12 „Die Niederlage des ganzen Volkes“. Tanks und Tankabwehr in der Abwehrschlacht zwischen Somme und Avre, August 1918.

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Während sich die OHL Anfang August 1918 in der Sicherheit wog, an der Westfront mit keiner unmittelbar bevorstehenden Bedrohung durch Großoperation des Feindes, sondern allenfalls mit kommenden Teilangriffen konfrontiert zu sein und zur Reorganisation der eigenen Verbände einige Zeit zu haben2272, waren auf Seite der Alliierten die Würfel für großangelegte Unternehmungen in allernächster Zeit bereits gefallen.

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Eine nach den Kämpfen von Hamel am 4.Juli von den Briten ins Auge gefaßte Operation vor Amiens entsprach grundsätzlich den Vorstellungen Fochs zum nächsten Schritt bei der Fortsetzung der Kette harter Schläge gegen den kräftemäßig zumindest momentan ins Hintertreffen geratenen Feind2273. Dessen vollverwendungsfähige Verbände konnten zu einem guten Teil als verschlissen und dezimiert angesehen werden2274, und so ergab sich die Möglichkeit, dort zuzuschlagen, wo in erster Linie schwache deutsche Stellungstruppen geringen Kampfwertes ausgemacht worden waren. Dies schien gegenüber der britischen 4. (Rawlinson) und dem an sie anschließenden linken Flügel der französischen 1.Armee (Debeney), also bei der deutschen 2.Armee und dem Nordflügel der deutschen 18.Armee zwischen Somme und Avre, gegeben zu sein2275, so daß Foch Haig und den beiden Armeebefehlshabern am 20.Juli 1918 die Ausarbeitung einer gemeinsamen Operation befahl2276.

Abb. 12: Karte zur britisch-französischen Offensive zwischen Ancre und Oise2277.

Bei der Besprechung Pétains, Pershings und Haigs mit Foch am 24. des Monats wurde das Ziel der nächsten Angriffe dahingehend präzisiert, daß die Befreiung und Sicherung der von Paris ausgehenden, strategischen Eisenbahnlinien erreicht werden sollte, worunter sich auch die Strecke Paris-Amiens befand. Der Plan, die Deutschen hiervon und vom Eisenbahnknotenpunkt Amiens, der zudem eine Art Naht zwischen den britischen und französischen Streitkräften bildete, wegzudrängen, wurde an den folgenden Tagen grundsätzlich in Übereinstimmung mit vorher gefaßten britischen Absichten sowie mit Unterstellung von Debeneys Armee unter britischen Befehl ausgearbeitet. Die Umsetzung wurde für den 8.August 1918 angeordnet2278.

12.1 Der Plan, die Angreifer und die Tankunterstützung.

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Für Fuller war es in der Planungsphase der ersten großen Offensivoperation an der Westfront seit Cambrai offenbar nicht leicht, von der Idee einer als Entscheidungsschlacht modifizierten Weiterentwicklung des Schlachtplans für den 20.November 1917 absehen zu müssen. Warum, das erschließt sich, wenn man die entsprechenden Passagen seiner Kriegserinnerungen betrachtet. Diese rekurrieren darauf, daß von Rawlinson bereits am 13.Juli 1918 der Einsatz von „soviel Tanks als möglich“ für die Operation bei Amiens gefordert wurde, um Infanterie zu sparen, und sich der Kommandierende General des Australischen Korps der 4.Armee, Monash, Fullers Ideen gegenüber überaus offen gezeigt hatte2279. Den Vorschlägen Fullers, welche seinen eigenen Aussagen nach die französische 1.Armee sehr viel stärker in den Plan einbezogen gesehen hätten, als das später der Fall war, und etwa in Erwähnung der Defizite von Kavallerie beim Vorstoß ins feindliche Hinterland altbekannte Schwierigkeiten berücksichtigen sollten, wurde, möglicherweise tatsächlich aus einer von ihm angedeuteten gewissen Frankophobie der britischen Entscheidungsträger heraus und wegen der wenig konkreten Planungsanweisungen durch den britischen beziehungsweise alliierten Oberbefehlshaber2280, von Rawlinson nicht entsprochen2281. Wer und was schließlich für den Operationsplan, einzelne Elemente desselben und zuletzt die von Zeitgenossen und Historiographen meist sehr viel später unterstellten Fehler und Versäumnisse einer Schlacht verantwortlich war, die in Relation zu vorhergehenden Unternehmen ein für die Westfront nach 1914 einmaliges Ergebnis zeitigte, kann an dieser Stelle im Detail undiskutiert bleiben2282.

Was sich schließlich ergab, war ein Cambrai insgesamt und Hamel besonders in der ersten Schlachtphase in Anlage und Durchführung ziemlich entsprechendes Unternehmen der 4.Armee, dem ein leicht zeitversetzter, ansonsten aber parallel vorgesehenen Angriff des französischen Nachbarn zur Rechten angegliedert wurde. Unter Voraussetzung eines günstigen Gefechtsverlaufes war eine Ausweitung der Operation einzukalkulieren. Detaillierte Befehle für die Fortsetzung der Schlacht nach der Sicherung der strategischen Bahnlinie wurden von der 4.Armee nicht ausgegebenen, sondern für einen späteren Zeitpunkt angekündigt2283.

Ausgehend von den britischen Sturmausgangsstellungen zwischen Morlancourt südlich der Ancre bis zur Römerstraße Amiens-Roye und den französischen Positionen von dort bis Hargicourt an der Avre hatten die beiden Armeen als Primärziel eine bogenförmig nach Westen ausgestülpte Linie, die „Amiens Outer Defences“, zwischen Méricourt, Harbonnières, Caix, Quesnel und Hangest zu erreichen und gegen Gegenangriffe der Deutschen zu sichern2284. War dies geschehen beziehungsweise in ausreichendem Maße gewährleistet, sollte die britische 4.Armee in Richtung Ham und die französische 1.Armee in Richtung Roye vorgehen2285.

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Die Rolle der beiden nördlichen Korps der französischen 1.Armee konnte hierbei trotz ihrer starken Artillerie- und Fliegerkräfte mit über 1.000 Rohren im Angriffssektor und mehr als 1.000 Flugzeugen im Armeebereich angesichts nur begrenzter Tankeinheiten, die 90 FT-17 umfaßten, und der wenigen Infanterieverbände, die sich bei etwa 34km Frontlänge auf 15 Divisionen in vier Korps beliefen2286, nur eine unterstützende sein, welche maßgeblich durch den Erfolg der Briten beeinflußt werden mußte. Für den Fall des Erfolges hielt man ein Kavalleriekorps von drei Divisionen bereit und konzentrierte seine Kräfte von vornherein auf dem an die 4.Armee angelehnten linken Flügel (XXXI.CA), wo fünf Divisionen Infanterie und die beiden für die zweite Angriffswelle vorbehaltenen Tank-Bataillone standen.

Der gegen die deutsche 2.Armee gerichtete Hauptstoß sollte im mit etwa 18km Ausdehnung recht schmalen Sektor der britischen 4.Armee erfolgen, die hierfür auf den Umfang von fünf Divisionen beim III.Korps, fünf beim Australischen Korps im Armeezentrum und fünf beim Kanadischen Korps an der Naht zur französischen 1.Armee aufgestockt wurde2287. Die zehn für die Durchführung des Angriffs bestimmten Divisionen konnten als ausgeruht gelten und waren durch Überweisung von Ersatz auf eine aus französischer Sicht beachtlich hohe Stärke gebracht worden2288, welche mit durchschnittlich rund 7.000 Mann (Infanterie) angenommen werden kann2289. Zudem galt der größte Teil von ihnen, vor allem die kanadischen und australischen Verbände, auch beim Feind als überaus ernstzunehmender Gegner, wenn nicht gar generell als Elite unter den Angriffstruppen des Empire2290.

Wie beim französischen Nachbarn wurde auch von der britischen Armee ein Kavalleriekorps mit drei Divisionen in Reserve behalten, dem es nach Wegnahme der ersten deutschen Verteidigungslinie zufallen sollte, über die übrigen Angriffstruppen hinweg gegen das Primärziel und anschließend, sobald wie möglich, darüber hinaus vorzustoßen2291. Hinter der Armee standen 2070 Geschütze aller Kaliber bereit2292, für die zwei wesentliche Neuerungen darin bestanden, daß sich die Masse der schweren Batterien auf die Bekämpfung feindlicher Artilleriestellungen zu konzentrieren hatte und daß nach deutschem Muster Feldartillerie-Batterien zur sofortigen Begleitung des Infanteriestoßes bespannt bereitstehen sollten2293. Für die Beherrschung des Luftraums, für Bomben- und Schlachtfliegereinsätze sowie für Demoralisierungsversuche mit Flugblattabwürfen2294 und zur Verschleierung des Truppenaufmarsches2295 konnten 800 Flugzeuge zusammengezogen werden2296.

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Anders als bei der Armee Debeneys, die in Ermangelung verfügbarer Tanks2297 beim Angriff maßgeblich auf die Wirkung kurzen und heftigen Artilleriebeschusses, welcher mit dem Beginn des britischen Vorgehens um 5.20 Uhr beginnen und mindestens eine Dreiviertelstunde dauern sollte2298, setzen mußte, bildete bei der britischen 4.Armee die Stoßkraft der Einheiten des Tank Corps -neben der Überraschung des Feindes- einen wesentlichen Faktor der gesamten Unternehmung. Unter größter Geheimhaltung, die für alle Aspekte der Truppenversammlung vor dem 8.August galt2299, konnten insgesamt 13 Bataillone des Tank Corps und eine erhebliche Zahl von Unterstützungs- und Versorgungsfahrzeugen versammelt werden2300. Von den acht im Soll aus 36 Kampfwagen des Typs Mark V bestehenden Bataillonen wurde eines Armeereserve, eines wurde dem am ersten Stoß nur mit zwei Divisionen beteiligten III. und, dem Schwerpunkt der Operation entsprechend, je drei dem Australischen und dem Kanadischen Korps unterstellt. Die ersten 72 Mark V* Tanks, bei denen es sich um zum Mannschaftstransport von etwa 20 Personen um 1,80m verlängerte 33 Tonnen schwere Versionen des Mark V handelte2301, waren in zwei Bataillone gegliedert. Je eines überwies man den Kanadiern und Australiern, um im Sinne der späteren Behauptungen Ludendorffs zu derartigem Geschehen im „Marnebogen“2302 durch mitgeführte Maschinengewehrtrupps2303 infanteristische Feuerkraft schnell und sicher an die Brennpunkte des Geschehens bringen zu können2304. Die beiden Korps erhielten eine zusätzliche Verstärkung durch Straßen-Panzerwagen, wobei dem Australischen Korps als Ausgleich für die Fahrzeuge der Maschinengewehrtruppe des kanadischen Nachbarn2305 das 17.Bataillon des Tanks Corps mit 12 dieser maschinengewehrbewaffneten Fahrzeuge zugeteilt wurde. Auf den Faktor Geschwindigkeit, der sich mit dem Einsatz der allerdings stark an vorhandene Wege gebundenen Panzerwagen verband, setzte man auch bei der experimentell vorgenommenen Verteilung der vorhandenen Whippets. Die beiden mit diesem Typ ausgestatteten Bataillone zu je 48 Tanks wurden als gepanzerte Begleitung der Kavallerie vorgesehen, um deren Anfälligkeit gegenüber deutschem Feuer etwas entgegensetzen zu können.

Über die eigentlichen Kampffahrzeuge hinaus verfügte die britische 4.Armee über etwa 120 Versorgungstanks, welche der Beförderung von Material, Munition und Proviant für die Infanterie und für die Tankeinheiten dienen sollten2306. Unter diesen befanden sich auch einige „Gun-Carrier“, die ursprünglich zum Befördern einer Haubitze samt Munition konzipiert worden waren und äußerlich einer gedrungenen und verlängerten Version des Whippet mit Ladefläche glichen2307. Mit dieser Ladekapazität waren sie auch zum Bewegen anderer Lasten in der Lage, und da in der Literatur kein mitgeführtes Geschütz erwähnt wird, traten sie am 8.August wahrscheinlich in der Rolle der Versorgungsfahrzeuge in Erscheinung. Einen schmerzlichen Verlust im Vorfeld der Schlacht stellte die Zerstörung von 25 Versorgungstanks samt Ladungen am Abend des 7.August dar, die durch den Zufallstreffer einer deutschen Granate und daran anschließendes Wirkungsfeuer der deutschen Artillerie verursacht wurde2308. Die Gesamtzahl der versammelten Kräfte des Tank Corps beeinflußte dieses Ereignis aber nicht nachhaltig, da sie auf dem Papier rund 550 Fahrzeugen aller Typen2309 und aufgrund einer den Ist-Stärken angemesseneren Berechnung2310 immer noch 414 Kampf und 95 Versorgungstanks umfaßte.

Laut Befehl der 4.Armee und im Unterschied zu den bitteren Erfahrungen mit Reserven bei Cambrai, welche den Franzosen am „Marnebogen“ ebenfalls begegnet waren2311, hatten alle für den Angriff bereitgestellten Teile bei Beginn der Schlacht zum Vorgehen beziehungsweise Eingreifen bereit zu sein2312. Die Versammlung der Truppe auf engstem Raum und erst recht ihr gemeinsames, geballtes Vorgehen schienen Rawlinson offenkundig die beste Gewähr dafür zu bieten, in der ersten Phase der Schlacht maximale Wirkung gegen den Feind zu erzielen. Die Gefahr für die Fortsetzung der Kämpfe, die trotz vorheriger Bekanntgabe von Grenzen zwischen Einheiten und Zuweisung von Einsatzräumen an die verschiedenen Verbände angesichts der Truppenmassen und dem in den ersten Stunden vorherrschenden dichten Nebel bestehen mußte und sich mit der Zeit in Vermischung von Einheiten sowie allgemeiner Unordnung ausdrücken konnte, wurde zugunsten des sicheren Erfolges in Kauf genommen2313.

12.2 Die Verteidiger.

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Hinsichtlich der deutschen Verteidiger ist grundsätzlich festzuhalten, daß sich an ihrer Lage seit Ende der deutschen Offensivanstrengungen bei der 2. (v.d. Marwitz) und der 18.Armee (v. Hutier) grundsätzlich nichts zum Besseren gewandt hatte. Die Bedingungen, unter denen sie an der Somme und Avre die Zeit bis zum 8.August 1918 zu überstehen hatten, sind mit denjenigen identisch, die in den beiden vorangegangenen Kapiteln geschildert wurden2314.

Die Truppen lagen, wo es der Feind duldete und wo, wegen der Hoffnung auf Täuschung des Feindes hinsichtlich etwaiger Angriffsabsichten sowie mit Rücksicht auf eine dadurch beeinflußbare „Volksmeinung“, von eigener Seite keine der insgesamt unerwünschten2315 Frontveränderungen durchgeführt und erlaubt wurde, mit Masse noch immer dort, wo die Offensiven zum Stehen gekommen waren. Abgesehen von den zum Teil versumpften Positionen an den Flußläufen der Ancre, Somme und Avre waren dies vor Amiens durchweg weithin einsehbare Flächen einer nur noch durch Siedlungstrümmer und Waldreste bereicherten früheren Kulturlandschaft. Für militärische Verbände implizierte diese lediglich geringe Deckungsmöglichkeiten und im Fall der Verteidigung nur dann einen gewissen Vorteil, wenn die Sicht auf den sich annähernden Gegner gewährleistet und ausreichend Kräfte zu seiner Abwehr vorhanden waren. Der Ausbau der eher zufällig und in weiten Teilen wenig günstig verlaufenden Abwehrlinien litt stark unter der geringen Personalstärke der eingesetzten Einheiten und den unausgesetzten Bemühungen des Feindes, die Stellungsbesatzungen durch stetigen Artilleriebeschuß und immer wieder auch durch kleinere und größere Unternehmungen zu lähmen2316.

Ein Ergebnis dessen war, daß sich die Truppe bei der ihr verordneten Umsetzung der Tiefengliederung auf kleinere Grabenstücke, Feldwachen und Widerstandsnester stützen mußte2317. Selbst für die Hauptwiderstandslinie galt dies, und so bestand sie beim RIR 265 nur aus Schützenlöchern oder war „bestenfalls brusttief gegraben“2318. Die allerdings anscheinend nur in seinen persönlichen Aufzeichnungen faßbare Besorgnis des Heeresgruppenkommandeurs, Kronprinz Rupprecht, gegenüber der von Ludendorff am 4.August proklamierten Güte der augenblicklichen Verteidigungspositionen an der Westfront war demnach durchaus berechtigt2319. Die Behauptung Ludendorffs scheint hier insgesamt die Folge einer durch den 18.Juli 1918 nur kurzzeitig überwundenen Selbstüberschätzung gewesen zu sein, die, aus den unter eklatantem Kräftemangel errungenen Abwehrerfolgen und der arroganten Annahme eines unfähigen Gegners 1917 generiert, tatsächlich spätestens seit Malmaison und Cambrai, besonders aber seit der Offensichtlichkeit des gescheiterten Entscheidungsschlages und seiner Bedingungen im Frühjahr 1918 gefährlich fragwürdig hätte erscheinen müssen.

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In den Kontext unüberwundener Selbstüberschätzung gehört auch das zweite, wesentliche Resultat der Stellungskämpfe an Somme und Avre vor der britisch-französischen Offensive. Die Kampfkraft der dort eingesetzten Verbände konnte unter den gegebenen Bedingungen nur in die von der 9.Armee aus dem „Marnebogen“ her bekannten Regionen absinken. Diese Verhältnisse mußten die Wahrscheinlichkeit gering ausfallen lassen, daß die vorhandenen Truppen einem kommenden, feindlichen Angriff -gleich, ob dieser nun nochmals so begrenzt wie etwa bei Hamel am 4.Juli, oder eben sehr viel größer, wie dann am 8.August, ausfallen mochte- standhalten können würden. Neben die Defizite des Stellungsbaus trat, daß die deutschen Divisionen mangels Ersatzkräften dauerhaft den Belastungen eines oft und über lange Zeit nur durch interne Ablösungen unterbrochenen Stellungskrieges ausgesetzt waren. So konnte das GR 2 der 109.ID bei seiner Ablösung direkt vor dem 8.August 1918 auf denkwürdige 100 Tage Einsatz vor Amiens zurückblicken, welcher die Gefechtsstärken der Kompanien auf durchschnittlich 50 Mann reduziert hatte2320. Ganz ähnlich sah es bei anderen Einheiten und Verbänden aus, die, wie die 43.RD, welche mit 65 Offizieren und 2027 Unteroffizieren und Mannschaften im Stellungskrieg vor dem 8.August theoretisch den Bestand von mehr als drei Infanterie-Bataillonen eingebüßt hatte2321, an die Grenzen einer irgendwie verantwortbaren Leistungsprognose gelangt war. Die Bataillone der genannten Division verfügten am 1.August 1918 noch über eine aufgerundete durchschnittliche Grabenstärke (ohne MGK) von rund 170 Mann und ihr Feldartillerie-Regiment war zum Abstellen von Bedienungen für die überwiesenen „5. und 6.Geschütze“ nicht in der Lage2322. Auf britischer Seite nahm man an, daß die deutschen Divisionen in etwa auf 3.000 Mann kamen2323, und dies dürfte der Realität der infanteristischen Gefechtsstärken durchaus angemessen gewesen sein.

Auch die zumindest in geringem Maß gewährten Ruhephasen hinter der Front scheinen den physischen und psychischen Kräfteverschleiß der Truppe nicht mehr aufgewogen zu haben, wie etwa die Truppengeschichte des b.IR 8 sehr deutlich belegt und unter Hinweis darauf, daß die Führung das Regiment trotz seines Hilferufes mangels Alternativen bereits Ende Juli 1918 wieder zum Fronteinsatz rief, unterstrich:

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„Kampfwert der Truppe: Die acht Tage Ruhe im bewohnten Etappengebiet haben den durch die lange, aufreibende Stellungszeit bei Hangard und Moreuil stark herabgesunkenen Kampfwert der Truppe bis jetzt noch fast gar nicht heben können. Im Gegenteil ist durch das Vorziehen des Regimentes nach Villers Carbonnel und schließlich gar nach Proyart, nachdem man doch allgemein mit einer Mindestruhe von drei Wochen rechnen zu dürfen glaubte, die Stimmung in der Truppe erheblich schlechter geworden. Die derzeitigen, infolge der immer noch grassierenden sog. spanischen Influenza, so geringen Kompaniestärken müssen einen Einsatz der Truppe vorläufig als bedenklich erscheinen lassen. Andererseits tut es der Truppe dringend not, endlich einmal richtig, systematisch und eingehend geübt und ausgebildet zu werden.“2324

Eine ganze Reihe von Kommandeuren meldete Vorgesetzten, daß ihre Truppenteile ablöse- und ruhebedürftig seien und keinerlei Gewähr für zukünftige Gefechtsleistungen mehr übernommen werden könne2325. Die katastrophalen Zustände, samt physischer und psychischer Auswirkungen der Grippe-Pandemie, schlechter Verpflegung und der kritischen Gesamtlage, die sich nach der Niederlage des 18.Juli laut Kuhl jedermann durch „einen Blick auf die Karte“ erschloß2326, waren allerorten bekannt. Daß rudimentäre Linderungsversuche direkt vor der Offensive, welche beim AOK 2 die bis zum Morgen des 8.August noch nicht abgeschlossenen Ablösungen zweier vollends erschöpfter Divisionen umfaßten2327, zeitlich mit der alliierten Offensive zusammenfielen und die Lage verschärften, war sicherlich zufällig. Dennoch waren sie, da lediglich teilweise kampfkräftige Verbände zum Einsatz gebracht werden konnten2328, bezeichnend für die kritische Situation des deutschen Westheeres und für das voraussehbare Resultat der bevorstehenden Kampfhandlungen.

Nach dem Abklingen der Schlacht um den „Marnebogen“, welche laut Ludendorff bekanntlich nur begrenzte Angriffe nach sich ziehen konnte, denen man mit Zuversicht entgegensehen durfte2329, liefen bei höheren Stäben aus den Reihen der Fronttruppe diverse Meldungen über beobachtete feindliche Aktivitäten ein2330. Eine davon, die trotz der erdrückenden Luftüberlegenheit der Alliierten von einem Flieger gemacht werden konnte und sich über etwa 100 feindliche Tanks im Anmarsch auf die Naht zwischen 2. und 18.Armee ausließ2331, verdient besondere Beachtung. Nicht deshalb, weil sie während der Recherchen innerhalb der amtlichen deutschen Geschichtsschreibung des Weltkrieges als Falschmeldung „entlarvt“ (1938)2332 und im Kontext der Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse (1944/1956) zur Relativierung der Versäumnisse der deutschen höchsten Führung angeführt wurde, sondern weil sie Eingang in die Lagemeldung der Heeresgruppe Rupprecht vom 6.August 1918 gefunden hatte2333. Dies hätte nach dem Stand aller 1918 geltenden Bestimmungen zur Tankabwehr, nicht zuletzt aber auch wegen der zumindest den höchsten Stäben bekannten und allerspätestens seit dem 18.Juli überaus aktuellen Erfahrungen mit plötzlichen Tank-Massenangriffen aufschrecken sowie entsprechende Reaktionen nach sich ziehen müssen. Soweit bekannt ist, unterblieben diese vollständig2334.

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In einem gewissen Gegensatz dazu fanden „Tankabwehrmaßnahmen“, um einen relativ neutralen Terminus zu wählen, welcher keinerlei Urteil über den Grad an Einheitlichkeit impliziert, durch die Stellungstruppen durchaus Berücksichtigung. Jedenfalls insofern, als daß abgestellte Tankabwehrgeschütze oder bespannte Tankabwehrbatterien der Feldartillerie in Truppengeschichten ebenso erwähnt werden wie mit SmK-Munition –von vornherein unzureichend2335- ausgestattete Maschinengewehre2336. So berichtete etwa das FAR 58 der 13.ID davon, daß zwei Geschütze vorgezogen worden waren, in deren Feuerstellungen 100 Panzerkopfgranaten und 100 Schrapnells lagerten, daß eine vergleichbare Munitionsausstattung auch in Batteriestellungen, von denen aus Tanks vermutlich zu bekämpfen sein würden, vorhanden war, daß die zur Tankbekämpfung vorgesehenen Maschinengewehre mit 1.000 Schuß SmK ausgestattet wurden und daß es einen „Leiter der Tankabwehr“ gab2337. Mit welchen Befugnissen dieser „Leiter“ konkret ausgestattet war und inwieweit seine Funktion durch die sehr spezifischen Erfahrungen der 13.ID am 4.Juli 1918 motiviert war, muß unklar bleiben. Festzuhalten ist aus Sicht und nach Erkenntnisstand des Verfassers, daß es sich bei dieser Stelle offenbar um eine divisionsintern angestrebte, hier erstmalig benannte Lösung eines Problems handelt, das in Form fehlender verantwortlicher Fachoffiziere für Tankbekämpfungsfragen in der vorliegenden Arbeit bereits im Zusammenhang mit den Vorschriften vom Frühjahr 1917 angesprochen worden ist2338. Zumindest bei einigen Verbänden waren außerdem einige Tankgewehre vorhanden, und es war zudem so, daß mancherorts der Versuch zur Umsetzung der jüngsten Befehle der OHL hinsichtlich eines Schutzes der Stellungen durch Minen unternommen wurde2339.

