5 „They had not had a good day”. Tanks und Tankabwehr in der Osterschlacht bei Arras, April 1917.

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Die Ausgangsbedingung für die Schlacht und die folgende nahezu ununterbrochene Kette großer Operationen an der Westfront bis zum Dezember 1917 war der Wunsch der britischen und französischen Führung, das fortzusetzen, was mit den Gegenoffensiven bei Verdun und den Kämpfen an der Somme begonnen worden war535. Druck auf die Deutschen an Punkten und Kampffronten sollte ihre Kampfbereitschaft verringern, ihre Moral untergraben und ihre Kräfte in einem Ausmaß verbrauchen, das unerträglich sein würde. Von der Sorge, daß diese Vorgehensweise wiederum extreme eigene Verluste mit sich bringen würde, ließen sich Politiker wie der neuernannte britische Premier Lloyd George durch den sehr positiven und energischen Eindruck der Persönlichkeit Nivelles entbinden536. Nivelle hatte Joffre als Kopf der französischen Operationsführung abgelöst537 und forderte mit Nachdruck eine kombinierte Offensive, die zumindest innerhalb des französischen Anteils einen raschen Durchbruch erzwingen sollte. Begleitet von einer großangelegten britischen Unternehmung an der Somme wollte man im Februar zum Angriff in der Champagne bereit sein538. Dieser Plan nahm seit Ende 1916 zusehends Gestalt an, bedingte allerdings einen mehr oder weniger heftigen Streit um den Oberbefehl über die verbündeten Truppen an der Westfront. Sieger, ohne vollständigen „Sieg“, beziehungsweise eine abschließende Klärung dieser Frage, blieb die französische Seite. Nivelles Plan für eine kombinierte Frühjahrsoffensive war vorerst das Maß der Dinge539. Dessen Vorstellungen wurden von britischen Militärs durchaus angezweifelt, und Haig behielt sich für den Fall des Scheiterns vor, selbständig eine von ihm persönlich gewünschte britische Offensive in Flandern zu beginnen540.

Die Gefahren, die von der auf ausgiebigem Materialeinsatz und Soldatenmassen beruhenden britisch-französischen Strategie für die deutsche Westfront ausgingen, wurden von der 3.OHL als Fortführung der unerträglich verlustreichen Sommeschlacht erwartet. Etwas mehr als vier Wochen nach ihrer Einsetzung wurden die den Nibelungen entlehnten Losungsworte „Alberich“, der Name des listigen, durch eine Tarnkappe geschützt agierenden „finsteren Dämons der Tiefe“541, und „Siegfried“, Sinnbild eines mit Waffengewalt allein nicht bezwingbaren Helden, ausgegeben542. „Alberich“ stand dabei für die dem Namenspatron angemessene, „listige“, vom Feind möglichst unbemerkt zu vollziehende Absetzbewegung unter einer „Tarnkappe“ und „Siegfried“ für die Qualitäten einer neue Hauptstellung, die auf über 140km Breite zwischen Arras und Laon geschaffen werden sollte, um eine Frontverkürzung zu ermöglichen und Zeit zu gewinnen. Das Sommegebiet, um das zuvor so verlustreich gestritten worden war, wurde ab dem 16.März 1917 von den Fronttruppen aufgegeben, nachdem seit Anfang Februar mit der Verlegung von rückwärtigen Dienststellen und Material, dazu auch von über 100.000 Zivilisten543 im Rahmen dieses Unternehmens, begonnen worden war544. Britisch-französische Pläne zur raschen Fortsetzung der Ende 1916 witterungsbedingt ausgesetzten Sommeschlacht wurden durch diesen genauso waghalsigen545 wie neuartigen und logistisch aufwendigen Schritt kurzfristig durchkreuzt546.

Abb. 3: Karte zum deutschen Rückzug auf die Siegfried-Stellung547.

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Was die Siegfried-Stellung für die beiden letzten Kriegsjahre jedenfalls propagandistisch besonders wichtig machte, war ihre Lage im Zentrum der Westfront und ein beiderseits der Front wahrgenommener Anspruch an ihre moderne Ausführung. Letztere sollte auf neuesten Erkenntnissen beruhen und damit dem neuen Verfahren zur Abwehr im Stellungskrieg eine bautechnische Entsprechung geben. Am 1.Dezember 1916 war vor allem auf Grundlage der beiden großen Schlachten von 1916, vor Verdun und an der Somme, die systematisch ausgewertet worden waren548, die Vorschrift „Grundsätze für die Abwehrschlacht im Stellungskriege“ erschienen, der am 15. des Monats die Neufassung der „Einzelheiten über Stellungsbau“ folgte549. Grundlage des neuen Abwehrverfahrens wurde das Übergehen zu einer Auffassung der Front als tiefgegliederter Verteidigungszone (bis zu 10km Tiefe550), die das zuvor praktizierte Festhalten an einer klar definierten vordersten Linie ablöste. Tiefe Gliederung der Verbände, die Vermeidung jeglicher Kräftekonzentration im feindlichen Feuer und die Reaktion auf feindliche Einbrüche mit augenblicklichen Gegenstößen und vorbereiteten Gegenangriffen als „elastisches Kampfverfahren“551 waren die taktischen Hauptmerkmale der neuen Abwehrmethode. Für den Stellungsbau wurden wenigstens zwei Grabenlinien, die ihrerseits aus einer Anzahl Gräben bestehen mußten, und die Anlage einer Vielzahl Stützpunkte und Widerstandsnester zwischen und hinter diesen vorgesehen552. Beim Stellungsverlauf sollten vorteilhafte topographisch-geographische Gegebenheiten ausgenutzt werden, wobei es mehr als nur Indizien dafür gibt, daß die Möglichkeiten zur aktiven und passiven Tankabwehr Berücksichtigung finden sollten553. So liegen von verschiedenen Dienststellen deutliche Belege dafür vor, daß etwa Straßensperren, Beobachtungsstellen oder die für die Tankabwehr unbedingt notwendigen Geschützstellungen an günstigen Stellen baldigst errichtet werden sollten, sofern das vor dem Beziehen der Stellungen noch nicht geschehen war554.

Der Aufwand, mit dem man das Projekt Siegfried-Stellung auch auf Kosten anderer Bauvorhaben vorantrieb, war gewaltig555, aber bis zum Bezug der Stellung im März 1917 in weiten Teilen dennoch zu gering gewesen, um den Vorstellungen der vergangenen Wintermonate flächendeckend die gewünschte Gestalt zu geben. Über die Stellungen bei Bullecourt, einem Ort, der in der folgenden Beschreibung der Rolle der Tanks in den Kämpfen vor Arras einen besonderen Platz einnehmen muß, urteilte der Kommandierende General der Gruppe A (GK XIV.RK)556 der 1.Armee, Generalleutnant von Moser:

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„Leider können aber meine Eindrücke über die Linienführung und den Ausbau der mit dem schönen und hoffnungsvollen Namen Siegfried geschmückten Verteidigungslinie keine durchweg erfreulichen sein. [... .] Die Stellung selbst ist unfertig; man hat hier mit der Bauleitung durch Zivilingenieure recht unliebsame Erfahrungen gemacht: Blendwerk an den Straßen und Ortschaften, an den andern weniger bequemen Stellen wenig oder nichts oder auch Unzweckmäßiges und Unvollendetes. Von letzterem namentlich, mitten in den vordersten Gräben drin, eine große Anzahl von mächtigen Baugruben für Betonunterstände, deren Fertigstellung nicht gelungen ist. [... .] Die Truppe ist daher fraglos einigermaßen enttäuscht.“557

Der Chef des Stabes der Gruppe Arras (GK IX.RK), Oberstleutnant von Thaer, urteilte ebenso deutlich und verwies darauf, daß die „Siegfried-Stellung nur ein riesiger Graben“ gewesen sei, hinter dem nichts fertiggestellt war558. Die Heeresgruppe Rupprecht hatte „gute, von langer Hand vorbereitete Stellungen“559 zugesagt, nun verlangte sie umfangreiche Schanzarbeiten von den neuen Stellungsbesatzungen560. Daß es sich bei den Aussagen zu Defiziten der Siegfried-Stellung keineswegs um lokale Einzelfälle handelt, belegen Berichte von anderen Sektoren. So schrieb das Generalkommando des XIII.AK Anfang April561, daß weite Teile der Stellungen neu angelegt werden müßten, da die lokalen Baustäbe bei der Anlage von Hinterhangstellungen die Bedürfnisse der Beobachtung vernachlässigt hätten. Die Bauvorhaben seien wegen Arbeiter- und Materialmangels zudem in weiten Teilen unerledigt geblieben. Kritik an der Linienführung kam auch von einzelnen Divisionen, die das Fehlen jeglichen taktischen Verständnisses und eines einheitlichen Bauplans bei den Baustäben anführten562. Und nicht zuletzt die mit der übergeordneten Bauleitung betrauten Pioniere legten der Heeresgruppe Rupprecht gleichlautende Berichte vor, die bei keinem Verantwortlichen und Betroffenen einen Zweifel daran aufkommen lassen konnten, daß das Vorhaben weit hinter den Wünschen zurückgeblieben war563.

Im Gegensatz zu diesen eindeutigen Stellungnahmen564 führten -damals wie heute- wohl vor allem der Umfang der Arbeiten, wie er auf britischer und französischer Seite durch Fliegerbeobachtung festgestellt oder darauf basierend vermutet werden konnte565, und die Kenntnisse über vorgesehene Anlagen566 dahin, die Siegfried-Stellung als unüberwindliches Hindernis zu betrachten. Der Mythos Siegfried-Stellung beziehungsweise „Hindenburg-Line“ sollte fortan bestehen und auf beiden Seiten, als Selbstbetrug oder respektvolle Überschätzung des Gegners567, Auswirkungen auf Wahrnehmung von Lagen, Einsatz von Kräften und Beurteilung von Geschehen im Zentrum der Westfront haben568.

5.1 Der Plan, die Angreifer und die Tankunterstützung.

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Nachdem der deutsche Rückzug und die Siegfried-Stellung offenbar geworden waren, empfahl sich für den britischen Teil der Frühjahrsoffensive die Region Arras. Nördlich der Stadt befanden sich die letzten Höhen vor dem nordfranzösischen Kohlerevier von Lens, für dessen Beherrschung der Vimy-Rücken (Vimy Ridge) mit der zentralen Höhe 145 eine besondere Bedeutung hatte. Das Kampfgelände direkt um Arras herum war von den andauernden Kämpfen seit 1914 geprägt und verfügte über ausgebaute und nah am Feind gelegene Stellungen. Südlich davon, wo man sich im Bereich des bei „Alberich“ aufgegebenen Geländes befand, lag man in einem gerade erst besetzten, verwüsteten Landstrich der neuen Siegfried-Stellung gegenüber. Vorteilhaft mußte sein, gerade auch für den Einsatz von Tanks, daß der Verwüstungsgrad des Gebietes in und hinter den deutschen Stellungen gering war569. Es ergab sich diesbezüglich eine für die Vertreter des Tank Detachment allerdings wenig günstig endende Diskussion570 über die Dauer des vorbereitenden Artilleriefeuers, das diesen Vorteil bei tagelangem Beschuß zunichte machen mußte.

Abb. 4: Karte zur Osterschlacht bei Arras 571.

Der Angriffsplan vom 12.März 1917 sah vor, daß der Südflügel der britischen 1.Armee (Horne) am 9.April die Vimy-Höhe nehmen sollte, während die 3.Armee (Allenby), auf Breite der Stellungen von nördlich Arras bis Croisilles angreifend, den Durchbruch durch die Siegfried-Stellung erzwingen würde. Unterstützend würde am Tag nach dem ersten Angriff die britische 5. Armee (Gough) gegen die deutschen Stellungen südöstlich Croisilles vorgehen572. Die Armeen verfügten im Angriffsbereich über 18 Divisionen in der ersten Welle, 13 in der zweiten Welle und eine zusätzliche Reserve von drei Divisionen. Darunter befanden sich vier Kavalleriedivisionen, die hinter den Angriffsräumen zur Ausnutzung des Durchbruchs in Richtung Cambrai bereitgestellt wurden. Die Artilleriemassierung umfaßte weit mehr als 2.800 Geschütze573, denen unter größtem Aufwand Unmengen an Munition zugeführt worden waren574. Am 2.April begann das vorbereitende Artilleriefeuer mit infernalischer Stärke575.

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Tanks sollten an der Operation teilnehmen, wobei sich allerdings für die beiden neuen Köpfe des Tank Detachments, Elles und seinen im Dezember hinzugetreten Stabschef Fuller, die Frage ergab, wie dieser Einsatz aussehen sollte. Die Konzentration von Tanks gegen die Siegfried-Stellung in größerem Maßstab, ein gezielter Einsatz an einer Stelle, wobei Fuller den Abschnitt Bullecourt als Operationsgebiet vorsah, und die Verteilung der Fahrzeuge auf alle angreifenden Verbände der gesamten Angriffsfront stand vorerst im Raum576. Was als Plan für Einsatz und Verteilung heraus kam, entsprach im Großen und Ganzen der Wahrnehmung der neuen Waffe durch höhere Stäbe seit der Sommeschlacht: Acht Tanks wurden der 1.Armee, 40 der 3.Armee und 12 der 5.Armee zugeteilt. Diese Kräfteverteilung mag zuerst noch den Anschein relativer Stärke vermitteln, doch verfliegt dieser Eindruck, wenn rechnerisch maximal vier bis fünf Tanks auf eine Division entfielen577.

Die genaue Anzahl an einem Ort und gegen ein Ziel einzusetzender Fahrzeuge richtete sich nach der Bedeutung, die der feindlichen Position beigemessen wurde, und es scheint, nach Abgleich der späteren Aussagen Fullers578 und der Angaben zur Planung in den Military Operations579, so gewesen zu sein, daß die Tanks mit weiterer Entwicklung der Schlacht nicht mehr nur als Infanteriebegleitung, sondern wiederum, wie an der Somme, auch als einsame Speerspitze gegen die entferntesten Stellungen eingesetzt werden sollten. Die Wegnahme der ersten Stellung war Aufgabe der Infanterie, das Vorarbeiten durch und gegen die nächsten Positionen Sache von Tanks und Infanterie und die Öffnung des Weges durch die letzte Linie primäre Aufgabe des Tank Detachments, dem Kavallerie zur Ausnutzung des Durchbruchs –„coute qu’il coute“- folgen würde580.

Die geringe Zahl der für die Schlacht verfügbaren Tanks erklärt sich unter anderem daraus, daß der Ausbau des Tank Detachment keineswegs abgeschlossen, die Produktionszahl der Neufahrzeuge581 gering und eine Anzahl Tanks zu einem wenig erfolgreichen Einsatz nach Palästina582 entsandt worden war. Mehr noch, bei den 60 für Arras versammelten Kampfwagen handelte es sich nicht um neu- und vollwertige Kampffahrzeuge. Vorhanden waren instandgesetzte Wagen des Typs Mark I und geringer gepanzerte Trainingsfahrzeuge vom Typ Mark II583.

