11   „Die Niederlage des deutschen Heeres“. Tanks und Tankabwehr in der Abwehrschlacht zwischen Soissons und Reims, Juli-August 1918. 

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Die strategische Gesamtlage hatte sich für das Deutsche Reich und seine Verbündeten bis Ende Juni 1918 zusehends negativ entwickelt. Mit der Reichstagsrede des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes, von Kühlmann, der das Offensichtliche äußerte, nämlich daß der Krieg allein mit militärischen Mitteln nicht mehr zu gewinnen sei, lag am 24.Juni ein Fall quasi öffentlichen Aufbegehrens eines politischen Protagonisten aus den Reihen der Reichsleitung gegen die Fortsetzung der deutschen Offensive nach Gutdünken der OHL vor. Kühlmann, der bei seinen Worten mit allergrößter Wahrscheinlichkeit sehr viel mehr als nur die Situation an der Westfront, sondern zumindest auch die katastrophale Versorgungs- und Ersatzlage der k.u.k. Monarchie im Auge2003 sowie eine dem Kern seiner Worte sehr ähnliche und von Ludendorff Anfang Juni 1918 persönlich abgesegnete, allerdings geheime Note Oberst von Haeftens, des Chefs der militärischen Stelle beim Auswärtigen Amt, im Hinterkopf hatte2004, wurde von der OHL und ihrem Reichskanzler ziemlich unverhohlen als Verräter diskreditiert. Er verlor am 9.Juli seine Dienststellung2005. Man wird bei aller Erregung, die Kühlmann innerhalb der Generalität wegen der ihr zuzubilligenden militärischen Rücksichtnahme auf die Motivation der Truppe vor einer neuerlichen Offensive, allein schon verursachte, annehmen können, daß die Worte des Politikers nicht überall auf taube Ohren stießen und schlichtweg als defätistisches Gerede2006 abgetan wurden. So hielt Generaloberst von Einem in seinen Aufzeichnungen fest, daß zwar „in der Armee große Empörung“ über Kühlmanns Reichstagsrede herrschte, andererseits aber auch Besorgnis, da durch sie -man ergänze: zumindest durch Überlegungen zu ihrer Berechtigung- die Frage aufgeworfen wurde, warum unter den gegebenen Verhältnissen noch weitergekämpft werden solle2007. Daß von Einem diese Fragestellung im sozusagen öffentlichen Rahmen der Edition seiner „Kriegserinnerungen“ Ende der 30er Jahre nicht explizit für seine Person in Anspruch nahm, mag mit dem Hinweis auf eine Art Selbstschutz, der durch die selektive Zusammenstellung der Memoiren gewährleistet gewesen sein dürfte2008, als beispielhaft für die schriftstellernde deutsche Generalität des Ersten Weltkrieges angesehen werden können. Ein Tagebucheintrag Kuhls, der bereits sechs Tage vor Kühlmanns Rede am 19.Juni abgefaßt wurde, kann indessen verdeutlichen, daß düstere Lageauffassungen und Zweifel an befohlenen Operationen und deren Durchführung bei einigen der bedeutendsten militärischen Führer grundsätzlich vorhanden waren- wenngleich diese ihre Anschauungen auch nicht in letzter Konsequenz, das heißt in Richtung auf politische Konsequenzen, zuende dachten beziehungsweise dahingehend für die Nachwelt zu Ende formulierten:

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„Wir kommen allmählich an den Wendepunkt des Krieges. Das Entscheidende ist die schlechte Ersatzlage. Die nächsten Angriffe werden unsere Divisionen ganz verbrauchen. Wir können noch große Vorteile damit erringen, aber wohl nicht die Entscheidung. Dann die Amerikaner.“2009

Ludendorff brachte die ihm bekannte Situation und der sich augenfällig verschlechternde Zustand des deutschen Heeres nicht davon ab, weiterhin offensiv eine baldige Entscheidung zu suchen. Kühlmanns Nachfolger, von Hintze, gegenüber, der ihn wegen der Siegesaussichten Anfang Juli befragte, soll er dementsprechend versichert haben, er „hoffe den Feind durch einen nächsten Schlag friedenswillig zu machen“2010. Zum Schauplatz eines nächsten Hauptschlages, der allerdings erst Ende Juli oder Anfang August möglich erschien, wählte er den britischen Gegner in Flandern und behielt sich die aus heutiger Sicht reichlich verwegen erscheinende Option auf eine direkt daran anschließende Großoffensive zwischen Amiens und Paris vor2011. Für die Zwischenzeit faßte er einen als Ablenkung von der eventuell schon entscheidenden Flandernunternehmung zu verstehenden Angriff der Heeresgruppe Kronprinz beiderseits Reims ins Auge, der am 15.Juli 1918 einen operativen Gewinn durch das Herbeizwingen alliierter Reserven aus Flandern bewirken und gleichzeitig die prekäre Versorgungslage im „Marnebogen“ zwischen Soissons und Reims beheben sollte. Dort war als Folge der deutschen Offensive vom 27.Mai eine tief in die früheren französischen Stellungen hineinreichende Ausbuchtung der Front entstanden, deren Scheitelpunkt bei Château Thierry an der Marne lag und deren Flanken durch den Wald von Villers-Cotterêts (Forêt de Retz) im Westen sowie den Reimser-Bergwald (Forêt de la Montagne de Reims) im Osten markiert wurden.

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Abb. 11: Karte zur Ausprägung des „Marnebogens“ bis Mitte Juni 19182012.

Die Versorgung der dortigen Verbände mußte mangels brauchbarer Infrastruktur größtenteils über den westlichen Eckpfeiler des Frontbogens, den Eisenbahnknotenpunkt Soissons, abgewickelt werden2013. Die verkehrstechnische Bedeutung der Stadt und ihre relative Nähe zu den französischen Linien brachte den nach lohnenden Zielen für potentielle Gegenangriffe suchenden Foch am 14.Juni dazu, Pétain die Wegnahme der Soissons vorgelagerten Höhen durch maximalen Gebrauch von Artillerie und Tanks zu befehlen2014, um mit Geschützfeuer effektiv gegen die zentrale deutsche Nachschubbasis wirken zu können2015.

Die Ausweitung dieses begrenzten Vorhabens hin zu einer von den Führern vor Ort bereits Anfang Juni angedachten2016 großangelegten Offensive gegen beide Flanken des von französischer Seite -bezeichnend genug- „Tasche von Château Thierry“ genannten Frontbogens zwischen Soissons und Reims wurde maßgeblich durch zwei Faktoren begünstigt. Zum einen dadurch, daß die Ränder dieser „Tasche“ grundsätzlich durch starke Kräfte zu sichern waren, weil von dort eine akute Bedrohung für das strategische Ziel Paris ausging2017. Darauf Rücksicht nehmen zu müssen, konnte unter Umständen und vor allem parallel zur Erfüllung der defensiven Aufgaben gewährleisten, daß, wenn der Feind hier keinen oder einen nur begrenzten Durchbruchversuch unternahm, Truppen für Gegenangriffe an günstigen Stellen bereitstanden2018. Zum anderen konnte das Hauptproblem, dem sich Foch bei der Zusammenziehung starker Kräfte rund um den Frontbogen anfänglich gegenüber sah, nämlich der Zwang zum Absichern anderer von deutschen Angriffsoperationen potentiell bedrohter Sektoren der Westfront, bis Anfang Juli gelöst werden. „Verschiedene Anzeichen“2019, die einmal den für den Feind unverkennbaren, massiven und geradezu klassischen Offensivvorbereitungen2020 sowie, in letzter Konsequenz, mangelhafter Geheimhaltung der deutschen Seite zuzuordnen sind2021, sprachen dafür, daß der Feind den nächsten Schlag an der Ostflanke des Frontbogens, beiderseits von Reims, ausführen würde. Aufgrund dieser Erkenntnisse konnten Abwehrvorkehrungen und Angriffsabsichten tatsächlich ruhigen Gewissens miteinander in Einklang gebracht und starke Kräfte, die bis zum 18.Juli 44 französische, amerikanische und italienische Infanterie- und sechs (berittene) Kavallerie-Divisionen sowie Unterstützungsteile erheblichen Umfanges ausmachten2022, ohne die Sorge herangezogen werden, vom Feind andernorts überrascht werden zu können. Ende Juni begannen vorbereitende Unternehmungen gegen die deutschen Stellungen südwestlich Soissons, die der Gewinnung günstiger Sturmausgangsstellungen dienten, sehr erfolgreich verliefen und der französischen Führung zudem deutliche Anzeichen dafür lieferten, daß die Kampfkraft der gegenüberstehenden deutschen Verbände eher gering einzuschätzen war2023.

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Als die deutschen Truppen am 15.Juli beiderseits Reims angriffen, trafen sie auf einen vorbereiteten Gegner, der den Kampf um die vorderste Stellung nach und nach aufgab, um sich -wie durchaus lobend anerkannt wurde- nach dem Muster des seit 1917 praktizierten eigenen Abwehrverfahrens2024, auf vorbereitete, tiefgegliederte, rückwärtige Positionen zurückzuziehen. Hierauf lief der Angreifer auf, wobei als beachtenswertes Nebenbei des operativen Großen und Ganzen erstmalig Minenfelder in Erscheinung traten2025, die der deutschen Tankunterstützung spürbare Verluste beibrachten2026. Schon am 13.Juli hatte Foch als Zeitpunkt für die Gegenoffensive den 18. des Monats bestimmt, und noch am Abend des ersten Angriffstages bei Reims bestärkte Pétain der Verlauf der Schlacht darin, dem Generalissimus dieses Datum zu bestätigen2027. Nach dem Verlust von etwa 50.000 Mann2028 und ohne ein Ziel der Operation erreicht zu haben, stellte die OHL ihre Reimser Offensive am Morgen des 17.Juli ein und ordnete den Abtransport von Truppen und Material nach Flandern an2029.

Neben die taktisch-operative Ohnmacht, die sich auf deutscher Seite bereits an anderen Stellen der Front besonders durch die nicht adäquat zu konternden Gegenangriffe der Alliierten offenbart hatte, war in diesem Moment eine strategische getreten. Ohne die Möglichkeit zur Hand zu haben, mit einem weiteren Angriff das Geschehen an der Hauptkampffront des Krieges weiterhin oder zumindest nochmalig bestimmen zu können, ging die Initiative zwangsläufig und letztlich unwiederbringlich an den zum Gegenschlag gerüsteten Gegner über.

11.1 Der Plan, die Angreifer und die Tankunterstützung.

Auf der Ostflanke des „Marnebogens“ bestand bereits am 17.Juli die Möglichkeit, mit der 5.Armee (Berthelot) zu Gegenangriffen überzugehen und das zuvor verlorene Gelände zurückzugewinnen2030. Dieses Vorhaben sollte mit der Hauptaktion gegen die deutschen Stellungen südwestlich Soissons abgestimmt werden, so daß der Feind am 18.Juli auf beiden Seiten des Frontbogens gleichzeitig unter massiven Druck geraten mußte und die große Hoffnung gehegt werden konnte, ihn zur Aufgabe seiner Positionen südlich der Aisne und Vesle zu bewegen2031. Die kombinierte Operation litt am 18.Juli allerdings unter der Kürze der Vorbereitungszeit, so daß die 5.Armee auf Stöße mit begrenztem Ziel beschränkt blieb2032. Diese konnten zwar nicht dazu führen, daß es zur Ausprägung einer von Osten her zupackenden „Zange“ kam, sie erfüllten aber einen wesentlichen Zweck, indem die deutschen Kräfte bei Reims gebunden wurden und somit flankierend wirkender Druck aufgebaut werden konnte.

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Für das Hauptunternehmen, das mit der 10.Armee (Mangin) und der 6.Armee (Degoutte) auf etwa 50km Frontbreite zwischen südwestlich Soissons und der Marne ausgeführt werden sollte, wurde bis zum 12.Juli die grobe Richtung Ost mit dem Ziel Fére en Tardenois bestimmt- damit recht genau der geographische Mittelpunkt des „Marnebogens“2033. Um ihn zu erreichen, setzte die französische Führung maßgeblich auf den Faktor Überraschung, der durch die Bereitstellung der Angriffstruppen erst kurz vor Beginn der Schlacht, die Verschleierung von Bewegungen durch vor Ort gegebene Deckungsmöglichkeiten und besonders durch die Abriegelung des Luftraums2034, den vollständigen Verzicht auf langwierige Artillerievorbereitung zugunsten einer gewaltigen Feuerwalze und eine zeitliche Versetzung des Hauptangriffs bei der 10. (5.35 Uhr) und bei der 6.Armee (7.05 Uhr) erreicht werden sollte2035.

Der Schwerpunkt der Unternehmung lag bei der 10.Armee mit ihrem 25km breiten Angriffsabschnitt. Sie bestand aus vier Korps und insgesamt 16 Infanterie-Divisionen sowie einem zum Durchbruch versammelten Kavallerie-Korps mit drei Divisionen und einigen Bataillonen französischer und amerikanischer Infanterie auf Lastkraftwagen2036. Die Artillerie der 10.Armee umfaßte mehr als 1.500 Geschütze, und zum Erringen der Lufthoheit sowie für Schlachtfliegereinsätze und Bombenflüge verfügte sie über 581 Flugzeuge2037. Innerhalb der Armee wiederum lag das Hauptgewicht des Stoßes beim XX.CA, dem als Bedingung für das Gelingen der Gesamtoperation die Wegnahme des Höhenplateaus von Chaudun zufiel. Das Korps verfügte dazu über die für ihre Offensivkraft bekannte Marokkanische2038 sowie die mittlerweile kampferfahrene 1. und 2. amerikanische Division2039. Die beiden amerikanischen Divisionen bestanden aus Einheiten des US-Friedensheeres und waren mit einem Personalbestand von nominell jeweils 27.000 Mann erheblich stärker als die französischen, vor allem aber um ein Vielfaches stärker als die deutschen Verbände gegenüber2040. Hinter diesen drei Divisionen der ersten Welle standen zwei weitere Infanterie-Divisionen als Eingreifreserve und die imposante Zahl von 276 Feld- und 172 schweren Geschützen zur Unterstützung bereit2041. Die 6.Armee umfaßte in drei Korps acht Divisionen und verfügte über etwa 588 Geschütze und 562 Flugzeuge2042. Die im Unterschied zum nördlichen Nachbarn deutlich geringeren Kräfte dieser Armee waren auf ihrem linken Flügel, im Bereich des amerikanischen II.Korps, konzentriert worden, so daß den beiden übrigen Korps die Aufgabe zufiel, begleitende Stöße anzusetzen und das bei günstiger Lageentwicklung beabsichtigte Vorgehen der alliierten Truppen im Südteil des Frontbogens (französische 9.Armee, de Mitry) vorzubereiten2043.

Neben den umfangreichen Kräften an Infanterie, Artillerie und Fliegern war rund um den abzuschnürenden Frontbogen die Masse der einsatzfähigen Einheiten der artillerie d’assaut versammelt worden, so daß es zur bisher größten Konzentration von Tanks und umfangreichsten, die von der französischen Armee während des Krieges überhaupt vorgenommen wurde, kam2044.

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Am Tag vor dem Angriff gab es innerhalb der französischen Streitkräfte insgesamt rund 540 leichte und 240 mittlere Tanks, die sich in drei Regimenter zu je drei leichten Bataillonen mit nominell je 75 FT-17 und einer Abteilung zu je 30 Schneider oder St.Chamond gliederten und ferner fünf selbständige Abteilungen mittlerer Fahrzeuge beider Typen umfaßten2045. Beachtenswert ist bei der Organisation dieser gepanzerten Streitmacht einmal, daß der Ist-Bestand der einzelnen Einheiten wegen diverser Ausfälle vor Beginn der Kampfhandlungen erfahrungsgemäß deutlich unter dem Soll liegen konnte und am 18.Juli auch tatsächlich darunter lag, dann, daß die drei Kompanien eines leichten Bataillons zu 75 FT-17 jeweils nur 15 Gefechtsfahrzeuge besaßen. Der numerisch starke Überhang wurde von zwei Wagen für Führungszwecke2046 und acht Fahrzeugen als Gerätereserve bei jeder Kompanie ausgemacht2047.

Am 18.Juli waren bei der 5. und der 9.Armee für die bei ihren vorgesehenen Nebenangriffe 45 beziehungsweise 90 leichte Tanks FT-172048 vorhanden, die 6.Armee verfügte über insgesamt 147 und die 10.Armee über 346 Fahrzeuge aller Typen2049. Die Schwerpunktbildung auf der Westflanke des allgemeinen Angriffs gegen den Frontbogen spiegelte sich demgemäß auch in der Tankverteilung wider und wurde in diesem Bereich durch die Unterteilung der Einheiten in zwei Gruppen zusätzlich unterstrichen. Die eine Gruppe umfaßte Reserven die zum Stoß in die Tiefe der feindlichen Stellungen bereitstanden und entsprechend der ursprünglichen Einsatzkonzeption für den leichten Tank2050 hauptsächlich durch diesen neuen Fahrzeugtyp gebildet wurde. Bei der 10.Armee handelte es sich um 90 FT-17 sowie 30 mittlere Tanks und beim amerikanischen II.Korps der 6.Armee waren 30 FT-17 für diesen Zweck zurückbehalten worden. Alle übrigen Einheiten, beim XX.CA waren es 120 mittlere sowie 45 leichte und damit nahezu die Hälfte der bei der Armee vorhandenen Fahrzeuge, wurden auf die Angriffsbereiche der Divisionen bei den drei nördlichen Korps verteilt und ihrerseits in eine Stoßgruppe, eine Eingreifgruppe und eine Reserve gegliedert. Beim Angriff hatten die vorne eingesetzten Tanks so lange hinter der vorgehenden Infanterie zu verbleiben, bis sich bekämpfenswerte Ziele zeigten2051. Dann, nach erfolgreicher Beendigung solcher Kampfhandlungen, waren sie dazu angehalten, wieder auf die in der waffentechnischen Kooperation unerfahrene Infanterie2052 aufzuschließen und mit ihr zusammen weiter vorzugehen. Hauptaufgabe der Tanks war es gemäß dieser in der „Directive No 5“ vom 12.Juli 1918 fixierten Einsatzkonzeption, in engster Kooperation mit der Infanterie, an diese und ihr Angriffstempo fest gebunden, den Kampf gegen den Gegner zu suchen2053.

Insgesamt betrachtet, lebte der Angriffsplan von der Ausnutzung des Moments, der durch die Schwäche der Deutschen eine günstige Gelegenheit dafür bot, einen konzentrischen Angriff auf den exponierten Frontbogen mit überlegenen Kräften überraschend durchführen zu können. Die Tanks waren einmal in großer Zahl, dann sowohl in der bekannten Rolle als Infanterieunterstützung beim Einbruch in die feindlichen Linien, als nun auch –und anders als bei Cambrai, wo keine gepanzerten Reserven zurückbehalten worden waren2054- für die Ausnutzung des erwarteten Eingangserfolges vorgesehen.

11.2 Die Verteidiger.

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Die Situation der deutschen Verteidiger des „Marnebogens“ entsprach grundsätzlich derjenigen, die im vorherigen Kapitel für die deutschen Truppen im „Sommebogen“ vor Amiens beschrieben worden ist. Aus den Kämpfen seit dem 27.Mai hatte sich bei der 7.Armee (v. Boehn) nicht nur ein ganz erhebliches und letztendlich unersetzliches Maß an Verlusten ergeben, sondern auch eine Frontlinie, die sich von 100 auf 150km verlängert hatte2055. Die Anfang Juli erfolgte Zweiteilung des ausgedehnten Frontbogens in den Befehlsbereich der 7. und den die westliche Flanke ab dem Flüßchen Ourq2056 umfassenden Befehlsbereich der aus vor Ort vorhandenen Verbänden neugebildeten 9.Armee (v. Eben) bedeutete vor diesem Hintergrund eine allein führungstechnisch wirksame Maßnahme zur Entlastung des AOK 7. Die 7.Armee war für den Angriff gegen Reims am 15.Juli vorgesehen und wurde für diese Aufgabe mit umfangreichen Mitteln versehen. Allerdings waren die numerischen und qualitativen Verstärkungen hier nur kurzeitig vorhanden sowie durch Schwächung des benachbarten AOK 92057 mit dem Resultat gegeben, daß bis zum Abbruch der Schlacht bei Reims wiederum schwere Verluste eingetreten waren und offensivfähig beurteilte Verbände samt Unterstützungsteilen für die Offensive gen Flandern abgingen.

Die Wochenmeldung der Heeresgruppe Kronprinz über den Zustand ihrer Armeen vom 13.Juli 1918 wies die 30 Divisionen der 7.Armee demgemäß größtenteils noch als „kampfkräftig“ oder zumindest als „noch kampfkräftig“ aus2058, während die 9.Armee auf der Westseite des Frontbogens offenkundig in desolatem Zustand war2059. Lediglich drei ihrer Divisionen wurden als „vollkampfkräftig“ bewertet, wobei einer davon, trotz des ihr zugebilligten Status’, generell abgesprochen wurde, „eine hochwertige Truppe“ zu sein2060 und eine Division bis zum 18.Juli wegen mangelnder Gefechtsleistungen auffällig wurde2061. Für 11 andere Verbände wurden zwei bis vier und dabei eher mehr als weniger Wochen Ruhezeit2062 mit Auffüllung des Personalbestandes und Ausbildung veranschlagt, um überhaupt als „kampfkräftig“ gelten zu können. Zwei weitere Divisionen schienen grundsätzlich „nur noch für Stellungskrieg geeignet“ zu sein. Die Bataillonsdurchschnittstärken, die keinesfalls mit den Gefechtsstärken der Einheiten verwechselt werden dürfen2063, lagen zwischen dem divisionsabhängigen Maximum von 765 und dem Minimum von 445 Mann, wobei sich der Mittelwert für die Armee auf gerade einmal 573 Mann belief. Auf Basis des Soll-Bestandes von damals 850 Mann bedeuteten diese Zahlen schon für sich allein genommen eine massive Einschränkung der Kampfkraft der Divisionen, deren Aufgaben in Abwehr und Angriff den gesunkenen Stärken nicht angepaßt worden waren und angesichts der Mangellage wohl auch nicht mehr angepaßt werden konnten.

