4 „Ein lohnendes Ziel“. Die Geburtsstunde der deutschen Tankabwehr, 1916/17.

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Die eigentliche Geburtsstunde der Tankabwehr festzulegen, ist nicht einfach. Sicherlich liegt es nahe, sie mit dem ersten Erfolg gegen einen Tank am 15.September 1916 anzusetzen430. Jedoch handelte es sich zu diesem Zeitpunkt um eine eindeutige Reaktion oder gar Improvisation einer den Tanks völlig unerwartet ausgesetzten Truppe, was mit einem planmäßigen, durchdachten Vorgehen nichts gemein haben konnte. Die im vorherigen Abschnitt angeführte Zuweisung von Geschützen zur Tankabwehr an das AOK 1431 basierte ebenfalls nicht auf faktischen Erkenntnissen, sondern auf einem Kenntnisstand, der im Vermuten günstiger Waffenwirkung gegen das neue Kriegsgerät, von dem damals noch so gut wie nichts bekannt war, kulminierte. Und selbst zum Zeitpunkt von Ludendorffs Schreiben an das Kriegsministerium vom 23.Oktober 1916432, das allein im Wissen um eine signifikante oder gar erschreckende Wirkungsweise des Tanks in Form psychologischer Auswirkung und größerer Gefangenenzahlen verfaßt wurde433, überwog die Anzahl der Annahmen und Spekulationen gegenüber den Tatsachen.

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Überprüft man die drei Faktoren Mittel, Einsatzkonzeption und Bewährung, stellt man fest, daß für die deutsche Tankabwehr drei große Unbekannte vorlagen, die mit weiteren Erkenntnissen über die technischen Grundlagen der Tanks und die taktisch relevanten Vorkommnisse ihrer ersten Einsätze stehen oder fallen konnten. Dementsprechend reagierte das Kriegsministerium auf Ludendorffs Weisung zur Konstruktion von Tankabwehrwaffen und eigenen Panzern mit der augenblicklichen Einforderung aller Details über Tanks, derer man aus den bisherigen Berichten und zukünftig habhaft werden konnte434. Es wurde mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß, sobald und sofern irgend möglich, Angaben über Panzerstärken und Abmessungen bei erbeuteten oder zerstörten Fahrzeugen zu überprüfen und im besten Fall durch Skizzen oder photographische Aufnahmen zu dokumentieren seien435. Die ersten Äußerungen des Kriegsministeriums zu den erfolgversprechendsten Munitionstypen der Artillerie gegen Tanks436, die einem damals real gegebenen, geringen Kenntnisstand über die Bauart der Fahrzeuge vordergründig widersprechen könnten, belegten tatsächlich lediglich, daß man denjenigen Granaten Effektivität zusprach, welche die größte Wirkung gegen Panzerung aller Art hatten. Unterstrichen wurde dadurch also allein Unkenntnis, die in der Banalität der ersten Empfehlung von Seiten des Ministeriums noch durch die Binsenweisheit, daß die Erfolgsaussichten auf die Wirkung der verschossenen Granaten bei schwindender Entfernung zum Ziel zunehmen würden437.

4.1 Tankabwehrmittel und die Hypothese ihrer Bewährung in der Sommeschlacht.

Den Spezialisten der Artillerie-Prüfungs-Kommission (APK) hatte das Kriegsministerium am 21.Oktober 1916 mit Hinweis auf Dringlichkeit den Auftrag erteilt, die „Herstellung geeigneter Abwehrmittel“438 voranzutreiben. Gefordert wurde, daß es sich um handliche Waffen mit einem Maximalkaliber von 5,7cm handeln solle, die im günstigsten Fall als neumoderne „Wallbüchsen“ über den Grabenrand abzufeuern seien. Für die Abwehr infanteristischer Angriffe sollten sich die neuen Waffen zudem zum Verschießen von Kartätschen eignen. Der Auftrag stellte die APK vor die große Aufgabe, aufgrund geringen Wissens über die mit einem neuerdings gepanzerten Gegner verbundenen Anforderungen ein möglichst simples, aber äußerst leistungsfähiges Multifunktionsgeschütz mit neuartiger Munition zu entwickeln, während gleichzeitig auf die angespannte Rüstungslage439 zu achten war.

Ohne auf die Ergebnisse der APK oder weitere Informationen zum Tank zu warten, suchte die OHL nach einer schnellen Lösung, wie man sie mit der ersten Entsendung kleinkalibriger Geschütze an die Somme zuvor schon vollzogen hatte. Wenn auch angesichts der stark variierenden Angaben über die Panzerung der Tanks (9,3- 25 oder gar 30mm440) nicht mit Gewißheit gesagt werden konnte, ob diese Geschützarten gegen alle Panzertypen und Panzerungen wirksam sein konnten, bedeuteten sie eine Verstärkung. Um diese weiter zu steigern und mit dem Kaliber auf eine sichere Seite zu gelangen, lag es nun nahe, Geschütze größeren Kalibers zu nutzen. Die Aufstockung der Anzahl sinn- und auftragsgemäß am nächsten an einer Tankabwehrwaffe liegenden Infanteriegeschütze wurde noch Ende 1916 beantragt441. Ihre Beschaffung als Spezialgeschütz einer 7,7cm Kanone L/20 war rüstungstechnisch scheinbar nicht zu gewährleisten, und daher wurden mit überzähligen Rohren der bei der Feldartillerie gebräuchlichen 7,7cm Feldkanone 96 neuer Art (FK 96 n/A)442, verschiedenen Lafetten und Rohrwiegen Infanteriegeschütze mit kurzem Rohr (L/27) und niedriger Silhouette improvisiert.

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Nachdem seit dem 3.Januar 1917 der Mark I und damit der oben als Typ III443 gekennzeichnete Panzerwagen mit den bisher attestierten Eigenheiten als Standardgegner angenommen werden konnte444, wurde Anfang Januar 1917 die Aufstellung von 50 Nahkampfbatterien (NKB) zu je sechs Geschützen als Behelfslösung angeordnet445.

Basis waren auch hier FK 96 n/A, die wenigstens zum Zeitpunkt der Zusammenführung des Materials („Gerät-Batterien“) und der Bedienungen („Personal-Batterien“) mit artilleristisch ausgebildetem Personal aus den Feldartillerie-Formationen bemannt wurden446. Ausdrücklich und auf allen Befehlsebenen wurde gefordert, gerade bei der Auswahl der Offiziere und Richtschützen höchste Maßstäbe anzulegen, damit die selbständig agierenden Geschützbedienungen ihren taktisch wie disziplinartechnisch oder „moralisch“ fordernden Aufgaben als auf sich gestellte Widerstandsinseln im Trubel einer durch Tankeinsatz geprägten Schlacht gewachsen sein könnten447. Was die Erfüllung dieser Aufgaben praktisch sehr schwierig gestalten mußte und auch sollte, war die kuriose und vom ursprünglichen Plan der OHL abweichende Idee448, daß die Nahkampfbatterien quasi als bodenständige Verbände bei den Gruppen formiert werden sollten. Bodenständig mußte dabei nicht nur bedeuten, daß die Batterien fest den Gruppen zugeordnet waren, sondern auch, daß sie tatsächlich unbeweglich waren. Die Batterien verfügten laut Stärkenachweisung über keine Protzen und Munitionswagen für die Geschütze und über lediglich vier Zugpferde als Bespannung für einen Lebensmittel- und einen Packwagen449. Das Bespannungsproblem konnte bei Bewegungen im Gruppenbereich sicher durch die kurzfristige Zuteilung von Pferden gelöst werden, doch bei Verschiebungen über diesen Befehlsraum hinaus mußten Schwierigkeiten vorprogrammiert sein. Als mobile Tankabwehr-Reserve der OHL, für die sie nach Aussagen in der Tankabwehrvorschrift des AOK 6 vom 25.März 1917 gedacht sein mußten450, waren die Nahkampfbatterien ausstattungstechnisch jedenfalls denkbar schlecht gerüstet.

