9 „From mud, through blood, to the green fields beyond“. Tanks und Tankabwehr in der Schlacht bei Cambrai, November-Dezember 1917.

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Pläne für eine primär auf Tankmassen bauende Operation hatte es im Tank Corps schon recht früh gegeben1235, doch in den bisherigen Einsatzverfahren waren die Grundlagen, die hierfür geschaffen werden und vorhanden sein mußten, durchweg vernachlässigt geblieben. Der Druck auf das Tank Corps von seiten der militärischen Kritiker war derweil stetig gestiegen, bis hin zu der im vorangegangenen Kapitel dargelegten grundsätzlichen Frage nach seiner weiteren Existenz. Die einzige Alternative, eine solche Entwicklung aufzuhalten und den Wert der neuen Waffe vor ihrem kläglichen Ende zu demonstrieren, stellte eine Möglichkeit zur Bewährung dar, die allein auf den bisherigen Erfahrungen und damit auf dem Verzicht der üblichen Einsatzweise durch die höhere Führung basieren konnte1236. Den Plan für eine solche Operation, die auf der Grundlage „Vorstoß, Schlag, Rückzug“1237 schon mit Rücksicht auf die durch Verluste in Flandern schwindenden Kräfte und vielleicht auch mit Vorsicht gegenüber der Einmischung zahlreicher höherer Infanterie- und Artilleriestäbe relativ klein sowie auf 24 Stunden begrenzt geplant wurde1238, konnte Anfang August 1917 zwischen Fuller und Elles diskutiert werden. Letzterer verwarf Fullers ursprünglichen Plan eines Handstreichs gegen St.Quentin1239, da ein solcher die Zusammenarbeit mit den Franzosen voraussetzte und daher sehr wahrscheinlich vom Oberkommando abgelehnt werden würde1240, so daß man nach einem anderen, für eine Tankoperation geländetechnisch geeigneten Ort Ausschau hielt. Mit dem Abschnitt der Siegfried-Stellung vor Cambrai im Bereich der britischen 3.Armee (Byng) wurde dieser gefunden. Fullers Idee für einen Raid fußte auf Überraschung, geeignetem Terrain für einen Tankeinsatz und dem Ziel, dem Feind unabhängig von Geländegewinnen binnen kürzester Zeit schwerste Verluste beizubringen1241.

Abb. 8: Karten zur Tankschlacht bei Cambrai1242.

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Hierfür schien der Frontsektor vor Cambrai außerordentlich günstig zu sein, da er als relativ ruhiger Abschnitt die Überraschung des Gegners ermöglichen konnte und über hervorragende Bodenbeschaffenheit ohne die üblichen Verwüstungen und sonstige Einschränkungen verfügte1243. Das potentielle Gefechtsfeld wurde außerdem in weitesten Teilen durch zwei Kanäle, im Norden durch das ungeflutete Bett des Canal du Nord und im Osten und Süden durch den Canal de l’Escaut (auch Canal de Saint-Quentin oder Schelde-Kanal), eingerahmt, was in den Augen Fullers einerseits natürliche Grenzen des Tankeinsatzes definierte, andererseits aber auch einen gewissen Schutz gegen zu erwartende deutsche Gegenangriffe bieten konnte1244. Aus dieser Perspektive wurde das Schlachtfeld für einen Handstreich als günstig beurteilt. Für alles darüber hinaus mußten die Kanalbegrenzungen ein ernsthaftes Hindernis darstellen.

Die Vorstellungen Byngs, der sich für den Einsatz von Tanks schnell erwärmen konnte, mögen allerdings bereits zu diesem frühen Zeitpunkt von der Idee Fullers für einen reinen Raid ohne weitergehende Durchbruchabsichten abgewichen sein, da er mit der Idee einer größeren Unternehmung seiner 3.Armee gegen den Sektor beziehungsweise Cambrai schon selbst gespielt und den Gedanken an einen Durchbruch wohl auch niemals aus den Augen verloren hatte1245. Im britischen amtlichen Werk ist erstaunlicherweise in diesem Zusammenhang zu lesen, es sei Elles gewesen, der Byng in einer Erweiterung der Pläne Fullers bestärkte1246.

Bei einer Präsentation der noch mehr oder weniger vagen Idee eines Vorstoßes gegen Cambrai, die Byng Haig und dessen Stab am 6.August 1917 persönlich dargelegte, wurde mit Rücksicht auf die fortdauernde Flandernschlacht, besonders aber durch die Intervention des Stabschefs Haigs, Kiggell, gegen die neue Operation entschieden. Fallengelassen wurde der Plan deshalb jedoch nicht, sondern fast konspirativ, wie William-Ellis es formulierten1247, im kleinen Kreis durch Elles, Fuller, Byng und dessen Stab weiter verfolgt, modifiziert und präzisiert1248.

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Den Ausschlag für eine Operation bei Cambrai gab die sich ganz allgemein verschlechternde Gesamtlage, welche dahin tendierte, mit dem Ausklingen der verlustreichen Schlacht in Flandern, dem Zusammenbruch des russischen Verbündeten und der Offensive der Mittelmächte gegen Italien einen militärisch wie politisch absolut desaströsen Schlußstrich unter die enormen Anstrengungen der Verbündeten im Jahre 1917 zu ziehen1249. Die Option, sich moralisch arg angeschlagen, ohne handfesten Gewinn und mit Aussicht auf einen durch Verstärkungen von der Ostfront zusehends erstarkenden deutschen Gegner in eine Winterpause zu begeben, scheint schon aus persönlicher Befindlichkeit Haigs, dem militärisch für diese Lage Hauptverantwortlichen, heraus kaum wählbar gewesen zu sein, so daß er sich nach Alternativen umsah1250.

Die Anreize, die der Plan gegen die Siegfried-Stellung bei Cambrai bieten konnte, waren vor dem Hintergrund eines düsteren Jahresausgangs relativ groß. Schon bei den ersten Ausführungen zu einer Unternehmung gegen St.Quentin hatte Fuller von der Wiederherstellung britischen Ansehens und einem für alle Seiten offensichtlichen Schlag gegen Deutschland vor Wintereinbruch gesprochen- demnach also von Aussichten auf einen Sieg mit vor allem moralischer Wirkung bei Freund und Feind, der indirekt auch Haigs persönliche Situation im Zentrum der Kritik aus der Heimat verbessern mußte1251. Dies binnen kürzester Zeit, mit relativ geringer Truppenzahl, relativ geringem Materialverbrauch und mit der von Byng gehegten Hoffnung auf einen weitergehenden Erfolg in Form eines möglichen Durchbruchs1252 zu erreichen, mußte also aus politischer, militärischer und persönlicher Sicht verlockend erscheinen.

Am 13.Oktober gab Haig sein Einverständnis zu einem Angriff bei Cambrai, der sich, zum Unbehagen des eigentlichen Urhebers1253, in den Planungen der 3.Armee und mit Einverständnis Elles’ vom Raid in eine großangelegte Operation entwickelt hatte. Und diese wurde von Haig selbst, zum Leidwesen aller Beteiligter, als Durchbruchsschlacht auf Basis einer nur fünfwöchigen Vorbereitungszeit verstanden1254. Allerdings behielt sich Haig vor, beim Scheitern der Offensive innerhalb eines Zeitfensters von 48 Stunden, das auch von Fuller als Zeitraum bis zum Eintreffen deutscher Reserven betrachtet wurde1255, den Abbruch der Operation anzuordnen1256.

9.1 Der Plan, der Angreifer und die Tankunterstützung.

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Die Ziele, die mit dem als Operation „GY“ benannten Stoß in die Siegfried-Stellung vor Cambrai erreicht werden sollten, wurden nach mehrmaligen Eingaben Haigs am 13.November 1917 von Byng endgültig festgelegt. Im Handstreich sollten die deutschen Stellungen zwischen dem Canal du Nord bei Havrincourt und dem Schelde-Kanal bei Banteux durchbrochen werden, um eigener Kavallerie den Stoß auf Cambrai, die zentral auf dem gedachten Schlachtfeld gelegene Höhe des Bourlon-Waldes sowie auf das Ostufer des Schelde-Kanals zu ermöglichen. Nach dem weiteren Vorankommen der Hauptkräfte Richtung Norden und Nordosten würde die Kavallerie die Übergänge über die nördlich Cambrai verlaufende Sensée sperren und so die Grundlage für die völlige Vernichtung der deutschen Truppen zwischen den Kanälen und dem Fluß schaffen1257.

Bedenkt man die erhebliche Ausdehnung des Schlachtfelds und die verlängerten Linien, die bei einem Erfolg entstehen mußten1258, muß es unverständlich erscheinen, weshalb für die Zeit nach der Vernichtung der deutschen Kräfte keinerlei Anweisungen gegeben wurden. Es wurde lediglich auf spätere Befehle verwiesen, die dem Kampfverlauf entsprechend abgestimmt sein sollten1259 und möglicherweise den sehr viel weiter gesteckten, auf Valenciennes und Douai zielenden Absichten Haigs Rechnung tragen konnten1260. Von dem ursprünglich von Fuller angedachten Raid, der den sofortigen Rückzug nach sich ziehen sollte, fehlt in den Weisungen jede Spur. Dies ist um so merkwürdiger, als für den Angriff eine beschränkte Anzahl Truppen stark variierender Qualität zur Verfügung stand und ein Mehr an Kräften für den Aufbau einer neuen und längeren Frontlinie veranschlagt werden mußte. Der Verbrauch an Verbänden durch die andauernden Kämpfe in Flandern mußte vor diesem Hintergrund schwer wiegen, da er die Angriffskräfte und die gerade auch bei einem Erfolg und dessen Ausweitung benötigten Reserven reduzierte1261.

Nichtsdestotrotz belief sich die Anzahl der für die Operation zur Verfügung stehenden Divisionen auf ein ansehnliches Maß. Neben weiteren Verbänden anderer Korps, welche mit Ablenkungsunternehmen im Norden und Süden des Einbruchsraumes betraut wurden, verfügte das IV.Korps für seinen Stoß zwischen der Römerstraße Bapaume-Cambrai und Beauchamp über drei Divisionen (36., 62. und 51.) und eine weitere als nördliche Flankendeckung (56.), das III.Korps, das daran anschließend bis südlich Gonnelieu stand, über weitere vier Divisionen (6., 20., 12. in erster Linie, 29. als Reserve dahinter)1262. Außerdem standen drei Divisionen des V.Korps als Armeereserve zur Verfügung1263. Teile von fünf Kavallerie-Divisionen (1.-5.) wurden zudem zum Kavallerie-Korps vereinigt oder den beiden Angriffskorps zugeteilt und für den Stoß in die Tiefe der deutschen Stellungen bereitgestellt1264. Eine zusätzliche, aber von britischer Seite aus Geheimhaltungsgründen und mit Rücksicht auf logistische Schwierigkeiten wenig geschätzte Hilfe wurde von französischer Seite in Form von zwei Infanterie- und drei Kavallerie-Divisionen in Aussicht gestellt, die hinter dem rechten Angriffsflügel aufmarschieren sollten, um dann aus dem Einbruchsraum nach Süden zu stoßen1265. Zu einer direkten französischen Beteiligung an der Offensive kam es letztendlich nicht, woran der Unwille der britischen Führung, diese überhaupt in die Planungen zu integrieren, ursächlich beteiligt gewesen zu sein scheint1266.

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Am ersten Angriffstag sollten insgesamt sieben Infanterie- und drei Kavallerie-Divisionen auf etwa 11km Frontbreite, unterstützt von starken Fliegerkräften, denen auch Schlachtflieger-Aufgaben zugedacht waren1267, und nach einem kurzen Artillerieschlag mit Spreng- und Nebelmunition aus 1.000 Geschützen1268, vorgehen, um die für die Erweiterung des Angriffs lebenswichtigen Punkte, namentlich die Übergänge über den Schelde-Kanal und den Bourlon-Wald zu gewinnen.

Wenn diese Kräfteansammlung nun kaum noch etwas mit Fullers Raid zu tun hatte, so blieben zwei der von ihm gewünschten Operationsgrundlagen erhalten: Die Überraschung beziehungsweise eine diese und die beständige Eignung des Geländes garantierende kurze Artillerievorbereitung, welche von Byng wegen eines in seiner Armee entwickelten Schießverfahrens „nach Karte“ ohne langwieriges und auffälliges Einschießen der Geschütze genehmigt wurde1269, und die Zusammenziehung aller vorhandenen Teile des Tank Corps als Speerspitze des Angriffs. Aber anders als ursprünglich angedacht, bedeutete letzteres keinesfalls, daß dem Tank Corps, wenn schon nicht im operativen Maßstab, so doch zumindest die gewünschten Freiheiten und tiefergehenden Einflußmöglichkeiten bei der taktischen Durchführung überlassen wurden. Einmal dürfte die Frage nach Dienstgrad beziehungsweise Anciennität der Führungspersönlichkeiten des Tank Corps dagegen gesprochen haben. Denn ohne außerordentliche Vollmachten konnten sie den dienstälteren und ranghöheren Kommandeuren der Divisionen und Korps keine Vorschriften machen1270. Zum zweiten war das Vertrauen dieser Generale –Byng eingeschlossen- in die Fähigkeiten der Tanks augenscheinlich eher gering1271, was größere Einflußnahme der Führung und Offiziere des Tank Corps zur Utopie und die gepanzerte Streitmacht grundsätzlich zur Unterstützungswaffe der Infanterie machte. Dagegen aufzubegehren kam der Spitze des Tank Corps offenbar nicht in den Sinn1272. Es ging vielmehr darum, auf den durch diese Vorgesetzten manifestierten Grundanlagen aufzubauen und weitgehende Übereinstimmung mit dem Armeeoberkommando herzustellen, um maximale Wirkung der gepanzerten Kräfte im Zusammenwirken mit der Infanterie und deren Führungsstäben zu erreichen1273.

Zur Hebung des Vertrauens gegenüber dem für viele Einheiten neuen Partner Tank fanden praktische Demonstrationen vor Infanterie- und Kavallerie-Einheiten statt, die auch daraus bestanden, daß starke Verteidigungswerke von Tanks „angegriffen“ und überwunden wurden1274. Der Erfolg der Tanks bei derartigen Vorführungen und gemeinsamen Trainingseinheiten war laut Fullers Darstellung enorm und steigerte das Vertrauen der Zuschauer in die gepanzerte Hilfswaffe erheblich1275. Eine Meinung, der sich zumindest auch die 2.Tank-Brigade anschließen konnte, wenngleich auf diverse Mängel während der praktischen Ausbildungsphase mit Infanterieeinheiten und der für diese vollkommen neuartigen Kampfweise im Verbund hingewiesen wurde1276. Diese neue Einsatzweise fand ihren Niederschlag in verschiedenen Vorschlägen Fullers zum kombinierten Tank-Infanterie-Einsatz, während ältere Anweisungen offenbar gültig blieben und diese Anstrengungen konterkarierten1277. Minutiös wurden in Fullers Abhandlung „S.G. 192“ für das Tank Corps die Grundlagen des kommenden Einsatzes festgelegt1278. Die für einen Angriffssektor vorgesehenen Tanks würden in zwei Gruppen auf die einzelnen Angriffsziele stoßen. Eine vorgeschobene Gruppe sollte auf sich gestellt vorgehen und etwaiges Abwehrfeuer niederkämpfen, und die von Infanterie dicht gefolgte zweite Gruppe nachrücken, um in das Stellungssystem einzubrechen. Die vorderste Tankwelle hatte aus den Spitzenfahrzeugen (Advanced Guard Tanks) der als Grundeinheit gewählten Sektion zu drei Fahrzeugen zu bestehen, denen die beiden übrigen Wagen (Main Body Tanks) der Sektionen mit Begleitinfanterie als zweite Welle folgen sollten. Alle Abstände, die zwischen dem Spitzenfahrzeug, den beiden parallel dahinter fahrenden Wagen und der ihnen in Reihe folgenden Infanteriezüge, in Tiefe und zu den Seiten, wurden von Fuller auf das einheitliche Maß von 100 Yards (ca. 90m) bemessen1279. Die drei Fahrzeuge der Sektion hatten sich beim Einbruch in das feindliche Stellungssystem gegenseitig, etwa in Form eines „überschlagenden Vorgehens“ wie es heute mit Panzerfahrzeugen der Bundeswehr üblich ist, zu decken und sollten nach dem Niederringen der deutschen Gegenwehr einen Graben an einer Stelle überwinden, um in derselben Manier gegen die nächste Widerstandslinie des Feindes vorzugehen1280. Im Fall der Erschöpfung der Angriffskraft einer Welle sollten Reserven über sie hinwegstoßen und verhindern, daß die Operation frühzeitig zu einem Stillstand kam. Das Verfahren wurde insgesamt durch die 3.Armee genehmigt, aber, ganz den obigen Feststellungen zu Anciennität und Durchsetzungsvermögen des Tank Corps entsprechend, in zwei Fällen durch untergeordnete Generale negiert.

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Der Kommandeur der 51.Division (IV.Korps), Harper, hielt offenbar nicht viel von diesen Ideen zur Kooperation zwischen Tanks und Infanterie, da Kampfwagen bekanntermaßen feindliches Abwehrfeuer anzogen1281 und somit ein erhebliches und zusätzliches Gefährdungspotential für seine Infanterie vorhanden war. Infolge dieser Sichtweise befahl er einen weitaus größeren Abstand zwischen Infanterie und Main Body Tanks1282 und sicherte sich dadurch in der Historiographie einen Großteil der Schuld am Mißlingen der gesamten Operation1283. Tatsächlich handelte es sich bei der von den Vorgesetzten stillschweigend gebilligten Änderung des Verfahrens, die sich vergleichbar auch bei der 62.Division findet1284, lediglich um einen Fehler mehr, dem etwa der Verzicht auf Angriffswellen, also den möglichen Einsatz gepanzerter Reserven durch die 3.Armee an die Seite gestellt werden kann1285.

Über die Fragen der Angriffstaktik hinaus gab Fuller in der Abhandlung „S.G. 192“ klare Anweisungen für die Kommunikation und Signalgebung zwischen Tanks, Infanterie und Stäben1286, über die Aufgaben der „Tank-Erkundungsoffiziere“, welche den Überblick über den Kampfverlauf bewahren und daraufhin den Einsatz der Versorgungs- und Ersatzfahrzeuge koordinieren sollten1287, über eingehende Aufklärungs- und Orientierungsarbeit hinsichtlich des Geländes, der Anmarschwege, Stabsquartiere, Feuerpläne der eigenen Artillerie und bestmöglichen Ausgangsstellungen für den Angriff1288.

Mehrere bekannte Mißstände, die fast ausschließlich die Einsatzfähigkeit der Tanks und zur Gänze ihre Effizienz in Zusammenarbeit mit anderen Waffengattungen betrafen, wurden im Vorfeld der Operation mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Ein Problem, das gerade bei einem Angriff auf eine für ihren hohen Ausbaugrad berüchtigte Feindstellung vorhanden war, stellte das Überwinden der tiefen deutschen Drahthindernisse und Gräben dar. Erstere wurden mit durchweg mehreren Dutzend Metern Tiefe veranschlagt1289, was weniger für die Tanks selbst, als für die durch das Drahtgewirr folgende Infanterie und Kavallerie problematisch sein mußte. Die Breite der deutschen Gräben wurde mit 4-6m angegeben1290, eine Distanz, die von keinem damaligen Kampfwagen ohne Hilfsmittel überwunden werden konnte1291. Die eine Lösung stellten Spezialtanks dar, die, als „Wirepullers“1292 durch ein „W“ als Zusatz zur Fahrzeugkennung erkenntlich1293, mit hinterhergezogenen Ankern vor dem Gros der Truppen herfahrend, drahtfreie Gassen schaffen sollten1294. Genauso simpel wie diese „Ankertechnik“ war die Nutzung der Faschine, die nichts weiter darstellte, als zahlreiche, fest zu einem Körper zusammengeschnürte Reisigbündel. Diese Faschinen wurde auf den Dächern der Fahrzeuge mitgeführt und konnten von dort aus in die deutschen Gräben oder andere tiefe Hindernisse hinabgelassen werden1295. Für alle Kampffahrzeuge wurden solche Faschinen gefertigt, die angesichts ihrer erheblichen Größe zwar unter normalen Umständen nicht gerade der Fahrzeugtarnung zuträglich sein konnten, mit Blick auf die zu überwindende Schwierigkeit, die Ausführung des Angriffs im Morgengrauen und unter Überraschung des Feindes aber als effiziente Hilfsmittel begrüßt wurden1296. Eine Notwendigkeit, die durch die Bedingung großer Geschwindigkeit des Vorstoßes und damit primär der schnellen Wiederherstellung der Gefechtsfähigkeit der Fahrzeuge nach beziehungsweise im Einsatz ausging, konnte durch eine weitere Neuheit zumindest theoretisch erfüllt werden: Notwendiger Munitions-, Betriebs- und Schmierstoffersatz1297 sollte für jede Tank-Brigade durch 18 Mark I oder II Versorgungswagen nachgeführt werden, denen einfach gefertigte Transportschlitten angehängt wurden1298. Anders als bei den Faschinen, die ihren großen Nutzen am ersten Angriffstag unter Beweis stellen konnten, handelte es sich bei den W-Tanks und Transportschlitten nicht um Innovationen, deren Genialität bei Cambrai wirklich offenbar werden konnte. Dafür ausschlaggebend waren letztendlich die mangelnden Möglichkeiten, die durch einen vom Plan abweichenden Gefechtsverlauf bedingt werden sollten1299.

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Für die Schlacht in jeder Hinsicht prägend war die schiere Masse an Tanks, die versammelt wurde. Zusätzlich zu den ersten Bataillonen, die im September aus der Flandernschlacht gezogen wurden1300, waren sämtliche noch im Vereinigten Königreich befindlichen Fahrzeuge nach Frankreich beordert worden1301. Und schließlich kamen noch die letzten Teile, die 1.Tank-Brigade, aus Flandern hinzu, so daß im Vorfeld der Offensive bei Cambrai alle drei Tankbrigaden mit neun Bataillonen in voller Stärke und mit einer erheblichen Anzahl an Ersatz- und Sonderfahrzeugen einsatzbereit waren. Die Gesamtzahl der Tanks belief sich auf 476, wovon 378 eigentliche „Kampffahrzeuge“ des neuen Typ Mark IV waren. Von diesen wurden 216 dem III. und 108 dem IV.Korps zugeteilt und den Gefechtsabschnitten der Infanteriedivisionen zugewiesen, während die übrigen Wagen als Fahrzeugreserve hinter der Linie bereitgehalten wurden1302. Durch die geringe Anzahl der Divisionen entfiel auf sie eine bis dahin nie dagewesene Menge an Tanks. Die 51.Division kam dementsprechend auf 60, die 6.Division sogar auf 72 Fahrzeuge, die jeweils auf die beiden Angriffs-Brigaden verteilt wurden1303. Die Tanks bei der 51.Division allein entsprachen ihrer Summe nach also derjenigen aller verfügbaren Wagen beim Auftakt der Osterschlacht bei Arras, wobei ihre 152.Brigade mit 42 Fahrzeugen schon die Zahl der am 9.April tatsächlich eingesetzten Tanks übertraf1304.

Da Überraschung und schnelles Erreichen der Höhen von Bourlon auf dem linken, sowie der Kanalübergänge auf dem rechten Angriffsflügel für die Operation der Tanks entscheidend waren, wurde auf Tarnung der Bereitstellungsräume, detaillierte Beschreibung der Marschwege und Angriffsziele besonderer Wert gelegt. So wie die Artillerie, die sich das auffällige Einschießen sparen, bis zum Angriffsbeginn um 7.20 Uhr (deutscher Zeit) abwarten und sich vor allem der Erfassung deutscher Stellungen, Stabsquartiere und sonstiger Ziele widmen konnte1305, zogen Angriffsinfanterie und Tanks bis zum Morgen des 19.November überall dort unter, wo sie vor feindlicher Einsichtnahme geschützt waren. Gebäudetrümmer, Gärten und Waldstücke dienten hierzu, wobei besonders der nahe an den deutschen ersten Stellungen gelegene Wald von Havrincourt beste Maskierungsmöglichkeiten „beinahe vor der Nase des Feindes“, wie Fuller sich ausdrückte, bot1306. Wie die Infanterie versammelten sich die Tanks bei Nacht. Da ihre Motorengeräusche die deutschen Vorposten auf geschätzte 900m hätten alarmieren können, wurden sie wenigstens in dieser Distanz zum Feind aufgestellt, zum Teil auch noch deutlich weiter hinter der eigenen Linie1307. Der Weg aus den Bereitstellungen in Richtung auf den Feind wurde mit Trassierband für jedes Fahrzeug abgesteckt, um ein sonst unvermeidliches Durcheinander beim Abmarsch zu vermeiden und das Auffinden der Wege, das in der relativen Dunkelheit der Dämmerung des 20. stattfinden mußte, wesentlich zu erleichtern. Diese Maßnahme trug wohl vor allem dazu bei, daß bei Cambrai nur zwei Tanks direkt auf dem Weg ins Gefecht Opfer von Tücken des Geländes wurden1308.

Über die Angriffsziele erhielten die Tankbesatzungen an den Tagen vor der Schlacht noch einmal detaillierte Angaben, die sich vor allem auf die Eroberung von Masnières und Marcoing und der in oder bei den Ortschaften gelegenen Kanalbrücken befaßten1309. Ihre Wegnahme als Vorbereitung des Kavalleriestoßes in die Tiefe des Raumes hinter der Siegfried-Stellung war unerläßlich für das Gelingen des Gesamtplans. Gegenüber der Informationspolitik und den Vorkehrungen für eine möglichst zielgerichtete und risikolose Aufstellung des Tank Corps, das seinerseits alles tat, um den Tanks den richtigen Weg zu zeigen, stand die Tatsache, daß die Kavallerie weit, nämlich mit nächsten etwa 16 und mit entferntesten Teilen über 30km vom Durchbruchssektor entfernt versammelt worden war1310. Der Anmarsch der 1., 2. und 5. Kavallerie-Division sollte am frühen Morgen des ersten Angriffstages beginnen und bis etwa 8 Uhr abgeschlossen sein, während die 3. und 4.Division Verfügungs- oder Eingreifreserve der 3.Armee in Bray beziehungsweise Athies blieben1311. Diese Verfahrensweise barg einige Gefahren in sich, die den taktischen Einsatz der Kavallerie nicht zuletzt vom Informationsstand der höheren Stäbe über den Verlauf des Kampfes, schneller Versammlung der Reitermassen und ihren Einsatz an den richtigen Punkten am frühen Morgen des Angriffstages abhängig machen mußte.