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Für das Tank Detachment stand die Offensive von Anfang an unter keinem guten Stern, was sich auch durch kleinere Zwischenfälle, etwa einen Bahnunfall, bei dem große Treibstoffmengen verbrannten584, und durch einen ungünstigen Wetterumschwung direkt vor Angriffsbeginn zeigt. Als die Tanks in der Nacht zum 9.April in ihre Bereitstellungsräume einflossen, hatte starker Schneeregen585 vor allem das verwüstete Gelände an der Vimy-Höhe in einen Morast verwandelt. Die Hälfte der hier zum Angriff vorgesehenen acht Tanks fiel schon beim Anmarsch aus586, und ein von Fuller so wichtig erachteter Flankenangriff der 5.Armee gegen die Siegfried-Stellung bei Bullecourt mußte witterungsbedingt vom 10. auf den 11.April verschoben werden.

5.2 Die Verteidiger.

Wie oben angeführt, bezogen die deutschen Verbände nach dem „Alberich“-Unternehmen keine Stellungen, die dem propagierten Anspruch genüge getan hätten. Für den weiteren Ausbau der vordersten Stellungsbereiche waren kaum ausreichend Kräfte vorhanden, und bis zum Beginn der Schlacht blieb kaum Zeit, umfassende Nachbesserungen durchzuführen. Geringfügig günstiger lagen die Dinge bei den Gruppen Souchez, Vimy und den Nordabschnitten der Gruppe Arras der 6.Armee, die sich auf alte Positionen stützen konnten. Vom feindlichen Artilleriefeuer wurden sie allerdings stark in Mitleidenschaft gezogen, was sich einmal aus der enormen Artilleriekonzentration gegen den „Vimy-Rücken“587, dann vor allem auch aus der abgeschlossenen Aufklärungsarbeit gegen die seit langer Zeit vorhandenen Stellungsteile nördlich von Arras erklärt.

11 Divisionen der 6. und 1.Armee standen am Morgen des 9.April in Linie, dahinter lagen Teile von fünf weiteren Divisionen als Reserve588. Diese Reserven waren allerdings in Teilen erst im Anmarsch (111.ID, 1.GRD, 4.GID) und lagen allesamt weit, nämlich mehr als 15km, von den Frontstellungen entfernt589, weil es im frontnahen Bereich angeblich Unterkunftsprobleme gab590. Die Zeit zwischen Erwarten einer Frühjahrsoffensive und klarem Erkennen der britischen Angriffsabsichten bei Arras direkt vor dem tatsächlichen Angriff war anscheinend zu kurz gewesen, um den relevanten Sektor in angemessener Weise zu verstärken591, wenngleich zumindest Indizien dafür vorliegen, daß die Eingreifdivisionen zuvor auf ihre Aufgaben schulungstechnisch vorbereitet und hinsichtlich der Ausführung von Gegenstößen und Gegenangriffen sowie in der Tankabwehr ausgebildet worden waren592. Über die Größe und Ausdehnung der kommenden Kämpfe scheint es bis zum Angriffsbeginn einige Unklarheit gegeben zu haben, wobei das AOK 6 keine glückliche Figur machte. So findet sich im Tagebuch des Stabschefs ihrer Gruppe Arras eine Bemerkung vom 3.April, daß eine „Riesenschlacht wie an der Somme“, deutlich „schneller als das A.O.K. denkt“, zu erwarten sei593.

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Der Zustand der Verbände wurde laut der Beurteilung des Kampfwertes durch die Heeresgruppe Rupprecht fast durchweg mit „vollkampffähig“ angegeben. Lediglich die 2.GRD und 26.RD594 der Gruppe A der 1.Armee sowie die 17.ID, die hinter der Naht zwischen 1. und 6.Armee stand und eigentlich für Stellungsbau-Arbeiten vorgesehen war595, bedurften drei bis vier Wochen beziehungsweise weniger als drei Wochen Ruhe, um auf volle Kampfkraft zu kommen596. Die Wirkung des feindlichen, vorbereitenden Artilleriefeuers ging an den Divisionen natürlich nicht spurlos vorüber, weshalb für die betroffenen Teile am 7.April nicht näher spezifizierte „Einschränkungen“ der Kampfkraft attestiert wurden597.

Die deutsche Artillerie war der feindlichen numerisch deutlich unterlegen und umfaßte bei der 6.Armee etwas mehr als 1.000 Rohre598. Davon fielen laut Angabe des deutschen amtlichen Werkes bis zum Beginn der Infanterieschlacht schätzungsweise 20% aus599. Vergasung von Batterien, unterbrochene Kommunikations- und Versorgungswege sowie chronischer Munitionsmangel beeinträchtigte ihre Wirkungsmöglichkeiten zudem nachhaltig600.

Zur Abwehr von Tanks waren zumindest Teile der vorgesehenen Maßnahmen umgesetzt worden. Die 6.Armee verfügte am 7.April über neun Nahkampfbatterien und 14 3,7cm Kanonen, denen noch 24 5cm Kanonen aus anderen Abschnitten der Westfront folgen sollten601. Diese zahlenmäßig auf den ersten Blick geringe Ausstattung zeigt allerdings, daß der Schwerpunkt der Tankabwehr mit Sondergeschützen eindeutig in den Bereich der zunächst bedroht erscheinenden Armee gelegt worden war. Innerhalb der Heeresgruppe verfügte sie mit Abstand über die meisten Tankabwehrgeschütze. Die 1.Armee etwa besaß demgegenüber lediglich drei der neuen Nahkampfbatterien602. Die seit Anfang des Jahres und noch direkt vor der Schlacht aus Gefangenenbefragungen gewonnenen Erkenntnisse über einen wahrscheinlich sehr ausgiebigen Gebrauch der Tanks in einer kommenden Frühjahrsoffensive waren bei den deutschen Stäben offensichtlich ernst genommen worden603. Die genaue Verteilung der Sondergeschütze zur Tankabwehr innerhalb der Frontstellungen ist nicht bekannt, was sich unter anderem aus dem Umstand erklärt, daß sie einzeln, mit größeren Abständen und mehrfach die Unterstellungsverhältnisse wechselnd, aufgestellt wurden604.

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Für diese neue Waffe, die Siegfried-Stellung und das neue „elastische Kampfverfahren“ stellten die Kämpfe bei Arras die erste Bewährungsprobe dar.

5.3 Die Kämpfe am 9. und 10.April 1917.

Der Infanterieangriff der britischen 3.Armee begann ab etwa 5 Uhr und insgesamt gelang der Sprung in die vordersten deutschen Gräben direkt nach dem Vorbeiziehen der artilleristischen Feuerwalze. Der deutsche Widerstand war nur an einigen wenigen Stellen hartnäckig, nämlich dort, wo er sich auf intakt gebliebene Drahthindernisse stützen konnte605. Wie für den Angriff des VI. und VII.Korps belegt ist606, erhielten die Angreifer vielerorts den Eindruck, daß die Verteidiger in ihren Unterständen nur auf eine günstige Gelegenheit zur Kapitulation warteten, falls sie nicht schon vorher Reißaus genommen hatten. Fehlende oder unfertige Deckungen und die lange und intensive Artillerievorbereitung hatten von den Deutschen Tribut gefordert607.

Kurioserweise stehen diese Aussagen in einem gewissen Widerspruch zum Schicksal der eingesetzten Tanks. So waren beim VII.Korps, im südlichen Angriffsabschnitt, 12 Tanks der 10.Kompanie des D-Bataillons und 10 Tanks der 8.Kompanie des C-Bataillons mit der Infanterie der 14. und 56.Division vorgegangen. Die Ausfälle beliefen sich nach kürzester Einsatzzeit bei der erstgenannten Kompanie auf acht durch deutsche Artillerietreffer außer Gefecht gesetzte Fahrzeuge, während sich bei der 8.Kompanie sieben Wagen festfuhren und zwei durch Artillerie abgeschossen wurden. Ein weiterer Tank wurde im Nahkampf mit deutscher Infanterie durch Handgranaten, welche die Ketten beschädigten, bewegungsunfähig gemacht608. Die Beteiligung der hier zum Einsatz gekommenen Fahrzeuge wird im britischen amtlichen Werk auffällig farblos geschildert und kulminiert in Aussagen zu „useful aid“ und über „did good work“609. Eine Wirkung der eingesetzten Tanks bestand im gegenüberliegenden Lager, bei der Gruppe Arras, allerdings darin, daß man einem Phantom nachjagte. Generalstabschef von Thaer schrieb dazu, daß ein durchgebrochener Tank auf einer Straße hinter der eigenen Linie in Munitions-Kolonnen „wirtschaftete“610. Dasselbe nahm man auch bei der Gruppe A an, wo ein Geschütz des FAR 49 der 27.ID eiligst zur Tankabwehr gegen eine gleichartige und ebenso absolut fiktive Bedrohung -welche allein durch Nervosität und Gerüchte verursacht sein konnte- gerufen wurde611.

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Nördlich anschließend, beim VI.Korps, waren acht Tanks der 9.Kompanie des C-Bataillons in Zweiergruppen eingesetzt. Sechs Wagen blieben auch hier stecken, und von dieser Gruppe wird nur ein Tank als hilfreiche Unterstützung des Angriffs, bei der Einnahme von Tilloy, erwähnt612. Hinsichtlich eines anderen Paares Tanks, das bei der 15.Division des Korps’ angriff, bemerkte der Bearbeiter des Bandes der Military Operations zu Arras, Cyril Falls, sarkastisch, daß es angesichts der Tankverluste dieses Tages geradezu wundersam erschien, daß einer der beiden Tanks am Nachmittag noch zu einem erfolgreichen Einsatz kam613.

Beim XVII.Korps sah es mit der Tankunterstützung noch düsterer aus. Von den acht Fahrzeugen der 7.Kompanie des C-Bataillons fuhren sich alle frühzeitig fest oder wurden vor einem für die britische Infanterie spürbaren Nutzen abgeschossen614.

Genauso ungünstig und dennoch ohne negativen Einfluß auf das Ergebnis des Kampfgeschehens verlief der Einsatz der acht Tanks der 1.Armee. Ohne Feindberührung setzte das aufgeweichte und von Trichtern übersäte Gelände an der Vimy-Höhe einen vorzeitigen Schlußstrich unter ihre Beteiligung. Als die Fahrzeuge geborgen waren, hatte der Infanterieangriff bereits so weit Fortschritte gemacht, daß ihr Einsatz an dieser Stelle nicht mehr sinnvoll erschien, weshalb die Tanks der 5.Armee überwiesen wurden615.

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Am Abend des 9.April konnte die britische Führung auf einen im Verhältnis zu den vorherigen Schlachten sehr erfolgreichen Tag zurückblicken, der den Einbruch in die sagenumwobene Siegfried-Stellung und die Eroberung der Vimy-Höhe mit den „traditionellen“ Mitteln, Infanterie und Artillerie, gebracht hatte. Die deutschen Verluste waren hoch616, und zeitweilig schien eine Lage Gestalt anzunehmen, die einen Durchbruch in Aussicht stellte. Doch „der Apriltag war zu kurz“, wie das britische amtliche Werk erklärt617, um das Erreichte strategisch ausnutzen zu können: Britische Reserven, namentlich die bereitgestellten Kavallerieverbände618, standen genauso weit von Positionen für günstiges Eingreifen entfernt wie die deutschen Reserve- oder Eingreifverbände619. Bis zum Nachmittag des 10.April änderte sich dies auf beiden Seiten und an der gesamten Angriffsfront. Die nach und nach verstärkten deutschen Stellungen wurden durch britische Infanterie und Kavallerie an einigen Stellen mehrfach hintereinander und heftig attackiert620. Das Ergebnis war aus britischer Sicht wenig zufriedenstellend, wobei die Kavallerie genauso scheiterte, wie es oft zuvor, ihrer bekannten Anfälligkeit gegenüber dem Feuer moderner Waffen wegen, geschehen war621 und auch noch später der Fall sein sollte622. Die Beteiligung von Tanks an diesen Angriffen war kaum der Rede wert und fand später in der recht lapidaren Bemerkung des deutschen amtlichen Werks ihren nicht unberechtigten Höhepunkt, daß es gelang, „die auch von Tanks begleiteten weiteren Angriffe der Engländer unter blutigsten Verlusten abzuweisen.“623

Die britischen Hoffnungen auf einen günstigen Verlauf der Schlacht bei Arras mußten am Abend des 10.April trotz 11.000 Gefangener und einer größeren Beute an Geschützen und Maschinengewehren eher gering ausfallen624. Sogar der Sieg auf der Vimy-Höhe sollte marginaler Natur bleiben, nachdem sich die deutsche Führung zwangsweise zur Zurückverlegung der dort unhaltbar erscheinenden Linien um fünf Kilometer entschlossen hatte625.

Dennoch galt für die britische Seite ganz grundsätzlich, die französische Offensive kämpfend abzuwarten und feindliche Kräfte zu binden. Der rechte Flügel der 5.Armee, der sich bislang nur in Form von Ablenkungsangriffen beteiligt hatte, konnte jetzt noch in den Kampf geworfen werden, um ein vorzeitiges Erstarren der Front zu verhindern und vielleicht doch noch den Durchbruch zu erzwingen. Für den 11.April wurde eine erneuerte und kombinierte Offensive der britischen 3. und 5.Armee vorgesehen626.

5.4 Bullecourt und die Kämpfe am 11.April 1917.

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Der Hauptangriff im Morgengrauen des 11.April wurde wiederum von der zentral stehenden 3.Armee geführt, wobei sich die Angriffsziele direkt gegenüber den Sturmausgangsstellungen befanden und diese Tatsache dem Stoß den Charakter eines bis heute recht einfallslos aussehenden Frontalangriffs geben mußte.

Tankunterstützung fand sich beim VII.Korps in der Größenordnung von vier Fahrzeugen, die Handgranatentrupps der 56.Division mit Feuer auf die Siegfried-Stellung unterstützten627, aber in der britischen Darstellung beim heutigen Betrachter keineswegs den Eindruck einer beachtenswerten Gefechtswirkung hinterlassen dürften. Auch gibt das deutsche amtliche Werk für den Abschnitt an, daß von insgesamt zehn angreifenden Tanks vier durch Artillerie zerstört wurden628.

Beim VI.Korps gelang es sechs von acht Tanks, den Angriff der Infanterie zu begleiten und der Infanterie einige Hilfe zu bieten, was sich in den Military Operations wiederum erstaunlich nüchtern und wenig beeindruckend darstellt. So ermöglichte ein Tank das Eindringen britischer Infanteriespitzen in einen deutschen Graben und andere Wagen hielten und kämpften diverse Maschinengewehrnester nieder629. Die Einnahme von Monchy, der sicherlich größte Gewinn des Tages bei der 3.Armee630, wurde trotz der diesmal deutlicher faßbaren Unterstützung durch Tanks wie die Erfolge der beiden vorherigen Tage in erster Linie durch die Infanterie errungen631. Ganz anders urteilte eine offiziöse deutsche Darstellung, in welcher Tanks der britischen Infanterie „donnernd“ „den Weg in das Herz der deutschen Stellung“ bahnten und selbst der „Löwenmut“ eines erfahrenen Kompanieführers gegenüber „Stahl und Eisen“ machtlos war632. Immerhin bietet diese schauderhaft pathetische Schilderung der Einnahme von Monchy einige Hinweise darauf, daß es zwischen Tanks und bayerischen Verteidigern des Ortes zum Nahkampf gekommen war und das Vordringen der Fahrzeuge und der Kavallerie über den Ort hinaus von deutscher Infanterie und Artillerie vereitelt wurde633.