Der Weg zu einer speziellen „Tankabwehrkanone“ (Tak) dauerte bis weit ins Jahr 1918451, was sich vor allem –neben den hohen Anforderungen an eine Neukonstruktion- wohl auch daraus ergab, daß man einen Zufallsfund an der Westfront machte, der vorläufig von den Sorgen entband, kostbare Ressourcen für Neuentwicklungen freigeben zu müssen452 und davon freisprach, sich mit den bisher getroffenen Maßnahmen auf einem gefährlich unsicheren Weg zu befinden. Im Februar 1917 gelangten französische Dokumente in deutschen Besitz, die sich mit der Möglichkeit eines deutschen Tankangriffs und den dagegen zu ergreifenden Maßnahmen befaßten453. Aus ihnen ging hervor, daß die französische 37mm Kanone M 1916, ein Kleingeschütz, das von der Infanterie im Schützengraben genutzt wurde454, ein wirksames Abwehrmittel darstelle und die Panzerung der Tanks außerdem mit Stahlkernmunition der Infanteriewaffen zu durchschlagen wäre455. „Daher“, so urteilte das AOK 6 in der scheinbar ersten gedruckten Tankabwehrvorschrift des Heeres später, „darf man mit unseren groesseren Kalibern auf sicheren Erfolg rechnen“456. Auch wenn man diesen Rückschluß an sich als gewagt kennzeichnen muß, sprach das Spektrum der zur Tankabwehr zur Verfügung stehenden artilleristischen Waffen, die von der APK umgehend durch spezielle Panzerabwehrgranaten457 bis zum Kaliber 7,7cm ergänzt werden sollten, dafür, sich auf einer sicheren Seite zu befinden.

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Die Panzerung der feindlichen Tanks war, gemessen an den Möglichkeiten der artilleristischen Tankabwehr, gering, und dies erklärte auch den Erfolg gegen sie in der Sommeschlacht, als es zum direkten Duell zwischen Panzerwagen und den Standardmodellen der Feld- und Fußartillerie gekommen war. Auf Grundlage dieser Erkenntnis und ihrer Untermauerung durch die erbeuteten Dokumente mußte davon ausgegangen werden, daß die Bewährungsphase bereits abgeschlossen worden war und man mit dem Stand von Februar/März 1917 allen bekannten Bedrohungen gegenüber artilleristisch im Vorteil war: Mit den neuen Munitionsarten wurde den 7,7cm Nahkampfgeschützen die effektive Reichweite von 1.500m, den 5cm Kanonen von 1.000-1.200m und den 3,7cm Kanonen von 6-800m gegenüber der maximal angenommenen Panzerung zugestanden458. Mit einer derartigen „Leistungsreserve“ der Geschütze, die sich aus der tatsächlich zu stark angenommenen Panzerung der Tanks ergab, sah man auch den von Kriegsgefangenen459 angekündigten verbesserten Fahrzeugmodellen ruhig entgegen.

Für die Infanterie konnte man den französischen Beutedokumenten entnehmen, daß zumindest mit dem „Spitzgeschoß mit Kern“ (SmK) für Gewehr und Maschinengewehr etwas auszurichten sein dürfte. Diese Munition war bereits früher zur Bekämpfung von Zielen hinter Panzerschutz, etwa Stahlschilden, entwickelt worden460 und drängte sich für den Kampf gegen Tanks auch auf. Sie war in der Produktion allerdings teuer, was ein Maß an „Haushalten“ und damit keine allzu große Verbreitung voraussetzte461. Die Durchschlagleistung gegen Stahlplatten betrug bei einem Auftreffwinkel von 90 Grad 11mm auf 100m und 9mm auf 200m462. Von einer alleinigen oder primären infanteristischen Tankabwehr mit Minenwerfern, Maschinengewehren oder auch geballten Ladungen versprach man sich angesichts der Erfahrungen aus der Sommeschlacht keinen sicheren Erfolg463.

Wahrscheinlich in erster Line, um die bis April 1917 noch bestehenden Fragen bei nächster Gelegenheit beantworten zu können und um die Motivation aller Truppen bei der Tankbekämpfung zu steigern, setzte man für die Zerstörung von Tanks Prämien aus. Solche Gelder wurden gewöhnlich als Vergütung für das Sammeln oder Erbeuten kriegswichtiger Rohstoffe, Waffen und Munition an die abliefernden Einheiten als Kollektiv ausgezahlt, wobei laut einer Aufstellung von November 1916 die Einbringung eines schweren oder mittleren, gezogenen Minenwerfers mit 300 Reichsmark mit Abstand am höchsten vergütet wurde464. Die Aufmerksamkeit, die dem Phänomen Tank entgegengebracht wurde, spiegelt sich demnach auch in den 500 Reichsmark wieder, die ab dem 15.Dezember 1916 für einen Tankabschuß an einen Truppenteil ausgezahlt werden sollten465.

4.2 Die Konzeption der Tankabwehr.

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Auf der Basis der angenommenen Bewährung der vorhandenen, artilleristischen Waffen in der Sommeschlacht und aufgrund der ersten Vorschläge zur Tankabwehr veröffentlichte die OHL am 16.März 1916 eine Weisung über „Besondere artilleristische Hinweise“, die sich im dritten Abschnitt dem Beschießen von Tanks widmete466. Darin standen drei Aspekte im Vordergrund: Erstens, daß die artilleristische Tankabwehr vollständig organisiert sein mußte, um die angemessene Feuerverteilung und Feuerleitung im Gefechtsabschnitt zu gewährleisten, zweitens, daß die Tanks, die in Zielstreifen von Batterien auftreten, augenblicklich mit allen Geschützen bekämpft werden müssen, und drittens, daß das Bewußtsein für die Notwendigkeit von „Kaltblütigkeit“ und von Gewißheit auf Abwehrerfolg bei Infanterie und Artillerie gleichermaßen ausschlaggebend für ein positives Ergebnis waren467. Die Anweisung blieb hinsichtlich Details recht vage, besonders was den dritten Punkt und die der Infanterie zur Verfügung stehenden Abwehrmittel anging. Daß den im Verteiler aufgeführten Ausbildungsstäben der Artillerie und jedem Truppenteil der Infanterie –bis hinab zu den Bataillonen- daraus eine gewisse Freiheit, aber auch Unsicherheit bei der praktischen Umsetzung dieser Richtlinien erwachsen mußte, kann sicherlich unterstellt werden468.

Am 25.März 1917 schuf das AOK 6 eine neunzehnseitige „Anweisung der Bekaempfung der feindl. Panzerkraftwagen (Tanks) durch Artillerie“469. Wie die der Vorschrift vorangestellte Reihe von Bestimmungen der Heeresgruppe Rupprecht und des Chefs des Generalstabes des Feldheeres zwischen November 1916 und März 1917 nochmals deutlich zeigt470, bestand auf Seite der höheren und höchsten Führung ein dezidiertes Interesse an der Tankabwehr. Den Grund dafür legte das AOK 6 in den ersten Zeilen seiner Anweisung dar:

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„Tanks sind zukuenftig an Angriffsfronten in grosser Anzahl und verbesserter Form bei den Englaendern und wahrscheinlich auch bei den Franzosen zu erwarten.“471

Nach dem Resümee der bisherigen Darstellungen über Fahrzeugart(en)472, Bewaffnung, Besatzung und Mobilität473 widmete sich die Anweisung den aufgetretenen Verwendungsarten. Hierbei schlugen sich die mechanisch-organisatorischen Probleme auf britischer Seite474 derart nieder, daß ein breites Spektrum von Vorkommen und taktischer Verwendung der Tanks, vor, hinter, nach oder zusammen mit der Infanterie, angenommen wurde475. Das Zurück- oder Stehenbleiben von Tanks im Gefecht führte man auf die Qualität der Fahrzeuge als dauerhafte Stützpunkte und, viel zutreffender, auf mögliche Pannen zurück476. Die Hauptangriffsziele der Tanks waren „Stuetzpunkte, Maschinengewehre, Scharfschuetzen und Batteriebedienungen“477, die sie unter zugegebenermaßen geschickter Ausnutzung des Geländes und der Sichtverhältnisse angingen. Die Fahrzeuge wurden offensichtlich erst kurz vor dem Angriff nahe an die Angriffsziele herangebracht und nutzten das Morgengrauen, um plötzlich und unmittelbar in das Geschehen eingreifen zu können478.

Zu diesen Bemerkungen der Anweisung ist aus heutiger Sicht zu sagen, daß sie ein erstaunlich realitätsnahes Abbild der bisherigen Tankoperationen boten und, wenn im Detail damals noch nicht endgültig bewiesen, nachvollziehbar und vorstellbar, so doch nahezu alle Grundsätzlichkeiten der späteren Einsätze zwischen dem Debakel von Cambrai 1917 und dem katastrophalen „schwarzen Tag“ 1918 vorwegnahmen. Das Morgengrauen, dem man gedanklich den mancherorts sehr dichten Morgennebel sowie dessen Verstärkung durch künstlichen Nebel beiordnen kann, die Nähe zu den Angriffszielen durch verdecktes oder –später jedenfalls- unbemerktes oder unbeachtetes Einfließen in Bereitstellungsräume sowie die größere Anzahl beteiligter Tanks sind in diesem Zusammenhang äußerst bemerkenswert und verweisen auf Bedingungen, wie sie in den drei großen Tankschlachten tatsächlich auch vorliegen sollten479.

