6 „Froide Résolution". Tanks und Tankabwehr in der Doppelschlacht an der Aisne und in der Champagne, April 1917.

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Das zweite Kapitel der Frühjahrsoffensive sollte Nivelles Vorstellungen gemäß in der Champagne aufgeschlagen werden und den Sieg mit einem Durchbruch in Richtung Norden und Nordosten binnen 24 oder maximal 48 Stunden erzwingen. Die Rahmenbedingungen hierfür schienen insofern günstig, als daß die gigantische Anlage der Schlacht mit einem Einzugsbereich von der Vimy-Höhe bis westlich Reims die massive Kräftekonzentration und die Verunsicherung des Gegners hinsichtlich Schwerpunkt und Zeitpunkt der Operation Vorteile verschaffen können sollte. So weit entwickelte sich die Theorie, die seit Ende 1916 eifrig propagiert wurde760.

Dabei kamen unerwartet Schwierigkeiten auf, deren ganzes Ausmaß sichtbar wurde, als die britischen Militärs sich bereits in ihr Schicksal als Befehlsempfänger der Franzosen gefügt hatten. In Frankreich trat mit dem Sturz der Regierung Briand am 17.März eine politische Krise ein, die Nivelle einige seiner persönlichen Einwirkungsmöglichkeiten auf politische Stellen kostete761. Neben anderen Kritikern, die von Nivelle zuvor wenigstens teilweise schon beiseite gedrängt und zu Stillschweigen verdammt worden waren762, reizte diese Entwicklung einen seiner wichtigsten Untergebenen, den Führer der für den Hauptstoß in der Champagne auserkorenen Heeresgruppe „Durchbruch“, General Micheler, zu offenem Widerspruch fachlicher Natur gegen den Schlachtplan763.

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Als Resultat der durch den Regierungswechsel hervorgerufenen Zustände wurde noch nach dem Beginn der Schlacht bei Arras und direkt vor dem Losbrechen der französischen Offensive zwischen Militärs und Politikern über deren Durchführung verhandelt und offen diskutiert764. Besonderer Ausdruck des gesunkenen Vertrauens der politischen Führung in Nivelle war die Einberufung einer Besprechung in Compiègne am 6.April 1917 durch Präsident Poincaré, ausgerechnet am Tag der einsetzenden Artillerievorbereitung in der Champagne und drei Tage vor Beginn des britischen Infanterieangriffs bei Arras. Das Ergebnis war zunächst, daß ein Rücktrittsgesuch Nivelles abgelehnt wurde765. Außerdem mußte dieser sich dazu verpflichten, die Offensive nach 48 Stunden abzubrechen, falls der Durchbruch zu diesem Zeitpunkt nicht erreicht sei766, und daß er überhaupt erst angreifen würde, wenn die Witterungsverhältnisse günstig und ein Angriff sinnvoll erschienen767. Dies bedeutete faktisch, daß jegliche Verantwortung für das Gelingen der Offensive auf die Schultern Nivelles geladen wurde, da im Fall der Fälle äußerst leicht auf die Nichtbeachtung dieser unverbindlichen Forderungen verwiesen werden konnte. Natürlich war im April kaum mit günstigsten Witterungsverhältnissen zu rechnen, und ob der Angriff sinnlos oder sinnvoll sei, hätte in Compiègne geklärt werden sollen oder müssen. Für Nivelle gab es in dieser Situation nur den Ausweg, seinen Plan mit Erfolg umzusetzen. Und wenn er den Beginn der Offensive tatsächlich wegen schlechter Witterungsverhältnisse vom 13. auf den 16.April verlegte768, freilich ohne Absicht, ihn zu verwerfen, dann auch wegen des Zugzwanges, den das offensichtliche Erlahmen der britischen Anstrengungen bei Arras schuf.

6.1 Der Plan, die Angreifer und die Tankunterstützung.

Während der britische Angriff bei Arras unabhängig von etwaigen Durchbruchschancen primär dem Binden deutscher Reserven weit ab vom Hauptstoß dienen sollte769, war die französische Offensive dazu gedacht, den Durchbruch durch die deutschen Linien nach einer Maxime Napoleons, „énergie, avticité, vitesse“770, zu erzwingen. Das Gelände, das Nivelle als Angriffsraum gewählt hatte, zeichnete sich vor allem durch seinen militärisch anspruchsvollen Charakter mit besten Verteidigungs- und Beobachtungspositionen für den Feind entlang mehrerer hintereinanderliegender und von Bächen und Sumpfniederungen gedeckter Höhenrücken aus771. Die Frontlinie in der Champagne verlief nach dem deutschen Rückzug in die Siegfried-Stellung aus Richtung St.Quentin kommend hart südlich bis vor Soissons, wo sie ab Condé mit einer deutlichen Einbuchtung in die deutschen Linien grob ostwärts führte, um dann in südöstlicher Richtung nach Reims abzufließen. Von Reims aus verlief die Linie dann wieder östlich, durch die Champagne in Richtung Argonnen. Bekanntermaßen hatten die Deutschen seit den schweren Kämpfen des Jahres 1915 Zeit gehabt, ihre Stellungen auszubauen. Doch in der Ruhe, die dort seit den früheren Kämpfen geherrscht hatte, konnte auch der Vorteil einer zumindest relativen Überraschung liegen, deren eventuelle Einschränkung vor Angriffsbeginn durch die Stärke der Artillerie und Anzahl der Angriffstruppen aufgewogen werden sollte772.

Abb. 5: Karte zur Doppelschlacht an der Aisne und in der Champagne773.

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Hierzu versammelte Nivelle eine bis dahin nicht gesehene Masse von Truppen und Material, die in zwei Armeen in Stellung auf den Flügeln (3. und 4.), zwei Angriffsarmeen (6. unter Mangin und 5. unter Mazel) sowie zwei Reservearmeen (10. unter Duchêne unter 1. unter Fayolle) gegliedert war. Die Zahl der verfügbaren Divisionen im 40km breiten Durchbruchsabschnitt der 5. und 6.Armee zwischen Condé und nordwestlich Reims belief sich auf 20 in erster Linie, 14 Infanterie- und zwei Kavallerie-Divisionen als Reserve dahinter. Alles in allem, die mehr als 20 Divisionen der 10. und 1.Armee als Verfügungsmasse Nivelles hinter den angreifenden Armeen einberechnet, handelte es sich um 59 Infanterie- und sieben Kavallerie-Divisionen774, damit um mehr als die Hälfte der damals 107 Divisionen des französischen Heeres.

An Artillerie wurden bei der 5. und 6.Armee 5.350 Geschütze zusammengezogen775, die ab dem 6.April mit ungeheurer Macht begannen, die deutschen Stellungen und ihre Verteidiger bis in acht Kilometer Fronttiefe zu beschießen. Wie das Kriegstagebuch der 5.Armee besagte, hatte man „rarement donné au fantassin le spectacle réconfortant de concentrations puissantes et intenses“. Es handelte sich um einen Eindruck, der als Inferno auf beiden Seiten der Front wahrgenommen wurde, aber nach verschiedenen Beobachtungen auf französischer Seite noch direkt vor dem Angriff nicht das erwartete Ergebnis gezeigt hatte. Nach dem Aufschieben des Angriffstages vom 13. auf den 16.April stellte sich bei der Artillerie Munitionsmangel ein, und verschiedenste Meldungen sprachen von einer offensichtlich geringen Wirkung des Feuers gegenüber den tiefgegliederten und hervorragend befestigten deutschen Stellungen776. So urteilte die 5.Armee noch am Abend des 15.April, daß zwar ein Trichterfeld wie an der Somme oder bei Verdun geschaffen worden war, die Destruktionswirkung beim Gegner aber fraglich sei777.

Für den Kampf in der Luft, Aufklärungs- und Schlachtfliegereinsätze waren 1.000 Flugzeuge, zwei Drittel der nominell kampffähigen französischen Luftstreitkräfte, im Angriffsgebiet versammelt worden778. Und wie bei der Artillerie zeigten sich auch hier Schwierigkeiten, wie sie in ähnlicher Weise den Briten bei Arras zeitgleich begegneten: Die deutschen Fliegerverbände waren mit überlegenen Maschinen ausgestattet, agierten „nombreuse et aggressive“ und vermochten es spielend, in den französischen Luftraum zu Beobachtungszwecken einzudringen779. Zudem war laut einer Meldung General Michelers vom 7.April eine Menge der zugeteilten Jagdflugzeuge eben nicht kampffähig und einsatzbereit780.

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Für die Offensive in der Champagne war neben der Kräftekonzentration traditioneller Waffen und Waffengattungen auch der Einsatz französischer Tanks vorgesehen. Ab dem 10.April versammelte man die verfügbaren Fahrzeuge hinter der Angriffsfront781.

Der Aufbau französischer Tankverbände war zu Beginn nahezu parallel zu britischen Bestrebungen verlaufen. Oberst Estienne782, ein Offizier, der sich bereits beim Aufbau der französischen Militärfliegerei als talentierter Innovator hervorgetan hatte783, hatte dank Joffres Interesse an der neuen Waffe bereits Ende 1915 Vollmachten zu Verhandlungen mit Firmen erhalten und konnte noch im Dezember des Jahres den Bauplan für einen Kampfwagen, der in direkter Zusammenarbeit mit der Waffenschmiede Schneider-Creuzot entwickelt worden war, präsentieren784. Von diesem kleinen Fahrzeugtyp, dem char d’assaut 1 (CA-1) oder kurz „Schneider“, sollten bis Ende November 1916 400 Stück produziert sein. Doch genauso wie bei einem Konkurrenzunternehmen des Kriegsministeriums in Verbindung mit der Firma Saint Chamond, von deren Typ ebenfalls 400 Stück gefertigt werden sollten, konnten Lieferfristen nicht eingehalten werden und Nachbesserungen an den Fahrzeugen verschlangen zusätzliche Zeit785. Trotz dieser Probleme forderte Nivelle im März 1917 2.500 Tanks an786.

Was im April 1917 zur Verfügung stand, war eine Armada aus den beiden Fahrzeugtypen. Der char d`assaut St.Chamond M16 war mit 23 Tonnen das schwergewichtigste Modell der französischen Streitkräfte während des Krieges und hatte als Hauptbewaffnung eine im Bug untergebrachte 75mm Feldkanone M1897. Die geringe Dimension des Chassis im Vergleich zum Aufbau und das schwere, weit über das Chassis herausragende Geschütz ermöglichten eine nur geringe Beweglichkeit im Gelände787. Geringfügig besser sah es beim CA-1 aus788, der mit 13,5 Tonnen Gewicht789 nur halb so schwer war wie die britischen Gegenstücke. Bei einer Besatzung von sechs Mann verfügte er über eine kurze, recht eigenwillig auf der rechten Bugseite angebrachte 75mm Kanone und zwei Maschinengewehre in Kugelblenden an den Fahrzeugseiten. Die Panzerung lag mit 11mm zwar auf dem Niveau der Mark-Typen, doch wegen der Gefährlichkeit der deutschen SmK-Munition wurde an einzelnen Stellen am Bug und an den vorderen Flanken zusätzliche Panzerung bis auf ein für den 16.April 1917 nachweisbares Gesamtniveau von 24mm angebracht790. Die Geschwindigkeit des Schneider, etwa 2-4km/h791, war mit derjenigen der britischen Tanks wenigstens vergleichbar, seine Grabenüberschreitfähigkeit mit 1,50-1,80m allerdings geringer792. Alles in allem, so scheint es auf dem Papier, hatte sich das lange Warten auf eigene Tanks gelohnt und zwei Fahrzeuge793 verfügbar gemacht, die hinsichtlich Bewaffnung und Panzerschutz erfolgversprechend ausgeführt waren. Die St.Chamond waren schwer bewaffnet und demnach als „Angriffs-“ oder „Sturm-Artillerie“ zu betrachten. Die CA-1 waren deutlich kleiner und für die Verfolgung des zurückweichenden deutschen Gegners nach vollendetem Durchbruch vorgesehen. Aus diesem Grund erklärt sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch die riskante Maßnahme, daß der im Vergleich zu den britischen Tanks (37km) schon große Fahrbereich der CA-1 (60km) mittels zusätzlicher Treibstoffbehälter, die ungeschützt außerhalb der Fahrzeuge angebracht waren, erhöht wurde794.

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Organisatorisch waren unter dem Befehl Estiennes, der zum General befördert das Kommando über die „Artillerie d’Assaut“ inne hatte, Gruppen795 gebildet worden. Diese, die bei einer Ausstattung mit CA-1 aus Batterien mit insgesamt je 16 Fahrzeugen bestanden, waren als autarke Unterstützung für Korps vorgesehen796. Sie verfügten dementsprechend über eigene Unterstützungsteile und Logistik und waren im April 1917 zukunftweisender zusammengesetzt als die schwachen Bataillone des Tank Detachments. Konzeptionell handelte es sich bei den Vorstellungen ihres Einsatzes um eine Zwischenform, die Fähigkeiten zur Infanterieunterstützung und die Möglichkeiten der Tanks, einen Durchbruch aufgrund eigener Durchschlagskraft zu erreichen, nebeneinanderstellte. Die Nähe zu den frühen Ideen Swintons und den Visionen Fullers, hin zu einer vollends dem Durchbruch geweihten, gepanzerten Speerspitze des Heeres, sind dabei unverkennbar. Und sie schlugen sich im Januar 1917 in Estiennes „ordre général no 1“797 deutlich nieder. Ein Teil der Wagen sollte die Infanterie begleiten und mit den Bordwaffen gegnerische Verteidigungspositionen niederkämpfen, nach Möglichkeit aber, auch ohne Infanteriebegleitung, immer den Weg tief in die feindlichen Stellungen suchen798. Primäre Aufgabe wenigstens des anderen Teils der gepanzerten Streitmacht war grundsätzlich der Stoß gegen die letzten deutschen Stellungen, um sich selbst und auch der Kavallerie einen Raum für den strategischen Durchbruch zu schaffen799. Für den Angriff am 16.April wurden die Tanks exklusiv zum Stoß durch die dritte deutsche Stellung und darüber hinaus vorgesehen800.

Für die Offensive schieden die St.Chamond wegen technischer Probleme aus, während die CA-1 in der Größenordnung von 128 Fahrzeugen am 16.April zum Angriff bereit waren. Sie wurden der 5.Armee unterstellt801, deren V.Corps d’Armée (V.CA) die Einsatzgruppe „Chaubès“ mit 48 Fahrzeugen und deren XXXII.CA 80 Tanks der Gruppe „Bossut“, beide benannt nach ihren Kommandeuren, zugeteilt wurde802. Eine derart große Konzentration bei einer Angriffsarmee hatte es bisher nicht gegeben und konzeptionell kam hinzu, daß die Gruppen unter ihren beiden Kommandeuren geschlossen, in den Gefechtstreifen der Korps und nicht auf Divisionen verteilt, vorgehen sollten. Als Bereitstellungsraum und Instandsetzungsbasis für beide gepanzerte Einsatzgruppen war von der 5.Armee am 31.März Cuiry-les-Chaudardes an der Aisne befohlen worden803. Als Angriffsziele für Bossut wurde die dritte deutsche Linie und Prouvais, für Chaubès der Stoß auf Corbeny gewählt804. Die Entfernungen zu den Zielgebieten betrugen nach Corbeny etwa 10 und nach Prouvais circa 16km Luftlinie805, was sowohl das Zutrauen der Führung in die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge und Fähigkeiten der Kommandanten und Gruppen-Kommandeure als auch einen deutlichen Unterschied zur britischen Taktik der möglichst nahen Positionierung der Tanks an ihren Zielen dokumentiert. Besonders erwähnenswert ist noch, daß zumindest bei den Spitzenfahrzeugen der Angriffskolonnen „bascules“ mitgeführt worden sind, die in Form von Kletterbalken oder Brückenteilen beim Überwinden der Gräben helfen sollten806.

Was das Vertrauen der französischen Soldaten und ihrer Führer in die Pläne des Befehlshabers betrifft, so ist das Bild bis zum Infanterieangriff alles andere als einheitlich807. Neben Micheler, der nach wie vor seiner Skepsis Ausdruck gab808, lassen Meldungen über die möglicherweise gescheiterte Artillerievorbereitung der Offensive kaum Zweifel daran, daß es einen hohen Grad an Verunsicherung hinsichtlich der Umsetzbarkeit der weitgesteckten Ziele gab. Auf der anderen Seite kann das Zitat eines Offiziers im Rang eines Bataillonskommandeurs, der, ziemlich desillusioniert, die geringe Effektivität des Artilleriefeuers klar erkannt hatte, belegen, inwieweit man dennoch gewillt war, dem Feind einen heftigen Stoß zu versetzen:

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„La bataille sera dure, c’est l’impression de tous; mais tous s’y préparent avec une froide résolution.“809

6.2 Die Verteidiger.

Die Voraussetzungen für den Verteidiger, eine kommende Schlacht abwehren zu können, waren wohl kaum jemals während des Krieges so günstig wie in der Champagne im Frühjahr 1917. Besonderen Anteil hatte hieran die Feindaufklärung am Boden und in der Luft, der es seit Mitte Februar 1917 gelang, die deutsche Führung mit Informationen über feindliche Truppenansammlungen und die Rahmenbedingungen der erwarteten französischen Offensive zu versorgen810. Zuerst war eine Versammlung von 46 feindlichen Divisionen zwischen dem Sommegebiet und Reims aufgeklärt worden, die mit ihrer Mitte gegenüber der Laffaux- oder Condé-Ecke, einem kritischen Sektor, in dem die von Norden kommende deutsche Linie einen scharfen Knick nach Osten machte, standen811. Am 15.Februar erbeuteten Verbände der 3.Armee bei einem lokal begrenzten Angriff französische Dokumente von Dezember 1916, deren Inhalt als brisant klassifiziert werden konnte. Aus ihnen ging hervor, daß die Offensive der Franzosen mit allergrößten Anstrengungen und größtem Aufwand an Menschen und Material verbunden sein würde und das Ziel haben sollte, den Durchbruch mit allen Mitteln zu erreichen812. Auf französische Aktivitäten war entsprechend dieser unfreiwilligen und recht frühzeitig verfaßten Warnung durch die Franzosen das Augenmerk zu richten, was sich unter anderem auch im Austausch von Ratschlägen und in Hinweisen zwischen deutschen AOK hinsichtlich der feindlichen Bestrebungen, eine Art „Super-Offensive“ zu inszenieren, ausdrückte813. Die Luftaufklärung konnte zeitgleich und mit weiteren Bestätigungen im März den Schauplatz der kommenden Schlacht, die eine Frontlänge von etwa 100km zu bedrohen schien, eingrenzen. Im Bereich zwischen Condé und nordwestlich Reims wurden zunehmend zahlreichere Lagerbauten, Flugplätze und sogar Feuerstellungen für Eisenbahngeschütze festgestellt, die an der sonst eher verschlafenen Champagnefront als untrügerische Zeichen für Offensivvorbereitungen gewertet werden mußten814.

