8 „Tanks are no good on a battlefield”. Tanks und Tankabwehr im Sommer und Herbst 1917.

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Die Grundlage für die Fortführung der alliierten Operationen an der Westfront war durch die Pariser Konferenz Anfang Mai1114 und selbstredend durch die wenigstens momentane Schwäche des französischen Heeres definiert worden. Das Prinzip, dem weiterhin zu folgen war, basierte auf den bekannten Inhalten einer Ermattungsstrategie mit den Grundsätzen anhaltenden Druckes auf den Gegner und der implizierten Hoffnung, daß sich seine physischen und psychischen Kräfte an der Front und in der Heimat unter einer Vielzahl von Hammerschlägen bis zum Zusammenbruch verbrauchen würden1115. Der Ausfall der französischen Offensivkraft verlangte nach gesteigertem britischen Engagement bei der Umsetzung dieses Zieles1116, das zumindest Haigs Ansicht nach beste Chancen hatte, noch 1917 erreicht zu werden. Er beschäftigte sich intensiv, wenngleich unter Annahme günstigster Zahlen und Hypothesen, die seine Argumentation stützen konnten, mit dem bisherigen deutschen Kräfteverschleiß und den Anzeichen für sinkende Kriegsbereitschaft im Deutschen Reich, was ihn zu einer überaus positivistischen Sichtweise der Erfolgsaussichten seiner Pläne führte1117. Diese kulminierten in der endlichen Umsetzung des so lange gehegten Wunsches einer Offensive in Flandern, die zuletzt durch die aufgezwungene Frühjahrsoffensive verhindert worden war. Die Ausgangsbedingungen, auf die Haig sich auch zur Rechtfertigung des Unternehmens stützen konnte, waren erfolgversprechend. Und zum Inhalt der vereinbarten Ermattungsstrategie, dem durch die Schwäche des Bündnispartners hervorgerufenen Zwang zum Handeln und einer für die Deutschen als äußerst ungünstig deklarierten Gesamtlage, gesellte sich die Möglichkeit, durch Wegnahme der deutschen U-Bootbasen in Flandern etwas für die wirtschaftliche Situation und die Stimmung im Vereinigten Königreich zu tun1118.

Abb. 7: Karte zu den Operationen in Flandern 19171119.

Der erste Teil der britischen Operationen gegen die deutsche 4.Armee in Flandern begann am 7.Juni 1917 mit einem Angriff gegen den Wytschaete-Bogen. Nach der bislang intensivsten Artillerievorbereitung des Krieges, die mit mehr als 2.200 Geschützen über 17 Tage gegen erkannte Positionen und Batterien effektiv durchgeführt wurde1120, legten 19 Minensprengungen mit einer unerhört destruktiven Wirkung gegen die vordersten feindlichen Stellungen und die Gefechtsstärken und Kampfmoral ihrer Besatzungen1121 den Grundstein zu einer deutschen Niederlage, die Mitte Juni mit der Wegnahme des Frontbogens durch den Angreifer endete und die Briten von einer potentiellen Flankenbedrohung der späteren Hauptoperationen im Norden befreite1122.

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Der lokale Erfolg im Wytschaete-Bogen entsprach den Grundsätzen der Ermattungsstrategie und dem Bild vorheriger Schlachten: Der erste Angriffstag war ähnlich erfolgreich wie der 9.April bei Arras verlaufen. Zum Preis recht geringer Verluste war relativ viel Gelände gewonnen und die feindlichen Stellungstruppen geworfen worden, während zunehmender deutscher Widerstand mit zahlreichen Gegenstößen das weitere Vordringen der erschöpften Angreifer am Abend des 7.Juni verhindern konnte und damit die Erfolgsaussichten für die folgenden Tage deutlich einschränkte1123. Nun hätten weitere, begrenzte Einzeloperationen an anderen Abschnitten der Westfront oder auch andernorts folgen können. Doch für Haig waren die Junikämpfe, auch ungeachtet der gewonnenen Möglichkeit zu einer Ausweitung des Erfolges vor Ort1124, lediglich ein Vorspiel für die Flandernschlacht, was, als solches klar kommuniziert, bei den britischen Politikern einige Besorgnis gegenüber den generellen Erfolgschancen und den zu erwartenden Verlusten hervorrief. Tatsächlich hatten beide Seiten bei den Kämpfen im Wytschaete-Bogen nahezu identisch zu leiden gehabt und verbuchten jeweils Ausfälle in Höhe von etwa 25.000 Mann1125. Was letztendlich den Ausschlag zur Zustimmung des Kabinetts zur Eröffnung einer Großoffensive in Flandern gab, war die Rückendeckung, die der erste Seelord, Jellicoe, Haig in Anbetracht der Wirkung deutscher U-Boote bzw. gegenüber der möglichen Ausschaltung deutscher U-Boot-Basen in Flandern gewährte1126.

Der deutschen 4.Armee unter General von Arnim, dem Oberst von Loßberg als Chef des Stabes zugeteilt wurde, der Heeresgruppe Rupprecht sowie der OHL war es durch die langwierige Vorbereitungsphase der britischen Offensive möglich, mit einem gewissen Vorlauf abschätzen zu können, was vom Gegner operativ zu erwarten sein würde. Zuerst behandelte man die Vorbereitungen gegen den Wytschaete-Bogen noch als Ablenkungsangriff, der deutsche Kräfte von den momentanen Großkampffronten bei Arras, an der Aisne und in der Champagne wegziehen sollte1127, doch mit den vermehrten britischen Aktivitäten auch nördlich des Sektors Wytschaete, stieg die Wahrscheinlichkeit, daß eine Großoffensive in Flandern bevorstand1128. Dementsprechend wurden zusätzliche Kräfte dorthin gesandt1129, die bei ihrem Eintreffen zwar nicht als „vollkampffähig“ zu bewerten waren1130, aber durch die zeitliche Versetzung zwischen den Kämpfen im Juni und dem Auftakt der Flandernschlacht Ende Juli die Gelegenheit zu Auffrischung, Ruhe und Ausbildung bekamen1131. Zusammen mit der Zuführung von Artillerie und Fliegerkräften sowie dem Ausbau der Stellungen1132 mit noch zahlreicheren betonierten Anlagen in und hinter den Verteidigungslinien ergab sich für Loßberg bereits Ende Juni die Einschätzung, daß nie zuvor eine Armee vor einer Abwehrschlacht so gut aufgestellt gewesen sei wie die 4. in Flandern1133. Daß dem tatsächlich auch so war, mag man im Vergleich zu den äußerst günstigen Grundlagen und zielgerichteten Dispositionen der Aisne-Champagne-Schlacht anzweifeln, doch der Glaube an die Güte der eigenen Truppen, deren gute Stellungen und hervorragende Ausbildung sowie das bewiesenermaßen erfolgreiche Abwehrverfahren sind unverkennbar die Faktoren, welche in den Augen der Armeeführung dazu angetan schienen, jede zahlenmäßige Überlegenheit des Feindes aufzuwiegen.

Der britische Infanterieangriff begann nach zehntägigem Vorbereitungsfeuer der Artillerie am 31. Juli, und die letzten größeren Gefechtshandlungen vor dem Ausklingen der Schlacht fanden in den Novembertagen 1917 statt. Die Bilanz des Ringens wies geschätzte Ausfälle in Höhe von mindestens 238.0001134 britischen und 217.000 deutschen Soldaten aus1135, denen anscheinend nur der Besitzerwechsel einer verschlammten, vollständig wüsten Einöde gegenüberstand. Tatsächlich aber, und dabei braucht man noch nicht auf mittel- und langfristige Konsequenzen, etwa in Form des Verschleißes von Reserven, zu verweisen, führte die Flandernschlacht auf britischer Seite zu einem merklichen Vertrauensverlust der Truppe in die Führung sowie eine Strategiediskussion, in welcher politische Führer -mit Rücksicht auf Front und Heimat- für die Zeit bis zum Eintreffen der Amerikaner die Defensive durchsetzen wollten1136. Haigs Position gegenüber der politischen Führung war schon vor dem Ergebnis der noch ausstehenden Kämpfe bei Cambrai angeschlagen. Auf deutscher Seite bedeutete der Ausgang der Flandernschlacht einen erheblichen Abwehrerfolg, der die durch das absehbare Ausscheiden Rußlands aus dem Krieg und den Erfolg der deutsch-österreichischen Offensive in Italien ab Ende Oktober1137 veränderte Gesamtlage in Hinblick auf die Grundlagen einer entscheidenden Operation 1918 erst in Wert setzen konnte1138. Was Flandern allerdings auch bedeutete, war ein enormer Aderlaß an ausgebildeten Mannschaften und Unterführern, deren Verlust äußerst schmerzlich war1139 und während der Schlacht alarmierende Indizien für eine immer dünner werdende Decke an personellen Ressourcen und ihre 1918 so deutlichen Auswirkungen erkennbar werden ließ1140. Der bayerische Kronprinz vermerkte am 12.August 1917 in seinem Tagebuch, daß sich die Ersatzlage nach den Worten Ludendorffs bedenklich ausnahm und noch schwieriger werden würde. Er hielt an dieser Stelle zudem fest, wie sehr er persönlich Zweifel hege, ob die Einberufung des Jahrgangs 1900 ausreichen würde, um die Belastungen eines weiteren Kriegsjahres überstehen zu können1141. Die diesbezügliche Bedeutung des materiell aufwendigen und verlustreichen Abwehrsieges in Flandern sowie derjenigen zuvor ist retrospektiv klar zu erkennen und wurde auch nach der Schlacht, als es um die Möglichkeiten einer eigenen Offensive im Frühjahr 1918 ging, nachweislich in die Reihe der beachtenswerten Faktoren aufgenommen. Wie Kronprinz Rupprecht am 11.November 1917 festhielt, gab Ludendorff in einer Besprechung mit ihm und Kuhl zu, „daß eine weitere große Abwehrschlacht einen sehr beträchtlichen Kräfteverbrauch zur Folge hätte, und daß die Frage des Mannschaftsersatzes ihm Sorge bereite“1142. Der stetige Abgang von Kräften ohne wesentliche Verbesserung der strategischen Gesamtlage in Hinblick auf einen baldigen siegreichen Ausgang des Krieges definierte also maßgeblich den Zwang zur Offensive 19181143. Die Erinnerung an diesen Umstand verblaßte im Verlaufe der Entwicklungen des nächsten Jahres allerdings zunehmend, wie in späteren Kapiteln der vorliegenden Arbeit noch zu zeigen sein wird1144.