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Die Bekämpfung der Tanks sollte primär Aufgabe der Artillerie sein, der sich wegen der „langsamen Fortbewegung [480] und Groesse ein lohnendes Ziel“ bieten mußte481. Abhängig von den Geschütztypen, welche von der Fußartillerie und Feldartillerie gebraucht wurden, ergaben sich zwei grundlegende Bekämpfungsarten, die im Oktober bereits vom Stabschef der Heeresgruppe Rupprecht, von Kuhl, angeführt worden waren482, nämlich die Fern- und die Nahbekämpfung.

Neben den Berichten von Augenzeugen und ersten Analysen der Vorgänge konnte nun auch auf Ergebnisse von Truppenversuchen483 zurückgegriffen werden. Die Waffen der schweren Artillerie, weittragende Kanonen und großkalibrige Steilfeuergeschütze, wurden für eine geradezu prophylaktisch wirkende Bekämpfung auf große Entfernung als ideal angesehen, wobei ihre Aufgaben klar definiert wurden:

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„Haupterfordernis: fruehzeitiges Erkennen und Bekaempfen: (dies bester Schutz gegen Tanks). Endziel: Vernichtung durch Massenfeuer ganzer Batterien, bevor Tanks zum Nahangriff uebergehen.“484

Vorbedingung für dieses Verfahren war eine hervorragend arbeitende Beobachtung, die Batterien das Erscheinen von Tanks in ihren für Tankbekämpfung zugewiesenen Zielstreifen schnell melden konnte, und eine klare Feuerleitung. Auf die Auswirkungen des Großkampfes, nämlich den Verlust ganzer Batterien oder die Unmöglichkeit für diese, sich der Tankabwehr im Feuer der feindlichen Geschütze zu beteiligen, wurde hingewiesen. Der Lösungsansatz für diese sehr wahrscheinlich auftretenden, praktischen Schwierigkeiten kam recht lapidar geäußert daher und konzentrierte sich auf die Forderung, daß für ausgefallene Batterien andere einspringen sollten485. Die Annahmen für die Beobachtung, die mit Fliegern, Ballonen und Erdbeobachtungsstellen arbeiten sollte, entbehrten zudem erstaunlicherweise aber der Berücksichtigung feindlicher Waffenwirkung. Daß der Einsatz fliegender Beobachter als Verfahrensmaxime zwangsweise die Lufthoheit über dem Schlachtfeld voraussetzte und auf der Erde sehr leicht auch die besten Kommunikationsmöglichkeiten unterbrochen werden konnten, spielte in der Anweisung keine Rolle. Vorschläge zur Koordinierung der Tankabwehrmaßnahmen und eben auch der Feuerleitung der schweren Geschütze vermißt man ebenfalls, wobei die fehlende Benennung speziell Verantwortlicher besonders auffällig ist486. Die Verantwortung für Tankabwehrfragen mußte dementsprechend bei den Führern der Artillerie(n), Infanterie und Pioniere liegen, denen auf der jeweils nächsthöheren Führungsebene kein in alle Belange eingeweihter Fachmann als Ansprechpartner gegenüberstand.

Bei der Nahbekämpfung der Tanks mußten diese Faktoren weniger berücksichtigt werden, da bevorzugt mit den direkt hinter der vordersten Infanterielinie aufgestellten Einzelgeschützen gegen diejenigen Fahrzeuge gewirkt werden sollte487, die der Fernbekämpfung entgangen waren488. Das Überleben von derart eingebauten Geschützen und ihren Bedienungen sollte durch Tarnung und Stillschweigen bis zum Auftreten des gepanzerten Zieles im Wirkungsfeld gewährleistet werden489. Einer besonderen Feuerleitung bedürfe es hierbei nicht, sondern lediglich „umsichtiger und geschickter“ Geschützführer und Richtkanoniere, die mit Argusaugen auf die Disziplin zu achten und bei ihren Untergebenen „Verstaendnis und Interesse“ für ihre Aufgabe zu wecken hätten490. In dieser Hinsicht entsprach die Vorschrift genau denjenigen Appellen an die Kampfbereitschaft der Truppe, die schon oft zuvor und immer wieder danach einen Hauptbestandteil von Erfahrungsberichten bildete. Bei den Erfahrungsberichten zur Sommeschlacht wird dies besonders deutlich. Denn trotz „Zahl und Technik, die den Krieg zu beherrschen scheinen“, sei die willensstarke „Einzelpersönlichkeit“ und der „unerschütterliche Willen der Unterführer und des einzelnen Mannes“ entscheidend491. Daß die Überspannung dieses Mottos, in seiner 1918 durch die Führung fast ultimativ kultivierten Ausprägung im Zeichen einer von ihr als „Dolchstoß“ aufgefaßten Variante, ein unerwartetes Kriegsende herbeiführen sollte, da auch deutsche Soldaten ihren Gegnern nur bis zu einem gewissen Grad gewachsen waren, schien zu diesem Zeitpunkt augenscheinlich undenkbar.

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Für die artilleristische Nahbekämpfung von Tanks würden vor allem die Nahkampfbatterien genutzt werden, die den Divisionen unterstellt werden sollten492. Angesichts der geringen Anzahl dieser Geschütze war dies allerdings nur dann und dort möglich, wo die OHL die besondere Gefährdung eines Abschnittes zugestand493. Wie sich dieser Anspruch im Hinblick auf die Ausstattung der Nahkampfbatterien und ihrer zuvor attestierten Bodenständigkeit bei den Gruppen umsetzen lassen sollte, wurde mit keinem Wort erläutert. Die Vorbereitungen für die speziellen Feuerstellungen der Nahkampfgeschütze, die mehrere Schießscharten und Rampen zum Herausziehen der Geschütze in offene Feuerstellungen haben mußten, sollten dennoch in allen Divisionsabschnitten der Westfront vorbereitet werden494, womit man der Möglichkeit der Vermehrung der Tanks und ihrer Mobilität im Mindestmaß Rechnung trug.

Neben die Nahkampfgeschütze würden ergänzend die kleinkalibrigen Waffen, 3,7cm und 5cm Kanonen, treten, die den Generalkommandos zugewiesen werden sollten. Für sie galten dieselben Anweisungen wie für Nahkampfgeschütze, und auch hier wurde ihre geringe Zahl beziehungsweise der lokale Bedarf als Grundlage der Zuweisung definiert495. Auch aus diesem Grund führte das AOK 6 in einem letzten Abschnitt zur Nahbekämpfung an, daß alle Teile der Artillerie jederzeit zur Tankbekämpfung befähigt sein müßten496. Sobald sich Tanks als „günstiges Ziel“ zeigten, und erst recht bei einem direkten Angriff der Kampfwagen auf die Batteriestellung, sollten sie augenblicklich eingreifen, gleich, ob mit einem einzelnen oder mit allen Geschützen497.

Zusätzlich zur aktiven Bekämpfung der Tanks durch Infanterie, Fern- und Nahbekämpfung umfaßte die Anweisung Elemente einer passiven Tankabwehr. Schon durch Kuhl war dies angedacht worden498 und auch diverse Stäbe hatten dazu Überlegungen angestellt499. Nun forderte man zumindest im Wirkungsbereich der für die Nahbekämpfung vorgesehenen Geschütze „künstliche Hindernisse“, welche die Tanks wenigstens in ihrer Bewegungsfähigkeit hindern können sollten500. Als Mittel wurden tiefe Gräben und Baumverhaue auf Straßen empfohlen501, wobei keine genaueren Angaben zur Ausführung, etwa notwendige Breite oder Tiefe der Gräben, gemacht wurden.

