2 „Die Zukunft ist dunkler als je.“ Die Westfront 1914-1916 und die Geburtsstunde des Tank.

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Das folgende Kapitel umfaßt einige Bemerkungen, die dem Zeitpunkt des ersten Auftretens von Tanks auf einem Schlachtfeld unbedingt vorauszuschicken sind, da der seit Ende 1914 ausgebildete Charakter der Kämpfe an der Westfront wesentlichen Einfluß auf die Schaffung und den Einsatz der neuen Waffe hatte. In welcher Form sich dieser Einfluß bemerkbar machte, mag bereits dadurch illustriert sein, daß es noch 1923, im Zusammenhang mit einer auf jüngsten Erfahrungen basierenden deutschen Vorschrift nach Kriegsende, über den „Kampfwagen“ hieß, er sei „nach dem heutigen Stand der Technik im wesentlichen eine Waffe des Stellungskrieges“106.

2.1 Der Kriegsverlauf an der Westfront bis August 1916.

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Der Bewegungskrieg von 1914 war deutscherseits darauf ausgelegt gewesen, die Gegner im Westen in einem schnellen Feldzug zu besiegen, um mit den freiwerdenden Verbänden den russischen Gegner an der Ostfront schlagen und den Krieg siegreich beenden zu können107. Daß die sich aus den Bedingungen des Feldzugsplanes entwickelnde Marneschlacht bis zu ihrem Abbruch durch die deutsche Seite einen „Kulminationspunkt des Sieges“108 bedeutete, ist die eine Seite einer Malesse, unter der die eine Entscheidung in der Offensive suchenden Heere und Heerführer aller kriegführenden Parteien zu leiden hatten. Die andere Seite, die ebenfalls für alle Kontrahenten galt, offenbarte sich, als nach dem deutschen Rückzug auf eine Linie, auf der sich die Masse des Heeres ab dem 10.September 1914 einzugraben begonnen hatte, das Auflaufen der französischen und britischen Truppen nahezu jedwede Aussicht auf ein rasches Kriegsende ausschloß109.

Belege dafür, daß keiner der Gegner über ausreichende Mengen an Kriegsmitteln verfügte, um einen langanhaltenden, auf Feldbefestigungen basierenden und einem Festungskrieg gleichenden Stellungskrieg zu verhindern, fanden sich bereits im Oktober und November 1914 in Flandern. Dort prägten für den Moment noch keine Grabenstellungen das Gefechtsfeld und als offene Flanke der Westfront bot sich der Schauplatz für eine letzte strategische Offensive der Deutschen des Jahres 1914 und vor derjenigen bei Verdun 1916 an. Die Angriffe in Flandern, die hinsichtlich jedweder überregionalen Bedeutung mit absolut unzureichenden Kräften durchgeführt wurden110, verliefen trotz großer Opferbereitschaft der Truppen, die nicht nur späterhin prägendes Element eines Langemarck-Mythos wurde, sondern auch die den ganzen Krieg über geltende Erwartungshaltung deutscher Truppenführer gegenüber der Einsatz- und Leistungsbereitschaft ihrer Verbände definierte111, desaströs und bestätigten dem Kopf der deutschen Heeresleitung, Falkenhayn, daß das Kriegsende 1914 offensiv nicht mehr zu erreichen war112. Über diese Feststellung hinaus zeigte der bisherige Verlauf der Operationen, samt des Beispiels Flandern und einer kurz danach durch die Abwehr französischer Angriffe in der Champagne zusätzlich gewonnenen Erfahrung ergänzt113, daß im Stellungskrieg der Angreifer, gegenüber einem durch Feldbefestigungen gesicherten und mit moderner Waffentechnik ausgerüsteten Gegner stark benachteiligt war und immer mit schwersten Verlusten zu rechnen hatte, ohne unter den derzeit gegebenen Verhältnissen davon ausgehen zu dürfen, seine Ziele mit den augenblicklich verfügbaren Kräften erreichen zu können114. Die Folgerung Falkenhayns aus dieser Situation und ihren rüstungstechnischen und kriegswirtschaftlichen Implikationen war, daß es jetzt um Zeitgewinn gehen mußte, der an der Westfront durch eine strikte Bindung an die Defensive erreichen war115:

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„Man durfte hoffen, daß die Zeit gewonnen werden würde, um die für einen Entscheidungsstoß wirklich ausreichenden Kräfte an Truppen und Material bereitzustellen.“116

Die mit der Wahl der Defensive für die Westfront einhergehende Verlagerung der Operationen auf den östlichen Kriegsschauplatz versprach nach Ansicht Falkenhayns zwar nicht, dort einen endgültigen Sieg über den gefährlichen russischen Gegner baldigst erringen zu können117, sie sicherte jedoch die Grenzen des Reiches, entlastete den Wiener Verbündeten und bot die Gelegenheit für wenigstens prestigeträchtige militärische Erfolge, die sich 1915 in der Tat auch einstellen sollten118. Im Maßstab der Kriegslage handelte es sich hierbei allerdings um marginale Siege, denen als Trugschluß zur Seite stand, überhaupt annehmen zu dürfen, daß Deutschland mit seinen Gegnern materiell und personell in absehbarer Zeit würde gleichziehen können119.

Deutschlands Gegner an der Westfront hatten hinsichtlich der Erfahrungen aus den letzten Kämpfen sehr ähnliche Lehren gezogen. Die französischen Verluste von 1914 waren gewaltig120 und bemaßen sich nicht allein in Verlustzahlen der Streitkräfte, sondern auch im Verlust von Landesteilen mit wirtschaftlicher und gleichsam politischer Bedeutung. Die Wahl der Defensive an der Westfront konnte daher keine strategische Option für die Fortführung der Operationen darstellen, denn die Befreiung des Nationalterritoriums von den Invasoren war Notwenigkeit und Pflicht, gleichsam ein dem Befehlshaber, General Joffre, auferlegter politischer Zwang121. Für den Juniorpartner im Westen, den britischen Verbündeten, dessen kleine Expeditionsstreitmacht 1914 ebenfalls erheblich gelitten hatte, entwickelte sich der Krieg zu einem fest mit dem französischen Schicksal verbundenen Konflikt, der mit allen Mitteln und unter allen Umständen siegreich ausgefochten werden mußte. Neben die Mitverantwortung für Frankreich und die selbstgewählte Verantwortung für Belgien trat seit spätestens Februar 1915 noch die direkte Bedrohung der britischen Inseln und Wirtschaft durch deutsche U-Boote. Auf Dauer blieb auch dem Empire nur, die wirtschaftlichen und personellen Ressourcen in die Waagschale zu werfen und in der Offensive gegen Deutschland und seine Verbündeten das Heil zu suchen.

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Die Angriffe des Jahres 1915, die durch die von französischer Seite initiierte, deutscherseits als „Winterschlacht in der Champagne“122 bekannte Operation eingeleitet wurden, zeichneten sich bereits dadurch aus, daß ein Mehr an Artillerie, Infanterie und Material aller Art eingesetzt wurde123. Die Schlachten begannen ein Ausmaß anzunehmen, dessen Materialverbrauch für Begegnungsschlachten im Stil des Bewegungskrieges allein aus logistischen Gründen undenkbar gewesen war. Der waffentechnische Fortschritt und die durch die Leistungssteigerung der Rüstungsindustrien in immer größeren Mengen verfügbaren Kriegsmittel wurden zusehends zum Kennzeichen des Krieges im Westen. Schwierigkeiten, wie sie etwa in Deutschland aufgrund des verhinderten Salpeterzuflusses für die Munitionsfertigung 1914 aufgetreten waren124, konnten überwunden werden, und die Vermehrung von Technik und Material auf beiden Seiten der Front war in vollem Gange, während sich ein unverwechselbarer Stil der Operationen als Durchbruchs- beziehungsweise Abwehrschlachten entwickelte.

Das Resultat der ersten Offensiven der Verbündeten gegen die deutschen Stellungen war niederschmetternd. Falkenhayns Vorstellungen von der Überlegenheit des Verteidigenden im Stellungskrieg und das Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit der eigenen Truppen bewahrheiteten sich offenkundig125. Die Antwort hierauf war, das Mehr an Material und Verbänden verfügbar zu machen126, das die Deutschen durch die Wirkung der Masse seiner derzeitigen Vorteile berauben und seine Widerstandskraft durch mit überlegenen Kräften und Mitteln mit Vehemenz und Elan vorgetragene Angriffe ersticken würde. 1916 rechnete man damit, daß dieses Maß an Überlegenheit vorhanden sein und sein Ausspielen an der Westfront innerhalb dieses Jahres die Entscheidung zugunsten der Entente bringen würde127.

Die deutschen Siege an der Ostfront 1915, auch die österreichisch-ungarischen Abwehrerfolge gegen den neuen Kriegsgegner Italien und diejenigen des neuen Verbündeten Türkei gegen britische und französische Truppen, waren bedeutend. Doch sie waren keinesfalls genug, um den Waffenerfolg der Mittelmächte in diesem Krieg überhaupt noch in Aussicht stellen zu können128. Was als Ergebnis dieser Erkenntnis von dem nach einem Ausweg aus der prekären Lage suchenden Falkenhayn im Winter 1915 als deutscher Plan für eine offensive Operation gegen Verdun formuliert wurde, ist legendär und zugleich berüchtigt129. Die Umsetzung der theoretischen Grundlage dieses Angriffes, in der Quintessenz das Ausspielen der taktischen Überlegenheit des Verteidigers gegenüber einem zu blindwütigen Gegenangriffen verleiteten Feind130, scheiterte aus verschiedenen Gründen, die hier allerdings nicht diskutiert werden müssen. Die mit dem heute aberwitzig erscheinenden und letztlich völlig gescheiterten Angriffsplan, dem Bild ungeheurer Mengen eingesetzten Materials und unerhörten Verlusten von jeweils deutlich mehr als 300.000 Deutschen und Franzosen131 verbundene Schlacht wurde für Deutsche und Franzosen zum dauerhaften Symbol der „Materialschlacht“ des Ersten Weltkrieges132.

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Noch während man hier beschäftigt war, diese Symbolkraft auf dramatische Weise zu rechtfertigen, entbrannte eine für die Briten nicht weniger symbolträchtige Materialschlacht.

Die Schlacht an der Somme, die nach einwöchigem Trommelfeuer mit einer bis dahin selbst auch bei Verdun nicht dagewesenen Artilleriekonzentration am 1.Juli 1916 infanteristisch begann, wurde zum Weltkriegs-Trauma des Empire. Am ersten Tag starben, und die Resonanz auf dieses Ereignis ist vor Ort zur jährlichen Wiederkehr des Datums bis heute spürbar, knapp 20.000 britische Soldaten. Rund 40.000 weitere fielen an diesem einzigen Tag zudem verwundet oder vermißt aus133. Auf den Willen zur Fortsetzung der beiden Schlachten auf britischer und französischer Seite hatten die tragischen Verlustzahlen keinen Einfluß, genauso wenig auf den Glauben, mit maximalem Materialeinsatz, der von deutscher Seite mit einer gewissen Verzweiflung wahrgenommen wurde134, doch noch die Oberhand gewinnen zu können.

Diesen Tatsachen hatte sich auch die neue deutsche Heeresleitung, die 3.OHL, unter Hindenburg und Ludendorff zu stellen, als sie Ende August 1916 ihr Amt übernahm und sich mit den Verhältnissen an der Westfront vertraut machte135. Den Befehl zu geben, das sinnlos-blutige Ringen vor Verdun im Angesicht der Sommeschlacht per Dekret zu beenden, blieb eine nur theoretisch wirksame Maßnahme136, denn die Aggressivität der beiden Hauptgegner im Westen bedingte eine deutsche Gefangenschaft in beiden Schlachten. Der Appell an die Widerstandskraft des okkult verehrten deutschen Soldaten, etwas, das sich wie ein roter Faden durch die noch folgenden Kapitel der vorliegenden Arbeit ziehen wird, und der Glaube, dem Feind so lange widerstehen zu können, bis sich seine Offensivkraft und beziehungsweise oder die politische Unterstützung für die von ihm praktizierte Kriegführung erschöpfte, waren die einzigen Hoffnungsschimmer, derer man sich in deutschen Hauptquartieren an der Westfront im Sommer und Spätsommer 1916 –die 3.OHL von hier bis zur Entlassung Ludendorffs im Oktober 1918137- hingeben konnte. „Die Zukunft ist dunkler als je“, urteilte Hindenburg Ende August 1916138.