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Eine weitere Gefährdung des Gesamtplans ging davon aus, daß es bei deutschen Patrouillenunternehmungen an den beiden Tagen vor der Schlacht zur Gefangennahme britischer Soldaten gekommen war. Inwieweit der deutsche Gegner das Element der Überraschung ausschalten konnte, war dementsprechend nicht zweifelsfrei zu klären. Hoffen und ein klein wenig Bangen, auch über ein plötzlich auf die Bereitstellungen am Wald von Havrincourt hereinbrechendes Artilleriefeuer-Intermezzo der Deutschen am frühen Morgen des 20.Novembers hinaus1312, bestimmte die Erwartungen. Diese waren zumindest beim Tank Corps überaus groß und fanden durch einen Entschluß seines Kommandeurs einen besonderen Ausdruck. General Elles entschied sich, den Angriff seiner gepanzerten Armada in einem Tank beim H-Bataillon der 6.Division1313 persönlich zu begleiten, sich also wie der heroisch verklärte Kavallerieführer früherer Zeiten an der Spitze seiner Truppen in Todesverachtung1314 auf den Feind zu werfen. Dieser symbolische Akt, die wenigstens suggerierte Nähe des Befehlshabers zu seinen Soldaten und sein Wille, sich am Brennpunkt des Geschehens ungefordert in höchste Gefahr zu begeben, wurde im „Sonderbefehl Nr. 6“ der Truppe bekannt gegeben1315. Damit unterstrich Elles seine Zuversicht in Hinsicht auf das Gelingen der Operation und zugleich das Vertrauen in die Kräfte des Tank Corps, für das Erfolg und Mißerfolg bei Cambrai zur Entscheidung seiner Existenzfrage werden mußten1316. Die Aussagekraft und das Beispiel dieser Entscheidung Elles’ fand in der Folgezeit dauernden Respekt1317, so wie man auch davon ausgehen kann, daß sich das spätere Führen von Panzerverbänden „von vorne“ darauf berief. Daran änderte auch der Umstand nichts, daß sich Elles’ Tank, „Hilda“, am 20.November frühzeitig, um kurz nach 9 Uhr, festfuhr1318 und von einer Führungsrolle des Generals an der Spitze der Tanks schon wegen der weiträumigen Verteilung der Truppe auf die Angriffsfront sowie ihrer Unterstellung unter die Divisionen faktisch niemals die Rede sein konnte1319. Wie in einer der verschiedenen Versionen zu Elles’ Führungsrolle am 20.November 1917 besonders pathetisch dargestellt wird, entsprach sein Verhalten der für die Nachwelt lebendig gewordenen Hoffnung auf das Ende des elenden Grabenkrieges und den Weg zum Sieg unter der inoffiziellen Devise des Tank Corps: „From Mud, Through Blood, To The Green Fields Beyond“1320. Die Schlacht hatte damit noch vor ihrem eigentlichen, blutigen Auftakt einen ersten Mythos hervorgebracht.

9.2 Die Verteidiger.

Die Ausgangslage für die Verbände der Gruppe Caudry (GK XIII.AK, Theodor Frhr. v. Watter), die den Abschnitt der 2.Armee (v.d. Marwitz) vor Cambrai hielt, wurde durch die Anlage und Ausführung der Siegfried-Stellung einerseits, andererseits maßgeblich durch die Belastungen des Heeres während der Kämpfe seit Frühjahr 1917 geprägt. Vom Beziehen der Siegfried-Stellung an hatte es wenig Material und Kräfte gegeben, die vielfach gering ausgebauten Linien zu verstärken, oder an ihnen die für notwendig erachteten Veränderungen vorzunehmen1321. In die Liste der unterlassenen aber für die generelle Sicherheit des Stellungssystems unumgänglichen Maßnahmen gehörte etwa die Niederlegung oder das Niederbrennen des Waldes von Havrincourt, der, bei der bedrohlichen Nähe der feindlichen Gräben vor dem Wald und dem gleichnamigen Ort, beste Annäherungs- und Maskierungsmöglichkeiten für den Gegner bot. Wie oben bereits gezeigt wurde, war dies eine Unterlassung mit großem Nutzen für den verdeckten Aufmarsch der britischen Angreifer vor dem 20.November 1917.

Im Gegensatz zu den Kampfräumen bei Arras, an der Aisne und in der Champagne handelte es sich trotz der Bedeutung Cambrais als Eisenbahnknotenpunkt1322 um einen zu vernachlässigenden Sektor, bei dem man unter Maßgabe der bisherigen Erfahrungen mit britischen und französischen Großoperationen glaubte, Verstärkungen noch zeitig genug heranführen zu können, bevor eine kritische Lage überhaupt Gestalt annehmen konnte. Eine Überlegung und Annahme, die für weiteste, nämlich die augenblicklich nicht von akuter Bedrohung gekennzeichnete Teile der Westfront als Maxime der OHL angenommen werden muß1323 und sich auch in der Vorsichtsmaßnahme stetig von diesen Frontteilen ausgehender Aufklärungsarbeit gegen die gegenüberliegenden Feindverbände widerspiegelte1324. Die Vorgänge um ein solches Aufklärungsergebnis der Gruppe Caudry von Juni 1917 liefern für die Richtigkeit der gerade getroffenen Aussagen ein beredtes Zeugnis und zugleich einen ersten, recht merkwürdig anmutenden Eindruck von den Eigenschaften und Grundlagen der Führung des Gruppenkommandos unter Watter.

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Das AOK 2, das zuvor von der Gruppe Caudry über eine plötzlich in die Ruhe des Abschnitts geradezu hereinbrechende1325, neuidentifizierte und „frische“ britische Division informiert worden war1326, meldete bei der Heeresgruppe Rupprecht am 29.Juni an, daß dringendst eine Verstärkung des Sektors Cambrai anzustreben sei1327. Die neuerkannte Division wurde zusammen mit den Unergründlichkeiten des Waldes von Havrincourt1328 zum Anlaß genommen, mit einem Ablenkungsangriff oder gar einem größeren Nebenangriff zu den erwarteten feindlichen Operationen in Flandern zu rechnen und die Gruppe für alle Eventualitäten wappnen zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt verfügte Watters Generalkommando über drei Divisionsabschnitte mit erheblichen Frontlängen. 7km bei der direkt bei Havrincourt eingesetzten Division, 7,5 beziehungsweise 9km für die links und rechts davon stehenden Divisionen. Eine zusätzliche Division, die entweder als Eingreifreserve oder -sehr wahrscheinlich- zum Verkürzen der überlangen Divisionsabschnitte dienen sollte1329, acht schwere Feld-Haubitzen-Batterien, zwei Maschinengewehr-Scharfschützen-Abteilungen, zwei Jagdstaffeln, fünf Kraftwagen-Flak (K-Flak) und vieles mehr wurde als Sofortmaßnahme ohne Rücksicht auf die vom AOK noch näher zu spezifizierende Bedrohung für die Gruppe Caudry gefordert1330. Für den unbefriedigenden Zustand der Siegfried-Stellung kann als besonders bezeichnend angesehen werden, daß zudem zahlreiche Bautruppen für sofortigen Einsatz verlangt wurden, „um die dringlichsten Vorbereitungen vor Beginn des Angriffs treffen zu können“1331.

Unter den Bezeichnungen „Fall Havrincourt“, einem begrenzten Angriff aus dem Wald heraus, und „Angriff Cambrai“, einer größeren Unternehmung gegen die etwa 5km hinter der vordersten Stellung gelegene Stadt1332, brachte das AOK 2 mehrere Seiten mit detaillierten Anforderungen zur Kenntnis der Heeresgruppe, die nur in geringen Teilen hier angeführt sein sollen, um den immensen Kräftebedarf zu sichtbar zu machen, der gegenüber einem möglichen Ablenkungsangriff oder einer größeren Unternehmung mit weitergehendem Ziel die Sicherheit des Abschnitts garantieren können sollte. Dabei handelt es sich um einen beachtenswerten Prolog für die britische Angriffsoperation bei Cambrai im November 1917, der bis heute genauso unbeachtet geblieben ist, wie er Charakteristiken der für die Deutschen insgesamt kritischen Situation an der Westfront im Herbst 1917 und erst recht für die Situation in der zweiten Jahreshälfte 1918 umfaßt beziehungsweise vorwegnimmt.

Für den Fall des begrenzten Unternehmens gegen Havrincourt war der dortige Divisionsabschnitt durch ein Generalkommando mit zwei Divisionen in der Frontbreite von 3,9 und 4,2km zu besetzen. Zwei Maschinengewehr-Scharfschützen-Abteilungen, 30 Feldartillerie-, 12 schwere Feld-Haubitz-, sechs (21cm-) Mörser-Batterien und acht schwere 10 oder 13cm Flachfeuer-Batterien wären erforderlich1333. Außerdem, und dies ist nur eine Auswahl1334, sollten ein Stabsoffizier der Pioniere, acht Pionier-, zwei Pionier-Bau- und zehn Armierungs-Kompanien zum als dringend erachteten Ausbau der Stellungen herangezogen werden1335. Den Luftschutz, die Luftaufklärung und die Erdkampffähigkeiten sollten durch vier Jagdstaffeln, drei Schutzstaffeln, fünf Fliegerabteilungen, ein Bombengeschwader, zahlreiche Scheinwerfer, vier Ballonzüge, sieben K-Flak und acht weitere, bespannte Flak-Züge oder auch –Batterien übernehmen1336.

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Die geforderten Verbände für die Abwehr eines feindlichen Stoßes durch die Siegfried-Stellung auf Cambrai waren über dieses offensichtlich schon erhebliche Maß hinaus noch deutlich gesteigert: Zwei Generalkommandos mit dreizweidrittel Divisionen wurden gefordert, dazu eine im Verhältnis zum „Fall Havrincourt“ verdoppelte Anzahl an Artillerieformationen und eine etwa 30% darüber hinausgehende Vermehrung der übrigen Einheiten1337.

Äußerst bescheiden nimmt sich dagegen die Aufstellung1338 der tatsächlich am 29.Juni bei Havrincourt und im gesamten Gruppenabschnitt vorhandenen Kräfte aus. Im Kampfabschnitt Havrincourt konnten 18 Feldartillerie-, zwei schwere Feldhaubitzen-, zwei Mörser und fünf ältere zum Teil vom Feind erbeutete Flachfeuer-Batterien zur Wirkung gebracht werden1339. Die Gruppe verfügte insgesamt über 36 Feldartillerie-, drei schwere Feld-Haubitzen-, drei Mörser- und eine moderne sowie neun ältere schwere Flachfeuer-Batterien. Der Umfang der für einen Einsatz im Frontsektor in Frage kommenden Teile der Luftstreitkräfte belief sich auf zwei Jagdstaffeln, zwei Fliegerabteilungen, drei Ballonzüge, zwei K-Flak und fünf mehr oder weniger motorisierte Flakzüge oder -batterien1340.

Auf die siebenseitige Liste mit Wünschen des AOK 2, das sich nur begrenzt auf eine zweifelsfrei aufgeklärte, sondern vielmehr auf eine vage und doch immer präsente Bedrohung berufen konnte, reagierte das Gruppenkommando erstaunlich zurückhaltend, bedenkt man, wie begrüßenswert Verstärkungen sein mußten. Unabhängig von der Lageeinschätzung durch das AOK 2 oder die Heeresgruppe Rupprecht wurden lediglich zwei schwere Feld-Haubitzen-Batterien, eine Mörser-Batterie, eine Fliegerabteilung, eine Schutzstaffel, eine Pionier- und zwei Armierungskompanien erbeten1341. Diese wesentlich bescheidenere Anforderung der Gruppe Caudry ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Zum einen waren Divisionsabschnitte über 7km, und mehr waren es bei zwei von drei Divisionen, an sich schon überaus ausgedehnt, was den Wunsch der Gruppe, diesem Zustand abzuhelfen, nachvollziehbar gemacht hätte. Vor allem dann, wenn man nicht selbst mit möglicherweise überzogen wirkenden Forderungen an die übergeordneten Dienststellen heranzutreten hatte, sondern das vorgesetzte AOK dies von sich aus tat und man sich dessen Wünschen nur anzuschließen brauchte. Dann erstaunt, daß die Gruppe selbst mit einer absolut ernstzunehmenden Bedrohung ihres Abschnitts durch ein großes feindliches Unternehmen rechnete1342, aber auch vor diesem Hintergrund auf maßgebliche Verstärkungen von sich aus verzichtete.

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Die Antwort der Heeresgruppe auf beide Schreiben fiel eindeutig aus1343. Und sie läßt keinen Zweifel daran, daß es an der deutschen Westfront im Frühjahr und erst recht ab Sommer 1917 Abschnitte gab, die, ungeachtet ihrer Bedeutung oder ihrer auch durch höhere Stäbe mehr oder weniger stichhaltig dargelegten Bedrohung, nicht dafür in Frage kamen, auf Kosten der klar erkennbaren Hauptkampffronten möglicherweise unnötig mit wertvollen Verbänden und Kampfmitteln versorgt zu werden1344. Vor allem, wie die Heeresgruppe Rupprecht später auch einer erbosten OHL gegenüber anführte1345, wenn die dortigen Stellungen vermeintlich gut ausgebaut waren und Angriffe von mehr als rein örtlicher Bedeutung auszuschließen schienen1346. Für beide Fälle, den kleinen Angriff auf Havrincourt und die große Unternehmung gegen das definitiv strategische Ziel Cambrai, waren keine Kräfte vorhanden, die als augenblickliche oder als in absehbarer Zeit verbindlich zuzusichernde Verstärkungen frei wären, antwortete die Heeresgruppe1347. Eine Begründung für eine signifikante Verstärkung des Sektors Cambrai war in ihren Augen außerdem nur dann gegeben, wenn, wie vor Angriffen üblich, schwere Artillerie des Feindes beim Einschießen der Geschütze erkannt sei1348. Was sich hinter dieser Maxime der sich einschießenden schweren Artillerie verbarg, die nicht nur für die Heeresgruppe, sondern forthin auch für das Gruppenkommando Leitindiz eines sich anbahnenden Angriffs geworden zu sein scheint und ganz der bis in allerhöchste Stäbe geltenden Unterschätzung eines bisher als äußerst berechenbar charakterisierten Gegners folgte1349, war das Vabanquespiel der 3.OHL an der Westfront seit ihrer Kommandoübernahme.

Für den Abschnitt der Gruppe Caudry ergab sich aus dieser Episode und ihrem Ausgang in erster Linie der Status als ruhiger Frontabschnitt, bei dem es nirgends mehr zum Einschießen feindlicher schwerer Artillerie und zu sonstigen Zeichen für Angriffsvorbereitungen kam. Die weiter fortgeführte Feindaufklärung1350 brachte während der Flandernschlacht die Erkenntnis ein, daß gegenüber abgekämpfte Divisionen standen, die unter dem Primäraspekt der Auffrischung einen Teil der Linie übernommen hatten. Auf der deutschen Seite verfuhr man ebenso, und aus Flandern eintreffende Verbände übernahmen in Ermangelung anderer Kräfte Abschnitte des „Sanatoriums für Flandern“, wie der Sektor Cambrai nun bezeichnenderweise genannt wurde1351. Dem Charakter des „Erholungsheimes“ entsprach es auch, daß durch die Abschnittsbesatzungen zwar besonders das Grabensystem der Siegfried-I-Stellung (S-I) gepflegt1352 und punktuell kräftig geschanzt wurde, mit dem weiteren Ausbau der etwa 1-2km dahinter befindlichen Zwischen- oder Z-Stellung1353, der wiederum 4km weiter rückwärts gelegenen S-II-Stellung (S-II), der zahlreichen Widerstandsnester und Unterstände aber nur schleppend vorangekommen wurde1354. Der Aspekt der Regeneration der Kampfkraft der eingesetzten Verbände stand offensichtlich wenigstens gleichberechtigt neben den Aufgaben der Frontsicherung und –befestigung1355. Schließlich äußerte die OHL noch am 18.November, daß der Ausbau der vorderen Stellungen generell Zeitverschwendung und Vergeudung von Kräften darstelle1356, was man durch die Erfahrungen mit den Destruktionskräften der vorangegangenen Materialschlachten begründen kann. Für eine hervorgehobene Berücksichtigung der physischen und psychischen Regeneration der Verbände spricht, daß einige im Frontsektor neuankommende Truppenteile von der Gruppe Caudry mit den Segnungen der Truppenbetreuung, die auch in der Folgezeit aus dem Besuch von Frontkino und Theater oder der Nutzung der Annehmlichkeiten Cambrais und anderer vom Krieg unberührter Ortschaften1357 bestehen konnte, begrüßt wurden1358. Daß in dieser Hinsicht den Überlegungen der OHL zum Erhalt der Kampfkraft von Verbänden und damit direkt auch den Vorbereitungsmaßnahmen für die Frühjahrsoffensive 1918 nachgekommen wurde, zeigte sich noch am 20.November in einem Weisung der OHL zur Herstellung der „sittlichen und koerperlichen Ueberlegenheit“ des deutschen Soldaten durch die Kombination von Erholung und Ausbildung während der Winterperiode 1917/181359. Obwohl erst am Tag des britischen Angriffs veröffentlicht, mag es sein, daß die für erfahrene Frontkommandeure zuvor schon offensichtliche Bedeutung dieser Forderung sowohl bei der Heeresgruppe als auch beim AOK 2 und der Gruppe Caudry Reaktionen und Wahrnehmungen gegenüber potentiellen Bedrohungen beeinflußte. Jedenfalls insofern, als daß mögliche Gefahren vor dem Hintergrund der bis Herbst 1917 errungenen Erfolge und angesichts der Aussichten auf eine Kriegswende im Frühjahr 1918 genauso wenig ernst genommen wurden wie die Möglichkeit veränderter Kampfweise auf Seite des Feindes.

Unter dem Befehl der Gruppe Caudry standen seit dem 13.November 1917:

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Für die 20.LD, die erst am 13.November die 204.ID abgelöst hatte1360, stand die 107.ID mit den RIR 52, 227, 232 und dem FAR 213 in Aussicht, die von der Ostfront herantransportiert werden und am 20.November beginnend die 20.LD ablösen sollte.

Sämtliche Divisionen waren bei ihrer Ankunft im Befehlsbereich der Gruppe durch die Flandernschlacht gegangen, hatten teilweise erhebliche Verluste hinnehmen und ohne maßgeblichen Personalersatz die neuen Stellungen vor Cambrai besetzen müssen. Dabei konnte wegen der reduzierten Stärken, der Ruhe- und Ausbildungsbedürftigkeit und der ausgedehnten Divisionsabschnitte auf eine Tiefengliederung nach dem seit Frühjahr 1917 geltenden Muster keine Rücksicht genommen werden. Zwei Bataillone der Regimenter lagen in Stellung, eines stand als Reserve- und Ruhebataillon bereit, sofern es nicht anderweitig, etwa als Gruppen- oder Armeereserve, verwandt wurde. Die Frontlängen für die Bataillone und Regimenter wichen ebenfalls deutlich von dem ab, was als Norm gelten mußte.

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Ersatz kam in der Folgezeit in spärlicher Zahl bei den Verbänden an, wie verschiedene Meldungen des Gruppenkommandos mit nur sehr langsam ansteigenden Gefechtsstärken zeigen1361. Die durchschnittliche Bataillons-Gefechtstärke lag am 13.November, in der letzten Stärkemeldung vor der Schlacht, bei der abzulösenden 20.LD auf dem Niveau von etwa 684 Mann, wobei, wie für eine Landwehr-Division zu erwarten, allerdings ein im Vergleich zu den anderen Divisionen der Gruppe erheblich größerer Anteil von Soldaten „garnison-verwendungsfähig“ und damit minder tauglich für den Kampfeinsatz war1362. In der 54.ID lag die Bataillonsstärke bei 694, in der 9.RD bei 678 und bei der 183.ID bei 674 Mann1363. Das Fehl war angesichts einer normal geltenden Gefechtsstärke von 800 Mann je Bataillon1364 nicht unerheblich und besagt zudem noch nichts über die innere Verfassung des jeweiligen Verbandes. Der eingestellte Ersatz war oftmals unerfahren und minder gut ausgebildet, woran in den Divisions-Feldrekrutendepots und durch Ausbildung in den Kampfverbänden zwar versucht wurde, etwas zu ändern1365, doch wogegen, ohne Gelegenheit zu realen Herausforderungen eines Gefechts, nur begrenzt etwas getan werden konnte1366.

Der Kampfwert der Divisionen der Gruppe Caudry wurde vom AOK 2 am 17.November in einer Meldung an die Heeresgruppe Rupprecht dem gerade gezeigten Bild gemäß dargestellt, wobei auffallen muß, daß sich eine durchweg negative Einschätzung des Kampfwertes auch auf die Verbände der Nachbargruppen erstreckte1367. Mindestens noch zwei Wochen Ruhe und Ausbildung wurden für die 54. und die 183.ID angenommen, um als „vollkampffähig“ gelten und die höchste Klassifizierungsstufe erreichen zu können. Die 9.RD erschien „nur für ruhige Front geeignet“, und die 20.LD war „nur für Stellungskrieg geeignet“1368. Die 107.ID, die zu dem Teil deutscher Streitkräfte gehörte, welcher angesichts der bevorstehenden Beendigung entscheidender Kampfhandlungen an der Ostfront von dort abgezogen werden konnte, war nun verfügbar. Was die Beurteilung der Division durch das AOK 2 unzweifelhaft schwierig machte, war die Frage ihres Gefechtswertes gegenüber den an der Westfront geltenden Verhältnissen. Das AOK enthielt sich demzufolge eines Kommentars1369, was sich sicher nicht als Wertschätzung für einen als ausgeruht und „frisch“ zu bezeichnenden Verband, der einen kritischen Frontabschnitt zu besetzen haben würde, deuten läßt. Das eingeschränkte Vertrauen in den Gefechtswert der 107.ID auch auf seiten der Gruppe Caudry fand in einer Meldung an das AOK 2 Ausdruck, in der das Generalkommando darauf hinwies, daß in den Reihen der Division 350 Elsaß-Lothringer ständen, denen eine gewisse Unzuverlässigkeit zu unterstellen sei, und daß die Division über keine leichten Maschinengewehre und ihre Batterien nur über drei statt der üblichen vier Geschütze verfüge1370.

„Kritisch“ hieß für den Sektor Cambrai im Kontext der bei der Heeresgruppe Rupprecht und der OHL einlaufenden Meldungen bis Mitte November 1917, daß einige Truppenverschiebungen beim Feind Beachtung verdienten. Mit diesbezüglichen Meldungen, die sich hauptsächlich mit dem Fokus des Interesses, Flandern, und dortigen Veränderungen sowie deren Wahrnehmung an anderen Fronten in Form des Einschiebens neuer Verbände oder sonstiger Auffälligkeiten beschäftigten, kamen Berichte über plötzliche Zunahme feindlicher Aktivitäten bei der Gruppe Caudry zumindest bis an das AOK 2 heran. Dabei ist im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Geschehens bis zum Morgen des 20.November 1917 beachtenswert, daß die Übermittlung von Erkenntnissen aus der Feindaufklärung bei der Gruppe vom AOK zumindest in einem Fall scharf gerügt wurde, weil zu schleppend und mit zu großer zeitlicher Verzögerung zum Geschehen Mitteilungen gemacht worden seien1371. Von der Gruppe zu vermelden waren seit Anfang des Monats verstärktes Störungsfeuer und plötzliche Feuerüberfälle der britischen Artillerie, die maßgeblich im Bereich der 54.ID vorkamen1372.

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Diese Dinge waren auffällig und hätten, ohne voreilig zu vehemente Kritik üben zu wollen, auf der Ebene des AOK 2 und darüber hinaus beachtenswert erscheinen können. Wovon man bei OHL und Heeresgruppe etwas erfahren hatte, war das an schwindender Gefechtstätigkeit festgemachte Ausklingen der Flandernschlacht. Truppenbewegungen vor dem AOK 4, das Zusammenziehen französischer Kräfte an der Aisne und britischer Kräfte vor St.Quentin waren beobachtet worden. Und diese Aktivitäten machten eine Verlegung des feindlichen Operationsschwerpunktes an der Westfront zumindest möglich1373. Mit einem größeren Angriff rechnete man zu diesem Zeitpunkt aber offenbar nicht, wie auch die Synthese der Heeresgruppe Rupprecht aus den verschiedenen Meldungen untergeordneter Stäbe am 17.November 1917 unterstrich:

„Größere Angriffe sind zur Zeit nirgends wahrscheinlich. Teilvorstöße sind bei 2. wie bei 6.Armee weiterhin wahrscheinlich. [... .] Es wäre möglich, daß der Engländer, falls er die Offensive in Flandern aufgibt, zu Teilangriffen an anderer Stelle schreitet.“1374

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Mit einem solchen Teilangriff rechnete man bei der Gruppe Caudry bereits zuvor, wobei aus Archivalien deutlich wird, daß die Anregung zu Abwehrüberlegungen im Bereich Cambrai maßgeblich vom Stab der 54.ID kam. Am 16.November fragte die Division an, ob im „Fall Havrincourt“, einem lokal begrenzt erwarteten Stoß auf die Divisionsstellung1375, das LIR 384 der 20.LD in den eigenen Führungsbereich eingegliedert werden könne1376. Anlaß dazu bot die Tatsache, daß der 54.ID das RIR 27, das als Gruppen- und Armeereserve abberufen worden war1377, nicht zur Verfügung stand und somit im besonders bedrohten Zentrum der Gruppe lediglich zwei Infanterie-Regimenter der 54.ID und ein dazwischen eingeschobenes Regiment (LIR 387) der 20.LD -auf 10km Frontlänge, ohne weitere Reserven und lediglich mit schwacher Artillerie- unter einheitlichem Befehl standen1378. Dem Gesuch wurde zwei Tage später stattgegeben1379. Zu diesem Zeitpunkt schon unter den Vorzeichen einer an Kontur gewinnenden britischen Unternehmung, die sich im Laufe des 18.November in den verschiedenen Divisionsmeldungen an die Gruppe durch „starken Wagenverkehr“ im feindlichen Hinterland, zunehmende Feuerüberfälle und rege Fliegertätigkeit erkennen ließ1380. Wahrnehmungen, die in den überlieferten Archivalien alles andere als die später so oft unterstellte Ruhe im Gruppenabschnitt vor Angriffsbeginn dokumentieren1381 und im Nachhinein auch von der Heeresgruppe Rupprecht zumindest als „Anzeichen für örtliche Angriffe“ gewertet wurden1382. Noch in den frühen Morgenstunden des 18. kamen auch Ergebnisse starker Patrouillen zur Kenntnis der Divisionen, die, als größere Erkundungsvorstöße vor dem Hintergrund zunehmender Aktivität beim Feind ausgeführt, eine wachsende Unruhe der Frontkommandeure belegen. Von der 183.ID wurden an zwei Stellen „Rohrladungen mit Reißzündern“ im eigenen Drahtverhau ausgemacht und im Rahmen der Patrouille „Udine“ eine größere Anzahl Gefangene der britischen Stellungsdivision eingebracht1383. Die Rohrladungen allein hätten angesichts der starken Patrouillentätigkeit eventuell kaum alarmiert und alarmieren können, da nur feindliche Truppen erkannt worden waren, deren Vorhandensein bereits bekannt war1384, doch in Kombination mit dem Unternehmen „Venedig“ des IR 84 der 54.ID beinhalteten die Aufklärungsergebnisse tatsachlich Erkenntnisgewinn und Brisanz. Vom IR 84 waren zwar ebenfalls nur Gefangene der gegenüberliegenden Stellungsdivision eingebracht worden1385, doch diese sprachen von einer bevorstehenden Ablösung ihrer Division durch die 51.(Highland) Division1386, über Tanks im Wald von Havrincourt1387 und über einen für den 20.November geplanten Großangriff1388 auf den gleichnamigen Ort1389. Bei der 240.ID der Gruppe Arras wurde durch einen irischen Überläufer ebenfalls von einem baldigen Angriffsunternehmen gegen Havrincourt gesprochen1390.