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Die Anweisung ist in ihren Ausführungen insgesamt recht vage gehalten, sieht man von den genaueren Bestimmungen zur eigentlich „aktiven“ Bekämpfung, nämlich zum Schießen502 auf Tanks, einmal ab. Wichtige Fragen blieben offen und wurden ganz offensichtlich der Bearbeitung untergeordneter Dienststellen oder gar der praktischen und situationsbedingten Lösung auf dem Gefechtsfeld überlassen. Dennoch stellt sie den konzeptionellen Abschluß der Auswertungsphase von Tankeinsätzen während der Sommeschlacht und die Grundlage für die daran anschließenden Konfrontationen dar. Der für die Gesamtbetrachtung der Tankabwehr vielleicht wichtigste Punkt, nämlich der Umstand, daß die Infanterie in die nächste Schlacht ohne eigene Abwehrmittel zog und im Zweifelsfall sogar noch durch die eigene, artilleristische Tankabwehr würde Opfer erleiden müssen503, bedarf noch vor der Schilderung des April 1917 einer relativierenden Erläuterung. Die Artilleriedichte war entsprechend der Bedeutung dieser Waffengattung im Stellungskrieg hoch, vor allem in jenen Abschnitten, an denen größere Operationen, etwa durch Einschießen der feindlichen Artillerie erkennbar, offenbar bevorstanden. Wie oben angegeben, würden sich dort zusätzlich noch die Tankabwehr- und sonstige Sondergeschütze befinden. Diese sollten, den Schußweiten angemessen, direkt hinter oder, nach der Organisation einer für 1917 vorgesehen neuartigen „Tiefengliederung“504, innerhalb der Verteidigungszone der Infanterie vor den Artillerieschutzstellungen stehen. Die Nähe zwischen den beiden Waffengattungen war also gegeben, so daß die Infanterie mit direkter und unverzüglicher Abhilfe bei Bedrohung durch Tanks würde rechnen können505. Zudem mußte die Ausgangslage für die Infanterie, welche den Tanks grundsätzlich passiv gegenüberstand, eine vorübergehende sein, denn die APK arbeitete an neuartigen Tankabwehrwaffen auch für sie. Daß mit der SmK-Munition, geballten Ladungen und den in der Anweisung nicht berücksichtigten Minenwerfern506 mehr oder weniger zuverlässige, im Zweifelsfall aber sehr wirksame Abwehrmittel zur Verfügung standen, sollte ferner begünstigend einberechnet sein.

Wie richtig das AOK 6 mit der Masse seiner Annahmen und Anordnungen vorerst lag, sollte es drei Wochen nach Herausgabe der Anweisung selbst belegen können, da es unter Generaloberst Freiherr von Falkenhausen und seinem Stabschef, Generalmajor von Nagel, im April 1917 im Mittelpunkt der „Osterschlacht bei Arras“ stehen sollte.

4.3 Ein Exkurs zum deutschen Tankbau.

Die „Konstruktion und die Massenfertigung von Kampfwagen“ für das deutsche Heer war von Ludendorff Anfang Oktober 1916 eingefordert worden507, ebenso, Ende des Monats, die Herstellung von Abwehrwaffen. Auf beiden Sektoren wurden die Konstruktionsabsichten schon vor dem Einfluß neu auf den Schlachtfeldern gewonnener Erkenntnisse erheblich eingeschränkt. Bei der Tankabwehr ging dies so weit, daß man sich vorerst sicher fühlte, daß vorhandene Waffensysteme den Anforderungen erst einmal würden genügen können und bei den eigenen Tanks stellte man fest, daß der Wunschtyp eines allen Ansprüchen genügenden Fahrzeuges schwerlich in naher Zeit zur Verfügung stehen werde.

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Wenn im folgenden also in einem knappen Exkurs auf den deutschen Tankbau eingegangen wird, dann angesichts der Notwendigkeit, hier nach ernstzunehmenden Anstrengungen der höchsten Führung bei der Begegnung der Tankgefahr und des Erkennens der Möglichkeiten von Tanks zu schauen, und weil die geringe Zahl verfügbarer deutscher Tanks bei Kriegsende in weiten Teilen der historiographischen Aufarbeitung des Geschehens zu fragwürdig eindeutigen Urteilen geführt hat508.

Im Oktober 1916, als sich das Kriegsministerium den Forderungen der OHL gegenübersah, waren gerade Tests mit „Überlandwagen“, Transportfahrzeugen mit Raupenketten-Antrieb, durchgeführt worden. Diese Tests verliefen jedoch wenig erfolgreich, wenngleich mit den „Bremer-Wagen“ die Aufstellung der ersten deutschen Panzerwagenverbände, der „Sturm-Panzerkraftwagen Abteilungen“ 1 und 2, in Frühjahr 1917 vollzogen werden sollte509. Wie Kaufhold-Roll in seiner Monographie zum deutschen Panzerbau des Ersten Weltkrieges anführt, zeigte sich an diesem Umstand, der eine Aufstellung der Abteilungen durch die Infanterieabteilung (!) des Kriegsministeriums beinhaltete, „die Eile, mit der Mann auf deutscher Seite zu einer eigenen Panzertruppe gelangen wollte.“510 Hemmend mußte sich hier im viel stärkeren Maße als bei der Konstruktion artilleristischer Tankabwehrwaffen auswirken, daß man beim eigenen Panzerwagen auf die Zusammenarbeit mehrerer Dienststellen angewiesen war. Für das Fahrzeug zeichnete die Verkehrtechnische- (VPK), für die Bewaffnung die Artillerie- (APK) und die Gewehr-Prüfungs-Kommission (GPK) verantwortlich. Die Abteilung A7V des Kriegsministeriums erhielt die Oberleitung des Projektes, in das, neben den gerade genannten Dienststellen, die Automobilindustrie und die OHL eingebunden sein mußten.

Nach den Fehlschlägen mit „Überlandwagen“ als gepanzerten Kampffahrzeugen wurde der Bau eines Kampfwagens „A7V“ beschlossen. Die Spezifika511 des Fahrzeuges wurden bis zum 13.November 1916 festgelegt, wobei es allerdings am 15. des Monats zu einer gravierenden Einschränkung kam: Aus der Basis des A7V sollte ein Kampfwagen und ein Überlandwagen entstehen. Mehr noch, binnen kürzester Zeit, so erscheint es heute, ging man von diesem Typ als Hauptmodell für einen eigenen Kampfwagen weg und verwies auf später folgende Neukonstruktionen512, obwohl bereits Anfang 1917 ein erstes Holzmodell des A7V geschaffen worden war. Die Gründe für diese Sicht- und Vorgehensweise noch vor neuen Erkenntnissen aus dem Geschehen der feindlichen Frühjahrsoffensiven im April 1917 lagen eindeutig im Bereich zweier Probleme: Einmal der Fehlerhaftigkeit des Fahrzeuges, das mit einer „zu tiefen Nase“ immer Schwierigkeiten in unwegsamem Gelände haben mußte und dessen Fahrwerk den Belastungen des aufgesetzten „Panzergehäuses“ kaum standhalten würde513, dann bei der Beanspruchung kriegswirtschaftlich wichtiger Ressourcen. Zu diesen hatte das Kriegs-Rohstoff-Amt verkündet, daß ihre Bereitstellung zwar möglich sei, doch bei jedem weiteren Bedarf, der durchaus erwartet wurde, die Produktion von „Pulver“ (Munition), U-Booten und Artillerie-Zündern einzuschränken sein würde514. Der Tankbau schien demnach den neu eröffneten „uneingeschränkten“ U-Boot-Krieg und das umfassende Anstrengungen auf eher traditionalen Gebieten fordernde Hindenburg-Programm als Grundlage der erwarteten, schweren Abwehrschlachten an der Westfront in Gefahr zu bringen515. Die OHL wollte dieses Risiko zugunsten eines nicht voll verwendungsfähigen Fahrzeugmusters offensichtlich nicht eingehen, wohl auch nicht für eine neue Waffe generell, die etwa im Gegensatz zur Munitionsherstellung von fraglichem Nutzen war516. Immerhin wurde mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und einer Vielzahl von Testfahrzeugen weiter versucht, getestet und erprobt, was spätestens bis Frühjahr 1919 als neue Modelle den „K-Wagen“ (weit über 100t Gewicht) und einen leichten Tank (L.K.II) in Aussicht stellte517.

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Sicher ist hier Zeit versäumt worden, und mit Sicherheit hätte der A7V mit einer Dringlichkeitsstufe I unter den Rüstungsvorhaben bereits 1917 in größerer Zahl verfügbar sein können518. Doch was man mit diesen Fahrzeugen operativ hätte anfangen können, wurde damals und wird von den meisten Historiographen bis heute nicht ausgeführt oder per se als klar und deutlich erkennbar vorausgesetzt. Der Tank als Infanterieunterstützung war die auf britischer Seite bis zur Schlacht von Cambrai 1917 –mehr oder weniger- akzeptierte Rolle in einem Kampfverfahren, das auf Offensive und Materialüberlegenheit ausgelegt war. Welchen Vorteil hätte es über ein taktisch wirksames Maß hinaus für eine deutsche Armee an der Westfront 1917 bedeutet, wichtigste Rüstungsvorhaben zurückzustellen, um mit einer Anzahl oder auch einer „Masse“519 von von zweifelhafter Betriebstoffzufuhr abhängiger Tanks aus der strategischen Defensive heraus agieren zu können?