Auf Grundlage der Angaben in der Wochenmeldung der Heeresgruppe Kronprinz kann die Infanteriestärke der am 18.Juli dem französischen XX.CA im Zentrum des Angriffs in den ersten Stellungen gegenüberstehenden deutschen Verbände zumindest angedeutet und darüber hinaus etwas über ihren generellen Gefechtswert ausgesagt werden. Die Gruppe Staabs (GK XXXIX.RK), welche den nördlichen Bereich der angegriffenen Stellungen der 9.Armee besetzt hielt, lag mit der an der Ost- und Westfront vielfach bewährten 11.b.ID, ihrer linken Flügeldivision, im Angriffsbereich des französischen XX.CA. Die Division wurde von der Heeresgruppe als ruhebedürftig für zwei Wochen angesehen, und ihre Bataillone hatten eine Durchschnittstärke von 615 Mann. Wie weiter unten anhand eines Zitats des Divisionskommandeurs zu zeigen ist, entsprach am 18.Juli zumindest die hier geäußerte Stärkeangabe nicht annähernd der Realität beziehungsweise den letztlich ausschlaggebenden Gefechtsstärken. Die nach Süden anschließende 42.ID der Gruppe Watter (GK XIII.AK; Theodor Frhr. v.) wurde mit 525 Mann je Bataillon bemessen und war Besatzung der ersten Stellung, obwohl sie in der sonst nur Landwehrverbänden zugeordneten Kampfwertkategorie, „nur für den Stellungskrieg geeignet“, verortet wurde. Zur Rechtfertigung dieser Einschätzung ist über alle Stärkeangaben hinaus zu sagen, daß die Division dem Gruppenkommando im Vorfeld der Schlacht wegen offensichtlich nachlassender Gefechtsleistungen und hoher Gefangenen- und Vermißtenzahlen unangenehm aufgefallen war2064. Dieses unangenehme Auffallen in den Augen der Führung traf auch für den südwärts anschließenden Nachbarn der 42.ID, die 14.RD2065, zu. Bei ihr wurden am 13.Juli vier Wochen Ruhebedürftigkeit angenommen, und sie verfügte zu diesem Zeitpunkt über Bataillone mit lediglich 508 Mann Durchschnittsstärke. Einen Tag nach der Statusmeldung der Heeresgruppe erklärte die Gruppe Watter der 9.Armee, daß die 14.RD wegen des kritischen Zustands der Truppe unbedingt ablösebedürftig sei. Eine Einschätzung, die mangels Alternativen zu ihrem Einsatz unberücksichtigt blieb und, nebenbei bemerkt, gleichzeitig für die 28.ID, die am 18.Juli als Heeresgruppenreserve hinter der Gruppenfront stand, angeführt wurde2066. Nimmt man die Divisionen zu neun Bataillonen an, was wegen wenigstens verhaltener Anzeichen für Auflösung und Zusammenlegung schwacher Einheiten fraglich sein muß2067, dann hatte die Infanterie der drei deutschen Stellungsdivisionen eine Stärke von etwa 14.800 Mann. Diesen standen dem Soll nach, noch ohne Berücksichtigung der Marokkanischen Division, rund 28.200 Soldaten allein in den Infanteriekompanien und Maschinengewehreinheiten der beiden beim XX.CA vorhandenen amerikanischen Verbände gegenüber2068. Die Bataillonsstärken dürften bei der 9.Armee in den Tagen bis zum Beginn der Offensive noch weiter abgenommen haben, da es, von einem „auffallend ruhigen“ 17.Juli2069 abgesehen, dauerhaft intensive Kampfhandlungen und auch weiterhin den schon im Juni vorhandenen schweren Artillerie- und einen besonders demoralisierenden Gasbeschuß neuer Qualität gab2070. Zudem blieb der Stand der Grippekranken auf einem hohen Niveau2071. Das RIR 40 der linken Flügeldivision der Gruppe Watter, der 115.ID, für welche am 13.Juli eine Bataillonsdurchschnittsstärke von 504 Mann angegeben worden war, hatte nach Aussage der Truppengeschichte am Morgen des 18. nur noch eine Gesamtstärke von 35 Offizieren und 902 Unteroffizieren und Mannschaften2072. Diese Angabe kann man, im Unterschied zu den von der Heeresgruppe Kronprinz am 13.Juli gemeldeten Stärken und der oben genannten Zahl von 14.800 Mann für den 18.Juli 1918, als für die drei Divisionen gegenüber dem XX.CA real gegeben und beispielhaft annehmen. Die tatsächliche Gefechtsstärke der deutschen Infanterie in diesem Bereich, noch unter der zweifelhaften Prämisse von neun Bataillonen je Division berechnet, lag unter Berücksichtigung der weiter unten anzuführenden Berichte2073 bei sicherlich nicht mehr als 10.000 Mann Infanterie.

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Außer bei der Infanterie lag eine klar erkennbare quantitative Unterlegenheit auch bei der Artillerie vor. Den etwa 1.500 Geschützen der französischen 10.Armee standen 918 der deutschen 9.Armee gegenüber2074. Hierunter befand sich ein nicht unerheblicher Teil, der erst kurz vor der Schlacht oder auch erst nach ihrem Beginn aus dem Bereich der 7.Armee zurückkehrte, wo zahlreiche Batterien an den Kämpfen seit dem 15.Juli teilgenommen hatten2075. Außerdem umfaßte die Geschützzahl eine nicht quantifizierbare Menge sogenannter „5. und 6.Geschütze“. Diese waren den mit Feldkanonen ausgestatteten Batterien der Feldartillerie nach einer als Verzweiflungsschritt zu bezeichnenden Verfügung der OHL zur Deckung der mittlerweile allerorten entstandenen Gefechts- und Verschleißverluste auf die Geschütz-Reserve des Heeres zurückzugreifen, überwiesen worden2076. Problematisch mußte dabei sein, daß dies ohne die begleitende Zuweisung von Bespannungen und Bedienungen geschah. Die bis zur Schlacht diesem Problem gegenüber praktizierten Abhilfen, wenn davon angesichts eines chronischen Mangels an Pferden2077 und ausgebildeten Feldartilleristen überhaupt gesprochen werden darf, bestand aus der Klassifizierung der Kanonen als „bodenständiges Gerät“ der Generalkommandos2078. Dies machte die Mobilitätsfrage zur Sache gruppeninterner Regelungen und Lösungen, welche durch die Heranziehung der wenigen Feldartillerie-Rekruten, von Armierungssoldaten, Burschen, Köchen und Ordonnanzen als Bedienungsmannschaften gewährleistet werden sollte2079. Der Wert dieser forcierten Geschützvermehrung, die auf Mobilität der Waffen und der Vermittlung umfangreicher technischer und ballistischer Kenntnisse an ihre Bedienungen angewiesen war, darf also durchaus angezweifelt werden2080. Die Gesamtsituation der Artillerie wesentlich verschärfend kam noch hinzu, daß sich die Munitionsbestände der deutschen Artillerie aller Kaliber bis zur Schlacht erheblich vermindert hatten. So mußte zur Aufrechterhaltung eines als der Lage angemessen anzusehenden Abwehrfeuers bei der Gruppe Watter am 16.Juli bereits auf die schon begrenzten Bestände der Gruppe Staabs, die zwei Tage später selbst von der französischen 10.Armee attackiert werden sollte, zurückgegriffen werden2081.

Die Luftüberlegenheit lag ebenfalls auf Seite des Angreifers, da den rund 800 Flugzeugen der deutschen 7. und 9.Armee2082, die sich auf die gesamte Ausdehnung ihrer Linien verteilten, schon deutlich mehr als 1.200 Flugzeuge nur der französischen 10. und 6.Armee auf der Westseite des Frontbogens gegenüberstanden.

Bei den erfolgreichen Bemühungen französischer Verbände zur Verbesserung ihrer Sturmausgangsstellungen und zur Wegnahme deutscher Beobachtungspositionen seit Ende Juni war es außerdem nicht nur dazu gekommen, daß die bisher erfolgten Anstrengungen des deutschen Stellungsbaues2083 durch Geländeverlust weitestgehend nivelliert wurden und man wichtige Punkte und Beobachtungsmöglichkeiten verloren hatte, sondern es waren auch Zustände zutage getreten, welche, über die oben angeführten Stärkeangaben hinaus, für die Kampfkraft und Leistungsfähigkeit der deutschen Truppen bezeichnend waren. Bereits am 2.Juli hatte der Befehlshaber der 7.Armee, von Boehn, konstatiert2084, daß ein seiner Anschauungsweise nach „unerhörter und unwürdiger Zustand“ eingetreten sei. Nämlich der, daß sich die feindlichen Truppen offenbar leistungsfähiger sowie aggressiver als die deutschen erwiesen und moralische Krisen besser zu überwinden gewußt hätten. Boehns Appell an die Truppen, das eigene „Aushalten“ auch unter den offensichtlich ungünstigsten Rahmenbedingungen als „Ehrensache“ zu betrachten, war letztlich nichts weniger als obligatorisch und änderte nicht das geringste am Sachverhalt und dessen Grundlagen. Den möglicherweise taktischen Symptomen dieser auffälligen Zustände wollten ein Gruppenkommandeur des AOK 92085, der von den Kämpfen bei Cambrai 1917 her bekannte Theodor Freiherr von Watter, und dann auch sein Armeebefehlshaber2086 umgehend näher auf den Grund gehen, wobei beide letztendlich vor demselben „Phänomen“ standen, dem das AOK 2 im „Sommebogen“ bereits im April 1918 begegnet war2087. Den Divisionen wurde befohlen, ausführlich und umgehend über die Art der Verluste in den letzten Gefechten zu berichten, da glaubhafte Anzeichen dafür vorlagen, daß sogar geschlossene Einheiten ohne Gegenwehr ihre Stellungen aufgegeben hatten und Soldaten geradezu freiwillig in Gefangenschaft gegangen waren2088. Die Rückmeldung einer Division, der 14.RD, die der höheren Führung am 8. und 9.Juli diesbezüglich aufgefallen war und am 18.Juli dessen ungeachtet in vorderster Linie liegen sollte, führte vier Punkte als Erklärungen für die von ihr mit keinem Wort in Abrede gestellten schwindenden Gefechtsleistungen an2089. Die vorderste Stellung hatte wegen ihrer baulichen Mängel im Gefecht keinen Rückhalt und durch das Fehlen von Unterständen auch keinerlei der sonst üblichen und notwendigen Annehmlichkeiten geboten. Letzteres hatte gleichermaßen für die Hauptwiderstandslinie gegolten, weshalb die Truppe auf die vordere Linie ausgewichen war und dort, im Gegensatz zur bewährten Tiefengliederung, deutungsgemäß „zu dicht“ gestanden hatte. Die Kompanien wiesen mit durchschnittlich 50 bis 55 Mann zudem sehr niedrige Gefechtsstärken auf, so daß rechnerisch auf je 20m der zu besetzenden Frontlinie gerade ein Soldat kam. Gravierend hatte sich außerdem bemerkbar gemacht, daß bei den ununterbrochenen Kämpfen der Division seit dem 27.Mai 1918 schwerste Verluste an „fähigen Führern“ eingetreten waren und lediglich numerisch schwacher und ausbildungstechnisch mangelhaft vorbereiteter Ersatz hatte eingereiht werden können. Diese ganz grundsätzlichen Einschätzungen, besonders die zuletzt genannte, äußerten die 28.2090 und die 42.ID2091 bis zum Angriffsbeginn ebenfalls deutlich. Die 28.ID machte über ihre an sich schon bemerkenswert eindeutige und unmißverständliche Mitteilung -„Die Division ist zu Angriff und Abwehr nicht mehr kampfkräftig“2092- hinaus klar, daß sich die Kampfkraft nicht allein aufgrund von Durchschnittsstärken bemessen ließ, sondern „in dieser Kriegslage“ maßgeblich auch vom „Führerverlust“ abhängig sei.

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Möglichkeiten zur Beseitigung der gravierenden quantitativen und qualitativen Defizite gab es auf deutscher Seite, zuletzt auch aufgrund der von der OHL vorgesehenen Marschrichtung des Heeres nach Flandern, nicht. Unter Beachtung der lokalen Situation gab es sie selbstredend auch deshalb nicht, weil der Feind den exponierten deutschen Verbänden durch stetige Aufrechterhaltung intensiver Kampfhandlungen keine Zeit für Regenerationspausen gewährte, dann, weil einfach kein Ersatz, weder an Rekruten, noch an unverbrauchten Kampfverbänden, mehr vorhanden war. Der Umgang mit diesen in einer Vielzahl von Berichten kommunizierten Tatsachen war grundverschieden. Hindenburg setzte seinen Erinnerungen zufolge einmal mehr auf „Vertrauen“2093, das den Truppen, die sich bisher „so glänzend geschlagen“ hätten, auch diesmal, Mitte Juli 1918, hätte entgegengebracht werden können, selbst wenn „die zwischen Soissons und Château-Thierry stehenden Truppen nicht alle frisch“ gewesen wären2094. Die Heeresgruppe und ihre Armeeführer, vor deren Augen sich spätestens seit dem 10.Juli untrügliche Anzeichen für Offensivvorbereitungen des Feindes auftaten, resignierten2095. Wie Fedor von Bock, ein späterer Feldmarschall des Zweiten Weltkrieges, der sich im Juli 1918 im Stab der Heeresgruppe Kronprinz befand, aussagte, lehnte die Heeresgruppe die von den Armeen geforderte Verstärkungen ab, „wahrscheinlich weil wir wußten, dass die O.H.L. keine hatte oder keine mehr herausgeben wollte oder konnte“2096. Die lokale Führung hatte inzwischen mit ihren schwachen Kräften Maximales zu leisten, um die Abwehr eines Angriffs, mit dem jeden Tag gerechnet werden konnte, vorzubereiten. Hinsichtlich der Hebung der Leistungsbereitschaft der Truppe im Vorfeld der „Schicksalswende“ sticht ein Korpsbefehl der Gruppe Watter vom 16.Juli 1918 ins Auge. Einleitend wurde auf die großen Erfolge der noch andauernden Schlacht bei Reims verwiesen, dann die daraus resultierenden Siegesaussichten direkt mit dem weiteren Durchhalten südwestlich Soissons verbunden2097. Man gab der Truppe also zu verstehen, daß die Führung ihr Martyrium, das „bisherige Aushalten ohne Ablösung“, anerkannte, verlangte gleichzeitig aber auch, in dieser Lage auf unbestimmte Zeit weiter zu verharren. Mehr noch, es wurde die Verantwortung für das Weitere, für die noch offengehaltene Option auf einen strategischen Sieg bei Reims und die jeweils spezifische Lage des eigenen Abschnitts, in die Hände der Divisionen, Regimenter, Bataillone, Kompanien, Züge und Gruppen gelegt, welche „trotz geringer Gefechtsstärken und eingetretener Verluste“ dazu aufgerufen waren, bis zum nächsten Tag Reserven auszuscheiden und diese „sicher in die Hand“, also materiell und mental einsatzfähig zu bekommen2098. Eine Aufgabe die nahezu unmöglich sein mußte, wie einer privaten Lageeinschätzung des Kommandeurs der 11.b.ID direkt vor der Schlacht zu entnehmen ist:

„Die Besetzung der ganzen Kampfzone macht einen furchtbar dünnen Eindruck. Die Komp. des Kampfbatls. u. natürlich auch der übrigen Batlne. haben nicht mehr als 20-25 Mann u. 15 Mann M.G. Besatzungen auf dem Kampffelde. Das ist schon geradezu erschreckend wenig. Zudem macht der Feind zwar nicht gerade bei uns, aber im linken Nachbarabschnitt [bei der 42.ID] doch ständig kleinere Angriffsversuche. Da er nun bei Reims doch starke Kräfte freibekommt, könnte es ihm sehr wohl einfallen, hier einen starken Angriff zu versuchen. Soissons hinter uns hat für ihn doch etwas Anziehendes. Zudem träfe er damit sehr empfindlich die Etappe der 7.Armee.“2099

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Angesichts der schwachen Kräfte stand für das eingeforderte Ausscheiden kampfstarker Reserven grundsätzlich genauso wenig Spielraum zur Verfügung, wie für die Umsetzung der Tiefengliederung nach Maßstäben, die für die Abwehr erwarteter Großangriffe seit Anfang 1917 gegolten hatten2100. Zwar standen hinter den bedrohten Abschnitten Verbände als Eingreiftruppen bereit, doch deren Zustand entsprach grundsätzlich demjenigen der nach früher geltenden Maßstäben durchweg als „verbraucht“ zu klassifizierenden Stellungsdivisionen2101. Damit fiel das entscheidende Element des zu praktizierenden Abwehrsystems, nämlich die Möglichkeit zu kräftigen Gegenangriffen mit kampfstarken Reserven, von vornherein so gut wie vollständig aus. Innerhalb der Gefechtstreifen der Infanterie-Regimenter wurden die Bataillone zwar nach dem bewährten Prinzip in Kampf-, Bereitschafts- und Ruhetruppen eingeteilt, doch fehlte es hier ebenfalls an numerischer Stärke und an ausgebauten Kampfstellungen, auf die sich die Vorfeldbesatzungen zurückziehen konnten, um aus ihnen heraus das Gefecht bis zum Eingreifen der Reserven zu führen. Als Alternative wurde notgedrungen auf eine „schachbrett-“ und „stützpunktartige“ Verteilung der Kräfte, wie sie ursprünglich für die Kampfzone zwischen Hauptkampflinie und Artillerieschutzstellung vorgesehen gewesen war, ausgewichen. Wie von der OHL Anfang Juli auch noch einmal angeordnet2102, wurde das Vorfeld dementsprechend in eine Patrouillenzone mit Feldwachen verwandelt, was den zu erwartenden, nutzlosen Verlust zu schwacher, der Hauptkampflinie vorgelagerter Besatzungen verhindern sollte, während die Kampf- und Bereitschaftsbataillone in der Hauptkampfzone dichter zusammenrückten, um dort für ein hohes Maß an Abwehrkraft zu sorgen2103. Wie das Beispiel der 115.ID, der linken Flügeldivision der Gruppe Watter, zeigt, fiel dieses „hohe Maß“ in personeller Hinsicht bescheiden aus und stützte sich vornehmlich auf die Feuerkraft der im Verhältnis zur Zahl der Soldaten sehr zahlreichen leichten und schweren Maschinengewehre. Beim IR 136 standen ein Offizier und 33 Mann mit sechs leichten Maschinengewehren im Vorfeld, vier Offiziere und 150 Mann mit neun leichten und 21 schweren Maschinengewehren in der Hauptwiderstandlinie und dahinter2104. Die Verteilung bei den beiden anderen Regimentern der Division, RIR 40 und IR 171, war vergleichbar, doch kamen sie mit insgesamt vier Offizieren und 262 Mann beziehungsweise zehn Offizieren und 265 Mann auf einen höheren Personalbestand2105.

Worauf bei der Organisation der Verteidigung augenscheinlich auch ohne eine besondere Anordnung der höheren Führung im Zusammenhang mit dem erwarteten Angriff vom 18.Juli geachtet wurde2106, waren Tankabwehrmaßnahmen, wie sie in der Aufstellung der 115.ID zu ihren Besatzungsstärken durch die Kennzeichnung von Maschinengewehren zur Tankbekämpfung angedeutet sind. Daß eine solche Kennzeichnung überhaupt vorgenommen wurde, läßt darauf schließen, daß nur diese schweren Maschinengewehre über bedeutendere Mengen an SmK-Munition verfügten. Dies ist um so wahrscheinlicher, als Hinweise auf eine signifikante Verknappung der kostenträchtigen Stahlkernpatronen bereits für Ende Mai 1918 vorliegen und ein entsprechend großer Verbrauch in den nahezu ununterbrochenen Kämpfen gegen Tanks und Schlachtflieger seit dem 21.März 1918 vorauszusetzen ist2107. An verschiedenen Punkten des unübersichtlichen und mit einigen markanten Geländeeinschnitten versehenen Gefechtsfeldes wurden zudem „Tankfallen“ -heute im Detail wohl nicht näher zu spezifizierender Bauart- angelegt, die den gepanzerten Feind am Passieren von Straßen und engeren Geländedurchfahrten hindern können sollten2108. Für die aktive Bekämpfung von Tanks schieden die Feldartillerieformationen außerdem „Tankgeschütze“ aus, die nach dem im Frühjahr 1917 mit den Nahkampfbatterien praktizierten Grundsatz2109 in der Nähe der Infanterie versteckt aufgestellt wurden2110. Andere Batterien, zu denen auch die bis zum Beginn der Schlacht aus dem Bereich Reims gerade zurückgekehrten Formationen gehörten, standen ferner als bewegliche Reserven zur Infanterie-Begleitung für Gegenangriffe der Eingreifdivisionen bereit2111. Für diese Teile ließ sich die Tankbekämpfung nicht als ausdrücklich genannte Aufgabe verifizieren, wenngleich dies, neben der allgemeinen, eher offensiv ausgerichteten Rolle und der Gewißheit, daß bei der erwarteten Offensive mit den mittlerweile üblichen Tankangriffen zu rechnen war2112, auch unausgesprochen vorausgesetzt werden kann. Es sollte sich schließlich herausstellen, daß das aus der Not2113, dem Munitionsmangel und dem Wunsch, sich durch das Vorziehen der Geschütze der Wirkung der Masse feindlicher Geschütze zu entziehen, geborene Abweichen von den im Stellungskrieg sonst üblichen Einsatzweisen und Primäraufgaben der Artillerie -nämlich eine besonders große Feuerdichte durch die Konzentration eines Maximums an Rohren und abgefeuerter Geschosse zu gewährleisten- eine besondere Bedeutung für die Tankabwehr und damit für den Verlauf der Kämpfe südwestlich Soissons insgesamt haben sollte. Mit neuen Erkenntnissen hatte diese Verfahrensweise wohlgemerkt nichts zu tun, sondern allein mit den Auswirkungen der fehlenden Schlag- und Feuerkraft der deutschen und einer berechtigterweise angenommenen Wirkung des Massenfeuers der vollmunitionierten und rohrstarken feindlichen Artillerie.

11.3 Die Kämpfe am 18.Juli 1918.

Die Kampfhandlungen südwestlich Soissons lassen sich grob, ohne Berücksichtigung von Besonderheiten an einigen Stellen, in drei Phasen einteilen. Die erste, der eigentliche Einbruch in die deutschen Stellungen, verlief geradezu spektakulär erfolgreich, während die beiden anderen, der letzte Stoß der ersten Angriffswellen samt der Phase des Heranziehens von Reserven, sowie die schließlich erfolgten Versuche zum letztendlichen Durchbrechen der provisorischen deutschen Verteidigungspositionen auf breiter Front, altbekannten Vorbildern mit entsprechenden Problemen und dem sich daraus ergebenden Ausgang glichen.

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Der Einbruch gelang den alliierten Truppen, die im Zentrum des Angriffs hinter der gewaltigen Feuerwalze „von nie gekannter Stärke und unübersehbarer Breite und Tiefe“2114 vorgingen, in großer Geschwindigkeit. Vielfach wurden die Besatzungen der deutschen Stützpunkte und Widerstandsnester von den feindlichen Schützenlinien einfach überrannt2115. Und dort, wo sich teilweise auch verbissener Widerstand zeigte2116, konnte er durch flankierende und umfassende Angriffe, die durch den raschen Ausfall benachbarter Feldwachen und Nester im deutschen Abwehrsystem bald nach Angriffsbeginn möglich geworden waren, ausgeschaltet werden2117.