Wie sich aus einem späteren Befehl der Heeresgruppe Gallwitz über Erfahrungen mit der sogenannten „Flachmine 17“ ergibt, stellte der 8.August 1918 im Bereich des GK XI.AK des AOK 2 deutscherseits die erste praktische Erprobung dieser sicherlich für die meisten Frontkommandeure neuen Abwehrwaffe dar2340. Das Attribut „neu“ kann dabei keineswegs darüber hinwegtäuschen, daß der Einsatz von Tankabwehr-Minen nicht nur bei der Abwehr der deutschen Offensive am 15.Juli 1918 durch die Franzosen sowie schon im März 1918 von den Briten vorweggenommen2341, sondern nachweislich bereits Anfang November 1916 von einem auf tragische Weise eng mit der Evolutionsgeschichte des Tanks verbundenen deutschen General, Theodor Freiherr von Watter, angeregt worden war2342. Daß der damalige Gedanke an Minen zur Tankabwehr -und parallel dazu der Gedanke an Anti-Personenminen- nicht weiter verfolgt wurde, könnte eventuell durch die Zerstörungskraft des für 1916 und 1917 so charakteristischen Massenfeuers der Artillerie erklärt werden, in dem feste Einbauten unsinnig erschienen sein müssen. Andererseits besteht im Fall von Watters Eingabe des Jahres 1916 genauso gut die Möglichkeit, daß sie in der Masse der bei höheren Stäben eingereichten Berichte und Meldungen unterging oder spätestens nach den Abwehrerfolgen in den Materialschlachten von 1917 ad acta gelegt wurde. Ein weiterer oder alternativer Grund für die Zurückhaltung höherer Dienststellen gegenüber versteckt ausgelegten Sprengmitteln ergab sich aus früheren Frontversuchen, bei denen durch zu empfindliche Zünder eigene Verluste entstanden waren und die Truppe aus Angst davor geradezu „gelähmt“ gewesen sein soll2343. Die Besorgnis gegenüber dieser äußerst unerwünschten Wirkung zeigte sich in den Äußerungen höchster Stabe zu Minentypen von 1918 durch die Forderung nach Sicherheit der eigenen Truppe sehr deutlich2344. Unabhängig von der Überraschung durch französische Tankabwehrminen und dem Fehlen industriell gefertigter deutscher Sprengfallen war es im Sommer 1918 so, daß, offenbar von den Pionieren des bislang von Tankangriffen unbetroffenen AOK 5, binnen kurzer Zeit eine mit geringem Aufwand herzustellende Truppenlösung improvisiert werden konnte. Ein im Bereich des AOK 1 bereits Anfang des Jahres erfolgreich getestetes Modell, die „Flachmine 18“, spielte in diesem Kontext kurioserweise keine Rolle, wie es überhaupt kaum Erwähnung und Berücksichtigung gefunden zu haben scheint2345. Bei der Flachmine 17 des AOK 5 handelte es sich um ein insgesamt 6kg schweres Behältnis, dessen Ladung, 17 bis 20 Handgranaten-Sprengköpfe, durch einen auf große Gewichte reagierenden Belastungszünder zur Explosion gebracht wurde2346. Die Bewährung dieses Tankabwehrmittels stand Anfang August 1918 noch aus, und daß in den vom Verfasser eingesehenen Truppengeschichten mit keinem Wort auf es eingegangen wird, dürfte darauf hindeuten, daß im angegriffenen Frontsektor vor Amiens nur eine sehr begrenzte Zahl der Flachminen 17 behelfsmäßig angefertigt und verlegt worden ist2347.

Das Bild vollkommenen unterlegener deutscher Kräfte kulminiert vor dem Hintergrund der obigen Bemerkungen darin, daß das dem britischen Hauptstoß ausgesetzte AOK 2 am Morgen des 8.August 1918 zwar über insgesamt 11 Divisionen in Linie und drei Divisionen dahinter verfügte, deren Kampfwert aber erheblich und in mehrerlei Hinsicht eingeschränkt war. Trotz der überaus positiven Einschätzung der Leistungsfähigkeit dieser Verbände durch die oberste Führung2348 galten von den drei der für die Umsetzung der Tiefengliederung so wichtigen „Eingreifdivisionen“ zudem zwei als „abgekämpft“, und ein weiterer Verband dieser Kampfwertkategorie lag in Stellung. Lediglich zwei Divisionen wurden als voll kampfkräftig angesehen2349. Artilleristisch war das AOK 2 mit seinen 749 Geschützen2350 dem Gegner im Verhältnis eins zu vier unterlegen, wobei verschärfend hinzu kam, daß der Feind etwa 95% der Feuerstellungen erkannt hatte und diese bei Angriffsbeginn erfolgreich unter Wirkungsfeuer nehmen konnte2351. In der Luft, aber auch nur unter Einberechnung der Hälfte der Fliegerkräfte der 18.Armee, kam statistisch eines der 365 deutschen Flugzeuge auf fünf gegnerische Maschinen2352. Und diese Berechnung basiert augenscheinlich auf den Angaben zum Sollbestand der Flieger, der mit 166 Flugzeugen beim AOK 2 deutlich über der Zahl der 106 tatsächlich am 8.August startbereiten Maschinen lag2353. Die feindliche Überlegenheit war in allen Bereichen erdrückend, ohne daß man an dieser Stelle zusätzliche Überlegungen zur Leistungsbereitschaft der erschöpften Verbände anstellen oder anführen muß.

12.3 Die Kämpfe am 8.August 1918.

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Die ersten Stunden der Schlacht, die um 5.20 Uhr durch plötzlich und mit größter Intensität einsetzendes Trommelfeuer der Artillerie eingeleitet wurde, standen im Zeichen eines nahezu undurchdringlichen Nebels, dessen taktische und psychologische Wirkung auf die Effizienz der deutschen Verteidigung in einem später verfaßten Bericht eines Augenzeugen des FAR 58 erkennbar wird:

„Ringsum, durch den feuchten Nebel eigentümlich gedämpft und zerstreut, ertönt mit überraschender Plötzlichkeit stärker und stärker werdender Donner, zuerst nördlich des Flusses [der Somme] aus der Gegend Morlancourt, dann gerade vor uns bei Villers-Brétonneux. [... .] Nach wenigen Sekunden ertönen ringsum die Abschüsse unseres Sperrfeuers. Jedem ist klar: Der Feind trommelt! Von Norden nach Süden, soweit das Ohr reicht, umspült uns die gewaltig donnernde Flut. Man weiß nicht, wo sie anfängt. Man weiß nicht, wo sie aufhört. [... . ] Das Feuer, wie aus dem Jenseits herabgeschleudert, erreicht schnell den Grad äußerster Heftigkeit. In dem tobenden Lärm kann man nur die nächstliegenden Schüsse unterscheiden, oft nicht einmal diese. Nur das Surren der Sprengstücke um unsere Köpfe, der Qualm, der um die Geschütze streicht, beweisen die Nähe des Einschlags. [... .] Noch verrät kein M.G.-Geprassel, wie sonst, den Beginn des Infanteriesturmes. Die Leuchtzeichen, die das Sperrfeuer lenken, verschluckt Nebel. Man ist völlig abgeschnitten und der Batterieführer allein auf sich angewiesen.“2354

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Das Gefühl der Soldaten in den Vorfeldpositionen, in der Hauptwiderstandslinie und bei den Geschützbedienungen, völlig auf sich allein gestellt zu sein, ergab sich aus Sichtweiten, die sich zumindest anfangs auf maximal 10m belaufen haben sollen2355 und jedwede visuelle Wahrnehmung von Lage und Situation über diese Distanz hinweg unmöglich machten, sowie daraus, daß Sichtbehinderung und feindliches Artilleriefeuer optische Signalmittel und technische Kommunikationsmöglichkeiten weitestgehend unbrauchbar gemacht beziehungsweise dauerhaft zerstört hatten2356.

Im Unterschied zu den meisten Artilleristen, die, abgesehen von den Bedienungen der vorgeschobenen Tankabwehrgeschütze, hinter der Kampflinie der Infanterie standen, sich durch die Abgabe unbeobachteten Sperr- und Vernichtungsfeuers auf vorher zugewiesen Räume von den potentiellen Gefahren des Bevorstehenden geradezu ablenken und vor einem Auftreten feindlicher Kräfte von einer Warnung durch die im obigen Zitat erwähnten Anzeichen für den Kampf um die Stellungen ausgehen konnten, mußten die Stellungsbesatzungen mit einer plötzlich über sie hereinbrechenden Konfrontation rechnen. Dieser nervlichen Anspannung sowie der Gewißheit, daß bei Gefechtsberührung nicht einmal der allernächste Nachbar, das allernächste Maschinengewehrnest, geschweige denn ein Nahkampfgeschütz oder die Artillerie würde unterstützen können2357, und erst recht dem psychischen Druck, den dann tatsächlich aus dem Nichts auftauchende, „gespenstische Umrisse der Tanks im Nebel“2358 vor der eigenen Position verursachten, hielt ein kaum quantifizierbarer, möglicherweise nicht unerheblicher Teil der Truppe bei Gefechtsberührung nicht stand. Soldaten ergaben sich, oder sie suchten, mit oder ohne Waffen und zumindest teilweise nur halbbekleidet2359, ihr Heil in der Flucht nach hinten2360.

Zum Bild eines „poor fight“2361, den die deutschen Vorfeldbesatzungen und Kampfbataillone aus später geäußerter Sicht der Angreifer lieferten2362, gesellten sich Beispiele energischster Gegenwehr andernorts. Diese schwand zuweilen erst nach dem im Zweifelsfall verlustreichen Heranarbeiten des Angreifers an ein Widerstandsnest bis auf wenige Meter2363, oder bedeutete im Extrem eine deutsche Geschützbedienung, die auf minimale Distanz den direkten Schuß auf einen Tank und somit die gemeinschaftliche Selbsttötung durch die Explosion der eigenen Granate wählte2364. Worauf diese Reaktionen zurückzuführen sind, ob auf entschlossenere Führer, ausgeprägteres „Kameradschaftsgefühl“, blindes, weiterhin festes oder gefestigteres Vertrauen auf die Funktionsweise des Abwehrverfahrens mit der zu erwartenden Entlastung durch Gegenstöße und Gegenangriffe, den Umstand, daß einige dieser Teile vielleicht „lediglich“ von feindlicher Infanterie angegriffen wurden2365, oder gar die Möglichkeit, daß das Ausmaß der Kämpfe und die Vorgänge außerhalb der begrenzten, wortwörtlich „vernebelten“, eigenen Perspektive gar nicht zu Bewußtsein und Kenntnis der Soldaten kamen2366, mag dahingestellt bleiben. Im Fall der genannten Geschützbedienung, für welche diese Annahmen nur partiell Bestand gehabt haben dürften und für deren Verhalten diese Aspekte aus heutiger Sicht zudem auch keinerlei nur halbwegs plausible Erklärung bieten, kommt man auf dieselben, menschlichen Unerklärbarkeiten zurück, die in der vorliegenden Arbeit bereits in Form zahlreicher Beispiele für die Nahbekämpfung von Tanks mit affektgleichem und suizidähnlichem Charakter erwähnt worden sind2367.

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Das, was die Truppengeschichte des IR 13 unter „kurzer Heldenkampf“, der sich, wenn nicht gleich durch Tanks, dann aber durch die folgende britische Infanterie entschied, beispielhaft für andere Einheiten am 8.August 1918 subsumiert2368, stellte für den Gegner und nicht zuletzt seine Tankbesatzungen eine Herausforderung dar, deren Überwindung in der britischen amtlichen Geschichtsschreibung (1947) an zahlreichen Stellen gewürdigt wurde. Etwa im Zusammenhang mit dem 5.Bataillon des Tank Corps bei der angreifenden 9.Brigade der kanadischen Infanterie:

„The machines of A Company, except for one, gave little but moral aid to the infantry. They had to cross the Luce at Domart bridge in single File, and about four minutes after Zero [5.24 Uhr], the last tank when a hundred and fifty yards clear of the bridge received two direct hits. The barrage on the road being very heavy, the remaining 13 tanks were deployed and three became ditched in the swamp. Six other tanks received direct hits before reaching Hamon, thus only six remained.”2369

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Wie sich später erst in aller Deutlichkeit zeigen sollte, erreichten die Fahrzeugausfälle durch technische Pannen, das Festfahren von Tanks im Gelände und feindlichen Beschuß ein Ausmaß, das im Kampf seit Flandern 1917 und sonst überhaupt nur während der ganz anders gelagerten Verhältnisse des März 1918 vorgekommen war. Das Risiko, welches zugunsten eines auf einen Sieg im ersten Anlauf angelegten Gewaltstoßes mit der Offensive im Nebel eingegangen worden war, zeigte seine Tücken so schnell wie seine Wirkung auf den Feind. Eine Anzahl Tanks hatte ihre Sturmausgangsstellungen gar nicht erst erreicht, weil die Fahrzeugbesatzungen Marschwege nicht erkennen konnten oder verfehlten2370, und im wenigstens eingangs „nebulösen“ Trubel der Schlacht verloren Besatzungen den letzten geographischen Überblick und standen schließlich dort, wo sie laut Operationsplan nicht hingehörten2371. Die Auswirkungen dieser Entwicklung, welche die Zusammenarbeit von Tanks und Infanterie nachhaltig, aber anscheinend in Hinsicht auf das Tagesergebnis letztlich nicht wesentlich störte, lagen zum größten Teil im Bereich der Fortsetzung der Offensive. Zu einem anderen Teil lagen sie allerdings auch bereits im Bereich der Art, wie sich die britischen Angreifer dem letzten Hindernis vor dem Erreichen des Primärziels, der durch Rawlinson definierten Linie Méricourt, Harbonnières, Caix, Quesnel und Hangest2372, den deutschen Artilleriestellungen, näherten.

Versprengte Infanteristen, die an den Feuerstellungen des FAR 79 bereits um 6.30 Uhr unter dem Zuruf „Alles ist verloren!“ vorbeigekommen sein sollen, veranlaßten die Bedienungen dazu, ihre Geschütze zur Tankbekämpfung und Sturmabwehr aus den Deckungen heraus auf freies Feld zu bringen2373. Ausgewichene, noch bewaffnete und mit Munition ausgestatte Reste der Stellungsbesatzungen stellten sich ebenfalls zum Kampf und bildeten zusammen mit den jeweils divisionseigenen Gegenstoß-Kräften, darunter aus Trainsoldaten und Schreibern bestehende „letzte Reserven“2374, die beim Vorgehen in völlig unklarer Lage und im Nebel teilweise Gefechtsberührung bekommen hatten, aber nicht völlig zersprengt worden waren, Auffanglinien2375.

Hinter diesen Linien, wo Bagagen, rückwärtige Dienste und Verwundete versuchten, sich gemäß der jüngsten Befehle2376 nach Osten abzusetzen, wirkten feindliche Flieger verheerend. Wie der Führer einer erst am 8.August zur 2.Armee überstellten Pionierformation in seinem Tagebuch festhielt, begannen diese „mit dem Maschinengewehr zu mähen“, was ein Bild ergab, dessen nähere Beschreibung dem Augenzeugen unmöglich erschien2377. Damit nicht genug, einzelne Panzer-Fahrzeuge, denen es gelang, einen Weg bis hinter die noch existenten Verteidigungspositionen zu finden, traten nun erstmals auch real in einer Rolle auf, die bei Arras 19172378 schon als Gerücht für Besorgnis gesorgt hatte. Nun „wirtschafteten“ Tanks und Panzerwagen, um Thaers Ausdruck aus der Osterschlacht zu gebrauchen, tatsächlich unter völlig überrumpelten Schanzkommandos2379 und in den Kolonnen und Trains2380.

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Mit zeitlichen Versetzungen, die von Geschwindigkeit und Ausmaßen des Einbruchs in die deutschen Linien –die bei der Abwehr erfolgreichere 27.ID attestierte bei ihrem linken Nachbarn, der 43.RD, bereits um 8 Uhr eine Tiefe von 4 bis 5km2381- abhängig waren, standen die deutschen Batterien mit oder ohne Infanteriebedeckung wenige Stunden nach Beginn des Angriffs im Feuergefecht mit feindlichen Tanks und feindlicher Infanterie. Letztere trat meist geschlossen auf, erstere kamen, je nach lokaler Situation, durch vorherige Ausfälle und den Nebel bedingt2382, in kleineren Gruppen oder auch einzeln nacheinander an die Stellungen heran. Ein massives Problem bei ihrer Bekämpfung bestand bereits am frühen Morgen in zusehends zusammenschrumpfenden Munitionsbeständen der Artillerie2383, welche seit Auftakt der Schlacht ihre Sperrfeuerräume beschoß, aber von rückwärts zuerst keinen Nachschub und dann später auch keine Protzen zum Bergen der Geschütze mehr bekam. Und ein weiteres Problem lag im entstandenen Mangel an Infanteriemunition, namentlich an SmK-Patronen. Letztere waren von den Stellungstruppen zuvor mit einigem Erfolg auch gegen Tanks2384 verschossen worden, oder sie mußte, nachdem sich der Nebel langsam lichtete und feindliche Schlachtflieger im Tiefflug in großer Zahl angriffen2385, zur Fliegerabwehr gebraucht werden2386. Die Furcht gegenüber den Tanks, die der Chef der 2./FAR 13, Hauptmann von Gravenitz, nach dem Ausfall seiner Geschütze und wegen des Fehlens von Stahlkernpatronen später eingestand2387, mag unter diesen Bedingungen auch bei vielen Mannschaften vorhanden gewesen sein, so daß nicht wenige, verwundet und unverwundet, panisch oder in berechtigter Erkenntnis ihrer Chancenlosigkeit, mit und ohne Waffen, auf eigene Faust die Feuerstellungen, verbliebenen Widerstandsnester und Auffangstellungen verließen2388. Der Kampf zwischen den britischen Angreifern und den in erster Linie auf die noch feuerbereite deutsche Artillerie sowie auf die verbliebenen Maschinengewehre gestützten Verteidigern verlief, den einheitlichen Bedingungen im Zentrum des alliierten Angriffs entsprechend, grundsätzlich sehr ähnlich. Die Truppengeschichte des FAR 47 berichtete hierzu exemplarisch über das Ende der 6. und 9.Batterie des Regimentes:

„Allmählich verzog sich der Nebel und es wurde klarer. Bald tauchten auch von Süden her in der Flanke der Batterien Tanks auf, von denen drei erledigt wurden, Infanterie folgte. Von einzelnen zurückkommenden Infanteristen und Minenwerfern unterstützt, hielten sich die beiden Batterien mit den noch feuerbereiten Geschützen, Maschinen-Gewehren, Handfeuerwaffen und Handgranaten in erbittertem Nahkampf, bis die schwache Bedienung von der gewaltigen Uebermacht von Süden und Westen erdrückt wurde. Gegen 9.30 Uhr fielen die beiden Batterien in Feindeshand, nachdem die 6.Batterie noch in den letzten Minuten mit ihrem noch einzig feuerbereiten Geschütz die bereits von Feind genommene 9.Batterie beschossen hatte.“2389

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Bevor Batteriestellungen überrannt, vom Feind eingekreist zur Übergabe gezwungen oder von ihren Besatzungen aufgegeben wurden2390, brachten die Bedienungen zumindest den gepanzerten Angreifern vielerorts erhebliche Verluste bei. So beispielsweise im Bereich des RIR 265, wo eine Haubitze des FAR 243 vier Tanks abgeschossenen haben soll2391, oder bei der 6./FAR 58, die mit noch zwei feuerbereiten Geschützen an der Römerstraße nach St.Quentin stand. Von vorüberfahrenden Panzerwagen bereits ausflankiert, konnte die Batterie vor ihrer Überwältigung sieben Tanks zerstören2392.

Die zurückgehenden Überbleibsel der Stellungstruppen sowie Alarmreserven und in Gefechtsbereitschaft versetzte Stäbe versuchten daraufhin, eher in Kampfgruppenmanier, als noch auf formationstechnischer oder „einheitlicher“ Basis, das Vorankommen des Feindes zu vereiteln. Unterstützung fanden sie hierbei durch den Einsatz der für Gegenstöße und Gegenangriffe bereitgehaltenen, numerisch an sich schwachen Kräfte. Zu diesen gehörte beispielsweise die bespannte „Tankbatterie“ des FAR 79, die ab 6.30 Uhr im Einsatz war und im Laufe des Tages sechs Tanks zerstörten konnte2393, oder zwei am Vortag abgelöste Bataillone des GR 2, die gegen 8.30 Uhr aus ihrem frischbezogenen Ruheraum abgerückt waren und ohne Begleitung durch Artillerie auf das Gefechtsfeld vorgingen. Wie die Truppengeschichte in einem dem Alter und elitären Selbstverständnis des 1679 gestifteten, preußischen Grenadier-Regimentes angemessenen, nichts weniger als arroganten Tonfall berichtete2394, glaubte den als „Gesindel ohne Waffen“ klassifizierten Kameraden, auf die man traf und die über den bisherigen Gefechtsverlauf Auskunft gaben, zuerst niemand. Dann tauchte völlig überraschend ein einzelner Tank auf, der durch zusammengefaßtes Maschinengewehr- und Minenwerferfeuer in Brand geschossen werden konnte. Kurz darauf sah man sich, urplötzlich, mit Mengen an Tanks, von denen schließlich zwei kampfunfähig gemacht werden konnten, Infanterie und Kavallerie sowie energisch attackierenden Schlachtfliegern konfrontiert2395.

Heftige Feuergefechte und Nahkämpfe entspannen sich um einzelne, mehr oder weniger isolierte Positionen, lokal gebildete Auffanglinien, Waldstücke, Ruhe- und Stabsquartiere. Die Deutschen, so wie gerade für die beiden schwachen Bataillone des GR 2 dargelegt, waren hierbei hoffnungslos unterlegen2396 und konnten beispielsweise bei der Verteidigung des Divisionsstabes der 225.ID, sozusagen beim letzten Kampf um die imaginäre „Truppenfahne“, um die „Ehre, Vergangenheit und Zukunft“ eines Verbandes des Ersten Weltkrieges, noch ungefähr 500 Mann verschiedenster Kampf- und Unterstützungseinheiten mobilisieren2397. Anders als im Fall dieses Divisionsstabes, bei dem der Angreifer abgewiesen werden konnte und vier Tanks durch Maschinengewehrbeschuß mit SmK-Patronen verlor2398, widerstanden viele andere Positionen der Vehemenz und den Mitteln, mit welchen der Angreifer Ziele anging, nicht2399.

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Im Gegensatz zum bis hierhin entstandenen Eindruck eines in der Masse ungebrochenen Fortschreitens der Operation der britischen 4.Armee stand am frühen Nachmittag, daß einige Positionen der deutschen Restverteidigung nicht mehr attackiert wurden, nachdem dort Vorstöße abgewiesen worden waren und die Kampfhandlungen andernorts, etwa beim oben erwähnten GR 2, das am Abend unbehelligt auf eine weiter hinten notdürftig gebildete Linie zurückzugehen konnte2400, auf Feuerkämpfe begrenzt blieben. Auch das zum augenblicklichen Gegenstoß gegen den gerüchteweise allerorten durchgebrochenen und jetzt unbehelligt vorgehenden Feind eilends per Lastkraftwagen herbeigeholte FR 122 traf am Spätnachmittag lediglich auf die eigenen, spärlichen Sicherungen und schob sich, so wie beispielsweise auch die eintreffenden Batterien des FAR 2212401, in die vorhandenen, sehr dünnen Verteidigungslinien ein2402.