Angesichts eines Bewegungskrieges, der 1914 mit frischen und viel beweglicheren Truppen gescheitert war und sich zu einem mit dauerhaft unterlegenen Truppen geführten Festungskrieg größten Ausmaßes gewandelt hatte sowie angesichts einer Feststellung der OHL aus Zeiten der Sommeschlacht 1916, daß die deutsche Infanterie „nicht mehr dieselbe ist wie früher“520, können hier nur Zweifel bleiben. Vor allem bleiben auf der Grundlage einer Einschätzung der Handlungsweise einer höchsten Führung vor dem Hintergrund der jeweils beziehungsweise damals vorhandenen Informationen und Lagebilder, aber auch dann, wenn man spätere Aussagen aus der kritischen Phase des Zusammenbruchs des deutschen Heeres von 1918 in Betracht zieht, solche Zweifel. So fällt es schwer, den Lobreden auf den A7V, der tatsächlich Vorteile gegenüber seinen britischen oder französischen Gegenstücken hatte, zu folgen, wenn ein AOK im Mittelpunkt des Geschehens von 1918 folgendermaßen über ihn urteilte:

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„Die Panzerwagen sind aus schlechtem Material und schlecht durchkonstruiert. Ihre Beweglichkeit im Trichtergelände ist so gering, daß ihr Einsatz auf größte Schwierigkeiten stößt.“521

Mehr noch, alliierte Artillerie, Minenfelder und Tankabwehrgeschütze erwiesen sich 1918 als genauso gefährlich für deutsche Tanks, wie es die deutsche Tankbekämpfung bislang für die gegnerischen Fahrzeuge und ihre Besatzungen gewesen war522. Der Aktionismus523, mit dem 1918 der eigene Panzerbau verspätet vorangetrieben wurde, hätte schon früher auch neue Typen hervorbringen können. Doch gegenüber gravierenderen Problemen des deutschen Heeres und der deutschen Kriegführung, bei denen eklatante Fehleinschätzungen auf sehr verschiedenen Gebieten ganz offensichtlich die Grundlage waren524, kann der Möglichkeit einer deutschen „Panzertruppe“525 1917/18 nur peripher und nur in Verbindung mit dem heute präsenten, logisch erscheinenden Bild einer die Landkriegführung revolutionierenden Entwicklungsgeschichte des Panzers526 bis 1918 potentielle Bedeutung für den Kriegsverlauf und Kriegsausgang zugesprochen werden.

In diesem Zusammenhang ist es auch angebracht, darauf zu verweisen, daß es möglicherweise bis heute ein ernstzunehmendes und ganz grundsätzliches Mißverständnis hinsichtlich der Fähigkeiten eines Tanks und eines Kampfpanzers gibt. Fuller schrieb an einer Stelle seiner „Erinnerungen“, an der er über Tankbekämpfung sinnierte, daß seiner schon während des Krieges geäußerten Meinung nach der Tank das beste Mittel gegen den Tank darstelle527. Diese Meinung erscheint logisch und schlug sich offensichtlich in den späteren Einsatzgrundlagen von Panzertruppen und den Anforderungen an deren Material sowie in der Bewertung deutscher Tankabwehr des Ersten Weltkriegs nieder. Ein Beispiel zu einer solchen Bewertung, das in Anlehnung an Fullers These zu sehen ist und wie das Aufwiegen „alliierter“ und deutscher Tanks bei Kriegsende den Panzer indirekt zu den Tankabwehrmitteln zählt528, findet sich in Aspreys Buch über die 3.OHL:

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„The best defense against tanks, direct field-artillery fire (not to mention one’s own tanks) was apparently not considered.“529

Wäre es nicht auch möglich, daß Fuller nicht die tatsächliche, die taktische und direkte Konfrontation zwischen gegnerischen Tanks auf dem Schlachtfeld meinte, sondern den gegenseitigen Schlagabtausch zwischen mit Tanks angreifenden Streitkräften auf operativer Ebene? Eine mögliche Antwort bietet ein Artikel Nehrings zur Panzerabwehr von 1936, der im Kern vor allem ein Plädoyer für den Einsatz des Panzers als Panzerabwehrwaffe darstellte530. Daß ihm ein solches Plädoyer überhaupt nötig schien, dürfte an der Zahl der Zweifler gelegen haben, die dem Panzerkampfwagen noch Mitte der 30er Jahre und trotz vorauszusetzender Kenntnis der Fullerschen These „keine besondere Eignung für die Panzerabwehr zugestehen“ wollte531. Und selbst Guderian, der ganz sicher nicht unter die Gegenspieler Nehrings zu rechnen ist, führte an, daß die diesbezüglichen Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, im sagenumwobenen ersten Gefecht zwischen Tanks bei Villers-Bretonneux am 24.April 1918 kulminierend, keine Rückschlüsse auf Möglichkeiten des modernen Panzergefechtes, das heißt das Mitte der 30er Jahre deutscherseits vorausgesehene Gefecht zwischen gepanzerten Verbänden, zuließen532. Grund hierfür sah er vor allem in den technischen Veränderungen, die den Gegensatz zwischen Nachkriegspanzerkampfwagen und ihren Möglichkeiten und den allein für einen deutscherseits zukünftig zwangsweise zu vermeidenden Stellungskrieg gefertigten „Weltkriegskonstruktionen“ deutlich herausstellten533. Er unterstrich zudem, daß „heute“ –er schrieb dies 1937- die Abwehr überraschend vorgetragener Massen-Panzerangriffe des Feindes fester Bestandteil des Aufgabenspektrums der eigenen Panzertruppe sei534. Während des Ersten Weltkrieges war dies nicht so leicht erkenn- und absehbar, und es war dementsprechend auch keine sui generis vorhandene Grundlage für Panzerbauprogramme und Einsatzkonzeptionen.


Fußnoten und Endnoten

430  Siehe auch die Einschätzung Jägers: „If the old question which was here first, the chicken or the egg? was asked of the tank or the anti-tank gun, there is no doubt: the antidote came first. [… .] But in World War One, for the Germans the antitank artillery came before the tanks.” Zitiert nach Jäger, Herbert: German Artillery of World War One, Ramsbury 2001, S. 141.

431  Siehe Abschn. 3.5.2.

432  Siehe ebenda.

433  Siehe RH 61/50770: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 36808 op. vom 11.10.1916, wo dies bereits deutlich zum Ausdruck kam und zeitgleich vor einer voreiligen Überbewertung der taktischen Bedeutung gewarnt wurde.

434  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: K.M. Allg. Kriegs-Dep. Nr. 193/1.17.A4. vom 11.1.1917. Das Schriftstück findet sich undatiert und offensichtlich in leicht abweichender Form bei Muther als Anlage 3, S. 337.

435  Siehe ebenda, Ziff. 8.

436  Siehe ebenda, Ziff. 2-3.

437  Siehe ebenda, Ziff. 1.

438  Siehe Zitat aus der Anordnung des KM bei Muther, S. 115: „Die englischen Panzerwagen haben sich als eine Waffe erwiesen, deren Wirkung nicht unterschätzt werden darf. Die Herstellung geeigneter Abwehrmittel ist besonders wichtig.“

439  Siehe ebenda: „Es muß betont werden, daß bei der Lage der deutschen Waffenindustrie nur ganz einfache, leicht herzustellende Konstruktionen dem Zweck entsprechen würden.“ Verschärfend mußten die Anforderungen des „Hindenburg-Programms“ hierauf wirken; siehe RA, Bd. 12, S. 18ff.

440  Später wurden 10-30mm für möglich gehalten; siehe Armeeoberkommando 6 (Hg.): AOK 6 Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917: Anweisung der Bekaempfung der feindl. Panzerkampfwagen (Tanks) durch Artillerie (Nachweis über Bibliothek des MGFA, Signatur 53000), S. 2f., Ziff. 5.

441  Siehe Muther, S. 66. Cron erwähnt den Vorgang nicht.

442  Das Geschütz wurde bei der Feldartillerie ab Frühjahr 1917 durch eine für den Stellungskrieg durch größere Reichweite geeignetere Feldkanone, die 7,7cm FK 16, ergänzt. Zu einer vollständigen Verdrängung der FK 96 n/A kam es bis Kriegende nicht, und der Unterschied beider Geschütztypen vor allem hinsichtlich ihres Gewichts (1.020Kg zu 1.325Kg bei der FK 16) spielte im Rahmen der Tankabwehr keine Rolle. Inwieweit die Anfang 1917 begonnene Ausgabe der FK 16 das Freiwerden von Rohren der FK 96 für Infanterie- und Nahkampfgeschütze positiv beeinflußte, muß so unklar bleiben wie die Möglichkeit, daß die Erkenntnis eines zu geringen Rüstungsvolumens zum vollständigen Ersatz der älteren Kanonen Auswirkungen auf das Ende der Nahkampfbatterien hatte. Zu den beiden Geschütztypen siehe Linnekohl, S. 74 und S. 219.

