Facharbeiten haben, stand und steht der Tank in einer Art Konkurrenzverhältnis zur Schlagkraft der klassischen Waffengattungen, vor allem der Artillerie und der Masse der Truppen, die bis zum Kriegsende in einsatzfähigen Infanterie-Divisionen und nicht in Tank-Bataillonen bemessen wurde65. So stellte sich die Frage, ob die bis November 1918 mit vielerlei Mängeln behafteten, wenigen Tanks, welche an Kämpfen aktiv beteiligt waren und sich dabei meist binnen kürzester Zeit durch technische Ausfälle66 und deutsche Waffenwirkung verschlissen, überhaupt eine Kriegsentscheidung herbeigeführt haben konnten67. Das britische amtliche Werk zum Weltkrieg hatte diesbezüglich bereits 1948 geurteilt, daß die bis dahin von deutscher Seite mit großem Eifer vorgetragene Auffassung, daß man letztlich den in Massen eingesetzten Tanks unterlegen gewesen sei, einer kritischen Untersuchung nicht standhielte68.

Dieser Sichtweise haben sich bis heute zahlreiche Betrachter der Westfront im Zeitraum 1916 bis 1918 angeschlossen. Doch bleibt nach wie vor und selbst über hier und dort vorhandene Reminiszenzen an deutsche Perspektiven69 hinaus festzuhalten, daß es sich entweder um Erkenntnisse aus auf die „alliierte“ Sicht konzentrierten und primär mit „alliierten“ Quellen und „alliierter“ Literatur erarbeiteten Analysen handelt. Andere Aussagen, die ohne angemessene und archivaliengestützte Berücksichtigung der deutschen Sichtweise getroffen wurden, fielen letztlich vage, unscharf und keineswegs hinreichend erklärend aus70.

Aus dem Tank wird eine bis zuletzt mit eklatanten Mängeln behaftete Unterstützungswaffe, taktisch leidlich erfolgreich, vor allem dazu geeignet, Gesundheit und Leben der eigenen Infanteristen zu sparen. Und aus tausenden alliierter Fahrzeuge, wie sie in Abschnitt 1.2.1. für oft tabellarische Kräfteübersichten bei Kriegsende angeführt sind, werden plötzlich nur einige hundert, von denen im Einsatz der größte Teil –bei Amiens zwischen dem 8. und 11.August 1918 392 von 430 Fahrzeugen71- verloren ging, ohne einen tatsächlich durchschlagendenden Erfolg erringen oder den Krieg mit gepanzertem Stoß in das deutsch-besetzte Hinterland der Westfront beenden zu können. Warum die OHL, die demgemäß während des Krieges Gründe genug gehabt zu haben scheint, den Tank zu mißachten, sich auf Basis der Aussagen Ludendorffs nach 1918 selbst eines zumindest gewissen „Versagens“ bezichtigte und weshalb die militärische Niederlage bis heute eng mit dem Themenkomplex Tank verbunden bleibt, muß erst einmal schleierhaft sein72. Ebenso unklar bleibt die Antwort auf die Frage nach der Grundlage einer augenscheinlich doch recht wirkungsvollen Bekämpfung der Kampfwagen an der Westfront in den großen Schlachten der beiden letzten Kriegsjahre.

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Die Beurteilung der Leistungen und Wirkungsweisen von Tanks scheint ein grundlegendes Problem darzustellen, mit dem die skizzierten Sichtweisen auf den Ursprung des heutigen Panzers, über den Verlauf der damaligen Kampfhandlungen und über die Qualitäten der früheren Heeresleitungen und verantwortlichen Führer stehen und fallen. Die diesbezüglich vorhandenen Diskrepanzen liefern ein erstaunlich breites Spektrum von Möglichkeiten. Dieses variiert zwischen den Tanks als militärtechnischer Revolution und Marginalie, zwischen „Kinderkrankheiten“ in ihrer Frühphase und zahlreichen technischen Ausfällen neuer Fahrzeugtypen noch 1918, sowie zwischen wenigstens drei großen „Tankschlachten“73 mit ohnmächtigen Verteidigern oder mit von zerschossenen Tanks übersäten Gefechtsfeldern.

Hierüber Klarheit zu verschaffen ist die Hauptaufgabe der vorliegenden Arbeit und die Beantwortung der Frage nach den Leistungen und der Effektivität der Tanks beziehungsweise der gegen diese ins Feld geführten deutschen Abwehrmaßnahmen ihre Leitfrage. Darüber hinaus ist der Ursprung der für die bisherigen Beurteilungen ganz wesentlichen Aussagen Ludendorffs74 und seiner „Kameraden“75 –gerade auch unter Berücksichtigung ihres historiographischen Gebrauchs- im Kontext der Kampfhandlungen und ihrer Auswertungen von grundlegendem Interesse. Denn der Tank bot für diesen „Feldherrn im Unglück“, wie ihn der frühere Direktor der Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt des deutschen Heeres, Foerster, in seiner biographischen Skizze noch nach 1945 rücksichtvoll nannte76, und dessen zuvor in herausragenden Positionen tätigen Kameraden eventuell eine äußerst günstige Möglichkeit, eine plausibel erscheinende Erklärung und zeitgleich eine Verschleierungsmöglichkeit für die wahren Hintergründe des militärischen Zusammenbruchs von 1918 zu konstruieren77. In der Rolle als Zünglein an der Waage, zwischen allseitiger Überlegenheit der Alliierten und deutschem Durchhaltewillen samt zeitgenössisch apostrophiertem „Heldenmut“, und erst durch wehrkraftzersetzende Einflüsse aus der Heimat 1918 in Wert gesetzt, konnte man der Waffe und ihrer tatsächlichen Unterschätzung singulär-relativierenden Charakter beimessen. Zugleich war es möglich auf die allseits bekannten Grenzen der rüstungstechnischen Möglichkeiten Deutschlands zu verweisen, um sehr viel unangenehmeren, unbeantworteten Fragen offensiv zu begegnen78. Lag es aus Sicht bestimmter Personen nicht einfach nur nahe, Fragen nach den militärischen Verantwortlichkeiten für das dramatische Geschehen von 1918 und seine schon auf den ersten Blick wenig rationalen Grundlagen einer dann auch noch nicht einmal mehr zeitig aufgegebenen Entscheindungsoffensive mit einem dezenten „Eingeständnis“, an eine durch den Tank repräsentierte alliierten Materialüberlegenheit und den „Verrat“ aus der Heimat, zu kaschieren?

Diese Annahme verlangt als Motiv für eine bewußte Geschichtsfälschung in Anbetracht der vielseitigen Faktoren, welche parallel zum Tank und dem „Dolchstoß“ schon seit Kriegsende für den Zusammenbruch benannt wurden, besondere Beachtung. Daher sind in der vorliegenden Arbeit keinesfalls nur die Ergebnisse von Kampfhandlungen, sondern auch deren zeitgenössische Perzeptionen und spätere Rezeptionen berücksichtigt worden.

1.3 Anmerkungen zur Herangehens- und Arbeitsweise.

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Der Ansatz des Verfassers, die „Tankfrage“ unter Maßgabe der soeben angeführten Bemerkungen zu betrachten, ergab wenigstens drei zu beachtende zeitliche Dimensionen: Diejenige des auf Basis langjähriger Forschungsarbeit und durch weitgehend unberücksichtigtes deutsches Archivgut heute faßbaren Geschehens, diejenige einer bis zum Kriegsende und damit quasi „zeitgenössischen“ sowie diejenige einer besonders in der Zwischenkriegszeit und durch Entwicklungen bis 1945 geprägten späteren Sichtweise.

Um diese Bereiche zusammenzubringen und dabei nicht durch übergestülpten Strukturalismus oder unnötige Selbstbegrenzung des Betrachtungsgegenstandes auf eine zuvor fehlende und jetzt eventuell zu isoliert herausgestellte deutsche Perspektive den Charakter der Arbeit als eine die bestehende Forschung ergänzende Untersuchung zu verwässern, war es notwendig, nach früheren Bearbeitungsbeispielen für den Themenkomplex zu schauen.

Pidgeons Ausarbeitung wurde oben bereits genannt79, und hierin findet sich der Versuch, die Beschreibung von zeitlich eng eingegrenzten Kampfhandlungen in einen größeren Kontext einzubauen und die Sicht der in diesem Fall relevanten deutsch-britischen Kontrahenten im Sinne von Reaktionen und Bewertungen zu berücksichtigen. Zudem gefiel die narrative Darstellungsart bei Pidgeon, da sie für die Revision einer Kette von zu schildernden Schlachten, Entwicklungen und Entscheidungen zwischen 1916 und 1918 die Möglichkeit bot, eine stark von militärischen Fachtermini geprägte, um nicht zu sagen oft auch „zähe“ Materie bis zu einem gewissen Grad in gefälliger Weise aufbereiten zu können.

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Ein namhafter früherer Versuch einer Chronologie, der von Zeschwitz bearbeitete Teil III von „Heigl’s Taschenbuch der Tanks“ aus den späten 30er Jahren80, muß aus Sicht des heutigen Betrachters zwangsweise unter dem Manko leiden, daß er hinsichtlich seiner Sprache sowie der gewählten Darstellungsart nach ausdrücklich für ein militärisches Fachpublikum unternommen wurde. Außerdem ist das Werk vielfach zu einsilbig, zu oberflächlich und dazu noch, im Sinne der Unterstützung der zeitgenössischen „Panzerbefürworter“, nicht selten überaus interpoliert81. Vergleichbares gilt für eine dankenswert deskriptive aber auf die deutsche Sicht begrenzte Darstellung der Tankabwehr des Weltkrieges aus den frühen 30er Jahren, die quellentechnisch für die vorliegende Arbeit sehr wesentliche Ausarbeitung des damals schon im Ruhestand befindlichen Reichswehrgenerals Petter82. Was beiden Titeln trotz ihrer Intentionsgeladenheit zugebilligt werden muß, ist das Gelingen der chronologischen und damit intern-deduktiven Darstellung, wie es sich im oben dargestellten, „populären“ Bild83 vom Tank wenigstens auf Umwegen auch niederschlug. Im Taschenbuch der Tanks und besonders bei Petter ergibt sich diesbezüglich tatsächlich eine Abbildung von Prozessen, die dezidiert zeitpunktbezogene Erkenntnisse, Entwicklungen und Entscheidungen sowie deren Auswirkungen ersichtlich und aus dem zeitlichen Kontext heraus bewertbar machte. Die damals propagierten Arbeitsergebnisse muß man in Zweifel ziehen, doch der Weg hin zu diesen ist einer chronologisch-deskriptiven und schließlich auch narrativen Nachbeschreitung auch zwecks Kontrastierung der gewonnenen Erkenntnisse durchaus wert.