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Im Oktober 1917, in den neben den bedeutenden Kampfhandlungen an der Westfront auch der Beginn der erfolgreichen deutsch-österreich-ungarischen Offensive gegen Italien fiel, unternahmen die Franzosen eine Operation, welche die eigenen Stellungen westlich des Chemin des Dames, bei Laffaux1145, verbessern und gleichzeitig den britischen Verbündeten in Flandern entlasten sollte1146. Benannt nach Primärzielen der Unternehmung, der Ferme und dem Fort de La Malmaison, wurde der Plan für die „Schlacht von Malmaison“ als eng begrenzte Operation von vier Korps mit sieben Angriffsdivisionen unter intensiver Vorbereitung und mit effektivierten Mitteln gefaßt. Zu letzteren gehörten kurzes aber präzises Artilleriefeuer mit Explosiv- und vor allem auch Gasgeschossen auf erkundete Feindstellungen und Batterien, absolute artilleristische Feuerüberlegenheit, die während der Kämpfe ein Verhältnis von 3:1 aufwies1147 und zuvor sechs Tage lang vorbereitend gewirkt hatte, die Erringung der Luftherrschaft zwecks eigener Beobachtung und Feuerleitung der Artillerie sowie die Eliminierung der deutschen Erd- und Luftbeobachtung1148. Das Resultat der von französischer Seite am 23. Oktober infanteristisch begonnen und bereits am 26.Oktober für beendet erklärten Schlacht war im Verhältnis zu den zeitgleichen Kämpfen in Flandern und den so herben, vorherigen Rückschlägen beachtlich. Zum Preis von schätzungsweise 14.000 eigenen Ausfällen waren dem Gegner Verluste in Höhe von etwa 28.000 Mann beigebracht, 200 Geschütze, 222 Minenwerfer und 700 Maschinengewehre erobert worden1149. Mehr noch, die eingangs definierten und geschickt gewählten Operationsziele waren binnen kürzester Zeit erreicht worden, was, durch ihre günstige Lage in der Flanke der Siegfried-Stellung, des Chemin des Dames und der Ailette, den Verteidiger zur Aufgabe der „Laffaux-Ecke“ und des „Damenweges“ zwang. Bezeichnenderweise erfolgte die deutsche Rückzugsbewegung ab dem 26.Oktober1150, dem französischerseits als Datum des Endes der Schlacht festgelegten Tag, womit der operative Erfolg der begrenzten Unternehmung besonders unterstrichen wird. Der Hauptgewinn, die Wegnahme des Chemin des Dames, um den seit April 1917 so erbittert gestritten worden war und der daher von besonderer Symbolkraft war, wurde ohne Massenverluste des Angreifers erzielt. Gleichzeitig manifestierte die Schlacht von Malmaison für die Zeitgenossen das Ende der Krise innerhalb des französischen Heeres1151.

8.1 Tank Corps und Artillerie d’Assaut.

Tanks waren an allen drei Operationen der Briten und Franzosen beteiligt, wobei ihre Leistungen genauso ambivalent erscheinen, wie die gerade angeführte Zusammenfassung der jeweiligen Schlacht ausgefallen ist.

Die detaillierten Planungen der britischen Seite für die Flandernoperationen reichten wenigstens bis Anfang 1917 zurück, wie aus diversen im amtlichen Werk edierten Memoranden hervorgeht. Den Tanks wurde dabei eine Rolle zugewiesen, die sich zuerst augenscheinlich an die Vorstellung eines gepanzerten Stoßarmes hielt, welcher über die genommene erste deutsche Stellung hinweg tief in hintere Verteidigungslinien des Feindes stoßen sollte1152. Ziel war ein Durchbruch, Mittel waren Überraschung und eine große Anzahl konzentriert eingesetzter Tanks1153. Diese Vorstellungen entsprachen im Grundsatz denjenigen, die von führenden Köpfen des Tank Detachment propagiert worden waren und besonders von Fuller als Rezept erfolgreichen Einsatzes nach Arras gefordert worden waren1154. Die Zeichen für die endliche Berücksichtigung der Ideen innerhalb des Tank Detachment schienen sich seit April insgesamt zu bessern. Denn mit dem Einverständnis Haigs zur Aufstockung des Fahrzeug- und Personalbestandes auf 18 Kampfbataillone und umfangreiche Unterstützungsteile1155, wurde doch wenigstens deutlich, daß ein guter Wille vorhanden war, der auf Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der gepanzerten Streitmacht gebaut zu sein schien. Nun fragte die Führung der britischen Truppen in Frankreich sogar an, inwieweit Kampfwagen an einer vollkommen neuartigen „Panzer-Operation“1156, einer amphibischen Landung im Rücken des Feindes an der flandrischen Küste (Operation „Hush“), teilhaben könnten. Ein Plan, der angesichts einer Vielzahl technischer und taktischer Schwierigkeiten kaum realisierbar war und dann auch fallengelassen wurde, aber ganz offenbar von den Köpfen des Tank Detachment als Gelegenheit zur Darbietung eigener Improvisationskunst und zu intensivierter Interaktion mit der Führung genutzt wurde1157. Die Hoffnungen auf die Möglichkeit der Mitsprache und Einflußnahme bei den Operationen in Flandern waren allerdings trügerisch, wenngleich ihr bis direkt vor Beginn der Schlacht noch dadurch symbolisch Ausdruck verliehen wurde, daß das Tank Detachment, offiziell die Heavy Branch des Machine Gun Corps, am 28.Juli 1917 als „Tank Corps“ in die Reihe der Waffengattungen des Heeres aufgenommen wurde.

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Die Zuführung des neuen Tanktyps Mark IV, der mit 12mm Panzerung gegen deutsche SmK-Munition sicher sein sollte, lief ab Mitte April 1917 zwar endlich an, erfolgte aber nicht in der zugesagten Größenordnung und brachte Aufwand bei der Ausbildung der Besatzungen mit sich1158. Die zugebilligte Vergrößerung des Tank Detachments blieb in den folgenden Monaten zwischen Büros des Generalstabes und des Kriegsministeriums hängen, wo man den Bedarf an Fahrzeugen und Personal mangels Priorität in der Rüstung und beim Ersatzgeschäft nicht decken wollte1159, und die Einsatzkonzeption für Flandern wandelte sich von der Berücksichtigung einer starken und überraschend eingesetzten Tankstreitmacht hin zu den bekannten Mustern der „normal tactical methods“. Von konzentriert eingesetzten Tanks war nicht mehr die Rede, statt dessen wurde die Verteilung der vorhandenen Fahrzeuge in kleinen Gruppen auf die Angriffskorps vorgesehen1160. Dazu fiel der Artillerie wiederum eine Schlüsselrolle zu, die tatsächlich schon durch die lange Vorbereitungszeit für Heranführung von Munition und Geschützen sowie Erreichung der gewünschten Wirkung jegliche Überraschung zunichte machen mußte1161. Und, wiederum und vor allem, mußten die Eigenschaften des Terrains für den Tankeinsatz Schwierigkeiten mit sich bringen, die vom ausgiebigen Gebrauch der Artillerie noch maximiert wurden. Der niedrige Grundwasserspiegel, zahlreiche Wasserläufe und die bisherigen Kampfhandlungen hatten ihre Spuren im Gelände hinterlassen und wenigstens dem Frontbereich das Gepräge einer unwirklichen, feuchten Sumpflandschaft gegeben1162. Anders als Fuller, der in seinen Memoiren klar zum Ausdruck brachte, daß das verschlammte flandrische Operationsgebiet für Tankeinsätze grundsätzlich ungeeignet gewesen sei und die Anschuldigung erhob, daß dies von Haig als Kenner Flanderns fahrlässig negiert wurde, bezog sich das britische amtliche Werk auf General Elles, der in einem Schreiben von September 1917 zum Ausdruck brachte, daß nicht das Gelände an sich zu grundsätzlicher Kritik am Angriffsplan berechtigt habe, sondern vor allem der massive Artillerieeinsatz fatale Folgen nach sich gezogen hatte1163. Beides zusammen darf man als ausschlaggebende Faktoren für die geringe Durchschlagskraft der Tanks in den flandrischen Operationen betrachten.

Am 7.Juni 1917 wurden gegen den Wytschaete-Bogen insgesamt 82 Tanks im Rahmen der 2.Tank-Brigade bereitgestellt. Davon waren 72 vom neuen Typ Mark IV auf die drei angreifenden Korps verteilt1164. Ihr Zweck bestand allein darin, Hilfswaffe der vorrückenden Infanterie zu sein und den Kampf mit deutschen Widerstandsnestern zu suchen. Hierin waren die wenigstens 40 Wagen1165, die am ersten Tag der Schlacht ins Gefecht geworfen wurden, leidlich erfolgreich, was zum überwiegenden Teil auf die geringen Möglichkeiten geschoben werden kann, welche sich den dezimierten und moralisch schwer angeschlagenen deutschen Verteidigern im verwüsteten Gelände den langsam vorrückenden Tanks gegenüber in einer besonders zu Beginn rasant verlaufenden Schlacht boten1166. An einigen Punkten, etwa in Messines1167, bei Oosttaverne oder Wytschaete1168, wo sich Deutsche zur Verteidigung der Dorftrümmer stellten, konnten Tanks ihrem Auftrag gemäß eingreifen und der vorgehenden Infanterie wirkungsvoll assistieren. Spektakulär waren diese Fälle allerdings nicht, sondern gleichen verschiedenen Momentaufnahmen aus den beiden vorherigen Einsätzen an der Somme und bei Arras. Immerhin waren die Verluste wesentlich geringer als zuvor. Angeblich nur zwei Tanks fielen am ersten Tag der Schlacht deutschem Artilleriefeuer zum Opfer1169. Was als schlechtes Omen für die kommende Flandernschlacht am 7.Juni erkennbar wurde, waren die erheblichen Schwierigkeiten mit dem Angriffsgelände, die nicht nur die Geschwindigkeit und Agilität der Tanks erheblich reduzierten, sondern, je nach Zahlengrundlage der tatsächlich eingesetzten Fahrzeuge, für Ausfälle in einer Größenordnung von bis zu 50% verantwortlich waren. Allein 26 der insgesamt vorhandenen Tanks sollen einer Quelle zufolge schon vor Beginn des Angriffs im Morast steckengeblieben sein1170. Und dabei war das Wetter, anders als etwa bei Arras, bis zum 7.Juni hervorragend gewesen1171. Dies änderte sich in den noch folgenden Wochen der Flandernschlacht insofern, als immer wieder eintretende Regenfälle1172 und aufquellendes Grundwasser das trichterübersäte Schlachtfeld zusätzlich versumpfen ließen. Daß man sich auf Seite des Tank Detachment dieser Schwierigkeiten bewußt war, zeigte die Einführung eines recht simplen Hilfsmittels, des Kletterbalkens oder „unditching beam“, im Vorfeld der Flandernschlacht. Es handelte sich dabei um einen eisenbeschlagenen Balken, der üblicherweise auf dem hinteren Teil des Fahrzeugdecks transportiert wurde und im Bedarfsfall mittels zweier Ketten quer zur Fahrtrichtung an den Laufbändern des Wagen befestigt werden konnte, um beim Anfahren festen Grund zu schaffen1173. Wenn dies auch keinen Ersatz für adäquate Bodenbeschaffenheit des gewählten Einsatzgeländes darstellte, so war es doch eine wesentliche Verbesserung der Möglichkeiten, sich als Besatzung im Notfall selbständig aus einer mißlichen Lage befreien zu können1174.

