13 „Und die Tanks nächstes Frühjahr?“2587 Tanks und Tankabwehr in den letzten Wochen des Krieges.

Parallel zu den als Resultate des „schwarzen Tages“ beschriebenen Geschehnissen des vorhergehenden Kapitels dauerten die Kampfhandlungen an der Westfront unter der geltenden Einsatzdoktrin Fochs beziehungsweise Ludendorffs weiter an.

Abb. 13: Karte zu den Angriffsoperationen der Alliierten bis Kriegsende2588.

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Hierbei war und blieb die Rolle von Angreifer und Verteidiger bis Kriegsende so eindeutig verteilt, wie sie es im Jahr 1917 gewesen war. Auf diese Operationen ausführlicher einzugehen scheint unnötig, obwohl es sich bei ihnen nicht, wie Fuller es sehen wollte, um „kleinere Kampfhandlungen“ in der Folge des 8.August2589 handelte, sondern, zumindest aus deutscher Perspektive, um die schwersten und verlustreichsten Kämpfe des gesamten Krieges2590. Die Ursache dazu, sie hier nicht detailliert zu beschreiben, liegt darin begründet, daß das Zurückwerfen des deutschen Heeres in Belgien und Frankreich in Einzelschritten, wie es am 17.August von den Franzosen zwischen Oise und Aisne und am 21.August von den Briten nördlich der Somme wieder offensiv in Angriff genommen wurde, keine wesentlich neuen Erkenntnisse für das in dieser Arbeit behandelte Thema bietet.

13.1 Das Kriegsende im Zeichen der „Tankdrachen“.

Das Tank Corps, an allen namhaften Operationen der letzten Wochen bis zum Waffenstillstand als Speerspitze beteiligt, kam nach dem 8.August nicht wieder auf eine mit diesem Datum verbundene oder vergleichbare Einsatzstärke. Es mußte als Geräteersatz auf Mark IV zurückgreifen und konnte vor Bapaume am 21.August nur rund 200 Fahrzeuge versammeln, von denen 37 durch direkte Treffer verloren gingen2591. Bei den nach 1917 wiederum entbrannten Kämpfen um die Relikte der einmal mehr in den Fokus des Interesses gerückten Siegfried-Stellung Ende September standen knapp 400 Panzerwagen und Tanks, darunter 40 Tanks des hier erstmalig eingesetzten, amerikanischen 301.Bataillons, zur Verfügung2592. Über die Zahl der tatsächlich an einem Tag ins Gefecht gerollten Fahrzeuge –am 29.September waren es laut Fuller nicht mehr als 1752593- und deren Verluste sind in der Literatur nur wenige Angaben zu finden, die allerdings bezeichnend sein dürften. Ein Bataillon Mark V*, das am 27. dieses Monats gegen den Bourlon-Wald und Flesquières vorging, verlor von 26 Fahrzeugen 11 im deutschen Abwehrfeuer und von 34 amerikanischen Tanks fielen zwei Tage später 24 in einem bis dahin unbekannten britischen Minenfeld von Februar 1918 aus2594.

Die artillerie d’assaut konnte zwischen dem 28.August und dem 17.September 480 Tanks zum Einsatz bringen, von denen 60 durch deutsche Artillerie außer Gefecht gesetzt wurden und insgesamt 215 nicht aus eigenem Antrieb vom Schlachtfeld zurückkehren konnten2595. Genauso erhebliche Ausfälle gab es Ende September während der französisch-amerikanischen Großoffensive beiderseits Verdun, wobei hierfür nominell mehr als 600 Fahrzeuge aller Typen vorhanden waren. Wie viele von ihnen zum Einsatz kamen, ist nicht bekannt, doch anzunehmen ist aufgrund der gewohntermaßen seit spätestens Juli 1918 praktizierten Unterstellungsweise der chars d’assaut unter Infanteriestäbe, daß es zu koordiniertem Masseneinsatz nicht kam2596. Die Wirkung auf die deutschen Truppen, die sich von einem „ersten Schreck“ erholt hatten, war jedenfalls in der Wahrnehmung eines involvierten deutschen Gruppenkommandos derart gering, daß es sich zur Aussage verstieg, den Tanks sei jeglicher nennenswerter Kampfwert abzusprechen2597. Die Verluste der Kampfwageneinheiten bis zum 3.Oktober waren tatsächlich auch erheblich und beliefen sich auf 367 Fahrzeuge und etwa 40% der Besatzungen2598. Am 17.Oktober erfolgte der vorletzte größere, durch Tanks begleitete Angriff des Krieges, der als Kooperation interalliierter Kräfte gegen die deutsche „Hermann-Stellung“ südwestlich Cambrai gerichtet war. Lediglich 74 Tanks kamen zum Einsatz von denen wenigstens 22, meist durch Festfahren oder technische Pannen und lediglich sechs durch deutsche Artillerietreffer, ausfielen2599. Kurz vor Kriegsende, ab dem 4.November, griffen nochmals Tanks die Hermann-Stellung an. Diesmal waren es rund 80 britische Fahrzeuge aller Typen, denen allerdings so kurz vor dem Waffenstillstand kaum noch ernsthafter deutscher Widerstand entgegenschlug2600.

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Die Vorstellung auf deutscher Seite, daß die Tanks das ausschlaggebende Element bei der Abfolge schwerer Niederlagen waren, welche zwischen Juli und November 1918 385.000 in Kriegsgefangenschaft geratene Deutsche und den Verlust von rund 6.600 Geschützen -rund einem Drittel der im Juli noch vorhandenen Rohre2601- bedeuteten2602, verfestigte sich zusehends. Die OHL, hiervon seit den Kämpfen um den „Marnebogen“ so überzeugt wie von wenigstens partieller Unfähigkeit von Führern und Unwilligkeiten in der Truppe, erhielt dafür immer wieder Bestätigung. So etwa durch das AOK 17, welches Anfang September repräsentativ für Verlautbarungen der höheren Stäbe formulierte, daß der feindliche Infanterist „ohne Tankschutz feige“ und es den eigenen Divisionen durchaus möglich gewesen sei, durchgebrochene Tanks „überall weiter hinten“ zu eliminieren2603. Daß dies, den Vorbildern „Marnebogen“ und „schwarzer Tag“ entsprechend, nach wie vor nur auf Kosten der weiter vorn eingesetzten Teile geschehen war und diese einem taktisch plötzlich aus (künstlichem) Nebel und Rauch heraustretenden gepanzerten Feind mit massivster „Infanterieunterstützung“ –eher das Umgekehrte, Massen an Infanterie mit Tankunterstützung, war auch jetzt der Fall- insgesamt hilflos gegenüberstanden hatten, war oder ist zumindest heute zwischen den Zeilen dieser Verlautbarung zu erkennen und zudem am Ergebnis der Kämpfe ablesbar. Die Wirkung der Tanks sollte dem AOK 17 zufolge zukünftig durch das altbekannte sich Überrollenlassen der Infanterie in selbstredend vorausgesetztem ungebrochenen Glauben an rechtzeitige Unterstützung durch Kräfte aller Art kompensierbar sein. Diese Linie, die nichts mehr mit den Depressionen vom 18.Juli und 8.August gemein hatte, sondern zuversichtlich in die Zukunft verwies, wählte nun einmal mehr die OHL, welche am 4.September als Erfahrung aus den letzten Kämpfen mitteilte, „daß eine gute Truppe, die fest in der Hand ihrer Führer ist, unserem Gegner auch trotz der neuen Kampfmittel sich unbedingt überlegen gezeigt hat“2604. Und tatsächlich konnten selbst in dieser Schlußphase des Krieges noch sowohl Beispiele für effektive Gegenwehr der Stellungstruppen, als auch für die Schlagkraft vorhandener Eingreifreserven und hervorragende Einzeltaten gemeldet werden2605. Darunter fiel bis Ende September unter anderem ein der Legende von Unteroffizier Krüger bei Cambrai in jeder Hinsicht sehr ähnlicher Fall in Form eines Vizewachtmeisters Winkelmann (2./RFAR 63), der 13 Tanks zerstört haben soll und von einer Panzerabwehrabteilung der Wehrmacht zum Namengeber für eine Kaserne auserkoren wurde, die bis Anfang der 1990er Jahre als „Winkelmann-Kaserne“ von der Bundeswehr genutzt wurde2606. Derartige Eindrücke, deren Wurzeln hinsichtlich der möglichen –oder, besser: gegenüber der wahrscheinlichen- Verschiedenartigkeit jeweils gegebener Lagen und Ausgangssituationen wie immer2607 undiskutiert blieben, dürften zusammen mit den Hoffnungen auf Rüstungen bis Frühjahr 1919 und die Unvorstellbarkeit einer militärischen Niederlage ihren Teil dazu beigetragen haben, daß die Generalität an der Westfront und die von Ludendorffs Sichtweise bestimmte 3.OHL die Fortsetzung des Krieges beabsichtigte2608. Dies fand in unangemessenen Appellen an Durchhaltewillen und Beschwörung der Tapferkeit der Truppe jedenfalls weiterhin seine Entsprechung2609.

Der Standpunkt des wegen Erschöpfungs- und Überarbeitungsbelastung in ärztlicher, um nicht zu sagen in „ganzheitlich-psychologischer“ Behandlung befindlichen2610 Ludendorff nach den dramatischen Ereignissen, die sich Ende September allein militärisch durch erhebliche Geländeverluste, das Zusammenschmelzen der personellen und materiellen Schlagkraft des Heeres, ausdrücklich auch durch den unausgesetzten Masseneinsatz feindlicher Tanks2611 sowie Angebote zu Friedensverhandlungen von seiten der kollabierenden Verbündeten darstellten, bestand am 29.September 1918 aus der erneut artikulierten Erkenntnis, daß tatsächlich keine Hoffnung auf ein siegreiches Kriegsende mehr bestehen könne und Waffenstillstandsverhandlungen umgehend eingeleitet werden müßten2612. Bezeichnend für die Wechselhaftigkeit dieses nun allerdings in Bitten der Reichsleitung um Friedensvermittlung an Washington und schwerwiegende innenpolitische Veränderungen mündenden Eingeständnisses, das Ludendorff Chickerings Meinung zufolge ironischerweise „zum Vater der deutschen Demokratie“ machte2613, war, daß noch tags zuvor Referenten des Kriegsministeriums dem Reichstags-Hausaltsausschuß ausführlich dargelegt hatten, daß die zu allem Übel den Ausschlag gebenden alliierten Tanks zukünftig keinen Schrecken mehr verbreiten können würden. Schließlich, und die Redner waren bezeichnenderweise ausdrücklich damit beauftragt, dies darzulegen, habe die OHL nie geruht, sich der Tankfrage anzunehmen und eine der kriegswirtschaftlichen Lage des Reiches angemessene Lösung des Problems zu finden. Dies sollte in allernächster Zeit, durch baldigst zu erwartende, „vervollkommnete Abwehrwaffen“ gegeben sein, welche die Tankgefahr völlig beseitigen würden2614.

Zwei Wochen darauf, als das Ausscheiden der drei verbündeten Staaten aus dem Krieg praktisch gegeben war und man sich einem sich erheblich beschleunigenden Zerfallsprozeß der eigenen Streitkräfte mit Symptomen im Spektrum von Waffenverkäufen an Zivilisten2615, Plünderungen2616 und immer weiter um sich greifender „Drückebergerei“2617 an der Westfront gegenüber sah, wandelte sich die Meinung Ludendorffs surrealer Weise noch ein letztes Mal.

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Der Ausgangspunkt einer Besprechung in Berlin am 17.Oktober, die unter Regie des seit Anfang des Monats amtierenden Reichskanzlers, Prinz Max von Baden, und in Anwesenheit der führenden Köpfe der Reichsleitung und Streitkräfte stattfand, war die Frage nach den Erfolgsaussichten einer Fortsetzung des Krieges. Diese hatte sich ergeben, weil die Antwort des Hoffnungsträgers Wilson auf das jüngste Friedensersuchen weit weniger günstig als erhofft ausgefallen war. Wie der neue Reichskanzler es interpretierte, wohl deshalb, weil der amerikanische Präsident „durch die amerikanischen Chauvinisten und durch den Druck Frankreichs und Englands in eine schwierige Lage geraten war“2618. Zur Debatte stand nun die vielleicht doch noch gegebene Option darauf, den ziemlich zahlreichen Feinden weiterhin die Stirn zu bieten, bis diese zu einer auf gleicher Augenhöhe ausgehandelten diplomatischen Einigung gewillter wären. Ludendorffs Meinung war vor diesem Hintergrund selbstredend von ausschlaggebender Bedeutung. Und er führte sogleich aus, daß das Schreckgespenst eines Durchbruchs an der Westfront nicht wahrscheinlich sei -von ihm auch nicht gefürchtet werde!2619- und er mit Hilfe der alleräußersten Ausnutzung der personellen Ressourcen des Reiches „vertrauensvoll in die Zukunft“ blicke2620.

Bemerkenswert ist an dieser Stelle, daß Ludendorff mit dem hier geäußerten, ziemlich unverhohlenen und direkten Vorwurf, daß eine ihm bislang vorenthaltene Ausnutzung der Kräfte überhaupt erst Schuld für die eingetretene Lage sei, einmal ganz klar die Auswirkungen geringer Gefechtsstärken auf die Leistungsfähigkeit von Verbänden anerkannte. Etwas, das in den an das Heer gerichteten Verlautbarungen ausgeklammert blieb und zuvor –wie in vorausgegangenen Kapiteln sehr deutlich geworden sein sollte- keine „Entschuldigung“ oder diskutable Erklärung für „Versagen“ dargestellt hatte. Beachtlich ist ebenso, daß er mit keinem Wort darauf einging, für wie wenig psychisch und moralisch belastungsfähig der letzte Ersatz, tatsächlich der Ersatz seit Ende 1917 und dazu auch Teile des Offizier- und Unteroffizierkorps2621, von ihm erachtet worden war. Tatsächlich hatte er noch am 3.September den höchsten Stäben der Westfront mitteilen lassen, daß neu in die Front gestellte Mannschaften „den Eindrücken eines feindlichen Angriffes mit Tanks, mit Kavallerie oder mit Schlachtfliegern nicht gewachsen waren“2622.

Nun gab es, anscheinend urplötzlich wieder, einen in Wahrheit offenbar zu keinem Zeitpunkt ganz aufgegebenen Hoffnungsschimmer, der dadurch genährt wurde, daß es all der erkannten Schwierigkeiten ungeachtet immer noch gelang -erst am 15. bei Ypern wieder, wie er bei der Besprechung am 17.Oktober anführte- dem Feind trotz Löchern in der Front und Geländeverlusten erfolgreich zu widerstehen. Dies sei auch den Amerikanern gegenüber der Fall, die man trotz ihrer Zahl nun auch nicht überschätzen dürfe2623. Selbst Truppenteile, die wie die 41.ID am 8.August, versagt hätten, würden sich im Augenblick wieder „glänzend“ schlagen.