2.2 Technik und Industrie als Urheber und Grundlage des Stellungskrieges.

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Die technischen Neuerungen, die im Vorfeld des Ersten Weltkrieges ihren Weg in die Streitkräfte der späteren Kriegsgegner gefunden hatten, waren von grundlegender Bedeutung für den Kriegsverlauf139. Allerdings gab es mit diesen Neuentwicklungen einige Probleme. Sie litten vielfach an „Kinderkrankheiten“, waren finanziell und logistisch durchaus anspruchsvoll und standen zumindest in Verdacht, Mittel für die Aufrüstung und Neubewaffnung auf Gebieten der traditionellen, in einem künftigen Krieg unzweifelhaft sinnvoll einsetzbaren Waffengattungen in Anspruch zu nehmen. Zudem läßt sich etwa bei den Luftfahrzeugen ein Wettstreit um die Anerkennung zwischen konkurrierenden Systemen unter den Augen militärisch Verantwortlicher festhalten, wobei beispielsweise in Deutschland das Flugzeug gegenüber dem bereits erprobten Luftschiff zuerst das Nachsehen hatte140. Viel dramatischer stellte sich die Lage bei den Landstreitkräften dar, wo es aufgrund der Vielzahl an wertvoll-zeitgemäß erachtetem, neueinzuführendem Material und der Vielseitigkeit der Innovationen zu finanziellen Engpässen kam141.

Ende der 1890er Jahre war der Rohrrücklauf bei der Artillerie, damit die Erhöhung der Feuerkraft der Geschütze auf dem Gefechtsfeld, technisch möglich geworden und mußte im Zeichen eines internationalen Standards eingeführt werden, um seine signifikanten Vorteile nicht potentiellen Kriegsgegnern zu überlassen. Ebenfalls um die Jahrhundertwende herum kam ein modernes Infanteriegewehr hinzu, dann das erste Serienbaumuster eines brauchbar empfundenen Maschinengewehres142.

Das Maschinengewehr kann als Maßstab für die Anforderungen genommen werden, welche die Einführung einer neuen Waffe mit sich bringen konnte. Probleme des taktischen Einsatzes innerhalb oder außerhalb der bestehenden, tradierten Strukturen, die diskutiert und in neuen Vorschriften verbindlich gelöst sein wollten: die Sicherstellung von speziell ausgebildeten Mannschaften, ein großer Bedarf an Pferden sowie an verschiedenartigster Ergänzungsausrüstung für Waffe und Bedienungen stellten sich ein143. Es dauerte in Deutschland diesen Aufgaben entsprechend bis 1908, um ein Standardmaschinengewehr einzuführen. Und dieses sollte, in Anbetracht anders gesetzter Prioritäten, die teilweise auch noch den Glauben an die überragende Bedeutung der Anzahl Gewehrträger in den Infanteriekompanien implizierte, laut Planungen erst in der Mitte der 1910er Jahre den angestrebten Verbreitungsgrad erreichen144.

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Das moderne Schnellfeuergeschütz mit Rohrrücklauf und das Maschinengewehr sind wohl die namhaftesten Neuerungen, aber bei weitem nicht die einzigen. Denn schon mit diesen beiden Waffen waren umfangreiche, weitere Umwälzungen, etwa auf dem Gebiet der Munitionsarten und persönlichen Ausrüstung des Soldaten, verbunden. Finanzielle Mittel für die Neuausrüstung des Heeres mit konkurrenzfähigen Waffen waren für diejenigen Typen vorhanden, die als unabdingbar oder als rational begründbare Improvisationen innerhalb des Massen-Volksheeres angesehen werden konnten145. Dabei spielte der Kriegsplan, der Mobilität, Feuerkraft und einer gut ausgebildeten und ausgerüsteten Masse an Soldaten ausschlaggebende Bedeutung beimaß, eine hervorragende Rolle146.

Die in der Abteilung A7V des (preußischen) Kriegsministeriums zusammengefaßten technischen Neuerungen von Luftfahrzeugen über moderne Kommunikationsmittel bis hin zu Kraftwagen konnten es nicht leicht haben. Die Kavallerie hingegen, als tradiertes Element der Landkriegführung, behielt ihre Position in der Aufklärung und für Umgehung und Verfolgung des Feindes. Demgegenüber schienen die Möglichkeiten von Kraftwagen, die während eines Kriegseinsatzes wartungsintensiv sein mußten, die technisch insgesamt noch anfällig, wenig geländetauglich, teuer und auch nicht besonders geschwind waren, keine Alternative für die allernächste Zeit darstellen zu können, nachdem die Phase erster Versuche 1899 begonnen hatte147. Die kostengünstige Alternative zum Einführen eines Fahrzeuges, nämlich im Mobilmachungsfall zumindest für den Etappen- und Sanitätsdienst auf zivile Lastkraftwagen zurückzugreifen, scheiterte an der geringen Verbreitung brauchbarer Kraftwagen in der Zivilwirtschaft. Und selbst der noch direkt vor dem Krieg unternommene Versuch, die Verbreitung eines als Muster gewählten „Armeelastzuges“ mit Subventionen zu fördern, mißlang148.

Daß man dem aufgrund der damaligen technischen Möglichkeiten zwangsweise schwerfälligen und gegenüber technischen Pannen anfälligen Prototyp des Tank den Zugang ins Arsenal verwehrte149, mag also weniger verwundern, berücksichtigt man die Finanz- und Rüstungslage sowie die Frage nach militärisch unzweifelhaft brauchbaren Waffen- oder eben hier auch Fahrzeugtypen. Letzteres mußte angesichts einer rasanten Weiterentwicklung der Technik, die ununterbrochen neue Ergebnisse zu leisten im Stande war, von Bedeutung sein, da zu frühzeitige Festlegungen die Gefahren kostspieliger Fehlinvestitionen implizierten150. Daß man mit „Kraftwagen“ –im erweiterten Sinn- auch keine „Attacke der Brigade Bredow“ wie bei Vionville 1870 reiten konnte151, mag ein weiterer Umstand gewesen sein, der nicht nur auf deutscher Seite, sondern bei allen bis 1914 dem Offensivgedanken verhafteten Heeren, Vorbehalte gegenüber jeglichen Formen einer Heeresmotorisierung bedingte. Die Zurückhaltung der Verantwortlichen gegenüber den aus der (Rüstungs-)Wirtschaft, von Privatleuten oder von (jungen152) Offizieren der Truppe vorgeschlagenen Neuerungen aller Art sind allerorten –und eben keinesfalls nur in Deutschland und nur zu diesem Zeitpunkt- feststellbar153. Im Angesicht oder unter dem verklärten Abbild der heroischen Siege und Kriegserfahrungen von 1870/71 ergrauten Generalen vor 1914 scheint es zumindest nicht leichtgefallen zu sein, sich mit den technischen Errungenschaften des frühen zwanzigsten Jahrhunderts anzufreunden und die Phantasie aufzubringen, über „Kinderkrankheiten“ und das Stigma finanziell aufwendiger Spielerei hinweg ihren tatsächlichen Wert zu erkennen154.

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Für das Deutsche Reich war es ein Vorteil, daß man auf der Seite der wahrscheinlichen Kriegsgegner, Frankreich und Belgien voran, bei einem kommenden Krieg starke Festungen würde überwinden müssen. Bei den Vorbereitungen zur nach dem Schlieffenplan zwangsweise notwendigen Überwindung dieser armierten Bollwerke und Festungsbereiche war das deutsche Militär gezwungen, immer ein Auge auf die Anforderungen eines Festungs- und Belagerungskrieges zu richten. Und es konnte dadurch Vorteile besonders auf dem Sektor der schweren Artillerie und Steilfeuerwaffen erreichen, die sich später, im dem Festungskrieg sehr ähnlichen Stellungskrieg der Jahre 1915-17, positiv bemerkbar machten155. Auch wäre es angesichts des Vorwurfes einer mit Blindheit geschlagenen militärischen Führung, die dies oder jenes, auch den Wert des ihr vorgestellten „Panzers“, lange vor Ausbruch des Krieges hätte erkennen müssen156, falsch, nicht anzuerkennen, daß neben die verschiedenen Ansätze zur technischen Modernisierung des Heeres auch neue Erkenntnisse traten, deren Spiegelbild Eingang zumindest in aktuelle Dienstvorschriften fand.

Was sich diesbezüglich sicher feststellen läßt, ist eine Diskrepanz zwischen dem Bild der Kaisermanöver, mit ungedeckt umherwandelnden Infanteriemassen und Kavallerieattacken157, und den Inhalten der neueren Vorschriften vor 1914158. Diese gaben tatsächlich nämlich Auskunft über den Gebrauch des Schanzzeuges159, dessen Bestand in den Feldformationen direkt vor dem Krieg noch einmal vermehrt worden war160, instruierten über Herstellung von Hindernissen und Drahtverhauen161 sowie umfassend über den Bau von Schützengräben, Eindeckungen und Unterständen. Auf die Leistungsfähigkeit der neuen Waffen wurde durchweg eingegangen. Ob die wenigen Jahre bis Kriegsbeginn ausreichten, um allen Beteiligten vor Augen führen zu können, welche Auswirkungen die technischen Neuerungen auf das Kriegsbild haben würden, bleibt auch unter dem Aspekt des etwa bei Kaisermanövern geradezu „öffentlich“ abgefragten und daher vielleicht auch zwangsweise anachronistisch-heroischen Ausbildungsspektrums der Truppen letztlich fraglich162.

Der Eindruck jedenfalls, daß man nun gar keine neuen militärtheoretischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse aus eigenem, heeresinternen Diskurs oder aus der Betrachtung der jüngsten Kriege in Südafrika und im Fernen Osten gewonnen hatte163, kann nicht bestätigt werden. Vor dem Hintergrund der bisherigen Ausführungen ist gerade bei der infanteristisch grundlegendsten Vorschrift, dem Exerzierreglement für die Infanterie von 1906, relevant, daß sie als Lösungsmaxime für den Angriff auf einen zur Verteidigung bereiten Gegner kaum mehr als Reminiszenzen an die Kriegführung des 19.Jahrhunderts anbieten konnte. Was auffindbar ist, ist das Postulat des Ausgleichs feindlicher Waffenwirkung durch überlegene „Moral“ und althergebrachte Möglichkeiten von allerorten internalisierten Vorstellungen von Disziplin164. Bei „Angriff auf einen zur Verteidigung entwickelten Feind“ sollte unter Umständen, die durch die Unabwägbarkeiten der Gesamtlage diktiert werden würden, möglichst die Dunkelheit genutzt werden. Mit oder ohne Schutz durch die Dunkelheit, es blieb als Leitbild jedenfalls ein nur im günstigen Fall artilleristisch vorbereiteter Sturmangriff mit gefälltem Seitengewehr165.

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Das Ergebnis war 1914 das Aufeinandertreffen anachronistisch agierender Heere mit daraus zwangsweise resultierenden hohen Verlusten. Es war gar nicht mehr nötig, dem überkommenen Bild des „heroischen“ Infanterieangriffes mit blanker Waffe nachzueifern, um extreme Verluste zu erleiden. Selbst die Annäherung an den Feind in fortschrittlicher „offener Ordnung“166 endete oft genug blutig im infanteristischen und artilleristischen Massen- und Schnellfeuer des Feindes. Beispiele für die Tragik dieser Realität auf dem Schlachtfeld, der von den Soldaten kaum etwas anderes als das Maximum an Willensstärke und Opferbereitschaft entgegenzusetzen war, lassen sich für den Zeitraum des Bewegungskrieges genauso finden wie in den anschließenden Schlachten des Stellungskrieges. Nicht umsonst entstand aus der blutigen deutschen Niederlage in Flandern 1914 ein Mythos, der nichts anderes feierte als vaterländische Begeisterung und Hingabe bis zum Letzten167.

Der tatsächlich eklatante Unterschied zwischen den Aktionen vor, denjenigen in und denjenigen nach Flandern 1914 war, daß es schließlich die Option zur Umfassung des Feindes und damit die Möglichkeiten eines klassischen Bewegungskrieges nicht mehr gab, da er an sich auf einer endlos erscheinende Linie von Feldbefestigungen zurückgezogen hatte und nur noch frontal angegriffen werden konnte. Die moderne Infanterie- und Artilleriebewaffnung, Deckungs- und Stellungsbauten sowie die Ausstattung der Truppen mit Munition und Gütern aller Art auf Basis kriegswirtschaftlich genutzter Industrien ließen die Wirkung des „Feuers“, des Abwehrfeuers oder von Feuerkraft schlechthin, derart massiv in den Vordergrund treten, daß die „Bewegung“, sowohl als taktisch-operative, als auch als individuelle Aktionsmöglichkeit, an der Westfront in kriegsgeschichtlich bislang vielleicht einzigartigem Ausmaß ins Hintertreffen geriet168.

Die Versäumnisse der Vorkriegszeit auszugleichen und auf allen Sektoren, vor allem auch den technischen Bereichen einer modernen Heeresrüstung, an eine Vermehrung von Formationen und Material zu gehen, war unter diesen Umständen der nächstliegende Schritt. Der bei allen an der Westfront vertretenen Parteien einsetzende, militärtechnisch, taktisch wie gesellschaftlich und rüstungstechnisch umfassende Effektivierungsprozeß für einen „Totalen Krieg“ erreichte während des Krieges keine Art von Vollendung169, doch bis zum Sommer 1916 war an der Westfront die Masse derjenigen Kriegsmittel und Methoden, die diesen Krieg aus heutiger Rückschau prägen, in signifikanter Zahl vorhanden.

