7 „In langer Reihe Tank an Tank“. Die deutsche Tankabwehr am Scheideweg, April-Mai 1917.

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Die Ergebnisse, die bis Ende April 1917 aus den Kämpfen mit britischen und französischen Kampfwagen vorlagen, waren für die deutsche Tankabwehr äußerst bedeutend und umfangreich. Und dies nicht nur aufgrund der eigenen Erfahrungen, sondern auch durch die Auswertung von Gefangenenbefragungen. So war in der Verlautbarung der Heeresgruppe Rupprecht vom 28.April auch die Rede von Aussagen gefangener Tankbesatzungen, die zu Protokoll gegeben hatten, daß die Tanks ein verfehltes Kriegsmittel seien, deren Einführung lediglich die Erwägung ihres moralischen Eindrucks auf die eigene und die feindliche Truppe zugrunde gelegen habe1018. Hier mit Blick auf die späteren Ereignisse darauf zu verweisen, daß es sich bei derartigen Aussagen um eklatante (Selbst-) Täuschung der deutschen Seite handelte, entbehrt nicht des Charmes, den Blick in die Zukunft und die Fähigkeit der deutschen Führung, diesen Blick in irgend einer Form zu vollziehen, ins Spiel bringen zu können. Doch gerade in Hinsicht auf die Möglichkeit einer Weiterentwicklung der Tankwaffen auf französischer und britischer Seite fehlten der deutschen Führung offensichtlich handfeste, durch die Feindaufklärung erbrachte, rationale Grundlagen. Allein die Aussicht auf ein schwereres und größeres britisches Modell, von dem man Anfang Januar 1917 gehört hatte1019, läßt sich in diesem Zusammenhang fassen. Dies alleine konnte nach den Maßstäben von April-Mai 1917 kaum als Bedrohung gelten, da man sich zuvor auf eine stärkere Panzerung eingestellt hatte und die technischen Fähigkeiten eines zweifelsfrei schwerfälligeren Tanks, den der britische Mark V*1020 später tatsächlich bedeuten sollte, noch begrenzter sein mußten als diejenigen der bekannten Typen. Der Vorstellung größerer Tankmassen konnte man insofern begegnen, als die Anzahl der vorhandenen Tankabwehrwaffen oder solcher Waffen, die nach dem Erfahrungsstand für diese Aufgabe in Frage kommen konnten, beträchtlich war. Nimmt man als Maßstab eine Division nach dem bei Cron für den Stand Anfang Mai 1917 dargelegten Bild1021, dann ergibt sich, daß 108 schwere und 72 leichte Maschinengewehre, 36 leichte, acht mittlere und vier schwere Minenwerfer, 24 Feldkanonen 7,7cm und 12 leichte Feldhaubitzen 10,5cm vorhanden waren. Wo diese Zahlen noch nicht erreicht waren, sollten sie umgehend erreicht und, was die Zuteilung von schweren und leichten Maschinengewehren sowie einer ständigen Fußartilleriekomponente der Divisionen betrifft1022, zukünftig sogar übertroffen werden. Handgranaten waren zudem überall in Massen vorhanden1023. Inwieweit diese Zahlen eine besonders positive Beurteilung der Abwehrfähigkeit gegenüber Tanks in den bis dato aufgetretenen Mengen verursachten, oder ob sie lediglich eine Art Mindestmaßstab für erfolgreiche Tankabwehr bei in der Zukunft möglichen, viel größeren Angriffen aufgefaßt wurden, war angesichts fehlender aussagekräftiger Archivalien zu diesem Punkt vom Verfasser nicht festzustellen. Die letzte Überlegung mag als Grundlage angenommen werden können1024, auch weil die üblichen und gerade an bedrohten Abschnitten zahlreichen zusätzlichen Kräfte, besonders an Feld- und Fußartillerie, noch gar nicht in Betracht gezogen sind und ebensowenig dem Faktor Rechnung geschuldet ist, daß das neue Abwehrverfahren einen Zeitgewinn implizierte, der die Heranführung umfangreicher Verstärkungen aller Art vor einem durchschlagenden feindlichen Angriff erlauben würde. Die deutsche Propaganda nahm entsprechend Bezug auf den Umstand, daß „deutsche Artilleristen überall an der Westfront stehen und auch weiterhin dafür sorgen, daß die gepriesenen Tanks nichts weiter zu bedeuten haben, als einen ziemlich harmlosen Bluff“1025.

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Die am 1.Mai 1917 verfaßte Zusammenstellung der OHL über feindliche Kampfwagen ließ für spätere Leser offenbar keinen Zweifel daran1026, daß man mit den bisherigen Dispositionen und Ergebnissen, gerade auch hinsichtlich der allerorten verfügbaren Tankabwehrwaffen zufrieden war. Dies wurde in der Historiographie als gravierender Fehler, der etwa bei Petter besonders auf „schöngefärbte Berichte“ untergeordneter Dienststellen zurückgeführt wird1027, wahrgenommen. Wie es sich mit diesem Einwurf im Detail auch verhalten mag, und man kann zubilligen, daß die Führer erfolgreicher Truppenteile großes Interesse an der Bekanntmachung oder gar Überzeichnung ihrer Leistungen hatten1028, so bleiben die Abwehrerfolge vom April 1917 als Tatsachen bestehen1029. Die bisherigen Erfahrungen ließen es rational nicht zu -und gegenteilige zeitgenössische Aussagen ließen sich im Rahmen der Recherchen zur vorliegenden Arbeit auch nicht finden- an einen grundsätzlichen Wandel bei Einsatz und Typen der Tanks zu glauben, der dem deutschen Heer an der Westfront gefährlich werden könnte. Nach dem, was bisher über die britische Seite geschrieben wurde, muß es zudem fraglich erscheinen, ob diese Gefahr per se, gerade in Hinsicht auf ein tiefergehendes, „visionäres“ Verständnis der neuartigen Waffe bei der für ihren Einsatz letztendlich ausschlaggebenden Führung vorhanden war. Der Vorreiter der modernen, operativen Panzerstreitmacht, Fuller, jedenfalls ließ in seinen Äußerungen keinen Zweifel daran, daß an die Umsetzung seiner Vorstellungen zu diesem Zeitpunkt keiner der Verantwortlichen an entscheidender Stelle dachte1030. Außerdem muß man, zurück im zeitlichen Kontext und beim deutschen Wissensstand im Frühjahr 1917, auch berücksichtigen, daß die deutsche Seite zwischen Oktober 1916 und Mitte April 1917 aufgrund mangelnden Detailwissens Gefahr gelaufen war, sich mit den die Tanks und ihre Abwehr betreffenden Entscheidungen verspekuliert zu haben. Eine kritische Lage, aus der man im April 1917 überaus erfreulich erlöst wurde, da sich Mutmaßungen und Anordnungen als richtig oder sogar unnötig vor- und umsichtig erwiesen hatten. Ein phantastisches Mehr an Leistung der Tanks anzunehmen lag offensichtlich nicht nahe, und ob ein solches während des Krieges überhaupt feststellbar ist, bleibt im Rahmen der vorliegenden Arbeit weiterhin zu überprüfen. Was allerdings ganz deutlich aus den Annahmen der OHL hervorgeht, ist eine grundsätzliche Unterschätzung der alliierten Kontrahenten, denen in dieser Phase des Krieges vollends abgesprochen wurde, aus eigenen Fehlern lernen zu können. Etwas, das Monate später als falsch zugegeben werden mußte1031. Der Blick in die Zukunft, nicht auf Grundlage von Meldungen über zu Erwartendes, sondern Kraft eigener Vorstellungsgabe oder vielleicht auch unter den Parametern eines „worst case“ Szenarios lag der OHL augenscheinlich nicht.

Im späten Frühjahr 1917 ergab sich also nicht von ungefähr ein dem innerhalb von sieben Monaten empirisch und analytisch belegten Bild der Tanks entsprechendes Urteil, das de facto zur Zurückstellung des eigenen Panzerbaus führte1032 und die Konstruktion spezieller Tankabwehrwaffen ebenfalls nicht allzu dringend erscheinen ließ. Ergebnisse finden sich für den letztgenannten Bereich erst 1918 und sind genauso auf Arbeiten der APK oder GPK oder des Kriegsministeriums als auch auf Lösungsansätze aus der Truppe heraus zurückzuführen1033. Der Rückschluß von den augenscheinlich hervorragenden artilleristischen Abwehrleistungen im April und Mai 1917 auf einen scheinbar geringen Druck zur Konstruktion der „Wallbüchse“1034 oder anderer kleinkalibriger Tankabwehrwaffen muß auf der Hand liegen, wenngleich die hohen Anforderungen an die Konstruktion in einer rüstungstechnisch schwierigen Lage ihren Teil dazu beigetragen haben müssen, die Einführung einer Waffe für die Massenproduktion zu verzögern. Diese Erklärung findet sich jedenfalls bei Muther1035 und in Aussagen Ludendorffs gegenüber der Heeresgruppe Rupprecht Mitte September 1917:

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„Die Konstruktion eines solchen [kleinkalibrigen Geschützes] dauert zu lange, denn bei der jetzigen Lage der Rüstungsindustrie erfordert Lieferung von Versuchsstücken sehr lange Zeit, Masseneinführung ist überhaupt ausgeschlossen.“1036

Interessanterweise konnte man 1918, als der Zwang zum Bau solcher Waffen zu einem verstärkten Druck auf die Verantwortlichen führte, binnen kurzer Zeit nicht besonders aufwendige oder komplizierte Tankabwehrwaffen präsentieren, die zwar einerseits nicht mehr den ursprünglich geforderten Leistungsparametern entsprachen, dafür aber grundsätzlich schnell gebaut und recht effektiv eingesetzt werden konnten1037. Das allein die Rüstungslage den Ausschlag gegen die Einführung einer effektiven Kleinwaffe noch im Jahr 1917 gab, muß dementsprechend äußerst fraglich sein.