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Die Stimmung in der Heimat stellten die anwesenden Kenner, darunter Scheidemann, der von der in der Arbeiterschaft weiter verbreiteten Auffassung „lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende“ berichtete, düster dar, was in Teilen auch für Ludendorffs Beschreibung der Stimmung an der Front zutraf. Allerdings verwies der Erste Generalquartiermeister sogleich auf den vorauszusetzenden Willen aller Anwesenden, diesen „Stimmungen“ umgehend entgegenzuwirken2624, und er versuchte, für seinen Verantwortungsbereich die Hoffnung darauf zu hegen, mit der Armee nach Überstehen der nächsten vier Wochen „fein heraus“ zu sein2625. Seine schönfärbende Sichtweise, oder eben das „Dilemma der Wahrheit“, wie Epkenhans es nannte2626, gipfelte darin, fragwürdigen deutschen Ersatz in Größenordnung von maximal 700.000 Mann bis Frühjahr 1919 gegenüber einem gleichzeitig allein statistisch zu erwartenden Kräftezuwachs der Alliierten in Höhe von allein 1,1 Millionen Mann amerikanischer Truppen als gute Grundlage für eine aussichtsreiche Fortführung der Kampfhandlungen anzuführen2627. Dies nötigte den Reichskanzler offenkundig dazu, nach den materiellen beziehungsweise technikbezogenen Kräfteverhältnissen –wenn man so will: nach Belegen für den Sachverstand des Fachmannes- zu fragen. In der Luft, so gab Ludendorff in der Manier, mit der er ein bisheriges Aushalten des schwachen Heeres gegenüber weit überlegenem Feind zu Lande bereits ausgemalt hatte, zur Kenntnis, war man zwar numerisch eins zu drei unterlegen, aber, wie die selbst in der Feindpresse gewürdigten Gefechtsleistungen bewiesen, doch keineswegs faktisch. „Und die Tanks nächstes Frühjahr?“, bohrte der Reichskanzler nach und erhielt eine Antwort2628, deren Bedeutung als ein Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit bereits in der Einleitung angeführt wurde und eine Kommentierung im Kontext der Lage Mitte Oktober 1918 verdient.

Richtig war, daß es Truppenteile gab, die Tankangriffen standhielten oder deren Angehörige sich gar in Gegenstoß und Gegenangriff mit großem Elan und mit Erfolg auf den gepanzerten Feind stürzten. Noch für Anfang November läßt sich dies etwa in Form einer „schneidigen Leistung“ der 2.Radfahrer-Brigade finden, deren Jäger Tanks im Nahkampf zerstörten2629. Daß nun aber die dem Beispiel zugrundeliegende Gefechtssituation oder die hier erwähnten Truppenteile repräsentativ für die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der breiten Masse der vorhandenen Einheiten und Verbände gewesen ist, muß mehr als fraglich sein. Und es muß in der Weise zweifelhaft sein, in der bereits die frische, gerade erst aufgrund der neuesten Erfahrungen ausgebildete 27.ID im April 1917 bei Bullecourt mit Tanks fertig geworden war, in der diese Division, als einer der wenigen kampfkräftigen Verbände und gerade erst in die Linie eingeschoben, selbst am 8.August 1918 standgehalten hatte. Auch die 3.GID, die bei Cambrai 1917 mit Leistungen geglänzt hatte, wäre in diesem Zusammenhang zu nennen. Denn diese Verbände sowie auch Einheiten und Teileinheiten anderer Truppenteile, welche in Gänze zuvor noch nicht derart positiv in Erscheinung getreten waren und plötzlich durch Leistung hervorstechen konnten, zeichnete offenkundig etwas aus, das einerseits -historiographisch ist dies hinlänglich nicht untersucht- in den militärsoziologischen und psychischischen Bereich zu fallen scheint und ein erstaunliches Maß an Willigkeit der Soldaten implizierte2630. Andererseits ist eine besondere Rücksichtnahme der Führer und Führung auf ihre Regenerationsmöglichkeiten zu konstatieren. Durch die Belastungen der Kämpfe seit März 1918, mangelnde Ruhe- und Ausbildungszeiten sowie fehlenden Ersatz, schwand die Zahl der „vollkampfkräftigen“ Verbände zusehends und nicht wenige gingen, um eine sonst für altpreußische Truppenteile des Siebenjährigen Krieges sinnfällige Bezeichnung zu benutzen2631, in die „Verschleißgruppe“ der Stellungsdivisionen über. Zum Teil, so scheint es, geschah dies ohne es selbst in letzter Konsequenz zu bemerken oder wahrhaben zu wollen, wie beispielsweise ein recht obskur anmutender Streit zwischen der 2.GRD und dem Alpenkorps wegen des Verlustes des Mont St.Quentin bei Péronne Ende September 1918 zeigen mag2632. Im Notenwechsel der beiden Verbände warf man sich gegenseitig Versagen und Unzuverlässigkeit vor, welche keineswegs auf gefallene Gefechtsstärken und die durch vorherige Belastungen gesunkene Einsatzbereitschaft der Soldaten zurückgeführt wurde. Vielmehr ging es in dem Sinne, in dem Hindenburg im Zusammenhang mit dem 17.Juli 1918 „Vertrauen“ angeführt hatte und in dem den deutschen Soldaten geradezu eine Tradition von Wundertaten gegen einen historisch und einen explizit unter den Verhältnissen dieses Krieges gesehen immer überlegenen Feind attestiert wurde, um den Hintergrund der am 17.Oktober an den Reichskanzler gerichteten Worte Ludendorffs und einer diese wesentlich erhellenden Äußerung des Oberkommandos der Heeresgruppe Kronprinz2633.

Gleichfalls am 17.Oktober, wobei nicht eindeutig zu klären war, ob Ludendorff das Schreiben noch vor der Besprechung mit dem Reichskanzler zur Kenntnis nahm2634, erklärte die Heeresgruppe des deutschen und preußischen Thronfolgers die Fortsetzung des Krieges nach einem Scheitern der Friedensverhandlungen zu einem „Kampf auf Leben und Tod“ für Heer und Heimat und einem Kampf um die „Ehre“, welchen man sich selbst und der „Vergangenheit und Zukunft schuldig“ sei2635. Die Stabilisierung einer zurückgenommenen, kürzeren Front, selbst einer „Rheinfront“, schien an sich möglich2636, wenn verschiedene Maßnahmen ergriffen würden, die sich dem heutigen Leser als unzweifelhafte Boten eines tatsächlich „totalen Krieges“ darstellen. Neben zu forcierenden, umfangreichen militärischen Umorganisationen, welche etwa die „rücksichtlose Beseitigung aller höheren Truppenführer, die wegen Überälterung oder aus sonstigen Gründen ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind“, sowie die Heranziehung allen einsatzfähigen Personals aus lagegemäß entbehrlichen Stäben und Heereseinrichtungen aller Art einbezog2637, sollten Zurückstellungen aufgehoben, die Dienstpflicht ausgeweitet und die Hilfsdienstpflicht bis zum 70.Lebensjahr verlängert werden. Denn der Krieg, so der die Denkschrift der Heeresgruppe abschließende Wortlaut, „den wir jetzt zu führen gezwungen sind, kann nach menschlicher Voraussicht nicht so lang dauern, daß es nicht berechtigt erscheint, nunmehr den letzten Offizier, letzten Mann und alle Kräfte des Heimatheeres heranzuholen“2638.

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Zu dem von der Heeresgruppe hier skizzierten „Endkampf“, der legitimatorisch noch immer damit spielte, den Alliierten bei Friedensverhandlungen durch den ultimativen Widerstand des Reiches auf gleicher Augenhöhe begegnen zu können2639, der mit einem von Hindenburg unterzeichneten Heeresbefehl vom 24.Oktober de facto von der 3.OHL ausgerufen wurde2640 und parallel zum Heer bekanntermaßen auch von der Flotte verlangt wurde2641, kam es in diesem Krieg nicht mehr. Sowohl die politisch Verantwortlichen, als auch das Verhalten von Angehörigen der Land- und Seestreitkräfte verwehrten die Durchführung2642. Zwei Tage nach dem letzten Durchhaltebefehl der 3.OHL wurde Ludendorff entlassen und gut zwei Wochen später trat der Waffenstillstand in Kraft.

13.2 Konzeption und Organisation der deutschen Tankabwehr bei Kriegsende.

Im Zusammenhang mit den direkt auf den 8.August 1918 folgenden Ereignissen wurde bereits gesagt, daß die militärische Führung mit zahlreichen, mehr oder weniger praktisch umsetzbaren Ratschlägen und Weisungen zur Umsetzung der jüngsten Erfahrungen an die Truppe herantrat. Was bei allen denkbaren und hinsichtlich der Erhaltung von Kampfkraft und des Durchstehens feindlicher Angriffe zu unterstellenden guten Absichten dadurch nicht gewährleistet sein konnte, war eine für das gesamte Heer verbindliche Tankabwehr-Vorschrift, wie sie durch diverse Schriften der OHL des Vorjahres und besonders durch die inhaltlich mittlerweile überholten Bestimmungen der „Abwehrschlacht im Stellungskriege“ gegeben gewesen war. Zwar veröffentlichte etwa das AOK 17 eine umfangreiche und illustrierte Abhandlung2643, die aufgrund der jüngsten Gefechtserfahrungen Aktualisierungen enthielt, doch mit dieser Lösung, die der Art nach bereits im Frühjahr 1917 durch das AOK 6 praktiziert worden war, gab sich die OHL nun offenkundig nicht mehr zufrieden. Als ein Schritt zur Abhilfe fanden im September zwei als grundlegende Hilfestellung aufzufassende, mehrseitige Merkblätter der Abteilung „Fremde Heere“ Verbreitung, die sich mit den französischen beziehungsweise britischen Tanks und ihrer Verwendung befaßten2644. Inhaltlich waren darin sämtliche Erkenntnisse über die Bauart der verschiedenen Fahrzeugtypen, die Organisation der feindlichen Tankverbände und ihre Einsatzweisen zusammengefaßt. Auf Möglichkeiten zur Tankbekämpfung wurde vor diesem Hintergrund nicht dezidiert, sondern eher im Sinne eines Negativbildes aus der Sicht der Gegner, die ihre Kampfwagen effizient einsetzen wollten, eingegangen. Dieses Manko, das den informationsbezogenen Wert beider Schriftstücke keineswegs mindert, sollte durch exklusiv der Tankabwehr gewidmete Teile innerhalb der zu überarbeitenden Vorschrift für den Stellungskrieg beseitigt werden. Hierunter war der „Teil N“, der spätestens Mitte September konzeptionell fertiggestellt war. Seine Drucklegung aber verzögerte sich, möglicherweise aus Gründen einer der Bürokratie der Streitkräfte geschuldeten, der Lage -wenigstens aus heutiger Sicht- unzweifelhaft unangemessenen, „preußischen Korrektheit“ heraus. Die Worte des Generals der Pioniere bei der OHL, Marschall von Bieberstein, mit denen er seinen Fachkollegen bei den Heeresgruppen und in den Armeestäben an der Westfront am 18.September eine Vorabversion zukommen ließ, lassen eine dahingehende Interpretation jedenfalls sehr gut zu2645. Die vom 26.August 1918 datierte und etwa von Ludendorff unter diesem Veröffentlichungsdatum auch angeführte2646 Vorschrift war zu diesem Zeitpunkt augenscheinlich nicht herausgegeben worden, und es bleibt zweifelhaft, wann oder ob sie dem Heer überhaupt noch während des Krieges zugeführt wurde.

Die Bestimmungen des „Teil N“ brauchen schon aus diesem Grund an dieser Stelle nicht einzeln rekapituliert zu werden. Statt dessen können sie, unter Einbeziehung der letzten Befehle zur Tankabwehr höherer Stäbe sowie einer in den um die Jahreswende 1918/19 entstandenen Lehrbüchern für den Soldaten- beziehungsweise Führernachwuchs enthaltenen Synthese der Kriegserfahrungen2647, einer systematischen Betrachtung unterzogen werden, welche die Organisation und die Wirkung der einzelnen Waffen bis zum Kriegsende umfaßt.

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Bedeutend für die Gesamtkonzeption der Tankabwehr und den folgenden Ausführungen unbedingt vorauszuschicken ist, daß sich die OHL nicht dazu durchringen konnte, sie auf den verschiedenen Führungsebenen, von den Divisionsstäben bis hin zur OHL selbst, durch einen „etatisierten Tankoffizier“ leiten zu lassen2648. Die Einsetzung solcher Fachleute, die, zwecks Bündelung der wenigstens von Infanterie, Artillerie und Pionieren durchzuführenden Einzelmaßnahmen koordinierend, kontrollierend und verantwortlich oder zumindest beratend tätig sein können sollten, wurde zwar prinzipiell befürwortet, doch scheinbar ohne nähere Spezifikation ihres Aufgabenbereiches und ihrer Befugnisse, ohne Präzisierung der an sie und ihre Vorbildung gestellten Anforderungen und ohne sie den bereits vorhandenen „etatisierten“ Fachoffizieren der Stäbe überhaupt gleichstellen zu wollen. In Ermangelung erhellender Archivalien war es nicht möglich, eine rationale Erklärung für diese eigenartige Verfahrensweise anzuführen. Eine plausible Erklärung könnte aber der Umstand bieten, daß ein solcher „Tankoffizier“ gerade durch das zwangsweise mit seinen umfassenden Aufgaben verbundene Einwirken auf die Tätigkeitsbereiche der Maschinengewehr-Offiziere, Kommandeure der Artillerie und Pioniere, der Führer von Kolonnen und Trains und anderer „Spezialisten“, was, vielleicht als Einmischung und Beschneidung vorausgesetzter Fachkompetenz aufgefaßt, zu ungewünschten Friktionen hätte führen können, vermieden werden sollte. Der zur Diskussion gestellte und vielfach wohl auch noch eingesetzte2649 Fachoffizier, in dessen Händen theoretische und praktische Belange der waffengattungsübergreifenden Tankabwehr in Bandbreite pioniertechnischer Arbeiten, der Disposition infanteristischer und artilleristischer Abwehrwaffen, der Anlage von Tankforts, der Belehrung der Truppe oder der Abfassung problemspezifischer Erfahrungsberichte und Vorschriften von Anfang an hätte liegen können, war in der Schlußphase des Krieges von absolut fragwürdiger Relevanz.

Was gegen Ende des Krieges gegeben war, war eine Organisation, welche konzeptionell auf den frühesten Verlautbarungen zum Sachverhalt und damit maßgeblich auf den waffengattungsspezifischen Bekämpfungsmethoden, nämlich der primär den Pionieren überantworteten passiven und einer der Infanterie und Artillerie überlassenen aktiven Tankabwehr basierte.