Den direkt mit dem Einsatz von Kampfwagen auf einem Gefechtsfeld verbundenen Kapiteln der vorliegenden Arbeit, die entsprechend der Darstellung der Tankentwicklung in Abschnitt 1.2.1. sämtliche namhaften Operationen an der Westfront von der Sommeschlacht 1916 an abdecken sollten, liegt eine Art Schablone zugrunde84, welche eine vor allem im Taschenbuch der Tanks markant hervortretende, klassische Gliederung für eine operationsgeschichtlich ausgerichtete Ausarbeitung widerspiegelt85. Diese soll aber ausdrücklich auf den Anspruch verzichten, irgendwie geartete „militärische Lehren“ gewinnen zu wollen, welche über zeitgenössische und historiographische Einschätzungen und Kritiken hinausgehen86.

Der Leser findet unter der jeweiligen Kapitelüberschrift eine eher strategisch ausgelegte Einordnung der Grundlagen des im folgenden zu beschreibenden Geschehens und daraufhin je einen Abschnitt, in dem die Dispositionen und Mittel der Kontrahenten, eines fast durchweg britischen oder französischen Angreifers und deutschen Verteidigers, dargelegt werden. Genauso wie bei der anschließenden Schilderung der Kampfhandlungen, die angesichts des Kräfteverschleißes gepanzerter Einheiten im Betrachtungszeitraum meist nur einen oder einige wenige Tage innerhalb einer sehr viel umfangreicheren Operation umfaßt, werden in diesen Abschnitten, auf Basis der den Forschungstand repräsentierenden, sehr zahlreichen Veröffentlichungen und deutscher Archivalien zum Thema, Erkenntnisse über Planung, Verlauf und Ergebnis von tankunterstützten Kampfhandlungen gewonnen. Anmerkungen zu deren historiographischer Aufarbeitung, darin enthaltene Sichtweisen und unter Umständen bis heute beeinflussende Trends, Widersprüchlichkeiten und Verwerfungen werden anschließend zu einer Rekapitulation der Wahrnehmung der Operation durch die jeweilige Führung der Kontrahenten überleiten. Letzteres beinhaltet, unter der Überschrift britischer, französischer und/oder amerikanischer87 beziehungsweise deutscher „Perspektiven und Reaktionen“, nicht nur die für die vorliegende Arbeit wesentliche, quellenorientierte Darstellung des Umganges der deutschen Seite mit der tankgestützten Operation, sondern auch dessen kritische Betrachtung im Spiegel zeitgleicher Vorgänge beim Gegner.

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Einige Kapitel fallen nicht unter diese Vorgaben. Anders als bei der Untersuchung der innerhalb der „Tankfrage“ historiographisch besonders namhaften Operationen war es in einigen Fällen notwendig, Ereignisse und Vorgänge zu berücksichtigen, die entweder –aus mehr oder weniger rational nachvollziehbaren Gründen- weniger mit Aufmerksamkeit bedacht wurden, oder die durch die vom Verfasser formulierte Absicht, deutsche Perspektiven besonders hervorzuheben, in den Fokus des Interesses gerückt werden mußten. Hierunter fielen beispielsweise die Entwicklungen im Rahmen der Flandernschlacht 1917, die dem britischen Tank Corps organisatorisch beinahe den Todesstoß versetzten und dennoch, obwohl in der militärischen Fachliteratur oftmals als existenzbedrohender Moment in der Evolutionsgeschichte der britischen Erfindung Tank markiert, keinen Eingang in das „populäre Bild“ fanden. Zweifellos überlagerte das folgende Großereignis, die sagenumwobene erste „Tankschlacht“, Cambrai, diese zeitweilige Krisis des Tank Corps fast vollständig88. Thema eines zusammenfassenden Kapitels mußte etwa auch sein, was sich auf deutscher Seite zwischen den ersten Kontakten mit Kampfwagen 1916 und den Abwehrerfolgen im Frühjahr 1917 in Bezug auf Konzeption und Organisation einer wirkungsvollen Tankabwehr an Diskussion entspann und tatsächlich auch zum Ergreifen praktischer Maßnahmen führte. Die hier mehr als nur erkennbaren Ansätze und maßgeblich aufgrund von Erfahrungen vom Gefechtsfeld gefällten Entscheidungen waren von großer Bedeutung für die kommenden Monate89. Sie charakterisieren das Ende dieses Zeitraumes als eine erste Zäsur für die deutsche Tankabwehr des Weltkrieges und fanden diesbezüglich keine entsprechende Berücksichtigung im „populären“ Bild.

Für die vorliegende Arbeit und ihren Wert als „Revision“ war vor allem die Frage nach heute vorhandenen Quellen von Relevanz. Bekanntermaßen führten die Verluste des Potsdamer Heeresarchivs gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zu erheblichen Einbußen an operationsgeschichtlichen Archivalien aller Führungsebenen, die früheren Betrachtern, darunter auch Petter und Zeschwitz, noch zur Verfügung gestanden hatten.

Für den heute im Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg (BA-MA) deutlich spürbaren Ausfall an Akten der OHL, die zudem noch 1918 eine Sammlung von tankbezogenen Schriftstücken als Grundlage für die Begegnung kritischer Nachfragen zur „Tankfrage“ hatte anlegen lassen90, kam nur in Frage, nach einer Art Ersatzüberlieferung zu Suchen. Und diese wurde primär mit den im Kriegsarchiv in München (KA) lagernden Unterlagen der Heeresgruppe des Kronprinzen Rupprecht von Bayern91 nicht nur für einen bedeutenden Teil der verlorenen Akten der OHL gefunden, sondern wenigstens in Ansätzen auch für diejenigen der Heeresgruppe des preußischen und deutschen Thronfolgers, Kronprinz Wilhelm. Hinzu trat die Möglichkeit, neben den beiden im Brennpunkt der Tankeinsätze führenden Heeresgruppen, diejenige des Herzogs Albrecht von Württemberg anhand der Akten des Hauptstaatsarchivs Stuttgart (HStAS) zu berücksichtigten. Innerhalb dieser Bestände fanden sich, der Bedeutung einer Heeresgruppe als zweithöchster Führungsebene zwischen der OHL und den Armeen entsprechend angenommen und vom Verfasser erhofft, tatsächlich Weisungen, Befehle und Mitteilungen aus allen und in alle Richtungen der militärischen Hierarchie.

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Das Fehlen OHL-interner Archivalien, namentlich zu den Ansichten Ludendorffs und seiner vielleicht interessantesten Stabsoffiziere, Wetzell und Bauer, konnte hierdurch wenigstens insofern kompensiert werden, als daß, an den in Petters detaillierter Arbeit berücksichtigten Schriftstücken gemessen, der größte Teil offizieller Verlautbarungen der obersten Führung vom Verfasser gesichtet werden konnte.

Ein ebenfalls durch Aktenverlust in Potsdam entstandenes Problem mit den Perspektiven untergeordneter Stäbe, der eingesetzten Verbände und Einheiten konnte durch das Hinzuziehen der Münchener und Stuttgarter Bestände, durch die im BA-MA überlieferte Restmenge preußischer Akten92 sowie besonders die Arbeitsakten des Reichsarchivs beziehungsweise der Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt des Heeres93 ebenfalls weitgehend behoben werden. In gewisser Weise durch einen kriegsgeschichtlichen Zufall besonders ergiebig erwies sich das Hauptstaatsarchiv Stuttgart, das zum einem die bei einem ersten Besuch des Verfassers in München gewonnenen Eindrücke einer vielfachen Parallelüberlieferung von tankbezogen zirkuliertem Schriftgut zwischen verschiedensten Fronttruppenteilen und Stäben belegen konnte. Zum anderen lagert dort mit den Archivalien des Generalkommandos des XIII.(Württembergischen) Armeekorps glücklicherweise den Bestand eines Führungsstabes94, der innerhalb der vorliegenden Arbeit wenigstens bei zwei herausragenden Gelegenheiten, bei Cambrai 1917 und bei Soissons 1918, im Brennpunkt des Geschehens stand und mit massiven Tankangriffen konfrontiert war. Abgesehen davon hatten württembergische Einheiten, Friedensteile dieses wohldokumentierten Korpsbereiches XIII, nahezu den gesamten Betrachtungszeitraum über die sicherlich sehr zwiespältig zu bewertende Gelegenheit, sich feindlichen Angriffen mit mehr oder minder ausgeprägter Tankunterstützung ausgesetzt zu sehen95.

Für die große Zahl preußischer General- oder „Gruppenkommandos“, Divisionsstäbe, Verbände und Einheiten sah die Überlieferungssituation streckenweise mehr als düster aus. Und der Verfasser scheut sich nicht, einmal zuzugeben, daß er etwa Schriftstücke zum ersten französischen Tankeinsatz am 16.April 1917 wochenlang vergeblich suchte und schließlich nur durch den Zufallsfund eines aufmerksamen Bekannten in die Hände bekam96 und dann auch einzuräumen, daß das mehrfach in Bereiche rein empirischen Suchens abgeglittene Recherchieren nach möglichen Überlieferungen bis in die Schlußphase der Entstehung dieser Arbeit andauerte97. Das Ergebnis derartiger Bemühungen ist insofern von Erfolg gekrönt gewesen, als daß die Übermittlung von Nachrichten, deren Schnittpunkte mit nicht selten parallelen Meldungen und der Austausch der verschiedenen Führungsebenen mit den für die Fragestellung der vorliegenden Arbeit und damit den für die Kriegführung ausschlaggebenden höchsten Stäben nachgezeichnet sowie in ihrer Bedeutung und Wirkung erfaßt werden konnten.

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Problematischer als die Suche nach Schriftgut der höheren und höchsten Stellen war eine zu Beginn der Recherchephase durch den Verfasser noch stärker vorgesehene Berücksichtigung einer militärhistorischen Perspektive auf den Tank „von unten“98, also in erster Linie aus dem Blickwinkel der Mannschaften und unteren Chargen der Fronttruppen. Wenngleich der Gedanke daran nicht vollends aufgegeben wurde und in der vorliegenden Arbeit auch darauf bezogene Textstellen aufzufinden sind, stellte es sich als nicht vertretbarer Aufwand heraus, in den Unmengen verfügbarer Nachlässe und archivierter Selbstzeugnisse nach tankbezogenen Dokumenten und Passagen zu fahnden. Dies zu vernachlässigen und das Zitieren auf einige wenige Beispiele zu reduzieren wurde dadurch erleichtert, daß es gravierende, quellenspezifische Schwierigkeiten beim Beurteilen des Wertes solcher Dokumente geben muß99 und sich beim Verfasser zusehends der Eindruck entwickelte, daß aus den Reihen „der kämpfende Truppe“ stammende Äußerungen nur in wenigen Einzelfällen, höchstens rudimentären oder auch gar keinen Einfluß auf die Wahrnehmung und Beurteilung des Geschehens durch eigene und erst recht übergeordnete Führungsstäbe hatten100.