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Die Stellungen, zuerst nur die oben genannten „Wintergefechtsquartiere“, waren zu Stellungssystemen ausgebaut worden. Mehr als nur eine Linie von Gräben sicherte die Front. Zum Teil wurden bereits kilometertiefe, durch Hindernisse gesicherte Stellungssysteme geschaffen, die sich bis heute auf Photographien und Luftbildern verwirrend ausnehmen und durch die visuelle Unübersichtlichkeit vermitteln können, wie schwierig sich der einzige Schlüssel zum Sieg, der Durchbruch, rein praktisch gestalten mußte. Die Stellungen gewannen an Tiefe und Komplexität, ohne allerdings jetzt schon ein 1917 unter dem Terminus „Tiefengliederung“ bekannt gewordenes Verfahren und seine Möglichkeiten über die Absicht zu stellen, eine erste Linie unbedingt halten zu wollen und auch unbedingt zu müssen170. Die leichten Unterstände aus den Vorschriften der Vorkriegszeit waren zum Teil imposanten Stollensystemen gewichen, die, verstärkt durch Stahl und Beton171, Stellungstruppen, Stäben und Reserven metertief unter die Erde Schutz vor Feuer und Witterung boten172.

Die Soldaten, die dieses Schlachtfeld beherbergte, wurden mit neuen Waffen ausgerüstet, die vor allem für die Nahverteidigung gegenüber einem in Infanterie-Wellen angreifenden Gegner, der Niemandsland und Hindernisse vor der Stellung zu überwinden hatte, eine erheblich gesteigerte Feuerkraft bedeuteten.

Maschinengewehre wurden immer zahlreicher und seit 1916 durch ein „leichtes“ Muster, 08/15, ergänzt173. Die fehlende Offensivkraft und Handlichkeit des immer nur durch eine Gruppe von Soldaten flexibel einsetzbaren, wortwörtlich schweren Typs, 08, konnte somit wenigstens ansatzweise behoben werden. Wichtiger war jedoch die Praktikabilität als Waffe der Infanterie174, deren Kompanien dieses neue Gewehr erhielten. Vom früheren Charakter einer technisch komplizierten, geschützähnlichen Waffe „Maschinengewehr“ blieb wenig175, als sie, quasi durch „jedermann“ zu bedienen, in immer größerer Zahl im Heer eingeführt wurde.

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Das Infanteriegewehr, die ursprüngliche Hauptbewaffnung der Infanterie, verlor im Grabenkrieg an Bedeutung. An dessen Stelle traten das Maschinengewehr und besonders die Handgranate176. Nach ersten Improvisationen durch die Truppe fand dieses Kampfmittel der Pioniere, die in bescheidenem Ausmaß auch noch Flammenwerfer177 und den altertümlichen Minenkrieg178 einbringen sollten, 1915 weiteste Verbreitung. Auf kurze Entfernung im Angriff und in der Abwehr sehr wirksam fehlte den Grabenbesatzungen aber noch ein Kampfmittel auf mittelkurze Entfernungen, für die ein Artillerieeinsatz zu gefährlich, zu überproportioniert oder zu ungenau war. Gewehrgranaten, die vor allem auf französischer Seite fester Bestandteil der Ausrüstung innerhalb der Infanteriekompanien wurden, waren eine Möglichkeit, dieses Problem zu beseitigen. Ein zweites, allerdings sehr viel aufwendigeres, war der Einsatz von „Grabengeschützen“ aller Art. Älteres eigenes Geschützmaterial oder modernes aus der Kriegsbeute und dem Bestand von vor Ort verfügbaren Artillerieformationen wurde weit vorgezogen eingesetzt.

Sehr viel praktikabler schien der Einsatz von „Graben-Artillerie“ in Form leichtbeweglicher Ladungswerfer zum Steilfeuerbeschuß aus Deckungen heraus. In Deutschland wurden leichte Minenwerfer seit September 1915 von der Infanterie aus den Händen der mit ihnen ursprünglich –eben für den vor 1914 angenommenen Festungskrieg- ausgestatteten Pioniere übernommen, während letztere mit den mittleren und schweren Typen ausgesprochene Offensivwaffen behielten179.

Die Hauptwaffe im Stellungskrieg war die Artillerie180. Nur sie war dazu in der Lage, Hindernisse zu beseitigen, die feindlichen Unterstände, Gräben und Truppenansammlungen zu zerschlagen, die gegnerische Artillerie niederzuhalten und die Kampfzone nach hinten abzuriegeln, um feindlichen Reserven das Eingreifen zu verwehren. Die Vielzahl dieser Aufgaben, die sich in Unmengen einzelner Ziele, unter Maßgabe komplexer Feuerpläne und zu gewährleistender Kommunikation, auflösten, bedingte eine Masse an Geschützen, Massen an Munition, eine umfangreiche Vorbereitungszeit und eine gewisse Dauer des Beschusses.

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Dem Verteidiger konnte somit schon wegen des hierzu immer notwendigen Einschießens von Geschützen auf neue Ziele lange vor dem Angriff der feindlichen Infanterie bekannt sein, was in welchem Umfang auf ihn zukommen würde181. Auch das Ausmaß logistischer Vorbereitungen eines größeren Angriffes, beispielsweise der Bau neuer Truppenlager, zunehmender Verkehr hinter den Linien, neu im Frontbereich festgestellte Formationen und neue Stellungsbauten, konnte in der Regel auffallen. Und es war, gemessen am Umfang der Maßnahmen, üblicherweise durch den Angreifer auch gar nicht zu verschleiern. Bestätigungen für bevorstehende „Großkampftage“ konnte Aufklärung liefern, deren Mittel, etwa als Luftbild-Aufklärung technisch-modern, oder durch Gefangennahme und Befragung feindlicher Kombattanten faßbar, tradiert waren. Die Vorteile bei einer Offensive lagen also durchweg in der Hand des Verteidigers, dem Zeit zu Gegenmaßnahmen blieb182. Daß diese Gegenmaßnahmen in nicht genügendem Maße getroffen wurden konnten, ist tatsächlich bis zur ersten „Tankschlacht“ bei Cambrai 1917183 nicht der Fall gewesen.

Die Ausschau nach Auswegen aus dieser prekären Lage des Angreifers, der den Sieg in der Offensive suchte, oder irgendwann im Angriff suchen mußte, beschränkte sich aber nicht allein auf die Frage nach der richtigen, der „kritischen“ Menge eingesetzten Materials und in die Schlacht geworfener Truppen, die den Verteidiger irgendwann ersticken mußte. Die Antwort wurde auch nicht nur auf Seite der Entente gesucht, welcher, wie oben gezeigt, die Rolle des Angreifers durch den Kriegsverlauf aufgedrängt worden war.

Der erste Versuch, des Materials Herr zu werden, wurde von deutscher Seite unternommen184. Er war Ausgeburt der Überzeugung Falkenhayns, daß der Einsatz gänzlich neuer Kriegsmittel eine Wende bringen könnte185 und ein glücklicher Ausgang des Krieges allein davon abhing, daß den eigenen Truppen der Durchbruch an der Westfront gelänge. Unter der Devise „Der Krieg ist Notwehr und kennt kein Gebot“186 wurden Versuche deutscher Wissenschaftler bei der Schaffung eines wirkungsvollen Kampfstoffes trotz ethischer und völkerrechtlicher Bedenken unterstützt.

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Bereits Ende 1914 war das „Abblasen“ von Gasen in Flandern ins Auge gefaßt worden. Nach ersten Versuchen mit nicht tödlichen Reizgasen wartete eine Gruppe Wissenschaftler um Fritz Haber mit einem Chlorgas auf, das in größerer Menge aus Stahlzylindern „abgeblasen“ werden konnte. Der erste Einsatz, am 22.April 1915 nördlich Ypern, war unerwartet erfolgreich187. Er war sogar so tödlich erfolgreich, daß für die Ausnutzung der plötzlich entstandenen Frontlücke keine ausreichenden Kräfte zur Verfügung standen. Wie Groehler anmerkte, beschränkte sich die tatsächliche Wirkung vor Ort auf einen taktischen Erfolg, der allerdings weitreichende Folgen hatte188. Der Gaskrieg wurde zu einem festen Bestandteil des Kriegsbildes und durch das Wechselspiel zwischen neuen Kampfstoffen und wirksameren Abwehrmaßnahmen geprägt. Späterhin avancierte er zu einem Symbol für die Schrecken des modernen Krieges189, ohne allerdings feststellbaren Einfluß auf den Ausgang des Krieges genommen zu haben.

2.3 Organisatorische Veränderungen der deutschen Heeresstruktur.

Der Übergang zu Stellungskrieg stellte die geltende Organisationsform der deutschen Heeresverbände schnell in Frage. Grundlegend war die die aus dem Frieden bekannte und auf Rekrutierungsbereichen basierende Korpsstruktur gewesen, die üblicherweise landsmannschaftlich homogene Einheiten im Spektrum einer bescheidenen Komponente schwerer Artillerie, zahlreicher Kavallerie, weniger Telegraphisten und einiger Logistikteile bis hin zu einer Feldfliegerabteilung und vor allem zwei Infanterie-Divisionen umfaßte. Letztere bestanden hauptsächlich aus Kampftruppen und waren unterstellungstechnisch fest an „ihr“ Korps gebunden, welches somit Führungseinheit für etwa 41.000 Mann aller Waffen und Waffengattungen war.

Das grundlegende Problem mit dem aus Friedenszeiten übernommenen und für Belange eines schnellen Bewegungskrieges konzipierten Korpsverband war, daß er für die Belange der Kriegführung an der Westfront ab Ende 1914 zu schwerfällig war und für einen Zweck einmal zu viele Truppen, ein anderes mal deutlich zu wenige umfaßte. Und Flexibilität war das, worauf es ankam, wollte man schnell und mit der lokalen Lage angepaßten Kräften in Großkämpfe eingreifen, die entweder nur zeitweise und punktuell, oder dann auch auf breiten Abschnitten der Front in truppenverschlingendem Umfang Gestalt annahmen190.

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Eine erste Aushilfe boten Neuaufstellungen, die 1915 in sogenannten „fliegenden“, nicht bestimmten Korps zugeordneten Divisionen mit recht unterschiedlicher Gliederung vorgenommen wurden. Damit schuf man eine Manövriermasse zur freien Verwendung der OHL, die diese nach Bedarf einsetzen und auch schneller bewegen konnte.

Auffällig war bei diesen Divisionen, daß sie die künftige Struktur der auf den Stellungskrieg an der Westfront später zugeschnittenen Verbände bereits vorwegnahmen. Die landsmannschaftliche Homogenität, die man bei den auf der Friedensstruktur und den Rekrutierungsbereichen aufgebauten Korps der ersten Kriegsmonate noch auffand, schwand hier zusehends191. Truppenteile und Angehörige verschiedener Korps- beziehungsweise Rekrutierungsbereiche wurden vermischt. Die Infanterie beschränkte sich teilweise bereits auf nur drei statt der üblichen vier Regimenter, die Artillerie war von vier Feldartillerie-Abteilungen in zwei Regimentern auf ein Regiment zu drei Abteilungen reduziert worden. An Kavallerie verfügte die Division nur noch über eine fest zugeteilte Abteilung oder gar Eskadron, sonst über alle Waffengattungen, die ihr ein selbständiges, taktisches Handeln ermöglichen konnte192. Entscheidend, auch für die Transformation der Korps, beziehungsweise ihrer Stäbe als „Generalkommando“, war, daß diese neuen und späterhin die Masse der eingesetzten Divisionen logistisch auf vorhandene und durch die „Korps“ vor Ort geschaffene Strukturen angewiesen waren. Einen weiteren Bruch mit den bestehenden Strukturen brachte die Verringerung der Geschützzahlen bei der Feldartillerie mit sich. Man ging von Batterien zu sechs Geschützen auf vier über, machte sie damit schmaler und schuf sich die notwendigen Kapazitäten für Neuaufstellungen und eine Heeresreserve. Große Teile der schweren Artillerie wurden gleichfalls zur Dispositionsmasse der OHL, wobei insgesamt zur Maxime wurde, Kräfte der Feld- und der Fußartillerie zur Schwerpunktbildung flexibel zuzuteilen193.