In die Reihe derartiger Besonderheiten und Innovationen im Vorfeld der Flandernschlacht gehörte auch eine neue Art der Einweisung von Truppenführern und Unterführern. Seit Anfang Juli existierte ein überdimensionierter „Sandkasten“ im Wald von Oosthoek, der den Angriffsraum mit seinen geographischen und topographischen Begebenheiten sozusagen en miniature darstellte und als begehbares Model für plastische Eindrücke und das Zusammentreffen von Offizieren aller Waffengattungen und Dienststellen sorgte1175. In Hinsicht auf den zuletzt genannten Effekt war der Sandkasten für den taktischen Tankeinsatz sicherlich nicht unbedeutend, denn er konnte für engere Fühlung mit der Infanterie sorgen1176. Was allerdings die grundsätzlichen Parameter einer Einweisung im Gelände betraf, die sich für die Durchführung des Tankeinsatzes erstmalig an Kompaß-Marschzahlen mit Bezug zu bestimmten Geländepunkten orientierte1177, so verursachten die Verwüstungen durch Artilleriefeuer vielfach drastische Veränderungen beziehungsweise den unwiederbringlichen Verlust dieser Bezugspunkte1178.

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Am Einsatzverfahren der Tanks für die Flandernschlacht änderte sich im Grundsatz nichts. Sie blieben Hilfswaffe der Infanterie, oder, wie Prior und Wilson es nannten, eine „infantry protection weapon“1179, die zum Beseitigen von Stützpunkten in Gruppen auf die Angriffstruppen verteilt wurden. Für diesen Zweck waren am 31.Juli 1917 insgesamt 254 Fahrzeuge1180 aller drei Tank-Brigaden versammelt, die je nach Zielsetzung der Korps in zwei bis drei Wellen und eine Reserve eingeteilt wurden. Das Wetter am ersten Tag der Schlacht war schlecht, der Boden von Granaten aufgerissen und das Gelände eine Schlammwüste, was die vorrückenden Tanks an wenige brauchbare Wege band, sofern sie nicht stecken bleiben wollten. Da zudem weder die deutsche Artillerie in genügendem Maße dezimiert worden war und von Luftherrschaft über dem Angriffsgelände nicht wirklich gesprochen werden konnte1181, definierte sich das Schicksal der 136 tatsächlich am ersten Tag der Schlacht eingesetzten Fahrzeuge in einem Raum von Minimalerfolgen einzelner Wagen1182, dem Abgeschossenwerden an vom Feind stark gesicherten, unverschlammten Passagen des Gefechtsfeldes1183, dem simplen Steckenbleiben und dem Steckenbleiben und anschließend durch deutsche Artillerie und Flugzeuge zerstört werden1184. Etwa 70 Tanks, damit rund die Hälfte der eingesetzten Fahrzeuge, gingen am ersten Tag verloren1185 und Fuller urteilte vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen und Zahlen, daß es sich bei dieser Operation keineswegs um die erhoffte „Tankschlacht“, sondern um eine „Panzerabwehr-Schlacht“ handelte, die konzeptionell von Anfang an eine Totgeburt sein mußte1186. Schon im Regenwetter des 2.August forderte Elles von der Armeeführung das Herausziehen seiner Einheiten, um sie für spätere Einsätze und günstige Gelegenheiten aufzusparen. Dem Vorschlag wurde von der befehlführenden 5.Armee (Gough) für die allernächsten Tage offiziell entsprochen, doch er wurde nicht umgesetzt. Mit der Wiederholung beziehungsweise der Wiederaufnahme verlustreicher Angriffe unter Beteiligung des Tank Corps von Mitte des Monats an1187 wuchs auf dessen Seite die Befürchtung, sinnlos verbraucht zu werden, ohne in absehbarer Zeit den notwendigen Ersatz und die zugesagten Verstärkungen zugeführt zu bekommen1188. Diese Sorge mußte sich dadurch verstärken, daß Gough ein absolut vernichtendes Urteil über Tanks im Einsatz fällte, das sich folgendermaßen zusammenfassen ließ:

„1.Tanks negotiate bad ground. 2.The ground on a battlefield will always be bad. 3.Therefore Tanks are no good on a battlefield.”1189

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Die existentielle Bedrohung des Tank Corps kulminierte dementsprechend nicht nur im allgemeinen Verschleiß seiner Kräfte, der bis zum Abschluß der Kämpfe schätzungsweise ein Quantum von 190 Fahrzeugen ausmachte1190, sondern auch in dem in höheren und höchsten Kreisen geäußertem Unmut und belegtem Unverständnis gegenüber seinen Einsatzmöglichkeiten und seiner potentiellen Leistungsfähigkeit. Eine Feststellung, die um so interessanter sein muß, als sie der britischen Führung im Umfeld der Flandernschlacht nahezu dieselbe Beschränktheit attestiert, die gemeinhin für die deutsche 3.OHL und ihr Verhältnis zu den Tanks angenommen wird1191.

Am 7.September forderte Elles erneut das Herausziehen seiner für die Verhältnisse in Flandern und die hier angewandte Kampfform vollkommen untauglichen Tanks. Gleichzeitig wies er auf die Möglichkeit hin, an anderen Fronten, bei der 1. und 3.Armee beiderseits Arras’, in kleineren tankgestützten Operationen aktiv werden zu können1192. Zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits einen konkreten Plan Fullers für einen Handstreich gegen das im Befehlsbereich der 3.Armee von General Byng gelegene St.Quentin gegeben, den der Urheber Ende August, in berechtigtem Glauben an die Ignoranz der militärischen Führung in Frankreich, gleich an die Fürsprecher des Tanks in London, Stern, Churchill und Tennyson D’Eyncourt gesandt hatte1193. Fünf der acht in Flandern vorhandenen Bataillone des Tank Corps wurden daraufhin, nach schriftlicher Intervention D’Eyncourts und mündlichen Vorträgen Elles’ und Byngs bei Haig aus der Front genommen. Diese Bataillone bildeten zweieinhalb Monate später den Kern der Angriffstruppen bei Cambrai1194. Über den noch andauernden Einsatz der in Flandern verbliebenen Bataillone der 1.Tank-Brigade schrieb Fuller in seinen Erinnerungen die für die Lage vor Ort und die Situation des Tank Corps’ in dieser „Schlamm-Schlacht“ insgesamt bezeichnende Passage:

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„Ein Angriff folgte dem anderen, ein paar Meter Sumpfboden wurden erobert, ein paar Meter verloren, während Schützenlinien vorne Maschendraht legten, um zu verhindern, daß die Mannschaften im Schlamm einsanken. Ein typisches Beispiel war der Angriff am 20.September: 18 Tanks des E-Bataillons und 12 des D-Bataillons gingen ins Gefecht. Von diesen erreichte nur einer sein Ziel, 19 blieben stecken, 5 erhielten Volltreffer und fünf hatten Pannen. Der Boden war jetzt so durchgebuttert, daß einige Tanks im Matsch verschwanden.“1195

Noch bevor das Ereignis „Cambrai“ überhaupt seine Schatten vorauswerfen und der Legende nach eine neue Ära der Landkriegführung begründen konnte, fand mit der Schlacht bei Malmaison etwas statt, dem Modellcharakter unterstellt werden konnte1196. Eine Modellhaftigkeit, die derjenigen gleicht, die vom Auftakt der britischen Operation gegen den Wytschaete-Bogen hätte ausgehen können, wäre nicht programmgemäß die Flandernschlacht gefolgt.

Wie oben angeführt, spielte in der französischen Konzeption die Frage der Luftüberlegenheit, der Aufklärung und der Wirksamkeit der Artillerie zusammen mit dem Faktor Überraschung eine besondere Bedeutung1197. Dasselbe galt für die chars d’assaut, wobei ihnen auf Grundlage der bekannten Fahrzeugmängel, der recht geringen Anzahl einsetzbarer Fahrzeuge und der bisherigen Erfahrungen keineswegs „visionäre“ und damit möglicherweise zu anspruchsvolle Aufgaben zugemutet wurden, sondern genau das, was als Uridee ihr Zweck sein sollte. In diesem Sinne setzte man sie als Begleitwaffe der Infanterie ein, der von Maschinengewehren und Widerstandsnestern gesäuberte Gassen in die feindlichen Stellungen hinein gebahnt werden sollten.