In diesem Kontext sei noch angeführt, daß der Verfasser nicht selten auf Zitate aus Truppengeschichten der Nachkriegszeit zurückgegriffen hat, um solche Stimmen einzufangen und um die Lücken in der archivalischen Überlieferung auf dem Gebiet der untergeordneten Stäbe und der am Geschehen beteiligten Einheiten halbwegs schließen zu können. Über die Problematik beim Umgang mit einer Literaturgattung, deren höchstes Ziel die Schaffung von Erinnerungswerken von und für Kriegsteilnehmer war, daher damals „ehrrührig“ aufgefaßte Sachverhalte und Begebenheiten auszuklammern hatte, braucht man an dieser Stelle keine näheren Ausführungen zu machen. Diese in Form, Stil und erkennbarem Grad an Aufrichtigkeit nicht wirklich homogene Gattung der Weltkriegsliteratur stellt laut Deist jedenfalls eine Quelle dar, „die –kritisch gelesen- manche interessanten Informationen zum Alltagsleben der Soldaten vermitteln kann“101.

Das Problem mit dem Blick „von unten“ und auf Details innerhalb der Verläufe von Kampfhandlungen generell schlug sich dort nieder, wo es vorab erwartet werden konnte, aber auch dort, wo angesichts der Menge veröffentlichter Literatur der vergangenen Jahrzehnte vom Verfasser am wenigsten damit gerechnet wurde. So waren Zahlen jeder Art, Zahlen zu Geschützen, Flugzeugen, Verlustzahlen, Nummern eingesetzter Verbände und Einheiten oder etwa auch Uhrzeiten, ein stetiger Grund für Zweifel, noch- und abermalige Überprüfungen. Der faßbare Spiegel der Wirrnisse innerhalb von Kampfhandlungen, Komplikationen aller Art beim Absetzen, Einlaufen, Umsetzen und Archivieren von Weisungen sowie eben auch der bis heute eingetretene Verlust von Archivalien, die Unwissenheit des Betrachters gegenüber niemals schriftlich erfaßten Vorgängen und das (nicht nur) dem Historiker doch immer wieder begegnende Phänomen, sich eklatant widersprechender Aussagen zu ein und derselben, im Zweifelsfall chaotischen Begebenheit fanden sich auch hier wieder. Hinzu kam, und das machte das wirklich Unerwartete bei der Behandlung eines so populären Themas aus, daß eine Kernfrage wie diejenige nach den Zahlen eingesetzter, ausgefallener und abgeschossener Kampfwagen nie mit glaubwürdig-aktengestützter oder gar wissenschaftlich eruierter „letzter Sicherheit“ zu beantworten war102.

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Was bleibt, sind „Trends“, die, bezogen auf den Tank, vom passiven deutschen Teil, der Tankabwehr, nicht selten und zuweilen übertrieben forsch entwickelt, durch Angaben in „alliiertem“ Archivgut beziehungsweise deren in der Literatur greifbarer Auswertung bestätigt werden.

So ist, die Einleitung abschließend ganz ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß alle Zahlenangaben und Zeiten, die in der vorliegenden Arbeit angeführt werden, fragwürdig und diskutabel sind. Daran darf angesichts der komplexen Thematik kein Zweifel bestehen. Tatsache ist aber auch, daß der Verfasser bemüht war, Angaben zu finden, deren Provenienz sowie Gebrauch innerhalb der geschichtswissenschaftlichen Debatte um die „Tankfrage“ ersichtlich und überprüfbar sind103 und ferner mit einer gewissen Sicherheit -über die geschichtspolitischen Interessen der sie zuvor Gebrauchenden hinweg104- tatsächlich einen „Trend“ kennzeichnen. Ein solcher liegt nach Maßgabe des Verfassers etwa dann vor, wenn von einigen Hundert am ersten Tag einer Operation vorhandenen Kampfwagen am Folgetag nur noch ein Bruchteil einsatzbereit war105. Dabei spielt es letztlich keine große Rolle, ob es gerade für die massiven Tankeinsätze seit Cambrai 1917 durchgängig möglich ist, so detailliert wie für die ersten Unternehmungen 1916/17 Angaben über vorhandene und eingesetzte oder ausgefallene Tanks zu machen.


Fußnoten und Endnoten

1  Die Unterscheidung zwischen „Tank“ (oder „Kampfwagen“ u.ä. überkommenen Begrifflichkeiten) und „Panzer“ ist dadurch zu kennzeichnen, daß ersterer die während des Weltkrieges ausgeprägte Vorstufe, den bzw. die Archetypen, darstellt und der Terminus „Panzer“ die in den 20er und 30er begonnenen und bis heute andauernden, technischen und einsatztechnischen Evolutionsstufen aller Art subsumiert. Die Trennung beider Begrifflichkeiten macht aus militärischer und militärtechnologischer Perspektive Sinn, da sie die unter Bedingungen eines Krieges geborene Innovation von den Möglichkeiten und Grundlagen ihrer Modifikation und Transformation in anschließenden Friedenszeiten mit ungebremst weiterlaufenden, zivilen Entwicklungen abgrenzt; siehe dazu Stahlschmidt, Rainer: Quellen und Fragestellungen einer deutschen Technikgeschichte des frühen 20.Jahrhunderts bis 1945 (Studien zu Naturwissenschaft, Technik und Wirtschaft im neunzehnten Jahrhundert, Bd. 8), Göttingen 1977, S. 118ff.

2  Zum Begriff, seiner Bedeutung als Ausgangspunkt für die militärwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kriegführung im Spannungsfeld technischer Innovationen sowie speziell zum Gegenstand einer Military Revolution des Ersten Weltkrieges siehe Gray, Colin S.: Strategy For Chaos. Revolutions in Military Affairs and The Evidence of History, London/Portland 2003, S. 8ff. bzw. S. 170ff.

3  Um zwei Betrachtungen anzuführen, die diesen auf den ersten Blick nicht genuin militärischen Teilbereich mit hoch interessanten Ansätzen erschlossen, seien genannt: Tate, Trudi: The Culture of the Tank, 1916-1918. In Modernism/Modernity 4.1. (1997), S. 69-87, und Wright, Patrick: Tank. The Progress of a Montrous War Machine, London 2000.

4  Als Beispiel einer historiographisch bewährten Legitimation für eine nochmalige Beschäftigung mit einem vielfach und vermeintlich bereits abschließend bearbeiteten Thema findet sich die Anführung „neuen Materials das manches Werthvolle enthält“ etwa in einer Abhandlung über den Siebenjährigen Krieg von 1868 (Erstauflage); siehe Paulig, F.R.: Geschichte des siebenjährigen Krieges. Ein Beitrag zur deutschen Geschichte der Jahre 1740-1763, Frankfurt a. O. 101879, S. IV.

5  Siehe Nowosadtko, Jutta: Krieg, Gewalt und Ordnung. Einführung in die Militärgeschichte (Historische Einführungen, Bd. 6), Tübingen 2002. Die Autorin geht an mehreren Stellen, so bereits im Vorwort und ersten Kapitel (siehe S. 7 und 9), auf eine „Hypothek“ der Militärgeschichte und die gegen sie, ihren Wert und ihre Bearbeiter nicht selten vorgebrachten Vorbehalte aller Art ein. Zudem ist in Hinsicht auf die frühere Auseinandersetzung mit Militär- beziehungsweise Kriegsgeschichte festzuhalten, daß sie -zumindest in Deutschland- massiv (militär-) politischen Prärogativen unterworfen war; zur Entwicklung der Kriegsgeschichtsschreibung siehe ebenda, S. 35ff., Deist, Wilhelm: Bemerkungen zur Entwicklung der Militärgeschichte in Deutschland, in Kühne, Thomas/Ziemann, Benjamin (Hg.): Was ist Militärgeschichte? (Krieg in der Geschichte, Bd. 6.) München u.a. 2006, S. 315-322, und, hinsichtlich der Operationsgeschichte als Teilbereich sehr aufschlußreich, Showalter, Dennis E.: Militärgeschichte als Operationsgeschichte: Deutsche und amerikanische Paradigmen, in Kühne/Ziemann (Hg.): Militärgeschichte, S. 115-126. (Hinweis: Einmal genannte Titel werden ferner mit „ebenda“ im Kontext der Anmerkungen oder mit Kurztiteln bezeichnet.)

6  Zu überprüfen ist dies etwa anhand der Literatur- und Quellenverweise einschlägiger und bezeichnenderweise meist englischsprachiger Titel. So findet sich etwa in dem informativen Buch über die Tankschlacht von Cambrai 1917 von Smithers eine kommentierte Aufstellung der genutzten englischsprachigen Titel, aber kein Hinweis auf deutsche Literatur. Der Verweis darauf, daß die britische amtliche Geschichtsschreibung sich dieser bereits angenommen habe, scheint letztlich, im Rahmen der Beschreibung einer Schlacht, die schließlich von zwei Gegnern, nicht zuletzt dem britischen Tank und der deutschen Feldartillerie als Tankabwehrwaffe, ausgefochten wurde, recht dürftig. Zum Titel ist ferner anzumerken, daß er trotz dieses Mangels als einziger Literaturverweis zum Stichwort “Cambrai” in der Enzyklopädie Erster Weltkrieg angeführt wird; siehe dazu Smithers, A.J.: Cambrai. The First Great Tank Battle 1917, London 1992, S. 184, bzw. Werth, German: Cambrai, in Hirschfeld, Gerhard/Krumeich, Gerd/Renz, Irina (Hg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn u.a. 22004, S. 404.

7  Zum Begriff siehe Herbst, Ludolf: Komplexität und Chaos. Grundzüge einer Theorie der Geschichte, München 2004, S. 28f.

8  Siehe Abschn. 1.2.1. (Querverweise auf die vorliegende Arbeit werden fernerhin mit „Abschn.“ oder „Kap.“ gekennzeichnet.)