Zwei weitere Resultate aus den Erfahrungen im Frühjahr 1917 mögen zusätzlich unterstreichen können, daß sich die deutsche Tankabwehr im Mai des Jahres an einem Scheideweg befand, der die ganz spezifischen Rahmenbedingungen für den Kampf gegen die neue Waffe und die Gesamtkriegführung in den nächsten Monaten beeinflussen mußte.

7.1 Das Ende der ersten „Panzerabwehrtruppe“.

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Daß man wirklich von einer ersten Panzer- oder Tankabwehr-Truppe im Sinne einer Waffengattung des Heeres sprechen kann, steht nicht zur Diskussion, wenn man die der Aufstellung von Nahkampfbatterien zugrunde liegenden Umstände betrachtet1038. Und dennoch waren die Nahkampfbatterien 201 bis 250 als erste Einheiten überhaupt für den Primärzweck der Tankbekämpfung formiert worden und sollten als Verfügungsmasse der OHL in von Tankangriffen bedrohten Abschnitten eingesetzt werden. Daß in den ersten Erfahrungen mit dem möglichen Nukleus einer Spezialwaffe, deren Bedeutung mit zunehmendem Gebrauch der Tanks durch den Feind nur steigen konnte, die Chance zu einer neuen Waffengattung hätte liegen können, liegt -zumindest aus heutiger Perspektive betrachtet- auf der Hand.

Die Urteile über die Erfüllung des Kampfauftrages durch Nahkampfgeschütze mußten im Zusammenhang mit den Kämpfen von Arras recht positiv1039, für die Kämpfe an der Aisne und in der Champagne aber weniger günstig ausfallen1040. Die statische Aufstellung der Nahkampfgeschütze hinter der ersten Infanterielinie hatte zu lokal unterschiedlichen aber generell hohen Verlusten geführt. Die übrigen Sondergeschütze, die zur Tankabwehr zugewiesen worden waren, betraf dies offensichtlich genauso, denn kein Fall eines Tankabschusses durch sie ließ sich zweifelsfrei eruieren1041. Bis Mitte August 1917 mehrten sich dann auch die Ansichten über die Ineffektivität der kleinkalibrigen Sondergeschütze und die Wünsche, sie ganz zurückzuziehen1042.

Ernste Zweifel am Sinn der Nahkampfbatterien könnten bei der OHL schon Ende April 1917 aufgekommen sein, als man zumindest das AOK 2 mit Nachdruck darauf hinwies, daß die augenblickliche Ausstattung der Batterien mit 500 Schuß Munition nur darauf deuten könnten, daß sich bei der lokalen Führung noch kein Verständnis für den Zweck der Geschütze entwickelt habe. 250 Schuß seien für die Tankbekämpfung durch ein solches Schweigegeschütz vollkommen ausreichend1043. Nachdem die Erfahrungsberichte aus den beiden Schlachten im April eingelaufen waren, trafen Anfang Mai die eingeforderten Gefechts- und Erfahrungsberichte der Nahkampfbatterien ein und verwiesen einheitlich auf umfangreiche Mißstände, die allerdings nur teilweise mit taktischen Fragen zu tun hatten. An erster Stelle wurden die geradezu katastrophalen Unterstellungsverhältnisse genannt, welche die Batterien und ihre einzeln im Gelände verteilten Geschützbedienungen quasi als unbeachtete Fremdkörper im jeweiligen Befehlsbereich einer Division erscheinen ließen. Ein Batterieführer brachte dies mit der Aussage auf den Punkt, daß man das Gefühl gehabt habe, „vollkommen übersehen zu werden“1044. Ablösungen waren mangels Personal undurchführbar, was zu ungeheuren Belastungen für die Bedienungen führen mußte1045. Auszeichnungen, Kontributionsgelder, Werkzeuge, Pferde, Bekleidung genauso wie Disziplinarmaßnahmen blieben mangels interessierter oder wegen stetig wechselnder vorgesetzter Stellen aus, Lageeinweisungen durch Befehlsstellen im Einsatzsektor unterblieben und Ersatzmannschaften waren körperlich untauglich und artilleristisch unzureichend oder gar nicht ausgebildet1046. Interessanterweise lieferten diese Eingaben, so prägnant sie waren, nicht die primäre Begründung für die Auflösung der Nahkampfbatterien. Im Fall des oben zitierten Batterieführers und seines Berichts folgte den offenen Worten der Versuch des AOK 6, ihn über die Gruppe Arras wegen „beleidigender Aeusserungen“ kriegsgerichtlich zu belangen. Das Unterfangen scheiterte jedoch, da der betroffene Offizierstellvertreter Jaffé -bezeichnenderweise nach einem Nervenzusammenbruch- in ein Lazarett eingewiesen worden war und man ihn dort nicht fassen wollte oder konnte1047. Ob der Nervenzusammenbruch vor oder nachdem man ihn hatte wissen lassen, daß disziplinarische Sanktionen in Aussicht standen, eintrat, muß dahingestellt bleiben. Die „beleidigenden Aeusserungen“ jedenfalls sind im überlieferten Schriftgut nicht auszumachen. Dagegen bezog sich Ludendorff noch auf die Quintessenz der insgesamt sehr kritischen Erfahrungsberichte und formulierte als zumindest einen Punkt der Begründung zur Auflösung der Nahkampfbatterien am 10.Mai 1917, daß sie in ihrer augenblicklichen Form nicht lebensfähig seien1048.

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Veränderungen, welche die genannten organisatorischen und die mittlerweile bekannten taktischen Mißstände hätten beseitigen können, spielten in den weiteren Überlegungen keine wirkliche Rolle1049. Mit der Verlautbarung vom 10.Mai 1917, die besagte, daß die Nahkampf- und Infanteriegeschützbatterien zu einem Zeitpunkt aufgestellt worden seien, an dem es ausreichend verfügbares Geschützmaterial gegeben habe, was nun nicht mehr der Fall sei und die hohen Geschützverluste1050 der Sonderbatterien inakzeptabel machte, war die Auflösung beschlossen1051. Daß man nicht nur bei der OHL dachte, sich die ersatzlose Streichung der gerade aufgestellten Sonderwaffe leisten zu können, wurde in den folgenden Tagen durch verschiedene Rückmeldungen auf den Auflösungsbefehl unterstrichen. Das AOK 6 meldete am 18.Mai keinerlei Bedenken an und wies auf die vielfältigen Möglichkeiten der Tankbekämpfung durch schwerere Artillerie, Maschinengewehre mit SmK-Munition und die Bereitstellung beweglicher Züge der Feldartillerie hin, welche völlig ausreichende Mittel darstellen würden1052. Am 20.Mai schlossen sich die Heeresgruppe Rupprecht1053 und das AOK 2 dieser Meinung insofern an, als sie ebenfalls keine Bedenken gegen die Auflösung formulierten. Nach Ansicht des AOK 2 hatten die Nahkampfbatterien gutes Personal für eine Aufgabe vereinnahmt, die zu einseitig war, um nicht alternativ durch zur Tankabwehr abgestellte Teile der Feldartillerie erfüllt werden zu können1054. Daß Feldartilleriezüge, die nach Vorschlag des AOK 2 den Infanterieregimentern zugeteilt werden sollten, nicht nur bei ihren Batterien für rein artilleristische Aufgaben fehlen würden, sondern genauso nur dann zum Feuern kommen konnten, wie es bei den Sondergeschützen zuvor gewesen war, findet sich als Überlegung auch hier1055 nirgends wieder. Zudem scheint man keinen Gedanken daran verschwendet zu haben, daß nach dem Ende der nah bei oder in den Stellungen der Infanterie stehenden Sondergeschütze in vorderster Linie keine schweren Waffen unzweifelhafter Wirkung zur Tankbekämpfung mehr vorhanden waren, die auf größere Entfernung durchschlagend wirken und den dortigen Truppen auch eine moralische Stütze bieten konnten.