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Die OHL reagierte auf diese Erkenntnisse, welche die Stellungen der 7.Armee (v. Boehn) und den rechten Flügel der 3.Armee (v. Einem) ins Zentrum des Interesses rückten, mit der Unterstellung beider Armeen unter die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz815. Die Heeresgruppe begann augenblicklich mit der Begutachtung der Abwehrstellungen. Diese waren nach Maßstab der neuen Vorschriften für Stellungsbau und Gefechtsführung veraltet, ihnen fehlte rückwärtige Infrastruktur in Form von Bahn- und Wegenetz und mehr noch, es fehlte eine befestigte Tiefenzone816. Augenblicklich wurden alle verfügbaren Kräfte zu Stellungsbauarbeiten herangezogen. Zur Sicherheit wurden außerdem Truppen und Arbeitskräfte aus der Siegfried-Stellung zum Bau der Hunding-Stellung, einer nahezu parallel hinter der damaligen Front der 7.Armee verlaufenden Linie, eingesetzt817. Daß trotz dieses Kräfteeinsatzes allerorten „Panzergräben“ angelegt worden sein sollen, oder ein solcher vielleicht auch nur ausgerechnet vor der später so umkämpften Stellung bei Juvincourt (5m breit und 3m tief) angelegt worden ist818, ließ sich über Archivalien und Truppengeschichten nicht nachweisen. Es scheint auch äußerst fraglich, daß vor einer Vorderhangstellung unter Einsichtnahme des Feindes derartig umfangreiche Erdarbeiten ausgeführt worden sein sollen. Eine beachtliche Tiefe und Breite der deutschen Kampfgräben, welche den französischen Tanks besonders hinderlich sein konnten, ist in Hinblick auf die geringe Grabenüberschreitfähigkeit des CA-1 dagegen wahrscheinlich819.

Noch einmal, am 4.April 1917, gelangten aufschlußreiche Dokumente in deutschen Besitz, die bei einem Vorstoß von Verbänden auf dem linken Flügel der 7.Armee nordwestlich von Reims eingebracht werden konnten. Sie offenbarten Umfang, Ziele und die erheblichen Kräfte, die für den Angriff des französischen VII.CA und seiner nächsten Nachbarn vorgesehen waren. Deutsche Reserven konnten diesen Erkenntnissen nach in diesem Frontsektor sehr günstig aufgestellt werden820.

Die Kräfte der deutschen Verteidiger, die sich noch am 16.April auf die nicht unbeträchtliche Feuerkraft von 2.431 Geschützen stützen konnten821, gliederten sich direkt vor dem Beginn der Infanterieschlacht in 15 Stellungsdivisionen bei der 7. und 10 Stellungsdivisionen auf dem rechten Flügel der 3.Armee822. In einer ersten Linie von Eingreifdivisionen, die allesamt in Abständen von etwa fünf bis knapp acht Kilometern hinter der vordersten Linie standen823, befanden sich bei der 7.Armee sieben Divisionen. Ihre Verteilung folgte ganz offensichtlich dem Angriffsschwerpunkt der französischen 6., 5. und 10.Armee bei den Gruppen Vailly, Liesse, Sissonne und Brimont zwischen Condé und nordwestlich Reims. Bemerkenswert ist bei ihrer Disposition hinter der 7.Armee zudem, daß besonders auf die Sicherung der empfindlichen Gruppengrenzen geachtet wurde. Zumindest die 20.ID, die 1.GID und die 50.ID lagen mit Teilen im Führungsgebiet zweier Generalkommandos. Beim rechten Flügel der 3.Armee standen noch einmal vier Eingreifdivisionen bereit und hinter beiden Armeen eine zusätzliche Reserve von sieben Divisionen. Das numerische Verhältnis zwischen Angreifer und Verteidiger schien für die deutsche Seite auf den ersten Blick durchaus nicht ungünstig, berücksichtigt aber nicht, daß die Kräftekonzentration der Franzosen im eigentlichen Angriffsbereich erheblich größer war als die deutsche. Hier standen in Linie und als Eingreifverbände 18 deutsche Divisionen mehr als 30 französischen der 5. und 6.Armee gegenüber, die französische 10.Armee noch nicht hinzugerechnet.

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Zur Qualität der deutschen Verbände im relevanten Abschnitt kann kaum etwas mit letzter Sicherheit gesagt werden, da hierzu keine Archivalien ausfindig gemacht werden konnten. Legt man die simplifizierenden Pauschalbewertungen deutscher Divisionen durch die Alliierten von 1919 zugrunde824, mag aber auffallen, daß hinsichtlich der attestierten Leistungsfähigkeit eine Anzahl Divisionen aus der Spitzengruppe der Heeresverbände an der Aisne zu finden waren825. Hinsichtlich der Kampfmotivation ist zudem feststellbar, daß mit erstaunlich eindrücklichen Worten auf den Ernst der Lage hingewiesen und an den Durchhaltewillen der Truppe appelliert wurde826.

Bei den als Eingreifdivisionen vorgesehenen Verbänden sah die Situation insofern anders aus, als daß ihnen, auch im Unterschied zu den Dispositionen vor der Schlacht bei Arras, ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet worden war. Der Kronprinz und sein Stabschef, Graf von der Schulenburg, versuchten gleich nach der Befehlsübernahme anhand persönlicher Besichtigungen und Gespräche mit den ihnen untergeordneten Dienststellen, für die Notwendigkeiten, die der Umsetzung des neuen Abwehrverfahrens zugrunde lagen, zu werben827. Den Eingreifdivisionen mußte hierbei und auch angesichts der Unmöglichkeit, stellungstechnische Defizite schnell ausgleichen zu können828, die allergrößte Bedeutung zukommen. Und diese Auffassung spiegelt sich nicht allein in gewechselten Worten, sondern vor allem darin wieder, daß eine Vielzahl der von der OHL ab Anfang März reichlich gewährten Verstärkungen zum Erlernen der elastischen Verteidigung besonders geschult wurden oder dies beim Eintreffen in den Befehlsbereichen der AOK 7 und 3 bereits waren. Teil der Ausbildung waren theoretische Belehrungen und praktische Übungen, die unter anderem829 in den Ruheräumen der Divisionen vorgenommen wurden und den Zweck hatten, elementare Fähigkeiten für den Stellungskrieg und für die neue Lage modifizierte Grundsätzlichkeiten des längst vergessenen Bewegungskrieges, etwa das Stoßtruppverfahren, zu vermitteln830. Wie wenigstens eine Truppengeschichte aus den Reihen der 5.b.RD aussagt, gehörten zum theoretischen Teil der Ausbildung der Infanterie auch Belehrungen über Tanks und Tankbekämpfung, deren Grundlage gesammelte und schriftlich fixierte Erfahrungen und Ratschläge waren, welche reichlich kursiert sein sollen831. Praktische Tankabwehrübungen im direkten Richten und gegen selbstgebaute „Tankscheiben“ wurden nachweislich bei der Artillerie der 20.ID, 54.ID, 1.GID und 5.GID durchgeführt832. Als Verstärkung der Tankabwehr waren im Bereich der Gruppen Vailly, Liesse und Sissonne der 7.Armee zusätzlich neun Nahkampfbatterien eingeschoben worden833. Das Auftreten der französischen Kampfwagen wurde also durchaus erwartet und mit einer Zuteilung von Sondergeschützen in einer der 6.Armee vor Arras zumindest größengleichen Form gewürdigt834. Ferner schufen die Generalkommandos beziehungsweise die Artilleriekommandeure der Divisionen „Tankbekämpfungspläne“, die den Batterien nach dem Muster der bestehenden Vorschriften Zielstreifen zuwiesen835.

Die derart für die Abwehr von Infanterie- und Tankangriffen geschulten Verbände836 waren ausbildungstechnisch auf dem neuesten Stand und konnten bis zum Beginn des Artilleriefeuers mit Masse auch als ausgeruht gelten, wenn man von der Belastung durch Stellungsbauarbeiten und Einbeziehung der Artillerie in tägliche Feueraufträge absieht837.

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Die Verluste durch die französischen Artillerievorbereitungen waren bei den Stellungsdivisionen relativ schwer, wie aus einem Bericht des OHL-Beobachters Major Bramsch am 11. oder 12.April hervorgeht838. Die Kompanien hatten seinen Eindrücken nach noch Gefechtsstärken von 90 bis 100 Mann und die schlechten Witterungsbedingungen mit Dauerregen täten das Ihre, um die Leistungsfähigkeit der Infanterie zu vermindern. Die Artillerie habe gelitten und liege etwa bei der Gruppe Sissonne noch bei 80% ihrer ursprünglichen Stärke, doch häufige Stellungswechsel hätten Verheerenderes verhindert. Insgesamt sei die Stimmung der Truppen gut und man erwarte den Feind gespannt839.

6.3 Die Kämpfe am 16.April 1917.

Um 5 Uhr morgens begann der Infanterieangriff der französischen 6.Armee, deren Korps mit großem Elan840 zwischen dem Frontknick von Laffaux und Condé bis westlich Craonelle auf den Chemin des Dames und die ihm vorgelagerten Höhen zustürmten. Um 9.30 Uhr hatten sich die Angreifer zumindest zwischen Soupir und Craonelle bis in die zweite deutsche Stellung vorgearbeitet841. Die Rückmeldungen der Verbände an die höhere Führung sprachen allerdings schnell davon, daß der deutsche Widerstand verbissen sei und schwere Verluste eingetreten waren842. Der Kampf dauerte den ganzen Tag über an und brachte die französische Linie, trotz des Einsatzes der Reserven843, bis zum Abend sehr verschieden weit, letztendlich aber nur sehr begrenzt voran. Geländegewinne von wenigen hundert Metern bis zu etwa 3,5km lassen sich feststellen844. Der Preis für dieses enttäuschende Ergebnis, das neben den geringen Geländegewinnen auch nur 3.500 Gefangene aufwies845, war immens und ließ sich im Fazit eines Verbindungsoffiziers Nivelles bei der 6.Armee am Abend des ersten Schlachttages dahingehend zusammenfassen, daß die Infanterie zu weiteren großen Angriffen oder der Erweiterung des genommenen Raumes vorerst nicht in der Lage sei846. Besonders auffällig, so der Verbindungsoffizier, sei das Ausbleiben eines großen deutschen Gegenangriffs, was darauf hindeuten könne, daß dem Gegner die Mittel dafür fehlten. Stattdessen wären lediglich lokal und zeitlich begrenzte Gegenstöße feststellbar gewesen847.

Bei der 5.Armee setzte ebenfalls um 5 Uhr der Infanterieangriff ein. Auf ihrem rechten Flügel bei Reims, der mit einer Division (151.DI) und von Flammenwerfern vorgetragen wurde848, kamen die französischen Truppen gegen anfangs nur geringen Widerstand des Verteidigers immer langsamer voran, da im Gelände verteilte MG-Nester überaus ernstzunehmende Hindernisse darstellten849. In den genommenen Stellungsteilen, namentlich in und direkt hinter der ersten deutschen Linie, setzte man sich bei Einbruch der Dunkelheit fest und mußte überaus zahlreiche deutsche Gegenangriffe abwehren850.

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Links davon, beim VII.CA, sah man sich vor allem intakten deutschen Positionen und der Feuerkraft von Höhen herabschießender Maschinengewehre gegenüber851. Die Orte Loivre und Courcy hinter der ersten feindlichen Stellung wurden dennoch genommen und der vom Fort Brimont aus nach Nordwesten laufende Höhenzug oberhalb des Forts erkämpft. Bei einer Division (14.DI) kam man bis nahe an die zweite Stellung heran, wurde dann aber von einem Gegenangriff der GED getroffen und zurückgeworfen852. Beim Ausklingen der Kämpfe war man im nicht repräsentativen Maximum, bei der 41.DI, knapp drei Kilometer über die eigene Sturmausgangsstellung hinausgekommen853.

Die rechts an das VII.CA anschließende Flügeldivision des XXXII.CA hatte bis auf die Wegnahme der Höhe 108 (Mont Sapigneul) an der Aisne so gut wie gar keinen Geländegewinn gegenüber der 4.ID und 10.RD zu vermelden. Südlich des Flusses und des gleichnamigen Kanals stehend, war sie durch Gegenstöße rasch abgewiesen worden854.

Nördlich der beiden Gewässer, zwischen Berry au Bac und La Ville aux Bois, machten die beiden anderen Divisionen des XXXII.CA wesentlich größere Fortschritte gegenüber den Verteidigern der 5.b.RD, bei der am Morgen des 16.April noch Ablösungen vorgenommen wurden855. Von großem Vorteil war hierbei für die Franzosen, daß sie das Tal der Miette, das Richtung Juvincourt führte, und einen Weg zwischen der Aisne und den Höhen parallel zum Fluß Richtung Guignicourt eröffnen konnten, um halbwegs gedeckt in die Flanken der Verteidiger zu stoßen. Die Verluste, besonders an Vermißten, deren Hauptteil als Gefangene zu werten waren, betrugen allein bei zwei der drei deutschen Infanterieregimenter im Abschnitt 2.000 Mann856. Verzweifelte Gegenstöße, flankierend wirkende Maschinengewehre und erbitterter Widerstand isolierter Verteidigungsinseln verursachten zwar ebenfalls große Verluste unter den Angreifern, ihr Vordringen bis in die Artillerie-Schutzstellung war aber nicht aufzuhalten857. Vor Mittag war die Artillerie-Schutzstellung genommen und die französische Infanterie wartete auf die Unterstützung durch die Tanks der Gruppe Bossut, die sich dem Angriffsplan zufolge gegen Prouvais entwickeln sollten858, aber durch das mit Trichtern übersäte Gelände nur langsam vorankamen859.

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Was dann, in einem Zeitfenster zwischen circa 11.30 Uhr deutscher Zeit, der ersten Meldung über das Vorgehen einzelner Tanks auf Guignicourt, und 14.30 Uhr französischer Zeit, dem im französischen amtlichen Werk angegebenen Zeitpunkt des Eingreifens Bossuts, geschah860, ist kaum rekonstruierbar und demzufolge nur in Schlaglichtern und Momentaufnahmen darstellbar861.

Bei Guignicourt jedenfalls traten am Mittag „mehrere Tanks“ in langer Reihe auf den Ort zufahrend auf, die ein hervorragendes Ziel für zwei leichte Feldhaubitzen der 8./b.RFAR 5 unter Leutnant d.R. Ibach boten:

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„Ich ließ mit dem rechten Geschütz in aller Ruhe die Richtung nehmen, die Tanks noch soweit vorfahren, daß sie in ihrer ganzen Größe angerichtet werden konnten, und schoß zuerst den Führertank mit ungefähr 4 Schuß in Brand, mit 5-6 Schuß dann den zweiten, während der dritte gleichzeitig mit dem zweiten zum Halten kam. Er schien gefechtsunfähig geworden zu sein. Gleichzeitig hatte auch die linke Haubitze 10-12 Schuß auf die gleichen Tanks abgegeben und einwandfrei Treffer erzielt. [... .] Um 3.30 meldete der seitliche Aufklärer in der linken Flanke, daß 4 feindliche Tanks im Aisnegrund vorgehen. Ich ließ die Tanks bis in die Höhe der Batterie vorfahren, um einwandfrei anrichten lassen zu können. Sämtliche 4 Tanks wurden auf eine Entfernung von 100-250m von den beiden Geschützen zerstört.“862

Unterstützt wurde die Tankabwehr nördlich der Aisne auch durch Teile der Feldartillerie der 4.ID, die zumindest in Zugstärke innerhalb einer mit FAR 108 kombinierten Nahtbatterie unter Leutnant der Reserve Müller (4./FAR 17) nachweisbar sind. Die Batterie wirkte offenbar parallel zur 8./b.FAR 5 Ibachs gegen die ersten Tanks, die im Aisnetal vorgingen:

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„Schon richtete eine 400m rechts stehende bayer. Nahtbatterie ihr Feuer gegen die vorgehenden Tanks. Mehrere blieben liegen, aber ein Teil schwenkt auf 4./17 ein. Jetzt gilts. Scharfes Kommando durchschneidet den Lärm der tobenden Schlacht. Die gelichteten Bedienungen reißen die Geschütze herum, erfassen das Ziel. Das Feuer fliegt und schon hat’s den ersten Tank erwischt. Das Feuer fliegt: der zweite, der dritte, bleibt liegen, der vierte auf 100m vor der Batterie.“863

Abschüsse im Bereich von Guignicourt reklamierte auch die Artillerie der ab Mittag herbeieilenden Eingreifdivisionen. Das FAR 108 der 54.ID, das bei seinem Einsatz besonders auf die Bedeutung der Tankabwehr hingewiesen worden war864, „erledigte Tanks im direkten Schuß“865 auf erhebliche Entfernungen. Ein Zug der 4.Batterie erzielte laut Truppengeschichte drei Treffer mit Brandwirkung auf 2.300-1.800m, und die 6./FAR 108 nahm einen Tank in 5.250m Distanz erfolgreich unter beobachtetes Feuer866. Den Bataillonen der 50.ID waren Begleitbatterien der Feldartillerie zugeteilt, die den Kampf gegen die Kampfwagen ebenfalls erfolgreich aufnahmen867.

Bei Juvincourt, in das laut einer Meldung vom Vormittag französische Infanterie eingedrungen war, wurden um 12 Uhr im Miette-Tal vorgehende Tanks gemeldet868. Eine Batterie des b.RFAR 5, die hier hätte sofort wirken können, besaß nur noch ein feuerbereites Geschütz und dieses war nutzlos, da der zuständige Richtschütze nach Aussage des Batterieführers, Oberleutnant Simm, „vollständig versagte“. Hinzu kam ein klemmender Verschluß, der durch eine minderwertige Eisenkartusche hervorgerufen worden war869. Der Batterieführer wurde nun, zwangsweise zur Passivität verurteilt, Zeuge der Wirkungsweise der Tankabwehr verschiedener Batterien, die unter dem Befehl der I./FAR 500 unter Hauptmann der Landwehr Bieberstein standen870. Nachdem der Gegenangriff der 50.ID eingesetzt hatte, explodierten die Benzinbehälter von vier Tanks, die nach Ansicht Simms in das Feuer eines nicht näher bezeichneten bayerischen Einzelgeschützes geraten waren:

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„Ein grandioses Bild, ich sehe noch wie heute brennende Mannschaften aus den Tanks stürzen und wie brennende Fackeln zusammenfallen.“871

Hauptmann Bieberstein berichtete in einem späteren Feldpostbrief, daß seine Batterien angesichts der geworfenen Infanterie und zuerst ausbleibender Verstärkungen geradewegs in Nahkampf mit feindlicher Infanterie verwickelt wurden, während die Tanks zum Angriff vorrollten:

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„Es war der reine Nahkampf geworden, unsere Infanterie konnte sich gegen die Übermacht nicht halten und ging zurück, es waren auch nur noch wenig und der Feind hatte unsere Höhe links schon überflügelt. Rechts waren 10 Tanks schon hinter uns, von denen 6 schon nicht mehr weiter konnten und teilweise brannten, 4 sich noch im Kampfe mit meinen Batterien befanden, von diesen dann aber auch außer Gefecht gesetzt wurden.“872

Der Hauptangriff der Gruppe Bossut, der nach deutschen Angaben mit etwa 50 bis 64 Tanks zwischen 12 und 14 Uhr gegen Guignicourt und Juvincourt vorgetragen wurde873, konnte nach einigen, unbestimmbar hohen Ausfällen durch Fahrzeugpannen im Anmarsch zuerst unter dem Schutz der gedeckten Annäherungswege und des Rauchs einschlagender Granaten erfolgen874. Sobald die Tanks aber die Niederungen an der Aisne und der Miette verließen, und ohne Infanterieunterstützung875, welche die teilweise in Nahkampf mit den Tanks verwickelte Artillerie hätte eliminieren können, in Reihe oder entfaltet zum Angriff übergingen, gerieten sie in das Feuer der intakten deutschen Geschütze. Am Mittag scheint der Kampf zwischen Tanks und Infanterie einerseits und deutschen Geschützen, Resten der Stellungsbesatzungen und Truppenteilen, die zum Gegenangriff übergingen, andererseits äußerst erbittert gewesen zu sein. Einzelnen Tanks gelang es offensichtlich, wie auch Biebersteins Aussage bestätigt, durchzubrechen und Batterien in Flanken und Rücken anzugreifen876, doch am Ausgang der Kämpfe, der durch die große Zahl Tankausfälle und deutsche Eingreiftruppen entschieden wurden, änderte dies nichts. Bossut fiel877 und wenigstens 32 CA-1 wurden abgeschossen878. Am Abend lag die Frontstellung des XXXII.CA immerhin bis zu knapp 5km in den früheren deutschen Linien, womit der größte Erfolg in die Tiefe der feindlichen Stellungen am 16.April markiert wurde.