9  Siehe Pidgeon, Trevor: The Tanks At Flers. An Account Of The First Use Of Tanks In War At The Battle Of Flers-Courcelette. The Somme 15th September 1916, 2 Bde, Cobham 1995. Zu nennen wären einige Arbeiten mit ähnlich operationsgeschichtlichem und auf einzelne Schlachten fokussiertem Blickwinkel, wie etwa Showalter, Dennis E.: Tannenberg. Clash of Empires, Hamden 1991, oder Guénaff, Didier/Jurkiewicz, Bruno: Les Chars De La Victoire, Louviers 2004, sowie einige der als Reiseführer angelegten und sich neuerdings intensiv mit der deutschen Perspektive befassenden Bände der Battleground Europe Serie von Pen & Sword; siehe bspw. Sheldon, Jack: The Germans At Thiepval (Battleground Europe), Barnsley 2006. Daß gerade in Hinsicht auf die deutschen Perspektiven Handlungsbedarf erkannt wurde, legen außerdem Arbeiten nahe, die in direktem Zusammenhang mit dem 90.Jahrestag des Beginns der Sommeschlacht von 1916 entstanden sind; so Sheldon, Jack: The German Army on the Somme 1914-1916, Barnsley 2005, Hirschfeld, Gerhard/Krumeich, Gerd/Renz, Irina (Hg.): Die Deutschen an der Somme. Krieg, Besatzung, Verbrannte Erde, Essen 2006, und Duffy, Christopher: Through German Eyes: The British & the Somme 1916, London 2006.

10  Siehe Herbst, S. 27.

11  Siehe Nowosadtko, S.138ff.

12  Siehe ebenda, S. 140f.

13  „Griffen in den Jahrzehnten zuvor vor allem ehemalige oder aktive Militärs zur Feder, die ihre eigene Vergangenheit zu bewältigen suchten, so finden sich nun jüngere Historikerinnen und Historiker, die das Feld unvoreingenommen angehen.“ Zitiert nach Pröve, Ralf (Hg.): Klio in Uniform? Probleme und Perspektiven einer modernen Militärgeschichte der Frühen Neuzeit, Köln u.a. 1997, S. 1f.

14  Siehe Bundesarchiv-Militärarchiv (ferner als BA-MA zitiert), RH 61/50768. Die Arbeitsanweisung für die Bearbeitung der Tankfrage durch den Mitarbeiter Jochim von 1921 enthielt den Passus, daß die Ergebnisse keinesfalls in „unrechte Hände“ fallen dürften. Daß Geheimhaltung bei allen, auch den von auswärts hinzugezogenen Fachleuten von Bedeutung war, erschließt sich etwa aus dem Briefverkehr des Reicharchivs mit „Rheinmetall“, wobei auf die unerwünschten Auswirkungen der Postzensur durch die im Rheinland stehenden Kräfte des „Feindbundes“ verwiesen wurde.

15  Da es in der vorliegenden Arbeit um einen Betrachtungszeitraum geht, der in erster Linie der 3.OHL (Hindenburg und Ludendorff) zuzuordnen ist, wird ferner, unter Berücksichtigung der Ausnahmen, nur noch von der „OHL“ die Rede sein.

16  Siehe BA-MA, RH 61/50768: Arbeitsanweisung des Reichsarchivs an seinen Mitarbeiter Jochim hinsichtlich einer anzufertigenden Studie über die „Tankfrage“, 1921.

17  Siehe Ludendorff, Erich: Meine Kriegserinnerungen 1914-1918, Berlin 41919, und Ludendorff, Erich (Hg.): Urkunden der Obersten Heeresleitung über ihre Tätigkeit 1916/18, Berlin 1920. Die ausdrucksstärksten Passagen finden sich im zuletzt genannten Titel, S. 525 und bes. S. 536f., während die Kriegserinnerungen auf die „Tankfrage“ an zahlreichen Stellen und in direktem Zusammenhang mit einzelnen Operationen eingehen. Die Aussagen Ludendorffs fanden weite Verbreitung, so etwa auch durch sie unterstützende Passagen in den Veröffentlichungen ranghoher Exmilitärs; siehe bspw. Kuhl, Hermann v.: Die Kriegslage im Herbst 1918. Warum konnten wir weiterkämpfen? Eine Entgegnung auf die Schrift von Adolf Köster: Konnten wir weiterkämpfen im Herbst 1918? Berlin 21922, und Kuhl, Hermann v.: Der Weltkrieg 1914-1918. Dem deutschen Volke dargestellt, Bd. 2, Berlin 1929, bes. S. 234f.

18  Wrisberg berief sich ausdrücklich auf derartige Vorwürfe, die sich gegen ihn persönlich und sein Amt als Mitverursacher eines Versäumnisses „besonders in einer, aber kriegsentscheidenden Frage, nämlich im Bau von Tanks und Konstruktion von Tankabwehrmitteln“ richteten. Siehe Wrisberg, Ernst v.: Wehr und Waffen 1914-1918 (Erinnerungen an die Kriegsjahre im Preußischen Kriegsministerium, Bd. 3), Leipzig 1922, S. 158.

19  Siehe Kaufhold-Roll, Heinrich: Der deutsche Panzerbau im Ersten Weltkrieg, Osnabrück 1995.

20  Unterlagen, die dies untermauern, finden sich in BA-MA, RH 61/50535 und ebenda, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr.

21  Siehe Abschn. 4.3. mit einem Exkurs zum deutschen Tankbau.

22  Erweitern läßt sich dieser fatale Eindruck von mangelnden Fähigkeiten und fehlendem Intellekt der militärischen Elite auch in Hinsicht auf die legendär-grauenhaften Zustände des Stellungs- und Materialkrieges selbst. Dieser Punkt, der des zugelassenen und als unabänderbar in Kauf genommenen Stellungskrieges, wird seinen Teil dazu beigetragen haben, die Darstellung des Tank als verabsäumte militärtechnische Revolution zu beflügeln. Zum „Mythos“ der versagenden Militärelite im Stellungskrieg siehe Raths, Ralf: „Fehlen Sandsäcke, so ist der Graben mit feindlichen Leichen zu verstopfen.“ Die Entwicklung der deutschen Landkriegführung 1906 bis 1918 im Spiegel von Dienstvorschriften und Publizistik. Magisterarbeit, Historisches Seminar Universität Hannover 2004, S. 1ff.

23  Siehe Abschn. 1.3.

24  Zitiert nach BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 265.

25  Siehe Fuller; John F.C.: Tanks In The Great War 1914-1918, o.O. 1920 (Neudruck Nashville o.J.), S. xi. Die Widmung des Verfassers auf S. ix ist bezeichnend für seine Auffassung von der kriegsentscheidenden Wirkung des Tank: „I dedicate this book to the modern knights in armour [...], who through their own high courage and noble determination on the battlefield, maintained Liberty and accomplished Victory.“

26  Guderian zitierte einen der Väter der modernen (gepanzerten) Kriegführung, den französischen General Buat, mit den Worten: „Von den zwei Elementen der Taktik hatte bisher nur eines von der Maschine nutzen: nämlich das Feuer. Es hatte sogar so viel Nutzen, daß die Bewegung im Gefecht nahezu aufhörte. [...] Nun gibt das Erscheinen des Motors auf dem Schlachtfelde der Bewegung ihre ganze Bedeutung zurück.“ Zitiert nach Guderian, Heinz: Die Panzertruppen und ihr Zusammenwirken mit den anderen Waffen, Berlin 1937, S. 1. Vor dem Hintergrund der Effektivität der Tanks sind stellvertretend für die intensive Auseinandersetzung mit der Materie einige weitere Titel zu nennen: Guderian, Heinz: Achtung-Panzer! Die Entwicklung der Panzerwaffe, ihre Kampftaktik und ihre operativen Möglichkeiten, Stuttgart 51937, Nehring, Walther K.: Kampfwagen an die Front. Das Buch vom Kampfwagen (Tank), Leipzig 1935, und ders.: Die Geschichte der deutschen Panzerwaffe 1916-1945, Neudruck Augsburg 1995.

27  Zum Stand der Debatte über die „Tankfrage“ aus britischer Sicht, die auch in den 1990er Jahren um die Bedeutung der frühen Panzer für den Kriegsausgang kreiste, siehe Travers, Tim: Could the Tanks of 1918 Have Been War-Winners for the British Expeditionary Force? In Journal of Contemporary History, Bd. 27, Nr. 3 (1992), S. 389ff.

28  Siehe Fuller: Tanks, S. xvii.

29  Siehe Guderian: Die Panzertruppen, S. 1.

30  Siehe bspw. Donnelly, Tom/Naylor, Sean: Clash of Chariots. The Great Tank Battles, New York 1996, S. xiii: „Nevertheless, the tank –along with the airplane- has defined the character of high-technology conventional warfare in the twentieth century.“

31  Diesen wählte schon Black, um einen populären, dem Ansehen der Militärgeschichte nicht unbedingt zuträglichen Zugang zum Themenfeld „Weapons and Battlefields“ zu kennzeichnen: „In many respects, the popular fascination with machines is a continuation of the schoolboy interest in making replicas that was vastly enhanced by the development of plastic technology and was exploited by Airfix [einem bekannten Hersteller von Militärminiaturen und Militär-Modellbausätzen].” Zitiert nach Black, Jeremy: Rethinking Military History, London/New York 2004, S. 33.

32  Selbst für den Bereich ernsthafter Auseinandersetzungen mit dem Thema ist diese „Faszination“ oftmals, beispielsweise als Spielen mit bedeutungsschwangeren Begriffen oder Bildern zu erkennen. So etwa in Buchtiteln und bei der bildhaften Umschlaggestaltung; siehe bspw. Smithers, A.J.: A new Excalibur. The Development of the Tank 1909-1939, London 1986, oder Wright: Tank- Das Cover zeigt die auf den Betrachter eingeschwenkte, beeindruckende (?!) Rohrmündung eines modernen Kampfpanzers.

33  Dieser Eindruck ist zugegebenermaßen ein äußerst subjektiver. Der Verfasser gewann ihn aus eigener Erfahrung, sowohl als unbedarfter Laie, als auch als Angehöriger einer mit Leopard 2 ausgerüsteten Einheit, und war keineswegs erstaunt, als er eine (Propaganda-)Aufnahme aus den 30er Jahren sah, auf welcher zahlreiche, überaus interessiert erscheinende Kinder einen Panzerkampfwagen der Wehrmacht „in Besitz nahmen“; siehe dazu Oberlindober, Hanns (Hg.): Deutsche Kriegsopferversorgung. Monatszeitschrift der Frontsoldaten und Kriegsopfer der National-Sozialistischen Kriegsopferversorgung (NSKOV.) e.V., 6.Jg. Folge 4 (Januar 1938), S. 31. Zuweilen sieht man bei derartigen Gelegenheiten neben „leuchtenden Augen“ und Begeisterung allerdings auch eine Art Schauder, der sich –auf Nachfrage- dadurch erklärt, daß ein Zuschauer es sich auszumalen vermag, wie es sein muß, der Waffe im Kampf so hilflos entgegentreten zu müssen wie in diesem Moment, in dem er im Zweifelsfall nur mit einem Photoapparat ausgestattet ist. Dem Verfasser schien es übrigens auch so, als sei demgegenüber die Perspektive der Panzerbesatzung, über beißende Gerüche und geringe Sichtmöglichkeiten beim Ausstellungsexponat hinaus, etwas nicht einkalkuliertes.