Die bestehenden Korps, die im Westen nach der Ausbildung einer Frontlinie dort lagen, wo man sie zuletzt eingesetzt hatte, wurden demgemäß als Reduktion auf den Status als Generalkommando zunehmend zu Führungseinheiten für verschiedenste Verbände in einem Frontsektor. Ohne Anlaß, das heißt, ohne Großkampf, der eine Verstärkung notwendig machte, führten sie unter Umständen noch bis 1916 allerdings den Kern an Truppen, mit dem sie aufgestellt oder in den Krieg gezogen waren. So stand etwa das Generalkommando XIII.Reservekorps (GK XIII.RK) mit der 26. und 27. Reservedivision über ein Jahr in dem Abschnitt, in dem es während der Sommeschlacht angegriffen wurde. Dies hatte Vorteile. Die Truppe kannte das Gelände, sie hatte die Stellungen eigenhändig ausgebaut, man hatte festgelegte und bekannte Feuerbereiche und Feuerstellungen, dazu selbstgestaltete Unterkünfte und sonstige rückwärtige Einrichtungen194. Diesen Vorteilen gegenüber sollte sich aber auch zeigen, daß die Korpsstäbe als regionale Führungsstäbe durchaus dazu befähig waren, derart viel Informationen zusammenzutragen und Kompetenz auszubilden, daß neu im Frontabschnitt eintreffende Verbände ohne Kenntnis von Geographie, Lage und Stellungen zweckmäßig instruiert und dann gegebenenfalls ins Gefecht geworfen werden konnten. In den Stäben der Generalkommandos wurden Stellen geschaffen, die Spezialwissen der einzelnen Waffengattungen auf eine neue Weise einbrachten. Maschinengewehroffiziere, Gasoffiziere, Artilleriekommandeure, denen nun Feld- und schwere Artillerie unterstanden, Nachrichtenkommandeure, die für Kommunikationsfragen zuständig waren, diverse Verbindungsoffiziere, Karten- und Vermessungsstellen, Luftbildauswertungsstellen, Stellungsbau- und Pionieroffiziere und dergleichen mehr zogen ab 1915 in die Stäbe ein und fanden in den Führungseinheiten auf höherer oder unterer Ebene ein neu geschaffenes Pendant195.

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Auf der Ebene der Divisionen beziehungsweise Regimenter, Bataillone, Abteilungen und Batterien gab es eine weitere Veränderung, welche die Disposition der Truppe in ihrem Abschnitt betraf. Für die Sicherung der Front gab es 1914/15 nur ein Prinzip, nämlich die Liniensicherung. Daran mag maßgeblich der Kräftemangel beteiligt gewesen sein, andererseits bedingte die Weisung Falkenhayns, die Linie, damit den ersten Graben, unbedingt zu halten, daß in deren nächster Nähe, sozusagen auf „Breite“, starke Kräfte konzentriert wurden. Die Liniensicherung sah grundsätzlich vor, daß die Bataillone eines Regimentes nebeneinander standen und Reserven aus dem eigenen Bestand ausschieden. Reserven hieß hierbei, daß nur ein kleiner Teil der Truppe, einzelne Kompanien oder Züge, hinter der Hauptkampfstellung untergebracht waren. Lagen späterhin mehrere Schützengräben vor, weichte die Kräftekonzentration an vorderster Front zwar etwas auf, sie blieb aber durch die Nähe zur unbedingt zu haltenden Linie grundsätzlich gewahrt. Feindliche Artillerie konnte gegen die hier versammelten effektiv wirken und Angriffe, die bis in die Grabenlinie vorkamen, trugen immer den Kern zu einem Desaster für den gesamten Abschnitt in sich, falls es den Reserven nicht gelang, entscheidend einzugreifen. Ungünstig an der Liniensicherung war dementsprechend auch, daß die Unterstützung der im Kampf stehenden Truppe durch Reserven, gerade wenn sie sich nach weiterem Ausbau der Stellungsabschnitte schon etwas weiter zurück in durch allerhand „Wohlfahrtseinrichtungen“ bereicherten Ortsunterkünften befanden196, nur begrenzt aufeinander abgestimmt und konzentriert erfolgen konnte. Jeder Truppenteil in Stellung hatte seine eigene Reserve, die nach Lageeinschätzung des jeweiligen Kommandeurs angefordert und eingesetzt werden konnte197.

Die Abhilfe durch den Übergang zur Tiefengliederung erfolgte verstärkt nach den Erfahrungen von Verdun und aus der Sommeschlacht, welche auch für die oben erwähnte Transformation der Korps in Führungseinheiten für Sektoren als Katalysator wirkten. Die Artilleriewirkung verbot die Konzentration der Truppe auf engem Raum und in den wenigstens für die feindliche Luftaufklärung denkbar offensichtlichen vordersten Stellungen. Der Verschleiß an Kräften aufgrund der alten Einsatzweise der Fronttruppen war immens und hatte beim Ausfallen von Fronttruppe oder Reserve fatale Wirkung gezeigt. Gerade das Bereithalten von Reserven, die gezielt zum Einsatz gebracht werden konnten, um angegriffene Stellungstruppen rasch zu entlasten, wurde bedeutend. Der massive und koordinierte Gegenstoß, eine für die Beteiligten durchaus offensive Einsatzart zur Zurückgewinnung der eigenen Linie, wurde ab Mitte 1916 Tagesgeschäft im Großkampf:

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„Die Schlacht an der Somme führte zu einer grundlegenden Änderung der Anschauungen über das Abwehrverfahren, das passive Dulden der feindlichen Waffenwirkung hörte auf, ein frischer, offensiver Zug kam in die Kampfführung.“198

Die Bataillone der Infanterie-Regimenter wurden in den Hauptkampfschnitten nun zusehends hintereinander formiert, wodurch im Divisionsabschnitt drei tiefgegliederte Verteidigungsstreifen entstanden. Die erste Stellung wurde ausgedünnt, um unnötige Verluste durch den obligatorisch schweren Artilleriebeschuß des Feindes zu vermeiden und die nachfolgenden Streifen in wenigstens drei Positionen, für die Kompanien des Stellungs-, des Reserve- und des Bereitschaftsbataillons, unterteilt. Wo es möglich war, wurden schußsichere Unterstände und Stollen gebaut und ein rotierendes Ablöseverfahren zwischen den derart eingesetzten Kompanien eingerichtet, um Zeit für Zuführung von Ersatz, Ausbildungs-, Arbeits- und Ruhephasen gleichmäßig zu verteilen. Parallel zur Infanterie wurde die Artillerie nun auch nicht mehr nach formationstechnischen Gesichtspunkten, sondern nach Bedarf und Gelände eingesetzt. Um das Zusammenwirken der verschiedenen Batterien der Feld- und Fußartillerie zu gewährleisten und eine effiziente Zusammenarbeit mit der Infanterie zu garantieren, wurden Artilleriegruppen beziehungsweise Untergruppen verschiedenster Geschütztypen und Zusammensetzung nach Anweisung des Artilleriekommandeurs gebildet. Diese waren den Gefechtsstreifen und der Gliederung der Infanterie angepaßt199.

Für den Zeitraum bis zum Einfließen der vor Verdun und an der Somme aus dieser Verfahrensweise gewonnenen Erfahrungen in neue Vorschriften ab Winter 1916/17200 läßt sich eine deutliche Uneinheitlichkeit, die vornehmlich aus der Not und Praxis der jeweiligen Lage auf dem Schlachtfeld entstand, festhalten. Das System überzeugte 1916 allerdings derart, daß in seiner Weiterentwicklung der konzeptionelle Schlüssel für die deutschen Abwehrerfolge von 1917 liegen sollte.

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Was dieser neuen, recht wirkungsvollen und dann offiziell adaptierten Taktik gegenüber nur schleichend wahrgenommen wurde, waren die Auswirkungen des industrialisierten Krieges mit seinen nicht nur in den großen Materialschlachten kulminierenden „Destruktionserfahrungen“201 auf die Psyche der Soldaten und damit auf die Einsatz- und Leistungsbereitschaft der Truppen. Und parallel zur diesbezüglichen Wirkung eines blutig-kriegerischen Erlebens brachte der lang andauernde Krieg eine zwangsweise Sozialisierung ehemaliger Zivilisten in mit eklatanten Mißständen aller Art behafteten Streitkräften202 mit sich, und er war dazu angetan, nur allzu verständlichen, menschlichen Sorgen203 -etwa um Haus und Hof, Arbeitsplatz und Familie, gesunde und baldige Rückkehr- zunehmend größeren Raum in den Köpfen der Soldaten einzuräumen.

Die wahre Bedeutung dieser Vorgänge sollte sich wenigstens für die höheren und höchsten Führungsstäbe und ihre Vertreter in den französischen und deutschen Streitkräften ziemlich unerwartet offenbaren: In den sogenannten „Meutereien“ innerhalb des französischen Heeres von 1917 beziehungsweise dem „inneren Zusammenbruch“ der deutschen Streitkräfte 1918204. Bezeichnenderweise traten beide Phänomene auf, nachdem Truppen in als „kriegsentscheidend“ deklarierte Offensiven getrieben worden waren und darin mit denkbar größtem Elan und größter Einsatzbereitschaft den Weg zum Sieg und damit zur Rückkehr in die Heimat vergeblich gesucht hatten.

2.4 Die Entwicklung des Tank205.

Die Idee dazu, feindlichem Feuer durch einen beweglichen Schutz zu entgehen und durch ihn eine Möglichkeit zur sicheren Annäherung eigener Soldaten und Waffen an den Feind zu finden, ist sehr alt. Die Traditionslinie der Tanks und damit auch der Panzer führt wenigstens von den Vorstellungen der Renaissance über eine Kette von mehr oder weniger realisierbaren Plänen206 bis hin zu den ersten Motoren und Maschinen des ausgehenden 19.Jahrhunderts. Maßgeblich die Erfindung des Verbrennungsmotors durch Daimler (1885) ermöglichte es ziemlich plötzlich, zuvor wahrlich phantastisch erschienene Projekte weiter zu verfolgen und wenigstens in einer gewissen Art der Vollendung zu präsentieren.

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Seit 1899 wurden den europäischen Streitkräften gepanzerte Radfahrzeuge angeboten, die oft auch schon mit dem neumodernen Maschinengewehr bewaffnet und von Privatleuten und später auch Kraftfahrzeugherstellern entwickelt worden waren. Militärtaktische und –technische Versuchsreihen mit dieser ersten Fahrzeuggeneration verliefen für die Anbieter aus den USA, dem Vereinigten Königreich und Frankreich tatsächlich kommerziell erfolglos, obwohl mit den Fahrzeugen auch einiges Aufsehen in der Öffentlichkeit verursacht wurde und Belastungstests noch nicht einmal negativ verlaufen waren207. An sinnvolle Einsatzmöglichkeiten aber glaubten militärische Prüfstellen zu diesem Zeitpunkt scheinbar nur in Rußland, welches die Qualitäten des gepanzerten Radfahrzeuges als Mittel gegen innere Unruhen 1905 offensichtlich sehr praktisch vor Augen geführt bekommen hatte und 1906 die wohl erste Bestellungen dieser Fahrzeuge bei einem französischen Hersteller eingab208.

Bis zum Kriegsausbruch war das Interesse europäischer Militärs an Panzerwagen dieser Tatsache gegenüber aber so weit geschwunden, daß allein die italienische und die belgische Armee eine handvoll Fahrzeuge in aktivem Dienst hatte.

Parallel zu Erprobungen und den ersten praktischen Erfahrungen mit Panzerwagen wurde von den Konstrukteuren eine schwerere Bewaffnung bis zu bei den damaligen Feldartillerien gebräuchlichen Kalibern (um 80mm) ins Auge gefaßt. Interessant ist hierbei, realiter auf dem Sektor der zeitgleich an Beachtung zusehends gewinnenden Fluggeräte, die Verlagerung des Angebotes hin zu motorisierten Flugabwehrwaffen. Für diese ist ein starkes deutsches Interesse belegt209, was, im Gegensatz zu allen Vorwürfen der Technikfeindlichkeit und mangelnden Phantasie, doch belegt, daß man dieser Art Innovationen in Berlin nicht unaufgeschlossen gegenüberstand210. Immerhin lag die begrenzte Nutzbarkeit von Radfahrzeugen, die in Deutschland und Österreich-Ungarn getestet und abgelehnt worden waren, für das Gefecht auf dem Schlachtfeld eines kommenden Krieges schon in der mangelnden Geländetauglichkeit begründet211. Dagegen konnte die Ballon- und Fliegerabwehr durchaus auf das vorhandene Straßennetz angewiesen bleiben und auf Panzerung, die das Fahrzeug wahrscheinlich schwerfällig machte und mechanisch überforderte, verzichten. Die Möglichkeiten von Fluggeräten waren aus dieser Perspektive gesehen jedenfalls erkannt worden und wurden, zumindest in der Theorie der Friedenszeit, durch die schnellstmögliche Adaption einer weiteren Innovation, eines entsprechenden Abwehrmittels in Form mobiler Flugabwehr-Geschütze, beantwortet212.