13.2.1 Die passive Tankabwehr.

Direkt nach dem Auftreten der ersten Tanks 1916 in verschiedenen Facetten angedacht fand die passive Tankabwehr bei der Anlage starker Verteidigungspositionen an der Westfront bis Frühjahr 1917 einige Beachtung. Was ihren Wert, gleichsam den Wert tiefgegliedert ausgebauter Stellungssysteme generell, im Laufe des Jahres verminderte, war der Umfang zu leistender Arbeiten, von denen durch den immensen Artillerieeinsatz während der Großkämpfe des Jahres oft kaum etwas blieb. Die Abwehr des Feindes auf Basis der durch Waffeneinsatz an einem Ort nahezu automatisch geschaffenen Trichterwüsten wurde mehrfach belegt, wobei das Beispiel Flandern durch die Eigenschaften des Gefechtsfeldes, namentlich seine Tanks und Infanterie gleichermaßen an der Bewegung hemmende Verschlammung, das eindrucksvollste Beispiel bot. Aufwendige Bauarbeiten im Bereich der vordersten Stellungen, wo mit der verheerenden Wirkung artilleristischen Massenfeuers erwartungsgemäß immer zu rechnen war, schienen vergeblichen Aufwand zu bedeuten. Die Kämpfe bei Cambrai, in denen der Artillerie keine Gelegenheit gegeben war, das Landschaftsbild so nachhaltig wie zuvor zu prägen, waren hierfür eine Bestätigung insofern, als daß vermeintlich hervorragend ausgebaute Verteidigungspositionen kaum mehr ein Hinderniswert beigemessen werden konnte. Tanks rollten über tiefe Drahtsperren und für unpassierbar erachtete Gräben offenkundig problemlos hinweg und bahnten der folgenden Infanterie Wege in die deutschen Linien. Das Resultat dieses Vorganges hätte sein können, sich nun intensiver mit der Frage des Stellungsbaues zu beschäftigten, um Bedürfnisse der Tankabwehr und der Infanterie im Stellungskrieg auf Basis jüngster Erfahrungen miteinander in Einklang zu bringen. Hierzu kam es unter der Prämisse des zugunsten einer Entscheidungsoffensive für das Frühjahr 1918 quasi beendet erklärten Stellungskrieges erst, als sich nicht adäquat durch Hindernis- und Schutzbauten gesicherte deutsche Truppen 1918 feindlichen Angriffen mit kombinierter Waffenwirkung ausgesetzt sahen.

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Die nach dem 18.Juli 1918 angeregten Maßnahmen zur Effektivierung der passiven Tankabwehr, die von den Pionierstäben veröffentlicht wurden und demgemäß aus sich heraus keine fachübergreifende Zusammenarbeit und Koordination zwischen den mit Tankabwehrfragen beschäftigten Stellen beinhalteten, wiesen dieser zwei Aufgabenfelder zu. Einmal ging es darum, feindliche Kampfwagen schon vor möglichen Gefechtshandlung gänzlich vom Eindringen in die eigenen Stellungen abzuhalten, dann darum, ihre Wirkungsmöglichkeiten zumindest soweit einzuschränken, daß sie mehr oder weniger bewegungs- und kampfunfähig eine leichte Beute der aktiven Bekämpfung, auf jeden Fall aber keine akute Bedrohung der Truppe mehr darstellen konnten.

Die Mittel für das vollständige Verhindern von Tankangriffen als günstigstem Fall lagen maßgeblich im Bereich der kaum durch die Stellungsbesatzungen selbst beeinflußbaren, weil von höheren Stäben befohlenen Linienführung. Gab es natürliche oder künstliche Gewässer, die wenigstens fünf Meter breit und einen Meter tief sein sollten2650, Sümpfe, Steilhänge von mehr als 45° Steigung oder dicht gewachsene Bestände an massiven Bäumen, so war der günstigste Fall gegeben und eigene Arbeitsleistungen nicht oder nur in beschränktem Ausmaß notwendig. Der andere Fall, die Sicherung von Gelände, welches nicht von sich aus zur Abwehr von Tankangriffen beitrug, erforderte dagegen erhebliche und gegebenenfalls material- und zeitaufwendige Arbeiten, in die Spezialisten eingebunden sein mußten. Die hierbei für sinnvoll erachteten Sprengmaßnahmen, darunter die Beseitigung von Brücken2651 und das Schaffen von unüberwindlich tiefen Sprengkratern2652 als einfachste Alternative zu den arbeitsintensiven „Tankfallen“, „Tankgruben“2653 oder gar den durch Gebrauch von Faschinen seit Cambrai 1917 völlig obsoleten „Tankgräben“2654, waren dabei noch die schnellste und billigste Variante, wenn es sich um nicht mehr als die Sicherung sensibler Punkte wie Ortseingänge und Straßenengpässe handelte. Gegen die kleineren Tanktypen versprach man sich bereits ausreichende Wirkung durch kleinere Sperrbauten, wie sie den amerikanischen Truppen im Herbst 1918 in Form von Betonpfeilern, die teilweise mit Ketten verspannt waren, oder einbetonierten Stahlträgern und Schienen2655 begegneten2656. Wegen des baulichen und zeitlichen Aufwandes, den diese Einrichtungen, laut Ludendorff etwa Prellböcke wie an toten Eisenbahngeleisen2657, mit sich brachten und sie an vorderster Front unter Feindeinsicht von Grund auf schwierig gestaltete, kamen sie ebenfalls ausschließlich für besondere Punkte und den hinteren Stellungsbereich in Frage.

Die Hauptstütze der passiven Tankabwehr bei der flächendeckenden und unbedingt bis weit in die rückwärtigen Stellungen vorzunehmenden Stellungssicherung sollten Minen und Minenfelder darstellen. An zumindest konstruktionstechnisch vorbereiteten Typen gab es die bereits erwähnte Flachmine 17, die ihren Test vor Amiens bestanden hatte, und einen alternativen Typ, die „Tankmine 18“2658. Der Unterschied zwischen beiden Arten bestand vornehmlich in der Zünderkonstruktion und darin, daß die Tankmine 18 scheinbar ausschließlich mit Sprengstoff und nicht, wie der Typ 17, wahlweise mit Handgranaten-Köpfen oder Sprengstoff zu laden war. Beide, die sich bei einem Gewicht von sechs bis sieben Kilogramm auch noch zum Werfen oder Schleudern gegen einen Tank im Nahkampf eignen können sollten, mußten durch die Armee-Pionier-Parks in Eigenverantwortlichkeit angefertigt werden2659. Da die Produktionsleistung gering, aber durch den gleichzeitigen Anspruch umgehend zu gewährleistender und flächendeckender Sicherung ein immenser Bedarf gegeben war, wurden Behelfskonstruktionen auf Basis deutscher mittlerer und schwerer Minenwerfermunition vorgesehen, die zum Schutz der Infanterie und des Kraftwagenverkehrs ebenfalls mit unempfindlichen Zündmechanismen und, wie alle Sprengmittel, für die eigene Truppe erkennbar eingebaut werden sollten2660. Daß hierfür ausschließlich deutsche Munition verwandt und mittels billiger Zusatzmaterialien für Zünder und Einbau, so Beton, diverse Drähte und Hölzer, zum Einsatz kommen sollte, hatte seinen Grund möglicherweise weniger in der Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit eigenen Materials, als in rüstungstechnischen Zwängen. So belehrte die OHL noch am 20.Oktober 1918 nicht näher spezifizierte Adressaten, welche in massenhaft vorhandenen britischen Kanonenzündern praktikable Minenzünder erblickt hatten, daß diese zwar sehr gut geeignet, aber aus kriegswichtigem Messing seien und deshalb der deutschen Rohstoffbewirtschaftung ausgeliefert werden müßten. Abhilfen sollten in der Heimat gefertigte Zünder darstellen2661, deren hier proklamiertes Vorhandensein allerdings in Frage gestellt sein darf und, falls damals doch in der Heimat vorhanden, den betroffenen Truppenteilen an der Front für den Moment wohl auch nicht weiterhelfen konnten2662.

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Die Effizienz der passiven Tankabwehr mußte zwangsweise darunter leiden, daß die Bewegung, die durch die alliierten Angriffe seit Mitte Juli 1918 in die Westfront gebracht worden waren, kaum Gelegenheit ließ, umfangreiche, zeit- und arbeitsintensive Ein- und Umbauten als Sicherungsmaßnahmen zu gewährleisten. Versucht wurde dies, und wenn, dann unter personellen und materiellen Einschränkungen, welche sich in der kritischen Sichtweise des Gegners auf diesen Sektor der deutschen Tankabwehr niederschlugen.

Die verschiedenen Arten von Hindernisbauten wurden mit Interesse studiert und wenigstens teilweise als wirkungsvoll erachtet, während die Rolle der anscheinend oft genug nicht funktionierenden Minen unter dem Gesichtspunkt eines fraglos ungünstigen Verhältnisses zwischen Aufwand und Nutzen gesehen wurde2663. Eine Betrachtung der französischen Tankverluste während des Krieges, die sich auf 753 Fahrzeuge belaufen haben sollen, wies dementsprechend -bei aller Fragwürdigkeit der angegeben Zahl, doch aber dem Trend nach- sehr signifikant aus, daß lediglich 16 Fahrzeuge durch Minen zerstört wurden2664. Daß beiden Richtungen passiver Abwehrmittel, vor allem aber der Tankmine, eine Zukunft beschieden sein mußte, wenn Lage, Zeit und Material ihren Gebrauch zuließen beziehungsweise zuverlässigere Minen-Muster vorhanden waren, scheint allerdings schon gegen Ende des Krieges kaum mehr fraglich gewesen zu sein2665.

13.2.2 Die aktive Tankabwehr.

Als erfolgversprechendstes Mittel der aktiven Tankabwehr war nach dem ersten Auftreten von gepanzerten Kampfwagen die die Schlachten 1916 und 1917 prägende Artillerie ausgemacht worden. Angesichts zweier „Artillerien“, der Feld- und der Fußartillerie, von denen die erstere eindeutige, die zweite wenigstens vielversprechende Leistungen dargeboten hatte, lag es nahe, auf die Wirkung von Geschützen das Hauptaugenmerk zu richten.

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Die Ausstattung mit Spezialmunition und die auf Gerät der Feldartillerie aufbauende Verstärkung der Truppe durch speziell auf die Tankabwehr ausgerichtete Sonderbatterien wurden vorbereitet beziehungsweise durchgeführt. Die Tankabwehrfähigkeit der Infanterie, und darin hatte ein erster Schock gelegen, war kaum bestimmbar gewesen und stand erst einmal unsicher im Raum. Die an den Hauptkampffronten zusammengezogenen Kräfte der Artillerie, die Nahkampf- und Infanteriegeschützbatterien, kleinkalibrige Grabengeschütze, Minenwerfer, die der Infanterie zugesagte Ausstattung mit Stahlkernpatronen und besonders ein in den einzelnen Soldaten gesetztes Vertrauen, auch gegen einen gepanzerten Feind mit gewohntermaßen hoher Einsatzbereitschaft selbst im Nahkampf mit Handgranaten zu bestehen, gaben zu größten Hoffnungen Anlaß. Hoffnungen, hinter denen die Konstruktion und Produktion weiterentwickelter und neuartiger Tankabwehrwaffen, welche der Infanterie Rückhalt hätten zugute kommen lassen, zurückfielen.

Wie die Frühjahrsschlachten von 1917 belegten vermeintlich kein Manko, sondern eher ein Glücksfall, der ein der spannungsgeladenen Kriegs- und angespannten Rüstungslage gegenüber unangebrachtes Vergeuden von Ressourcen vermieden hatte und mehr als nur die gehegten Hoffnungen auf die Abwehrkraft der Truppen insgesamt bestätigte. Bei Arras gab es Beweise für die Schlagkraft der Feldartillerie und der Infanterie, wobei sich der Name Bullecourt mit den durch die herausragenden Leistungen der 27.ID tatsächlich eindrucksvoll repräsentierten Möglichkeiten des neuen Abwehrverfahrens und einer diesem System und der deutschen Infanterie gleichsam gemeinen und allgemeinen Überlegenheit gegen jeden Feind zu Fuß, zu Pferd und auch auf „Ketten“ paarte. Die Aisne-Champagne-Schlacht belegte letzteres nochmals, gerade nach der Belastung durch das überaus intensive und vor allem langandauernde Artilleriefeuer des hochmotivierten Gegners. Hinzu kam ein Beleg für dessen seit 1915 praktiziertes, klar erkennbares und trotz aller Fehlschläge weiterhin ungebrochen angewandtes Angriffsverfahren, das deutscherseits erfahrungsgemäß immer die Möglichkeit ließ, frühzeitig jeden neu gewählten Angriffsschwerpunkt eindeutig ausmachen und adäquat zur Abwehr vorbereiten zu können. Daß unter diesem Gesichtspunkt, der bis November des Jahres unwandelbar festzustehen schien, die Fernbekämpfung von Tanks durch zum Massenfeuer vereinte Feuerkraft weittragender Geschütze ein erstes, ein einziges und ein letztes Mal signifikante Erfolge mit sich brachte, fiel kaum auf. Denn wenn der französische Gegner das alte Angriffsprinzip der Durchbruchs- und Materialschlachten unter dem Motto „coute qu’il coute“ mit der Frühjahrsoffensive für seinen Teil auf eine neue Spitze getrieben hatte, so gab die Flandernschlacht das damals noch ausstehende Exempel des britischen Gegners. Mit letzterer bestätigte dieser auf Kosten seiner Soldaten jedes üble Vorurteil und bestärkte ein arrogantes deutsches Überlegenheitsgefühl, welches noch vor Jahreswende wieder implizierte, den Krieg aus eigener Kraft gewinnen zu können.

Die „Schlappe“ von Cambrai, fahrlässig verursacht –gleich welchen Standpunkt auf einer Seite man wählt- und durch zumindest leidlich erfolgreiche aber auf jeden Fall lehrreiche Gegenaktionen ausgeglichen, bestätigte nun zwar den Tank als brauchbare Offensivwaffe, bedingte mit ihrem Charakter als Belastungstest beim Überwinden der feindlichen Kampfwagen aber zugleich auch das weiterhin ungebrochene Zutrauen der OHL in die Schlagkraft der Truppen generell. Dieser Glaube wurde aufrechterhalten, bis durch die Lageentwicklung im Sommer 1918 deutlich wurde, daß, unter Auffrischung der voraussetzungsgemäß allseits bekannten taktischen Grundsätze, ein technisches Nachsteuern bei der Tankabwehr notwendig war, um den jetzt in großer Zahl und mit neuen Fahrzeugtypen angreifenden Alliierten gewachsen zu sein.