34  Guderian schrieb hierzu in Die Panzertruppen, S. 1f.: „Es wurde dargelegt, wie aus dem Werkzeug des Stellungskrieges zum Überwinden von Drahthindernissen und Gräben in den Nachkriegsjahren eine hochbewegliche, schnelle, handlich zu gliedernde Waffe des Bewegungskrieges entstand.“ Auf S. 5 sprach er die Unterschiede zwischen Tank und Panzer noch einmal deutlich an: „Das Hauptkennzeichen der Nachkriegspanzerwagen ist gegenüber den Weltkriegskonstruktionen wesentlich gesteigerte Geschwindigkeit, [...]. Panzerung, Waffenwirkung, Richt-, Sicht- und Nachrichtenmittel sind seit dem Krieg wesentlich verbessert.“

35  Der Begriff wurde von Nowosadtko, S. 163, übernommen, da er einen Teil positivistischer, meist reich bebilderter und mit Schlachtensiegen und –siegern befaßter Darstellungen treffend illustriert, den man tatsächlich nicht nur im Zusammenhang mit „Tiger“, „Panther“ und „SS-Panzerkorps“ zu finden vermag, sondern in ganz ähnlicher Form auch für den Zeitraum 1916-1918. Hier freilich ohne die (deutsche) Betrachter augenblicklich aufschreckenden Termini und ganz offensichtlichen Bezüge zum Nationalsozialismus.

36  Die nun folgenden Aussagen finden sich so oder in leicht variierender Form in der Literatur wieder und sollten als Synthese verstanden werden. Als Literaturnachweis, der sich an dieser Stelle und in Vorgriff auf in der Arbeit aufgegriffene Titel keineswegs erschöpfen will, seien genannt: Chickering, Roger: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, München 2002, bes. S. 217 sowie S. 223f., Heydecker, Joe J.: Der Grosse Krieg 1914-1918. Von Sarajewo bis Versailles, Neudruck Berlin 1997, S. 397-415, Mai, Gunther: Das Ende des Kaiserreiches. Politik und Kriegführung im Ersten Weltkrieg, München 31997, S. 146, Oliver, Kate (u.a. Bearb.): Der Erste Weltkrieg. Vom Attentat in Sarajevo bis zum Friedensvertrag von Versailles, Hildesheim 2002, S. 52f., Furtado, Peter (u.a. Bearb.): Der Erste Weltkrieg 1914-1918 (Geschichte des 20. Jahrhunderts, Bd. 2), Gütersloh 1992, S. 88f., und die Internetseiten des Deutschen Historischen Museums zum Tank und seiner Rezeption: http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/cambrai und http://www.dhm.de/magazine/radziwill_p/rezeptiondeserstenweltkriegesinderzwischenkriegszeit/cambraiundbedeutung.htm . (Stand vom 14.10.2004; sofern es in den Anmerkungen nicht anders angegeben ist, entspricht der Stand der zitierten Internetseiten dem am 13.10.2006.)

37  In die Bearbeitungszeit der vorliegenden Arbeit fiel der 90.Jahrestag dieses Ereignisses, das u.a. mit einem „Zeitzeichen“ des WDR gewürdigt wurde. Im Text und Begleittext der Sendung finden sich zahlreiche Elemente des dargelegten, heutigen Bildes vom Tank und seiner Wirkung wieder; siehe  http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2006/09/ZZ_DRUCKVERSION/15__druck.jhtml und http://www.wdr.de/radio/wdr3/sendung.phtml?sendung=ZeitZeichen&termineid=341155 (Beide Seiten nach dem Stand vom 15.9.2006).

38  Siehe hierzu vor allem Childs, David J.: A Peripheral Weapon? The Production and Employment of British Tanks in the First World War, London/Westport 1999. Ebenda, S. 2, ist bereits resümierend und als Entgegnung auf Zweifler zu lesen: „The story of the British tank in the First World War is one of triumph, of hope and expectation over the reality (at first) of disappointing performance and poor reliability. It could so easily have been consigned to the ranks of the many technical also-rans that this period threw up- but the tank was no ‘peripheral weapon’.”

39  Siehe Werth: Cambrai, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg, S. 404.

40  Eindringlich sind die Worte Falls’: „However this may be, the Battle of Cambrai was the type of the battle of the future and its influence on the Second World War was as great as that on the remainder of the First.“ Zitiert nach Falls, Cyril : The First World War, London 1960, S. 303. Die Worte eines anderen, namhaften Militärgeschichtsschreibers, Liddell Hart, der über Cambrai als „Wasserscheide“ zwischen dem seit Jahren andauernden Stellungskrieg und den modernen Methoden, die 1918 den Sieg brachten, gesprochen hatte, finden sich bspw. in Johnson, J.H.: Stalemate! The Great Trench Warfare Battles of 1915-1917, London 1995, S. 199, und Winter, Dennis: Haig’s Command. A Reassessment, o.O. o.J. (1991), S. 114.

41  Heydecker, S. 414, nennt etwa für den 18.Juli 1918 „dreihundertdreißig kleine, überraschend schnelle und unglaublich wendige Renault-Tanks“. Keine im Kern selten auffindbare Aussage, aber letztlich alles andere als realitätsnah; siehe und vergleiche Angaben in Kap. 11.

42  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 547.

43  Zum „Panzer“ des Oberleutnant Burstyn siehe Ogorkiewicz, Richard: Technologie der Panzer I. Entwicklungsgeschichte, Panzerschutz, Konfiguration (Truppendienst Taschenbuch, Bd. 40A), Wien o.J., S. 18ff., und Kabisch, Ernst: Somme 1916, Berlin 1937, S. 155. Ziemlich unkonventionell beriefen sich deutsche Militärschriftsteller der Zwischenkriegszeit auf Burstyn, um den Panzer als ursprünglich „deutsche“ bzw. „großdeutsche“ Erfindung darzustellen.

44  Siehe dazu King, John: „Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende?“ Writing and Rewriting the First World War (Das Luminar. Schriften zu Ernst und Friedrich Georg Jünger, Bd. 2), Schnellroda 2003, S. 189ff.

45  Siehe etwa auch die in jeder Weise interessante Rezension zum Neudruck eines Standardwerkes zur Entwicklungs- und Einsatzgeschichte des Tank aus deutscher Perspektive: Stragand, August-Wilhelm: Heigl’s Taschenbuch der Tanks, in Die Zinnfigur, Heft 8/1976, S. 251ff. Dem Leserkreis der Zeitschrift, den man in historischen Fragen als durchaus bewandert annehmen möchte, lieferte der Rezensent eine eindeutige, auf das Versagen der deutschen Führung gerichtete Positionierung: „Die beharrenden Kräfte in der Armee konnten zwei Dinge einfach nicht verstehen: daß es erstens die englischen und französischen Tanks waren, die uns 1918 die militärische Niederlage beibrachten (Verhältnis der eigenen Tanks zu denen der Alliierten wie 1:110!), und zweitens konnten sich die Herren einfach nicht zu dem Gedanken bequemen, daß Panzer einen integrierenden Bestandteil jeder modernen Armee darstellten.“ Zitiert nach ebenda, S. 252. Beachtlich ist in diesem Kontext, daß der Verfasser zwar darauf einging, daß sich große Teile der militärischen Führung nach 1918 daran machten, ihr tatsächliches „Versagen“ durch Momente wie den „Dolchstoß“ zu kaschieren, bei ihm aber kein dahingehender Verdacht aufkam, mit dem rezensierten Taschenbuch der Tanks ein anderes Propagandainstrument dieser Zeit, nämlich ein solches der „Panzerbefürworter“ innerhalb der aufrüstenden Wehrmacht, in Händen zu halten.

46  Siehe Heydecker, S. 412: „Tatsächlich sind sich alle Historiker heute darüber einig, daß `General Tank´ den Krieg für die Alliierten gewonnen hat. [... .] Am letzten Tag des Krieges verfügte das deutsche Oberkommando aber nur über fünfundvierzig Stück [Tanks], während die Alliierten viele tausend im Feld hatten: Mannesmut gegen eine Armee feuerspeiender Maschinen!“

47  Siehe Fuller, John F.C.: Erinnerungen eines freimütigen Soldaten, Berlin 1937.

48  Siehe Fuller: Tanks, S. xvii f.

49  Daran beteiligt waren neben Fuller auch andere, ehemalige Angehörige des Tank Corps, die sich –allerdings auch nicht gänzlich ohne Blick auf kritische Aspekte- einer ruhmvollen Aufarbeitung der Vergangenheit ihrer Waffengattung widmeten; siehe bspw. William-Ellis, Clough/William-Ellis, A.: The Tank Corps, o.O. 1919, und Mitchell, F.: Tank Warfare. The Story Of The Tanks In The Great War, London u.a. 1933.

50  Die Literatur zu Protagonisten und Antagonisten des Ausbaues der Panzertruppe der Wehrmacht und dabei auftretender Hemmnisse im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges liefert hierzu zahlreiche Einblicke, die, wegen ihres themenüberschreitenden Charakters weit über das Jahr 1918 hinaus, hier nicht angeführt sind. Genannt sei allerdings ein damit eng verbundener Artikel Nehrings, welcher Kritik und Zweiflern auf einem für die vorliegende Arbeit relevanten Sektor, dem der Panzerabwehr, entgegentrat; siehe Nehring, Walther K.: Panzerabwehr, in Militärwissenschaftliche Rundschau, 1.Jg. 1936, Heft 2, S. 182-203.

51  Siehe hierzu Pöhlmann, Markus: Von Versailles nach Armageddon: Totalisierung und Kriegserwartung in deutschen Militärzeitschriften, in Förster, Stig: An der Schwelle zum Totalen Krieg. Die militärische Debatte über den Krieg der Zukunft 1919-1939 (Krieg in der Geschichte, Bd. 13), Paderborn u.a. 2002, S. 358ff.

52  Siehe dazu etwa Gerhard Hirschfelds Ausführungen unter: http://www.bpb.de/publikationen/ZO5FBX,1,0,Der_Erste_Weltkrieg_in_der_deutschen_und_internationalen_Geschichtsschreibung.html#art1 .

53  Zum Begriff mit seiner Antipode „Friedenskultur“ nach 1945 siehe Kühne, Thomas: „Friedenskultur“, Zeitgeschichte, Historische Friedensforschung, in Kühne, Thomas (Hg.): Von der Kriegskultur zur Friedenskultur? Zum Mentalitätswandel in Deutschland seit 1945 (Jahrbuch für Historische Friedensforschung, 9.Jg. 2000), Hamburg 2000, S. 13-33.