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Wesentlich bedeutender als die Ereignisse hier konnten für die Gesamtbewertung der Tanks in der Osterschlacht bei Arras 1917 allerdings die Kämpfe um Bullecourt sein, die sich im Kern zwischen der durch Tanks verstärkten australischen 4.Division des I.ANZAC634 und der württembergischen 27.ID der Gruppe A635 abspielten.

Der Angriffsplan der britischen 5.Armee sah den Hauptstoß in die Siegfried-Stellung bei Bullecourt mit der australischen 4.Division vor, der nach erfolgtem Einbruch die 62.Division, das Einschwenken aller Teile in die Flanken der Deutschen und ein Erweitern des Durchbruchs mit Kavallerie folgen würden636. Dabei sollte den Tanks eine besondere Rolle zukommen. Ursprünglich war auch hier ihr Einsatz in Zweiergruppen auf der gesamten Angriffsbreite vorgesehen gewesen, doch es gelang dem Kommandeur des D-Bataillons und seinem Kompanieführer vor Ort, den Armeebefehlshaber, General Gough, dahingehend umzustimmen, die verfügbaren Tanks konzentriert einzusetzen637. Wenn auch nicht alle im Moment verfügbaren Fahrzeuge bei der 5.Armee zusammengefaßt wurden, so wie es Fuller gewünscht hatte638, so waren bei Angriffsbeginn doch 11 Wagen639 bei einer einzigen Division mit knapp 1.500m Angriffsbreite für einen Überraschungsangriff versammelt worden. Dies bedeutete einen erheblichen Unterschied zu den Einsatzverfahren zuvor, was sich auch daran zeigt, daß der Einsatz der Tanks nach vollzogenem Durchbruch den Divisionskommandeuren vor Ort überlassen werden sollte und nicht, wie etwa am 9.April, einer detaillierten und vorgefaßten Zielzuweisung folgte640. Mehr noch, es lag der erste Fall vor, bei dem Offiziere des Tank Detachments derart großen Einfluß auf den Einsatz ihrer Waffe hatten und bislang theoretische Überlegungen praktisch erproben konnten641. Die Artillerievorbereitung, die zuvor die zentrale Rolle für die Schaffung der Grundlagen eines erfolgreichen Infanterieangriffs auf befestigte Stellungen gespielt hatte, trat zugunsten der Tanks erstmals zurück und eröffnete die Schlacht lediglich mit einem kurzen Trommelfeuer.

Den Plan bereits am 10.April umzusetzen, gestaltete sich allerdings schwierig, denn starker Schneefall642 machte das durch die Dunkelheit schon schwierige Einfließen der Fahrzeuge in ihre Bereitstellungsräume unmöglich. Erst am 11.April um 5.30 Uhr deutscher Zeit, an einem Morgen mit noch mehr Schnee als an den Tagen zuvor643, konnte der Angriff beginnen.

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Die Motorengeräusche der Tanks waren durch Artilleriefeuer übertönt worden644, und das Erkennen der vorrückenden Fahrzeuge wurde dem Feind durch den Qualm der einschlagenden Granaten zuerst erheblich erschwert645. Bis auf zwei Tanks, von denen einer vor der Stellung im Drahthindernis steckenblieb und daraufhin durch Minenwerfer- und Maschinengewehrfeuer zerstört wurde, gelang der gepanzerte Stoß in die deutsche Stellung und australische Infanterie kam teilweise bis vor die letzte Linie des neuen Abwehrsystems, die Artillerie-Schutzstellung. Britischer- und deutscherseits wurde die moralische Wirkung der Tanks, denen die Württemberger der 27.ID zum ersten Mal gegenüberstanden, hervorgehoben646. Allerdings handelte es sich ganz offensichtlich um einen kurzzeitigen Effekt, der auch nur Teile der Truppe erfaßte:

„Many Germans, probably scared by the tanks, which these particular troops had not seen before, fled towards Riencourt; but in general the enemy stood his ground and fought grimly.”647

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Einsetzende Gegenstöße der württembergischen Divisionsreserven machten jedem weiteren Vordringen ein Ende. Stoßtrupps rollten die verlorenen Stellungsteile von den Flanken her auf und drängten in „zielbewußtem Zusammenarbeiten die Engländer allmählich wie eine Herde zusammen und zwangen sie, sich zu Hunderten zu ergeben“648. Knapp 1.200 Australier gingen in Gefangenschaft. Die Gesamtverluste des Angreifers, für den der Tag ohne Geländegewinn endete, beziffert das deutsche amtliche Werk auf 3.300 Mann649. Für die Tankunterstützung wurde der Kampf zu einem nahezu vollständigen Desaster. Ein Tank wurde durch Minenwerfer650, einer durch ein einzelnes Maschinengewehr mit SmK-Munition, deren Geschosse in großer Zahl die Panzerung glatt durchschlagen hatten651, andere durch die Stellungsartillerie außer Gefecht gesetzt. Das FAR 49 der 27.ID hielt sich in seiner Truppengeschichte -und im Unterschied zur Aufarbeitung des 15.September 1916 durch andere Verbände- davon fern, Abschüsse für bestimmte Batterien, Geschütze und Soldaten zu reklamieren652. Das RFAR 26 nannte in seiner Geschichte ein einzelnes Tankabwehrgeschütz, das, in offene Feuerstellung gezogen, australische Infanterie auf nächste Entfernung bekämpfte, sowie je einen Tankabschuß durch die 5. und 6.Batterie des Regimentes653.

Was die Geschütze einer im Abschnitt der 27.ID befindlichen Nahkampfbatterie angeht, so ergibt sich erst aus den damaligen Gefechts- und Erfahrungsberichten ein Bild ihrer Wirkungsweise. So sprach der Artillerie-Kommandeur der 27.ID in seiner Zusammenfassung über die Tankbekämpfung am 11.April davon, daß sie sehr effektiv und schnell gewirkt hätten654. Die 27.ID nannte zudem drei Abschüsse, die durch „Tankgeschütze“ erzielt worden waren655.

Insgesamt neun der 11 Wagen wurden kampfunfähig gemacht, davon sieben innerhalb der deutschen Linien. Die übrigen Tanks hatten sich durch Ausweichen nach hinten gerettet656.

5.5 Weitere Tankeinsätze bis zum Ende der Schlacht.

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Die Hauptaufgabe der Schlacht von Arras im Rahmen der kombinierten britisch-französischen Frühjahroffensive 1917, nämlich das Binden deutscher Truppen, war am 11.April keineswegs erfüllt, was zwangsweise zur Fortsetzung der Operationen führen mußte657. Eventuelle Siegeschancen, wie sie am 9.April noch gehegt werden konnten, hatten sich aber durch die Erfüllung des grundsätzlichen Auftrages im Rahmen der britisch-französischen Offensive, dem Heranziehen starker deutschen Reserven658, und den Erschöpfungsgrad beim Angreifer659 nach drei Tagen Materialschlacht merklich verringert. Bereits wieder am 12.April wurden Vorstöße mit Tanks und Infanterie vorgetragen und von den Deutschen abgewiesen660, was für die weiteren Kämpfe bis Mitte Mai Programm werden sollte und der Schlacht in Verlauf und im Ergebnis einen den Kämpfen an der Somme von 1916 entsprechenden Charakter gab661.

Da sich die Rolle der Tanks in diesen Kämpfen aus deutscher Wahrnehmung heraus nicht von den bisherigen Erfahrungen unterschied und es auch beim Großangriff am 23.April gelang, sieben Fahrzeuge zu zerstören662, erübrigt sich eine detailliertere Beschreibung des Geschehens.

5.6 Tanks und Tankabwehr in der Schlacht von Arras: Bewertungen und Reaktionen.

Die Schlacht bei Arras von 1917 ist insgesamt als überaus bedeutend einzuschätzen, wenngleich die ersten zwei Schlachttage nicht die Überprüfung des neuen deutschen Abwehrverfahrens vor dem Hintergrund einer britischen Großoffensive bekannten Typs zeigten. Vielmehr war es der unfreiwillige Beleg für die Notwendigkeit, ein solches Verfahren umzusetzen und eine gute, wenngleich gefahrvolle Gelegenheit, frühere Schwächen nochmals vor Augen geführt zu bekommen. Auf der anderen Seite, der britischen, folgte Arras der Sommeschlacht und brachte in verkürzter Zeit, unter verhältnismäßig geringen eigenen Verlusten663 und mit nahezu vollständig herkömmlichen Mitteln664, einen großen Erfolg, der es nach dem ersten Tag der Schlacht hätte nahelegen können, endlich die Größenordnung an Schlagkraft gefunden zu haben, welcher der Gegner auch in besten Stellungen nicht standhalten konnte. Einbrüche von bis zu fünf Kilometern Tiefe und 9.000 Gefangene am ersten Tag wiesen eine qualitative Leistungssteigerung der britischen Stabsarbeit und besonders der Infanterie als „Triumph“665 aus. Das Ereignis, das diesem Sieg bis heute Ausdruck gibt, ist die Eroberung des Vimy-Rückens, auf dessen entscheidender Höhe 145 ein monumentales kanadisches Nationaldenkmal einen langen Schatten über den Verlauf der Schlacht und die Grundlagen ihrer umfassenden Bewertung zu werfen scheint666.

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Da die Tanks in dieser Phase der Schlacht vom Standpunkt des später Urteilenden aus kaum auffällig waren, kann es auch nicht verwundern, daß sie eher übergangen werden konnten und oft erst im Zusammenhang mit der tatsächlich ja winzigen „Schlacht“ um Bullecourt Erwähnung fanden. Anders als bei Autoren der Fachliteratur zu „Panzern“ sowie den mehr oder weniger kräftig auf Propagandaeffekte zielenden Autoren der Kriegs- und Zwischenkriegszeit, die nicht umhin konnten oder wollten, Erfolg und Mißerfolg der Tanks bei Arras näher zu beleuchten und entsprechend der jeweiligen Siegesaussichten zu interpretieren, finden sich in Überblicksdarstellungen zum Ersten Weltkrieg oft sehr oberflächliche Schilderungen. Bei Keegan etwa ist eine solche kaum noch als realitätsnah zu bezeichnen: Die bei Bullecourt angreifende australische Division, nur durch einige wenige Tanks begleitet, wurde mit diesen zusammen vor einem intakten Drahthindernis aufgehalten- so weit die dubiose Zusammenfassung667. Chickering ließ den Tanks „während des Hauptangriffs“, den er nicht datierte, eine besondere Rolle zukommen668, die er nicht näher definiert. Der Internetbeitrag des „Lebendigen virtuellen Museums Online“ des Deutschen Historischen Museums zu Arras 1917 spricht zwar von den zum Angriff versammelten Tanks, läßt ihre Rolle während der Schlacht aber außer Acht669. Und Heydecker, der bis hierhin schon mit einer Geschichte des Tanks im Ersten Weltkrieg „aus einem Guß“ wenig geglänzt hat, verzichtete zur Gänze auf Überlegungen zu den Tankeinsätzen bei Arras670, während in einer der neuesten und schwergewichtigsten deutschen Veröffentlichungen zum allgemeinen Themenbereich, der „Enzyklopädie Erster Weltkrieg“, ein Beitrag vom Verdun-Spezialisten Werth zum Stichwort „Cambrai“ veröffentlicht wurde, in dem von einem „kleineren Panzerangriff bei Arras 1917“ die Rede ist671.

Die Probleme, die Verfasser von Überblicksdarstellungen offensichtlich mit den Tanks und erst recht mit den völlig vernachlässigten Aspekten der Tankabwehr bei Arras haben, lassen sich auch in Bewertungen innerhalb der Fachliteratur finden. Wenn man die geringe Wirkung der Tanks nicht unberücksichtigt lassen konnte, so blieb die Möglichkeit, sie in den Vorwurf des Versagens der deutschen Führung zu integrieren, oder darauf zu verweisen, daß selbst in der Niederlage „Siege“ und der Kern zum späteren, endgültigen Sieg von 1918 steckten. Ogorkiewicz etwa faßte Arras, Champagne und Flandern 1917 zusammen, um ohne nähere Betrachtung der jeweiligen Vorkommnisse und Maßnahmen auf beiden Seiten zu dem sicherlich legitimen, aber eben äußerst oberflächlichen Schluß zu kommen, daß die Unterschätzung der Tankwaffe auf deutscher Seite durch die geringen Leistungen der Tanks gefördert wurde672. Perrett dagegen sprach zwar deutlicher von den Verlusten durch deutsche Tankabwehr bei Arras, bezog sich in seiner Wertung aber auf den Erfolg bei der Eroberung von Monchy am 11.April, um dann schnell zur französischen Offensive in der Champagne überzuleiten673.

Die Schlacht von Arras 1917 ist ganz offensichtlich ein diffiziles und vielschichtiges Ereignis, das sich nicht leicht in das heute bestehende Bild -erst recht nicht in jenes vom Tank des Ersten Weltkrieges- einfügen läßt. Daß die Schlacht letztendlich zu einem Desaster für den britischen Angreifer wurde und für ihn eine klare Niederlage bedeutete, steht allerdings gemeinhin außer Frage674.