Die obligatorischen Gegenstöße der deutschen Reserven bei den Stellungstruppen, ein Element des seit Anfang 1917 praktizierten Abwehrverfahrens, waren von der Schnelligkeit des feindlichen Vordringens maßgeblich betroffen. Wenn sie auch äußerst zeitnah zum Erkennen des feindlichen Angriffs angeordnet worden waren, kamen sie, falls überhaupt, doch zu spät, um ihren eigentlichen Gefechtsauftrag noch erfüllen zu können. Die Vorgänge beim IR 138, wie sie durch den Regimentskommandeur, Oberst Crämer, in der Truppengeschichte geschildert werden, sind für diese Phase der Schlacht symptomatisch2118:

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„‚Das Kampfbataillon (III./138) wurde um 5,45 Uhr vom Gegner in der Vorfeldlinie angegriffen. Um 5,55 Uhr brach der Feind in die Hauptwiderstandslinie der a Kompanie [2119] ein. Um 5,58 Uhr setzte hiergegen der B.T.K. (II./138), die 6. und 8.Komp. zum Gegenstoß an. Der Feind war rechts und links vom I.R. 138 durchgebrochen und hatte das III. und II./138 von den Flanken und von rückwärts gefaßt. Hauptm. v. Wenden erlitt den Tod, mit ihm viele tapfere Offiziere und Mannschaften. Hauptm. Kettler und sein Adjutant, Lt. Priebsch, fielen verwundet in Gefangenschaft. Priebsch hatte mit der Brigade [...] auf dem Pariser Kabel noch bis zum letzten Augenblick telefoniert. Plötzlich rief er in den Apparat: „Donnerwetter“. Er war verwundet und gefangen.’ (Oberst Crämer.) Seitdem fehlten jegliche Nachrichten vom Kampf- und Bereitschaftsbatl.“2120

Die französischen Tanks unterstützten die stürmende Infanterie nach Kräften, wobei die Ausnutzung der zahlreichen Lücken und das Abschneiden der nach rückwärts ausweichenden deutschen Infanterie effizient praktiziert wurde2121. Wie ein Unteroffizier des IR 17 über das „Absetzen“ -und ein solches war es augenscheinlich sehr viel mehr als ein befehlgemäßes „Ausweichen“- seiner Teileinheit beispielhaft berichtete, waren die Tanks „schneller als wir und sperrten uns den Rückweg in einem großen Halbkreis“2122. Daß dies trotz der vorgezogenen Tankgeschütze, der Maschinengewehre mit oder ohne SmK-Munition, der Vielzahl Minenwerfer und bei der insgesamt nicht unerheblich großen Rohrzahl der deutschen Artillerie ohne größere Schwierigkeiten möglich gewesen zu sein scheint, ergab sich aus mehreren Faktoren, die insgesamt ein Konglomerat aus den Gegebenheiten bei den vorausgegangenen Kämpfen darstellen. Durch den intensiven Artilleriebeschuß waren Fernmeldeverbindungen gekappt worden, was die Übermittlung von Lage- und Zielmitteilungen erheblich einschränkte und verzögerte. Zusätzlich begrenzte natürlicher und künstlicher Nebel die Sicht auf nur wenige Meter Kampfentfernung, und das aufgrund vorheriger Zuweisung von Feuerstreifen sowie nach dem Ausfall vorgeschobener Beobachter zwangsweise „nach Karte“ abgegebene deutsche Sperrfeuer wurde vom Feind unterlaufen. Die Munitionsbestände schwanden binnen kurzer Zeit, so daß sich die Verteidiger schließlich mit dem nahezu zeitgleichen und ungebrochenen Angriff von Tanks und Infanteriemassen auf kürzeste Distanz konfrontiert sahen2123:

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„About 7:00 a.m. the 1st Division reached Missy-aux-Bois and the far edge of Missy Ravine, which extends to the right from that village. By that time the resistance had greatly stiffened, and Missy-aux-Bois and the ravine itself were full of enemy troops. The assaulting units at once pushed into the ravine in the face of point-blank fire from many batteries of German artillery located therein. These guns, whose removal had been prevented by the rapidity of the American advance, destroyed a majority of the tanks which accompanied the brigade of the 1st Division on that flank. However, after a terrific struggle the Germans in the ravine were killed or taken prisoner, and the guns emplaced in it were captured.”2124

Zahlreiche Geschützbedienungen gerieten beim Kampf um die deutsche Stellungsartillerie am Morgen des 18.Juli in Gefangenschaft oder setzten sich nach dem Unbrauchbarmachen ihrer Geschütze nach hinten ab2125. Einige leisteten vehementen Widerstand, der, wie es die Truppengeschichte des FAR 15 pathetisch nannte, im „ruhmvollen Untergang“2126 ihrer, später dann vieler Batterien und letztendlich ganzer Regimenter endete. So verursachte beispielsweise die 4./FAR 15 zwar zwei der insgesamt zehn durch das Regiment reklamierten Tankabschüsse des Tages und wirkte auf kürzeste Distanz gegen die angreifende französische Infanterie, verlor aber schließlich sämtliche Geschütze im Nahkampf und bestand am Ende des Tages noch aus einem Unteroffizier und sieben Mann2127. Den anderen Batterien dieses Regiments erging es, der obigen Aussage entsprechend, grundsätzlich ebenso2128, wobei hier wie andernorts auffällig ist, daß vornehmlich die Infanteriebekämpfung und der Verlust der Geschütze durch feindliche Infanterie genannt wurde, während Tanks in der Regel als bekämpfenswerte Augenblicksziele beschrieben werden konnten. Der Grund für diesen Umstand ist darin zu sehen, daß der Großteil der Tanks befehlsgemäß hinter den Sturmtruppen der Infanterie vorgefahren und mit dem Eliminieren von deutschen Widerstandsnestern sowie dem Vorgehen an sich beschäftigt war, bis er schließlich gegen die Artilleriestellungen und darüber hinaus vorstieß2129.

Hierzu, und damit zum Beginn der zweiten Phase der Schlacht, kam es ab etwa 9 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt versuchten die kläglichen Reste der deutschen Stellungsbesatzungen, oft schon im Zusammenwirken mit mittlerweile herangekommenen Eingreiftruppen, eine neue Verteidigungslinie aufzubauen und den Stoß ins Zentrum des Frontbogens aufzufangen2130. In Anbetracht der geringen Kräfte, über welche die deutschen Verteidiger bei den bis etwa zum Mittag vorgetragenen Angriffen verfügten, verliefen die Kampfhandlungen insgesamt, und trotz des Zwangs zum Zurücknehmen der nur euphemistisch als „Frontlinie“ zu bezeichnenden, schwachen Verteidigungspositionen, für sie noch erstaunlich günstig. Maßgeblich die Kombination von Maschinengewehrfeuer, welches die feindliche Infanterie niederhielt2131, und Feuerkraft der auf kurze Entfernungen wirkenden, oft offen aufgestellten oder aus den Deckungen hervorgezogenen Geschütze bewirkte, daß der Angreifer keine wesentlichen Fortschritte machen konnte und vermehrt Verluste zu erleiden hatte. Im direkten Duell zwischen den französischen Tanks aller Typen und der deutschen Feldartillerie zeigten sich die Geschütze und ihre Bedienungen überlegen, wie zahlreiche Schilderungen zur Tankbekämpfung in diversen Truppengeschichten der beteiligten deutschen Einheiten verdeutlichen2132 - und es sich letztlich auch im Ergebnis der Kämpfe am 18.Juli niederschlagen sollte. Aus dem Repertoire dieser Gefechtsschilderungen, die, wie so oft in der im letzten Kern grundsätzlich homogenen Schriftengattung der Truppengeschichten, für einen heutigen Leser befremdlich, andernfalls aber vor allem heroisierend und pathetisch klingen, soll an dieser Stelle ein Zitat genügen. Es illustriert, fast nebenbei, aber nicht von ungefähr, die Gleichartigkeit und Austauschbarkeit von Erfahrung in der Tankabwehr-Praxis der bisher dargestellten Schlachten und Gefechte. Über die Kämpfe beim IR 17 auf dem Höhenplateau bei Chaudun, auf das der Hauptangriff des XX.CA der französischen 10.Armee direkt zielte und das seit 9.20 Uhr ohne Unterstützung durch Eingreiftruppen direkt angegangen wurde, berichtete der Regimentsadjutant, Oberleutnant Senft in der Truppengeschichte:

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„Südlich der Pariser Straße erschienen etwa 12 Tanks. In Reihe zu einem kamen sie an der Straße entlang auf uns zu, Entfernung etwa 400 bis 500m. Hier konnte nur eins helfen: Artillerie. Es gelang mir auch sehr schnell, Lt. Hoffmann, Feldartl. 15 [FAR 15], zu finden. Seine Batterie stand etwas rückwärts unserer Stellung in einer Mulde. Die Kanoniere schleppten auf seinen Befehl ein Geschütz vor und bald sauste die erste Granate aus dem Rohr. Eine Stichflamme schoß aus dem ersten Tank auf. Der war erledigt. Der zweite, der dritte, vierte folgte. Ich vermag nicht anzugeben, wieviel Tanks, ob die Hälfte oder gar noch mehr, so umgelegt wurden. Jedenfalls verschwand der Rest sehr schnell.“2133

Mit dem Abklingen der Durchbruchsversuche um die Mittagszeit des 18.Juli herum trat vielerorts eine Kampfpause ein, die, je nach den lokalen Gegebenheiten, bis zum Nachmittag oder gar Abend anhielt. Diese Atempause mußte den Deutschen sehr gelegen sein, um sich Klarheit über die Lage und den Frontverlauf zu machen, um zusammengeschmolzene Munitionsbestände, zum Teil durch improvisierte LKW-Kolonnen vom weit entfernten Laon aus, zu ergänzen und die Befehlsverhältnisse in einer gezwungenermaßen aus verschiedensten Formationen gebildeten Defensivlinie zu regeln2134. Zumindest von der Gruppe Watter wurde in dieser Lage auch die Rückverlegung von Kolonnen und Trains aus dem Frontbogen heraus nach Norden, an die Aisne, befohlen2135, was (noch) nicht autorisierten Maßnahmen zur Aufgabe des Frontbogens gleichkommen mußte. Auf alliierter Seite war ein Zustand eingetreten, der, wohlwollend ausgedrückt, als vorsichtig-umsichtiges Nachrücken zur Sicherstellung des bis Mittag Erreichten zu umschreiben ist2136. Dahinter, überaus signifikant durch die mehr oder weniger ausgedehnte Kampfpause dokumentiert, verbargen sich grundsätzlich altbekannte Probleme, die schon mehrfach zuvor die Erweiterung eines gelungenen Einbruchs zum Durchbruch verwehrt hatten. Die erste Welle der Angriffstruppen hatte sich verbraucht, war durcheinandergeraten, war verschieden weit und in Teilen bis an den Rand des durch die eigene Artillerie zu deckenden Geländes vorgestoßen. Durch die Vorverlagerung der Frontlinie war die Weitenwirkung der als unverzichtbar aufgefaßten Artillerie2137 so weit reduziert, daß die effektive Unterstützung der eigenen Stoßverbände fraglich sein mußte. Zur Erneuerung des Angriffs mußten Verbände neugruppiert, Reserven herangeführt und die eigene Artillerie vorgezogen werden2138. Dies nahm nicht nur einige Zeit in Anspruch, sondern war zudem mit erheblichen organisatorischen Schwierigkeiten behaftet, die auch den Briten bei Cambrai begegnet waren und damals wichtige, wenn nicht entscheidende Stunden Tageslicht des „kurzen“ 20.November 1917 gekostet hatten2139. Massiv und parallel zu den britischen Erfahrungen bekam das hinter der französischen 10.Armee bereitgestellte Kavalleriekorps diese Schwierigkeiten zu spüren, als es versuchte, sich gemäß Befehlen Mangins vom Morgen des 18.Juli hinter der neugeschaffenen Frontlinie zum Durchbruch auf Fére en Tardennois zu versammeln. Die Vormarschwege der drei Kavallerie-Divisionen waren durch Truppen und Kolonnen verstopft und das Gelände für den Marsch großer Kavallerieverbände und ihren Einsatz vom von Feind eingesehenen Höhenplateau von Chaudun aus grundsätzlich wenig geeignet. Die Zeit verstrich, und am Abend schoben sich nur einige abgesessenen agierende Teile in die Infanterielinie ein2140. Weitere Reserven, namentlich die Bataillone FT-17 der 10.Armee, waren gleichfalls am Morgen freigegeben worden, allerdings unter der bedeutenden Prämisse, daß sie erst dann aktiv in die Kampfhandlungen eingreifen sollten, wenn die Angriffskraft der Kampfwagen der ersten Angriffswelle erschöpft sei2141. Nur Teile der leichten Tankbataillone nahmen am Abend an den letzten Vorstößen des Tages teil, die seit dem späten Nachmittag die dritte und die den Tag abschließende Phase des Gefechtsverlaufs am 18.Juli einläuteten.

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Diese dritte Phase, deren Eröffnung den Franzosen und Amerikanern im Unterschied zu den britischen Verbündeten bei Cambrai wohl nur wegen der Länge des Sommertages überhaupt möglich war, bestand aus dem Versuch, die hinter dem Angriff zurückgebliebenen Teile des rechten Flügels der 10.Armee zusammen mit den dadurch bis dahin im Vorwärtskommen gehemmt gebliebenen Korps der 6.Armee voran zu bringen und mit allen verfügbaren Teilen den Durchbruchsversuch nach Osten zu erneuern2142. Durch heftige Angriffe und in örtlich auch sehr wechselhaft2143 verlaufenden Kämpfen bis zur Dunkelheit erzwangen die Alliierten vielerorts eine weitere Rücknahme der deutschen Stellungen und brachten den Verteidigern wiederum Verluste bei2144. Zum Durchbruch durch die deutschen Verteidigungspositionen kam es aber nicht.

Die Eindringtiefe des französisch-amerikanischen Angriffs vom 18.Juli 1918 betrug im Zentrum der 10.Armee, beim XX.CA, ungefähr 6,5km, während sie in Richtung auf den Südbereich dieser Armee zunehmend und bei der 6.Armee dann schließlich deutlich geringer ausfiel2145. Die personellen und materiellen Verluste der Kontrahenten sind für diesen speziellen Tag nicht explizit verbürgt. Einige Angaben legen aber nahe, daß auf seiten der Alliierten die amerikanische Infanterie besonders zu leiden gehabt hatte2146. Ebenfalls bedeutend waren die Ausfälle der artillerie d’assaut bei der 10.Armee, für die Zahlen vorliegen. Dort waren diesen Angaben zufolge 223 Fahrzeuge zum Einsatz gekommen, von denen insgesamt2147 102 (46%) ausfielen, davon 62 (28% der Gesamtzahl) durch die Wirkung der deutsche Artillerie. Der Personalverlust betrug 25%2148. Die Ausfälle der artillerie d’assaut bei der 6.Armee betrugen nach einer in Ermangelung französischer Angaben auf deutschen Meldungen basierenden Zusammenstellung lediglich 15 (17%) von 87 eingesetzten Fahrzeugen2149. Diese im Vergleich zur 10.Armee signifikant geringeren Verluste sind damit zu begründen, daß es die Unübersichtlichkeit des Geländes sicherlich nicht immer gestattete, Tanks zu bekämpfen und es andererseits auch wieder gelang, Vorstöße frühzeitig zu begrenzen und vorrollende Tanks durch Feuer von der Fortsetzung ihrer Angriffe abzuhalten2150.

Die Verluste der Verteidiger bei den Kämpfen waren äußerst schwer und kulminierten in der Auffassung der 9.Armee vom Morgen des 19.Juli darin, daß südlich der Aisne „nennenswerte kampffähige Teile, soweit bekannt, nicht mehr vorhanden“ waren2151. Angaben über die Stärken und Verluste einzelner Einheiten unterstreichen diese insgesamt in der Vernichtung der Stellungstruppen zusammenzufassende, dramatische Momentaufnahme. So hatte etwa das b.IR 22 am 20.Juli, nach dem Verlust von drei Offizieren und 967 Unteroffizieren und Mannschaften noch eine Gefechtsstärke von sechs Offizieren und 63 Mann2152- eine Größenordnung, die auch andernorts nachzuweisen ist2153. Überaus bezeichnend für den Gefechtsverlauf ist, daß am ersten Tag der Schlacht schätzungsweise 12.000 deutsche Soldaten in Gefangenschaft gerieten und rund 250 Geschütze, die angesichts der Rolle, welche die Artillerie gespielt hatte und weiterhin spielen sollte, einen schwerwiegenden Verlust darstellten2154, von Franzosen und Amerikanern erbeutet werden konnten2155.

11.4 Die weiteren Kämpfe bis zum Abschluß der Schlacht, Anfang August 1918.

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Die an den 18.Juli anschließenden Kämpfe, welche am frühen Morgen des nächsten Tages durch kombinierte Tank- und Infanterie-Angriffe nach massiver Artillerievorbereitung eingeleitet wurden, standen unter denselben Vorzeichen, welche Durchbruchs- beziehungsweise Abwehrschlachten im Stellungskrieg bisher zugrunde gelegen hatten. Ohne irgend ein Überraschungsmoment, aber unter Einsatz vorhandener und herbeigeholter Reserven, bemühte sich die französische Führung, den Frontbogen abzuschnüren. Die deutschen Verteidiger setzten diesem Bemühen ihrerseits Verstärkungen entgegen, denen als Aufgabe schließlich aber nur noch zufallen konnte, Zeit für die geordnete Zurücknahme der deutschen Linien auf eine Sehnenstellung nördlich Soissons und Reims, an der Aisne und Vesle, zu gewinnen2156. Bis zum Morgen des 3.August wurde der Frontbogen geräumt. Die deutschen Streitkräfte hatten schätzungsweise 110.000 Mann verloren, darunter die für die bisherigen Kampfhandlungen an der Westfront beachtlich hohe Zahl von mehr als 25.000 Gefangenen2157. An Beute fielen den die Alliierten nach französischen Angaben 612 Geschütze, 211 Minenwerfer und 3.300 Maschinengewehre in die Hände2158. Etwa 95.000 Franzosen, 20.000 Briten, die nach dem 18.Juli als Reserven in die Schlacht geworfen worden waren, 10.000 Italiener und 35.000 Amerikaner betrugen die alliierten Verluste im Kampf um den „Marnebogen“. Mit rund 160.000 Mann fielen die alliierten Verluste beim Kampf um den „Marnebogen“ also deutlich höher aus als die ihrer deutschen Gegenspieler. Dieser Umstand mag, nebenbei angemerkt, seinen Teil dazu beigetragen haben, den in dieser Hinsicht wesentlich eindeutigeren 8.August 1918, den „schwarzen Tag des deutschen Heeres“, in seiner Bedeutung besonders hervorzuheben2159.

Die Schilderungen über den Verlauf der Kampfhandlungen in den vom Verfasser eingesehen Truppengeschichten gleichen sich im Kern signifikant, so daß an dieser Stelle die Darstellung des IR 138 zum 19.Juli 1918 beispielhaft zitiert sei:

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„Von 5 Uhr ab lag stärkstes Artilleriefeuer auf der vorderen Linie und dem Hintergelände. Um 6,40 Uhr begann der Infanterieangriff in dichten Kolonnen, unterstützt durch zahlreiche Tanks, aus Chaudun heraus. Der Angriff wurde unter starken Feindverlusten abgeschlagen. Um 7,20 Uhr drangen 3 Tanks in den Südwestzipfel der Chazelle Schlucht ein und nahmen die vordere Linie von rückwärts unter Feuer. Sie wurden durch M.G.-Feuer zur Umkehr gezwungen. Gegen 8,30 Uhr erfolgten dreimal hintereinander Tankangriffe. [... .] Gleichzeitig setzten wiederholt feindliche Infanterieangriffe aus Chaudun ein, sie wurden abgeschlagen. Ab 12 Uhr lag die vordere Linie und das Hintergelände erneut unter starkem feindlichen Artilleriefeuer. Um 12,50 Uhr wurde auf Befehl der 65.Brigade die Rückverlegung des linken Flügels auf den Ostrand der Schlucht angeordnet. Die Bewegung war um 16,20 Uhr durchgeführt. [... .] Um 19,45 Uhr griff der Gegner nach kurzer, aber heftiger Artillerievorbereitung an der ganzen Front in dichten Kolonnen, von zahlreichen Tanks begleitet, an. [... .] Die eigene Linie wurde daraufhin in eine Aufnahmestellung zurückgenommen [...]. Der Gegner hatte an diesem Tage in Richtung Soissons nur wenig Gelände gewonnen. In der Mitte der Einbruchsfront, 15km südlich von Soissons, hatte sogar ein kräftiger Gegenangriff der 20.I.D.[eine herangeführte OHL-Reserve] den Gegner ein großes Stück zurückgeworfen.“2160

Im Sinne der Kernaussagen dieser eher „nüchternen“, wenn nicht gar sehr verharmlosenden, zugleich für Truppengeschichten als Schriftengattung auch überaus charakteristischen Beschreibung einer klaren Niederlage2161 ist der Auffassung Guderians, daß die dem 18.Juli 1918 folgenden Angriffe „nichts grundsätzlich Neues“ boten2162, zuzustimmen. Beachtenswert ist dabei allerdings, und Guderian selbst führte die folgenden Zahlen im Zusammenhang mit seiner Ansicht nach trotz der Erfahrungen bei Cambrai noch immer fehlenden Abwehrwaffen und mangelnden Ausrichtung der Kampfweise der Infanterie und Artillerie auf die Tankabwehr an2163, wie sehr sich die artillerie d’assaut bei ihren Einsätzen verschliß: Die französische 10.Armee führte am 19.Juli nur 105 von 241 (zumindest rechnerisch2164) noch vorhandenen Tanks ins Gefecht. Am 20. waren es lediglich 32, am Folgetag wieder 100 und am 23.Juli 82. Bis zu diesem Tag waren seinen Angaben zufolge 241 (70%) Fahrzeuge dieser Armee durch verschiedenste Ursachen ausgefallen, davon 112 (33%) explizit durch Wirkung der deutschen Artillerie2165. Am Abend des 23.Juli wurden die bei der 10.Armee vorhandenen Teile der artillerie d’assaut aus dem Kämpfen gezogen, „having practically fought to the last machine and the last man“, wie Fuller später anerkennend feststellte2166.