An der Fähigkeit der Feldartillerie zur Tankabwehr konnte aufgrund der vorhandenen Erfahrungen kein Zweifel bestehen, doch der Befehl zur Auflösung aller Nahkampf- und letztendlich auch der Masse der Infanterie-Begleit-Batterien1056 beschnitt zwei Entwicklungszweige, deren Möglichkeiten zukünftig von großer Bedeutung für die Gefechtsleistung des gesamten Heeres hätten sein können. Eine spezielle Tankabwehr-Komponente innerhalb der Infanterieverbände, welche der Truppe auch das Gefühl hätte nehmen können, den Tanks gegenüber ziemlich wehrlos zu sein, kam notdürftig erst spät im Jahr 1918 innerhalb der Minenwerfer-Kompanien auf, während dieselben gleichzeitig auch in die Rolle der Infanteriebegleitung mit leichten Minenwerfern eingebunden wurden. Nach dem Ende der Kämpfe von Cambrai im Dezember 1917 verfaßte der Kommandeur des Sturmbataillons Nr. 5, Rohr, eine Denkschrift, die sich vor dem Hintergrund der vollständigen Abschaffung von Infanterie-Begleit-Batterien überaus positiv über die Erfahrungen mit den Infanteriegeschützen auch im Angriff aussprach und als Rettungsversuch für die Waffe zu verstehen ist1057. Ludendorff beantwortete das Schreiben damit, daß Neuaufstellungen bei der Feldartillerie Vorrang vor der Weiterentwicklung der Infanteriegeschütze hätten und an der Ostfront mit auf Dauer der Infanterie zugeteilten Geschützen der Feldartillerie gute Erfahrungen gemacht worden seien1058. Daß vielleicht eher Berichte bei der Beantwortung von Rohrs Schreiben eine Rolle spielten, wie sie etwa von der 9.RD an das AOK 4 hinsichtlich Erfahrungen aus der Flandernschlacht verfaßt worden waren, könnte man annehmen. Die Begleitbatterie dieser Division verlor drei von vier Geschützen innerhalb von vier Kampftagen, ohne daß ihnen ein Gefechtswert hätte unterstellt werden können. Dem letzten Geschütz nahmen nach nur drei Schuß gegen den Feind britische Nebelgranaten die Sicht1059.

Die Chance auf fest und dauerhaft der Infanterie angegliederte artilleristische Feuerkraft mit einem breiten Einsatzspektrum, das mit bekanntem Geschützmaterial relativ problemlos die Aufgaben von Sondergeschützen zur Tankabwehr, Sturmabwehr und Infanteriebegleitung hätte abdecken können, wurde seit Mai 1917 bewußt aufgegeben und erst 1918 wieder aufgegriffen1060.

7.2 „Männer gegen Maschinen.“

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Was die OHL den deutschen Truppen, besonders der Infanterie, nach der Auswertung der Frühjahrsschlachten 1917 zuzumuten gedachte, war auch ohne die Beachtung des Sonderfalls Tankabwehr äußerst viel. Die Verbände sollten gemäß der letzten Bestimmungen des neuen Abwehrverfahrens relativ breite Sektoren in großer Tiefe besetzen, was zur Folge haben mußte, daß kleinere und kleinste Teileinheiten verstreut und nahezu auf sich gestellt im Gelände vorzufinden sein würden. Die Bedeutung der Unterführer und von „Disziplin und Manneszucht“ in Maschinengewehr-, Minenwerfer- und Geschützbedingungen, Gruppen, Korporalschaften, Halbzügen und Zügen mußte angesichts einer auf striktes Halten und gleichzeitiger Fähigkeit zu Gegenstoß und Gegenangriff ausgelegten Taktik außerordentliche Größe annehmen. Gerade auch dann, wenn der Schutz, den man durch umfangreiche Erdarbeiten an der Westfront immer wieder geschaffen hatte, für die vordersten Stellungsteile per Befehl genommen wurde und man sich zukünftig, vielleicht noch nicht einmal übertrieben überspitzt ausgedrückt1061, quasi auf freiem Feld dem feindlichen Artilleriefeuer und zu erwartenden Massensturm zu stellen haben würde1062. Im Wortlaut eines Armeebefehlshabers klang der hohe Anspruch der Führung an die Kampfkraft der Truppe unter diesen Bedingungen folgendermaßen:

„Ich bin mir bewusst, dass diese Grundsaetze [des Abwehrverfahrens] nicht neu sind und dass hoeher als alle theoretische Belehrung der Geist der Truppe wiegt. Daher Aufrechterhaltung der strengen Manneszucht, Erziehung zu energischen Gegenstössen, Durchdringung aller Mannschaften mit dem Grundsatz, dass eine brave Truppe, auch wenn sie abgeschnitten ist, weiter kaempft, bis sie durch Gegenstoss befreit ist, oder sich durchschlaegt.“1063

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Auf diejenigen Fälle, in denen diese Grundsätze möglicherweise nicht eingehalten wurden, sich Verbände also nicht „brav“ geschlagen hatten, reagierte die OHL geradezu allergisch und bemühte sich umgehend um Klärung des jeweiligen Sachverhalts. Dies war bei der Auswertung der späten Kämpfe an der Somme genauso, wie es sich mit dem zuerst scheinbar unerklärlichen Kollaps der deutschen Verteidigung beim französischen Gegenangriff vor Verdun im Oktober und Dezember 19161064 oder beim „Versagen“ der 14.b.ID bei Arras verhielt. Was hieran bemerkenswert ist, ist der Umstand, daß, jetzt und vor allem auch späterhin1065, handfeste Gründe für hohe Gefangenenzahlen und schwache Gegenwehr, etwa Ablösebedürftigkeit, schwere Verluste, schlechte Stellungen, mangelnde Verpflegung und Munition, anscheinend keinerlei mildernden Umstände darstellten und keine besondere, selbstkritische Berücksichtigung bei der Beurteilung solcher Fälle fanden1066. Statt dessen scheinen Begründungen durchweg in falschen taktischen Dispositionen, besonders aber in Form von Defiziten des Truppenteils in Bezug auf die „geistigen und physischen Kräfte der Führer und Truppe“1067 gefunden worden zu sein. Die Auswirkungen dieser Sichtweisen waren schwerwiegend. Sie waren extrem negativ, was die Form einer vielleicht als Betriebsblindheit zu charakterisierenden und auf Basis selektiver Wahrnehmung erfolgenden Ausklammerung der eigenen Schwächen betraf, und dezent positiv1068, wenn aus dem erwachenden Interesse der 3.OHL für die Stimmung in der Truppe diverse Ansätze zur Besserungen der Lebenssituation der Soldaten entsprangen.

Daß sich die Stimmungslage in der Heimat mit zunehmender Kriegsdauer und unter erschwerten Lebenssituationen stark veränderte, wurde von Dienststellen in der Heimat recht frühzeitig wahrgenommen. Seit Anfang 1916, als es im Deutschen Reich sogenannte Straßenkundgebungen gab und zur Verbreitung von Flugblättern kam, die „Frieden heischenden Inhalt“1069 hatten, wurde die Sorge zusehends größer, daß aus der bestehenden Lage fatalste Folgen für die Wehrkraft und damit die erfolgreiche Fortsetzung des Krieges entstehen könnten. So prophetisch die Worte manches Zuständigen waren, so verbohrt meinten andere unter dem Deckmantel angeblicher Ungerechtigkeiten allein die Agitation und Umtriebe sozialistischer und pazifistischer Kreise erkennen zu können1070. Als Rezept zur Bekämpfung dieser schädlichen Einflüsse, die mit der angenommenen Wirkung der Feindpropaganda zusammenfielen1071, bediente man sich nun stärker der eigenen Propaganda, die in der damaligen Sprachregelung als „Aufklärung“ aufgefaßt wurde1072 und die Aufrechterhaltung einer zuversichtlichen Stimmung in der Heimat und unter den Soldaten bezwecken sollte. An der Front war spätestens seit Ende September 1916 aufgefallen, daß eine merkliche Schwächung der Kampfkraft der Truppe vorlag, die auf Überbeanspruchung in zu zahlreichen Einsätzen sowie fehlende Ruhe- und Ausbildungszeiten zurückgeführt werden konnte1073. Neben diese von militärischen Dienststellen angeführten Punkte trat die Wahrnehmung der für die Heimat festgestellten Einflüsse1074 und die zusätzliche Brisanz, die in den Augen der OHL durch das deutsche Friedensangebot und seine Ablehnung im Dezember 1916 zusätzlich geschaffen wurde1075.

