14 Schlußbetrachtungen.2742

Wie in der Einleitung aufgezeigt wurde, lag und liegt der Schwerpunkt bei der Betrachtung der Kampfwagen des Ersten Weltkrieges im Bereich eines siegreich von den Alliierten ins Feld geführten „General Tank“ und bei einem der deutschen Führung zu unterstellenden „Versagen“2743 hinsichtlich der Produktion adäquater Tankabwehrmittel sowie eigener Tanks.

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Beginnt man die Schlußbetrachtungen damit, den letztgenannten, in der vorliegenden Arbeit nur am Rande gestreiften Aspekt eines deutschen Kampfwagenbaus zuerst zu betrachten, kann man auf eine aussagekräftigte Begebenheit aus der Zeit kurz vor Kriegsende verweisen, um einige immer wieder angeführte Behauptungen ad absurdum zu führen. Kuhl etwa, der die dramatische Entwicklung der Kriegslage im gesamten Betrachtungszeitraum an herausragender Stelle als Stabschef der Heeresgruppe Rupprecht miterlebte, führte nach dem Krieg das Fehlen deutscher Tanks in einer Größenordnung von 600 Fahrzeugen als überaus gewichtiges Manko bei der Durchführung der Entscheidungsoffensive vom 21.März 1918 an2744. Wovon er vielleicht nichts wußte, was aber auch anderen Personen, die sich des Themas annahmen, nicht bewußt geworden sein dürfte2745, war die sich nur wenige Tage nach der „Desertion“ des von Ludendorff mit den Rüstungsprojekten für 1919 betrauten Oberst Bauer2746 breitmachende Erkenntnis vom 5.November 1918, daß 670 für das kommende Frühjahr vorgesehene leichte Kampfwagen die Leistungsfähigkeit der deutschen Kraftstoffbewirtschaftung überstiegen hätten2747. Das Projekt schien daher „kaum durchführbar“, obwohl man ihm nach den dramatischen Ereignissen bis zum 10.August 1918 die höchste Dringlichkeitsstufe unter den Rüstungsvorhaben eingeräumt hatte2748. So waren letztendlich nicht einmal mehr die noch im Frühjahr 1917 berechtigterweise im Raume stehende Frage der für den Kampfwagenbau benötigten Rohstoffe2749 oder etwa die bis Kriegsende vorhandene Konkurrenz des Kampfwagenbaus zur (Last-) Kraftwagenproduktion2750 für die Unmöglichkeit deutscher „Tankmassen“ ausschlaggebend, sondern fehlende Betriebsstoffe, die für die dauerhafte Einsatzfähigkeit hunderter Fahrzeuge im Jahre 1916, 1917 und genauso auch 1918 und 1919 hätten entscheidend sein müssen.

Eine Stärkung der Kampfkraft des deutschen Heeres hätten Tanks in jeder größeren Zahl bedeutet, auch wenn man von Begriffen wie etwa „Überrollen“ und „Tankschrecken“, welche Erfolge mit Kampfwagen im Extrem beschreiben, im Angesicht einer tatsächlich niemals kollabierten deutschen Westfront Abstand nimmt. Daran, und damit auch an einem diesbezüglichen Versagen der deutschen Führung, kann vor dem Hintergrund der alliierten Kampfwageneinsätze mit ihrem breiten Spektrum an Beispielen für wenigstens taktische Wirkung kein Zweifel bestehen. Dies gilt ebenso für die Tatsache, daß der zumindest gewisse Wert damals genutzter und erst recht der Nutzen weiterentwickelter Fahrzeuge für die zukünftige Kriegführung spätestens Ende 1917 auf allen Seiten erkannt worden war2751. Wie in der Einleitung zur vorliegenden Arbeit versichert wurde, gibt es nach einer Betrachtung des Zeitraumes 1916-18 dementsprechend keinen Anlaß, die Evolutionslinie vom zumindest als wertvoll erachteten Tank des Weltkrieges hin zum frühen Panzer, zum Kampfpanzer, zu verschiedensten Arten gepanzerter Fahrzeuge und zu operativen Panzertruppen in Frage zu stellen.

Was den Wert und Nutzen der Tanks während des Krieges anbelangt, demnach also die Fragen danach, ob es sich für die Heere an der Westfront lohnte, für den Aufbau einer neuen Waffengattung rüstungstechnisch materielle und personelle Opfer zu bringen und inwieweit ein primär der 3.OHL zu unterstellendes Versagen gravierende Auswirkungen auf den Kriegsverlauf hatte, so sind verschiedene Faktoren in Rechnung zu stellen, welche bei einem Abgleich der Situationen im Sommer 1917 und im Sommer 1918 sehr deutlich zutage treten. Drei Betrachtungsfelder sind hierbei in Form der Evolution der britischen und französischen Tanktruppen und Angriffsweise, der Veränderung des Kräfteverhältnisses zwischen den Streitkräften der Entente oder Alliierten und den Deutschen sowie der Auswirkungen von Entscheidungen und Ansichten der für Kriegführung und das Gefechtsgeschehen jeweils relevanten Führungsebenen zu berücksichtigen. Dabei ist auch zu klären, in welchem Ausmaß nicht direkt auf die Kampfwagen und ihre Einsätze zu beziehende Elemente der Kriegführung Einfluß auf den Verlauf von Kampfhandlungen und deren heutige Wahrnehmung unter den Vorzeichen des in der Einleitung skizzierten „populären“ Bildes vom Tank hatten.

14.1 Die Evolution der britischen und französischen Tanktruppen und Angriffsweise.

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Die den britischen und französischen Angriffen an der Westfront zugrundeliegenden „normal tactical methods“ wurden durch die Schaffung gepanzerter Einheiten bis weit in das Jahr 1917 hinein nicht wesentlich beeinflußt. Sie umfaßten innerhalb der Suche nach einer Durchbruchsmöglichkeit durch die deutschen Stellungen den Gebrauch der Kampfwagen ganz im Sinne der ihnen von Swinton ursprünglich zugedachten taktischen Rolle als Mittel gegen deutsche Maschinengewehrnester und Stützpunkte. Als Unterstützungswaffe angreifender Infanterieverbände, welche wie die eine Offensive mit langanhaltendem Massenfeuer einleitende Artillerie unter einem dem Gegner kaum zu verheimlichenden logistischen Aufwand nach längerer Vorbereitungszeit in großer Zahl bereitgestellt wurden, blieben Tanks grundsätzlich ein marginaler Faktor der britischen und französischen Operationen an der Somme 1916, bei Arras, an der Aisne und in Flandern 1917.

Geringe Fahrzeugzahlen, mangelndes Training und fehlende Erfahrungen der Besatzungen mit ihrem Material im Einsatz und bei der Kooperation mit anderen Waffengattungen, technische Defizite der ersten Tankmodelle sowie die vor allem auf britischer Seite faßbare Unwilligkeit der den tradierten Methoden verhafteten Operationsplaner, Belange der gepanzerten Einheiten zu berücksichtigen, waren hierfür ausschlaggebend. Dies wird auch durch einzelne taktische Erfolge2752, den propagandistisch geförderten Wert der Tanks und ein wachsendes Interesse von Teilen der Generalität an dem neuartigen Kriegsgerät sowie die mit seinem Einsatz zuweilen verbundenen großen Hoffnungen nicht neutralisiert. Letztere finden sich etwa im Rahmen der französischen Offensive vom 16.April 1917 wieder, bei der erstmals in einer Größenordnung von mehr als 100 Fahrzeugen eingesetzte Kampfwagen den Sturmkolonnen der Infanterie einen Weg in die Entscheidungsschlacht des Krieges bahnen sollten. Obwohl den eingesetzten Tanks auch bei dieser Gelegenheit –jedenfalls denjenigen der Gruppe Bossut mit ihren 80 Fahrzeugen- einiger Erfolg beim ersten Einbruch in die deutschen Stellungen beschieden war, wurde das Unternehmen zu einem Fiasko mit weitreichenden Auswirkungen auf die zukünftige Kriegführung der Franzosen. Mit dem Debakel des Schlachtverlaufes in Flandern einige Wochen später trat der Zwang zu einem Überdenken der bislang praktizierten Angriffsweise mit langanhaltenden Artillerievorbereitungen und stürmenden Infanteriemassen auch beim britischen Verbündeten ein. Einem weiterhin in Belgien und Nordfrankreich eingegrabenen und von den unerhörten Anstrengungen seiner Gegner scheinbar unbeeindruckten deutschen Feind stand bis zum Spätsommer 1917 ein niemals dagewesener Blutzoll der Entente gegenüber, welcher diese einerseits zum Haushalten mit den personellen Ressourcen zwang, andererseits zu erheblichem politischen Druck auf die militärisch Verantwortlichen in Frankreich und Großbritannien führte.

Die Folgen dieser Lage, die durch die Offensive der Mittelmächte in Italien und den absehbaren Totalausfall des russischen Verbündeten noch erheblich verschärft wurde, hatten strategische Dimensionen, die im Verzicht der Franzosen auf Angriffsoperationen großen Stils bis zum Eintreffen amerikanischer Truppen sowie in der sich daraus ergebenden Rolle des britischen Verbündeten als Hauptträger der nächsten Kampfhandlungen zu sehen sind. Immer deutlicher zeichnete sich gegen Ende des Jahres zudem ab, daß die Deutschen für 1918 Trümpfe in der Hand hielten, die einen grundlegenden Rollenwechsel zwischen Angreifer und Verteidiger an der Westfront immer wahrscheinlicher werden ließen. Hinsichtlich des Umganges mit dieser Lageentwicklung war von erheblicher Bedeutung, daß die Suche nach Schonungsmöglichkeiten für die französischerseits erst wieder zu Offensivleistungen zu motivierende und bei Briten und Franzosen gleichermaßen eben nicht unerschöpfliche Masse ihrer Soldaten in Richtung auf eine verstärkte Nutzung von Material und Technik wies. Hierbei fiel den Tanks parallel zur Neukonzeption des Artillerieeinsatzes und einer verstärkten Nutzung der Luftstreitkräfte eine wichtige Rolle zu.

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Bei einem Abwägen zwischen den bisherigen und den durch neue Fahrzeugmuster in größerer Zahl zu erwartenden Leistungen gegenüber den materiellen und personellen Produktions- und Instandhaltungskosten sowie in Hinblick auf die Personen wie beispielsweise Fuller, Estienne, Churchill oder Pétain möglich erscheinenden Modifikationen des Angriffsverfahrens weg von den routiniert-blutigen Methoden der bisher fruchtlosen Materialschlacht stand der Tank in hellem Licht da.

Ein guter Teil des sonst so überaus verlustreichen Einbruches in die feindlichen Stellungen konnte auf die Schultern verhältnismäßig weniger Soldaten in demnächst verbesserten Fahrzeugen verlagert werden, deutsche Hindernisanlagen und Grabensysteme wurden überwindbar, und selbst wenn von den Kampfwagen rational nur eine verhältnismäßig geringe Waffenwirkung gegen den Feind zu erwarten war, konnte man mit einer psychischen Wirkung auf die hinter ihnen vorgehende eigene und die vor ihnen eingegrabene gegnerische Infanterie rechnen. Ein früheres Problem, nämlich das mit einem üblicherweise durch heftigstes Artilleriefeuer geprägten Einsatzgelände, welches mit Sprengtrichtern übersät war und für Tankbewegungen schon ohne zusätzliche Einschränkungen durch nachteilige Witterungsbedingungen überaus ungeeignet war, ließ sich beseitigen, ohne beim Angriff auf Artillerieunterstützung verzichten zu müssen. Im Sinne einer militärtechnischen Revolution2753 bot das in der zweiten Hälfte des Jahres 1917 entwickelte Artillerie-Schießverfahren „nach Karte“, das ohne langes Einschießen von Geschützen Wirkung garantierte, genau dies und ersparte den Angreifern zukünftig die apokalyptischen und in jeder Weise hinderlichen Trichterwüsten der vorherigen Jahre. Darüber hinaus war es dazu geeignet, die für die feindliche Aufklärung leicht erkennbaren artilleristischen Offensivvorbereitungen mit dem auffälligen Einschießen neuer Batterien nachhaltig zu verändern und für ein zumindest größeres Maß an Überraschung des Gegners zu sorgen. Der Faktor „Überraschung“ wurde zu einem zentralen Element und seine Wahrung mit allen Mitteln versucht. Die Bedeutung von Kooperation zwischen Infanterie und Kampfwagen, den beiden Waffengattungen, die immer in enger Verbindung gegen den Feind vorzugehen hatten, war frühzeitig erkannt worden und konnte durch praktische Schulungen sowie durch theoretische Belehrungen zusehends intensiviert werden. Die positiven Auswirkungen dieser Belehrungs- und Aufklärungsarbeit beschrieb Fuller in seinen Veröffentlichungen mehrfach sehr eindrücklich, und daneben lassen sich auch andere Stimmen vernehmen, die gegebenenfalls noch vor einer gemeinsamen Bewährung von Infanterie und Tanks auf dem Schlachtfeld einen das Vertrauen bestärkenden Charakter solcher Maßnahmen in der Schlußphase des Krieges illustrieren können2754.