443  Siehe Abschn. 3.5.2.

444  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Eigene Berichte und Verfügungen, Bl. 39: HGr Rupprecht Ia. Art. I. Nr. 1919 vom 3.1.1917. Der Bericht verweist auch auf größer dimensionierte, stärker bewaffnete und gepanzerte Tanks von 10 bis 11m Länge, die nach Gefangenenaussagen in Zukunft auftreten würden. Siehe dazu auch HStAS, M 33/2, Bü. 581: N.O. 1 Nr. 2596 vom 1.1.1917 mit dem Hinweis auf das wahrscheinliche Auftreten der verbesserten Tanks in der kommenden Frühjahrsschlacht. Siehe auch AOK 6 Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917, S. 2f., Ziff. 2-6.

445  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721 [auch in Bü. 307 auffindbar]: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic/II Nr. 43710 op. vom 10.1.1917 und siehe Cron,: Geschichte des deutschen Heeres, S. 151f.

446  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic/II Nr. 43710 op. vom 10.1.1917, ebenda, AOK 1 Ia Nr. 28459 vom 19.1.1917 und ebenda, Gruppe C (GK XIII.AK) Abtg. Ia Nr. 1100 vom 22.1.1917. Trotz aller späteren Einwände in den Erfahrungsberichten der NKB verweist die Bitte des FAR 74 um Rückversetzung der überstellten, gut ausgebildeten Mannschaften auf diesen Umstand; siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 20113.

447  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic/II Nr. 43710 op. vom 10.1.1917, Ziff. 5), ebenda, AOK 1 Ia Nr. 28459 vom 19.1.1917 und ebenda, Gruppe C (GK XIII.AK) Abtg. Ia Nr. 1100 vom 22.1.1917.

448  Am 10.1. war angeordnet worden, daß die AOK bei der Aufstellung, Ausbildung und Verteilung der NKB die ausschlaggebenden Instanzen darstellen sollten. Wie in einer Anordnung des AOK 1 vom 19.1. aber deutlich wird, wurde der praktische Teil der Arbeit -samt Vorschlägen für die Verteilung und Zuweisung- an die Gruppen delegiert; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic/II Nr. 43710 op. vom 10.1.1917, Ziff. 4.)ff.

449  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic/II Nr. 43710 op. vom 10.1.1917, Anlage. Die Batterien sollten eine Stärke von 1 Leutnant, 1 Offizierstellvertreter, 1 Vizewachtmeister, 8 Unteroffizieren, 8 Gefreiten, 46 Gemeinen und 3 Trainsoldaten haben. Sanitätspersonal und eine Feldküche waren nicht vorgesehen.

450  Siehe Abschn. 4.2.

451  Siehe Kap. 13.

452  Eine Anordnung an die APK, ihre Arbeit an neuen Tankabwehrgeschützen einzustellen oder mit weniger Anstrengungen weiterzuführen, konnte in den vom Verfasser eingesehenen Archivalien nicht aufgefunden werden.

453  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: Chef d. Genst. d. Feldheeres Nr. 3133a.Nachr. vom 25.2.1917. Siehe auch Muther, S. 67 und S. 114, und Kosar, Franz: Panzerabwehrkanonen 1916-1977, Stuttgart 1977, S. 48.

454  Die deutsche Entsprechung war die 3,7cm Graben-Kanone, die vereinzelt als Grabenartillerie zur Abwehr von Infanterie und zur Bekämpfung von Stützpunkten und MG-Nestern genutzt wurde.

455  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: Chef d. Genst. d. Feldheeres Nr. 3133a.Nachr. vom 25.2.1917. Bemerkenswert ist hierbei, daß vielleicht zum ersten Mal überhaupt der Faktor der Belehrung der deutschen Truppen als Gegengewicht zur moralischen Wirkung der Tanks von Ludendorff gefordert wurde. Siehe Abschn. 7.2. der vorliegenden Arbeit.

456  Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917, S. 5, Ziff. 14.

457  Namentlich die 7,7cm Kanonen-Granate 15 mit Panzerkopf (K.Gr. 15 m.P.) und Hartkerngeschosse für die kleineren Kaliber. Die Leistungsdaten der K.Gr. 15 m.P. versprachen bei einem Aufschlagswinkel von 90 Grad noch über 2.000m, bei 60 Grad bis zu 2.000m durchschlagende Wirkung auf Panzerplatten von 40 beziehungsweise 35mm; siehe Muther, Anlage 8 zum „Panzerplattenbeschuß der A.P.K. mit Geschützen der leichten Artillerie“, S. 353. Britische Dokumente verweisen längst nach Auflösung der NKB auf die Zuweisung dieses Munitionstyps; siehe General Staff (Intelligence): Notes On German Shells, General Headquarters 1st May, 1918, S. 80, und AOK 6 Art. I, Nr. 98452 vom 25.3.1917, S. 8, Ziff. 27.

458  KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0001: Merkblatt der HGr Rupprecht zu Tankabwehrgeschützen und deren Wirkungsweisen vom 7.4.1917.

459  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 581: N.O.1. Nr. 2596 vom 1.1.1917 und ebenda, Bü. 721: HGr Rupprecht Ia Art. I. Nr. 1919 vom 3.1.1917.

460  Siehe Weeks, John: Men Against Tanks. A History of Anti-Tank Warfare, New York 1975, S. 22, und Eckhardt, Werner/Morawietz, Otto: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640-1945, Hamburg 1957, S. 52.

461  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 55.

462  Siehe Eckhardt/Morawietz: Handwaffen, S. 52.

463  Siehe AOK 6 Art. I, Nr. 98452, S. 4, Ziff. 13. Die Unsicherheit gegenüber den Wirkungsmöglichkeiten der infanteristischen Tankbekämpfung fand ihren Ausdruck auch darin, daß der Aspekt Tankabwehr in der neuen „Ausbildungsvorschrift für die Fußtruppen” (A.V.F. 1917) keinerlei Berücksichtigung fand und erst nach der Schlacht von Cambrai in den zweiten Entwurf der Vorschrift integriert wurde.

464  Siehe Fischbacher (Bearb.): Nachtrag zu dem Nachschlagewerk über: Die Kriegsgebührnisse des Heeres. Abgeschlossen am 1.November 1916, Berlin 1916, S. 56, Nr. 21. Wenngleich es sich bei den Geldern nicht um Zahlungen an einzelne Soldaten handelte, sollten sie ihnen dennoch als Teil der Kompanie- oder Batteriekassen, etwa zum Erwerb von Marketenderwaren, als Preisgelder bei Sportveranstaltungen oder zur Ausrichtung von Festivitäten zugute kommen können.

465  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter: Kampfwagen-Abwehr, S. 9f. Für Bayern ließ das Kriegsministerium am 10.2.1917 verlautbaren, daß der König der „Kompanie usw.“, die einen feindlichen Tank außer Gefecht setzt, 500RM Geldprämie zusagte. Grundlage der Bewilligung war vor allem ein ausführlicher Bericht über den Vorgang samt Skizze, der dem Kriegsministerium nach Prüfung durch vorgesetzte Dienststellen zukommen sollte; siehe KA, PiBtl 14, Bd. 6: Kriegsministerium München Nr. 18634 vom 10.2.1917. Belegt ist die Tankprämie vielfach, u.a. in einem Bericht der NKB 206, wo auf ausstehende 2.500RM für die Vernichtung von fünf Tanks am 11.4.1917 hingewiesen wurde; siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 18666.

466  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 573: Chef d. Genst. d. Feldheeres II Nr. 47850 op. (2.Ausgabe) vom 16.3.1917, Ziff. 3.