Hatte man im September 1916 trotz des erkennbaren Verschleißes der Kampftruppen noch ihre permanente Überlegenheit über den Feind auch unter schwersten Bedingungen angenommen1076, so belegt die Rührigkeit Anfang des Jahres 1917, daß man sich nun über die strukturelle Integrität der Truppen sorgte. Am 8.Januar ordnete Ludendorff etwa die sofortige Überprüfung potentieller Fälle von Überlaufen zum Feind und „Feigheit“ an, was die Bestrafung der diesbezüglich überführten Soldaten nach Kriegsende ermöglichen sollte1077. Tags darauf wies er darauf hin, den abgelösten Verbänden unbedingt Ruhe zu gewähren1078 und forderte nochmals die untergeordneten Dienststellen auf, sich der Zahl der Überläufer zu vergewissern, die möglicherweise gestiegen war1079. Daß dem tatsächlich auch so war, kann mit letzter Sicherheit nicht bestätigt werden, doch Indizien legen nahe, an eine geringe Zunahme glauben zu können, zu der auch ohne unerlaubte Entfernungen von der Truppe Anzeichen für Unzufriedenheit und schwindenden Kampfeswillen in Verbänden kamen1080. Was die Bewertung dieses Sachverhalts für die OHL schwierig gemacht haben dürfte, offenbarte der Hinweis des AOK 1 auf Fälle, in denen von untergeordneten Dienststellen Überläufer als Vermißte ausgewiesen wurden, wodurch ihre Erfassung und die Feststellung von Trends nachhaltig gestört werden mußte1081. Die Beobachtungen durch die OHL scheinen jedenfalls in ihrer Qualität ausgereicht zu haben, Veränderungen zu initiieren, die mit Beginn im Frühjahr 1917, dann tropfenweise fortgeführt und ergänzt, dazu angetan sein sollten, zuvor ausgemachte aber beiseite diskutierte Mißstände1082 zugunsten einer positiveren Erlebenswelt der Soldaten wenigstens partiell abzuschwächen. Die Bandbreite dieser Aktivitäten war groß und reichte von der Vermehrung und Vereinheitlichung der Angebote von Truppenbetreuung (Marketendereien, Theater, Kinos, Büchereien u.a.) über die Schaffung von Auskunftsstellen, welche Soldaten bei familiären, finanziellen oder juristischen Fragen zur Seite stehen sollten, bis zur Heraufsetzung der Löhnung und der Möglichkeit, an Weiterbildungs- und Schulungsmaßnahmen für den Zivilberuf teilnehmen zu können1083. Zudem wurde mit Einführung des „Vaterländischen Unterrichts“ und einer insgesamt gesteigerten und auf „Durchhalten“ zielenden Propagandatätigkeit versucht, Einfluß auf die Kampfbereitschaft der Truppen zu nehmen. Die ersten Verbände, welche diese Veränderungen zu spüren bekamen, waren die für die Ainse-Champagne-Schlacht vorgesehenen Eingreifdivisionen, die auf Truppenübungsplätzen sowohl das neue Abwehrverfahren erlernten, als auch, gemäß der oben angeführten Forderung der OHL, Gelegenheit bekamen, sich von Strapazen der vorangegangenen Einsätze und der Ausbildung auf möglichst angenehme Art und Weise zu erholen1084. Und dieser Faktor war Ludendorffs Worten nach dem Krieg zufolge als entscheidend zu charakterisieren, weil die Gewährung ausreichender körperliche Ruhe, unter gleichzeitiger Einwirkung auf die mentale Bereitschaft zum Kampf, Garant für die Entspannung von „schweren seelischen Eindrücken“ und dadurch für den Erhalt der Kampfkraft sein mußte1085. Ausgeruht, auf dem neuesten Stand taktischer Erfahrungen und auf den Kampf um „Hof und Herd, Weib und Kind“1086 eingeschworen, durchstanden diese Verbände den Massensturm des Feindes „und bewiesen ihre alte Überlegenheit über den Erbfeind“1087 zu dem Zeitpunkt, an dem die Stimmung in der Heimat in Form von Massenstreiks an einem neuen Tiefpunkt angekommen war. Daß hieraus von Seiten der obersten Führung eine Bestätigung für die Richtigkeit der ergriffenen Maßnahmen auf einem neu beschrittenen Weg der psychisch-physischen Beeinflussung der Leistungsfähigkeit von Truppen sowie die Wahrnehmung ungebrochenen und beständigen Kampfeswillens synthetisiert wurde, mag man den Lobpreisungen für die Tapferkeit der Truppen entsprechend voraussetzen können1088. Wo es definitiv zu einer solchen Synthese kam, die jedoch als Rückschluß von den Leistungen einiger weniger Verbänden in ganz spezifischer Lage und an einem bestimmten Frontabschnitt auf die Masse des Heeres fragwürdig sein muß, war auf dem Teilsektor der Tankbekämpfung.

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Wie die Schreckensrufe von Cambrai und vor allem 1918 erkennen zu lassen, ging wenigstens die OHL davon aus, daß die als „Tankschrecken“ klassifizierte moralische Wirkung der feindlichen Kampfwagen auf die Truppen Mitte 1917 überwunden gewesen sei1089. Eine Meinung, die durch die Aussagen mit Tanks konfrontierter Verbände und höherer Dienstellen untermauert wurde, wie unter Verweis auf die Berichte der BED und die 27.ID nochmals angeführt werden kann1090: Das Gefühl der Ohnmacht gegenüber den Tanks war beseitigt und ihnen kein großer Wert beizumessen. Oder, wie es die Worte eines damals bekannten Dramatikers und Schriftstellers zu den Kämpfen bei Bullecourt am 11.April verhießen: „Siegfried hatte wie einst den Lindwurm zerschmettert“1091. Daß bislang nur eine handvoll Divisionen überhaupt mit dem neuen Kriegsmittel der Alliierten in Berührung gekommen war, daß etwa die Infanterie der BED gar nicht in Nahkämpfe mit Tanks verwickelt worden war und ihr Urteil allein auf den Erfolgen der artilleristischen Fernbekämpfung unter günstigsten Verhältnissen fußte, oder daß die 27.ID ein bestens ausgebildeter und überdurchschnittlich kampfstarker Verband war1092, so wie es auch für die 50.ID, 54.ID und eine Reihe anderer Divisionen galt, die an den Erfolgen im April direkt beteiligt gewesen waren, spielte für den Blick auf die Gesamtheit des Westheeres und für den Ausblick in die Zukunft ganz offensichtlich keine Rolle. Mehr noch, die wichtige Beobachtung, daß unabhängig von der Güte, Gefechtsstärke und angenommenen Zuverlässigkeit eines Verbandes bei jedem Tankangriff ein kritisches, psychologisches Moment vorhanden war, das erst überwunden sein wollte, um einen Abwehrerfolg zu ermöglichen1093, geriet in den Schatten einer euphorischen Überbewertung eigener Leistungs- und Leidensfähigkeit. Die Antwort der höheren und höchsten Führung auf die Unbekannte X, die Möglichkeit, daß das kritische Moment nicht per se als von jedem Verband allerorten überwindlich angesehen werden konnte, kulminierte darin, dem „kopflosen Verhalten der angegriffenen Infanterie“1094 als Hauptgrund für erkanntes Versagen durch Schulung und Belehrung entgegenzutreten:

„Die Infanterie muss zu der Ueberzeugung gebracht werden, dass sie von den Tanks im Allgemeinen nichts zu fuerchten hat, wenn sie ruhig bleibt und auf den Erfolg unserer zahlreichen Abwehrmittel vertraut.“1095

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Wie wenig Erfolg dieser Belehrung der Truppen bislang vergönnt gewesen war, mag man am Beispiel des AOK 6 erkennen können, welches schon im Oktober 1916 darauf verwiesen hatte, wie wichtig es sei, „dass auch bei uns jeder Mann von diesen Wagen gehört hat und weiss, dass sie bei richtiger Bekaempfung nicht gefährlich sind“1096. Bekanntermaßen änderten der Befehl und die übrigen Aktivitäten des AOK nichts an den Ergebnissen der Konfrontation zwischen Tanks und Infanterie an den beiden ersten Tagen der Schlacht bei Arras. Die Diskrepanz zwischen theoretischer Belehrung und praktischem Erleben war wohl zu extrem, als daß schriftliche Zusammenstellungen der Tankabwehrmittel, die ab Mai 1917 auch als Merkblätter zu finden waren1097, allein dagegenhalten konnten. Zumal dann, wenn solches Schriftgut als Einzelleistung von Stäben erschien, die den zeitweilig unterstellten Verbänden auf Basis ganz eigener Auffassung des Sachverhaltes Ratschläge erteilten1098, oder dann, wenn solche Merkblätter nicht wie angeordnet zur weitesten Verteilung kamen, sondern durch untergeordnete Dienststellen allein als Anhalt für mündliche Belehrung betrachtet wurden1099. Der Sektor Tankabwehrausbildung ist insgesamt als sehr merkwürdig gehandhabt zu charakterisieren, da er trotz des seit 1916 mehrfach geäußerten Wunsches nach Schulung alles andere als einheitlich organisiert war. Was man den Truppen und den frontnahen und heimatlichen Ausbildungsstellen mit auf den Weg gab, waren bis zum Ende der Kämpfe bei Cambrai Anhalte auf Basis der ersten Erfahrungen1100, keine Ratschläge oder präzise Ausbildungsrichtlinien. Feststellbar ist an dieser Stelle ein deutliches Vakuum an verbindlichen Weisungen durch die höchste Führung oder überhaupt ein durchgängiger Meldeweg und ein funktionierendes Meldewesen, welche die Verbreitung relevanter Nachrichten und Befehle aufgrund neuester Erfahrungen flächendeckend garantiert hätten. Bei der Artillerie konnte man mit simplen Mitteln improvisieren und auf selbstentworfene Tank-Zielscheiben feuern lassen, wie zumindest an einigen Stellen nachweisbar ist1101. Daß dies überall, also an der ganzen Westfront, bei der Masse der Divisionen oder den Ausbildungseinrichtungen an der Front und in der Heimat so gehandhabt wurde, wie diesbezügliche Formulierungen der Heeresgruppe Rupprecht glauben machen könnten1102, ist äußerst unwahrscheinlich, da man hierfür im Gesamtmaßstab des Westheeres nur spärliche Hinweise finden kann und das Zielscheiben- und Ausbildungsproblem später noch als gravierender Mangel thematisiert werden sollte1103. Allein für Eingreif-Divisionen und solche mit Kommandeuren, die -wie derjenige der 54.ID1104- Eigeninitiative zeigten, sind besondere Aktivitäten nachweisbar, während die Mehrheit der Verbände den von Vorgesetzten apostrophierten Wert einer Tankabwehrschulung ihrer Truppen nicht zum Anlaß für umfangreiche Maßnahmen nahm. Und dies ist auch verständlich, wenn der Tank laut einlaufender Berichte kaum als gefährlicher Gegner anzusehen war und als leichtes Ziel von der Stellungsartillerie schnell außer Gefecht gesetzt werden konnte. Was für die Masse der Kampftruppen, die mit Gewehr und Handgranaten bewaffneten Angehörigen der Infanterie, daraus als Resultat entsprang, war, daß bei kommenden Kämpfen, in denen Tanks als Gegner auftreten würden, lediglich die Hoffnung auf schnelle Entlastung von rückwärts oder die Selbsthilfe durch verwegenste oder, je nach Sichtweise, suizidgleiche Formen der Nahbekämpfung der Maschinen als Abhilfe in Frage kam. Beides wurde von der Führung nach den letzten Erfahrungen für möglich und auch als ausreichend erachtet1105, ohne daß die Auswirkungen eines sich bei anhaltend hohen Belastungen möglicherweise in der Zukunft noch beschleunigenden Zerfalls- und Demotivationsprozesses innerhalb des Heeres berücksichtigt worden wären. Dieses Phänomen mußte geradezu zwangsweise den Willen zum Durchleiden der vielfältigen Schrecken beziehungsweise die Anzahl von Männern verringern, die mit geballten Ladungen Tanks angehen oder auf wenige hundert Meter Entfernung mit Maschinengewehr oder Feldgeschütz den Kampf auf Leben und Tod mit ihnen aufnehmen würden.