Unter diesen Voraussetzungen bedeuteten die Anlagen und Planungen der Angriffe bei Malmaison und Cambrai im Oktober beziehungsweise November 1917 konzeptionelle Fortschritte, die sich durch taktische und technische Neuerungen sowie durch die Gewährleistung erfolgversprechender Rahmenbedingungen für Tankeinsätze speziell und Angriffsoperationen ganz allgemein auszeichneten. Hervorgerufen wurden diese Fortschritte, das sollte man bei einem Urteil über deutsches „Versagen“ im Hinterkopf behalten, durch die von der militärischen Führung geschaffene katastrophale Lage des französischen Heeres, durch die selbstverschuldete Situation des massiv unter politischen Druck geratenen Haig sowie durch das Vorhandensein rüstungstechnischer, materieller und personeller Ressourcen. Es handelte sich um Experimente im Stil eines auswegsuchenden „learning by doing“, deren Erfahrungen schließlich Pate für die Erfolge von 1918 stehen sollten.

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Die Patenschaft der historiographisch eher weniger beachteten Aktion bei Malmaison und der legendären ersten „Tankschlacht“ bei Cambrai für die Phase alliierter Angriffsoperationen ab Mitte 1918 erstreckt sich auf alle oben erwähnten Einzelaspekte. Sinnbild dessen sind die Geschwindigkeit, mit der recht spektakuläre Geländegewinne und hohe Gefangenzahlen zu verzeichnen waren, Tanks und Schlachtflieger als markante Angriffsspitzen einer mit erdrückender materieller Überlegenheit durchgeführten Operation, eine allem Anschein nach durch „Überraschung“ und Ausnutzung von Witterungsbedingungen (Nebel) hervorgerufene Ohnmacht der deutschen Verteidigung sowie geringe eigene Verluste in den ersten Stunden.

Worauf sich die Patenschaft aber über die Anlage der Schlachten und ihre besonders durch die von Tanks geprägte spektakuläre Anfangsphase hinaus auch ausdehnt, ist der weitere Verlauf der Kampfhandlungen. Malmaison stellt diesbezüglich sicherlich eine Ausnahme dar, da das Erreichen des beabsichtigten Nahzieles der Operation den Feind auf breiter Linie zu einem Rückzug und zur Aufgabe des Prestigeobjektes Chemin des Dames zwang. Ein für sich alleinstehend wirklich entscheidender Erfolg gegen die in ihren Stellungen ausmanövrierten Deutschen resultierte daraus aber sowenig, wie er sich etwa mit den Tagen ab dem 18.Juli oder 8.August 1918 verbinden läßt.

Nach einigen Stunden rapider Fortschritte des Angreifers und erheblichen Einbußen an Personal und Material beim Verteidiger gerieten die Operationen ins Stocken. Die Kampflinien hatten sich aus dem Deckungs- und Wirkungsbereich der nun vorzuziehenden eigenen Artillerie bewegt. Was von den ersten Wellen der angreifenden Infanterie und den Tanks noch gefechtsfähig war, hatte seine Stoßkraft erschöpfungs-, verschleiß- und ausfallbedingt weitgehend eingebüßt. Reserven, deren Bedeutung sowohl durch die mit dem Mark V* und dem „Gun Carrier“ repräsentierten Lösungsansätze, als auch durch die bis zuletzt faktisch gegebene Unmöglichkeit, dem jeweiligen Brennpunkt des Geschehens zeitnah frische Stoßkräfte zuzuführen, illustriert wird, fehlten dauernd. Bis das Chaos der neu gegen den Feind vorgehenden Einheiten aller Waffengattungen entwirrt war und diese zum Ausnutzen eines jeweils erreichten „Beinahe-Durchbruchs“ mit entsprechenden Befehlen ausgestattet und über die aktuelle Lage orientiert bereitstanden, hatte sich die deutsche Verteidigung reorganisiert. Was nun folgte, so vom 19.Juli oder 9.August 1918 an, war ein den früheren Materialschlachten in zunehmendem, aber niemals mehr gleichendem Maße ähnelndes Hineinarbeiten in stündlich erstarkende Widerstandspositionen.

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Was ab dem 18.Juli 1918 erreicht wurde, war dementsprechend nicht etwa ein kriegsentscheidender Durchbruch mit den Feind in seinem Hinterland oder an seinen Flanken treffenden, eventuell sogar von Tanks angeführten Stoßgruppen. Die Ergebnisse der alliierten Angriffe in der zweiten Jahreshälfte 1918 lassen sich auch nicht allein durch die Anrechnung üblicher Erfolgsparameter im Spektrum eigener und feindlicher Verluste oder anhand des von der Präsenz der Deutschen befreiten Territoriums fassen. Hohe Verluste waren den Deutschen schon früher, etwa in den dramatisch verlaufenen Anfangsphasen der Kämpfe bei Arras mit 11.000 Gefangenen am 9.April und den verheerenden Minensprengungen bei Wytschaete am 7.Juni 1917 beigebracht worden, und Geländegewinne von einigen Kilometern Tiefe waren seit 1915 immer wieder zu verbuchen gewesen2755.

Im Unterschied zu diesen früheren Ergebnissen bemaß sich der Nutzen der Operationen seit Mitte 1918 aber einerseits darin, daß nach Fochs Weisungen aus dem dramatischen Frühjahr 1918 „Materialschlachten“ sowie die damit verbundenen hohen eigenen Verluste de facto zugunsten erneuerter Offensiven an anderen Stellen der Westfront zu vermeiden und stattdessen lokale und -wenn man so will- vordergründig marginale Siege zu suchen waren. Andererseits, mit diesen „marginalen Siegen“ ohne eine damals wirklich offensichtliche Bedeutung als Kriegsentscheidung2756 eng verbunden, ergaben sich letztlich wahrhaft entscheidende Operationsergebnisse aus dem Kontext einer sich bis Mitte 1918 vollends gewandelten Kriegslage, in welcher Erfolge und Verluste aller Art und Form auf alliierter beziehungsweise deutscher Seite in ihrer militärischen und psychischen Wirkung auf Front und Heimat potenziert sein mußten.

Auf die zeitlich parallelen Entwicklungen auf der deutschen Seite und damit auf einen „deutschen Anteil“ an diesen Um- und Zuständen, wird weiter unten eingegangen werden. Für Briten, Franzosen und Amerikaner kann für diese abschließende Phase des Krieges an der Westfront jedenfalls festgehalten werden, daß operativ zählte, dem Feind im Sinne einer ununterbrochenen Dezimierung seiner Kräfte nachhaltigen Schaden zuzufügen und es nach den Vertrauensverlusten der letzten Jahre und besonders der Krise des vergangenen Frühjahres psychologisch äußerst wichtig war, mit glaubhaft kommunizierbaren Erfolgsmeldungen aufwarten zu können. Beides wurde in einem Ausmaß erreicht, das am 11.November 1918 zum Waffenstillstand führte.

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Für das Ende der Kampfhandlungen an der Westfront spielten Tanks zweifelsfrei eine Rolle, die durch die stärkere Berücksichtigung von Material und Technik bis Spätsommer 1917 vorgegeben war. Von da an fuhren durch Schlacht- und Artillerieflieger unterstützte „Tankdrachen“ den aus deutscher Sicht (weiterhin) erschreckend dichten Wellen alliierter Infanterie voraus, brachen mehr oder weniger „überraschend“ in Stellungen ein und suchten dem Auftrag nach den direkten Vergleich mit Bollwerken des Widerstandes.

Hierbei war letztlich nicht wirklich erheblich, daß im gesamten Betrachtungszeitraum immer wieder und bis zuletzt2757 sehr hohe Verluste an Fahrzeugen zu verbuchen waren. Um hierzu abschließend einige Zahlen zu nennen, kann man 748 französische und rund 1.000 britische Tanks anführen, die nach einer französischen Zusammenstellung von 1936 durch feindliche Waffenwirkung ausfielen2758. Dies waren 17 beziehungsweise 33% der jeweils bis zum Kriegsende gebauten Fahrzeuge und berücksichtigte augenscheinlich keine Ausfälle durch technische und sonstige Pannen, deren Ausmaß dem deutschen Feind bis zuletzt ins Auge stach2759. Operativ waren diese Verluste nicht erheblich, weil die „Materialschlacht“ und das mit ihr verbundene, geradezu verbissene Hineinarbeiten in den Feind an einem Ort aufgegeben wurde. Fiel die Tankunterstützung für frische Angriffstruppen nach einiger Zeit aus und verstärkte sich der feindliche Widerstand, wurde auf eine Fortsetzung der Operation an dieser Stelle verzichtet2760. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man das von Foch den eigenen Unternehmungen abverlangte Prädikat einer Dezimierung des Gegners erreicht und in der Regel auch glaubhafte Siegesmeldungen gewonnen, deren tatsächlicher Haupterfolg unzweifelhaft in geringen eigenen Menschenopfern zu sehen war. Eimannsberger resümierte über den Wert der alliierten Tanks dementsprechend mit den Worten:

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„Die Verluststatistik der Infanterie einerseits, der Tanktruppen andererseits, spricht eine deutliche Sprache, die nicht zu überhören ist: Der Kampfwagen hat im letzten Krieg denen, die ihn gebrauchten, ungeheuer viel Blut erspart.“2761

Diesem Urteil konnten sich zahlreiche Betrachter der Tanks des Weltkrieges mit gutem Grund anschließen2762. Denn in diesem Aspekt der Schonung der Infanterie, einer durchweg auf die Anfangsphasen von Operationen begrenzten taktischen Wirkung, die bei Cambrai am 20.November 1917 zweifellos erstmals wirklich prägnant zutage trat2763, sowie einer psychischen Bedeutung hinsichtlich der Motivation und der Siegeszuversicht an der Front und in der Heimat auf seiten der Alliierten erkennt man einen unbestreitbaren Wert der Tanks für die Kriegführung. Für sich allein gesehen, entsprang hieraus niemals eine kriegsentscheidende Bedeutung der Kampfwagen, von denen Swinton schon im Februar 1916 prophezeit hatte, daß sie Schlachten niemals allein würden gewinnen können2764. Lösungsansätze für die Probleme beim Schritt vom Einbruch in die feindlichen Stellungen, der im Sinne des von Liddell Hart ausgemachten „Cambraier Schlüssel“2765 und wie Griffith feststellte2766, auch Dank der Tanks, primär aber mittels verbesserter Planung und Zusammenarbeit aller Waffengattungen zusehends effektiver wurde, hin zu einem voll ausgenutzten Durchbruch wurden bis zum Ende des Krieges nicht mehr erfolgreich umgesetzt. Der „Plan 1919“ wies allerdings deutlich in diese Richtung2767.