54  Die Sachkritik am Führungsstil der hohen Generalität des Weltkrieges blieb augenscheinlich stark durch die Kategorien „Ehrbegriff“ und „Berufsethos“ in ihren mehr oder weniger glaubwürdigen Ausprägungen begrenzt. So behielt sich Ludendorffs Spezialist für schwierige Lagen, Loßberg, seine Kritik bis zu einer Veröffentlichung nach dem Ableben des Ersten Generalquartiermeisters –und Mentors- vor. Und darin findet man selbst schwere persönliche Angriffe, wegen menschlich unverständlichen, aber schließlich doch den persönlichen Belastungen eines großen Feldherrn und seines Blickes für das „Große und Ganze“ entsprechend hinzunehmenden Verhaltens, nur in abgeschwächter Weise. Und dieses, am Beispiel des Umgangs mit dem General v. Nagel in der Schlacht bei Arras 1917, besonders deutliche Verfahren (siehe Abschn. 5.6.2.) findet sich auch anderswo, wie etwa in einzelnen Bänden der offiziösen Reihe „Die Schlachten des Weltkrieges“. Wo Versäumnisse und Fehlurteile der Führung klar und bis zu einem gewissen Grad auch als individuell nachweisbar dargelegt wurden, fehlte üblicherweise der letzte Schritt, nämlich die explizite Benennung von Verantwortlichen und die ausdrückliche Formulierung ihrer Versäumnisse. Siehe hierzu Loßberg, Fritz v.: Meine Tätigkeit im Weltkriege 1914-1918, Berlin 1939, und andere, in den Abschnitten der vorliegenden Arbeit thematisierte Titel der Aufarbeitungs- und Memoirenliteratur aus der Zwischenkriegszeit.

55  Darunter ist auch die militärische Führung der OHL zu fassen, die es besonders in der Schlußphase des Krieges nicht unterlassen hatte, „Führung und Truppe“ mannigfaltigen Versagens anzuklagen (siehe bes. Kap. 5. und Kap. 9ff.). Die Wirkung der in Ludendorffs „Kriegserinnerungen“ und den „Urkunden“ schriftlich fixierten Aussagen als Stimulans der Veteranen für Erklärungs- oder Rehabilitierungsversuche, die auf die durch den Tank ausgedrückte, materielle Überlegenheit des Feindes abzielten oder direkt gegen die Wehrbereitschaft des eigenen Volkes gerichtet waren, scheint immens gewesen zu sein.

56  Siehe hierzu auch Wilhelm, Hans-Heinrich: Heinz Guderian- „Panzerpapst“ und Generalstabschef, in Smelser, Ronald/Syring, Enrico: Die Militärelite des Dritten Reiches. 27 biographische Skizzen, Berlin/Frankfurt a.M. 1995, S. 190.

57  Ein sehr gutes Beispiel dafür stellen die Schriften Kabischs, eines Divisionskommandeurs des Ersten Weltkrieges, dar. Deren Wert, der durch Bestrebungen des Autors zur Informationsgewinnung und die zum Teil überaus kritischen Worte gegenüber der Minderleistung von Vorgesetzten verdeutlicht wird (siehe Kap. 9. und Kap. 12.), wurde offenbar durch die Militanz seiner Sprache (die Ausdruck einer gewissen Gesinnung sein mußte und dies bis zu einem gewissen Grad wohl auch war) und den unbestreitbaren Charakter seiner Schriften als revanchistische oder wehrkraftfördernde (Jugend-) Literatur im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges paralysiert; siehe hierzu Kabisch, Ernst: Der schwarze Tag. Die Nebelschlacht vor Amiens (8./9.August 1918), Berlin 1933, und ders.: Gegen englische Panzerdrachen, Stuttgart 1938.

58  Siehe dazu Kap. 9.

59  Siehe dazu die beiden vergleichbaren Fallstudien zu Körner und Weddigen bei Schilling, Réne: Das Erbe des Heroismus. Theodor Körner und Otto Weddigen in den beiden deutschen Staaten von 1945 bis 1990, in Kühne, Thomas (Hg.): Von der Kriegskultur zur Friedenskultur? Zum Mentalitätswandel in Deutschland seit 1945 (Jahrbuch für Historische Friedensforschung, 9.Jg. 2000), Hamburg 2000, S. 94-109.

60  Zum Tankgewehr siehe Kern, Wolfgang: Das Tankgewehr Mauser M 1918, Hürth 2002. Was die Beschäftigung mit einer Waffe generell schwierig gestaltet, ist sicherlich der Eindruck, den solche Ausarbeitungen von sich aus, etwa als „Machwerke“ von gesellschaftlich und wissenschaftlich gleichermaßen inakzeptablen „Waffennarren“, erwecken können. Zu einem solchen, sich im Zweifelsfall vielleicht zu vorschnell aber sich eben dennoch aufdrängenden Urteil siehe die Abbildungen im obengenannten Titel, S. 60 und S. 129ff.

61  An erster Stelle sind in diesem Kontext tatsächlich Fullers „Erinnerungen“ (englischsprachige Erstausgabe 1936) zu nennen, die, neben allen Verheißungen von zukünftig auf Panzerfahrzeugen und umfassender Motorisierung der Armee aufgebauten Landstreitkräften, ein sehr düsteres und in vielen Passagen kaum zur stringent-erfolgreichen, frühen Panzerentwicklung passendes Bild zeichnen.

62  Als Beispiele seien die bezeichnend wortkarge Darstellung des ersten französischen Tankeinsatzes am 16.4.1917 im französischen amtlichen Werk (siehe auch Kap. 6.), der Kommentar des britischen amtlichen Werkes zur Rolle der Tanks am 8.8.1918 im Spiegel deutscher Auffassungen (siehe auch Kap. 12.) und die amerikanische Darstellung des Kampfes südwestlich Soissons, bei Missy-aux-Bois, am 18.7.1918 (siehe auch Kap. 11.) genannt; siehe Ministère de la Guerre, État-Major de L`Armée-Service Historique: Les Armées Françaises Dans La Grande Guerre, Bd. V.1., bes. S. 645ff., bzw. Edmonds, Sir James E./Miles, Wilfred (Bearb.): Military Operations France And Belgium 1918 (History Of The Great War, Based On Official Documents By Direction Of The Historical Section Of The Committee Of Imperial Defence), Bd. 4, S. IV, bzw. Center of Military History United States Army: American Armies and Battlefields in Europe, Washington 1938, S. 84. Bände des französischen, britischen, deutschen und kanadischen amtlichen Weltkriegswerkes, das deutsche als „Reichsarchiv (u.a. Hg.): Der Weltkrieg 1914-1918. Die militärischen Operationen zu Lande“, das kanadische als Nicholson, Gerald W.L.: Canadian Expeditionary Force 1914-1919 (Official History Of The Canadian Army In The First World War), Ottawa 1964 im Literaturverzeichnis aufgelistet, werden im Rahmen der vorliegenden Arbeit weiterhin als LAF, MO, RA und CEF zitiert.)

63  Siehe Fletcher, David (Hg.): Tanks and Trenches. First Hand Accounts Of Tank Warfare In The First World War, Phoenix Mill u.a. 1994.

64  Siehe Travers, Tim: How The War Was Won. Command and Technology in the British Army on the Western Front, 1917-1918, Barnsley 22005, Griffith, Paddy: Battle Tactics of the Western Front. The British Army’s Art of Attack, 1916-18, London/New Haven 1994, Harris, J. Paul: Amiens To The Armistice. The BEF in the Hundred Day’s Campaign, 8 August-11 November 1918, London/Washington 1998, Harris, J. Paul: Das britische Expeditionsheer, in Duppler, Jörg/Groß, Gerhard P. (Hg.): Kriegsende 1918. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung, München 1999, S. 115-134, Paschall, Rod: The Defeat Of Imperial Germany 1917-1918, Chapel Hill 1989, und Goya, Michel: La Chair Et L’Acier. L’armée française et l’invention de la guerre moderne (1914-1918), Paris 2004, bes. S. 333-369.

65  Sichtbar ist dies in den Memoiren Fochs und besonders in der Darstellung der alliierten und deutschen Kräfteverhältnisse von 1918 durch General Paquet, welcher sich auf die Unterlagen der französischen Feindaufklärung berief. Tanks spielen in beiden Veröffentlichungen eine denkbar untergeordnete Rolle, wobei Paquet auch explizit nachzuweisen versuchte, daß eine deutsche militärische Niederlage von 1918 an der zunehmenden Schwäche der Armee beziehungsweise der wachsenden numerischen und qualitativen Überlegenheit der Alliierten, demnach anhand der Zahl eingesetzter und einsatzfähiger Divisionen, abzulesen war. Siehe dazu Foch, Ferdinand: Meine Kriegserinnerungen 1914-1918, Leipzig 1931, und Paquet: La Défaite militaire de l’Allemagne en 1918. L’usure des effectifs allemands. La stratégie allemande et la manoevre des Alliés, Paris 1925.

66  Im Zusammenhang mit dem üblicherweise „glorreich“ dargestellten FT-17 von 1918, dem „char Renault“, findet sich etwa folgendes, zeitgenössisches Zitat für 1918: „Le char Renault est, par définition, un appareil qui est en panne, mais qui cependant, consent à marcher quelquefois!“ Zitiert nach Goya, S. 368.

67  Ein Autor schrieb hierzu, in Bezug auf die Wirkung der deutschen Artillerie im Verhältnis zu den 430 Tanks, die am 8.8.1918 den „schwarzen Tag des deutschen Heeres“ herbeigeführt haben sollen, überaus eindeutig: „Trotzdem wäre es ein Irrtum, anzunehmen, daß die Tanks, weil ihnen die Zukunft gehörte, im Jahre 1918 eine wirkungsvollere Waffe als Bruchmüllers [der deutsche Artillerie-Spezialist des Weltkrieges] Kanonen gewesen wären. [... .] Am 21.März war die Mehrzahl der Tanktypen, die den Alliierten bereits zur Verfügung standen, für tiefe Einbrüche und Bewegungsoperationen kaum besser geeignet als Bruchmüllers Kanonen. Niedrige Geschwindigkeit und Unzuverlässigkeit hätten ihre Hauptleistung, wie die der deutschen Kanonen auf den ersten Tag beschränkt. Selbst im August, als die britische Armee mit großen Mengen leichter und schneller Tanks [...] ausgerüstet worden war, wurde in Hinsicht auf Durchbruch und Demoralisierung keine größere Wirkung als die von Hutier [dt. General, der als Urheber moderner, offensiver Infanterietaktik und Meister der Durchbruchschlacht gilt] am 21.März erzielt.“ Zitiert nach Barnett, Corelli: Anatomie des Krieges. Eine Studie über Hintergründe und entscheidende Phasen des Ersten Weltkrieges, Esslingen/München 1963, S. 410f.