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Das Problem der Geländegängigkeit von Waffenträgern war auf dem Sektor der schweren Waffen nur begrenzt vorhanden, geht man davon aus, daß ihr aktiver Einsatz auf dem Gefechtsfeld nur von wenigen Erfindern überhaupt angedacht und auf die Erfüllung von Sonderaufgaben beschränkt wurde.

Das Produkt einer Idee zu einem geländegängigen Waffenträger außerhalb stellte das gepanzerte und mit einer 75mm-Kanone bestückte Kettenfahrzeug des französischen Hauptmanns Lavasseur von 1903 dar. Diesem folgten bis direkt vor den Kriegsausbruch weitere Vorschläge von Personen aus verschiedenen Staaten für Kettenfahrzeuge, darunter auch der wohlbekannte Entwurf des k.u.k. Hauptmann Burstyn von 1911213.

Keiner dieser Vorschläge fand Gefallen in den Augen der Verantwortlichen der Streitkräfte dieser Zeit, obwohl bis 1914 für alle früheren mechanisch-technischen Probleme -wenigstens theoretisch, zu einem Großteil aber auch praktisch- Lösungen vorhanden waren214. Versuche mit dem Kettenantrieb, der maßgeblich auf die Arbeit des Amerikaners Holt zurückzuführen war215, waren in Großbritannien erfolgt, wobei sich zahlreiche technische Mängel zeigten, deren Gegengewicht, das Potential, das nach Weiterentwicklung bestehen konnte, dort und offensichtlich auch in anderen Armeen nicht erkannt wurde216. Die wenigstens historiographisch gewürdigte „große Stunde“ des Tank kam mit dem Stellungskrieg und stellte ihn als neues Mittel zur Überwindung des taktischen Patts auf dem Schlachtfeld neben das Kampfgas, von dem bereits berichtet wurde.

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Aus welcher Richtung die Idee für den Tank in Großbritannien letztendlich vorgebracht wurde, ist bis heute nicht eindeutig217. Jedenfalls kommt dem Commitee of Imperial Defence und dem ersten Lord der Admiralität, Winston Churchill, eine ausschlaggebende Bedeutung zu. Ein gewisser Oberstleutnant Swinton hatte in der Rolle eines Kriegs-Berichterstatters und als assistierendes Mitglied des Komitees in Frankreich als Augenzeuge sehen können, wie aufwendig und mühsam schwere Geschütze mit Raupenschleppern durch das Kriegsgebiet bewegt wurden218. Zudem trat man an ihn mit Plänen für die Konstruktion eines „Landkreuzers“ zum Fronteinsatz gegen den verschanzten Feind heran219, die ihn offensichtlich darin bestätigten, sich im Oktober 1914 bezüglich seiner neuen Erfahrungen und der daraus gewonnenen Erkenntnisse an seinen Vorgesetzten, Hankey, zu wenden.

Zur gleichen Zeit gab es bereits eine Initiative des Royal Naval Air Service (RNAS), der 1914 Erfahrungen mit seiner Armoured Car Division gesammelt hatte, etwas „Besseres“ als Radfahrzeuge zu bekommen220. Der Weg Hankeys führte über Lord Kitchener, welcher der Idee eines gepanzerten Kettenfahrzeuges mehr als skeptisch gegenüberstand221. Hankey fand sein Glück daraufhin bei Churchill, der Mitglied des Komitees war und dadurch von den Ideen erfuhr. „Mr Churchill had a clearer grasp of the future shape of war than had most men”, wie Smithers schreibt222. Dies erwies sich als ein bedeutender Vorteil, der sich, mit dem Einfluß als erstem Lord der Admiralität gepaart, positiv auf die Entwicklung des Tank auswirkte. Churchill schrieb im Januar 1915 an den Premierminister, Asquith, und brachte sein Erstaunen über die Untätigkeit des Heeres und des Kriegsministeriums zum Ausdruck. Gleichzeitig warb er mit eindringlichen Worten für das, was in naher Zukunft ein auf Ketten fortbewegter, gepanzerter Waffenträger zum Lösen des taktischen Patts an der Hauptkampffront des Krieges in Frankreich und Belgien sein konnte:

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„It would be quite easy in a short time to fit up a number of steam [!] tractors with small armoured shelters, in which men and machine-guns could be placed, which would be bullet-proof. [… .] The caterpillar system would enable trenches to be crossed quite easily, and the weight of the machine would destroy all wire entanglements. [… .] Forty or fifty of these engines, prepared secretly and brought into positions at nightfall, could advance quite certainly into the enemy’s trenches, smashing away all the obstructions and sweeping the trenches with their machine-gun fire, and with grenades thrown out of the top. They would then make so many points d’appui for the British supporting infantry to rush forward and rally on them. They can then move forward to attack the second line of trenches.”223

Wenn man von der Idee des dampfbetriebenen Typs, der baldigst zugunsten des Dieselmotors aufgegeben wurde, einmal absieht, geht aus dem Text bereits viel von dem hervor, was den Tank des Ersten Weltkrieges zukünftig zu einer wirklichen Waffe machen sollte.

Am 17.Februar 1915 wurden Versuche mit einem Holt tractor, der zur Simulation des Gewichtes von Panzerung, Besatzung und Waffen einen mit Sandsäcken beschwerten Anhänger zu ziehen hatte, angestellt. Zwar hatte der Druck der Regierung224 Kitchener dazu bewegen können, sein Einverständnis zu dieser praktischen Demonstration zu geben, doch die Ergebnisse des Tages bedeuteten einen herben Rückschlag für die Befürworter des Unternehmens. Um das Anliegen eines „Landkreuzers“ nicht versanden zu lassen, entschloß sich Churchill dazu, mit Mitteln der Marine, also Mitteln seines eigenen Verantwortungsbereiches, weiter zu arbeiten225.

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Am 20.Februar wurde das Landship Commitee gegründet, das unter der Regie Tennyson d’Eyncourts, des Direktors der Marine-Konstruktions-Abteilung, auf die Fähigkeiten vornehmlich junger226 Ingenieure, Wissenschaftler und Praktiker, wie man sie in den Reihen des RNAS finden konnte, setzte227. Trotz anfänglich auch in der Marine vorhandener Widerstände228, deren gewichtigster Teil mit erfolgreicher Überzeugungsarbeit an Churchills Nachfolger Balfour –Churchill selbst war inzwischen Opfer der von ihm forcierten Gallipoli-Unternehmung geworden- beseitigt werden konnte, entstand im Juni 1915 das Konzept zu einem „machine-gun destroyer“. Dieser sollte die deutsche Haupt-Verteidigungswaffe im Stellungskrieg, das Maschinengewehr, effektiv bekämpfen können229.

Nach Diskussionen um verschiedene Entwürfe, worunter sich auch eine dreirädrige „war machine“ mit 300t Gewicht, drei Geschütztürmen, 800PS- Antrieb und weiteren schier unglaublichen Daten befand230, ging man zu Versuchen mit kleineren Typen auf der Basis der altbekannten Raupenschlepper über. Das Ergebnis war „Little Willie“, ein kleines, wendiges Fahrzeug, dem tatsächlich aber keine Zukunft beschieden war.

Am 15.Juni wurde ein Joint Naval and Military Commitee gegründet, das dem nun breiteren Interesse am Bau eines Panzerfahrzeuges, jetzt erweitert um das Heer, Ausdruck verlieh. Entlang der Spezifikationen, die Swinton am 1.Juni 1915 formuliert hatte und die im Laufe der nächsten Monate präzisiert wurden, gelang es dem gemeinsamen Komitee von Heer und Marine bis Ende 1915, ein Fahrzeug zu entwerfen, zu bauen und zu testen. Dieser „Big Willie“, der in Vorgriff auf seine Bedeutung für spätere Konstruktionen auch als „Mother“ bekannt wurde, stellte den Prototyp des rautenförmigen und für die britischen Panzerfahrzeuge des Ersten Weltkrieges scheinbar so typischen Tank dar.

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Das Fahrzeug hatte ursprünglich eine Bewaffnung von zwei sechspfünder (57mm) Schnellfeuergeschützen und drei Maschinengewehren. Die Forderung Swintons nach einem Typ mit zahlreichen Maschinengewehren, der die kanonentragenden Wagen vor feindlicher Infanterie schützen sollte, wurde in der Produktionsphase umgesetzt231 und schuf eine von damals bis wenigstens 1918 gültige Unterteilung in „männliche“ und „weibliche“ Tanks232. Das erste Baumuster wurde für die Testphase noch als „land cruiser“ bezeichnet, sollte aber danach, sofern sich seine Praktikabilität bewiesen hatte, aus Gründen der Geheimhaltung „Tank“ benannt werden233.

Auch der seit Dezember 1915 amtierende Oberkommandierende der Britischen Expeditionsstreitkräfte in Frankreich, Haig, zeigte Interesse an diesem Fahrzeug und wurde durch einen gewissen Oberstleutnant Elles seines Stabes, den späteren Kommandeur des Tank Corps, darüber informiert, so daß auch von dieser Seite Wohlwollen hinzukam und, nach dem erfolgreichen Abschluß der Testphase durch eine Präsentation am 2.Februar 1916, am 8. des Monats die Bestellung von 150 Exemplaren des sogenannten Mark I für die Armee beschlossen wurde234. Diese wurden unter dem Kommando von Swinton in sechs Kompanien zu je 25 Fahrzeugen, 28 Offizieren und 255 Unteroffizieren und Mannschaften eingeteilt235. Das Hauptquartier lag in London, während „Mother“ und das Ausbildungspersonal dem Übungsplatz des Machine Gun Corps (MGC) in Bisley überwiesen wurden236.

Am 12.Februar 1916 wurde innerhalb des Munitionsministeriums unter Lloyd George das Tank Supply Commitee gegründet237, das für die Produktion der Tanks zuständig sein sollte und das Joint Commitee ersetzte.

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Die Frage nach dem Fahrzeug und seiner Produktion war damit geklärt. Was noch nicht geklärt war, war die Organisationsform der gepanzerten Streitmacht innerhalb der Armee und ihr Personalersatz. Beides wurde dadurch beantwortet, daß die ersten Tanks und ein Teil des an der Entwicklung beteiligten Personals des RNAS dem beinahe ebenso jungen MGC238, welches das Tank Department offiziell als „Heavy Section“ unter dem Befehl Swintons aufnahm, überstellt wurden.

Geheimhaltung wurde während der gesamten Test- und der Ausbildungsphase großgeschrieben239, was zum Umzug des Tank Departments auf das abgeschiedene Eleveden Explosive Area in Suffolk führte. Die dort im Juni 1916 eintreffenden Tanks waren mit kyrillischen Aufschriften versehen, „With Care to Petrograd“, die den Einsatz der Fahrzeuge als Wassertransporter beziehungsweise Tankwagen für die unwegsamen Weiten Rußlands vortäuschen sollten240.

Für die Ausbildung der Einheit in Eleveden scheinen Swintons Bemerkungen zum Einsatz der Tanks von Februar 1916 ausschlaggebend gewesen zu sein241. Der Tank wurde als Unterstützungswaffe der Infanterie beim Angriff klassifiziert, was zu der letztlich richtungweisenden Schlußfolgerung führte, daß die Tanks auf maximale Zusammenarbeit mit anderen Waffen angewiesen sein würden242. Im Einsatz würde sich die Infanterie auf seinen Schutz einerseits, auf seine eigene Feuerkraft andererseits stützen können. Hindernisse würden überrollt werden und Maschinengewehrnester ausgeschaltet werden können, noch bevor sie unter Feuer gerieten. Ferner würden Tanks dazu geeignet sein, Kommunikationsmittel mitzuführen und Feldkabel für Telefone zu verlegen. Woran demgegenüber kein Zweifel bestand, war die Gefahr, daß die Tanks durch feindliche Artillerie und alle Arten von Sprengladungen außer Gefecht gesetzt werden könnten243. Ferner setzte Swinton voraus, daß allein der erste Einsatz von Tanks, der vollständig durchgeplant und mit allen verfügbaren Kräften durchgeführt werden müsse, eine einmalige Möglichkeit eines strategischen Erfolges beinhaltete:

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„Since the chance of success of an attack by tanks lies almost entirely in its novelty, and the element of surprise, it is obvious that no repetition of it will have the same follows [...] .“244

So richtig Swinton mit der Bedeutung des Überraschungsfaktors und einer durchdachten Planung lag, so weit wich die Realität hinsichtlich eines konzentrierten Einsatzes und der Einmaligkeit großer Wirkung von seinen Vorstellungen ab.

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Am 21.Juli 1916 erschienen Kriegsminister Lloyd George und der Verantwortliche für den französischen Panzerbau, Oberst Estienne245, in Eleveden, um sich ein Bild von den Fortschritten des Tank Departments zu verschaffen, andererseits aber auch die Einsatzfähigkeit dieser Truppe vor dem Hintergrund der Sommeschlacht zu überprüfen246. Im August 1916 wurden zwei Kompanien des Tank Departments unter Befehl Oberstleutnant Broughs mit Personal und 50 Einsatz- sowie zehn Ersatzfahrzeugen nach Frankreich verschifft247.