13.2.2.1 Die schwere Artillerie.

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Die artilleristische Fernbekämpfung von Tanks war die Domäne der Fußartillerie, die mit Haubitzen ab 15 und mit weittragenden Kanonen ab 10cm Kaliber dazu in der Lage war, jeden Kampfwagen auf größere Entfernung, auch über den für alle anderen Waffen bestimmten maximalen Wirkungsbereich von 1.500m2666 hinaus, zu zerstören. Abgesehen von der Qualität der Bedienungen und der Güte der schweren Waffen, welche die Wirkung direkt oder indirekt auf Distanz abgegebenen Fernfeuers mit nur wenigen Schuß pro Minute und Geschütz eklatant beeinflußten, lag dem erfolgreichen Einsatz die Notwendigkeit zugrunde, immer eine größere Anzahl Fußartilleriegeschütze im Abwehrraum versammelt und einsatzbereit zu haben. An der Aisne 1917 war dies für Verhältnisse der Westfront geradezu einzigartig und ziemlich eindrucksvoll gegeben gewesen. Seit Cambrai aber -und hier gibt es einen signifikanten Unterschied zur sonst wirklich bahnbrechenden Aktion von Malmaison im Monat zuvor- wurden die Erfolgsbeispiele rar, weil das auf Überraschung setzende neue Kampfverfahren der Alliierten sowie der Kräftemangel2667 und die führungstechnischen „Eigenartigkeiten“ auf deutscher Seite eine wirkungsvolle Kräfte- und Feuerkonzentration maßgeblich beeinträchtigten. Als Forderung nach zusammengefaßter Feuerwirkung gegen gepanzerte Ziele blieb eine Hoffnung auf die schweren Geschütze der Fußartillerie artikuliert und wurde von höheren Dienststellen noch Anfang August 1918 verlangt2668. Doch an der lagebedingten Marginalisierung der Fernbekämpfung änderte dies nichts. Zwar empfahl Bauer noch Anfang September 1918 die Entwicklung einer speziellen Fußartillerie-Munition zur Tankabwehr auf geringe Entfernungen2669, was auch nicht unbedingt für eine hervorgehobene Wirkungsweise der Fernbekämpfung durch großkalibrige Geschütze spricht, doch in den verschiedenen Anweisungen zur Bekämpfung von Kampfwagen und auch in den direkt nach Kriegsende erschienen Lehrbüchern fanden die schweren Geschütze nur am Rande und unter sehr allgemeiner Berücksichtigung ihrer Sperr- und Vernichtungsfeuer-Qualitäten Erwähnung2670.

Die Bedeutung der militärischen Traditionswaffe, die Operationen dieses Krieges von der Bezwingung der belgischen und französischen Grenzforts an lautstark durch gewaltige Detonationen zumindest mitgeprägt hatte, schwand im Angesicht des Verbrennungsmotors und der auf das Schlachtfeld zurückgekehrten „Bewegung“ -wohl viel präziser: im Angesicht des dämmernden „Gefechts der verbundenen Waffen“ 1917/18- tatsächlich außerordentlich. Doch dies war nur solange der Fall, bis sie selbst Jahre später „motorisiert“ oder „gepanzert“ wurde und die kleinkalibrige Feldartillerie auf Nimmerwiedersehen vereinnahmen und überflügeln konnte.

13.2.2.2 Die Feldartillerie, Minenwerfer, Sonder- und Kleingeschütze.

Nach einer Aufstellung über die Verluste der artillerie d’assaut war „die deutsche Artillerie“, also beide deutschen Artillerien gemeinsam, für 97% der abgeschossenen mittleren und 81% der abgeschossenen leichten Tanks verantwortlich2671. Der mit Abstand größte Teil der hierunter fallenden 301 Schneider und St.Chamond sowie 356 FT-17 dürfte vor dem Hintergrund dessen, was soeben über die Fußartillerie gesagt wurde, auf die „vernichtende Wirkung“2672 der Feldkanonen zurückzuführen sein. So stellt sich die Feldartillerie im gesamten Betrachtungszeitraum als Hauptträger einer aktiven Tankbekämpfung dar2673, welche geschütztechnisch in zwei wesentliche Einsatzgruppen zu teilen ist. Auf der einen Seite diejenige der Stellungstruppe, welche, die Fußartillerie eingeschlossen, die bekannten, artilleristischen Primäraufgaben übernahm und erst in zweiter Linie, sobald Tanks gemeldet oder im Feuerbereich erschienen, eingreifen sollte, und auf der anderen Seite Geschütze, Züge und Batterien, welche, in allernächster Nähe zur Infanterie oder als mobile Eingreifreserve weiter hinten, exklusiv für die aktive Tankabwehr bereitstanden2674.

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Die Wirkungsweise der Feldartillerie der beiden Gruppen ist durch die Darstellung der Kämpfe, besonders derjenigen im Zusammenhang mit den drei „Tankschlachten“ ausreichend illustriert worden zu sein, so daß an dieser Stelle keine weiteren Ausführungen nötig sind.

Die nun wieder in’s Kalkül gezogene und schon 1917 gewonnene Erkenntnis aber, daß aus den Feldartillerie-Abteilungen zur Tankabwehr ausgegliederte Geschütze die Erfüllung der weiterhin gegebenen und tradierten Aufgaben beeinträchtigte, brachte bei der Suche nach Aushilfen gegen Kriegsende wenigstens erwähnenswerte Veränderungen mit sich.

Die bei den Divisionen vorhandenen leichten Minenwerfer waren 1917 hinsichtlich ihrer Fähigkeiten bei der Kampfwagenbekämpfung zuerst ambivalent beurteilt worden, dann zumindest dem Postulat der Führung nach zu einer maßgeblichen Stütze der Tankabwehr avanciert. Tatsächlich fehlen auf der Seite „alliierter“ Darstellungen markante Hinweise auf die Wirkung von Minenwerfern, was man aber anderseits auch wieder auf die Unmöglichkeit schieben kann, den Einschlag einer 7,7cm Feldkanonengranate von der Detonation einer 7,6cm Mine im Chaos der Schlacht oder im nachhinein unterscheiden zu können. Mitte August wurden die Divisions-Minenwerferkompanien zugunsten von Minenwerferkompanien bei den Infanterie-Regimentern aufgelöst, die einen Bestand von 3 mittleren und 9 leichten Werfern haben sollten2675. Die für die aktive und direkte Tankabwehr und Infanterie-Unterstützung erdachten Flachfeuerlafetten sollen jedenfalls bereits im Frühjahr 1918 überall vorhanden gewesen sein2676 und trugen zweifelsfrei dazu bei, die Artillerie in engster Zusammenarbeit mit der infanteristischen Nahbekämpfung zu entlasten2677. Versuche mit einem doppelläufigen Zwittergeschütz, welches die Qualitäten der Minenwerfer im Stellungskrieg, als Infanterie- und als Tankabwehr-Waffen durch die Adaption eines 3,7cm Rohres miteinander kombinieren sollten, befriedigten bis Kriegsende nicht2678.

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Eine wesentliche Bereicherung des erfolgversprechend einsetzbaren Waffenspektrums in der durch die Wahrnehmung des Tanks als entscheidendem Angriffsmittel des Feindes geprägten Zeit nach dem 8.August schien es, die Idee der Nahkampf- beziehungsweise Tankgeschütze von Frühjahr 1917 wieder aufzugreifen. Die Einführung der Infanterie-Geschütze als Allzweckwaffe der Infanterie wurde zwar noch befohlen, und dieses bildete über 1918 hinaus faktisch den Nukleus der 13.(Infanterie-Geschütz-) Kompanien der Infanterie-Regimenter der Reichswehr und Wehrmacht, für den Ersten Weltkrieg aber kamen auch diese Neukonstruktionen, namentlich das 7,7cm Infanterie-Geschütz 18, zu spät2679. Dasselbe galt für die Parallelkonstruktion zum Tankgewehr, das 13mm Tank- und Flieger-Maschinengewehr (Tuf-MG), das, offensichtlich wegen der Artverwandtschaft der Waffen, den mit dem in der Funktionsweise sehr ähnlichen MG 08 ausgestatteten Maschinengewehr-Scharfschützen-Abteilungen bei den Divisionen überwiesen werden sollte2680. Für eine über die deutsche Seite und den Ersten Weltkrieg hinaus erkannte Bedeutung bei der Bekämpfung von gepanzerten Zielen durch Schnellfeuer großkalibriger Geschosse spricht, daß es in Form des gleichzeitig konstruierten 12,7mm Maschinengewehres (.50cal., „Browning“) einen Konterpart auf amerikanischer Seite gibt2681. Es handelt sich dabei um eine Waffe, die sich noch heute, als wohl einziges noch in aktivem Dienst befindliches Tankabwehrmittel des Ersten Weltkrieges im Archetyp, im Bestand auch zeitgemäß-modern ausgerüsteter Streitkräfte wiederfinden läßt. Vom Tuf-MG waren Ende August 1918 50 Stück in Produktion, und bis zum Frühjahr 1919 –hier stößt man einmal mehr auf diesen Zeitpunkt- sollten 1.000 gefertigt sein2682. Das Kriegsende kam dem Einsatz der Waffe allerdings zuvor.

Zwei Waffentypen, die noch zum Einsatz kamen und dennoch, primär wohl wegen ihrer geringen Zahl, keine feststellbaren Auswirkungen auf den Verlauf des Geschehens mehr nehmen konnten, waren 2cm Maschinenkanonen und 3,7cm Tankabwehr-Kanonen (Tak). Ende August hatte die Abteilung Fremde Heere der OHL darauf verwiesen, daß die bekannten französischen 3,7cm Kanonen des Modells 1916 bei der Infanterie in großer Zahl zur Bildung von Tankabwehr-Formationen genutzt würden2683, und bis Mitte Oktober war man deutscherseits dazu in der Lage, zumindest damit zu beginnen, auf diesem Sektor gleichzuziehen. Zur Verfügung standen allerdings lediglich „behelfsmäßige Konstruktionen“, an welche selbstredend „nicht die Anforderungen moderner, durchgebildeter Waffen gestellt werden“ konnten2684. Merkmale der Improvisation hafteten allen getesteten und zum Einsatz vorbereiteten Typen an, wobei die Einfachheit der Konstruktionen, etwa beim Gebrauch der Rohre technisch veralteter 3,7cm Revolverkanonen, genauso ins Auge sticht, wie der Rückgriff auf bekannte Waffen, zum Beispiel die 2cm Kanonen „Becker Muster II“ und „Ehrhardt“, und eklatante Mängel. So war Dauerfeuer bei den Maschinenkanonen untersagt, um Störungen zu vermeiden, und ihre Munition nicht unter den Typen austauschbar. Für den Nahbekämpfungsbereich konnte man mit Wirkung bis 500m bei den 3,7cm Geschossen und mit 250m bei den 2cm Kanonen rechnen, wobei eine Leistungssteigerung durch die Einführung von Sondermunition baldigst noch erreicht werden sollte2685. Zweifellos würden die neuen Geschütze eine durchaus wirkungsvolle Verstärkung der Tankabwehr bedeutet haben, falls sie in größerer Zahl noch während des Krieges zur Auslieferung gekommen wären. Tatsächlich verfügte die Heeresgruppe Rupprecht bei einem Soll-Bestand von 228 3,7cm Tak am 5.November 1918 aber nur über 962686.

13.2.2.3 Nahkampfwaffen.

Außer der Artillerie selbst, und derjenigen des „kleinen Mannes“, Minenwerfern und zugeteilten Sondergeschützen bei der Infanterie, standen den von Kampfwagenangriffen betroffenen Soldaten ausgesprochene Nahkampfmittel zur Verfügung, von denen ein Teil bereits bei den ersten Kontakten mit Tanks 1916/17 zum Einsatz gekommen war. Das geradezu ultimative Bekämpfungsmittel blieb die auf nächste Entfernung anzubringende Sprengladung in der bekannten Form als Handgranate und daraus improvisierter geballter Ladung oder neuerdings die dem Tank „entgegengeschleuderte“ Mine. Gewehr- und Maschinengewehrfeuer mit der weiterhin raren SmK-Munition spielten bis zum Kriegsende zudem eine Rolle. Allerdings war die zerstörerische Wirkung beider Waffen gegenüber neuen Kampfwagentypen zuletzt so gut wie vollständig aufgehoben2687. Was sich beim verzweifelten Kleinwaffenbeschuß aller Waffen, Kaliber und Munitionstypen dagegen nach wie vor und als eine beachtliche Entlastung der angegriffenen Soldaten einstellen konnte, war das Umkehren und Abdrehen der Tanks2688, deren Besatzungen durch das intensive Feuer entweder eingeschüchtert oder von irgendwie ins Fahrzeuginnere gelangten Geschossen beeinträchtigt wurden. Diesen Effekt wortwörtlich „gezielt“, in jeder Hinsicht weniger aufwendig und im Ergebnis für den Besitz eines ganzen Abschnittes und das Überleben seiner Besatzung weniger „ultimativ“ und risikoreich zu erreichen, sollte forciert werden, weshalb die OHL Ende September bekanntgeben ließ, daß Gewehre mit Zielfernrohren gegen Sehschlitze Erfolg gebracht hätten2689. Trotz des obskuren Ursprungs dieser Erkenntnis, die auf der „Aussage eines Frontoffiziers“ basierte, gereichte in diesem Stadium der Ludendorffschen Auswegsuche offenkundig zu einem Heeresbefehl zweifelhaftesten Inhalts, während ernsthafte Fehler- und Problemlösungen schon zuvor und auch jetzt noch auf sich warten ließen.

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Über den Einsatz der Infanterie im Zusammenspiel mit der Feldartillerie bei der Tankabwehr berichtete ein Gruppenkommando aus einem der Brennpunkte der amerikanisch-französischen Offensive beiderseits Verdun Ende September 1918:

„Die Infanterie läßt sie nahe herankommen und beschießt sie mit M.G.’s (S.m.K.-Munition) und aus Gewehren ebenfalls mit S.m.K.-Munition, Artillerie in direktem Schuß. Die Tanks kehren darauf hin meist um. Fahren sie doch weiter, so bleibt die Infanterie ruhig liegen und überläßt ihre Erledigung der Artillerie. In wiederholten Fällen wurden auch Tanks dadurch erledigt, daß Infanteristen Handgranaten in die Schießöffnungen hineinwarfen. Es muß der Infanterie immer wieder zum vollen Bewußtsein gebracht werden, daß den Tanks ein eigentlicher Kampfwert überhaupt kaum zukommt und daß die von ihnen drohende Gefahr im wesentlichen überwunden ist, wenn sie der Infanterie keinen Schrecken mehr einflößen.“2690

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Der gewisse Stolz auf die Abwehrleistung mit sehr geringen Mitteln, der im hier nicht vollends zitierten Dokument sehr deutlich zum Ausdruck kommt, mag zwar alles andere als unberechtigt sein, doch eine Gewähr für gerechtfertigte Erfolgsprognosen konnten die zur Wirkung gebrachten Waffen keineswegs darstellen, weshalb ja auch schon 1917 eine „Wallbüchse“ gefordert worden war. Diese wurde jetzt, ab Spätsommer 1918, als 13mm Tankgewehr in größerer Zahl bei den Minenwerferkompanien der Infanterieregimenter2691 verfügbar. Wie aus dem Merkblatt zum verhältnismäßig schwer gepanzerten FT-17 hervorging, rechnete man damit, daß die 13mm-Munition überall durchschlüge und versuchte alles, um der Waffe gegenüber bei der Truppe Hoffnung und Vertrauen zu erwecken2692.