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Das links anschließende V.CA unterstütze den Nachbarn mit der 9.DI gegen Süd- und West-Juvincourt, das gegen die deutschen Gegenangriffe der 50. und 213.ID nicht behauptet werden konnte, und ging mit der 10.DI gegen den Ort und den Wald La Ville aux Bois sowie die Straße nach Corbeny vor, wo man mit heftigstem deutschen Maschinengewehrfeuer konfrontiert wurde879. Die Tankgruppe Chaubès war ohne größere Schwierigkeiten, aber schon mit einem Ausfall von acht Wagen durch technische Defekte880, bis an die Sturmausgangsstellungen herangekommen und konnte früh zum Angriff auf dem äußerst linken Flügel des eigenen Korps, beziehungsweise gegen die Divisionsnaht der BED und 9.b.RD, übergehen.

Nachteilig erwies sich allerdings, daß, anders als im Abschnitt des XXXII.CA, kaum ein gedecktes Vorgehen in Geländeeinschnitten möglich war und die deutschen Verteidiger den Anmarsch von zwei Abteilungen Tanks zu je 12 bis 20 Fahrzeugen recht frühzeitig erkennen konnten881. Der Stoß der Tanks zielte auf Corbeny und wurde bereits in einer Distanz von 1.500 bis 2.000m zu den deutschen Linien von Artillerie im Abschnitt der BED und von Teilen der dem V.CA direkt gegenüber stehenden 9.b.RD massiv gefaßt882. Einer Batterie des Fußartillerie-Regiments 3 gelangen hierbei zwei Abschüsse in einer Kolonne von sechs Tanks. Deren Bekämpfung wurde daraufhin eingestellt, weil das konzentrierte Abwehrfeuer der deutschen Artillerie derart viel Dreck und Staub aufwirbelte, daß kein gezielter Schuß auf die Fahrzeuggruppe mehr möglich war883. In der Rekonstruktion der Abschüsse des FAR 111 findet sich die Aussage, daß von einer der beiden großen Fahrzeuggruppen bereits nach zehn Minuten fünf der 12 anrückenden Tanks zum Stehen gebracht werden konnten884. Bei insgesamt nur vier Volltreffern konnten bis zum Nachmittag insgesamt 22 oder gar 24 Tanks in Brand geschossen oder anderweitig gestoppt werden885. An dem vollständigen Abwehrerfolg beteiligt war vor allem der Umstand, daß zumindest eine Kolonne, die bei der 9.b.RD vorging, nicht dazu in der Lage war, den von der Infanterie bereits genommenen ersten deutschen Graben zu überwinden886. Nach französischer Aussage gelangten von der Gruppe Chaubès lediglich acht Fahrzeuge zurück zu ihren Ausgangsstellungen887, während die Besatzungen der an- und abgeschossenen Fahrzeuge -viele intakte wurden angesichts der verzweifelten Lage offenbar auch selbständig verlassen- nach Möglichkeit mit Bordwaffen am Infanteriekampf teilnahmen888. Da kein Tank über die erste, verteidigte deutsche Linie hinaus und scheinbar nur im Bereich der 9.b.RD an diese herankam889 und die Infanterie des V.CA genauso unter Maschinengewehrfeuer und deutschen Gegenangriffen zu leiden hatte wie Verbände andernorts auch, blieb der Erfolg des verlustreichen Angriffs auf dem gesamten linken Flügel der französischen 5.Armee minimal890.

Abb. 6: Karte zum Ergebnis des 16.April 1917891.

6.4 Weitere Tankeinsätze bis zum Ende der Schlacht892.

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Als direkte Nachwirkung des Desasters vom 16.April läßt sich im französischen amtlichen Werk keinerlei Erwähnung beabsichtigter Tankeinsätze in den ersten Folgetagen auffinden. Daß man vielmehr mit dem Bergen von Fahrzeugen beschäftigt war, wie deutsche Dokumente nahelegen, und eventuelle Einsatzpläne angesichts der materiellen und personellen Verluste unterließ, ist wahrscheinlich893.

Erst am 5.Mai traten wieder Tanks in Erscheinung, die innerhalb einer begrenzten Unternehmung der französischen 6.Armee gegen die deutschen Stellungen bei Laffaux unterstützend wirken sollten. Der Einsatz wäre zu vernachlässigen, da auf deutscher Seite keine tiefergehenden Erkenntnisse gewonnen werden konnten894, wenn nicht ein grundsätzlicher Bruch hinsichtlich des Einsatzverfahrens der Tanks feststellbar wäre. Anders als am 16.April, der sich durch besonders weitgesteckte Ziele und Einsatz der Tanks in großen Gruppen auszeichnete, ging es nun lediglich darum, der Infanterie den Weg in die deutsche Stellung zu bahnen, um dann zu Ausgangspunkten zurückzukommen895. Zwei Korps der 6.Armee erhielten für diesen Zweck jeweils 16 Tanks896, die der französischen Infanterie des I.Kolonial-Korps (I.CC) auch tatsächlich Vorteile gegenüber den zahlreichen deutschen Maschinengewehren und beim Kampf um Stellungsteile verschaffen konnten897. Beim XXXVII.CA sah dies etwas anders aus, da beim Einbruch in die Stellung nur noch drei der 16 Kampfwagen helfend in die Kämpfe eingreifen konnten898. Die Verluste der Tankgruppen sollen sich auf 55 Mann899 und nur sechs abgeschossene Wagen900 belaufen haben, was eine größere Anzahl technischer oder geländebedingter Ausfälle vermuten läßt. Die Bewertung des Unternehmens als partieller Erfolg901 scheint angebracht, bedenkt man, daß hiermit wenigstens die bedingte Tauglichkeit der Fahrzeuge unter günstigen Geländeverhältnissen und die Erfolgsaussichten für Tanks in enger Kooperation mit der Infanterie dokumentiert werden konnten902.

6.5 Tanks und Tankabwehr in der Doppelschlacht an der Aisne und in der Champagne: Bewertungen und Reaktionen.

Das Hauptaugenmerk der späteren Betrachter des Geschehens lag vor allem auf den Auswirkungen, welche das Desaster der gescheiterten Offensive für die französische Armee und Kriegführung mit sich brachte. Und diese Folgen hatten, zusammen mit den ganz spezifischen Anlagen und dem Verlauf der Offensive, ihren Anteil daran, daß die Schlacht nicht als eines der „gewohnten Gemetzel“, als das sie Chickering beschrieb903, angesehen werden kann.

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Am Abend des 16.April war unter den Soldaten bereits das Bewußtsein vorhanden, daß die erlittenen Verluste –vielleicht 15.500 Gefallene, 60.000 Verwundete und 20.500 Vermißte bis zum 25.April904- in keinem Verhältnis zu erreichten, erhofften und propagierten Zielen standen905. Hinzu kam eine bemerkenswerte Unordnung in den rückwärtigen Armeebereichen der beiden Angriffsarmeen, die auf die große Truppenansammlung auf engstem Raum und eklatante Organisationsmängel zurückzuführen war906. Alles in allem war dies ein sehr guter Nährboden für Gerüchte, welche die Verluste und Zustände in der Feuerlinie betrafen, und gab Anlaß zu einer rapiden Verschlechterung der Stimmung, die sich schon am 17. in Rufen nach Frieden und in Unmutsbekundungen gegenüber einer geradezu als kriminell erachteten Führung artikulierte. Dieser wurde unterstellt, die ihnen anvertrauten Soldaten fahrlässig in den Tod geschickt zu haben907. Wie die Aussage eines schwerverwundeten Stabsoffiziers, Oberstleutnant Nieger, bekunden kann, blieb der Unmut und die maßlose Enttäuschung nicht allein Sache der unteren Chargen und Gemeinen:

„C’est à pleurer. Notre attaque, une boucherie plus exactement, m’a laissé un souvenir épouvantable. Nous sommes revenus aux plus mauvais jours de 1914 et 1915. Je n’ai jamais vu affaire aussi mal montée, aussi mal préparée. Quoi qu’il puisse m’en coûter, je veux le dire et le répéter…“908.

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An den Zuständen, die bis Ende des Monats in offene Verweigerung von Truppenteilen übergingen und zusammen mit deutlichen Anzeichen sinkender Kriegsbereitschaft der französischen Bevölkerung Ausmaße einer überaus bedrohlichen und gesamtstaatlichen Krise erreichten909, änderte die offizielle Absetzung Nivelles am 15.Mai wenig910. Sein Nachfolger, Pétain, trat ein schweres Erbe an, das die französischen Truppen an der Hauptkampffront des Krieges für unabsehbare Zeit als in weiten Teilen unfähig zu Großunternehmungen auswies und zur Defensive an der Westfront zwang911.

Inwieweit es sich bei diesen strategisch bedeutenden Ergebnissen der Aprilkämpfe an der Aisne und in der Champagne tatsächlich auch um ein deutsches Kapitel im „Krieg der versäumten Gelegenheiten“ (Bauer) handelte, wurde nach 1918, als das Ausmaß der „Meutereien“ deutlich geworden war, intensiv diskutiert. Vor allem in den Büchern „national“ und „soldatisch“ gesinnter Autoren wie Bathe (1933), Ettighofer (1937), Goes (1938) oder Eisgruber (1939) wurde versucht912, einen unzulässig direkten Zusammenhang zwischen den Abwehrleistungen der deutschen Truppen und den daraus resultierenden, immensen französischen Verlusten als Primärursache der Verweigerungen zu konstruieren. Unzulässig war dies deshalb, weil ein Konglomerat verschiedener Ursachen in Betracht gezogen werden muß. Darin enthalten war ein stetiger Zerfallprozeß, der durch die Aneinanderreihung blutiger Kämpfe, den ermüdenden Stellungskrieg, den Charakter eines neuzeitlichen Massenheeres in einem endlos erscheinenden Krieg sowie individuelle, heeres- oder gesellschaftsinterne Aspekte. Der Katastrophe vom 16.April kann demnach nur die Rolle als Katalysator offener Unmutsäußerungen gegenüber den in weiten Teilen des Heeres als untragbar angesehenen Zuständen zukommen913. Jedenfalls war es für spätere deutsche Betrachter dieser Ereignisse und Umstände unumgänglich, die Schlacht selbst genauer zu beschreiben und äußerst sinnvoll, gerade den Tanks und ihrem symbolträchtigen Schicksal, das stellvertretend für den Kampf zwischen (hochmotivierten, hartgesottenen deutschen) Soldaten und dem überlegenen feindlichen „Material“ stehen konnte, Raum zu bieten. Ein Raum, der für viel Frontkämpferpathos – beispielsweise: „Frankreichs Elitetruppe [die als „Schwarze“ diffamierten Kolonialtruppen] stirbt vor den Mündungen der feldgrauen Musketiere“914- und wenig überprüfbare Informationen sowie definitiv verfälschende Darstellungen -„Jetzt rollen, unheilverkündend die feuerspeienden Panzerungetüme heran, jeden Widerstand vor sich niederwalzend“915- genutzt wurde916. Ein Grund für die große Anzahl Ungenauigkeiten und offener Fragen hinsichtlich des Gefechtsgeschehens innerhalb solcher Darstellungen liegt sicherlich auch mit den Schilderungen vor, die auf französischer Seite vorhanden waren und vorhanden sind. So ließ das französische amtliche Werk (1931) nach etlichen Seiten zur Darstellung der Ausgangslage und Vorbereitung der Offensive bemerkenswert geringen Raum für die Berichte über den Einsatz der beiden Tankgruppen am 16.April und ihr dramatisches Ende917. Vielmehr –und dies dürfte unter Berücksichtigung von Herausgeber, Intention und Zeitgeist kaum verwundern- suchte man im Untergang noch das Heroische und sprach, ohne nähere Details zu nennen, von „des tentatives héroiques, mais infructeuses“918, die zumindest den Tankbesatzungen unter Bossut angerechnet wurden. Nähere Angaben zu den Verlusten wurden allein für die Gruppe Chaubès beziffert und, zusammen mit einer Meldung vom Tod Bossuts durch den Führer einer seiner Abteilungen, im Anlagenband 2 (1931) gedruckt919. Besonders auffällig an einer Rekapitulation der Ereignisse durch die spätere Geschichtsschreibung ist, daß vor allem das Geschehen von Juvincourt, meist verbunden mit einer einzigen, großen Einsatzgruppe unter Bossut, eine Rolle spielte. Das Schicksal der Gruppe Chaubès, das hinsichtlich des geringen Erfolges noch viel tragischer zu nennen wäre, blieb dagegen oftmals ausgeklammert. Feststellbar ist dies sowohl bei Bathe als auch bei Rocquerol920, um nur zwei Beispiele zu nennen. Die Motivation dafür war bei Teilen der französischen Historiographie allerdings eine andere als im Deutschland der Zwischenkriegszeit, die dem Bild eines Kampfes zwischen den Titanen Frontkämpfer und konzentriert eingesetztem Material frönten921.

Wenigstens zwei Richtungen, die allerdings nicht in Reinform auffindbar waren, lassen sich in der französischen Historiographie der 20er und 30er Jahre fassen:

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Auf der einen Seite diejenige, die versuchte, eigene Verluste und Erfolge im Verhältnis gegenüber anderen äußerst blutigen Schlachten beschönigend darzustellen922, um pazifistische und sozialistische Aktivitäten an der Front und in der Heimat sowie den schädlichen Einfluß der Politik als Ursache für den Unmut der eigentlich doch siegreichen Truppen und die Unruhen in den Reihen der Armee verantwortlich zu machen. Man könnte in diesem Sinne durchaus von der Inszenierung einer „Dolchstoßlegende“ sprechen923. Die Rolle der Tanks am 16.April blieb bei dieser Ausrichtung ausgesprochen schwierig zu integrieren, denn unzweifelhaft war ihr Schicksal. Der Rückzug auf den heldenhaften Einsatz der Besatzungen und die Tatsache, daß im Einsatzraum der Gruppe Bossuts der einzig wirklich tiefe Einbruch in die deutschen Stellungen stattfand, lag somit nahe924.

Die zweite Richtung zielte mit einer Spitze gegen die politische Führung Frankreichs, die es wider besseren Wissens und trotz aller Möglichkeit nicht schaffte, französische Staatsbürger vor den abstrusen -und längst vor Beginn des Infanterieangriffs gescheiterten- Plänen Nivelles zu schützen925. Politiker und vor allem Nivelle selbst standen im Zentrum der Kritik926. Der Mut der Truppen, darunter auch besonders derjenige der Tankbesatzungen, konnte dementsprechend symbolisch für das grundsätzlich gute Menschenmaterial927, um den schauderhaften Ausdruck zu gebrauchen, der französischen Armee stehen und anhand der erlittenen Verluste die konzeptionellen und ideellen Defizite verschiedener Ebenen der militärischen und politischen Führung bestens illustrieren. Innerhalb der Gesamtdebatte um die Qualitäten der militärischen und politischen Führer dieser Zeit scheint die Frage nach der Rolle der Tanks allerdings von marginaler Bedeutung gewesen zu sein928.

Beiden Richtungen inne wohnt das Lob und die Anerkennung für Pétain, der Frankreich aus der Krise führte und -zusammen mit Foch und später Clemenceau- den Sieg von 1918 erst ermöglichte. Teile dieser Sichtweise und der als zweite Richtung verzeichneten Anschauungen lassen sich, neben der allgemeinen Verwirrung um Verlustzahlen929, das Gefechtsgeschehen (einschließlich der Rolle der Tanks930) und die eindeutig negative Bewertung von Nivelles Plan931, in neueren Darstellungen finden. Interessanterweise findet sich damit verbunden auch immer wieder der Tank als Thema, der, möglicherweise sogar für die knappe Darstellung der Schlacht ausgeklammert932, dann eine Rolle spielt, wenn Pétain den Befehl übernimmt und nach dem Weg zum Sieg sucht. Wie etwa Buffetaut als vorletzten Satz seines Bildbandes zu den Frühjahrsoffensiven der Alliierten 1917 anführt, hatte er zwei Hoffnungsträger: Die USA und die Tanks933.

6.5.1 Französische Perspektiven und Reaktionen.

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Ganz generell kann man als Bewertung des ersten Kampfeinsatzes französischer Tanks festhalten, daß die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen denjenigen gleichen, die für den ersten britischen Einsatz an der Somme formuliert worden sind934. Dies verweist deutlich darauf, daß der Zeitpunkt des Einsatzes, der auf französischer Seite 1916 mit dem den Briten gegenüber geäußerten Wunsch, auf eine größere Zahl Tanks zu warten, verbunden gewesen war, um einen konzentrierten, überraschenden britisch-französischen Schlag auszuführen, keine weitreichende Bedeutung hatte935. Viel eher ist Fuller beizupflichten, der davon sprach, daß manche Erfahrungen nur im Gefecht gewonnen werden können, um daraus praktische Erfahrungen zu sammeln und Lehren für die Zukunft zu formulieren936. Beachtenswert ist dabei, das der Preis für diese Erfahrungen im Fall der französischen Armee 1917 in jeder Hinsicht wesentlich höher war als derjenige, den die Briten an der Somme und bei Arras zu zahlen hatten. An personellen Verlusten der Artillerie d’Assaut waren 33 Offiziere und 147 Unteroffiziere und Mannschaften, 25% der eingesetzten Soldaten, zu beklagen937. Diese Quote ist angesichts der Zahl der verlorenen Fahrzeuge noch gering zu nennen. Die Zahl der abgeschossenen Tanks belief sich auf wenigstens 57938, wobei diesen noch eine beträchtliche Anzahl technikbedingter Ausfälle an die Seite zu stellen ist. Lediglich 11 Tanks kamen mehr oder weniger unbeschädigt zurück zu den Ausgangsstellungen939. Damit manifestierten sich in Relation zur Zahl eingesetzter Fahrzeuge schwere materielle Verluste (ca. 50%940), die sich in den späteren Worten eines Historiographen als „a holocaust of tanks“ darstellten941.