Für den Kommandeur der primär bedrohten 54.ID ergab sich hieraus umfangreicher Handlungsbedarf. Er beantragte bei der Gruppe die Rückgabe des RIR 27, eine deutliche Verstärkung der schwachen, lediglich aus neun Batterien des FAR 108 seiner Division, drei Fußartillerie-Batterien mit älteren Beutegeschützen und zwei schweren deutschen Batterien bestehenden Abschnittsartillerie1391 sowie die Zuweisung von Artillerie- und bezeichnenderweise auch von SmK-Munition1392. Nach Aussage Watters beziehungsweise Kabischs sollen diese Forderungen von der Gruppe insofern positiv aufgenommen worden sein, als daß sie zusagte, ihnen im Rahmen des Möglichen nachkommen zu wollen1393. Wie aus den Truppengeschichten der beteiligten Verbände hervorgeht, kam es vor Angriffsbeginn allerdings nicht mehr zur Zuweisung von SmK-Munition und eines größeren Bestandes an Artilleriemunition durch das Gruppenkommando1394. Dabei dürfte das Heranschaffen der Granaten tatsächlich größeren Aufwand und Schwierigkeiten verursacht haben1395, während die Stahlkernmunition offensichtlich in Depots der Gruppe vorrätig war, aber auf dem Dienstweg nicht zur Ausgabe kam, sondern zumindest bei der 54.ID „besorgt“ wurde1396. Kleinere Bestände dieses Patronentyps scheint es allerdings bei allen Truppenteilen gegeben zu haben1397, wie auch aus späteren Gefechtsdarstellungen hervorgeht- und sei es auch nur deshalb so, weil etwa das RIR 227 der 107.ID seinen Bestand verbotenerweise von der Ostfront mitgebracht hatte1398.

Wie ernst die Lage einzuschätzen war, ließ am Morgen des 19.November nochmals eine Patrouille des RIR 90 deutlich werden, welche die bisherigen Aufklärungsergebnisse bestätigen konnte1399. Zudem wurde von der 54.ID wiederum auffällig lebhafter Verkehr hinter den feindlichen Linien wahrgenommen1400, und am Abend wurde ein bei der Gruppe Arras abgefangener britischer Funkspruch bekannt, der mit dem Kode „Dienstag Flandern“ für einen bevorstehenden Angriff am nächsten Tag sprach1401. Ein Gruppenbefehl beurteilte die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs auf Havrincourt nun als hoch und forderte von den unterstellten Verbänden Aufstellungen und Skizzen über Maschinengewehre zur Flieger- und Tankabwehr ein1402. Zwar waren die an die Divisionen weitergereichten Informationen innerhalb dieses Befehls nicht besonders präzise, wie die Vernehmung der am 18. eingebrachten Gefangenen und ein zu unterstellendes Bedürfnis der Gruppe nach Information hätte erwarten lassen, doch kam hinzu, daß sich der Gruppenkommandeur zur Lagebesprechung mit dem Kommandeur der 54.ID, seinem Vetter, traf. Die Quintessenz des Gespräches lag aus Sicht Oskar Freiherr von Watters darin, daß seinen mündlich geäußerten Vorschlägen zur Vorbereitung der Abwehr vom Gruppenkommandeur stattgegeben wurde. Dabei wurde auch der Einsatz der mittlerweile zu einem Großteil eingetroffenen 107.ID „seinen Wünschen entsprechend“ geregelt, was nichts anderes bedeuten konnte, als daß die 54.ID im Falle eines feindlichen Angriffes Befehlsgewalt über die neuangekommene Division erhielt und deren Truppenteilen schon jetzt bestimmte Positionen im bedrohten Abschnitt zuweisen durfte1403. Die Richtigkeit der Annahme, daß derartig klare Vereinbarungen getroffen worden waren, fand noch am 19.November eine Bestätigung darin, daß zumindest die seit dem 17. des Monats um Cambrai herum in Quartier befindliche II. und III.Abteilung des FAR 213 der 107.ID augenblicklich der 54.ID unterstellt wurden und noch am selben Tag in Stellung gerufen werden konnten1404. Außerdem wurden der 54.ID Teile des FAR 282 der 20.LD für die Abwehr des bevorstehenden Angriffs unterstellt, das RIR 27 formell an die Division zurücküberwiesen1405 und von der Gruppe Caudry wurde beim AOK 2 ein Fußartillerie-Bataillon mit drei schweren Batterien sowie Gas- und sonstige Artilleriemunition beantragt1406. Hierbei handelte es sich um Verstärkungen von einem gewissen Wert, aber keinesfalls in einem Ausmaß, das im Verhältnis zu den Anforderungen des AOK 2 von Ende Juni 1917 (s.o.) als wenigstens ausreichend für die Abwehr eines begrenzten Feindunternehmens erachtet werden kann. Interessant ist, daß das III./RIR 27 vom AOK 2 freigegeben wurde und von der Armee am 19.November zusätzlich einige Batterien versprochen wurden1407, die den Abschnitt verstärken sollten. Damit ist zumindest deutlich, daß man an höherer Stelle erkannte, wie schwach die Gruppe einem feindlichen Angriff gegenüber sein mußte. Neben der Quantität ist auch die Qualität der zugesagten Verstärkungen einzuschränken. Während die vom AOK zur Verfügung gestellten Teile erst am 20. November oder später vor Ort sein konnten, besaßen die Batterien des FAR 213 lediglich drei Geschütze und waren ohne Munition bei der Gruppe eingetroffen1408. Die äußerst geringen Bestände des Munitionsdepots der 54.ID, das gerade einmal 4.600 Schuß aller Kaliber und Arten vorrätig1409 und zusätzlich noch Teile des FAR 282 zu versorgen hatte, konnten an sich schon nicht den Anforderungen zur Abwehr eines Angriffs genügen1410. Zusätzliche Munition kam spät, teilweise erst am frühen Morgen des 20. im Gruppenbereich an1411. Das Auffinden und die Auswahl der Stellungen für die neu ankommenden Batterien scheint zu allem Überfluß nicht besonders glücklich verlaufen sein, da ältere Positionen bezogen wurden, die kaum zur Nahverteidigung vorbereitet und nicht an das Fernsprechnetz angeschlossen waren1412.

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Ob der Gruppe für die Infanterie der 107.ID, deren RIR 227 seit dem 16. November mit ersten und deren RIR 52 seit Mittag des 18.Novembers mit allen Teilen in rückwärtigen Quartieren der Gruppe lag, von der 54.ID detaillierte Einsatzvorschläge für ihren bedrohten Divisionsabschnitt angetragen wurden, war durch das überlieferte Schriftgut der Gruppe Caudry nicht zu verifizieren. Watter erwähnte aber einen Umstand, der damals für ihn als Beweis für eine eindeutige Verständigung mit dem Gruppenkommando aufgrund seines Gesprächs mit dem Kommandierenden General gelten mußte und den heutigen Betrachter -mit seinen Kenntnissen über die Konsequenzen- verwundern muß. Am Abend des 19.November erschien zuerst der 1.Generalstabsoffizier der 107.ID bei Watter und meldete ihm die Ankunft der Division1413. Watter wies ihn in die Lage ein, und nachdem er durch die Schilderungen des Generalstabsoffiziers davon ausgehen konnte, daß die Infanterie der 107.ID bis zum Abend bei Cambrai versammelt wäre, gab er den Befehl zur Bereitstellung der drei Regimenter entlang des Schelde-Kanals hinter seiner eigenen Division. Die erteilten Weisungen diskutierte Watter daraufhin noch persönlich mit dem Kommandeur der 107.ID, der etwas später ebenfalls bei ihm in Cambrai eintraf, und auch mit dem Gruppenkommandeur selbst1414. Konterkariert wird diese glaubwürdige Darstellung durch den eigentümlichen Umstand, daß von ihr keinerlei Spuren in den Truppengeschichten der 107.ID zu finden sind. Es kam bei der 107.ID weder zu einer Orientierung über eine akut-bedrohliche Lage durch das Gruppenkommando oder den eigenen Divisionsstab, noch zur Erteilung oder gar Ausführung der von der 54.ID gegebenen Bereitstellungsbefehle1415. In einem Divisionsbefehl der 107.ID vom 19.November wurde zwar vage von einem möglichen Angriffsunternehmen des Feindes bei Havrincourt gesprochen, doch offenbar nur im Sinne einer Mitteilung am Rande, der keine Auswirkungen auf die eigenen Kräfte und die vorgesehene Ablösung der 20.LD beigemessen werden konnte1416. Dies wird noch unverständlicher, wenn man den Befehl des AOK 2 vom 19.November hinzuzieht, der ausdrücklich davon sprach, daß die 107.ID zum Einsatz bei Havrincourt -demnach wenigstens im Stellungsabschnitt der 54.ID- zur Verfügung stehe1417.

Insgesamt sind für den Tag vor der Schlacht nur Uneinheitlichkeiten in der Lageauffassung durch die verschiedenen Stäbe feststellbar, und es wurden keine der möglichen Bedrohung des Folgetages angemessenen Befehle durch das Gruppenkommando gegeben. Die 183.ID gab scheinbar keinerlei Weisung für etwaige Abwehrvorkehrungen und die 9.RD offenbar nur für ihr an die 54.ID anschließendes RIR 19 und das RFAR 9, welche am Abend des 19. in erhöhte Alarmbereitschaft für den Morgen des 20. November versetzt wurden1418. Ein Zug der Feldartillerie wurde im Abschnitt des RIR 19 weiter vorgezogen, was als Indiz für Tank- oder zumindest für Sturmabwehrbereitschaft gewertet werden kann1419. Gleichzeitig wurde allerdings die auch hier geringe Rohrdichte der Artillerie, welche die 36 Geschütze des RFAR 9 der 9.RD auf eine Frontlänge von 9km verteilt sah, durch den Befehl zum Stellungswechsel an eine dort befindliche 9cm Landwehr-Fußartillerie-Batterie geschwächt1420. Zusätzlich befahl die 9.RD, einen „Patruljenschleier“ vor die Stellung des RIR 19 zu legen1421. Über die Abwehrvorkehrungen bei der 20.LD können Angaben kaum gemacht werden, doch zumindest in der Truppengeschichte des LIR 3841422 findet sich der Hinweis auf erhöhte Gefechtsbereitschaft1423. Bei der 54.ID galt diese bereits ab Abend des 19.November und wurde durch weitere Maßnahmen begleitet, von denen nur ein Teil bereits in Form der angeordneten –aber eben nicht durchgeführten- Bereitstellung der Infanterie der 107.ID entlang des Schelde-Kanals genannt wurde. Die Kanalübergänge wurden von den Pionieren der 54.ID zur Sprengung vorbereitet1424, die Stellungstruppe zog ihre kläglichen Reserven näher an sich heran und das RIR 27 wurde als Eingreiftruppe hinter der Divisionsstellung versammelt. Zum Preis der Verminderung der geringen Munitionsbestände wurden außerdem für die frühen Morgenstunden des 20.November Feuerüberfälle auf Anmarschwege und besondere Geländepunkte befohlen, die wohl dem primären Zweck dienen sollten, den Feind zu einer Reaktion zu verleiten und so Klarheit darüber zu gewinnen, mit welcher Kräfteansammlung man es zu tun hatte. Dieser Plan ging nicht auf, da in der von deutschen Beobachtern auffällig ruhig beschriebenen Nacht1425 der britische Gegenschlag erst mit dem Beginn der Offensive erfolgte. Wovon wenigstens einige Truppenteile noch direkt vor dem Angriff Kenntnis erhielten, war „ein Tank bei Havrincourt“1426.

9.3 Die Kämpfe am 20.November 1917.

Um etwa 7.20 Uhr begann die britische Artillerie mit ihrem Trommelfeuer auf Breite der Gruppen Arras und Caudry1427. Zeitgleich setzten sich Tanks und Infanterie in Bewegung und gingen unter dem Schutz der Dämmerung, des Rauchs einschlagender Granaten und des dichten Boden- und abgefeuerten künstlichen Nebels vor. Britische Kampfflieger begannen mit Tiefangriffen oder drangen zur Feuerleitung in den deutschen Luftraum ein1428.

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An den Flanken des Angriffsraumes, bei den Verbänden der Gruppe Arras und bei der 183.ID und dem Großteil der 9.RD, wurde recht schnell deutlich, daß die mehr oder minder heftig und zahlreich attackierenden britischen Truppen keinen ernsthaften Angriff ausführten, sondern lediglich Ablenkungsmaßnahmen inszenierten1429. Fast überall wurden vorfühlende Patrouillen und kleinere Vorstöße rasch abgewehrt. Lediglich bei der 240.ID der Gruppe Arras kam es zu einem zeitweiligen Einbruch in die Kampflinie1430. Nach einiger Zeit flaute in diesen Bereichen das feindliche Artilleriefeuer ab, und den Tag über gab es für den größten Teil der betroffenen Verbände kaum noch etwas anderes zu tun, als der Routine zu folgen und den Berichten über das Geschehen auf dem Kernschlachtfeld zu lauschen1431.

Dort herrschte nach der ersten Überraschung über die Intensität des britischen Artilleriefeuers schnell das Chaos, denn Verbindungen rissen ab und Meldungen über das Geschehen zwischen den Frontverbänden und an die Führung blieben aus. Man war blind. Bei den Stäben wegen Informationsmangels und vorne, im wahrsten Sinne des Wortes, weil die Sichtverhältnisse erst auf kürzeste Distanz das Erkennen und die Bekämpfung des Feindes erlaubten. Die psychologische Wirkung der Kombination von mangelnder Sicht und plötzlich auftauchenden Infanterie- und Tankmassen war zweifellos immens, wie ein Angehöriger des RIR 19 bezeugte:

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„Alles wurde in Rauch und Qualm gehüllt. [... .] Da sahen wir sie: Infanterie in mehreren Wellen und davor- dicke Tanks. [... .] Es geht eklich auf die Nerven, wenn sich die Ungetüme langsam, aber unaufhaltbar auf Einen zuwälzen. Auch gegen uns kroch ein solches heran immer näher und näher, Tod und Verderben speiend; darüber ratternd und mit MG. schießend niedrig kreisende Flieger.“1432

Dem morgendlichen Heraufziehen des neuartigen Masseneinsatzes von Tanks im Verbund verschiedener Waffen und unter besten sonstigen Voraussetzungen stand zumindest die erste Linie der deutschen Verteidiger vollends hilflos gegenüber. Die deutsche Artillerie brachte keine Entlastung1433, da sie über so gut wie kein Fernfeuer verfügte und generell zu wenig Feuerkraft einbringen konnte1434, ihrerseits nichts sah1435, ihre Munitionsbestände beim unsicher abgefeuerten Sperrfeuer rapide zusammenschrumpften1436 oder sie vom feindlichen Feuer selbst erfaßt wurde1437. Die breiten Drahthindernisse wurden von den Tanks einfach niedergewalzt, und mit der wenigen und scheinbar plötzlich wirkungslos gewordenen SmK-Munition1438 sowie Handgranaten war der Kampf der deutschen Verteidiger so aussichtslos, daß sich selbst in den Reihen nachweislich kampferprobter Regimenter wie der RIR 19 und 90 rasch Entsetzen und Mutlosigkeit breit machte1439, die wohl nur teilweise durch das Eingreifen beherzter Führer kompensiert werden konnte1440. Noch schlimmer erging es den Angehörigen der 20.LD, die mit Tanks nicht einmal theoretische Erfahrungen gemacht hatten, auf Ablösung hatten hoffen können und, nachdem die SmK-Munition verschossen war, dem gepanzerten Stoß hilflos ausgeliefert waren1441:

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„Es wirkt jedoch beklemmend und unheimlich, daß unser Feuer die Tanks gar nicht zu berühren scheint. Auch der Schutz der Drahthindernisse versagt, die Drähte reißen und knicken zusammen. Die Tanks überqueren die Gräben, streichen sie mit Geschütz- und M.-G.-Feuer ab, stoßen ins Hinterland vor, den nachfolgenden Wellen das vollständige Niederringen der Grabenbesatzungen überlassend. Ehe wir das bis dahin nie Gesehene recht begriffen haben, sind die Tanks schon mitten unter uns.“1442

Bis 9 Uhr waren die Gräben der S-I-Stellung auf der gesamten Angriffsbreite in der Hand des Feindes, und es wurde von ihm zum Teil schon darüber hinaus auf die Zwischen-Stellung, vorgegangen. Das LIR 387, das im Zentrum der 54.ID stand, war offenbar vernichtet worden, ohne daß sein Kommandeur überhaupt nur erahnte, was vorne geschah1443. Links und rechts daneben, beim IR 84 und dem RIR 90 waren die Einbrüche tief, die Verbindungen zwischen den Teileinheiten gingen durch den Zwang zum Ausweichen gegenüber den vorrollenden Tanks verloren und auch hier gab es für den Angreifer in den ersten Morgenstunden nichts, was ihn wirklich aufhalten konnte. Die Tankverluste durch deutsches Sperrfeuer schienen angesichts der vorrollende Masse unerheblich zu sein1444. Die Gegenwehr der Reste beider Regimenter und auch des RIR 19 war auf der anderen Seite aber auch verzweifelt1445, wobei man sich an Verteidigungsinseln klammerte und kämpfend auf Munition, das erwartete und erhoffte Eingreifen der Artillerie sowie den Gegenstoß der Reserven wartete.

Eine dieser Inseln bildete das II./IR 84 bei Havrincourt unter Hauptmann Soltau. Rechts gingen feindliche Tanks und Infanterie nach Norden in die Flanke des LIR 384 beziehungsweise gegen die 20.LD vor, links klaffte das Loch, das vom LIR 387 hinterlassen worden war. Hierdurch stieß der Angreifer gegen Flesquières oder, genereller ausgedrückt, nach Nordosten und Osten in Richtung Zwischen-Stellung und Schelde-Kanal vor. Die beiden Meldungen Soltaus, die er zwischen 8.45 und 9 Uhr verfaßte und die um 9.30 Uhr bei der 54.ID ankamen, sprachen von einer verzweifelten Lage, dem Halten bis zum letzten Mann und der Bitte um Artillerieunterstützung gegen die zahlreichen Tanks1446. Watter schrieb nach Erhalt Kommentare auf beide Meldezettel, wobei einmal die Anerkennung für Soltaus persönliche Tapferkeit, dann aber vor allem auch die Hoffnung auf Rettung durch den befohlenen Gegenstoß des RIR 27 und die 107.ID zum Ausdruck kam1447. Das Vorgehen dieser Einheiten, die Watter in den von ihm befohlenen Stellungen am Kanal glaubte, war von ihm um 8.30 Uhr angeordnet worden, so daß mit ihrem Eingreifen in allernächster Zeit gerechnet werden durfte. Das RIR 27 bei Flesquières ging auch tatsächlich vor, allerdings ohne sein III.Bataillon, das jetzt noch von der Gruppe in Cambrai festgehalten wurde. Beim Vorgehen über die Zwischenstellung bei Flesquières hinaus traf der Gegenstoß des Regimentes auf die britischen Angreifer der 51.Division, verlor Gefangene und zog sich mit Trümmern des IR 84 auf den Ort zurück1448. Dort bildete der Kommandeur des RIR 27, Major Krebs, eine weitere Verteidigungsinsel, nachdem der ursprünglich befehlführende Kommandeur des I./IR 84 gefallen war. Irgendwann um diese Zeit fiel auch der allein vor der neuen Abwehrinsel kämpfende Hauptmann Soltau, und die wenigen Überlebenden seines Bataillons gingen in Gefangenschaft.

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Um 9 Uhr kam es zu einem Telefonat zwischen einem Offizier des Regimentsstabes des RIR 90 und Watter. Letzterer erklärte auf die dramatische Lageschilderung des Offiziers hin, daß alle Kräfte im Einsatz und Verstärkungen von Cambrai aus unterwegs seien1449. Eine Stunde später rief nach Kabischs Darstellung der Kommandeur des RIR 90 an und sagte aus, daß sein Gefechtsstand nun selbst von einem feindlichen Angriff bedroht sei. Watter verwies auch ihn auf den vermeintlich laufenden Gegenstoß, hatte aber offenbar ein mulmiges Gefühl dabei, denn erwartete Meldungen der vorgehenden Truppenteile der 107.ID waren bislang ausgeblieben. Deshalb entschloß er sich dazu, seinen stellvertretenden Divisionsadjutanten auszusenden, um mit diesen Verbänden direkt Fühlung aufzunehmen1450. Wovon Watter bis zur Rückkehr des Offiziers, der zwangsweise in der falschen Himmelsrichtung forschte, nichts wußte, war, daß die RIR 52 und 227 sowie die I./FAR 213 zwar bis 9 Uhr alarmiert worden waren1451, sich aber noch in ihren Quartieren und nicht in den Bereitstellungen auf dem Schlachtfeld befanden. Erst um 9.40 Uhr gab das Gruppenkommando den Einheiten der 107.ID Einsatzanweisungen1452: Zwei Bataillone des RIR 227 wurden jetzt dem RIR 90 unterstellt und sollten sich augenblicklich über den Kanal bei Masnières nach vorne bewegen, ein Bataillon kam zur 9.RD in Crèvecoeur. Die 54.ID sollte nun über die I./FAR 213 verfügen und das RIR 52, noch unter dem Befehl der Gruppe, die Linie Fontaine-Proville einnehmen, um Cambrai gegen Westen und Südwesten zu sichern. Das RIR 232 wurde zur Armeereserve in und bei Cambrai bestimmt und nahm mit einem Bataillon tatsächlich auch noch Quartier in einer Kaserne in Cambrai1453, während die übrigen Teile eine Sicherungslinie am Schelde-Kanal zwischen Cantaing und Noyelles aufbauen sollten.

Die Gültigkeitsdauer dieser Anordnungen war bescheiden. Etwas mehr als eine Stunde später revidierte die Gruppe sie. Nun, nachdem auch ein verzweifelter Hilferuf des LIR 387 nach der noch immer ausbleibenden Unterstützung durch das RIR 52 eingegangen war1454, wurde zumindest ein Teil dessen umgesetzt, was zwischen den beiden Generalen Watter wohl schon am Tag ausgehandelt worden war: Das RIR 52 wurde der 54.ID unterstellt und das RIR 232 als Gruppenreserve in die Linie Anneux-Rumilly, halbreisförmig um den Westen und Südwesten von Cambrai herum, befohlen1455. Offenbar war dem Generalkommando zu diesem Zeitpunkt zu Bewußtsein gekommen, mit welchem Fiasko, das nur noch durch den Aufbau einer neuen Linie relativiert werden konnte, man konfrontiert war. Jedenfalls sprach diese Erkenntnis aus den neuen Befehlen, und Gegenstöße sollten von nun an unterbleiben1456. Hiervon scheint der Kommandeur der 54.ID nichts erfahren zu haben, denn bis Mittag blieb er über den Aufenthalt und die Bewegungen der Infanterie der 107.ID im unklaren. Dann, gegen 12 Uhr, traf zuerst der von ihm ausgesandte Stabsoffizier ein, der ihm berichten konnte, daß er nichts und niemanden von der 107.ID gefunden oder gesehen habe. Kurz darauf erschien der Kommandeur des RIR 52 und konnte bestätigen, daß sein Regiment gerade einmal im Anmarsch auf Cambrai sei und erst am frühen Nachmittag gegen 14 Uhr dort eintreffen würde1457. Dieser Zeitpunkt und sehr viel spätere galten für alle Verstärkungen, die von der Gruppe freigegeben worden waren, ebenso für einige schwere Batterien, die am Vortag das AOK 2 angekündigt hatte1458, und für verschiedene Ruhebataillone aus dem Armeebereich, die beschleunigt herangeführt wurden1459. Und dabei konnten diese Verbände angesichts der erlittenen Verluste der Stellungstruppen und der kritischen Lage nur einen Tropfen auf einen heißen Stein bedeuten. Umfangreichere Hilfe vom AOK 2, der Heeresgruppe Rupprecht und der OHL, die ab 8 Uhr von Einbrüchen in die Stellungen der Gruppe Caudry erfahren hatten1460, konnten nur tröpfchenweise ankommen und nach Schätzung Ludendorffs frühestens am 23.November eine Stärke erreichen, die dem britischen Angriff angemessen war1461. Um 14.25 Uhr kam ein Fernschreiben des AOK 2 bei der Gruppe Caudry an, das die 119. und die 30.ID sowie Artillerie im Anmarsch auf Cambrai meldete1462. Für die 54.ID gab es nun kaum noch etwas zu tun, außer den Pionieren der 107.ID den Auftrag zuzuweisen, die von den Divisionspionieren der 54.ID bereits zur Sprengung vorbereiteten Übergänge über den Schelde-Kanal mit zu besetzen und gegebenenfalls auch zu zerstören1463. Außerdem wurde auf das Gerücht hin, daß sich der Feind bereits in den Vororten Cambrais befände, der Divisionsstab in Gefechtsbereitschaft versetzt1464 und das Rekrutendepot in Richtung Rumilly gesandt.

Die Situation auf dem Schlachtfeld war bis zum Mittag so weit eskaliert, daß die Verbände der 20.LD mit einem Teil auf Moeuvres und über die Straße Bapaume-Cambrai nach Norden und mit einem anderen Teil bis östlich Graincourt zurückgedrängt worden waren1465. Verbindung zwischen den einzelnen Verbänden gab es nicht mehr, demgemäß auch keine „Linie“. Schutz gegen Tanks, namentlich durch das divisionseigene FAR 282, war nach einigen Erfolgen nicht mehr vorhanden, da sich die Batterien verschossen hatten und begannen, sich abzusetzen1466. Zeitweilige Unterstützung kam nach dem Aufklaren der Sichtverhältnisse noch vom FAR 213, dem es gelang, vorgehende Infanterie unter Beschuß zu nehmen und, nach eigenen Angaben, bei Havrincourt und Graincourt insgesamt elf Tanks abzuschießen1467. Die Lage in diesem Sektor war dessen ungeachtet überaus kritisch, denn die Reste der 20.LD konnten dem Druck der britischen 36. und 62.Division unmöglich standhalten und gaben den direkten Weg auf ein primäres Operationsziel des Angriffs, die Höhe des Bourlon-Waldes, schließlich frei1468. Dies blieb der britischen 62.Division nicht verborgen. Eine vorausgeschickte Patrouille von drei Tanks meldete den Rückzug der Deutschen und daß der Wald feindfrei sei1469. Was nun zu erwarten gewesen wäre, nämlich der Stoß gegen den Bourlon-Wald und über die Römerstraße nach Cambrai, blieb aus. Ursache hierfür waren die Ereignisse bei der Nachbardivision vor Flesquières, die für die 62.Division bei jedem weiteren Vorstoß die Gefahr einer offenen rechten Flanke mit sich zu bringen schien. Daher befahl der Divisionskommandeur um 15.45 Uhr jedes weitere Vorgehen zu unterlassen, woran sich aber nur zum Teil gehalten wurde. Die Römerstraße wurde noch überschritten und dortige Gebäude gesichert. Von Graincourt aus gingen einzelne Kompanien und einige Schwadronen der 1.Kavallerie-Division bis auf Anneux vor. Wegen der unklaren Lage auf dem rechten Flügel, der fortgeschrittenen Tageszeit und des wachsenden deutschen Widerstandes wurden die nach Osten vorgestoßenen Teile allerdings am Abend auf Graincourt zurückgenommen1470.