Die Schwierigkeiten mit dem Gewehr lagen in zwei Bereichen, welche letztendlich dazu führten, daß es als improvisierte Behelfslösung geringen taktischen Wertes in das Kuriositätenkabinett der historischen Panzerabwehr einging: Im Bereich rüstungstechnisch-logistischer Mängel und im Bereich taktischer Ineffizienz2693.

In „größerer Zahl“ hieß auf dem Sektor der Produktion dieser Waffen tatsächlich nur, daß Tankgewehre ab August in signifikant gestiegener Größenordnung bei der Truppe verfügbar waren. Ihre Zahl blieb gering. Die Heeresgruppe Rupprecht meldete im August einen auf ihre drei Armeen verteilten voraussichtlichen Stand von 436 Gewehren zum 20. des Monats2694. Hierunter befand sich die 6.Armee, die einen Monat später enerviert bemerkte, sie habe statt eines Sollbestandes von 405 Gewehren lediglich die von der Heeresgruppe für den 20.August schon ausgewiesenen 1362695. Wiederum einen Monat später, sage und schreibe zwei Monate nach der ersten Meldung, waren es bei neun Divisionen und einem Armee-Reservebestand des AOK 6 sogar nur 104 Exemplare2696. Das AOK 17 der Heeresgruppe Rupprecht hatte für den 20.August 324 Gewehre gemeldet und im September angefragt, ob nicht 150 Gewehre –offenbar zum Ausgleich für einen bestehendenden Fehlbestand- nachgeliefert werden könnten2697. Die Antwort der OHL war bezeichnend und benannte „beschränkte Lieferung an Tankgewehren und hohe Verlustzahlen“ als Ursache für die augenblickliche Unmöglichkeit, dieser Bitte nachzukommen2698.

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Plausible Gründe für den offenkundig geringen Produktionsumfang der seit Anfang des Jahres zur Auslieferung gebrachten, so lange erwarteten und spätestens seit Mitte 1918 in ihrem bescheidenen und dennoch attestierbaren Gefechtswert unstrittigen Waffe konnten vom Verfasser nicht ausgemacht werden. Der Wechsel von einer kurzläufigen zu einer verlängerten Version im Frühjahr mag ein Grund sein2699, der sich möglicherweise neben eine bürokratische Verschleppung der Dringlichkeit bis zur Bestallung Bauers als Verantwortlichem der OHL für diese Fragen stellt. Erst am 19.Oktober wurde eine Tagesproduktion von 50 Gewehren erreicht2700. Mit diesen Gründen möglicherweise auch gepaart sticht auf jeden Fall ins Auge, unter welch begrenzten rüstungstechnischen Kapazitäten die Einführung einer in fünfstelliger Größenordnung möglichst schnell zu verbreitenden Waffe zu leiden hatte.

So fand das beachtliche Gewicht des Gewehres, immerhin rund 16kg mit einem dem großen Kaliber entsprechenden Rückstoß, zwar Beachtung, doch mehr als den Hinweis auf die Anbringungsmöglichkeit der sonst gebräuchlichen Maschinengewehr-Zweibeine konnte das Kriegsministerium nicht anbieten2701. Es gab jedenfalls keine mit dem Gewehr zusammen ausgelieferte und nicht anderswo vielleicht illegitim zu organisierende Stützkonstruktionen. „Wegen Kostenersparnis“, wie das Kriegsministerium zugab2702, fehlten bei den ausgelieferten Gewehren einzelne Werkzeuge, die erwartungsgemäß mit hätten übergeben sein sollen. Zwar war das Fehl an „Fettbürsten“ und „Werg“, die an der Front bei den Maschinengewehr- oder Gewehrschützen dem Soll-Bestand nach tatsächlich auch vorhanden waren, aus diesem Grunde nicht gravierend, doch es war ein Umstand mehr, der die Armut der deutschen Kriegführung illustriert. Ersatzteile waren derart rar, daß sie genauso wie Ersatz für verlorene und funktionsuntüchtige Gewehre –der schwere des Problems angemessen, hier wirklich erstaunlich unbürokratisch- ohne schriftliche Begründungen angefordert werden können sollten2703. Vorschriften zum Gebrauch des „T.-Gewehrs“, die zudem noch nur vorläufigen Charakter hatten und zu einem Drittel aus Hinweisen zur Störungsbeseitigung bestanden, wurden nur mit jeweils jeder dritten Waffe zusammen ausgegeben2704. Und die Gewehre selbst, dazu auch all ihre Munition und sämtliche Zubehör- und Ersatzteile, waren ab Oktober nach einem Plan des Kriegsministeriums im Artillerie-Depot Mainz in Eigenverantwortlichkeit der Armeen abzuholen2705.

Das hiermit verbundene „Abholen erbeten“2706, wie es wirklich sehr lapidar von der OHL und dem KM seit August angewiesen wurde, tritt im Blickfeld des Betrachters als ein weiterer Grund für die begrenzte Verbreitung und damit auch für die bescheidene Wirkung der „Wallbüchsen“ auf. Kuhl nannte im Zusammenhang mit Schwierigkeiten beim Ersatz von Artilleriematerial im Sommer 1918 „Hemmnisse beim Antransport und der Verteilung“. Diese scheinen sich auch hier widerzuspiegeln2707 und die Zuteilung der letztlich rund 15.800 produzierten Tankgewehren2708 nachhaltig beeinflußt zu haben.

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Nicht nur mit der rüstungstechnischen Mangellage auf das Engste verbunden, sondern der vielleicht wesentlichste Teil derselben und zugleich ein ausschlaggebender Faktor für die eingeschränkte taktische Bedeutung des Tankgewehres war, daß für jedes Gewehr nur 60 Patronen2709 ausgegeben werden konnten. Wenn die Kostbarkeit von Munition im Rahmen der vorliegenden Arbeit bereits für SmK-Patronen und Kanonengranaten 15 mit Panzerkopf angeführt wurde, so liegt hier eine neue Qualität vor, die notwendigerweise eklatante Auswirkungen auf den erfolgreichen Gebrauch des in seinen individuellen Belastungen für die Schützen vollends neuartigen Tankgewehres haben mußte. Im krassen Gegensatz zur oben genannten Vereinfachung des Ersatzwesens bei Waffen und Zubehör stand Ende September, daß die Auslieferung der 13mm-Patronen strenger Überwachung und schriftlich fixierter Nachschubanforderungen durch ein AOK (!) unterworfen war:

„Die [...] vorgesehene Überweisung von 500 Patronen zu Ausbildungszwecken an jedes Armee-Oberkommando findet nicht statt. Die Übungsmunition wird auf monatlich bis zu 5 Schuß für jedes Gewehr erhöht [2710]. Besonders hervorgehoben wird aber, daß die beschränkte Munitionsfertigung auch weiterhin ein äußerst sparsames Umgehen mit der Munition gebietet.“2711

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Die Frage nach den Schützen, also Soldaten der Minenwerferkompanien, die nur günstigenfalls körperlich und hinsichtlich kampftechnischer Erfahrungen auch mit dem sehr ähnlichen Gewehr 98 wirklich geeignetes Personal liefern konnten, stellt sich, wenn man sich vergegenwärtigt, welche im Unterschied zur Aufstellung der Nahkampfbatterien 1917 wahrscheinlich sehr viel seltener gewordenen Qualitäten die OHL nun einforderte:

„hierbei kommt es vor allem darauf an, dasz die gewehre besonders tuechtigen und kaltbluetigen leuten anvertraut werden, die sichere gewaehr fuer die auswirkung dieser wirksamen waffe bei feindlichen tankangriffen bieten.“2712

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Das Resümee der OHL und des Gegners zur Wirkung dieser funktions- und waffentechnisch letztlich sehr simplen Waffe war grundverschieden, was schon deshalb nicht verwundern sollte, weil die OHL auch hier und jetzt nicht einsehen und zugestehen wollte, daß es handfeste, auch ihr selbst bekannte, offensichtliche Gründe für den ausbleibenden Erfolg gab. Die Auswirkungen der alliierten Tankgewehr-Beute von Hamel am 4.Juli 1918 muß man noch nicht einmal bemühen, um anzuführen zu können, daß die wenigen Tankgewehre in den Händen von nur rudimentär vor- und ausgebildeten Schützen von Grund auf aus wenig wortwörtlich „durchschlagenden“ Erfolg versprechen und letztlich auch erbringen konnten.

William-Ellis lieferten für die Perspektive des Tank Corps die Angabe, daß wahrscheinlich nicht mehr als ein Prozent der später erbeuteten Tankgewehre von ihren Schützen im Gefecht abgefeuert worden war2713. Und trotz der Aussage von Mitchell, daß während der Kämpfe Ende August und Anfang September dennoch zahlreiche Kampfwagen von Tankgewehren beschossen und getroffen wurden2714, fehlen Belege für eine signifikante Wirkung der 13mm Gewehr-Geschosse2715. Ein Bericht des 13.Bataillons des Tank Corps zum 30.September 1918 unterstreicht diesen Umstand deutlich und sogar unter der fragwürdigen Maßgabe, daß die Tankgewehrschützen hervorragend ausgebildete „Experten“ gewesen seien:

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„A number of anti-tank rifles, handled by highly trained experts, were brought to bear on his tank; his driver and observer were both shot trough the head and killed, two others of the crew were wounded and the tank was perforated in over twenty places. In spite of this he kept on the move, destroying many machine-gun nests, knocked out all the large rifles and silenced the enemy; the infantry was thus enabled to make their way forward into the village with no loss.”2716

Daß die geringe Schußfolge und Trefferwirkung dieser Waffen2717, die taktische Situation mit ihrer Kombination aus Nebel, fehlenden Deckungsmöglichkeiten, vorrollenden Tanks, vorgehenden Infanteriewellen, einer infernalischen Feuerwalze und auf jedes sich darbietende Ziel niederstoßenden Schlachtfliegern, mangelnde Ausbildung, fehlende Motivation und physische Belastungsgrenzen der Schützen zusammengenommen den Ausschlag für die letztlich sehr begrenzten Erfolge der Tankgewehre gaben, negierte die OHL vollends. Statt dessen, und selbst nach einer Bestätigung der Ineffizienz durch Tests beim Lehr-Infanterie-Regiment2718, findet sich in einer Rekapitulation des durch die Truppe „sehr verschieden“ beurteilten Gewehres Anfang Oktober 19182719 in Form von Vorwürfen zu falscher Handhabung und übertriebenen Hoffnungen alles wieder, was an Anschuldigungen gegenüber inkompetenten Führern und feigen Truppen schon zuvor auf anderem Gebiet geäußert worden war. Zutiefst wundersam nimmt sich dabei ein abschließender Satz aus, der darauf rekurrierte, daß der Ausbildung der Truppe im Umgang mit der Waffe größte Aufmerksamkeit gewidmet werden müsse, damit „der Schütze die Voraussetzungen ihrer Wirkung kennt. Nur dann wird er Vertrauen darauf haben“2720. Aber wie sollte er Vertrauen auf ein unhandliches, schweres Gewehr mit ein paar Schuß Munition haben, das er zuvor ein paar- oder gar keinmal unter Schießplatzbedingungen hatte abfeuern dürfen und nun unter chaotischsten, physisch und psychisch das Maximum an Leistung abfordernden Gefechtsbedingungen auf nächste Entfernung, ab ausdrücklich maximal 200 bis 300m2721, zu Wirkung bringen sollte?

Bezogen auf den Einsatz von Flammenwerfern lagen ähnliche Probleme vor, da es sich um eine Waffe für den ausgesprochenen Nahkampf auf Distanzen bis etwa 20m handelte2722, die in großer Zahl so bald wie gefordert nicht verfügbar sein konnte. Spätestens mit den „Tankvorführungen“ beim Sturmbataillon 6 konnten die leichten Flammenwerfer als effektive Abwehrmittel angesehen werden2723. Sie waren allerdings bei den Infanterie-Pionierkompanien der Divisionen zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht vorhanden, was nach sich zog, daß die OHL am 19.September die Zuteilung von erst einmal zwei Exemplaren je Kompanie und die Ausbildung und Aufstellung dortiger Flammenwerfertrupps verfügen mußte2724. Den ersten beiden Werfern sollten später vier weitere folgen, und selbst wenn bis Kriegsende einzelne Belege für den erfolgreichen Einsatz –das bedeutet nichts anderes als Belege für einen wahrlich grausamen Feuertod der Tankbeatzungen- vorlagen, so kam es auch hier letztlich nicht mehr zur flächendeckenden Umsetzung des Vorhabens2725.

13.2.2.4 Flieger und Kraftwagen-Geschütze.

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Weniger eine Frage der flächendeckenden Einführung neuer Waffen wie bei den Tak, Tankgewehren oder Flammenwerfern, sondern besonders die Frage der Beherrschung des Gefechtsfeldes an sich dominierte die Effizienzfrage des Anteiles der Luftwaffe an der Tankabwehr der zweiten Hälfte des Jahres 1918.