68  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. IV.

69  Die Bearbeiter der MO gingen tatsächlich auch auf den deutschen Feind ein, doch wenigstens in den bis direkt nach 1945 erschienen Bänden durchweg auf Basis von Materialien und Auskünften aus zweiter Hand, etwa aus Truppengeschichten und durch Mitteilungen des deutschen Reicharchivs (u.a. amtlicher Stellen; siehe bspw. MO 1917, Bd. 1, S. xii). Eine kritische Beleuchtung der hiermit gegebenen Informationen kam über die Darlegung von Diskrepanzen in der Darstellung und über die mehr oder weniger vage Artikulation von Zweifeln augenscheinlich nicht hinaus. Eine Beschäftigung mit Materialien älterer deutscher Provenienz läßt sich auch für die lange nach 1945 geschriebene Literatur attestieren, wobei die fehlende Kritik beziehungsweise die fehlende Berücksichtigung des Gesamtkontextes des Zustandekommens solcher Mitteilungen und ihrer Repräsentativität sichtbar bleibt. Belege hierfür bieten die Ausführungen Keegans und Paschalls zur Tankschlacht bei Cambrai und, um einen der seltenen deutschen Titel zu nennen, der Anmerkungsapparat der Arbeit Gollas zur selben Schlacht; siehe Keegan, John: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie, Hamburg 2001, S. 512f., und Paschall: Defeat, S. 110ff., bzw. Golla, Karl-Heinz: Tanks...Tanks! Die britischen Angriffsoperationen bei Cambrai. 20.-27.November 1917. Der Beginn einer neuen Ära der Landkriegführung? O.O. o.J. (Libri Books on Demand 2000).

70  Drei Beispiele sind Strachan, Hew: Die Kriegführung der Entente, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn u.a. 22004, S.278, Harris, J. Paul: Das britische Expeditionsheer, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 122f., und Stevenson, David: 1914-1918. Der Erste Weltkrieg, Düsseldorf 2006, S. 526f. Stevenson schrieb, nachdem er von technischen und taktischen Unzulänglichkeiten der Tanks sowie von mehreren hundert, die 1918 von deutschen Artilleristen abgeschossen worden waren, gesprochen hatte (S. 527): „Die Tanks konnten einen wichtigen Beitrag als Teil einer Kombination von Waffensystemen leisten, aber sie waren für sich genommen kein Instrument für den Sieg.“

71  Diese Zahlen liefert Stevenson, S. 526. Zum Problem mit derartigen Angaben siehe Abschn. 1.3.

72  Pöhlmann wies in seiner Arbeit zur amtlichen deutschen Geschichtsschreibung zum Weltkrieg bereits darauf hin, daß es hinsichtlich der Person Ludendorffs und seiner Rolle „in den Nachkriegsdiskussionen um Fragen der deutschen Weltkriegführung“ bis heute erhebliche Defizite gibt; siehe dazu Pöhlmann, Markus: Kriegsgeschichte und Geschichtspolitik: Der Erste Weltkrieg. Die amtliche deutsche Militärgeschichtsschreibung 1914-1956 (Krieg in der Geschichte, Bd. 12), Paderborn u.a. 2002, S. 259.

73  Siehe Heydecker, S. 413f.: „Drei große Tankschlachten hat der Erste Weltkrieg zu verzeichnen: Cambrai, Villers Cotterets und Amiens.“ Daß tiefergehende Erkenntnis zur Rezeption der Tanks auch auf den kleineren Einsätzen beruhen könnte, wird hier nicht berücksichtigt, ebensowenig, daß es zu strukturellen und technischen Veränderungen innerhalb der Tankwaffe und zweier Kriegsjahre gekommen sein könnte.

74  Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 537: „Dem Feind gleiche Massen deutscher Tanks entgegenzustellen, waren wir nicht in der Lage. Sie herzustellen, ging über die Kräfte unserer aufs äußerste angespannten Industrie, oder andere wichtige Dinge hätten liegen bleiben müssen.“ Als Beispiel für eine unreflektierte Rezeption siehe Chickering, S. 217.

75  Will man den Kreis über Generale wie Wrisberg oder Kuhl hinaus -Kuhl, der Ansichten und Handlungsweisen seines direkten Karriere-Konkurrenten Ludendorff aus Zeiten lange vor Kriegsaubruch grundsätzlich negativ gegenüber stand- erweitern, so liegt es nahe, Fuller oder Guderian (oder etwa auch den längst vergessenen Österreicher, Ritter von Eimannsberger) darunter zu subsumieren. Beide, und ihre Panzer befürwortende, ziemlich internationale „Entourage“, konnten auf diesen, aus leidvoller deutscher Erfahrung gewonnenen Aussagen in ihrem Sinne aufbauen und auf frühere Versäumnisse sowie auf bekannte und dann allseits anerkannte Lehren aus dem Weltkrieg verweisen. Zum heute recht unbeachteten „Panzerbefürworter“ aus Österreich siehe dessen maßgeblichste Veröffentlichung zum panzertechnischen Erbe des Weltkrieges: Eimannsberger, Ludwig Ritter v.: Der Kampfwagenkrieg, Berlin/München 1938.

76  Siehe Foerster, Wolfgang: Der Feldherr Ludendorff im Unglück. Eine Studie über seine seelische Haltung in der Endphase des ersten Weltkrieges, Wiesbaden 1952.

77  Obwohl nicht allzu weit vorgegriffen werden soll, liegt hier ein Verweis auf Ludendorffs Unfähigkeit, den Realitäten nach dem Scheitern der Frühjahrsoffensiven 1918 ins Auge zu sehen, nahe. Epkenhans führte dies bereits näher aus und verwies zudem auf Symptome des inneren Zusammenbruchs, die tatsächlich weit vor der zweiten „Tankschlacht“ und alliierten Gegenoffensive vom 18.7.1918 im Heer auftraten; siehe Epkenhans, Michael: Die Politik der militärischen Führung 1918: „Kontinuität der Illusionen und das Dilemma der Wahrheit“, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 217-233, hier bes. S. 221. Verwiesen sei im Zusammenhang mit heeresinternen bzw. psychologischen Aspekten und ihrer Bedeutung für den Zusammenbruch auch auf Ziemann, Benjamin: Enttäuschte Erwartungen und kollektive Erschöpfung. Die deutschen Soldaten an der Westfront 1918 auf dem Weg zur Revolution, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 165-182. In beiden Betrachtungen spielt der Tank als Urheber von spätestens ab Sommer 1918 immer deutlicher werdenden Auflösungserscheinungen keine Rolle; vergleiche Heydecker, S. 415.

78  Interessant ist in diesem Zusammenhang die Aussage Fleischers in einer Arbeit zur Entwicklung der Panzerabwehr im Deutschland der Zwischenkriegszeit, worin dieser Aspekt sehr klar zum Ausdruck kam: „In der nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland erschienenen Literatur wurde oft zur Rechtfertigung der Niederlage von 1918 als eine wichtige Ursache auf das massenhafte Vorhandensein von Panzern auf Seiten der Entente verwiesen. Das war ein Versuch, die Verantwortung für die Niederlage des deutschen Imperialismus auf die Militärtechnik und die für ihre Beschaffung zuständigen Dienststellen zu reduzieren. Dieser Rechtfertigungsversuch ist in Hinblick auf die Versäumnisse in der Panzerabwehr interessant. Sie werden damit indirekt anerkannt.“ Zitiert nach Fleischer, Wolfgang: Die Entwicklung der Panzerabwehr in Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen. Diplomarbeit, Militärgeschichtliches Institut der DDR, o.O. (Potsdam) o.J.

79  Siehe Abschn. 1.1.

80  Siehe Zeschwitz, G.P. v.: Heigl’s Taschenbuch der Tanks, Teil III: Der Panzerkampf, Berlin/München 1938.

81  In Guderians Vorwort zum Taschenbuch der Tanks, Teil III, ist hinsichtlich dieser Faktoren und einer damals gepflegten „applikativen Geschichtsschreibung“ zu lesen: „Fritz Heigl, [...,] hatte von Anbeginn die Absicht, ein Standardwerk über die Panzer zu schaffen, das nicht nur waffen- und kraftfahrtechnische Bilder und Zahlen bieten sollte, sondern vielmehr durch kriegsgeschichtliche Darstellungen früherer Kämpfe und Angaben über die Fechtweise nach dem großen Kriege auch auf taktischem und operativem Gebiet richtungweisend und belehrend wirken konnte. [... .] Die Meinungen über Kampfwert und Kampfverfahren der Panzer gehen weiter auseinander denn je. Die Erinnerungen an die Schlachten des Weltkrieges sind verblaßt. [... .] Es war unerläßlich eine Sammlung aller [hervorgeh.] bisher gemachten Kriegserfahrungen in knapper sachlicher Form herbeizuführen, die einerseits als Nachschlagewerk dienen kann und andererseits gestattet, die Grundsätze für die operative, taktische und kriegswirtschaftliche Entwicklung der Panzerwaffe aus diesem Buch der Geschichte abzuleiten.“

82  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr. Die Ehren-Rangliste führte Petter für 1914 als Lehrer der Militärtechnischen Akademie zu Berlin auf. Sein Stammtruppenteil war das Kraftfahr-Bataillon und 1926 war er als Oberstleutnant im Reichswehrministerium. Petter war Anfang der 20er Jahre Stabschef der Inspektion der Kraftfahrtruppen und kannte Guderian persönlich, nachdem dieser in den Stab versetzt worden war. Die Abhandlung zur Kampfwagen-Abwehr (und einige weitere Arbeiten zum Themenkomplex) verfaßte er aus dem Ruhestand heraus, als Generalmajor a.D. Siehe dazu Deutscher Offizier-Bund (Hg.): Ehren-Rangliste des ehemaligen Deutschen Heeres. Auf Grund der Ranglisten von 1914 mit den inzwischen eingetretenen Veränderungen, Berlin 1926 (Neudruck Osnabrück 1990), S. 627, und Macksey, Kenneth: Guderian der Panzergeneral, Düsseldorf/Wien 1976, S. 62.

83  Siehe Abschn. 1.2.1.

84  Nach einer an das jeweils vorausgegangene Kapitel anknüpfenden Einleitung unter der Kapitelüberschrift folgen die Abschnitte „Der Plan, die Angreifer und die Tankunterstützung“, „Die Verteidiger“, die Darstellung der Kämpfe in chronologischer Abfolge und ein in historiographischen Überblick sowie die zeitgenössische, alliierte beziehungsweise deutsche Sichtweise gegliederter Abschnitt „Bewertungen und Reaktionen“.