5.6.1 Britische Perspektiven und Reaktionen.

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Arras 1917 markierte bereits dadurch einen besonderen Punkt in der Entwicklung der britischen Kampfformen an der Westfront und der Entwicklungsgeschichte des Tank, weil es die erste Großoffensive war, an der Kampfwagen von Anfang an teilnahmen. Die Rolle, die ihnen hierbei zufiel, hätte nach allem, was an Erfahrungen aus der Sommeschlacht erarbeitet und überliefert war675, ein Ergebnis erwarten lassen können, das sich deutlich von dem von 1916 unterschied. Die vielseitigen technischen Unzulänglichkeiten der frühen Tanks in einem schwierigen, von (eigener) Artillerie verwüsteten Gelände, die Probleme beim zersplitterten Einsatz der Fahrzeuge, ihre zu enge Bindung an eine Vielzahl von Einsatzzielen und ihre Empfindlichkeit gegenüber feindlichem Feuer beim Vorgehen ohne Infanterieunterstützung waren überaus deutlich geworden676. Im Vorfeld der Schlacht war die Zeit nachweislich mit Auswertung der Erfahrungen und Schaffung theoretischer Grundlagen für weitere Einsätze verbracht worden677. Es erschien das von Fuller verfaßte „Ausbildungsbüchlein Nr. 16“678, das die zu erreichende Struktur der Verbände, Regelung der Kommunikationsmöglichkeiten durch Blink-Signale und vor allem die Kampf- und Einsatzformen der Tankformationen regelte. Unabhängig vom reglementarischen Fortschritt, den diese Schrift insgesamt für das Tank Detachment bedeutete, bleibt unverkennbar, daß der Weg zur operativen Panzerstreitmacht noch weit war. Fuller selbst stellte dies in seinen Erinnerungen auch fest679 und sah die Gründe für das Scheitern der Tanks beim Auftakt der Schlacht von Arras in zwei Faktoren. Der eine verband sich mit den Tanktypen Mark I und II selbst, die den Anforderungen in technischer und zahlenmäßiger Hinsicht nicht genügen konnten680, und der andere betraf die Uneinsichtigkeit der höheren Führung:

„Obwohl uns die Deutschen viel zu schaffen machten, machte uns Sir Douglas Haig und sein ungewöhnlich phantasiearmer Generalstab [,...,] unendlich mehr zu schaffen.“681

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Bezeichnend dafür war, daß das „Büchlein Nr. 16“ wegen seiner Bestimmungen zu den Artillerievorbereitungen, die nicht länger als 48 Stunden dauern sollten, um dem Feind keine Gelegenheit zum Heranführen von Reserven zu geben und den Tanks ein trichterübersätes Schlachtfeld zu ersparen, „kassiert“ worden war682. Eine wirklich richtungweisende Idee der Vorschrift, nämlich das Aufgeben des langanhaltenden Feuers zugunsten der Tanks, welche der Infanterie schnell und für den Feind überraschend Gassen durch die feindlichen Hindernisse bahnen sollten, fand als Folge keine Verbreitung. Vor Arras wurde genauso auf Trommelfeuer gesetzt wie zuvor und noch danach. Die Umsetzung der Vorstellungen zu einem kombinierten Tank- und Infanterieangriff, bei dem die verfügbare Panzerkraft konzentriert zu einem gezielten Durchbruch zusammengezogen werden sollte, fand bis zur Planung des Angriffs von Bullecourt ebenfalls keine Anerkennung, so daß die früheren Anweisungen aus dem Stab des Oberbefehlshabers bindend bleiben mußten683. Die „normal tactical methods“684 blieben bei den Planungen zur Offensive von Arras unberührt.

Tanks waren primär Infanteriebegleitung, ohne daß ihr Einsatz formationstechnisch oder zahlenmäßig fest geregelt war. Anzahl der Ziele und erkannter Bedarf ließen es schließlich zu, daß bei Arras sehr verschieden starke Gruppen von Tanks auf dem Schlachtfeld zu finden waren. Immerhin fehlen für diese Kämpfe Hinweise darauf, daß es bei den Tankbesatzungen wie an der Somme zu Desorientierung oder gar Feuereröffnung auf eigene Truppen kam. Ganz im Gegenteil, denn ein wirklich signifikanter Fortschritt war anscheinend bei der Ausbildung gemacht worden. So urteilte der Kommandierende General im Abschnitt vor Monchy:

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„I certainly never again want to be without tanks, when so well commanded and led.“685

Fuller ging in dieser Hinsicht noch einen Schritt weiter, zitierte einen Bericht, der den Tankbesatzungen ebenfalls ein hervorragendes Zeugnis ausstellte, und gab die Wertung ab, daß Arras den „Triumph der Ausbildung über die bisherige dilettantische Verwendung“ darstellte686. Inwieweit hier das Lob des Vorgesetzten die Realität in Bezug auf den wahren Gefechtswert der Truppe übertraf, könnte als Unwesentlichkeit undiskutiert bleiben, doch es gibt einerseits gegenteilige Darstellungen, andererseits fehlen für Arras die herausragenden Erfolge der Tanks. Nach dem dramatischen Mißerfolg bei Bullecourt machten die Australier den Panzersoldaten und deren „zu optimistischer Führung“ heftigste Vorwürfe687, und der auffällige Versuch der Presse zur Integration wenigstens eines Tanks in die Erfolgsgeschichte der Eroberung von Vimy Ridge mag die Armut an Glanzlichtern gerade in den erfolgreichen ersten Tagen der Schlacht deutlich aufzeigen688. Dementsprechend lautete auch die erste Bewertung der Leistungen der Tanks am 9.April im britischen amtlichen Werk „generally speaking, they had not had a good day”689. Angesichts der Realitäten ist diese Aussage noch als Verharmlosung zu charakterisieren.

Von den 40 Fahrzeugen, die am ersten Tag der Schlacht bei der 3.Armee zum Einsatz kamen, wurden wenigstens 11 durch deutschen Widerstand ausgeschaltet690 (27,5%), mindestens 14 fuhren sich fest. Ferner sind weitere acht Tanks beim XVII.Korps691 auf die beiden Kategorien Verluste und Ausfälle zu verteilen, womit letztendlich ein Ausfall von 33 Fahrzeugen oder 82,5% der Einsatzstärke berechnet werden kann. Diese eindrucksvolle Zahl wird durch die Tatsache, daß steckengebliebene Wagen zu bergen waren, zwar relativiert, doch bleiben die „blutigen“ Verluste mit -je nach Berechnungsgrundlage- deutlich über 25% erheblich692. Daß diese bei Bullecourt am 11.April noch höher waren, braucht eigentlich nicht mehr belegt zu werden (82%). Doch es verbinden sich mit dieser Niederlage besondere Umstände, die Fullers –mehr aus der Retrospektive als aus der bis hierhin verfolgten Entwicklungsgeschichte des Tanks heraus verständlichen- Kritikpunkte an Haig und dessen Stab aushebeln müssen. Wie oben bereits gesagt wurde, hatte das Tank Detachment besonderen Einfluß auf diese Operation der 5.Armee. Die Idee, sämtliche Tanks bei der 5.Armee und gegen den Abschnitt Bullecourt zu konzentrieren, um an einem von Artilleriefeuer unberührten Teil der Front zu einen Überraschungsangriff nach dem ersten, eigentlichen und konventionellen Infanterie-Artillerie-Angriff bei der 3.Armee anzutreten, war offensichtlich Fullers eigener Plan gewesen693. Dazu kam es bei den Dispositionen der Großoffensive in dieser Form nicht, weil erstens, wie schon angeführt, die im Hauptquartier vorhandenen Einsatzideen für die Tanks den Vorstellungen einer geradezu autarken, operativen Waffe nicht entgegenkamen, zweitens, weil das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte. Dennoch gelang es den Kommandeuren der Tankeinheiten vor Ort, eine neuartige Angriffsweise im Sinne des Stabschefs beim Armeebefehlshaber zu empfehlen694. Theoretischen Vorgaben aus dem Ausbildungsbüchlein Nr. 16 wurde insofern gefolgt, als die Aufstellung der Tanks dem System der „Trident Tactics“, dem gestaffelten Einsatz von Tanks, Infanterie und Kavallerie mit starker Flankensicherung, folgte695, und sie wurden dadurch übertroffen, daß auf umfangreiche Artillerievorbereitungen im Vertrauen auf die Fähigkeiten der Tanks verzichtet wurde696. Der Erfolg blieb versagt, was neben Gründen, die auf der deutschen Seite zu finden sind, auch daran lag, daß der Angriffsplan mehrfach geändert worden war, was Verwirrung schuf. Außerdem traten Tanks letztendlich nicht einheitlich zum Angriff an und die Zusammenarbeit zwischen Infanterie und Tanks vorab nicht geübt werden konnte697. Mehr noch, falsche Berichte während des Kampfes suggerierten einen durchschlagenden Erfolg, weswegen es für die vor intakten Stellungen kämpfende Infanterie nach dem Ausfall der Tanks auch keine Entlastung durch Artillerieunterstützung gab698. Multiples Versagen ist hier zu attestieren, das kaum mit Haig und dessen Stab in Verbindung zu bringen ist, wenn man nicht den großen Bogen zurück zur allgemein-theoretischen Gesamtkonzeption der Tankverwendung bei einer Offensive des Kriegsjahres 1917 schlagen will. Mit einem konzentriert eingesetzten Mehr von verfügbaren und besseren Fahrzeugen hätten die Erfolge zwischen dem 9. und 11.April zum Durchbruch ausgebaut werden können, urteilte Fuller699:

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„Tankwellen in Staffeln hintereinander mit starker Reserve hätten zweifellos einen Durchgang für die Infanterie erzwungen und so die Deutschen genötigt, zurückzuweichen. Die Desorganisation der Deutschen wäre stärker und anhaltender gewesen, so aber blieb der Angriff der Tanks ohne Unterstützung. Er verpuffte. Seine Dauer war streng begrenzt, weil zu wenig Tanks und keine Reserven zur Verfügung standen.“700

Grundsätzlich ähneln die Lehren von Arras also denen aus der Sommeschlacht und ließen den Visionär –sowie den viel später über die Vorgänge Schreibenden- auf eine Zukunft verweisen, in der die jetzt längst bekannten Mängel behoben sein würden701. Die große Schwierigkeit mußte darin bestehen, der Führung die notwendigen Zugeständnisse an materieller und konzeptioneller Freiheit abzugewinnen. Wie wenig Aussicht darauf nach den Kämpfen im April und Mai 1917 bestand, stellten die vom Generalstab im Mai 1917 herausgegebenen „Anweisungen über den Gebrauch der Tanks und über die Grundgedanken bei ihrer Verwendung als Hilfsmittel beim Infanterieangriff (S.S. 164)“702 deutlich unter Beweis. Unausgegorener und teilweise widersprüchlicher Inhalt, wie Fuller ihn für die Notwendigkeit umfangreicher Artillerievorbereitung im Gegensatz zur Feststellung, daß Tanks sich für einen Einsatz im zerschossenen oder aufgeweichten Gelände nicht eigneten, erkannte703, manifestierte sich allerorten. Und das machte die Vorschrift zu einer Art Fundgrube für oder gegen dieses oder jenes Verfahren. Richtungsweisend oder gar bindend scheint an ihr nichts gewesen zu sein, wie der Einsatz auf einem definitiv nicht geeigneten Gefechtsfeld in Flandern und die lokale Abänderung der Grundlagen des Angriffs bei Cambrai noch deutlich machen sollten704.

5.6.2 Deutsche Perspektiven und Reaktionen.

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Als Ludendorff am 9.April seinen Geburtstag beging, konnte er sich nicht mehr sicher sein, ob die neuen Vorschriften für die Abwehrschlacht richtig gewesen waren705. Neben den akuten Problemen, die vor allem die Heranführung von Ersatz für die schwer angeschlagenen Frontdivisionen der 6.Armee betrafen, ging man auf dieser obersten Führungsebene augenblicklich an die Untersuchung des offenkundigen Mißerfolges, wobei der Druck, der auf Ludendorff als potentiellem „Hauptverantwortlichen“ lastete706, auch darin Ausdruck fand, daß er sich umgehend aus erster Hand über das Geschehen berichten ließ707 und zwei Tage später Generalstabsoffiziere zur Ursachenforschung in den Führungsbereich des AOK 6 entsandte708.

Der erste Tag der Schlacht bedeutete aus Sicht der lokalen Führung eine „schwere Niederlage“709 für die deutschen Truppen. Daß 15 Tanks am ersten Tag zerstört worden waren, also ein Viertel der insgesamt auf britischer Seite verfügbaren Wagen, deren Gesamtzahl man freilich nicht kannte, fiel dabei zuerst nicht ins Gewicht. Einmal waren die Infanterie- und Geschützverluste ungeheuer, und dann gab es –zumindest in den Augen des Stabschefs der maßgeblich vom Angriff betroffenen Gruppe Arras, Thaer, der die ersten Beurteilungen des Geschehens maßgeblich beeinflußte710- keinen Zweifel daran, daß noch wesentlich mehr Tanks in die Kämpfe eingreifen würden711. Was ihre Rolle beim ersten Schlag der Briten angeht, so ergibt sich aus dieser Annahme Thaers unzweifelhaft die Feststellung ihrer elementaren Bedeutung beim Angriff, der sich die Heeresgruppe am 13.April in einer vorläufigen Erklärung anschloß:

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„Die zahlreichen Tanks, die der Gegner in diesen Kämpfen einsetzte, erwiesen sich obwohl wieder viele von ihnen vernichtet wurden doch wieder als wirksames Angriffsmittel, vor allem bei Nacht.“712

Bezüglich der Ergebnisse der Befragung zweier Offiziere der 11. und 14.b.ID verfaßte die OHL am 15.April ein Fernschreiben713. Daraus ging hervor, daß einmal die deutsche Artillerie besonders unter den ungünstigen Stellungsbauverhältnissen in der Siegfried-Stellung gelitten hatte, und daß dort, wo die Tiefengliederung eingenommen worden war, durchaus auch ohne Eingreifen der Reserven lange Zeit ausgehalten werden konnte714. Zu den Tanks sagten die befragten Offiziere aus, daß sie in geringer Zahl, bei Tage und vornehmlich auf Straßen vorgegangen waren und, wenngleich sie in einigen Fällen durch die Linie stoßen konnten, allesamt und baldigst Opfer der Artillerie geworden waren. Die Sondergeschütze zur Tankabwehr hatten daran keinen Anteil gehabt, da sie offenbar unzureichend gedeckt eingebaut gewesen waren und von der feindlichen Artillerie frühzeitig zerstört werden konnten715. Das Fazit legte den Grund des anfänglichen Mißerfolges bei Arras ganz klar in den Bereich der unzureichenden Umsetzung der Tiefengliederung, die ohne die Bereitstellung von Eingreifreserven nah hinter der Front, welche ihrerseits wenig ausgebaut gewesen war, scheitern mußte716. Hinzu kam „lokales Versagen der vorderen Infanterie an einer Stelle“, nämlich der als „Schuldigen“ ausgemachten 14.b.ID. Dieser Umstand wurde als eine maßgebliche Erklärung des Mißerfolges mehrmals genannt und fand schließlich auch Eingang in Ludendorffs Kriegserinnerungen717. Der Einsatz „besonderer Mittel (Tanks, Gas)“ hatte seiner Ansicht nach keine besondere Rolle gespielt.

Der ausschlaggebende Faktor für das deutsche Desaster vom 9.April 1917 konnte den ersten Erkenntnissen nach bereits schnell und eindeutig bei den Dispositionen des AOK 6 vor der Schlacht verortet werden. Diese Erkenntnis, die in unzureichender Umsetzung der Tiefengliederung und Bereitstellung der vorhandenen Reserven zu Gegenstoß und Gegenangriff hinter der bedrohten Front kulminierte718, kostete den Stabschef der 6.Armee, Generalmajor Freiherr von Nagel zu Aichberg719, nach dem Fall Monchys am 11.April seine Dienststellung720. Dem nach Eindruck des Kronprinzen von Bayern ob dieser Abstrafung „apathisch“ gewordenen Armeebefehlshaber721 wurde der aus Sicht Ludendorffs bewährte Stabschef des AOK 1, Oberst v. Loßberg, ein an der Somme erprobter Fachmann für die Abwehr im Stellungskrieg722, an die Seite gestellt. Damit endete bei der 6.Armee die Zeit der von den höheren Vorgesetzten so deklarierten grundlegenden Fehler, deren Kern im Stab der Armee und dessen Unverständnis für die Lage und die Adaption der wesentlichen Bestandteile der neuen Abwehrtechnik gefunden worden war. Allerdings kann man bezüglich der Disposition von Reserven durchaus auch nach der Rolle der Heeresgruppe und der OHL fragen, die nicht nur wegen fehlenden, rechtzeitigen Eingreifens723, sondern auch wegen Vorkommnissen am 12.April an der Aisne fragwürdig erscheint. Letzteres betraf den Umstand, daß die OHL offensichtlich erst die negativen und aktuellen Erfahrungen von Arras brauchte, um an der Aisne die versammelten Eingreifdivisionen freizugeben und näher hinter die Hauptkampflinie rücken zu lassen724. Außerdem sollten für eine Bewertung des Handelns der Verantwortlichen die späteren Aussagen Loßbergs in Betracht gezogen werden, die ausdrücklich die Schuld der Heeresgruppe für die prekäre Lage der ersten Tage unterstrichen und das AOK 6 völlig entlasteten725.