Im Bereich der durch Flugdienst zu erbringenden Leistungen, namentlich auf dem Gebiet der aktiven Tankbekämpfung durch Schlachtflieger und seit den Kämpfen vor Amiens auch in Ausnahmefällen durch Jagdflugzeuge nach dem Beispiel Ritter von Greims2726 sowie bei der Aufklärung von Tanks durch Beobachtungsflüge, war die Luftüberlegenheit über dem Gefechtsfeld bestimmend. Und hier konnten deutsche Flieger in Parallelität zur Lage beim Heer zwar mit der jeweils herbeigeholten Verfügungsmasse nach einiger Zeit etwas ausrichten und Schwerpunkte bilden2727, doch kaum vorbeugend eingreifen und nach Anforderung durch die Stellungsbesatzungen taktisch zielgerichtet Hilfe bringen. Bei allen Erfolgen, die sich anhand erstaunlich hoher Abschußzahlen –so für September 1918 noch 110 deutsche gegenüber 773 alliierten Flugzeugverlusten2728- festmachen lassen, mußte das der Infanterie bei Tankangriffen anempfohlene Herbeirufen von „Tieffliegern“2729 mit ganz erheblichen Unsicherheiten verbunden bleiben, die maßgeblich von Geländekenntnissen und noch stärker von Behinderungen durch alliierte Jagdflugzeuge bedingt wurden2730. Dies mag auch am Bericht des AOK 2 über die Kämpfe am 8.August1918, der immerhin für die britischen Luftstreitkräfte mit erheblichen Ausfällen verbunden war, ablesbar sein, denn es räumte den Schlachtfliegern hierin noch am 21.August keinen Platz ein2731. Die Waffenausstattung der Schlachtflieger, ein starres, nach vorne feuerndes und ein bewegliches Maschinengewehr hinten sowie Wurfgranaten und 12,5kg-Bomben, war für die Tankbekämpfung tatsächlich auch wenig ideal, wie sich bei Sprengversuchen in Frankfurt an der Oder am 28.September zeigte2732. Die Wirkung der kleinen Bomben war selbst bei Nahzündung in einer Distanz zum gepanzerten Ziel von einem Meter enttäuschend gering, und die Mitnahme der wesentlich zerstörerischeren 50kg-Bomben verbat sich angesichts eingeschränkter Nutzlasten der damaligen Flugzeuge2733 und anscheinend zugunsten einer gegen weiche Ziele erprobten Wirkung kleiner Sprengkörper. Demgemäß wiesen erste Lehrbuchparagraphen zur Führung des Gefechtes der verbundenen Waffen von 1919 die Schlachtflieger auch nicht ausdrücklich als Tankabwehrmittel aus, sondern sprachen sehr viel allgemeiner von ihrem Einsatz gegen „lohnende“ Erdziele an und hinter der Front2734.

Anders, wenngleich aber auch unter dem Faktor der „Zahl“ leidend, stellten sich K-Flak als überaus effiziente Tankbekämpfungswaffen dar. „Vorzügliche Dienste“2735 und „vernichtende Wirkung“2736 wurden ihnen bekanntermaßen seit 1917 und auch über das Kriegsende hinaus zugeschrieben, doch an den zwei großen Fehlern der mit Kraftwagen bewegten Flugabwehrkanonen änderte dies nichts.

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Zum einen blieb als taktisches Manko erhalten, daß die Geschütze primär dem Luftschutz zu dienen und sich nur im Notfall in die aktive Tankabwehr einzuschalten hatten2737, wodurch zwei kaum miteinander in Einklang zu bringende Aufgaben, die eine als Infanterie-Nah-Schutz, die andere im Sinne tiefgegliederter Raumüberwachung, gestellt waren. Dieser Umstand, zusammen mit der an gute Verkehrswege gebundenen und dadurch grundsätzlich eingeschränkten Mobilität der Fahrzeuge2738, ließ sie für die Tankabwehr erst dann in Erscheinung treten, wenn der Kampf um die vordersten Stellungsteile –im Zweifelsfall immer zuungunsten ihrer deutschen Besatzungen- bereits abgeschlossen und der Feind in den rückwärtigen Raum einzudringen versuchte.

In dieser Situation, das war das zweite grundsätzliche Manko der Waffe, war das Vorhandensein von K-Flak in einer dem Problem angemessenen Zahl absolut fraglich. Wie viele dieser Geschütze gebaut wurden, ließ sich von Verfasser nicht feststellen, doch Cron gibt in seiner „Geschichte des Deutschen Heeres“ an, daß 1918 unter Einberechnung aller Aufstellungen lediglich 80 einzelne Kraftwagengeschütze und 39 K-Flak-Batterien mit je zwei Geschützen vorhanden gewesen sind2739. Diese sehr geringe Zahl durch Improvisation des Heeres auszugleichen war, wie schon gezeigt worden ist, nach Cambrai diskutiert und verworfen worden. Die Qualitäten der K-Flak standen dagegen allerdings weiterhin außer Frage. So entschloß man sich Anfang November 1918, nachdem dies erstmalig bereits im Dezember 1917 ergebnislos in Auge gefaßt worden war2740, 150 LKW bereitzustellen, auf die die auch beim A7V gebrauchte belgische 5,7cm Beute-Kanone montiert wurde. Zum Fronteinsatz gelangten diese Fahrzeuge nicht mehr2741.


Fußnoten und Endnoten

2587  Im Rahmen dieses Kapitels wurde auf Querverweise weitgehend verzichtet, sofern diese nicht mit dem originalen Wortlaut von Zitaten verbunden sind, oder direkten Bezug zu Aussagen innerhalb von Anmerkungen oder Inhalten dieses und oder eines anderes Kapitels haben.

2588  Abb. nach Volkmann: Der große Krieg, S. 288.

2589  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 278. Einen Überblick über die französischen Tankeinsätze zwischen August und November 1918 bietet Goya, S. 357ff.

2590  Siehe bspw. KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 117, Akt: 173, Bl. 24: HGr Rupprecht Iab Nr. 9273 geh. vom 28.8.1918, zu den Kämpfen nördlich der Somme: „Die Kämpfe bei der 17.Armee haben bisher einen derartig starken Kräfteverbrauch erfordert, wie noch an keiner Stelle der Westfront.“

2591  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 96f., und Fuller: Tanks, S. 252f.

2592  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 102f., und zum Einsatz des Bataillons vom 29.9.-23.10.1918 den Bericht bei Fletcher: Tanks and Trenches, S. 184f.

2593  Siehe Fuller: Tanks, S. 270.

2594  Die Zahlenangaben schwanken zum Teil erheblich; siehe ebenda, S. 271, vergleiche ders: Tanks, S. 313, und Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 107. Von Interesse ist vielleicht, daß es sich nicht um Minenkonstruktionen handelte, sondern um versteckt eingebaute Minenwerfer-Munition mit empfindlichen Zündern. Der Bericht des Bataillons über die Kämpfe spricht von einigen durch die Minen zerstörten Tanks und von „many casualties“ beim folgenden Kampf, die durch deutsches Artilleriefeuer verursacht wurden; siehe Fletcher: Tanks and Trenches, S. 185.

2595  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 100.

2596  Siehe ebenda, S. 110.

2597  Siehe BA-MA, RH 61/50597: Maasgruppe Ost (GK V.RK) Ia Nr. 3878 op. vom 29.9.1918.

2598  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 111.

2599  Siehe ebenda, S. 114.

2600  Siehe ebenda, S. 118ff. Fuller resümierte für das Tank Corps, daß seit dem 8.8.1918 1.993 Tanks und Panzerwagen eingesetzt worden waren, von denen 887 instandgesetzt werden mußten und bis auf 15 Totalverluste auch repariert wurden. Die personellen Ausfälle betrugen, von einer Stärke von 1.500 Offizieren und ca. 8.000 Mann im August ausgehend, 598 Offiziere und 2.826 Mann; siehe Fuller: Tanks, S. 276 und S. 286f. Für die artillerie d’assaut gibt das französische amtliche Werk zumindest Verlustziffern, die mit dem Abgang von 298 Offizieren und 2052 Mann in der Zeit vom 15.7. bis 25.9.1918 eine ganz ähnliche Tendenz ausweisen; siehe LAF, Bd. VII.1., App. 11, S. 396. Goya, S. 360, beziffert die materiellen Verluste der artillerie d’assaut zwischen dem 18.7.1918 und dem Kriegsende auf 327 Fahrzeuge.

2601  Siehe Linnenkohl: Vom Einzelschuß zur Feuerwalze, S. 283, mit angegebenen 13.100 Feld- und 7.300 Fußartillerie-Geschützen.

2602  Siehe eine Aufstellung bei Harris: Das britische Expeditionsheer, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 120.

2603  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0124: AOK 17 Iabl Nr. 7853 op. vom 8.9.1918. Siehe dazu auch Alter: Generalobersten v. Einem, S. 436 (Eintrag zum 17.9.1918).

2604  Siehe HStAS, M 1/11, Bü. 794, Bl. 60: Chef d. Genst. d. Feldheeres II Nr. 10162 op. vom 4.9.1918, Ziff. 9.).

2605  Siehe Alter: Generalobersten v. Einem, S. 436 (Eintrag zum 17.9.1918), mit der Angabe, daß durch die 7.RD 72 französische Tanks abgeschossen worden seien. Siehe auch ebenda, S. 438 (Eintrag zum 24.9.1918), mit der Aussage, daß die 200.(Jäger-) Division „wie eine Mauer“ gestanden habe.

2606  Winkelmann, der bereits seit dem 17.4.1918 mit dem preußischen Goldenen Militärverdienstkreuz ausgezeichnet war, schoß laut Truppengeschichte am 10.8.1918 sechs Tanks unter Beweisen artilleristischer Meisterfertigkeit (indirektes Feuer mit Feldkanone) ab und weitere sieben wurden von seiner Batterie am 29.9.1918 außer Gefecht gesetzt. Sein Batterieführer wurde am 29.9.1918 im Heeresbericht genannt. 1937 befand eine Panzerabwehr-Abteilung in Iserlohn Winkelmanns Leistungen wert, der dortigen Kaserne den Namen zu geben, wobei es bis zur Konversion des Objekts Anfang der 90er Jahre auch in Bundeswehrzeiten blieb. Siehe dazu Parrisius, Felix: Geschichte des Res. Feldartillerie-Regiments Nr. 63 (Ehrenblätter deutscher Regimenter, Bd. 141), Oldenburg 1925, S. 124f. und S. 134f., sowie http://www.fschjgbtl273.de/winkelmann.htm .

2607  Zu vergleichen ist dies etwa mit dem Einsatz der 3.GID bei Cambrai, die unter ganz anderen Verhältnissen auf das Gefechtsfeld trat, als dies für die Stellungstruppen der Gr Caudry galt. Auch die lobende Anerkennung für die Deutsche Jäger-Division vom 1.8.1918 kann hier angeführt werden; siehe Abschn. 9.6.2. und 11.5.2.

2608  Die Kriegserinnerungen der Generalität sind angefüllt mit derartigen Hinweisen, Berichten und selbstgewonnenen Eindrücken, so daß an dieser Stelle ein eindeutiger Beleg für die geltende Ansichtsweise genannt sei. General v.d. Marwitz ließ sich von einem bei einem Tankangriff verwundeten Unteroffizier berichten und notierte: „Die Leute wären beim ersten Erscheinen der Tanks teilweise zurückgegangen (zu dumm denn da kriegen sie erst recht eins ab), er sei nun allein geblieben und beim ‚Anschlußnehmen’ habe er den Schuß bekommen. Natürlich ist auch er ausgerissen, vielleicht etwas später als die anderen. ‚Na, waren denn nun die Verluste groß in der Kompanie?’ ‚Nein gar nicht, ich war der erste Verwundete’, also ist’s bloß [hervorgeh.] der Schrecken vor den Dingern, nicht deren tatsächliche Wirkung. Immer wieder muß man das den Leuten sagen, und wo sie sich wehren, da geht’s auch.“ Zitiert nach Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 324 (Eintrag zum 29.9.1918).

2609  So bspw. vom AOK 7, das in einem Merkblatt erklärte, „Ueber 100m trifft der Tank nichts und schießt nur Loecher in die Luft und den Erdboden“, was den Tank allein zu einem „Schreckmittel“ mache; siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0040: HGr Rupprecht Ic 6795 (vom AOK 7 am 29.9.1918 übersandt). Die OHL forderte das Weiterkämpfen nach dem Bekanntwerden des Wiener Friedensangebotes unter dem Motto, daß die Bereitschaft über Frieden zu verhandeln nicht dem Geist widerspräche, „in dem wir den Kampf für unsere Heimat führen“; siehe ebenda, Bd. 117, Akt: 173, Bl. 22: Chef d. Genst. d. Feldheeres Nr. 10296 op. vom 15.9.1918, und vergleiche dies mit dem Defätismusvorwurf gegen Kühlmann in Kap. 11.

2610  Siehe dazu Foerster: Ludendorff, S. 71ff.

2611  Siehe dazu Ludendorff: Urkunden, S. 535ff.

2612  Siehe ebenda und Asprey: The German High Command At War, S. 464.

2613  Siehe Chickering, S. 227.

2614  Siehe BA-MA, RH 61/50601: Auszug aus dem Protokoll der 274.Sitzung des Reichstags-Ausschusses für den Reichshaushalt am 27.9.1918. Siehe auch die bei Petter überlieferte sehr ähnlich lautende Note des Kriegsministeriums von Ende Juli in Abschn. 11.5.2.

2615  Siehe HStAS, M 200, Bü. 34: GK 51 Korpstagesbefehl Nr. 15 vom 23.10.1918 (Bezieht sich auf Waffenverkäufe deutscher Heeresangehöriger an belgische Zivilisten, was mit dem Tod zu bestrafen sei).

2616  Siehe ebenda, Fernspruch der OHL Ia Nr. 10864 vom 20.10.1918 (Wegen scharfer Kontrolle von Truppen „requirierter“ Gegenstände).

2617  Siehe dazu u.v.a. ebenda, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 9: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 95581 op. vom 24.8.1918, ebenda, Bl. 23b: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 10421 geh. op. vom 26.9.1918, oder ebenda, M 200, Bü. 34: GK 51 Abt. Ia Nr. 442/Okt. Geheim. Persönlich! vom 19.10.1918.

2618  Siehe Ludendorff: Urkunden, S 556ff.

2619  Siehe ebenda, S. 559.

2620  Siehe ebenda, S. 560.

2621  Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 23b: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 10421 geh. op. vom 26.9.1918.

2622  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0123: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 97769 op. vom 3.9.1918.

2623  Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 561.

2624  Die Situation beschrieb ein Generalkommando an der Westfront zwei Tage später und unter Annahme, daß das Gerücht eines bevorstehenden Waffenstillstands entscheidend zu den katastrophalen Verhältnissen beigetragen habe, folgendermaßen: „An vielen Stellen sind in juengster Zeit Anzeichen sich lockernder Manneszucht in einer die Schlagfertigkeit der Truppe ernstlich gefaehrdenden Weise in Erscheinung getreten. Aus der Kampflinie, waehrend des Gefechts, sind Leute einzeln und in Trupps ohne Befehl und Gewehr zurueckgegangen. Die rueckwaertigen Strassen sind angefuellt von Drueckebergern. Die Absperrmassnahmen der Divisionen und des Generalkommandos haben nicht ausgereicht, diesen Rueckstrom von der Kampffront aufzuhalten. Ausschreitungen im rueckwaertigen Gebiet, Pluenderungen und Zerstoerungen von Magazinen haben stattgefunden.“ Zitiert nach HStAS, M 200, Bü. 34: GK 51 Abt. Ia Nr. 442/Okt. Geheim. Persönlich! vom 19.10.1918, Ziff. 1.). Die hier erwähnten Absperrmaßnahmen umfaßte etwa das Durchkämmen des rückwärtigen Gebietes, das Sammeln der dabei vorgefundenen Militärpersonen und die anschließende Rückführung der Leute zu ihren Truppenteilen unter Bewachung; siehe ebenda, 243.ID Abt. Ia J. Nr. 6203 vom 19.10.1918.

2625  Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 563.