14.2 Die Veränderung des Kräfteverhältnisses zwischen alliierten Angreifern und deutschen Verteidigern.

Was die Tanks abgesehen von den Maßnahmen der Briten und Franzosen zur Steigerung ihres Kampfwertes im Verbund mit anderen Waffengattungen taktisch und operativ zusehends wirkungsvoller machte, wurde maßgeblich durch einen unübersehbaren Wandel der Kräfteverhältnisse an der Westfront bestimmt. Dieser Wandel betraf an sich allerdings keineswegs nur die statistische Bemessung von Zahlenverhältnissen der sich insgesamt und auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen gegenüberstehenden Streitkräfte, sondern vielmehr die Möglichkeiten für den hierbei Unterlegenen, gegebene Mißverhältnisse in entscheidenden Momenten ausgleichen zu können.

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Die Deutschen und ihre Verbündeten waren numerisch und materiell grundsätzlich im Hintertreffen. Dies war eine Tatsache, die den skeptischen Ausspruch des erstmals mit der gesamten Dimension dieser Tatsache konfrontierten Hindenburg nach Einsetzung der 3.OHL Ende August 1916 über eine mehr denn je dunklere Zukunft2768 der deutschen Bemühungen um einen glücklichen Ausgang des Krieges absolut erklärlich macht.

Den von Kriegsbeginn an düsteren Statistiken gegenüber wirkten sich auf der Seite der Mittelmächte über die längere Zeit des Krieges allerdings zwei Faktoren überaus begünstigend aus: Schwerpunktverschiebungen auf einer „inneren Linie“ und der besonders an der Westfront 1915-17 faßbare Bonus aus der Rolle des Verteidigers im Stellungskrieg2769.

Schwerpunktverschiebungen, für die im operativ großen Maßstab und offensiv ausgerichtet etwa mit den Erfolgen in Italien im Oktober 1917 sowie auf die Westfront bezogen und defensiv ausgerichtet mit den Abwehrmaßnahmen an der Aisne und in der Champagne bis Mitte April 1917 zwei bedeutende Beispiele vorliegen, fanden grundsätzlich an der Grenze zum kräftetechnisch Machbaren statt. Ein punktuelles und zielgerichtetes Aufwiegen der eigenen Unterlegenheit auf allen Sektoren technischer, materieller und personeller Ebenen bedeutete in diesem Kontext immer, daß gleichzeitig weniger gefährdet erscheinende Schauplätze und Abschnitte wortwörtlich „Opfer“ zu bringen hatten und von Kräften entblößt wurden. Dieses Risiko mußte hingenommen werden und schien auch gefahrlos hingenommen werden zu können, solange man über feindliche Truppenbewegungen informiert blieb und dadurch ausreichende Zeit für entsprechende Gegenmaßnahmen behielt. Den bisherigen Erfahrungen an der Westfront gemäß wurde Briten und Franzosen bis in den Herbst 1917 hinein aus bornierter deutscher Sicht heraus zudem abgesprochen, von den bisherigen, aufklärungstechnisch auffälligen und daher bislang immer zu konternden Verfahrensweisen abweichen zu können.

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Kam es zu Großkampf und Materialschlacht war deutscherseits durchweg für ein ausreichendes Maß an Abwehrkraft gesorgt. Wenngleich selbst hierbei meist kein statistisch allzu günstig erscheinendes Verhältnis zwischen den Kräften des Angreifers und Verteidigers geschaffen werden konnte, wogen waffen- und stellungstechnische sowie taktische Vorteile im Spektrum zwischen Maschinengewehren, ausgebauten Grabensystemen und einer seit Anfang 1917 in die Tiefe gegliederten Verteidigung mit eingreifbereiten Reserven dahinter so schwer, daß es zu den berühmt-berüchtigt hohen Verlusten der Entente kam und ihren Offensiven der operative Durchbruch durch die deutschen Stellungen verwehrt blieb.

Ein sich diesen Abwehrerfolgen gegenüber und zusätzlich zur altbekannten numerischen Unterlegenheit langsam besorgniserregend ausnehmender Schwund an Kräften war Mitte Juli 19172770 in seinen für 1918 und das Wirksamwerden der amerikanischen Hilfe auf Seite der Entente absehbaren Auswirkungen von den deutschen militärisch Verantwortlichen erkannt worden. Diese hatten auch politischen Autoritäten gegenüber recht unverblümt das Schreckensszenario einer aus eigener Kraft schließlich nicht mehr aufzuhebenden Überlegenheit der Entente ausgemalt. Diesem Fall durch eine Entscheidungsoffensive 1918 vorzugreifen, wurde als Plan gefaßt, der sich in Anbetracht der aus Rußland zurückkommenden Verbände auch auf ein günstigeres Kräfteverhältnis stützen konnte. Vor seiner Umsetzung stand allerdings die nochmalige und vollends überraschende Konfrontation mit einem britischen Gegner, welcher nach den Erfahrungen der letzten Monate offenkundig dazu gewillt war, mit völlig anderen als den gewohnten Methoden noch 1917 einen signifikanten Erfolg im Westen zu erringen.

Das Geschehen ab dem 20.November 1917 bei Cambrai ist hinsichtlich des deutschen Umgangs mit dem geschilderten Kräftemangel, seinen Folgen und den beiden Boni aus Truppenverschiebungen und der defensiven Rolle von besonderem Interesse. Cambrai ist gerade dann von Relevanz, wenn man dazu bereit ist, bei der Nennung dieses Namens nicht automatisch das Kriegsmittel Tank, eine veränderte Vorgehensweise des britischen Angreifers und die diesbezügliche Bedeutung der Kämpfe für das Geschehen im zweiten Halbjahr 1918 oder gar für Entwicklungen nach Kriegsende in den Vordergrund zu stellen. Denn ganz deutlich ist bei einer auf die deutsche Seite fokussierten Betrachtung der Ausgangslage bei der Gruppe Caudry, wie eklatant sich die für deren von der übergeordneten Führung minderwichtig erachteten Abschnitt geltenden Bedingungen für eine erfolgversprechende Abwehr von denen unterschieden, die in den direkt vorausgegangenen Materialschlachten und im damaligen Brennpunkt des Geschehens an der flandrischen Kanalküste für das Ende der Operationen im Feuer moderner Waffen gesorgt hatten.

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Nicht umsonst, eben wegen jener Konzentration der grundsätzlich begrenzten Kräfte in Flandern (und wegen der Offensive gegen Italien), galten die Stellungen vor Cambrai als „Sanatorium“, waren sie im Verhältnis zu Gruppenabschnitten mit „Bedrohungslage“ gesehen erschreckend dünn und mit abgekämpften Verbänden besetzt. Nicht von ungefähr legten die OHL und die ihr untergeordneten Stäbe grundsätzlich besonderen Wert auf Aufklärung, welche die Verlagerung oder Neuausrichtung des feindlichen Angriffsschwerpunktes erkennen sollte, und gaben vor dem 20.November zumindest Mutmaßungen über aktuelle feindliche Truppenbewegungen abseits der offenkundig gerade ausgeklungenen Riesenschlacht an der Küste heraus.

Als der britische Angriff erfolgte, standen in der wegen monatelangen Kräftemangels jeder Art schlecht ausgebauten und dünn besetzten Siegfriedstellung vor Cambrai weiterhin aus vorherigen Kämpfen bereits erschöpfte und dezimierte Verteidiger, über deren Schwäche der Einbezug der 20.LD in die Hauptkampflinie schon Bände spricht. Der Rückhalt durch die sagenumwobene Stellung war gering, denn der Gewinn, den jedes mehr oder weniger „perfekt“ ausgebaute System von Defensivpositionen bei der Abwehr vorgehender und gewonnenes Gelände sichernder Infanterie grundsätzlich bieten konnte, ging durch die Breschen schlagenden Kampfwagen verloren. Die Mittel, um die in großer Zahl vorrollenden Tanks durch Fernbekämpfung zu zerschlagen oder durch Nahbekämpfung wenigstens auf breiter Front abzuweisen, fehlten mangels geeigneter Waffen und der geringen Sichtweiten entweder ganz, oder sie waren wegen der geringen Dichte einer mit Munition zudem noch unzureichend ausgestatteten Artillerie zumindest sehr gering. Die bei Arras, an der Aisne und in der Champagne sowie in Flandern bewährte Tiefengliederung samt der Bereitstellung kampfstarker Eingreifreserven war ohne die verfügbaren Truppen nicht umsetzbar. Daher ging dieses Mal mit einem tiefen Einbruch in die deutschen Linien und nach dem Ausbleiben des augenblicklichen deutschen Gegenstoßes in den durch den Kampf zermürbten und selbst erschöpften Feind nicht nur die Gefangenschaft großer Teile der nicht mehr entsetz- und entlastbaren Stellungstruppen, sondern auch ein faktisch erreichter Durchbruch einher.

Das Bereinigen dieser katastrophalen Situation erfolgte demgemäß nicht ad hoc wie etwa noch an der Aisne am 16.April 1917. Der feindliche Durchbruch im Zentrum der Westfront konnte stattdessen erst mit Zeitverzögerung, aber immerhin einmal mehr, durch das blitzschnelle Heranziehen andernorts verfügbar erscheinender Teileinheiten, Einheiten und schließlich ganzer Verbände abgeriegelt werden. Deren wenigstens anfänglich geringer Umfang wurde durch die gravierenden und bis Kriegsende nicht überwundenen Probleme des Gegners beim Ausbauen des Eingangserfolges sowie durch den auch hier gegebenen und oben erörterten taktischen Bonus des Verteidigenden im Stellungskrieg geradezu übertüncht. Vielleicht ein letztes Mal während des Krieges gelang in Form des Gegenangriffs vom 30.November sogar so etwas wie die Umsetzung des erst im vorausgegangenen Frühjahr eingeführten Prinzips kampfstarker Eingreifreserven, welche unter Abschätzung der Risiken andernorts bei Cambrai versammelt wurden, um dem Feind auf dem zuvor verlorenen Gelände offensiv die Stirn zu bieten.

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Das Ergebnis dieser Kampfhandlungen bis Anfang Dezember im zeitlichen Kontext der Jahreswende 1917/18 wurde in Kapitel 9 bereits als Niederlage des Angreifers erörtert und darüber hinaus in Abschnitt 14.1. etwas über die Bedeutung der „Tankschlacht“ als Muster kampfwagengestützter alliierter Angriffe 1918 gesagt. Parallel dazu sticht ein hoher Grad an Beispielhaftigkeit der Rahmenbedingungen und der Ausgangslage mit verschärftem Blick auf die bestehenden Kräfteverhältnisse ins Auge, den Cambrai 1917 für den weiteren Verlauf des Geschehens an der Westfront bis zum Kriegsende aus deutscher Perspektive beinhaltet.

Für die Zeit ab Mitte 1918 spiegelte die Situation tatsächlich fast alle Vor- und Nachteile von Angreifer und Verteidiger so wider, wie sie für den 20.November 1917 festgestellt worden sind. Die Grundlagen dafür, den 18.Juli und den 8.August 1918 als mit dem ersten Tag der ersten „Tankschlacht“ wenigstens vergleichbar spektakulären Einbruchserfolgen ansehen zu können, sind mit den technischen und taktischen Mitteln der französischen und britischen Überlegenheit sowie neudefinierten Angriffsdoktrinen genauso gegeben, wie man sie in der deutschen Schwäche bei der Verteidigung eines aus Sicht der höheren und höchsten Führung unerwartet angegriffenen, zuvor als minderbedroht erachteten Frontsektors mittels weniger abgekämpfter Truppen wiederfindet. Was den namhaften Beispielen von 1918 „Cambrai“ gegenüber ganz deutlich fehlt, ist das Auswetzen geschlagener Scharten mittels massiver Gegenschläge mehr oder minder schnell vor Ort verfügbarer deutscher Reserven. Diese Reserven gab es im Sommer 1918 nur noch in äußerst begrenztem Umfang oder gar nicht mehr, so daß Einbruchsschlachten nach dem Muster von Cambrai nahezu völlige Siege des Angreifers über ermattete und in jeder Hinsicht unterlegene deutsche Stellungstruppen möglich wurden.