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Etwas, das sich nicht gänzlich durch das blitzschnelle Ausmachen eines einzelnen „Hauptschuldigen“ und nach Bereitstellung umfangreicher Mittel zur weiteren Abwehr in Wohlgefallen auflöste, war unter anderem die Frage nach der Bedeutung der Tanks. Die oben genannten Ergebnisse der Offizier-Befragung verwiesen zwar am 15.April nochmals auf die Fehler des Armeestabes und rechtfertigten das Durchgreifen der OHL im Nachhinein und vordergründig, doch sie standen, zusammen mit der Meldung über den bemerkenswerten Sieg der 27.ID bei Bullecourt726, über den ein ausführlicher und mit Photos versehener Bericht der Gruppe A weit verbreitet worden war727, hinsichtlich der Einschätzung der Tanks im Gegensatz zu den Urteilen der Gruppe Arras und der Heeresgruppe. Besonders in Thaers privaten Aussagen wird dies deutlich. Am 19.April schrieb er die überaus kritischen Zeilen:

„Unsere Infanterie hat entschieden auch vorn vor den Tanks sich sehr erschreckt und zwar berechtigterweise, denn sie ist wehrlos dagegen. Infanteriemunition schlägt nicht durch, jetzt kommt eine Munition, die durchschlagen soll, aber leider scheint man bei der O.H.L. die Gefahr der Tanks in unbegreiflicherweise zu unterschätzen.“728

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Ob der Eindruck wirklich richtig war, wird weiter unten zu klären sein, doch gerade hinsichtlich der Tankgefahr bleibt bei Thaer offen, inwieweit er sich des Problems zuvor angenommen und Einblick in die bisherigen Untersuchungen und deren Ergebnisse hatte. Denn auffällig ist, daß er zwei Tage später behauptete, mit „alarmbereit vorgezogenen Halbbatterien“ zur Abwehr der „Tankbestien“ im direkten Richten ein neues Abwehrverfahren verordnet zu haben729. Dieses Verfahren wurde schon ein halbes Jahr zuvor in den ersten Äußerungen der Heeresgruppe Rupprecht und in der Tankabwehrvorschrift des AOK 6 vom März 1917 als Möglichkeit beziehungsweise Notwendigkeit angeführt730 und seit Beginn der Kämpfe von Arras bei der 1.Armee bereits auch praktiziert731. Inwieweit Thaers obige Kritik allein auf einen momentanen Eindruck zurückzuführen ist, der sich aus nicht überliefertem Austausch mit der Armee oder der Heeresgruppe bis zum 19.April ergab, also bis zu einem Zeitpunkt, an dem man bei der übergeordneten Führung auch schon vom Scheitern der französischen Tanks an der Aisne wußte, muß unklar bleiben. Möglicherweise waren es auch schnell getroffene Aussagen an der Schlacht unbeteiligter Dritter, wie des GK XIII.AK, das schon am 11.April von dem bei Arras erbrachten Beweis für den Erfolg „planmäßiger, gut vorbereiteter Bekämpfung der Tanks“ gesprochen hatte732, die ihn aufschrecken ließen. Sehr wahrscheinlich und damit verbunden ist, daß sich Thaer auf die möglichen Auswirkungen der aufwendig gestalteten Mitteilungen der Gruppe A über die Ereignisse bei Bullecourt bezog, die seit dem 15.April in großer Anzahl verbreitet wurden733. Der Tenor dieser Sammlung von Berichten des Gruppenkommandos, ihrer gerade erst nach neuesten Erkenntnissen ausgebildeten 27.ID und anderer Einheiten im Korpsabschnitt, ergänzt durch übersetzte feindliche Dokumente wie etwa einer vollständigen Inventarliste der Tankausstattung mit Geräten aller Art sowie durch Photos der niedergekämpften Tanks, war eindeutig:

„Der 11.April hat das Gefühl der Ohnmacht gegen diese feuerspeienden Ungeheuer beseitigt. Wir haben ihre verwundbaren Stellen erkannt und wissen, wo sie zu fassen sind.“734

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Ganz offensichtlich unter dem Eindruck des erreichten Abwehrerfolges gegenüber den Tanks gab die Heeresgruppe Rupprecht am 21.April die ersten „Erfahrungen und Folgerungen aus den Kämpfen bei Arras“ heraus735, welche selbstredend an die OHL und die AOK der Heeresgruppe, aber etwa auch an die Heeresgruppe Eichhorn an der Ostfront weitergeleitet wurden. Festgestellt wurde, daß die Tanks den wenig mobilen Modellen von 1916 entsprachen und –dies war zweifelsohne eine Erkenntnis aus der Beute von Bullecourt- schwächer gepanzert waren, als man zuvor angenommen hatte. Daraus erklärten sich die Erfolge, die von der Feldartillerie, schweren Artillerie, mit Panzerkopf-Granaten ausgestatteten Infanterie- und Nahkampfgeschützen, Minenwerfern und Maschinengewehren mit SmK-Munition errungen werden konnten. Ebenso wurde aber auch die einmal mehr erkennbare moralische Wirkung der im Halbdunkel auftauchenden und feuernd an den Linien entlang fahrenden Kampfwagen auf die Infanterie festgehalten. Als Gegenmittel empfahl die Heeresgruppe, daß die Tankabwehr wegen dieser unabwägbaren Bedrohung grundsätzlich Priorität für alle einsetzbaren Abwehrwaffen der Artillerie haben müsse, da sichtbare Abwehrerfolge durch die Schwesterwaffen „beruhigend auf die Infanterie“ wirkten736. Offen auffahrende und im direkten Richten feuernde Feldartillerie hätte hierbei offensichtlich die größte Wirkung. Besondere Erwähnung fand noch, daß der Kampfwert der Truppe stärker und persönlich, das heißt durch einen Offizier, zu kontrollieren sei737. Den negativen Erfahrungen mit der 14.b.ID stand man offenbar mit großer Sensibilität für ein dahinter verborgenes, sehr allgemeines Problem gegenüber. Zum einen, so darf man aus der Forderung entnehmen, schienen schriftliche Berichte der Divisionen nicht immer ein realitätsnahes Bild zu liefern, zum anderen lag in dem neuen Abwehrverfahren das Postulat stärksten Vertrauens zwischen Führung und Truppe verborgen738.

Die Abwehrmittel wurden am 28.April, in einer speziell zu den Erfahrungen mit Tanks verfaßten Erklärung der Heeresgruppe Rupprecht739, nochmalig vorgestellt, wobei die Effektivität der Nahkampfgeschütze und gesondert bereitgestellter bespannter Züge der Feldartillerie hervorgehoben wurde740. Die schwere Artillerie, von der bisher auch im Zusammenhang mit den Gefechtsschilderungen in den vorherigen Abschnitten dieser Arbeit nichts gesagt werden konnte, obwohl sie laut Abwehranweisung vom März des Jahres die zentrale Rolle der Fernbekämpfung hatte wahrnehmen sollen, fand ebenfalls Erwähnung. Eine schwere Feldhaubitze sei mit Munitionswagen unter Kommando des Batterieführers auf freiem Feld aufgefahren und habe zwei Tanks binnen kürzester Zeit zerstört741. Daß dieses Geschehen nicht einem Ort und Zeitpunkt zugeordnet werden kann, ist die eine Sache, daß hierbei eben wahrscheinlich keine Fernbekämpfung im eigentlichen Sinne vorliegt, sondern ein eher zwangsweises Einspringen in die Rolle der Sonder- und Feldartilleriegeschütze, die andere. Immerhin wird nur an dieser Stelle und nur von einem Geschütz gesprochen, was den Ausnahmecharakter dieses Vorkommnisses unterstreicht. Die geringe Bedeutung der Fernbekämpfung von Tanks dürfte sich unzweifelhaft aus den Verlusten der Artillerie im Verlauf der Kämpfe erklären, wobei die zeitgleich gewonnenen Erfahrungen aus der Aisneschlacht dem widersprechend ausfallen sollten742. Die zahlreichen Hinweise auf die Bedeutung der Gefechtsfeldaufklärung und Kommunikationsmöglichkeiten743 legen es auch nahe, daß diese während der Schlacht in großem Umfang ausgefallen waren und somit keine wirkungsvolle Fernbekämpfung organisiert werden konnte744. Gemäß der Anweisungen, daß Tanks Primärziele aller Geschütze in Reichweite sein sollten745, war es zu einer recht unkoordinierten und nach Ermessen der Führer vor Ort praktizierten artilleristischen Tankabwehr gekommen746. Diese war allerdings selbst ohne Sondermunition derart erfolgreich747, daß man für die Zukunft empfahl, den Batterieführern „voellig freie Hand zu lassen“748.

Die Bewertung der übrigen Abwehrmittel, besonders der beiden „neuen“ Mittel, endete günstig. SmK-Munition war sehr wirkungsvoll gegen die dünner gepanzerten Teile, besonders die Seitenwände und Benzintanks. Und selbst Maschinengewehr- und Gewehrfeuer mit gewöhnlicher Munition brachte offensichtlich den Vorteil, daß sie die Tankbesatzungen zum Schließen der Schieß- und Sichtscharten zwang749. Die Untersuchung der Rolle der Minenwerfer, die, wie man angesichts der knappen Zeilen und Ausdrucksweise vermuten darf, noch nicht abgeschlossen war, ergab, daß sie „angeblich grosse Loecher“ in die Seitenwände der Tanks gerissen hatten750. Dies bedeutete eine deutliche Empfehlung dieser Waffen für die Tankabwehr. Bei den Handgranaten, also einer bei der Infanterie massenhaft vorhandenen Waffe, konnte wiederum die Unzulänglichkeit einzelner Sprengkörper bestätigt werden. Was etwas verwundert, ist, daß hier aber nicht die geballte Ladung, sondern gleichzeitig geworfene, einzelne Handgranaten als effektive Abwehrmöglichkeit präsentiert wurden. Die Wirkung hätte wenigstens in einem Fall in der Beschädigung der Panzerkette gelegen, was der Artillerie die Ausschaltung des bewegungsunfähigen Tanks erleichtert habe751. Der letzte Punkt der Betrachtung der Tankabwehrmittel betraf die passive Tankabwehr752. Etwas kurios nimmt sich dabei die Aussage aus, daß es die unfertigen Baugruben der Siegfried-Stellung gewesen seien, die erfolgreich als Tankfallen fungiert hatten. Gräben von 2,50m Breite wurden als ernstes Hindernis für Kampfwagen deklariert, was sich als einziges der bislang aufgeführten Ergebnisse der Gefechtsanalysen später als schwerwiegender Trugschluß herausstellen und erstaunlicherweise noch im Sommer 1918 als Maxime gelten sollte753. Um noch einmal auf Thaers Kritik an der höchsten Führung zurückzukommen, liegt in der Breite der „Tankfallen“, die er mit mindestens vier Meter Breite angab, der einzige sichtbare Unterschied zwischen den Anweisungen und Erklärungen der Heeresgruppe und seinen eigenen, die im Namen der Gruppe Arras am 29.April erschienen754. Nicht nur, daß Thaer hierin außerordentlich deutliche Anleihen bei den Erfahrungen der 27.ID bei Bullecourt machte755, sondern, daß er das Zutrauen der Truppe in die vielseitigen Tankabwehrmittel756 besonders zu fördern suchte, muß vor dem Hintergrund seines Tagebucheintrages vom 19.April auffallen und merkwürdig erscheinen. Von der von ihm zuvor unterstellten Wehrlosigkeit der Infanterie ist an dieser Stelle nichts zu finden, ebenso wenig von Relativierung der Abwehrerfolge oder einer irgendwie gearteten Opposition zu den möglicherweise zu positiv geratenen Auswertungen des Geschehens durch andere Dienststellen und Stäbe.

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Man muß an dieser Stelle nochmals unterstreichen, daß die Abwehrmittel durchaus zahlreich waren. Daß die deutsche Führung zumindest oberhalb der Ebene der Divisionen den Tank als Gefahr nicht wahrgenommen haben sollte, ist in den Erklärungen zur Schlacht von Arras nicht nachweisbar. Ganz das Gegenteil ist der Fall, denn in den Verlautbarungen der Heeresgruppe Rupprecht am 21. und 28.April gestand man ihnen wiederum große moralische Wirkung auf die deutschen Truppen zu757. Diese sollte durch die schon zuvor geforderte Priorität der Tankbekämpfung für alle Geschützarten relativiert und ihr durch „fortgesetzte Belehrung“ der Infanterie über die vielfältigen Abwehrmöglichkeiten nachhaltig entgegengetreten werden758. Hiermit wurde ein Anspruch formuliert, der hier nicht erstmalig vorkam und als einer der wichtigsten Momente der deutschen Tankabwehr des Ersten Weltkrieges weiter zu verfolgen sein wird759.


Fußnoten und Endnoten

535  Siehe Strachan: The First World War, S. 190f.

536  Siehe Johnson: Stalemate, S. 94: „He [Lloyd George] maintained that he [Nivelle] was not a believer in prolonged battles of attrition such as the Somme. His method was one short, decisive rupture, achieved within forty-eight hours, followed by the destruction of the enemy’s reserves in open fighting. Lloyd George’s fears of yet another costly offensive were thereby dispelled.”

537  Das „Wegbefördern“ von höchsten Führern, wie es auf deutscher Seite beim Wechsel zur 2.OHL unter Falkenhayn vorgekommen war, läßt sich folgendermaßen beschreiben: „[...] General Joffre was promoted out of battle planning in favour of General Nivelle who had what was thought to be the answer to the deadlock on French soil.“ Zitiert nach Oldham, Peter: The Hindenburg Line (Battleground Europe), London 1997, S. 17.

538  Siehe RA, Bd. 12, S. 100ff. Der Plan ging noch auf Joffre zurück; siehe LAF, Bd. V.1., S. X.

539  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 418ff. Dort geht es um Friktionen zwischen Haig und Nivelle wegen der britischen Offensive in Flandern. Siehe und vergleiche hierzu Strachan: The First World War, S. 238, und siehe RA, Bd. 12, S. 108ff.

540  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 176, und Kap. 8.

541  Siehe Jürgensen, Wilhelm: Das Füsilier-Regiment Königin Nr. 86 im Weltkriege (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 86), Oldenburg 1925, S. 150.