Eine der Lehren aus dem ersten Tankeinsatz, wie sie beispielsweise vom V.CA, dem die Gruppe Chaubès unterstellt gewesen war, am 24.April formuliert wurden942, betraf das Gefechtsfahrzeug CA-1. Es hatte sich vor dem Hintergrund der zahlreichen Ausfälle943 ohne Feindeinwirkung herausgestellt, daß die Fahrzeuge eine Vielzahl von Unzulänglichkeiten besaßen, wobei die geringe Geländegängigkeit des Tanks besondere Auswirkungen auf die planungstechnischen Fragen und taktischen Möglichkeiten hatte. Trichter und Gräben, die wegen aufgeweichten Bodens oder ihrer Breite nicht oder nur schwer zu überwinden gewesen waren, stellten Hindernisse dar, die jegliche Option für ein erfolgreiches Eingreifen nach einem operativ, für alle Waffengattungen festgelegten Zeitplan über den Haufen werfen konnten. Genau dies lag bei beiden am 16.April eingesetzten Einsatzgruppen vor. Der Gruppe Chaubès –oder zumindest Teilen derselben- gelang es nicht, sich dem deutschen Artilleriefeuer zu entziehen, als man vom ersten deutschen Graben aufgehalten wurde944. Bei der Gruppe Bossut waren es die Zerstörungen auf dem Gefechtsfeld in Form unzähliger Granattrichter, die den Zeitpunkt des Eingreifens bei Juvincourt-Guignicourt nach hinten hinausschoben945- offensichtlich so weit, daß der Infanterie beim Eintreffen der Tanks bereits jeglicher Angriffsschwung abhanden gekommen war946. Aufklärung durch Tanks und Besatzungsmitglieder, um das Gelände zu erkunden, sowie die Notwendigkeit, durch vorherige Arbeiten Übergangswege für die größeren deutschen Gräben zu schaffen, wurden als Lehren für die Zukunft festgehalten947. Letzteres konnte den Erfahrungen gemäß unter Feuer nur schwerlich durch (ungeschützte) Infanterie geschehen. Denn wie man bei Chaubès’ Gruppe gesehen hatte, verhinderten Maschinengewehrfeuer und Artilleriebeschuß Arbeiten vor Ort948. Die Umsetzung einer richtungweisenden Idee von 1916, nämlich Begleitinfanterie mit einem eigenen Fahrzeug auszurüsten, was durch die Zuweisung von Jägerkompanien auch praktisch angegangen worden war, wurde nach den ersten Gefechtserfahrungen erstaunlicherweise nicht mehr ins Auge gefaßt949. Tatsächlich scheint es so gewesen zu sein, daß die in der Kooperation mit Tanks eingeübten Jäger vor dem 16.April gegen unerfahrene Einheiten ausgewechselt worden waren, welche keinerlei Bedeutung für den Einsatz hatten950.

Als nachteilig hatte sich auch die geringe Geschwindigkeit der Fahrzeuge und, als Hauptmerkmal der Gefechte, ihre Anfälligkeit gegenüber Artilleriebeschuß erwiesen. Die dünne, aber mit den britischen Tanks der Zeit vergleichbare Panzerung trug das Ihrige dazu bei, besonders aber die Zusatzbehälter für Betriebsstoff waren der Grund für die so zahlreich beobachtete und für den Einsatz des CA-1 in der Schlacht so charakteristische Brandwirkung:

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„Je verrai toujours –vision d’horreur inoubliable- les hommes enflammés quittant les chars et courant, torches vivantes, dans la plaine!“951

Sie stellte sich auch dann ein, wenn kein direkter Artillerietreffer Ursache sein konnte, sondern zeigte ihre für die Besatzung so grauenvollen Konsequenzen schon, wenn Granaten in der Nähe der Fahrzeuge einschlugen952. Das Verbrennen bei lebendigem Leib gehörte in außerordentlichem Maß zum ersten Tankeinsatz der französischen Streitkräfte, und es sollte, als nur selten so prägnant überliefertes, allgemeingültiges Schicksal von Besatzungen gepanzerter Fahrzeuge in der Ära der Benzinmotoren, auch weiterhin Kennzeichen von Panzereinsätzen bleiben und nicht vergessen werden- auch dann, wenn davon weder in der Fach-, noch der sonstigen Literatur die Rede sein sollte.

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Der CA-1 wurde angesichts seiner vielseitigen Mängel zum Objekt diverser Verbesserungen, wenngleich unstrittig war, daß einige unabänderbare Konstruktionsmängel vorlagen953. Stärkerer Panzerschutz, die Verlagerung des Betriebsstoffbehälters in die wesentlich sicherere Bugsektion und bessere Beobachtungsmittel wurden jedoch vorgesehen.

Was die fahrzeugbezogenen Mängel multiplizieren mußte, war die Anlage der Schlacht, die, wiederum in Übereinstimmung zu britischen Dispositionen bis zu diesem Zeitpunkt, den Tanks eine nur assistierende Rolle in den ersten Kämpfen, zugleich aber illusionär weitgesteckte Ziele zuordnete. Daß die Franzosen mit einer sehr viel größeren Anzahl Tanks antraten, wurde durch diese wenigstens in der ersten Schlachtphase untergeordnete Funktion relativiert, besonders aber durch die Fehler im Gesamtplan schließlich gänzlich neutralisiert. Grundsätzlich unterschied sich die Planung der Aisne- und Champagneschlacht nur insofern von den vorherigen Offensiven, als mehr Material und mehr Truppen bei längerer Vorbereitungszeit durch massiert aufgefahrene Artillerie, alles versammelt auf engstem Raum, angreifen sollten. Wie man auf dramatische Weise gesehen hatte, war dies nicht das Mittel, um einen irgendwie gearteten Überraschungsfaktor wahren zu können, der durch deutsche Luftüberlegenheit und besondere Aufklärungserfolge nochmals eingeschränkt wurde, nicht das Mittel, um dem Feind die Gelegenheit für umfangreiche Abwehrmaßnahmen zu nehmen, nicht die Chance auf einen Durchbruch über die erschöpfte eigene Infanterie hinweg und nicht einmal das Rezept, um überhaupt in die Tiefe der feindlichen Stellungen wirken zu können. Das alles dokumentierte sich besonders in der später getroffenen Aussage, daß der 16.April in erster Linie „der Tag der Maschinengewehre“ („La journée des mitrailleuses“954) gewesen sei. Eine Bezeichnung, die deutlich auf Übereinstimmungen zwischen dem traumatischen 1.Juli 1916 an der Somme und dem 16.April an der Aisne sowie dieselben Schwierigkeiten und Fehler bei beiden Unternehmungen verweist. In diesem Sinne lag das Ergebnis der Schlacht in der Bestätigung der Lehren aus den letzten Kriegsjahren, wie Kuhl es später formulierte955. Waren die Maschinengewehre für die vorstoßende Infanterie verhängnisvoll, dann muß die bei Angriffsbeginn noch vorhandene artilleristische Feuerkraft der deutschen Verteidiger als schicksalhaft für die französischen Tanks gelten, wobei beide Waffen, Maschinengewehre und Artillerie, nur deshalb noch in derart ausreichendem Maß vorhanden sein konnten, weil die britischerseits so bezeichneten und französischerseits über alles bekannte Maß so angewandten „normal tactical methods“956 mit den damaligen infanteristischen und artilleristischen Mitteln –auch oder sogar erst recht bei deren quantitativer Steigerung mit entsprechend längerer Vorbereitungszeit957- nicht den gewünschten Erfolg bringen konnten. Wollte man diese Beobachtung allein für 1916 geltend akzeptieren, so ist anzuführen, daß durch das neue deutsche Abwehrverfahren mit Gliederung in eine Tiefe, welche die Reichweite der feindlichen Artillerie und die Ausdauer der Infanterie an ihre Leistungsgrenzen führte, 1917 ein zusätzlicher Malus auf Seiten des Angreifers hinzukam958.

Hinsichtlich der parallelen Erfahrungen der britischen Seite mit ihren Fahrzeugen sei auf taktischer Ebene noch auf die Mängel bei der Koordination der einzelnen Gruppen und in der Kommunikation zwischen den Fahrzeugen und mit der Infanterie hingewiesen959. Bestätigung findet diese Wahrnehmung bereits dadurch, daß es nach Durchsicht einschlägiger Literatur und der vorhandenen deutschen Quellen kein Bild gemeinsamen Vorrollens der jeweiligen Tankgruppen gegen die deutschen Linien gibt, sondern vielmehr ein Erscheinen und Verschwinden in ganz unterschiedlicher Stärke und über einen längeren Zeitraum hinweg960. Hauptmann Chanoine, der Führer der Abteilung 6 in der Gruppe Bossut, fühlte sich angesichts der Lage auf dem Schlachtfeld am Spätnachmittag des 16.April dazu berufen, über den Kopf seines Vorgesetzten hinweg der 5.Armee Bericht zu erstatten. Hierbei dokumentierte sich die verworrene Situation deutlich dadurch, daß Chanoine zum Schicksal des Nachfolgers Bossuts im Kommando, Forsanz, keinerlei Mitteilung machen und über die Situation der verschiedenen Abteilungen nur so viel sagen konnte, daß er zahlreiche Fahrzeuge habe brennen sehen961. Eine Verständigung zumindest zwischen den Abteilungsführern lag dieser Meldung zufolge nicht vor962. Immerhin, und dies unterscheidet den ersten französischen vom ersten britischen Tankeinsatz, liegen keinerlei Berichte über „kopfloses“ Agieren auf dem Gefechtsfeld vor, bei dem die Tanks Angriffsrichtung und Angriffsziele aus den Augen verloren hatten, oder gar eigene Truppen beschossen wurden963. Die Ausbildungszeit war für die Franzosen deutlich länger gewesen, und es scheint durchaus so, als hätten die Besatzungen auch ohne direkte Kommunikationsmöglichkeiten auf dem Gefechtsfeld sehr genau gewußt, was wie zu tun sei- etwa der Angriff auf Batteriestellungen von rückwärts964. Was die generelle Wirkung der Tanks auf dem Schlachtfeld angeht, kann kaum fraglich sein, daß von ihnen keine besondere moralische Wirkung auf die übrigen Truppen, vor allem die französische Infanterie ausging- und wenn doch, dann sicherlich keine positive. Noch im Zusammenhang mit dem ersten, als solchen später honorierten, erfolgreichen Einsatz der Tanks bei Malmaison im Oktober des Jahres 1917965 findet man folgende Aussage aus den Reihen der Infanterie über ihren Wert:

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„L’Invention n’est pas mauvaise, mais ça manque de perfectionnement et ce n’est pas assez solide, il ne faut pas compter là-dessus.“966

Die Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Infanterie und allen anderen Waffengattungen wurde als Erfahrung aus dem Einsatz mitgenommen und Programm für die Zukunft967.

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Diese Zukunft lag vor allem in den Händen des neuen Oberkommandierenden Pétain, der sich, in ganz allgemeiner und offensichtlicher Parallelität zu seinem Konterpart Ludendorff, mit dringlicheren und sehr viel allgemeineren Problemkomplexen auseinanderzusetzen hatte als dem mehr oder weniger geklärten Spezialfall der Tanks. Wie es für Ludendorff das Gewinnen von Zeit durch „Durchhalten“ mit neuem Abwehrverfahren, unter Steigerung der Rüstungsproduktion, Aufrechterhaltung der Disziplin, „Manneszucht“ und Kriegsbereitschaft an der Front und in der Heimat war, um die Aussicht auf eine entscheidende Angriffsoperation zu schaffen, so stand Pétain dem Problem der Rekonstitution der Offensivkraft seiner Armeen, denselben Problemen von Disziplin und Durchhaltevermögen und der Hoffnung auf das Überstehen einer schweren Zeit in der Defensive bis zur Möglichkeit eines kriegsentscheidenden Schlages gegenüber. In der ersten Phase, derjenigen der Wiederherstellung der Armee, die am 5.Mai auf der Pariser Konferenz mit der Aufgabe der Offensivpläne Nivelles und der britisch-französischen Verständigung über die Umsetzung einer Ermattungsstrategie mit einer Kette von kleinen, lokal und zeitlich begrenzten Angriffen militärstrategisch eingeleitet wurde968, konnte den französischen Tanks eine wichtige Rolle zukommen. Wie am 5.Mai bei Laffaux gezeigt wurde, hatten die vorhandenen Fahrzeuge trotz ihrer vielseitigen Mängel einen gewissen, den britischen Erfahrungen entsprechenden Offensiv- und Gefechtswert. Dieser bestand unter den Prämissen, daß sie mit klar definierten und nicht zu weit gesteckten Zielen als Infanterieunterstützung969 überraschend auf einem Gelände eingesetzt wurden, das sie nicht von vornherein vor kaum lösbare Probleme stellte. Zudem, und das muß auffallen, war die artillerie d’assaut von den Unruhen in der Armee scheinbar nur wenig betroffen und ging bei Laffaux, zusammen mit Kolonialtruppen und Kavallerie, ins Gefecht, was ihren Wert situationsbedingt erhöhen mußte970. Und tatsächlich gibt es bemerkenswerte Hinweise darauf, daß die Besatzungen, die Überlebenden wie die gefechtsunerfahrenen Neulinge, darauf brannten, ihren und ihrer Fahrzeuge Wert unter Beweis zu stellen971. Aus der Tragödie des ersten Tankeinsatzes wurde anhand einer von Nivelle und Estienne geförderten Verklärung, die auf Basis eines Stereotyps der Fahrzeugbesatzungen als „Elite“ auf fruchtbaren Boden fallen konnte, ein Heldenlied mit dem heroischen Protagonisten Bossut972.

Für die Vorbereitung des militärischen Sieges nach dem Ausräumen der Krise wurde der Ausbau der artillerie d’assaut zu einem fest in die Armee integrierten und den verschiedenen Führungsebenen in allen Belangen auch bekannten Kriegsmittel vorgesehen. Daß ausreichende Kenntnisse über technische und taktische Fähigkeiten der Fahrzeuge sowie praktische Erfahrungen mit Einsatzverfahren und –grundlagen auf den verschiedenen Führungsebenen und bei den Truppenteilen der verschiedenen Waffengattungen von ausschlaggebender Bedeutung für den beabsichtigten Masseneinsatz sein mußten, war als Lehre aus der Schlacht gezogen worden973. Um dies zu erreichen, sollte jeder Heeresgruppe je eine Abteilung CA-1 und St.Chamond überwiesen werden, die zusammen mit dem aufzubauenden „centre destiné“ den Erwerb und die Vermittlung von Wissen und Erfahrungen gewährleisten sollten974. Einen Silberstreif am fahrzeugtechnischen Horizont sahen Estienne und Pétain im Ergebnis einer privaten Initiative. Renault konnte noch im April 1917 den ersten Prototyp eines leichten Tank vorstellen975, dessen Konstruktion einer 1916 formulierten Forderung Estiennes nach agilen leichten976 und schwergepanzerten schweren Fahrzeugen gefolgt war. Wenngleich die beiden vorhandenen Gefechtsfahrzeuge ihre Mängel hatten, konnten sie beide als Begleitwaffen der Infanterie weiter fungieren, während die Rolle der CA-1, zum Stoß über die genommenen Stellungen des Feindes hinaus, vom neuen leichten und verhältnismäßig schnellen Modell FT-17 eingenommen werden sollte. Bei nur 6,7t Gewicht und einer am erstmalig bei einem Tank vorhandenen Drehturm bis zu 22mm starken Panzerung konnten mit einem 39 PS-Motor 8km/h erreicht werden. Die Fahrzeuge waren für zwei Mann Besatzung vorgesehen, hatten als Bewaffnung alternativ ein Maschinengewehr oder eine 3,7cm Kanonen und einen Fahrbereich vom 60km977.

Mit der Verfügbarkeit dieses 1917 in 3.500 Exemplaren978 bestellten Typs konnte für Ende des ersten Halbjahres 1918 gerechnet werden979. Inwieweit in der folgenden Zeit von der Umsetzung dieser Vorstellungen wieder abgegangen wurde, wird später dargelegt werden müssen980, doch festzuhalten bleibt als Kern der französischen Erfahrungen aus der Aisne- und Champagneschlacht, daß der Krieg auf eine andere als die bekannte und zuletzt praktizierte Art fortgesetzt werden müsse.

6.5.2 Deutsche Perspektiven und Reaktionen.

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Für Ludendorff schwand die Bedeutung der noch laufenden Kämpfe an der Aisne und in der Champagne offensichtlich besonders deshalb, weil aus den von ihm verfolgten Einbrüchen in die deutschen Linien, worunter derjenige mit Tanks bei Juvincourt speziell genannt wurde981, keine strategische Krise entstanden war. Parallele Unternehmen der Gegner, etwa an der Ostfront, blieben aus und, das wird man ergänzen können, bei Arras war das alte, taktische Patt bereits wieder hergestellt. Die Grundlagen für den Erfolg auf dem Schlachtfeld lagen seiner Meinung nach begründet in den trefflichen Dispositionen der Heeresgruppe Kronprinz und im neuen Abwehrverfahren, das er unter dem Aspekt der überlegenen Ausbildung, welche auch die „Haltung“ der Truppe als Objekt der Anstrengung auf diesem Gebiet einbezog, subsumierte982. Diese Sicht der Dinge gab die OHL in einer Bewertung der Situation und der Erfolgsgrundlagen vom 29.April 1917 an die untergeordneten Dienststellen weiter und ergänzte das Lob um eine knappe Beschreibung des Bildes zukünftiger Kämpfe. Die Gräben seien nur noch als Scheinstellungen aufzufassen und tiefe Unterstände ganz aufzugeben, während sich die Infanterie tief gegliedert und die Maschinengewehre „schachbrettförmig“ auf dem durch Artilleriefeuer verwüsteten Schlachtfeld zur Abwehr einrichten sollten. Wellen angreifender feindlicher Infanterie und Tanks würden zwar in diese Verteidigungszone eindringen, letztendlich aber an Gegenwehr, Gegenstößen und Gegenangriffen scheitern983. Damit traf die OHL den Tenor, der die zuvor niedergelegten Erfahrungen der Heeresgruppen, die im Austausch untereinander und mit ihren jeweiligen Armeen und Gruppen standen, bereits bestimmt hatte. In ihren Berichten waren Aspekte des elastischen Abwehrverfahrens Kern der Mitteilungen und Anweisungen, wie für die Heeresgruppe Rupprecht und die Kämpfe bei Arras im vorherigen Kapitel bereits festgestellt worden ist984. Die Heeresgruppe Kronprinz veröffentlichte am 25.April ihren Bericht zu den Kämpfen985 und legte darin -sowie in ihrem Kommentar zu den Erfahrungen der Heeresgruppe Rupprecht zwei Tage später986- deutlich dar, daß verschiedene, teilweise auch mißverständliche Anordnungen geklärt und modifiziert werden müßten, um das Abwehrverfahren zu effektivieren und seine weitere, erfolgreiche Anwendung zu garantieren. Beachtung fanden hierbei, neben anderen Aspekten wie etwa der unbedingten Gewährleistung funktionierender Kommunikationsmöglichkeiten, die Ausgangbedingungen, wobei als grundsätzliche Annahme festgehalten wurde, daß vier bis fünf Kilometer Frontbreite für eine voll kampfkräftige Division mit ausreichender Artillerie und bereitgestellten Eingreifverbänden dahinter zu halten seien987. Damit stellte man anheim, die Breitenausdehnung der Divisionsabschnitte deutlich über das Maß hinaus erweitern zu können, das in der geltenden Vorschrift zur „Abwehrschlacht im Stellungskriege“ mit etwa zwei bis etwas über drei Kilometer angegeben worden war988. Ganz offensichtlich beflügelten die bisherigen Erfolge das Zutrauen der Führung in die Defensivfähigkeiten der Truppen. Wesentlicher noch, als es diese sicherlich immer auch gelände- und stellungsabhängige Maxime sein konnte, war die Formulierung, daß neue „Angriffsweise und bewegliche Führung der Verteidigung“, die sich „voll bewährt“ hätten, nicht den Grundsatz einschränken dürften, „daß der Kampf um die erste Stellung geführt wird“989. Hiermit wurde als Appell gegen eine möglicherweise bereits damals attestierbare, vielleicht aber auch nur vorausgesehene, anderweitige Auslegung der neuen Anweisungen durch die Truppen unter dem Eindruck eines überlegenen Feindes und weit ab von den Führungsstäben darauf verwiesen, daß es ein vorzeitiges Aufgeben vorderer Stellungsteile definitiv nicht geben dürfe. Die Faktoren, welche diesen mit der Kampfbereitschaft der vorne stehenden Truppen und ihrem Vertrauen auf Entlastung durch Reserven verbundenen Punkt aus Sicht der höheren Führung beeinflussen können mußten, waren die bereits durch die Heeresgruppe Rupprecht geforderte Leistungskontrolle der Frontverbände durch tägliche Prüfung ihres Kampfwertes990 sowie die Ausarbeitung und das Einüben zuvor festgelegter Abwehr-, Ausweich- und Eingreifpläne durch Stäbe und Truppenteile der einzelnen Waffengattungen991. Es läßt sich aus diesen Plänen ein besonderes Maß an Aufmerksamkeit gegenüber der Kampfbereitschaft der Truppe ablesen, wobei die große Zahl an Gefangenen, die am 16.April 10.000 überschritt992, wahrscheinlich besonders ins Gewicht fiel. Nicht umsonst und trotz des auf „unvergleichlichen Heldenmut“993 basierenden Gesamterfolges appellierte die Heeresgruppe an ihre Soldaten, daß sich abgeschnittene Truppenteile halten müßten, bis Unterstützung käme. Andernfalls sei das Durchschlagen nach rückwärts „mit dem Bajonett“ angebracht994.