467  Siehe ebenda: „Allgemein ist zu erwarten, daß die Tanks sehr schwerfällig und langsam sind, vorzügliche Ziele bieten und trotz Panzerung sehr verletzlich bleiben. Ein Grund zur Beunruhigung liegt nach allen Versuchsergebnissen bei guter Organisation der Abwehr nicht vor. Selbstverständlich müssen aber Artillerie und Infanterie die Nerven behalten und mit Ruhe ihren Angriffen entgegensehen. [...;] die Infanterie muß wissen, daß sie sich im Einzelfall zur Not noch allein helfen kann.“

468  Siehe auch Abschn. 7.2.

469  Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917: Anweisung der Bekaempfung der feindl. Panzerkampfwagen (Tanks) durch Artillerie. Nebenbei sei angefügt, daß die Vorschrift trotz der Begrifflichkeit „Panzerkampfwagen“ im Titel den ersten durchgehenden Gebrauch der Bezeichnung „Tank“ in offiziellen Dokumenten enthielt.

470  Ebenda, S. 1f. Im Gegensatz etwa zu HStAS, M 33/2, Bü. 573: Chef d. Genst. d. Feldheeres II Nr. 47850 op. (2.Ausgabe) fehlt der Anweisung zur Tankbekämpfung des AOK 6 ein Verteiler. Dennoch kann aufgrund der Ausfertigung als gedruckte, mehrseitige Vorschrift, die u.a. auch die einzig auffindbare praktische und detaillierte Gebrauchsanweisung für Nahkampf- und sonstige Sondergeschütze von Seiten eines AOK enthält, kaum strittig sein, daß sie für weite Verbreitung im Heer vorgesehen war.

471  Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 2, Ziff. 1. Die Aufstellung französischer Tankverbände nahm man schon seit November 1916 an, wie ein früherer Hinweis auf eine „artillerie d’assault“ belegt; siehe HStAS, M33/2, Bü. 307: HGr Rupprecht Ia Art. I Nr. 4219 vom 17.11.1916.

472  Grundsätzlich gemäß Typ III (s.o.) als männliche und weibliche Version. Einen interessanten Zusatz stellte die Vermutung dar, daß der britische Tank zum „Abblasen von Gas“ geeignet sei. Hieraus formulierte das AOK 6 die Maxime, daß Gasmasken bereitgehalten werden müssen, wenn mit einem Tankangriff zu rechnen sei; siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 2, Ziff. 2. und S. 8, Ziff. 25 und HStAS, M 33/2, Bü. 721: HGr Rupprecht Ia Art. I Nr. 8000 vom 18.1.1917, Ziff. 8.

473  Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 2f., Abschn. A.I.

474  Wie sie von deutschen Beobachtern etwa für das uneinheitliche Vorstoßen am 15.September 1916 bemerkt worden waren.

475  Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 3, Ziff. 8.

476  Siehe ebenda, S. 3f, Ziff. 9 und 10.

477  Siehe ebenda, S. 3, Ziff. 9.

478  Ebenda, S. 4, Ziff. 11 und 12.

479  Siehe Kap. 9., 11. und 12.

480  Diesem heute sicher zuzubilligenden und damals schon als feste Grundlage angenommenen Umstand der langsamen Fortbewegung widersprachen einlaufende Berichte noch Ende März 1917. Zu einem kleineren Tankeinsatz (5 Fahrzeuge) bei Villers-Faucon am 27.3.1917 schrieb ein Augenzeuge: „Für deckungslose Infanterie ist das Fahrzeug, wenn es überraschend auftritt, zweifellos ein gefährlicher Gegner. Seine Bekämpfung durch Artillerie wird durch die große Geschwindigkeit, mit der es sich bewegt, sehr erschwert.“ Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0001: AOK 1 Ia Nr. 2478 geheim vom 29.3.17.

481  Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 4, Ziff. 14. Über die Möglichkeiten der Infanterie war man noch im Zweifel.

482  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 37, Abschnitt „Bekämpfung“ bzw. Abschn. 3.5.2.

483  Siehe ebenda, Nr. 51: HGr Rupprecht Abt. I/Art. Nr. 9730 vom 13.2.17: Ziff 3.) d). Dort wird von Beschußtests auf gegen ein „leider vorläufig nicht beweglich darstellbares Ziel“ berichtet. Während die Schüsse der 10cmK oft über das Ziel hinausgingen, war die Wirkung der schweren Feldhaubitzen „verhältnismäßig rasch und gut“.

484  Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 6, Ziff. 19.

485  Ebenda, S. 7, Ziff. 24.

486  Siehe ebenda. Auf der unteren Ebene werden die Führer der Nahkampfbatterien, die „mit der Oberaufsicht über die 3,7 und 5cm Kanonen beauftragten Offiziere, sowie die uebrigen vorgesetzten Stellen“ (S. 18f., Ziff. 56) genannt. Die Erwähnung der Artilleriekommandeure ist zwar auffindbar (S. 19, Ziff. 57), doch bleibt eine Lücke auf Ebene der Artillerie-(Unter-)Gruppen, der Abteilungen und Bataillone, gerade dort, wo die Feuertätigkeit während des Gefechts geleitet und koordiniert wurde.

487  Angesichts der damals gerade ausgearbeiteten Vorschriften zur Abwehr im Stellungskrieg, die keine „vorderste Infanterielinie“ nach früherem Verständnis mehr kannte, bleibt diese Ortsbestimmung sehr vage. Die neue „Vorpostenlinie“ wird in der Anweisung nicht explizit genannt, und es wird zudem noch von „Korps“ (S. 14, Ziff. 43) gesprochen, wo „Gruppe“ der richtigere Begriff gewesen wäre. Der Befehl zur Aufstellung der NKB enthielt die Angabe, daß die Geschütze 500 bis 1.500m hinter der vordersten Linie zur Tank- und Sturmabwehr bereitstehen sollten; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic/II Nr. 43710 op. vom 10.1.1917, Ziff. 3).

488  Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 8, Ziff. 26 und S. 14, Ziff. 43 und 44.

489  Siehe ebenda, S. 10, Ziff. 34 und S. 15f., Ziff. 48. Dort, S. 16: „Von besonderer Wichtigkeit ist es, dass die Geschuetze bis zu Beginn der Tankbekaempfung unentdeckt bleiben. Gute Maskierung ist daher besonders noetig. Grundbedingung ist: direkte Beobachtung und direktes Richten. Die 3,7cm-K. und 5cm K.i.P.L. [Kanone in Panzer-Lafette] sind wie die Nahkampfgeschuetze einzeln einzusetzen.“

490  Siehe ebenda, S 13, Ziff. 38 und S. 18f., Ziff. 56.

491  Die Formulierungen finden sich in BA-MA, PH 5 II/350. AOK 5 zu Erfahrungen der 1.Armee in der Sommeschlacht, S. 5, Ziff. 24.

492  Siehe ebenda, S. 9, Ziff. 29: „Je eine Nahkampfbatterie ist fuer Einsatz in einem Divisions-Abschnitt an einer Hauptkampffront vorgesehen.“ Diese geringe Ausstattung nahm man wohl nicht nur wegen der wenigen Geschütze und Batterien notgedrungen in Kauf, sondern auch wegen der Effektivität, die man sich von der Fernbekämpfung versprach. Für die Infanteriegeschütze, die im Sonderfall zur Tankbekämpfung herangezogen werden sollten, galten den Nahkampfgeschützen vollends gleichende Anweisungen, wie aus einer undatierten aber wohl frühen Anweisung des Kriegsministeriums hervorgeht; siehe BA-MA, RH 61/50601: KM Abt. A4 zu Nr. 1397.17 geh. A4.

493  Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 11, Ziff. 35.

494  Siehe ebenda.

495  Siehe ebenda, S. 14, Ziff. 43.

496  Siehe ebenda, S. 17f., Abschn. VI.

497  Siehe ebenda, S. 17, Ziff. 54.

498  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 37: HGr Rupprecht vom 21.10.1916, Abschn. „Bekämpfung“.

499  Siehe etwa HStAS, M 33/2, Bü. 721: AOK 1 Ia/Art. Nr. 29191 geh. Vom 31.1.1917. Empfohlen wurden unter Ziff. 5 („Pioniertechnische Schutzmaßnahmen“) Straßensprengungen, die Anlage von 7-9m unter der Erde gelegenen Minenstollen und die Bereitstellung geballter Ladungen. Inwieweit das AOK die Dimensionen der Tankgefahr in vollkommener Naivität verkannte, steht angesichts der beiden ersten Maßnahmen und des mit ihnen verbundenen Aufwands außer Frage. Andere Ideen müssen sicher im Zusammenhang mit dem geringen Wissen über die Grabenüberschreitfähigkeit der Tanks gesehen werden, so etwa der Vorschlag des Kommandeurs der Pioniere bei der Gruppe C der 1.Armee, Wege durch 2m breite und 1m tiefe Fallgruben zu sperren; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: Gruppe C (GK XIII.AK) Ia. Pi. Nr. 3928/249/I. vom 7.3.1917.