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Die technischen Unzulänglichkeiten der Typen St.Chamond und Schneider zeigten sich bei dieser Gelegenheit erwartungsgemäß wieder, wie durch wenigstens 27 vor Angriffsbeginn steckengebliebene Fahrzeuge, 15 weitere, mit technischen Pannen behaftete Wagen sowie zahlreiche Kommandantenausfälle durch „Kopfverletzungen“, die durch fehlende Alternativen zum Beobachten „über Luke“ verursacht worden waren, dokumentiert wird1198. Lediglich neun Tanks sollen durch deutsche Waffenwirkung ausgefallen sein1199, und diejenigen der 67 eingesetzten Fahrzeuge, die in den Kampf gegen die erschütterten deutschen Verteidiger, die mit durch Gas- und Artilleriebeschuß massiv dezimierter Artillerieunterstützung kämpfen mußten und nach hinten durch französisches Feuer von Versorgung und Reserven abgeschnitten wurden1200, eintraten, bewiesen ihre Nützlichkeit1201. Diese ähnelte in ihrer Form den bei vorherigen britischen Tankeinsätzen üblichen Berichten über die Beseitigung einzelner Feindpositionen. Doch gemessen an den Ereignissen des 16.April an der Aisne und den Erwartungen, welche die französische Führung ein halbes Jahr später und nach den „Meutereien“ hegen durfte, war der Einsatz ein voller Erfolg, der es nicht an ausschlaggebenden Aktionen der Abteilungen der artillerie d’assaut innerhalb der begrenzten Operation fehlen ließ1202. Im Unterschied zum Tank Corps und dessen schwieriger Situation zwischen Befehlshabern, Rüstungspolitik und der Wiederholung von Einsatzfehlern stellte sich die Lage der artillerie d’assaut wesentlich günstiger dar. Mit Pétain und seinem Stabschef Foch gab es eine Führungsspitze, welche die Möglichkeiten dieser Waffe nicht überschätzte, sie nicht überforderte und sie so gebrauchte, wie die technischen Möglichkeiten es zu diesem Zeitpunkt zuließen. Mit Aussicht auf den neuen Typ FT-171203 und die Vermehrung der Panzerverbände im Frühjahr 1918, konnte es vor dem Hintergrund der Bewährung, welche die Schlacht von Malmaison bedeutete, keinerlei Parallelität zum Existenzkampf des Tank Corps geben.

8.2 Tankabwehr.

Die Wahrnehmung der drei Hauptschlachten an der Westfront zwischen Mai und November 1917 durch die OHL stellt sich für den heutigen Betrachter erwartungsgemäß als Anknüpfung an die vorherigen Erfahrungen dar. Dies hatte zum einen den Grund, daß strategische Belange, welche die Schaffung einer günstigen Ausgangslage für eine deutsche Offensive im kommenden Jahr betrafen, offenbar Vorrang vor Detailfragen hatten oder diese überlagerten, dann auch, daß es auf dem Sektor solcher Details wenig Neuigkeiten zu geben schien.

Den Verlust des Wytschaete-Bogens und der Laffaux-Ecke konnte man auf Führungsfehler schieben, deren Kern in bekannter Manier vornehmlich auf lokaler Ebene verortet und sanktioniert wurde1204. Die Schlacht in Flandern dagegen schien in der Folge der Frühjahrskämpfe einmal mehr zu beweisen, daß der taktische Vorteil auf deutscher Seite lag und, Dank der hervorragenden Vorbereitung des Frontsektors zur Abwehr, nur in Augenblicken überhaupt mehr als örtliche Geländeeinbußen drohten1205. Unter diesen Erfolg in Flandern fielen auch die Tanks, deren Einsatz bei Wytschaete anscheinend gar nicht wahrgenommen worden ist und denen für die anschließende Flandernschlacht eine so geringe Rolle beigemessen wurde, daß die bisherigen und von der 4.Armee getroffenen Abwehrmaßnahmen, bereitgestellte Tankabwehrzüge der Feldartillerie und SmK-Munition für die Infanterie1206, als völlig ausreichend betrachtet werden konnten. Der „Tankschrecken“ schien bereits vorher „ziemlich beseitigt“1207 gewesen zu sein, und seine im Verlauf der Kämpfe als vollständig klassifizierte Aufhebung spiegelte sich später noch bis in die Kriegserinnerungen Ludendorffs wider, der für den gesamten Berichtzeitraum der Flandernschlacht kein Wort über diese Waffe verlor. Dieselbe Geringschätzung brachte die deutsche Propaganda zum Ausdruck, bei der, an den „großen Bluff“ von April 1917 anknüpfend, wiederum die Leistung der deutschen Verteidiger und die Schwächlichkeit des alliierten Kriegsmittels bis hin zum Mitleid mit seinen Besatzungen gepflegt wurde:

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„Das Schicksal der Tankangriffe ist bekannt. Die Eisenkolosse wurden zum Teil schon durch Maschinengewehr aufgehalten, und sie waren verloren, sobald sie in das Zielfeuer deutscher Geschütze gerieten. Das Schicksal der Besatzung der erledigten Tanks war furchtbar. Sie verbrannten in den explodierenden Benzinmassen bei lebendigem Leibe. Die englischen Soldaten haben an das Eingreifen von einigen hundert Tanks geglaubt. Das war übertrieben. 60 sind zum Sturme vorgefahren. Davon mußten einige umkehren, einige sind stecken geblieben, und 25 haben wir erlegt. Sie lagen vor der undurchbrochenen Front, und um sie herum, scheußlich verzerrt, die halbverkohlten Körper ihrer Bedienungsmannschaften, die wie lebende Fackeln aus den explodierenden Panzerkästen geschleudert wurden. Das ist der Verlauf des großen, seit vielen Monaten vorbereiteten Tankangriffs gewesen.“1208

Die Realität war nur bedingt Inhalt derartiger Ausführungen, wie mit der Frage nach einer frontnahen deutschen Perspektive -und zwar einem Blick „von unten“- schnell nachgewiesen werden kann. In der Truppengeschichte des FAR 20 findet sich eine solche Perspektive, nämlich die Sichtweise eines Zugführers, dessen beide Geschütze am 22.August 1917 in Flandern zur Tankbekämpfung herangezogen wurden. Das Vorbringen der Geschütze durch die unter massivem Beschuß liegende Trichterwüste sowie der Kampf selbst gestalteten sich derart mörderisch, daß man aufgrund der Aussagen versucht ist, von einem Himmelfahrtskommando zu sprechen1209. Daß sich bei einer solchen Einsatzweise dennoch Erfolge einstellten, die in ihrer Gesamtheit den Eindruck nährten, dieser und künftigen Herausforderungen technisch und mental gewachsen zu sein, lag zweifelsfrei im bewiesenen und über alle Schwierigkeiten erhabenen Willen der Geschützbedienungen, den Kampf aufzunehmen sowie in den Eigenschaften des Gefechtsfeldes begründet, welche die Tanks ihrer ohnehin geringen Mobilität beraubten.

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Wie etwa an der Aisne im April 1917, so fußte der Abwehrerfolg aber eben nur zu einem Teil auf eigenen Dispositionen, „eigenem Willen“ der Soldaten, ohne den tatsächlich nichts erreicht worden wäre oder eigenen Kräften, die angewiesen wurden, zur Stelle zu sein. Letztendlich basierten sie also auf dem Faktor der Kampfbereitschaft der Truppen. Zu einem anderen, vielleicht sogar gleichgroßen Teil fußte der Erfolg auf Grundlagen, die vom Feind geschaffen oder zugelassen wurden und dem Verteidiger, im Sinne eines retrospektiv unterstellbaren, inadäquaten Gebrauchs der Tanks, Vorteile verschaffen mußten. Letzteres spielte in den Äußerungen der höchsten Führung keine Rolle und blieb für „Wytschaete, Flandern und Malmaison“, um diese komplexen Kampfhandlungen und Operationen vereinfachend zusammenzufassen, genauso undiskutiert wie die Rahmenbedingungen, die nach den Frühjahrsschlachten zur überaus günstigen Bewertung der Tankabwehrmöglichkeiten geführt hatten. Die Kontinuität innerhalb dieser Einschätzungen durch die OHL ist offensichtlich1210, genauso aber auch die Ambivalenz bei der Beurteilung von Sachverhalten durch die untergeordnete Führung. Sicherlich kann in Hinblick auf den Tank im Sommer und Herbst 1917 nicht davon gesprochen werden, daß er mehr als die zuvor schon bezeugte Leistung aufwies. Doch sein Einsatz im Verband mit einer grundsätzlich veränderten Kampfweise, wie sie bei Malmaison erstmalig vorkam und auch von der dortigen deutschen Führung als solche wahrgenommen wurde1211, hätte eine Reaktion der OHL zumindest in Form eines tiefergehenden und selbstkritischen Austausches mit relevanten Dienststellen und Frontstäben erwarten lassen können. Entsprechendes konnte bei Recherchen zur vorliegenden Arbeit nicht nachgewiesen werden und fand auch keinen Eingang in das Manuskript Petters zur Kampfwagen-Abwehr, was als deutliches Zeichen dafür gewertet werden kann, daß ein solcher Vorgang, wenn überhaupt existent, jedenfalls nicht aktenkundig geworden ist. Die auch in diesem Zusammenhang interessanten Aufzeichnungen Kuhls verweisen demgemäß auch nur auf den Umstand, daß das Versagen der Führung des AOK 7 bei Malmaison und die Blindheit der OHL gegenüber dem eigenen, noch immer sinnlosen Kräfteverbrauch im Zentrum der Fragen stand, nicht aber die der Art nach veränderten Aktionen des Feindes1212.