Auffällig ist bei den Schriften der Heeresgruppe Kronprinz, daß Aspekte, welche nicht die eigenen erfolgreichen Dispositionen betrafen, kaum Eingang in sie fanden, wenngleich sie von untergeordneten Stäben deutlich hervorgehoben wurden. Besonders wichtig für die Bewertung des Erfolges hätte hierbei der Umstand sein müssen, daß zahlreiche Fehler des Feindes bei der Planung der Schlacht vorgelegen hatten, durch welche die Abwehr erheblich einfacher geworden war. Die BED sprach dementsprechend ganz unverblümt davon, daß die Wahl des Angriffsgeländes, ein allzu strenger Zeitplan und die geringe Artilleriewirkung sehr nachteilige Folgen für den französischen Angriff gehabt hatten995. Wie sich die Aussicht auf zukünftige Abwehrerfolge ohne diese Faktoren oder gar mit besonderen Vorteilen für den Feind gestalten würde, wurde in den zur weiteren Verbreitung996 gedachten Schriften der Heeresgruppe nicht thematisiert. Auch zur Tankabwehr fehlen besondere Hinweise, wenngleich man durchaus damit hätte rechnen können, daß ein besonderer Umgang mit dem Phänomen des umfassenden Erfolges gegen die erstmalig aufgetretenen französischen Tanks von Seiten der Heeresgruppe Kronprinz baldigst vorgelegen hätte997.

Mit Einschränkung eines möglichen Quellenverlustes liegen nur an zwei Stellen direkte Bezugspunkte zum Themenkomplex Tank und Tankabwehr vor998. Im Schreiben vom 25.April wurde ausdrücklich auf die Bedeutung der Tiefenstaffelung der Artilleriebeobachtung hingewiesen999, und im Kommentar zum Erfahrungsbericht der Heeresgruppe Rupprecht sprach man sich für genaue Regelung der artilleristischen Tankabwehr vor Beginn der Kämpfe aus, die durch den Batterien zugewiesene Zielstreifen für Tankabwehr gewährleistet sein sollte. Daß man den Batterien und Führern vor Ort völlig freie Hand lassen könne, wie es die Heeresgruppe Rupprecht am 21.April geschrieben hatte1000, wurde verneint, da sich die bisherige Regelung bewährt habe. Diese Auffassung ist angesichts der vorhandenen Schilderungen aus der Schlacht nur schwer nachzuvollziehen, denn viel eher scheint das unkoordinierte Feuer aller (noch) vorhandenen Geschütze erfolgreich dem Grundsatz der Primärbekämpfung von Kampfwagen in Reichweite gefolgt zu sein. Daß der Wunsch nach Feuerleitung bei der Tankbekämpfung und ganz allgemeiner „Ordnung“ der Verbände und Aufgaben einer Grundlinie des Führungsdenkens folgte, braucht sicherlich nicht hervorgehoben werden, ganz gleich, ob sich entsprechende Anordnungen im Gefecht tatsächlich würden aufrecht erhalten und umsetzen lassen1001. Zudem muß dem Oberkommando der Heeresgruppe Kronprinz zugebilligt werden, daß es sich auf Meldungen und Analysen untergeordneter Dienststellen stützen mußte, die mit Zeitverzögerung eintrafen und als augenblicklich ausreichende und umfassende Auswertungen gelten konnten.

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Der Erfahrungsbericht des AOK 1, dem derjenige der Gruppe Sissonne beilag, kam am 28.April 1917 zur Verteilung1002. Der erste Punkt, den das AOK 1 als Kommentar zu den Ausführungen der Gruppe Sissonne im Zeichen des völligen Scheiterns der französischen Tankangriffe ansprach, betraf die Zuweisung von Zielstreifen, „Tankräumen“, an Batterien der Stellungsartillerie. Diese sollten durch besondere „Tank-Beobachter“, eine neue Bezeichnung, die hier erstmals erscheint, vom möglichen Versagen der Kommunikationsverbindungen in der Schlacht unabhängig gemacht werden und gegen jeden auftretenden Panzerfeind selbständig wirken können. Die Umsetzung dieser Forderung, wurde den zuständigen Artillerie-Kommandeuren überlassen, wobei es sich den Vorstellungen des AOK nach um Batterien handelte, die aus ihrem Befehlsbereich heraus speziell zur Tankabwehr abgestellt werden sollten, definitiv nicht um originäre Nahkampfbatterien1003. Dies dokumentiert zum einen die große Bedeutung, die der Wirkung von Tankangriffen trotz des Sieges an der Aisne beigemessen wurde, zum anderen die geringe Wirkung der Nahkampf- und Sondergeschütze. Diese waren, samt der ihnen in zu großer Zahl zugewiesenen Munition, vielfach in die Hand des Feindes gefallen oder ohne nachweisbaren Beitrag zum Gefechtsverlauf durch feindliche Artillerie zerstört worden1004. Betrachtet man die entsprechenden Passagen als Negativ der Ereignisse, dann kommt für die Nahkampfgeschütze eine ziemlich eindrucksvolle Sammlung an Gründen für ihren Mißerfolg auf dem Gefechtsfeld zusammen. Ihr Einsatz zu nah am Feind, zu nah an bereits vom Feind ausgemachten Befehlsstellen und anderen festen Punkten auch im rückwärtigen Bereich hatte Auswirkungen gehabt. Hinzu kam eine augenscheinlich inadäquate Tarnung der Geschützstände und, dies sollte sich unter Prämisse katastrophaler Einsatzbedingungen durchaus mit den späteren Berichten der betroffenen Batteriechefs und -führer decken1005, die Beobachtung, daß die Bedienungen der einzeln im Gelände aufgestellten Geschütze den taktischen und psychischen Anforderungen ohne Beaufsichtigung und Kontrolle durch Vorgesetzte nicht gewachsen gewesen waren1006. Als Abhilfe für die Ausfälle von Nahkampfgeschützen und als Sicherung des rückwärtigen Stellungsbereiches gegen Infanterie- und Tankeinbrüche wurde die Einbeziehung von Batterien der Eingreifdivisionen hinter den Stellungstruppenteilen sowie das Ausscheiden von bespannten Feldartillerie-Zügen oder –geschützen vorgeschlagen1007. Letzteres war ein Lösungsansatz, der als Idee bereits aus den Kämpfen bei Arras mitgenommen wurde und einen schwerwiegenden Nachteil hatte. Immerhin bedeutete dies, daß die Anzahl Geschütze, die den Stellungsdivisionen ursprünglich für artilleristische Primäraufgaben wie Sperr- und Zerstörungsfeuer zur Verfügung standen, zugunsten einer sehr begrenzten Aufgabe deutlich herabgesetzt werden würde. Die Frage nach Vor- und Nachteilen der Übernahme von Spezialaufgaben durch die Feldartillerie sollte Anfang Mai eine Antwort durch die OHL finden, die für die Nahkampfbatterien endgültigen Charakter hatte1008.

Maßgebliche Bedeutung für die Einschätzung der französischen Tanks hatte der Umstand, daß man zur Untersuchung zerschossener Fahrzeuge gekommen war, technische Details, Informationen zu Panzerung und Bewaffnung sowie Informationen zur Trefferwirkung schnell erfahren hatte1009. Den Gesamteindruck des Gefechtsverlaufs konnten diese Beobachtungen nur stärken, wenn ein gebräuchliches Feldkanonengeschoß selbst die doppelt gepanzerte Bugsektion eines Tanks durchschlagen konnte: Jede Art von Geschütz und jede Feuerart, direkt oder indirekt, als Salve mehrerer Geschütze oder Einzelfeuer, war mit der üblichen Munition wirkungsvoll gewesen1010. Besonders auch die schwere Artillerie, von der unter der Prämisse ihrer besonderen Rolle bei der Fernbekämpfung bisher kaum die Sprache gewesen ist, hatte augenscheinlich Anteil am Erfolg. Das Beispiel des Regiments „L“ bei der Bayerischen Ersatz-Division belegte dies unter Bezugnahme auf lediglich vier Volltreffer, aber einer großen Zahl durch Nahtreffer der Haubitzen und Fußartillerie-Kanonen kampfunfähig geschossener Tanks1011, und die Gruppe Sissonne sprach von einem nahezu unglaublichen Fall, bei dem die Salve einer Batterie schwerer Feldhaubitzen auf eine Fahrzeugabteilung vier Kampfwagen außer Gefecht gesetzt haben soll1012. Die BED ging nach dem Hinweis ihres Artillerie-Kommandeurs, der den feindlichen Tanks gerade einmal so viel Platz in seinem Bericht einräumte, um von ihrer vollständigen Vernichtung zu sprechen1013, schnell dazu über, ein umfassendes und überaus knapp formuliertes Resümee zu ziehen:

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„Feindliche Tanks sind sehr leicht zu erkennen. Unbeholfen und schwerfällig. Es darf ihnen kein zu großer Wert beigemessen werden.“1014

Von den höheren Stäben nicht in dieser klaren Form als Fazit in Verlautbarungen aufgenommen, deckten sich hierin die Sichtweisen von Divisionen aus der Arras- und der Aisneschlacht, die gegen Tanks erfolgreich gekämpft hatten1015. Aufgrund dieser Berichte mußten Gruppen, Armeen und Heeresgruppen ihre Urteile fällen und die OHL über weiteres Vorgehen und die zukünftigen Rahmenbedingungen für die Tankabwehr entscheiden. Bei der Klarheit der vorliegenden Ergebnisse hinsichtlich französischer Tanks und des an Hauptkampfabschnitten zahlreich vorhandenen Geschützmaterials1016 kann also kaum verwundern, daß man deutscherseits zu einem positiven Urteil hinsichtlich der bisherigen eigenen Dispositionen kam. Was an dieser Stelle und auch ganz unabhängig von der Frage nach eigenem Tankbau, diversen anderen Versäumnissen oder der Unfähigkeit, sich die weitere Evolution von Tanks vorstellen zu können, generell fragwürdig erscheint, ist die geringe Berücksichtigung der speziellen Verhältnisse, unter denen an der Aisne und in der Champagne ein Abwehrerfolg hatte errungen werden können. Eine sträflich lange Vorwarnzeit, Luftüberlegenheit im entscheidenden Moment und erfolgreiche Erdaufklärung hatten Vorteile gebracht, die in dieser Form kaum dauerhaft hätten erwartet werden können. Zudem waren die eigenen Verluste, die Ausfälle an kriegserfahrenen –und man bedenke, auch an tankabwehrerfahrenen- Soldaten, nicht so unbeträchtlich, als daß man sie auf Dauer würde ignorieren können. Wie stark in den deutschen Streitkräften die Vorstellung der überlegenen eigenen Qualitäten gegenüber feindlichen Quantitäten und damit das Unverständnis für die wenigstens langfristig wirksame alliierte Ermattungsstrategie verankert war, ist nicht zuletzt noch darin zu ersehen, daß die deutsche amtliche Geschichtsschreibung von 1939 sechsstellige Personalverluste in dieser Schlacht als „Zahlen geringer Bedeutung“ beurteilte1017, da sie im Großkampf immer zu erwarten und angesichts des Erfolges verschmerzbar gewesen seien.


Fußnoten und Endnoten

760  Siehe Pierrefeu, Jean de: L’Offensive Du 16 Avril. La Vérité sur l’affaire Nivelle, Paris 1919, S. 14ff.

761  Siehe Strachan: The First World War, S. 237f., und Rocquerol, J.: Le Chemin Des Dames 1917, Paris 1934, S. 86f.

762  Siehe Buffetaut, Yves: The 1917 Spring Offensives. Arras, Vimy, le Chemin des Dames, Paris 1997, S. 102. Namentlich Foch und de Castelnau wurden vorab ihrer Kommandos enthoben.

763  Ausschlaggebend war die Erkenntnis Michelers, daß sich seit den ersten Planungen die Feindlage zusehends änderte und damit die auf positivistischen Annahmen beruhenden Angriffsdispositionen zwangsweise hätten modifiziert werden müssen. Nachdem Eingaben bei Nivelle erfolglos blieben, wendete er sich mit seinen Bedenken an den Kriegsminister; siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 89, und Pierrefeu: L’Offensive Du 16 Avril, S. 31f. und S. 40.

764  Daß die detaillierte Information von Politikern über die Angriffspläne die Gefahr von Indiskretionen beinhaltete, steht sicher außer Frage. Dennoch ließen sich auf deutscher Seite keine Belege dafür finden, daß über diesem Weg Erkenntnisse gewonnen werden konnten; vergleiche Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 37, und Buffetaut: The 1917 Spring Offensives, S. 116.

765  Siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 92.

766  Siehe Buffetaut: The 1917 Spring Offensives, S. 102, und Courtois, Réne: Le Chemin Des Dames, o.O. 1987, S. 67.

767  Siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 92f.

768  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 619.

769  Siehe RA, Bd. 12, S. 101ff.

770  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 579.

771  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 612f.

772  Siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 36, mit einem Zitat Nivelles: „Nous romprons le front allemand quand nous voudrons à la condition de ne pas nous attaquer au point le plus fort et de faire l’opération par surprise et attaquer brusquée.

773  Abb. nach Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 23, S. 103.

774  Siehe RA, Bd. 12, S. 305f.

775  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 616f. Vergleiche RA, Bd. 12, Beilage 28 b), Anm. 2. Dort sind für die 5., 6. und 10.Armee und zwei Korps der 4.Armee insgesamt 4.798 Geschütze angegeben.

776  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 619ff., und LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1251, 1266, 1315, 1332 und 1345.

777  Ebenda, S. 622.

778  Siehe RA, Bd. 12, S. 307. Davon waren laut Angabe in LAF, Bd. V.1., S. 617, 500 Beobachtungsflugzeuge.

779  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 620f.

780  Siehe ebenda, S. 618.

781  Siehe ebenda, S. 617.

782  Siehe auch Kap. 2. der vorliegenden Arbeit.

783  Siehe Goya, S. 335.

784  Siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 15, und Ogorkiewicz, Richard M.: The French Tank Force, in Fitzsimons (Hg.): Tanks and Weapons of World War I, S. 98.

785  Förster/Paulus: Abriß, S. 16. Ogorkiewicz gibt dazu ferner an, daß die ersten acht CA-1, die bis Ende November 1916 ausgeliefert worden waren, wegen Verzögerung in der Panzerstahlproduktion nur mit minderwertigem Schutz versehen und deshalb lediglich als Trainingsfahrzeuge zu gebrauchen waren; siehe Ogorkiewicz: The French Tank Force, S. 100.

786  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 578.

787  Förster/Paulus: Abriß, S. 16, und Ogorkiewicz: The French Tank Force, S. 101.

788  Informationen zum Fahrzeug und seiner Entwicklungsgeschichte finden sich unter: http://www.chars-francais.net/archives/schneider.htm .

789  Die Angaben zum Gewicht des CA-1 schwanken zwischen 12,5 und 13,5t, was vermutlich auf die verschieden starken, zusätzlich angebrachten Panzerplatten zurückzuführen ist.

790  Siehe KA, HS 3402 : Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 4.

791  Siehe Hellot: Histoire De La Guerre Mondiale, Bd. III : Le Commandement Des Généraux Nivelle Et Pétain 1917, Paris 1936, S. 29.

792  Siehe Ogorkiewicz: The French Tank Force, S. 99.

793  Zum FT-17 siehe Abschn. 6.5.2.

794  Siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 20.

795  Um keinerlei unnötige Verwirrung mit dem verschiedenartig gebrauchten Begriff („Groupement“ als Verband mehrerer „Groupes“) zuzulassen, wird ferner für die „Groupes“ der Terminus „Abteilung“ und für „Groupements“ derjenige der „Gruppen“ gebraucht werden. Die 1918 auftretenden Einheiten mit FT-17 wurden in Bataillonen formiert.

796  Siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 36f.

797  Siehe Pesqueur, Michel: L’évolution du concept français d’emploi chars entre 1917 et 1924. De l’espoir d’une révolution stratégique à un immobilisme tactique unter : http://www.stratisc.org/partenaires/cfhm/rihm/81/RIHM_81_PESQUEUR.html#Note5 .

798  Siehe ebenda.

799  Siehe auch Boucher, J.: L’Arme Blindée Dans La Guerre. Origine, Èvolution De La Stratégie. Opérations Dans La Deuxième Guerre Mondiale, Rôle Futur (Collections De Memoires, Études Et Documents Pour Servir A L’Histoire De La Guerre), Paris 1953, S. 15.

800  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 646.

801  Ursprünglich war für die 6.Armee die Panzergruppe „Lefèvre“ mit zwei Gruppen Schneider und einer Gruppe St.Chamond vorgesehen gewesen; siehe LAF, Bd. V.1., S. 578. Sie nahm an den Gefechten des 16.4.1917 allerdings nicht teil, wofür im frz. amtlichen Werk keinerlei Erklärung geliefert wird. Die Gesamtzahl der am 16.4.1917 eingesetzten Tanks wird von einigen Autoren zuweilen auch mit 132, 121, 124 oder 130 angegeben; siehe bspw. Guttenberg, Erich Frhr. v./Meyer-Gerlach, Georg: Das Königlich Bayerische Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 5, München 1938, S. 124, Roqucerol: Chemin Des Dames, S. 116, oder Loez, André: Le Baptême Du Feu Des Chars D’Assaut Français. Aux Origines De La Défaite De 1940? In Offenstadt, Nicolas (Hg.) : Le Chemin des Dames. De l’événement à la mémoire, o.O. 2004, S. 111.