2626  Siehe Epkenhans, Michael: Die Politik der militärischen Führung 1918: „Kontinuität der Illusionen und das Dilemma der Wahrheit“, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 217-233.

2627  Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 567.

2628  Siehe ebenda: „Ich hoffe, daß wenn unsere Infanterie wieder zu Kräften kommt, auch der Tankschrecken, der schon einmal überwunden war und wiedergekommen ist, nochmals überwunden wird. Er kam mit aller Kraft am 8.August durch den Nebel und wer weiß was sonst. Ist aber die Stimmung der Truppen wiederhergestellt, so machen sich Teile von ihnen, namentlich die Jägerbataillone und die Gardeschützen, geradezu einen Sport daraus, die Tanks abzuschießen. Es lockt auch aus materiellen Gründen, denn in den Tanks gibt es immer gute Verpflegung. Wir konnten nur nicht Schritt halten mit dem Bau von Tanks, weil wir zuerst Lastautos bauen mußten; aber bis nächstes Frühjahr werden wir darin weiter sein.“

2629  Siehe HStAS, M 200, Bü. 34: GK 51 Abt. Ia Nr. 35/Nov. geh. vom 2.11.1918.

2630  Zu verweisen ist einmal mehr auf die in Bearbeitung befindliche Dissertation Christian Stachelbecks (MGFA) zur 11.bID, die in diesem Kontext Erkenntnisse verspricht.

2631  Siehe Bleckwenn, Hans: Die friderizianischen Uniformen, Bd. I: Infanterie I (Die bibliophilen Taschenbücher Nr. 444), Dortmund/Osnabrück 21987, S. 43ff.

2632  Siehe BA-MA, RH 61/51833. Versagen und Unzuverlässigkeit warfen sich beide Divisionen gegenseitig vor, wobei die Anlage des Aktes, in dem diese Schriftstücke gesammelt wurden, zahlreiche andere Dokumente enthält, die über die katastrophale Stimmungslage in der Truppe, ihre Überbeanspruchung und ihre geringen Gefechtstärken berichten.

2633  Siehe dazu Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 360f., und eine offenbar vollständige Textfassung in BA-MA, RH 61/50601. Nicht deutlich wird aus den Aussagen des Kronprinzen, ob es sich um ein von ihm selbst aufgesetztes Schreiben handelt. Es ist zwar in der ersten Person gehalten, was den besonderen Charakter als persönliche Meinungsäußerung des Thronfolgers herauszustellen scheint, Absender ist aber die HGr ohne weitere Signatur.

2634  Schon am 4. des Monats hatte die HGr Boehn ein gewichtiges Schreiben herausgegeben, in dem es hieß: „Die Kampfkraft der Verbände der Heeresgruppe ist durch die andauernden Kämpfe weiterhin eingeschränkt. Trotzdem ist der feste Wille, die augenblickliche Stellung so lange als denkbar zu halten, unerschüttert.“ Zitiert nach KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: „ILL 76“, Bl. 16: HGr Boehn Ia/Ie Nr. 1646 op. geh. vom 4.10.1918.

2635  Siehe BA-MA, RH 61/50601: HGr Kronprinz vom 17.10.1918, S. 1.

2636  Siehe ebenda, S. 1f.

2637  Siehe ebenda, S. 3.

2638  Siehe ebenda, S. 4.

2639  Schulenburg schrieb über die Beweggründe des Schreiben der Heeresgruppe in einer Abhandlung für den Untersuchungsausschuß des Reichstages 1925: „Den Feinden fielen dabei Elsaß-Lothringen und das linke Rheinufer als Pfänder in die Hand. Sie waren von solcher Stärke, um die Durchführung eines Siegfriedens zu erzwingen und die Fortsetzung des Feldzuges über den Rhein zu erübrigen.“ Zitiert nach Schulenburg: Die Lage bei der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz in den letzten Kriegsmonaten, S. 317.

2640  Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 577f.

2641  Den Anlaß zu einem selbstmörderischen Unternehmen der Marine bot grundsätzlich ebenso wie beim Heer nicht die Aussicht, damit den Krieg noch entscheiden zu können, sondern der Aspekt der Wahrung bestehender Ehr- und Wertvorstellungen; siehe dazu Groß, Gerhard P.: Die Seekriegführung der Kaiserlichen Marine im Jahre 1918 (Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Bd. 387), Bern u.a. 1989, S. 417.

2642  Zu diesen Vorkommnissen im Oktober 1918 siehe auch Creutz: Die Pressepolitik, S. 284.

2643  Siehe Armeeoberkommando 17 (Hg.): AOK 17 Iag Nr. 8538 op. vom 21.9.1918: Tankabwehr. (Nachweis über MGFA, Bibliothek, Signatur 41416).

2644  Siehe KA, 1.Res.Korps, Bd. 169, Akt: Tanks und Tankabwehr: Chef d. Genst. d. Feldheeres, Abteilung Fremde Heere Nr. 16741.: Französische Tanks und ihre Verwendung (Nur für den Dienstgebrauch.), September 1918, und ebenda: Chef d. Genst. d. Feldheeres, Abteilung Fremde Heere Nr. 17428.: Die englischen Tanks und ihre Verwendung. Bearbeitet auf Grund von erbeuteten Befehlen und Papieren sowie von Gefangenen-Aussagen, September 1918.

2645  „Teil 1 b, Vorschriften für den Stellungskrieg, ist neu bearbeitet und in Druck. Teil N der Vorschrift behandelt Tankabwehr [hervorgeh.]. Da die Drucklegung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, andererseits der Tankbekämpfung durch Minen pp. zur Zeit höchste Bedeutung beigemessen ist [!], wird der Teil N vorläufig abschriftlich übersandt.“ Zitiert nach BA-MA, PH 3/975, Bl. 003: Chef d. Genst. d. Feldheeres, General der Pioniere Nr. 18339 [unles.] 18.I. vom 18.9.1918.

2646  Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 592.

2647  Siehe Rohrbeck (Bearb.): Taktik. Ein Handbuch auf Grund der Erfahrungen im Weltkriege, Berlin 1919, S. 197ff., Erdmann/George (Bearb.): Waffenlehre. Ein Hand- und Lehrbuch für Offiziere und Offizieraspiranten, Berlin 1919, S. 109f., und Toepffer (Bearb.): Der Pionierdienst im Kriege mit einem Überblick über die Entwicklung des Festungsbaues auf Grund der Kriegserfahrungen, Berlin 1919, S. 20ff. Wie aus den Vorworten der drei Titel hervorgeht, handelte es sich um Veröffentlichungen, die allein wegen des plötzlichen Kriegsendes den Charakter als Handbücher „auf Grund der Kriegserfahrungen“ hatten. Inhaltlich entsprachen sie dem Stand von Herbst und Winter 1918.

2648  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0136: Fernschreiben der OHL zur Ablehnung einer Etatisierung der Tankabwehroffiziere vom 14.9.1918.

2649  Siehe BA-MA, PH 8 I/34, Bl. 95f.: AOK 18 Ia Nr. 7790 geh. vom 20.9.1918. Hier findet sich die Einsetzung von Tankoffizieren beim AOK, bei den Gruppen und Divisionen angeordnet.

2650  Siehe BA-MA, PH 3/975, Bl. 003: Chef d. Genst. d. Feldheeres, General der Pioniere Nr. 18339 [unles.] 18.I. vom 18.9.1918, Ziff. 167.).

2651  Siehe ebenda, Bl. 004, Ziff. 176.).

2652  Siehe ebenda, Ziff. 174.).

2653  Die als ausreichend betrachteten Dimensionen dieser Fallen und Gruben waren denen ähnlich, die für die Gewässerbreite und Tiefe angegeben wurden. Das AOK 6 empfahl zudem, die 5m breiten und mindestens 2m tiefen Hindernisse mit Wasser aufzufüllen; siehe ebenda, Bl. 005: AOK 6 Ia/Pi. Nr. 4399 geh. vom 3.9.1918, Ziff. II.

2654  Wie unterschiedlich die Wahrnehmung der Bedrohung durch Tanks bei den Verbänden sein konnte, belegt der Bericht der 202.ID zu den Kämpfen an der Aisne im August 1918. Die Qualität der Erfahrungen dürfte sich gravierend von derjenigen der am 18.7. und 8.8.1918 betroffenen Verbände unterschieden haben. Wie aus dem Bericht hervorgeht, konnten mangels Gefechtsberührung keine Erfahrungen mit feindlichen Tanks mitgeteilt werden, was die Division aber keineswegs davon abhielt, sich zu Fragen der Tankabwehr zu äußern. Nervosität der Truppe sei die bedauerliche Folge stetiger Belehrungen über feindliche Tanks, deren Bekämpfung der Artillerie doch getrost überlassen werden könne. Sonst, so die 202.ID, sei die ganze Angelegenheit doch durch einige gute Tiefbau-Unternehmen und die Anlage eines 4m breiten und 2,5m tiefen Grabens –der offenbar für die gesamte Westfront vorstellbar schien- aus der Welt zu schaffen; siehe dazu HStAS, M 33/2, Bü. 300: 202.ID Abt. Ia Nr. 1853 op. vom 29.8.1918, Ziff. VII.).

2655  So wurde der 28.RD vom befehlführenden k.u.k. Generalkommando ein ausdrücklich als Ersatz für die arbeitsintensiven Tankgräben gedachtes “Schienentankhindernis” zur Erprobung empfohlen; siehe BA-MA, PH 3/975, Bl. 024: Gruppe Ornes (k.u.k. 18.Korpskommando) Pi Nr. 109 vom 11.9.1918.

2656  Siehe dazu Rubel, A.C.: The Barrier Type of Tank Defenses in the St.Mihiel and Grande Montagne Sectors by the 304th Engineers under Col. James F. Barber, in Corps of Engeneers, Bd. IX (1919), S. 294-305.

2657  Siehe HStAS, M 1/11, Bü. 794, Bl. 55: Chef d. Genst. d Feldheeres II Nr. 9840 geh. op. vom 15.9.1918.

2658  Kurioserweise gibt ein Bericht des AOK 1 zur Wirkung geballter Ladungen von Januar 1918 (!) an, daß eine Flachmine 18 vom Armee-Pionierpark konstruiert und erfolgreich getestet worden sei; siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Pi. Nr. 47900/498/18 vom 11.1.1918, Ziff. 8).

2659  Siehe BA-MA, PH 3/975, Bl. 004: Chef d. Genst. d. Feldheeres, General der Pioniere Nr. 18339 [unles.] 18.I. vom 18.9.1918, Ziff. 173.)f.) und g.) sowie Bildanhang der Mitteilungen mit Konstruktionszeichnungen.

2660  Siehe ebenda, Bl. 003f., Ziff. 170.) und 173.)a.) bis e.).

2661  Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 55, Bl. 8754: Fernschreiben der OHL vom 20.10.1918. Genannt wurde ausdrücklich der Kanonenzünder Typ Nr. 106. Daß mit diesem zusammen auch die Patrone von Fronttruppenteilen als Minen-„Komplettlösung“ genutzt oder wenigstens angedacht worden ist, ist anzunehmen.

2662  Die Parallelität zum Vorhandensein von Tankgewehren im Artillerie-Depot Mainz ist offensichtlich; siehe Kap. 13.

2663  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 221f., und Goya, S. 362.

2664  Siehe Goya, S. 362:

2665  Siehe dazu Toeppfer: Der Pionierdienst, S. 21, und American Expeditionary Forces (Hg.): AEF Ordnance Bulletin of August 24, 1918: Anti-Tank Defenses, in Corps of Engineers, Bd.XI (1919), S. 422-429, und (ohne Verf.:) Antitank Defense-Front-Line Infantry. What Is The Front-Line Infantryman To Do When Attacked By Tanks? In U.S. Army Infantery School Mailing List, Bd. VIII (Juni 1934), S. 42ff. Vergleiche Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 310.

2666  Siehe Rohrbeck: Taktik, S. 200. 1.500m galt bei Kriegsende als maximaler Wirkungsbereich der Nahbekämpfung durch direkten Schuß.

2667  Hiervon war die Fußartillerie in besonderem Maße betroffen, wie Verlautbarungen der OHL über knappen Geräteersatz und ein möglichst umfangreiches Herausziehen der schweren Geschütze zur Schonung und Neuausrüstung ab August 1918 nahelegen; siehe dazu BA-MA, PH 2/294, Bl. 26: Fernschreiben der OHL an das KM vom 1.8.1918, und ebenda, Bl. 27: Fernschreiben der OHL an die Heeresgruppen des Westens vom 4.8.1918.

2668  Siehe bspw. BA-MA, PH 8 I/34, Bl. 39: AOK 9 Abt. Ia/Artl./Pi Nr. 1583 op. geh. vom 1.8.1918: Armeebefehl für Tankbekämpfung, oder ebenda, PH 3/975, Bl. 25: Auszug aus HGr Kronprinz Ia Nr. 6320 geh. vom 11.8.1918. Die Heeresgruppe formulierte, daß bei Nacht oder unsichtigem Wetter“, was eine gezielte Nahbekämpfung durch Geschütze unmöglich machen würde, das planmässig vor den eigenen Linien liegende Sperr- und Vernichtungsfeuer zur Tankabwehr genügen müsse.

2669  Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 55: Chef d. Genst. d. Feldheeres IIb Nr. 101790 op. vom 6.10.1918, ebenda, Chef d. Genst. d. Feldheeres IIb Nr. 103404 op. vom 21.10.1918, und BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 277.

2670  Siehe bspw. BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 237, und Rohrbeck: Taktik, S. 200: „Bei Massenangriffen ist es Pflicht aller Nahkampfgruppen, zur Tankbekämpfung selbständig überzugehen. Außerdem sind schwere Steilfeuerbatterien [hervorgeh.] zur Bekämpfung zu bestimmen. Sie erhalten bestimmte Geländeteile, d.h. in der Regel Zielstreifen dicht vor unseren Linien zugewiesen, gegen die sie beobachten können und auf die sie sich in Zeiten der Ruhe einzuschießen haben. Tritt ein Tank in einem solchen Zielbereich einer Batterie auf, so schwenkt sie mit allen Geschützen auf den Tank ab und setzt ihn mit Salvenfeuer außer Gefecht.“

2671  Siehe Goya, S. 362.

2672  Siehe Toeppfer: Der Pionierdienst, S. 20.

2673  Belegt ist dies u.a. durch die Spitzenposition, der ihr in nahezu allen Dokumenten eingeräumt wird. Die Aussage bei Erdmann/George: Waffenlehre, S. 100, nämlich daß die Tankabwehr während des Krieges „immer mehr Sache der Artillerie“ wurde, ist zu vernachlässigen. Wie in vorherigen Kapiteln gezeigt werden konnte, war die Feldkanone von Anfang an die erst einmal nächstliegende und dann auch die praktisch wirkungsvollste Tankabwehrwaffe.