Der Grund dafür, daß der Angreifer nicht mehr oder eben nur noch mit signifikant verminderter Aggressivität an einzelnen Stellen weiter vorstieß, ergab sich daraus, daß das Primär- und Tagesziel bis dahin -beim Australischen Korps war dies gegen 13.30 Uhr bereits gegeben- weitestgehend erreicht worden war. Unter Rücksichtnahme auf die während des tiefen und rapden Vordringens entstandene erst einmal konfuse Lage und die durcheinandergeratenen Einheiten sowie wegen eines sich wenigstens in der subjektiven Wahrnehmung versteifenden Widerstandes des Feindes entschieden Führer vor Ort, es beim plangemäßen Etablieren einer durchgängigen Verteidigungslinie zu belassen2403. Detaillierte Anweisungen zur Fortsetzung des Angriffs, der schließlich schon zeitig einen Einbruch von bis zu 12km Tiefe bedeutete, waren im Operationsplan für die Infanterie auch nicht enthalten gewesen. Die zum Vorgehen über das erreichte Primärziel vorgesehene Kavallerie hatte ihre Unterstützung durch die Whippets im Nebel und wegen der unterschiedlichen Marschgeschwindigkeiten bereits früher verloren2404. Berittene Stöße über die eigene Infanterie hinweg scheiterten im deutschen Abwehrfeuer, welches gegen Kavallerie, wie so oft zuvor, mit verhältnismäßig geringem Aufwand und Einsatz wirkungsvoll war, oder sie blieben Episoden, bei denen sich vorgepreschte Schwadronen schließlich wieder auf die neugewonnene Infanterielinie zurückzogen2405. Für das Oberkommando der britischen 4.Armee und Haig, in deren Verantwortung das weitere Vorgehen lag, hatten sich aufgrund der nach und nach eintreffenden Lageberichte aus der insgesamt verheißungsvollen Situation an den Operationsflanken zudem Probleme ergeben. Das III.Korps hatte die Ziellinie, die „Amiens Outer Defences“, mit seinen beiden Angriffsdivisionen nicht erreicht, und auf der anderen Seite des Schlachtfeldes verlautbarte Debeney, daß seine Armee erst am nächsten Tag auf Höhe der Eindringtiefe des britischen Stoßes zur Fortsetzung der Operation bereitstehen könne. Dem so vermittelten Eindruck angemessen, welcher bei sofortiger Fortsetzung der Operation keine einheitliche Angriffsfront, sondern lediglich einen an den Flanken den wenigstens erfahrungsgemäß zu erwartenden deutschen Gegenmaßnahmen gegenüber exponierten Stoß zu bedeuten schien, wurde der Entschluß gefaßt, die verbleibenden Stunden des 8.August für Vorbereitungen zur Wiederaufnahme des Angriffs am nächsten Morgen zu nutzen2406.

Dieser wie auch immer zu bewertende Verzicht auf die sofortige Weiterführung des Angriffs, dessen Auswirkungen sich wohl nur dem später und aus vermeintlich informationstechnisch überlegener Position heraus Wertenden in der vollen Bandbreite eines abzuschätzenden Für und Wider erschließt, relativierte das beeindruckende Ergebnis des ersten Tages der Schlacht vor Amiens grundsätzlich nicht. Den Deutschen war binnen weniger Stunden eine der in jeder Hinsicht schwersten militärischen Niederlagen des Krieges bereitet worden und dabei waren die eigenen Verluste erstaunlich gering ausgefallen. Bis zum Abend hatten die Deutschen knapp 12.500 Gefangene an die britische 4.Armee und weitere 3.300 Gefangene an die französische 1.Armee verloren2407. Dazu konnten unüberschaubare Mengen an Waffen und Kriegsgerät aller Art sowie mindestens 330 Geschütze2408 als Beute eingebracht werden. General von der Marwitz bezifferte die Verluste seiner Armee auf knapp 28.000 Mann und 400 Geschütze2409, die sich im Bild gesammelter Reste deutscher Bataillone, die am Abend die neue Frontlinie bildeten, durchaus widerspiegelten. Das RIR 217 konnte am 9.August noch eine Kompanie unbekannter Größe bilden2410, das RIR 265 am selben Tag noch ein Bataillon mit 11 Offizieren und etwa 200 Mann2411, das IR 18 verfügte am 11.August über etwa 100 Mann in Linie2412. Das FAR 58, das innerhalb der großen Zahl ausgefallener Regimentsangehöriger 59 Richtkanoniere, 47 Fahrer und 80 am Maschinengewehr ausgebildete Soldaten als schwerlich zu ersetzenden Verlust an Spezialisten zu verbuchen hatte, dazu sämtliche Geschütze und über 250 Pferde2413, bestand nur noch auf dem Papier. Demgegenüber beliefen sich die britischen Ausfälle auf weniger als 9.000 Mann2414, von denen schätzungsweise 3.500 auf das Kanadische und lediglich 652 Mann (!) auf das Australische Korps, welche die Speerspitze des Angriffs gebildet hatten, entfielen2415. Schwerwiegendere Verluste waren beim Royal Flying Corps eingetreten, das zwar effektiv mit Schlachtfliegern in die Kämpfe hatte eingreifen können, aber zumindest über den Randbereichen des Schlachtfeldes heftigst von deutschen Fliegern attackiert worden war. Insgesamt 96 (13%) Maschinen gingen an diesem „unlucky day“ des RFC verloren2416. Noch gravierender stellten sich die materiellen Ausfälle beim Tank Corps dar, das laut amtlicher Angabe mit 415 Fahrzeugen im Einsatz gewesen war. Von diesen wurden 100 (24%) durch direkte Waffenwirkung des Feindes außer Gefecht gesetzt2417, was im prozentualen Verhältnis zu vorherigen Tank-Einsätzen an sich keine Abweichung von einer erfahrungsgemäß immer hohen Verlustziffer darstellt. Was allerdings die Gesamtausfälle des Tank Corps unter Einberechnung aller nur denkbaren Pannen und Mängel anbelangt, so ergibt sich aus der Tatsache, daß am Morgen des 9.August 1918 nur 145 Tanks klar zum Gefecht waren2418, ein 65%iger Fahrzeugschwund nach dem ersten Gefechtstag. Trotz der neuen und technisch als zuverlässiger eingeschätzten Mark V, insgesamt gut für Tankeinsätze geeigneten Geländes sowie der eingeschränkten Verteidigungsfähigkeit des Gegners war die Schlagkraft der gepanzerten Einheiten einmal mehr nach einem Tag Einsatz überaus signifikant gesunken.

12.4 Die Fortsetzung der Kämpfe im August 1918.

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Der großen Ähnlichkeit zwischen dem Verlauf des ersten Schlachttages im „Marnebogen“ und dem 8.August 1918 vor Amiens entsprach auch der Charakter der Folgekämpfe. Die britische Seite versuchte, ihre Angriffsfähigkeit wiederherzustellen, um an den grandiosen Erfolg vom Vortag anknüpfen zu können, und die Deutschen stemmten sich mit den Resten der früheren Stellungstruppen, herangeführten Heeresreserven sowie Einheiten und Verbänden aus Nachbarsektoren dagegen2419. Wie bei Kämpfen zuvor zeigte sich hierbei, daß es einfacher war, eine Verteidigung zu improvisieren, die bei ungünstigster Lageentwicklung zudem auf eine langsame Zurücknahme der Linie setzen konnte2420, als auf einem gerade genommenen Gefechtsfeld die Grundlage für einen koordinierten Großangriff zu schaffen. Die Schwierigkeiten, die den Briten bis zum Morgen des 9.August begegneten, glichen demgemäß denjenigen, die schon zuvor aufgetreten waren. Straßen und Wege waren verstopft, die Kommunikationsmöglichkeiten noch, oder etwa durch Tankbewegungen, welche die Telefonleitungen zerstörten, wieder eingeschränkt, die Artillerie, besonders die schwere, nicht oder nicht zum befohlenen Zeitpunkt zur Stelle2421. In den durch diese Probleme verursachten Einzelgefechten ohne Überraschungsmoment ab dem 9.August zeigten sich die deutschen Verteidiger den nun wesentlich weniger vehement vorgetragenen Angriffen insgesamt gewachsen. Weitere Geländeverluste und auch weiter steigende Gefangenenzahlen stellten sich zwar ein, jedoch nicht in einem dem ersten Operationstag entsprechenden Ausmaß und definitiv als Folge der geringen deutschen Kräfte beziehungsweise der immer noch deutlichen Überlegenheit des Angreifers. Dessen Tankunterstützung schrumpfte, von den 145 einsatzbereiten Fahrzeugen am 9.August ausgehend, rasch zusammen und bestand am Folgetag noch aus 67 Wagen, womit laut Fuller „nichts Wesentliches geleistet“ werden konnte2422. Am 11.August waren es nur noch 382423. Von den 688 bis dahin im Einsatz gewesenen Tanks waren laut Fuller 480 wenigstens zeitweilig gefechtsunfähige Fahrzeuge vom Schlachtfeld geborgen und den Instandsetzungswerkstätten überwiesen worden2424. Neben den in dieser Zahl enthaltenen technischen und sonstigen Ausfällen standen die eigentlichen Gefechtsverluste, welche in erster Linie von den vom AOK 2 nun ausdrücklich auf die Tankbekämpfung eingeschworenen2425 deutschen Batterien verursacht wurden und sich auf 39 am 9. und 30 am 10.August beliefen2426. Von deutscher Seite wurden hierbei unter anderem die Leistungen des FAR 221 besonders hervorgehoben, dessen Kommandeur mit der folgenden und hinsichtlich der Bewertung der Kämpfe beachtenswerten Begründung von der 107.ID erfolgreich zum Orden Pour le Mérite eingegeben wurde (Auszug):

„Schon drei Tage darauf, am 8.August, wurde die Infanterie der Division (zwei Drittel Inf. Brigade), an Geist noch vortrefflich, an Zahl eine ausgebrannte Truppe, in Lastautos vorgeworfen, um den Durchbruch der Engländer an der Römerstraße zwischen Proyart und Rainecourt zu verhindern. In dieser Lage stieß dort Major v. Kranold mit seinem Feldartill.Regt. 221 zur Division, brachte blitzschnell und mit sicherem Blick seine Abteilungen persönlich an die richtigen Stellen und übernahm sodann mit Ruhe und Umsicht die Tätigkeit des abkommandierten Artl.Kdrs. Dem schneidigen, rücksichtslosen und doch verständnisvollen und ruhig sicheren Einsetzen der Batterien, die ihrerseits von tüchtigen Offizieren geführt bis in die vorderen Linien fuhren, um die anrückenden Tanks abzuschießen, ohne dabei den Blick für andere Aufgaben zu verlieren, gelang es nicht nur, die den Tanks gegenüber ohnmächtige Infanterie zu schützen, sondern sie auch fernerhin Tag und Nacht (8. bis 12.August) so zu erleichtern und ihr solch kräftigen Halt zu geben, daß es tatsächlich fertig gebracht wurde, mit sozusagen einer Handvoll todesmutiger, ehrliebender Infanteristen (kaum 1.500 Gewehre) eine über 4km lange Linie zu behaupten gegen die besten engl. Truppen (Australier usw.), gegen zahlreiche Tanks und überlegene Artillerie.“2427

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Am 11.August entschied sich Haig entgegen einer Forderung Fochs dazu, die Schlacht abzubrechen. Von der 4.Armee war auf sich zusehends versteifenden Widerstand der Deutschen verwiesen worden, und demgemäß erschien die Option auf baldige Angriffe an anderen Stellen der Front wesentlich verlockender, als die Aussicht darauf, in der strukturellen Wüste des alten Sommeschlachtfeldes gegen einen erstarkten Gegner kämpfen zu müssen2428.

In allerdings nicht unumstrittenen, nackten Zahlen, welche in der späteren, historiographischen Aufarbeitung der Kämpfe beim jeweiligen Gegenüber durchweg sehr viel höher als hier angegeben veranschlagt wurden2429, umfaßte die Bilanz der Schlacht im Kerngebiet vor Amiens, daß die Briten rund 20.0002430, die Franzosen knapp 14.0002431 und die Deutschen, einschließlich der etwa 30.000 Gefangenen, schätzungsweise 48.000 Mann2432 verloren hatten. Hinsichtlich der deutschen Verluste ist bemerkenswerterweise zu konstatieren, daß tatsächlich nicht nur bei der 2.Armee eine ganz erheblicher Anteil (75%) Gefangener an der Gesamtsumme der Verluste konstatierbar ist, sondern auch im nicht durch „Tankmassen“ getroffenen Führungsbereich des AOK 18, wo auf den Ausfall von 11.500 Mann rund 5.500 „Vermißte“ kamen2433.

12.5 Tanks und Tankabwehr in der Abwehrschlacht zwischen Somme und Avre: Bewertungen und Reaktionen.

Was die Sicht späterer Betrachter auf den 8.August 1918 betrifft, so finden sich erhebliche Differenzen in seiner Bewertung. Daß es sich beim nur allzu offensichtlichen Resultat der Tages um eine schwere oder vielleicht sogar die schwerste Niederlage einer deutschen Armee im gesamten Kriegsverlauf an der Westfront handelte, war dabei als Gegenstand weitaus weniger diskutabel als die Frage nach Ursachen und Auswirkungen.

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Mai (1987), Heydecker (1988) und Chickering (2002) etwa, dazu zahlreiche Autoren früherer und späterer Veröffentlichungen2434, positionierten sich sehr nahe bei dem, was von Ludendorff in seinen Kriegserinnerungen (1919) ausgesagt worden war und den ersten Tag der Schlacht zu jenem berühmten und vielzitierten „schwarzen Tag des deutschen Heeres“2435 machte2436. Ludendorff zufolge war festzuhalten, daß „kampfkräftige“ deutsche Divisionen binnen kürzester Zeit von überraschend erschienenen „Tankgeschwadern“ überrollt worden waren. Dabei war es zu Szenen gekommen, die er im deutschen Heer für undenkbar gehalten hatte und die darin ihren besonderen Ausdruck fanden, daß zum Gegenangriff vorgehende Soldaten von flüchtenden Kameraden als „Streikbrecher“ tituliert worden seien2437. Das für die Gesamtbewertung der Schlacht als militärische Zäsur des Weltkrieges bedeutende Fazit Ludendorffs aus dem Geschehen, das er 1923 ausdrücklich als eine durch Fehler der Truppe und Truppenführung geschaffene „Niederlage des [von Defätisten u.a. unterwanderten,] ganzen Volkes“ gedeutet sehen wollte2438, bestand seinen Ausführungen nach aus seiner persönlichen Überzeugung, daß der Krieg nun zu beenden gewesen sei2439.

Mai sah eine direkte Verbindung zwischen den den Krieg in erheblichem Maß entscheidenden Tanks und eine den 8.August kennzeichnenden „Panik“2440. Für Chickering lieferte die von „400 Panzern“ mit Artillerie- und Luftunterstützung geschlagene Schlacht den Beleg für die schwindende Moral der Deutschen, was die kommende Auflösung des Heeres und damit das Kriegsende vorwegnahm2441. Und bei Heydecker war es primär „General Tank“, der „mit drei gewaltigen Schlägen“, bei Cambrai 1917 und bei Soissons und Amiens 1918, „die deutsche Front ins Wanken gebracht und moralisch niedergebrochen“ hatte- was letztlich dazu führte, daß am Abend des 8.August durch Tanks zurückgetriebene Infanteristen das Wort von den „Streikbrechern“ in den Mund nahmen2442.

Einen skeptischeren Umgang mit der vor allem durch Ludendorffs Aussagen schon rasch nach Kriegsende beeinflußten Sichtweise behielten sich zumindest einige Verfasser von Schriften in der Zwischenkriegszeit bei der Suche nach Ursachen für das Desaster des 8.August 1918 vor2443. Ob das Wort von den „Streikbrechern“ tatsächlich gefallen war, ob daraus gegebenenfalls und überhaupt ein Gesamturteil über die Kampfmoral ganzer Verbände, einer Armee oder gar eines gesamten Heeres gefällt werden konnte2444 und ob es neben den angesprochenen Gründen für die fast 30.000 Gefangenen noch bedeutende andere gab, stand im Zeichen einer allgemeinen Rekapitulation des Kriegsgeschehens und einer spezifisch deutschen „Schuldfrage“ des Zusammenbruchs von 1918 zur Diskussion. Und dies anscheinend nicht allein durch einen im Geist der Zeit wurzelnden Rehabilitationsversuch der wunschgemäß unbesiegt gebliebenen (ehemaligen) deutschen Streitkräfte und die geschichtlichen Vorstellungen eines jungen „III.Reiches“ begründet2445, sondern zumindest auch wegen der Offensichtlichkeit von Fehlern und Oberflächlichkeiten eines eben maßgeblich durch Ludendorff geprägten Geschichtsbildes. Dessen Fehlerhaftigkeit, und impliziert ist darin jener Hang Ludendorffs zu einer die Schuld von Truppe und Führung maßlos und voreilig herausstellenden Rückschau, bei der entscheidende Versäumnisse und Fehleinschätzungen der OHL grundsätzlich ausgeklammert blieben, wurde innerhalb der vorliegenden Arbeit bereits im Zusammenhang mit dem 18.Juli 1918 auf vergleichbarem Niveau attestiert2446.

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Anders noch als in seinem Gutachten für den Untersuchungsausschuß des Reichstages zu den Ursachen des deutschen Zusammenbruchs von 1918 (1927), in denen er als militärischer Sachverständiger und einer der bedeutendsten militärischen Protagonisten durchaus die Linie Ludendorffs wählte, äußerte sich Kuhl in seinem zweibändigen „Volksbuch“ über den Weltkrieg (1929). Der Charakter der Veröffentlichung als moralisch aufbauende Lektüre für ein breites deutschsprachiges Publikum schloß ein, daß, im Sinne einer die militärischen Protagonisten des Jahres 1918 von Verantwortung für den Kriegsausgang weitgehend befreienden Mär eines „Dolchstoßes“, selbstredend nicht primär das deutsche (Volks-) Heer und seine elitäre Führerschaft, sondern wehrkraftzersetzende Kreise in der Heimat und die Politik für den vorformulierten „schwarzen Tag“ und das bitterliche Kriegsende die Schuld trugen. Kuhl kam ohne eine besondere Betonung der in diesen Kontext nur leidlich passenden militärischen Faktoren Tanks und Überraschung zu dem allerdings interessanten Urteil, daß das „Nachlassen der Kampfkraft nicht einfach mit dem Vorwurf des Versagens“ abzutun sei, sondern das Resultat einer Überbeanspruchung der Truppe darstelle, welche angesichts numerischer Unterlegenheit immer wieder –tatsächlich auch erfolgreich- ins Gefecht geführt werden mußte. Die Aussage, daß dessen Widerstandwille durch „revolutionäre und antimilitaristische Wühlarbeit“aus der Heimat heraus mit entsprechend kriegsentscheidenden Resultaten untergraben worden war2447, ließ keine Frage mehr danach zu, inwieweit die Verantwortlichen, auch Kuhl selbst, die Truppe in fahrlässiger Weise überschätzt und über den Zenith der letzten Siegeshoffnungen hinaus wissentlich in ungleiche Kämpfe geschickt hatte2448.

Festgestellt wurde die geringe Objektivität gegenüber militärischen Gegebenheiten des 8.August 1918 etwa auch von Bose in einem Band der halbamtlichen Schriftenreihe „Die Schlachten des Weltkrieges“ (1930)2449 und vom ehemaligen Divisionskommandeur Kabisch in einer stark „feldgrau“ eingefärbten, aber zumindest halbwissenschaftlich zu nennenden und durch beachtenswerte, persönliche Erfahrungen bereicherten Abhandlung über die „Nebelschlacht vor Amiens“ (1933)2450. Unter Hinweis darauf, daß „keine Armee der Welt aus lauter Helden bestehe“ und es, durch das Katastrophale des Gefechtsverlaufs bedingt, sicherlich menschlich verständliche, panische Reaktionen gegeben habe, äußerte Kabisch sich eindeutig und hielt fest, daß von einem „Sich-überrennen-lassen“ der durch Ludendorff präsentierten Sichtweise keine Rede sein dürfe2451.

Parallel zu Militärschriftstellern kamen Truppengeschichten auf der Basis nicht in Feindeshand gefallener Kriegstagebücher und aufgrund mündlicher Überlieferungen der zum Teil in Gefangenschaft geratenen Regimentsangehörigen zu dem Ergebnis, daß es in den vom plötzlichen Angriff betroffenen Einheiten neben verschiedenen, nicht wegzudiskutierenden Beispielen für grundsätzlich „ehrwidriges“, panikartiges Verhalten und zu schnell erloschenen Kampfwillen, ebensogut Fälle außerordentlicher Tapferkeit und für offenkundig ungebrochenen Durchhaltewillen gab. Die Verantwortlichkeit der höheren und höchsten Führung für die Grundlagen dieser Feststellung wurde nicht selten deutlich herausgestellt und unter Hinweis auf den hohen Erschöpfungsgrad und die geringe Zahl der Verteidiger genauso klar bezeichnet, wie sie durch Belege für die tatsächlich unverständliche Ignoranz vorgesetzter Stäbe gegenüber den aus der Truppe gemeldeten Anzeichen für eine bevorstehende Offensive des Feindes untermauert werden konnte2452.

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Im Gegensatz zu den Schriften ehemaliger Angehöriger des Tanks Corps wie William-Ellis (1919) und Mitchell (1933)2453 oder deutschsprachigen Autoren wie Stegemann (1921) und Zwehl (um 1923)2454, welche den Sieg bei Amiens vor allem dem zweifellos aufopferungsvollen Einsatz und den taktischen Vorteilen der Tanks zuschrieben, bestätigten die relevanten Bände des australischen (1942) und britischen amtlichen Werkes (1947) die beispielsweise in deutschen Truppengeschichten präsenten Auffassungen ganz grundsätzlich. Und sie lieferten selbst auf der Grundlage eines durchaus deutlich erkennbaren Willens, die Leistungen der eigenen Truppen und die Qualität des Sieges nicht durch allzu schwerwiegende Zugeständnisse an eine irgendwie geartete Schwäche des Feindes zu verwässern2455, dennoch zahlreiche Beispiele für dessen gewohntermaßen sehr hartnäckigen Widerstand. Dies erfolgte nicht zuletzt auch durch das Herausstellen einer nicht so recht zu einem völlig und zutiefst demoralisierten Gegner passenden Fortsetzung der Kämpfe, die den Abbruch der Schlacht wegen eines sich verhärteten deutschen Widerstandes sowie drei weitere, sehr blutige und schwere Kriegsmonate nach sich zog. Im Vorwort des britischen amtlichen Werkes zur Schlacht vor Amiens findet sich zudem die im Zusammenhang mit dem heute existenten Bild vom Tank des Ersten Weltkrieges und seines Siegesfanals, dem „schwarzen Tag“, überaus erstaunliche und dort vielleicht am wenigsten zu erwartete Aussage:

„Most readers will be surprised to learn of the heavy casualties which were suffered by the tanks and how small was their material effect. It was otherwise with their moral effect; so it has pleased many Germans to attribute their defeat in the field to the tanks. This excuse will not bear examination.”2456

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Die Schnittstelle zu den dem Bild der kriegentscheidenden Schlacht und Tanks gegenüber bis heute kritischen deutsch- und vornehmlich englischsprachigen Betrachtungen zum Geschehen lag vornehmlich im Bereich der zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort überraschend ausgespielten Überlegenheit der Alliierten. Diese konnte, deutscherseits mit Fokus auf die eigenen Schwächen und die Führungsfehler höherer und höchster Stabe, britischerseits durch Betonung der Qualität der Angriffstruppen, der ausgiebigen Nutzung von Technik sowie des wenigstens anfangs mustergültigen Zusammenwirkens der Waffengattungen als Lehre aus den letzten Kriegsmonaten, eine sehr verschiedenartige Gewichtung implizieren. Zur Illustration mag Deist (2004) angeführt sein. Unter Beibehaltung des Stigmas einer „sich an diesem Tage in besonders eklatanter Weise zeigenden Demotivierung der Truppe“, die etwa auch Kabisch, wenigstens in einem Mindestmaß und durch gezielte politische Agitation sowie durch die katastrophale taktische Situation hervorgerufen2457, gesehen hatte, erblickte Deist gerade in der durch die OHL zu verantwortenden Überforderung der Truppe den eigentlichen Grund für das Desaster des 8.August 19182458. Die Wirkung der „Tankgeschwader“, die bei ihm keinerlei Berücksichtigung finden und auch schon bei Strachan (2003) durch den Hinweis auf hohe Verluste durch technische Mängel und ausdrücklich auch durch die deutsche Tankabwehr fragwürdig gemacht worden war2459, hatten tatsächlich bereits Travers (1992) und Harris (1998) im Sinne der oben angeführten und schon vorweggenommenen „examination“ des britischen amtlichen Werkes stark relativiert. Travers zitierte unter anderem einen kanadischen Brigadekommandeur mit den knappen Worten „The tanks proved a dissapointment“2460 und definierte den Tank in einer Weise als nützliches Kriegsgerät, wie man ihn bereits in seiner Lage- und Geländeabhängigkeit in den wenigstens vermeintlich doch längst überkommenen technischen und taktischen Situationen an der Somme 1916 und bei Arras 1917 findet2461. War er in einer spezifischen, geradezu „swintonschen“2462 Ausgangslage, in der Infanterie etwa von feindlichem Maschinengewehrfeuer zum Stehen gebracht worden war, vorhanden, konnte er unterstützend wirksam sein- taktisch, bei der aktiven Beseitigung von Hindernissen aller Art oder durch seine moralische Wirkung, die dem Feind die Aussichtslosigkeit seiner Lage suggerierte. Fehlte er, so war er, all der vermeintlich längst ausgeschalteten „Kinderkrankheiten“ zum Trotz, zuvor liegengeblieben, oder kampfunfähig geschossen worden2463. Was Travers parallel zu Harris anführte, war die hohe Einsatz- und Leistungsbereitschaft der Angriffstruppen aus den Dominions2464. Was ihn von Harris, in dessen Arbeit zum BEF zwischen „Amiens“ und dem Waffenstillstand sich das Ergebnis des 8.August 1918 sehr positiv darstellt2465, allerdings deutlich trennt, war das Herausstellen von Mängeln, Problemen und Fehlern, die beim Versuch, den von Ludendorff und Teilen der deutschen Militärgeschichtsschreibung der Zwischenkriegszeit akklamierten, realen strategischen Erfolg aus der Gunst der Stunde heraus militärisch tatsächlich zu erreichen, in Erscheinung getreten waren2466. Blaxland2467 (1968) hatte diese Probleme geradezu in der Tradition des erwartungsgemäß mit allem, das Tanks und ihren Einsatz durch die britische Führung betraf, unzufriedenen Fuller (1936) und eines Guderian (1937), die allerdings beide den 8.August 1918 als entscheidenden Erfolg der Tanks -Fuller sprach von einem „strategischen Waterloo“- auffaßten, klar benannt2468. Festgehalten werden konnte eine Art bitterer Beigeschmack des Sieges vor Amiens. Bestimmt wurde er dadurch, daß die alliierten Streitkräfte selbst unter den ab Mitte des Jahres 1918 gegebenen, sehr günstigen Voraussetzungen nicht dazu in der Lage waren, ein „Gefecht der verbundenen Waffen“ über die Dauer eines Tages hinaus -und man ergänze im Sinne der vorliegenden Arbeit: über die Rudimente eines längst verlorenen deutschen Heeres und die Relikte seiner Abwehrdoktrin hinaus- zu praktizieren2469.