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Nachdem die 51.Division die S-I-Stellung am frühen Morgen genommen hatte, gingen ihre Sturmtruppen, unterstützt durch insgesamt mindestens 36 Tanks1471, ab 9.30 Uhr gegen die Zwischen-Stellung vor, die auf einer Anhöhe direkt vor Flesquières verlief. Die Tanks fuhren wie von der Division befohlen voraus. Als sie die Anhöhe überschritten, zeigten sie sich den direkt bei Flesquières aber auch den weiter entfernt stehenden Batterien der FAR 108 und 213 offen. Sofern es notwendig und möglich war1472, wurden die Geschütze aus ihren Deckungen gezogen, und die Bedienungen begannen augenblicklich damit, in direktem Richten und ohne Rücksicht auf die geringen Munitionsbestände auf die Tanks zu feuern1473. Für den so erfolgversprechend begonnenen Angriff und seine Hauptträger endete damit wenigstens an dieser Stelle der gute Teil des Tages, wie der Bericht eines Panzerkommandanten des E-Bataillons bezeugen dürfte:

„The trench in question was on the reverse slope of Flesquières Ridge, and therefore out of our side. On gaining the crest of the ridge we seemed to walk right into it. Tanks were all over the place; some with noses up, some afire, but all motionless. At the time we hardly realized what had happened, however we spotted the offending trench, packed with Huns, fully exposed, and all their fire seemed concentrated on our tank. [… .] About 20 yards into the German wire we received a direct hit which left a gaping hole in the side of the tank and wounded everyone except the driver and myself, but fortunately left the engine still running. As my gunners were out of action, and another shell landed amongst the sprockets, I ordered my driver to reverse out of the wire.”1474

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Nach einigen Angaben fielen hier wohl bis zu 28 Tanks aus1475, von denen mindestens 18 vor Ort liegenblieben oder ausbrannten1476. Der Legende nach, die maßgeblich auf Haigs Aussagen zur Schlacht basiert, gingen 16 Abschüsse auf das Konto eines einzelnen deutschen Artillerieoffiziers, über den später noch zu sprechen sein wird1477. Die nahezu ohne Tankschutz deckungslos angreifende britische Infanterie wurde den Rest des Tages von den deutschen Verteidigern unter Major Krebs in wechselhaft verlaufende Kämpfe ohne wirkliche Fortschritte verwickelt1478. Wie die mehr oder weniger zeitnah zum Geschehen verfaßten Aussagen deutscher Teilnehmer an diesen Kämpfen zeigen, trug der sichtbare Erfolg der Artillerie gegen die Tanks wesentlich dazu bei, die zusammengewürfelte Truppe Krebs’ zum Aushalten zu motivieren1479 und ihrerseits mit Maschinengewehren und Handgranaten gegen die Wagen vorzugehen beziehungsweise die britische Infanterie niederzuhalten. Plötzlich schien auch das Feuer der Tanks keine Wirkung mehr zu haben und die Euphorie verleitete zu Aktionen, die man verwegen, dreist und übermütig, oder einfach auch nur selbstmörderisch nennen kann:

„Aus ihm [dem Tank] feuerten sie auch wie toll mit M.G., während die Geschosse der kleinen Geschütze weniger Wirkung hatten. Er kam wieder und fuhr so weit vor, bis er durch die Wirkung unserer Artillerie und ein rasendes M.G.-Feuer zum Stehen gebracht wurde. Von Freude und Begeisterung über den Erfolg erfüllt, rief mein Kompanieführer, Herr Lt. Stappenbeck, die Leute zusammen, um dem Engländer die M.G. zu entreißen und auch gleichzeitig die Wirkung unserer Beschießung zu sehen. Da sahen wir, daß er unterhalb der Schießscharten glatte Durchschläge hatte. So gingen wir, 8 Mann, Herr Lt. Stappenbeck an der Spitze, mit Handgranaten bewaffnet, gegen den Tank vor. Kaum waren wir 20 Schritt herangekommen und schon dabei, Handgranaten durch die Öffnungen in der Seite zu werfen, als wir von engl. Infanterie, ungefähr 30 Mann, überfallen wurden.“1480

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Das Angebot der 62.Division an den Kommandeur der 51.Division, gegen Flesquières mit einem Flankenangriff zu unterstützen, schlug Harper am frühen Nachmittag aus1481. Zu einem durch das III.Korps um etwa 15.30 Uhr angeregten Angriff mit Teilen der 6.Division und der 1.Kavallerie-Division in den Rücken und die Südflanke der deutschen Verteidiger bei Flesquières kam es nicht mehr, da die Koordination und Durchführung des Unternehmens vor Einruch der Dunkelheit nicht realisierbar schienen1482.

Ganz anders sah die Lage weiter südlich aus, wo sich die Angreifer in großer Zahl auf die Übergänge des Schelde-Kanals zu bewegte. Die Lage des LIR 387, von dem kaum Informationen geblieben sind, ist äußerst unklar, doch dürften sich seine Reste, zusammen mit den noch nicht gefangenen oder aufgeriebenen Kampfgruppen der IR 84, RIR 27 und 90, im Rückzug auf Noyelles, Marcoing und Masnières befunden haben1483. Tanks waren überall im Gelände sichtbar und wo sich Widerstand zeigte, gingen sie augenblicklich gegen die Verteidiger vor, denen der Schock unzweifelhaft tief in den Knochen saß und denen die Munition auszugehen drohte1484. Auch beim RIR 19 stand nun der Kanal –zwischen südöstlich Masnières und Crèvecoeur- im Mittelpunkt der Kämpfe und nicht mehr die vorgelagerte Hauptstellung. Immerhin konnte nach dem Einsatz eines herangeführten Bataillons des IR 395 die Nordflanke der 9.RD von der S-I-Stellung bei Banteux in Richtung Nordosten gehalten werden1485, nachdem auch in diesem Abschnitt der Kampffront alle verfügbaren Kräfte zur Kanalverteidigung befohlen worden waren1486. Die Artillerieunterstützung1487 war nach dem Abschuß einiger Tanks1488 ausgefallen, da die Geschütze entweder vom Feind genommen waren1489, oder man sich wegen Munitionsmangel zurückzog. Selbst nach dem Aufnehmen der Reste des RIR 19 in eine Linie am Kanal und die S-II-Stellung bei Crèvecoeur, reichten die Kräfte nicht aus, um eine durchgehend besetzte Verteidigungsstellung mit Anschluß an den nördlichen Nachbarn bei Masnières zu schaffen. Da der Feind allerdings sehr viel mehr im Auge hatte, weiter nördlich über den Kanal zu kommen, konnte im südlichsten Abschnitt der Angriffsfront für den Rest des Tages aufgeatmet werden. Zusätzliche Verstärkungen trafen nach Einbruch der Dunkelheit ein1490.

In Les Rues Vertes, dem Teil von Masnières auf dem Westufer des Schelde-Kanals, und Masnières selbst drang der Angreifer am Mittag ein und konnte hoffen, die nur teilweise gesprengte Brücke zum Übergang über den Kanal zu nutzen1491. Diese Aussicht war trügerisch, denn als um etwa 13.40 Uhr der erste Tank auf das instabile Bauwerk fuhr, stürzte er mit ihm in den Kanal. Damit war an dieser Stelle keine Möglichkeit mehr vorhanden, den Kampf auf dem Ostufer mit Tanks zu unterstützen. Allerdings waren einzelne britische Kompanien bereits dorthin gelangt, denn außerhalb der Hauptübergänge in den Ortschaften gab es zahlreiche kleinere Brücken und Stege, die zumindest von Infanterie und Kavallerie genutzt werden konnten1492. Fortschritte über den Miniatur-Brückenkopf hinaus machte man allerdings vorerst nicht, da der deutsche Widerstand äußerst verbissen („dogged resistance“1493) war und die britische Infanterie von Maschinengewehrfeuer niedergehalten wurde.

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Marcoing erreichte der Angreifer ebenfalls am Mittag, und auch hier kam es zum Häuserkampf1494. Das Übersetzen der hier vorhandenen Tanks auf das Ostufer des Kanals unterblieb, obwohl die Haupt- und die Eisenbahnbrücke von Marcoing unbeschädigt genommen werden konnten1495. Grund hierfür war, daß die vor Ort befindlichen Tanks des B-Bataillons dazu keine Befehle hatten1496. Zusammen mit Infanterie gingen lediglich zwei oder drei Fahrzeuge auf das Ostufer und von dort gegen die S-II-Stellung und die Flot Ferme südöstlich Noyelles vor1497. Bei Noyelles selbst gab es die Gelegenheit zum Übersetzen schon nicht mehr, denn die dortige Brücke war von den Deutschen gesprengt worden1498.

Etwa zur selben Zeit wie die ersten Schwadronen der britischen 1., 2. und 5. Kavallerie-Division erreichten die Spitzen der absandten deutschen Verstärkungen der 107.ID die Brennpunkte des Geschehens. Anneux und Cantaing wurden ab 14.30 Uhr von Bataillonen der RIR 232 und 52 gesichert, während sich andere Teile auf dem Ostufer des Kanals bei Noyelles festsetzten und die Reste des RIR 27 in der S-II-Stellung verstärkten1499. Eine Attacke der britischen 1.Kavallerie-Division von Noyelles aus in Richtung auf Fontaine wurde um etwa 16.30 Uhr von diesen Kräften abgewiesen1500 und die vor Ort sichtbaren Tanks von mindestens einer plötzlich auftauchenden Kraftwagen-Flak unter Feuer genommen1501.

An der Flot Ferme gelang es Angehörigen des RIR 227 –nach Aussage der Truppengeschichte- mit Maschinengewehrfeuer einen der angreifenden Tanks zum Stehen und durch anhaltenden SmK- und Minenwerferbeschuß die beiden anderen Wagen zum Abdrehen auf Marcoing zu zwingen1502. Daß ein weiterer Abschuß durch eine in der Truppengeschichte des RIR 27 genannte Kraftwagen-Flak erreicht wurde, ist trotz der schwierig zu klärenden Details immerhin wahrscheinlich, da ausdrücklich angegeben wurde, daß das abgeschossene Fahrzeug eingehend begutachtet wurde und keine Beschädigungen durch Infanterie- beziehungsweise Maschinengewehrbeschuß aufwies1503. Wie das britische amtliche Werk jedenfalls feststellte, verleidete der deutsche Widerstand bei Marcoing jede Idee an einen kavalleristischen Einsatz der 5.Kavallerie-Division, die dort um etwa 15 Uhr eingetroffen war, so daß keine Impulse zum Stoß über den Kanal oder nach Nordosten mehr vorhanden waren.

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Direkt südlich davon, bei Masnières und dem dort auf dem Ostufer gebildeten Brückenkopf, kam es bis zum Einschlafen der Gefechtstätigkeit bei Einbruch der Dunkelheit1504 noch zu einem Gewaltvorstoß gegen Rumilly beziehungsweise den Südzugang Cambrais. Eine Schwadron kanadischer Kavallerie erreichte etwa um 15.15 Uhr Masnières und suchte sich bis 16.30 Uhr einen Weg auf das Ostufer des Kanals1505. Von dort aus attackierte sie gegen die S-II-Stellung vor Rumilly und konnte zwei der wohlmöglich letzten drei feuerbereiten deutschen Batterien im Kernbereich des Angriffssektors zeitweilig nehmen1506, bevor sie auf Teile des Feldrekrutendepots der 54.ID traf und von diesem überaus blutig abgewiesen wurde1507. Daß der Ausbruch aus dem Brückenkopf lediglich von einer Schwadron ausgeführt wurde, lag an den Befehlen, die vom Kommandeur der 2.Kavallerie-Division um 16.30 Uhr in Abstimmung mit der Infanterie ausgegeben worden waren. Da man keinerlei Möglichkeit sah, die Stoßkräfte noch vor Einbruch der Dunkelheit über den Kanal zu führen und anzugreifen, war der Entschluß gefaßt worden, mit der Kavallerie auf dem Westufer zu verbleiben und der Infanterie die vollständige Wegnahme von Masnières zu befehlen1508. Letzteres gelang am 20.November nicht mehr1509, und mit dem schwindenden Tageslicht schliefen auch hier die Kampfhandlungen ein- so weit ein, daß es der deutschen Seite möglich wurde, durch Patrouillen mit den Verteidigern von Flesquières in Kontakt zu treten1510. Flesquières wurde am frühen Morgen des 21.November geräumt, und die knapp 600 Verteidiger zogen sich zuerst auf die deutsche Linie bei Cantaing und dann nach Cambrai zurück1511.

Welch große Bedeutung der Widerstand bei Flesquières und der Aufbau einer Verteidigungslinie bis zum Abend des ersten Tages der Schlacht auf den Verlauf der Kämpfe und das Ergebnis der Schlacht insgesamt hatte, war der deutschen Seite zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Mit der Wiederaufnahme des Durchbruchsversuches durch den Feind war am nächsten Tag zu rechnen und die eigene Lage angesichts der schweren Verluste und trotz der bereits eingetroffenen Verstärkungen weiterhin kritisch1512. Mit etwa 100 Geschützen war der größte Teil der Stellungsartillerie verlorengegangen und die Zahl von allein 5.000 Gefangenen, welche die Briten bei ihrem Stoß, der stellenweise bis zu 7km Tiefe in die deutschen Stellungen reichte, gemacht haben sollen, scheint nicht zu hoch gegriffen zu sein1513.

Bis zum Morgen des 21.November wurden durch das AOK 2 verschiedene Befehle an die Gruppen Arras und Caudry gegeben, die den Einsatz der Verstärkungen, jetzt auch durch die 3. und 5.GID, die 34. und die 119.ID sowie sehr zahlreiche Artillerieformationen1514, regelten1515. Unter anderem sollten noch am 21. an beiden Flügeln des Einbruchssektors artilleristische Flankierungsgruppen1516 und infanteristische Eingreifstaffeln1517 gebildet werden, um etwaig durchbrechende Gegner im Gegenstoß und durch Flankenfeuer aufzuhalten.

9.4 Die Fortsetzung der Kämpfe vom 21.-29.November 1917.

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Sehr zum Erstaunen der deutschen Führung vor Ort kam es bis zum Mittag des 21.November nicht zu einem massiven Angriff des Feindes. Beobachtet wurden lediglich Bereitstellungen und Brückenbauarbeiten bei Masnières, während auf den deutschen Stellungen stärkeres Artilleriefeuer lag und es an einigen Stellen mehr oder minder intensive Plänkeleien gab1518.

Das RIR 232 hatte nach einem für den frühen Morgen -offenbar in Verkennung der Lage und vorhandener Kräfte durch die deutsche Führung1519- angedachten Gegenangriff auf Noyelles am Mittag begonnen und war in den Ort eingedrungen, wo es zu Häuserkämpfen kam1520. Dann, zwischen 12 und 13 Uhr, wiederholte sich der Machart nach das Bild vom Vortag, wenngleich die Briten auch mit bescheideneren Mitteln angriffen. Von Schlachtfliegern unterstützte Tanks und Sturmtruppen griffen die deutschen Stellungen zwischen Moeuvres und Bourlon-Wald, bei Anneux, bei Cantaing und beiderseits Rumilly an1521. Die Anzahl der eingesetzten Tanks lag mit vielleicht 49 zwar deutlich unter der Größenordnung des Vortages1522, doch auf der anderen Seite war nun auch die deutsche Tankabwehr, repräsentiert durch Artillerie und SmK-Munition, so gut wie nicht mehr existent1523. Die deutschen Verteidiger, einschließlich der nach und nach eintreffenden Verstärkungen, hatten mit Masse auch noch niemals gegen Tanks zu kämpfen gehabt und waren, so wie man es für die britischen Tankbesatzungen angeführt findet1524, durchaus erschöpft, als sie in die Gefechte eintraten.

Der Schwerpunkt der Operationen war von der britischen Führung in den Nord- und Nordostbereich des Schlachtfeldes verlegt worden und zielte auf die Wegnahme des Höhenzuges mit dem Bourlon-Wald und die Erkämpfung des direkten Weges nach Cambrai über die von Bapaume führende Straße1525. Die Fortsetzung des Angriffs in diese Richtung versprach zumindest noch für den 21.November einen umfassenden Erfolg, da mit dem Eintreffen umfangreicher deutscher Verstärkungen vor dem nächsten Tag nicht gerechnet wurde1526.

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Zwischen Moeuvres und Bourlon kam es am Nachmittag zu einigen Fortschritten, so daß einige Tanks bis in den Südwestrand des Waldes vordringen konnten1527. Die Infanterie war hierbei allerdings zurückgeblieben und traf bei ihrem Vorgehen auf entschiedene Gegenwehr1528, die maßgeblich auch auf den Einsatz einer kurz zuvor hinter der 20.LD bereitgestellten „Eingreifstaffel“ der 214.ID beruhte1529. Auf der anderen Seite des Schlachtfeldes, in der S-II-Stellung bei der Flot Ferme und südlich, wo es seit dem Vortag einen Brückenkopf auf dem Ostufer des Schelde-Kanals gab, griff britische Infanterie mit etwa zehn Tanks die Stellungen des als Verstärkung eingerückten „Regiments Brederlow“ ab Mittag an. Dessen Lage war ohne Artillerieunterstützung längere Zeit überaus kritisch, doch zusammengefaßtes Maschinengewehr- und Infanteriefeuer, zuerst auch noch mit SmK-, dann nur noch mit gewöhnlicher Munition, zwang einige Tanks zum Umkehren1530. Andere wurden von der Infanterie durch die eigene Linie gelassen, und es wurde dann erfolgreich versucht, ihrem Feuer durch „elastisches Ausweichen“, stetige Bewegungen und Schwenkungen innerhalb der Verteidigungsstellung, zu entgehen, während man die britische Infanterie mit unausgesetztem Beschuß auf Distanz hielt1531. Den Ausschlag zugunsten der Deutschen brachte schließlich ein gerade vor Ort eintreffender Zug der 7./RFAR 63, der auf freiem Feld abprotzte und augenblicklich die Tanks unter Feuer nahm:

„Die Lage war kritisch; 3 Tanks waren durchgestoßen bis etwa 300m vor den Regts.-Gefechtsstand; da erschien im Galopp ein Zug Artillerie, fuhr auf und neben der Chaussee hinter diesem auf und eröffnete sofort das Feuer auf etwa 800-1000m, das sehr gut lag. Der Führer-Tank, an seinen Bewegungen als solcher vermutet und sehr schneidig vorgehend, wurde sofort in Brand geschossen; etwa 5-7 Tanks wurden auf diese Weise erledigt, blieben liegen, teilweise brennend; Rest fuhr zurück.“1532

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Anders als soeben geschildert, wurden wohl nur zwei Tanks tatsächlich zerstört und blieben mit einem weiteren zusammen, der sich festgefahren hatte, auf dem Gefechtsfeld stehen1533. Zahlreiche andere Fahrzeuge waren aber wenigstens so schwer beschädigt worden, daß sie das Gefecht abbrechen mußten1534. Fortschritte wurden von der britischen Infanterie in diesem Frontabschnitt am 21.November nicht mehr gemacht.

Im Zentrum des Schlachtfeldes, von Noyelles aus nach Norden, waren etwa 20-30 Tanks, einige Schwadronen und starke Infanteriekräfte vorgestoßen. Für die Soldaten des RIR 232, die am Vormittag in Noyelles eingedrungen waren, bot sich infolgedessen nur der Rückzug auf das Ostufer des Kanals1535 und, angesichts der überlegenen Massen und der Hilflosigkeit gegenüber den Tanks, von denen nur einige wenige durch SmK-Beschuß unschädlich gemacht werden konnten1536, auch für die nördlich anschließenden Teile schließlich nur das Absetzen nach rückwärts an. Cantaing und Anneux wurden nach hartem Kampf vom Angreifer erobert, und um etwa 17 Uhr wurde deutscherseits das Zurückgehen auf eine neue Verteidigungslinie, die zumindest dem Namen nach vorhandene Wotan-III-Stellung hinter Fontaine, befohlen1537. Von den Tanks, die den zurückgehenden Resten der deutschen Stellungsbesatzung nach Fontaine folgten, konnten drei durch eine K-Flak der Batterie 7 zerstört werden1538, bevor der Ort in britische Hände fiel.

Obwohl der 21.November nicht gebracht hatte, was man auf Seite der britischen Führung erhofft hatte, entschloß sich Haig zur Fortsetzung der Operation wenigstens im nördlichen Abschnitt des bisherigen Kampfraumes1539. Es waren noch Reserven vorhanden und man nahm an, daß die deutschen Verstärkungen nicht ausreichen würden, um die erlittenen Verluste zu decken. Außerdem würde die Front in Italien durch weitere Angriffe indirekt zu stützen sein. Dieser Entschluß Haigs stand in deutlichem Gegensatz zu den Grundsätzen, die dem Operationsplan in seiner ursprünglichen und seiner dann am 20.November durchgeführten Form zugrunde gelegen hatten. Ein Rückzug aus dem neugeschaffenen Frontbogen vor Cambrai scheint außerhalb aller Überlegungen gelegen zu haben1540, und der Wille der Deutschen, ihre Niederlage nicht größer werden zu lassen, sowie die deutschen Kräfte, die dafür nach dem Ende der Flandernschlacht frei waren, wurden ganz offensichtlich unterschätzt, ohne sich der Begründung der früher getroffenen 48 Stunden-Regelung noch bewußt zu sein1541. Dazu war gerade wegen der Lage in Italien die Möglichkeit gegeben, daß britische Kräfte dorthin transferiert werden müßten1542, und daß sich die geringen Reserven, die drei Divisionen des V.Korps, bei der Fortsetzung der Operation gegen zahlreich herangeführte deutsche Truppen relativ schnell verbrauchen könnten. Von einem irgendwie gearteten Überraschungsfaktor konnte ebenfalls keine Rede mehr sein. Die britischen Luftstreitkräfte wurden ab dem 23.November massiv mit deutschen Fliegern konfrontiert, wobei schwere Verluste eintraten1543, und die Hauptwaffe des ersten Angriffstages, das Tank Corps, verschliß sich unter den Dauerbelastungen tagelangen Einsatzes zusehends. Schon am Mittag des 24.November wurde das Herausziehen der augenblicklich nicht im Kampf befindlichen Fahrzeuge zur Auffrischung befohlen und dann am 27. ihr vollständiger Abtransport befohlen1544. Bis zu diesem Tag, der eigentlich das Ende der Kampfhandlungen bei Cambrai hätte bedeuten können, aber letztendlich nur den Abschluß ihrer ersten Phase markierte, kam es zu anhaltend schweren Kampfhandlungen um den Besitz von Fontaine, Bourlon und den Bourlon-Wald.

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Noch am 22.November, der von britischer Seite für die Vorbereitung eines Großangriffs am Folgetag genutzt werden sollte und verhältnismäßig ruhig blieb1545, wurde Fontaine durch einen lokalen deutschen Angriff genommen1546, und am Vormittag des 23. wiederum von britischer Infanterie und zahlreichen Tanks angegriffen. Die Masse der Infanterie der britischen 51.Division wurde dabei von den Verteidigern durch Feuer festgehalten, während diese die Tanks in das Dorf durchstoßen ließen und sich dort mit ihnen im Nahkampf mit Maschinengewehren und Handgranaten erfolgreich auseinandersetzten:

„One tank commander reported that when his tank entered the village everything appeared very peaceful and it was difficult to find anything at which to shoot. Suddenly, as if at a given signal, a terrific fire was opened from all sides, upon his tank, chiefly with armour-piercing bullets. In a moment the tank was full of smoke and flame, and most of its guns were put of action in a few minutes.“1547

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Die Deutschen, die Fontaine behaupteten, gehörten vornehmlich dem IR 46 an, das in der Tankbekämpfung zumindest theoretisch geschult war, und erhielten Unterstützung durch diverse vorgezogene Einzelgeschütze der Feldartillerie und K-Flak1548. Die Angaben über die Zahl der zerstörten Tanks in und bei Fontaine variieren –wie stets- erheblich, doch mit sechs im Nahkampf vernichtet gemeldeten Fahrzeugen ist zu belegen, wie anfällig diese im Orts- und Häuserkampf waren1549. Genau diese Feststellung, später noch ergänzt durch die Wiederholung der früher gewonnenen Erfahrung, daß schwerfällige Panzerfahrzeuge in bewaldeten Gebieten kaum sinnvoll einzusetzen sind1550, machte der Angreifer im Dorf und Wald von Bourlon. Von zehn Tanks, die vorgingen, wurden drei durch Artillerie abgeschossen, und von den sieben übrigen Fahrzeugen kehrten lediglich drei zu den eigenen Linien zurück, nachdem sie sich verschossen hatten. Die anderen gingen offenbar beim Kampf um das Dorf verloren1551, der in einem Patt ohne eindeutigen Besitzer des Orts endete. Vom Wald hielten deutsche Verteidiger am Abend nur noch den Nordzipfel, dann traten in der Nacht zum 24.November Bataillone der 3.GID zum Gegenangriff an, eroberten einen Tank und nahmen dem Angreifer seine Geländegewinne im Wald „mit blanker Waffe“ wieder ab1552. Bei anhaltender Gefechtstätigkeit dort, wurde im Laufe des 24.November auch das Dorf Bourlon zurückerobert1553.

Der letzte großangelegte britische Angriff bei Cambrai erfolgte am 27.November um etwa 8 Uhr, nach sehr intensiver fünfundvierzigminütiger Artillerievorbereitung. Das von vermutlich 12 Tanks unterstützte Vorgehen einer Brigade der britischen Gardedivision gegen Fontaine litt schnell und mit teilweise dramatischen Auswirkungen unter konzentriertem deutschen Maschinengewehrfeuer. Einzelne Kompanien verloren 50% oder mehr ihrer Gefechtstärke, bevor sie an den Feind herankamen und in das hartnäckig verteidigte Dorf eindringen konnten1554. Von den Tanks war einer abgeschossen worden, einer hatte eine technische Panne und ein weiterer scheiterte auf dem Weg ins Gefecht an einem Baumstumpf des Bourlon-Waldes, während die übrigen beim Häuserkampf von sehr geringem Nutzen waren1555. Wie in einer Darstellung der Kämpfe berichtet wird, erkletterten einzelne deutsche Soldaten einen Tank sogar noch in dem Moment, in dem er sich bereits zum Rückzug gewandt hatte und versuchten, durch die Sehschlitze ins Wageninnere zu feuern1556. Durch einen deutschen Gegenangriff wurde die Ausgangslage schließlich wiederhergestellt und Fontaine blieb in deutscher Hand1557. Ein ganz ähnlicher Verlauf des Kampfes ist für die gleichzeitigen Vorstöße auf Dorf und Wald Bourlon festzustellen. In den Wald konnte zwar tief eingedrungen werden, wobei es einmal mehr zu verlustreichen Nahkämpfen kam, dann erschöpfte sich allerdings die Angriffskraft. Das Scheitern der Vorstöße gegen Fontaine und dann auch bei Bourlon sowie die deutschen Sicherungen um den Wald herum beendeten hier alle weitere Unternehmungen1558. Der größte Teil des Waldes blieb in britischer Hand.