11.5 Tanks und Tankabwehr in der Abwehrschlacht zwischen Soissons und Reims: Bewertungen und Reaktionen.

In der Bewertung der Schlacht gibt es offenbar bis zur Gegenwart einen Aspekt, der als unumstritten gelten kann. Und dieser ist die strategische Tragweite des Scheiterns der letzten deutschen Offensive vom 15. und des alliierten Gegenangriffs vom 18.Juli 19182167. Die mit der Beseitigung des Frontbogens einhergehende Wiedergewinnung umfangreichen französischen Territoriums war ein genauso wertvolles Ergebnis wie die dauerhafte Absicherung von Paris, das nun nicht mehr akut bedroht war und dessen „Rettung“ dazu Anlaß bot, die Kämpfe offiziell unter dem Titel einer zweiten Schlacht an der Marne zusammenzufassen2168. Beides war zumindest für die spätere Bewertung der Schlacht aber an sich noch nicht entscheidend. Auch aus der Gegnerperspektive eines Ludendorff gesehen war es dies nicht, da die alliierten Verluste immens waren und das Pétain von Foch am 19.Juli befohlene Operationsziel, die „Vernichtung der feindlichen Kräfte südlich der Aisne und Vesle“2169, praktisch nicht erreicht wurde, weil es den Deutschen möglich war, sich auf Positionen an den beiden Flüssen abzusetzen. Die Auswirkungen des Gegenangriffs bestanden auf Seite der Deutschen maßgeblich in den erlittenen Verlusten, welche die Auflösung von zehn Infanterie-Divisionen2170 und die Herabsetzung der nominellen Bataillonsstärken an der Westfront von 850 auf 700 Mann2171 direkt nach sich zog, sowie darin, daß sie ihre für die Flandernoffensive bestimmten Truppen- und Materialreserven zum Stützen der angeschlagenen Linien einsetzen mußten. Selbst wenn diese prekäre Lage nach einiger Zeit der Konsolidierung der Westfront durch die Bildung neuer Offensivkräfte hätte überwunden werden können, so ging vom 18.Juli auf alliierter Seite, namentlich in den Augen ihres Generalissimus’ Foch, der Impuls aus, genau dies zu verhindern und zur kriegentscheidenden Generaloffensive zu schreiten:

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„Vier Monate lang hatte uns die Überlegenheit des Feindes zur Verteidigung gezwungen, jetzt hatte ein siegreicher Gegenangriff die Initiative der Operationen wieder in unsere Hände gelegt. Wir konnten nun die Ereignisse dieses langen und großen Krieges bestimmen. Nun kam alles darauf an, dem Feind das Gesetz des Handelns auch weiterhin vorzuschreiben, den Gang der Ereignisse zu entwickeln und zu beschleunigen und alle unsere Kraft auf eine streng geordnete Kette von Angriffen zu richten. Alle Kampfmittel der Verbündeten mußten so rasch wie möglich herangezogen werden, um dem Feinde die Wiederherstellung seiner Kampfkraft unmöglich zu machen- bis zu seiner endgültigen Vernichtung.“2172

Dieser Auffassung des Geschehens als militärischem Wendepunkt des Krieges folgte angesichts der sich an die Schlacht anschließenden und bis Kriegsende nahezu ununterbrochenen Angriffe der Alliierten ein großer Teil der späteren Betrachter- wobei angemerkt sein darf, daß damit sicherlich einem sehr allgemein verbreiteten und zeitlosen Wunsch nach einem symbolträchtigen Moment und einem einzelnen, feststehenden Datum eher nachgekommen wurde, als daß der 18.Juli tatsächlich und für sich alleinstehend die Kriegswende bedeutete. Eine solche fand an diesem Tag in der unübersehbaren operativen Ohnmacht der Deutschen gegenüber einem erstarkten und aggressiven Gegner zwar ihren dramatischen Ausdruck, sie hatte sich aber schon zuvor sehr deutlich angekündigt und scheint, zumindest aus heutiger Perspektive, spätestens seit April 1918, dem unersetzlichen Verbrauch deutscher Kräfte und den mangelhaften Ergebnissen der verlustreichen deutschen Offensiven unausweichlich gewesen zu sein. Zudem darf nicht vergessen werden, daß Pläne zur Aufnahme offensiver Kampfhandlungen auf französischer und britischer Seite vor oder wenigstens parallel zu den Ereignissen seit dem 15.Juli gefaßt worden waren2173.

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Anders als bei der insgesamt übereinstimmenden Bewertung der strategischen Bedeutung der Schlacht in der Geschichtsschreibung verhält es sich mit Antworten auf die Frage nach den Gründen für den französisch-amerikanischen Erfolg am 18.Juli 1918. Ursächlich dafür verantwortlich sind sehr wahrscheinlich die in ihren Darstellungen und Urteilen zum Teil deutlich voneinander abweichenden Auffassungen damaliger Protagonisten, welche grundsätzliche Erklärungslinien zumindest vorgaben. Eine davon lieferte Foch, der das Bild eines großen, überlegenen Ganzen auf alliierter Seite lieferte, das ausreichte, den Feind zu schlagen und zur Offensive überzugehen. Eher zurückhaltend sprach er über den 18.Juli von einem durchgeführten „Gegenangriff“ und gönnte den Tanks, welche er anscheinend für einen zwar festen, aber in der Masse des Heeres und bei „strategischer“ Betrachtung der Lage nicht besonders hervorhebenswerten Bestandteil seiner Streitmacht hielt, in seinen diesbezüglichen Erinnerungen nur wenige Worte2174. In der neueren Historiographie wird diese Richtung der Darstellung nicht selten geteilt, wobei darüber hinaus mehr oder weniger klar zu erkennen ist, daß einer allgemeinen, alliierten Überlegenheit an Menschen und Material die grundsätzliche Schwäche der deutschen Verteidigung an die Seite gestellt wird2175.

Ganz anders verhält es sich mit der Richtung, die bei zwei deutschen Protagonisten des Ersten Weltkrieges und ihrer literarischen Aufarbeitung zu finden ist. Für Ludendorff (1919) hatten die zahlreichen Tanks eine überaus gewichtige Rolle gespielt. Ihren unbestreitbaren Wert als überraschend eingesetzte Einbruchswaffe schmückte er mit der Lüge vom erstmaligen Einsatz des FT-172176, der Legende von hohen Getreidefeldern, in denen sich diese Wagen unentdeckt hatten bewegen können, der Mär von Infanterie-Transport-Tanks, die Maschinengewehre in den Rücken der Verteidiger gebracht hätten, und dem in seinen Kritiken obligatorischen Vorwurf des Versagens von Truppe und Führung vor Ort aus2177. Seine Darstellung führte dazu, daß er sich nach dem Krieg nicht nur einem kritisch-amüsierten Kommentar Mangins zur Realitätsnähe seiner Ausführungen gegenüber2178, sondern auch Unmutsäußerungen seiner eigenen Untergebenen ausgesetzt sah2179. Der andere Protagonist, Kuhl, lieferte in seinem Bericht für den Untersuchungsausschuß des Reichtages von 1927 eine noch deutlich monokausalere Begründung für das Desaster im westlichen „Marnebogen“, nämlich daß die Deutschen zumindest nach französischen Angaben vom Angriff überrascht worden waren und dies „nur der Verwendung von Tanks zu verdanken“ gewesen sei2180. Teile dieser beiden Sichtweisen, allen voran die Schlagworte Überraschung und Tankmassen, finden sich in zahlreichen historischen Betrachtungen des Geschehens wieder. Und man sieht sie dort, wegen der offensichtlichen und der vermeintlichen Parallelität zwischen dem eindrucksvollen Auftakt der Schlacht am 18.Juli und dem furiosen Beginn der Kämpfe bei Cambrai 1917 sowie dem noch folgenden 8.August 1918, zumindest in ideeller Weise als erfolgreiche Anwendung eines „Cambraier Schlüssels“ gedeutet, die den alliierten Gegenangriff zur zweiten Tankschlacht des Krieges deklariert2181.

Daß frappierende Ähnlichkeiten zwischen der dieser Sichtweise zufolge ersten und der zweiten Tankschlacht bestehen, steht außer Frage und kann mit den Worten des Deutschen Kronprinzen zum 18.Juli illustriert werden:

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„Ohne Artillerievorbereitung, lediglich der schlagartig einsetzenden Feuerwalze folgend, unterstützt von zahlreichen tieffliegenden Fliegern und von bisher ungekannten Tankmassen, trat die feindliche Infanterie [...] zum Sturm an.“2182

Unter die Ähnlichkeiten fällt aber, neben den hier beschriebenen Anzeichen für eine Methode und deren maßgeblich auf massenhaften Tankeinsatz zurückzuführenden Anfangserfolg, auch die Schwäche der deutschen Verteidiger, eine weiter unten noch zu untersuchende Überraschung und ein Verlauf der Kämpfe, der die Angreifer ihre Operationsziele trotz technischer, materieller und numerischer Übermacht nicht erreichen ließ. Und interessant dabei ist, daß es in der neueren Geschichtsschreibung und auch im Gegensatz zur Aufarbeitung des Geschehens bei Cambrai kaum Erklärungen dafür gibt, warum der überraschende Tank-Massenangriff am 18.Juli 1918 keinen durchschlagenden Erfolg nach sich zog. In einer der jüngsten Darstellungen, der von Stevenson (20032183), wird von den schwachen deutschen Stellungen und anfangs geringem Widerstand der Verteidiger gesprochen, was den Amerikanern einen Einbruch von 8km Tiefe ermöglicht habe. „Schließlich, als die Tanks zusammengeschossen waren und Maschinengewehrfeuer die Truppen Mangins aufhielt“, so Stevenson2184, kippte die Lage zuungunsten der Alliierten. Daß hier und auch anderswo mit keinem Wort darauf eingegangen wurde, was und wer und auf welcher Grundlage die Stoßkraft der Tanks –und zumindest die deutschen Übersetzer Stevensons sprechen in seinem Namen von 300 „leichten Renaulds“, welche über offene Getreidefelder vorgingen2185- gebrochen hatte, ist hinsichtlich der allgemein in Abrede gestellten deutschen Tankabwehr schon beachtlich. Schließlich lassen sich Darstellungen zum Brennpunkt des Geschehens am ersten Tag der Schlacht auffinden, die, wie die oben zitierten Aussagen über den Stoß der amerikanischen 1.Division auf Missy aux Bois2186 oder der Gefechtsbericht des b.IR 3, ein gänzlich anderes Bild ergeben und die Stoßkraft der Infanteriemassen in den Vordergrund rückten:

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„Der Feind hatte äußerst schwere Verluste. Die M.G. feuerten bereits bei kochendem Wasser, trotzdem war der Gegner nicht zum stehen zu bringen, so daß ich [Hauptmann Eidam, Regimentsführer des b.IR 3] glaubte der Feind müsse trunken sein und seine schweren Verluste gar nicht wahrnehmen. Jedes M.G. hatte schon 3 Gurte verschossen und immer noch blieb der Feind im Vorgehen.“2187

In beiden Beispielen –und im Fall des b.IR 3 fiel dem Regimentsführer dies nicht einmal auf2188- wurde die angreifende Infanterie durch zahlreiche Tanks begleitet. Doch diese Unterstützung konnte ausfallen und fiel eben zuweilen auch aus. Am Einbruch in die deutschen Linien und am weiteren Fortkommen des Angriffs, jedenfalls in der frühen Phase der Schlacht, änderte dies nichts. Die erdrückende Übermacht der vorgehenden Sturmwellen, die einen Augenzeugen, Ritter von Thoma, „lebhaft an die Russenmengen bei der Brussilow-Offensive 16“ erinnerten2189, konnte sich in die im dünnhäutigen deutschen Abwehrsystem entstandenen Lücken werfen und Widerstand durch Angriffe in Flanken und Rücken brechen. Hierbei war direkte Tankunterstützung sehr hilfreich, aber eben nicht ausschlaggebend, oder überhaupt, wie die Advanced Guard Tanks bei Cambrai2190, dafür vorgesehen, der Infanterie im Vorausrollen freie Bahn zu schaffen.

11.5.1 Alliierte Perspektiven und Reaktionen.

↓246

Daß ein Ergebnis strategischer Reichweite als Konsequenz aus der Schlacht um den „Marnebogen“ festzuhalten ist, mag in den Teilen auf den ersten Blick verwundern, welche den Verlauf und die augenscheinlichen Ergebnisse der Kampfhandlungen betreffen. Schließlich waren die Deutschen nicht in der „Tasche“ gefangen worden und ihre Material und Personalverluste, trotz der relativen Größe, kaum dazu angetan, von einem letalen Schlag gegen das deutsche Heer an der Westfront sprechen zu können. Anders als die unübersehbare und durch amtliche Kommuniques und Zeitungsartikel dokumentierte, moralische Wirkung auf alliierter Seite2191, war diejenige, die von Foch beim Gegner attestiert wurde2192, zudem alles andere als eine kalkulierbare Größe. Ein namhafter späterer Betrachter, Liddell Hart, konstatierte daher, daß die Schlacht keinen klar ersichtlichen, materiellen oder moralischen Entscheidungscharakter gehabt habe2193. Ein anderer Kritiker der Kampfhandlungen, Guderian, der sich mit den taktischen Gegebenheiten im „Marnebogen“ unter besonderer Berücksichtigung des Gebrauchs der chars d’assaut annahm2194, führte erhebliche und grundsätzliche Mängel der französischen Angriffsplanung an. Diese spiegeln nicht nur die bisherigen Erfahrungen mit dem Einsatz von Tanks generell sowie von Tankmassen speziell wider, sondern erweisen sich für den Angriff am 18.Juli 1918 auch als überaus angebracht. Immerhin handelte es sich um einen Angriff, der gemäß freimütiger Interpretation auf einem „Cambraier Schlüssel“, zumindest aber auf den jüngsten Erfahrungen eines maßgeblich auf Tanks und kombiniertem Einsatz der Waffengattungen basierte2195 und daher qualitativ ein neues Kapitel der Evolutionsgeschichte des Tanks und seiner Einsatzmöglichkeiten hätte aufschlagen können.

Davon weit entfernt, bildete bei Guderian die Erkenntnis den Kulminationspunkt der Analyse, daß es mit der auf langsames Nachrücken der schwerfälligen Artillerie, zu weit abseits stehender und beschußempfindlicher Kavallerie sowie der Verbindung von Tanks mit der wenig mobilen Infanterie nicht möglich sein konnte, aus einem schnell erreichbaren Einbruch einen Durchbruch zu machen2196. Dieser Erkenntnis, die in der Nachkriegszeit die Grundlage für den Aufbau einer operativen Panzerstreitmacht mit motorisierten und gepanzerten Teilen verschiedenster Waffengattungen bildete, ist als Synthese der Erfahrungen des Weltkrieges grundsätzlich beizupflichten. Auf seiten der von bittersten Erfahrungen wie der Nivelle-Offensive 1917 geprägten französischen Führung unter Pétain und Foch stand im Juli 1918 jedoch der klassische Durchbruch nicht im Mittelpunkt der Operationsplanungen, sondern die Hoffnung auf die Ermattung des Gegners. Letztere basierte einmal auf der durch vehementen Widerstand zu erreichenden Abnutzung der angreifenden feindlichen Truppen, dann auf der Schonung eigener Divisionen zugunsten eines möglichst umfangreichen Einsatzes technischer Hilfswaffen und schließlich auf den durch bedachten Umgang mit der Infanterie unter maximalem Materialeinsatz vorgetragenen Angriffen nach dem Vorbild von Malmaison im Oktober 19172197. Wie damals, als unter Einbeziehung von Tanks in die Kämpfe erstmalig der begrenzte Stoß gegen den Feind mit Option auf seine Erweiterung bei günstigem Verlauf durchexerziert worden war, stellte der Plan für den Angriff südwestlich Soissons, wie Hart richtigerweise festhielt2198, an sich kein strategisches Meisterstück dar. Die Kampfkraft der französischen Divisionen war durch die hohen Verluste und die Anstrengungen der seit März 1918 andauernden Kämpfe herabgesetzt2199, und die Lageentwicklung hatte es unmöglich gemacht, die über die Massenfertigung des neuen, leichten Tanks hinausgehenden Lehren für die artillerie d’assaut umzusetzen. So blieb es bei einem Versuch, mit den insgesamt durchaus begrenzten Mitteln einen psychologisch wie operativ maximalen Erfolg zu erringen. Dies gelang auf Grundlage der „Directive No 5“, welche insgesamt auf Überraschung des Gegners abzielte, die Masse der chars d’assauts grundsätzlich zu Unterstützungswaffen der Infanterie machte2200, auf die Wirkung massiven Artillerie- und Fliegereinsatzes setzte und die Ausnutzung eines erzielten Einbruches in die feindlichen Linien von sehr vage skizziertem, vorausschauendem und methodischem Agieren abhängig sehen wollte2201. Sie war jedenfalls insofern erfolgreich, als daß durch den Verlauf der Schlacht herausgestellt wurde, daß dem operativ auffällig kraftlosen Gegner auf diese Weise sehr schwere Schläge beizubringen waren.

Ein Datum, das auf Basis dieser Feststellungen einen Wendepunkt des Krieges wohl noch treffender bezeichnet als der 18. Juli, ist der mit den Erkenntnissen dieses Tages engstens verbundene 24.Juli 1918, an dem die Befehlshaber der französischen, britischen und amerikanischen Streitkräfte an der Westfront, Pétain, Haig und Pershing, mit Foch in dessen Hauptquartier zusammentrafen und sich über die nächsten Schritte zur Niederringung des Feindes verständigten2202. Grundlage des Gesinnungswandels Fochs, der nun nicht mehr allein auf die Entscheidung im Jahr 1919 hinarbeitete, sondern auf ein Kriegsende noch 1918 hoffte, war, daß er aus den ihn überraschenden Erfolgen des Angriffs der 10. und 6.Armee die Erkenntnis gezogen hatte, daß die Möglichkeiten der Deutschen zur Fortsetzung des Krieges geringer als angenommen waren und „etwas in ihrem Mechanismus nicht in Ordnung“ sei2203. Letzteres gründete sich zweifellos auf die sonst üblichen, hier aber nicht zur Entfaltung gekommenen Gegenangriffe kampfstarker Reserven und die große Anzahl Gefangener, was zusammengenommen auf materielle und personelle Schwäche sowie auf mangelnden Kampfeswillen verwies. Was es nun auszuspielen galt, war die numerische Überlegenheit der Alliierten. Diese wurde durch das Anlanden von monatlich 250.000 Amerikanern2204, welche zur Entlastung der britischen und vor allem französischen Armee maßgeblich beitrugen, sowie durch die Verringerung der bislang erheblichen infanteristischen Verluste durch größte Anstrengungen zur Vermehrung technischer Hilfsmittel im Spektrum von Artillerie über die Luftstreitkräfte bis hin zu den Kräften der artillerie d’assaut gewährleistet2205. Letztere war trotz ihrer erheblichen Verluste zu Ansehen bei der Infanterie gelangt und wurde als hilfreiche Unterstützungswaffe von ihr verlangt2206. Dem konnte von dieser Zeit an durchaus auch entsprochen werden, da die Rüstungsindustrie dazu in der Lage war, die artillerie d’assaut wöchentlich um den Fahrzeugbestand eines Bataillons leichter Tanks zu ergänzen2207.

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Für die Fortsetzung der Operationen, die mit ihrem offensiven Charakter bereits am 23.Juli durch einen begrenzten britisch-französischen Angriff gegen die deutsche 18.Armee bei Moreuil vorweggenommen worden war2208, blieben die verfügbaren Mittel und die vorherigen Erfahrungen die Grundlage. Von Durchbruchs- und Entscheidungsschlacht-Absichten blieb man entfernt und folgte der ursprünglich französischen Vorstellung einer Kette von harten Schlägen an verschiedenen Stellen der Front. Diese sollte, laut einer später gebrauchten Metapher Fochs, die Wirkung einer Kugel haben, welche auf einer schiefen Ebene hinablaufend zusehends mehr Schwung erhält und zusehends schneller oder kraftvoller wird2209.

11.5.2 Deutsche Perspektiven und Reaktionen.

Die Erkenntnis, daß der alliierte Angriff auf die Stellungen der 7. und 9.Armee wenigstens die Bedeutung einer zweiten Marneschlacht haben konnte, verursachte bei Ludendorff etwas, das als „seelischen Erschütterung“2210 aufgefaßt werden kann und letztlich nichts anderes umfaßte, als den Kampf um das persönliche Eingeständnis, daß der gewagte, eigene Plan gescheitert und der Krieg verloren war2211. Die durch die psychische Belastung hervorgerufene Veränderung in Ludendorffs Auftreten und Erscheinungsbild wurde von seinem Umfeld deutlich wahrgenommen2212, was durch Situationen belegt ist, in denen seine innere Anspannung nicht zu übersehen war. So am 19.Juli, an dem es Hindenburg mit einem erregten Ludendorff zu tun bekam, dessen Verhalten Insubordination im Beisein von Untergebenen bedeutete. Hindenburgs Vorschlag, mit den für Flandern bestimmten Kräften einen schnellen Gegenangriff in die Nordflanke der Alliierten bei Soissons zu führen, wurde beim gemeinsamen Essen mit einer erzürnten Bemerkung zur Unsinnigkeit dieser Idee und dem grußlosen Verlassen des Raumes quittiert2213. Loßberg, der am folgenden Tag als Abwehrfachmann von Ludendorff herbeigerufen wurde, um Optionen zur Fortführung der Kämpfe im „Marnebogen“ zu erörtern, erlebte einen Generalquartiermeister, dessen Verhalten dieselben unsensiblen Züge trug. Der harsche und im Beisein von Betroffenen geäußerte Vorwurf, daß seine Mitarbeiter, allen voran der Chef der Operationsabteilung I, Wetzell, bei der Kampfkraftbeurteilung der 7.Armee versagt hätten, war Loßbergs Worten nach „eine peinliche Szene“ und soll beim durch und durch getroffenen Wetzell feuchte Augen hervorgerufen haben2214. Daraufhin ergab sich zwischen Ludendorff und Loßberg ein Disput wegen der grundverschiedenen Lagebeurteilung beider. Für den herbeigerufenen Spezialisten schien die Zurücknahme der Front hinter die Aisne und Vesle unausweichlich, für Ludendorff war sie, wie er angab, aus politischen Gründen2215 untragbar, da sich damit ein unverkennbares Eingeständnis einer schweren Niederlage verband, die seinen Rücktritt nach sich ziehen mußte2216. Ludendorffs Rücktrittsgesuch wurde durch Hindenburg nicht entsprochen, und der dem Verlauf der Schlacht zweifellos angemesseneren Sichtweise Loßbergs schließlich nachgekommen.

Bei der Beurteilung der kritischen Lage und deren Ursachen, läßt sich der innere Kampf Ludendorffs um die Aufrechterhaltung einer letzten Hoffnung, die mit der Durchführung der Flandernoffensive beziehungsweise dem Gebrauch der dafür eigentlich vorgesehen Kräfte gleichzusetzen ist, deutlich anhand sehr eigenwilliger Einschätzungen und Äußerungen ausmachen. Diese scheinen, wie der definitiv ohne detailliertere Informationen über den Verlauf des 18.Juli gegenüber seinen Mitarbeitern angebrachte Vorwurf des Versagens, auf einer vorgefaßten Meinung basiert zu haben, die analytisch-rationales Denken durch die diffuse Klärung einer „Schuldfrage“ bis über das Kriegsende hinaus2217 überlagerte. Über den Informationsstand der OHL bezüglich der Vorgänge im westlichen „Marnebogen“ ist, die Schwere des gerade Gesagten nur geringfügig relativierend, zu sagen, daß er sicherlich begrenzt war. Wesentliche Erfahrungsberichte der unteren Führungsebenen wurden erst im August verfaßt2218 und gingen angesichts der Fortsetzung der alliierten Offensive und des Debakels vom 8.August vor Amiens im Durcheinander unter oder in späteren Berichten, Weisungen und Befehlen auf. Die Sichtweise der höchsten Führung auf den 18.Juli und die Umstände, die zu ihm geführt hatten, beeinflußten sie anscheinend nicht, oder, wie der weiter unten genannte Erfahrungsbericht der 78.RD in einem einzigen Beispiel zeigt, nur äußerst selektiv2219.