Die Ludendorff freundlich gesinnte Variante einer Begründung für die augenscheinliche Negierung dieser Umstände konnte lauten, daß sich sein von „hohem und idealem Pflichtgefühl getragener Geist“ wohl dagegen sträuben mußte, „den erschütternden Niedergang, wie ihn der Geist unseres Heeres an vielen Stellen in den letzten beiden Kriegsjahren zeigte, für möglich zu halten“1106. Abgesehen davon, daß gerade diese hehren Ideale keineswegs eine plausible Begründung dafür darstellen können, sich seiner militärischen Verantwortung für Möglichkeiten oder Unmöglichkeit der zukünftigen Kriegführung zu entbinden, liegen doch ausreichend Hinweise dafür vor, daß sich Ludendorff der Gefahren der innenpolitischen und heeresinternen Zustände sehr wohl bewußt war. Wenn man die für das Frühjahr 1917 relevanten Aussagen in seinen Kriegserinnerungen betrachtet, sticht ins Auge, wie skeptisch er gerade angesichts der Wirtschaftslage, der materiellen Überlegenheit der Feinde und der abbauenden „seelischen Spannkraft“ an der Front und in der Heimat auf eine siegreiche Fortführung des Krieges schaute1107. Sollte der Krieg in dieser Form andauern, so war die Niederlage unausweichlich und daran würden auch die ergriffenen Maßnahmen nichts ändern können1108. Aussagen an anderer Stelle weisen darauf hin, daß an der Seite dieser Sicht der Dinge auch ein Hirngespinst wie die Hoffnung auf ein siegreiches Kriegsende nach dem Abschlagen der feindlichen Angriffe im Sommer 1917 und die eher nebulöse -weil in absehbarer Zeit nicht umsetzbar erscheinende- Hoffnung auf eine eigene, alles entscheidende Offensive zu finden waren1109. Eine Hoffnung, die Scheuklappen notwendig machte, wollte man die Niederlage jetzt nicht eingestehen, und sich nur durch den uneingeschränkten Glauben daran, jedes auftretende militärische Problem mit vorhandenen Mitteln irgendwie meistern zu können, aufrecht erhalten ließ. Für die Tankabwehrfragen läßt sich das besonders darin fassen, daß die Einstellung der OHL ihr Spiegelbild in einer propagandistischen Ausschlachtung der Erfolge so lange und auch über deutlichste Anzeichen für schwerwiegende Fehleinschätzungen hinaus fand, bis es in der zweiten Jahreshälfte 1918 nicht mehr opportun erschien, Front und Heimat mit den neuesten, niederschmetternden Gefechtsergebnissen zu konfrontieren.

Bis zum nächsten Großereignis wenigstens, das neuen Stoff für die Untermauerung der Überlegenheit des deutschen Soldaten gegenüber feindlichen Menschen- und Materialmassen liefern konnte, hielt man sich an die Siege von Arras und in der Doppelschlacht an der Aisne und in der Champagne im Frühjahr 19171110, was anhand zweier Gedichte aus fortgeschrittener Jahreszeit recht eindrucksvoll gezeigt werden kann:

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A. (Zur Schlacht von Arras.)

Hast Du nicht der Welt den Sieg versprochen,
England, und die Herrschaft der Meere?
Umsonst verbluten Deine Heere,
Deine Flotte hat sich verkrochen,
Und sieh, unwürdig des frühen Danks
Und Jubels, vor unserer Front zerbrochen,
liegen Deine Tanks...[1111]

B. (Zur Aisne-Champagne-Schlacht.)

Am Berghang, an des Waldes Ecke,
Aus grünem Laub und niedrer Hecke,
Biegt unsre Stellung stark hervor
Und zieht zum Franzmann sich empor.
Der Punkt schien ihm wohl sehr geeignet,
Er hätt’ ihn gern sich angeeignet,
Und da nicht strafbar der Versuch,
Kommt eines Tags auch sein Besuch.
Mit Rattern und mit dumpfem Keuchen
(Wie es erzählen die Augenzeugen)
Wälzt sich heran, ganz breit und lang,
In langer Reihe Tank an Tank.

Ihr Zweck, der ist ja zu verstehen,
Und kaum sind sie schon ganz zu sehen,
Hat sich darüber schon ergossen
Ein wilder Hagel von Geschossen.
Der erste, der nach vorne kam,
Blieb plötzlich stehn, im Kreuze lahm.
Die andern aber froh und heiter,
Die rollen noch nach vorne weiter.
Da legt ein zweiter sich in Breite
Und zeigt uns mal die Hinterseite.
Den andern schien das zu genügen,
Und sie verzichten aufs Vergnügen.

Es herrscht bei ihnen wohl zur Zeit
Die epidemische Krankheit,
Daß sie zur Lahmheit plötzlich neigen
Und auch die Hinterseite zeigen.
Sie liegen heute noch am Hang-
In langer Reihe, Tank an Tank.
Und seh’ ich einmal noch dahin,
So zieht’s mir lächelnd durch den Sinn:
„Am Berge oben liegt ein Greis,
Der sich nicht mehr zu helfen weiß!“
Drum eines bleibt wohl unverhohlen
Und ist auch ärztlich viel empfohlen:

Man impft die Tanks zu guter Zeit
Mit irgend einer Flüssigkeit,
Die gegen Lahmheit sie beschützt
Damit ihr Vorgehn besser nützt!1112

Wie das letzte Gedicht eines Infanterieoffiziers des IR 158 der 50.ID zeigt, hielt man es bei der Verarbeitung der Ereignisse, deren Zeuge der Verfasser wohl nicht gewesen ist, nicht allzu sehr mit der Wahrheit. Die lange Reihe „Tank an Tank“ gehört zweifelsfrei in den Bereich der Propagandamärchen, wie sie von amtlicher Seite über die Aisneschlacht verbreitet wurden1113. Überhaupt verweist der Inhalt des Gedichts viel eher auf die Kämpfe gegen die Gruppe Chaubès als auf das Geschehen im Einsatzraum der 50.ID bei Juvincourt.

Darüber, wie die weniger poetisch veranlagten Soldaten, die Augenzeugen und direkt Beteiligten der Kämpfe –vor allem die Angehörigen der Stellungsdivisionen vom 16.April 1917- über diese Art der Aufarbeitung ihrer Erlebnisse dachten, konnten Hinweise leider nicht gefunden werden.


Fußnoten und Endnoten

1018  Siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Abschn.: Allgemeines Urteil über die Tanks.

1019  Siehe ebenda, Bd. 43, Akt: Eigene Berichte und Verfügungen, Bl. 39: HGr Rupprecht Ia. Art. I. Nr. 1919, 3.1.1917.

1020  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 119.

1021  Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 117ff.

1022  Siehe ebenda, S. 100, S. 118 und S. 150.

1023  Siehe Augustin, Friedrich: Die Pioniere und ihre Kampfmittel, in Schwarte, Max (Hg.): Der Weltkampf um Ehre und Recht, Bd. 6, Berlin/Leipzig o.J., S. 186. Nach dortiger Aussage wurden von Divisionen an einem Großkampftag 30.000 Handgranaten verbraucht.

1024  Sie ist zudem auch noch sehr viel später als Idee präsent. In einer Fachpublikation von 1936 wurde ein Bestand von insgesamt nur 54 (3,7cm) Panzerabwehrkanonen, die für die aktive Panzerabwehr innerhalb einer Infanteriedivision in Frage kamen, ausgegangen und dies als ausreichend betrachtet. „Da im Normalfalle die Panzerabwehrkanonen der Division genügen, so erscheint meist nicht erforderlich zu sein, eine zusätzliche, an sich mögliche, Panzerabwehr zu benutzen, sofern dies nicht außerordentlich leicht und mit ganz besonderem Vorteil geschehen könnte. Hierzu kämen nur [!] die Pioniere in Betracht.“ Zitiert nach Schell, A. v.: Kampf gegen Panzerwagen, Berlin 1936, S. 31.

1025  Siehe Frerk: Arrasschlacht, S. 126, und Nicolai, Georg: Schillers „Jungfrau von Orleans“ und der Weltkrieg, in Liller Kriegszeitung (Hg.): Sommerlese 1917, Lille 1917, S. 207: „Die englischen Tanks. Dies Furchtbild der erschreckenden Einbildung/Wird, naeher angesehn, in nichts verschwinden.“

1026  Das Dokument lag im Original nicht vor. Petter nahm darauf aber Bezug und bietet eine knappe Zusammenfassung; siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 91f.