542  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 117, Akt: 177, Bl. 121f.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia No 281 geh.op. vom 6.10.16, und ebenda, Bl. 76f.: HGr Rupprecht Id 578 g vom 27.9.16. Die Weisung an die unterstellten AOK enthält die Ausbaupriorität von „Siegfried“. Anordnungen zur Ausführung und zu Fragen, die den Rückzug und die Stellung betreffen, finden sich vor allem in Bd. 88, Akt: 36. Laut RA, Bd. 12, S. 119, erging ein erster Befehl der OHL in Sachen Siegfried-Stellung am 9.9.1916.

543  Siehe RA, Bd. 12, S. 125.

544  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 323, und Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 52ff.

545  Den erst einmal sehr plausiblen Überlegungen zur versäumten Gelegenheit eines deutschen Stoßes in die britische Folgebewegung (diskutiert bei Venohr: Ludendorff, S. 190f.) ist hinzuzufügen, daß die Lageeinschätzungen der betroffenen AOK eher das Risiko großangelegter feindlicher Offensiven in die eigene Rückzugsbewegung unterstrichen; siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 88, Akt: 36, Bl. 0034: AOK 6 Ia No 546 geh. vom 5.3.1917, und ebenda, Bl. 0038: AOK 2 Ia Nr. 84/März. geh. vom 4.3.1917. Siehe auch RA, Bd. 12, S. 70ff.

546  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 171f.

547  Abb. nach Volkmann: Der große Krieg, S. 203.

548  Siehe etwa die „Erfahrungen aus der Sommeschlacht“ des AOK 1, die sich als Nachdruck des AOK 7 in der Überlieferung der Heeresgruppe Kronprinz wiederfindet: BA-MA, PH 5 II/350. Siehe auch RA, Bd. 12, S. 32ff.

549  Siehe RA, Bd. 12, S. 38.

550  Statt der bisher üblichen zwei oder wenig mehr Kilometer; siehe ebenda, S. 41.

551  Ebenda, S. 45ff.

552  Ebenda, S. 40ff.

553  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 268: HGr Rupprecht Ia/2775 geheim. vom 12.4.1917. Siehe auch Förster, Gerhard/ Paulus, Nikolaus: Abriß der Geschichte der Panzerwaffe, Berlin-Ost 1977, S. 22. Die hier genannten „Panzergräben“ beziehen sich wahrscheinlich auf den Umstand, daß später darauf hingearbeitet wurde, die Stellungsteile so breit auszuführen, daß Tanks sie nicht überwinden können würden. Andererseits begegnet einem ein solcher, archivalisch nicht nachgewiesener Panzergraben, 5m breit und 3m tief, auch in der Aisneschlacht vor Juvincourt wieder; siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 15. Daß auch nach dem Rückzug auf die Siegfried-Stellung an die Anlage umfangreicher Bauten zur Tankabwehr gedacht wurde, belegt ein Befehl des AOK 1, worin der Bau von „Fanggruben“ mit 3-4m Tiefe und 12-15m Breite [!] angeordnet wurde; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: AOK 1 [unles.] S Nr. 2462 geheim vom 25.3.1917, Ziff. 2.

554  Siehe etwa HStAS, M 33/2, Bü. 307: AOK 1 Ia Nr. 28459 vom 19.1.1917, Anm. zu Pkt. 8, ebenda: HGr Rupprecht Ia Art. I Nr. 8000 vom 18.1.1917, Ziff. 6, ebenda: Gruppe C (GK XIII.AK) Ia. Pi. Nr. 3928/249/I. vom 7.3.1917, ebenda: AOK 1 [unles.] S Nr. 2462 geheim vom 25.3.1917 und ebenda, Bü. 722: Gruppe C (GK XIII.AK) Nr. Ia 1063 op. vom 16.3.1917. Welche Bedeutung der Anlage solcher Einrichtungen zur Tankabwehr zugesprochen wurde, kann vielleicht durch die kuriose Anfrage der 22.RD beim GK XIII.AK gezeigt werden, denn man bat um Aufschieben des Baues von Tankabwehr-Geschützständen zugunsten der eigentlichen Batteriestellungen und dringend benötigter Unterkünfte; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 722: 22.RD I.Nr. 6224 vom 11.4.1917.

555  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 117, Akt: 177, Bl. 693ff.: HGr Rupprecht Id Nr. 6822 vom 31.12.1916. Hierbei handelt es sich um eine Aufstellung zum Personalbedarf beim Ausbau der Siegfried- und der ergänzenden Wotan-Stellung. An Baukräften wurden etwa 25.000 militärische Kräfte aus Pionier- und Landsturmformationen aufgeführt, dazu fast dieselbe Anzahl Kriegsgefangener, Tausende deutscher Zivilarbeiter sowie zwangsverpflichtete Angehörige der „Zivilarbeiter-Bataillone“, für die Siegfried-Stellung insgesamt 68.500 und für die Wotanstellung 14.400 Mann.

556  Hierbei handelte es sich paralleler Überlieferung nach um die Gruppe „Quéant“. In der Übergangsphase zwischen „Korps“ und „Gruppen“ wurden den Generalkommandos zwischenzeitlich die Namen der Kommandierenden Generale, dann ein Buchstabe und zuletzt eine „Örtlichkeit“ (Siehe RA, Bd. 12, S. 291, Anm. 1) zugewiesen. Beim GK XIV.RK handelt es sich dementsprechend um das „XIV.RK“, die „Gruppe A“ der 1.Armee, die „Gruppe Moser“ und letztendlich die „Gruppe Quéant“; siehe auch Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 86ff.

557  Zitiert nach Moser, Otto v.: Feldzugsaufzeichnungen 1914-1918 als Brigade-, Divisionskommandeur und als kommandierender General, Stuttgart 1928, S. 280f. Siehe auch Deutelmoser, Adolf: Die 27.Infanterie-Division im Weltkrieg 1914-18 (Württembergs Heer im Weltkrieg, Heft 5), Stuttgart 1925, S. 56. Ein Luftbild der Stellungen vor Bullecourt bestätigt tiefe Drahthindernisse, aber eben auch das Fehlen der Unterstände; siehe Fletcher: Tanks and Trenches, S. 33 bzw. S. 34/35. Siehe auch RA, Bd. 12, S. 128: „Die Siegfried-Stellung war, wenn auch ihr Ausbau in den letzten Wochen wesentlich raschere Fortschritte gemacht hatte als früher, im Sinne der Anweisungen der Obersten Heeresleitung vom September 1916 noch keineswegs fertig“. Trotz dieser Zustandsbeschreibung von Januar 1917 glaubte man bei der Heeresgruppe Rupprecht daran, eine halbwegs fertiggestellte Siegfried-Stellung im März beziehen zu können; siehe ebenda.

558  Siehe Kaehler, Siegfried (Hg.): Generalmajor a.D. Albrecht v. Thaer. Generalstabsdienst an der Front und in der O.H.L. Aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen 1915-1919, Göttingen 1958, S. 107 (Brief vom 28.3.1917).

559  Siehe RA, Bd. 12, S. 145.

560  Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 281 und Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 109 (Tagebucheintrag vom 6.4.1917).

561  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: Gruppe C (GK XIII.AK) vom 3.4.1917: Entwurf zur von der HGr Rupprecht am 10.3.1917 eingeforderten Denkschrift zu Alberich-Siegfried, Teil 4: Alberich Zeit, Ziff. c).

562  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: 199.ID Abt. I J. Nr. 4394 vom 31.3.1917, Ziff. 4.c), und ebenda: 22.RD Abt. I Nr 5938 geheim vom 31.3.1917, Ziff. 4.c).

563  Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 239: Stabsoffizier d. Pioniere Nr. 64 B. Nr. 1614/17. vom 24.3.1917.

564  Es ist noch anzufügen, daß die HGr Rupprecht diese letztendlich als wahr hinnahm, wie aus dem Befragungstext an die 27.ID wegen ihrer Erfahrungen bei den Kämpfen hervorgeht; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: 27.ID Abt. Ia. Nr. 1523 vom 10.5.1917, Ziff. 1.).

565  Siehe Johnson: Stalemate, S. 96. Zu bedenken ist hierbei, daß angesichts der winterlichen Witterungsverhältnisse und der deutschen Luftüberlegenheit im „Bloody April“ kaum eine effektive Luftaufklärung gegeben sein konnte. Im Umkehrschluß mögen also vor allem Vorurteile gegenüber einer vorbereiteten Stellung, die man nicht genauer beobachten konnte, maßgebend gewesen sein; siehe dazu auch MO 1917, Bd. 1, S. 87ff.

566  Wie bei Oldham ersichtlich, wird bis heute nicht in Frage gestellt, ob die so umfangreichen Pläne für die Siegfried-Stellung auch tatsächlich umgesetzt wurden. Vielmehr erscheint die Anlage bereits für das Frühjahr 1917 als „impassible barrier“; siehe Oldham: The Hindenburg Line, S. 28ff. Siehe auch Johnson: Stalemate, S. 96, wo von einem im Februar existenten „massive defense system“ gesprochen wird, Chickering, S. 210, der von „gewaltigen neuen Verteidigungsbauten aus Beton und Stahl“ spricht, oder Keegan, S. 450, der behauptete, daß die neuen Stellungen im Januar 1917 fertiggestellt gewesen seien und alles bisher Dagewesene übertrafen.

567  Hierbei fallen Parallelitäten zur beidseitigen Wahrnehmung des Festungsbereiches von Verdun 1915/16 auf.

568  Siehe dazu besonders Kap. 9., 11. und 12.

569  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 95.

570  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 177ff., und RA, Bd. 12, S. 205f. Siehe auch Absch. 5.6.1. der vorliegenden Arbeit.

571  Abb. nach Banks, Arthur: A Military Atlas of the First World War. A map history of the war 1914-18 on land, sea and in the air, Barnsley 31997, S. 169.

572  Siehe RA, Bd. 12, S. 205.

573  Ebenda, Anlage 28. Gezählt ist hier lediglich die britische 3.Armee mit den angrenzenden Teilen der 1.Armee gegen den Vimy-Rücken.

574  Siehe RA, Bd. 12, S. 208.

575  Siehe Behrmann, Franz/Brandt, Walther (Bearb.): Die Osterschlacht bei Arras 1917 (Schlachten des Weltkrieges, Bd. 28). Teil I: Zwischen Lens und Scarpe, Berlin/Oldenburg 1929, S. 30ff., RA, Bd. 12, S. 208, und Ählhäus, Joseph (Hg.): Die 79.Reservedivision in der Osterschlacht bei Arras. Der Kampf um die Vimy-Höhe (vom 28.Februar bis 12.April 1917), Mannheim 1938, S. 21ff.

576  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 95f.

577  Den vier Divisionen des VII.Korps waren 16 Fahrzeuge zugeteilt, dem benachbarten VI.Korps mit seinen drei Divisionen dieselbe Anzahl; siehe RA, Bd. 12, S. 207.

578  Siehe Fuller: Tanks, S. 82f.

579  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 186f.

580  Siehe ebenda, S. 180f. und 186f, und Fuller: Erinnerungen, S. 96.

581  Der Typ Mark IV, bei dem gegenüber den Vorgängertypen die Panzerung von 10 auf 12mm verstärkt war, sollte ursprünglich einsatzbereit sein, kam für die Eröffnung der Schlacht von Arras aber zu spät; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 93 und Wright, S. 74.

582  Acht Tanks nahmen am 17.4.1917 an der „2.Schlacht von Gaza“ teil, wo sie, bezeichnenderweise erst nachdem die Infanterie die türkischen Verteidiger zur Flucht und Aufgabe bewegt hatten, einige Erfolge gegen verbliebene Stützpunkte erzielten. Insgesamt entsprechen die Ergebnisse dieses Einsatzes den Erfahrungen aus der Sommeschlacht; siehe Fuller: Tanks, S. 98ff.

583  Siehe Wright, S. 74, und Fletcher: Tanks and Trenches, S. 21f.

584  Siehe Fuller: Tanks, S. 84f. und Fuller: Erinnerungen, S. 96.

585  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 202.

586  Siehe Fuller: Tanks, S. 85.

587  Laut RA, Bd. 12, S. 208, waren darauf 1.100 feindliche Geschütze gerichtet.

588  Siehe ebenda, Beilagen 8 und 9.

589  Keegan, S. 452, spricht von 24km Entfernung der Reserven zur Front.

590  Siehe Frauenholz, Eugen v. (Hg.): Kronprinz Rupprecht von Bayern. Mein Kriegstagebuch, Bd. 2, München 1929, S. 135.

591  Siehe ebenda, S. 202f. Auch in den Beilagen 8 und 9 fehlt jeder Hinweis auf neun Divisionen als Reserven, wie sie bei Behrmann/Brandt: Osterschlacht, Teil I, S. 22 erwähnt werden. Der Ursprung der dortigen, äußerst positiven Einschätzungen zu Umfang und Zustand von Truppen und Stellungen negiert scheinbar bewußt wichtige Gegebenheiten. Auch das in RA, Bd. 12, S. 219 und S. 221, genannte Garde-Reserve-Korps als bereitstehende Eingreifreserve ist etwas ominös, da die Heeresgruppe das GRK (mit 47.LD und 221.ID) in kritischer Lage tatsächlich als Baustab für die Wotan-Stellung gewählt hatte; siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 268: HGr Rupprecht Ia/2775 vom 12.4.1917. Siehe auch Cron: Mein Kriegstagebuch, S. 143, mit dem Hinweis, daß das GRK bis zum 14.4. Reserve war und dementsprechend nicht zum Kampfeinsatz kam.

592  So bei der 26.ID und 18.ID; siehe Gemmingen-Guttenberg-Fürfeld, Frhr. v.: Das Grenadier-Regiment Königin Olga (1.Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918 (Die Württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-1918, Bd. 39), Stuttgart 1927, S. 194, und Brandenstein, v.: Das Infanterie-Regiment „Alt Württemberg“ (3.Württ.) Nr. 121 (Die Württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-1918, Bd. 18), Stuttgart 1921, S. 87f. Hierbei ist nicht nur kein Wort über Tankabwehrausbildung zu finden, sondern sogar, beim IR 121, S. 88, die Aussage, daß man über dieses Kriegsmittel vor dem Einsatz in der Schlacht lediglich durch „Wort und Bild“ in Kenntnis gesetzt worden war. Vergleiche Abschn. 6.2. der vorliegenden Arbeit. Beim FAR 45 der 18.ID gehörte andererseits das Schießen auf „Tanks“ (definitiv nur gegen improvisierte Tank-Zielscheiben, da kein Hartziel zur Verfügung gestanden haben kann) zur Vorbereitung auf die Schlacht; siehe Bene, Otto: Das Lauenburgische Feldartillerie-Regiment Nr. 45 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 63), Oldenburg 1923, S. 71.

593  Siehe Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 108, und HStAS, M 33/2, Bü. 581: N.O.1. Nr. 3616 vom 23.3.1917. Die Meldung des Nachrichten-Offiziers der OHL beim AOK 1 besagte, daß laut Aussage eines australischen Gefangenen mit einer Offensive bei Arras gerechnet werden müsse, da viel Artillerie dorthin verlegt werde. Diese Information fand beim AOK 6 offenbar keinen Widerhall.

594  Diese wurde noch vor Angriffsbeginn durch die ausgeruhte 27.ID abgelöst und Reserve hinter der Gruppe A der 1.Armee.