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Am 20.Juli 1918 gab die OHL eine erste Lagebeurteilung heraus, die einmal einen Verrat des Reimser Angriffs durch deutsche Gefangene bekanntgab und dann auf den 18.Juli als das Resultat von Überraschung und „Tankgeschwadern“ einging2220. Damit war die Grundlage für einen vorwurfsvollen Rundumschlag gegen Truppe und Führung geschaffen. Zwei Tage später, als die Flandernoffensive aus der Perspektive der mit ihrer Durchführung beauftragten Heeresgruppe Rupprecht in weite Ferne gerückt war und der Übergang zur allgemeinen Defensive unausweichlich schien2221, erließ die OHL eine auf den jüngsten Erfahrungen basierende Weisung2222. Hierin wurde sich auf der Hälfte des Raumes mit Belangen des bisherigen Angriffsverfahrens auseinandergesetzt, was man nicht allein als auswertendes Resümee des 15.Juli deuten kann, sondern als Ausdruck der utopischen Hoffnungen Ludendorffs verstehen muß, doch noch einmal zur Offensive schreiten zu können- und zwar mit eigenen Tanks und einer Infanterie, die es verstand, „aus eigener Kraft der tiefgegliederten feindlichen Maschinengewehre ohne zu große Verluste, aber auch ohne Verlustscheu Herr zu werden“2223. Vor dem Hintergrund der Ereignisse schlossen die Betrachtungen über Angriff und anzuwendendes Angriffsverfahren mit der recht unverfänglichen, weil schon obligatorischen Ermahnung, daß der Erhalt des „inneren Wertes der Infanterie“ Hauptaufgabe der Führer aller Befehlsebenen sei2224. Mit der Unverfänglichkeit endete es hier aber. Dies wird um so deutlicher, wenn man einmal die am selben Tag erlassene Weisung des Kriegsministeriums zur „Erzwingung des Gehorsams im Feld“, das heißt zum Durchgreifen gegen „Feigheit“ unter rücksichtlosem Gebrauch aller gesetzeskonformen Mittel, die nötigenfalls auch Waffengewalt einschlossen, betrachtet2225 und dann, wenn man den zweiten Teil der Verlautbarung der OHL, über Abwehrerfahrungen, als Zusammenstellung von Vorwürfen gegen die Führung im „Marnebogen“ auffaßt. Dieser gegenüber wurde zwar eine anfängliche taktische Überraschung als minimal entlastender Umstand zugebilligt2226, aber mehr als dieses Teilalibi für die früheste Phase der Schlacht stand angesichts der Tiefe des feindlichen Einbruchs und der hohen Gefangenenzahl nicht zur Diskussion. Aus Sicht der OHL konnte hierin schließlich ein Beweis für mangelnde Wachsamkeit gesehen werden2227 und der nachlässigen, lokalen Führung konnten zudem weitere schwerwiegende Versäumnisse angelastet werden, welche die Wirksamkeit der bewährten Tiefengliederung aufgehoben hätten. Hierunter fielen vor allem die unterstelltermaßen gegebene mangelnde Tiefenstaffelung der Artillerie2228 und die von der OHL attestierte Unterschätzung des Stellungsbaues durch die „Arbeitsunlust von Truppe und Führung“2229. Den Tanks widmete die OHL den vorletzten Abschnitt ihrer Ausführungen, und sie kam auch hier, kurz vor einem scharfen Appell zur Abstellung der angesprochenen Mängel, nicht ohne Rüge aus. Der Tankbekämpfung sei zukünftig größere Aufmerksamkeit zuzuwenden und der durch bisherige Erfolge zu attestierenden „gewissen Mißachtung dieses Kampfmittels“ durch Sorgfalt und Unterweisung der Truppe in den Abwehrmitteln entgegenzutreten. Sofern dies geschehe, sei durch Ausweichen, SmK-Munition, die hier erstmals erwähnten Minen, deren Wirkung in der Realität gerade erst am 15.Juli durch die Franzosen vorexerziert worden war2230, geballte Ladungen und durch Geschützfeuer auch den von jetzt an auftretenden, „stärker gepanzerten, kleineren und beweglicheren Tanks“ beizukommen2231.

Was hinter diesen Äußerungen stand, war eine Mischung aus Desinformation, Falschinformation und Wahrheitsverdrängung, die es augenscheinlich nicht zuließ, sich die Ausgangslage in Erinnerung zu rufen und hinsichtlich der getadelten Truppe und ihrer Führer zu einem wenigstens aus ihrer Perspektive fairen sowie zu einem den tatsächlichen Gegebenheiten angemesseneren Urteil zu kommen. Wie in einer an Deutlichkeit und Kuriosität tatsächlich kaum mehr zu überbietenden Verlautbarung der OHL vom 4.August 1918 geäußert wurde, hätte der Erfolg der Alliierten vom 18.Juli vermieden werden können. Und die Tanks, die maßgeblich für den Verlauf dieses Tages verantwortlich gewesen seien, hätten bei größerer Wachsamkeit der Truppe und einer von ihren Stäben stärker auf Tiefengliederung ausgelegter Besetzung der Front nicht gefährlich werden können2232. Zur Illustration der in der OHL verbreiteten Auffassung, daß schwache deutsche Truppen früher schon wiederholt weitaus überlegenen Gegnern standgehalten hatten2233 und die jetzigen Ereignisse dementsprechend allein auf taktische und disziplinarische Versäumnisse -wenn nicht gar auf „bolschewistische Unterwanderung“, wie es im Kontext der Dolchstoßlegende später leicht umgedeutet werden konnte2234- zurückzuführen sein mußten, war bereits am 1.August ein Schriftstück zu Verteilung gebracht worden. Darin wurde die Deutsche Jäger-Division lobend vor dem Hintergrund erwähnt, daß „Gesinnung“ und „Festigkeit der Manneszucht“ nunmehr die Grundlagen der Kampfmotivation auszumachen hätten, während vor „weichlicher Behandlung von Disziplinarvergehen“ gewarnt und ein Prinzip von „Lohn und Strafe“, letzteres bis hin zur Todesstrafe gegenüber „wiederholter Feigheit“, zur Führungsmaxime erhoben wurde2235. Daß in der Geschichte der Deutschen Jäger-Division im Jahr 1918 bis dahin keinerlei mit dem 18.Juli vergleichbare Kampfhandlungen nachzuweisen sind2236, ist die eine und sehr merkwürdige Seite dieser Äußerung. Allerdings dürfte sie sich der Masse der hier mit Vorwürfen überhäuften Offiziere wegen Unkenntnis gegenüber den Zuständen bei einer anderen oder einzelnen Division nicht als Merkwürdigkeit offenbart haben. Geradezu erschüttert zeigten sich einige der Berichte Schreibenden aber angesichts des ganz grundsätzlich von der OHL gezeichneten Bildes, das unzweifelhaft aus davon- und auseinandergelaufenen Truppen und selbstverschuldeter Ohnmacht gegenüber einem sogar mancherorts -dort, wo Kolonialtruppen eingesetzt gewesen waren- auch „kulturell minderwertigen“ Gegner bestand2237. Einige Herren begannen, die Vorwürfe der OHL in einem bisher ungekannt scharfen Tonfall zurückzuweisen2238. Unter ihnen befand sich Theodor Freiherr von Watter, der diesmal, beim nach Cambrai zweiten großen Desaster seiner Zeit als Gruppenkommandeur, keinen Hehl daraus machte, wer und was für den Gefechtsverlauf die Verantwortung trug. Dem diesbezüglich schon deutlichen Bericht seines Gruppenkommandos über den ersten Schlachttag vom 6.August ließ er tags darauf einen energisch formulierten Zusatz mit eigener Unterschrift folgen2239. Die Ansicht der OHL, daß das Desaster mit vorhandenen Mitteln vermeidlich gewesen sei, wollte er widerlegt sehen und äußerte ferner, daß bei seinem Stab vielmehr der Eindruck vorhanden sei, daß es vorgesetzte Dienststellen gewesen waren, die nicht mit einem Angriff gerechnet hätten. Denn hieraus konnte, Watters Auffassung nach, erst „das Wagnis“ erklärt sein, „die wichtige und bedrohte Korpsfront mit derart abgekämpften Truppen besetzt zu halten“2240. Dazu daß keine kampfkräftigeren Verbände für Defensivaufgaben verfügbar gewesen waren und sich die ihm vorgesetzten Stäbe für Ablösungen und Verstärkungen stark gemacht hatten, fehlte Watter, anders als noch bei Cambrai, diesmal offenbar das Verständnis beziehungsweise die notwendige Vorstellungskraft.

Was die Überraschung betraf, die noch lange später im Diskurs zwischen amtlicher Kriegsgeschichtsschreibung und den im Sommer 1918 Beteiligten thematisiert wurde2241, so konnte davon tatsächlich wohl nur in dem Sinne der Ausführungen des Kommandeurs der 11.b.ID, Kneußl, die Rede sein, nämlich als „taktische Überraschung“2242, welche die Plötzlichkeit und Wucht des Angriffs umfaßte. Und die taktische Überraschung war es, auch bei der 11.b.ID im Zentrum des Stoßes, nicht gewesen, was den ungünstigen Ausgang des Tages primär verschuldet hatte, sondern die von Kneußl genannte immense Überlegenheit des in mehreren Wellen hintereinander in dichten Schützenlinien angreifenden Feindes2243. Mit einer Offensive gegen den „Marnebogen“ war gerechnet worden, und auf die Schwächlichkeit der eigenen Positionen und Verbände hatten sowohl die Heeresgruppe Kronprinz als auch die 7. und 9.Armee vielfach eindringlich hingewiesen. Wie Ludendorff anläßlich eines Gespräches mit Generaloberst von Plessen, dem Kommandeur des Großen Hauptquartiers, am 2.Juli, als bereits französische Vorstöße westlich Soissons durchgeführt worden waren, zu erkennen gegeben hatte, war er sich der Gefahr damals durchaus bewußt gewesen, die von der Reimser Offensive und der damit zwangsweise verbundenen Überdehnung der Fronten und Defensivkräfte ausgehen mußte2244. Davon, daß er dieses Risiko zugunsten seiner Offensivpläne ganz bewußt in Kauf genommen hatte und demgemäß unter vielen anderen Sektoren auch die Westfront des „Marnebogens“ -für Watters Erlebenswelt als Kommandierender General nichts weniger als tragisch- denselben Einschränkungen unterworfen war, die bei Cambrai 1917 für weite Teile der Siegfried-Stellung gegolten hatten, wußte er nach dem 18.Juli anscheinend nichts mehr. Ganz im Gegenteil. Es war sogar noch am Morgen des ersten Tages der Schlacht, kurz bevor die erste Meldung über das Geschehen eintraf, anläßlich einer Besprechung über die Flandernoffensive bei der Heeresgruppe Rupprecht so gewesen, daß Ludendorff „dem Gerücht“ vehement entgegengetreten war, der Feind habe „im Walde von Villers Cotterets“ eine große Reservearmee zusammengezogen. Die OHL wisse es aufgrund zuverlässigeren Materials besser, und überhaupt habe von umfangreicheren, kampfkräftigen Reserven der Gegner -er schloß diese also auch für Briten und Amerikaner aus- keine Rede sein können2245. Auch davon, daß sich dauerhaft geringe Stärken der Verbände, kaum erträgliche Lebensbedingungen für die Truppe und enttäuschte Hoffnungen der Soldaten, die mit an weiten Teilen der Westfront über Wochen fehlenden Beispielen für die Kraft und Macht des eigenen Heeres zusammenfielen, nachhaltig negativ auf die Leistungsfähigkeit von Verbänden auswirken konnte, wollte er genausowenig wissen, wie er die Meldungen über Anzeichen nachlassenden Kampfwillens parallel zu seinem vermeintlich noch unentschiedenen Vabanquespiel gelten gelassen hatte. Die insgesamt geringe Stärke der Verteidiger war real ausschlaggebend dafür gewesen, daß die Tiefengliederung nur rudimentär hatte umgesetzt werden können und daß diese Bemühungen um eine Tiefengliederung letztlich noch dafür sorgten, die schwachen, eigenen Kräfte ohne Rückhalt2246 durch verteidigungsfähige Positionen weiträumig über das potentielle Gefechtsfeld zu verteilen2247.

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Stellungen, deren Wert Ludendorff spätestens seit Herbst 1917 für mehr als nur fragwürdig erachtet hatte2248, wurden plötzlich wieder, innerhalb der Schriften vom 22.Juli und 4.August, zum unerläßlichen Bestandteil des anzuwendenden Abwehrsystems deklariert. Die OHL ignorierte hinsichtlich des Stellungsausbaus im Vorfeld des 18.Juli 1918 nachweislich, daß Gräben, Unterstände und Hindernisse weitgehend gefehlt hatten, weil Materialnachschub nur spärlich herangekommen und die wenigstens teilweise befestigte deutsche Linie im Kernbereich des alliierten Angriffs seit Ende Juni auf unausgebautes Gelände zurückgeworfen worden war. Die am 4.August geäußerte Behauptung, daß sich das Westheer nach dem beendeten Rückzug aus dem „Marnebogen“ in ausgebauten Stellungen bereit zur Abwehr befände, war, im Vorgriff auf das folgende Kapitel angemerkt2249, zudem ein Umstand, der Kronprinz Rupprecht drei Tage vor der britischen Großoffensive vom 8.August wegen des geringen Ausbaugrades seiner Heeresgruppenfront unangenehm auffiel2250 und die Realitätsferne von Ludendorffs Einschätzungen zu diesem Zeitpunkt einmal mehr dokumentiert.

Über die Probleme der Artillerie, die schon deshalb nicht so verteilt werden konnte wie am 22.Juli von der OHL gefordert, weil sie bei Angriffsbeginn unvollständig war und dazu noch unter Munitionsmangel litt, ist oben bereits einiges gesagt worden2251, so daß sich längere Ausführungen zu ihren Defiziten im Bereich artilleristischer Kernaufgaben erübrigen. Angemerkt sei allerdings noch, daß das AOK 7 bereits am 19.Juli zu der Feststellung kam, daß es die feindliche Artillerieüberlegenheit, oder andersherum, die eigene Schwäche und die Unfähigkeit, die alliierten Batterien durch eigenes Feuer niederzuhalten, gewesen war, die diesen Einbruch ermöglicht hatte und zukünftige Einbrüche ermöglichen würde2252.

Von der durch die OHL hervorgehobenen Wirkung der Tanks mit ihrer durch Fehler der lokalen Führung erhöhten Wirksamkeit, die „Tankschrecken“, „Panik“ oder gar „Feigheit“ zur Folge hatten -real handelte es sich um das von Cambrai her bekannte Aufgeben in auswegloser Lage2253- fehlt beim auf Artilleriewirkung fokussierten AOK 7 eine Spur, aber gleichzeitig auch in den vom Verfasser eingesehen Berichten anderer Stäbe und Verbände. Ebenso fehlt darauf ein deutlicher Hinweis in den durchgesehenen Truppengeschichten, was wegen der Möglichkeiten ihrer Verfasser zum „Reinwaschen“ ihrer Einheiten von jeglichem „Makel“ aus der Zeit des militärischen Zusammenbruchs von 1918 auffällig ist2254. Interessant sind im Zusammenhang mit der psychologischen Wirkung der Tanks die Ausführungen der 78.RD, die Ende August 1918 von der OHL im Heer verbreitet wurden, weil sie eine Kernbotschaft auswiesen, die der Anfang des Monats artikulierten Sichtweise der höchsten Führung zu entsprechen schien:

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„Die eigene Infanterie war am ersten Tage zunächst durch die Plötzlichkeit des Angriffs, insbesondere aber durch die große Anzahl der Tanks überrascht. Soviel auch über die Tanks und das Verhalten gegen sie instruiert und gesprochen war, soviel die Truppe auch aus Zeitungen und Berichten davon gelesen hatte, so waren sie ihr doch etwas völlig Neues, völlig Ungewohntes und die Abwehrmittel nicht in Fleisch und Blut übergegangen; das dürfte nie anders werden, der Mann lernt nur durch die Praxis, er kann sich vor den Tanks in seiner Phantasie trotz aller Erzählungen nicht die Vorstellung machen. Er war zudem zweifellos über die Macht und den Wert der Tanks durch die vielen Instruktionen und die Berichte über sie in den Zeitungen getäuscht, er hielt sie für schlimmer als er sie nachher in Wirklichkeit kennen lernte. Es verwirrte ihn zweifellos zunächst die Menge der vorwärts strebenden Sturmwagen. Als er dann aber sah, wie glänzend Artillerie und Minenwerfer dagegen wirkten, wenn man nur die Nerven behielt und auf die Nebenwaffen vertraute, kam das Selbstvertrauen rasch wieder. Am zweiten Angriffstage war die Truppe die Tanks längst gewöhnt und erkannte: Die Tanks wirken nur moralisch, sowohl auf den Angegriffenen, der dadurch erschreckt, wie auf den Angreifer, der dadurch vorgerissen wird. Ihr Auftreten überhaupt ist eine Folgeerscheinung der gesunkenen Nervenkraft der angreifenden Truppe. Regimenter von 1914 hätten Tanks nicht benötigt.“2255

Andere Aussagen im Bericht dieser Division, die sich wiederum mit den früheren Angaben wie etwa denjenigen der 11.b.ID deckten, darunter bezeichnenderweise die geringen Stärken der eigenen Kompanien und das Fehlen eines Grabensystems2256, fielen bei der OHL weitaus weniger ins Gewicht als die Mitteilungen zur Nervenkraft der eigenen Truppe, die mit den Tanks ihrer Ansicht nach durchaus leicht fertig werden konnte, und zur geringen Moral der Angreifer, die ohne Tankunterstützung entweder zaghaft wie Briten und Franzosen oder mangelhaft und unausgebildet wie die Amerikaner vorgegangen waren2257. Aus der schon vor dem Eingehen dieses Berichts vorhandenen Einstellung generierte sich Anfang August, als der „Marnebogen“ geräumt und die Krise, wie im Vorjahr bei Cambrai, durch herbeigerufene, anscheinend wie immer kampfstarke Reserven bereinigt schien2258, die völlig realitätsfremde Hoffnung darauf, die Abwehr an der Westfront reorganisieren und erfolgreich praktizieren zu können, wenn mit den aufgezeigten Mitteln für die Aufrechterhaltung der Truppenmoral gesorgt und verstärkt etwas gegen die als Stütze feindlicher Angriffe aufgefaßten Tanks getan werden würde.

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Daß zur Tankbekämpfung zahlreiche und bereits frühzeitig eingeführte Mittel vorhanden seien, gab das Kriegsministerium gegen besseres Wissen um die Verhältnisse an der Westfront –zu denken ist nur an die Bedeutungslosigkeit der Panzerkopfmunition und des Tankgewehrs auch im „Marnebogen“2259- Ende Juli einem mittlerweile offenbar beunruhigt nachfragenden Reichstag2260 gegenüber zu verstehen2261. Doch entscheidender als der trügerische Eindruck, der durch die Denkschrift möglicherweise wenigstens kurzfristig vermittelt werden konnte2262, um die Politik in bewährtem Maße von den wahren Verhältnissen abzulenken, ist, daß Ludendorff mit der Beauftragung der vielfältig umtriebigen, grauen Eminenz der OHL, Oberstleutnant Bauer, zum Verantwortlichen für die Tankabwehr die Grundlage dafür geschaffen zu haben glaubte, spätestens Anfang 1919 über mordernste und höchst effektive Tankabwehrwaffen in großer Zahl zu verfügen2263. Der Terminus der „Niederlage des deutschen Heeres“ für den 18.Juli, welchen Ludendorff im Vorgriff auf die „Niederlage des deutschen Volkes“ am 8.August 1918 gegenüber einem neugierigen Mitarbeiter des Reichsarchivs 1923 als rhetorische Finesse anwandte2264, um seine damalige Überzeugung von der Notwendigkeit zu Friedensverhandlungen zu untermauern, findet in seinen Verlautbarungen seit Mitte Juli 1918 argumentativ keinerlei Entsprechung. Das Gegenteil ist der Fall.

Im vielmehr selbstbetrügerischen Zeichen einer momentanen Krisenbewältigung im „Marnebogen“ kam der Appell vom 4.August zustande, der einer mittlerweile offensichtlich allerorten spürbaren Besorgnis bei Stäben und Truppe gegenüber kommenden Angriffen entgegentreten sollte. Ausdrücklich wurde von Ludendorff darauf verwiesen, daß diese Besorgnis völlig unbegründet sei und man den zurückhaltenden Briten und Franzosen, den „dreisten“ Amerikanern sowie den alliierten Tanks widerstehen könne, wenn die Truppe aufmerksam und in bewährter Manier tiefgegliedert „ihre Schuldigkeit“ täte2265. Details zum nun anzuwendenden Abwehrverfahren, das wie 1917 die grundsätzliche Aufgabe hatte, „den Gegner erheblich mehr zu schädigen als er uns“, folgten ausgerechnet vor dem katastrophalen 8.August 1918, wobei der Faktor „Moral der Truppe“ in Bandbreite von Appellen an den Willen zum Durch- und Aushalten in schwierigsten Lagen, der Notwendigkeit „straffer Führung“ und der umsichtigsten Fürsorge für die Truppe bezeichnenderweise sämtlichen weiterführenden Ausführungen vorangestellt wurde2266. Taktisch brachte die Weisung nichts grundsätzlich Neues, wie, auf die Tankbekämpfung bezogen, durch die Erwähnung vorgezogener Tankabwehr- und Nahkampfgeschütze, die bis zum feindlichen Angriff schweigen sollten2267, verdeutlicht wird. Die Hinweise auf ein bis zu 3km tiefes Vorfeld2268, bei dem auch zukünftig fraglich sein mußte, mit welchen Kräften es effektiv zu überwachen sein würde, auf die Tankgewehre, für deren praktische Bewährung2269 keinerlei Indizien angeführt werden konnten, und auf die „gute Wirkung“, die hinter der Hauptwiderstandlinie aufgestellte Tankabwehrgeschütze2270 bisher ja tatsächlich oftmals nur zum Preis des Selbstopfers sowie der vorgelagerten Positionen und ihrer Besatzungen erzielt hatten, unterstreichen nochmals eindringlich, daß nicht Realitätssinn, sondern verzweifeltes Wunschdenken und obskure Endsieghoffnungen die Lageauffassungen und Zukunftsprognosen der OHL definierten. Der Verbindungsoffizier der OHL beim Kaiser, Major Niemann, fand tatsächlich bereits am 3.August einen Ersten Generalquartiermeister vor, der sich seelisch offenbar wieder gefangen hatte, und „die Aura von Zuversichtlichkeit und Siegeswillen“ verbreitete2271.


Fußnoten und Endnoten

2003  Kuhl erwähnte, daß Kühlmann bereits Anfang des Jahres 1918 „sehr schwarz“ sah, was die Versorgungslage der Mittelmächte betraf, und anläßlich einer Besprechung mit Ludendorff und dem k.u.k. Außenminister, Graf Czernin, im Februar 1918 schlimmste Befürchtungen über die wirtschaftliche Situation des wichtigsten Verbündeten bestätigt wurden; siehe Kuhl: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der Offensive, S. 17 und S. 19. Eine Offensive des Verbündeten in Oberitalien am 15.6.1918 blieb zudem nach unbedeutenden Anfangserfolgen stecken und konnte als Vorbote des militärischen Zusammenbruchs gewertet werden; siehe RA, Bd. 14, S. 732f.