802  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 578 und S. 617.

803  Siehe ebenda, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1101.

804  Siehe ebenda, Bd. V.1., S. 617 und S. 646.

805  Nach einer unterstützenden Abfrage der Entfernungen und Fahrtzeiten über http:// www.map24.de mit einer zugrundegelegten, optimistischen Marschgeschwindigkeit von 5km/h ergibt sich für das Ziel Corbeny eine reale Distanz von 11,23km, die in 2 Stunden 14 zurückgelegt werden könnte, und für das Ziel Prouvais 19,66km bei einer Fahrtdauer von 3 Stunden 55. Nicht berücksichtigt sind technische Defekte, Feindbeschuß, Schwierigkeiten mit Auswirkungen auf die Geschwindigkeit, die sich etwa aus der Anzahl der Fahrzeuge und beim Überwinden von Engpässen wie Gräben ergeben könnten, sowie die Zeit, die zum Organisieren und Formieren der Tankgruppen direkt vor dem Eingreifen ins Gefecht benötigt wird.

806  Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661. Dort bestätigt für das Spitzenfahrzeug der Kolonne Chaubès.

807  Siehe Buffetaut: The 1917 Spring Offensives, S. 103.

808  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 617.

809  Zitiert nach ebenda, S. 619. Siehe auch Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 122. Keegan, S. 455f., gibt hierzu das Beispiel der Aussage des britischen Verbindungsoffiziers Spears, der über seine Beobachtung am Morgen des 16.4.1917 schrieb: „Eine fast freudige Erregung, eine geradezu optimistische Erwartung überkam die Truppen. Rings um mich sah ich grinsende Gesichter von Männern, deren Augen leuchteten. Als sie meine Uniform sahen, kamen einige Soldaten erwartungsvoll auf mich zu. `Die Deutschen werden uns nicht standhalten..., ebenso wenig wie euch bei Arras. Sie liefen regelrecht davon, nicht wahr?´ Die Wirkung der fröhlichen Stimmen wurde erhöht durch die Lichtreflexe auf Tausenden von blauen Stahlhelmen.“

810  Angesichts der angenommenen Kräfteüberschüsse der Franzosen war schon seit Jahresbeginn kein Zweifel über eine kommende Frühjahrsoffensive vorhanden; siehe RA, Bd. 12, S. 79, Hoeppner, v.: Deutschlands Krieg in der Luft, Leipzig 1921, S. 106, und Haehnelt: In den Abwehrschlachten 1917, in Neumann, Paul G. (Hg.): Die deutschen Luftstreitkräfte im Weltkriege, Berlin 1920, S. 478.

811  Siehe ebenda.

812  Siehe ebenda, S. 280. Die Beute des 15.2.1917 soll nach anderen Angaben aus genauen Plänen für die Offensive bestanden haben, die aus dem Unterstand des Neffen Nivelles, eines Hauptmanns, geborgen werden konnten; siehe etwa Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 110, Goes, Gustav: Chemin des Dames, Hamburg 1938, S. 96 und, in abgeschwächter Form, Ettighofer, Paul C.: Eine Armee meutert. Schicksalstage Frankreichs, Gütersloh 1937, S. 52ff. und S. 91ff. Dieser Behauptung ist insofern zu widersprechen, als daß die französischen Dokumente zwar detailliert die Veränderung der Angriffsweise mit Massenangriffen, Tankunterstützung, massivster Artillerievorbereitung und weitgesteckten Zielen darstellten, über Ort, Zeit und Verbände jedoch keine Information preisgaben. Wie wichtig die gewonnenen Informationen dennoch waren, zeigte sich darin, daß sie im März 1917 von der OHL für eine gedruckte Informationsschrift ausgewertet wurden; siehe Chef des Generalstabes des Feldheeres: Das französische Angriffsverfahren nach den unter dem 16.Dezember 1916 von der O.H.L. herausgegebenen „Anweisungen über Ziel und Vorbedingungen für eine allgemeine Offensive.“ (Nachweis über MGFA, Bibliothek, Signatur Gn 6680.)

813  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 65f.: AOK 2 Abt. Ia. Nr. 700/April. vom 11.4.1917, Ziff. 2.f), und ebenda, Bl. 61f.: AOK 1 Ia/Ib Nr. 2519 vom 7.4.1917, Ziff. 2.). Hier sind im Verteiler auch die AOK 3 und 7 zu finden.

814  Siehe RA, Bd. 12, S. 280f., und Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 87.

815  Siehe RA, Bd. 12, S. 282. Gen. d. Inf. v. Boehn ersetzte Generaloberst v. Schubert am 12.3.1917 als Befehlshaber der 7.Armee. Die Neuordnung der Befehlsverhältnisse war nach RA, Bd. 12, S. 282 am 5.3., laut Kronprinz Wilhelm schon am 1.3. angeordnet worden; siehe Kronprinz Wilhelm: Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf, Berlin 1923, S. 268.

816  Siehe Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 269.

817  Ebenda, S. 271.

818  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 15. Es wäre zu erwarten gewesen, daß dieses besonders eindrucksvoll ausgeführte Element der passiven Tankabwehr zumindest in den der Schlacht folgenden Berichten Erwähnung gefunden hätte.

819  Siehe Boucher: L’Arme Blindée, S. 21. Die Breite der ersten deutschen Gräben wird dort mit 4-5m angegeben.

820  Siehe RA, Bd. 12, S. 288.

821  Siehe ebenda, Beilage 28 b). Da es sich um die Zahl bei Beginn des Infanterieangriffs handelt, ist die ursprüngliche Rohrzahl und damit auch der Geschützverlust während der zehntägigen Beschießung nicht berücksichtigt. Nimmt man die 80% Geschützstärke der Gruppe Sissonne bis zum 10.April 1917 als Anhalt (siehe RA, Bd. 12, S. 295), dann hätte die frühere deutsche Artilleriestärke über 2.900, wahrscheinlich sogar mehr Geschütze betragen.

822  Die Zählung folgt den Einzeichnungen in RA, Bd. 12, Beilage 13. Für die 3.Armee sind lediglich die drei rechten Flügelgruppen, Reims, Prosnes und Py, gezählt. Das AOK 1 (Fritz v. Below und v. Loßberg, dann, in der Champagne, v. Klüber) wurde am 12.4. für die erwartete Champagneschlacht freigestellt, übernahm aber erst am 16.4. mittags den Befehl über die Verbände beiderseits Reims, zwischen 7. und 3.Armee; siehe Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 273f., und RA, Bd. 12, S. 292.

823  Interessanterweise gibt das RA, Bd. 12, S. 291 an, daß die Eingreifdivisionen erst nach den negativen Erfahrungen bei Arras am 12.April freigegeben worden sind, womit man den stetigen Forderungen der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz erst sehr spät entsprach.

824  Siehe Nash: The 251 divisions.

825  Darunter bei der 7.Armee die 183.ID, 16.RD, 19.RD, 5.GID, 5.b.RD, 4.ID und 21.ID, welche nach Nashs Edition der „251 divisions“ wenigstens als hochwertige Gegner (2.Bewertungskategorie und besser) angesehen wurden.

826  Ein Armeebefehl des AOK 7 vom 5.3.1917 lautete: „Die längst angekündigte Frühjahrsoffensive unserer Gegner scheint –beschleunigt durch die Erfolge unserer wackeren U-Boote- nahe bevorzustehen und wird sich mit einem Hauptstoß gegen den seit so vielen Monaten ruhigen Abschnitt der 7.Armee richten. Die Armee ist bereit, den Gegner zu empfangen und ihn heimzuschicken. Ihr wißt, worum es sich handelt und was Ihr zu tun habt. Schaut Euch um! Die Vernichtung von Stadt und Land, Wald und Flur, die Ihr erblickt, droht in noch viel schlimmeren Maße unserem Vaterlande, wenn wir nicht siegen. Wir kämpfen hier an der Aisne für Hof und Herd, Weib und Kind, genau so, als wenn wir die Wacht am Rhein hielten. Wir müssen festhalten, was mit dem Blute so vieler Kameraden erstritten ist [...]. Darum haltet scharfen Ausblick, zumal bei Nacht und Nebel, daß wir nicht überrascht werden. Seid hart wie Stahl im Feuer und so, wie es unser Kaiser erwartet. Gebt feste deutsche Hiebe jedem, der Euch nahe kommt, ob es ein weißer, schwarzer oder brauner Franzose ist. Schlagt zu, bis unser Feind ganz weich wird und um den deutschen Frieden bittet, den er vor wenigen Wochen in hochmütiger Verblendung zurückgewiesen hat. Wer möchte ohne diesen siegreichen Frieden zurückkehren? Was nützte uns das Leben, wenn wir die Sklaven unserer Feinde würden? Nein, das wollen wir nicht! Wir wollen siegen, und wir werden siegen, weil wir siegen müssen!“ Zitiert nach TG IR 79, S. 352f.

827  Siehe RA, Bd. 12, S. 282, Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 265ff., und Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 88.

828  Siehe RA, Bd. 12, S. 283 und S. 287ff.

829  Teile der 50.ID waren noch bis Anfang April 1917 als Übungsdivision zum Kursus für höhere Offiziere in Sedan abkommandiert; siehe Engelmann, Wilhelm (Bearb.): Geschichte des Feldartillerie-Regiments Nr. 99 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 230), Berlin 1927, S. 66f., und Rudorff, Franz v.: Das Füsilier-Regiment General Ludendorff (Niederrheinisches) Nr. 39 im Weltkriege 1914-1918 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 125), Berlin 1925, S. 125f. Sonst kamen für die Ausbildung Aufenthalte auf Truppenübungsplätzen, etwa demjenigen der Gruppe Sissone, oder bei den Quartieren in Frage.

830  Dazu gehörte auch die Ausbildung an Übungswerken, die im Gegenstoß mit Stoßtrupps „genommen“ wurden; siehe etwa TG FR 39, S.125f., oder Demmler, Ernst (u.a.): Das K.B. Reserve-Infanterie-Regiment 12 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bayerische Armee, Bd. 80), München 1934, S. 209f.

831  Siehe TG b.RIR 12, S. 210.

832  Siehe Dieterich, Karl (u.a. Bearb.): Das Niedersächsische Feldartillerie-Regiment Nr. 46 im Kriege 1914-1918, Braunschweig 1934, S. 227, Verschiedene Verfasser: General Oskar Freiherr von Watter, Hamburg o.J., S. 26 [weiterhin zitiert als „Watter“.], Köhn, Herrmann: Erstes Garde Feldartillerie-Regiment und seine reitende Abteilung (Ehrenblätter deutscher Regimenter, Bd. 258), Teil I, Oldenburg 1925, S. 327, und Oertzen, v.: Das 4.Garde-Feldartillerie-Regiment im Weltkriege (Aus Deutschlands großer Zeit, Bd. 64), Zeulenroda 1933, S. 153.

833  Siehe Goes: Chemin des Dames, S. 195f.

834  Da Archivalien fehlen, sind weitere Tankabwehrmittel bei der 7. nicht festzustellen gewesen. Bei der 3.Armee wurde wahrscheinlich ebenfalls auf eine umfangreichere Zuteilung von Sondergeschützen geachtet, wie einem Bericht des Führers der durch 5cm Kanonen i.P.L. ergänzten NKB 241 (bei der 214.ID) zu entnehmen ist; siehe Strobel: Nahkampfbatterie. Die Nahkampfbatterie 241 in den Kämpfen um den Hochberg April 1917 in Benary: Das Ehrenbuch der Feldartillerie, S. 454f. Das AOK 6 verfügte über neun Nahkampfbatterien; siehe Abschn. 5.2. der vorliegenden Arbeit.

835  Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 1.

836  Neben der 5.b.RD, die am 16.4. in Linie vor der ebenso vorher geschulten 50.ID im Abschnitt vor Juvincourt lag, ließen sich auch für die 20.ID, 54.ID, 1.GID, 5.GID und 213.ID besondere Ausbildungsmaßnahmen im Vorfeld der Schlacht ausmachen.

837  Siehe TG FR 39, S. 125 mit dem Hinweis auf hervorragende Erholungsmöglichkeiten während der Ausbildungsphase. Wie die TG b.RIR 12, S. 213 angibt, waren bei ihrer zeitweiligen Verwendung als Stellungsdivision zwar Möglichkeiten für regelmäßige Ablösungen gegeben, gleichzeitig aber wurde der Ausbau der Stellungen mit allen Mitteln gefordert. Die TG FAR 99, S. 73, spricht ebenfalls von Belastungen durch Stellungsbau, besonders aber durch eine zeitweilige Zuteilung zur 9.b.RD, wobei Kampfverluste eintraten, bevor die Batterien wieder der 50.ID unterstellt wurden.

838  Siehe RA, Bd. 12, S. 295, und vergleiche die mysteriöse Darstellung bei Chickering, S. 212: „Viele Granaten, die die Franzosen während der ersten neun Tage über der Champagne abwarfen, fielen hauptsächlich ins Leere, da die Deutschen ohne Wissen der Franzosen das Gebiet zuvor geräumt hatten.“

839  Der Kronprinz schrieb über die Wirkung der französischen Artillerievorbereitung, daß die Verluste durch das Artilleriefeuer stiegen und daß die Nerven der Truppen durch das lange Abwarten „bis zum äußersten gespannt“ waren, während ihre Haltung gut und zuversichtlich gewesen sei; siehe Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 274. Vergleichbare Aussagen finden sich in RA, Bd. 12, S. 293, wo von „zuversichtlicher Stimmung“, aber auch „nicht unerheblichen Verlusten und weitgehender Stellungszerstörungen“ gesprochen wird. Auch als Folge des Feuers mußte die angeschlagene 10.RD der Gruppe Brimont am 15.April von der als Eingreifdivision vorgesehenen 4.ID abgelöst werden. Ebenso waren Ablösungen für Teile der 9.b.RD vorgesehen, die als nicht mehr kampffähig erachtet wurden; siehe BA-MA, RH 61/51741: Manuskript v. Stützner, S. 57.

840  Dieser wurde den Angreifern in den der Schlacht folgenden Berichten zumindest für den ersten Sturmangriff zugebilligt, so etwa durch die BED: „Der erste Ansturm des Feindes war schneidig, der im Graben eingedrungene Feind leistete jedoch unseren sofort vordringenden Stoßtrupps nur geringen Widerstand- die Teilangriffe hatten keine energische Stoßkraft mehr.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/50597: Bayerische Ersatz-Division Ic. Nr. 4437 vom 23.4.1917, Teil B., Ziff. 14.).

841  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 634.

842  Siehe ebenda, S. 635 (II.CC), S. 636 (XX.CA und VI.CA) und S. 637f. (I.CC).

843  Siehe ebenda, S. 638ff.

844  Siehe RA, Bd. 12, Beilage 15.

845  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 640.

846  Siehe ebenda.

847  Siehe ebenda. Daß hiermit der Glaube Nivelles an den Sinn der Fortsetzung der Schlacht bestärkt werden mußte, könnte ein Grund für die Aufnahme dieser Passage in das frz. amtliche Werk gewesen sein. Jedenfalls behauptete Balck in seiner Arbeit über den Stellungskrieg später, Nivelle habe vom neuen Abwehrverfahren seines Gegners gewußt, wobei sich dies für den Nachrichtenoffizier und seine Meldung definitiv nicht sagen läßt; siehe Balck, S. 101.

848  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 643.

849  Siehe ebenda, S. 644.

850  Siehe ebenda, S. 644. Das 403.RI der 151.DI wurde in der Nacht 19 mal angegriffen.

851  Siehe ebenda, S. 644f.

852  Siehe ebenda, S. 645.

853  Siehe RA, Bd. 12, Beilage 16.

854  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 646.

855  Siehe TG b.RFAR 5, S. 113, und Bayerisches Kriegsarchiv: Die Bayern im großen Kriege, S. 376ff.

856  Siehe TG b.RFAR 5, S. 113.

857  Siehe ebenda und TG b.RIR 12, S. 218f.

858  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 646.

859  Siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 133.

860  Siehe TG b.RFAR 5, S. 119, bzw. LAF, Bd. V.1., S. 646. Anzumerken ist angesichts variierender Zeitangaben in deutschen Schilderungen, daß man am 16.4.1917 auf Sommerzeit umstellte; siehe TG b.RFAR 5, S. 113.

861  Einen Überblick über den Einsatz der Tankeinheiten bietet Micheletti, Eric: Berry-Au-Bac 16 avril 1917 à 6h30, la première attaque des chars d’assaut français, in Gazette des Armes Nr. 116, April 1983, S. 37-42.

862  Zitiert nach einem Bericht des Leutnants Ibach in TG b.RFAR 5, S. 119f. Für die Tankabwehrleistung, die insgesamt sieben Abschüsse am 16.4. umfaßte, wurde Ibach mit dem Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Orden ausgezeichnet. Siehe auch Bayerisches Kriegsarchiv: Die Bayern im Großen Kriege, S. 378.

863  Zitiert nach Schönfeldt: Nahtbatterie. Die 4.Batterie des 2.Pommerschen Feldartillerie-Regiments Nr. 17 am Damenweg am 16.April 1917 in Benary: Das Ehrenbuch der Feldartillerie, S. 456f.

864  Siehe Zindler (Hg.): Regimentsgeschichte des Feldartillerieregimentes No. 108, Hamburg 1919, S. 75

865  Siehe Watter, S. 27.

866  Siehe TG FAR 108, S. 75ff. Beide Batterien erhielten im Juli 1917 die ihnen für insgesamt drei Abschüsse zustehende Tankprämie. Der Führer des Zuges der 4. Batterie, Leutnant Apel, wurde für die Tank- und Infanteriebekämpfung mit dem Eisernen Kreuz 1. und die involvierten Bedienungen der beiden Geschütze mit dem Eisernen Kreuz 2.Klasse ausgezeichnet.

867  Siehe TG FR 39, S. 130, TG FAR 99, S. 74, und Müller-Loebnitz, Wilhelm (Bearb.): Das Ehrenbuch der Westfalen. Die Westfalen im Weltkrieg, Stuttgart o.J., S. 394ff. Das FAR 99 nahm neun Abschüsse für sich in Anspruch.

868  Siehe TG b.RFAR 5, S. 122. Die TG spricht lediglich von fünf Fahrzeugen, während der meldende Offizier, Oberleutnant Simm, später angab, daß es 26 waren. Siehe KA, HS 2027: Schilderung über Tankbekämpfung der 4./Res.FAR 5 durch Oblt. d.R. Simm vom 21.4.1927. Anlaß des Berichtes war übrigens die Frage nach der Rolle eines gewissen Gefreiten Reimers, der als ehemaliger Angehöriger der Batterie Simm behauptete, auf sich allein gestellt mehrere Tanks zerstört zu haben.