Insgesamt betrachtet ist ein tiefergehender Austausch zwischen den Frontdienststellen und der OHL nur spärlich nachweisbar, geht es um Tankabwehrfragen. Wenn man etwa für die Flandernschlacht nach Mitteilungen untergeordneter Stäbe an die OHL sucht, kann zwar so etwas wie der Bericht des AOK 4 zu Erfahrungen mit Kampfreserven aufgefunden werden, hierin aber kein Wort, das über die Rahmenbedingungen des infanteristischen Gegenstoßes oder Gegenangriffs hinausgeht1213. Daß es andererseits und trotz der abermaligen Bewährung des Abwehrverfahrens und des letztendlichen Abwehrerfolges in Flandern die Einsicht bei den dortigen Verantwortlichen gab1214, Tanks nicht als peripheres Problem anzusehen, beweist ein Schreiben der Heeresgruppe Rupprecht von Mitte September 1917 überdeutlich1215. Feindliche Tanks seien zwar durch die bereitgestellten Tankabwehrmittel „vielfach niedergekämpft“ worden, was in dieser relativierenden Wortwahl für den Betrachter schon an sich bemerkenswert sein muß, doch würden sie bei der Infanterie jetzt und auch in Zukunft noch „Verwirrung und Verluste“ hervorrufen. Diese Tatsache berechtigte zu einer Anfrage bei der OHL nach verbesserten Möglichkeiten der infanteristischen Tankabwehr. Die Antwort der OHL, die von der Heeresgruppe ihren Armeen ohne weiteren Kommentar übermittelt wurde, ist bereits in einem vorangegangenen Abschnitt dargelegt worden1216 und dokumentiert klar das Vertrauen der obersten Führung in die bereits bewährten, vornehmlich artilleristischen Abwehrmittel. Neben diesem vertikalen Austausch gab es gleichzeitig das Einfordern jüngster Erfahrungen zwischen den Heeresgruppen Rupprecht und Kronprinz, wie es schon für die Bewertungsphase der Frühjahrsschlachten nachweisbar ist1217. Damit erschöpfen sich allerdings die relevanten Mitteilungen, die für den Zeitraum zwischen Ende der Frühjahrsschlachten bis zur Schlacht von Cambrai bezüglich der Diskussion von Tankabwehrfragen bei höheren Stäben des Feldheeres an der Westfront gemacht werden können.

Losgelöst von bekannten Tankabwehrmitteln und dem Austausch mit den mehr oder weniger frontnahen Führungsstäben des Heeres traten im Verlauf der Flandernschlacht die Luftstreitkräfte auf den Plan. Anders als es weiter oben für eine britische Schilderung als Faktum angenommen wurde1218, finden sich von deutscher Seite für den relevanten Zeitraum keine ganz eindeutigen und präzisen Belege für erfolgreiche Tankbekämpfung aus der Luft. Der Kommandierende General der deutschen Luftstreitkräfte, von Hoeppner, wies in seiner Darstellung der Geschichte der deutschen Militärfliegerei jedoch ausdrücklich auf die überaus günstige Wirkung von „Schlachtfliegereinsätzen“ während der Flandernschlacht hin1219. Tatsächlich war eine Schlachtfliegertruppe zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhanden. Hinter dem Gebrauch des Begriffs verbargen sich zu diesem Zeitpunkt Tiefangriffe von Flugzeugen mit Maschinengewehren, Wurfminen und Bomben, die mit ihrem bemerkenswert erfolgreichen Eingreifen gegen wenig präzise beschriebene „lohnende Erdziele“1220 den Grundstein zum forcierten Aufbau einer auf solche Einsätze spezialisierten Sparte der Luftstreitkräfte legten. Mehr als nur gestützt wird die Annahme Hoeppners zum Ursprung der Tankbekämpfung aus der Luft durch eine speziell auf den Luftwaffeneinsatz in Flandern 1917 ausgerichtete Arbeit von Stein-Liebensteins aus den 30er Jahren1221. Erfolgreiches Eingreifen der in der Schlacht generell geradezu „rücksichtslos“ eingesetzten deutschen Flieger ließ sich schon für den ersten Angriffstag attestieren, dann aber auch für die folgenden Großkampftage wie den 16.August oder den 20.September1222. Genannt wurden vor allem Erdangriffe mit Maschinengewehren, die große Wirkung gezeigt haben sollen1223, und die besondere Stärke des Einsatzes von Flugzeugen als Schlachtflieger im Zusammenhang mit dem Vorgehen der Eingreiftruppen. Ohne nähere Datierung, aber im Kontext eher den Ergebnissen solcher Einsätze Ende September 1917 zuzuordnen, findet sich bei Stein-Liebenstein die Aussage, daß es schließlich auch zu Angriffen auf feindlichen Tanks kam, die mit „geballten Handgranaten“ ausgeführt wurden und Fahrzeuge zumindest zum Stehen gebracht haben sollen1224.

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Aus den Erfahrungen in Flandern synthetisierte man jedenfalls ganz offensichtlich die Möglichkeit einer Tankabwehr aus der Luft, und daß diese von der OHL als wirkungsvolle Bereicherung des vorhandenen Spektrums betrachtet wurde, bezeugt die Vorschrift für Schlachtfliegereinsatz vom 15.Oktober 19171225. Darin wurde für die neu zu schaffenden Schlachtflieger die Tankbekämpfung ausdrücklich neben das Eingreifen gegen feindliche Infanterie und Artillerie gestellt1226.

Ebenfalls im Bestand der Luftstreitkräfte und ebenfalls eher im Vorgriff auf zukünftige Bewährung fand sich ein weiteres Tankabwehrmittel in Form der Kraftwagen-Flug-Abwehr-Kanonen, kurz Kraftwagen-Flak oder nur K-Flak. Diese Waffen, auf Lastkraftwagen montierte Beute-Feldgeschütze oder deutsche 7,7cm Kanonen, wurden keineswegs als Ersatz für die zur Tankabwehr bereitgestellten, bespannten Teile der Feldartillerie angesehen, da ihre Geländegängigkeit im für die Westfront bislang charakteristischen Trichterfeld völlig unzureichend sein mußte. Was der Überlegung ihres Einsatzes zugrunde lag, basierte unzweifelhaft auf Beispielen für erfolgreiche Wirkung gegen Infanterieziele in der Flandernschlacht1227 und scheint die Möglichkeit zur Sicherung weiter hinter der Kampflinie gelegener Frontteile gegen Augenblicksziele wie Infanterie und durchgebrochene Tanks gewesen zu sein. Verhältnismäßig große Mobilität auf Straßen, schnelle Feuerbereitschaft und eine gute Feuergeschwindigkeit der Geschütze, denen noch vor den Kämpfen bei Cambrai die rare Panzerkopf-Munition überwiesen worden sein soll1228, vereinten Qualitäten, die weder bei den früheren Nahkampfgeschützen, noch bei der Feldartillerie in dieser Form aufzufinden waren1229. Allerdings war die Zahl der verfügbaren Kraftwagen-Flak begrenzt; am „schwarzen Tag“, dem 8.August 1918, sollte etwa das AOK 2 nur über sieben Exemplare verfügen1230. Ihre Primäraufgabe war außerdem nach wie vor der Luftschutz, was sie maximal als Notbehelf in schlimmsten Lagen in Frage kommen lassen konnte.

Etwas kurios nimmt sich bei beiden Tankabwehrmöglichkeiten durch Teile der Luftstreitkräfte aus, daß ihr Aufbau und ihre Vermehrung für die Zukunft indirekt zu Lasten des Heeres gingen. Die Zurücksetzung der Konstruktion von Tankabwehrwaffen und Tanks für das Heer, die sich für diesen Zeitraum maßgeblich in der Festlegung auf ein 13mm Kaliber für eine vollautomatische Abwehrwaffe1231 und diverse Tests mit Kettenfahrzeugen1232 ausdrückte, eröffnete den Luftstreitkräften die rüstungstechnischen Grundlagen für effektive und über vielleicht auch über das Maß jedes damaligen Visionärs bei weitem hinausgehende, effiziente und moderne Tankabwehrwaffen1233. Auf Grundlage vom Tank an sich unabhängiger rüstungstechnischer Vorgaben und auf Ideen für eine größere Variabilität der bekannten Waffen aufbauend, schuf man quasi als Nebenprodukte der Luftrüstung die Vorfahren der späteren „Panzerjäger“ zu Lande und in der Luft. Die Bewährung dieser richtungsweisenden Tankbekämpfungsmittel sollte bereits einen Monat nach der Veröffentlichung der oben angeführten Schlachtfliegervorschrift erfolgen1234.


Fußnoten und Endnoten

1114  Siehe Abschn. 6.5.1.

1115  Siehe Strachan: The First World War, S. 245f., und Johnson: Stalemate, S. 124f.

1116  Siehe MO 1917, Bd. 2, S. viii und S. 425.

1117  Siehe dazu das positivistisch geratene Memorandum Haigs vom 12.6.1917 in MO 1917, Bd. 2, App. XII, S. 423ff. Verwegen muß dabei die Behauptung erscheinen, daß die Verluste des deutschen Gegners in der Abwehr diejenigen des britischen Angreifers bislang übertroffen hätten (S. 424).

1118  Siehe Keegan, S. 493, und Chickering, S. 213.

1119  Abb. nach Volkmann: Der große Krieg, S. 217.

1120  Siehe Bayerisches Kriegsarchiv: Die Bayern im Großen Kriege, S. 387

1121  Die britische Miniertätigkeit bei der Gruppe Wytschaete (GK XIX.AK) verminderte sich seit Ende April zusehends und wurde zuerst als deutliches Anzeichen für bevorstehende Unternehmungen gewertet. Im Mai schenkte man diesem Sachverhalt keine besondere Aufmerksamkeit mehr und wurde schließlich durch den immensen Umfang der Sprengungen vollends überrascht; siehe RA, Bd. 12, S. 430ff. und S. 453ff. Nach einer dortigen Aussage (S. 456) blieben der 3.b.ID nach den Sprengungen und dem ersten Infanterieangriff der Briten von drei Kampfbataillonen (zu je ca. 750 Mann) lediglich drei Offiziere und 30 Mann. Das britische amtliche Werk weist zudem aus, daß die deutsche Gegenwehr vielerorts bemerkenswert schwach war, was auf die psychische Wirkung des vorbereitenden Artilleriefeuers und die Minensprengungen zurückgeführt werden kann; siehe bspw. MO 1917, Bd. 2, S. 59.