Als Fazit der Entwicklungsgeschichte des Tank in Großbritannien kann festgehalten werden, daß sie maßgeblich durch den Einsatz Churchills und dessen Möglichkeiten geprägt wurde. Das Bild der Generalität, namentlich Kitcheners, gleicht offensichtlich den Feststellungen, die bis heute zu deutschen Verantwortlichen und deren Verhältnis gegenüber technischen Innovationen in Umlauf sind248. Auffällig ist für Großbritannien, daß die Möglichkeit und der Wille vorhanden waren, Ideen verhältnismäßig junger Personen auch aus neuen Waffengattungen und mit verhältnismäßig geringem Dienstgrad aufzunehmen und diesen Personen zu ermöglichen, mit den Vertretern der Wirtschaft nahezu frei zu arbeiten, sie entwickeln und experimentieren zu lassen. In gewisser Weise, was den Bruch mit einer dem Militär angeblich innewohnenden Hierarchiebehaftung anbelangt, kann man hier Parallelen zur Entwicklung des Kampfgases in Deutschland erblicken. Doch bei aller hier attestierbaren Parallelität, die in Hinblick auf Haber und sein Team doch nichts weiter ausschließt als den erst einmal ergebnisoffenen Einbezug von heutzutage unter dem Synonym der „Quereinsteiger“ oder „jungen“ Fachleute abschätzig beurteilten Ideenbringer, blieb die von britischer Seite gehegte Sorge um einen deutschen Tankbau 1915/16 faktisch absolut unbegründet249.

Was den Stand der Dinge beim Tank Department zum Zeitpunkt der Verschiffung an die Westfront angeht, so kann festgehalten werden, daß zwar binnen eines Jahres ein im Test fern der Front erprobtes Fahrzeug und motivierte Besatzungen gefunden worden waren, die Ausbildung am Tank, die Ausbildung unter realitätsnahen Bedingungen und vor allem das Zusammenwirken mit anderen Waffengattungen aber keine Zeit und Berücksichtigung gefunden hatten250. Selbst in dem in Frankreich errichteten, provisorischen Trainingslager bei Abbeville blieb dazu keine Gelegenheit, weil man mit geradezu öffentlichen Vorführungen der erstaunlichen und neuartigen Fahrzeuge beschäftigt wurde. Diese Vorführungen waren offensichtlich ohne jeden Wert für die Ausbildung der Truppe, und mit der vorher so sorgfältig gewahrten Geheimhaltung brachen sie völlig. Wie Cooper harsch formulierte, war es die Arroganz Haigs, der glaubte, auch mit der Hilfe dieser wenigen Tanks noch im Herbst des Jahres den entscheidenden Durchbruch an der Westfront erzielen zu können, die hierfür den Ausschlag gab251. Die Proteste Broughs gegen die regelmäßig dargebotenen Waffen-Shows führten jedenfalls zwei Wochen vor dem ersten Kampfeinsatz des Tank Detachment zu seiner Absetzung252.


Fußnoten und Endnoten

106  Siehe Pöhlmann, Markus: Von Versailles nach Armageddon, S. 363. Nach Pöhlmann handelte es sich um einen Kommentar zur Darstellung der Kampfwagen in der „Vorschrift zu Führung und Gefecht der verbundenen Waffen“, 1923 von einem Hauptmann v.d. Leyden veröffentlicht.

107  Siehe Keegan, John: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie, Hamburg 2001, S. 49ff.

108  Siehe dazu Balck, William: Entwicklung der Taktik im Weltkriege, Berlin 1920, S. 50.

109  Siehe ebenda, S. 256. Am 10.September 1914 hatte Moltke das Eingraben und Halten befohlen. Bereits einige Tage später standen die Verbündeten einer schier ununterbrochen erscheinenden Linie deutscher Feldbefestigungen gegenüber. Die Umsetzung von Falkenhayns Vorstellung, den Feind noch im September aus der neuen Frontlinie heraus angreifen zu können, scheiterte an den verfügbaren Mitteln; siehe Otto, Helmut/Schmiedel, Karl: Der erste Weltkrieg. Dokumente, Berlin-Ost 1977, Dok. Nr. 25, S. 91f.

110  Das Tragische hinter der so lange unreflektiert verehrten Symbolik des Langemarck-Mythos zeigt die Darstellung von Unruh mehr als deutlich; siehe Unruh, Karl: Langemarck. Legende und Wirklichkeit, Koblenz 1986.

111  Siehe Abschn. 7.2. und 12.5.2.

112  Siehe RA, Bd. 7, S. 3ff.

113  Die Kämpfe in der Champagne treten unter allen Sektoren, an denen um die Jahreswende 1914/15 intensive Kampfhandlungen stattfanden, als die möglicherweise ersten hervor, die sich stellungskriegtypisch langandauernd und materialaufwendig gestalteten. Zwischen dem 20.12.1914 und Mitte Februar 1915 erfolgten in der Champagne die ersten größeren französischen Durchbruchsversuche, zwischen denen die Kampfintensität kaum abnahm. Siehe hierzu auch Cron, Hermann/Goes, Gustav: Mein Kriegstagebuch, Berlin 1935, Nr. 56.

114  Siehe Afflerbach, Holger: Falkenhayn, München 1994, S. 260.

115  Siehe Falkenhayn, S. 34f. Defensive hieß hier aber keinesfalls, daß den Offensiven im Osten die Priorität eingeräumt werden sollte, die von den dortigen Führern, Hindenburg und Ludendorff, gefordert wurde. Falkenhayn sah an der Westfront den Ort, an dem das politische und das strategische Ziel lag; siehe Kraft, Heinz: Staatsraison und Kriegführung im kaiserlichen Deutschland 1914-1916, Frankfurt/Göttingen/Zürich 1980, S. 25.

116  Zitiert nach Falkenhayn, S. 45. Vergleiche Otto/Schmiedel, Dok. Nr. 46, S. 137-139. Der hier von General von Loßberg, dem späteren „Abwehrfachmann“ der 3.OHL, formulierte Vorwurf, daß Falkenhayn die Situation der Kriegsgegner tatsächlich zu negativ beurteilte, kann angesichts der Schlußfolgerungen der berüchtigten Weihnachtsdenkschrift 1915 nur unterstrichen werden.

117  Siehe RA, Bd. 7, S. 5.

118  Siehe etwa Keegan, S. 324, zum Durchbruch bei Gorlice-Tarnow (1.-13.Mai 1915), „der die russische Position an der Ostfront erschütterte, das österreichische Heer vor dem drohenden Zusammenbruch rettete und dem Deutschen Reich in seinem Zweifrontenkrieg die Atempause verschaffte, die es ihm erlaubte, 1916 bei Verdun eine Offensive gegen Frankreich zu beginnen“.

119  Siehe RA, Bd. 7, S. 5. Zur Lageeinschätzung Falkenhayns Mitte 1915 siehe Otto/Schmiedel, Dok. Nr. 46, S. 137ff., und Afflerbach, S. 262.

120  Siehe dazu RA, Bd. 7, S. 35: „Die Aussichten für eine Fortführung des Angriffs waren nicht günstig. Ersatzformationen und Depots hatten kaum ausgereicht, die entstandenen Verluste auszugleichen.“ Keegan, S. 197, gibt 306.000 Gefallene bis Ende 1914 an, Berghahn 400.000; siehe Berghahn, Volker R.: Sarajewo, 28.Juni 1914. Der Untergang des alten Europa, München 1997, S. 110.

121  Siehe Chickering, S. 73. Keegan, S. 267: „Frankreich, im August 1914 das Opfer einer deutschen Offensive und im bisherigen Kriegsverlauf territorial der Hauptverlierer, musste angreifen; das verlangten sowohl der Nationalstolz als auch wirtschaftliche Notwendigkeiten.“

122  Vom 19.2. bis 21.3.1915; siehe dazu auch Bloem, Walter: Der Weltbrand, Berlin 1922, S. 136ff. Vorausgegangen war vom 8. bis 14.1. die „Schlacht bei Soissons“, die von ihren Charakteristiken her zu den oben genannten lokalen Gefechten zählt. Der im Gegenangriff erzielte deutsche Erfolg brachte 5.200 Gefangene, 35 Geschütze und 6 Maschinengewehre ein; siehe dazu Cron: Mein Kriegstagebuch, Nr. 57, und RA, Bd. 7, S. 23ff.

123  Unter dem legendären Eindruck der Schlachten vor Verdun und an der Somme 1916 scheint dieser Umstand vielfach nicht beachtet worden zu sein. Wenn die Verlustzahlen etwa für die Schlacht bei Arras 1915, die sich nach Chickering, S. 74, auf 132.000 Soldaten des Empire und 73.000 Deutsche belaufen haben sollen, im Vergleich zu den über eine Million Ausfällen in der Sommeschlacht von 1916 auch gering erscheinen mögen, sollte auf den wesentlich begrenzteren Angriffsraum und die geringere Dauer der Schlacht hingewiesen werden. Schilderungen der Schlachten von 1915 zeigen bereits denselben Wahnsinn, der zum Kennzeichen der folgenden Schlachten geworden ist: „Der Lorettoberg ist ein wüstes Konglomerat von Trichtern und Grabenstücken. Kein Baum und kein Strauch grünt mehr dort oben. [...] Die Toten liegen unbeerdigt im Niemandsland.“; siehe Beumelburg, Werner: Sperrfeuer um Deutschland, Oldenburg 1929, S. 133.

124  Siehe Afflerbach, S. 198.

125  Siehe Falkenhayn, S. 44.

126  Einen Überblick über die Rüstungsanstrengungen der Entente bietet Keegan, S. 386f.

127  Siehe RA, Bd. 10, S. 44ff., und Afflerbach, S. 351.

128  Vergleiche Kruse, Wolfgang: Kriegsziele, Kriegsstrategien, Kriegsdiplomatie, in Kruse, Wolfgang (Hg.): Eine Welt von Feinden. Der Große Krieg 1914-1918, Frankfurt a. M. 1997, S. 25-42, S. 30f.

129  Zur sogenannten „Weihnachtsdenkschrift“ siehe RA, Bd. 10, S. 1ff.

130  Siehe RA, Bd. 10, S. 10ff., und Afflerbach, S. 363.

131  Siehe Strachan, Hew: The First World War. A new illustrated History, London u.a. 2003, S. 184. Dort sind für die deutsche Seite rund 337.000 und für die französische rund 377.000 Mann Verlust angegeben.

132  Kabisch etwa bezeichnete sie auch als die „reinste Form“ der Materialschlacht; siehe Kabisch, Ernst: Streitfragen des Weltkrieges 1914-1918, Stuttgart 1924, S. 235.

133  Siehe Keegan, S. 412.

134  Siehe bspw. Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 189: „Die Ausstattung der Ententearmeen mit Kriegsmaterial war auf eine bisher unbekannte Höhe gebracht. Die Sommeschlacht bewies es täglich klarer, wie weit der Vorsprung des Feindes war.“ Verschärft wurde dieser Umstand natürlich auch durch den jetzt ausgeprägten Mehrfrontenkrieg mit zusätzlichen Gegnern, wobei das totgesagte Rußland parallel zu den schweren Kämpfen an der Wesfront mit einer Generaloffensive aufwarten konnte und die Lage zusätzlich verschärfte.

135  Siehe ebenda, S. 208ff.

136  Siehe ebenda, S. 210 und 228f.

137  Siehe Kap. 10.ff., bes. Kap. 13.

138  Zitat Hindenburgs vom 31.August 1916 nach RA, Bd. 11, S. 3.

139  Siehe etwa Schulte, Bernd F.: Die deutsche Armee 1900-1914. Zwischen Beharren und Verändern, Düsseldorf 1977, S. 308: „Die Waffentechnik stellte der offensiven Kriegführung schon im taktischen Bereich erhebliche Hindernisse in den Weg, die sich 1870 wie 1904/05 bei Deutschen und Japanern in großen Verlusten ausgedrückt hatten.“

140  Siehe Arndt, Hans: Der Luftkrieg, in Schwarte, Max: Der Weltkampf um Ehre und Recht, Bd. 4, Leipzig o.J., S. 530. Bereits die einleitenden Worte des Beitrages (S. 529ff.) beinhalten zahlreiche Hinweise auf technische und menschliche Ursachen für die schleppende und bis 1914 noch in den Anfängen steckende Luftrüstung.