Im Unterschied zu den nicht selten recht knappen Auslassungen über die Schlacht vor Amiens, die man im Gegensatz zu der ihr dennoch unterstellten Bedeutung besonders in Überblicksdarstellungen und im Internet finden kann2470, ist zu unterstellen, daß es neben der durch Ludendorff 1919 diktierten inhaltsschwangeren Auffassung durchaus ambivalente und davon deutlich abweichende Ansichten gibt. Allen gemein ist eine Auseinandersetzung mit den Äußerungen des früheren Ersten Generalquartiermeisters, dem aufgrund der heute immer noch gegebenen Vielschichtigkeit der Sichtweisen zugestanden werden kann, die Einordnung der Schlacht, der Tanks und des deutschen Heeres in ein offenbar allgemein vertretbares Bild des Kriegsausganges 1918 so nachhaltig bestimmt zu haben, daß man die folgende, recht repräsentative Passage an einem der wichtigsten deutschsprachigen Anlaufpunkte für Geschichtsinteressierte im Internet finden kann:

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„Bei Amiens begannen am 8. August 1918 insgesamt 35 alliierte Divisionen einen weiteren Vorstoß auf die deutsche Front. Die 20 britischen Divisionen setzten dabei 360 schwere Tanks vom Typ ‚Mark V Star’ [Mark V*] und 96 leichte Panzerwagen vom Typ ‚Whippet’ ein, die eine Geschwindigkeit von über 12 km/h erreichten. Die 15 französischen Divisionen verfügten über 90 Tanks und hatten mit etwa 1.000 Kampfflugzeugen die eindeutige Luftüberlegenheit. Dem zusätzlich von amerikanischen Hilfstruppen [2471] gestützten Sturmangriff hatten die Deutschen kaum etwas entgegenzusetzen, in ihre Frontlinie wurde ein tiefer Keil getrieben. Dabei zeigte sich vor allem, daß die Kampfmoral der deutschen Soldaten gebrochen war, die sich verausgabt hatten und zu Tausenden resigniert ergaben. Angesichts der schweren Niederlage nach dem Durchbruch von Amiens war die Oberste Heeresleitung (OHL) überzeugt, daß der Krieg mit militärischen Mitteln nicht mehr zu gewinnen war.“2472

Die dem Kern dieser Darstellungsweise gegenüber skeptischeren, vor allem aus der Zwischenkriegszeit stammenden, deutschsprachigen Betrachtungen finden hierin keinen Niederschlag, ebensowenig die gleichartig veranlagten einer meist englischsprachigen, kriegsgeschichtlichen Literatur der letzten Dezennien. Daß die Kampfmoral der deutschen Truppen ganz generell und maßgeblich durch den Tank gebrochen worden war, wie es auch in heutigen Schulbüchern dargestellt wird2473, bleibt demzufolge genauso nur eine Behauptung, wie es die allzu enge Verquickung dieser generalisierenden Hypothese mit „Tankmassen“, denen deutsche Soldaten hilflos –oder doch zumindest hilfloser als andere Soldaten anderer Armeen damals oder später- gegenüberstanden haben sollen, ist.

12.5.1 Britische Perspektiven und Reaktionen.

Der von Fuller erwähnte Charakter der Schlacht vor Amiens als ein dem Feind bereitetes Waterloo, war auf den ersten Blick, wie er selbst eingestand2474, nicht auszumachen. Statt dessen war auf einen siegreichen, ersten Tag einer Operation zu blicken, wie es solche zuvor schon häufiger, etwa mit dem 9.April 1917 bei Arras, dem 7.Juli 1917 bei Wytschaete oder dem 20.November 1917 bei Cambrai, gegeben hatte. Impliziert war darin in früheren Fällen nicht gewesen, dem Kriegsende wesentlich näher gekommen zu sein, oder diese Hoffnungen waren nach dem furiosen Auftakterfolg relativ rasch wieder abhanden gekommen. In der Wahrnehmung des „schwarzen Tages“ scheint dies insofern anders gewesen zu sein, als daß er die Initialzündung für eine Kette kommunizierbarer Erfolge der Alliierten und einen maßgeblich moralischen Sieg bedeutete, der, in Parallelität zur Wirkung des 18.Juli auf die Franzosen2475, Hoffnungen auf einen baldigen und glücklichen Ausgang des Krieges neu beflügeln konnte. Der im vorangegangenen Abschnitt genannte „bittere Beigeschmack“ des Sieges vor Amiens, wegen durch Fehler verursachter Auslassung von Möglichkeiten zu einem wesentlich verheerenderen Schlag gegen den Feind, blieb auf den Erkenntnishorizont der damals auf höchster Ebene wissenden und erkennenden Führer und Planer, die letztlich doch mit sich und dem Erreichten zufrieden sein konnten, sowie den zum Teil sehr viel später auf die Ereignisse zurückschauenden Betrachtern beschränkt. Propagandistisch verband sich mit dem Namen Amiens das Bild eines Triumphes2476, der weder durch horrende Gesamtverluste noch durch effektive Abwehrmaßnahmen des Feindes eingetrübt wurde, und, wenngleich er an sich noch nichts abschließendes beinhaltete, doch Zeugnis davon ablegte, daß Deutschlands militärische Kraft am Ende war2477.

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Untrennbar mit dem Triumph verbunden war der Masseneinsatz von Tanks, die neben ihrer bekannten, taktischen Fähigkeit, Widerstandsnester feindlicher Infanterie bekämpfen zu können, erstmalig auch bis zu den im Motto des Tank Corps herbeigesehnten „green fields beyond“ durchgestoßen waren und eine unzweifelhaft große Wirkung auf den Widerstandswillen noch kämpfender oder bereits vom Gefechtsfeld geflohener Feinde ausgeübt hatten. An der Überhöhung ihres Einsatzes wurde, wie im vorangegangenen Abschnitt erwähnt, in der Folgezeit im Sinne ihrer schlachtentscheidenden Unüberwindlichkeit2478, wie sie etwa bei Mitchell deutlich wird, gearbeitet, aber auch schon am 24.August war der Kolumnist der „The War Illustrated“ so weit, den 8.August als den „Day of ‚the Whippet’“ zu bezeichnen2479.

Hiergegen und auch gegen die den Einsatz der neuen Tanks besonders hervorhebende Lobadresse Rawlinsons vom 16.August2480 stand etwa, daß sich der Kommandeur der 3. (leichten) Brigade, Hardress-Lloyd, wegen der Verluste der Whippets bei ihren vereinzelten Vorstößen und der Idee ihres Gebrauchs als Speerspitze eines Angriffs, kritisch äußerte und gravierende Fehler attestierte. So schien ihm das Fahrzeug wegen mangelnder Geschwindigkeit (!) kaum dazu geeignet, mit Kavallerie oder in der ihnen eigentlich als Kavallerie-Ersatz zugedachten Rolle ohne den Schutz der schweren Tanks agieren zu können2481. Die Kritik an den neuen Fahrzeugtypen war auch in anderer Form feststellbar, die zudem über die zahlreichen taktischen Defekte hinausgingen. So waren die Mark V und V* dadurch bei ihren Besatzungen besonders negativ aufgefallen, daß sich in ihrem Inneren Motorabgase zu betäubender Dichte angesammelt hatten. Von einer Besatzung eines Mark V ist bekannt, daß sie ihr Fahrzeug wegen dieses Umstandes im Gefecht zu verlassen gehabt hatte2482; und über die Rückkehr nicht abgesetzter, in einem Mark V* transportierter Maschinengewehrtrupps berichtete Mitchell:

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„They staggered from the machine in a semi-aspyxiated condition; some had been vomiting, and others were on the point of fainting. The extremely hot and close atmosphere of a tank interior on a sunny August day, combined with the cordite and petrol fumes, had soon bowled them over, and as they slowly came round, they swore forcibly and repeatedly that never again would they travel in tanks, not for all the generals in creation!”2483

Und dabei hatten diese mitgeführten Soldaten, vielleicht die ersten „Panzergrenadiere“ der Geschichte, noch das Glück gehabt, überhaupt aus dem Gefecht zurückzukommen. In diesem spezifischen Fall hatte das daran gelegen, daß das deutsche Abwehrfeuer am Entladeort zum Ausbooten zu stark erschienen war. Für eine ganze Zahl der langsamen Riesen und ihre Besatzungen gab es keine Rückkehr. So begegnete Fuller bei einer persönlichen Besichtigung des Schlachtfeldes am 9.August „einer traurigen Reihe abgeschossener Mark-V*-Tanks, die alle, nachdem sie eine kleine Anhöhe erklommen hatten, von einer Batterie von Feldgeschützen außer Gefecht gesetzt wurden, ähnlich wie bei Flesquières“2484.

Das Resümee der Erfahrungen des Tank Corps zu den Kämpfen bei Amiens, wie es von Fuller in einem auf sie folgenden Bericht festgehalten wurde, fiel demgemäß weitaus unvorteilhafter aus, als man es dem heute populären Bild der Schlacht entsprechend erwarten würde. Und weit über die Forderung nach neuen Fahrzeugen für die als „Plan 1919“ projektierte und bekannt gewordene, tankgestützte Entscheindungsoffensive2485 hinaus, war eine grundlegende Kritik an der Planung der Schlacht und des Einsatzes der Tanks enthalten2486. Ihre Operationen waren von festgefaßten Zielen, die sich während der Kämpfe nicht beliebig abändern und erweitern ließen, abhängig. Starke Reserven waren grundsätzlich immer auszuscheiden, um gegen ein erschöpfungs- und technikbedingtes Erschlaffen der Kampfkraft in entscheidenden Gefechtsmomenten etwas in der Hand zu haben. Die allein zum Durchbrechen der feindlichen Stellungen geeigneten schweren Tanks mußten durch Infanteriebegleitung stärker gegen feindliche Tankabwehr geschützt sein und ein Einsatz des Whippets mit Kavallerie zusammen sei fernerhin undenkbar, da der leichte Typ in nicht durch andere Waffen behinderter, freier Ausübung seiner Rolle als „mechanische Kavallerie“ einzusetzen sei.

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Die Quintessenz von Fullers Äußerungen zum 8.August bedeuteten tatsächlich umfassendste Kritik an der höheren und vor allem höchsten Führung, die, wie so viele Male zuvor seit den ersten Tankeinsätzen, seiner Ansicht nach nicht wirklich verstanden hatte, wozu gepanzerte Fahrzeuge tatsächlich in der Lage waren2487. Der Beweis des Gegenteils blieb durch das rasch folgende Kriegsende zwangsweise aus, und der „Plan 1919“, für eine primär auf Tankmassen basierende und auf Bewegungs- oder gar den sagenumwobenen „Blitzkrieg“ ausgerichtete Einsatzdoktrin der verschiedenen Waffengattungen2488, kam nicht mehr zur Verwirklichung.

Dieser sehr mit Fullers Person und Visionen verbundenen Anschauung, die, seiner Meinung nach und aller Probleme und Fehler ungeachtet, doch den bei Amiens errungenen historischen Sieg von „machine-power“ über „man-power“ beinhaltete, stand in der Wahrnehmung späterer Betrachter entgegen, daß es sich beim 8.August vielleicht weitaus weniger um einen Erfolg des Tank Corps handelte, als durch dessen Protagonisten und deren Epigonen suggeriert.

So ist hinsichtlich der Seite des Feindes anzuführen, daß seine bei Hamel sichtbare Schwäche als ein entscheidendes Moment zum Angriff bereits in der Operationsplanung zum 8.August angeführt worden war2489. Das rapide und in Relation zu früheren Unternehmungen wenig verlustreiche Vordringen entsprach also durchaus vorhandenen Hoffnungen auf eine schone gesunkene Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft des Feindes, die nicht zuletzt dadurch berechtigt waren, daß bei den Deutschen, wie Foch über den 18.Juli gesagt hatte, „etwas in ihrem Mechanismus nicht in Ordnung“ war2490. Dazu gehörte unterlassener Stellungsbau, dessen Fehlen in der Operationsplanung der 4.Armee erkannt worden war2491 und dafür den Ausschlag gab, daß auf die Beteiligung der schweren Geschütze an der Feuerwalze und auch auf die Mitnahme von Faschinen auf den Tanks verzichtet werden konnte. Außerdem belegten Gefangenenaussagen nach der Schlacht, daß wohl die Hälfte der Befragten mit einer bevorstehenden Offensive gerechnet hatte, was berechtigterweise darauf hindeutet, daß die Weitergabe von Informationen über alliierte Angriffsvorbereitungen unterblieben oder irgendwo auf dem Dienstweg der Deutschen steckengeblieben war2492. Der Grad der Schwäche der deutschen Verteidiger wurde wohl nicht in vollem Ausmaß erkannt, was allerdings seinen Grund im Auftreten wenigstens partiell hartnäckigen Widerstandes, dem Heranziehen von Reserven und vor der Schlacht noch vorgenommener Ablösungen hat. Außerdem darf man auf Basis der vorhergehenden beiden Kapitel anführen, daß sie ja selbst auf deutscher Seite nicht vollends erkannt und auf jeden Fall nicht in klaren Worten kommuniziert worden ist und ihre Darstellung beim Sieger, sowohl im zeitlichen Kontext der Kampfhandlungen ab dem 8.August, als auch bei der Aufarbeitung des Kriegsgeschehens seit Kriegsende 1918, den unliebsamen Charakter gehabt hätte, die Leistung der eigenen Führung und Truppe zu schmälern.

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Auf der Seite des Angreifers, der von offenkundigen Fehlern der Deutschen so weit profitieren konnte, daß, wie Travers anführte, trotz der Gefangenenaussagen im Feindaufklärungs-Bericht des Kanadischen Korps der Nimbus vollständiger Überraschung dann quasi hemdsärmelig kämpfender Verteidiger enthalten bleiben konnte2493, waren zudem aus eigenem Antrieb die Bedingungen zumindest für einen grandiosen Tageserfolg geschaffen worden. Neben dem Faktor Überraschung ist die Ausnutzung von Nebel zu nennen, welcher Schutz bei der Annäherung an den Feind gewährte und diesem die Möglichkeit zu koordiniertem Feuerkampf nahm. Daß er zugleich ein zweischneidiges Schwert war, welches die eigenen Kräfte behindern konnte, geht aus dem Gefechtsverlauf allerdings auch hervor und fand seinen Niederschlag in einer Forderung Fullers, (künstlichen) Nebel fernerhin nur noch als Abwehrmittel zu betrachten und ihn aus Angriffsplanungen auszuschließen2494. Wesentlich für den britischen Erfolg war ebenfalls gewesen, daß die britische Artillerie dem deutschen Gegenüber durch die Zerstörung von Kommunikationsmitteln und auch besonders durch das Niederkämpfen der größtenteils erkannten Batteriestellungen erheblichen Schaden zufügen konnte. Wie Harris in seiner Analyse der Schlacht festhielt, wurden tatsächlich nur 27% der Verluste der 4.Armee durch deutsches Artilleriefeuer hervorgerufen2495, was signifikant unter den sonst üblichen Margen von etwa 75% im Stellungskrieg und immer noch mehr als 50% im Bewegungskrieg lag2496. Für das ungünstige Verhältnis zwischen Verlusten der deutschen Artillerie und der durch sie erzielten Wirkung, wie es von Guderian im simplifizierenden Resümee von 400 verlorenen Geschützen gegenüber 100 abgeschossenen Tanks angeführt wurde2497, gibt es demgemäß Gründe, die schließlich kaum etwas mit der Wirkung der Tanks zu tun haben und sich angesichts der ungünstigen Gefechtsbedingungen recht eindrucksvoll ausnehmen. Und sie erscheinen auch deshalb eindrucksvoll, weil an die Seite der schwachen deutschen Infanteriekräfte, welche die Artillerie hätte schützen können, numerisch überlegener und hoch motivierter Feind trat. Diesem, namentlich den Angehörigen des Kanadischen und Australischen Korps, kann so wie den französischen und amerikanischen Soldaten im Befehlsbereich des XX.CA am 18.Juli 1918 zugestanden werden, als Elite, hochmotiviert, vergangenen Waffentaten nacheifernd oder solche zum Ruhme der Nation unbedingt erbringen wollend, mit großem Elan angetreten zu sein. Auch ohne Tankunterstützung wurde feindlicher Widerstand mit infanteristischen Mitteln gebrochen2498.

Auf die Fortführung des Krieges wie auch auf das Bild vom Tank und seiner Wirkung hatte dies alles nur begrenzte Wirkung. Und wenn doch, dann nur insofern, als daß sich aus dem Sieg vor Amiens Zuversicht, Stolz und Erfolgsbewußtsein aller Beteiligter synthetisieren lassen konnten2499. Auf dieser Basis, mittels massiver, zeitlich begrenzter Schläge an verschiedenen Stellen der Westfront, deren Wucht sich mehr psychologisch als real in den daran als Speerspitze beteiligten Tanks erfassen ließ, ging es in die Schlußphase des Krieges.

12.5.2 Deutsche Perspektiven und Reaktionen.

Wie bei Arras 1917 ließ sich Ludendorff über den beunruhigend verlaufenen ersten Tag der Schlacht durch zum Schauplatz des Geschehens, zum AOK 2, entgesandte Offiziere berichten. Gewohnheitsgemäß noch bevor die Erkenntnisse aus diesem Versuch, hinter die Kulissen der betroffenen Armee und der Vorgänge einer für Ludendorff unerwartet eingetretenen „schweren Niederlage“2500 zu schauen, dem Heer mitgeteilt wurden2501 und noch vor dem Eingang der schriftlichen Gefechtsberichte der beteiligten Verbände, hatte der Erste Generalquartiermeister seine Sichtweise fertig gefaßt. Dem erschütterten und dann zum Friedensschluß gewillten Kaiser teilte er bei einem Lagevortrag am 10.August seine vorgefertigte Meinung über das „Versagen der 2.Armee“ mit. Dieses war, seiner Ansicht nach, nicht allein mit einer Übermüdung der Truppen zu erklären2502, und er legte dar und empfahl, weiterhin keinen Fußbreit Boden mehr aufzugeben. Wie Ludendorff später und mit einer wenigstens im Kontext des Schocks vom 18.Juli gerade auch für den 8.August anzunehmenden Aufrichtigkeit versicherte2503, ging es ihm von diesem Moment an nur darum, eine gesicherte militärische Lage herzustellen und unter „eventuellem“, langsamem Ausweichen die Grundlagen für aussichtsreiche Friedensverhandlungen zu schaffen beziehungsweise in der Hand zu behalten. Inwieweit diese Auffassung über einige wenige Tage und einen auch dem Reichskanzler gegenüber im Geheimen geleisteten Offenbarungseid vom 14.August2504 hinaus bestimmend war, muß fraglich sein. Schließlich verband sich mit dem ersten Eingeständnis des verlorenen Krieges am 10.August sofort auch ein Hoffnungsschimmer in Form einer Nachricht aus Wien. Diese besagte, daß der Verbündete, falls nötig, noch bis zum Frühjahr 1919 durchhalten könne2505. Das Frühjahr 1919 spielte insofern eine geradezu magische Rolle, weil bis dahin die von der OHL als Teil des militärischen Hauptdefizits aufgefaßten Mängel, fehlende Tanks und zu wenige Tankabwehrwaffen, beseitigt sein würden2506. Gegen die andere Hälfte des wenigstens seit den Geschehnissen im „Marnebogen“ feststehenden militärischen Problemkomplexes in den Augen der OHL, die Fehler einer offenbar kampfunwilligen Truppe und die Kopflosigkeit und Weichheit ihrer Führung, hoffte Ludendorff offenbar, in Übereinstimmung mit bekannten Verfahrensweisen und jüngsten Verlautbarungen, etwas erreichen zu können.

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So war eine erste Reaktion auf die aktuelle Situation, daß er seine Fachkraft für militärisch besonders schwierige Lagen, Loßberg, noch am 8.August aus einem Heimaturlaub zurückgerufen und in der Funktion als Stabschef der baldigst2507 neuzubildenden Heeresgruppe des bislang „ungeschlagenen“ Generalobersten von Boehn zur Lageorientierung in den Bereich der zu führenden 9., 18. und 2.Armee gesandt wurde2508. Dieser Umorganisation der Verhältnisse im Zentrum der Westfront lag augenscheinlich ein gesunkenes Vertrauen Ludendorffs gegenüber bestimmten hohen Offizieren zugrunde. Beim durch den 18.Juli belasteten Befehlshaber der 9.Armee, von Eben, der nun die Armee-Abteilung A übernahm, fiel die Abstrafung noch verhältnismäßig glimpflich aus. Beim zum Kommandeur einer nicht einmal dem Friedensheer zugehörigen Infanterie-Brigade deklassierten Stabschef des AOK 2, Oberst von Tschischwitz2509, besaß sie den Charakter einer harschen Abstrafung in der Manier des „Falls Nagel“ bei Arras 19172510. Wie Ludendorff sich im Zusammenhang mit der Absetzung Tschischwitz’ gegenüber Generaloberst von Einem, dem Vorgesetzten des zum neuen Stabschef des AOK 2 bestimmten Oberstleutnant Klewitz, ausdrückte, sollte hierdurch tatsächlich „die über alle Maßen große Schweinerei“ (sic!) bei der 2.Armee in Ordnung gebracht werden2511.