2004  Siehe Schwertfeger: Die politischen und militärischen Verantwortlichkeiten, S. 193ff.

2005  Siehe dazu Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 525f., Heydecker, S. 531, und Chickering, S. 208f.

2006  Siehe dazu Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 300 (Tagebucheintrag vom 29.6.1918).

2007  Siehe Alter: Generalobersten v. Einem, S. 413 (Tagebucheintrag vom 1.7.1918).

2008  Siehe Abschn. 10.1.

2009  Zitiert nach BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 160f. In diesem Zusammenhang siehe auch Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 395, wo düsterste Zukunftsprognosen bereits für den 8.5.1918 festgehalten sind. Siehe auch BA-MA, RH 61/52, Bl. 9f.: Brief v. Bocks an die Forschungsanstalt des Heeres vom 6.9.1930 wegen der französischen Offensive am 18.7.1918. Bock berichtete über einen Vortrag beim deutschen Kronprinzen im Vorfeld des von Ludendorff verordneten Angriffs vom 15.7.1918, er habe damals festgestellt (Bl. 10): „ Zu diesem Angriff gehren [gehören] zwei! Einer der die Kraft hat, ihn zu führen und einer, der sich dies gefallen läßt.“ Kuhl änderte seine privat fixierte Auffassung später übrigens grundlegend, wenn man die Darstellung der Kühlmann-Affäre in seiner populären Darstellung des Weltkrieges und seine Schrift zur Kriegslage im Herbst 1918 anschaut; siehe Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 374f., und Kuhl: Die Kriegslage, S. 19ff. Ein anderes, gleichgelagertes Beispiel findet sich in der Diskrepanz zwischen Aufzeichnungen und Handlungsweisen Schulenburgs und seiner Darstellung der Lage bei Kriegsende für den Untersuchungsausschuß des Reichstages 1925; siehe Schulenburg, Graf v.d.: Die Lage bei der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz in den letzten Kriegsmonaten, als Beilage 1 in Bd. 6 der 4.Reihe des Untersuchungsausschusses des Reichstages: Die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918, Berlin 1928, S. 309-320. 

2010  Siehe Foerster, Wolfgang: Der Feldherr Ludendorff im Unglück. Eine Studie über seine seelische Haltung in der Endphase des ersten Weltkrieges, Wiesbaden 1952, S. 12.

2011  Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 159ff. Siehe auch Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 378ff., und RA, Bd. 14, S. 412ff.

2012  Abb. nach Volkmann: Der große Krieg, S. 271. Das AOK 9, das hier nicht noch nicht verzeichnet ist, wurde zwischen AOK 18 und AOK 7 eingeschoben.

2013  Siehe dazu BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 5f.

2014  Siehe LAF, Bd. VI.2., S. 405.

2015  Siehe dazu Foch: Kriegserinnerungen, S. 339, und LAF, Bd. VI.2., S. 404ff.

2016  Siehe LAF, Bd. VI.2., S. 406.

2017  Ausdrücklich wies Foch am 1.7.1918 Haig und Pétain auf die besondere Rolle von Paris als Prestigeobjekt hin, dessen Fall oder auch schon dessen Beschuß durch die Deutschen unabsehbare politische und propagandistische Bedeutung haben würde; siehe ebenda, S. 417.

2018  Siehe Foch: Kriegserinnerungen, S. 351: „Etwa von Mitte Juli ab konnte man den Augenblick herannahen sehen, wo sich die beiderseitigen Kräfte offenbar im Gleichgewicht befanden. Dann war die Stunde gekommen, wo wir unsererseits die Offensive ergreifen mußten, wenn der Feind nicht mehr angriff. Und griff er an, so konnten wir mit unserer Parade einen schweren Schlag verbinden.“

2019  Siehe ebenda, S. 349.

2020  Siehe dazu LAF, Bd. VI.2., S. 418f.

2021  Kuhl erwähnte in diesem Zusammenhang, daß die deutsche Offensive bei Reims in Brüssel und München bereits Wochen vor dem 15.Juli öffentlicher Gesprächsstoff gewesen sei und Ludendorff mehrere Briefe aus Deutschland erhalten habe, worin auf den sorglosen Umgang mit dem Angriffsplan hingewiesen wurde; siehe Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 382, und BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 166. Üblicherweise wird in der Literatur die Preisgabe des Angriffsplans deutschen Gefangenen oder Überläufern zugeordnet, die gemäß Erkenntnis der OHL bereits Anfang Juli ausgesagt hätten. Foch datierte die relevanten deutsche Gefangenenaussagen erst auf den 14.7.1918, erhielt tatsächlich aber bereits am 9.7.1918 einen darauf bezogenen Aufklärungsbericht; siehe HStAS, M 1/11, Bü. 794, Bl. 25: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/Fr. H Nr. 9430 geh. op. vom 20.7.1918, Foch: Kriegserinnerungen, S. 353, und Paquet: La Défaite, S. 115.

2022  Gerechnet sind lediglich die Divisionen, die an den Außenrändern des Frontbogens zwischen Soissons und Reims standen (frz. 10., 6., 9. und 5.Armee); siehe RA, Bd. 14, S. 476, Anm. 3 zu S. 475.

2023  Siehe Stenger: Schicksalswende, S. 8, LAF, Bd. VII.1., S. 42f., und Bourlet, Michael: État Des Lieux Avant La Bataille, in Cochet, François (Bearb.): Les Batailles De La Marne. De L’Ourq Á Verdun (1914 Et 1918), Actes du colloque „Batailles emblématiques, combats oubliés“ tenu á Reims et Verdun les 6 et 7 mai 2004, o.O. 2004, S. 202.

2024  Siehe dazu BA-MA, RH 61/50671: KTB HGr Kronprinz vom 15.7.-3.8.1918, S. 3.

2025  Bereits im März 1918 hatten die Briten solche Minenfelder angelegt, doch hiervon scheint bis zu ihrem ersten Auftreten im September 1918 kaum Notiz genommen worden zu sein. Bekannt wurden sie zudem in einem tragischen Zusammenhang, da das erste amerikanische Tank-Bataillon bei seiner Feuertaufe direkt hinein fuhr und erhebliche Ausfälle hatte; siehe Fuller: Tanks, S. 271, und Kap. 13.

2026  Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 50f.: Chef d.Genst. d. Feldheeres II Nr. 9840 geh. op. vom 15.8.1918. Die OHL nahm in diesem Schreiben Bezug auf Minen zur Tankbekämpfung, wie sie am 15.7.1918 bei einem deutschen Tankangriff im Bereich des I.bAK in der Champagne vom Feind erfolgreich genutzt worden waren. Das Generalkommando hatte hierüber berichtet: „Von den deutschen Panzerwagen wurden 4 durch Tankminen vernichtet. Als Tankminen waren lange Linien mit Rasen zugedeckter Holzkästen eingebaut, die je eine Flügelmine enthielten. Bei starker Belastung des etwas offenstehenden Kastendeckels drückte dieser seinerseits auf den Zünder der Mine und brachte diese zum Detonieren.“

2027  Siehe LAF, Bd. VI.2., S. 518.

2028  Siehe RA, Bd. 14, S. 464.

2029  Zum Verlauf der Kämpfe siehe ebenda S. 446ff.

2030  Siehe LAF, Bd. VI.2., S. 527.

2031  Siehe ebenda, S. 531.

2032  Siehe ebenda, Bd. VII.1., S. 77. Gleiches galt für die 4.Armee östlich Reims’ und die 9.Armee gegenüber dem Südteil des Frontbogens.

2033  Siehe ebenda, S. 44.

2034  Neben der effizienten Ausnutzung des insgesamt sehr unübersichtlichen, durch zahlreiche Geländeeinschnitte, Gewässer und vor allem Wälder geprägten Schlachtfeldes durch den Angreifer machte sich laut späterer deutscher Aussagen die vollkommene französische Luftüberlegenheit besonders negativ bemerkbar. Der Kommandeur des GK XIII.AK, Theodor Frhr. v. Watter, beschrieb die Möglichkeiten der Aufklärung später folgendermaßen: „Die gesamte Korpsfront stand in oder dicht vor dem Wald von Retz dem Gegner mit verbundenen Augen gegenüber. Im ganzen Korpsgebiet war die Erdbeobachtung völlig, die Luftbeobachtung ganz ausgeschaltet. Selbst starker Verkehr auf den großen Straßen des Waldgebietes konnte von den Fliegern nicht mit Sicherheit erkannt werden.“ Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 277: GK XIII.AK Ia Nr. 40 op. geh. vom 6.8.1918, S. 1.

2035  Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 4ff.

2036  Siehe Stenger: Schicksalswende, S. 14.

2037  Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 55.

2038  Siehe Mangin: Comment Finit La Guerre, Paris 1920, S. 196.

2039  Die 1.Division verfügte nach ihrem Angriff auf Cantigny am 28.5.1918 über Offensiverfahrungen, während sich die 2. bei den Abwehr- und Stellungskämpfen zwischen Aisne und Marne seit Mai 1918 die Anerkennung des deutschen Gegners verdient hatte; siehe dazu Abschn. 10.2. bzw. Center of Military History: United States Army, Bd. I, S. 18f. und S. 121f. (Divisionsgliederungen 1917/18 und Personalbestand).

2040  Siehe Abschn. 11.2.

2041  Siehe Stenger: Schicksalswende, S. 14.

2042  Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 35.

2043  Siehe Stenger: Schicksalswende, S. 15f.

2044  Siehe Fuller: Tanks, S. 190.

2045  Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 23.

2046  Darunter ein Fahrzeug des Kompaniechefs und eines vom Modell FT-17 „T.S.F.“, einem unbewaffneten Funkpanzer; siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 29.

2047  Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 23. Eine Differenz zwischen den am 18.Juli versammelten und den dann tatsächlich eingesetzten Fahrzeugen ist zudem durch technikbedingte Ausfälle anzunehmen, ohne daß diese quantifizierbar zu sein scheinen; siehe Fuller: Tanks, S. 192, BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 31, Anm. 1, und Hillman, Rolfe L./Johnson, Douglas V.: Soissons 1918, College Station 1999, S. 39.

2048  Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 62 bzw. S. 66.

2049  Siehe ebenda, S. 55 und S. 60., vergleiche Guderian: Achtung-Panzer! S. 102.

2050  Siehe Abschn. 6.5.1.

2051  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 78.

2052  Siehe Hillman/Johnson: Soissons 1918, S. 31.

2053  Siehe dazu Pedroncini: Pétain, S. 406ff.

2054  Vergleiche die Darstellung bei Liddell Hart, der nicht nur den Ursprung der französischen Angriffsweise mit dem Hinweis auf die Anwendung des „Cambraier Schlüssels“ auf britischer Seite verortete, sondern die große Zahl von Reservetanks für den Einsatz nach einem Einbruch außer acht ließ; siehe Liddell Hart: Foch. Der Feldherr der Entente, Berlin o.J., S. 249.

2055  Siehe Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 362.

2056  Wie im Kartenbild deutlich wird, war eine Merkwürdigkeit dieser Umgliederung, daß der Armeeabschnitt der 9.Armee nicht entlang der quasi natürlichen Grenze des Flüßchens Ourq verlief, sondern wenige Kilometer nördlich davon; siehe bspw. Stenger: Schicksalswende, Karte 1. Ein Grund für diese an sich und erst recht in Bezug auf die Bildung einer einheitlichen Befehlsfront zur Entlastung des AOK 7 sehr eigenwilligen Entscheidung ließ sich nicht finden.

2057  Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 10.

2058  Das AOK 7 verfügte am 13.7.1918 über 30 Divisionen, von denen 21 als vollkampffähig und drei als noch kampffähig klassifiziert wurden. Ohne Nennung von Zahlen und dezidierten Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit einzelner Verbände wurde in dieser verhältnismäßig günstigen Lage relativierend angemerkt, daß „ein beträchtlicher Prozentsatz der Offiziere und Mannschaften“ ausgefallen und bislang nicht zur Truppe zurückgekehrt sei; siehe BA-MA, RH 61/51842: Wochenmeldung der Heeresgruppe Kronprinz vom 13.7.1918. Wegen der damals üblichen Verfahrensweise der Heeresgruppe, nur wöchentlich Meldung an die OHL zu machen, war vom Verfasser -bedauerlicherweise- kein Statusbericht über die am 18.7.1918 noch bei der 7.Armee vorhandenen Divisionen auffindbar.

2059  Ein Betrachter sprach von der 9.Armee bis zum 18.7.1918 bezeichnenderweise als einem „Trümmerhaufen“; siehe ebenda, RH 61/51843: Vorarbeiten Solgers zu RA, Bd. 14, S. 26f.

2060  Siehe ebenda, RH 61/51842: Wochenmeldung der Heeresgruppe Kronprinz vom 6.7. (zur 53.RD) und 13.7.1918.

2061  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 334: GK XIII.AK Abt. Ic Nr. 179 op. vom 14.7.1918. Die durch die betreffende Division selbst zu positiv vorgenommene Einschätzung als „vollkampffähig“ vom 10.7.1918 basierte dabei auf einer Bataillonsdurchschnittsstärke von nur 398 (die drei MGK einberechnet!) und nicht, wie in der Wochenmeldung der Heeresgruppe vom 13.7.1918 angeführt, von 508 Mann. Siehe ebenda, Bü. 244, Bl. 40: 115.ID Ia/Nr. 1654 op. vom 10.7.1918.

2062  Bezeichnenderweise wurden zwei Wochen Ruhe, Ausbildung und Auffrischung für zwei, drei Wochen für drei und vier Wochen für sechs Divisionen veranschlagt; siehe BA-MA, RH 61/51842: Wochenmeldung der HGr Kronprinz vom 13.7.1918.

2063  Die Durchschnittsstärke umfaßte offenbar auch die Maschinengewehrkompanien und ist keinesfalls mit der Gefechtsstärke der Bataillone zu verwechseln. Diese ist unter Abzug von Angehörigen des Gefechtstrosses und der Bagage, von Essenholern, Meldegängern und sonstigen Ordonnanzen wesentlich geringer anzusetzen.

2064  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 333: GK XIII.AK Ia Nr. 178 Pers. geh. vom 10.7.1918.

2065  Siehe ebenda, Bü. 225, Bl. 12ff: 14.RD Abt. Ia Nr. 57/VII geh. vom 11.7.1918.

2066  Siehe ebenda, Bl. 68: GK XIII.AK Ia Nr. 17/7 op geh vom 14.7.1918. Bezeichnend für den Kampfwert der nur positivistisch als „Eingreiftruppen“ zu klassifizierenden Verbände hinter den Abschnitten der 9.Armee ist auch eine Meldung der 3.RD, die hinter der 14.RD und der nach Süden gegen das XXX.CA anschließenden 115.ID der Gruppe Watter stand. Am 17.7. gab sie an, daß ihre durchschnittliche Bataillonsstärke 541 Mann betrage und sie nicht als vollkampffähig gelten könne, da nicht einmal mehr für jedes leichte Maschinengewehr eine volle Bedienung vorhanden sei; siehe ebenda, Bü. 244, Bl. 46: Stärkemeldung der 3.RD vom 17.7.1917, und ebenda, Bl. 47: 3.RD Ia No 164/18 vom 17.7.1918.

2067  Siehe Breithaupt, H./Engels, E./Raulf, F. (Bearb.): Das Preuß. Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 16, Witten 1934, S. 90: „11.Juli. [... .] Die Reste des III./R 16 werden als 10./R 16 zusammengelegt. Die 3.M.G.K. bleibt bestehen. Beide Komp. werden dem II./R 16 angegliedert.“

2068  Siehe Center of Military History: United States Army, Bd. I, S. 121. Gerechnet wurden vom Verfasser allein die Spalten zu den Infanterie- und Maschinengewehr-Kompanien sowie diejenigen zu den Divisions-Maschinengewehr-Bataillonen. Die natürliche Abweichung vom Soll ist angesichts der Schwäche der deutschen Verteidiger durchaus zu vernachlässigen, wenngleich auch nicht gering. So gab die amerikanische 2.Division am 15.7.1918 an, über einsatzfähiges Personal in Höhe von 1.033 Offizieren und 23.633 Unteroffizieren und Mannschaften zu verfügen; siehe ebenda, Bd. 3: Training and Use of American Units with the British and French, Washington 1989, S. 538.

2069  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 896: KTB GK XIII.AK, Eintrag vom 17.7.1918.

2070  Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 26. Über die physische und die mentale Wirkung des Gasbeschusses schrieb der Kommandeur der 11.b.ID: „Der Gasschutzoff. [Gasschutz-Offizier] sagte mir, daß es sich um amerikanisches Gas handelt, das anscheinend eine Mischung von unserm Blau- und Gelbkreuz sei. Die Reizwirkung auf die Lungen läßt anscheinend bald nach; aber die Hautblasen führen zu bösen Geschwüren. Tötlich würden nur einzelne Fälle verlaufen, hoffe man. Bis jetzt hat die Division allein schon 550 Gaskranke. [... .] Diese Gaserkrankungen machen einen sehr niederdrückenden Eindruck auf die Truppe. Das ist schon ein fürchterlich heimtückisches Kampfmittel, an dessen Ingebrauchnahme wir selbst aber, glaube ich, nicht ganz ohne Schuld sind. Dieser deprimierende Eindruck ist wohl auch die Ursache, daß ich heute wieder meinen kritischen Tag habe in Bezug auf Siegeszuversicht. An solchen Tagen sehe ich einfach keine Möglichkeit, den Krieg für uns glücklich zu Ende zu führen; nicht militärisch u. noch weniger wirtschaftlich.“ Zitiert nach KA, Nachlaß Paul von Kneussl, Tagebuch Nr. 17, Eintrag zum 14.6.1918.

2071  Siehe BA-MA, RH 61/51842: Wochenmeldung der HGr Kronprinz vom 13.7.1918.

2072  Siehe Gallion, W.: Das Reserve-Infanterie-Regiment 40 im Weltkrieg, Karlsruhe 1936, S. 312.

2073  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 225, Bl. 12ff: 14.RD Abt. Ia Nr. 57/VII geh. vom 11.7.1918, und KA, Nachlaß Paul von Kneussl, Tagebuch Nr. 17, Eintrag zum 17.7.1918.

2074  Siehe RA, Bd. 14, Anlage 39 f.

2075  Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 4, Scheffel/Wagner/Winterstein: Das 1.Ober-Elsässische Feldartillerie-Regiment Nr. 15 im großen Krieg 1914-1918, Darmstadt o.J., S. 262, Partzsch (Bearb.): Das Kgl. Sächs. 3.Feldartillerie-Regiment Nr. 32 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Heft 80), Dresden 1939, S. 209, und Verein ehemaliger Offiziere des Feldartillerie-Regiments Großherzog (Hg.): Das Feldartillerie-Regiment Großherzog (1.Badisches) Nr. 14 im Weltkriege 1914-1918, Karlsruhe 1933, S. 318f. und S. 323.

2076  Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 150.

2077  Bezeichnend für die Lage der Truppen war, daß die 14.RD einen französischen Angriff am 14.7.1918 nicht mit einem sofortigen, starken Gegenstoß beantworten konnte, da den dazu vorgesehenen Begleitbatterien durch Pferdemangel die zwangsweise benötigte Mobilität fehlte; siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 8a.

2078  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 80, Bl. 16: AOK 9 Abtlg. Ia/b. vom 12.7.1918. Was ihre Mobilität betraf, entsprach dieser Teil der Feldartillerie dem, was von den Nahkampfbatterien des Frühjahrs 1917 gesagt worden ist; siehe Abschn. 4.1.

2079  Siehe HStAS, M 33/2, Bl. 44: AOK 7 Ia/Gen. Art. Nr. 3968/18 vom 16.6.1918, und Bl. 13: AOK 7 IIb/Gen. Art. Nr. 4961/18. geheim. vom 18.7.1918.

2080  Siehe TG FAR 15, S. 265: „Die Kanonenbatterien erhalten bodenständige, unbespannte 5. und 6.Geschütze. Zur Aushilfe bei ihrer Bedienung waren schon vorher den Batterien Armierungssoldaten zugeteilt worden,- die dann in der Schlacht am 18. fast überall versagen. Man hatte allerdings Leute gesandt, die z.T. wirklich nicht frontverwendungsfähig waren. Hptm. Heinemann allein muß unter 10 Mann 3 wegen noch nicht verheilter, eiternder Wunden zurückweisen.“

2081  Siehe RA, Bd. 14, S. 475. Watter selbst schrieb dazu, daß die Versorgung der Batterien mit Munition nur in bescheidenem Ausmaß geleistet werden konnte; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 277: GK XIII.AK Ia Nr. 40 op. geh. vom 6.8.1918, S. 2. Ob der Munitionsmangel allein durch Transportengpässe begründet war, scheint fraglich zu sein. So galten wegen des ungeheuren Bedarfs an den Hauptkampffronten für die gesamte HGr Albrecht seit Ende Juni massive Einschränkungen beim Verbrauch von Artilleriemunition; siehe HStAS, M 30/1, Bü. 55: Fernschreiben der OHL an HGr Albrecht vom 26.6.1918, und ebenda HGr Albrecht O.Qu.Mun. Nr. 7744 vom 22.7.1918. Dieselbe Einschränkung führte v. Menges in seiner Arbeit an und Verwies auf eine Mitteilung des AOK 7 vom 20.6.1918: „Die Einschränkung des Artilleriefeuers, die tageweise bis zur völligen Artilleriestille geführt werden kann, findet ihre Grenze in unserer Abwehrbereitschaft.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 9, als AOK 7 Ia 808 geh. vom 20.6.1918.

2082  Siehe RA, Bd. 14, S. 478.

2083  Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 8. Ein Beispiel für die letztlich vergebliche Selbsthilfe der Truppen beim Sichern ihrer Positionen bietet die TG IR 138: „Der Pionierkommandeur sagte: an Material, Draht usw. ist so lange nicht zu denken, als die von den Franzosen gründlich zerstörte Bahn Laon-Soissons nicht wiederhergestellt ist. Doch es gab eine Aushilfe. Die in der Gegend Chaudun angelegte vorderste Pariser Stellung besaß ein Drahthindernis, aber auf der unserem nunmehrigen Hintergelände zugewandten Seite. Sofort wurden alle irgend verfügbaren Leute der Gefechtsbagagen zum Lösen und Rollen dieses Drahtes angestellt und jede nach vorn fahrende Feldküche und alle sonstigen Fahrzeuge nahmen von dort so viel Rollen mit, als sie nur irgend aufladen konnten. Die vordersten Bataillone legten durchgehende Gräben an.“ Zitiert nach Lasch, Wilhelm: Geschichte des 3.Unterelsässischen Infanterie-Regiments Nr. 138 1887-1919, Saarbrücken o.J. (1938), S. 301. Die Hindernisse und Gräben gingen durch die französische Angriffe bis zum 18.Juli verloren.

2084  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 339: AOK 7 Ia Nr. 914 geh. pers. vom 2.7.1918.