Die Wirkung der Alliierten auf die deutsche Front ab Mitte Juli 1918, die rein militärisch betrachtet und für sich genommen keineswegs kriegsentscheidend war, sondern nur eine Kette schwerer Niederlagen bedeutete, ist primär auf den Mangel an Kräften, nicht aber primär oder gar allein auf die Wirkung alliierter Tankmassen, nicht auf bolschewistische Unterwanderung im Sinne des „Dolchstoßes“ und wohl auch nicht auf einen „verdeckten Militärstreik“ zurückzuführen. In Sachen „Dolchstoß“ bediente sich etwa ein unbekannter „Frontsoldat“, der den Ursachen des Zusammenbruchs in einer kleinen Schrift von 1920 nachging, ausgerechnet der Worte Hindenburgs. Dieser hatte ganz im Gegensatz zu Äußerungen ein Jahr später2771 noch im Dezember 1918 verkündet:

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„Bei der wachsenden Zahl unserer Gegner, bei dem Zusammenbruch der uns bis an das Ende ihrer Kraft zur Seite stehenden Verbündeten und bei den immer drückender werdenden Ernährungs- und Wirtschaftsfragen hat sich unsere Regierung zur Annahme harter Waffenstillstandsbedingungen entschließen müssen.“2772

Wie der anonyme Verfasser des Heftes sehr richtig bemerkte, fehlt diesen Worten jeder Bezug zu verräterisch-wehrkraftzersetzenden Einflüssen aus der Heimat2773, und man muß ergänzen, es fehlen ebenso Bezüge zu feindlichen Tanks und zu „Drückebergerei“ und Massendesertion im Heer. Daß Hindenburg den Kollaps der Verbündeten und die Zahl der Gegner nannte, dagegen aber kein Wort über das Schwinden der eigenen Mittel sagte, tritt als Teil eines von früheren militärischen Verantwortlichen wie Ludendorff und Kuhl2774 gepflegten Systems der Verschleierung von erheblicher Schuld und gravierenden Fehlern in das Blickfeld des Betrachters.

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Wie Dietz 1919, nach dem von Pöhlmann ausgemachten kurzen „Winter der Kritik“ in der deutschen Militärhistoriographie2775, behauptete, diente die Erwähnung von Tanks im Kontext militärischer Niederlagen an der Westfront offenkundig als Deckmantel der wahren Ursachen für eintretende Mißerfolge2776. Dies zu glauben, fällt um so leichter, je deutlicher einem Betrachter wird, in welchem Umfang sich das deutsche Heer bis Mitte Juli 1918 verbraucht hatte und welche Auswirkungen dies für die Fortsetzung des Krieges haben mußte.

„Cambrai“ war abseits der deutschen Offensiven bis zum 15.Juli 1918 plötzlich überall, und die früher noch ertragenen Ausfälle in den Reihen der mit massiver Überlegenheit attackierten Stellungstruppen waren weder auf dem Schlachtfeld zu kontern, noch mit einem militärisch gerechtfertigten oder zumindest propagandistisch glaubhaft vermittelbaren Attribut des „Abwehrerfolges“ auszugleichen. Das taktisch maßgebliche Verfahren der Tiefengliederung konnte mit den zusammengeschrumpften Einheiten nicht mehr funktionieren, sondern führte zu einer Zersplitterung der Kräfte. Genausowenig half es, die Tiefengliederung zugunsten einer wieder stärkeren Zusammenziehung der Stellungsbesatzungen halbwegs ad acta zu legen, da hiermit die Nachteile und Gefahren einer Einbrüchen gegenüber anfälligen Liniensicherung verbunden waren. Außerdem war eine signifikante Steigerung der Defensivkraft zwischen einer sichernden Kompanie oder dann zwei, mit nicht mehr 50, sondern 100 Mann im Verteidigungsbereich2777, nicht zu erwarten2778. Sie war rational betrachtet schon deshalb nicht auf diese Weise erreichbar, wenn die von Grund auf geschwächten Einheiten denselben Einsatzbedingungen, denen gegenüber sich numerisch gesehen stärkere Einheiten -auch noch ohne Belastung durch die psychischen Auswirkungen gescheiterter „Entscheidungsoffensiven“- schon im Vorjahr bei Cambrai nicht wirklich gewachsen gezeigt hatten, ausgeliefert wurden.

Man wurde mit jeder offensiven Aktion in der ersten Hälfte des Jahres 1918 schwächer und verfügte durchweg über keine adäquat ausgebauten Stellungen im Bereich eines nicht mit Bedacht ausgewählten, sondern zufällig entstandenen oder gar durch den Feind diktierten Frontverlaufes. Was die Motivation der Soldaten anbelangt, so ist schließlich, wenigstens aus der Rückschau des sehr viel später Geborenen heraus betrachtet, überaus erstaunlich, daß sich auch in den letzten Monaten des Krieges Beispiele für verbissenste Gegenwehr finden lassen, die zur entscheidenden Bedeutung eines „verdeckten Militärstreiks“ im Sinne Deists oder derjenigen wehrkraftzersetzender politischer Einflüsse aus der Heimat nicht so recht passen wollen. Die hohen Gefangenzahlen und das Mitte des Jahres vereinzelte Auftreten von Bildern wie dem in Ludendorffs Kriegserinnerungen verewigten Lautwerden des Rufes „Streikbrecher“ bei Amiens erklären sich aus der Frustration und dem Schrecken der Soldaten gegenüber einem nunmehr vollends offensichtlich, unendlich überlegenen Gegner mit seinen gepanzerten Angriffsspitzen, seiner Unterstützung durch unbehelligt agierende Schlachtflieger und anscheinend unerschöpflichen Infanteriemassen sowie aus dem völligen Scheitern des eigenen taktischen Abwehrverfahrens aufgrund mangelnder eigener Kräfte.

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War man wie beispielsweise bei Missy am 18.Juli 1918 einem massierten feindlichen Stoß, gleich, ob dieser nun in erster Linie durch Tanks, mit Tanks oder primär von Infanteriewellen in sonst nur von den Russen bekannter Dichte2779 getragen wurde2780, ausgesetzt, konnte weiterer Widerstand abgeschnittener Teile nur so lange sinnvoll und vertretbar sein, wie Opfer durch das erkennbar wirksame Binden feindlicher Kräfte gerechtfertigt erschienen und Aussicht auf Entsatz bestand. Nichts davon war gegeben, denn im Gegensatz zum Gegner verfügte man selbst nicht mehr über die Mittel des vorherigen Jahres2781 und war vor Ort auch nicht dazu gewillt, das bis dato schon bis an die Grenze des Machbaren praktizierte Aus- und Durchhalten in solch verzweifelter Lage über „die letzte Patrone“ hinaus auch tatsächlich „bis zum letzten Mann“ zu suchen. Schließlich, und zu der Erkenntnis, daß hierzwischen und den Gefechtsleistungen der Truppe ein elementarer Zusammenhang bestand, kamen deutsche Militärs in führenden Positionen wie Generaloberst von Einem offenkundig während des Krieges gar nicht und später nur unter verklärendem Einfluß von Frontkämpferpathos, war man bereits mit dem „letzten Mann“ ins Gefecht gegangen. Jedermann konnte sehen, wie die winzigen Kompanien in der Folgezeit von 50 bis auf zuletzt 10 Mann2782 zusammenschrumpften. Umfangreiche Truppenauflösungen als Abhilfen gegen Mannschafts-, Führer- und Ersatzmangel in bestehenden Formationen belegten und belegen den unaufhaltsamen Verfall des Heeres zudem2783.

Für eine in ihren personellen Mitteln eingeschränkte oder „arme“ und eine an ihren materiellen Möglichkeiten gemessen zuletzt wohl sogar „armselige“ deutsche Kriegführung2784, die im Laufe des letzten Kriegsjahres zu allem Überfluß auch genötigt war, Soldaten das Häuten allerlei Vierbeiner zugunsten der Kriegsrohstoffgewinnung finanziell schmackhaft zu machen2785 und bis Kriegsende nicht einmal mehr dazu in der Lage war, 150 LKW mit 5,7cm Beutekanonen zu bestücken, um sie gegen die als psychologisch besonders wirksamen erkannten gepanzerten Spitzen feindlicher Angriffe schnellstens ins Feld zu führen, gab es nach den horrenden Ausfällen2786 durch die eigenen Offensiven 1918 keine Chance mehr, den Alliierten an der Westfront mit Siegeszuversicht entgegentreten zu können. Die große Zäsur war das auf deutscher Seite von verlustreichsten Verzweiflungsangriffen sowie zunehmender Agonie und Lethargie geprägte Frühjahr 19182787. Mit ihr hatten britische und französische Kampfwagen sowie fehlende deutschen „Tankmassen“ und auch die Tankabwehr im Gesamtmaßstab der Operationen wenig bis gar nichts zu tun, wie auch Marwitz eingestand, als er Anfang Oktober die Lage betrachtete:

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„Ich weiß die Bedingungen Wilsons nicht genau, aber das weiß ich, daß meine Divisionen nicht ausreichend aufgefüllt werden können, so bei der 2. und ebenso bei der 5.Armee; es fehlt uns also der Ersatz. Dieses Eindrucks kann man sich nicht erwehren und mit unzureichenden Kräften kann man auf Dauer nicht fechten. Die Verhältnisse sind unseren Gegnern genau bekannt. Sie wissen, daß sie ihnen ihre Erfolge verdanken, und da liegt’s nahe, daß sie die völlige Niederwerfung, völligen Sieg erreichen wollen.“2788

14.3 „Verhalten der Führung“.

Das Verhalten der militärischen Führung stand und steht als Dauerthema bis heute im Zentrum der Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg. Bei den Franzosen, das ist in Form ungeklärter Fragen rund um die „Nivelle-Offensive“ von April 1917 besonders ersichtlich2789, gibt es Zweifel an der Kompetenz ihrer Generalität des Weltkrieges, und so wie es sich heute auch internettechnisch fassen läßt, liegt für den Bereich des früheren britischen Empire unter der Überschrift „Lions led by Donkeys“ dezidierte Kritik an Haig und seinen Generalskollegen vor2790.

Das Für und Wider hierbei faßbarer Anschuldigen und Vorwürfe, in deren Zentrum erschreckend und unnötig große Opfer der khaki oder horizontblau gekleideten „Löwen“ stehen, die durch ineffiziente Strukturen sowie Skrupellosigkeit, Unwissenheit und Verantwortungslosigkeit einer Riege von „Eseln“ in hohen Positionen verursacht wurden, braucht an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden2791. Einige signifikante Beispiele wie etwa die Uneinsichtigkeiten Nivelles bis zum Desaster ab Mitte April 1917 oder die Vernachlässigung des bei Cambrai gewonnenen Raumes durch die britische Führung bis zum unerwartet heftigen deutschen Gegenangriff am 30.November 1917 sind den Kapiteln der vorliegenden Arbeit auffindbar. Für die alliierte Seite der Front und bezogen auf die „Tankfrage“ sei einmal mehr auf Fuller verwiesen, dessen Schriften nicht nur nicht mit Kritik an den Vorgesetzen auf vielerlei Gebieten im Bereich der Schnittstellen von Militär, Rüstung und Politik in der Heimat sowie hinsichtlich der Operationsplanung und Truppenführung an der Westfront sparen, sondern zudem darauf verweisen, daß der gegen die 3.OHL erhobene Vorwurf des „Versagens“ auf dem Sektor des Tankbaues genausogut der britischen Generalität zu machen ist2792.

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Den Unterschied zwischen letztlich dann doch recht zahl- und vor allem hilfreich zur rechten Zeit ins Feld geführten Tankeinheiten seitens der Alliierten und nur einer handvoll Kampfwagen bei den Deutschen machten diesen und vorausgegangenen Ausführungen gemäß drei Bereiche aus:

Die Verfügbarkeit rüstungstechnischer Kapazitäten, die Modifikationen der Angriffsweise durch den Zwang der Notlagen von 1917 und halbwegs günstige Ausgangsbedingungen, um Visionäre und Reformer als Trumpfkarten an entscheidender Position jederzeit ausspielen zu können.