Von naheliegenden praktischen Maßnahmen zur Beseitigung der kritischen Lage, die über Organisations- und Personalveränderungen hinausgingen, wollte er nichts wissen, falls sie nicht konform zum eingeforderten starren Durchhalten waren. So konnte der am 10.August durch Tschischwitz und Marwitz persönlich über die ihnen unhaltbar erscheinende Lage des AOK 2 informierte Kuhl seine Ansichten zu einer ihm nun geboten erscheinenden Zurücknahme der Front genausowenig bei Ludendorff durchsetzen2512 wie Loßberg, der die Aufgabe der exponierten Frontbogen auch früher schon angeregt hatte2513. Die Schuld Ludendorffs, der für die für Truppe und Führung so schwierigen Ausgangssituationen der Abwehrkämpfe seit Frühjahr 1918 und damit letztlich für die katastrophalen Gefechtsverläufe -auch erst einmal fern der Frage nach Kopflosigkeiten, Tanks und friedenspolitischer Agitation aus der Heimat- verantwortlich war, hatten beide Generalstäbler erkannt2514. Auf die Bewertung des Geschehens und die kommenden Ereignisse hatte dies keinen Einfluß. Und so konnte erst am 10.August das erste Merkblatt über den tatsächlich schon seit Mitte Mai bekannten und in der britischen Presse auch bereits vorgestellten2515 Whippet -dem auch erst am 20. des Monats ein Merkblatt zum FT-17 folgte2516- von der OHL herausgegeben werden2517, ohne daß damals oder später auf die Kuriosität dieses Umstandes besonders verwiesen worden ist. Das Gegenteil war der Fall. Denn betrachtet man etwa die Aufzeichnungen General von der Marwitz’, der davon sprach, daß ihm die bei Cambrai eingesetzten Tanktypen weiterhin nichts ausgemacht hätten, vor Amiens aber schnellere und beweglichere Fahrzeuge –man erinnere sich jetzt an die Mär vom „Day of ‚the Whippet’“2518- aufgetreten seien2519, so wird deutlich, daß im Zusammenhang mit den Tanks entweder ein gravierendes Vermittlungsproblem vorlag und, beziehungsweise oder, bestimmte Herren in verantwortungsvollen Positionen ihren Aufgaben nicht gerecht wurden und früher oder später danach trachteten, diese Tatsache vor ihrem Ego und der Nachwelt zu verbergen2520.

Die am 11.August 1918 von der OHL herausgegebene Erklärung zum Desaster vor Amiens entspricht dieser naheliegenden Vermutung und knüpfte in Stil und Inhalt nahtlos an die realitätsfremden Appelle und Verlautbarungen zu den Kämpfen im „Marnebogen“ an. Als Gründe für die Niederlage der 2.Armee wurde bezeichnenderweise erstens angeführt, daß sich die Truppe überraschen und durch „Massentankangriff“ aus der Fassung habe bringen lassen. Zweitens führte die OHL an, daß keine ausreichend ausgebauten Stellungen vorhanden gewesen seien und drittens, daß die Artilleriezuteilung fehlerhaft gewesen sei, wodurch den für Gegenstoß und Gegenangriff bereitgestellten Einheiten die Unterstützung im Kampf gegen durchgebrochenen Feind gefehlt habe2521. Die Weisungen zur Beseitigung der attestierten Fehler, die sich sämtlich auf Tanks und ihre Bekämpfung bezogen und Faktoren wie die physische und psychische Erschöpfung der Truppe, deren geringe infanteristische und artilleristische Stärke, mangelnde Munition, die Witterungsumstände und vor allem die Ignoranz der höchsten Führung gegenüber diesen längst vor der Schlacht feststellbaren Zuständen nicht berücksichtigten, umfaßten primär die Anlage umfangreicher Bauten zur Abwehr feindlicher Tanks an der Front und dahinter2522. Der Durchbruch feindlicher Kampfwagen bis auf Stabsquartiere und die Rückzugswege von Bagagen, Kolonnen und Trains am 8.August fand damit eine Würdigung, die allerdings, wie der durch die Führung mit Nachdruck zu verlangende Stellungsbau zum Schutz der Infanterie, die wortwörtlich „in der Erde verschwinden“ sollte2523, eine phantastische Note hatte. Immerhin handelte es sich um Befehle für eine hunderte Kilometer lange Westfront, die vom Feind nach dessen Belieben attackiert werden konnte. Und dann war es so, daß derartige Vorhaben schon vorher wegen fehlenden Personals oder zu dessen Schonung sowie wegen fehlenden Materials nicht hatten umgesetzt werden können2524.

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Phantastisch und zweifellos dazu geeignet, den Leser unter Beachtung der Verhältnisse des Sommers 1918 an „Führerbefehle“ aus der Spätphase des Zweiten Weltkriegs zu erinnern, klang der Appell an Stellungsbesatzungen, bis zur „letzten Patrone und zum letzten Mann“ auch dann „tagelang“ zu halten, wenn sie umgangen und eingeschlossen worden waren2525. Nahezu gleichlautende frühere Aufrufe, die allerdings 1917 auf den Zusatz eines „wenn nötig tagelangen“ Widerstandes verzichtet hatten2526, kennzeichneten das Aushalten in einer solchen Lage als unumgängliches Element des damals noch neuen Abwehrverfahrens mit Tiefengliederung. Dieses war 1918, angesichts der allerorten spür- und sichtbaren Auswirkungen früher erlittener Verluste, nicht mehr funktionsfähig, wie durch den Umstand illustriert wird, daß die 2.Armee vor dem 8.August nur über zwei „vollkampffähig“ beurteilte Verbände und über keinerlei kampfstarke, ausgeruhte Reserven für massive Gegenangriffe verfügte2527. Die 1917 noch mit dem Appell unauslöschlich verbundene ausdrückliche Versicherung, daß bereits Gegenstöße (eigener Einheiten) abgeschnittenen Truppen Rettung bringen würden2528, war jedenfalls im Maßstab einer an einem Tag, mehr oder weniger plötzlich und irgendwo auf dutzenden Kilometern Breite kollabierenden Armeefront illusorisch- und sie war in der Weisung der OHL vom 11.August 1918 bezeichnenderweise auch gar nicht mehr enthalten2529. Die suggestive Aussage Ludendorffs, daß ein „Gegner, der umgeht, selbst umgangen ist“, und seine Forderung nach Abriegelung von Einbruchstellen, bei denen der Durchbruch „einzelner Tanks“ und einiger, durch Infanteriefeuer zu vernichtender Kavallerie-Abteilungen2530, kein Grund zum Zurückgehen der eigenen Linie bedeuten könne2531, war den Ausgangslagen des „schwarzen Tages“ und seiner Vorgänger seit Malmaison im Oktober 1917 ebenfalls völlig unangemessen. Mit der folgenden Rekapitulation der in und hinter Kampfzone beweglich bereit- beziehungsweise in günstig angelegten Positionen aufzustellenden Feldartillerie2532 sowie der infanteristischen Tankabwehrmittel (Minenwerfer2533, Maschinengewehre und Tankgewehre2534), lieferte die OHL den unterstellten Stäben und Verbänden keine grundsätzlich neuen Ratschläge.

Hierzu paßte auch die Weisung vom 15.August 1918, die inhaltlich allerdings etwas präziser gefaßt war und sich mit den jetzt besonders wichtigen „mechanischen Mitteln“ der Tankbekämpfung auseinandersetzte2535. Mitgeteilt wurden die Erfahrungen des I.bAK mit Minen am 15.Juli 19182536 und der generell gehaltene Befehl zum Improvisieren dieser Waffen sowie anderer Elemente der passiven Tankabwehr. Der Zwang zu Improvisationen sowie eine erstaunliche Unkenntnis über Anlage und Ausführung von Tankabwehr-Hindernissen führte, trotz aller guten Absichten der betroffenen Soldaten und Dienststellen, mancherorts zu merkwürdigen Blüten. So beurlaubte das Pionier-Bataillon 242 einen Hauptmann nach Deutschland, um dort ganz privat für die Herstellung eines von ihm persönlich entwickelten Minenzünders zu sorgen, und das Bataillon selbst begann Ende August an der Aisne mit dem Bau eines Tankgrabens in den längst überkommenen aber offensichtlich und bezeichnenderweise nie deutlich genug als unsinnig vermittelten2537 Dimensionen von 2,50m Breite und 2m Tiefe2538.

Sei es, ob nun die Angst vor persönlicher Sanktionierung oder die davon alles andere als losgelöste Sorge um den potentiell bedrohten eigenen Abschnitt den Ausschlag gab, die Weisungen der OHL nach dem 11.August zogen jedenfalls in den Stäben der Westfront eine tankbezogene Geschäftigkeit nach sich, wie sie in diesem bis zum Kriegsende reichenden Ausmaß nur mit Aktivitäten in der Zeit zwischen September 1916 und Mai 1917 zu vergleichen ist. Jetzt spätestens wurde der Tank, auf dessen Bekämpfung alle Anstrengungen von Stäben und Einheiten verschiedenster Waffengattungen unter der Prämisse, das hiervon -und nicht von mangelnden Grabenstärken, fehlenden Geschützen und fehlender Munition- Sieg und Niederlage, das „Durchstehen“ schwerer Lagen oder „ehrloses“ Kapitulieren abhängig sei2539, zu einem Mythos. Ein Mythos, in dem sich Bilder tapferster aber schließlich oft genug sinnloser Gegenwehr, eines materiell unbesiegbaren Gegners, dem die an Symbolkraft unübertreffliche Ikone „Tank“ bei jedem größeren Angriff vorausgetragen wurde, Verrat aller Facetten und aus allen Richtungen, enttäuschter Hoffnungen, menschlich verständlichster Resignation und Verzweiflung frei verbinden lassen konnten. Hinzu kam die Vorstellung eines bis zuletzt doch ungeschlagenen Heeres unter den jeweils verschiedenartigen Vorgaben gesellschaftlicher und historischer Rahmenbedingungen und Strömungen der letzten 90 Jahre.

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Nach dem 8.August 1918 wurden die Truppen von „neuesten“ Mitteilungen und Befehlen, die als Resultate schwerer Niederlagen und grob vorgeworfenen Versagens allesamt in harsche Appelle an Durchhaltewillen und Improvisationskunst gehüllt waren, geradezu überschwemmt2540. Einige Beispiele höherer Stäbe seien stellvertretend genannt, bei denen eine auf dem Weg bis zum Unterführer an der Front nachfolgende Summierung schriftlich mitgeteilter Ratschläge, Weisungen und Befehle von Dienststellen vorauszusetzen ist.

Das AOK 6 verkündeten seinen Truppen am 12.August, daß bei der 2. und 18.Armee 1.000 Tanks eingesetzt worden seien, davon noch mehr für weitere Großeinsätze bereitstünden und diesbezügliche Abwehrmaßnahmen aller bekannten Arten nun allein ausschlaggebend für die erfolgreiche Verteidigung der Stellungen sein würden2541. Die Heeresgruppe Kronprinz hatte am Vortag bereits die Parole ausgegeben, daß mit dem „Masseneinsatz von Tanks“ zu rechnen sei und richtete ihr Augenmerk unter diesem Gesichtspunkt tatsächlich auch auf die Frage der Witterungs- und Beobachtungsverhältnisse, welche direktes Schießen der Feldartillerie beeinträchtigen konnten. Als Ausweg aus einer solchen, ihr vom 18.Juli her bekannten sehr prekären Lage, die als wesentlicher Teil des Geschehens vom 8.August im Tenor der offiziellen Verlautbarungen schriftlich noch gar nicht zur Beachtung gekommen war2542, wurde die durch Rohr- und Munitionsmangel weitestgehend längst überkommene artilleristische Fernbekämpfung angeführt (Sperr- und Vernichtungsfeuer). Auf deren „vernichtende Wirkung“ müsse man sich -der Ausdrucksweise nach bezeichnend genug- „schlichtweg verlassen“2543. Die 17.Armee bat am 14.August um fahrbereite feindliche Fahrzeuge für die Schulung der Verbände in der Tankbekämpfung2544, was wegen des Fehlens verfügbarer Beutetanks von der OHL aber erst einmal abgelehnt wurde2545. Die nochmalige Vorstellung dieses offenbar als sehr sinnvoll erachteten Gedankens durch die Heeresgruppe Rupprecht am 15.August brachte als Ergebnis, daß die den Heeresgruppen auf längere Zeit zugewiesenen deutschen Kampfwagen zu Vorführungen herangezogen werden konnten2546. Mit diesem Zugeständnis, das den wenigen, deutscherseits einsatzbereiten Fahrzeugen und ihren Besatzungen einen Sonderauftrag neben den Belastungen der Kampfeinsätze einbrachte, war die Grundlage für eine Beseitigung der von höheren Einflüssen zuvor völlig frei gehandhabten „Simulaker-Frage“2547 genauso geschaffen, wie für die Einrichtung spezieller Tankbekämpfungs-Vorführungen nach Art der sonstigen Lehrkurse des Westheeres. Nachdem der General der Pioniere des AOK 6 Ludendorff anläßlich eines Vorführungsexperimentes persönlich vom Wert „dynamischer Waffenshows“ nach heutigem Verständnis hatte überzeugen können2548, wurden diese ab Ende August zu einer regelmäßigen Einrichtung2549. Ihr Erfolg bestand einmal darin, daß das Publikum die Gelegenheit dazu bekam, die Eigenarten und Schwachstellen des Tanks mit eigenen Augen fern einer chaotischen Gefechtssituation erkennen zu können, dann darin, daß durch die Lehrtruppe tatsächlich auch experimentiert werden konnte. Die Auswirkungen des Sehens mit eigenen Augen führte etwa dazu, daß das oben erwähnte und mit dem Bau von Tankfallen beauftragte Pionier-Bataillon 242 die Unsinnigkeit seines zweifellos in völliger Unkenntnis der realen Bedürfnisse begonnenen Unterfangens erkennen konnte und seinen Miniaturgraben nun nicht mehr als ausreichend erachtete2550, sondern zum Verlegen improvisierter Minen überging2551. Ein anderes, klar faßbares Ergebnis der mit den Vorführungen verbundenen Experimente durch Sturm-Bataillone war, daß leichte Flammenwerfer als wirkungsvolle Tankbekämpfungsmittel entdeckt wurden und, laut einem Befehl der OHL von Mitte September, zu diesem Zweck den Pionierkompanien in schließlich sechs Exemplaren überwiesen werden sollten2552.

Die schriftlichen Gefechtsberichte der am 8.August betroffenen Verbände erreichten die OHL Mitte August 1918. Und abgesehen von Umstand, daß die Verfasser in der Regel keine Gelegenheit mehr dazu gehabt hatten, sich über das Ende der Vorfeldbesatzungen, der Kampf- und Bereitschaftsbataillone sowie der Stellungsartillerie aus glaubwürdiger, „erster Hand“ ein umfassendes Bild zu verschaffen, da die überlebenden Träger dieser Erfahrungen in Gefangenschaft geraten waren, trifft sie das Manko, erst nach den bereits Tage vorher kursierenden Mitteilungen der OHL und anderer höherer Stäbe verfaßt worden zu sein. Sich gegen die auf unbekannten Wegen gewonnenen und früher geäußerten Erkenntnisse der Vorgesetzten und dazu noch auch gegen eine Flut ihrer Verlautbarungen zu stellen, dürfte auch jetzt noch, in der dramatischen Lage des Sommers 1918, kaum einem verantwortlich zeichnenden Offiziere eingefallen sein2553. Hinzu kam, daß zum Hergang des Gefechtes auch bei den involvierten Divisionen kaum mehr als Eindrücke vorhanden gewesen sein dürften, welche vor dem Hintergrund früherer Niederlagen durchaus Anlaß dazu gaben, sich rechtfertigen und entschuldigen zu müssen. Bei der 41.ID, so stellte es die Truppengeschichte ihres IR 18 später mit allergrößtem Bedauern fest, führte dies in erster Instanz zu einem späterhin einer größeren Öffentlichkeit bekanntgewordenen Bericht2554, welcher unehrenhaftes Versagen von Teilen des Verbandes besonders deutlich herausstellte2555. Nichtsdestotrotz ließ der Kommandeur zwei Tage später, am 16.August 19182556, in einer neuerlichen Erklärung kaum Zweifel daran, daß die Befehle seiner Vorgesetzten schwere Fehler impliziert hatten. Auf die Frage nach den offenbar dringlich gewünschten Erfahrungen mit der Flachmine 17, den Tankgewehren sowie Minenwerfern wurde, zumindest dem äußeren Anschein der Meldung nach, recht lapidar -aber eben aussagekräftig genug- geantwortet, daß nichts mitzuteilen sei, da keine Bedienungsmannschaften aus dem Gefecht zurückgekehrt seien2557. Daß im Bericht dieser Division, ebenso wie in demjenigen der 13.ID tags darauf, der später namentlich von Kabisch2558 betonte Nebel als erstgenannter und ausschlaggebender Grund für ihre praktische Vernichtung angegeben wurde2559, spielte in der Folgezeit keine Rolle mehr.

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Daran änderte auch das AOK 2 mit seinem Erfahrungsbericht vom 21.August 1918 nichts mehr, worin der Nebel zumindest neben die „Tankmassen“ gestellt wurde2560. Sein Bericht besaß und besitzt diesem Umstand gegenüber tatsächlich insofern Wert, als daß darin, entweder noch durch den abberufenen Tschischwitz, oder schon durch den neuen Stabschef, Klewitz2561, verursacht, ein zwar nicht sonderlich selbstkritisches, aber, davon abgesehen, ein durchaus umfassendes Bild der Gründe für die Niederlage dargeboten wurde. Außerdem brachte der Bericht einige bis dato unartikuliert gebliebene Ansichten zu bisherigen Erfahrungen mit Tanks und zu Grundsätzen ihrer Bekämpfung zum Ausdruck. Als letzter Punkt umfangreicher Äußerungen zum Geschehen und zur Beseitigung vorhandener Mängel war ein stofflich völlig vom bestimmenden Inhalt der Tankabwehr-Fragen losgelöst erscheinender Hinweis darauf enthalten, was vom AOK 2 als eigentliche Ursache des zu erklärenden Desasters betrachtet wurde:

„Geringe Gefechtsstärken drücken auf die Moral der Truppe, die sich dann noch schwächer fühlt, als sie eigentlich ist.“2562

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Bei diesem „Hinweis“ auf die psychisch wie taktisch gravierende Einschränkung des Gefechtswertes der Verbände blieb es. Und in gewisser Weise in Opposition dazu standen die in den ersten Sätzen des Berichtes genannten Faktoren Überraschung und Tankmassen, welche die Infanterie gelähmt und zu panischen Reaktionen verleitet hätten. Der Nebel war dem Bericht zufolge –und den Realitäten des 8.August 1918 zweifellos angemessen- taktisch von ausschlaggebender Bedeutung gewesen, da durch ihn die Wirkungsmöglichkeiten der Truppe, namentlich der Artillerie2563 und der statischen Tankabwehrwaffen (Maschinengewehre, leichte Minenwerfer, Tankgewehre und Tankgeschütze), wesentlich vermindert worden seien2564. Maschinengewehre hätten über zu geringe Bestände an SmK-Munition verfügt und dennoch einige Entlastung dadurch gebracht, daß ihr Feuer auf Sehschlitze die Sichtmöglichkeiten der Tankbesatzungen und damit die Präzision deren Feuers beeinträchtigt habe2565. Ähnlich wirksam seien die leichten Minenwerfer gewesen, die Tanks zumindest zum Abdrehen gezwungen haben sollten2566. Daß von beiden Waffentypen in der Realität und über die geschilderten Resultate hinaus Wirkung erzielt worden war, kam hier nicht zur Sprache. Und angesichts der durch den Nebel bedingten und für die Kämpfe spezifischen geringen Schußentfernungen erscheint dies insofern als ein Bonus, als daß Bezüge auf solche Erfolge lediglich zu neuen oder neuerlichen Fehlurteilen nach Vorbild der Untersuchung der Kämpfe bei Cambrai hätten verleiten können2567. So blieb eine ambivalente, aber gewiß nicht befriedigende Leistung der infanteristischen Abwehrwaffen zu attestieren. Diese spiegelte sich auch hinsichtlich der Erfahrungen mit Tankgewehren und Minen wider. Die 13mm Gewehre wurden wegen ihrer langsamen Schußfolge als nur geringer Gewinn betrachtet2568 und die Minen, bei denen man eine gute Wirkung festgestellt haben wollte, was trotz eines in der Literatur zu den Ursachen der deutschen Niederlage auffindbaren Hinweises auf eine diesbezügliche Falschmeldung tatsächlich durchaus der Fall sein kann2569, waren zwar Hoffnungsträger, aber noch zu wenig zahlreich gewesen2570.

Die Lösungs- und Verbesserungsvorschläge des AOK 2 basierten auf der Betrachtung der eingesetzten Abwehrwaffen und auf der Erkenntnis, daß vom Feind in Form „großer Tanks“, der Mark V*, die mit Hindernisbauten fertig werden würden2571, und „gepanzerter Autos“ mit 20km/h Geschwindigkeit2572 Typen genutzt worden waren, welche neue Probleme verursacht hatten, denen die bisherigen Maßnahmen nicht gerecht würden. Richtungweisend waren die neben dem obligatorischen Verweis auf gründlichere Tiefenstaffelung und bereitgestellte bespannte Batterien bei Eingreiftruppen2573 geäußerten Empfehlungen zur Sicherung des Vorfelds durch Minen2574 und vor allem diejenigen zur Sicherung des jetzt von Tankdurchbrüchen gefährdet erscheinenden Geländes hinter der eigentlichen Kampfzone. Dort sollten einmal Hindernisse und Sperren vorhanden sein und durch „rückwärtiges Personal“ besetzt werden, und dann, gegen die jetzt offenkundige Gefahr durchgebrochener Tanks, stützpunktartig „Tankforts“ angelegt werden2575. Der Begriff „Tankfort“ taucht hier nach Wissensstand des Verfassers erstmalig auf und stellt an sich einen Beleg für die grundsätzlich nicht falsche, zweifelsfrei aber unnötigerweise verspätete und, in Anbetracht des Zeitpunkt seines ersten Gebrauchs, letztlich obskure Sichtweise der deutschen Führung auf die Realität dar. Wie vom AOK 62576 und der Heeresgruppe Rupprecht2577 präzisiert wurde, sollte es sich bei diesen Stützpunkten um Lagerstätten für infanteristische und artilleristische Tankabwehrwaffen aller Art handeln2578, welche im Bedarfsfall durch Angehörige rückwärtiger Einheiten und Dienststellen besetzt und bei der Nahbekämpfung von Tanks zum Einsatz gebracht werden sollten. Anders als diese Idee, die als Diskussionsgegenstand von den höheren Stäben gewürdigt2579 und zumindest stellenweise auch umgesetzt wurde2580, obwohl sie kurioserweise ausgerechnet die einem immer lauter geäußerten Vorwurf nach verweichlichte, zunehmend kriegsmüde und ehrlose „Etappe“ als Träger der infanteristischen Nahbekämpfung im Sinn von „Panzervernichtungstrupps“ vorsah, blieb die vom AOK 2 vorgetragene Bitte um ein gepanzertes Abwehrfahrzeug auf „Rädern und Raupenband“ faktisch so ergebnislos wie es gleichlautende Vorstöße nach Cambrai 1917 gewesen waren2581. Und dies war möglich, obgleich auch jetzt wieder die positive Wirkung der am ehesten mit einem solchen „Panzerjäger“ vergleichbaren K-Flak bei der Tankbekämpfung vom AOK, welches am 8.August nur sieben Stück zur Verfügung gehabt hatte2582, angeführt wurde2583.

Zumindest die Heeresgruppe Rupprecht nahm diese Umstände schließlich, während der Kämpfe im September 1918, zum Anlaß, im Führungsbereich vorhandene K-Flak kraft eigener Befehlsbefugnis für die Rolle der jetzt -und noch im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges2584- fehlenden Spezialfahrzeuge für aktive Bekämpfung von Tanks zu vereinnahmen2585. Tatsache ist, daß sowohl Tests beim AOK 2, als auch das Gutdünken der darauf bezogenen negativen Ergebnisse durch die Heeresgruppe Rupprecht um die Wende zum Jahr 1918 ausschlaggebend für den ausgebliebenen Bau von behelfsmäßigen K-Flak und neuartigen „Panzerjäger“-Fahrzeugen auf Ketten gewesen waren2586.