1122  Siehe RA, Bd. 12, S. 467f.

1123  Siehe Prior, Robin/Wilson, Trevor: Passchendaele. The Untold Story, London/New Haven 1996, S. 62.

1124  Siehe ebenda, S. 64f.

1125  Siehe MO 1917, Bd. 2, S. 87, und RA, Bd. 13, S. 146.

1126  Siehe ebenda, S. 102ff.

1127  Siehe RA, Bd. 12, S. 431.

1128  Siehe ebenda, Bd. 13, S. 56.

1129  Siehe Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 304ff.

1130  Siehe RA, Bd. 12, S. 445.

1131  Siehe etwa Benary (Bearb.): Königlich Preußisches 1.Posensches Feldartillerie-Regiment Nr. 20 (Deutsche Tat im Weltkrieg 1914/1918, Bd. 14), Berlin 1932, S. 294, Schatz, Josef (Hg.): Geschichte des badischen (rheinischen) Reserve-Infanterie-Regiments 239, Stuttgart 1927, S. 121f., oder Großmann, August (Bearb.): Das K.B. Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 17 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bayerische Armee, Heft 18), München 1923, S. 75. Eine gewisse Ambivalenz in der Ausfüllung der Ausbildungs- und Erholungszeiten weist die Geschichte des RIR 240, eines Schwesterregiments des RIR 239 in der 52.RD, aus. Gerade im Gegensatz zu der von Ludendorff geforderten Ruhe waren unliebsame Besichtigungen, ausgedehnter Papierkrieg und die Beschäftigung der Truppe mit körperlichen Arbeiten durchaus auch möglich, was auf den Ermessensspielraum der mittleren Führung bei der Umsetzung von Weisungen höherer und höchster Stäbe hindeutet; siehe Lennartz/Nagel: Geschichte des badischen (später rheinischen) Reserve-Infanterie-Regiments 240 (Aus Deutschlands großer Zeit, Bd. 119), Zeulenroda o.J. (nach 1938), S. 281f.

1132  Siehe Prior/Wilson: Passchendaele, S. 71f.

1133  Siehe RA, Bd. 13, S. 55.

1134  Siehe MO 1917, Bd. 2, S. 365.

1135  Angaben zur Größenordnung der beiderseitigen Verluste variieren enorm, was nicht zuletzt auch auf den Wunsch zurückgeführt werden kann, hieran Erfolg oder Mißerfolg der Ermattungsstrategie bzw. des elastischen Abwehrverfahrens zu manifestieren. Außerdem, und dies ist jedenfalls im britischen amtlichen Werk überaus deutlich, bestimmten übertriebene und auf Gerüchten basierende Verlustziffern das Bild der Öffentlichkeit von den (mangelhaften) Qualitäten der Führung. Zur Thematik siehe MO 1917, Bd. 2, S. 360ff., und eine diesbezügliche Klarstellung, die auf britische Verluste bis zu 350.000 Mann deutet, bei Winter, Dennis: Haig’s Command. A Reassessment, o.O. o.J. (1991), S. 110ff.

1136  Siehe Prior/Wilson: Passchendaele, S. 195ff., und hinsichtlich der Wirkung auf die Moral der britischen Truppen auch Johnson: Stalemate, S. 168, und Strachan: The First World War, S. 248.

1137  Am 24.10.1917 begann am Isonzo die kombinierte Offensive, in deren Verlauf die italienischen Streitkräfte bis an die Piave zurückgeworfen wurden und nach dem Verlust von mehreren hunderttausend Mann durch Truppen ihrer Verbündeten gestützt werden mußten. Die Auswirkungen dieses Geschehens waren auf beiden Seiten gewaltig; siehe dazu auch Kap. 9.

1138  Siehe RA, Bd. 13, S. 146.

1139  Siehe Philpott, William J.: Anglo-French Relations And Strategy On The Western Front, 1914-1918 (Studies In Military And Strategic History), London 1996, S. 148.

1140  Beispielhaft für die Wahrnehmung dieses Umstandes auch in der Truppe mag die Aussage des Kommandeurs der 40.ID von Anfang August 1917 sein, der baldigste Ablösung der Truppe mit dem Hinweis darauf forderte, daß neben Belastungen durch Witterungs- und Versorgungsverhältnisse besonders der große Ausfall an voll ausgebildeten und Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften das „Zusammenhalten des jungen Ersatzes“ erschwerte; siehe Baumgarten-Crusius, Artur (Bearb.): Geschichte der Sachsen im Weltkrieg (Sachsen in großer Zeit, Bd. III), Leipzig 1920, S. 75. Siehe auch Paschall: Defeat, S. 78f.

1141  Siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S.239.

1142  Siehe ebenda, S. 285.

1143  Siehe BA-MA, RH 61/51716: Anonymes Manuskript zur Ersatzlage 1917/18, S. 8: „Sie [die OHL] hatte sich trotzdem entschlossen, den Angriff im Frühjahre zu führen. Und trotz der Ersatzlage oder gerade ihretwegen blieb ihr gar nichts anderes übrig. Eine Verteidigungsweise Führung des Krieges im Jahre 1918 hätte eine viel schärfere Aufzehrung der Reserven gebracht und dazu drohten die amerikanischen Millionenheere.“ Siehe dazu auch Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 314f.

1144  Siehe Kap. 10.ff.

1145  Siehe hierzu die Karten in Kap. 6.

1146  Siehe RA, Bd. 13, S. 116, und LAF, Bd. V.2., S. 985ff.

1147  Siehe RA, Bd. 13, S. 117. 1.790 französische Geschütze waren vorhanden.

1148  Siehe LAF, Bd. V.2., S. 968 und S. 1007ff. Die Bedeutung der Erringung der Luftherrschaft wird auch betont bei Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 207.

1149  Siehe LAF, Bd. V.2., S. 1106, und RA, Bd. 13, S. 123.

1150  Zur sogenannten „Bunzelwitz-Bewegung“ siehe RA, Bd. 13, S. 122.

1151  Siehe Philpott: Anglo-French Relations, S. 149, und Pedroncini, Guy: Pétain. Général En Chef 1917-1918, Paris 1974, S. 108.

1152  Siehe MO 1917, Bd. 2, S. 410ff.

1153  Siehe ebenda, S. 414.

1154  Siehe Abschn. 5.6.1.

1155  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 103f. Gemessen an den damaligen neun Kampfbataillonen handelte es sich wenigstens um eine Verdoppelung des Bestandes an Kampffahrzeugen.

1156  Siehe ebenda, S. 106.

1157  Siehe ebenda, S. 106f., und William-Ellis: Tank Corps, S. 69ff.

1158  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 102: „Der Mark-IV-Tank kam nun in großen Massen an [vergleiche Fuller: Tanks, S. 109, wo er gerade einmal von der Umrüstung von zwei der neun Bataillone im Mai 1917 spricht.] und wir mußten ihn von neuem armieren und zum großen Teil mit der Ausbildung von vorne anfangen.“ Zum Mark IV siehe auch William-Ellis: Tank Corps, S. 64.

1159  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 105.

1160  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 65f., bzw. MO 1917, Bd. 2, Anhänge, bspw. S. 418ff. mit Zuteilungen im Vorfeld der Kämpfe im Wytschaete-Bogen. Interessanterweise kommentierte Fuller diese Einsatzweise, die er selbst ja oft zuvor kritisiert hatte, im Zusammenhang mit der Flandernoperation nicht explizit als Manko, sondern versteifte sich auf die Konkurrenz zur Artillerie und deren Rolle als Vorbereitungswerkzeug der Angriffe.

1161  Fuller nennt für den Verlust der Überraschung eine symptomatische Begebenheit am 16.7.1917, bei der Haigs Stabschef Kiggell auf die direkte Frage des technischen Leiters der Heavy Branch, Capper, nach den Möglichkeiten eines überraschenden Panzerangriffs für das Aufreiben der deutschen Reserven nach bekanntem Muster mit großem Artillerieeinsatz plädierte. Wie an dieser Aussage ersichtlich, stand der Tank in den Augen der obersten Führung als Instrument definitiv nicht zur Diskussion, um im Rahmen der Ermattungsstrategie in großer Zahl und überraschend schwere Schläge schnell und in Bezug auf die zu erwartenden eigenen Verluste relativ günstig zu erreichen. Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 119.

1162  „Der flandrische Boden besteht aus einer sehr weichen und fruchtbaren Humusschicht, die 1 bis 3 Meter unter die Erdoberfläche reicht. Unter dieser Erdschicht liegt eine undurchlässige Tonschicht von rd. einem Meter Dicke. Wird diese durch Artilleriewirkung zerschlagen, so quillt das Grundwasser nach oben und füllt die Geschoßtrichter bis zum Rande mit Wasser.“ Zitiert nach Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 294.

1163  Siehe MO 1917, Bd. 2, S. 379.

1164  Neben diesen waren noch je sechs Ersatz- und Versorgungstanks der Typen Mark I und II vorhanden; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 110, und William-Ellis: Tank Corps, S. 65.

1165  Die Zahlen differieren wie üblich und belaufen sich auf 40, 46 oder 48 eingesetzte Tanks für den 7.6.1917. Fuller führt dazu aus, daß 40 bei Angriffsbeginn und später zusätzlich noch 24 Reservefahrzeuge eingesetzt wurden; siehe Fuller: Tanks, S. 110 bzw. S. 111.

1166  Siehe MO 1917, Bd. 2, S. 67: „The majority of 48 tanks of the II Tank Brigade (Colonel A. Courage) allotted for the morning assault had been unable to keep pace with the infantry owing to the broken state of the ground, which had reduced their speed to about ten yards a minute.“ Siehe auch Marshall-Cornwall, James: Haig As Military Commander, London 1973, S. 231.

1167  Siehe Cooper: Cambrai, S. 58, und MO 1917, Bd. 2, S. 63; dort: „Two machine guns in action at the edge of the village were at once rushed, but on the left, machine-gun fire from Swayne’s Farm, 400 yards north of the village, harassed the advance until a tank crashed through the place, forcing the thirty Germans within to surrender.”

1168  Siehe Fuller: Tanks, S. 111, und MO 1917, Bd. 2, S. 70.

1169  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 21. Über die Verluste wird sich bei anderen Autoren eher ausgeschwiegen, doch zumindest bei Marshall-Cornwall: Haig, S. 231, findet sich die Zahl von 11 durch direkte Treffer ausgeschalteten Tanks. Diese bezieht sich sehr wahrscheinlich auf die Gesamtausfälle des Tank Detachment bis zum Ende der Schlacht um den Wytschaete-Bogen.

1170  Siehe ebenda.

1171  Siehe Fuller: Tanks, S. 110.

1172  Siehe Prior/Wilson: Passchendaele, S. 87 und S. 97.

1173  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 78f.