In Frankreich war der spätere Schöpfer der artillerie d’assaut, Estienne, als Fachmann für moderne Artillerietechnik und die junge Militärfliegerei bereits vor 1914 zu Ansehen gekommen2793, da er Wege zu eröffnen schien, die numerische Unterlegenheit der französischen Streitkräfte gegenüber ihrem potentiellen deutschen Feind auszugleichen. Und im Vereinigten Königreich konnte beim aus der Not der Stunde geborenen Aufbau eines Millionenheeres während des Krieges etwa auch ein Betätigungsfeld für den gesellschaftlich umtriebigen „Berti“ Stern gefunden werden.

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Wie sah es demgegenüber auf deutscher Seite aus?

Die „feldgrauen Löwen“, die hohe Reputation beim Feind genossen und -kurioserweise über alle Vorkommnisse des Jahres 1918 hinweg- wenigstens eine Weile in die eherne Form eines „Frontkämpfermythos“ gegossen waren, gelten in der Militärgeschichtsschreibung bis heute als hervorragend organisiert und geführt2794.

Während am Kern dieser Aussage nicht gerüttelt worden zu sein scheint, ist der Nimbus des „unbesiegten Frontsoldaten“ allerdings vergangen und einem menschlicheren Antlitz der deutschen Kriegsteilnehmer gewichen. Von der Aura besonders effizienter und geschickter deutscher Kriegführung in den Jahren 1914-18 auf höchster Ebene ist kaum etwas geblieben, auf das nicht der Schatten von Vabanquespiel, Fehlentscheidungen und Hybris fällt. Die Tankfrage stellt hierbei nur einen Teilsektor dar, allerdings einen mit erheblichem Symbolwert, welcher sich gemäß der Argumentationsmuster des in der Einleitung vorgestellten „populären“ Bildes aus der Ablehnung des Panzerfahrzeuge von Burstyn 1911, vernachlässigtem Bau von Tanks und Tankabwehrwaffen 1917 und den „Quittungen“ für diese Uneinsichtigkeiten im Jahre 1918 ergibt.

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Wie gezeigt wurde, ist dieser Symbolwert allerdings nicht unbedingt mit den Realitäten in Einklang zu bringen. In Form bescheidener Gefechtsleistungen feindlicher Tanks sowie mit dem Funktionieren des eigenen Abwehrverfahrens lagen durchaus rationale Gründe für eine Geringschätzung der Kampfwagen bis Ende 1917 vor. Der deutsche Verzicht auf einen forcierten Tankbau im Frühjahr 1917 ergibt sich aus diesen Tatsachen genauso wie aus begrenzten Rüstungskapazitäten, die nach Wrisbergs Meinung wohl zu keinem Zeitpunkt so gegeben waren2795, als daß man Tanks nicht als „Luxuswaffe“ hätte betrachten dürfen. Dieser Aspekt sollte heute wenigstens als zusätzliche und als plausible Erklärung für die tankbezogenen „Fehlentscheidungen“ der OHL in Betracht gezogen werden. Daß die Niederlage 1918 viel stärker durch die Auswirkungen eines sich extrem verschlechterten Verhältnisses der Kräfte als durch Tankmassen verursacht wurde, kann zudem nicht mehr fragwürdig sein.

Für die damaligen Verantwortlichen bedeutete letzteres insofern ein grandioses Dilemma, als daß sich die Schuldfrage sowohl für das Mißlingen und die Chancen deutscher Entscheidungsoffensiven 1918 als auch für die zweifelsfrei vermeidbaren Opfer der anschließenden Monate und das niederschmetternde Kriegsende aufdrängte. „Antworten“ wurden von namhaften Militärs nach 1918 reichlich und mit dem klar erkennbaren Charakter mehr oder weniger prophylaktisch geäußerter Rechtfertigungen und Ausreden präsentiert. Spätestens seit Ludendorffs Kriegserinnerungen von 1919 nahmen Tanks hierbei eine besondere Stellung ein, die als indirekte Aufforderung an alle früheren Kameraden verstanden werden muß, von den eklatanten Fehlern in allen Bereichen und auf allen Führungsebenen abzulenken, um das Ansehen des deutschen Militärs und seiner Protagonisten –nicht zuletzt der jeweils eigenen Person- zu schützen.

Abstriche beim Eingehen auf dieses Angebot betrafen der Tendenz nach vor allem die Wandlung des von Ludendorff als „wehrkraftzersetzend“ unterwandert gekennzeichneten Heeres hin zur Präsentation einer unbesiegten Schar „Feldgrauer“ und ein hier und dort schließlich doch härteres „Zupacken“ gegen die Person des Ersten Generalquartiermeisters, sein engeres Umfeld und gefällte Entscheidungen wie etwa im Zusammenhang mit der Offensive vom 21.März 1918.

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Asprey nannte in diesem Kontext die Namen einiger zeitgenössischer Kritiker. Darunter befanden sich neben Persönlichkeiten, die sich wie General Hoffmann quasi von Natur aus oder wie Conrad von Hötzendorf und Prinz Max von Baden wegen ihrer Stellung sowie menschlicher Friktionen halber kaum jemals uneingeschränkt Ludendorffs Argumentationen hätten anschließen können, beispielsweise Kronprinz Rupprecht und Thaer2796. Deren Verlautbarungen sind absolut lesenswert, von allergrößtem Interesse und stellen verschiedenste Aspekte des Führermythos „Hindenburg-Ludendorff“ auf einen harten Prüfstein- da wird man Aspreys einleitenden Ausführungen zu seiner Arbeit über die 3.OHL uneingeschränkt zustimmen können. Die Gefahr besteht allerdings darin, den in diesem Gewand daherkommenden Ansichten so weit zu folgen, daß „Esel“ durchweg an Karten- und Schreibtischen des Großen Hauptquartiers2797, des Generalstabes oder des Kriegsministeriums ausgemacht werden, während man „Löwen“ nicht nur in den Schützengräben, sondern in erheblichem Ausmaß auch in „frontnahen“ Stäben und sogar bis hinauf in die Spitze von Heeresgruppenkommandos zu erkennen meint. Zu leicht glaubt man diesen, sie hätten in bester Absicht nichts anderes verfolgt, als aus wechselnden Stimmungslagen des faktisch hauptverantwortlichen Ludendorff und aus den von ihm auf Grundlage abwegiger Auffassungen gegebenen Befehlen das denkbar Beste zu machen. Kuhl hielt exemplarisch für dieses Bild anläßlich einer Aussprache mit Hindenburg erzürnt in seinem Tagebuch fest:

„Also alle anderen sind schuld, nur nicht die O.H.L.! Tatsächlich ist es umgekehrt. Die Offensive über die Marne war leichtsinnig, da man den Flankenangriff kommen sah und da man wußte, daß der Ersatz zu Ende war und wir uns völlig verausgabten.“2798

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Nach Betrachtung der Grundlagen der mit einem sozusagen deutschen „Lions led by Donkeys“-Komplex und eben dem Kriegsende eng verbundenen „Tankfrage“ sind derart extreme Schuldzuweisungen weitestgehend unhaltbar.

Thaers persönliche Erinnerungen, bei deren Authentizität man sich auf den Editor, Kaehler, zu verlassen hat, weisen gelinde gesagt „Merkwürdigkeiten“ auf. Die von ihm anscheinend früh vorhergesehene Bedeutung der Tanks ist bereits bei Arras erkennbar, wo von ihm ein tatsächlich niemals existenter durchgebrochener Tank als Bedrohung aufgefaßt wird und er behauptet, in Form bespannt bereitgehaltener Feldartilleriebatterien ein neues Tankabwehrverfahren gefunden zu haben. Das Verfahren war nachweislich bereits früher empfohlen worden und das von ihm unterzeichnete Merkblatt zur Kampfwagenbekämpfung nach den Erfahrungen bei Arras stand trotz der vermeintlich vorausschauenden und die OHL anklagenden Worte Thaers in Kaehlers Tagebuchedition keineswegs im Gegensatz zu damaligen Anweisungen und Sichtweisen. Hatte Thaer durch Zufall einfach nichts von den im Frühjahr 1917 reichlich kursierenden Mitteilungen zur Kenntnis genommen und im Befehlsbereich seiner Gruppe Arras tatsächlich ein „neues“ Tankabwehrverfahren erfunden? Oder, diese Begründung mag auch möglich sein, hatte er das Merkblatt des Gruppenkommandos nur dergestalt konform verfaßt, um bei Soldaten Zutrauen zu schaffen, wo die Richtigstellung der von uneinsichtigen Vorgesetzten dauerhaft bestimmten „Wahrheiten“, nur panische Reaktionen im Heer hervorrufen konnte? Thaers vermeintlich prophetische Aussagen zum Tank in der flandrischen Schlammwüste von 1917, wo sich das Fehlen deutscher Tanks angeblich überaus negativ ausgewirkt haben soll, fiel real jedenfalls mit Goughs verheerendem Urteil „Tanks are no good on a battlefield“ zusammen.

Auch Kronprinz Rupprecht, der sich -zusätzlich zu allen persönlichen und fachlichen Differenzen aus der Kriegszeit- zu Beginn der 1920er Jahre mit Ludendorff in einem „Ehrenstreit“ befand2799, welcher schließlich zur Verbannung des ehemaligen Ersten Generalquartiermeisters und Ehrenvorsitzenden aus dem Bund Bayerischer Offiziere führte, vergaß in seiner Position als Kommandeur einer Heeresgruppe mehr als einmal, die mit seinen Stellungen als Thronfolger und Heeresgruppenkommandeur verbundene Verantwortung. Diesbezüglich findet sich im Rahmen der vorliegenden Arbeit einmal -Rupprechts rechte Hand Kuhl war an all dem unzweifelhaft intensiv beteiligt- die Affäre Nagel. Mit der Tankfrage und dem Kriegsende scheint sie auf den ersten Blick kaum etwas zu tun zu haben, sondern entweder mit der Abstrafung eines unfähigen Generals, oder mit der Begleichung persönlicher Rechnungen in einer Situation, in der nach präsentablen „Schuldigen“ für eine Niederlage gesucht wurde. Tatsächlich kulminiert in diesem Beispiel einiges mehr, nämlich ein bei Ludendorff ausgeprägtes Gebaren, das nach schnellen Antworten verlangte sowie ziemlich unreflektiert zu überstürzten Reaktionen –im Zweifelsfall zu Personalentscheidungen- neigte und von Untergebenen ohne lauten Aufschrei mehr oder weniger gütlich hingenommen wurde. Rupprecht und Kuhl hatten jedenfalls in diesem Fall kein Problem mit der Opferung des Stabschefs des AOK 6, die den Blick auf wahre Gründe der Krise vom 9.April 1917 bei Arras kaschieren konnte. Die zweite Situation in der Rupprecht beziehungsweise sein Heeresgruppenkommando besonders unrühmlich auffällt, findet sich im Vorfeld des 8.August 1918, als man die Meldung über auffahrende Tanks zwar weitergab, gleichzeitig aber weder Alarm- und Tankabwehrbereitschaft befahl, noch für eine signifikante Verstärkung des betroffenen Abschnittes der 2.Armee sorgte2800. Und dabei waren die ersten und viele der folgenden Erfahrungsberichte aus dem Zusammentreffen mit Kampfwagen sowie die darin enthaltenen und noch 1918 geltenden Empfehlungen beim Umgang mit tankgestützten Feindangriffen auf die Heeresgruppe, also auf Rupprecht und Kuhl, zurückzuführen.

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Solche personenbezogenen Beispiele, wie sie hier exemplarisch für Thaer und Rupprecht angeführt wurden, lassen sich in sehr großer Zahl und tatsächlich auch in voller Bandbreite der Führungsverantwortlichkeiten deutscher Generale finden.