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Dieses Defizit und andere angesprochene Mängel sowie die zahlreichen Forderungen zu ihrer Behebung fanden in den Wochen bis zum Kriegende nur noch sporadisch Berücksichtigung, da die durch den 18.Juli und den 8.August eingeleiteten Kampfhandlungen keine Zeit für eine flächendeckend wirksame Umgestaltung und Neuorganisation der Tankabwehr mehr zuließen.


Fußnoten und Endnoten

2272  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 545ff.: „Ich rechnete mit der Fortsetzung der feindlichen Angriffe gegen die Vesle, gegen die der Feind sich immer schärfer heranschlich, oder mit ihrer Ausdehnung auf das Gelände zwischen Aisne und Oise, vor der der Feind in Besorgnis vor einem deutschen Angriff stark stand. Ich hielt ferner Vorstöße zwischen Oise und Somme für möglich, vielleicht auch gegen unsere Stellungen bei Albert und in der Lys-Ebene, endlich im Sundgau. Ich nahm aber an, daß es sich nur um einzelne Teilangriffe handeln würde, denn auch der Feind war mitgenommen, und zwar im allgemeinen nicht weniger als wir. [... .] Anfang August hoffte ich bestimmt auf Abwehr der bevorstehenden Teilangriffe und die Möglichkeit, Gegenstöße in kleinerem Rahmen als bisher zu führen. Auch in überaus ernsten Lagen war es bisher gelungen, strategische Aushilfen zu finden; es war für mich kein Grund anzunehmen, daß es diesmal nicht glücken werde.“

2273  Siehe Abschn. 10.2. und Fuller: Erinnerungen, S. 262.

2274  Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 162f., mit Angaben zur französischen Wahrnehmung der deutschen Kampfreserven am 7.8.1918. Daraus ergab sich, daß 67 Infanteriedivisionen in der deutschen Reserve, von denen 39 als voll einsatzbereit angesehen werden konnten, 77 alliierten gegenüberstanden, von denen 41 ausgeruht waren und zu denen noch 10 Kavallerie-Divisionen hinzugezählt werden konnten. Die Masse der ausgeruhten alliierten Divisionen (21) stellten gemäß dieser Aufstellung die Streitkräfte des Empire. Vergleiche MO 1918, Bd. 4, S. 6f., mit davon abweichenden -aber für die deutsche Seite nicht günstigeren- Zahlen aus Sicht der britischen Feindaufklärung. Von 141 deutschen Stellungsdivisionen galten 78 und von 60 Divisionen in Reserve 28 als „unfit“.

2275  Siehe Harris, J. Paul: Amiens To The Armistice. The BEF in the Hundred Day’s Campaign, 8 August-11 November 1918, London/Washington 1998, S. 106f.

2276  Siehe Foch: Kriegserinnerungen, S. 372.

2277  Abb. nach Volkmann: Der große Krieg, S. 286.

2278  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 2ff.

2279  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 263.

2280  Unter Bezugnahme auf Rawlinsons Aufzeichnungen findet sich dieser Punkt auch bei Travers: How The War Was Won, S. 118.

2281  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 263ff. Fuller schrieb über eine Besprechung mit Rawlinson am 17.7.1918, der er damals, wegen des bis zum 28.7. in England befindlichen Elles, quasi als Kopf des Tank Corps beiwohnte: „Überrumpelung und Geheimhaltung waren die Parolen, und aus diesem Grunde war General Rawlinson strikt dagegen, daß diese Operation ein gemeinsames französisch-britisches Unternehmen sein sollte. Sollten die Franzosen den Wunsch haben, mitzumachen, so war er der Ansicht, daß sie einen angegliederten, nicht aber einen gemeinsamen Angriff aus der Gegend von Montdidier unternehmen sollten.“ Zitiert nach ebenda, S. 262f.

2282  Siehe Abschn. 12.5.2. Etwa zu Fullers Einvernehmen mit einem erfahrungsbedingt von vornherein unsinnigen und allen (erst recht den in seinen Veröffentlichungen geäußerten eigenen) Anschauungen widersprechenden Einsatz der Whippets als Unterstützungswaffen der überkommenen Kavallerie siehe Prior, Robin/Wilson, Trevor: Command on the Western Front. The Military Career of Sir Henry Rawlinson 1914-1918, Cambridge/Oxford 1992, S. 307. Die vor dem 8.8.1918 vorgenommen Abänderungen des Operationsplans dürften schließlich nur durch Einsicht in die vorhandenen Archivalien einem Urheber zuzuordnen sein. Im Kontext zu den für die 4.Armee archivaliengestützten Feststellungen von Prior/Wilson bleibt allerdings festzuhalten, daß sich Fuller zwischen Ende Juli und Anfang August nachweislich im Vereinigten Königreich aufhielt und schon deshalb kaum den von beiden Autoren und ihren Quellen unterstellten Einfluß auf die Planungen gehabt haben dürfte; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 267f., und Blaxland: Amiens, S. 184f.

2283  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 557, App. VI: Fourth Army General Staff Instructions, 31st July, 1st August And 4th August, 1918.

2284  Diese Linie wurde mit „Amiens Outer Defences“ angesprochen und in den Befehlen der 4.Armee als Position der „furthest objectives“ bezeichnet, die augenblicklich zur Abwehr deutscher Gegenangriffe eingerichtet werden sollten; siehe ebenda, S. 556.

2285  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 524f., App. II: GHQ Operation Order Of The 29th July, 1918, ebenda, S. 573: App. VIII: GHQ Operation Order Of The 5th August, 1918, und ebenda, S. 575: Fourth Army Operation Orders Of 6th August 1918.

2286  Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 167ff. Für die Artillerie dürften etwa 1.000 Geschütze zur Wirkung im Angriffsbereich des 8.8.1918 gekommen sein.

2287  Die Angaben zu den britischen Divisionen (hier MO 1918, Bd. 4, S. 22) schwanken zum Teil signifikant, wobei die Diskrepanzen wohl primär durch die unterschiedliche Zahl der vorhandenen, der für den Angriff eingeplanten sowie der tatsächlich eingesetzten Verbände bedingt sind. Siehe hierzu bspw. Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 86, und vergleiche MO 1918, Bd. 4, S. 532: App. I: Order Of Battle 8th August 1918.

2288  Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 167, und Harris: Amiens, S. 107.

2289  Siehe Prior/Wilson: Command, S. 285.

2290  Anfang 1918 galten deutscherseits die 1. und 2.australische sowie die 1. bis 4. kanadische Division als „besonders gute Angriffsdivisionen“. Die 3. und 4.australische Division wurden zudem als „Gute Angriffsdivisionen“ klassifiziert; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 536: Abteilung Fremde Heere Nr. 4610 Geheim! vom 1.1.1918, Anlage 3. Da die kanadischen Divisionen diesen besonders guten Ruf hatten, wurden zur Täuschung der deutschen Feindaufklärung einige Einheiten nach Flandern transportiert, die dort Angriffsabsichten inszenieren sollten; siehe Bose, Thilo v.: Die Katastrophe des 8.August 1918 (Schlachten des Weltkrieges, Bd. 36), Berlin/Oldenburg 1930, S. 19.

2291  Siehe ebenda, S. 558f., App. VI: Fourth Army General Staff Instructions, 31st July, 1st August And 4th August, 1918, und ebenda, S. 575: Fourth Army Operation Orders Of 6th August 1918.

2292  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 23.

2293  Siehe Fuller: Tanks, S. 219.

2294  Siehe Schulze, Hans (Bearb.): Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 217 im Weltkriege, Eisleben 1932, S. 200f.

2295  Zu den verschiedenen Verschleierungs- und Täuschungsunternehmen siehe Blaxland: Amiens, S. 160f., und Bose: Die Katastrophe, S. 17f.

2296  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 25.

2297  Nach den Verlusten im „Marnebogen“ und zur Auffrischung und Vorbereitung der nächsten französischen Großoperation waren offenbar keine weiteren Einheiten der artillerie d’assaut verfügbar. Bestrebungen Debeneys, Tanks des britischen Verbündeten überstellt zu bekommen, blieben erfolglos; siehe ebenda.

2298  Der Angriff sollte zeitlich gestaffelt vorgenommen werden, wobei das XXXI.CA zuerst, eben um 6.05 Uhr, anzutreten hatte. Das südlich anschließende IX.CA hatte sich um 9.40 Uhr dem Angriff infanteristisch anzuschließen; siehe LAF, Bd. VII.1., S. 167f.

2299  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 550, App. VI: Fourth Army General Staff Instructions, 31st July, 1st August And 4th August, 1918.

2300  Zur Zusammensetzung und Verteilung der Einheiten des Tank Corps siehe Fuller: Erinnerungen, S. 267, ders.: Tanks, S. 219f., und Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 87.

2301  Siehe dazu Fuller: Tanks, S. 44f.

2302  Siehe Abschn. 11.5.

2303  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 61.

2304  Siehe ebenda, S. 56.

2305  Siehe ebenda, S. 52.

2306  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 267.

2307  Siehe dazu Fuller: Tanks, S. 47. Tatsächlich entsprachen die „Gun-Carriers“ technisch dem Mark IV; siehe dazu auch Fletcher: Tanks and Trenches, S. 137.

2308  Siehe Mitchell: Tank Warfare, S. 231.

2309  Diese Berechnung ergibt sich unter Subtraktion der 25 zerstörten Versorgungstanks aus der Aufstellung im Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 87.

2310  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 24. Auch hier wurden die 25 am 7.8.1918 zerstörten Versorgungstanks vom Verfasser subtrahiert.

2311  Siehe Abschn. 11.3.

2312  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 550, App. VI: Fourth Army General Staff Instructions, 31st July, 1st August And 4th August, 1918. Bezeichnend für die Beachtung, die man dem Problem mit zu weit abseits stehenden und unvorbereiteten Reserven schenkte, ist, daß diese Anordnung im Befehl als zweiter Punkt direkt hinter der Geheimhaltung Erwähnung fand.

2313  Siehe Travers: How The War Was Won, S. 116, und Prior/Wilson: Command, S. 308.

2314  Siehe Abschn. 10.1., 10.2. und 11.2.

2315  Der Zurücknahme der eigenen Linien auf verteidigungsfähigeres Gelände scheint aus dem Sichtwinkel Ludendorffs vollends undenkbar gewesen zu sein. Während der noch laufenden Offensiven galt die Täuschung des Gegners hinsichtlich eigener Angriffsbemühungen aus deshalb absichtlich bestehengelassenen, weniger zur Verteidigung geeigneten Positionen heraus als Tugend (siehe Abschn. 10.1.). Danach führte Ludendorff „Prestigegründe“ an, die zum Festhalten am zuvor gewonnenen Gelände zwangen; siehe dazu auch Aussagen Becks, welcher den Herren der HGr Rupprecht Bericht über die Ereignisse nach dem 18.7.1918 erstattete, unter BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 173.

2316  Von „lebhafter Kampftätigkeit“ vor dem 8.8.1918 berichten die Truppengeschichten durchweg; siehe bspw. Meyer, Werner (Hg.): Das Infanterie-Regiment von Grolmann (1.Posensches) Nr. 18 im Weltkriege (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 285), Berlin/Oldenburg 1929, S. 373, Götz, August (Bearb.): Das K.B. 8.Infanterie-Regiment Großherzog Friedrich II von Baden (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bayerische Armee, Bd. 43), München 1926, S. 38ff., und Bergeder, Fritz: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 202 auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges 1914-1918, Berlin 1939, S. 225.

2317  Siehe TG b.IR 8, S. 38f., TG IR 18, S. 371 und S. 375f., TG RIR 217, S. 204, TG RIR 202, S. 225f., TG IR 13, S. 308, und TG FAR 58, S. 270f.

2318  Siehe Walther, W. (Hg.): Das Res.-Infanterie-Regiment Nr. 265 (Aus Deutschlands großer Zeit, Bd. 265), Zeulenroda 1933, S. 293f.

2319  Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 18: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 9670 geh. op. vom 4.8.1918, und Otto/Schmiedel, Dok. Nr. 127, S. 311, bzw. Abschn. 11.5.2.

2320  Siehe TG GR 2, S. 433.

2321  Siehe TG RIR 202, S. 232. Angeführt wurde zwar, daß am 1.8.1918 Ersatz in Höhe von 565 Mann überstellt worden war, dieser jedoch „nicht verwendungsfähig“ gewesen sei. Die Division hatte allein am 4.7.1918 zwei komplette Bataillone verloren.

2322  Siehe ebenda, S. 232f. Zu den „5. und 6.Geschützen“ siehe Abschn. 11.2. Bose zitierte zur Herausstellung der geringen Stärken Meldungen der 41.ID. Diese, als „kampfkräftig für den Stellungskrieg“ klassifiziert, konnte für den 3.8.1918 eine durchschnittliche Grabenstärke (ohne MGK) ihrer drei Regimenter in Höhe von 255, 286 und 404 Mann angeben; siehe Bose: Die Katastrophe, S. 28.

2323  Siehe Harris: Amiens, S. 107.

2324  Zitiert nach TG b.IR 8, S. 40.

2325  Siehe Bose: Die Katastrophe, S. 27ff.

2326  Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 174: „Die Art wie wir in unserer offiziellen Berichterstattung über die Ereignisse sprechen, ist unglaublich verkehrt. Wir sprechen von großen Siegen, die uns erlauben, die Operationen in die gewünschten Bahnen zu lenken usw. Darauf fällt doch niemand hinein. Ein Blick auf die Karte zeigt doch jedem den Stand der Dinge. Wir haben Soissons aufgegeben und stehen wieder hinter Aisne und Vesle. Eine gänzlich gescheiterte Operation [Kuhl bezieht sich auf den Angriff am 15.7.1918], die uns ungeheure Kräfte gekostet und unseren ganzen weiteren Operationsplan umgeworfen hat. Wir haben nicht einmal die nötigsten Divisionen zur Ablösung der ausgebrannten Stellungsdivisionen, die wir immer wieder vertröstet haben. Die Zuversicht des Gegners ist gewachsen, die Stimmung in der Heimat und das Vertrauen der Truppe gesunken.“ Siehe hierzu auch Creutz, Martin: Die Pressepolitik der kaiserlichen Regierung während des Ersten Weltkriegs. Die Exekutive, die Journalisten und der Teufelskreis der Berichterstattung (Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Bd. 704), Frankfurt a.M. 1996, S. 264ff.

2327  Zu den taktischen Auswirkungen der bei Angriffsbeginn noch nicht beendeten Ablösungen siehe TG RIR 217, S. 204, TG RIR 265, S. 292ff., und TG GR 2, S. 433f.

2328  Es handelte sich um die 108.ID und die 117.ID, welche nach einer Ruhezeit seit Ende Juli als „voll kampffähig“ galt; siehe RA, Bd. 14, S. 554, Anm. 1, und zur 117.ID Suhr (Bearb.): Das 4.Schlesische Infanterie-Regiment Nr. 157 im Frieden und im Weltkrieg 1897-1919, Zeulenroda 1934, S. 286ff.

2329  Siehe Abschn. 11.5.2.

2330  Siehe Bose: Die Katastrophe, S. 17ff., TG IR 18, S. 379, und TG RIR 217, S. 201 (Kolonnenverkehr, Gefangenenaussagen, „Tankgeräusche“).

2331  Siehe ebenda, S. 18. Bose wertete die Tanks als jene 90 FT-17, welche der französischen 1.Armee überweisen worden waren.

2332  Siehe RA, Bd. 14, S. 551 und dortige Anm. 2.

2333  Siehe Bose: Die Katastrophe, S. 18.

2334  Aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang ein die Aufzeichnungen Marwitz’ kommentierender Abschnitt des vormaligen Stabschefs des AOK 2 und späteren Editors der Aufzeichnungen des Armeebefehlshabers, Tschischwitz: „Für einen Großangriff [hervorgehoben] waren aber an keiner Stelle Anhaltspunkte erkennbar geworden. Auch eine Fliegermeldung über den Marsch von etwa 100 Tanks auf der Straße Ailly-Morisel, also gegen den linken Flügel der Armee, konnte nicht als bedrohlich angesehen werden, denn ein Tankangriff der Franzosen über [hervorgehoben] die Avre war unwahrscheinlich.“ Zitiert nach Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 302. Macksey führte in diesem Zusammenhang einen unbekannten Stabsoffizier mit den Worten an: „Not even a request to keep a sharp look-out...The Army Staff was astonishingly indifferent.“ Zitiert nach Macksey, Kenneth: Tank Warfare. A History of Tanks in Battle, Bungay 1971, S. 61.

2335  Siehe TG RIR 217, S. 209.

2336  Siehe TG IR 18, S. 378, TG RIR 217, S. 214, Pantlen, Hermann: Das Württembergische Feldartillerie-Regiment König Karl (1.Württ.) Nr. 13 im Weltkrieg 1914-1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-1918, Bd. 43), Stuttgart 1928, S. 184, ohne Verf.: Geschichte des 2.Kurhessischen Feldartillerie-Regiments Nr. 47, Fulda 1920, S. 195, und Heidrich, Fritz (Bearb.): Geschichte des 3.Ostpreußischen Feldartillerie-Regiments Nr. 79 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Artillerie-Heft 2), Berlin/Oldenburg 1921, S. 117.

2337  Siehe TG FAR 58, S. 269.

2338  Siehe Abschn. 4.2.

2339  Zu den Tankgewehren berichtet die TG RIR 217, S. 205, vom Vorabend der Schlacht, daß sich ein stellvertretender Bataillonsadjutant nach einem Gespräch mit Offizierkameraden über Tanks dazu angeregt sah, Vorsorge zu treffen. Die Episode kulminiert schließlich in der Aussage des Adjutanten, er habe sich „um das Tankgewehr gekümmert und das Handgranatenlager nachgesehen“. In der Truppengeschichte wird einige Seiten weiter ein zweites Gewehr genannt; siehe ebenda, S. 218. Ansonsten schweigen sich die vom Verfasser durchgesehenen Truppengeschichten zu diesen Waffen aus. Daß die 41.ID über sie verfügte und in ihrem Abschnitt der Front auch Minen einsetzte, ergibt sich aus dem späteren Erfahrungsbericht der Division; siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162, Bl. 67: 41.ID I Nr. 1042 geheim. vom 16.8.1918, Ziff. 1.)b). Die Verwendung von Minen im britischen Angriffsraum vom 8.8.1918 wird zudem genannt bei Dietz, Otto: Der Todesgang der deutschen Armee. Militärische Ursachen, Berlin 1919, S. 75.

2340  Siehe BA-MA, PH 3/975, Bl. 19: Auszug aus HGr Gallwitz Pi. Nr. 846 geh. vom 24.8.1918, Ziff. 1.)b).

2341  Siehe Kap. 11, Abschn. 11.5.2. und Kap. 13.

2342  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: GK XIII.AK Abt. IId Nr. 13262 vom 9.11.1916.

2343  Siehe dazu Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 310: „In der ersten Zeit des Stellungskrieges bauten die Pioniere zur Landsicherung der Truppe auch vielfach ‚Tretminen’ ein, welche explodierten, sobald jemand darauftrat, oder ‚Drahtminen’, die zur Wirkung kamen, sobald an einem ausgelegten oder ausgespannten Draht gezerrt wurde. Die Truppe selbst hat sich mit dieser Art der Sicherung nicht lange zu befreunden vermocht. Der Verfasser wirkte in seinem Regiment jedenfalls auf baldige Befreiung dieser Einrichtung hin, da ihr Vorhandensein die Mannschaften verängstigte und alle Unternehmungslust lähmt; es waren wegen der beargwöhnten Drähte im Vorgelände bei Reims zeitweise kaum Patrouillen hinauszubekommen. Die anfangs oft ausgelegten Tret- und Drahtminen sind (außer im Gebirge) größtenteils wohl bald aus dem Sicherungsbetriebe der Infanterie wieder ausgeschieden. Auch den Minensicherungen gegen Kampfwagen scheint keine Zukunft beschieden zu sein.“

2344  So betonte die HGr Gallwitz, daß die Flachmine 17 einen „besonders sinnreichen“ Zünder besitze, der nicht durch das Gewicht eines Schützen betätigt würde, und daß sie gefahrlos auch auf steinigen Boden geworfen werden könne. Die OHL legte besonderen Wert auf die eindeutige Kennzeichnung von Minenfeldern zum Schutz eigener Patrouillen und darauf, daß das Gewicht des einzelnen Schützen keine Detonation auslösen würde; siehe BA-MA, PH 3/975, Bl. 19: Auszug aus HGr Gallwitz Pi. Nr. 846 geh. vom 24.8.1918, Ziff. 1.)b), und ebenda, Bl. 18: Chef d. Genst. d. Feldheeres II. Nr. 9840 geh. op. vom 15.8.1918.

2345  Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Pi. Nr. 47900/498/18 vom 11.1.1918, Ziff. 8), und Kap. 13.

2346  Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 67: 41.ID I Nr. 1042 geheim. vom 16.8.1918, Ziff. 1.)b).

2347  Siehe dazu Abschn. 12.5.2. bzw. HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918, Ziff. 19.).

2348  Zur Bewertung der deutschen Verbände in der Rückschau auf den katastrophalen 8.8.1918 siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 545ff.

2349  Siehe RA, Bd. 14, S. 554, Anm. 1.

2350  Siehe ebenda Beilage 39g.

2351  Siehe bspw. TG FAR 47, S. 195f., und TG FAR 58, S. 282.

2352  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 25.

2353  Siehe dazu Baur de Betaz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte, S. 156f. Im Soll enthalten waren 52 Jagdflugzeuge und sechs Schlachtflieger.

2354  Zitiert nach Müller-Loebnitz: Das Ehrenbuch der Westfalen, S. 518f.

2355  Die Sichtweiten werden durchweg auf 5-10m angegeben; siehe bspw. TG RIR 215, S. 206, TG IR 18, S. 376, und TG FAR 79, S. 115.

2356  Siehe TG FAR 79, S. 115, TG FAR 13, S. 181, TG RIR 217, S. 206, und TG b.IR 8, S. 41.

2357  Als einzige von den durchgesehenen Truppengeschichten benannte die TG RIR 217, S. 216, diesen Faktor als entscheidend. Die Überlegung, daß bei solchen Sichtweiten schon jegliche Hilfestellungen durch die normalerweise –sicher auch menschlich- Allernächsten, die Angehörigen der eigenen Einheit, ausgeschlossen sein mußten, scheint dem Verfasser der vorliegenden Arbeit rein intuitiv eine gravierende Einschränkung der Kampfkraft bedeutet zu haben.

2358  Siehe TG RIR 217, S. 210.

2359  Siehe dazu MO 1918, Bd. 4, S. 48, TG GR 2, S. 434f., TG FAR 79, S. 115, und TG RIR 217, S. 222. Vor allen den zu Gegenstößen antretenden Einheiten scheinen durchweg bereits von Kampf gezeichnete, verwundete, unverwundete und bzw. oder nur mit „Hemd und Hose“ bekleidete Soldaten begegnet zu sein.

2360  Siehe bspw. TG FAR 13, S. 187, TG FAR 79, S. 115, TG GR 2, S. 434f., Fletcher: Tanks and Trenches, S. 148f. (Bericht über den Einsatz von Tank No. 9003 des 2.Tank-Bataillons), oder MO 1918, Bd. 4, S. 48, dort: „Twenty-one of the twenty-eight tanks (six being held in reserve and one ditched) reached the front line on the plateau and went ahead of the 13th and 14th Battalions [der kandischen Infanterie]. The Germans whom they encountered, demoralized by their looming up out of the mist, fled, many only half dressed.”

2361  Siehe Fletcher: Tanks and Trenches, S. 149 (Bericht über den Einsatz von Tank No. 9003 des 2.Tank-Bataillons). Das kanadische amtliche Werk führte an, daß sich der Vorstoß in den ersten Stunden für viele Soldaten eher wie ein Marsch ausnahm, nicht wie der entscheidende Auftakt einer großen Schlacht; siehe Nicholson, Gerald W.L.: Canadian Expeditionary Force 1914-1919 (Official History Of The Canadian Army In The First World War), Ottawa 1964, S. 374.

2362  Siehe bspw. Fletcher: Tanks and Trenches, S. 156 (Bericht des 13.Tank-Bataillons): „A number of tanks were ditched from inability to see the ground in front of them; as against this disadvantage the moral effect upon the enemy of tanks emerging upon them from the mist was enormous, and the fist objective was won with comparative ease.”

2363  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 51.

2364  Siehe ebenda, S. 46, Anm. 1.

2365  Siehe ebenda, S. 48: „The enemy parties in the intervals between the tanks, however, though surprised, offered stout resistance to the on-coming infantry. Leaving these to be dealt with by the supports, the leading lines pushed on in the fog.”