1027  Siehe ebenda, S. 94. Bemerkenswert ist die Leichtigkeit, mit der Petter über die Tankabwehrerfahrungen der verschiedenen Dienststellen bei Arras und an der Aisne hinweggeht. Ebenso, daß die Flandernschlacht keine Berücksichtigung findet und die Sichtweise der Alliierten vollends ausgeklammert bleibt. Die Folge ist gerade für den hier relevanten Zeitraum, daß mit Hypothesen gearbeitet wird, denen ungeprüft und undiskutiert Allgemeingültigkeit unterstellt wird.

1028  Als Beleg für die Richtigkeit dieser Annahme und dafür, daß der Umstand schon während des Krieges auffällig war, kann das Schreiben des bayerischen Generals v. Gebsattel an das Kriegsministerium in München dienen; siehe Ulrich, Bernd/Ziemann, Benjamin (Hg.): Frontalltag im Ersten Weltkrieg. Wahn und Wirklichkeit, Frankfurt 1995, Dok. Nr. 52. Zudem findet sich im Zusammenhang mit der Überprüfung von Fällen unerlaubter Entfernungen von der Truppe Anfang 1917 die Meldung des AOK 1, daß bei einer Division definitiv Überläufer als Vermißte geführt würden; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 37: AOK 1 Ia/III Nr. 28233 streng geheim! vom 17.1.1917.

1029  Petter zweifelte vor allem auch an der Effizienz der SmK-Munition, für deren Wirkungsweise ihm lediglich der im Bericht der 27.ID für Bullecourt geschilderte Fall vorlag. Tatsächlich aber machte dieselbe Division bereits wieder am 3.5.1917 Erfahrungen damit, als von 8 angreifenden Tanks 2 durch Artillerie und 3 durch Maschinengewehre kampfunfähig gemacht werden konnten; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: 27.ID Abt. Ia. Nr. 1523 vom 10.5.1917, Ziff. 8.).

1030  Siehe Abschn. 5.6.1.

1031  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 136: Chef d. Genst. d. Feldheeres Abteilung Fremde Heere Nr. 6730a. Geheim. vom Dezember 1917. Bestätigt wurde der britischen Führung nach den Kämpfen von Cambrai, dazugelernt zu haben und besonders auch die Tanks gut genutzt zu haben.

1032  Eine chronologische Aufstellung der Anfragen und Antworten zur Aufnahme des Tankbaus in die Dringlichkeitsstufe 1 belegt, daß es bereits Mitte Februar zu einem Gesinnungswechsel der OHL gekommen sein muß, der am 6.April 1917 mit dem Hinweis darauf, daß nur „allerwichtigste Dinge“ Priorität haben sollten, manifestiert wurde; siehe BA-MA, RH 61/50768: Studie Hildebrandt, S. 1a ff. (Aufstellung der Ereignisse in chronologischer Reihenfolge).

1033  Siehe Abschn. 10.2. und Kap. 13.

1034  Siehe Muther, S. 115, und Abschn. 4.1. der vorliegenden Arbeit.

1035  Die Darstellung von Muther indiziert, daß es sich kaum um eine befohlene Verzögerung oder gar einen Abbruch der Versuche handelte, sondern vielmehr um eine langwierige Versuchsphase mit mehreren Baumustern, die, gewissenhaft ausgeführt, eben eine gewisse Zeit brauchte und daher 1917 keine greifbaren Ergebnisse mehr lieferte. Siehe Muther, S. 116.

1036  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 573: HGr Rupprecht Art. Nr. 27557 vom 16.9.1917, Ziff. 1.).

1037  Diese Erkenntnis, nämlich daß eben zuvor kein ausreichender Druck der OHL (u.a.) vorhanden war, findet sich schon in der Arbeit Jochims von 1921, wo dies für den Tankbau attestiert wurde; siehe BA-MA, RH 61/50768: Ausarbeitung Jochim, S. 4.

1038  Abgesehen davon fehlen selbstredend die einer Waffengattung eigenen höheren Vorgesetzten oder die notwendige Stellung mit einer dauernden Vertretung und Inspektion beim Generalstab.

1039  Siehe etwa HStAS, M 33/2, Bü. 573: Gkdo. XIV.RK Ia Nr. 1620 vom 21.4.1917, dort: 27.ID Abtl. Ia, 1130 vom 14.4.1917, Ziff. II.)d).: „Tankgeschütze sind nicht zu entbehren; namentlich zur Bekämpfung von Tanks, die unsere Stellungen durchbrochen haben, und zur Bekämpfung der ihnen folgenden Infanterie sind sie wertvoll.“ Unter Ziff. II.) e) findet sich als Quintessenz der infanteristischen Tankabwehrerfahrungen bezeichnenderweise die Forderung nach handlichen Grabenkanonen für die Infanterie.

1040  Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 204 geheim. vom 28.4.1917, bzw. Abschn. 6.5.2.

1041  Siehe und vergleiche Abschn. 5.4.

1042  Noch im Mai 1917 ließ das AOK verlautbaren, daß die 3,7 und 5cm Kanonen für einen Einsatz in vorderster Linie ungeeignet seien. Nach den Erfahrungen in der Flandernschlacht, die es nahelegten, für sie MG mit SmK-Munition als Ersatz zu betrachten, sprachen sich die HGr Rupprecht und etwa das GK XIII.AK dafür aus, die kleinen Geschütze wegen Nutzlosigkeit aus der Linie zu nehmen. Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: AOK 2 Ia 223 Mai/Art. 2392/17 vom 14.5.1917, Ziff. B.I.zu 7.), bzw. ebenda, HGr Rupprecht Ia Art. Nr. 24097 vom 3.8.1917, Ziff. 1.), und ebenda, Gruppe Caudry (GK XIII.AK) Abt. Artl. Nr. 13575 vom 14.8.1917.

1043  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: Telegramm aus dem Großen Hauptquartier an AOK 2 vom 26.4.1917.

1044  Zitiert nach KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 17155: Übersendung des Erfahrungsberichts der NKB 220 an die HGr Rupprecht. Siehe auch ebenda, Bl. 16593: AOK 6 IIa Nr. 12101 vom 9.5.1917 an HGr Rupprecht wegen Kommentierung des Berichts der NKB 220. Dort wird von „Gleichgültigkeit“ und „Interesselosigkeit“ der Vorgesetzten gegenüber den Belangen der NKB gesprochen.

1045  Siehe ebenda, Bl. 17155: Erfahrungsbericht der NKB 220. Mit 19 Mann sei drei Wochen in vorderster Linie ausgehalten worden, was zur vollkommenen körperlichen und „moralischen“ Erschöpfung geführt habe.

1046  Siehe etwa ebenda, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 18666: Bericht der NKB 206, oder ebenda, Bl. 18516f: Bericht der NKB 205, und ebenda, Bl. 802/17II: Bericht der NKB 202.

1047  Siehe ebenda, Bl. 16593: AOK 6 IIa Nr. 12101 vom 9.5.1917.

1048  Siehe ebenda, Bl. 16722: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 54958 op. vom 10.5.1917.

1049  Die OHL selbst hatte noch am 1.5.1917 empfohlen, die Nahkampfgeschütze aus der Zone des voraussichtlich stärksten feindlichen Artilleriefeuers herauszuziehen und sie behelfsmäßig zu bespannen; siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 91.

1050  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 16722: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 54958 op. vom 10.5.1917. Es wurde angeführt, daß bei einer Heeresgruppe 47 Nahkampfgeschütze verlorengegangen waren. Mit knapp einem Sechstel der insgesamt verfügbaren Nahkampfgeschütze handelt es sich tatsächlich um ein erhebliches Ausmaß, wobei angeführt werden muß, daß unter den Terminus „Nahkampfgeschütz“ sehr wahrscheinlich auch die übrigen Sondergeschütze (3,7cm usw.) subsumiert worden sind.

1051  Ebenda.

1052  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 17243: AOK 6 Art. I Nr. 13898/1921 vom 18.5.1917.

1053  Siehe ebenda, Bl. 17243b: HGr Rupprecht Ia Art. Nr. 17243 vom 20.5.1917.

1054  Siehe ebenda, Bl. 17380: AOK 2 Ia Nr. 265 Mai/Artl. 2488/17 vom 20.5.1917.

1055  Siehe Abschn. 6.5.2.

1056  Einige Batterien sollten für Sonderzwecke erhalten bleiben, u.a. bei den Sturmbataillonen; siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 16722: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 54958 op. vom 10.5.1917. Aus einigen NKB wurden nach Mai 1917 noch IGB gebildet. Offensichtlich waren das Geschützmaterial und die Leistungen unbefriedigend, so daß es im November 1917 zum Befehl für die Auflösung der IGB kam; siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 152.