1174  Siehe ebenda, S. 79: „Sometimes Tanks would thrash away with their unditching beams until their vain efforts to struggle out of some quaking quagmire on to better ground overheated the engines or caused the machine to settle down so hopelessly in the oozing mud as to be flooded out. Save on the very worst ground, however, the unditching beam proved a most effective contrivance, and but little have been done in the Ypres fighting without it.“

1175  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 80.

1176  Was diesen Punkt betrifft, wies Fuller in seinen Erinnerungen (S. 131) darauf hin, daß es im Vorfeld der Flandernschlacht nicht nur zur engeren Fühlung kam, sondern die Tankoffiziere als Berater der Infanteriestäbe fungierten. Das implizierte wohl einen taktischen Vorteil bei der Zusammenarbeit und Koordination, andererseits war es deutliches Zeichen der untergeordneten Bedeutung der Tanks als reine Unterstützungswaffe.

1177  Siehe ebenda, S. 79, und Fuller: Tanks, S. 118.

1178  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 79: „This system was to prove invaluable when, later, the tides of battle had obliterated all the nearer landmarks, and men wandered hopelessly lost in the increasing desolation.“

1179  Siehe Prior/Wilson: Passchendaele, S. 81.

1180  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 23. Davon waren 216 Mark IV Kampffahrzeuge, 36 Nachschubwagen der Typen Mark I und II und zwei weitere Mark IV dienten als Träger für Funkgeräte zur Nutzung außerhalb der Fahrzeuge.

1181  Siehe Hoeppner: Krieg in der Luft, S. 116.

1182  Siehe Prior/Wilson: Passchendaele, S. 91, und MO 1917, Bd. 2, bspw. S. 151 oder S. 202f.

1183  Berühmt-berüchtigt war dabei die Straße Ypern-Menin (Menin Road), deren Verlauf als „Tank Graveyard“ bekannt wurde. Durch deutsche Tankabwehrgeschütze und Artillerie, so jedenfalls die auf deutscher Seite im Detail nicht zu bestätigende britische Darstellung, wurden in diesem Angriffssektor 19 der 52 am 31.7.1917 angreifenden Tanks abgeschossen. 22 weitere Wagen fuhren sich fest; siehe MO 1917, Bd. 2, S. 157 bzw. S. 157, Anm. 1; siehe auch Johnson: Stalemate, S. 141, und Wright, S. 78.

1184  Siehe dazu auch Griffith: Battle Tactics, S. 163. Den erfolgreichen Fliegereinsatz nennt William-Ellis: Tanks Corps, S. 84 und S. 86. Siehe dazu auch Abschn. 8.2.

1185  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 27.

1186  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 134.

1187  Eine Aufstellung der Tankbeteiligungen bei Operationen bis zum 9.10.1917 bietet das Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 31.

1188  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 139, und Perret, S 48.

1189  Zitiert nach William-Ellis: Tank Corps, S. 89. Siehe auch Cooper: Cambrai, S. 59.

1190  Die Zahl findet sich bei Griffith: Battle Tactics, S. 163. Legt man 254 Tanks bei Beginn der Schlacht zugrunde, ergibt sich ein Ausfall von 74,8%.

1191  Siehe Abschn. 1.2.1.

1192  Siehe MO 1917, Bd. 2, S. 243, Anm. 3, und ebenda, S. 379f.

1193  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 156f.

1194  Siehe ebenda.

1195  Zitiert nach ebenda, S. 142.

1196  Siehe bspw. Pedroncini: Pétain, S. 105, oder Falls: First World War, S. 285.

1197  Ende August 1917 war ein auf diesen Grundsätzen basierender französischer Angriff bei Verdun erfolgt. Auch ohne Beteiligung von Tanks und ohne wirkliche Überraschung brachen die Franzosen tief in die deutschen Stellungen ein. Das Ereignis mag verdeutlichen, daß die deutsche Verteidigung außerhalb der erkannten Großkampfsektoren, die Material und Truppen aufsogen, unter erheblicher Schwächung litt. Dieser Umstand fand keinerlei Würdigung in Ludendorffs Kriegserinnerungen aber Eingang in das KTB des Kronprinzen Rupprecht; siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 381f., und Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 268f. (Eintrag vom 6.10.1917 wegen Verminderung frischer Kräfte für Flandern durch eine erwartete Offensive bei der 7. und 1.Armee). Auch auf die Niederlage der 5.Armee bei Verdun folgten durch Ludendorff persönlich angeordnete Personalveränderungen. Der Stabschef des AOK 5, der Kommandeur und der Stabschef des V.RK wurden über den Kopf des Armeeführers, von Gallwitz, hinweg ihrer Posten enthoben. Gallwitz schrieb: „Es war einleuchtend, daß die Massnahmen eine Quittung für den Mißerfolg des 20.August darstellten. Obwohl General Ludendorff nicht mein Vorgesetzter, auch nicht für die Handhabung der Personalien verantwortlich war, wusste ich doch, dass er die Seele aller wichtigen persönlichen Maßnahmen war.“ Zitiert nach BA-MA, N 2214/32: Nachlaß Obkircher, Auszüge aus von Gallwitz, Bd. II‚ Erleben im Westen 1916/18, S. 5.

1198  Siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 206f.

1199  Siehe Goya, S. 349.

1200  Siehe RA, Bd. 13, S. 119. Wie effektiv die französische Aufklärung und die Planung des Artillerieeinsatzes gearbeitet hatten, belegt ein Abschnitt ebenda: „Hinter einer Feuerwalze, die zum Beispiel bei der auf Allemant angreifenden Division 16 Schuß in der Minute auf 100 Meter der deutschen Front legte und in Sprüngen von 50 Metern bis 655 morgens vorwärtsrollte, folgten die Sturmwellen. Sie fanden die Grabenbesatzungen wie Stoßreserven meist niedergekämpft. Die deutsche Artillerie südlich der Ailette blieb infolge von Verlusten, Munitionsknappheit, Zerstörung aller Nachrichtenmittel und mangelnder Beobachtungsmöglichkeiten fast ohne Wirkung. Die Artillerie des zweiten Treffens konnte nur durch vorgesandte Offiziere Klarheit gewinnen und erst dann das Feuer aufnehmen.“ Zum Zustand der Verteidiger und Verlauf der Kämpfe siehe auch Müller-Loebnitz: Das Ehrenbuch der Westfalen, S. 429ff. Die 13.ID betonte in ihrem Bericht über die Schlacht ausdrücklich die verheerende Wirkung des Gasbeschusses und der Artillerie-Kommandeur der 2.GID berichtete über eklatantes Versagen des vorgesetzten Stabes (Gr Vailly) bei der Munitionsversorgung der Batterien; siehe HStAS, M 206, Bü. 9: Chef d. Genst. d. Feldheeres II. Nr. 5345 geh. op. vom 16.11.1917: Erfahrungen der 13.ID über französisches Gasschießen, bzw. ebenda, M 30/1, Bü. 72: HGr Albrecht Artl. 192 vom 10.11.1917.

1201  Siehe LAF, Bd. V.2., S. 1107f.

1202  Siehe bspw. Pendroncini: Pétain, S. 106 : „Une fois encore les chars les [die deutschen Maschinengewehre] réduisent au silence. Au cours de l’attaque de la seconde position ils jouèrent une rôle décisif : ils annihilèrent les défenses de la tranchée Dennewitz, écrasèrent les mitrailleuses du bois Planté, et s’emparèrent sans coup férir de deux batteries.“

1203  Siehe Abschn. 6.5.1.

1204  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, etwa S. 382 und S. 392f. Anzumerken ist, daß die Frage Räumung des Wytschaete-Bogens und der Laffaux-Ecke im Vorfeld beider Schlachten von verschiedenen Stellen angesprochen und von Ludendorff schließlich abschlägig beantwortet worden war. Die Stabschefs der beiden bei Malmaison betroffenen Gruppenkommandos wurden nach dem Desaster durch Ludendorff ihrer Posten enthoben, was dem heutigen Betrachter durchaus als Stringenz im Führungsverhalten der 3.OHL erscheinen muß; siehe RA, Bd. 13, S. 122.

1205  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 392.

1206  Siehe Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 297, S. 300 und S. 303. Die dort wiedergegebenen Anordnungen wurden von Loßberg am 27.6.1917 den Verbänden der 4.Armee bekanntgegeben. Wie aus der TG FAR 20, S.297 und S. 307, hervorgeht, wurden diese Züge direkt den Infanterie-Regimentern unterstellt und konnten durch diese angefordert und eingesetzt werden. Mit der SmK-Munition konnten, entgegen jeder anderweitigen Behauptung, Erfolge gegen die neuen Mark IV Tanks errungen werden; siehe TG RIR 240, S. 295, mit einem lebendigen Gefechtsbericht vom 5.8.1917. Vergleiche William-Ellis: Tank Corps, S. 68.

1207  Siehe Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 303.

1208  Zitiert nach Scheuermann, W.: Die Tanks in der flandrischen Schlacht, in Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 23, S. 164f. Anzunehmen ist aufgrund der Details dieses Berichtes, daß er gar nicht die Tanks in der Flandernschlacht 1917 betraf, sondern für die Schlacht bei Arras im April 1917 gedacht, aber später veröffentlicht worden ist.

1209  Siehe TG FAR 20, S. 307ff. Nicht umsonst fanden wohl auch Soldaten eines Nachbarzuges Erwähnung, die den in die Schlacht rückenden Kameraden „mitleidig“ nachgeschaut haben sollen, weil deren gesunde Rückkehr nicht zu erwarten gewesen sei. Aus den Passagen der TG zum Kampf gegen Tanks in Flandern spricht eindeutig auch der Stolz auf die eigene Leistung, wie er durch ein Gedicht (S. 320) dokumentiert wird. Worüber nicht hinweggetäuscht werden kann, sind die extremen Umstände, unter denen die Tankabwehr zu arbeiten hatte und die Wirkung des verschlammten Gefechtsfeldes.