2366  Immerhin berichtete das FAR 13 sehr eindrucksvoll darüber, daß man es im Nebel gar nicht wahrgenommen hatte, wie in direkter Nähe zu den eigenen Feuerstellungen Tanks durchgebrochen waren; siehe TG FAR 13, S. 187.

2367  Siehe etwa Abschn. 3.3. und 9.4.

2368  Siehe TG IR 13, S. 310.

2369  Zitiert nach MO 1918, Bd. 4, S. 45. Die oben genannte Geschützbedienung war für einen der hier genannten Abschüsse verantwortlich.

2370  Siehe bspw. ebenda, S. 45.

2371  Neben zahlreichen anderen Textstellen siehe ebenda, S. 50 (Zitat aus dem Kriegstagebuch des 14.Tank-Bataillons): „According to the battalion diary: although the ground was hard and suitable, ‚all tanks more or less lost direction and most, when the mist cleared, found themselves in sectors other than their own.” Siehe dazu auch Fletcher: Tanks and Trenches, S. 154 (Bericht des 13.Tank-Bataillons), und CEF, S. 373.

2372  Siehe Kap. 12.

2373  Siehe TG FAR 79, S. 115.

2374  Siehe TG IR 13, S. 311, und TG RIR 217, S. 229.

2375  Siehe TG RIR 217, S. 208 und S. 222f., TG b.IR 8, S. 40f., TG RIR 202, S. 226f., und TG RIR 265, S. 298.

2376  Siehe etwa TG RIR 217, S. 230. Die TG RIR 265, S. 303, nennt als Zeitpunkt für den Befehl zum Abrücken der Bagagen nach Osten 7 Uhr. Interessant ist in diesem Zusammenhang der spätere Erfahrungsbericht der 41.ID, die das Abrücken ihrer Bagagen als schwere Pflichtverletzung auslegte. Es ist zu spekulieren, ob dieser Tatbestand tatsächlich, etwa durch gerüchteweise, „panische“ Überlieferung am 8.8.1918, oder dann doch durch einen der Division bei Abfassung ihres Berichts nicht bekannten Befehl eines ihrer Offiziere verursacht worden ist; siehe dazu Abschn. 12.5.2. bzw. TG IR 18, S. 380f.

2377  Siehe Kriegstagebuch 1914/18 des Feldwebel-Leutnant Goos, Führer der Armee-Brücken-Abteilung 4, Eintrag zum 8.8.1918 (Manuskript, im Besitz des Verfassers der vorliegenden Arbeit).

2378  Siehe Abschn. 5.3.

2379  Siehe TG RIR 217, S. 213

2380  Bekannt wurde nach dem Krieg besonders die Geschichte von „Musical Box“, einem Whippet, welcher ohne weitere Unterstützung stundenlang hinter den verbliebenen deutschen Positionen gegen Versprengte und Kolonnen wirkte und nach 11 Stunden Einsatz schließlich von einer Granate in Brand geschossen wurde; siehe William-Ellis: Tanks Corps, S. 201ff., und Mitchell: Tank Warfare, S. 240f.

2381  Siehe TG FAR 13, S. 182.

2382  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 198.

2383  Siehe TG IR 18, S. 377, TG RIR 265, S. 296, und TG FAR 13, S. 187.

2384  Siehe TG RIR 217, S. 222f.

2385  In den Truppengeschichten werden feindliche Fliegerkräfte durchweg genannt und erscheinen somit als ein Hauptcharakteristikum des auf materielle und technische Überlegenheit bauenden britischen Angriffs; siehe dazu u.v.a. TG RIR 217, S. 207 oder S. 223, TG IR 18, S. 378.

2386  Siehe TG RIR 217, S. 209, S. 222 und S. 232, und TG IR 13, S. 312.

2387  Siehe TG FAR 13, S. 187.

2388  Siehe ebenda und TG IR 18, S. 380 TG RIR 202, S. 231.

2389  Zitiert nach TG FAR 47, S. 196.

2390  Siehe bspw. TG RIR 217, S. 218 und S. 223, TG IR 18, S. 377, TG FAR 13, S. 186, TG FAR 47, S. 195, TG FAR 58, S. 282, und William-Ellis: Tank Corps, S. 198f. Das kanadische amtliche Werk führte den Widerstand inmitten der wahrgenommenen Auflösungserscheinungen folgendermaßen an: „Although there were some cases of German gun crews being credited with firing until the last round before they deliberately destroyed their pieces.“ An anderer Stelle wurde konstatiert: „There were costly tank casualties from German batteries firing over open sights“; siehe CEF, S. 377 bzw. S. 378.

2391  Siehe TG RIR 265, S. 302.

2392  Siehe TG FAR 58, S. 283.

2393  Siehe TG FAR 79, S. 117.

2394  Siehe TG GR 2, S. 434ff.

2395  Daß es sich auch gerade bei den abziehenden rückwärtigen Einheiten nicht unbedingt einfach um „Gesindel“ handelte, erschließt sich aus den in der Truppengeschichte des FAR 221 angeführten Beobachtungen beim Eintreffen auf dem Gefechtsfeld: „Reste der überrumpelten deutschen Truppen fluteten uns entgegen, Inf. Bagagen, Kolonnen, Sanitätskompanien, einzelne Protzen und sonstige Fahrzeuge, die die Verbindung mit ihren Verbänden verloren hatten und sich vor dem rasch vordringenden Feinde zu retten suchten. Feldpost in hilfloser Verzweiflung will uns die Kasse anvertrauen. [... .] ‚Wollt ihr zum Tommy fahren?’ rief man uns entgegen. Aber genaue Angaben konnte keiner machen. Die wüstesten Gerüchte schwirrten umher, engl. Kav. sei in unserem Rücken in Chaulnes usw. Der erste Eindruck war der eines fürchterlichen Durcheinanders, hoffnungsloser Verwirrung und Kopflosigkeit. Unsere Abtlgen. [Abteilungen] waren wirklich der einzig ruhende Pol.“ Zitiert nach Beyer, Walther/Scheitza, Erich: Königlich Preußisches Feldartillerie-Regiment Nr. 221 (Deutsche Tat im Weltkrieg 1914/18, Bd. 13), Berlin 1933, S. 271.

2396  Siehe auch bspw. TG IR 157, S. 292f.

2397  Siehe TG RIR 217, S. 230f.

2398  Siehe ebenda.

2399  Siehe bspw. CEF, S. 377. Die dort genannte Wegnahme eines energisch verteidigten Waldstückchens unter Beteiligung von Tanks wurde als „one of the finest features of the day“ beschrieben.

2400  Siehe TG GR 2, S. 438. Siehe etwa auch TG IR 13, S. 313.

2401  Siehe TG FAR 221, S. 270ff.

2402  Siehe dazu Gnamm, Hellmut: Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4.Württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914-1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-1918, Bd. 14), Stuttgart 1921, S. 225f. Sie auch Storz, Karl: Das Württ. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 238 im Weltkrieg 1914-1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-1918, Bd. 16), Stuttgart 1921, S. 85.

2403  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 71ff.

2404  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 201

2405  Siehe bspw. MO 1918, Bd. 4, S. 69f.

2406  Siehe ebenda S. 85ff.

2407  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 84f.

2408  Siehe ebenda, S. 85, und vergleiche ebenda, S. 58 und S. 73, wo als Geschützbeute des Kanadischen Korps 161 und 173 für das Australische Korps 173 angegeben sind.

2409  Siehe Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 354.

2410  Siehe TG RIR 217, S. 232.

2411  Siehe TG RIR 265, S. 310.

2412  Siehe TG IR 18, S. 384.

2413  Siehe TG FAR 58, S. 287.

2414  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 84. Die französischen Verluste für den 8.8.1918 ließen sich nicht eruieren. Im amtlichen Werk sind für die 1.Armee in der Zeit vom 6.-11.8.1918 rund 1.800 Gefallene, 11.000 Verwundete und 1.000 Vermißte aufgeführt, was vor dem Hintergrund der folgenden Gefechte ohne Überraschungsmoment darauf hinweist, daß die Ausfälle am 8.8.1918 verhältnismäßig gering waren; siehe LAF, Bd. VII.1., S. 384.

2415  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 58 und S. 159.

2416  Siehe ebenda, S. 84. Wie dort unter Anm. 5 zu lesen ist, wurde von deutscher Seite der Verlust von 12 Maschinen eingestanden.

2417  Siehe Fuller: Tanks, S. 224, und Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 94 (hier angegeben: 465 britische und französische Tanks sowie 100 Ausfälle durch deutsche Waffenwirkung).

2418  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 87, Anm. 1.

2419  Siehe RA, Bd. 14, S. 555ff.

2420  Siehe ebenda, S. 558ff. Die Zurücknahme der Linie bis hinter die Somme stand mehrfach zur Diskussion und wurde schließlich vom weiteren Verlauf der Kämpfe abhängig gemacht. Dieser ließ bis Ende des Monats tatsächlich gar keine andere Wahl zu.

2421  Siehe Blaxland: Amiens, S. 186ff., und CEF, S. 383 und S. 388.

2422  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 274.

2423  Siehe Guderian: Achtung- Panzer! S. 118.

2424  Siehe Fuller: Tanks, S. 227, und Travers: How The War Was Won, S. 127.

2425  Siehe RA, Bd. 14. S. 561.

2426  Siehe Fuller: Tanks, S. 225ff., und Guderian: Achtung-Panzer! S. 118.

2427  Zitiert nach Hildebrand, Karl-Friedrich/Zweng, Christian: Die Ritter Des Ordens Pour Le Mérite des 1.Weltkriegs, Bd. 2: H-O (Die Ritter Des Ordens Pour le Mérite, Teil 2), Bissendorf 2003, S. 263f. Die Verleihung des Ordens erfolgte am 1.9.1918.

2428  Siehe dazu Liddell Hart: The Real War, S. 464f., Stevenson, S. 505f., und Blaxland: Amiens, S. 195f.

2429  Siehe und vergleiche dazu MO 1918, Bd. 4, S. 162 (deutsche Verluste ca. 75.000), und RA, Bd. 14, S. 567 (alliierte Verluste mindestens 60.000).

2430  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 154.

2431  Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 384.

2432  Siehe RA, Bd. 14, S. 567.

2433  Siehe BA-MA, RH 61/51963: Forschungsarbeit Strube zum 8.8.1918, S. 48.

2434  Siehe bspw. Kuhl: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der Offensive, S. 195, Schwertfeger: Die politischen und militärischen Verantwortlichkeiten, S. 222, Zentner: Illustrierte Geschichte des Ersten Weltkriegs, S. 383, Volkmann: Der große Krieg, S. 287, Perrett, S. 64, Asprey: The German High Command At War, S. 448f., Stratz, Rudolph: Der Weltkrieg. Ein deutsches Volksbuch von dem Weltgeschehen 1914 bis 1918, Berlin 1933, S. 360, Bloem, Walter: Der Weltbrand, Berlin 1922, S. 300f., und Wright, S. 109 (Wright merkte interessanterweise nicht, daß „Marshal“ Ludendorffs Ansicht sich so sehr gar nicht von derjenigen Kuhls oder Schwertfegers –wessen Gutachten von ihm gemeint war, geht aus dem Text nicht hervor- für den Untersuchungsausschuß unterschied. Auch bei ihm waren Tanks und der Überraschungseffekt entscheidend.).

2435  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 545: „Der 8.August ist der schwarze Tag des deutschen Heeres in der Geschichte dieses Krieges.“

2436  In lexikalischer Form für ein Handbuch liest sich der 8.8.1918 als „Zusammenbruch der Westfront“ durch einen „Panzerangriff der Alliierten“, der die „Entscheidung für das baldige Ende des Ersten Weltkrieges“ herbeiführte; siehe Harenberg Verlag (Hg.): Was geschah am...? Alle Ereignisse der Geschichte geordnet nach den Tagen des Jahres, Dortmund 1996, S. 630. Der 18.7.1918 fand in dieser Publikation übrigens keine Erwähnung.

2437  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 545ff.

2438  Siehe BA-MA, RH 61/51833: Bericht über eine Befragung Ludendorffs durch Archivrat Volkmann Anfang August 1923, S. 10 (zu Frage 14) und S. 11 (zu Frage 15).

2439  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 551.

2440  Siehe Mai, S. 146. Diese eher vorsichtige Konstruktion einer Verbindung zwischen Tanks und „Panik“ findet sich etwa auch bei Afflerbach, Holger: Die militärische Planung des Deutschen Reiches und der Mittelmächte, in Michalka: Der Erste Weltkrieg, S. 309.

2441  Siehe Chickering, S. 224.

2442  Siehe Heydecker, S. 415.

2443  Daß dies nicht ausschließlich an den damaligen Verhältnissen, sondern viel eher mit der zeittypischen Beschäftigung mit Truppenteilen und der jüngsten Vergangenheit lag mögen die mit dem 8.8.1918 verbundenen, Ludendorffs Aussagen gegenüber kritischen Passagen in einer neueren Truppengeschichte belegen; siehe dazu Kaltenegger, Roland: Das Deutsche Alpenkorps im Ersten Weltkrieg. Von den Dolomiten nach Verdun. Von den Karpaten zum Isonzo, Graz/Stuttgart 1995, S. 266ff.

2444  Diese berechtigte Frage nahm Kabisch auf; siehe Kabisch, Ernst: Der schwarze Tag. Die Nebelschlacht vor Amiens (8./9.August 1918), Berlin 1933, S. 201.

2445  Siehe dazu Abschn. 9.6. zu parallelen Vorgängen bei der „Aufarbeitung“ der Vorkommnisse bei Cambrai 1917 in der Zwischenkriegszeit.

2446  Siehe Abschn. 11.5.2.

2447  Siehe Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 406.

2448  Siehe BA-MA, RH 61/51833: Bericht über eine Befragung Ludendorffs durch Archivrat Volkmann Anfang August 1923, S. 11 (zu Frage 15). Im Sinne einer solchen „Mitschuld“ führte Ludendorff zum 8.8.1918 explizit an, daß Kuhl sich kurz zuvor persönlich von der Frontlage überzeugt und von feindlichen Offensivvorbereitungen nichts zu berichten gehabt hatte. Vergleiche hierzu die in Abschn. 12.2. genannte Aufnahme der 100 durch einen Flieger gesichteten Tanks in die Tagesmeldung der HGr Rupprecht.

2449  Siehe Bose: Die Katastrophe, S. 196ff.

2450  Siehe Kabisch: Der schwarze Tag, S. 201. Siehe auch ders.: Gegen englische Panzerdrachen, S. 94ff.

2451  Siehe Kabisch: Der schwarze Tag, S. 202.

2452  Siehe etwa TG RIR 217, S. 232, TG IR 18, S. 377f., TG b.IR 8, S. 40, TG RIR 202, S. 232, und Anmerkungen zur Schwäche von Stellungen, Kräften usw. in Abschn. 12.2. Einige Truppengeschichten verzichteten möglicherweise aus einer gewissen „Vornehmheit“ heraus auf eine dezidierte Kommentierung des Geschehens und seiner Grundlagen zu Gunsten einer nichtsdestotrotz aussagekräftigen Beschreibung der Ausgangs- und Endsituation des 8.8.1918 oder danach erzielter Erfolge; siehe bspw. TG IR 13, S. 308 und S. 314, TG FAR 58, S. 285, TG FAR 13, S. 190, und TG RIR 265, S. 292ff. und S. 310.

2453  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 214f., und Mitchell: Tank Warfare, S. 258.

2454  Siehe Stegemann, Hermann: Geschichte des Krieges, Bd. 4, Berlin/Stuttgart 1921, S. 602f., und Zwehl, Hans v.: Die Schlußkämpfe an der Westfront, August bis Oktober 1918, in Schwarte: Der Weltkampf, Bd. 3, S. 546f.

2455  Anführen kann man zuerst einmal die Frage nach den Verlusten des Feindes, die, wenn man 3.000 Mann Gefechtsstärke zugrundelegt, bei veranschlagten 75.000 Mann (MO 1918, Bd. 4, S. 162) den Ausfall der infanteristischen Kampfkraft von 25 deutschen Divisionen bedeutet haben würde. Bezeichnend für eine Grundeinstellung dem Gegner und den durch seinen Geschichtsschreibern verbürgten Unterlegenheit gegenüber ist die folgende Passage: „Incidentally, the Germans, one and all, claim in almost every occasion to have been assailed by superior numbers –for instance, when two German divisions were driven off Mont St.Quentin after a long fight by an Australian brigade numbering no more than 1,200 men, our opponents claim to have been ousted by vast superiority in guns, men and tanks.“ Zitiert nach MO 1918, Bd. 4, S. IVf. Die Unkenntnis der alliierten Stäbe und die Ignoranz so manchen, meist englischsprachigen Militärgeschichtsschreibers gegenüber der tatsächlichen Stärke deutscher Verbände ab Sommer 1918 mag nach einem Blick in Nash (The 251 divisions) der amerikanischen Feindaufklärung (1919) und Aussagen im obigen Stil als belegt angenommen werden.

2456  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. IV.

2457  Siehe Kabisch: Der schwarze Tag, S. 201.

2458  Siehe Deist, Wilhelm: Die Kriegführung der Mittelmächte, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg, S. 269.

2459  Strachan: The First World War, S. 309.

2460  Siehe Travers: How The War Was Won, S. 123.

2461  Siehe Abschn. 3.5.1. und Abschn. 5.6.1.

2462  Siehe Abschn. 2.3.

2463  Siehe Travers: How The War Was Won, S. 122ff. Aus den kommentierten Textauszügen zu Berichten und Erlebnissen aus den Reihen des Tank Corps sei nur eine kurze Passage zitiert. Diese scheint allerdings dazu angetan, selbst die unter geringsten Verlusten vom Australischen Korps am 8.8.1918 erreichten Ergebnisse primär dem Angriffsgeist der Infanterie oder, zwischen den Positionen vermittelnder, jedenfalls nicht primär den Tanks zuzuordnen: „Once again, did the Australian Corps perform better with their tanks on 9 August? It cannot be said they did. For instance the 8th Tank Battalion, there were very high casualties. ‘A’ Company lost 3 out of 3 tanks at Vauvillers […].” Zitiert nach ebenda, S. 126. Siehe auch Stevenson, S. 526, und Pope/Wheal: Dictionary of the First World War, S. 24, mit ähnlichem Tenor. Ein Indiz für eine alles andere als perfekte Zusammenarbeit zwischen Infanterie und Tanks am 9.8.1918 liefert das Kriegstagebuch des 31. Bataillons der kanadischen Infanterie, unter: http://www.canadiangreatwarproject.com/WarDiaries/diaryDetail.asp?ID=58 .

2464  Siehe Travers: How The War Was Won, S. 122.

2465  Siehe Harris: Amiens, S. 104ff. Siehe auch Harris: Das britische Expeditionsheer, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 120ff.

2466  Siehe Travers: How The War Was Won, S. 117f.

2467  Dessen Arbeit wird interessanterweise im Literaturverzeichnis Travers’ (siehe ebenda, S. 224) nicht genannt.

2468  Siehe Blaxland: Amiens, S. 184ff., Fuller: Erinnerungen, S. 272ff., und Guderian: Achtung-Panzer! S. 116ff.

2469  Siehe Blaxland: Amiens, S. 184ff. und bes. S. 201, wo ein nach Amiens (wieder-)gewonnener Glaube der britischen Truppen an einen „carefully planned, methodical blow“ statt eines irgendwie gearteten entscheidenden Schlages als Resultat der Schlacht angeführt wird. Siehe auch Pope/Wheal: Dictionary of the First World War, S. 24.

2470  Siehe oben und zum Internet beispielsweise http://www.dradio.de/dlf/sendungen/feldpost/begleitung/offensive18.html und http://www.dieterwunderlich.de/weltkrieg_i_20.htm oder, woraus zitiert sei (Text aus der Seite kopiert), http://www.panzertruppe.de/Geschichte/1__Weltkrieg/body_1__weltkrieg.html : „Am 08.August 1918 traf die 2. deutsche Armee bei Amiens ein neuer schwerer Schlag. Massierte alliierte Tankverbände überwanden auf einer Frontbreite von 30 Kilometern bei Nebel die deutschen Infanteriestellungen und standen etwa eine halbe Stunde nach Angriffsbeginn in den deutschen Batteriestellungen, deren Geschütze kaum zum Schuß kamen. Ein deutscher Bericht [dessen Provenienz durch die Internetseite nicht erklärt wird] bemerkt hierzu: "Ungeordnete Haufen deutscher Soldaten gehen durch die Artillerielinie zurück. Panischer Schrecken vor den Tanks und Kampfüberdruß lassen sie aus den Händen ihrer Offiziere gleiten.....Ein Unglückstag, ein schwarzer Tag....."

2471  Eine der für die Schlacht bereitgestellten Reserven war die amerikanische 33.Division, von welcher Teile auch direkt beim Angriff beteiligt waren; siehe MO 1918, Bd. 4, S. 76.

2472  Zitiert nach http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/amiens/index.html .

2473  Siehe bspw. Lendzian, Hans-Jürgen/Mattes, Wolfgang (Hg.): Zeiten und Menschen, Bd. 3, Paderborn 2001, S. 275, oder Ballof, Rolf u.a.: Epochen und Strukturen. Grundzüge einer Universalgeschichte für die Oberstufe, Bd. 2, Frankfurt a.M. 1996, S. 218. Ebenda liest man: „In der Gegenoffensive setzten
die Alliierten besonders ihre überlegenen Tanks ein, gegen die die deutsche
Artillerie wehrlos war. Am 'schwarzen Tag', dem 8. August 1918, gingen sieben
deutsche Divisionen bei Amiens verloren. Danach begann der Zusammenbruch der
Mittelmächte: Bulgarien und die Türkei gaben auf.“

2474  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 278. Dasselbe galt für William-Ellis, die anführten, den kriegsentscheidenden Charakter nicht mit letzter Sicherheit erkannt zu haben; siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 212.

2475  Siehe Kap. 11. und Abschn. 11.5.2.

2476  Siehe bspw. Captain R.J. Renison: The Battle of Amiens, in Canada- An Illustrated Weekly Journal vom 21.8.1918, unter: http://www.canadiangreatwarproject.com/transcripts/transcriptDisplay.asp?Type=N&transNo=164 .

2477  Siehe Fraser, Lovat: The Germans Foiled In The West, in TWI vom 31.8.1918, S. 34: „We have passed through perilous times, but we can now breath more freely, and there is every reason to hold that in the west the enemy’s hour has gone beyond recall.” Siehe auch ders.: Collapse Of The German Front, in TWI vom 7.9.1918, S. 50, und ders.: When Shall We Reach The Rhine? In TWI vom 14.9.1918, S. 66, worin eine selbst durch anerkanntermaßen hartnäckigen deutschen Widerstand ungebrochen positive Sichtweise auf die bei Amiens und in den folgenden Angriffen errungenen Erfolge als militärische Gezeitenwende präsentiert wird.

2478  Siehe Mitchell: Tank Warfare, S. 258: „Instead, he [der Feind] suddenly found himself vigorously attacked and driven back in confusion by these ame enfeebled armies, led by a fleet of tanks against he was practically powerless.”

2479  Siehe Fraser, Lovat: Foch’s New Attack Before Amiens, in TWI vom 24.8.1918, S. 18.

2480  Siehe Fuller: Tanks, S. 227.

2481  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 213.

2482  Siehe ebenda, S. 200: „With the prolonged running at high speed the interior of the Tank rapidly became unbearable through heat and petrol fumes, and the crew were forced to evacuate it and to take cover underneath. At this moment two of the crew were wounded, one was sick, one fainted and one was delirious.”

2483  Zitiert nach Mitchell: Tank Warfare, S. 247. William-Ellis berichteten darüber, daß Teile der Maschinengewehrtrupps im wortwörtlichen Sinne nur „abgeliefert“ worden waren und andere die Fahrzeuge wegen der unerträglichen Zustände zuvor bereits verlassen hatten, um zu Fuß auf ihre Ziele vorzugehen; siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 207.

2484  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 273, und zum Mythos Flesquières siehe Abschn. 9.3.f.

2485  Zum sogenannten „Plan 1919“, der eine Kriegsentscheidung an der Westfront im Sommer 1919 durch den Einsatz von 10.500 Tanks herbeiführen sollte, siehe MO 1918, Bd. 4, S. 545. App. V: Memorandum By The Chief Of The General Staff, 25th July, 1918: British Military Policy 1918-1919, und Fuller: Erinnerungen, S. 279ff.