So ist für den 8.August 1918 in Ergänzung der Versäumnisse der Heeresgruppe Rupprecht anzumerken, daß offenkundig nicht nur sie ihre eigenen Weisungen und Ratschläge vergessen hatte. Das AOK 2 General von der Marwitz', welches schon bei Cambrai einer von oben diktierten Lageauffassung gefolgt war, zog keine eigenen Schlüsse aus der Mitteilung der Heeresgruppe zu den im Anmarsch gemeldeten Tanks, die wenigstens die Alarmbereitschaft ihrer dezimierten Verbände hätte garantieren können. Stattdessen glaubte man, daß ein Großangriff nicht bevorstehe und präsentierte selbst Jahre später in den „Erinnerungen“ von der Marwitz nur Hinweise auf ein bösen Vorurteilen entsprechendes Treiben im Armeestab vor dem 8.August 19182801.

Im Sinne der Affäre Nagel sind etwa die Erlebnisse Gallwitz' oder das Verhalten des AOK 2, der Heeresgruppe Rupprecht und der OHL gegenüber Moser nach dem bei seiner Gruppe geradezu „befehlsgemäß“ gescheiterten Gegenangriff am 30.November 1917 zu nennen. Wahrheiten zu sagen oder gegebenenfalls auch eingestehen zu müssen, fiel Untergebenen aller Dienstgrade offenkundig so schwer wie den Vorgesetzten, hiermit so umzugehen, daß nicht Augenwischerei, Selbstbetrug und Notlösungsrezepte mit minimaler Halbwertzeit herauskamen. Andererseits nutzten Untergebene auf Divisions- und Gruppenebene ihre Berichte vor den unübersehbaren Katastrophen ab Mitte 1918 offenkundig nur selten, um solche „Wahrheiten“ in ummißverständlicher Form, welche Verhandlungen über Sachverhalte hätte ermöglichen können, zur Sprache zu bringen. So war der Kommandeur der Gruppe Caudry nach November 1917 darauf bedacht, kritische Stimmen zu den Grundlagen des 20.November zum Schweigen zu bringen, und am Beispiel des Offizierstellvertreters Jaffé und seinem Bericht über die Nahkampfbatterien im Frühjahr 1917 kann man ablesen, daß es nicht ungefährlich war, Mängel deutlich anzusprechen.

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Eine den Realitäten angemessene Auswertung von Kampfgeschehen kam solchem Verhalten gemäß vielfach gar nicht zustande, und wenn es einem aus seiner Sicht ungerechtfertigterweise in Mißkredit gebrachten Kommandeur überhaupt einfiel, seinem Unmut an höherer Stelle Luft zu machen, dann geschah dies entweder erst in der Schlußphase des Krieges, als es für Fehlerdiagnosen definitiv zu spät war, oder offenkundig nicht selten durch anonyme Schreiben an die OHL, wie sie sich in den Unterlagen Geyers noch heute finden lassen2802. Es ist kein Wunder, daß die Heeresgruppe Kronprinz am 27.August 1918 darauf verwies, wie stark sich die tatsächliche Lage an der Front vom Lagebild der höheren Führung unterschied2803. Diesen Zustand wird man allerdings nicht primär der OHL anlasten können, sondern vor allem dem Heeresgruppenkommando selbst. Daß dessen Führer, der Deutsche Kronprinz, in seinen Memoiren keinen Platz für Ausführungen zu diesen Dingen ließ und sich während des Krieges in Kritik an der 3.OHL erging2804, um dieser noch im Oktober 1918 Vorschläge zu einem „Verzweiflungskampf“ als Ausweg aus der strategischen Lage zu unterbreiten, spricht für sich genommen bereits Bände über das menschliche und führungstechnische Klima rund um die Spitzenpositionen des Heeres.

Hingewiesen werden muß auch auf die in so vielen Darstellungen sogar bis heute enthaltene Absurdität von „Überraschungen“. Lange vor dem 18.Juli 1918 und den an ihm angeblich erstmals und überraschend auf- sowie in großen Mengen aus scheinbar unerwartetem Nebel hervorgetretenen leichten Tanks vom Typ FT-17 hatte der Nachrichtenoffizier des AOK 2 von ihrer Existenz und Massenproduktion berichtet. Ein erbeutetes Exemplar war der OHL zuvor bereits -aber tatsächlich ohne greifbare Konsequenzen- überwiesen worden. Der Nebel, die vom Feind nach einem verschleierten Aufmarsch für einen Angriff genutzten frühen Morgenstunden und mit Gewißheit zu erwartende größere Mengen verbesserter Tanks waren schon 1916/17 Inhalt von Mitteilungen aller Führungsebenen gewesen2805.

Was sollte es angesichts dieser Verhältnisse einem Theodor Freiherr von Watter und den ihm unterstellten Divisionen im Juli 1918 nutzen, vor der Katastrophe in seinem Gruppenabschnitt um Ablösungen und Verstärkung zu bitten oder danach seinem Unmut gegenüber einer fahrlässig von Vorgesetzten herbeigeführten Lage zu artikulieren, wenn bei diesen mehr oder wenige vollständige Klarheit über die grundsätzlichen Lageverhältnisse herrschte und notwendig erkannte Bemühungen um frische Kräfte -„wahrscheinlich weil wir wußten, dass die O.H.L. keine hatte oder keine mehr herausgeben wollte oder konnte“2806- unterblieben?

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Die Lage war nach März und erst recht ab Mitte Juli 1918 verzweifelt. Und sie war dies, weil zum Faktor effizienterer Angriffsmethoden beim Feind und einem durch die Verluste bis Mitte des Jahres gravierend verschobenen Kräfteverhältnis die Nachteile einer ehedem einmal erfolgreichen Armeeorganisation mit zuerst bewährten und eingespielten, dann verfahrenen und zuletzt gar festgefahrenen Strukturen kamen2807. Die Wirkung alliierter Tankeinsätze wurde durch diese in hohen und höchsten Stäben während des Krieges erkennbare Tendenz in einem nicht unbeträchtlichen Umfang gesteigert. Die Übersteigerung der Wirkungsweise von Kampfwagen aber verließ die Basis jeder Realitätsnähe aus einem bestimmten Grund, den schon Fleischer in seiner Dissertation anführte:

„In der nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland erschienenen Literatur wurde oft zur Rechtfertigung der Niederlage von 1918 als eine wichtige Ursache auf das massenhafte Vorhandensein von Panzern auf Seiten der Entente verwiesen. Das war ein Versuch, die Verantwortung für die Niederlage des deutschen Imperialismus auf die Militärtechnik und die für ihre Beschaffung zuständigen Dienststellen zu reduzieren.“2808

14.4 Fazit.

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Britische und französische Tanks fügten den deutschen Truppen an der Westfront erheblichen Schaden zu. Hierfür waren die Bemühungen der alliierten Militärs, den Kampfwageneinsatz effektiver zu gestalten, ein für die Deutschen immer ungünstigeres Kräfteverhältnis und der Unwille ihrer Führung, mit althergebrachten Verfahrens- und Sichtweisen zu brechen, um den Realitäten ins Auge sehen und daraus die richtigen und ihrer Verantwortung entsprechenden Schlüsse zu ziehen, die Ursachen. Demgegenüber konnte es nur noch von untergeordneter Bedeutung sein, daß ein guter Teil des von Hindenburg angesprochenen „Vertrauens“ in die Leistungsfähigkeit deutscher Soldaten bis zuletzt gerechtfertigt war. Mit Tanks und einem naturgemäß immer wieder auftretenden „Tankschrecken“ lokal fertig zu werden, Einbrüche abriegeln und angegriffene Frontabschnitte für einen Moment noch konsolidieren zu können war eines. Die hierbei entstandenen Ausfälle sowie ein psychisches Debakel für die stets unterlegenen eigenen Soldaten und ihre auf ein baldiges Kriegsende hoffenden Angehörigen in der Heimat nach dem Sturz aus höchsten Höhen der Siegeshoffnung im Frühjahr 1918 zu kompensieren, war etwas völlig anderes.

Fern ihrer tatsächlichen taktischen Bedeutung, die selbst Foch für begrenzt hielt2809, lösten die in den letzten Monaten der Kampfhandlungen an der Westfront den alliierten Angriffen vorausrollenden Tanks die das Kriegsbild zuvor dominierende Artillerie in ihrer Symbolwirkung ab und wurden zum Sinnbild alliierter Überlegenheit. Dies geschah mit einiger Berechtigung, aber doch ohne die reale Basis dafür, dem neuen Kriegsmittel darüber hinaus eine dezidiert „kriegsentscheidende“ Bedeutung beimessen zu können. In dieser Hinsicht waren Tanks nur eine einzige militärtechnische Innovation des Weltkrieges, welcher ein Platz neben vielen anderen und nicht vor diesen eingeräumt werden muß.

Ein großes Hemmnis bei einer zutreffenden Verortung der Bedeutung von Tanks stellte der Versuch militärischer Kreise nach 1918 dar, Kampfwagen als Vehikel zur Verschleierung von eigenen Fehlern und mehr oder weniger allgemeinen Mißständen im Diskurs um den Kriegsverlauf und das Kriegsende zu nutzen. Diese Anstrengungen waren recht erfolgreich wie man an der Existenz des in der Einleitung skizzierten „populären“ Bildes ablesen kann.

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Argumentativ waren sie lächerlich und obskur, denn hinter jedem tatsächlich auf dem Sektor der „Tankfrage“ zu unterstellenden Versagen scheinen elementarere und gravierendere Fehler einzelner und des –wie Fleischer in Anlehnung an die Terminologie der ostdeutschen Geschichtsschreibung sagte2810- deutschen „Imperialismus“, nämlich des etablierten militärischen und politischen Systems und seiner vielfältigen Auswüchse überaus deutlich durch.

Belege hierfür und die Unsinnigkeit der Vorstellung von „kriegsentscheidenden“ Tanks, zudem auch für die Abwegigkeit der von deutschen Militärs formulierten These, militärisch unbesiegt geblieben zu sein und von ihrer Warte aus alles getan zu haben, um die Niederlage abzuwenden, füllen die Seiten der vorliegenden Untersuchung.

Aus dem ihr zugrundeliegenden Quellenmaterial sei zum Abschluß ein den Aufzeichnungen Kuhls entliehenes Zitat angefügt. Einmal mehr unterstreicht es, wie weit auch zwischen deutschen militärisch Verantwortlichen in den letzten Monaten des Krieges offen diskutierte Ansichten von dem abwichen, was sie selbst und viele andere nach November 1918 als Hauptursachen für die Niederlage anführten:

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„Die Lage auf dem Balkan ist hoffnungslos. Nun wird die Entente auf Konstantinopel marschieren. Österreich kommt in die schwierigste Lage. Die Rumänen sind höchst unsicher. [Kuhl zitiert Ludendorff:] ‚Der Feldzug ist durch die Ereignisse auf dem Balkan verloren.’ – Also nun gibt Ludendorff zu, daß der Krieg verloren ist. Aber nicht nur durch den Balkan!“2811

Man kann Kuhl nur beipflichten, denn auch die Situation an der Westfront, in Italien, in der Luft, zur See und in der Heimat war trostlos geworden. Eine Hervorhebung der Tanks sucht man hier, bei der Betrachtung der Gesamtlage aus gutem Grund vergeblich.


Fußnoten und Endnoten

2742  Wegen des zusammenfassenden Charakters der Schlußbetrachtungen wurden wie in Kap. 13. auch hier weitgehend auf Querverweise verzichtet.

2743  Siehe dazu Wrisberg, S. 158, Muther, S. 113f., und Fleischer: Die Entwicklung der Panzerabwehr, S. 13f.

2744  Siehe Kuhl: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der Offensive, S. 81.

2745  Siehe bspw. BA-MA, RH 61/50138: Manuskript Solgers zu „Wandlungen des Feldherrnbegriffs von der Zeit Moltkes bis zum Ende des Ersten Weltkrieges“ von Juli 1944, S. 18f., und ebenda, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 319: „In der Heimat waren [bei Kriegsende] alle Maßnahmen getroffen, um dem Heere 1919 800 LK II-Wagen und eine noch nicht bestimmte Zahl Kampfw. ‚Oberschlesien’ [eines schweren Typs] zuzuführen. Eine Vergrößerung dieses Programms war möglich und auch ins Auge gefaßt.“ Ergänzend sei zum Typ „Oberschlesien“ angeführt, daß Anfang Oktober 1918 noch zwei Prototypen von der OHL in Auftrag gegeben worden waren, diese aber bis Kriegsende nicht mehr fertiggestellt wurden; siehe dazu ebenda, S. 253.