1057  Siehe KA, HS 3402: Sturmbataillon Nr. 5 (Rohr) Nr. 1479 geheim vom 8.12.1917.

1058  Siehe ebenda: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 73762. op. vom 21.12.1917. Darin: „Dabei stelle ich aber anheim, vor allem auch Feldartillerie-Batterien mit neuem Gerät, die mit der Infanterie gut eingespielt sind, für diese Zwecke zu verwenden und nicht in der Inf.-Geschütz-Batterie das ausschlaggebende Kampfmittel zur Begleitung der Angriffs-Infanterie zu erblicken.“

1059  Siehe HStAS, M 33/2, Bü 307: 9.RD Ia. 3478 vom 12.10.1917, Ziff. 7.)e).

1060  Siehe Abschn. 13.1.

1061  Siehe dazu Abschn. 10.1., Kap. 12. und 13.

1062  Siehe BA-MA, PH 5 I/11, Bl. 16f.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia 2996 geh.op. vom 29.4.1917. Allgemeingültig wurden die neuen Grundsätze zum Stellungsbau durch eine Vorschrift vom 10.6.1917; siehe RH 61/51702: Solger: Entwicklung des Stellungskrieges, Teil D., S. 1. Besonderen Anlaß für die harte Entscheidung, auf umfangreichen Ausbau und Wiederaufbau durch Artillerie zerstörter Stellungen zu verzichten, dürfte maßgeblich die HGr Rupprecht mit ihren Erfahrungen aus der Schlacht bei Arras bedeutet haben. Die (zugegebenen) stellungsbautechnischen Defizite der Siegfriedstellung hatten durch die bewegliche Führung der Abwehr aufgewogen werden können. Die HGr schrieb dazu: „Es zeigte sich also, daß die Mängel im Ausbau der Stellungen nicht die nachteiligen Folgen hatten, die man hätte annehmen können. Es hat sich vielmehr aus der Notlage ein Kampfverfahren herausgebildet, in dem eine sehr beachtenswerte Weiterentwicklung unserer Grundsätze über Verteidigung im Stellungskrieg zu erblicken ist.“ Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 88: HGr Rupprecht Ic Nr. 2941 geh. vom 2.5.1917.

1063  Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 66: AOK 2 Abt. Ia. Nr. 700/April Geheim. vom 11.4.1917, Ziff. 3.

1064  Siehe dazu die Analyse des Archivrats Obkirchners, der diese Vorkommnisse als erste und überaus deutliche Warnsignale für sinkende Moral und Kampfbereitschaft der Truppe wertete: „Die Truppe hatte nicht überall bis zum Äußersten gekämpft und, nachdem sie umgangen war, sich nicht mit aufgepflanztem Seitengewehr durchgeschlagen, sondern sich gefangen gegeben.“ Siehe BA-MA, RH 61/51507: Forschungsarbeit Obkirchner: Die Entwicklung der Stimmung im Heere 1916/17, S. 15.

1065  Siehe Kap. 9., 11. und 12.

1066  Ludendorffs Aussage dazu, daß eine Division, die 14.b.ID, versagt habe, die zuvor als gut galt, macht aber deutlich, daß die gerade genannten Gründe nicht in Anrechnung gebracht wurden; siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 334. Gleiches gilt für die Bewertung der 3. und 4.b.ID am 15.9.1916 bei Flers, denen Fälle von Panik nachgesagt wurden, während Erschöpfungsgrad und Beispiele für äußerst tapferes Verhalten aus den Bewertungen herausblieben.

1067  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 31: Chef d. Genst. d. Feldheeres I Nr. 36632 vom 8.10.1916. Bemerkenswert sind auch die Zeilen des Kronprinzen zu diesem Sachverhalt, die trotz ihres Erscheinens Jahre nach Kriegsende, wenig Sensibilität für die Gründe hinter beobachtetem moralischem Verschleiß der Truppen oder für die eigene materielle Unterlegenheit ausweisen; siehe Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 283.

1068  Einzelne Inhalte der Bestrebungen dürften an sich positiv aufgenommen worden sein, vor allem auf dem Sektor der Truppenbetreuung. Dennoch konnte etwa die Heraufsetzung der Löhnung Ende 1917 nur einen Tropfen auf einen heißen Stein bedeuten. Die Masse der Heeresmißstände, wie sie etwa im Gutachten Hobohms für den Untersuchungsausschuß des Reichstages aufgezählt wurden, blieb unberührt und vor allem die propagandistischen Tätigkeiten wurden in der Nachkriegsbetrachtung (gerade auch durch Ludendorff selbst) und der historiographischen Aufarbeitung weitgehend als ineffektiv aufgefaßt; siehe etwa Ulrich, Bernd/Ziemann, Benjamin: Das soldatische Kriegserlebnis, in Kruse: Eine Welt von Feinden, S. 149.

1069  Siehe Deist, Wilhelm (Bearb.): Militär und Innenpolitik im Ersten Weltkrieg (Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Zweite Reihe: Militär und Politik), Bd. I, Düsseldorf 1970, Dok. Nr. 126. Es handelt sich um ein Schreiben des bayerischen KM an die bayerischen Staatsminister wegen der Stimmung in Armee und Heimat vom 1.2.1916.

1070  Siehe ebenda, Dok. Nr. 108, Nr. 109 und bes. Nr. 127, worin deutlich wird, wie wenig Verständnis man (hier das bayerische KM) für die Verhältnisse und Lebensrealitäten der Bevölkerung aufbringen konnte.

1071  Siehe BA-MA, RH 61/51507: Forschungsarbeit Obkircher: Die Entwicklung der Stimmung im Heere 1916/17, S. 45.

1072  Siehe Deist: Militär, Bd. I, Dok. Nr. 136.

1073  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Eigene Berichte u. Verfügungen, Nr. 6: HGr Rupprecht Ia Nr. 609 geh. vom 27.9.1916, HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 29f.: AOK 6 Ia Nr. 69014 vom 27.9.1916, und ebenda, Bl. 31: Chef d. Genst. d. Feldheeres I Nr. 36632 vom 8.10.1916.

1074  Siehe Deist: Militär, Bd. I, Dok. Nr. 135, ein Schreiben Ludendorffs an die AOKs wegen Aufklärung der Truppe über wirtschaftliche Fragen vom 18.10.1916. Auf der einen Seite nahm der Erste Generalquartiermeister seine Soldaten geradezu in Schutz, wenn er ihre Beteiligung an der Verbreitung von Gerüchten über die wirtschaftliche Situation auf Unwissenheit und Urteilslosigkeit und nicht auf einen bösen Willen zurückführt, auf der anderen Seite ist überaus deutlich, daß die ja tatsächlich zunehmend fatale Lage als Grund des Mißmuts an der Front als Gerücht abgetan wurde.

1075  Ludendorff schrieb über diese Situation: „Die Kraft daheim war schwer getroffen. Wir dachten mit Sorge an unseren Lebensunterhalt, aber auch an unsere seelische Spannkraft.“ Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 242. Die Bedeutung des Friedensangebotes lag einerseits darin, daß es im Ausland als Zeichen der deutschen Schwäche aufgefaßt werden konnte, andererseits in seiner gleichartigen innenpolitischen Wirkung, die den Glauben der Truppen und Heimat an einen „Sieg-“ oder einen „Verständigungsfrieden“ und damit die Hoffnung auf eine erfolgreiche Fortführung des Krieges untergraben mußte. Siehe ebenda, S. 243.

1076  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Eigene Berichte u. Verfügungen, Nr. 6: HGr Rupprecht Ia Nr. 609 geh. vom 27.9.1916.

1077  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 38: Generalquartiermeister II Nr. 40332/1636 vom 8.1.1917.

1078  Siehe ebenda, Bl. 39: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 44158 op. vom 9.1.1917 , Ziff. 1.).

1079  Siehe ebenda, Ziff. 2.).

1080  Siehe ebenda, Bl. 42: 27.ID Abt. I 169 geh. vom 17.1.1917, und ebenda, Bl. 44: 32.ID Abtlg. Ia. Br. B. Nr. 208 I geh. vom 18.1.1917.

1081  Siehe ebenda, Bl. 37: AOK 1 Ia/III Nr. 28233 streng geheim! vom 17.1.1917.

1082  Besonders deutlich wird der kuriose Umstand, daß man „Mißstände, Ungerechtigkeiten und Ungehörigkeiten“ erkannt hatte, sie aber als bei einem derart großen Heer für unabänderlich deklarierte, bei Deist: Militär, Bd. I, Dok. Nr. 127. Festhalten kann man, daß zwischen dieser Aussage des bayerischen KM vom 1.2.1916 und der Sicht der OHL ein Jahr später definitiv ein gravierender Unterschied bestand, der seine Wurzeln in den unübersehbaren Auswirkungen des Negierens solcher Zustände und der Überforderung der Truppen hatte.

1083  Siehe dazu Hugo, Melchior v.: Fürsorge für das geistige Leben im Heere, Wohlfahrtseinrichtungen usw., in Schwarte: Der Weltkampf, Bd. 8, S. 348-388.

1084  Siehe Abschn. 6.2.

1085  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 309.

1086  Siehe Abschn. 6.2.

1087  Siehe Die Schlacht um Reims, Bericht von besonderer deutscher Seite vom 12.5.1917, in Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 23, S. 102.

1088  Zu diesem Schluß kam auch Obkircher in seiner Ausarbeitung und betonte dabei: „Die O.H.L. war hierin nicht blind. Aber an den ganzen [hervorgeh.] Ernst zu glauben und demgemäss mit rücksichtsloser Schärfe vorzugehen, daran scheint sie unbewußt gehemmt worden zu sein durch den in unzähligen, bitterschweren Kämpfen festgegründeten Glauben an den deutschen Soldaten, auch für die Zukunft.“ Siehe BA-MA, RH 61/51507: Forschungsarbeit Obkircher: Die Entwicklung der Stimmung im Heeres 1916/17, S. 51.