2486  Siehe ebenda, S. 274ff., und Fuller: Tanks, S. 228f.

2487  Fullers abrechnende Aussagen über Haig seien wegen ihrer Prägnanz und Schärfe an dieser Stelle zitiert: „Es ist in der Tat seltsam, daß dieser Mann, dessen Eigensinn in der Offensive uns beinahe in der Schlacht bei Ypern ruiniert hätte und dessen Eigensinn in der Defensive uns beinahe in der Schlacht an der Somme ruiniert hätte, vom August an der treibende Faktor der alliierten Armeen werden sollte. Das war in der Tat so und es muß ihm zugute gehalten werden, denn niemand kann leugnen, daß er sich in den letzten hundert Tagen des Krieges den Ereignissen anzupassen verstand wie eine Hand dem Handschuh. Doch mir erscheint es noch seltsamer, daß diese Ereignisse nicht von ihm oder von seinen Ideen herbeigeführt wurden, sondern durch den Tank und in nicht geringem Maße durch meine Ideen. Das Fahrzeug, das er nicht begreifen konnte, welches er instinktiv haßte und das er mit Freuden abgeschafft hätte, machte ihn zu einer der hervorragenden Gestalten des Krieges. Doch am merkwürdigsten scheint es mir, daß ich, der ich ihn damals und jetzt noch für einen der phantasielosesten und kurzsichtigsten Generale gehalten habe, der jemals eine britische Armee befehligt hat, ein Mann, gegen dessen Steinzeitideen ich mit Macht angekämpft hatte, daß ich seit Dezember 1916 eine so große Rolle in dieser seiner Apotheose gespielt habe. Es würde falsch sein, zu behaupten, daß ich den Tank geschaffen habe, denn ich formte nur seine Taktik, aber es ist richtig und historisch korrekt zu sagen, daß der Tank Lord Haig groß gemacht hat.“ Zitiert nach Fuller: Erinnerungen, S. 299f.

2488  Siehe dazu Macksey, Kenneth: Tank Tactics 1939-1945, London 1976, S. 7f., und eine informative und waffentechnisch illustrierte Seite im Internet: http://worldatwar.net/chandelle/v2/v2n1/1919.htmlhttp://worldatwar.net/chandelle/v2/v2n1/1919.html .

2489  Siehe Kap. 12.

2490  Siehe Abschn. 11.5.1.

2491  Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 12 und S. 552, App. VI: Fourth Army General Staff Instructions, 31st July, 1st August And 4th August, 1918.

2492  Siehe Travers: How The War Was Won, S. 120.

2493  Siehe ebenda.

2494  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 275.

2495  Siehe Harris: Amiens, S. 106.

2496  Siehe dazu Riebicke, S. 177.

2497  Siehe Guderian: Achtung-Panzer! S. 118.

2498  Siehe Harris: Amiens, S. 107, und Travers: How The War Was Won, S. 121f. Zur Parallelität der Verhältnisse am 18.7.1918 siehe Abschn. 11.3. und 11.5.

2499  Mit allergrößter Prägnanz wird dies in der schon lyrisch anmutenden Beschreibung der Beisetzung von Gefallenen des Tank Corps deutlich, die zwar erst 1933 erschien, in sich aber durchaus einen „authentischen“ Charakter trägt: „We returned to bury our comrades in one long pit, with blankets for their shrouds. Even as the padre was reading the burial service, we heard the fierce rat-tat-tat-tat of machine guns...The Canadians were launching their attack. At the same moment the newspaper boys were racing and shouting down Fleet Street and the Strand. Excited people eagerly grabbed a paper and read the unbelievable news. The shouting spread to the city and the West End. ‘Great British victory! Piper!’ ‘Triumph of the tanks! Piper!’ London thrilled with joy. The end was in sight at last…We looked down the row of still forms, and wondered, what it all meant. ‘Ashes to ashes…Dust to Dust…’ ‘Great British victory! Piper!’” Zitiert nach Mitchell: Tank Warfare, S. 255f.

2500  Siehe Foerster: Ludendorff. S. 42.

2501  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9757 geh. op. vom 11.8.1918.

2502  Siehe Foerster: Ludendorff, S. 42.

2503  BA-MA, RH 61/51833: Bericht über eine Befragung Ludendorffs durch Archivrat Volkmann Anfang August 1923, S. 10 (zu Frage 14) und S. 11 (zu Frage 14).

2504  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 552f., und Auszüge aus dem Protokoll der Besprechung zwischen dem Kaiser, der OHL und der Reichsleitung finden sich in Otto/Schmiedel, Dok. Nr. 129, S. 313f.

2505  Siehe Foerster: Ludendorff, S. 43.

2506  Siehe Abschn. 11.5.2. und BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 245ff.

2507  Die Befehlsübernahme erfolgte am 12.8.1918.

2508  Siehe dazu Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 352f.

2509  Siehe Ehren-Rangliste, S. 340, und Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 303 (Eintrag zum 10.8.1918).

2510  Siehe Abschn. 5.6.2.

2511  Siehe Alter: Generalobersten v. Einem, S. 424 (Eintrag zum 10.8.1918).

2512  Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 176f.

2513  Siehe Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 352.

2514  Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, bspw. S. 160f. (siehe auch Kap. 11.), und Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 353. Ebenda ist zu lesen: „Es [der 8.8.1918 bei der 2.Armee] war wohl die größte Niederlage, die eine deutsche Armee im Weltkriege erlebt hat. Diese Katastrophe fiel aber letzten Endes auf General Ludendorff zurück, der die Widerstandskraft der durch die große Schlacht in Frankreich errichteten deutschen Kampffront weit überschätzt und meinen Vorschlag am 19.7., diese Front in die Siegfriedstellung zurückzunehmen, nicht durchgeführt hatte.“

2515  Siehe TWI vom 22.6.1918, S. 325.

2516  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0070: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 94468 vom 20.8.1918. Auch über dieses propagandistisch als „Mosquito-Tank“ bezeichnete Fahrzeug war bereits in der feindlichen Presse berichtet worden; siehe TWI vom 3.8.1918, S. 424.

2517  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0052: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 92657 geh. op. vom 10.8.1918, und Abschn. 10.1.

2518  Siehe Abschn. 12.5.1.

2519  Siehe Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 304 (Eintrag zum 10.8.1918).

2520  Die einfühlsamen Worte v. d. Marwitz’ über die Situation seiner Stellungstruppen, die real geradezu schutzlos auf „Äckern“ lagen und de von Foch geforderten massiven Angriffe geradezu herausforderten, liest sich im Kontext der Entwicklungen des Jahres 1918 weitaus weniger vorteilhaft für den General, als dies auf den ersten Blick der Fall sein dürfte.

2521  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9757 geh. op. vom 11.8.1918. Vergleiche dazu das Beispiel des GR 2 und anderer zum Eingreifen herbeigerufener Teile in Abschn. 12.3.

2522  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9757 geh. op. vom 11.8.1918, Ziff. 2: „Weit mehr als bisher muß im Stellungsbau und in Anlagen zur Tankabwehr verlangt werden und der Abneigung der Truppen zu Schanzen mit allen Mitteln entgegengewirkt werden. [... .] Hier [hinter der Kampfzone] kommt es vor allem darauf an, sich gegenseitig flankierende Stützpunkte durch zur nachhaltigen Verteidigung eingerichtete und verdrahtete Ortschaften, Fermen, Waldstücke, Geländeeinschnitte, Straßendämme zu schaffen und die Tankabwehranlagen herzustellen. [... .] Es muß völlig ausgeschlossen sein, daß durch die vorderste Linie durchgebrochene Tanks, ohne Hindernisse und Widerstand zu finden, auf und neben den Straßen meilenweit bis in [hervorgeh.] die Quartiere von Divisionsstäben durchstoßen können.“ Siehe auch ebenda, Ziff. 4.d).

2523  Siehe ebenda.

2524  Zum Stellungsbau siehe Abschn. 6.5.2., 10.1., 11.5.2. und 12.2.

2525  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9757 geh. op. vom 11.8.1918, Ziff. 3.

2526  Siehe dazu Abschn. 7.2.

2527  Siehe Abschn. 12.2.

2528  Siehe dazu Abschn. 7.2. und HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 66: AOK 2 Abt. Ia. Nr. 700/April Geheim. vom 11.4.1917, Ziff. 3: „Ich bin mir bewusst, dass diese Grundsaetze [des neuen Abwehrverfahrens] nicht neu sind und dass hoeher als alle theoretische Belehrung der Geist der Truppe wiegt. Daher Aufrechterhaltung der strengen Manneszucht, Erziehung zu energischen Gegenstössen, Durchdringung aller Mannschaften mit dem Grundsatz, dass eine brave Truppe, auch wenn sie abgeschnitten ist, weiter kaempft, bis sie durch Gegenstoss befreit ist, oder sich durchschlaegt.“

2529  Dasselbe ist über eine Verlautbarung Hindenburgs zu sagen, die unter Appell an eine preußisch-deutsche Tradition zum Durchhalten darauf verwies, daß bewegliche Verteidigung nicht mit einem auch von der Führung zu oft und leichtfertig befohlenen, vorzeitigen Aufgeben der Haupt-Widerstands-Linie gleichzusetzen sei. Die Stellungen seien „auch gegen fdl. Uebermacht um jeden Preis zu halten“. Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 19: 187.ID Abt. Ia No 2521 pers. vom 20.9.1918.

2530  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9757 geh. op. vom 11.8.1918, Ziff. 4.a).

2531  Siehe ebenda, Ziff. 3.

2532  Siehe ebenda, Ziff, 4.a).

2533  Siehe ebenda, Ziff. 4.b.)

2534  Siehe ebenda, Ziff. 4.c).

2535  Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 018: [28.ID Ia Nr. 6846 vom 19.9.1918:] Chef d. Genst. d. Feldheeres II Nr. 9840 geh. op. vom 15.8.1918.

2536  Siehe Kap. 11. und Abschn. 12.2.

2537  Das Bataillon folgte den Dimensionen des Grabens nach einer Verlautbarung der Heeresgruppe Rupprecht von Ende April 1918, welche durch den Einsatz von Faschinen bei Cambrai und den Verlauf der vorausgegangenen Kämpfe längst überholt war; siehe dazu Abschn. 5.6.2., 8.2. und 9.6.2. bzw. KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917.

2538  Siehe HStAS, M 200, Bü. 137: KTB Pi. Btl. 242, Einträge ab dem 28.8.1918.

2539  Das AOK 2 interpretierte die Gefahren in einer ersten schriftlichen Würdigung der Ereignisse des 8.8.1918 bezeichnenderweise dahingehend, daß von nun an immer mit Tankangriffen zu rechnen sei und daher alle Gegenmaßnahmen gegen diese zu richten seien; siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0063: AOK 2 Ia Nr. 863/Aug. geh. vom 20.8.1918, Ziff. 1 und 2.

2540  Zu diesem Mythos gehörte auch, daß die OHL in Weiterentwicklung der kollektiven Tankprämie von 1917 und ihrer aus dem 18.Juli gewonnenen Überzeugung heraus, daß Abwehrleistungen generell so zu würdigen seien wie individuelle Verdienste im Angriff, nun quasi als „Zuckerbrot“ auch die Verleihung von Auszeichnungen für erfolgreiche Tankabwehr forderte. Der Pour le Mérite für Major Kranold des FAR 221 (siehe Abschn. 12.4.) ist dabei ein Beispiel für eine zunehmende Erwähnung von Tanks im Zusammenhang mit dem offenbar gewünschten Bild von technischer Bedrohung und persönlicher Überwindung in der Öffentlichkeit; siehe dazu KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0055: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 9762 geh. op. vom 16.8.1918. Die beabsichtigte, aber letztlich zweifelhafte, weil zu individuelle Wirkungsweise der höchsten Gunst- und Gnadenerweise sowie der feststellbaren Nennungen in den amtlichen Kommuniques umschrieb Ludendorff (ebenda) folgendermaßen: „Ich bitte auch durch Verleihung von Auszeichnungen für besonders erfolgreiche Tankabwehr die Selbsttätigkeit des Einzelnen und der Truppe anzuspornen und ihr Selbstvertrauen zu heben.“ Schließlich, die feststellbaren Resultate dieser späten Forderung völlig hinten anstellend, blieb das Auszeichnungswesen ein gravierender Heeresmißstand; siehe dazu Hobohm: Soziale Heeresmißstände, S. 100f.

2541  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0041: AOK 6, Ia/Ib No 4161 geh. vom 12.8.1918.

2542  Man wird dies als deutlichen Hinweis darauf werten müssen, daß sowohl für damalige als eben auch für heutige Betrachter im Regelfall kein Zugang zu Informationen und Informationswegen vorhanden ist, die nicht schriftlich oder zumindest nicht im offiziellen Schriftverkehr dokumentiert worden sind. Die beiden Köpfe der Heeresgruppe, der Kronprinz und sein Stabschef, v.d. Schulenburg, hatten zweifellos alle Mittel, Wege und Beziehungen, um sich, abseits der von Ludendorff an das gesamte Heer gerichteten Verlautbarungen, ein Bild der Lage zu verschaffen. Der Nebel des 8.8.1918 scheint demzufolge als ganz wesentlicher Bestandteil der Bedingungen für die verheerende Niederlage das AOK 2 noch vor Bekanntwerden der Gefechts- und Erfahrungsberichte kommuniziert worden zu sein.

2543  Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 018: [28.ID Ia Nr. 6846 vom 19.9.1918:] Auszug aus HGr Kronprinz Ia Nr. 6320 geh. vom 11.8.1918.

2544  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0044: AOK 17 an HGr Rupprecht vom 14.8.1918.

2545  Siehe ebenda, Bl. 0045.

2546  Siehe ebenda, Bl. 0049.

2547  Siehe dazu Abschn. 7.2. Am 17.8.1918 wurde nun auch von der Seite der OHL nach „Holzmodellen“ der feindlichen Tanks für Schulungszwecke gefragt, die bei entsprechender Nachfrage im Auftrag der OHL gefertigt werden könnten; siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0054: OHL vom 17.8.1918.

2548  Siehe ebenda, Bl. 0072: AOK 6 vom 23.8.1918. Anläßlich dieser ersten, bis zum 30.8. durchgeführten (siehe ebenda, Bl. 0076 und Bl. 0089) experimentellen Vorführung beim Sturm-Bataillon 6 in Tournai entstand ein eindrucksvoller Bildbericht, der vom General der Pioniere des AOK 6 veröffentlicht wurde; siehe BA-MA, PH 3/975: AOK 6 Pi/Tank No 70581 vom 6.9.1918.

2549  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0076: HGr Rupprecht Iaf Nr.64714 vom 25.8.1918. Die Vorführungen bestanden aus fahrerischen Einlagen, einem Vortrag über passive Tankabwehr, Vorführungen zur Wirkungsweise von Tankhindernissen und Minen sowie Beschußtests auf ältere Beutetanks mit Maschinengewehr, Handgranate und leichtem Minenwerfer (siehe dazu auch ebenda, Bl. 0062).

2550  Erinnert sei daran, daß das AOK 1 beim Bau der Siegfried-Stellung „Fanggruben von 10-15m Breite und 3-4m Tiefe verlangt hatte; siehe dazu Kap. 5.

2551  Siehe HStAS, M 200, Bü. 137: KTB Pi. Btl. 242, Eintrag zum 31.8.1918.

2552  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0153: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ib Nr. 98473 op. vom 17.9.1918. Angekündigt wurde die Zuweisung von zwei kleinen Flammenwerfern, die später auf sechs je Kompanie aufgestockt werden sollten.

2553  Siehe hierzu Gleich: Die alte Armee, S. 94. Der frühere General hielt in seiner kritischen Studie zu den „Verirrungen“ der Armee hinsichtlich des Berichtswesens fest: „In manchen Fällen aber hat die Berichterstattung von unten nach oben tatsächlich versagt, weil manche Offiziere schon im Frieden aus einer übertriebenen und falschen Rücksicht sich mitunter scheuten, dem Vorgesetzten die volle und ganze Wahrheit zu berichten.“

2554  Die Auswirkungen des Berichts lassen sich auch an der Erwähnung der 41.ID anläßlich der Besprechung über die Fortführung des Krieges am 17.10.1918 in Berlin erkennen; siehe dazu Ludendorff: Urkunden, S. 561, und Kap. 13.

2555  Siehe TG IR 18, S. 380f. Der angeführte Divisionsbefehl der 41.ID beinhaltete die Sätze: „Leider haben aber auch viele Soldaten der Division ihre Pflicht nicht erfüllt. Alle diejenigen, die nicht Front gemacht haben, als der Feind sie nicht mehr drängte, die, anstatt die vorderste Linie aufzusuchen und zu halten, die Front für den Feind frei machten und die Bagagen oder Peronne oder sonst einen sicheren Ort aufsuchten, haben ihre im Fahneneid beschworene Pflicht schwer verletzt. Sie haben vor ihren Vorgesetzten und Kameraden und vor ihrem Gewissen eine schwere Schuld wieder gutzumachen. Aber ganz ehrlos und vaterlandsverräterisch haben die gehandelt, die ihre Waffen fortwarfen, um schneller fortzukommen und um nicht wieder in den Kampf geführt werden zu können.“

2556  Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 67: 41.ID I Nr. 1042 geheim. vom 16.8.1918.

2557  Siehe ebenda, Ziff. 1.)b).

2558  Siehe Abschn. 12.5.

2559  Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 67: 41.ID I Nr. 1042 geheim. vom 16.8.1918, Ziff. 1.)a), und ebenda, Bl. 63a: 13.ID Ia Nr. 195/VIII. vom 17.8.1918.

2560  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918.

2561  Da der Bericht vom 21.8. datiert, kann man annehmen, daß er zumindest unter Klewitz’ Regie entstanden ist. Dies wäre gegebenenfalls ein deutlicher Hinweis auf die Eindeutigkeit des das AOK 2 grundsätzlich entschuldigenden Gesamtbildes von Ausgangsbedingungen und vom Verlauf der Kämpfe oder auch dafür, daß dem vormaligen Stabschef des AOK 3 diese oder ähnlich negative Verhältnisse aus seinem früheren Führungsbereich durchaus bekannt gewesen sind.

2562  Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918, Ziff. 33.).

2563  Siehe ebenda, Ziff. 17.).

2564  Siehe ebenda, Ziff. 13.).

2565  Siehe ebenda, Ziff. 14.).

2566  Siehe ebenda, Ziff. 15.).

2567  Siehe Abschn. 9.6.2.

2568  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918, Ziff. 16.).

2569  Dietz berichtete über einen Stabsoffizier, der es versäumt hatte, in seinem bedrohten Abschnitt vor dem 8.8.1918 Minen auslegen zu lassen, später aber die Zerstörung von zwei in Wahrheit durch Artilleriefeuer kampfunfähig gewordenen Tanks reklamierte und auch auf Nachfrage von Vorgesetzten hin über seine positiven Erfahrungen mit Minen Auskunft gab; siehe dazu Dietz: Der Todesgang, S. 75.

2570  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918, Ziff. 19.).

2571  Siehe ebenda.

2572  Siehe ebenda, Ziff. 5.)b.). Die Panzerwagen, von denen keiner abgeschossen worden war und untersucht werden konnte, waren im Bericht der 13.ID als „neuer Tank“ mit 35km/h Geschwindigkeit und einer anzunehmenden größeren Empfindlichkeit gegenüber Beschuß klassifiziert worden. Bei genauerer Betrachtung ist der Bericht der 13.ID ziemlich vage, was den Einsatz neuer Fahrzeugtypen anbelangt. So ist eine Trennlinie zwischen den langsamen und für die Artillerie leicht zu bekämpfenden Mark V und V* genausowenig erkennbar wie zwischen den Whippets und den Panzerwagen. Die Division verfaßte ihren Bericht offensichtlich auf Basis wenig präziser und kaum verbürgter Zeugnisse, womit ein grundsätzliches Problem mit der Quellenart der Gefechtsberichte und Kriegstagebücher einmal mehr überdeutlich gekennzeichnet ist; siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 63a: 13.ID Ia Nr. 195/VIII. vom 17.8.1918.

2573  Siehe ebenda,, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918, Ziff. 22.) und 23.).

2574  Siehe ebenda, Ziff. 20.).

2575  Siehe ebenda, Ziff. 25.) und 21.).

2576  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0108: AOK 6 Ia/Pi Nr. 4399 geh. vom 3.9.1918. Bezeichnend für das grundsätzliche Problem beim Aufbau eines „Tankforts“ ist die hier enthaltene Forderung nach einem „energischen“ Offizier als Kommandant, der dazu gewillt sein sollte, „bis zum letzten Mann auszuhalten und alle erreichbaren Tanks zu vernichten“. Der situationsbedingte Hilferuf -oder besser: der verzweifelte Appell, an die Truppe bzw. die diesem Kommandanten unterstellten Soldaten- „nicht den Kopf zu verlieren“, war in der Weisung ebenfalls enthalten. Im Trubel der Kämpfe seit Ende August scheinen diese Ideen letztlich nicht mehr flächendeckend umgesetzt worden zu sein. Was im Gegensatz zu Belegen für Umsetzung und etwaige Erfolge allerdings vorhanden ist, sind zahlreiche Weisungen zu intensiver Schulung des rückwärtigen Personals in der Tankbekämpfung; siehe bspw. HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 3 Ia Nr. 9248 wk. geheim vom 30.8.1918.

2577  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0139 vom 5.9.1918 und folgende Blätter als Teil der Diskussion zwischen höheren Stäben um die Organisation der Tankabwehr. Ergänzend zu den ersten Ausführungen des AOK 6 wurde von der Heeresgruppe Rupprecht die Zuweisung von K-Flak und Lkw angeregt, was eine als notwendig erachtete Mobilität der aus „Ordonnanzen, Schreibern usw.“ zu bildenden Fortbesatzungen garantieren können sollten (siehe ebenda Bl. 0144). Zur Schulung der „rückwärtigen Teile“ in der Tankabwehr siehe auch BA-MA, PH 8 I/34, Bl. 47:HGr Kronprinz Ia,c Nr. 6343 (als Abschrift der 34.ID datiert vom 14.8.1918).

2578  Siehe ebenda, Bl. 0108: AOK 6 Ia/Pi Nr. 4399 geh. vom 3.9.1918. Als Ausstattung wurden 1-2 nicht weiter spezifizierte „Geschütze“, 1-2 lMW, 2 MG, 3-4 Tankgewehre, 1-2 Flammenwerfer und zahlreiche Handgranaten empfohlen.

2579  Praktische Erfolge der „Tankforts“ und ihrer Besatzungen ließen sich durch den Verfasser nicht feststellen. Dem stehen auf nicht näher spezifizierter Basis entstandene englischsprachige Äußerungen in einem lexikalischen Werk entgegen, worin sich bemerkenswert positiv über ihre Wirkung in den letzten Kriegswochen ausgesprochen wird; siehe Pope/Wheal: Dictionary of the First World War, S. 462. Auch Goya, S. 362, erwähnt die Anlage der Forts.

2580  Siehe etwa HStAS, M 200, Bü. 157: GK XI.AK Ia Nr. 4418 op. geh. vom 10.9.1918, Ziff. 2.). Da die Kämpfe der auf den 8.8.1918 folgenden Wochen denselben Charakter hatten wie jene in den beiden „Tankschlachten“ zuvor, mag es kaum verwundern, daß in den Gefechtsberichten –jedenfalls denen, die vom Verfasser eingesehen wurden- keinerlei Rückmeldung über erfolgreiche Tankabwehr aus den „Forts“ heraus feststellbar ist.

2581  Siehe Abschn. 9.6.2.

2582  Siehe Baur de Bataz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte, S. 152.

2583  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918, Ziff. 18.): „K.Flak’s haben wieder hervorragende Dienste geleistet.“ Mit sieben Abschüssen waren die K-Flak nachweislich von der 41.ID zuvor besonders positiv hervorgehoben worden; siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 67: 41.ID I Nr. 1042 geheim. vom 16.8.1918, Ziff. 2)d). Wahrscheinlich eben diese sieben Abschüsse, erzielt durch die K-Flak 29, meldete auch der Bericht des Kommandierenden Generals der Luftstreitkräfte in seinem Bericht zum 8.8.1918; siehe Baur de Bataz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte, S. 295.

2584  Siehe Nehring: Panzerabwehr, in Militärwissenschaftliche Rundschau Heft 2/1936, S. 189ff.

2585  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt 210, Bl. 0145: HGr Rupprecht Ic No. 67266 vom 14.9.1918.

2586  Siehe dazu Abschn. 9.6.2.



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22.04.2008