85  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, bspw. S. 9ff., zu den britisch-französischen Frühjahrsoffensiven 1917. Enthalten ist eine Einleitung zur „Kriegslage“ und die Abhandlung der Schlachten von Arras sowie an der Aisne und in der Champagne unter den Abschnitten „Angriffsplan“, „Panzereinsatz“, „Angriffsweise“, „Angriffsgelände“, „Erfolg“, „Fehler“, „Verluste“, „Taktische Lehren“ und „Technische Lehren“.

86  Vergleiche hierzu das Taschenbuch der Tanks, Teil III, bzw. entsprechenden Lehrcharakter bei Petter und siehe als moderneren Ansatz Anderson, Alan D. (u.a.): An Experiment in Combat Simulation: The Battle of Cambrai, 1917. In Journal of Interdisciplinary History, Bd. 2, Nr. 3 (1972), S. 229: „Every military historian is, to some degree, ‘an arm-chair general.’ In studying a battle, he evaluates the performance of a commander, and often suggests an alternate strategy which might have brought different results.” Während die Aussage des ersten Satzes vom Verfasser als Tatsache, Mahnung und Warnung aufgefaßt wird und -hoffentlich in ausreichendem Maß- berücksichtigt wurde, ist ausdrücklich festzuhalten, daß das Aufzeigen alternativer Strategien dem Ansatz der vorliegenden Arbeit nicht zugrunde liegt.

87  Die Wortwahl innerhalb der vorliegenden Arbeit wurde maßgeblich von der Prägnanz oder eben der simplen Übernahme zeitgenössischer Begrifflichkeiten geprägt. Dementsprechend ist „amerikanisch“ ferner grundsätzlich in Bezug auf die Vereinigten Staaten von Amerika, ihren politischen und militärischen Aktionen, Streitkräften, Bürgern etc. zu begreifen.

88  Siehe dazu Kap. 8.

89  Siehe dazu Kap. 4. und 7.

90  Benannt werden in BA-MA, RH 61/50768 diverse Akten des Chefs des Feldkraftfahrwesens sowie zwei Bände „Panzerwagen“, die von der (3.) OHL angelegt worden waren. Petter nannte in RH 61/50769 Unterlagen der „OHL Ic über Panzerwagen, Tankbekämpfung [,] Tankabwehr, Taktik, Panzer-MG-Wagen“. Diese Akten scheinen allesamt verloren gegangen zu sein.

91  Siehe KA, HGr Rupprecht. Gerade im Zusammenhang mit diesem monumentalen Bestand sei eine Anmerkung zur Zitierweise von Archivalien innerhalb der vorliegenden Arbeit angebracht. Die in den drei besuchten Archiven auffindbaren Bestände sind sehr uneinheitlich erschlossen, was eine wunschgemäß einheitliche Zitierweise von Grund auf zumindest schwierig gestaltet. Will man dem nach erwähnten Schriftstücken suchenden Leser Arbeit ersparen und das Auffinden genannter Dokumente nicht unnötig erschweren, kann es nicht genügen, den Bestand KA, HGr Rupprecht, mit der zusätzlichen Angabe des Bundes und mehr oder weniger Details zum jeweils genutzten Schriftstück zu zitieren. Gerade die Bunde dieses Bestandes glänzen dadurch, den Betrachter mit zahlreichen Akten ganz unterschiedlichen Umfanges, paginiert oder nicht paginiert, chronologisch oder thematisch geordnet, zu konfrontieren. Und so wurde vom Verfasser eine Zitierweise der Quellen gewählt, die zwar nicht einheitlich ist, dem Leser das Auffinden von Schriftstücken aber erleichtern sollte.

92  Im BA-MA unter der Bestandssignatur “PH” zu finden. Die hierin vorhandenen Relikte waren hinsichtlich der Fragestellung tatsächlich nur sehr punktuell ergiebig.

93  BA-MA, RH 61.

94  HStAS, M 33/2.

95  Würde man geschichtliche Zufälle nicht kennen, könnte bei einem Betrachter möglichweise der Eindruck entstehen, daß Württemberger eine besondere Affinität für „Tankdrachen“ hatten. Mit den Geschehnissen zwischen den ersten Tankeinsätzen an der Somme 1916, bei Thiepval (siehe Abschn. 3.4.), und besonders mit denen bei Bullecourt im April 1917, wo erstmals Tanks erobert wurden (siehe Abschn. 5.4.), sind sie jedenfalls so verbunden, wie mit den Ereignissen bei Cambrai 1917 (siehe Kap. 9.) und Soissons 1918 (siehe Kap. 11.), in deren Fokus das XIII. (Württembergische) AK stand.

96  Der Bestand BA-MA, RH 61, der die Arbeitsunterlagen der früheren Forschungsanstalt des Heeres umfaßt, entpuppte sich diesbezüglich sowohl als unschätzbare als auch mit Findbuch allein kaum zu erfassende Fundgrube. So fanden sich beispielsweise aufschlußreichste und zeitnah zum Geschehen verfaßte Berichte zum 16.4.1917 unter der Signatur BA-MA, RH 61/50597, die laut elektronischem Findbuch verschiedene Unterlagen aus den Jahren 1943/44 zu „Kriegserfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg“ verspricht. Und dies ist bei der Masse der Akten dieses Bestandes kein Einzelfall.

97  Der letzte Fall bezog sich auf den Umstand, daß selbst Suchmöglichkeiten elektronischer Findbücher und die Gewöhnung eines Betrachters an die zuweilen merkwürdigen Erfassungsprioritäten der Verfertiger dieser Hilfen nicht davor schützen, mit „falschen“ Suchbegriffen zu arbeiten. Panzer statt Tank und Panzerabwehr statt Tankabwehr mag dabei noch angehen, doch relevante Signaturen über die Suchformel „-abwehr“ (siehe BA-MA, RH 61/50601) eruieren zu müssen, ist letztlich so müßig, wie im HStAS die Unbekannten und Variablen in der Schreibweise des Stabsquartieres des XIII. (Württembergischen) Armeekorps 1917, Caudry, überprüfen zu müssen.

98  Zur Thematik und zum Begriff siehe Wette, Wolfram (Hg.): Der Krieg des kleinen Mannes. Eine Militärgeschichte von unten, München 21992.

99  Zur Quellenproblematik siehe ebenda, S. 18ff.

100  Die Diskussion um die Wirkungsweise der panzerbrechenden Gewehr- und Maschinengewehr-Munition, die SmK-Patronen, nach den Kämpfen bei Cambrai 1917 sind dafür auf deutscher Seite so bezeichnend, wie es die dortigen Auswertungen der Kämpfe ab Sommer 1918 sind. Tatsächlich sollte es nicht erst 1918 von höchsten Stellen sogar zur Forderung nach Berücksichtigung auch kritischer Stimmen „von unten“ kommen, die bis dahin -nun offenkundig geworden- durch überzogenen Positivismus auf Dienstwegen und dort auffindbare Interessenlagen ungehört verhallt waren; siehe bspw. HStAS, M 33/2, Bü. 72: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 5131 geh. op. vom 26.10.1917, und ebenda, Bü. 300: HGr Kronprinz Ia/Ic Nr. 6438 geheim vom 27.8.1918.

101  Siehe dazu Deist, Wilhelm: Verdeckter Militärstreik im Kriegsjahr 1918? In Wette: Der Krieg des kleinen Mannes, S. 162, Anm. 8.

102  Eine Anfrage des Verfassers zu Aufstellungen über „Verlustzahlen“ oder vergleichbaren Unterlagen, aus denen einsatzbereite Fahrzeuge, Ausfälle aller Art und blutige Verluste in den einzelnen Kampfhandlungen ersichtlich wären, wurde über den früheren Heeresattaché des Vereinigten Königreiches in Berlin, Jack Sheldon, an das Imperial War Museum in London gesandt. Die Antwort (Christopher Hunt vom 20.4.2006) fiel insofern erstaunlich aus, als daß auf Angaben in namhaftesten Veröffentlichungen (bspw. Fuller) verwiesen und zugleich die Frage aufgeworfen wurde, wie „Verluste“ zu definieren seien: In welchem Zeitfenster, durch Beschuß, durch technischen Defekt, total, reparabel in welcher Zeit, wie lange ausgefallen usw.? Die reichhaltigen Unterlagen des Tank Corps, so führte die Antwort ferner aus, seien diesbezüglich bislang tatsächlich noch nicht untersucht und ausgewertet worden. Für die französische Seite sei hier ergänzt, daß Goya, S. 360, zwar Zahlen für Verluste der artillerie d’assaut bis zum Kriegsende liefert, diese allerdings genau dem in der Antwort des Imperial War Museums genannten Problems mangelnder Differenzierung zu unterliegen scheinen; siehe dazu auch Abschn. 13.2.

103  Diesen Vorteil, der primär eine Frage von publizierten oder publizierbaren Seiten sowie, formuliert man etwas boshaft, „griffigen“ Äußerungen zu sein scheint, bietet vielleicht nur die (qualifizierende) wissenschaftliche Facharbeit, die hinsichtlich der Faktoren Zeit und Kosten im Regelfall zu Lasten des Verfassers geht. Anhand der für diese Arbeit genutzten Überblicksdarstellungen, welche weit über die Tank-Thematik hinaus für „populäre Bilder“ verantwortlich sind, ließe sich jedenfalls leicht -und ohne nähere Bezeichnung der Fallbeispiele an dieser Stelle- der Wert von Anmerkungen zu Fundorten für „Zahlen“ nachweisen.

104  Fuller ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Es beschleicht einen dann der Gedanke an eine besondere Intentionslage, wenn man im Abgleich mit anderen Publikationen vergegenwärtigt hat, in seinen Erinnerungen Angaben zu finden, die seinen ehemaligen Vorgesetzten zu allem anderen als zu Ruhm und Ehre gereichen und wenigstens stellenweise ziemlich unkonventionell den Zusammenhang zwischen von ihm als unfähig erachteten Vorgesetzten, versäumten Gelegenheiten und hohen Ausfallraten „seines“ Tank Corps entwickeln. Der Gedanke an eine sehr spezielle, über beschönigende Darstellungen des Egos hinausgehende und bis zu diesem Maß auch mit redlichen Mitteln verfolgten Absicht beschleicht einen jedenfalls dann, wenn man weiß, daß sich ein aus dem aktiven Dienst verabschiedeter und damit von vielen Zwängen befreiter, letztlich völlig frustrierter Fuller zur Zeit der Veröffentlichung seiner Erinnerungen (1936) in die Reihen der britischen Faschisten verirrt hatte; siehe hierzu http://www.oswaldmosley.com/people/fuller.html . (Stand vom 16.01.2007.)

105  Siehe etwa Abschn. 12.3. mit Angaben zur französisch-britischen Offensive vor am Amiens im August 1918.



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22.04.2008