869  Siehe ebenda.

870  Siehe Bieberstein: Mein schwerster Tag im Jahre 1917. Die I.Abteilung des Feldartillerieregiments Nr. 500 am 16.April 1917 an der Straße Juvincourt-Guignicourt in Benary: Das Ehrenbuch der Feldartillerie, S. 457ff. Bieberstein führte offensichtlich eine aus verschiedenen Batterien unterschiedlicher Truppenteile bestehende Artillerie-Untergruppe.

871  Zitiert nach KA, HS 2027: Schilderung über Tankbekämpfung der 4./Res.FAR 5 durch Oblt. d.R. Simm vom 21.4.1927.

872  Zitiert nach Bieberstein, in Benary: Das Ehrenbuch der Feldartillerie, S. 458.

873  Siehe TG b.RFAR 5, S. 123f, TG b.RIR 12, S. 220f., TG FAR 99, S. 74f., und KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 2. Die Schilderung des Geschehens bei Loez: Le Baptême Du Feu, S. 111f., angefangen beim Zeitpunkt des Eingreifens (nach 8.30h) und endend mit der Behauptung, daß fünf Tanks am Mittag die Erfüllung ihres Gefechtsauftrags in Form der Wegnahme der zweiten deutschen Stellung vor Juvincourt ohne Infanteriebegleitung gelang, entbehrt der Grundlage und widerspricht anderen Aussagen.

874  Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 2.: „Sie [die Tanks] wurden bei den ungünstigen Uebersichtsverhaeltnissen des Abschnitts von rückwaertigen Punkten bei der dichten Rauchlagerung infolge des starken Artillerie-Feuers und der Zerstoerung aller Verbindungsmittel zu vorgeschobenen Beobachtern erst bemerkt, als sie sich der Artillerie-Schutzstellung naeherten.“

875  Rocquerol nannte als Begründung die schlechte Verständigung zwischen Tanks und Infanterie; siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 117.

876  Siehe auch KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 2: „[...] teilweise brachen sie unter Schnellfeuer aus ihren Geschützen und Maschinengewehren durch die Artillerie-Schutzstellung durch: dabei fuhren sie ohne Aufenthalt durch die Drahthindernisse und über die Graeben.“ Siehe auch Bayerisches Kriegsarchiv: Die Bayern im Großen Kriege, S. 378.

877  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 647, und ebenda, Annexes 2, Ann. 1661.

878  Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 2. Diese Zahl umfaßte 29 Fahrzeuge zwischen der früheren ersten deutschen Stellung und der Artillerieschutzstellung sowie drei, die von den Franzosen vom Schlachtfeld geborgen werden konnten. Inwieweit die Abschüsse von Guignicourt und im Anmarsch vernichtete Tanks mitgezählt worden sind, ist unklar. Die Gruppe Sissonne rechnete jedenfalls mit einem Mehr an Abschüssen in unbekannter Größenordnung.

879  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 648.

880  Siehe ebenda, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661.

881  Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 1.

882  Siehe ebenda.

883  Siehe Benary, Albert (Bearb.): Geschichte des Fußartillerie-Regiments General-Feldzeugmeister (Brandenburgisches) Nr. 3 und seiner Kriegsformationen (Deutsche Tat im Weltkriege, Bd. 57), Berlin 1937, S. 204.

884  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Abt. Felda, Berichte April-Aug.’17, Nr. 4: FAR 111 Nr. 116/17 geh. vom 8.6.1917. Es handelt sich hierbei um einen Bericht des Regiments „L“ zur Abwehr des französischen Tankangriffs gegen die BED am 16.4.1917. Das Regiment „L“ war eine gemischte Artilleriegruppe mit einer Feldartillerie-Batterie (7,7cm) und fünf Fußartillerie-Batterien (10, 15 und 21cm); siehe auch Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 194 (dort nur vier Fußartillerie-Batterien angegeben).

885  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Abt. Felda, Berichte April-Aug.’17, Nr. 4. Der Bericht der Gruppe Sissonne vom 20.4. nannte 18 sichere Abschüsse, zu denen wahrscheinlich aber noch mehr kämen; siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 1.

886  Bei Hellot ist zu lesen, daß die Tanks Chaubès’ in Kolonne vorfuhren und das Spitzenfahrzeug beim Überwinden des ersten deutschen Grabens Schwierigkeiten hatte. Dies verhinderte jegliches weitere Vorgehen der dahinter auflaufenden Tanks und führte dazu, daß die Besatzungen sie unter heftigstem Artilleriebeschuß aufgaben; siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 133. Diese Darstellung beruht augenscheinlich auf dem am 24.4.1917 vom V.CA verfaßten Bericht über den Tankeinsatz; siehe LAF, V.1. Annexes 2, Ann. 1661. Siehe auch Abschn. 6.5.1. der vorliegenden Arbeit.

887  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 648.

888  Siehe ebenda, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661. Für das Verlassen der Fahrzeuge, die dann unbeweglich auf dem Gefechtsfeld standen und beste Ziele boten, sprechen auch die unerwartet geringen Verlustzahlen der Gruppe: 9 Tote, 38 Verwundete, 4 Vermißte; siehe ebenda.

889  Siehe BA-MA, RH 61/50597: BED Ic. Nr. 4437 vom 23.4.1917: Erfahrungen aus den jüngsten Kämpfen, Teil C.II., Ziff. II.)e.: „Die im Abschnitt der Division vorgeführten Tanks (etwa 25) waren erledigt, ehe sie unsere Linien erreichten, sie haben den Angriffstruppen also keine Stütze gegeben.“ Für den Stellungsteil der 9.b.RD wird in RA, Bd. 12, S. 317, angegeben, daß die Tanks bis auf Höhe der deutschen Stellungen vor Beginn des Angriffs vorkamen. Diese waren von französischer Infanterie bereits genommen worden.

890  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 648.

891  Abb. nach Goes: Chemin des Dames, S. 111.

892  Wegen der zeitlichen Nähe zum Geschehen am 16.4.1917 sei an dieser Stelle lediglich auf den Tankangriff am 5.5. verwiesen. Der Angriff gegen Malmaison im Oktober des Jahres gehörte zwar trotz des zeitlichen Abstandes noch zu den Folgekämpfen der Aisne- und Champagneschlacht, doch wird auf ihn in Hinblick auf die chronologische Darstellung innerhalb der vorliegenden Arbeit in Kap. 8. eingegangen werden.

893  Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 1. und 2. bzw. Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 17, wo von einem vorgesehenen Tankangriff bei der französischen 4.Armee für den 17.4. gesprochen wird, der abgesagt wurde.

894  Archivalien, die auf die Vorkommnisse anspielen, waren nicht zu finden und das deutsche amtliche Werk beschränkt sich auf Minimalaussagen, was darauf hindeutet, daß keine Außergewöhnlichkeiten wahrgenommen wurden, die in irgend einer Form den bisherigen Erfahrungen entgegen standen; siehe RA, Bd. 12, S. 362ff.

895  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 18.

896  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 767f. Vom ersten Einsatz der St.Chamond wird hier mit keinem Wort berichtet, anders als im Taschenbuch der Tanks, Bd. III, S. 18. Wie nicht anders zu erwarten, differieren auch die Zahlenangaben zu eingesetzten und zerstörten Fahrzeugen in der Literatur erheblich.

897  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 768: „La division provisoire Brécard dépasse le moulin de Laffaux, grâce au concours efficace des chars qui réduisent au silence les nombreuses mitrailleuses, sous abris bétonnés, auxquelles se heurte la droite de la division.“ Siehe auch RH 61/51741: Manuskript v. Stützners, S. 215.

898  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 768.

899  Siehe Loez: Le Baptême Du Feu, S. 113.

900  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 19. Dort sind 27 angreifende Panzerwagen angegeben.

901  Siehe Loez: Le Baptême Du Feu, S. 113 und S. 114.

902  Siehe Goya, S. 347.

903  Siehe Chickering, S. 212.

904  Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1917, Tabl. I. Die aufgerundeten Zahlen beziehen sich auf die Verluste der 4. (17.000), 5. (48.000), 6. (20.000) und 10.Armee (4.000) und sind wegen der Wirrnisse innerhalb einer laufenden Operation mit größtem Vorbehalt zu gebrauchen. Für den Gesamtzeitraum April-Juli 1917 und die gesamten französischen Streitkräfte (!) bringt Pierrefeu eine Aufstellung, die bei insgesamt 279.000 Ausfällen 110.000 Tote, Vermißte und Gefangene sowie 169.000 Verwundete ausweist; siehe Pierrefeu: L’Offensive Du 16 Avril, S. 143.

905  Siehe Rocquerol : Chemin Des Dames, S. 119, und Pierrefeu: L’Offensive Du 16 Avril, S. 100ff. Pierrefeu gibt die Beobachtungen eines Nachrichtenoffiziers des Hauptquartiers wieder, der sich im rückwärtigen Bereich der 5. und 6.Armee aufhielt.

906  Siehe Goes: Chemin des Dames, S. 137. Wie auch Strachan: The First World War, S. 241, und Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 150ff., bemerken, dürfte vor allem die Versorgung der zahlreichen Verwundeten einen bedeutenden Mißstand mit Eigengewicht für die Stimmungslage aller direkt Betroffenen und indirekt Beteiligten bedeutet haben. Die Zahl der Verwundeten und Kranken beziffert das frz. amtliche Werk für den Zeitraum bis zum 25.4. auf rund 65.700 Mann, die über die Lazarette versorgt und in rückwärtige Sanitätseinrichtungen verbracht worden waren. Zu diesen kamen noch 15.500 leichter Verwundete, die bei ihren Truppenteilen oder im Operationsgebiet verblieben; siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1917, Tabl. II.

907  Siehe Pierrefeu: L’Offensive Du 16 Avril, S. 101.

908  Siehe ebenda, S. 102. Keegan schrieb zum Verhältnis zwischen Offizieren und Mannschaften bezüglich des Charakters der Verweigerungen: „[... ,] `Meuterei´ zieht normalerweise Gewalt gegen Vorgesetzte nach sich. Die Ordnung blieb jedoch im Ganzen erhalten, und die `Meuterer´ wandten gegen ihre Offiziere keine Gewalt an. Im Gegenteil, während der `Meutereien´ waren die Beziehungen zwischen den einfachen Soldaten und den Offizieren durch einen seltsamen gegenseitigen Respekt gekennzeichnet, als hätten beide Seiten erkannt, dass sie gemeinsam Opfer einer Tortur waren, die für die Mannschaften schließlich unerträglich wurde.“ Zitiert nach Keegan, S. 458.

909  Siehe Strachan: The First World War, S. 241.

910  Der Absetzung waren am 29.4. die Einsetzung Pétains als, wenn man so sagen darf, „Generalstabschef zur besonderen Verwendung beim Kriegsminister“ und der Nivelle telefonisch übermittelte Befehl des Kriegsministers zum Aussetzen eines nördlich von Reims vorgesehenen Angriffs vorausgegangen. Am 10.5. forderte Präsident Poincaré den Rücktritt des Generalissimus, welcher jedoch ablehnte. Daß Nivelle versuchte, den ihm so ergebenen Mangin als Sündenbock zu opfern, mag menschliche Abgründe offenbaren. Tatsache ist, daß Mangin Nivelle beim Marsch „in die Wüste“, nämlich nach Nordafrika, nur wenige Tage vorausging, um aus der aktiven Gestaltung der militärischen Geschichte des Ersten Weltkrieges bis zur Krisenlage des Sommers 1918 zu verschwinden; siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 153ff., und Abschn. 10.2.

911  Siehe ebenda, S. 241ff., Chickering, S. 213, und Kap. 8.

912  Siehe oben bzw. Bathe, Rolf: Frankreichs schwerste Stunde. Die Meuterei der Armee 1917. Eine historische Studie, Potsdam 1933. Vorgelegen hat dem Verfasser die 3. erweiterte Auflage, Potsdam 1937. Die Parallelen zu anderen Autoren der Zeit sind nur allzu offensichtlich; siehe auch Abschn. 3.5. der vorliegenden Arbeit.

913  Siehe dazu Strachan: The First World War, S. 241f., der diesen Aspekt besonders betont. Ebenso Keegan, S. 459. Vergleiche Chickering, S. 212. Sehr detailliert beschrieben sind die Rahmenbedingungen und die lange „disziplinartechnische Vorgeschichte“ der Ereignisse bei Pedroncini, Guy: Les Mutineries De 1917 (Publications De La Faculté Des Lettres Et Sciences Humaines De Paris-Sorbonne, Recherches, Bd. XXXV), Paris 1967, S. 21ff.

914  Siehe Ettighofer: Eine Armee meutert, S. 184.

915  Siehe Bathe: Frankreichs schwerste Stunde, S. 116.

916  So sind bei Ettighofer, der in allen seinen Büchern zu überaus „lebendiger“ Szenenmalerei neigt, viele auf den ersten Blick interessante Details faßbar, doch bleiben sie aufgrund fehlender Nachweise und angesichts einer dürftigen Literaturliste äußerst fragwürdig. Dementsprechend konnte ein interessanter Umstand wie der Hinweis „Estiennes“ (der Name selbst fällt nicht) gegenüber General Mazel, bezüglich des schwierigen Geländes bei Juvincourt (S. 183), in der vorliegenden Arbeit nicht berücksichtigt werden. Überhaupt sind Unklarheiten feststellbar, die eine Vielzahl Fragen offen lassen und den Aussagewert des Buches mindern müssen. Als Führer eines einzigen angreifenden Tankverbandes von 132 Fahrzeugen wird beispielsweise ein Oberst der Pioniere genannt (S. 183f.). Tatsächlich gab es nun definitiv zwei gepanzerte Einsatzgruppen. Estienne, der mit dem Oberst zu identifizieren wäre, nahm nicht persönlich am Gefecht teil und fiel auch nicht. Für Bathe gilt eine vergleichbare Tendenz, allerdings, angesichts eines umfangreicheren Literaturverzeichnisses und eines rudimentär vorhandenen Nachweises der Zitate, in abgeschwächter Form. An der Überzeichnung des „Frontkämpfers“ mangelt es dagegen auch hier nicht, wie ein Beispiel verdeutlichen mag: „Die verbissene Wut der zerhämmerten Verteidiger steht gegen den wilden Elan des Angreifers. Kein Bericht meldet die Taten dieser unbekannten Soldaten des Großen Krieges, dieser einsamen Trichterkämpfer, die ihre Stellung im wahrsten Sinne des Wortes bis zum letzten Mann gehalten haben.“ (S. 103.) Wie es angesichts dieser Entschlossenheit und dieses Todesmutes zu Tausenden deutschen Gefangenen am ersten Tag der Schlacht kam, ließ der Autor offen.

917  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 645ff.

918  Siehe ebenda, S. 647.

919  Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661 bzw. 1415.

920  Siehe Bathe: Frankreichs schwerste Stunde, S. 115f., und Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 117.

921  Schon bei Frerk, der direkt nach der Schlacht schrieb, ist dies besonders deutlich und steht zweifellos im Zusammenhang mit der propagandistischen Verwertung der Kämpfe (siehe Abschn. 7.2. der vorliegenden Arbeit): „Deutsche Artilleristen aber stehen überall an der Front und werden auch weiterhin dafür sorgen, daß die gepriesenen Tanks nichts weiter zu bedeuten haben, als einen ziemlich harmlosen Bluff, der wirklich nicht geeignet ist, Furcht und Verwirrung in die Reihen der Männer zu tragen, die einem zehn oder mehrtägigem Trommelfeuer ungeheuerlicher Art getrotzt haben.“ Zitiert nach Frerk: Arrasschlacht, S. 126.

922  Siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 131. Bezogen auf die Zahl von 20.000 deutschen Gefangenen und große Beute an Geschützen und Maschinengewehren bis zum 20.4.1917 urteilte er: „Ces résultats ne sont certainement pas des indices de défaite.“

923  Besonders augenscheinlich bei Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 168f. und S. 174. Im Zusammenhang mit Aktivitäten „pazifistischer Elemente“ (S. 169) im rückwärtigen Heeresbereich, einer verbreiteten sozialistischen Agitation (S. 174) und Arbeiterstreiks fallen die argumentativen Parallelen zu den späteren Vertretern des „Dolchstoßes“ auf deutscher Seite besonders auf. Dasselbe gilt, abgesehen vom Bezugspunkt des Kriegsausgangs, für jeglichen Ansatz zur Propagierung der These, „im Felde unbesiegt“ geblieben sein.

924  Das frz. amtliche Werk beschränkte sich angesichts der dürftigen Schilderungen im Hauptband V.1. darauf, Nivelles Lobadresse vom 20.April als Anlage zu veröffentlichen; siehe LAF, Bd. V.1., S. 646f. und Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1553.

925  Besonders eindrucksvoll nachweisbar bei Heydecker, S. 375ff.

926  Siehe etwa Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 92f. Man beachte auch Pierrefeus Ausführungen zur Konferenz vom 6.April oder seine Anspielungen auf Nivelles „ordres primitifs“, die angesichts sachkundiger Kritik und Zweifel der vom Autor als fähig erachteten Generalität (bes. Micheler und Pétain) unverändert blieben; siehe Pierrefeu: L’Offensive Du 16 Avril, S. 66ff. bzw. S. 40f.

927  Wie etwa bei Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 116f. erkennbar ist, hielt man sich diesbezüglich an die Vorlagen der amtlichen Geschichtsschreibung. Abgesehen von der Erwähnung nur einer Panzergruppe zu 132 Fahrzeugen unter Bossut ist die Passage zu deren Eingreifen nahezu deckungsgleich übernommen worden.

928  Siehe Loez: Le Baptême Du Feu, S. 108, oder auch Miquel, Pierre: Le Chemin des Dames. Enquête de la plus effroyable hécatombe de la Grande Guerre, Paris 1997, S. 164f. Hier wurden dem Einsatz der Chars lediglich zwei von 270 Buchseiten gewidmet.

929  Siehe etwa Berghahn: Sarajewo, S. 110, wo von 200.000 Gefallenen Franzosen in den ersten zehn Tagen der Schlacht die Rede ist.

930  Siehe Keegan, S. 457, der von 128 Renault-Tanks (FT-17, dessen Prototyp erst im Juli des Jahres getestet wurde!) spricht, die sich im Gelände festgefahren haben sollen, bevor sie wirken konnten.

931  Die Zahl anführbarer Titel, gedruckter oder im Internet auf mehr oder weniger zitierfähigen Websites auffindbarer Textstellen, ist gewaltig.

932  Siehe bspw. Chickering, S. 212, oder Heydecker, S. 375ff. (Abschnitte zur „Nivelle-Offensive“) bzw. S. 397ff. (Kapitel zur Geschichte der Panzer).

933  Siehe Buffetaut: The 1917 Spring Offensives, S. 188. Es sei zu diesem Titel und zur Textstelle noch angemerkt, daß die Darstellung der alliierten Panzertruppen deutlich dem in der Einleitung der vorliegenden Arbeit dargestellten, heutigen Bild folgt. Nicht nur ist „tanks“ das letzte, bedeutungsschwangere Wort seines Buches, sondern Pétains Hoffnungen auf die Waffenhilfe der USA werden als Enttäuschung dargestellt, während die (französischen) Panzer rechtzeitig –zum Entscheiden des Krieges- vorhanden waren.