141  Beispiele auf allen Gebieten, die von diesen militärtechnischen Innovationen betroffen wurden, finden sich im RA, Anlagenband I zum Ergänzungsband Kriegsrüstung und Kriegswirtschaft. Schulte, S. 61, schrieb als Fazit der Entwicklung bis zum „technischen Quinquenat“ von 1911: „Die Finanzfrage und die Mittel, welche an die Flotte gingen, hemmten bis 1909 den Ausbau der Armee [...].“

142  Bezeichnend ist eben, daß zwischen dem ersten Typ, dem MG 01 und dem Standardtyp des Ersten Weltkrieges, dem MG 08, nicht nur der Modellnummer entsprechend sieben Jahre vergingen, sondern auch alle anderen mit dem Projekt verbundenen Fragen Zeit in Anspruch nahmen. Dasselbe läßt sich auch für eine neue leichte Feldhaubitze anführen. Das Modell 1898 wurde aus finanziellen Gründen nicht sofort eingeführt, sondern als lFH 98/09 1909 zum Standardtyp bestimmt. Um die Parallelität der Verhältnisse und Probleme zu illustrieren, kann man auf das französische Maschinengewehr verweisen, von dem erst 1914 ein konkurrenzfähiges Muster vorhanden war.

143  Siehe Linnenkohl, Hans: Vom Einzelschuß zur Feuerwalze. Der Wettlauf zwischen Technik und Taktik im Ersten Weltkrieg, Bonn 1996, S. 22f. Der Aufwand für eine einzige Maschinengewehr-Kompanie war bedeutend. Die Zurückhaltung der militärisch Verantwortlichen gegenüber der komplizierten neuen Waffe wird außerdem angedeutet: „Alles dies läßt die Einführung des MGs in allen damaligen Armeen besser verstehen, wenn auch das damalige Verhalten der Militärs nach heutiger Kenntnis der Dinge noch immer unverständlich bleibt. Eine Nahaufnahme der direkt vor dem Krieg zugrunde liegenden Verhältnisse in Großbritannien findet sich bei Fuller: Erinnerungen, S. 27ff.

144  Siehe Schulte, S. 69ff. und 311ff.

145  Siehe hierzu RA: Kriegsrüstung und Kriegswirtschaft, S. 85: „Zwar drängte auch der Generalstab wiederholt auf eine bessere und umfangreichere Bewertung der für die neuzeitliche Kriegführung unentbehrlichen technischen Hilfsmittel. Aber das Kriegsministerium war dazu nicht in der Lage, da es vor einem Versuch zurückscheute, durch Nachtragsforderungen den engen [finanziellen] Rahmen des laufenden Quinquenats zugunsten der technischen Bedürfnisse zu erweitern, mochte man auch von der Notwendigkeit einer stärkeren Berücksichtigung der Kriegstechnik auch durchaus überzeugt sein.“ Diese Handlungsmaxime änderte sich erst mit der Heeresvorlage von 1912, die unter dem Eindruck der damaligen außenpolitischen Lage und eines immensen Nachholbedarfs umfangreiche Forderungen formulierte; siehe ebenda, ab S. 172.

146  Die numerische Überlegenheit blieb ein bedeutender Faktor, dessen Herstellung gegenüber den potentiellen Kriegsgegnern als Hauptmotiv der Heeresvorlagen deutlich hervorsticht; siehe bspw. RA: Ergänzungsband I, S. 124. Daneben blieb der tradierte Anspruch auf Qualität erhalten; siehe Schulte, S. 78ff.

147  Siehe Sußdorf, Walter: Das Feldkraftfahrwesen in Schwarte, Max (Hg.): Der Weltkampf um Ehre und Recht, Bd. 6, Berlin/ Leipzig o.J., S. 337.

148  Siehe RA: Kriegrüstung und Kriegswirtschaft, Anlagen zum ersten Band, Berlin 1930, S. 282f.

149  Siehe Abschn. 2.3.

150  Siehe Wrisberg, S. 158f. Für den Gesamtbereich der Heeresmotorisierung findet sich dies auch angedeutet in RA, Ergänzungsband I, S. 280. Bei der Feldartillerie war es um die Jahrhundertwende auch schon zu solch einem Fall beziehungsweise abschreckenden Beispiel gekommen. Das gerade neueingeführte Feldgeschütz 1896 wurde augenblicklich von der modernen französischen Konkurrenz betroffen; siehe Linnenkohl: Vom Einzelschuß zur Feuerwalze, S. 76ff.

151  Siehe Ortenburg, Georg: Waffe und Waffengebrauch im Zeitalter der Millionenheere (Heerwesen der Neuzeit, Bd. V.1.), Bonn 1992, S. 151: „Die Kraftäußerungen des Tieres wurde durch den Einsatz der blanken Waffen im Handgemenge verstärkt und gab damit der Kavallerie ihren offensiven Geist, der selbst im Zeitalter der Mehrladegewehre noch zu erkennen war.“

152  Inwieweit dieser Faktor eine Rolle spielte, kann nicht deutlich gesagt werden. Auffällig ist jedenfalls, daß immer wieder weitblickende Offiziere mit verhältnismäßig geringem Dienstalter und Dienstgrad Vorreiterrollen einnahmen; siehe Linnenkohl: Vom Einzelschuß zur Feuerwalze, S. 33ff., und siehe vor allem –für die britische Seite und den Tank- Kap. 2.

153  Siehe etwa Fuller: Erinnerungen, S. 7 bzw. S. 29. Fuller schrieb zu dieser Feststellung in seiner autobiographischen Abrechnung mit technikfeindlichen Vorgesetzten, daß er trotz der von ihm selbst vor Kriegsausbruch geäußerten Mahnungen und Warnungen hinsichtlich der Wirkung moderner (Schnellfeuer-)Waffen zugestehen müsse, daß Phantasie zum Erkennen ihrer Bedeutung gehörte; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 7 bzw. S. 29.

154  Siehe Perrett, Bryan: Iron Fist. Classic Armoured Warfare, London 1995, S. 15, und Spielberger, Walter L.: Die gepanzerten Radfahrzeuge des deutschen Heeres 1905-1945 (Militärfahrzeuge, Bd. 4), Stuttgart 1974, S. 11.

155  Eine vor Kriegsausbruch mehrmals geforderte Mobilitätserhöhung bei der Fußartillerie bedingte bis 1914 einen zumindest in der ersten Kriegshälfte sehr signifikanten Vorteil Deutschlands an der Westfront. Nur deutsche Verbände führten mobile Belagerungsartillerie mit sich. Außerdem sind Minenwerfer und speziell zur Niederringung von Festungen gedachte Pionier-Belagerungtrains zu nennen. Siehe RA, Ergänzungsband, S. 251ff. und S. 264f. Siehe auch Linnenkohl: Vom Einzelschuß zur Feuerwalze, S. 88f., und Balck, S. 23.

156  Siehe Abschn. 1.2.1. Zur Qualität der nach 1918 geäußerten Vorwürfe gegen die militärisch Verantwortlichen siehe Pöhlmann: Von Versailles nach Armageddon, S. 339f.

157  Siehe dazu auch Balck, S. 4f., mit Andeutungen zum auch damals schon vorherrschenden Zweifel an der Realitätsnähe der Manöver.

158  An erster Stelle ist die Feldbefestigungsvorschrift (F.B., D.V.E. Nr. 230) von 1906 zu nennen, die Anweisung für den Bau und die Anlage von Stellungen für die verschiedenen Waffengattungen beinhaltet. Im Exerzier-Reglement für die Infanterie (Ex.R.f.d.I.) von 1906 wurde die Fähigkeit der Infanterie zur selbständigen Anlage von Feldbefestigungen verlangt, s. Ziff. 314, bzw. Ziff. 310-314, S. 92f. Die Felddienst-Ordnung (F.O., D.V.E. Nr. 267) von 1908 enthält keinen Abschnitt explizit zu Aspekten eines Stellungskrieges, rekurriert aber auf Fälle, in denen „ungedeckte“ Truppenteile eine Rolle spielen. Bedeutend ist dies vor allem im Kapitel zur Waffenwirkung (Ziff. 575-597, S. 171-176).

159  Dessen Bedeutung selbst beim Angriff wurde hervorgehoben: „Auch beim Angriff wird das Schanzzeug zur Festhaltung gewonnener Abschnitte und zur Schaffung neuer Ausgangsstellungen für das weitere Vorgehen wertvolle Dienste leisten; selbst im feindlichen Feuer kann sein Gebrauch von Nutzen sein.“, siehe F.B. Ziff. 7, S. 3.

160  Siehe Balck, S. 19.

161  Siehe FB Ziff. 80-87, S. 50-54.

162  Dagegen spricht auf der formellen Seite bspw. der Abschnitt zu Waffenwirkung in der FO, Ziff. 575-597, S. 171-176, wo es u.a. heißt: „Die große Feuergeschwindigkeit, das enge Zusammenhalten der Geschoßgarbe und die Möglichkeit, mehrere Maschinengewehre auf beschränktem Raume zu vereinen, ergeben raschen, durchschlagenden Erfolg auch auf weite Entfernungen.“; siehe ebenda, Ziff. 581, S. 172f. Im ExR, Ziff. 308, S. 92, wurde darauf hingewiesen, daß Bewegungen auf freiem Gelände angesichts des freien Schußfeldes für den Gegner „ungünstig“ seien. Dem Schützen sollte in der Ausbildung gezeigt werden „welche Gegenstände nur Deckungen gegen Sicht, welche Deckung gegen feindliches Feuer gewähren, [...]; auch die Verwertung von Befestigungsanlagen ist zu lehren.“ (Ebenda, Ziff. 151, S. 49).

163  Siehe dazu Balck, S. 4ff. Vergleiche Mai, S. 68, und Schulte, S. 304f.

164  Siehe Schulte, S. 293ff.

165  Siehe ExR, Ziff. 362ff., S. 104ff. Für die Kompanie mit etwa 250 Mann wurde eine Angriffsbreite von 150m vorgeschlagen, womit die Grundlage für die oben angeführte Waffenwirkung der modernen Gewehre und Maschinengewehre, nämlich eine gewisse „Dichte“ des Zieles, gegeben war.

166  Siehe ebenda, Ziff. 142ff., S. 47ff.

167  Sehr klar herausgearbeitet bei Unruh: Langemarck. Vergleiche damit die pathetisch-nationale Verklärung bei Thimmermann, Hermann: Der Sturm auf Langemarck. Von einem der dabei war, München 1933. Siehe auch Hüppauf, Bernd: Schlachtenmythen und die Konstruktion des „neuen Menschen“ in Hirschfeld, Gerhard (u.a. Hg.): „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch...“, Essen 1993, S. 53-103.

168  „Von den zwei Elementen der Taktik hatte bisher nur eines von der Maschine nutzen: nämlich das Feuer. Es hatte sogar so viel Nutzen, daß die Bewegung im Gefecht nahezu aufhörte.“ Aussage des französischen Generals Buat, zitiert nach Guderian, Heinz: Die Panzertruppen und ihr Zusammenwirken mit den anderen Waffen, Berlin 1937, S. 1.

169  Siehe dazu Ludendorff, Erich: Der totale Krieg, München 1935, S. 4ff.

170  Siehe Otto/Schmiedel, Dok. Nr. 31, S. 109f., Falkenhayn, S. 30f., und Afflerbach, S. 210.

171  Über den enormen Bedarf orientiert Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 90ff.

172  Siehe Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 102ff.

173  Mitte 1916 wurden die ersten „leichten M.G.-Trupps“ des deutschen Heeres gebildet, nachdem Briten und Franzosen vorangegangen waren; siehe Linnenkohl: Vom Einzelschuß zur Feuerwalze, S. 179ff., und Cron, Hermann: Geschichte des deutschen Heeres im Weltkriege 1914-1918, Berlin 1937 (Neudruck Osnabrück 1990), S. 130ff.

174  Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 131, und Linnenkohl: Vom Einzelschuß zur Feuerwalze, S. 181.

175  Ein Vergleich zu den ersten Informationen über Maschinengewehre (bspw. Organisation in „Batterien“ und Abhandlung im Kapitel zu Geschützmaterial) unterstreicht die bemerkenswerte Entwicklungsgeschwindigkeit; siehe bspw. Hein (Bearb.): Das kleine Buch vom Deutschen Heere. Hand- und Nachschlagebuch zur Belehrung über die deutsche Kriegsmacht, Kiel/Leipzig 1901 (Reprint Augsburg 1998), S. 146f.

176  Siehe Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 440ff.

177  Siehe Dewar, Michael: The First Flame Attacks in Fitzsimons, Bernhard (Ed.): Tanks & Weapons of World War I, London 1973, S. 48-50.

178  Siehe Kap. 8.

179  Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 178f.

180  Siehe dazu Hogg, Ian V.: the guns 1914-1918, New York 1971, S. 8, und Pope, Stephen/Wheal, Elizabeth-Anne : Dictionary Of The First World War, Barnsley 22003, S. 38ff.