1210  Siehe Abschn. 7.2.

1211  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 152f.: AOK 7 Ia Nr. 101/Nov.17. vom 14.11.1917: Rückblick auf die Gefechte vom 23.-25.10.1917. Ebenda (Bl. 153) wird angeführt, daß die feindlichen Erfolge durch die Häufung der bekannten Kampfmittel, besonders des Massenfeuers der Artillerie, des Gaseinsatzes und der Tanks, errungen wurden. Besondere Erwähnung fand, daß die 14.ID bei Malmaison heftigst von Panzerwagen angegriffen worden war, denen sie nicht standhalten konnte. Konterkariert wird der Inhalt der Archivalie durch die propagandistische Abhandlung der Schlacht von Malmaison von amtlicher Seite. Mit keinem Wort wurde auf Tanks eingegangen, mit keinem Wort wurde der Zwang zum Rückzug vom Chemin des Dames angeführt und der Grundtenor kulminierte überaus realitätsverfremdend in einer „blutigen Nase“, die sich der französische Angreifer nach einem „örtlichen Anfangserfolg“ geholt habe; siehe: Die Oktoberschlacht an der Aisne (Schlacht bei Malmaison). Bericht aus dem deutschen Großen Hauptquartier vom 23.November 1917, in Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 23, S. 203-205. Zum Verlauf des Kampfes im Rahmen der 14.ID siehe auch Müller-Loebnitz: Das Ehrenbuch der Westfalen, S. 429f.

1212  Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): Tagebucheintrag Kuhls vom 1.11.1917: „‚Ludendorff: ..... Die 7.Armee werde morgen den Chemin des Dames räumen“’ Damit ist ein vernichtendes Urteil gesprochen über das ganze Verhalten der 7.Armee nach der Aisne-Schlacht. Sie wollte ihre Stellung nach vorn verbessern. Das wurde damals allgemein gepriesen, auch von der O.H.L. Kostete sehr viel Truppen und Munition und war doch ohne Erfolg! Ich habe dies damals für gänzlich verfehlt gehalten, dies nutzlose Bataillieren. Nun ist diese ganze Taktik bankerott. Das war es auch, was heute Ludendorff so große Sorge machte.“

1213  Siehe HStAS, M 33/2, Bü: 330, Bl. 125ff.: AOK 4 Ia/g No 776/August vom 26.8.1917: Wichtigste Erfahrungen der Kampfreserven der Armee aus den Schlachten am 31.7 und 16.8.1917. Betont wurde ausdrücklich (Bl. 128), daß der britische Feind der „mit aufgepflanztem Bajonett und Hurrah vorgehenden Infanterie“ nicht standhielt. Informationen zur Tankabwehr durch Feldartillerie der Eingreiftruppen waren nicht enthalten.

1214  Besonders kritisch zeigt sich in diesem Zusammenhang der Chef der Gruppe Wytschaete, Oberstleutnant v. Thaer. Für Ende September 1917 findet sich in seinen Aufzeichnungen eine Passage zum erheblichen Kräfteverbrauch während der Kämpfe in Flandern, und er verwies auf das Fehlen von Tanks auf deutscher Seite: „Hätten wir Tanks, und zwar in größeren Mengen, die könnten uns helfen, aber wir Deutsche haben keine.“ Siehe Otto/Schmiedel, Dok. 104, S. 263. Nachdem was bislang über die britischen Tanks in Flandern angeführt wurde, kann man sich auch hier nur schwerlich der Meinung Thaers anschließen (siehe Abschn. 5.6.2.).

1215  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 573: HGr Rupprecht Art. Nr. 27557 vom 16.9.1917. Adressaten des von Kuhl unterzeichneten Schreibens, das mit größter Wahrscheinlichkeit von den Erfahrungen des AOK 4 angeregt worden war, waren AOK 2, 4 und 6. Nicht zu überprüfen war die enthaltene Aussage, daß es ursprünglich die Heeresgruppe Rupprecht gewesen sei, welche die Konstruktion einer „Muskete“, der Tankabwehrwaffe der Infanterie, angeregt habe.

1216  Siehe Kap. 7.

1217  Siehe Kap. 5. und BA-MA, PH 6 I/29, Bl. 147: Anfrage der HGr Kronprinz bei der HGr Rupprecht wegen neuer Erkenntnisse bei der Tankabwehr vom 3.10.1917. Neuigkeiten wurden nicht ausgetauscht, wohl aber längst in Frage zu stellende Angaben, wie zur Graben-Überschreitfähigkeit der britischen Tanks, die mit zu geringen 2,50m Breite angegeben wurde, weitergereicht. Vergleiche BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 115, wo auf die Erfahrungen der HGr Rupprecht mit den Baugruben der Siegfriedlinie hingewiesen wird. Die HGr teilte laut Petter auf die Anfrage hin mit, daß Tankfallen von 4m Breite und Tiefe Erfolg versprachen.

1218  Siehe William-Ellis: Tanks Corps, S. 84 und S. 86, bzw. Abschn. 8.1.

1219  Siehe Hoeppner: Krieg in der Luft, S. 146. Suggeriert wird hier die außerordentliche Wirkung von Fliegern gegen Tanks auch an anderer Stelle, etwa durch eine Zeichnung in Eberhardt, Walter v. (Hg.): Unsere Luftstreitkräfte 1914-1918. Ein Denkmal deutschen Heldentums, Berlin 1930, S. 289. Die Abbildung zeigt tieffliegende Bomber beim Angriff auf britische Tanks und findet sich ohne Textbezug innerhalb eines Berichts Görings zu Luftkämpfen in der Flandernschlacht.

1220  Siehe Hoeppner: Krieg in der Luft, S. 121.

1221  Siehe BA-MA, RH 61/50864: Friedrich Wilhelm v. Stein-Liebenstein: Die Flandernschlacht im Sommer 1917 und ihr Einfluss auf Tätigkeit und weitere Entwicklung der deutschen Luftwaffe, Textband. Stein-Liebenstein verfaßte die Arbeit als Major an der Luftkriegsakademie.

1222  Siehe ebenda, S. 23 (31.7.1917), S. 31 (16.8.1917) und S. 43f. (20.9.1917).

1223  Siehe ebenda, S. 31.

1224  Siehe ebenda, S. 47f. Nähere Angaben zur Herkunft dieser Information machte Stein-Liebenstein bedauerlicherweise nicht, und er nannte auch kein Beispiel für ein derartiges Vorkommnis.

1225  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 94. Gemeint ist der Teil 12 des Sammelhefts der Vorschriften über den Stellungskrieg für alle Waffen, „Verwendung und Einsatz von Schlachtfliegern“.

1226  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 302. Ebenda, S. 105, wird auch darauf hingewiesen, daß für die Tankabwehr, die mit SmK-Munition gewährleistet werden sollte, auch Tests mit einer 2cm Bordkanone eingeleitet wurden.

1227  Siehe BA-MA, RH 61/50864, Textband, S. 32. Erwähnt wurde das Eingreifen des Kraftwagen-Flak-Zuges 4 in ein Gefecht gegen britische Infanterie am 16.8.1917, wobei der Feind mit Schrapnell-Feuer gestoppt werden konnte.

1228  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 105.

1229  Einen Überblick zur Entwicklung der Flugabwehrtruppe und deren Geschützmaterial während des Krieges bietet Kriegsgeschichtliche Abteilung der Luftwaffe (Hg.): Entwicklung und Einsatz der deutschen Flakwaffe und des Luftschutzes im Weltkriege (Kriegsgeschichtliche Einzelschriften der Luftwaffe, Bd. 1), Berlin 1938. Auf den Erdeinsatz der Flak wird darin allerdings mit keinem Wort eingegangen. Vergleiche Grimme: Flugabwehr und Heimatluftschutz, in Neumann: Die deutschen Luftstreitkräfte, S. 572. Die innerhalb des Beitrages vorhandene Schilderung von Oblt. Grunow (S. 575) zur Tankbekämpfung durch Flak zwischen Somme und Avre bezieht sich zweifelsfrei auf Kämpfe im August 1918 und keinesfalls, wie dort angegeben, auf das Kriegsjahr 1916.

1230  Siehe Baur de Betaz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte in der Abwehrschlacht zwischen Somme und Oise vom 8. bis 12.August 1918 und der Rückblick auf ihre vorausgegangene Entwicklung (Die deutschen Luftstreitkräfte von ihrer Entstehung bis zum Ende des Weltkrieges 1918, Bd. 6), Berlin 1942, S. 152.

1231  Siehe Muther, S. 70, und BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 106. Die Festlegung der GPK durch das KM hinsichtlich der Fertigung eines 13mm Maschinengewehrs zur Tank- und Fliegerbekämpfung (Tuf-MG) erfolgte am 25.10.1917. Siehe dazu auch Michael, St: Deutsches Tuf-MG. 1918, in Zeitschrift für Heereskunde, Nr. 142/143, Jg. 1955, S. 61: „So erhielt Anfang Oktober 1917 die Gewehr-Prüfungs-Kommission (G.P.K.) vom Kriegsministerium den Auftrag, ein großkalibriges M.G. zur Bekämpfung von Tanks und Fliegern zu schaffen, das schon im Frühjahr 1918 in größerer Zahl an der Front zum Einsatz kommen sollte. Eine Besprechung am 25.Oktober 1917 bei A2 [Infanterie-Abteilung des KM] brachte allein das Ergebnis, daß das Kaliber der neuen Waffe 13mm sein sollte; mehr geschah eigentlich nicht.“

1232  Siehe BA-MA, RH 61/50768, Studie Hildebrandt, Teil 4a, S. 7ff., ebenda, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 95ff., und Klietmann, Kurt G.: Der Bremer- und Marien-Wagen 1914-1918. Aus der Vorgeschichte der deutschen Kampfwagen-Waffe im 1.Weltkrieg, in Zeitschrift für Heereskunde, Nr. 138, Jg. 1954, S. 102-106. Dort werden 1917 parallel zum A7V getestete Fahrzeuge beschrieben.

1233  Siehe Hoeppner: Krieg in der Luft, S. 141. Das nach Kriegseintritt der USA aufgelegte „Amerikaprogramm“ stellte die Luftrüstung in den Rüstungsprioritäten neben die U-Boot-Waffe und wies ihr die zum Um- und Ausbau benötigten Arbeitskräfte und Rohstoffe zu.

1234  Siehe Kap. 9.



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22.04.2008