2085  Siehe ebenda, Bl. 333: GK XIII.AK Ia Nr. 178 Pers. geh. vom 10.7.1918.

2086  Siehe ebenda, Bü. 225, Bl. 22: AOK 9 Abt. Ia. Nr. 264. op. vom 11.7.1918.

2087  Siehe Abschn. 10.1.

2088  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 333 (Vorkommnisse bei der 42.ID) und Bl. 334 (115.ID) sowie ebenda, Bü. 225, Bl. 12ff. (14.RD). Beachtenswert ist dabei, daß sich zumindest teilweise auf die Aussagen französischer Gefangener bezogen wurde. Der Eindruck, daß die deutschen Stellungstruppen am Ende ihrer physischen und psychischen Kräfte waren, muß dementsprechend als auf französischer Seite weitestgehend bekannt angesehen werden.

2089  Siehe ebenda, Bü. 225, Bl. 12ff: 14.RD Abt. Ia Nr. 57/VII geh. vom 11.7.1918.

2090  Siehe ebenda, Bü. 244, Bl. 42: 28.ID Ia. 1771 op. vom 18.7.1918. Bei einer Durchschnittsstärke der Bataillone von 627 Mann (statt 546 in der Meldung der HGr Kronprinz vom 13.7.), die sich nur aus der Auflösung des Feldrekrutendepots erklären läßt, führte die Division an, daß sich darin die Zahl von 592 unausgebildeten Infanteristen und 122 unausgebildeten Maschinengewehrschützen innerhalb der Division verbarg.

2091  Siehe ebenda, Bl. 49: 42.ID Abt. Ia Nr. 1540 vom 18.7.1918.

2092  Siehe ebenda, Bl. 41: 28.ID Ia. 1715 op. vom 11.7.1918.

2093  Siehe Abschn. 10.1.

2094  Siehe Hindenburg: Aus meinem Leben, S. 347.

2095  Siehe Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 331, und BA-MA, RH 61/52, Bl. 2ff. Die Briefe v. Bocks sind in dieser Hinsicht eindeutig, wie sich anhand eines Auszugs beispielhaft illustrieren läßt: „Die Ueberwachung der französischen Divisionen durch das Oberkommando der Heeresgruppe hatte nach unserer Auffassung klar ergeben, dass der Franzose über völlig ausreichende Reserven verfügte, um einerseits unseren Angriff [vom 15.7.] über die Marne abzufangen und außerdem mit starken Kräften aus dem Walde von Villers-Cotterets gegen die Westflanke der Marnebeule zum Angriff anzutreten. [... .] Die O.H.L. war anderer Ansicht! Sie bestand auf dem Angriff und die weitergehende Schwächung der Abwehrfront zwischen Soissons und der Marne. Ich kann heute nicht mehr beschwören, ob und wie oft die Armeen und die Generalkommandos an der fraglichen Abwehrfront von uns auf die drohende Gefahr des französischen Angriffs hingewiesen worden sind, nehme es aber bei dem regen Meinungsaustausch zwischen Heeresgruppe und unterstellten Kommandobehörden als ganz selbstverständlich an.“ Zitiert nach ebenda, Bl. 3f., Brief vom 22.7.1930. Tatsächlich sagt das KTB der 9.Armee vom 11.7.1918 aus, daß Aussagen von Gefangenen und Überläufern auf einen „nahe bevorstehenden Großangriff“ auf die Gruppen Staabs und Watter hindeuteten und die Bereitstellung „starker Reserven, dabei auch Engländer, Amerikaner und Schwarze, von Tanks und Kavallerie“ berichtet wurde; siehe BA-MA, RH 61/52033: KTB AOK 9, Bd. X, Eintrag zum 11.7.1918.

2096  Siehe BA-MA, RH 61/52, Bl. 10: Brief v. Bocks vom 6.9.1930.

2097  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 81, Bl. 37: GK XIII.AK Abteilung Ia Nr. 204 op geh. vom 16.7.1918, Ziff. 1.) und 2.).

2098  Siehe ebenda, Ziff. 3.).

2099  Zitiert nach KA, Nachlaß Paul von Kneussl, Tagebuch Nr. 17, Eintrag zum 17.7.1918.

2100  Siehe besonders Abschn. 6.2. mit der geradezu musterhaften Umsetzung der Grundsätze des damals noch neuen Abwehrverfahrens.

2101  Versuche, die Kampfkraft der Divisionen durch Ersatz, Ausbildung und Ruhe wieder zu steigern, dürften mangels der geringen Zeit bis zum Beginn der Schlacht flächendeckend nicht mehr wirksam geworden sein. Die Gefechtsstärke des IR 145 (34.ID) lag am 1.7.1918 bei 17 Offizieren und 810 Unteroffizieren und Mannschaften. Für die Zeit bis zum 18.7.1918 vermerkt die Truppengeschichte lediglich die Zuteilung von 92 Mann Ersatz. Siehe dazu TG IR 145, Bd. II, S. 100, und Führen, Franz: Die Hohenzollern Füsiliere im Weltkriege 1914-1918 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 40), Berlin 1930, S. 618.

2102  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 80, Bl. 26: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9135 geh. op. vom 6.7.1918.

2103  Siehe Held, Karl/Stobbe, Otto (Bearb.): Das Königl. Preuß. Infanterie-Regiment Graf Barfuß (4.Westf.) Nr. 17 im Weltkriege 1914/1918 (Deutsche Tat im Weltkrieg, Bd. 25), Berlin 1934, S. 228, TG RIR 40, S. 288ff., TG IR 138, S. 301f., und TG RIR 16, S. 88f.

2104  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 225, Bl. 17: 115.ID Ia Nr. 1670 op. vom 11.7.1918.

2105  Siehe ebenda.

2106  Entsprechende Befehle konnten in dem vom Verfasser eingesehenen Archivgut und in der Literatur zumindest nicht gefunden werden. Daß es solche gab, ist sehr wahrscheinlich. Aber es gab sie offenkundig nicht als besondere Anordnungen zur Abwehr des erwarteten französischen Großangriffs Mitte Juli, sondern eher als generelle und den bisherigen Kämpfen –man denke auch an den Erfahrungshorizont eines Theodor Frhr. v. Watter- geschuldete Anweisungen zur Herstellung der Abwehrbereitschaft. Das Vorhandensein von Tanks im Bereich der gegenüberliegenden frz. 10.Armee war zudem durch Gefangenenbefragungen bekannt, wurde aber zumindest von der höheren Führung nicht im Zusammenhang mit einer feindlichen Großoffensive gesehen; siehe dazu BA-MA, RH 61/52, Bl. 57.

2107  Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 55: Mun.-NO d. OHL bei HGr Albrecht 7064 vom 29.5.1918, und ebenda: AOK 19 O.Qu./Mun. Nr. 1398 vom 20.6.1918. In beiden Schreiben wurde ausdrücklich auch vom hohen Munitionsverbrauch und –bedarf zur Abwehr von feindlichen Flugzeugen gesprochen.

2108  Siehe TG IR 138, S. 302, und TG IR 17, S. 227.

2109  Siehe Abschn. 4.2.

2110  Siehe TG FAR 15, S. 263 und S. 266, TG IR 138, S. 303, und TG IR 17, S. 228.

2111  Siehe Stenger: Schicksalswende, S. 50f., TG FAR 14, S. 322, TG FAR 15, S. 266, TG IR 145, Bd. II, S. 101, und HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 277: GK XIII.AK Ia Nr. 40 op. geh. vom 6.8.1918, S. 2.

2112  Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 8.

2113  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 277: GK XIII.AK Ia Nr. 40 op. geh. vom 6.8.1918, S. 2, und BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 8.

2114  Siehe TG RIR 40, S. 297.

2115  Bezeichnend für die Schwäche der deutschen Verteidiger war, daß zumindest bei der 241.ID der Gruppe Staabs gar keine und bei der 14.RD der Gruppe Watter anfänglich nur auf einem Flügel Tanks eine Rolle spielten. Der Einbruch und die Vernichtung der Stellungstruppen basierten folglich auf dem massiven infanteristischen Stoß und der Artilleriewirkung; siehe dazu BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 41f., und Stenger: Schicksalswende, S. 37 und S. 57f.

2116  Intensive Eindrücke über die Wahrnehmung des deutschen Widerstands, besonders durch starkes Maschinengewehrfeuer, bieten die Schilderungen amerikanischer Soldaten in Hallas: Doughboy War, S. 105ff.

2117  Siehe dazu bspw. BA-MA, RH 61/52, Bl. 78: 11.b.ID Abt. Ia Nr. 2052 vom 9.8.1918, KA, HS 2698: b.IR 3 I. Nr. 4572 vom 21.7.1918, und Stenger: Schicksalswende, S. 36ff.

2118  Die Einheitlichkeit des Gefechtsgeschehens wird dokumentiert in BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 41f. (241.ID), S. 44f. (11.b.ID), S. 53f. (42.ID), S. 55f. (14.RD) und S. 58f. (115.ID).

2119  Die Bezeichnung „a Kompanie“ folgte der Einteilung eines Regiments-Gefechtsabschnittes nach den einer Infanterie-Kompanie unabhängig von ihrer Bataillonszugehörigkeit zuweisbaren Räumen.

2120  Zitiert nach TG IR 138, S. 306. Siehe auch TG IR 17, S. 230ff.

2121  Siehe bspw. den Bericht eines Kompanieführers des IR 138 in TG IR 138, S. 308: „Hier waren wir zwischen Tanks geraten und starkes M.G. Feuer zwang uns, uns hinzulegen. Wohl um ihre eigenen Truppen nicht zu gefährden und die Hoffnungslosigkeit unserer Lage erkennend, schossen die Maschinengewehre der Tanks jetzt über uns hinweg bzw. an uns vorbei. Sie hätten uns zu Brei schießen können. Unser Schicksal war besiegelt und unsere Widerstandskraft gebrochen. Amerikanische Schützen forderten uns zur Ergebung auf. Wir waren in Gefangenschaft.“

2122  Siehe TG IR 17, S. 231.

2123  Siehe bspw. TG FAR 229, S. 77, TG FAR 15, S. 269, Stenger: Schicksalswende, S. 42, und Bayerisches Kriegsarchiv (Hg.): Die Bayern im großen Kriege, S. 518.

2124  Zitiert nach Center of Military History United States Army: American Armies and Battlefields in Europe, Washington 1938, S. 84

2125  Siehe bspw. TG FAR 229, S. 79, und TG FAR 14, S. 323.

2126  Siehe TG FAR 15, S. 270.

2127  Siehe ebenda, S. 270f.

2128  Siehe ebenda, S. 271ff.

2129  Die 11.b.ID schrieb hierzu in ihrem Bericht zum Gefechtsgeschehen: „Um sich die taktische [hervorgeh.] Ueberraschung zu wahren, verzichtete der Feind auf jede Artillerievorbereitung und --wenigstens auf der Front der Division wo zusammenhaengende Gelaendebedeckungen fehlte-- auf das Zusammenziehen starker Tankgeschwader. Die nicht sehr grosse Zahl der am 18.7. aufgetretenen Tanks folgten hinter der Infanterie und wurden nach Art unserer Begleitbatterien zum Brechen besonders heftigen Widerstands eingesetzt.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/52, Bl. 71: 11.b.ID Ia Nr. 2052 vom 9.8.1918.

2130  Im Bericht der Gruppe Watter über den Verlauf des 18.7.1918 heißt es zur Lage am Morgen: „Es war nun klar, daß dem Gegner in kurzer Zeit geglückt war, unsere Infanterie nahezu auf der ganzen Korpsfront zu überrennen, daß ihm ein großer Teil unserer Artillerie bereits in die Hände gefallen, jedenfalls der größte Teil außer Gefecht gesetzt war und daß nun alles darauf ankam, zu verhindern, daß aus dem feindlichen Einbruch ein Durchbruch wurde.“ Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 280: GK XIII.AK Ia Nr. 40 op. geh. vom 6.8.1918, S. 7.

2131  In einigen Truppengeschichten wird zudem die Wirkung der Maschinengewehre gegen die vorgehenden Tanks angeführt, welche durch zusammengefaßtes Feuer zum Umkehren gezwungen, oder von ihren Besatzungen verlassen wurden; siehe bspw. Menzel/Stepkes, R.: Geschichte des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 258, Trier 1935, S. 226.

2132  Siehe bspw. TG FAR 14, S. 324f., TG IR 17, S. 233ff., TG FAR 15, S. 277f., TG FR 40, S. 622f., TG RIR 16, S. 90f., TG FAR 32, S. 208f., und Bornstedt, Günther v. (Bearb.): Reserve-Infanterie-Regiment 259 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Heft 175), Berlin/Oldenburg 1926, S. 211f..

2133  Zitiert nach TG IR 17, S. 233.

2134  Siehe dazu HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 280: GK XIII.AK Ia Nr. 40 op. geh. vom 6.8.1918, S. 8f., bspw. TG IR 17, S. 236, und Stenger: Schicksalswende, S. 47 und S. 63. Wie konfus die Befehlsverhältnisse nach dem Einsatz der deutschen Reserven sein konnten, deutet die TG IR 145, Bd. II, S. 103, unter Hinweis auf „Gegenbefehle“ und „Kompetenzstreitigkeiten“ beim Einsatz des Regiments als Eingreiftruppe der 11.b.ID zumindest an.

2135  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 281: GK XIII.AK Ia Nr. 40 op. geh. vom 6.8.1918, S. 9.

2136  Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 50.

2137  Siehe dazu auch Strachan, Hew: Die Kriegführung der Entente, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg, S. 278.

2138  Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 74ff., und Guderian: Achtung- Panzer! S. 96ff.

2139  Siehe Abschn. 9.6.1. zu Cambrai 1917 oder auch Abschn. 5.3. zu Arras 1917.

2140  Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 76f., und Abschn. 9.6.1.

2141  Siehe ebenda, S. 75f.

2142  Siehe ebenda, S. 76f.

2143  So etwa beim RIR 258: „Um 8.15 Uhr abends gingen wieder Tanks zum Angriff vor. Nordwestlich der Straße Neuilly-Latilly wurden sie vom Artilleriefeuer gefaßt. Sie drehten ab und verschwanden. Die Infanterie, die den Tanks in dichten Massen gefolgt war, wurde durch M.G.-Feuer zerstreut.“ Zitiert nach TG RIR 258, S. 231. Einem weiteren Angriff um 22.15 Uhr war durch Vorgehen von den Flanken aus mehr Erfolg beschieden, und man mußte schließlich auf eine rückwärtige Position ausweichen; siehe ebenda, S. 231f.

2144  Die TG b.IR 22 sagt hierzu beispielhaft: „Der Rest des [Kampf-] Bataillons zog sich nach tapferer Gegenwehr auf die Artillerieschutzstellung zurück, auch hier bald von rechts und links überflügelt mußte der schwache Rest des Bataillons gegen 630 nachm. im starken feindlichen Infanterie-, M.G.- und Artilleriefeuer die deckungslose Hochebene überqueren, zog sich gegen die Braunschweiger Höhle zurück und fiel hier dem scharf nachdrängenden Gegner zum größten Teil in die Hände; nur wenige Leute, 3 Offiziere und 18 Unteroffiziere und Mann entkamen.“ Zitiert nach Meyer, Hans (Bearb.): Das K.B. 22.Infanterie-Regiment Fürst Wilhelm von Hohenzollern (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bayerische Armee, Heft 15), München 1923, S. 94.

2145  Siehe Stenger: Schicksalswende, Karte 2, RA, Bd. 14, S. 479, und LAF, Bd. VII.1., S. 77, wo von 9km bei der 10. und 5km bei der 6.Armee gesprochen wird. Diese Entfernungen lag allerdings die Bemessung von den französischen Sturmausgangsstellungen zugrunde, welche zwangsweise ein mehr oder weniger ausgebildetes Niemandsland einschloß.

2146  Siehe LAF, Bd. VI.2., S. 544. Dort wird von 9.300 Mann Verlust bei den amerikanischen Verbänden für einen Zeitraum vom 11.-21.7.1918 gesprochen, dem für die französischen Verbände bei der 10.Armee gerade einmal rund 2.700 Gefallene, Verwundete und Vermißte gegenüberstehen. Siehe dazu auch die eindrucksvollen Gefechtsschilderungen in Hallas: Doughboy War, bspw. S. 109 (Aussage von Oberleutnant Cumming, 5th Marines, 2.Division): „I heard later that my company had one officer 29 men left when we reached the objective. We had gone to this sector with eight officers and 250 men.”

2147  Diese Zahl umfaßte offenbar alle erdenklichen Gründe für den Ausfall von Fahrzeugen. Dabei muß letztlich unklar bleiben, inwieweit hierunter möglicherweise auch noch tatsächliche Gefechtsverluste -etwa durch Maschinengewehrfeuer, Minenwerferbeschuß oder Sprengkörper aller Art- fallen, die nicht durch die Angabe zu Verlusten durch Artilleriewirkung abgedeckt sind.

2148  Siehe Fuller: Tanks, S. 192f., Guderian: Achtung-Panzer! S. 102, und Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 79. Es wäre anzunehmen, ist aber durch den Verfasser nicht verifizierbar gewesen, daß sich diese Angabe auf den Bestand an Besatzungen und nicht auf den des alle Kräfte allumfassenden Personalbestand der artillerie d’assaut bei der 10.Armee bezieht.

2149  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 82. Die TG RIR 259 gab für seinen Abschnitt bei der 78.RD, die dem Zentrum der angreifenden 6.Armee gegenüberstand, an, daß hier allein 7 Tanks abgeschossen worden seien; siehe TG RIR 259, S. 211.

2150  Siehe TG RIR 259, S. 211, und TG RIR 258, S. 231.

2151  Siehe RA, Bd. 14, S. 481.

2152  Siehe TG b.IR 22, S. 95.

2153  Siehe TG IR 138, S. 315, und TG RIR 40, S. 309. Das RIR 40 gab über die Gefechtsstärke hinaus an, daß es am Abend des 18.7.1918 noch einen Gesamtbestand von 23 Offizieren und 264 Unteroffizieren und Mannschaften hatte. Der Anteil der damals noch vermißten Unteroffiziere und Mannschaften (638), deren größter Teil die Gefangenen ausgemacht haben dürften, lag bei 555 Mann; siehe TG RIR 40, S. 312.

2154  Wie aus Verlautbarungen der OHL Anfang August deutlich wird, waren die Materialausfälle durch Verlust und Verschleiß während der seit März 1918 andauernden Kämpfe derart groß, daß das Herausziehen einer großen Anzahl Artillerieformationen zur Neubewaffnung und Auffrischung befohlen werden mußte; siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 24ff., darunter besonders Bl. 27: Telegramm der OHL „an die Heeresgruppen des Westens“ vom 4.8.1918.

2155  Siehe Stenger: Schicksalswende, S. 110f. und S. 220. Obwohl Stenger die auf französischen Angaben basierende Gefangenenzahlen –zumindest ihrer präziseren Aufschlüsselung nach- als fragwürdig darstellte, wurden sie in diversen TG und auch bei Guderian (Achtung-Panzer! S. 98) angeführt.

2156  Siehe RA, Bd. 14, S. 482ff.

2157  Die Verluste beider Seiten differieren zum Teil erheblich, wobei sich allerdings auch die berücksichtigten Zeiträume, Truppenteile und Kampfhandlungen unterscheiden; siehe ebenda, S. 502f., und LAF, Bd. VII.1., S. 161.

2158  Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 161.

2159  Siehe Kap. 12.

2160  Zitiert nach TG IR 138, S. 314.

2161  Und nichts anderes wird beschrieben. Im deutschen amtlichen Werk wurde für den 19.7.1918 ein Zuwachs auf 17.000 Gefangene und 360 erbeutete Geschütze (dies entspricht numerisch dem Geschützbestand von 10 Feldartillerie-Regimentern) festgestellt; siehe RA, Bd.14, S. 486.

2162  Siehe Guderian: Achtung-Panzer! S. 102.

2163  „Es ist eine betrübliche Tatsache, daß acht Monate nach Cambrai die deutsche Infanterie und Artillerie noch keine Abwehrwaffe gegen Panzer besaß; noch betrüblicher war aber die seither gleichfalls nicht auf das Erscheinen von Panzern eingerichtete Fechtweise dieser Waffen.“ Zitiert nach ebenda, S. 100.

2164  Guderian nahm an, daß am 18.7.1918 343 Tanks bei der 10.Armee vorhanden waren; siehe ebenda, S. 102.

2165  Siehe ebenda und, mit vergleichbaren Zahlen, Fuller: Tanks, S. 193f., und Goya, S. 356. Ein davon abweichendes Bild liefern die Zahlen eines Aufsatzes zur Tankabwehr von Stellungstruppen aus dem Jahr 1934, in dem für den 18.Juli 102 Ausfälle, davon 62 durch direkte Treffer der Artillerie, und für den 19.Juli 91 Ausfälle, von denen 50 auf die Artillerie zurückgeführt wurden, angegeben sind. 112 Abschüsse durch die Artillerie stellten sich demzufolge binnen der ersten beiden Tage und nicht erst bis zum 23.7.1918 ein; siehe (ohne Verf.:) Antitank Defense-Front-Line Infantry. What Is The Front-Line Infantryman To Do When Attacked By Tanks? In U.S. Army Infantery School Mailing List, Bd. VIII (Juni 1934), S. 33.

2166  Siehe Fuller: Tanks, S. 194.

2167  Siehe u.v.a. Liddell Hart: The Real War, S. 456, Mai: Das Ende des Kaiserreiches, S. 146, Berghahn: Sarajewo, S. 122, Keegan, S. 567ff., Heydecker, S. 527.

2168  Das französische amtliche Werk weist die Kämpfe vom 18.7.-7.8.1918 demgemäß als „Deuxième Bataille De La Marne“ aus; siehe LAF, Bd. VII.1., bspw. S. 73. Noch vor Ende der Schlacht hatte sich die französische Presse des Begriffs angenommen und im Kontext der „L’heure de décisions pour Hindenburg“ genutzt; siehe Rossel, André: 14-18. Avenement Du Monde Contemporaine (Historie De France A Travers Les Journaux Du Temps Passé), Thomery 1983, S. 303 (Texte auf dem Titelblatt des Le Petit Journal vom 22.7.1918).

2169  Siehe Foch: Erinnerungen, S. 360.

2170  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 544.

2171  Siehe Kuhl: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der Offensive, S. 209, und Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 100. Die Gefechtsstärke der Bataillone sollte sich auf 650 Mann in drei Kompanien belaufen. Der Reduktion folgten Mitte August 1918 organisatorische Veränderungen und die Infanterie-Bataillone lösten ihm Einverständnis mit den höchsten Vorgesetzten ihre vierten Kompanien auf; siehe dazu KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 117, Bl. 31: „Einverständniserklärung“ der HGr Rupprecht vom 15.8.1918.

2172  Zitiert nach Foch: Kriegserinnerungen, S. 363f. Siehe auch ders.: Zur Steuer der Wahrheit! Kommentar zu Ludendorff: „Meine Kriegserinnerungen“. Amtliche Urkunden des französischen Großen Hauptquartiers, Berlin 1919, S. 32.