2746  Bauer teilte in seinen Erinnerungen mit, daß er sich bei der Entlassung Ludendorffs krankmeldete, was dem Wunsch entsprach, sich dem seinerseits so tragisch empfundenen Schlußakt des Krieges ganz bewußt zu entziehen; siehe dazu Bauer: Der große Krieg, S. 254f. Vor diesem Hintergrund wird man getrost von „Desertion“ sprechen können. Einen besonderen Beigeschmack erhält seine Handlungsweise nämlich, wenn man bedenkt, daß vergleichbares Verhalten von Mannschaften des Heeres, welche im Zweifelsfall für sich in Anspruch genommen haben können, sich einem „tragisch empfundenen“ und an der Front dazu noch vielleicht sogar blutigen Schlußakt zu entziehen, von bestimmten Kreisen mit dem Stigma der „Drückebergerei“ belegt und militärstrafrechtlich mit den Tode bedroht wurde.

2747  Siehe BA-MA, RH 61/50770: Ergänzungen zu RA, Bd. 14, durch Hildebrand, S. 3. Vorgesehen waren 670 leichte Kampfwagen des Typ LK II.

2748  Siehe ebenda.

2749  Siehe Wrisberg, S. 160ff. Interessanterweise teilte selbst ein harscher Kritiker der 3.OHL, Archivdirektor Solger, der in einer Ausarbeitung über den „Feldherrnbegriff“ den von allen Verantwortlichen versäumten Tankbau als gravierendes Versäumnis anführte, die Sichtweise Wrisbergs und anderer, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad. Er schrieb: „Als in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 1917 der Gedanke einer grossen Westoffensive Gestalt anzunehmen begann, war es wahrscheinlich schon zu spät, um jetzt noch neue technische Kriegsmittel in dem gebotenen grossen Ausmasse zu schaffen.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/50138: Begleitende Ausführungen Solgers zu seiner Arbeit und die „Wandlungen des Begriffes ‚Feldherr’ von Moltkes Zeit bis zum Ende des I.Weltkrieges“ von 1943, S. 44.

2750  Kraftwagen, direkte Konkurrenten der Tanks was Betriebsstoffe und Motorentechnik anbelangt, waren nicht nur nützlich für Transporte aller Art, sondern bewiesen ihren Wert vielfach auch dann, wenn es um das rasche Heranführen von Eingreiftruppen an die Brennpunkte des Geschehens ging. In den Truppengeschichten sehr vieler, innerhalb der vorliegenden Arbeit genannter Einheiten, die in dieser Rolle auf das Gefechtsfeld kamen, wird der LKW-Transport erwähnt; siehe etwa TG RIR 52, S. 406, zu Cambrai. Zu diesem Konkurrenzverhältnis siehe Sußdorf: Das Feldkraftfahrwesen, in Schwarte: Der Weltkampf, Bd. 6, bes. S. 368.

2751  Siehe dazu bspw. Fleischer: Die Entwicklung der Panzerabwehr, S. 12, und Weeks, S. 22. Für die deutsche Seite sind in diesem Kontext die Aussagen aus dem Bereich der Heeresgruppe Albrecht zur Organisation der Feldartillerie nach dem Krieg, in denen die zukünftigen Tankabwehrfähigkeiten beziehungsweise Gefahren durch Kampfwagen bereits im Frühjahr 1917 berücksichtigt wurden, sowie die Forderung Ludendorffs nach eigenen Kampfwagen nach den Kämpfen bei Cambrai erwähnenswert; siehe HStAS, M 30/1, Bü. 72, Bl. 155: HGr Albrecht vom 16.5.1917, bzw. Abschn. 9.6.2.

2752  So etwa am 26.9. und 13.11.1916 an der Somme; siehe Abschn. 3.4.

2753  Siehe Harris: Amiens, S. 44, Balck, S. 263, und bes. Gray, S. 170ff., welche diesen schießtechnischen Fortschritt und seine Auswirkungen auf die Durchführung überraschender Angriffe herausstellten.

2754  Einen Eindruck von der Richtigkeit der Ausführungen Fullers liefern die Notizen im Tagebuch eines britischen Brigade-Kommandeurs, der noch für den 1.9.1918 festhielt, daß eine theoretische Belehrung über Tanks durch einen auswärtigen Offizier mit folgendem Tenor durchgeführt worden war: „Yesterday afternoon Captain Rochfort-Boyd came to give us a clear and most interesting lecture on Tanks, which I have not yet seen in action. He said that the Germans are terrified of them, and that they completely demoralised their defences in recent operations... .“ Der Herausgeber der Aufzeichnungen sah sich übrigens dazu genötigt, den Leser auf die in der zitierten Passage erkennbare Übertreibung bezüglich einer auf deutscher Seite vorhandenen Terrorwirkung der Tanks hinzuweisen; siehe Terraine, John (Hg.): General Jack’s Diary. The Trench Diary Of Brigadier-General J.L. Jack, D.S.O., London 32003, S. 257.

2755  Zu diesem Umstand siehe auch BA-MA, RH 61/51963: Forschungsarbeit Strube zum 8.8.1918, S. 51.

2756  Hierunter fallen die drei in Abschn. 10.2. genannten Unternehmungen vom 28.5., 11.6. und 4.7.1918 genauso wie die "zweite und dritte Tankschlacht" des Weltkrieges und die an sie anschließenden Angriffe an der Westfront bis zum Waffenstillstand.

2757  Um eine Größenordnung anzugeben, die zwar nur für die britische Seite gilt und angesichts des "Zahlendilemmas" der vorliegenden Arbeit (siehe Abschn. 1.3.) nur einem "Trend" nach eine Richtung ausweist, kann man Griffith anführen. Gestützt auf Zahlen des britischen amtlichen Werkes gab er an, daß einer Division in den Kampfhandlungen zwischen dem 15.8. und dem 11.11.1918 durchschnittlich 10 Tanks zugewiesen waren und davon statistisch nur 6 aus dem Einsatz zurückkamen. Bei geschätzten 1.015 eingesetzten Fahrzeugen des Tank Corps betrugen die Ausfälle 589 Kampfwagen, darunter 125 leichte; siehe Griffith: Battle Tactics, S. 167.

2758  Siehe Eimannsberger: Kampfwagenkrieg, S. 78. Die Personalverluste werden hier für die Briten mit 5% Toten, 17-24% Verwundeten und 2% Vermißten angegeben, für die Franzosen mit 3%, 14-19% und 2%.

2759  Siehe bspw. BA-MA, PH 5 II/147: NO AOK 5 Buchnummer 20737 vom 28.10.1918, S. 2.

2760  Dies mag man als eine Lehre des Weltkrieges für Angriffsoperationen auffassen, welche -in Guderians „Achtung-Panzer!“ mehrfach gewürdigt- durch Erfahrungen bis 1945 in ihrer Richtigkeit bestätigt worden zu sein scheint. Die besondere Beachtung der Ausfallquote bei den Tanks vor Amiens nach dem 8.August 1918 und die davon zu erwartenden Auswirkungen auf die Angriffsfähigkeit der Infanterie lag auch einer gleichsam militärtheoretischen und militärhistorischen „Lehrschrift“ von 1950 zugrunde; siehe Kearsey, A.: The Battle Of Amiens 1918 and Operations 8th August-3rd September, 1918. The Turn of the Tide on the Western Front, Aldershot 1950, bspw. S. 19ff., S. 59f. und S. 60f.

2761  Zitiert nach Eimannsberger: Kampfwagenkrieg, S. 79.

2762  Siehe etwa Smithers: Excalibur, S. 74, und Griffith: Battle Tactics, S. 58.

2763  Siehe Griffith: Battle Tactics, S. 162.

2764  Siehe Fuller: Tanks, S. 52.

2765  Siehe Liddell Hart: Foch, S. 249.

2766  Siehe Griffith: Battle Tactics, S. 162ff.

2767  Siehe bspw. Perrett, S. 66, Wright, S. 136f., oder Paschall: Defeat, S. 224.

2768  Siehe RA, Bd. 11, S. 3.

2769  Siehe dazu auch RH 61/50138: Manuskript Solgers zu „Wandlungen des Feldherrnbegriffs von der Zeit Moltkes bis zum Ende des Ersten Weltkrieges“ von Juli 1944, S. 17a.

2770  Siehe BA-MA, RH 61/50355, Bl. 424ff.: Vortrags- und Besprechungsprotokoll zum Besuch von Reichtagsabgeordneten bei der OHL am 13.7.1918, bzw. siehe Abschn. 10.2.

2771  Siehe Keil, Lars-Broder/Kellerhoff, Sven Felix: Deutsche Legenden. Vom „Dolchstoß“ und anderen Mythen der Geschichte, Berlin 2002, S. 33.

2772  Zitiert nach ohne Verfasser: Der „Dolchstoß“. Warum das deutsche Heer zusammenbrach, Berlin 1920, S. 37.

2773  Interessanterweise finden sich Beispiele dafür, daß es derartige Bemühungen linksgerichteter und/oder pazifistischer Kreise während des Krieges gegeben hat. Deren Eigengewicht darf man angesichts der Gesamtbedingungen, unter denen Front und Heimat den Krieg erlebten, allerdings gering einschätzen; siehe etwa Eildermann, Willi: Jugend im Ersten Weltkrieg. Tagebücher, Briefe, Erinnerungen, Berlin-Ost 1972, bspw. S. 367.

2774  Man denke hierbei nur an Kuhls Veröffentlichung über die Kriegslage im Herbst 1918 und die Frage des Weiterkämpfens, die nicht zuletzt den Kenner seiner persönlichen „Aufzeichnungen“ -jedenfalls des Materials, das er als solche den amtlichen deutschen Geschichtsschreibern zukommen ließ- in größte Verwunderung versetzen muß; siehe bspw. Kuhls Tagebuchnotiz zum 6.9.1918, BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 190f.

2775  Siehe Pöhlmann: Kriegsgeschichte, S. 61ff.

2776  Siehe Dietz: Der Todesgang, S. 74: „Als ein Mangel wird es aufgefallen sein, daß bei der Aufzählung der die deutsche Armee zerstörenden Ursachen noch mit keinem Worte der Tanks gedacht wurde, die in den letzten Jahren des Krieges immer dazu herhalten mußten, wenn es galt, einen Mißerfolg zu begründen.“

2777  Wie die Tagebuchaufzeichnungen des Kommandeurs der 11.b.ID in Stellung südwestlich Soissons am 17.7.1918 zu „20-25 Mann u. 15 Mann M.G.“ betonen, sind 50 Mann je Kompanie möglicherweise sogar noch zu hoch gegriffen; siehe KA, Nachlaß Paul von Kneussl, Tagebuch Nr. 17, Eintrag zum 17.7.1918.

2778  Um ein Beispiel bereits vor dem 18.7.1918 zu nennen, kann die 14.RD angeführt werden, welche der Führung wegen nachlassender Gefechtsleistungen aufgefallen war und ihr „Versagen“ auch gar nicht in Abrede stellte, sondern in Bandbreite von Überbeanspruchung, nachteiligen und schlechten Stellungen sowie Kräftemangel auf handfeste Ursachen dafür verwies; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 225, Bl. 12ff: 14.RD Abt. Ia Nr. 57/VII geh. vom 11.7.1918.

2779  Siehe KA, HS 2698: „Gefangenschaftsbericht“ des Oberleutnant v. Thoma vom November 1919, S. 4, bzw. Abschn. 11.5. und bspw. BA-MA, RH 61/51: 11.b.ID Abt. Ia Nr. 2052 vom 9.8.1918, Ziff. 4.).