595  Siehe RA, Bd. 12, S. 202.

596  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 272: HGr Rupprecht zur Beurteilung der eigenen Divisionen vom 7.4.1917. Siehe und vergleiche RA, Bd. 12, S. 212.

597  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 272: HGr Rupprecht zur Beurteilung der eigenen Divisionen vom 7.4.1917.

598  Siehe RA, Bd. 12, Anlage 28.

599  Siehe ebenda, S. 212, und vergleiche ebenda, S. 204.

600  Siehe ebenda, S. 213.

601  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0001: HGr Rupprecht zu Tankabwehrgeschützen und ihren Wirkungsweisen vom 7.4.1917.

602  Siehe ebenda.

603  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 581, mit Meldungen des Nachrichten-Offiziers der OHL beim AOK 1. Dabei N.O. 1. Nr. 2596 vom 1.1.1917, N.O.1. Nr. 3091 vom 10.2.1917 und N.O.1. Nr. 3616 vom 23.3.1917.

604  Zumindest in einer der durchgesehenen Truppengeschichten wurden im Gelände bei der 27.ID verteilte Geschütze einer NKB genannt; siehe Zimmerle, Eduard (Bearb.): Das 3.Württembergische Feldartillerie-Regiment Nr. 49 im Weltkrieg 1914-1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg, Bd. 23), Stuttgart 1922, S. 72.

605  Vergleiche Abschn. 11.5.2., 12.2. und 12.5.2.

606  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 211 und S. 220.

607  Siehe etwa Gerok (Bearb.): Das 2.württ. Feldartillerie-Reg. Nr. 29 „Prinzregent Luitpold von Bayern“ im Weltkrieg 1914-1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-1918, Bd. 19), Stuttgart 1921, S. 67f. Ausdrücklich wird von Zerstörung der Stellungen, fehlender Verpflegung und der psychischen Wirkung des Artilleriebeschusses (Apathie) gesprochen.

608  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 212.

609  Siehe ebenda. Vergleiche Fuller: Erinnerungen, S. 101. Dort steht, wie bei Fuller nicht anders zu erwarten, überaus positiv formuliert: „Am 9. waren die Deutschen demoralisiert, und die Aktion der Tanks war in jedem Falle, wo sie ihr Ziel erreicht hatten, entscheidend gewesen.“

610  Siehe Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 110 (Brief oder Tagebucheintrag vom 9.4.1917). Zum „wirtschaften“ von Tanks im Hintergelände siehe auch –dort erstmalig vorgekommen- Abschn. 12.3. zum „schwarzen Tag des deutschen Heeres“, dem 8.8.1918.

611  Siehe TG FAR 49, S. 73. Auf welchem Tag dieses Vorkommnis zu datieren ist (vor dem 11.4.), wird aus dem Text nicht deutlich. Es ist auch möglich, daß es sich bei den beiden „durchgebrochenen“ Tanks um ein und denselben am 9.4.1917 handelte.

612  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 216f.

613  Siehe ebenda, S. 224: „Valuable aid was given by a single tank which –almost miraculously if we reckon its chances by average of the tank casualties- reached this position, worked down it, and put at least two machine guns out of action.“

614  Siehe ebenda, S. 227f.

615  Siehe Fuller: Tanks, S. 85. Vergleiche RA, Bd. 12, S. 213, wo davon gesprochen wird, daß drei der acht Tanks abgeschossen wurden. Andernorts werden sogar 15 angreifende Tanks erwähnt; siehe Deutsche Verlagsanstalt: Kriegsberichte aus dem Großen Hauptquartier. Heft 28: Arras 1917, Berlin/ Stuttgart 1917, S. 8.

616  Thaer schrieb dazu: „Riesig sind die Verluste“. Die TG FAR 60 berichtet von am 11.4. zur Ablösung gesammelten „Trümmern der Stellungstruppen“, die gerade noch dazu in der Lage waren, Bedeckung für Artillerie zu „markieren“; siehe Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 109, und verschiedene Bearb.: Geschichte des Großherzoglich Mecklenburgische Feldartillerie-Regiments Nr. 60 im Weltkriege 1914-1918, Hamburg 1921, S. 127.

617  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 225.

618  Siehe ebenda, S. 237.

619  Siehe RA, Bd. 12, S. 214.

620  Siehe ebenda, S. 221ff., und MO 1917, Bd. 1, S. 244ff.

621  Und dabei blieb es auch an den folgenden Tagen der Schlacht; siehe etwa MO 1917, Bd. 1, S. 368.

622  Siehe Kap. 9.f.

623  Siehe RA, Bd. 12, S. 223.

624  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 258.

625  Siehe Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 85, und TG FAR 60, S. 127.

626  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 258f.

627  Ebenda, S. 260.

628  Siehe RA, Bd. 12, S. 227. Eine Entsprechung in den MO ist nicht auffindbar.

629  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 262f.

630  Siehe Johnson: Stalemate, S. 107. Der letzte deutsche Widerstand auf dem Vimy-Rücken wurde am Nachmittag des 10.4. durch das Kanadische Korps gebrochen.

631  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 265.

632  Behrmann/Brandt: Osterschlacht, 2.Teil, S. 77f. Die Art der Darstellung mit dem Hinweis auf jungen bayerischen „Ersatz, der noch nie im Kampf gestanden hat“ (S. 78) legt nahe, daß es sich bei den Schilderungen zur Tankabwehr um versuchte „Ehrenrettung“ handelt, die den Verlust Monchys kaschieren sollte. Hinweise auf derartige Vorgehensweisen in den deutschen Truppengeschichten findet man auch in den MO; siehe MO 1917, Bd. 1, S. 298.

633  Behrmann/Brandt: Osterschlacht, 2.Teil, S. 78, Moser: Die Württemberger im Weltkrieg, S. 522ff. und Johnson: Stalemate, S. 108.

634  I. Australian & New Zealand Army Corps.

635  Noch am 11.4.1917 wurde die Gruppe der 6.Armee unterstellt, womit die Grundlage einer einheitlichen Kampfführung vor Arras geschaffen wurde.

636  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 360.

637  Siehe ebenda.

638  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 98.

639  Ein Tank fiel vor Beginn des Angriffs aus; siehe MO 1917, Bd. 1, S. 364.

640  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 363.

641  Siehe Fuller: Tanks, S. 87. Die Verteilung der Tanks im Angriffsstreifen folgte der Idee der „Trident Tactics“, die drei Angriffsspitzen vorsah; siehe Abschn. 5.6.1. der vorliegenden Arbeit.

642  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 362.

643  Siehe ebenda, S. 364.

644  Siehe Moser: Die Württemberger im Weltkrieg, S. 513, und vergleiche Johnson: Stalemate, S. 110.

645  Siehe TG FAR 49, S. 73.

646  Siehe Moser: Die Württemberger im Weltkrieg, S. 515, und MO 1917, Bd. 1, S. 366.

647  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 366.

648  Siehe TG 27.ID, S. 57.

649  Siehe RA, Bd. 12, S. 228. In der ersten Erfolgsmeldung der HGr Rupprecht wurde von Verlusten in Höhe von 1.000 Mann, 27 eingebrachten MG und neun zerstörten Tanks (von 12) gesprochen; siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 208, Bl. 311: Lagemeldung HGr Rupprecht vom 12.4.1917.

650  Siehe Moser: Die Württemberger im Weltkrieg, S. 514

651  Siehe ebenda S. 516.

652  Siehe TG 27.ID, S. 57, und TG FAR 49, S. 73. Das FAR 49 nennt noch besonders die erfolgreiche Beteiligung der 6./RFAR 26 bei der Tankbekämpfung.

653  Siehe Klaus, Max (Bearb.): Das Württembergische Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 26 im Weltkrieg 1914-1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-18, Bd. 45), Stuttgart 1929, S. 73.

654  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 573: Gkdo. XIV.RK Ia Nr. 1620 vom 21.4.1917, dort: Artillerie-Kommandeur Nr. 27 XIII I.-Nr. 1774 vom 15.4.1917.

655  Siehe ebenda, 27.ID Abtl. Ia, 1130 vom 14.4.1917, Ziff. II.) d). Ob sich der Terminus „Tankgeschütz“ eindeutig allein auf Nahkampfgeschütze bezog, kann allerdings bezweifelt werden, da Ziff. II.) e) die von der Infanterie bedienten Grabenkanonen als wirksamste Waffe gegen Tanks empfahl. Hinweise und Beschreibungen von Beispielen ihrer Leistungsfähigkeit ließen sich allerdings nirgends finden.

656  Siehe TG 27.ID, S. 57. So wie von 12 angreifenden Tanks gesprochen wird, tauchen in deutschen Schilderungen grundsätzlich drei Fahrzeuge auf, die unbehelligt zu den britischen Linien zurückkehrten.

657  Siehe Warner, Philip: Field Marshal Earl Haig, London 1991, S. 227.

658  Nach Cron: Mein Kriegstagebuch, S. 143, trafen bis Ende April 12 Divisionen als Verstärkung für das AOK 6 ein. Bis zum Abschluß der Schlacht am 20.Mai erhöhte sich die Zahl auf 20. Hinzu kamen zahlreiche artilleristische und sonstige Verbände; siehe RA, Bd. 12, S. 232.

659  Siehe Johnson: Stalemate, S. 111.

660  Siehe etwa Wagner, Rudolf (Hg.): Das 2.Ober-Elsässische Feldartillerie-Regiment Nr. 51 im Weltkriege 1914/1918 (Deutsche Tat im Weltkrieg 1914/1918, Bd. 31), Berlin 1936, S. 176, oder, als Beispiel vom 23.4.1917, Moser: Die Württemberger im Weltkrieg, S. 522, und RA, Bd. 12, S. 249.

661  Siehe Johnson: Stalemate, S. 111: „The offensive was now developing into a pattern of piecemeal operations so familiar from the later stages of the Somme battle.“

662  Siehe RA, Bd. 12, S. 251.

663  Für die ersten drei Tage, die mit den größten Erfolgen verbunden waren, werden von Keegan, S. 453, 20.000 britische Verluste genannt. Die Verluste der drei bei Arras kämpfenden britischen Armeen im April und Mai beliefen sich laut MO 1917, Bd. 1, S. 556f., auf etwa 150.000 Mann, während die deutsche 6.Armee 85.000 Mann verlor.

664  Eine besondere Ausnahme stellen die für den Abschnitt Arras und Vimy charakteristischen Tunnelsysteme dar, die auch größeren Verbänden eine geschützte Annäherung an die Sturmausgangsstellungen ermöglichen konnten.

665  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 239, und Keegan, S. 453.

666  Die offizielle Seite des kanadischen Ministeriums für Veteranenangelegenheiten selbst spricht allerdings in vielen Passagen zur Schlacht (bzw. zur Begründung für das eindrucksvolle Denkmal) vom singulären Charakter des Erfolges innerhalb der Schlacht. http://www.vac-acc.gc.ca/general/sub.cfm?source=memorials/ww1mem/vimy . Zur Bedeutung der Operation gegen die Vimy-Höhe siehe auch Cave, Nigel: Vimy Ridge (Battleground Europe), London 1996, S. 147f.

667  Siehe Keegan, S. 453.

668  Chickering, S. 211.

669  Siehe http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/arras/ 

670  Siehe Heydecker, S. 412f. Dort wird unter dem Titel „Verwegene Husarenstücke: mit Pistolen gegen Tanks“ ein mehr als fragwürdiges Beispiel für Auslassung bedeutender Sachverhalte zugunsten einer stringenten Argumentation gegeben. Auch zum Desaster der französischen Tanks in der Champagne fehlt jedes Wort.

671  Siehe Werth, German: Cambrai, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg, S. 404.

672  Siehe Ogorkiewicz: Technologie der Panzer, S. 22.

673  Siehe Perrett, S. 46.

674  Siehe etwa Larson: Armoured Warfare, S. 59, oder Fletcher: Tanks and Trenches, S. 21. Vergleiche Haythornthwaite, Philip J.: The World War One Fact Book, London u.a. 1992, S. 37.

675  Siehe Abschn. 3.5.1.

676  Siehe ebenda.

677  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 88ff.

678  Die einzelnen Teile der Schrift lauteten Tankorganisation, Tanktaktik, Zusammenarbeit der Tanks mit anderen Waffen, Vorbereitungen zur Offensive, Nachschubwesen, Verbindungswesen, Verstärkungen, Tarnungsmethoden, Hinzu kam ein Anhang mit diversen zusätzlichen Detailregelungen und Tabellen; Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 89.

679  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 89: „Damals dachte man nämlich noch nicht daran, Tanks selbständig einzusetzen.“ Der Satz bezieht sich zweifelsfrei auf die Idee einer operativ autarken, gepanzerten Speerspitze der Armee.

680  Siehe ebenda, S. 93, und Fuller: Tanks, S. 89.

681  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 88, und vergleiche Fuller: Tanks, S. 89. Bezeichnend für das frühe Erscheinungsjahr des Buches (1920) dürfte im Gegensatz zu den „Erinnerungen“ sein, daß innerhalb seiner Darstellung die Kritik an der obersten Führung unartikuliert blieb. So endet das Kapitel zu den Tanks bei Arras, S. 89, mit einem Glückwunsch-Telegramm Haigs zum hervorragenden Einsatz der Tanks bis zum Abend des 10.4.1917.

682  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 91.

683  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 75.

684  Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 367, und Abschn. 3.5.1.

685  General Aylmer Haldane, zitiert nach Perrett, S. 46. Siehe auch Fuller: Tanks, S. 89f.: „This fine fighting spirit was undoubtedly due to the excellent leadership all officers and N.C.O.s had exercised during individual and collective training; and to the full recreational training given to the battalions during these periods, games and sports as a fighting basis having been sedulously cultivated.”

686  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 100f. Vergleiche Fuller: Tanks, S. 88, wo es zu diesem harten Urteil nicht kam.

687  Siehe Wright, S. 74, und Fuller: Erinnerungen, S. 100. Siehe auch MO 1917, Bd. 1, S. 239: „Owing to rapid expansion, only the original nucleus of the personnel was well trained, and the steering was often unskilled.“

688  Siehe Pemberton, Max: The Victory of Vimy Ridge, in TWI vom 28.4.1917, S. 244. Pemberton blieb mit näheren Ausführungen zum “Tank on Telegraph Hill” sparsam: „To this [den beherzten Angriff der Infanterie] our old friend the `tank´ contributed gallantly. We shall hear some droll stories of him when all the truth is written.”

689  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 239.

690  Die durch deutsche Stellen reklamierte Zahl beläuft sich auf 15; siehe RA, Bd. 12, S. 220 und Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 135. Auf S. 137 wird nur von 12 zerstörten Tanks gesprochen, was allerdings auf den Zeitpunkt der Eintragung bzw. Aktualität der zugrundeliegenden Berichte zurückzuführen sein dürfte.

691  Siehe Abschn. 5.3.

692  Siehe Fuller: Tanks, S. 88: „ […] though the number of casualties sustained exceeded expectation.“ Legt man 15 zerstörte Tanks zugrunde, ergibt sich eine Verlustquote von 37,5% der Einsatzstärke bei der 3.Armee am 9.4.1917.