500  Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 9, Ziff. 33a) und S. 5, Ziff. 16.

501  Siehe ebenda, S. 5, Ziff. 16.

502  Siehe ebenda, S. 11ff., Ziff. 36ff. und S. 16, Ziff. 49f.

503  Ebenda, S. 5f. Ziff. 17: „Verluste bei unserer Infanterie durch Nahbekaempfung der Tanks in unseren vorderen Linien vielleicht stellenweise nicht zu vermeiden. Infanterie muss aber wissen, dass diese in keinem Verhaeltnis zu dem von unbekaempften Tanks verursachten Schaden [stehen], muss auch zur Ueberzeugung erzogen werden, dass sie bei Annaeherung von Tanks ausharren kann in der sicheren Erwartung, dass Artillerie sie in kurzer Zeit von drohender Gefahr befreien wird und so den großen moralischen Eindruck, den die anfahrenden Tanks hervorrufen, ueberwinden lernen.“ Siehe dazu Abschn. 7.1. mit entsprechenden Anmerkungen zu Verlusten bei den Nahkampfgeschützen bzw. KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 37: HGr Rupprecht Ia Art. I Nr. 1248 vom 21.10.1916, Abschnitt „Bekämpfung“.

504  Siehe Kap. 5.

505  Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 6, Ziff. 17.

506  Vergleiche RA, Bd. 12, S. 16. Im Rahmen der Recherchen zur vorliegenden Arbeit fand sich der erste Hinweis auf den Versuch zur Einbindung der Minenwerfer in die Tankbekämpfung auf Divisionsebene bei der Minenwerfer-Kompanie 199, der 199.ID. Hierbei wurde ins Auge gefaßt, die schweren und mittleren Werfer mittels „Tank-B[eobachtungs]-Stellen“ in die Abwehr einzubeziehen und auch für sie die Tankbekämpfung zur Priorität zu machen; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: MWK 199 Nr. 653/17 vom 6.4.1917: „Merkblatt für Bekämpfung von Tanks durch schw. und mittl. Minenwerfer.“

507  Siehe Abschn. 3.5.2.

508  Siehe Abschn. 1.2.1.

509  Siehe Kauhold-Roll, S. 38f.

510  Siehe ebenda, S. 39.

511  Ebenda, S. 41.

512  Siehe ebenda. S. 42ff.

513  Siehe BA-MA, RH 61/50770: Gr. Hauptquartier an KM (A7V) vom 2.3.1918.

514  Siehe ebenda, KRA Nr. M.c. 5855/2.KRA vom 3.3.1917. Vergleiche hierzu eine Stellungnahme der Forschungsanstalt des Heeres von Hildebrand aus dem Jahr 1941, worin festgehalten wird: „Von der Rohstoffseite her ist der Bau von Panzerkampfwagen zweifellos nicht mehr verzögert worden als die Fertigung von Kriegsmitteln überhaupt.“ Hildebrand sah die Rohstofflage demnach nicht als ausschlaggebenden Punkt für unterlassenen Tankbau an, sondern als grundsätzliches Manko einer wirtschaftlich stark begrenzten Kriegführung; siehe ebenda, RH 61/50535: Stellungnahme Hildebrand vom 4.3.1941, S. 1.

515  Siehe Kauhold-Roll, S. 33ff. und S. 55.

516  Zur Beurteilung des A7V durch die OHL –„als Panzerkampfwagen genügt er nicht“- siehe auch BA-MA, RH 61/50770: Chef d. Genst. d. Feldheeres Iv Nr. 50257 op. vom 15.3.1917.

517  Siehe Kaufhold-Roll, S. 60ff.

518  Ebenda, S. 77. Bei Fuller findet sich im Zusammenhang mit britischen Neukonstruktionen von Tanks die bemerkenswerte Aussage, daß die Auslieferung des Mark IV vor der Schlacht bei Arras 1917 durch die „niedrige Rangbewertung der Tankmotoren“ mitverschuldet worden sei; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 88 und S. 93.

519  Siehe etwa Kuhl Hermann v.: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der Offensive von 1918 (Bd. 3/1 der 4.Reihe des Untersuchungsausschusses des Reichstages: Die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918), Berlin 1927, S. 81.

520  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Eigene Berichte und Verfügungen, Bl. 6: HGr Rupprecht Ia Nr. 609 geh. vom 27.11.16, S. 2. Hinzu kommt als Indiz für eine zukünftig ebenfalls zunehmende „Mangellage“, daß bereits nach der Sommeschlacht die Sollstärke der Bataillone von vormals über 1.000 auf 800 Mann verringert werden mußte; siehe ebenda, Bd. 117, Akt: 177, Bl. 612: HGr Rupprecht Ic No 1794 geh. vom 16.12.1916. Das Schriftstück wurde mit einiger Begründung zusätzlich zum „geh.“ mit einem signifikanten „streng vertraulich“ gekennzeichnet.

521  Siehe ebenda, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0119: AOK 17 Iabl Nr. 7816 op. vom 7.9.1918., Ziff. c). In diesem Bericht wird ausdrücklich auf den guten Willen der Besatzungen, die positive, moralische Wirkung auf die eigene Truppe und auf den Bedarf zum Ausbau der eigenen Panzerwaffe verwiesen. Insgesamt seien die eingesetzten, eigenen Fahrzeuge allerdings wenig erfolgreich gewesen.

522  Als ein Beispiel sei auf den deutschen Angriff beiderseits Reims am 15.Juli 1918 hingewiesen, wo ein Teil der deutschen Tanks durch französische Tankabwehr-Minen, ein anderer durch Geschützfeuer außer Gefecht gesetzt wurde; siehe dazu Stenger, Alfred: Der letzte deutsche Angriff. Reims 1918 (Schlachten des Weltkrieges, Bd. 34), Berlin/Oldenburg 1930, S. 129f., und Abschn. 11.5.2.

523  Dieser schloß ein, daß den jetzt vehement eigene Tanks fordernden höheren Stäben von der OHL die neuen verbesserten Typen in Aussicht gestellt wurden, während die A7V den geringen Fähigkeiten der „Raupenwagen“ entsprächen. Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0127: OHL an HGr Rupprecht vom 14.9.1918.

524  Siehe dazu Kap. 10.ff.

525  Kaufhold-Roll benutzt den Begriff mehrmals und möglicherweise auch mit Bezug zu Quellen. Hiermit dürfte allerdings kaum das Bild einer selbständig operierenden, eigenständigen Waffengattung mit operativen Großverbänden nach Vorbild der späteren Wehrmacht gemeint sein. Dafür fehlt jeder Hinweis darauf, daß man während des Krieges mehr mit eigenen Tanks zu leisten beabsichtigte, als der Feind mit seinen Fahrzeugen als Speerspitze von Infanterieangriffen vorgelegt hatte; siehe dazu BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 166f.

526  Siehe Einleitung der vorliegenden Arbeit.

527  Siehe Fuller: Erinnerungen, 102: „Ich erklärte weiterhin, daß, alles in allem, die beste Tankabwehrwaffe der Tank selbst sei.“ Siehe auch ebenda, S. 207. Fuller hatte die These schon 1935 in seinem Buch „The Army Of My Time“ formuliert, jedenfalls bezog sich Guderian auf dortige Aussagen; siehe Guderian: Die Panzertruppen, S. 18.

528  Siehe Abschn. 1.2.

529  Zitiert nach Asprey, Robert B.: The German High Command At War. Hindenburg And Ludendorff Conduct World War I, New York 1991, S. 354.

530  Siehe Nehring, Walther K.: Panzerabwehr, in Militärwissenschaftliche Rundschau, 1.Jg. 1936, Heft 2, S. 182-203.

531  Siehe ebenda, S. 191. Die Aussage Fullers erwähnte Nehring indirekt, indem er darauf verwies, daß beim Royal Tank Corps bereits der Grundsatz galt, daß „die Panzerabwehr stets die erste und vornehmste Pflicht einer jeden Panzertruppe ist“.

532  Siehe Guderian: Die Panzertruppen, S. 13f.

533  Siehe ebenda, S. 5: „Das Hauptkennzeichen der Nachkriegspanzerwagen ist die gegenüber den Weltkriegskonstruktionen wesentlich gesteigerte Geschwindigkeit, [...]. Panzerung, Waffenwirkung, Richt-, Sicht- und Nachrichtenmittel sind seit dem Kriege wesentlich verbessert.“

534  Siehe ebenda, S. 33. Auf S. 18 zitierte Guderian Fuller und dessen These, daß Tanks die besten Tankabwehrmittel seien.



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22.04.2008