Beim Garde-Füsilier-Regiment im Dorf Bourlon waren „Tankfallen“ angelegt worden1559, worunter man sich primär Straßensperren aller Art denken kann, und Feldartillerie stand, auch mit zwei ins Dorf vorgezogenen Geschützen, zur Sturm- und Tankabwehr bereit1560. Die Barrikaden behinderten die Tanks beim Eindringen in das Dorf, und nach deutscher Darstellung wurden drei durch die beiden Tankabwehrgeschütze kampfunfähig gemacht sowie vier weitere auf spektakuläre Weise durch Infanteristen außer Gefecht gesetzt1561:

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„Leute der 10.Komp. kletterten zur größten Belustigung aller von hinten auf zwei fahrende Tanks und brachten dieselben nach einer Rundfahrt durch den ganzen Ort durch Hineinwerfen von Handgranaten von oben schließlich zum Stehen. Die Unteroffiziere Donath und Meißner 9.Komp. setzten zwei weitere Tanks durch geballte Ladungen und Handgranaten außer Gefecht und vernichteten die Mehrzahl der Besatzungen, den Rest nahmen sie gefangen; die sofortige Verleihung des E.K. 1 war die Belohnung.“1562

Die britische Schilderung des Geschehens führt schließlich sogar den Verlust von 10 der 15 insgesamt eingesetzten Tanks an, wobei fünf durch direkte Artillerietreffer zerstört worden sein sollen und zu fünf anderen keine Angaben gemacht werden konnten, da man nie wieder etwas von ihnen zu sehen bekam oder hörte1563. Die britische Infanterie wurde schließlich durch Gegenangriffe geworfen, womit ein für die britische Führung letztendlich frustrierender Abschluß ihrer Operationen bei Cambrai gefunden wurde. Dieser Abschluß spiegelte sich auch in den Verlustzahlen wieder, die nach vorsichtiger Schätzung durchaus auf dem Niveau der deutschen Ausfälle von 27.000 Mann gelegen haben werden1564. Die blutigen Verluste des Angreifers seit dem 21.November waren allerdings deutlich höher, denn die deutsche Berechnung schloß auch etwa 10.000 Vermißte beziehungsweise Gefangene ein1565, deren größter Teil bereits am ersten Schlachttag eingebracht worden war.

9.5 Der deutsche Gegenangriff und das Ausklingen der Schlacht.

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Das britische amtliche Werk formulierte die Lage nach dem 27.November folgendermaßen:

„The limited success achieved by the Cambrai offensive now brought to a close, had resulted in the creation of a British salient, some nine miles wide and four miles deep, which was by no means easy to defend.“1566

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Dieses Ergebnis der britischen Operation entsprach den Vorstellungen der deutschen Führung, welche die Hoffnung auf eine derartige Entwicklung schon am ersten Angriffstag gehegt und sich von da an mit der Möglichkeit zu einem Gegenangriff beschäftigt hatte1567. Die Umsetzung, für die zuerst der 26.November ins Auge gefaßt worden war und die in Befehlen seit dem 24. des Monats geregelt wurde1568, litt aber anfangs noch unter dem Zwang zur Heranführung und Bereitstellung von Truppen sowie den noch nicht beendeten britischen Angriffen, deren Ergebnisse und Intensität abzuwarten blieb1569. Der Wille des Feindes zur Fortsetzung seiner Unternehmungen bei Cambrai schwand nach dem 27. augenscheinlich, der vormalige Angreifer war in dem von ihm selbst geschaffenen Frontbogen gefesselt und zu drei Seiten von den zahlreich herangezogenen deutschen Verstärkungen bei den Gruppen Arras, Caudry und Busigny1570 eingeschlossen.

Unter dem Decknamen „Winter“ sollte die Gruppe Busigny am 30.November gegen 9 Uhr in Richtung Westen über Gonnelieu und Villers-Guislain Richtung Gouzeaucourt und Fins vorstoßen, die Gruppe Caudry bei „Götterdämmerung“ ihre seit dem 20.November verlorenen Teile der Siegfried-Stellung zurückgewinnen und die Gruppe Arras unter dem Tarnbegriff „Sturmflut“1571, ab 12 Uhr und „soweit es noch möglich ist“, westlich des Bourlon-Waldes angreifen1572. Das Unternehmen hatte, abgesehen von den teilweise sehr verheißungsvollen Kodenamen und einem den umfassenden Sieg versprechenden Tagesbefehl des Armeeoberbefehlshabers1573, vor allem den Charakter eines begrenzten Angriffs, dem primär die „Abschnürung eines Teils der feindlichen Kräfte im Bourlon-Wald und bei Marcoing“ zugrunde lag1574.

Abb. 9: Karte zum deutschen Gegenangriff bei Cambrai1575.

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Die Begründung für die auffällige Formulierung im Wortlaut der Angriffsweisungen für die Gruppe Arras, daß sie nur angreifen solle, soweit dies noch möglich sei, lag darin begründet, daß die verfügbaren Kräfte durch die vorangegangenen Kämpfe bereits stark geschwächt waren und der Gruppe gegenüber zumindest mit einem gleichstarken Gegner gerechnet wurde1576. Mit Schwierigkeiten und Einschränkungen der Kampfkraft war diese Gruppe allerdings nicht allein. Durch die Kürze der Vorbereitungszeit und die Anzahl der Truppen bedingt, attestierten die Gruppen Caudry und Busigny, daß hinsichtlich der Munitionsversorgung einiges im argen lag1577. Einschränkungen für die Kampfkraft der Angriffsverbände waren bei der Gruppe Caudry ausdrücklich auch insofern gegeben, als daß sie lediglich drei ihrer sechs Divisionen mit „vollkampffähig“ klassifizieren konnte und zugleich darauf hinwies, daß selbst diese drei nicht für einen größeren Angriff ausgebildet waren1578. Außerdem bemängelte die Gruppe, daß man über zu wenig schwere Artillerie verfüge1579. Vor allem der Mangel in der Offensivausbildung der Truppe bedeutete ein Manko1580, das hinsichtlich der Erwartungen und Anforderungen an die Truppe von großer Bedeutung sein mußte. Und gefordert wurde in der Tat viel. So etwa, daß die Ortschaften und besonders hartnäckig verteidigte Stützpunkte durch Liegenlassen und dann umfassenden Angriff zu nehmen seien, oder daß die Infanterie in äußerst direkter Weise mit der Feldartillerie zusammen kämpfen und mit ihr und untereinander Aktionen in und aus der Bewegung heraus abstimmen sollte1581. Hinzu kamen die vom Stellungskrieg abweichenden Bedingungen in den Bereichen Kommunikation und Logistik, die von hierin ungeübten Kräften ebenfalls improvisiert werden mußten. Zeit zum Beseitigen auftretender und erkannter Mängel wurde den Truppen und Stäben nicht gewährt1582. Nicht zuletzt wohl auch, weil es Anzeichen dafür gab, daß der Feind umgruppierte und eventuell an anderen Stellen nochmals zu größeren Angriffen schreiten würde1583. Hierbei spielte auch der beobachtete Abmarsch der Tanks aus dem Frontbogen vor Cambrai eine Rolle1584, der einerseits als Hinweis auf das Ende der hiesigen britischen Angriffsoperation gewertet wurde, dann aber auch für potentielle Gefahren bei Arras oder St.Quentin sprechen konnte1585. Zusätzliche Divisionen für den eigenen Angriff wurden von der Heeresgruppe Rupprecht diesen potentiellen Bedrohungen entsprechend nur für den Fall in Aussicht gestellt, daß sich die Lage durch einen durchschlagenden Erfolg mit Option auf Weiterentwicklung des Angriffs hin zu einer Operation wesentlich änderte. Was davon unabhängig getan werden konnte, um die beabsichtigte Überraschung des Feindes zu wahren und ihn andernorts zu binden, sollte in Form von Ablenkungsangriffen bei St.Quentin, bei der 4. und bei der 6.Armee geschehen1586.

Zur Unterstützung des Angriffs wurden ferner Flammenwerfertrupps und Minenwerfer heran- beziehungsweise zusammengezogen1587. Die 28.ID, die linke Flügeldivision der Gruppe Caudry, erhielt zur Vergrößerung ihrer Stoßkraft das Jäger-(Sturm-)Bataillon Nr. 31588. Auf eine längere Artillerievorbereitung wurde zugunsten der im Vorfeld stetig geforderten Geheimhaltung1589, einer Feuerwalze und künstlichen Nebels1590 vor der eigenen Infanterie verzichtet. Lediglich der Bourlon-Wald und aufgeklärte Batterie- und Infanteriestellungen sollten im Vorfeld des Angriffs intensiv vergast und beschossen werden. Außerdem wurden, wie oben bereits angedeutet, bespannte Teile der Feldartillerie zur direkten Begleitung der Sturmtruppen abgestellt1591 und zudem massive Schlachtfliegereinsätze befohlen1592. Die Gesamtzahl der am Angriff beteiligten Divisionen belief sich auf 18 mit etwa 1.200 Geschützen, denen 13 britische Infanterie- und vier Kavallerie-Divisionen mit 1.150 Geschützen gegenüberstanden1593.

Ein begrenzter deutscher Angriff wurde von der britischen Führung zwar für möglich gehalten, so etwa am exponierten Bourlon-Wald, jedoch ausdrücklich keine großangelegte Unternehmung1594. Erstaunlich ist, daß aber selbst dafür keine Abwehrvorbereitungen von der 3.Armee getroffen wurden1595. Ganz offensichtlich hofften auch britische Generale in bestimmten Situationen, die in diesem Fall der deutschen nach der Flandernschlacht sehr nahe kommt, daß der denkbar schlimmste Fall nicht eintreten würde.

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Am 30.November um 8.50 Uhr setzte sich die Feuerwalze mit den deutschen Angriffstruppen dahinter in Bewegung1596. Schlachtflieger, in einer Größenordnung, die man auf britischer Seite vom Feind noch nicht gesehen hatte, warfen Bomben ab und setzten ihre Maschinengewehre im Tiefflug wirkungsvoll ein1597. Die vorausgegangene, fünfzigminütige Artillerievorbereitung war offenbar besonders dort von verheerender Wirkung gewesen, wo Minenwerfer konzentriert eingesetzt worden waren1598. Auf britischer Seite rissen, ganz wie am 20.November auf deutscher Seite im Bereich der Gruppe Caudry, die Verbindungen ab1599, die Artillerie wurde derart gelähmt, daß sie das Feuer anfänglich nur äußerst verhalten erwidern konnte1600 und an zahlreichen Stellen wurden die Verteidigungsstellungen samt ihren von der Vehemenz des Angriffs überraschten Besatzungen so schwer getroffen, daß sie dem ersten Infanterieangriff nicht standhalten konnten1601. Neu und von eminenter Wirksamkeit schien zudem zu sein, daß der Angreifer kaum Frontalangriffe wagte, sondern sich den noch intakten Stellungsteilen und Widerstandsnestern von Flanke und Rücken her annäherte1602. Die deutschen Fortschritte bei der Gruppe Caudry und besonders bei der Gruppe Busigny waren dementsprechend in der ersten Phase des Unternehmens vielversprechend1603 und führten zur Freigabe von Heeresgruppen-Reserven, die für den Fall des durchschlagenden Erfolges reserviert worden waren1604. Die Euphorie, die man hinter dieser Entscheidung der Heeresgruppe erblicken darf, war allerdings unbegründet.

Dies zeigte sich um die Mittagszeit, als man bei der Gruppe Caudry in das Zentrum des Frontbogens und damit auf das zumindest stellenweise vorhandene, dort aber um so hartnäckiger verteidigte „Grabengewirr“ der Siegfried-Stellung eindrang1605, und bei der Gruppe Arras, als sie mit ihrem auf diesen späteren Zeitpunkt verlegten Angriff auf einen durchaus zur Abwehr eingestellten und längst alarmierten Gegner traf1606. Die letztgenannte Gruppe kam am wenigsten weit vorwärts und drang unter schweren Verlusten auf beiden Seiten lediglich bis zur Straße Bapaume-Cambrai vor.

Dort, wo entlang der Angriffsfront der deutschen 2.Armee weiter vorgestoßen werden konnte, wurden immer mehr Verbände im Ringen mit Widerstandsnestern gebunden, blieben hinter dem Vorgehen der jeweiligen Nachbarn zurück und schließlich ganz liegen. Gravierende Konsequenzen hatte diese Entwicklung für die 34.ID, die rechte Flügeldivision der Gruppe Busigny, der, wie der kaum vorwärtskommenden 208.ID zu ihrer Linken auch, ausdrücklich der Befehl erteilt worden war, ohne Rücksicht auf Verbindungen nach Westen zu stoßen1607. Sei es, daß dieser Befehl bei der 34.ID ernster genommen wurde als andernorts, oder sei es, daß sie im Unterschied zu den Verbänden an ihren Flanken auf geringeren Widerstand traf1608, jedenfalls fand sie sich am frühen Nachmittag als einsamer Stoßkeil inmitten der britischen Etappe bei Gouzeaucourt, 5km Luftlinie westlich der deutschen Linien vom Morgen des 30.November, wieder. Gegen ihre vordersten Teile und Flanken kamen nach 14 Uhr britische Gegenstöße zur Ausführung, die von Kavallerie eingeleitet und dann durch 36 Tanks1609 und Infanterie fortgesetzt wurden. Die Batterien des FAR 70 der 34.ID protzten überall ab, wo man sich Erfolg gegen die große Anzahl Ziele versprach, und brachten mit der Infanterie zusammen die feindliche Kavallerieattacke zum Scheitern1610. Gegen die Tanks wirkten die Feldgeschütze trotz Munitionsmangel, der auch für die Infanterieteile der 34.ID akut wurde1611, erfolgreich, und es gelang, fünf Tanks zu zerstören1612. Die Rückeroberung von Gouzeaucourt durch britische Gardetruppen konnte allerdings dadurch nicht verhindert werden1613, und schon einige wenige Tanks, die noch vor ihrem Ende in die deutschen Linien eindringen konnten, sollen die Ursache dafür gewesen sein, daß die 34.ID ins Wanken geriet1614. Am Abend des 30.November war die Division einige Kilometer nach Osten zurückgegangen und erwartete dort den nächsten Tag, für den die Fortsetzung des deutschen Angriffs auf breiter Front befohlen war1615.

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Die Fortschritte bei den Gruppen Arras und Caudry am 1.Dezember waren zwar erkennbar, aber begrenzt1616. Die Gruppe Busigny, der die Wiedereroberung von Gouzeaucourt ab 9.30 Uhr befohlen worden war1617, befand sich demgegenüber am zweiten Angriffstag in einer vollständig anderen Situation. Bereits in den frühen Morgenstunden hatten sich Tanks, Kavallerie und Teile der britischen Gardedivision ihrerseits zum Angriff versammelt und kamen den Deutschen der 34.ID und 208.ID zuvor. Kein Truppenteil auf einer Seite war ausgeruht oder in einer Ordnung, die einem Angriffsunternehmen beziehungsweise seiner Abwehr nach üblichen Maßstäben gerecht sein konnte1618. Den Unterschied zwischen der Schwäche und Erschöpfung der Angreifer und derjenigen der Verteidiger in der ersten Phase machten zweifellos die Tanks, von denen nach verspätetem Eintreffen und Pannen aller Art1619, etwa 40 zum Einsatz kamen1620. Eine große Anzahl an Maschinengewehrnestern wurde teilweise samt ihrer Besatzungen buchstäblich überrollt1621, Gräben in bekannter Manier abgefahren und mit Feuer überschüttet1622, so daß sich viele der deutschen Verteidiger zur Flucht wandten und sich nur mit Mühe von übriggebliebenen Offizieren wieder sammeln ließen. Die Truppengeschichte des IR 67 berichtete über diesen Teil des Kampfes aus Perspektive der Bataillons- und Regimentsführung der betroffenen Einheiten exemplarisch:

„6.30 erfolgte ein feindlicher Artilleriefeuer-Überfall. Da plötzlich, es mochte nach 7 Uhr sein, erscholl der panikartige Ruf: Die Tanks kommen! Geräuschlos hatten sich die Kolosse herangeschlichen und standen kurz vor dem Graben. [... .] Schon ist eines der Ungetüme heran und wälzt sich schwerfällig über den Graben. Andere folgen, wie häßliche, vorsintflutliche Kröten heranschleichend. Ein wahrer Regen von Geschossen empfängt sie, die M.G., leichte wie schwere, richten ihren Feuerstrahl auf ihre Flanken; tapfere Leute gehen ihnen mit Handgranaten zu Leibe. Aber was nützt das! Wirkungslos prallen die Geschosse an der starken Panzerung ab, auch die Handgranaten mit ihrer starken Splitterwirkung vermögen den Panzer nicht zu zerreißen. Und nun eröffnen die Tanks, den Graben überschreitend und rechts und links einschwenkend, ihrerseits das Feuer. Es ist fürchterlich. [... .] Wir müssen zurück, um der völligen Vernichtung zu entgehen. [... .] Ein Glück, daß es erst zu dämmern beginnt; sonst wäre wohl niemand dieser Hölle entronnen. Am Hohlweg, an der nach Villers-Guislain führenden Straße, etwa 300 Meter rückwärts, gelingt es den Offizieren, die Leute wieder zum Halten zu bringen.“1623

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In dieser Lage, die den weiteren Verlauf des Gefechtes vollkommen offen ließ, nahmen die Batterien des FAR 70 die der weichenden eigenen Infanterie nachstoßenden Tanks unter Feuer. Wie am Vortag, so ging das Duell mit der deutschen Feldartillerie für den Angreifer ungünstig aus. Es wurden wohl mehr als 10 Tanks abgeschossen1624, und bereits gegen 11 Uhr waren die entscheidenden Kampfhandlungen zwischen den völlig erschöpften Kontrahenten vorüber1625.

Der Ausgang des 1.Dezember mit seinen geringen Fortschritten markierte grundsätzlich das Ende des deutschen Gegenangriffs, dem angesichts der schweren Verluste und des Verbrauches der spärlichen Reserven von der Führung keine durchschlagende Wirkung mehr zugesprochen wurde1626. Zwar wurde an verschiedenen Stellen weiterhin schwer gekämpft, doch in weit geringerem Ausmaß als zuvor und ohne entscheidenden Charakter1627. Beide Seiten verlangte es nach Ruhe und Zeit zur Vorbereitung der sich anbahnenden großen Ereignisse von 1918. Dabei fiel den Deutschen, die sonst vor allem im Abschnitt der Gruppe Busigny Gelände gewonnen hatten, noch ein bescheidener Teil der ehemaligen Siegfried-Stellung bei der Gruppe Caudry zu. Dieser wurde vom Feind zwischen dem 4. und 7.Dezember geräumt, um die Front zu verkürzen und, mit Blick auf zukünftige Entwicklungen, besser zu verteidigende Positionen beziehen zu können1628.

Wenngleich die Geländegewinne beider Seiten in der Anfangsphase des jeweiligen Angriffs, am 20. beziehungsweise am 30.November, vor allem im Verhältnis zu früheren Offensivunternehmungen an der Westfront groß schienen, besaßen sie keinerlei strategische Bedeutung. Einbußen und Zugewinne hielten sich nach Beendigung des britischen Absetzbewegung -mit einem dezenten Vorteil für die Briten- annähernd die Waage. Dasselbe gilt für die Verluste an Menschen und Material, wobei die amtliche deutsche Darstellung von rund 41.000 Mann spricht, von denen 14.000 auf die Zeit des Gegenangriffs ab dem 30.November entfielen und 11.000 Gefangene subsumierte1629. Die britischen Ausfälle lagen mit schätzungsweise knapp 45.000 Mann, darunter 9.000 Gefangene, nur unwesentlich darüber1630. Insgesamt betrachtet liegen mit diesen Zahlen und Aussagen deutliche Hinweise auf eine Pattsituation vor, wie es sie mit ihrem Charakter als deutscher Abwehrerfolg schon so oft zuvor gegeben hatte.

9.6 Tanks und Tankabwehr in den Kämpfen bei Cambrai: Bewertungen und Reaktionen.

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Von einem Patt bei Cambrai konnte nur beim Vergleich der bislang üblichen Kategorien von Geländegewinnen und Verlusten gesprochen werden1631. Schon die zeitgenössischen Darstellungen beider Seiten neigten dazu, den Kämpfen eine besondere Aura zu verleihen, weil ein apologetisches Ereignis ausgemacht wurde, das Auswirkungen bis auf die Ebene des kommenden strategischen Erfolges der Alliierten von 1918 und eine „militärtechnische Zeitenwende“ hinauf haben konnte. Im Zentrum solcher Sichtweisen auf britischer Seite stand das Element des konzentrierten Tank-Einsatzes und dessen Erfolg beim Durchstoßen der legendär schwer befestigten Siegfried-Stellung1632. Was hier möglich gewesen war, mußte späterhin, auch wenn 1918 zuerst noch ein letzter Ansturm der Deutschen zu überstehen war, immer wieder möglich sein und letztendlich den Sieg erzwingen1633. Die deutschen Verlautbarungen mit unmittelbarer Nähe zum Geschehen bei Cambrai legten dagegen in üblicher Manier den allergrößten Wert darauf, die Kämpfe als Beispiel für die selbst mit Massen von Tanks nicht zu brechende Widerstandskraft des deutschen Soldaten zu werten und die allesamt gescheiterten Durchbruchversuche der Feinde im Jahre 1917 in einem Topf zu werfen, um sie ins Lächerliche zu ziehen oder die Tragik ihres dramatischen Verlaufs beziehungsweise die Verantwortungslosigkeit ihrer skrupellos-unfähigen Planer darzustellen1634. Denn selbst, so der Tenor, nach den gigantischen Materialschlachten des Jahres waren deutsche Soldaten noch dazu in der Lage, quasi aus dem Nichts heraus überraschend –und man ergänze, auch ohne Tanks- anzugreifen, um dem Feind eine deutliche und schwere Niederlage zu bereiten1635.

Daß es sich bei diesen Aussagen um Produkte der damaligen Propaganda beider Seiten handelte, bräuchte sicherlich nicht besonders erwähnt zu werden, wenn nicht diejenige der britischen Seite, mit einem unverkennbaren Anteil und durch das Wissen um den Ausgang des Krieges sowie die zukünftige Bedeutung gepanzerter Kriegführung heute wesentlich gestärkt, in der späteren Aufarbeitung des Geschehens durch Historiker und andere Betrachter eindeutig auszumachen wäre. In dieser Hinsicht waren die Kämpfe bei Cambrai, oder vielmehr ihr spektakulärer Auftakt am 20.November, auf den sich bei den Betrachtungen konzentriert wurde, der Beginn einer neuen Ära der Landkriegführung1636, welcher die deutsche Seite, trotz allen Heldentums einzelner1637 und den aus ihren Handlungen resultierenden Folgen für die britische Operation, insgesamt hilflos gegenüberstand. Vor allem auch zahlreiche Fehler auf britischer Seite, die auf Standesdünkel, Uneinsichtigkeit oder mangelnder Risikobereitschaft basierten, aber anhand der Lehren der Schlacht abgeschaltet werden konnten, bewahrten die Deutschen Ende 1917 noch vor Schlimmerem1638. Cambrai war, trotz des in üblichen Kategorien des vorangegangenen Stellungskrieges seit 1914 bemessenen, ungünstigen Ausgangs für den britischen Angreifer, also die erste der neuzeitlichen Schlachten, die 1918 die deutsche Niederlage besiegelten1639. Die deutsche Führung blieb auch nun, nachdem doch Tankmassen die unüberwindliche Siegfried-Stellung an einem Tag durchstoßen hatten, der neuen Waffe und ihrer konzentrierten Verwendung gegenüber ignorant1640.

Einspruch gegen diese Auffassung der Kämpfe bei Cambrai, die sich in neueren Überblicksdarstellungen oft sehr prägnant in wenigen Zeilen formuliert findet, ist recht selten, sieht man von einschränkenden Bemerkungen zu Einzelaspekten und verschieden gelagerten Schwerpunkten in Schilderungen der Schlacht ab. Letzteres liegt zudem häufig auf der Ebene taktischer Fragen und der Rolle einzelner Personen, wie sie etwa bei der Bewertung des Geschehens bei Flesquières am 20.November 1917 vorliegen. Mit dem Hinweis auf die Lehren, die von britischer Seite aus Cambrai gezogen wurden, durften derartige Dinge als Ausnahmeerscheinungen allerdings in der Kategorie der insgesamt wenig bedeutenden Episoden abgelegt werden.

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Anders sieht es mit Aussagen aus, die Cambrais Bedeutung als unübersehbare Wendemarke der Landkriegführung in Frage stellen. So etwa formuliert durch Kielmansegg (1968), der die Schwächen der britischen Tanktruppe hervorhob und sich durch den Anfangserfolg des ersten Schlachttages nicht in der Auffassung beirren ließ, daß die damalige Technik den Einsatz von Tanks im Sinne moderner Panzerverbände unmöglich gemacht habe. Griffith (1994) unterstrich diese Sichtweise noch dadurch, daß er in vollkommener Opposition zum „populären“ Bild von Tanks des Ersten Weltkrieges und ihrer quasi gebetsmühlenartig apostrophierten entscheidenden Bedeutung aussagte, sie seien bis Kriegsende 1918 „never anything more than an auxilary to the infantry for a break-in battle“ gewesen1641. Eine Meinung, der sich auch Golla in seiner kritischen Ausarbeitung zu Cambrai als Wendepunkt der Landkriegführung im 20.Jahrhundert (20001642) anschloß. Für das Ereignis Cambrai führte Griffith außerdem an, daß dort Tanks weit weniger ausschlaggebend für den Erfolg des ersten Tages gewesen seien, als üblicherweise angenommen wird, und daß die deutschen Stellungen und ihre Verteidiger unverhältnismäßig schwach beziehungsweise wenige gewesen seien1643. Letzteres darf auf Basis der vorherigen Aussagen dieses Kapitels als bestätigt angesehen werden. Und ein Zusatz von Griffith, daß das Bild von der Rolle des Tanks bis 1918 im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges maßgeblich auch vom Zwang der deutschen Seite zur Rechtfertigung des militärischen Zusammenbruchs von 1918 konstruiert und mit einem Netz von Mythen belegt worden sei1644, verdient außerordentliche Beachtung, gerade auch im Zusammenhang mit dem „Schlüsselereignis“ Cambrai.

Für die Überprüfung dieser recht wagemutigen Hypothese Griffith’ bietet sich ein Blick auf die möglichen Protagonisten einer forcierten Mythenkonstruktion auf deutscher Seite an. Ludendorffs Aussage zum deutschen Kampfwagenbau, der angeblich wegen mangelnder Ressourcen unterblieb und ein Versäumnis darstellte1645, wurde beim Reichsarchiv unter dem Begriff der „Tankfrage“ und mit dem Hinweis auf die Vertraulichkeit der Forschungsergebnisse spätestens ab 1921 unter die Lupe genommen1646. Dabei kam es zur Sammlung und teilweise auch bereits zur Analyse von Quellenmaterial, die 1932 mit den Ausarbeitungen des eng den Kraftfahrtruppen verbundenen Generals Petter abschlossen1647. Die Ergebnisse der Arbeiten Petters waren eindeutig und belegten den Wert des Tanks während des Weltkrieges beziehungsweise von Panzerstreitkräften in einem neuen Kriegsbild, so daß Adressaten seiner Ausführungen, etwa Guderian und Nehring, bei ihrem Wirken für den Aufbau operativer Panzertruppen Nutzen aus ihnen ziehen konnten1648. Daß bei diesen Arbeiten vor allem Momentaufnahmen, technische und taktische Details sowie Vorschriften und Erlasse der OHL im Zentrum des Interesses standen, während die Gesamtperspektive auf die Grundlagen der Kriegführung mit Berücksichtigung einer Vielzahl strategisch bedeutender Fragen und der Sichtweise des Gegners weitgehend außer acht gelassen wurden, scheint damals von sekundärer Bedeutung gewesen zu sein1649. Das Beispiel der Abhandlung der Kämpfe von Cambrai bei Petter ist diesbezüglich exemplarisch für eine Facharbeit im Diskurs innerhalb des damaligen Militärs1650 und kulminierte ohne Erwähnung der schwächlichen Siegfried-Stellung, ihrer wenigen Verteidiger, der nicht vorhandenen Reserven oder der detaillierten Überprüfung von Führungsentscheidungen allein in den Faktoren Überraschung und erstmaligem Masseneinsatz von Tanks1651.