1089  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 93: „Die O.H.L., die mit Ernst der Frühjahrsoffensive der Entente im Jahre 1917 entgegengesehen hatte, glaubte mit den vorgetragenen Ergebnissen zufrieden sein zu können. Die Kampfw.-Gefahr schien durch die getroffenen Maßnahmen gebannt zu sein.“ Bestätigung erfuhr diese Einstellung durch die weiteren Kämpfe des Jahres bis zur Schlacht von Cambrai; siehe dazu Abschn. 8.2.

1090  Siehe Abschn. 5.6.2. und 6.5.2. bzw. HStAS, M 33/2, Bü. 573: GK XIV.RK Ia Nr. 1620 vom 21.4.1917, dort: 27.ID Abtl. Ia, 1130 vom 14.4.1917, bzw. GR 123 Nr. 3687 Kr. 3 vom 13.4.1917, Abschn. C. und D., und BA-MA, RH 61/50597: BED Ic. Nr. 4437 vom 23.4.1917, Teil B., Ziff. 13.).

1091  Siehe Lilienstein, Heinrich: Im Kampf mit dem feurigen Drachen, in Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 23, S. 98f.

1092  Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 364, Anm. 2, und Nash: The 251 Divisions, S. 372f. Dort findet sich als Bewertung für 1917 (S. 372): „The 27th Division has fought well ever since the beginning of the war”, und für 1918 (S. 373): „The 27th has always been considered one of the very best German divisions […].“ Die Division war Anfang 1917 die erste “Übungsdivision” der OHL bei den neu geschaffenen Lehrkursen für höhere Führer in Solesmes und Valenciennes. Der Führer der Gruppe A, v. Moser, war der frühere Kommandeur der Division und mit der Durchführung und Organisation dieser Kurse beauftragt worden; siehe auch Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 266ff. und TG 27.ID, S. 52f.

1093  Siehe etwa KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Abschn.: Allgemeines Urteil über die Tanks. Dort liest man: „Der moralische Eindruck auf unsere Infanterie, den das Auftreten der Tanks verursacht, war besonders bei den Kaempfen am 9. und 11.4. noch immer ein grosser.“ Beachtenswert ist der Gebrauch des Präsenz im Gegensatz zu jeglicher Vergangenheitsform, welche die Überzeugtheit von einer Beseitigung dieses Phänomens durch die letzten Erfolge hätte dokumentieren können.

1094  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 79: AOK 2 Nr. 223/ Mai, Art. 2392/17 vom 14.5.1917. Es handelt sich um den Begleitenden Text zum angefügten und unten zitierten Merkblatt (Bl. 80).

1095  Siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Abschn.: Allgemeines Urteil über die Tanks.

1096  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 24: AOK 6 Ia. Nr. 70450 vom 5.10.1916, Ziff. III.

1097  Siehe etwa HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 80: AOK 2 Ia 223 Mai/ Art. 2392/17 vom 14.5.1917: Merkblatt für Tankabwehr.

1098  Das Merkblatt des AOK 2 verzichtete aufgrund der eingegangenen Berichte, wohl maßgeblich derer zu den Ereignissen in der Champagne, darauf, die Feldartillerie als Abwehrmittel überhaupt aufzuführen. Der Schwerpunkt wurde, wie schon in der Anweisung des AOK 6 vom 25.3.1917, auf die schwere Artillerie gelegt; siehe ebenda, Ziff. A.

1099  Diesen geradezu unverständlichen Fall dokumentiert das Merkblatt des AOK 2, dessen Entwurf in HStAS, M 33/2, Bü. 330, noch die Verteilung bis hinab zu den Kompanien vorsah. In Bü. 721, der Sammlung der für Tankabwehrfragen relevanten Dokumente des GK XIII.AK, erscheint der Zusatz dieses Verteilers nicht mehr. Statt dessen nur noch der Hinweis auf mündliche Belehrung; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721, AOK 2 Ia 223 Mai/Art. 2392/17 vom 14.5.1917, mit dem Zusatz der Gruppe Caudry (GK XIII.AK) Ia, Art., Ic Nr. 813 op. vom 18.5.1917.

1100  Siehe etwa HStAS, M 33/2, Bü. 573: Chef d. Genst. d. Feldheeres II Nr. 47850 op. 2.Ausgabe vom 16.3.1917.

1101  Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Eigene Berichte und Verfügungen, Nr. 51: HGr Rupprecht Art. I/Art. Nr. 9730 vom 13.2.1917, TG FAR 45, S. 71, TG FAR 46, S. 226, TG 1.GFAR, Teil I, S. 327, TG 4.GFAR, S. 153, und Watter, S. 26 (für FAR 108).

1102  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: HGr Rupprecht Ia Art. Nr. 8000. vom 18.1.1917. Unter Ziff. 9. wird erwähnt, daß die HGr die Zuweisung von Tank-Zielscheiben („Simulaker“) in Originalgröße an Schießschulen, Übungsplätze und Beobachterschulen der Artillerie in der Heimat bei der OHL anregen wolle, während man zeitgleich die Artillerie-Werkstätten der eigenen AOKs damit beauftragen wolle, für die eigenen Schießplätze und den Übungsplatz der „Übungs-Division“ (Valenciennes) Scheiben zu fertigen. Da von der 27.ID nicht darüber berichtet wurde, daß sie als Übungsdivision solche Simulaker nutzte, muß fraglich sein, ob die Ideen der HGr zur Umsetzung kamen. Für die Artillerie-Schießschule in Jüterbog fand sich –in Ermangelung aussagekräftiger Archivalien- zumindest ein einzelner Hinweis auf Belehrung in Tankfragen und praktische Schießübungen der (Fuß-) Artillerie auf „Masken von Tanks“, die über den Schießplatz gezogen wurden; siehe Hartung, Wilhelm: Großkampf, Männer und Granaten! Wiesbaden 1930, S. 313.

1103  Siehe Abschn. 12.5.2.

1104  Siehe Watter, S. 26. Die familiäre Bindung an einen in Tankabwehrfragen sehr erfahrenen Mann, den Artillerie-Kommandeur der 27.ID, sowie die militärische Herkunft v. Watters aus den Reihen der Feldartillerie führte zu einer hohen Sensibilität für die Probleme mit dem neuen Kriegsmittel und seiner Bekämpfung. Belegt sind Schauschießen der Feldartillerie auf Tankscheiben vor den Augen der Infanteristen, was in Ermangelung von Beutefahrzeugen die vielleicht einzige Möglichkeit bot, ein stärkeres Vertrauen in die Hilfe und die Fähigkeiten der Schwesterwaffe zu schaffen.

1105  Siehe Lipp, Anne: Meinungslenkung im Krieg. Kriegserfahrungen deutscher Soldaten und ihre Deutung 1914-1918 (Kritische Studien zur Geisteswissenschaft, Bd. 159), Göttingen 2003, S. 155. Dem von der Autorin im Zusammenhang mit der Tankbekämpfung erweckten Eindruck, daß lediglich der „Wille“ von der OHL als ausschlaggebendes Moment definiert und propagiert wurde, ist allerdings entgegenzutreten.

1106  Siehe BA-MA, RH 61/50768: Ausarbeitung Jochim, S. 3.

1107  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 241ff.

1108  Siehe ebenda, S. 242 und S. 242f.

1109  Siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 85 (Eintrag vom 17.1.1917) bzw. S. 65 (Eintrag vom 22.11.1916).

1110  Indizien dafür liefern u.a. die Vielzahl der authentischen Abbildungen und Photographien zerschossener oder eroberter Tanks, die sich ab Mai 1917 zum ersten Mal in illustrierten Zeitungen fanden, sowie eine immense Anzahl Postkarten mit Tankmotiven, die sich bis heute, als offensichtlich tausendfach reproduzierte, zeitgenössische Photographien verbreitet, in Angeboten bekannter Internet-Auktionshäuser und des Militariahandels auffinden lassen. Letzteres basiert auf einem subjektiven Eindruck des Verfassers, mag aber mit geringem Aufwand überprüft werden und seine Bestätigung finden können. Zur Veröffentlichung erster Bildquellen zur erfolgreichen Tankbekämfung siehe bspw. Berliner Illustrirte Zeitung, XXVI.Jg., Nr. 19 vom 13.5.1917, S. 265, und Nr. 20 vom 20.5.1917, Titelblatt sowie S. 279, oder Die Wochenschau, Verlag W. Girradet, Essen/Düsseldorf/Berlin, Nr. 19 vom 12.5.1917, S. 593 und Nr. 20 vom 19.5.1917, S. 616f.

1111  Gedicht eines nicht genannten Verfassers, gedruckt bei Frerk: Arrasschlacht, S. 127. Es kann spekuliert werden, ob es sich bei dem Gedicht um das Erzeugnis einer amtlichen Propagandaeinrichtung, etwa der Feldpressestelle, handelt.

1112  Gedicht von Leutnant Zeh, IR 158 der 50.ID, gedruckt in Die Feldgraue. Kriegszeitung mit Bildschmuck, herausgegeben im Felde v. d. 50.Inf.Div., Nr. 15, September 1917, S. 24.

1113  Siehe Die Schlacht bei Reims, von besonderer deutscher Stelle, in Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 23, S. 101. Darin ließ man verlauten, daß am Abend des 16.4.1917 von 50 angreifenden Tanks „32 in langer Reihe niedergemörsert als formlose Eisenklumpen“ auf dem Gefechtsfeld lagen.



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22.04.2008