181  Siehe dazu auch Pöhlmann, Markus: Stellungskrieg, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg, S. 866.

182  Siehe Fuller, John F.C.: Die entartete Kunst Krieg zu führen 1789-1961, Köln 1964, S. 189.

183  Siehe Kap. 9.

184  Siehe Fuller: Die entartete Kunst, S. 189ff.

185  Siehe Afflerbach, S. 260.

186  Siehe Groehler, Olaf: Der Lautlose Tod. Einsatz und Entwicklung deutscher Giftgase von 1914-1945, Hamburg 1989, S. 26.

187  Siehe ebenda, S. 36ff.

188  Groehler, S. 39 bzw. 40.

189  Sichtbar ist dies etwa am Titelbild einer bis heute nachgedruckten, pazifistischen Veröffentlichung der 20er Jahre, wo mit der Unterschrift „Gottes Ebenbild mit Gasmaske“ ein deutscher Soldat beim Sturmlauf mit gefälltem Gewehr zu sehen ist; siehe Friedrich, Ernst: Krieg dem Kriege, Frankfurt a.M. 241992.

190  Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 86: „Bald erkannte man, daß der traditionelle Korpsverband im Stellungskriege schwer aufrecht zu erhalten war. Rein schematisch gesehen, konnte dort, wo heute zwei Divisionen genügten, morgen schon das Doppelte oder Dreifache notwendig werden.“

191  Die bisherigen Ergebnisse aus einer noch nicht abgeschlossenen Untersuchung Christian Stachelbecks am MGFA zur 11.b.ID legen nahe, daß dies für bayerische Verbände in wesentlich geringerem Ausmaß galt, als es für das preußische Heer und die ihm angeschlossenen Kontingente galt. Die Frage der landsmannschaftlichen Homogenität beziehungsweise des Für und Wider gegen den geschlossenen Korpsverband beschäftigte Militärs den ganzen Krieg über, wie aus der Forderung zu seiner Wiederherstellung von Seiten des deutschen und preußischen Kronprinzen noch Mitte Oktober 1918 abzulesen ist; siehe BA-MA, RH 61/50601: HGr Kronprinz an OHL vom 17.10.1918, S. 3.

192  Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 98ff.

193  Dies galt für weite Teile der neuformierten technischen und Spezial-Formationen des Heeres; siehe ebenda, S. 75.

194  Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 86.

195  Siehe ebenda, S. 92f. bzw. S. 100.

196  Zu den Anfängen moderner Truppenbetreuung siehe Hugo, Melchior v.: Fürsorge für das geistige Leben im Heere, Wohlfahrtseinrichtungen usw. in Schwarte, Max (Hg.): Der Weltkampf um Ehre und Recht, Bd. 8, Berlin/Leipzig o.J., S. 348-388.

197  Balck nennt die Herbstschlacht in der Champagne von 1915 als ausschlaggebenden Anlaß zum Überdenken der geltenden Einsatzgrundsätze; siehe ebenda, S. 70ff. bzw. S. 82, vergleiche Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 105.

198  Zitiert nach Balck, S. 83.

199  Siehe Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 106ff.

200  Siehe Kap. 5.

201  Zur Verarbeitung des „Frontalltages“ mit den Schrecken des Schlachtfeldes und seinen Gefahren siehe bspw. Krumeich, Gerd: Kriegsgeschichte im Wandel in Hirschfeld, Gerhard (u.a. Hg.): „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch...“, S. 24, Ulrich, Bernd/Ziemann, Benjamin (Hg.): Frontalltag im Ersten Weltkrieg. Wahn und Wirklichkeit, Quellen und Dokumente, Frankfurt am Main 1994, und Ulrich, Bernd/Ziemann, Benjamin: Das soldatische Kriegserlebnis in Kruse: Eine Welt von Feinden, S. 127-158.

202  Zum Sektor der sogenannten Heeresmißstände, die in nahezu allen Bereichen des soldatischen Kriegserlebnisses in den nicht für diese neue Art von Kriegführung gewappneten Streitkräften auszumachen sind, siehe Hobohm, Martin: Soziale Heeresmißstände als Teilursache des Zusammenbruchs von 1918 (Werk des Untersuchungsausschusses des Reichtages, Reihe 4, Bd. 11/1), Berlin 1929.

203  In schriftlichen Selbstzeugnissen sind diese häufig aufzufinden; siehe etwa Ulrich/Ziemann: Das soldatische Kriegserlebnis, S. 140ff.

204  Siehe dazu Kap. 6. und Kap. 10.ff.

205  Das Kapitel beschränkt sich maßgeblich auf die Entwicklung des Tanks in Großbritannien. Details zu teilweise parallelen Entwicklungen in Frankreich werden im Abschn. 6.1. beschrieben, während deutsche Ansätze im Zusammenhang mit dem deutschen Tankbau innerhalb eines knappen Exkurses abgehandelt werden, siehe Abschn. 4.3.

206  Siehe Fuller: Tanks, S. 1ff., Perrett, S. 12ff., Smithers: Excalibur, S. 3ff., und Ogorkiewicz: Technologie der Panzer, S. 16ff.

207  Siehe Perrett, S. 14f.

208  Siehe ebenda, S. 15.

209  Siehe ebenda, S. 15.

210  In der Einleitung zu Mackseys Beitrag findet sich die Kombination „mistrust und apathy“ als Begründung für die zeitliche Verschleppung der Einführung von Panzern durch die militärisch Verantwortlichen; siehe Macksey, Kenneth: The Tank Story, in Fitzsimmons, Bernard (Hg.): Tanks & Weapons Of World War I, London 1977, S. 88.

211  Siehe Spielberger, S. 15. In Deutschland wurden aus diesem Grund die bis hierhin sehr umfangreichen Versuche mit Straßenpanzerwagen 1910 eingestellt.

212  Das von der Firma Ehrhardt vorgestellte „Ballon-Verfolgungsfahrzeug“ von 1906 wurde nicht eingeführt. Dennoch gab es ab 1912 wieder Pläne, die motorisierte Ballon-Abwehr zu realisieren, was 1915 zu brauchbaren Fahrzeugen führte; siehe Spielberger, S. 15.

213  Siehe Abschn. 1.2.1.

214  Siehe Ogorkiewicz: Technologie der Panzer, S. 20.

215  Siehe auch Macksey, Kenneth: The Tank Story, in Fitzsimmons, S. 88.

216  Siehe Smithers: Excalibur, S. 11. Ogorkiewicz: Technologie der Panzer, S. 19, verweist zudem darauf, daß der Kettenantrieb insgesamt noch viel zu wenig bekannt gewesen sei. Mangelndes Vertrauen in diese Technik konnte somit neben die offenbar gewordenen technischen Mängel und praktisch nicht gelösten Fragen treten.

217  Die Darstellungen in den bisher aufgeführten Titeln unterscheiden sich deutlich. Der Verfasser schließt sich den Feststellungen Ogorkiewiczs: Technologie der Panzer, S. 22f., an.

218  In allen kriegführenden Heeren wurden nach Kriegsausbruch vor allem zivile Fahrzeuge aller Art zu verschiedensten Zwecken eingesetzt. In der britischen Armee gab es bei Mobilmachung neben 80 Lkw, 20 Pkw und 15 Krädern auch 36 „traction-engines“ (Smithers: Excalibur, S. 11). Unter diesen befanden sich bis spätestens Oktober 1914 auch einige amerikanische „Holt caterpillar tractors“; siehe Perrett, S. 35.

219  Fuller: Tanks, S. 18.

220  Smithers: Excalibur, S. 15f.

221  Siehe Cooper, Bryan: The Ironclads Of Cambrai. The First Great Tank Battle, London 1967 (Neudruck 2002), S. 22.

222  Zitiert nach Smithers: Excalibur, S. 17.

223  Zitiert nach Fuller: Tanks, S. 19

224  Dieser Druck ist in der Literatur nicht näher spezifiziert, wird sich sehr wahrscheinlich aber aus Churchills Engagement ergeben haben.

225  Siehe auch Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 228, mit näheren Angaben zum Umfang von Churchills Unterstützung im Jahr 1917.

226  Wie Smithers (Excalibur, S. 21) angibt, war das älteste Mitglied des Komitees aus den Reihen des RNAS gerade einmal 36 Jahre alt.

227  Siehe Perrett, S. 35

228  Siehe ebenda. Angeführt wird von Perret besonders der vierte Seelord, Lambert, der sich in drastischen Worten artikulierte und vom Plan des „Landschiffs“ wenig angetan war.

229  Siehe Fuller: Tanks, S. 21.

230  Spezifikationen bei Fuller: Tanks, S. 23.

231  Siehe Ogorkiewicz: Technologie der Panzer, S. 26.

232  Siehe Cooper: Cambrai, S. 30f.

233  Siehe Fuller: Tanks, S. 29.

234  Siehe ebenda, S. 30.

235  Siehe ebenda und Cooper: Cambrai, S. 32.

236  Siehe Fuller: Tanks, S. 31 und Cooper: Cambrai, S. 31f.

237  An der Spitze des Komitees stand bezeichnenderweise ein Oberleutnant. Es handelte sich um den 36jährigen „Bertie“ Stern. Ein Mann mit besten Verbindungen zur Politik und Finanzwelt („for he was the most clubbable of the men“), ausgewiesen unternehmungslustig, was seine Beteiligung am Krieg anbelangt, und als freiwilliges Mitglied der motorisierten Abteilung des RNAS mit Erfahrung im Umgang mit Dienststellen, Vorgesetzten, Behörden und Fahrzeugen gesegnet; siehe Smithers, S. 18ff.

238  Hierbei empfahl sich scheinbar besonders das Personal des Motor Machine Gun Corps, einer motorisierten Einheit des MGC, das Anziehungspunkt für junge Freiwillige mit technischem Verständnis und einer Prise Abenteuerlust gewesen war. Smithers, S. 60, nennt in deren Reihen u.a. den Sohn des früheren Präsidenten Roosevelt und eine Anzahl weiterer Freiwilliger aus den Vereinigten Staaten und Kanada. Cooper: Cambrai, S. 32, berichtet von großen Schwierigkeiten mit der Rekrutierung für die Heavy Section, die nur mit Überzeugungsarbeit im Schatten der Geheimhaltung vollzogen werden konnte.

239  Siehe Wright, S. 30 und 34f. Siehe auch Fuller: Tanks, S. 51, mit dem Hinweis Swintons, daß bis zur vollen Einsatzbereitschaft der Tanks absolute Geheimhaltung zu wahren sei.

240  Siehe Wright, S. 30. Vergleiche Holmes, Richard: Brazen Chariots, unter www.bbc.co.uk/history/lj/warslj/guns_09.shtml [Stand vom 14.10.2004]. Nach Holmes stammt die Bezeichnung Tank aus der Produktionsphase, in der Arbeiter die vermeintlich für die Kriegführung in Mesopotamien bestimmten Teile mobiler Wasserbehälter so nannten.

241  Siehe Fuller: Tanks, S. 50ff.

242  „The Tanks cannot win battles by themselves”, ist zweifelsfrei eine der zentralen Aussagen in Swintons Memorandum; siehe Fuller: Tanks, S. 52.

243  Diese Vorstellung blieb bis zum Kriegsjahr 1918 ohne praktische Entsprechung; siehe Kap. 11.ff.

244  Zitiert nach Fuller: Tanks, S. 51.

245  Siehe Kap. 6.

246  Siehe Wright, S. 33f.

247  Siehe Cooper: Cambrai, S. 33, und Fuller: Tanks, S. 54.

248  Siehe Abschn. 1.2.1.

249  Churchill hatte bereits in seinem Brief an Premierminister Asquith von Januar 1915 darauf verwiesen: „One of the most serious dangers that we are exposed to is the possibility that the Germans are acting and preparing all these surprises [Tanks, alle Arten von gepanzerten Kriegsmitteln, künstlicher Nebel], and that we may at any time find ourselves exposed to some entirely new form of attack.” Zitiert nach Fuller: Tanks, S. 20. Tatsächlich scheint die erste Meldung über britische Ansätze auf dem Sektor neuartig motorisierter Landkriegführung mittels gepanzerter Fahrzeuge bereits am 15.10.1915 auf deutscher Seite angekommen zu sein. Ein Nachrichtenoffizier der OHL bei einer Armee (ferner „NO“) gab zu Protokoll, daß in Großbritannien ein Wettbewerb zum „Lösen militärischer Probleme, darunter auch von Auto-Mitrailleusen“ stattfand. Die Begriffswahl, die eher auf einen damals ja auch bereits bekannten, bewaffneten Kraftwagen (Panzerwagen) als auf ein Kettenfahrzeug neuer Art hinwies, mag dazu beigetragen haben, daß dieser Beobachtung kein besonderer Wert beigemessen wurde. Siehe dazu BA-MA, RH 61/50768: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 2.

250  Siehe Wright, S. 35, und Cooper: Cambrai, S. 34.

251  Siehe Cooper: Cambrai, S. 33.

252  Siehe Wright, S. 37.



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22.04.2008