693  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 96.

694  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 360.

695  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 90, Abb. 4, und Fuller: Tanks, S. 87.

696  Siehe Fuller: Tanks, S. 88: „The interest of the Bullecourt operation lies in the fact that it was the first occasion on which tanks were used to replace artillery.“ Siehe auch Fletcher: Tanks and Trenches, S. 38, mit dem Gefechtsbericht der 1.Tank-Brigade zum 11.4.1917.

697  Siehe Fuller: Tanks, S. 88, und MO 1917, Bd. 1, S. 364f.

698  „Meanwhile the Australians were fighting it out with no artillery support except for fire on distant objectives, and no help from the higher command. About 10 A.M. a concerted series of counter-attacks developed from all sides […].” Zitiert nach MO 1917, Bd. 1, S. 368.

699  Siehe Fuller: Tanks, S. 89 und Erinnerungen, S. 93f. und S. 100f.

700  Zitiert nach Fuller: Erinnerungen, S. 100.

701  Siehe etwa MO 1917, Bd. 1, S. 239.

702  So der Titel der deutschen Übersetzung der S.S. 164, die am 7.1.1918 vom NO AOK 2 veröffentlicht wurde; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 178ff.

703  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 102. Vielerlei Merkwürdigkeiten wären zu benennen, etwa die Ansicht, daß Tanks (im Schlamm) versunkene Drahtverhaue niederwalzen könnten (HStAS, M 33/2, Bü. 330, S.6 des Originals von SS 164, Ziff. 6.V.) oder daß Infanterie einerseits gar nicht mit Tanks vorgehen sollte (Orig. S. 6, Ziff. 6), um sich dem feindlichen Artilleriefeuer zu entziehen, dann aber doch in den Räumen zwischen den Fahrzeugen „zu folgen“ hätte (Orig. S. 7, Ziff. 8).

704  Siehe Abschn. 8.1. und 9.1.

705  Dieser Zustand zog sich zumindest bis zum 11.4.1917 hin. Kuhl vermerkte noch für diesen Tag: „Mehrfach mit Ludendorff gesprochen war sehr niedergeschlagen. Die Ursache [für das Geschehen vom 9.4.] ist nicht klar, wird jetzt ermittelt.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 54 (Tagebucheintrag vom 11.4.1917).

706  Siehe dazu auch RA, Bd. 12, S. 32 mit dem Hinweis auf Schwierigkeiten, die sich Ludendorff bei der Verordnung des unter Ägide des Oberstleutnants Bauer erarbeiteten neuen Verfahrens geboten hatten.

707  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 334.

708  Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, Eintrag aus dem Fernsprechbuch (der HGr Rupprecht) vom 11.4.1917.

709  Siehe Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 109 (Brief oder Tagebucheintrag vom 9.4.1917).

710  Auszüge aus den von Kaehler edierten Selbstzeugnissen Thaers finden sich bei Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 135, und RA, Bd. 12, S. 220.

711  Siehe Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 110.

712  Zitiert nach KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 256: HGr Rupprecht, Wochenmeldung vom 13.4.1917.

713  KA, HS 3402: Fernschreiben der OHL an AOK 1, dort aufgenommen als AOK 1 Ia Nr. 30 geheim vom 15.4.1917. Der Verteilungsplan in 40 Exemplaren betraf sämtliche Gruppenstäbe, Divisionen und Offiziere der einzelnen Waffengattungen im Stab des AOK.

714  Ebenda, Ziff. 1.) u. 7.).

715  Ebenda, Ziff. 5.).

716  Ebenda, Abschn.: Besonderer Eindruck.

717  Ebenda, Ziff. 7.) bzw. 8.). Bei der 14.b.ID hätte das Zentrum versagt, was sich für die Flügel und dann für die benachbarten Divisionsabschnitte dramatisch auswirkte. Siehe auch Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 334, mit dem Hinweis auf das Versagen einer Division, „die sonst als gut galt“. Ludendorffs „zweite rechte Hand“ neben Wetzell, der damalige Hauptmann Geyer, notierte dazu: „Hauptgrund der Niederlagen vom 24.10., 15.12.16 [bei Verdun] und 9.4.17 ist das Versagen unserer Infanterie, hervorgerufen durch Vernachlässigung.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/50637: Privatakten Geyer, Bl. 33.

718  Vermeintliche Belege für das vielseitigste Versagen der Armeeführung lieferte Kuhl mit seinen „Kriegserinnerungen“ von 1932, deren Nutzung er auch in jedem Einzelfall seiner Genehmigung unterwarf; siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, Einträge nach dem 11.4.1917, bes. Tagebucheintrag vom 14.4.1917. Das deutsche amtliche Werk berichtete überdies davon, daß Kuhl als Generalstabschef der Heeresgruppe am 10.April direkt beim AOK 6 intervenieren mußte, um, statt eines verspäteten und gefährlichen Gegenangriffs ohne ausreichende Vorbereitungszeit, die Zurücknahme der Front zu erreichen; siehe RA, Bd. 12, S. 225. Dieser Umstand trug zweifelsfrei auch seinen Teil dazu bei, die Führung und das Ansehen des AOK 6 zu belasten. Siehe auch Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 107ff., und Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 135. Dort wird von frühzeitigen Mahnungen der HGr gegenüber dem AOK 6 wegen bislang unterlassenem Heranziehen von Reserven gesprochen.

719  Der General beendete den Krieg als Kommandeur der 2.ID, was, im Vergleich zur Verwendung als Stabschef des AOK 6, einer signifikanten Zurücksetzung gleichkam. Er fiel bei „Straßenkämpfen in München“ im Mai 1919; siehe Ehren-Rangliste, Bd. 2, S. 768.

720  Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, Eintrag aus dem Fernsprechbuch der HGr Rupprecht vom 11.4.1917. Kurz zuvor hatte Ludendorff Kuhl gegenüber noch angezweifelt, ob es sinnvoll sei, das AOK 1, das erfolgreiche Führergespann von der Somme, Below und Loßberg, um der Rettung der Lage willen und angesichts eines geschwundenen Vertrauens in den Stab des AOK 6, mit der Weiterführung der Schlacht zu betrauen. Von der Absetzung bzw. klaren Abstrafung Nagels hatte er zu diesem Zeitpunkt ausdrücklich Abstand genommen; siehe ebenda. Der bayerische General befand sich mit seinem Schicksal, das er offenbar lautlos ertrug, in allerbester preußisch-deutscher Gesellschaft, was ein durchaus markantes, sehr viel älteres Beispiel dokumentieren kann. Ein Chronist des Siebenjährigen Krieges hielt im Zusammenhang mit der zornigen Abstrafung des Herzogs von Bevern durch Friedrich den Großen fest: „Ich will noch eins hinzufügen, welches leider den Lesern seltsam erscheinen wird. Daß nämlich von Bevern kein Laut der Klage kam. Nichts als Stillschweigen und ergebener Fleiß mit seinen armen Mitteln kam von Bevern. [... .] Was, wie ich bemerke, eine übliche Verhaltungsweise preußischer Generale und Soldaten war, wenn sie unverdient oder verdient in Widerwärtigkeiten dieser Art gerieten. Und es ist eine viel bessere als die des Beschwerdeführens in den Zeitungen und Forderns einer Untersuchungskommission unter dem Vorsitz des Chaos und des vierten Standes heutzutage.“ Zitiert nach Carlyle, Thomas: Geschichte Friedrichs des Zweiten genannt der Große. Neu herausgegeben und bearbeitet auf Grund der Originalübersetzung von Georg Dittrich, Bd. 5, Meersburg 1928, S. 169f.

721  Siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 141. Von Apathie sprach der Stabschef des Kronprinzen allerdings nicht, sondern davon, daß sich Falkenhausen einfach nicht damit hätte abfinden können, samt seines Stabes des vollständigen Versagens überführt worden zu sein; siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, Tagebucheintrag vom 14.4.1917.

722  Siehe ebenda, S. 140, mit dem Vermerk einer Aussage Kuhls über Loßberg: „Wenn überhaupt noch etwas zu machen ist, kann der es machen.“ Siehe auch RA, Bd. 12, S. 229.

723  Siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 133: „Es rächt sich jetzt, daß die 6.Armee in den letzten Tagen mit Munition sparte, ihre Reserven, diesseitigen Mahnungen entgegen, wegen Unterkunftsschwierigkeiten nicht nahe genug an die Stellungsdivisionen herangezogen und auch nicht rechtzeitig das Heranziehen von Reserven der Heeresgruppe erbeten hatte. Ich kann mir den Vorwurf nicht ersparen, daß ich dem Oberkommando der 6.Armee ein näheres Heranziehen seiner Reserven hätte befehlen sollen [;... .]“

724  Siehe RA, Bd. 12, S. 291, und Abschn. 6.2. der vorliegenden Arbeit.

725  Siehe Loßberg, Fritz v.: Meine Tätigkeit im Weltkriege 1914-1918, Berlin 1939, S. 284f.

726  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 208, Bl. 311: Lagemeldung HGr Rupprecht vom 12.4.1917. Die Kernaussage umfaßte die Feststellung, daß trotz der Tanks keine nennenswerten Erfolge erzielt worden waren.

727  Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 292. Der „Tankbericht“ wurde laut Aussage Mosers direkt an die OHL und alle AOKs der West- und Ostfront gesandt.

728  Zitiert nach Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 113 (Brief vom 19.4.1917).

729  Ebenda, S. 114 (Brief vom 21.4.1917).

730  KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 37: HGr Rupprecht Ia Art.I Nr. 1248 vom 21.10.1916, Abschnitt Bekämpfung: „Es wird sich empfehlen, in jedem Abschnitt eine oder mehrere Batterien zu bestimmen, die jeden erkannten Kampfkraftwagen ohne weiteres und ohne Rücksicht auf sonstige Kampfaufgaben unter Feuer nehmen.“ Siehe auch AOK 6, Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917: Anweisung der Bekaempfung der feindl. Panzerkampfwagen (Tanks) durch Artillerie, Ziff. 15.b), Ziff. 26. Ziff. 31 besagt nochmals ausdrücklich, daß beim Fehlen von Nahkampfbatterien zum direkten Beschuß von Tanks „rechtzeitiges Eingreifen anderer Artillerie sichergestellt“ sein müsse.

731  Siehe TG FAR 49, S. 73. Siehe auch TG FAR 51, S. 176, mit dem Hinweis auf unbespannte und bespannte Einzelgeschütze, die zur Tankabwehr bereitgestellt wurden.

732  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: GK XIII.AK Ia Art. No 113 op. vom 11.4.1917.

733  Siehe ebenda, Bü. 573: GK XIV.RK Ia Nr. 1620 vom 21.4.1917: Berichte über den am 11.4.1917 erfolgten englischen Tankangriff. Bis auf das soeben zitierte Deckblatt handelt es sich bei allen wiedergegebenen Befehlen und Inhalten um Material, das vor dem 15.April an höhere Stäbe weitergeleitet worden war. Siehe auch Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 292. Daß die Aussage des GK XIII.AK vom 11.4. mit den Erfahrungen Mosers bei Bullecourt in direkter Verbindung stehen könnte, ergibt sich daraus, daß Moser in seinen Aufzeichnungen angab, dem kommandierenden General des XIII.AK, Theodor Frhr. v. Watter, noch am selben Tag Mitteilung über Bullecourt gemacht zu haben; siehe ebenda.

734  Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 573: GK XIV.RK Ia Nr. 1620 vom 21.4.1917, dort: 27.ID Abtl. Ia, 1130 vom 14.4.1917, bzw. GR 123 Nr. 3687 Kr. 3 vom 13.4.1917, Abschn. D.

735  Siehe BA-MA, PH 5 I/11, Bl. 13f.: HGr Rupprecht Ia Nr. 2853 geh. vom 21.4.1917, Abschn. IV.

736  Diesen Effekt benannte die 3.b.ID in ihrem Erfahrungsbericht ausdrücklich und gab an, daß die Nähe der Artillerie zur Infanterie hebend auf die Stimmung der Truppe wirke, „denn die Infanterie hat das Gefühl, daß sie gegen alle Wechselfälle sofort über Artl.-Schutz verfügt u. selbständig sofort die Stelle bezeichnen kann, wo Artl.-Hilfe dringend ist.“ Siehe HStAS, M 206, Bü. 9: Gr Arras Ia Nr. 6051 Geheim. vom 28.4.1917.

737  Siehe BA-MA, PH 5 I/11, Bl. 13f.: HGr Rupprecht Ia Nr. 2853 geh. vom 21.4.1917, Abschn. II.

738  Siehe dazu auch Abschn. 6.5.2. und 7.2. der vorliegenden Arbeit.

739  Siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917.

740  Siehe ebenda, Ziff. 4.

741  Siehe ebenda.

742  Siehe Abschn. 6.5.2.

743  Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 179 geheim vom 26.4.1917: Erfahrungen und Folgerungen aus den Kämpfen um Arras, Ziff. II.

744  Siehe ebenda: Fernschreiben der OHL an AOK 1 vom 15.4.1917, Ziff. 2 und 6.

745  Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917, S. 17f., Abschn. VI.

746  Siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Ziff. 4. Hingewiesen wird auf Einzelfeuer statt des ursprünglich als angemessen erachteten Salvenfeuers der schweren Geschütze.

747  Siehe ebenda. Genannt wurden Sprenggranaten der Feld- und Fußartillerie, deren Splitterwirkung auch ohne direkte Treffer verheerend wirkte.

748  Siehe ebenda. Siehe auch Abschn. 6.5.2.

749  Siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Ziff. 4.a).

750  Siehe ebenda, Ziff. 4.b)., und HStAS, M 200, Bü. 34: Minenwerfer-Abt. GR 123 vom 25.4.1917.

751  Siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Ziff. 4.c).

752  Siehe ebenda, Ziff. 4.d).

753  Siehe Abschn. 9.6.2. und Abschn. 12.5.2.

754  Siehe BA-MA, RH 61/50597: GK IX.RK Ia Nr. 6085 vom 29.4.1917, Ziff. III. Das auch mit einer Zeichnung eines „männlichen“ Mark II ausgestattete Merkblatt hatte einen Verteiler bis hinab zu den Kompanien.

755  Siehe ebenda, Ziff. II.

756  Thaer schrieb etwa zur SmK-Munition, daß damit ausgerüstete Infanterie imstande sei, einen Tank kampfunfähig zu machen (Ziff. III.3.), daß Minenwerfer aller Art zur Tankabwehr geeignet seien (Ziff. III.4.) und Nahkampfgeschütze, Infanteriegeschütze, Grabenkanonen sowie bespannte Feldartillerie-Kanonenzüge hervorragend wirken würden (Ziff. III.5.).

757  Siehe BA-MA, PH 5 I/11, Bl. 13: HGr Rupprecht Ia Nr. 2853 geh. vom 21.4.1917, Abschn. IV. und KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Abschn.: Allgemeines Urteil über die Tanks.

758  Siehe BA-MA, PH 5 I/11, Bl. 13: HGr Rupprecht Ia Nr. 2853 geh. vom 21.4.1917, Abschn. IV.

759  Siehe Abschn. 7.2. der vorliegenden Arbeit.



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22.04.2008