Diese Deutung kollidierte zumindest partiell mit den in den Truppengeschichten bereits artikulierten Ansichten bestimmter Kreise der Weltkriegsveteranen, die sich schon 1919 mit dem Vorwurf Ludendorffs konfrontiert gesehen hatten, daß es in ihren Reihen Ende 1917 und bei Cambrai belegt bereits ein Nachlassen des Kampfwillens und Anzeichen für „Drückebergerei“ gegeben habe1652. Die sich dadurch zum Kampf für Anerkennung und Rehabilitation aufgerufen fühlenden Veteranen taten einiges dafür, den deutschen Frontkämpfermythos durch Beispiele aus den Reihen der jeweils eigenen Einheit lebendig zu illustrieren1653 und damit kollektiv vieles, um jeden Verdacht, im Felde eventuell denn doch besiegt worden zu sein, weit von sich zu weisen1654. Das Reichsarchiv hatte 1929 mit Strutz’ Band zu Cambrai aus der Reihe „Schlachten des Weltkrieges“ den Versuch zugelassen, Frontkämpferpathos nach Stil und Rhetorik der deutschen Kriegspropaganda mit dem Unglück des materiell Unterlegenen gegenüber den im größeren Maßstab unüberwindlichen gepanzerten Vorboten einer modernen Landkriegführung in Einklang zu bringen1655. Doch dies wirkte scheinbar nicht gänzlich überzeugend und wurde dem Anliegen der Veteranen, besonders offenbar derjenigen aus den Reihen der 54.ID, die sich bis dahin nicht genug gewürdigt und zu teilweise harscher Kritik am Reichsarchiv und anderen Autoren aufgerufen fühlten1656, nicht gerecht.

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Gegenüber allen Verlautbarungen über schlacht- und kriegentscheidende Tanks und allem, was 1918 geschehen war, waren doch auch die Taten Soltaus und Krebs’ und all der „Feldgrauen“ im Kampf zwischen Männern und Maschinen zu benennen. Außerdem hatte der Feind, Haig persönlich, doch irgendwie auch davon gesprochen, daß der deutsche Widerstand bei Flesquières den Ausschlag für das Scheitern der Offensive gegeben hätte und gesagt, daß sich dabei ein deutscher Offizier, allein sein Geschütz bis zum Schluß bedienend, besonders ausgezeichnet habe1657. Die Suche nach diesem unbekannten Soldaten, in dem sich die Summe des zeitgemäß apostrophierten Heldenmutes des Weltkriegs-Frontkämpfers gegen eine materiell wie personell anscheinend unendlich überlegene „Welt von Feinden“ vereinte, während er in der Truppengeschichte seines FAR 108 von 1919 nicht einmal Erwähnung gefunden hatte, dauerte bis Anfang der 30er Jahre. Dann erinnerte sich urplötzlich, nach langen, langen Jahren1658, ein gewisser Leutnant Behrmann, daß die gesuchte Person nur der am 20.November gefallene Unteroffizier Theodor Krüger seiner 8./FAR 108 sein konnte1659. Daß Behrmanns Geschichte nicht zuletzt wegen der Präzision seiner Angaben Ecken, Kanten und Haken aufwies1660, daß sehr schnell und dauerhaft die Legende von 16 durch Krüger abgeschossene Tanks aufkam, ohne daß diese in irgendeiner Form verifizierbar waren1661, oder daß Haigs Worte eventuell auf dem Zwang beruht haben könnten, einen brauchbaren Grund, nämlich die durch den „Helden von Flesquières“ symbolisierte, todesverachtende Gegenwehr des Feindes, zu präsentieren, um das Scheitern der Operation plausibel zu machen1662, war in der öffentlichen Darstellung der Sache offensichtlich von keinerlei Bedeutung für die Aufwertung Krügers zum versinnbildlichten Ideal des todesverachtenden Front- und Einzelkämpfers1663. Davon abgesehen mußte ein grundlegender Inhalt der Geschichte Behrmanns beziehungsweise des Mythos’ vom Unteroffizier Krüger, nämlich daß dieser am 20.November an seinem Geschütz gefallen sei, unhaltbar sein, wenn die Witwe darüber informiert worden war, daß ihr Mann am 10.Dezember 1917 im „3.Hospital“ der Britischen Expeditionsstreitkräfte in Frankreich verstorben sei1664.

Vor dem Hintergrund des Krügermythos und den Gründen seiner Schöpfung standen mittelbar zwei in gewisser Weise konkurrierende Parteiungen voreinander, wenn man die Jünger der Theorie, „im Felde unbesiegt“ geblieben und lediglich dem „Dolchstoß“ zum Opfer gefallen zu sein, zusammen mit denen, die am Sinn großer, operativer Panzerverbände oder deren Fähigkeiten zugunsten mehr oder weniger tradierter Kriegsmittel zweifelten1665, den „Panzerbefürwortern“ im Sinne Petters oder Guderians gegenüberstellt1666. Eine Reaktion der letztgenannten Gruppe gerade auf Flesquières und den Frontkämpferkult spiegelt sich etwa in einem mit einer rhetorischen Frage überschriebenen Kapitel -„Moral gegen Material bei Cambrai?“- im Taschenbuch der Tanks wider, wobei die aus Einzelleistungen gezogene Schlußfolgerung, allein mit „Moral“ gegen Panzermassen bestehen zu können, als vollkommen falsch und militärtheoretisch irreführend herausgestellt wurde1667. Der „Tankschlacht bei Cambrai“ nahm sich auch Guderian in seinem Buch „Achtung-Panzer!“ ausführlich an, wobei er die verzweifelt-heroischen Abwehrleistungen der den Tanks gegenüber insgesamt hilflosen Truppe, daneben auch eine lobenswerte aber doch vergebliche „Tatkraft“ ihrer übergeordneten Führung auf der Ebene zwischen der 54.ID und dem AOK 2 und natürlich primär den schlachtentscheidenden Charakter in Massen eingesetzter Kampfwagen hervorhob1668. An einem Ausgleich zwischen den Lagern im Sinne der gerade charakterisierten Ausführungen Guderians, welche die militärisch tatsächlich herausragende Leistungen und Frontkämpferpathos nicht zwangsweise als retardierende Elemente bei der seelischen und materiellen Aufrüstung des III.Reiches bestehen lassen mußten, waren nationalsozialistisches Regime und Wehrmachtführung offenbar gleichermaßen interessiert. Unteroffizier Krüger erhielt dementsprechend am 30.August 1936 ein Denkmal am Kölner Rheinufer, das „Reichsehrenmal der Deutschen Feldartillerie“, vom Waffenring der deutschen Feldartillerie unter seinem Vorsitzenden Oskar Freiherr von Watter gestiftet, das „den Letzten seiner Batterie“1669 in heroischer Pose hinter seiner zerschossenen Feldkanone, die letzte Handgranate gegen den Feind schleudernd, zeigte1670. Bedeutende Vertreter der Wehrmacht wohnten der feierlichen Enthüllung des Denkmals bei1671 und ließen sich, wie etwa der Oberbefehlshaber des Heeres, für die Festschrift mit markigen Worten über die Vorbildfunktion Krügers zitieren1672. 1938 nahm sich die Nationalsozialistische Deutsche Kriegsopfer-Versorgung (NSKOV), die parteiliche Gleichschaltungsinstanz der Veteranenverbände und Hinterbliebeneninteressen, Krügers an und ließ mit Pomp an dessen Geburtshaus in Garwitz am 20.November eine Gedenkplakette anbringen1673. Und auch die Wehrmacht ließ es sich –im Vorgriff auf die Bundeswehr in den 60er Jahren1674- nicht nehmen, eine Kaserne nach Krüger zu benennen, die unter anderem eine Panzerabwehr-Ersatz-Abteilung beherbergte1675. Denn schließlich fiel die Diskussion um die Bedeutung Cambrais, seiner Helden und der Tanks nicht nur in die Zeit des Aufbaus deutscher Panzertruppen und allgemeiner Förderung der Wehr- und Kriegsbereitschaft, sondern auch in die Zeit der Schaffung einer Panzerabwehrtruppe1676, der man einen „Krüger“- beziehungsweise „Cambrai-Kult“ als Gründungsmythos anheften konnte, damit sie in Kategorien des damals als vorbildlich und heldenhaft Empfundenen dem elitär-heroischen Ursprung der Panzertruppe nachzukommen vermochte1677. Die Person Krügers, mit ihren sagenhaft-soldatischen Charakterzügen, die den Kampf bis zur vollkommenen Selbstaufgabe auch in verzweifeltster Lage verkörperte, wirkte in ihrer Vorbildfunktion generell äußerst fördernswert1678 und versprach im Sinne einer „Inversionslogik“, die trotz des so tragisch verlorenen Krieges das Sterben für das Vaterland erstrebenswert zu erhalten trachtete1679, beste Werbung für die neue Wehrmacht des nationalsozialistischen Deutschland.

1937, noch bevor mit der quellenbegründeten Arbeit am Kapitel zu Cambrai für den Band 13 des Weltkriegswerkes überhaupt begonnen worden war1680, hatte die Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres die Taten der durch äußere Feinde nicht zu bezwingenden Frontkämpfer zusammen mit der Überraschung bei Cambrai und den unzweifelhaften Fähigkeiten der Tanks in die eherne Form eines amtlichen Berichts über die Schlacht gegossen1681. Basis für den siebenseitigen Artikel von 1937 war eine Aufforderung durch das Reichskriegsministerium gewesen, eine entsprechende Arbeit als Inhalt der „Richtlinien für den Unterricht über politische Tagesfragen“ zu liefern. Ganz dem propagandistischen Zweck des Artikels angemessen1682 durfte zwischen allem Pathos, das zwar nicht Krüger aber doch andere „Vorbilder“ wie etwa Major Krebs präsentierte und auf die Aussagen Haigs zu Flesquières einging1683, nicht unerwähnt bleiben, daß es 1917 bei Cambrai „die heute so zahlreichen und wirksamen Panzerabwehrgeschütze“ noch ebensowenig gab, wie deutsche „Panzerkampfwagen“1684. Daß das von Griffith genannte Netz von Mythen um den Tank herum und die Dinge, die man am Krügerkult feststellen kann, nicht allein Selbstzweck oder Zufallsergebnis einer vielschichtig geführten Diskussion um den Ausgang des Krieges war, zeigt sich letztendlich überdeutlich in Hitlers Rede im Sportpalast am 26.September 1938. Der Anlaß dazu lag unzweifelhaft in der Außenpolitik begründet, der Inhalt der Rede richtete sich aber intensiv auch nach innen. In einer Situation, in der ungeheuerliche Gebietsansprüche an die Tschechoslowakei einen Krieg immerhin möglich machten, offenbarte Hitler den Deutschen, daß man mit „Milliarden“ aufgerüstet habe, um ein „neues Heer mit modernsten Waffen“ und eine Wehrmacht aufzubauen, die in der Welt respektiert werden würde, sollte sie jemals in Erscheinung treten. Von Hitler besonders genannt wurden eine Luftwaffe, „die Deutschland vor jedem denkbaren Angriff schützt“ und, im Kontext der Weltkriegserfahrungen für die Zuhörer wenigstens ebenso eindrucksvoll, „die beste Luftabwehr und die beste Tankabwehr, die es auf der Erde gibt“1685. Der Kunstgriff bestand darin, etwaige Gegensätze in den Anschauungen über den Weltkrieg und aus diesen resultierende Ängste, wie vor der damals so evidenten materiellen und technischen Überlegenheit der Feinde mit ihrem Symbol auch in Form der Tanks, durch die Suggestion einer nun für jeden aller Fälle bestmöglich gerüsteten Wehrmacht zu beseitigen. Das nationalsozialistische Regime und sein „Führer“ gaben eine Universalantwort durch das auf den im Weltkrieg geborenen Typus des „Neuen Menschen“1686 gebaute und nun selbstredend hochgerüstete Reich nach 1933. Und darin fanden alt und jung, Frontkämpfergeneration und Jugend, Tankabwehr-Helden des Weltkrieges und Panzeroffiziere der neuen Wehrmacht gleichermaßen ihren Platz1687.

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Die noch immer offenen Fragen über Ursachen und Hintergründe der Tankschlacht bei Cambrai wurden davon so weit in den Schatten gestellt, daß sie in der Öffentlichkeit offenbar gar nicht weiterverfolgt wurden. Das Gedenkbuch für einen der Hauptakteure der Schlacht, Oskar Freiherr von Watter, das die zumindest dem Gruppenkommando Caudry gegenüber kritischen Beiträge Kabischs und Zindlers beinhaltete, erschien zudem erst nach Beginn des Zweiten Weltkrieges (um 1941). Man wird unterstellen dürfen, daß die Interessenlage zu diesem Zeitpunkt noch weiter von führungskritischen Ansätzen der Militär- und Kriegsgeschichte entfernt war, als sie es schon früher, etwa innerhalb des Fachdiskurs’ der Wehrmacht zu Ursprung, Bedeutung und Rolle der Tanks, gewesen ist. Einen entsprechenden Eindruck vermittelt auch der Abschnitt zu Cambrai im 1942 von der Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt des Heeres fertiggestellten Band 13 des Weltkriegswerkes1688. Wenngleich die Schwäche der deutschen Stellungsbesatzungen am 20.November 1917 und die britischen Gefangenenaussagen vor dem ersten Schlachttag angesprochen wurden, gab man dem Leser keinerlei Hilfen für die Einordnung dieser Vorkommnisse an die Hand1689. Vollkommene Überraschung, die Tankmassen1690 und das –zu einem deutschen Sieg bei Cambrai 1917 genauso wie zum gewünschten Eindruck des Krieges bis 1942 passende- Fazit, daß deutsche Truppen auch ohne längere Vorbereitungen und mit geringeren Mitteln als der Feind Erfolge erzielen konnten1691, bestärkten bereits formulierte, interessengeleitete Anschauungen.

Eine einschneidende Zäsur auch für die Bewertung der Kämpfe bei Cambrai 1917 bedeutete das Kriegsende 1945. Die Sichtweisen Guderians und anderer, welche die Kriegführung mittels gepanzerter Truppen vorausgesehen, geplant und deren Möglichkeiten erschreckend eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatten, waren zweifelsfrei bestätigt. Alles was dagegen sprach, darunter auch die Fähigkeit, allein mittels konventioneller Panzerabwehrwaffen gegen Panzertruppen bestehen zu können, war ad absurdum geführt worden. Gleichzeitig waren durch die politischen Veränderungen jegliche Verbingungen zu Frontkämpfer- und Heldenkult als Inhalte einer deutschen Militärgeschichtsschreibung abgebrochen worden, und man kehrte der Operationsgeschichte insgesamt den Rücken zu. Dadurch entstanden zwei Lücken. Eine davon war bedingt durch die Not der deutschen Historiographie, Operationen ohne neuere Überprüfung der Grundlagen und unter weitgehender Ausschaltung der diskreditierten Produkte der deutschen Militärgeschichtsschreibung der Zwischenkriegszeit in einer auf einen vermeintlichen Kern reduzierten Form zu präsentieren. Dies führte offensichtlich dazu, eher nach Maßgabe einer „gefühlten Wahrheit“ und einer gewissen Logik zu urteilen. Eine Logik, die zu dem in der Einleitung der vorliegenden Arbeit bereits dargelegten Bild vom Tank des Ersten Weltkrieges sowie der Bedeutung des Schlüsselereignisses Cambrai 1917 führte und sich der Forschungsergebnisse aus dem Ausland bediente1692. Die zweite Lücke ergab sich daraus direkt. Denn ein überaus starkes Interesse breiter Massen für als leichte Kost aufbereitete und dargebotene sowie einfach und kostengünstig zu beschaffende kriegsgeschichtliche Darstellungen, Schlachtenschilderungen und besonders auch militärtechnische Informationen wurde durch eine andauernde Geringschätzung dieser Themen durch deutsche Historiker offenbar nicht gestillt. Gerade im Massenmedium Internet finden sich Versuche, die entstandenen Lücken zu füllen, wobei nach wissenschaftlichen Maßstäben nur leidlich akzeptable Ergebnisse auffindbar sind1693.

Griffith kann vor dem Hintergrund dieser Ausführungen noch ergänzt werden, denn sichtbar wird bei der auch im Internet deutlichen Dominanz englischsprachiger Literatur, daß heute nicht nur von deutscher Hand gestrickte Mythen zu den Kämpfen bei Cambrai kolportiert werden. So entwickelt der Abschnitt des Cambrai-Artikels im Onlinelexikon „Wikipedia“ zum deutschen Gegenangriff das Bild von erstmalig in großem Umfang durch die OHL eingesetzten Sturmtruppen auf Basis einer gewissen „Hutier“- oder, modern gesprochen, einer erstmals in diesem Maßstab angewandten „Infiltrationstaktik“1694. Wie er Leser erfährt, schuf diese die Grundlage für die Rückeroberung des verlorenen Geländes bei Cambrai und war hinsichtlich der Entwicklung moderner und höchst effizienter Einsatzverfahren der Infanterie von außerordentlicher Bedeutung. Woher der Bezug zwischen Sturmtruppen, die als geschlossener Angriffsverband gerade einmal ein Bataillon bei der 28.ID umfaßten1695, Infiltrationstaktik, Hutier, dem damaligen Oberbefehlshaber der deutschen 8.Armee an der Ostfront, und dem Gegenangriff bei Cambrai 1917 letztendlich stammt, ließ sich bei den Recherchen zur vorliegenden Arbeit nicht zweifelsfrei klären. Das britische amtliche Werk von 1948 beinhaltete jedenfalls die Beobachtung vom 30.November 1917, daß sich die deutschen Angreifer geschickt von den Flanken oder aus dem Rücken den Verteidigern in ihren Stellungen näherten1696. Obwohl es sich lediglich um eine Beobachtung handelte, die tatsächlich wohl viel eher auf dem banalen und ausgerechnet auch von der 28.ID erkannten Umstand basierte, daß sich die vorgehenden deutschen Schützenlinien beim Auftreffen auf Hindernisse sowie unter dem Eindruck feindlichen Feuers schnell in kleine Gruppen auflösten1697, als das ein neuartiges Stoßtruppverfahren flächendeckend von abgekämpften und soeben herbeigeholten Angriffsdivisionen angewandt wurde1698, mag hierin der Ursprung einer heute weitverbreiteten Erklärung für den aus britischer Sicht ungünstigen Abschluß der Schlacht gesehen werden1699. Schließlich, und das sollte als Denkanstoß für die Auseinandersetzung mit den „Sturmtruppen von Cambrai“ verstanden werden, erscheint eine Niederlage in wesentlich günstigerem Licht, wurde sie von Elitetruppen mit überraschend innovativen Kampfmethoden gegenüber stark geschwächten Verteidigern herbeigeführt.

9.6.1 Britische Perspektiven und Reaktionen.

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Der erste Eindruck, der sich aus dem unerhört tiefen Vorstoß in die vermeintlich bestausgebaute deutsche Stellung an der Westfront mit ihrem bedrohlich-vielsagenden Namen ergeben mußte und sich daraus bis heute vielfach ergibt, war überwältigend. Die „Hindenburg-Line“ war binnen weniger Stunden nicht nur auf 15km Breite und in 7km Tiefe eingedellt, sondern, wie es schien, auch tatsächlich durchstoßen worden. Und wirklich, so verdeutlicht es sich im Bild tausender Gefangener und scheinbar völlig geschlagener, nur noch an einigen wenigen Stellen ernstzunehmenden Widerstand leistender Verteidiger, gab es am Abend des 20.November 1917 beachtenswerte Defensivkräfte des Feindes im Bereich Cambrai nicht mehr. Gemessen an den minimalen und ungeheuer blutigen Fortschritten der Flandernschlacht und deren durch den raschen Erfolg bei Wytschaete -und genauso am ersten Tag bei Arras- implizierten Verheißungen in Hinsicht auf den entscheidenden „Big Push“ war der Preis von Cambrai mit etwa 4.000 Mann an eigenen Verlusten so gering1700, wie er vielerorts urplötzlich die Hoffnung auf den Sieg neu aufleben ließ. Die Rückmeldungen über den Verlauf und die Ergebnisse des ersten Tages der Schlacht waren derart vielverheißend, daß der Heimat der 20.November 1917 mit Glockengeläut als herausragender Moment des bisherigen Kriegsgeschehens angezeigt wurde1701. Wie sich im Zusammenhang mit dem weiteren Verlauf und dem Ausgang der Schlacht herausstellte, ein psychologischer Fauxpas, der vielleicht seinesgleichen in der britischen Propaganda des Ersten Weltkrieges sucht und auch entsprechende Berücksichtigung auf deutscher Seite fand1702.

Tatsächlich schien das bis zum Abend Erreichte auch für zahlreiche Zeit- und Augenzeugen an der Front die Möglichkeit zur Ausnutzung eines Durchbruchs und damit vielleicht gar zur Kriegsentscheidung in sich getragen zu haben. Doch anders als bei den höheren Stäben, die mit ihren Diagnosen über deutsche Verluste und Prognosen über die Fähigkeit des Gegners zum schnellen Heranführen von Reserven1703 erst Gelegenheit dazu gaben, die Glocken zu läuten, oder gar den Menschen in der Heimat, die dazu aufgerufen waren den Klang des Glockengeläuts eindeutig zu interpretieren1704, scheint auf unterer und mittlerer Führungsebene vor Ort schnell der Eindruck einer verpaßten Chance Herr über die anfängliche Überraschung gegenüber „der Glanzleistung des Krieges“ (Fuller1705) geworden zu sein. In voller Überzeugung, daß es primär das Verdienst das Tank Corps gewesen sei, das die Option auf die Vollendung des weitreichenden Schlachtplans durch die Ausschaltung der deutschen Verteidiger in ihren wohlbefestigten Stellungen geboten hatte1706, schrieb der Kommandeur der 1.Tank-Brigade, Baker-Carr:

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„Surely masses of galloping squadrons had passed through the ‚gap’ and were riding ventre-à-terre through village and hamlet, cutting down the fleeing enemy amid loud cheers from the down-trodden and enslaved peasantry. Not a bit of it. [… .] What a chance that day was missed! Never before and never again was such an opportunity offered. [… .] Bourlon Wood, Bourlon Village and even Cambrai could have been captured.”1707

Und tatsächlich hatte die Kavallerie nach ihrem Eintreffen auf dem Gefechtsfeld kaum etwas an Verdiensten aufzuweisen, die ihrer Rolle als Speerspitze beim Ausnutzen des Erfolges entsprach. Lediglich die Attacke einer einzigen Schwadron auf Rumilly wäre zu nennen. Und dieser Vorstoß endete in einem Blutbad, das vom „ill-trained“ Rekrutendepot der 54.ID angerichtet wurde1708. Der Grund für das vermeintliche Versagen der Kavallerie ist aber kaum allein in mangelndem Willen zu sehen, so wie es Baker-Carrs Aussage suggerieren mag und durch die kühne Aktion der kanadischen Fort Garry Horse gegen Rumilly wenigstens partiell schon in Frage gestellt sein muß1709, sondern liegt weit tiefer verwurzelt in den Dispositionen des Operationsplanes und den Zuständen auf dem Schlachtfeld am 20.November. In einem sehr schmalen Frontabschnitt lagen Stellungs- und Angriffsdivisionen des III. und IV.Korps, 1000 Geschütze, hunderte Tanks und unzählige Stabs- und Unterstützungsteile konzentriert beisammen. Dahinter standen die Divisionen des V.Korps und weitere Unterstützungstruppen sowie, noch weiter hinten, wo noch Raum zur Versammlung gesehen worden war, das Kavalleriekorps1710. Der Vormarsch war minutiös geplant und schien den ersten Meldungen über das Gefecht wie ein „Eisenbahnfahrplan“ abzulaufen1711. Alle Zeichen standen auf Erfolg und am Vormittag setze sich, der Forderung des Schlachtplans nach rücksichtlosem Vorpreschen entsprechend1712, alles und jeder in Bewegung nach vorn, um als Reserve zu folgen, Nachrichtenverbindungen aufzubauen, Stellungswechsel zu machen oder, wie die Kavallerie, zur Ausnutzung des Einbruchs in die deutschen Linien zu kommen. Wie sich diese imposante Vorwärtsbewegung von dicht gedrängten Truppenmassen am frühen Nachmittag des ersten Schlachttages für einen Beobachter, den in Gefangenschaft geratenen Bataillonsführer des I./IR 84, Hauptmann Wille, auf seinem Weg in die britische Etappe ausnahm, sei an dieser Stelle zitiert:

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„Der gewaltige Aufwand der Engländer an technischen Hilfsmitteln aller Art, ferner an Tanks, Artillerie und Kavallerie wirkt zunächst imponierend, aber nur für kurze Zeit. Wer die Bewegungen der englischen Artillerie verfolgt, erkennt bald die erstaunliche Planlosigkeit in den Bewegungen und eine kaum glaubliche Ungeschicklichkeit bei ihrer Ausführung. Die Batterien fahren fortgesetzt hin und her, vorwärts, rückwärts und seitwärts, und schließlich durcheinander, keine der Batterien kommt zum Schuß. Die Engländer scheinen offenbar selbst nicht zu wissen, was sie wollen und keinen Entschluß fassen zu können. Unsere anfängliche Befürchtung, daß der englische Angriff bis Cambrai durchgekommen sei, schwindet mehr und mehr, je länger man dieses Bild der Unentschlossenheit beobachtet.“1713

An Entschlüssen und Entschlußkraft mangelte es in dieser Situation sicher nicht, aber an den Fähigkeiten den zugrunde gelegten Plan zu realisieren. So lag mit von Wille in der Truppengeschichte des IR 84 erwähnten Trassierarbeiten der Briten mit breiten weißen Bändern1714 die Umsetzung eines Befehls vor, der das Vorrücken der Artillerie in neue Feuerstellungen regeln sollte1715. Was passieren mußte, wenn sich die Trassierkommandos zu spät in Bewegung setzten, sich verliefen, ihre Markierungen von Fahrzeugen und Kolonnen aller Art unkenntlich gemacht wurden oder sich die ihnen folgenden Batterien aus welchem Grunde auch immer ihrerseits im Gelände verirrten, geschah an diesem Tag offensichtlich auch. Überhaupt lagen in der minutiösen Planung insofern Risiken, als daß Unvorhersehbarkeiten oder die denkbar schlimmsten Entwicklungen nicht einberechnet worden waren und der Gesamtablauf als eine Kette verschiedenster Abhängigkeiten zwischen den Handlungen unterschiedlichster Stäbe konstruiert war. So sollte das Kavalleriekorps dann antreten, wenn die Kanalübergänge des Schelde-Kanals durch die Infanterie gesichert waren1716 und generell auf solchen Wegen vorgehen, die vom III. und IV.Korps dafür vorgesehen, angegeben und markiert worden waren1717. In der Theorie mußte das banal simpel klingen, doch der Hinweis der 3.Armee auf den unbedingt notwendigen und besonders engen Austausch zwischen dem Kavalleriekorps, der Infanterie an der Spitze des Angriffs und den beiden Korpsstäben1718 beschrieb bereits vorab technisch-logistische Herausforderungen, denen in der Realität der Schlacht nur schwerlich nachgekommen werden konnte. Denn was für den Stellungswechsel der Artillerie galt, war auch auf dem Sektor der Kommunikationsmittel gegeben. Leitungen nach vorne mußten erst gelegt, dann geprüft und, wenn sie durch marschierende Einheiten gekappt worden waren -wobei sich Tanks noch am Nachmittag des 20. besonders negativ hervortaten1719- geflickt und wiederum überprüft werden. In der oder besser den Zwischenzeiten, die nicht etwa, wie es für Fuller geradezu privilegiert gegeben war, durch zumindest lokal relevante Meldungen der wenigen Funkstationen überbrückt werden konnten1720, herrschte bei höheren Stäben weitgehende Unkenntnis über das Geschehen und den Fortschritt der Operation. Für die Kavallerie mit ihrer vollständigen Bindung an aktuelle Informationen vom Schlachtfeld bedeuteten diese Zustände, daß sie an einem Tag mit nur acht Stunden Tageslicht erst dann aus den Bereitstellungsräumen herankam, als bereits kostbare Zeit verloren war, daraufhin ohne klares Lagebild im Gelände umherirrte und zuletzt an Punkten eintraf, an denen eine andere als die erwartete Gefechtslage vorlag und es die nun wesentlich fortgeschrittene Tageszeit nahezu unmöglich machte, mit geballter Kraft zum beabsichtigten Einsatz zu kommen1721.