2173  Liddell Hart betonte diese Tatsache ausdrücklich und nicht ohne Grund; siehe Liddell Hart: Foch, S. 253.

2174  Eine grundsätzliche Entsprechung findet sich in den Darstellungen des französischen amtlichen Werkes (Bd. VII.1.) und in den Memoiren Mangins, der 321 Tanks bei seiner 10.Armee zwar nannte, aber den meisten Raum ihrem Zusammenspiel mit der Artillerie und den drei Angriffsdivisionen des XX.CA unter günstigsten Vorraussetzungen der Operation zubilligte. Die Tanks schienen also nur ein einziger Bestandteil unter vielen anderen des Erfolgsrezepts gewesen zu sein; siehe Mangin: Comment Finit La Guerre, S. 195f.

2175  Siehe etwa Mai: Das Ende des Kaiserreiches, S. 146, und Keegan, S. 567f., wo -wie bei Fochs eigenen Schilderungen- ganz allgemein von einem „Gegenangriff“ gesprochen wird, oder Strachan: Die Kriegführung der Entente, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg, S. 278, Chickering, S. 223, Stevenson, S. 502, und Pope/Wheal: Dictionary of the First World War, S. 305. Siehe auch http://www.dhm.de/lemo/objekte/karten/1918/ : „Am 18. Juli begann die alliierte Gegenoffensive unter General Ferdinand Foch, der angesichts der Erfolge der ersten deutschen Offensive in der Picardie zum Oberbefehlshaber aller alliierten Truppen in Frankreich und Belgien ernannt worden war. Die alliierte Gegenoffensive (18. Juli bis 3. August) zwischen Reims und Soissons wurde infolge des Eintreffens der Amerikaner mit deutlichem Übergewicht an Truppen und Material gegen einen erschöpften Gegner geführt, dem nur noch der Rückzug blieb.“

2176  Siehe Abschn. 10.1.

2177  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 540f.

2178  Siehe Mangin: Comment Finit La Guerre, S. 199. Mangin bot als Erklärung für Ludendorffs eigenwillige Darstellung an, daß der deutsche General nur mittelmäßig über das Geschehen informiert gewesen sei. Eine Annahme, die man zumindest für den Zeitpunkt der Herausgabe der Kriegserinnerungen Ludendorffs (1919) für sehr fragwürdig halten muß.

2179  Enthalten war in Kriegserinnerungen auch ein Satz zu einer Division südwestlich Soissons, deren unerwartetes Versagen zum Zusammenbruch der Linie maßgeblich beigetragen hatte. Davon fühlten sich zumindest Teile der 34.ID angegriffen, wie die TG IR 145, Teil II, S. 101f., belegt. Ebenso unrecht behandelt sah sich der Kommandeur der 11.b.ID, der durch schriftliche Intervention im Dezember 1919 das Zugeständnis Ludendorffs erwirkte, bei einer Neuauflage seiner Kriegserinnerungen für die 11.b.ID positive Veränderungen vorzunehmen; siehe BA-MA, N 77/4: Brief Ludendorffs vom 22.12.1919. Zur zeitnahen Kritik siehe Abschn. 11.5.2.

2180  Siehe Kuhl: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der Offensive, S. 189. Bereits 1922 hatte Kuhl die entscheidende Wirkung der Tanks am bzw. ab 18.7.1918 hervorgehoben; siehe Kuhl: Die Kriegslage, S. 12.

2181  Siehe Liddell Hart: Foch, S. 249, Heydecker, S. 413f., Perret, S. 60, Wright, S. 109, Mitchell: Tank Warfare, S. 276, und, um ein frühes Beispiel zu nennen, Recouly, Raymond: La Bataille De Foch, Paris 1920, S. 91. Siehe auch die für Schülerfragen offenbar als „Lösungshilfe“ gedachte Seite http://learnunited.de/p/referate/02/690.html mit folgenden Aussagen (Text aus der Internetseite kopiert!): „Insgesammt geshen kann erste Weltkrieg drei große Tankschlachten vezeichnen: Cambrai,Villers Cotterets und Amiens. [... .] Bei Villers Cotterets überrenen ca. 330 französisch Renault Panzer die deutsche Frontlinie.“

2182  Zitiert nach Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 338. Siehe auch Abschn. 9.3.

2183  Die deutsche Ausgabe, auf die sich die Anmerkungen beziehen, erschien 2006.

2184  Stevenson, S. 502.

2185  Siehe ebenda. Im Zusammenhang mit Stevensons Aussagen zu Tankeinsätzen mit St.Chamond und CA-1 1917 (S. 232f.) suggeriert die Textstelle, daß am 18.7.1918 300 „Renaulds“, also FT-17, eingesetzt worden seien.

2186  Siehe Abschn. 11.3.

2187  Zitiert nach KA, HS 2698: b.IR 3 I. Nr. 4572 vom 21.7.1918, S. 4.

2188  Siehe ebenda, S. 5: „Tanks traten im Raum des Regts. nicht auf.“ Vergleiche ebenda: Kommentar Oberleutnant v. Thomas zum Bericht des Regimentes vom 2.10.1922, Ziff. 1.).

2189  Siehe KA, HS 2698: „Gefangenschaftsbericht“ des Oberleutnant v. Thoma vom November 1919, S. 4.

2190  Siehe Abschn. 9.1.

2191  Einige diesbezüglich interessante Stellungnahmen alliierter Militärs zur Bedeutung der Kämpfe finden sich unter: http://www.firstworldwar.com/battles/marne2.htm .

2192  Siehe Foch: Kriegserinnerungen, S. 363.

2193  Siehe Liddell Hart: The Real War, S. 456. Diese Meinung scheint besonders in der englischsprachigen Literatur recht weit verbreitet zu sein, wobei Züge einer vorweggenommenen Kriegsentscheidung üblicherweise eher dem 8.8.1918 zugeordnet werden; siehe Kap. 12.

2194  Siehe Guderian: Achtung-Panzer! S. 89ff.

2195  Siehe Pedroncini: Pétain, S. 406ff.

2196  Siehe ebenda, S. 101f.

2197  Siehe Abschn. 8.1.

2198  Siehe Liddell Hart: The Real War, S. 456.

2199  Foch beschrieb diese Situation recht dezent damit, daß sehr schwere Verluste eingetreten waren und die französischen Truppen während der „mit furchtbarer Wucht und Heftigkeit“ vorgetragenen deutschen Offensiven „einen tiefen Eindruck von der militärischen Stärke des Gegners bekommen“ hatten; siehe Foch: Kriegserinnerungen, S. 340. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Zusammenstellung von Feldpostdokumenten, welche den Post-Zensurstellen der französischen 4., 5., 6. und 10.Armee aufgefallen waren, auf der Seite: http://batmarn2.club.fr/index.htm .

2200  Den früheren Ideen zur Zweiteilung der artillerie d’assaut in die schweren Fahrzeuge zum Erreichen des Einbruchs und die leichten zur Infanterieunterstützung beim Durchbruch wurde nominell gefolgt; siehe Pedroncini: Pétain, S. 408. In der Schlacht selbst fand dies aber offenbar keine Berücksichtigung., wenngleich dem Einsatzprinzip durch das Zurückhalten leichter Bataillone wenigstens partiell entsprochen worden war.

2201  Siehe ebenda, S. 408f.

2202  Siehe u.a. Blaxland: Amiens, S. 155, und MO 1918, Bd. 4, S. 1f.

2203  Siehe Recouly: Marschall Foch. Erinnerungen von der Marneschlacht bis zur Ruhr, Dresden o.J., S. 133. Der Autor zitierte hier Worte, die Foch in der letzten Juliwoche einem Offizier seines Stabes gegenüber fallengelassen hatte und bei einem Gespräch mit Recouly in den 20er Jahren bestätigte; vergleiche dazu Foch: Kriegserinnerungen, S. 369, mit dem Hinweis auf die Entscheidung im Jahr 1919, welche allerdings durch vermehrte Anstrengungen früher erreichbar schien, und Liddell Hart: Foch, S. 251f.

2204  Siehe Pedroncini: Pétain, S. 414.

2205  Siehe Foch: Kriegserinnerungen, S. 396f.

2206  Siehe Fuller: Tanks, S. 195.

2207  Siehe ebenda, S. 196.

2208  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 83f. Diese begrenzte, französische Unternehmung brachte rund 1.800 deutsche Gefangene, 5 Geschütze, 45 Minenwerfer und 275 Maschinengewehre als Beute ein und war von 36 britischen Mark V unterstützt worden. Belegt wurde mit der Operation nach Auffassung des Verfassers des Taschenbuches der Tanks, daß die Kooperation zwischen beiden Heeren und speziell zwischen Teilen des Tank Corps und im Zusammenwirken mit Tanks unerfahrener französischer Infanterie erfolgreich praktizierbar war. Dessen ungeachtet konnte deutsche Artillerie –angeblich das Feuer einer einzigen Batterie, die durch den Verfasser nicht verifizierbar war- allerdings 15 (42%) der angreifenden Fahrzeuge außer Gefecht setzen, und Fuller gab der den schweren Tanks gegenüber verständnislosen französischen Infanterie die Schuld daran; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 264.

2209  Siehe Liddell Hart: Foch, S. 251.

2210  Siehe Foerster: Ludendorff, S. 24.

2211  Siehe Venohr: Ludendorff, S. 350f.

2212  Siehe Foerster: Ludendorff, S. 17ff.

2213  Siehe Görlitz: Hindenburg, S. 190f., und Foerster: Ludendorff, S. 19f.

2214  Siehe Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 343f.

2215  Major Beck aus dem Stab des deutschen Kronprinzen berichtete laut Kuhl den Nachbarn der HGr Rupprecht später darüber, daß Ludendorff die Idee der HGr Kronprinz zur sofortigen Zurücknahme der Linie hinter Aisne und Vesle mit dem Hinweis auf „Prestigegründe“ bereits einmal abgelehnt hatte; siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 173.

2216  Siehe Loßberg: Mein Tätigkeit im Weltkriege, S. 346f.

2217  Auf die Aussagen in Ludendorffs Kriegserinnerungen ist weiter oben bereits hingewiesen worden. Ganz ähnliche klingen Bauers Ausführungen, die ein Kapitel über „Die ‚Schuld’ von Villers-Cotterets“ enthalten; siehe Bauer: Der große Krieg, S. 194. Siehe auch RA, Bd. 14, S. 502f.

2218  So HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 277ff.: GK XIII.AK Ia Nr. 40 op. geh. vom 6.8.1918, ebenda, Bl. 286ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9963 geh. op. vom 24.8.1918: Erfahrungen der 78.RD am 18./19.7.1918, und BA-MA, RH 61/52, Bl. 66ff.: 11.b.ID Abt. Ia Nr. 2052 vom 9.8.1918.

2219  Siehe unten, HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 286ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9963 geh. op. vom 24.8.1918: Erfahrungen der 78.RD am 18./19.7.1918.

2220  Siehe ebenda, M 1/11, Bü. 794, Bl. 25: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/Fr. H. Nr. 9430 geh. op. vom 20.7.1918.

2221  Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 169ff., und Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 424f.

2222  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 259ff: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9444 geh. op. vom 22.7.1918.

2223  Siehe ebenda, S. 5, Ziff. I.2.) f.) und Ziff. I.3.).

2224  Siehe ebenda, S. 6, Ziff. I.3.).

2225  Siehe ebenda, Bü. 300: KM Nr. M. 7385/18. C4. vom 22.7.1918.

2226  Siehe ebenda, Bü. 330, Bl. 259ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9444 geh. op. vom 22.7.1918, S. 7, Ziff. II.3.).

2227  Siehe ebenda, S. 9, Ziff. II.6.).

2228  Siehe ebenda, S. 6, Ziff. II.1.).

2229  Siehe ebenda, S. 9, Ziff. II.4.).

2230  Siehe Kap. 11.

2231  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 259ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9444 geh. op. vom 22.7.1918, S. 9, Ziff. II.5.).

2232  Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 18: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 9670 geh. op. vom 4.8.1918.

2233  Siehe Bauer: Der große Krieg, S. 194, und HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 264ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9635 geh. op. vom 8.8.1918, S. 1.

2234  Siehe Frentz, Hans: Hindenburg und Ludendorff und ihr Weg durch das deutsche Schicksal. Ein Beitrag zur Deutung ihrer geschichtlichen Persönlichkeit, Berlin 1937, S. 208, und Muther, S. 120.

2235  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 9598 geh. op. vom 1.8.1918.

2236  Der Gefechtskalender der aus der infanteristischen Elite der Jägerbataillone bestehenden Division weist bis Ende April 1918 eine zweimonatige Ausbildungsphase aus, dann die Teilnahme an Kämpfen im „Sommebogen“, an der Matz und bei Noyon. Daran schloß sich Ende Juni eine fast einmonatige Ruhephase an; siehe Cron: Mein Regiment, S. 74. Noch am ehesten vergleichbar mit den Belastungen des 18.Juli scheinen die Kämpfe Ende April bei Bretonneux gewesen zu sein, wobei sich die Division auch mit Tankangriffen konfrontiert sah. Allerdings setzten die Briten hier nicht die Mittel ein, die Franzosen und Amerikaner gegen den „Marnebogen“ warfen, und die Deutsche Jäger-Division zeichnete sich viel eher bei eigenen Angriffen mit entsprechender Vorbereitungs- und anschließender Regenerationszeit aus, als dies für Stellungstruppen im „Marnebogen“ und anderswo galt; zu den Kämpfen vor Amiens und den Ruhephasen siehe bspw. Verein der Offiziere des ehemaligen Kgl. Preußischen (Westfälischen) Jäger-Bataillons Nr. 7 (Hg.): Das Kgl. Preußische (Westfälische) Jäger-Bataillon Nr. 7 (Feldbataillon) im Weltkrieg 1914-1918 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 272), Berlin/Oldenburg 1929, S. 258ff., Jecklin, Wilhelm v. (Bearb.): Das Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 8 im Weltkriege 1914-1918, Erfurt 1930, S. 180ff., und Pflieger (Bearb.): Holsteinisches Feldartillerie-Regiment Nr. 24 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Heft 50), Berlin/Oldenburg 1922, S. 199ff.

2237  Siehe HStAS, M 1/11, Bü. 794, Bl. 25: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/Fr. H. Nr. 9430 geh. op. vom 20.7.1918. Widerhall fand diese kulturchauvinistische Sichtweise in zahlreichen Schriften, darunter auch in Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 545, und Hindenburg: Aus meinem Leben, S. 352.

2238  Darunter fiel anscheinend niemand aus Reihen des AOK 9, welches am 1.8.1918 einen Armeebefehl zur Tankabwehr herausgab, in dem die Ansicht vertreten wurde, daß sich die Einsatzweise der feindlichen Kampfwagen geändert habe und nun mit Tankmassen zu rechnen sei. Interessant wäre diesbezüglich sicher die Reaktion Watters, der mit „Tankmassen“ ja tatsächlich bereits im Vorjahr zu tun gehabt hatte. Die Abhilfen, die das AOK 9 gegen den gepanzerten Feind befahl, zeigen zudem eine geradezu devote Annahme der Sichtweise Ludendorffs, indem sie Hindernisbau und Feuerkonzentration ohne Einbezug der real gegebenen Möglichkeiten umfaßten; siehe dazu BA-MA, PH 8 I/34, Bl. 39: AOK 9 Abt. Ia/Artl./Pi Nr. 1583 op. geh. vom 1.8.1918.

2239  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 360f.: GK XIII.AK Abteilung Ia Nr. 186 geheim! vom 7.8.1918.

2240  Siehe ebenda, Ziff. 2.).

2241  Siehe BA-MA, RH 61/52.

2242  Siehe ebenda, Bl. 66ff.: 11.b.ID Abt. Ia Nr. 2052 vom 9.8.1918, Ziff. 4.).

2243  Siehe ebenda und Ziff. 5.): „Die 11.bayerische Infanterie-Division ist am 18.7. in erster Linie der feindlichen Uebermacht erlegen, nicht der taktischen Ueberraschung. Der feindliche Angriff traf auf die gefechtsbereite Division.“

2244  Siehe bspw. Foerster: Ludendorff, S. 14.

2245  Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 174. Kuhl zitierte hier Auszüge aus den Erinnerungen seines damaligen Beraters in artilleristischen Fragen, Oberstleutnant Lindenborn.

2246  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 286ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9963 geh. op. vom 24.8.1918: Erfahrungen der 78.RD am 18./19.7.1918, S. 4, Ziff. 3.). Die Division bemerkte, daß nicht Gräben, aber Drahthindernisse, Unterstände und Stollen notwendig seien, und daß die eigene Infanterie dort, wo diese vorhanden gewesen waren, „hartnäckiger und länger“ Widerstand geleistet habe.

2247  Siehe BA-MA, RH 61/52, Bl. 66ff.: 11.b.ID Abt. Ia Nr. 2052 vom 9.8.1918, Ziff. 3.)b): „Die tiefe Gliederung der Infanterie hat am 18.7. bei den geringen Gefechtsstaerken zu einer Zersplitterung der Infanteriekraefte gefuehrt. Die Ursachen liegen in der geringen Schußwirkung der M.G. infolge unguenstiger Sicht, im Fehlen aller Stellungen und in den sehr geringen Feldstaerken.“

2248  HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 259ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9444 geh. op. vom 22.7.1918, S. 7, Ziff. II.4.): „Der Stellungsbau ist in letzter Zeit unterschätzt worden. [... .] Dieser Ansicht ist scharf entgegenzutreten. Gewiß stehen Unterstände an erster Stelle. Aber auch Gräben und Hindernisse können wir in der Abwehr gar nicht genug haben.“ Vergleiche Abschn. 9.2. und Abschn. 10.1.

2249  Siehe Abschn. 12.2.

2250  Siehe Otto/Schmiedel, Dok. Nr. 127, S. 311.

2251  Siehe Abschn. 11.2.

2252  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 80, Bl. 1: AOK 7 Ia/Gen. Art. Nr. 5380/18. vom 19.7.1918.

2253  Ein eindringliches Zeugnis für die Kampfbereitschaft in der Truppe ist KA, HS 2698: „Gefangenschaftsbericht“ des Oberleutnant v. Thoma vom November 1919.

2254  Dieses Phänomen durch den nächstliegenden Hinweis darauf erklären zu wollen, daß als geradezu peinlich oder ehrenrührig wahrgenommene Aspekte der Geschichte einer Einheit für ein überwiegend durch ehemalige Offiziere als Bearbeiter und Herausgeber geprägtes Veteranenkollektiv in der Rückschau der 20er und vor allem 30er Jahre unerträglich gewesen sein dürfte, scheint beim Gegenstand Tank zu sehr zu simplifizieren. Immerhin boten Ludendorffs Kriegserinnerungen und daneben noch zahlreiche andere Schriften, die Fehler beim Tankbau und besonders auch eine generelle Unterschätzung der Wirkung feindlicher Tanks einräumten, die Möglichkeit, sich gegenüber vermeintlichem Versagen, wie am 18.Juli, auf elegant-oberflächliche Art zu entschulden. Immer war zudem die Möglichkeit vorhanden, sich von den unschönen Symptomen des militärischen Zusammenbruchs von 1918 auf Kosten von Nachbareinheiten im perforierten Stellungssystem zu entlasten, bei denen fehlerhafte Entscheidungen und Schwächen negative Auswirkungen auf die eigene Truppe, etwa in Form von Umgehung und feindlichen Flankenstößen, gehabt hatten. Diese für Cambrai charakteristischen und besonders in den Truppengeschichten der 54. und 107.ID literarisch ausgetragenen „Nachhutgefechte“ des Weltkrieges sind für die vom Verfasser zum 18.Juli 1918 eingesehenen Erinnerungswerke von Einheiten nur insofern nachweisbar, als daß ganz generell die erdrückende feindliche Überlegenheit und nicht irgendeine Form des Versagens oder gar weitverbreitete Panik Erwähnung fand.

2255  Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 286ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9963 geh. op. vom 24.8.1918: Erfahrungen der 78.RD am 18./19.7.1918, S. 5, Ziff. 6.).

2256  Siehe ebenda, S. 2, Ziff. 1.).

2257  Siehe ebenda, S. 4, Ziff. 4.), HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 18: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 9670 geh. op. vom 4.8.1918, und Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 544f.

2258  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 540.

2259  Zu beiden Tankabwehrmitteln ließen sich keinerlei Belege für ihr Vorhandensein am 18.7.1918 auffinden. Der Bericht der 11.b.ID wies zudem ausdrücklich darauf hin, daß zu den Tankgewehren keine der von der OHL gewünschten (positiven) Erfahrungen mitgeteilt werden konnten, da sie nicht vorhanden gewesen waren; siehe BA-MA, RH 61/52, Bl. 71: 11.b.ID Abt. Ia Nr. 2052 vom 9.8.1918, Ziff. 4.), und siehe auch Abschn. 11.2.

2260  Spätestens seit April 1918 wurden im Reichstag Versäumnisse der Heeresleitung beim Tankbau erörtert, die von diesem Zeitpunkt an nicht mehr endeten und zu mehrfacher Stellungnahme der OHL bzw. des KM aufriefen; siehe dazu BA-MA, RH 61/50770: Abschrift aus der 225.Sitzung des Reichstags-Ausschusses für den Reichshaushalt vom 23.4.1918 (aus den Akten des KM), und Kap. 13.

2261  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 263f. In der Denkschrift des Kriegsministeriums sind sowohl die im Frühjahr 1918 eingeführten Tankgewehre, die tatsächlich aber nur in geringer Stückzahl vorhanden und bisher nicht als wesentliche Verstärkung der Tankabwehrfähigkeiten in Erscheinung getreten waren, die Panzerkopfmunition der Feldkanonen, die wegen ihres Fehlens an den relevanten Schauplätzen augenscheinlich keine Rolle gespielt hatte, und neuartige Kleingeschütze für die Infanterie, welche erst noch zur Einführung kommen mußten, enthalten. Der Text präsentiert sich sehr deutlich als Rechtfertigungsschrift, die größten Wert darauf legte, alte und neue Planungen als Belege für die Aufmerksamkeit des Kriegsministeriums und der OHL gegenüber einem leicht und demnächst gänzlich zu beseitigenden „Tankproblem“ anzuführen.

2262  Siehe Kap. 13.

2263  Siehe Bauer: Der große Krieg, S. 227ff., und BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S.245ff.

2264  Siehe BA-MA, RH 61/51833: Bericht über eine Befragung Ludendorffs durch Archivrat Volkmann Anfang August 1923, S. 10 (zu Frage 14.).

2265  HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 18: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 9670 geh. op. vom 4.8.1918.

2266  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 264ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9635 geh. op. vom 8.8.1918, S. 1ff.

2267  Siehe ebenda, S. 11, Ziff. 21.

2268  Siehe ebenda, S. 6, Ziff. 14.

2269  Siehe ebenda, S. 16, Ziff. 26. Tatsächlich konnten vom Verfasser keinerlei Hinweise aufgefunden werden, die zu dieser Annahme berechtigt hätten.

2270  Siehe ebenda, Ziff. 27.

2271  Siehe Foerster: Ludendorff, S. 39.



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22.04.2008