2780  Vergleiche hiermit Alter: Generalobersten v. Einem, S. 428 (Tagebucheintrag vom 28.8.1918): „Die OHL. hielt die Tanks für ein überwundenes Kampfmittel, ließ keine bauen und muß nun erleben, daß der Feind alle seine Erfolge fast nur den Tanks verdankt. Durch sie nimmt er unsere, sich immer noch vor ihnen graulende Infanterie massenhaft gefangen. Das ist ein Verlust, den wir nicht mehr lange ertragen können, denn es fehlt uns an Nachersatz.“ Ohne Anspielungen auf Tanks sagte der Führer der 3.Armee in seinen Erinnerungen dagegen sehr viel näher an den Realitäten der Westfront 1918 orientiert: „Im blutigen feurigen Endkampf des Krieges, als das Eisenmaterial der Fabriken der ganzen Welt sich hemmungslos auf die halb verhungerten, verlausten und abgerissenen deutschen Infanteristen ergoß, als eine neue, wohlgenährte amerikanische Armee und alle übrigen Feinde ansetzten, gleichzeitig an allen Stellen der deutschen Front den Todesstoß zu versetzen, [...:] da sind es immer dieselben gewesen, erst Kompanien von 50, dann zu 40, schließlich zu 10 Mann, die in geradezu einzig in der Geschichte dastehender Hingebung und Tapferkeit der Welt ein Beispiel dafür gegeben haben, daß Idealismus größer ist als Materialismus.“ Zitiert nach Einem, Karl v.: Erinnerungen eines Soldaten 1953-1933, Leipzig 31933, S. 188f. Läßt man die hier sichtbaren Auswüchse eines „Im Felde unbesiegt“-Frontkämpfer-Pathos einmal unbeachtet, so finden sich mit der besonderen Betonung der Amerikaner, sowie mit dem Hinweis auf die zugeschrumpften Verteidiger die beiden entscheidenden militärischen Faktoren der Niederlage. Tanks sind hierbei zusammen mit Flugzeugen, Munition und Geschützen im „Eisenmaterial der Fabriken der ganzen Welt“ subsumiert und nur ein teil der Summe alliierter Überlegenheit.

2781  Siehe dazu bspw. BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 189 (Eintragung zum 4.9.1918): „Ludendorff beklagt sich immer über den starken Verbrauch an Divisionen, schlechte Führung, aber das sind gar keine Divisionen mehr. Man kann mit ihnen gar nicht aus der Tiefe fechten. Sie sind viel zu schwach dazu. Man kann auch den Abschnitt gar nicht damit besetzen wie früher.“

2782  Siehe Einem: Erinnerungen, S. 188f.

2783  Cron gibt an, daß im August 1918 neun, im September 12, im Oktober fünf und im November eine Division „aus Gründen der Ersatzlage und mangelndem inneren Wert der Truppe“ aufgelöst werden mußten; siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 105. Den desaströsen Zustand der deutschen Verbände gegen Kriegsende beschreiben die in der Beilage 2 des Bd. 6 der 4.Reihe des Untersuchungsausschusses des Reichstages zum Zusammenbruch von 1918 ab S. 321 zusammengefaßten Meldungen überaus eindringlich.

2784  Siehe dazu auch Wrisberg, S. 160ff.

2785  Siehe HStAS, M 200, Bü. 34: KM Kriegsamt Nr. L. 200/8.18 K.R.A. vom 8.10.1918. Aufgelistet sind hierin Vergütungen für die Ablieferung von Häuten und Fellen, die sich zwischen 3 RM für eine „Großviehhaut“, 2 RM für Felle verschiedener Wildtiere und 1 RM für Hundefelle (!) bewegten.

2786  Neben den hier auffindbaren Dokumenten beziehungsweise Zahlen bietet BA-MA, RH 61/51716: Anonymes Manuskript zur Ersatzlage 1917/18, auf S. 8 eine entscheidende Aussage, um die Bedeutung der Kräfte- und Ersatzlage für das Geschehen 1917/18 herauszustellen: „Sie [die OHL] hatte sich trotzdem entschlossen, den Angriff im Frühjahre zu führen. Und trotz der Ersatzlage oder gerade ihretwegen blieb ihr gar nichts anderes übrig. Eine Verteidigungsweise Führung des Krieges im Jahre 1918 hätte eine viel schärfere Aufzehrung der Reserven gebracht und dazu drohten die amerikanischen Millionenheere.“

2787  Siehe dazu auch Travers: How The War Was Won, S. 179.

2788  Zitiert nach Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 328 (Tagebucheintrag zum 6.10.1918).

2789  Ersichtlich ist dies etwa in den bis heute auffindbaren, geradezu verzweifelt-anklagenden und nicht durch den Sieg von 1918 nivellierten Epilogen zum Geschehen, die beispielsweise einen im April 1917 gegebenen festen, aber fehlgeleiteten Glauben französischer Soldaten in die eigenen Siegeschancen der Wucht der deutschen Offensive am sagenumwobenen Chemin des Dames im Mai 1918 gegenüberstellen; siehe bspw. Miquel: Chemin des Dames, S. 260.

2790  Es sei angesichts der Fülle von Ergebnissen bei der exemplarischen Eingabe dieser Phrase in eine bekannte Suchmaschine nur ein wissenschaftlich ausgerichtetes Beispiel für eine Antwort genannt, das mit weiterführenden Biographien britischer „Donkeys“ aufwarten kann: http://www.firstworldwar.bham.ac.uk/biogs.htm (Stand vom 18.02.2007).

2791  Siehe etwa Liddell Hart: The Real War, S. 276ff., mit Ausführungen zu Haig, der britischen Generalität und dem Tank, oder Harris: Amiens, S. 30, mit dem Fazit über Haigs Führung: „In theory he believed in a devoted style of command. In practice he often interfered unwisely in the plans of his army commanders, pressing for greater audacity than situations warranted and wasting British and Dominion lives as a result.“

2792  Aus den Erinnerungen sei eine Passage als Beleg angeführt, die sich aus den Erlebnissen des Tank-Fachmannes anläßlich einer Besprechung im „Großen Hauptquartier“ in London Anfang Januar 1918 über Zukunftsfragen der Tanks ergab: „Diese Zahlen brachten die Militärs in Verlegenheit und es erhob sich eine wilde Diskussion am Tisch. Sie wurde mit der Frage eingeleitet: ‚Können Tanks Kanalschleusen überqueren?’ und sie endete mit der Frage: ‚Kann eine zweipfündige Granate eine Backsteinmauer durchschlagen?’ Als das Durcheinander derart groß war, daß die Generale nicht mehr wußten, was sie sagen sollten, sagte der Admiral ganz unvermittelt, daß er 300 Mark-V-Tanks verlängern könnte, und daß er hoffe, daß dieser Typ schließlich von dem Liberty- oder Mark-VIII-Tank ersetzt werden würde. Da die wenigstens wußten, wovon er sprach, brachte jemand, der offenbar noch weniger wußte, plötzlich die Diskussion von dem größten Tanktyp auf den kleinsten, den französischen Renauld, und teilte der Versammlung mit, daß sich 9000 im Bau befänden: 2500 für die Franzosen, 1200 für die USA. und 300 für uns. Dann folgte ein peinliches Schweigen, denn offenbar hatte der Redner vergessen, wer die restlichen 5000 erhalten sollte.“ Zitiert nach Fuller: Erinnerungen, S. 200.

2793  Siehe dazu auch die diesen Umstand und die Person Estiennes besonders würdigende Einleitung General Weygands in Bourget, P.-A.: Le Général Estinenne, penseur, ingénieur et soldat, Paris 1956.

2794  Siehe dazu bspw. Chickering, S. 30ff., Harris: Amiens, S. 3ff. („German militay excellence“), Stevenson, S. 67ff., und Sheldon: Somme, S. 396ff., wo auf S. 406 über die deutsche Armee am Vorabend der Sommeschlacht 1916 geurteilt wird: „This was the army which fought the Battle on the Somme. Drawn from the whole of German society, it was of good quality, well trained, experienced and battle-hardened. It was always short of manpower and materiel, but it was an extremely effective fighting organisation.”

2795  Siehe Wrisberg, S. 160ff.

2796  Siehe Asprey: The German High Command At War, S. 10f.

2797  Ein wirklich merkwürdiges Beispiel für eine verschrobene Sicht der Dinge nennt Kuhl in Form eines Auftrittes des Kommandanten des Großen Hauptquartiers: „Gestern Abend und heute Morgen war Generaloberst v. Plessen hier. Er hat alle Armeen bereist, hat aber keinen Schimmer von der Lage. Er meint, wenn wir jetzt standhielten, hätten wir im Herbst den Krieg gewonnen! Lauter Unsinn!“ An diese Äußerung anschließend, beschrieb Kuhl selbst die offensichtlich katastrophale Situation: „Ich befürchte, wir können auch in den neuen Stellungen auf der ganzen Front den Kampf nicht durchführen. [... .] Die Berichte der Postüberwachungsstellen geben ein trübes Bild von der Mißstimmung der Truppe. Von der Heimat entwerfen alle die daher kommen, dasselbe Bild.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 189 (Eintrag zum 4.9.1918).

2798  Zitiert nach ebenda, S. 190 (Eintrag zum 6.9.1918).

2799  Siehe dazu einen Bericht über eine außerordentliche Vertreter-Versammlung am 5.11.1924 in den Mitteilungen des Verbandes der bayerischen Offiziers-Regimentsvereine, Nr. 210 vom 12.11.1924 (in Besitz des Verfassers der vorliegenden Arbeit).

2800  Angesprochen wird dieses Vorkommnis auch in BA-MA, RH 61/50157: Forschungsarbeit Förster zum Bild des „modernen Feldherrn“, S. 28. Direktor Förster nannte in diesem Kontext allerdings keine Namen und ließ das Heeresgruppenkommando auch in RA, Bd. 14, von Vorwürfen verschont.

2801  Siehe Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 301ff. (Kommentar Tschischwitz` zur Lageentwicklung bis zum 8.8.1918 und Einträge vom 5.-8.8.1918). Erwähnt werden Belanglosigkeiten, die eine völlige Ahnungslosigkeit belegen. Selbst wenn es sich bei Tschischwitz’ Edition um eine Mischung von privaten Aufzeichnungen und Briefen von der Marwitz’ handelt, bei denen Notizen zum führungstechnischen Tagesgeschäft weitgehend ausgeklammert blieben und aus Geheimhaltungsgründen wohl ausgeklammert bleiben mußten, fehlt auch im Kommentar des Herausgebers jeder Ansatz, dieses Bild zu verwischen beziehungsweise richtigzustellen.

2802  Siehe BA-MA, RH 61/50637.

2803  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: HGr Kronprinz Ia/Ic Nr. 6438 geheim vom 27.8.1918.

2804  Siehe etwa BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 194 (Eintrag zum 4.10.1918).

2805  Bezeichnenderweise auch von Mitteilungen des AOK 2 v.d. Marwitz; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Ias Nr. 294/Febr. Geheim! vom 17.2.1918.

2806  Siehe ebenda, RH 61/52, Bl. 10: Brief v. Bocks vom 6.9.1930.

2807  Gleichs Kritik zu den „Verirrungen“ des deutschen Heeres offenbaren vor allem auch Fehler, die sich bereits in der Friedenszeit eingeschlichen hatten, Dietz’ „Todesgang“ fühlte den Ursachen des Kriegsendes auf den Zahn und Hobohms Gutachten für den Untersuchungsausschuß des Reichstages bot einen erstaunlichen Einblick in die während des Krieges aufgetretenen Mißstände aller Art. Die in den drei Titeln angesprochenen Problemfelder im Spektrum von Vetternwirtschaft, beschönigenden Berichten, übersteigerter Karriereorientierung, „Generalstabswirtschaft“ oder etwa Überheblichkeiten finden ihre Beispiele in den Kapiteln der vorliegenden Arbeit.

2808  Zitiert nach Fleischer: Die Entwicklung der Panzerabwehr, S. 14.

2809  Siehe Foch: Kriegserinnerungen, S. 413.

2810  Siehe Abschn. 14.3.

2811  Zitiert nach BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 194 (Eintrag zum 3.10.1918).



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22.04.2008