Der aufgrund dieser Tatsachen zwangsweise vorhandene Eindruck, daß sich das britische Feldheer nach drei Jahren Stellungskrieg und energischsten Versuchen zum Durchbruch zu kommen bei Cambrai als unfähig erwies, ihn zu nutzen, wenn er ihm, salopp gesagt, zu Füßen dargelegt wurde1722, läßt sich dadurch stützen, daß signifikante Anzeichen für Führungsschwächen bei den Verantwortlichen vorlagen. Und zwar Schwächen, die dann auftraten, wenn sich im festgelegten „Eisenbahnfahrplan“ der Schlacht Verzögerungen einstellten, welche schnelle Entschlüsse, Improvisation und Kooperation zwischen den Verbänden voraussetzten. Die Vorgänge bei Flesquières sind in diesem Zusammenhang als symptomatisch anzusehen. Und dabei kann durchaus noch unberücksichtigt bleiben, wie es zum Festliegen der 51.Division General Harpers vor dem Ort kam, da das Problem auch nach dem Ausfall der meisten Tanks noch lösbar gewesen zu sein scheint. Die Verteidiger waren umgangen, und das Angebot der 62.Division sowie der Vorschlag des III.Korps zum umfassenden Angriff in Flanke und Rücken der deutschen Verteidiger unter Major Krebs hätten möglicherweise eine schnelle Entscheidung bringen können1723. Harper, der eventuell noch glaubte, die Lage mit eigenen Kräften bereinigen zu können oder durch die weitere Entwicklung bereinigt zu bekommen sowie davor gescheut haben mag, sich und seiner bewährten „Highland“-Division eine unnötige Blöße zu geben, nun allerdings die Hauptschuld am mißlungenen Durchbruch im nördlichen Abschnitt des Angriffsraumes zu geben1724, scheint schon deshalb unmöglich, weil die oben angeführten und im Erscheinungsbild durchaus chaotischen Zustände allerorten gegeben waren. Zudem ließ es der Kommandeur der 62.Division zu, sich ohne akute Bedrohung von seinem Stoß auf ein erklärtes Primärziel des Unternehmens, Bourlon, durch die Lage beim Nachbarn vor Flesquières vollständig ablenken zu lassen. Von Initiative fehlt hier jede Spur, ebenso von vehementem oder gar selbständigem Eintreten für die rasche Beseitigung eines erkannten Problems1725. Inwieweit Kommunikationsschwierigkeiten, welche die Entschlußfassung etwa bei den zwei involvierten Korpsstäben eingeschränkt und verzögert haben dürften, hierfür mitverantwortlich gemacht werden können, ist fraglich, aber alles andere als abwegig1726.

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Zeichen für geringe Entschlußkraft und Risikobereitschaft lagen an anderen Stellen ebenfalls vor. Davon waren –im Widerspruch zu Baker-Carrs eindeutiger Schuldzuweisung- auch Kräfte des Tank Corps nicht frei. Zumindest ein Teil derjenigen Kampfwagen, die sich bis zum Schelde-Kanal durchgekämpft hatten, standen am Nachmittag regungslos umher, ohne daß man aufgrund der Nachrichten über sie davon ausgehen kann, sie seien zu diesem Zeitpunkt kampfunfähig gewesen1727. Es handelte sich vielmehr um Fahrzeuge, die im Angriffsplan nicht zum Stoß über den Kanal hinaus vorgesehen waren und deren Besatzungen nun in gutem Glauben daran, ihr Pensum für diesen Tag erfüllt zu haben, untätig vor Ort verharrten- offensichtlich ohne sich Gedanken über ein eventuell eher tragische Schicksal der tatsächlich für den Kanal eingeplanten Tanks und die Möglichkeiten, die ohne weitere, selbstlose Anstrengungen vertan wurden, zu machen. Die Mobilisierung der noch verbliebenen physischen und psychischen Kräfte der unzweifelhaft stark angegriffenen Besatzungen1728 durch Führer vor Ort oder auch neue Befehle durch höhere Stäbe unterblieb weitestgehend. Bei Masnières, das mittags erreicht worden war, bedurfte es der eher zufälligen Präsenz eines beherzten Offiziers aus dem Stab des Tank Corps, Hauptmann Martels, um nach dem Ausbleiben der Kavallerie die Kanalüberquerung mit vor Ort vorhandenen Tanks zu improvisieren1729. Nach dem Mißlingen der Versuche und dem Eintreffen des lokalen Infanterie- und des Kavallerieführers, die beide Generalsrang hatten, kam es, wie Cooper schrieb, kurioserweise am Nachmittag zu Diskussionen zwischen den drei Herren auf offener Straße, die schließlich nichts weiter als „needless delay and endless conferences“ bedeuteten1730.

Das Fehlen von Reserven, so wie es als ein weiteres Defizit des Operationsplanes von Zeitzeugen und Historiographen festgehalten wurde1731, kann sich, den bis hierin geschilderten Zuständen entsprechend, eigentlich nur auf die Fortsetzung der Operation ab dem 21.November beziehen und hat dafür sicherlich auch uneingeschränkte Bedeutung. Für den ersten Schlachttag dagegen wird man zu dem Schluß kommen müssen, daß die vorhanden Kräfte und Reserven nicht adäquat zum Einsatz gebracht worden waren1732.

Die bislang angeführten Fehler und Probleme rückten mit der Frage nach den Ursachen für den enttäuschenden Verlauf der Schlacht bis zu ihrem aus britischer Sicht vollkommen niederschmetternden Ausgang in das Zentrum des Interesses einer verunsicherten Öffentlichkeit, als deren politische und militärische Vertretung die Regierung, das House of Commons, der Imperial General Staff und das War Cabinet auftraten. Bis Anfang 1918 wurden primär die Vorkommnisse bei Cambrai ab dem 30.November Gegenstand diverser Untersuchungen, deren Ergebnisse zwar personelle Konsequenzen für die Kommandierenden Generale des III. und IV.Korps sowie Haigs engste Mitarbeiter, seinen Stabschef Kiggell und den Nachrichtenchef Charteris, nach sich zogen, letztendlich aber in Schuldzuweisung an die unteren Chargen und die Truppe kulminierten und in Hinsicht auf ihren Erkenntniswert bezüglich der Aufdeckung und Beseitigung von Mißständen und Fehlern wenig bedeutend waren1733. Bemerkenswert ist, daß auch diese Auseinandersetzung mit operativen Problemen auf höchster politischer und militärischer Ebene nicht wirklich dazu angetan war, den propagandistisch massiv genährten Nimbus des Tank Corps als eigentlichen Urheber des Anfangserfolges in Frage zu stellen. Und dabei nutzte Haig zur Rechtfertigung der als Schlüsselereignis des ersten Schlachttages deklarierten Niederlage bei Flesquières bekanntermaßen den Rückgriff auf die desaströse Wirkung eines einzelnen deutschen Artillerieoffiziers gegen die angreifenden Tanks, der stellvertretend für einen überall verbissenen kämpfenden Gegner stand.

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Ob und warum Haig hierbei auf eine fiktive Persönlichkeit beim Feind zurückgriff, kann dahingestellt bleiben. Denn inwieweit sich hinter dem fragwürdigen Beispiel eine tiefere Wahrheit verbarg, wird deutlich, wenn man die Kräfteverhältnisse einmal genauer betrachtet. Sieben britische Divisionen mit 84 Bataillonen, 1000 Geschützen, 350 Tanks als Speerspitze und einem dichten Dach aus Schlacht- und Jagdfliegern hatten zweieindrittel deutsche Divisionen, 21 Bataillone mit deutlich weniger als 200 Geschützen, im ersten Anlauf angegriffen und bis zum Abend des 20.November in weitesten Teilen aus dem Feld geschlagen. Zieht man den Faktor „Überraschung“ in seinen für die deutschen Kräfte verschiedenen Facetten hinzu, außerdem die merkwürdig geringe Bereitschaft der Gruppe Caudry, ihre Verbände ganz allgemein auf die Abwehr eines bekanntermaßen bevorstehenden Angriffs einzustellen, den geringen Ausbaugrad der Siegfried-Stellung und das auch unter Einbeziehung der Reserven beider Seiten1734 für die Deutschen sehr ungünstig bleibende Kräfteverhältnis, kann kaum verwundern, daß der 20.November 1917 einen tiefen Einbruch und die Chance zum entscheidenden Durchbruch nach sich zog. Die überragende Bedeutung, die das neue Schießverfahren der britischen Artillerie als Ausgangspunkt für die Ignoranz deutscher Stäbe beim Erkennen feindlicher Angriffsvorbereitungen hatte –und hierbei handelte es sich tatsächlich um echte „Überraschung“1735- sowie die offenbar immense psychische und physische Wirkung der eingesetzten Luftstreitkräfte, traten zugunsten eines „Masseneinsatz-Tankspektakels“ in den Hintergrund. Kritiker der Operation ließen keinen Zweifel daran, daß das Tank Corps den Sieg errungen hatte1736. Sie boten und bieten Lesern bis heute Beispiele für heroische Taten der Tankbesatzungen, wobei Elles’ persönliches Engagement stellvertretend genannt sei. Präsentiert wird das Bild einer hervorragend verlaufenden Unternehmung, solange wie sich die Tanks im Einsatz befanden. Der teilweise heldenhafte Widerstand des Feindes wäre vergeblich gewesen, wenn doch die britische Kavallerie gekommen wäre und der Haigsche beziehungsweise Byngsche Plan Reserven vorgesehen hätte. Selbst die Verlust- und Ausfallzahlen des Tank Corps fielen bei der zeitgenössischen Aufarbeitung des Geschehens augenscheinlich genauso in den Schlagschatten des außer durch Tanks nicht zu erklärenden Erreichten, wie sie in der Analyse durch Historiker als eher unbedeutend oder gar als akzeptabel deklariert wurden1737. Daher auch die schwerwiegende Schuld Harpers, der sich einer fatalen Tanktaktik hingab und zusammen mit der tatenlosen Kavallerie den Tageserfolg erst riskieren konnte. Und selbst dort, wo hinsichtlich der Einschränkung dieses Bildes geradezu auf einer richtigen Fährte, nämlich auch beim Feind, gesucht wurde1738, gelangte man zu pointiert und zu singulär beispielsweise bei der Person des Kommandeurs der deutschen 54.ID oder bei Major Krebs an. Diesen konnte zumindest eine lokal gegebene Effizienz der deutschen Gegenwehr attestiert werden, während die Meriten des Tank Corps unangetastet blieben1739. Tatsächlich waren am 20.November, eben in jenem Kampf vollends eindeutiger Kräfteverhältnisse, 65 Tanks durch direkte Treffer der deutschen Artillerie verlorengegangen1740. Alleine 49 reklamierte das in der Tankabwehr erfahrene und ausgebildete FAR 108 der 54.ID Watters für sich1741, was je Geschütz im Sollbestand des Regiments 1,36 Abschüsse bedeutet haben könnte, falls die Abschußangaben ein einziges Mal gestimmt haben. Falls dieselben nicht stimmten, wie so oft, blieben die 65 Abschüsse. Und ihre Urheber verteilen sich in diesem Fall maßgeblich auch auf Angehörige des FAR 213, welches an der Ostfront eingesetzt und, wie das RFAR 9 und das höchstens zweitklassige FAR 282, niemals zuvor Tankangriffen ausgesetzt gewesen war. Der Erfolg der deutschen Feldartillerie gegen die Tanks scheint demgemäß auch nicht primär mit der Frage nach besonderer Abwehrschulung verbunden gewesen zu sein, wie man an früheren Einsätzen mit erstem Kontakt zwischen Artillerie und Tanks schon sehen konnte, sondern funktionierte ad hoc und ohne Rücksichten auf britische Infanterie, welche die Tanks nun in diesem oder jenem Abstand oder gar nicht begleitete1742. Zusammen mit dem Geschehen an den Folgetagen, namentlich den hohen Fahrzeugverlusten beim Kampf um Ortschaften, mußten die Verluste ein deutlicher und in der Praxis1743 erbrachter Beleg dafür sein, daß der Mark IV alles andere als sicher gegen Beschuß war und die Deutschen durchaus auf die Tankabwehr eingestellt waren.

Letzteres war für Fuller ein Aspekt, der unbedingte Beachtung verdiente, wenn in der Zukunft „der Erfolg auf einer gesünderen Grundlage als auf einem Glücksspiel aufgebaut sein sollte“1744 und veranlaßte ihn zum Verfassen einer Abhandlung über deutsche Tankabwehr-Taktik und einer weiteren zur besseren Koordination zwischen Infanterie und Tanks1745. Was den Mark IV betraf, so stellte er eine Enttäuschung auch insofern dar, als er die technischen und mechanischen Mängel seiner Vorgänger offenbar geerbt hatte. Zu den 65 abgeschossenen Wagen kamen allein am ersten Tag der Operation 71 mit Pannen aller Art und 43, die sich festgefahren hatten, was bei einem Mittelwert von rund 367 eingesetzten Tanks eine Ausfallquote von knapp 49% bedeutete1746. Damit war rund die Hälfte der Fahrzeuge nach dem ersten Einsatz zumindest vorrübergehend unbrauchbar, und für den Rest galt, daß sie und ihre Besatzungen dringend einer Ruhepause für Regeneration und Instandsetzung bedurften. Wegen der durch die Schwerpunktverschiebung vom Schelde-Kanal nach Bourlon am Abend des 20.November notwendigen Bewegungen sowie der befohlenen Weiterführung des Angriffs am Folgetag, blieb diese aus. Wie bei Einsätzen zuvor, war die Kampfkraft der Tankverbände und damit die Aussicht auf weitere Erfolge nach dem ersten Einsatz so weit verringert, daß Fuller am Nachmittag des ersten Tages der Schlacht die Sinnlosigkeit ihrer Fortsetzung feststellte1747.

Lösungsansätze für diese Probleme des Tank Corps lagen in zwei grundsätzlich altbekannten Bereichen, die auch an die Phantasie der Verantwortlichen und Vorgesetzten appellierten, Cambrai mit all seinen auch beim Tank Corps offensichtlichen Schwierigkeiten als Kostprobe für zukünftig mögliche gepanzerte Unternehmungen zu verstehen. Der eine Bereich umfaßte die Abstellung der erkannten Fahrzeugmängel durch einen neuen Standardtyp, den Mark V. Äußerlich insgesamt baugleich mit dem Mark IV, aber mit auf 14mm erhöhter Panzerung, einem 150PS-Motor und durch zahlreiche technische und mechanische Veränderungen wesentlich sicherer und zuverlässiger einzuschätzen1748, stand er als Nachfolger davor, in Serie produziert werden zu können. Ferner, und diese Erkenntnis dürfte sich aus den eigenen Erfahrungen mit fehlenden Reservetanks zum schnellen Einsatz über die ersten Stoßkräfte hinweg und den diesbezüglich offenkundigen Hoffnungen der Franzosen auf ihren FT-17 ergeben haben, stand mit dem kurz vor der Serienreife1749 stehenden 14 Tonnen-Fahrzeug Medium „A“, dem „Whippet“, ein Fahrzeug in Aussicht, das über eine deutlich gesteigerte Geschwindigkeit von 13km/h und einen auf 120km erhöhten Fahrbereich verfügte1750. Varianten der beiden neuen Grundtypen, die etwa als Transportfahrzeuge für Material, Soldaten und Geschütze über das Aufgabenspektrum des reinen Gefechtsfahrzeuges hinausgingen, waren bereits angedacht1751 und im Herbst 1917 partiell schon durch das Kriegsministerium bestellt worden. Verschiedenste Fertigungsschwierigkeiten, die nicht zuletzt aus der geringen Priorität des Tankbaus bei Rüstungsvorhaben resultierten, hatten die Umsetzung dieser Vorhaben in der für das Ansehen und die Zukunft des Tanks so kritischen Phase der Flandernschlacht allerdings nachhaltig gestört1752. Neben die Hoffnung auf bessere und typen- beziehungsweise einsatztechnisch diversifizierte Fahrzeuge trat als zweiter Lösungsansatz der Wunsch nach einem materiell und personell wesentlich vergrößerten Tank Corps, dessen Stärke sich nach einem Maximalentwurf Fullers auf neun Brigaden mit 27 Bataillonen und 1.450 Fahrzeugen, 2.827 Offizieren und 26.380 Mann belaufen sollte1753. Wie ambitioniert dieses Projekt war, zeigt sich vielleicht am ehesten daran, daß die Zahl der bei Cambrai beteiligten Angehörigen der bislang existenten drei Tank-Brigaden oder neun Tank-Bataillone bei 690 Offizieren und 3.500 Mann gelegen hatte1754.

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Das Klima, in dem die zukünftigen Vorhaben zwischen dem Ende der Kämpfe bei Cambrai und dem Beginn der deutschen Frühjahrsoffensive 1918 diskutiert wurden, war für die Befürworter1755 des Tanks auf den ersten Blick günstiger als jemals zuvor. Der Wert in großer Zahl eingesetzter Kampfwagen schien offenkundig belegt, wie auch ein Blick auf die Verbündeten, Franzosen1756 und Amerikaner1757, mit ihrerseits bereits in Angriff genommenen beziehungsweise projektierten Vorhaben zum Aufbau starker Tankkräfte unterstrich. Von einer mehr oder weniger schleichenden Auflösung der gepanzerten Einheiten durch „Verbrauch“ sprach nun niemand mehr, und der erste Teil der Operationen bei Cambrai hatte die in materieller und personeller Hinsicht wesentlich günstigere Option auf den Sieg durch gezielt und konzentriert eingesetzte, dem Feind überlegene Technik konzeptionell zumindest neben die zuvor verfolgten „normal tactical methods“ gestellt. Unterstützung konnten die Fürsprecher einer vor allem auf gepanzerter Schlagkraft basierenden, höchst technisierten Kriegführung in dieser Lage zudem in den Haig und den militär-theoretischen Traditionalisten gegenüber kritischen Kreisen finden, zu denen maßgeblich der Premier, Lloyd George, und der seit Juli 1917 amtierende „Munitions“- oder treffender Rüstungsminister, Churchill, gehörten. Letzterer fand sich, wie zu Beginn der Evolutionsgeschichte des britischen Tank1758, in einer Position wieder, die für die Zukunft des Tank Corps in rüstungstechnischer Hinsicht wesentlich war. Und er ließ in dieser Funktion keinen Zweifel daran, daß für ihn allein in der Technik und dabei, neben der Bedeutung von Flugzeugen, Maschinengewehren und dem Gaskrieg, besonders in seinem Ziehkind Tank der Schlüssel zum letztendlichen Sieg über den Feind zu erblicken sei:

„It is undoubtedly within our power to construct in very large numbers armoured vehicles of various types, some to fight, some to pursue, some to cut wire and trample trenches, some to carry forward men or machine-gun parties, or artillery, or supplies, to such an extent and on such a scale that 150,000 to 200,000 fighting men can be carried forward certainly and irresistibly on a broad front and to a depth of 8 to 10 miles in the course of a single day. The resources are available, the knowledge is available, the time is available, the result is certain: nothing is lacking except the will.”1759

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Der letzte Satz dieses Zitats aus einem der bisherigen Kriegführung beziehungsweise Haig persönlich gegenüber insgesamt kritischen Text spielte darauf an, daß es den Traditionalisten unter den Militärs nach Cambrai und unter dem Hinweis auf die Mängel des Tanks, wie sie sich zuletzt bei Flesquières und in einem auf Tankabwehr eingestellten Feind gezeigt hatten1760, nicht einfiel, sozusagen den „Diener“, die Unterstützungswaffe Tank, zum „Herrn“ über die althergebrachten Träger der Landkriegführung, die Infanterie, Kavallerie und Artillerie, zu machen und mit bisherigen Auffassungen über die Durchführung von Offensiven grundsätzlich zu brechen1761. Und dabei mußte verstärkend hinzukommen, daß sich die strategische Lage Ende 1917 grundlegend gewandelt hatte und den wie immer überaus ambitionierten Plänen Fullers oder den gleichsam auf den „mechanisierten Sieg“ gemünzten Visionen Churchills in der nächsten Zeit erheblichen Widerstand entgegenbringen mußte. Mit der Aussicht auf eine auf Kriegsentscheidung ausgerichtete deutsche Offensive im Frühjahr 1918 hatte sich die Rollenverteilung zwischen Angreifer und Verteidiger an der Westfront grundlegend verändert. Und statt Fragen nach Konzeption und Hauptträgern eigener Offensiven war für den Moment die Stärke und die Stärkung der Abwehrkraft des britischen Heeres von alles entscheidender Bedeutung. Angesichts des von Churchill Anfang Dezember 1917 selbst festgestellten Personaldefizits von 645.000 Mann bei den britischen Streitkräften1762, konnte für die Multiplikation des Personals eines um etliche Brigaden zu vergrößernden Tank Corps vorerst kein Spielraum gegeben sein1763. Seine oben zitierten Ausführungen bezogen sich dementsprechend auf einen späteren Zeitpunkt, nämlich das Jahr 1919, auf das alle Anstrengungen zur Stärkung der technischen Waffen hin ausgerichtet werden sollten. Für den Augenblick blieb die Möglichkeit, nach Kräften auf diesen Zeitpunkt hinzuarbeiten und dem Tank Corps zumindest rüstungstechnisch eine höhere Priorität zu geben, welche die stückweise Vermehrung und Modernisierung des Materials bis auf die von Fuller vorgestellte maximale Organisationsform zu 27 Bataillonen 1919 sowie die personelle Aufstockung bis auf die seit Frühjahr 1917 zugesagten 18 Bataillone noch 1918 erlaubte1764. Bis zur Umsetzung dieses Vorhabens wurden die Tanks in die Defensive eingebunden und teils an den vom erwarteten deutschen Angriff bedrohten Abschnitten als Eingreiftruppe bereitgestellt, um gegebenenfalls wie bei Gouzeaucourt am 30.November 1917 im Gegenstoß eingesetzt werden zu können, teils als Heeresreserve zurückbehalten1765.

9.6.2 Deutsche Perspektiven und Reaktionen.

Als am frühen Morgen des 20.November die ersten Meldungen über Einbrüche in die Siegfried-Stellung bei der Gruppe Caudry die OHL erreichten, zeigte sich Ludendorff durchaus verärgert. Die Heeresgruppe Rupprecht habe sich, was insgesamt nachweisbar ist, zu intensiv mit den Vorgängen in Flandern befaßt1766, wohin auch ihr Stabschef, Kuhl, bezeichnender- oder besser peinlicherweise in diesem Moment mit einem Kraftwagen unterwegs war1767. Das Augenmerk gegenüber den verschiedentlich gemeldeten Truppenbewegungen des Feindes, so Ludendorffs Vorwurf gegenüber Kronprinz Rupprecht1768, war anscheinend gering gewesen. Angesichts der unklaren Lage war zuerst nicht deutlich, mit was man bei Cambrai konfrontiert war und welche Auswirkungen das Geschehen auf die Anfang November mit den höheren Führern der Westfront besprochene Offensive von 1918 und ihre Vorbereitung haben würde1769. Da die Heeresgruppe nichts genaueres sagen konnte und Kronprinz Rupprecht und Kuhl sich durch Ludendorffs Worte direkt mit dem schwerwiegenden Vorwurf des Versagens konfrontiert sahen1770, entstand ein gewisser Druck auf sie und, in der Fortsetzung der Befehlskette, auch auf alle untergeordneten Stäbe. Dieser Druck oder besser Zwang zur Erklärung und Rechtfertigung mehrte sich während des ersten Schlachttages, der sich als Desaster darstellte1771. Daß solche Desaster, so wie zuletzt jene kurz zuvor, bei Verdun und Malmaison1772, durch die OHL sanktioniert wurden und schwerwiegende Folgen für Offiziere in Spitzenverwendungen nach sich ziehen konnten1773, dürfte maßgeblich dazu beigetragen haben, daß die Gruppe Caudry am Morgen des 21.November den Faktor Überraschung neben die angeblich erstmals aufgetretenen und weder in Umfang, noch nach Einsatzweise näher definierten „Tankmassen“ stellte und versuchte, sich für das Geschehen zu rechtfertigen1774. Angeführt wurde, daß die Gruppe alles erdenkliche und den geltenden Vorschriften entsprechende getan habe, um den Abschnitt gegen Angriffe zu sichern, daß sie sogar auf die Gefangenenaussagen vom 18.November hin ganz kurzfristig noch spezielle Abwehrmaßnahmen ergriffen habe –die nicht näher benannt wurden und wohl nicht hätten benannt werden können- und die von ihr als „ausreichend“ bezeichnete -in Wahrheit aber minimale- Tiefengliederung allein durch die große Zahl an feindlichen Tanks überwunden worden sei. Eine sozusagen nach oben gerichtete Spitze, welche einen real maßgeblichen Mißstand, nämlich den nahezu vollständigen Ausfall der sonst so erfolgreichen Tank-Fernbekämpfung, auf die Schultern des verantwortlichen AOK 2 verlagerte, führte man in Form der geringen Artilleriekräfte im Abschnitt an. Außerdem, und dies ist ein weiterer, in der militärischen Hierarchie nach oben durchgereichter Vorwurf, nannte man als Grund für den britischen Erfolg den notgedrungenen Einsatz der kampfschwachen 20.LD in der Gruppenfront. Vorbeugend und möglichlicherweise vornehmlich auf eventuelle Opposition der 54.ID gegenüber dieser insgesamt durchaus interpoliert erscheinenden Darstellung gemünzt, wurde ferner angeführt, daß die 107.ID am 20.November zwar spät eintraf, sie das „Schicksal des Tages“ aber auch durch frühzeitigeren Einsatz nicht hätte abwenden können1775. Irgendeine Schuld beim Generalkommando ausmachen zu können, mußte auf Grundlage der bisherigen Meldungen also ein negatives Licht sowohl auf das AOK 2, als auch auf die Heeresgruppe werfen. Denn diese waren für die Stärke beziehungsweise Schwäche des Abschnittes gegenüber der OHL verantwortlich, hatten von den dortigen Zuständen gewußt und konnten ihrerseits nichts anführen, was den ja auch alle Stäbe angenehm entlastenden Überraschungsfaktor in Frage stellte, ohne sich selbst für Kritik Ludendorffs und etwaige Sanktionen angreifbar zu machen. Daß grundsätzlich die OHL selbst für diese Dinge verantwortlich war, von schwachen Abschnitten, der kritischen Ersatzlage, der notgedrungenen, weil kräfteabhängigen Nichteinhaltung der gültigen Abwehrvorschriften auf weiten Strecken der Westfront und den damit einhergehenden Risiken am besten hätte wissen müssen, spielte auch diesmal, bei Cambrai, keine Rolle1776. Niemand sah sich dazu veranlaßt, auf die strategische Verantwortung der OHL zu verweisen und sich dadurch persönlich zu exponieren.