2674  Siehe als ein Beispiel der taktischen Aufstellung die Verteilung der Artillerie bei der 231.ID; siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 57ff.: 231.ID Ia Nr. 687 op. vom 10.9.1918. Die Masse der Artillerie sollte tief gegliedert etwa 4-5km hinter der Haupt-Widerstands-Linie stehen. Eine Nahkampfgruppe sollte zur Wirkung gegen das eigene Stellungsvorfeld weiter vorgezogen sein und einzelne Geschütze zur Tank- und Sturmabwehr bei der Infanterie sowie als mobile Reserve zur Verfügung des Eingreiftruppenkommandeurs bereit sein.

2675  Siehe Cron: Geschichte des Deutschen Heeres, S. 183.

2676  Siehe Jäger: German Artillery, S. 145.

2677  Siehe Rohrbeck: Taktik, S. 60: „Der l.M.W. mit Flachbahn-Lafette [hervorgeh.] ist besonders als Begleitgeschütz der Infanterie vorteilhaft verwendbar. Er ist der F.K. 96 durch größere Beweglichkeit und daher leichtere Verbindung mit der Infanterie überlegen. [... .] In der Abwehr sind Tanks, vorgehende Infanterie und M.G. besonders günstige Ziele für den Flachbahnbeschuß des l.M.W.“

2678  Siehe Muther, S. 91f.

2679  Siehe Jäger: German Artillery, S. 139f.

2680  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0137: Weisung der OHL vom 14.9.1918.

2681  Siehe Jäger: German Artillery, S. 143.

2682  Siehe dazu Michael: Deutsches Tuf-MG, S. 62.

2683  Siehe HStAS, M 1/11, Bü. 794, Bl. 57ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Abt. Fremde Heere. Geheim. vom 22.8.1918.

2684  Siehe ebenda, M 30/1, Bü. 55: KM Truppen-Departement Nr. 2649/18. geh. A4. vom 14.10.1918.

2685  Siehe ebenda, und zu den verschiedenen Varianten der Geschütze sowie deren technische Spezifika siehe Muther, S. 81ff.

2686  Siehe ebenda.

2687  Dies schlug sich auch in den ersten Erfahrungsauswertungen nach dem Krieg nieder. Siehe etwa Rohrbeck: Taktik, S. 201: „Die M.G.-Bedienung muß beachten, daß ihre Hauptaufgabe bei der Abwehr von Tankangriffen in der Bekämpfung der den Tanks folgenden Infanterie liegt, daß sie sich erst auf nächste Entfernung zum Selbstschutz [hervorgeh.] mit ihrem Feuer gegen die Tanks selbst zu wenden hat. Jede Verschwendung der S.m.K.-Munition auf größere Entfernung ist Verschwendung dieser wertvollen, beschränkten Munition.“

2688  Erwähnt wird dieser Effekt auch im Bericht der 2.Armee zum 8.8.1918; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918, Ziff. 14.) und 15.).

2689  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0164: OHL an HGr Rupprecht vom 23.9.1918.

2690  Zitiert nach BA-MA, RH 61/50597: Maasgruppe Ost (GK V.RK) Ia Nr. 3878 op. vom 29.9.1918.

2691  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0137: Weisung der OHL vom 14.9.1918.

2692  Siehe ebenda, Bl. 0070: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 94468 vom 20.8.1918.

2693  Die wenigstens begrenzte Effizienz von Tankgewehren, oder den interessanterweise international verbreiteten „Panzerbüchsen“ als ihren Nachfolgemodellen wurde in Industriestaaten bereits in der Zwischenkriegszeit erkannt und dann durch Erfahrungen des „Blitzkrieges“ bzw. aufgrund der Erfahrungen im Einsatz gegen jüngste Panzervarianten bestätigt. Siehe dazu Fleischer, Wolfgang: Die Entwicklung der Panzerabwehr, S. 18, und Kosar: Panzerabwehrkanonen, S. 23f.

2694  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0047. Die 4.Armee besaß 150, die 6. 136 und die 17. wiederum 150 Gewehre.

2695  Siehe ebenda, Bl. 0135: AOK 6 Ia/Pi/Tank Nr. 72469 vom 11.9.1918. Die Zuführung der fehlenden Waffen wurde ausdrücklich von der Heeresgruppe gefordert.

2696  Siehe ebenda, Bl. 0148: AOK 6 Pi. Nr. 73939 vom 22.10.1918. Die Verteilung der Gewehre umfaßte: 12.ID= 13, 5.b.ID= 28, 12.b.ID= 0, 38.ID= 2, 4.ED= 15, 2.GRD= 10, 12.RD= 12, 49.RD= 0, 16.ID= 12, Reserve des AOK= 12. Das AOK 17 meldete parallel dazu, daß alle MWK mit 4 (je Division also 12) und die Generalkommandos zusätzlich mit 5 Tankgewehren ausgestattet seien und daß sich die Armeereserve auf 33 belaufe; siehe ebenda, Bl. 0149.

2697  Siehe ebenda, Bl. 161: Antwort der OHL an die HGr Rupprecht vom 20.9.1918 wegen Bitte des AOK 17 um Zuweisung von 150 Tankgewehren.

2698  Siehe ebenda.

2699  Siehe ebenda, I.Res. Korps, Bd. 169: KM Nr. 1777/9. 18. A2. III. vom 25.9.1918, Ziff. 2., und Kern: Das Tankgewehr, S. 54f.

2700  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0178.

2701  Siehe ebenda, I.Res. Korps, Bd. 169: Vorläufige Anleitung zum Gewehr für Tankbekämpfung (T.-Gewehr.), Abschn. II. Die Vorschrift ist undatiert, wird aber im Schreiben des KM vom 25.9.1918 unter dem Hinweis erwähnt, daß sie auch „fernerhin“ in dieser Form ausgeliefert werden würde; siehe ebenda: KM Nr. 1777/9. 18. A2. III. vom 25.9.1918, Ziff. 5.

2702  Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 55: KM Allg. Kriegs-Departement Nr. 2472/10.18. A2 III. vom 4.11.1918.

2703  Siehe KA, I.Res. Korps, Bd. 169: KM Nr. 1777/9. 18. A2. III. vom 25.9.1918, Ziff. 1. Nicht einmal der verantwortliche Teileinheits- bzw. Einheitsführer war zum Nachweis aufgerufen, und die Rücksendung fehlerhafter Stücke wurde für unnötig erklärt.

2704  Siehe ebenda, Ziff. 5.

2705  Siehe bspw. ebenda, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0178. Hier findet sich ein Plan für die Abholung von je 500 Gewehren durch die 2., 17., 6. und 4.Armee in Dekaden ab dem 19.10.1918. Das Artillerie-Depot Mainz wird im Zusammenhang mit den Tankgewehren allerorten erwähnt und scheint die zentrale Anlaufstelle für damit verbundene Fragen und Nachschubleistungen gewesen zu sein.

2706  Siehe bspw. ebenda, Bl. 0118.

2707  Siehe Kuhl: Die Kriegslage, S. 9.

2708  Siehe Kern: Das Tankgewehr, S. 45.

2709  Siehe KA, I.Res. Korps, Bd. 169: KM Nr. 1777/9. 18. A2. III. vom 25.9.1918, Ziff. 4.

2710  Der Ausdruck „enerviert“ für die Anmerkung des AOK 6 zur Zahl der vorhandenen Tankgewehre nach dem 20.8.1918 erklärt sich in diesem Zusammenhang vor allen dadurch, daß das AOK explizit auf den Mißstand verwies, lediglich 2 Patronen je Gewehr (!) für Übungszwecke der Schützen bewilligt bekommen zu haben. Zur Ausbildung der Fertigkeiten der Schützen bettelte das AOK 6 ferner geradezu um die alternativ-fragwürdige Minimal-Lösung über möglicherweise lieferbare „Platzpatronen“ (wohl um „Manövermunition“ nach Verständnis eines Bundeswehrsoldaten).

2711  Zitiert nach KA, I.Res. Korps, Bd. 169: KM Nr. 1777/9. 18. A2. III. vom 25.9.1918, Ziff. 4.

2712  Zitiert nach KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0137: Weisung der OHL zur Überweisung der Tankgewehre an die MWK (vom 14.9.1918).

2713  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 221: „The chief disadvantage of the anti-Tank rifle, however, was that the German soldier would not use it. He was untrained in its use, afraid of its kick, and still more afraid of the Tanks themselves. It is doubtful if one per cent. of the A.T. rifles captured in our Tank attacks had ever been fired.”

2714  Siehe Mitchell: Tank Warfare, S. 264. Bestätigt wird dies dadurch, daß alliierte Gefangene angaben, daß deutsche Tankgewehre zumindest gefürchtet seien. Über den genaueren Hintergrund dieser Meldung konnte der berichtende NO AOK 5 allerdings keine Mitteilung machen; siehe BA-MA, PH 5 II/147, NO AOK 5 Buchnummer 20737, S. 2, vom 28.10.1918.

2715  Siehe Goya, S. 362: „Ainsi, si le fusil antichar de 13mm était efficace au champ de tir jusqu’à trois cents mètres contre les FT17, son action réelle a été nulle.” 

2716  Zitiert nach Fletcher: Tanks and Trenches, S. 198.

2717  Siehe Nehring: Panzerabwehr, in Militärwissenschaftliche Rundschau, 1.Jg. 1936, Heft 2, S. 187: „Es dürfte daher zweifelhaft sein, ob Schützen den Kampf mit feuernden und in Rudeln auftretenden Panzerkampfwagen, welche sie in 1 Minute (gleich 300m!) überfahren können, erfolgreich führen mit einer Waffe, deren Wirkung erst auf solche nahen Entfernungen beginnt. Im Kriege versagten die 13mm-Tankabwehrgewehre aus diesen Gründen, da die den Bedienungen zugemutete moralische Belastung (Wirkung bis 200m Entfernung gleich früher 2 bis 3 Minuten!) zu groß war.“ Der Bemessung der Wirkung durch Nehring ist sicherlich entgegenzusetzen, daß ausgerechnet in zwei von drei Tankschlachten –und in allen dreien spielten ungünstigste Sichtverhältnisse eine herausragende Rolle, in der ersten gab es dazu noch keine Tankgewehre- geringe Sichtweiten bedeutend waren. Schußentfernungen von weniger als 200m waren also schon dadurch real gegeben. Die Auswirkungen konzentrierten MG- oder Kleinwaffenfeuers legen es zudem nahe, Tank- und später auch Panzerbesatzungen durch mit Dauerfeuer aller Waffen deutlich aufgezeigtem Widerstandswillen zum Abbruch des Angriffs bewegt haben zu können. Für Verhältnisse des Ersten Weltkrieges mußten Tankgewehre definitiv eine zumindest das Spektrum der wirksamen Abwehrmöglichkeiten bereichernde Waffe darstellen.

2718  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 266f. Das Regiment stellte bis zum 25.9.1918 fest: „Das Gesamtergebnis ist, daß von 18 Schüssen wahrscheinlich keiner den Kampfw. bewegungs- und kampfunfähig gemacht hätte.“

2719  Siehe KA, I.Res. Korps, Bd. 169: Chef d. Genst. d. Feldheeres IIb Nr. 100266 op. vom 1.10.1918. Falsche Handhabung und übertriebene Hoffnungen, demgemäß falsches Schießen mit ungünstigem Auftreffwinkel der Geschosse und die nun irrig deklarierte Annahme, mit einem einzelnen 13mm Geschoß signifikante Wirkung erzielen zu können, wurden als Fehler benannt.

2720  Siehe ebenda.

2721  Siehe ebenda.

2722  Siehe Rohrbeck: Taktik, S. 138.

2723  Siehe BA-MA, PH 3/975: AOK 6 Pi/Tank No. 70581 vom 6.9.1918.

2724  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0154: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ib Nr. 98473 op. vom 17.9.1918.

2725  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 281, und Toepffer: Der Pionierdienst, S. 21.

2726  Den ersten Tankabschuß mit Maschinengewehrfeuer aus der Luft reklamierte der später noch als letzter Befehlshaber der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg bekannt gewordene Ritter v. Greim für sich, einen zweiten Abschuß erreichte der Flügelmann Greims, ein Vizefeldwebel Pütz, kurze Zeit später in derselben Kampfhandlung. Einen knappen Bericht dazu lieferte Greim selbst in Oberlindober (Hg.): Deutsche Kriegsopferversorgung, 5.Jg. Folge 7 (April 1937), S. 17f. Das Fazit Greims lautete: „Eine neue Möglichkeit war gewonnen, unsere schwer ringende Infanterie gegen die stärksten Träger der mit Übermacht geführten Angriffe, die Tanks, zu unterstützen.“

2727  Siehe Baur de Betaz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte, S. 202.

2728  Siehe Potempa, Harald: Die Königlich Bayerische Fliegertruppe 1914-1918, (Diss. Universität München) Frankfurt a.M. 1997, S. 76.

2729  Siehe etwa die Vorschläge der Heeresgruppe Rupprecht zur Organisation der Tankabwehr nach dem 5.9.1918 in KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125. Akt: 210, Bl. 0144.

2730  Siehe dazu Baur de Betaz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte, S. 207 und S. 210ff. Tatsächlich finden sich für den 8.8.1918 „prozentual hohe Verluste“ genannt, die primär auf die Unkenntnis der Besatzungen herbeigerufener Schlachtflieger hinsichtlich des Geländes und der Linienführung zurückzuführen gewesen sein sollen. Wie gering die Wirkung der Schlachtflieger an diesem Tag tatsächlich war mag man auch daran festmachen, daß, zweifelsfrei in Ermangelung hervorhebenswerter eigener Schilderungen, eine britische Quelle als Erfolgbeleg angeführt wurde (siehe S. 212, Anm. 1).

2731  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918.

2732  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 282.

2733  Siehe ebenda.

2734  Siehe Rohrbeck: Taktik, S. 275f.

2735  Siehe ebenda, S. 200.

2736  Siehe Toepffer: Der Pionierdienst, S. 20.

2737  Siehe dazu Baur de Betaz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte, S. 224.

2738  Siehe Erdmann/George: Waffenlehre, S. 56: „Allgemein kann gesagt werden, daß die leichten K. Flak [bis zum Kaliber 7,7cm] infolge ihrer Beweglichkeit und schnellen Feuerbereitschaft am meisten befähigt waren, in nicht zu bergigem, mit gutem Wegenetz versehenen Gelände in vorderster Linie Verwendung zu finden. Die pferdebespannten [hervorgeh.] Flak waren zwar weniger beweglich, besaßen aber den K. Flak gegenüber den Vorteil, daß sie sich besser dem Gelände anpaßten und weniger von der Gunst der Gelände[-] und Wegeverhältnisse abhängig waren.“

2739  Siehe Cron: Geschichte des Deutschen Heeres, S. 215f.

2740  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 144.

2741  Siehe ebenda, S. 279.



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22.04.2008