934  Siehe Abschn. 3.5.1.

935  Siehe Cooper: Cambrai, S. 33.

936  Siehe Fuller: Tanks, S. 58.

937  Ganz im Gegensatz zu den Fahrzeugverlusten präsentieren sich die personellen Verluste von insgesamt180 Mann, die durchweg in der angegebenen Größe beziffert werden, erstaunlich einheitlich; siehe etwa Loez: Le Baptême Du Feu, S. 112.

938  Siehe Rocquerol : Chemin Des Dames, S. 117 und Bathe : Frankreichs schwerste Stunde, S. 116, wobei Bathe 64 weitere Wagen als „kampfunfähig geschossen“ (!) hinzufügt. Das Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 16, gibt 66 und Boucher: L’Arme Blindée, S. 21 sogar 76 abgeschossene Fahrzeuge an. Als Gesamtverlust findet sich bei Förster/Paulus: Abriß, S. 20, die Zahl von 81 Tanks, davon 60 Ausfälle wegen technischer Mängel (u.a. Brände, die wegen Überhitzung des Motors entstanden sein sollen).

939  Siehe Rocquerol : Chemin Des Dames, S. 117.

940  Die prozentuale Berechnung muß der zugrundeliegenden Anzahl eingesetzter und durch Feindeinwirkung zerstörter Fahrzeuge zwangsweise folgen und variiert dementsprechend von Autor zu Autor. Mit etwa 50% liegt man am unteren Ende einer Bandbreite, die etwa im Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 16, mit 53% und Boucher: L’Arme Blindée, S. 21, mit 57% markiert wird. Unter Einbeziehung der technischen Ausfälle und nur 11 zurückgekehrter Tanks kommt man allerdings leicht auf einen Wert bei oder gar über 90%. Die wohl zuletzt publizierten Zahlen liefert Goya, S. 345, mit 121 eingesetzten und 76 verlorenen Fahrzeugen, worin 57 Verluste durch Feindeinwirkung eingeschlossen sind.

941  Siehe Falls, Cyril : The First World War, London 1960, S. 260.

942  Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661: Compte rendu sur l’emploi des chars d’assaut, le 16 avril 1917.

943  Die von Förster/Paulus genannte Zahl von 60 geländebedingten oder technischen Ausfällen scheint eine passable Angabe darzustellen; siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 20.

944  Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661: „ La 1re tranchée allemande, large des près de 3 m. et très profonde, n’est pas encore suffisamment aménagée lorsque arrive le char de tête. Il tente néanmoins le passage, bascule en avant et obstrue la piste commencée.“

945  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 646f.

946  Sehr viel klarer als etwa das frz. amtliche Werk, welches lediglich von schlechter Verbindung oder Koordination zwischen Tanks und Infanterie ausgehen ließ (S. 647), sprach Rocquerol davon, daß der Infanterieangriff im Feuer deutscher Maschinengewehre liegen blieb; siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 116.

947  Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661, Ziff. a) und c).

948  Siehe ebenda.

949  Siehe Boucher: L’Arme Blindée, S. 15 bzw. S. 21.

950  Siehe dazu Goya, S. 343ff.

951  Zitiert nach Loez: Le Baptême Du Feu, S. 111. Es handelt sich um einen Auszug aus den unveröffentlichten Erinnerungen eines Colonel Bourgoin.

952  Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 3, KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Abt. Felda, Berichte April-Aug.’17, Nr. 4 und LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1415.

953  Siehe auch Förster/Paulus: Abriß, S. 20.

954  Siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 119, und Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 167. Die besondere taktische und moralische Wirkung der deutschen MG wurde auch in deutschen Berichten zur Schlacht besonders betont ; siehe bspw. BA-MA, RH 61/50597: BED Ic. Nr. 4437 vom 23.4.1917, Teil B., Ziff. 2.), oder BA-MA, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917, Ziff. 8.): „Masch.-Gew. im Zwischengelände und Nahkampfgeschütze sind zugweise und unter Führung von Offizieren oder Offizier-Diensttuern einzusetzen. Von fester Hand geführte Masch.-Gew. im Zwischengelände haben gegen Flanke und Rücken des eingebrochenen Feindes ausschlaggebend gewirkt.“

955  Siehe Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 92.

956  Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 367, bzw. Abschn. 3.5.1. der vorliegenden Arbeit.

957  Nicht umsonst wurde bei einer Besprechung der Verantwortlichen britischen und französischen Militärs und Politiker am 4./5.5.1917 von Lloyd George angeregt, daß die Generalität demnächst Details militärischer Operationen für sich und möglichst geheim halten sollten; siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 151. Die Geheimhaltungsfrage spielt in den Darstellungen der Schlacht generell eine bemerkenswerte Rolle, wobei zu betonen bleibt, daß es kaum möglich sein konnte, den Aufmarsch der halben französischen Armee an der Aisne einem Gegner gegenüber zu verschleiern, der das Einschießen einer immensen Anzahl von Batterien bemerken mußte und durch seine Luftüberlegenheit besonders günstige Möglichkeiten zur Einsichtnahme in die feindlichen Stellungen und rückwärtigen Anlagen besaß.

958  Siehe ebenda, S. 121. Hellot beruft sich auf einen Bericht General de Mitrys vom 28.4.1917 zu Ursachen des Mißerfolgs am 16.4. Darin wurde als einer der Hauptgründe für die geringe Tiefenwirkung gegen deutsche Stellungen angeführt, daß die weittragende französische Artillerie über zu geringe Munitionsbestände verfügte und durch den Zwang, in den Feuerbereich deutscher Geschütze verlegt werden zu müssen, um gegen entfernte Ziele wirken zu können, erhebliche Verluste (25% im Bereich der 6.Armee) hinnehmen mußte.

959  Siehe auch Boucher: L’Arme Blindée, S. 21.

960  Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 3 und KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Abt. Felda, Berichte April-Aug.’17, Nr. 4.

961  Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1415.

962  Siehe auch Loez: Le Baptême Du Feu, S. 111.

963  Vergleiche Abschn. 3.5.1.

964  Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 179 geheim vom 26.4.1917, Ziff. IV.

965  Siehe dazu Kap. 8.

966  Zitiert nach Nicot, Jean: Les Poilus Ont La Parole. Dans les tranchées: Lettres du front 1917-1918, o.O. 1998, S. 66, Anm. 6.

967  Siehe Boucher: L’Arme Blindée, S. 21 mit dem Verweis auf die Schlacht von Malmaison im Oktober 1917. Siehe dazu Kap. 8.

968  Siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 151.

969  Der Aussage Bouchers zum Übergehen auf Einsatzcharakter als Begleitwaffe der Infanterie ist im Zusammenhang mit dieser ersten Phase und unter Verweis auf die Mängel der CA-1 und St.Chamond zuzustimmen. Was die Adaption französischer taktischer Überlegungen hinsichtlich Aufbau und Einsatz operativer Panzerstreitkräfte durch die britische Seite betrifft, muß ihm unter Hinweis auf die Ereignisse in Flandern 1917 widersprochen werden; siehe Boucher: L’Arme Blindée, S. 21, vergleiche Förster/Paulus: Abriß, S. 20, bzw. siehe Kap. 8.

970  Neben den Kolonialtruppen mag der Hinweis auf die improvisierte Division Brécard, die aus drei Regimentern abgesessener Kavallerie bestand (Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 148.), die Notlage bei der Beschaffung angriffsfähiger und –williger Verbände illustrieren. Die Aufschlüsselung der Verbände, in denen gerichtlich geahndete Fälle von Verweigerung o.ä. vorkamen, weisen keinen Teil der Artillerie d’Assaut als betroffen aus; siehe Pedroncini: Mutineries, S. 62 und S. 184.

971 

Ein Beispiel für diese Haltung der Angehörigen der Artillerie d’Assaut bietet Loez: „Nous étions furieux de n’avoir pas été engagés et réclamions à cri de prendre part à une attaque quelle qu’elle fût.“ Siehe Loez: Le Baptême Du Feu, S. 112.

“Nous étions furieux de n’avoir pas été

972  Faßbar ist die erfolgreiche Umdeutung der Katastrophe des 16.4.1917 in einen glorreichen Gründungsmythos der französischen Panzertruppe bei Corlieu-Jouve: Ceux Des Chars D’Assaut, Paris 1932, S. 18f.

973  Siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 167.

974  Siehe ebenda.

975  Siehe Ogorkiewicz: Technologie der Panzer, S. 29.

976  Der Anspruch an den Typ drückte sich im Ausdruck der „faible tonnage“ aus, der als Bezeichnung für das Fahrzeug von Renault mit dem Kürzel „FT“ übernommen wurde.

977  Förster/Paulus: Abriß, S. 28.

978  Siehe ebenda, S. 25f.

979  Siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 167.

980  Siehe Kap. 8. bzw. Abschn. 8.1.

981  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 337.

982  Siehe ebenda, S. 338. Siehe auch Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 287, und Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 91.

983  Siehe BA-MA, PH 5 I/11, Bl. 16f.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia 2996 geh. op. vom 29.4.1917. Die stellungstechnischen Erfahrungen wurden am 10.6.1917 in einer bindenden Vorschrift von der OHL zusammengefaßt und ersetzten Teile der praktisch zuvor nicht erprobten „Vorschrift für die Abwehr im Stellungskriege“; siehe BA-MA, RH 61/51702: Solger, W.: Die Entwicklung des Stellungskrieges von Ende 1914 bis zum Sommer 1917, Teil D.: Die Erfahrungen der Frühjahrsschlachten 1917 (vom 14.12.1938), S. 1.

984  Siehe Abschn. 5.6.2.

985  Siehe BA-MA, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917.

986  Siehe KA, HS 3402: HGr Kronprinz Ib Nr. 1797 geh. vom 27.4.1917. Das Schreiben der HGr Rupprecht (Ia Nr. 2853) war zuvor bei der HGr Kronprinz zur Verteilung gekommen, wie KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 179 geheim. vom 26.4.1917, belegen kann. Hierbei handelte es sich um eine auszugsweise Wiedergabe mit umfangreichem Verteiler bis zu den Divisionen und Sonder-Stabsoffizieren der einzelnen Waffengattungen des AOK. Daß im Verteiler auch die HGr Kronprinz erscheint, erstaunt ein wenig, denn es legt fast nahe, an einen intensiveren Austausch zwischen AOK 1 und HGr Rupprecht als direkt zwischen den beiden HGr zu glauben.

987  Siehe BA-MA, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917, Ziff. 3.).

988  Siehe ebenda: Anonymes Schreiben über „Gefechtsausdehnungen“ vom 10.3.1944. Bezug genommen wird auf die Angaben in „Die Abwehrschlacht im Stellungskriege“ von Dezember 1916. Die Verbreiterung der Divisionsabschnitte wurde Solger zufolge in die Vorschrift der OHL vom 10.6.1917 aufgenommen; siehe ebenda, RH 61/51702: Solger: Entwicklung des Stellungskrieges, Teil D., S. 6.

989  Siehe ebenda, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917, Ziff. 1.).

990  Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 179 geheim. vom 26.4.1917, Ziff. II. Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, daß diese Kontrollen durch einen Offizier persönlich vorzunehmen seien, was auf eine klare Wahrnehmung der möglichen Defizite bei lediglich schriftlicher Meldung durch die Truppenteile deutet. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um einen Bezugspunkt zum festgestellten „Versagen“ der 14.b.ID bei Arras; siehe Abschn. 5.6.2.

991  Siehe BA-MA, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917, Ziff.4.), 6.), 12.), 13.), 15.) bis 17.).

992  Siehe LAF, Bd. V.1., S. 640 bzw. 652. Die deutschen Verluste sind in detaillierter Aufstellung übrigens nicht in den einschlägigen Veröffentlichungen –von den Memoiren des Kronprinzen Wilhelm über Bathe, Goes und Ettighofer bis hin zum Reichsarchiv- zu finden. In RA, Bd. 12, S. 410, nennt lediglich einen Verlust von 163.000 Mann bis Ende Juni 1917.

993  Siehe Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 278.

994  Siehe BA-MA, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917, Ziff. 9.).

995  Siehe ebenda, RH 61/50597: BED Ic. Nr. 4437 vom 23.4.1917, Teil A., Ziff. 4.). Siehe auch ebenda, Teil C.II., Ziff. II.)7.)d.), mit übereinstimmender Aussage des Artillerie-Kommandeurs der Division. Der Gesamtbestand der Erfahrungen der Division mit Tanks gelangte am 1.5.1917 in die Hände der Armeeabteilung C (Ia. Nr. 1075 geh.). Wie bei der Auswertung der Sommeschlacht bereits gesehen (siehe Abschn. 3.5.2.), konnten nach der Überstellung eines Verbandes in einen anderen Führungsbereich Berichte –falls überhaupt- erst auf Umwegen zum früheren Führungsstab gelangen. Die BED wurde Ende April der AAbt C überstellt.

996  Das Schreiben der HGr Kronprinz vom 25.4.1917 liegt im Bestand BA-MA, RH 61/50597 als Exemplar der Armee-Abteilung C vor, welche die Verteilung bis zu den Regimentern vorsah.

997  Im Gegensatz dazu veröffentlichte die HGr Rupprecht zusammen mit der Meldung über die Tanks bei Arras auch neueste Erkenntnisse über französische Fahrzeuge, ihre Bauart und ihre Verwendung; siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395. vom 28.4.1917, Abschn. B.

998  Petters Bericht spricht von einer „Beschreibung eines franz. Kampfw. von Schneider & Co.-Creuzot“, die von der HGr Kronprinz „bald“ nach dem 16.4.1917 angefertigt worden sein soll. Da diese nicht vorlag und Petter Inhalt, Erscheinungsbild und Herausgabedatum offen läßt, blieb sie für die vorliegende Arbeit unberücksichtigt. Siehe BA-MA, RH 61/50769,: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 91.

999  Siehe BA-MA, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917, Ziff. 6.).

1000  Siehe KA, HS 3402: HGr Kronprinz Ib Nr. 1797 geh. vom 27.4.1917, Ziff.: Zu IV. Letzter Absatz.

1001  So sah der Teil 8 des Sammelheftes für den Stellungskrieg für alle Waffen vom 1.3.1917 vor, daß gelenkte Feuerzusammenfassung aller Artillerieteile gegen Tanks ins Auge gefaßt werden sollte; siehe BA-MA, RH 61/50769, Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 299.

1002  Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 204 geheim. vom 28.4.1917, bzw. Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917. Das AOK 1 führte im Verteiler die Sonder-Stabsoffiziere der Waffengattungen, die ihm zugeteilten Gruppen und die HGr Kronprinz auf, wobei ein „Vorrat fuer neu eintreffende Divisionen“ angelegt wurde.

1003  Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 204 geheim. vom 28.4.1917, Ziff. 1.

1004  Siehe ebenda, Ziff. 2 und Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 2; dort: „Die zwischen I.Stellung und Artillerie-Schutzstellung eingesetzten Nahkampfgeschütze waren durch die vorhergehende Artillerie-Vorbereitung der Franzosen ausser Gefecht gesetzt.“ Ebenda, Ziff. 5.c): „Vorgeschobene Nahkampfgeschütze bleiben bei der dem Angriff vorhergehenden Artillerievorbereitung meist nur da erhalten, wo sie geschickt dem Gelaende angepasst und schusssicher eingebaut sind.“

1005  Siehe Abschn. 7.1.

1006  Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 204 geheim. vom 28.4.1917, Ziff. 2. Der hier in einer abgesetzten Zeile auffindbare Hinweis, daß Nahkampfgeschütze ihre Ziele grundsätzlich direkt anzurichten hätten, verweist auf unzureichende Ausbildung der Bedienungen von Kanonen. Dies wird durch die Forderung nach zugweisem Einsatz der Geschütze unter Befehl des Zugführers nochmals unterstrichen.

1007  Siehe ebenda, Ziff. 4. und 5.

1008  Siehe Abschn. 7.1.

1009  Siehe BA-MA, RH 61/50601: KM AD. Nr. 1331.17.g.A4 vom 6.5.1917 (Beurteilung der frz. Tanks und deutschen Abwehrmöglichkeiten durch die A4) und KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 4. Das Bergen von Fahrzeugen war angesichts der erheblichen Schäden an den Fahrwerken unmöglich, daher wurde umgehend mit dem Ausbau von Teilen begonnen. Einige Photographien abgeschossener CA-1 und ihrer abmontierten Haupt- und Sekundärbewaffnung wurden im Juni 1917 von der Abteilung Fremde Heere des Generalstabs in Umlauf gebracht. Daß auf jegliche Kommentierung der Abbildungen verzichtet wurde, mag den Charakter der Bildsammlung als auf visuellen Eindruck und Effekt zielende Propaganda nahelegen; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 573: Chef d. Genst. d. Feldheeres Abteilung Fremde Heere Nr. 4532 a. vom 6.6.1917: Französische Tanks und ihre Waffen.

1010  Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 3.: „Gegen Tanks hatten alle eingesetzten Geschütze sehr gute Wirkung. Waehrend bei Feldgeschützen (Feldkan. auch ohne Panzer und ohne Verzoegerung) Volltreffer die Panzer glatt durchschlugen und die Tanks vernichteten, scheinen bei den schweren Kalibern (besonders bei den sehr wirksamen s.F.H.) schon groessere Splitter die Waende zu durchschlagen und gute Brandwirkung zu haben; [... ] .“

1011  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 43, Akt: Abt. Felda, Berichte April-Aug.’17, Nr. 4: FAR 111 Nr. 116/17 geh. vom 8.6.1917. Bei 7 Fahrzeugen konnte Explosionswirkung festgestellt werden, 10 weitere wurden durch Beschuß umgeworfen (!) oder zum Stehen gebracht. Das Regiment sprach ausdrücklich auch davon, daß die gezeigten Leistungen hinter denen der Nahkampfgeschütze nicht zurückgeblieben seien und, mehr noch, in gewisser Weise diejenigen der bespannten Feldartillerie-Reserven übertroffen hätten. Diese wären schon beim Auffahren von französischer Artillerie erfaßt und außer Gefecht gesetzt worden. Der Punkt scheint in der Diskussion um die Zukunft der Nahkampfgeschütze Mai 1917 vollends untergegangen zu sein; siehe Abschn. 7.1.

1012  Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 3. Von dem Vorkommnis setzte man die Presse ebenfalls in Kenntnis, wie entsprechende Passagen der Berliner Illustrirte Zeitung, XXVI.Jg., Nr. 19 vom 13.5.1917, S. 266, belegen.

1013  Siehe BA-MA, RH 61/50597: BED Ic. Nr. 4437 vom 23.4.1917, Teil C.II., Ziff. II.)e.).

1014  Zitiert nach ebenda, Teil B., Ziff. 13.).

1015  Siehe Abschn. 5.6.2. bzw. HStAS, M 33/2, Bü. 573: GK XIV.RK Ia Nr. 1620 vom 21.4.1917, dort: 27.ID Abtl. Ia, 1130 vom 14.4.1917, Abschn. D.

1016  Die Artillerie-Abteilung des Kriegsministeriums urteilte hierzu generalisierend: „Alle eingesetzten Geschütze hatten sehr gute Wirkung. Feldkanonen auch mit gewöhnlicher Munition; bei schweren Kalibern durchschlagen anscheinend große Sprengstücke die Panzerwände. Die Tanks gerieten meist in Brand oder explodierten.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/50601: KM AD. Nr. 1331.17.g. A4 vom 6.5.1917, Ziff. 3.

1017  Siehe RA, Bd. 12, S. 410.



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22.04.2008