Das AOK 2 überspielte die Frage nach Ursachen für den tiefen britischen Einbruch am 20.November dadurch, daß es sich ausschließlich der aktuellen Lage und den daraus zu ziehenden Erkenntnissen widmete. Am 23.November berichtete es über Erfahrungen mit der Tankabwehr bei Cambrai1777 und beachtenswert ist, daß mit diesen eben nicht die Grundlagen des Geschehens am ersten Tag der Schlacht, mögliche Führungsfehler oder die allgemeine Schwäche des Frontabschnitts Cambrai thematisiert wurde, sondern bereits das erfolgreiche Durchstehen weiterer Tankangriffe. Daß diese an den Folgetagen weit weniger heftig ausgefallen waren als zuvor, fand keine Erwähnung, und daß die OHL mit den eingereichten Erfahrungen vor allem positive Eindrücke der Tankabwehr durch die Infanterie erreichten, ohne die dem anfänglichen britischen Erfolg zugrundeliegenden Verhältnisse darzulegen, genierte nicht1778. Die Vernichtung der bei Fontaine und Bourlon am 23.November vorgegangenen Tanks durch mit Handgranaten kämpfende Infanterie1779 konnte als voller Abwehrerfolg präsentiert werden, ebenso die hervorragende Wirkung der K-Flak1780.

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Bei genauerer Betrachtung dieses Berichts, der zwar keine Unwahrheiten beinhaltet, aber doch halbe Wahrheiten und Schönfärbungen im Sinne der Vermeidung kritischer Fragen, dürfte auffallen, wie stark vom AOK 2 als Lehren aus den Kämpfen auch hervorgehoben wurde, was als Kern der Tankabwehr-Konzeption des Jahres 1917 längst hätte allgemein bekannt sein müssen. Darunter fiel beispielsweise die Forderung, daß die (Feld-)Artillerie dazu zu erziehen sei, die Tanks in direktem Richten anzugehen1781.

Die in der Rechtfertigung des 20.November sozusagen „offensiv ausweichende“ Armee wurde durch ihren Erfahrungsbericht nicht davor geschützt, schon am 24.November durch die Heeresgruppe direkt beschuldigt zu werden, Feindnachrichten falsch oder unzureichend interpretiert zu haben1782. Die Armee habe vor dem 20. gemeldet, daß größere Angriffe nicht zu erwarten seien, und daher sei der britische Angriff auch für die Heeresgruppe völlig überraschend gekommen. Daß dies nun nur zum Teil stimmte, nämlich insofern als die neuesten Aufklärungsberichte mit den Gefangenenaussagen seit dem 18.November und der Meldung über die Anwesenheit von Tanks schnellstens an die höheren Stäbe hätten weitergereicht werden müssen, was offenbar durch die Gruppe Caudry oder das AOK 2 unterblieben war, ist richtig. Genauso richtig ist aber auch, daß es die Heeresgruppe selbst gewesen war1783, die anscheinend ohne tiefergehende Kenntnis über die Vorgänge an einzelnen Frontabschnitten in ihren Lageberichten größere Feindangriffe parallel zum Ausklingen der Flandernschlacht unwahrscheinlich hatte erscheinen lassen1784. Sicher handelte es sich bei der Verfahrensweise mit der Lagebeurteilung, die in der auf dem Dienstweg hier sichtbaren Wirkungsweise von oben nach unten zutiefst merkwürdig und wenig sinnvoll erscheint1785, um ein wahrhaftes Kuriosum. Aber es war ein Zustand, der in der Situation Ende 1917 offensichtlich, wie etwa die Ausführungen des Kommandeurs der Gruppe Arras nahelegen, von zahlreichen untergeordneten Stäben hingenommen wurde1786. Die Heeresgruppe führte ebenfalls und ihrerseits vorbeugend beziehungsweise rechtfertigend an, daß die Stellungen vor Cambrai mit ihren Drahthindernissen, „die zum Teil eine Tiefe von über 100m hatten“, hervorragend ausgebaut gewesen seien, was einen Angriff des Feindes von mehr als örtlicher Bedeutung und vor allem ohne die bislang bekannte Artillerievorbereitung von sich aus unwahrscheinlich gemacht habe. Damit belegte man einerseits den der Heeresgruppe Rupprecht für 1917 zu attestierenden Glauben, daß eine bestimmte Breite von Gräben, die große Tiefe von Drahthindernissen und sonstige Mittel der passiven Tankabwehr Stellungen vor Bedrohungen schützen könnten1787, vernachlässigte gleichzeitig aber auch altbekannte Leitsätze, wie die grundsätzliche Forderung, sich nicht durch plötzliche (Tank-)Angriffe überraschen zu lassen und stets wachsam zu sein1788. Dem heutigen Betrachter dürfte der Bericht der Heeresgruppe deutlich vor Augen führen, wie sehr der Feind, mit der ihm durch das für 1917 universelle Defensivverhalten des deutschen Heeres gewährten Initiative und Handlungsfreiheit zur Gänze unterschätzt worden war und man sich bei der Beurteilung einer unklaren Lage auf die Stärke einer Stellung gestützt hatte, um deren strukturelle Schwächen und geringe Besatzung man seit Monaten wußte1789.

Auch von seiten der Heeresgruppe fehlte nicht eine kleine, aber sicher gerechtfertigte Spitze nach oben, die von dieser Position aus die OHL quasi als „Mitwisser“ dieser Zustände direkt betraf:

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„An Hauptkampffronten werden solche Tankangriffe angesichts der starken und tiefgegliederten Artillerie des Verteidigers wohl kaum Aussicht auf Erfolg haben.“1790

Damit widersprach die Heeresgruppe ganz wie nebenbei und letztendlich unbeachtet und unwidersprochen der schon von Arras her bekannten Wirkung von überraschenden Angriffen1791 und den im Heeresgruppenbereich erst kürzlich bekannt gewordenen Erfahrungen des AOK 7 aus den Kämpfen bei Malmaison. An diesem Hauptkampfabschnitt der Westfront hatte die Häufung besonderer Kampfmittel, darunter besonders auch der Tanks, die eigentliche Ursache einer schweren Niederlage dargestellt1792. Selbstredend war der Sektor Cambrai vor dem 20.November keine Hauptkampffront und natürlich auch, wie der Heeresgruppe und der OHL gleichermaßen bekannt sein mußte, nicht dementsprechend auf feindliche Großangriffe vorbereitet gewesen. Daß unzureichende Artillerie und zu lange Divisionsabschnitte für abgekämpfte Divisionen Ende 1917 zum Normalfall für die sehr zahlreichen „ruhigen“ Abschnitte geworden waren, wie sich drastisch und für den heutigen Betrachter geradezu plötzlich nach dem Ende der Kämpfe durch alarmierende Meldungen höchster Stäbe geäußert zeigte1793, war Ursache für die erschreckende Niederlage- viel mehr als irgendwelche Führungsfehler oder diverses Versagen der Führung. Ausdrücklich als Kritik an der OHL artikulierte die Heeresgruppe diese Auffassung nicht. Noch am Abend des 24.November reichte sie einen Bericht zu den Ursachen des Mißerfolges bei Cambrai nach, der die Krise des 20.Novemver abschließend und ziemlich gütlich hätte klären können und wohl auch sollen:

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„Wohl zur Ablenkung und zu dem Zwecke, sich einen günstigeren Abschluß [des Jahres 1917] zu schaffen, hat der Engländer nun einen überraschenden Angriff bei Cambrai geführt. Überraschung konnte ihm nur dadurch gelingen, daß er als neues Mittel zur Überwindung unserer dort besonders starken Stellungen außerordentlich zahlreiche Tankformationen einsetzte. Allein dadurch war es ihm möglich, daß an der Front keinerlei bestimmte Angriffszeichen erkannt werden konnten.“1794

Auf deutscher Seite konnte es nach Darstellung der Heeresgruppe also weder eine zu attestierende Schuld, noch klar zu benennende Schuldige geben. Selbst die „besonders starken Stellungen“ und mit ihnen alle Mittel der passiven Tankabwehr, die man in Form von Tankfallen als vor Ort gegeben suggerierte, hätten die Tanks nicht aufhalten können1795, woraus sich insgesamt die Gefahr ergebe, daß britische und französische „Überraschungsangriffe mit Tanks demnächst auch an anderen Stellen“ denkbar seien1796. In den weiteren Ausführungen folgte man im übrigen dem mit dem Bericht des AOK 2 eingeschlagenen Weg und vermied jeden direkten Bezug auf die Verhältnisse am 20.November. Die formelle Konzeption der Tankabwehr durch die geltenden Vorschriften habe sich bewährt1797, ebenso die allerdings nur in geringer Zahl vorhandene SmK-Munition1798. Besondere Wirkung hätten die K-Flak erzielt1799. Der Infanterie sei es geradezu mustergültig gelungen, gegenüber durchgebrochenen Tanks dadurch zu bestehen, daß man sie durchgelassen und von der folgenden britischen Infanterie getrennt habe1800. Durch Frontoffiziere, namentlich den Kampftruppenkommandeur des I./IR 58 (119.ID) und einen Geschützführer der K-Flak, sei ausgesagt worden, daß „die Tankpanik überwunden sei, da sich die [Abwehr-] Mittel bewährt haben“1801.

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Wie man an der ersten, direkt auf die Erfahrungen mit der Tankabwehr bei Cambrai bezogenen Verlautbarung der OHL an die höchsten Führungsstäbe der West- und Ostfront vom 24.November 1917 sehen kann1802, nahm sie die Ausflüchte und das Ausweichen der untergeordneten Stäbe hinsichtlich der Grundlagen des überraschenden britischen Angriffs insofern an, als daß erstaunlicherweise und ausnahmsweise keine (weiteren) unmittelbaren Anschuldigungen erhoben wurden. Ludendorff ließ es sich aber andererseits auch nicht nehmen, verschiedene Punkte anzusprechen, die sich als eine Art Mängelliste für die erste Zeit der Tankabwehr bei Cambrai ausnehmen. So wurde etwa ausdrücklich auf die Bedeutsamkeit der Feindaufklärung und der Sorgfalt bei allen Tankabwehr-Dispositionen hingewiesen:

„Die Tanks sind ein nicht zu unterschätzendes Kampfmittel. Tankangriffe sind aber hauptsächlich durch Ueberraschung wirksam. Bei rechtzeitigem Erkennen und genügender Sorgfalt der Vorbereitungen sind die Abwehrmittel ausreichend, um feindliche Erfolge auch bei Masseneinsatz von Tanks zu vereiteln.“1803

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Dies implizierte zumindest mittelbar eine scharfe Rüge im Sinne des vorher schon gegenüber Kronprinz Rupprecht formulierten Vorwurfs der Unaufmerksamkeit gegenüber potentiellen Bedrohungen. Die Kritik richtete sich aber durchaus nicht nur gegen die Heeresgruppe, sondern ganz besonders gegen die lokale, untergeordnete Führung bei Cambrai. Anlaß zu letzterem dürfte unter anderem, bei dem man ein Muster in Ludendorffs Herangehensweise bei der Fehlersuche in den Reihen der unteren Führung und Truppe zu erkennen glauben kann1804, der Eindruck gewesen sein, der durch die vorherigen Äußerungen des AOK 2 und der Heeresgruppe erweckt worden war. Wenn die frisch ins Gefecht geworfene Infanterie nach dem ersten Schlachttag mit den Tanks fertig geworden war, und zwar im Nahkampf, mittels taktischen Ausweichens, ihrer SmK-Munition, Handgranaten und einer Handvoll K-Flak, so mußte zuvor definitiv und sehr vielseitig versagt worden sein1805. Dementsprechend, und im Gegensatz zur Äußerung der Heeresgruppe gegenüber der Nutzlosigkeit der passiven Tankabwehr, wies die OHL an, Frontabschnitte verschärft auf die geländetechnischen Möglichkeiten von Tankangriffen hin zu überprüfen und gegebenenfalls durch Barrikaden und Tankfallen zu sichern1806. Der Einbau versteckter Feldartillerie- und Infanterie-Geschütze1807, deren Aufgabe in der Nähe der vordersten Infanterielinie so definiert wurde, wie zuvor einmal bei den Nahkampfbatterien1808, sowie die Einbindung der leichten Minenwerfer -mit neuartigen Flachbahnlafetten1809- in die Tankabwehr sollte auch an ruhigen Fronten durchgeführt werden. Vor allem auf die Ausbildung der Artillerie in der Tankbekämpfung sollte Wert gelegt werden und ferner, vielleicht der bedeutendste Punkt und indirekt der schwerwiegendste Vorwurf gegenüber der Truppenführung am 20.November, wurde darauf verwiesen, daß es die Grundlage jeden Erfolges der Tankabwehr sei, die eigene Truppe „fest in der Hand zu halten“1810. Zu diesem Zeitpunkt noch in ziemlicher Unkenntnis des Geschehens am ersten Tag der Schlacht1811 und der tatsächlichen Abwehrleistungen der 54.ID, 9.RD und 20.LD1812 wurde also seitens der OHL angenommen, daß genau dies nicht der Fall und damit die fehlende Kampfbereitschaft der Truppe die eigentliche Ursache der schweren Krise gewesen war.

Ungeachtet auch späterer Aussagen und Meldungen aus dem Bereich der Gruppe Caudry, ungeachtet der Belohnung der 54.ID mit zwei Orden Pour le Mérite (s.u.) oder der großen Anzahl abgeschossener Tanks vom ersten Tag der Schlacht, fand diese Auffassung Eingang in Ludendorffs Kriegserinnerungen von 1919, in denen er davon sprach, daß sich die Stellungstruppen hatten überrennen lassen1813. Untermauert wurde der augenscheinliche Unterschied zwischen den Gefechtsleistungen am 20. November und den darauffolgenden Tagen dadurch, daß Einheiten, denen nicht nur heute und hinsichtlich ihres Selbstverständnisses Elitecharakter unterstellt werden kann, nämlich Teile der preußischen Garde, Berichte herausbrachten, die in ihren Aussagen eindeutig waren und Ludendorffs Sichtweisen auf die Möglichkeiten der deutschen Tankabwehr bis zum Ende seiner Tätigkeit als Generalquartiermeister bestimmen würden1814. Das „Regiment Brederlow“ beschrieb plastisch die Effizienz des Ausweichens der Infanterie gegenüber den Tanks und deren tragisches Ende vor den Rohren der herangaloppierenden Feldartillerie hinter der eigenen Linie1815. Der Bericht schloß mit den Worten:

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„Die Truppe ist zwar angestrengt, aber in vorzüglicher Stimmung; die Überlegenheit über den englischen Gegner ist ihr erneut bewußt, die Tankgefahr als leicht überwindbar vor Augen getreten, sobald die Infanterie ihren Zusammenhalt behält und die Artillerie sie rechtzeitig unterstützt.“1816

Denselben Tenor beinhaltete die Meldung der 3.GID zu den Kämpfen, in denen Soldaten des Garde-Füsilier-Regiments –zweifellos im Sinne eines nicht zu übersehenden Beispiels für die Qualität der Truppe angeführt- sogar auf die Tanks geklettert waren und man insgesamt 20 Stück im Nahkampf „erledigt“ habe1817. Das Fazit der 3.GID lautete:

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„Die Division sieht in den Tanks keine Waffe, die bei sachgemäßem Verhalten der Infanterie pp. einen durchschlagenden Erfolg, wie vom Gegner erhofft, haben kann. Für jeden Angehörigen der Division ist die anfänglich bestehende Wirkung der Tanks geschwunden.“1818

Zu derartigen Verlautbarungen kamen in den nächsten Tagen noch zahlreiche weitere, die diese Eindrücke insgesamt und auch für Teile der Linieninfanterie bestätigten. Die 119.ID wies in ihrem Bericht auf die Wirkungsweise des energisch geführten infanteristischen Gegenstoß hin, der es am 23.November zumindest mit ermöglicht hatte, 20 Tanks zu zerstören1819. Die Gruppen Caudry und Arras führten Erfolge mit SmK-Munition1820 beziehungsweise der agilen K-Flak an1821 und die Gruppe Busigny bereicherte das Bild aus der eigentlichen „Tankschlacht“ durch die Hervorhebung des mustergültigen Einsatzes beweglicher Feldartillerie im Angriff am 30.November bei Gouzeaucourt, wo sechs von 10 angreifenden Tanks mit normaler Munition abgeschossen worden sein sollen1822.

Die Schlußfolgerungen der OHL aus der Schlacht von Cambrai mußten demzufolge derart ausfallen, daß die geltenden Einsatzgrundsätze für die Abwehrschlacht, sofern sie berücksichtigt wurden, die vorhandenen Tankabwehr- und Kampfmittelmittel aller Art, falls die Führung vor Ort sie zweckmäßig einsetzte, und die Leistungsfähigkeit der Truppe, wenn sie taktisch und disziplinarisch richtig geführt wurde, vollends ausreichten, um auch überraschendste Feindangriffe abwehren und gegen Tank- und Infanteriemassen erfolgreich bestehen zu können. Daß der Tank ein gefährliches Kriegsmittel darstellte, hatte sich wieder einmal unter Beweis gestellt. Doch selbst dort, wo multiples Versagen der lokalen und übergeordneten Führung oder die eng begrenzten militärischen Ressourcen des deutschen Heeres einen feindlichen Anfangserfolg ermöglichten, waren unter personell geschwächten und erschöpften Truppen, die von überall her mehr oder weniger wahllos ins Gefecht geworfen wurden, ausreichende Kräfte vorhanden, die dem Angreifer mit der im Endergebnis gewohnten Höchstleistung den Sieg verwehrten. Das schien damals für die OHL eine Tatsache zu sein, und man wird auch heute nicht umhin kommen, sie als Summe der bis hierhin festgehaltenen Grundlagen als solche zu akzeptieren. Den massiven, heeresinternen Einschränkungen, denen dieses Bild noch vor der Jahreswende unterworfen war, darunter etwa die immer deutlicher werdende Kriegsmüdigkeit1823 und der immense Verschleiß der Truppe1824, die noch im Dezember „öfter zu Klagen“ gegenüber der OHL führten1825, waren demgegenüber und mit der Aussicht auf mehrere Wochen Ruhe und Ausbildung für die Verbände anscheinend nur von peripherer Bedeutung. Da nach dem offensichtlichen Ausklingen der britischen Angriffsoperationen bei Cambrai die Vorbereitung der kriegsentscheidenden deutschen Offensive des kommenden Frühjahrs im Zentrum des Interesses stand1826, waren Planung, Durchführung und Auswertung des Gegenangriffs ab dem 30.November 1917 für die OHL deutlich von größerem Interesse1827, als es irgendwelche, sozusagen rückwärtsgewandten Diskussionen über Belange der „Abwehrschlacht“ überhaupt noch sein konnten1828. Und unter diese Belange der Abwehr im Stellungskrieg fiel selbstverständlich auch die Bekämpfung der Angriffswaffe Tank. Die wohl zumindest noch von der Gruppe Caudry Anfang Dezember 1917 erwartete Sanktionierung der ihr möglicherweise zu unterstellenden und tatsächlichen Fehler aus der Tankschlacht unterblieb demgemäß letztendlich, und die OHL ließ die Angelegenheit fast gänzlich auf sich beruhen.

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Das galt bezeichnenderweise nicht für Fehler die im Zusammenhang mit der Angriffsschlacht bei Cambrai ausgemacht wurden. So kam es am 7.Februar 1918 zur Absetzung des Kommandeurs der Gruppe Arras, der, wie er in seinen Erinnerungen zum Ausdruck brachte, wenigstens für das AOK 2 einen ungeliebten Untergebenen dargestellt haben muß1829 und dem man wegen der geringen Durchschlagskraft seiner Gruppe im Gegenangriff ab dem 30.November, ganz in der bekannten und wenig stichhaltigen Art und Weise persönliches Versagen ankreiden konnte1830.

Diese Entwicklung und dieses Verhalten der OHL ist, mit ihrer Ausrichtung auf die deutsche Frühjahrsoffensive und den mit ihr verbundenen, vom Charakter der Kämpfe an der Westfront seit Ende 1914 abweichenden Kampfformen sowie darauf bezogenen, unter Gesichtspunkten neuerer Erfahrungen wieder aktuellen Anforderungen des Bewegungskrieges, verständlich. Es wird allerdings dadurch konterkariert, daß noch Ende November 1917 Berichte auftauchten, die der Führung genausowenig schmeichelten, wie sie die zuvor formulierten und den ganzen Sachverhalt quasi „abschließenden“ Erkenntnisse aus der Tankabwehr bei Cambrai unangetastet ließen. Vom RIR 19 der 9.RD, die zu dieser Zeit noch immer der Gruppe Caudry angehörte, wurde am 27. ein Bericht an das Gruppenkommando weitergeleitet, der mit Kritik nicht sparte1831. Das Regiment führte aus, daß Tanks, von denen man am 20.November 40 vor dem Abschnitt gehabt hatte, durch ausreichende Artillerie zwar generell abzuwehren gewesen wären, „dieser Fall aber nicht vorlag“ und man daher keinerlei Aussicht auf Erfolg gehabt habe1832. Wegen der Wirkung der SmK-Munition gab es beim Regiment zudem erhebliche Zweifel1833. Und schließlich wurde als einzig zielführendes Mittel gegen das Bewußtsein innerhalb einer „sonst wohlbewährten Truppe“, den Tanks völlig hilflos ausgeliefert zu sein, gefordert, die Infanterie unbedingt mit einer Waffe auszurüsten, „mit der sie jederzeit den Kampf gegen die Tanks auch dann aufnehmen kann, wenn sie vollständig auf sich selbst angewiesen ist“1834. Diese Forderung deckte sich interessanterweise mit einer früheren der Heeresgruppe Rupprecht, welche die OHL während der Flandernschlacht vergeblich aufgefordert hatte, der Infanterie eine eigene Tankabwehrwaffe zu verschaffen1835. Ob das RIR 19 mit seinen Ansichten überhaupt über die Ebene des vorgesetzten Generalkommandos hinauskam, ist fraglich. In die Akte der Gruppe Caudry zur Tankschlacht1836, die mit ihrem Charakter als Rechtfertigungs- und Entlastungsschrift sonst nicht auf eventuelle Kritikpunkte an der übergeordneten Führung verzichtete, fanden sie jedenfalls genausowenig Eingang wie sie in den vom Verfasser eingesehenen Archivalien der Heeresgruppe nachweisbar sind. Selbst wenn man annimmt, daß der Bericht des Regiments die höheren Stäbe erreichte, mußten seine waffentechnischen Inhalte nach einer Besichtigung von Tankwracks bei Bourlon durch den Maschinengewehr-Offizier des AOK 2 am 10.Dezember haltlos erscheinen. Aufgrund der festgestellten „Einbeulungen, Steckschüsse und Durchschläge“ befahl die Armee noch am selben Tag, daß jedes Maschinengewehr 08 mit vier Gurten (1.200 Schuß) und jedes leichte Maschinengewehr 08/15 mit einem Gurt (300 Schuß) SmK-Munition auszustatten sei1837. Bei dieser Forderung des AOK 2 handelt es sich um den scheinbar ersten Fall einer genaueren Bestimmung des Anteils an Stahlkernmunition für Maschinengewehre überhaupt. Ein Umstand, der für den heutigen Betrachter, und so auch durch die –damals wie heute- noch immer im Dunklen liegenden Zahlen für Sollbestände an Panzerkopfgranaten für die Feldartillerie1838 angezeigt, äußerst merkwürdig erscheinen muß.

Vorhandene Zweifel an der Effizienz der SmK-Munition wurden in der letzten Verlautbarung der OHL zu Tankabwehrfragen vor der Frühjahrsoffensive vom 21.Dezember 1917 beiseite geräumt1839. Nach Tests der 119.ID mit Beutefahrzeugen wurde die absolut vernichtende Wirkung auf das Fahrzeugdach geworfener geballter Ladungen, drei zusammengebundenen Handgranaten, die aus nächster Nähe zum Ziel von „kühnen, geschickten Werfern“ zu plazieren waren1840, die hervorragende Durchschlagskraft behelfsmäßig zum Flachbahnbeschuß umgebauter leichter Minenwerfer1841 sowie die Durchschlagleistung der durch britische Gefangenenaussagen als „gefährliche und zu fürchtende Waffe“ bestätigten SmK-Patronen festgestellt1842. Daß der vollends positive und über jedes nachvollziehbare Maß einer zumindest nach heutigem Verständnis laienhaften Versuchsreihe1843 hinaus sogar mit Allgemeingültigkeit belegte Gesamteindruck1844 schon deshalb in die falsche Richtung deuten mußte, weil es sich lediglich um Fallbeispiele für absoluten Nahkampf auf geringste Distanzen, 10-50m bei der Stahlkernmunition und gerade einmal 10-20 Schritt (!) bei den Handgranaten, handelte1845, wurde wie bei vielem vielfach zuvor offensichtlich als irrelevant erachtet. Schließlich wurde die Verbreitung der Ergebnisse nicht mehr nur dem kleinen Rahmen zwischen einem RIR 19, einer 9.RD oder ihrer Gruppe Caudry überlassen, sondern die OHL selbst veröffentlichte sie.

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Dieselbe Irrelevanz galt grundsätzlich auch für den Bericht der 54.ID vom 28.November 19171846, wenngleich er über die Heeresgruppe Herzog Albrecht, wohin die Trümmer der Division zur Ausfrischung gesandt worden waren, wenigstens relative Verbreitung fand1847. Der Divisionskommandeur, Oskar Freiherr von Watter, hatte wohl allen Grund dazu, dem Gruppenkommando, das ihm und seiner Division mit der Nichterwähnung ihrer Leistungen sowie der „Unterstellungslüge“ bezüglich der 107.ID1848 mehr als nur ein Unrecht angetan hatte, einen schweren Schlag durch die Offenlegung der Verhältnisse am ersten Tag der Schlacht zu versetzen. Es zirkulierten im Führungsbereich des AOK 2 auch bereits Dokumente, welche seiner Division eklatante ausbildungstechnische Mängel, fehlende „innere Stärke“ und zu geringe Leistungsbereitschaft unterstellten1849. Außerdem wies die Gesamtrichtung der Verlautbarungen zur Tankschlacht bei Cambrai durch das AOK 2, die Heeresgruppe Rupprecht und, vor allen anderen, der OHL grundsätzlich noch darauf hin, daß die Verantwortung für etwas, das als Niederlage oder Folge von Versagen angesehen wurde, in den unteren Rängen zu suchen sei und persönliche Konsequenzen noch immer in Aussicht stehen konnten. Fakt blieb zumal, daß zu jeder Überraschung auch Überraschte gehörten. Diesem Punkt trat Watter in zweierlei Hinsicht energisch entgegen. Einmal in der Weise, daß er die erfolgreichen Verschleierungsmaßnahmen des Feindes vor der Offensive sowie das maßgeblich auf fehlendem Einschießen beruhende, tatsächlich neuartige Angriffsverfahren darlegte und dann, daß er selbst –man ergänze: er persönlich, nicht das Generalkommando- aufgrund der vorhandenen Eindrücke und Informationen aus Gefangenenaussagen für seine Division am Morgen des 20.November Gefechtsbereitschaft befohlen hatte1850. Trotz zahlreicher und ärgster Mängel und Defizite, welche allesamt zu Lasten der übergeordneten Führung gingen und zu schwache und mit zu wenig Munition ausgestattete Artillerie1851, die schlecht ausgebauten rückwärtigen Stellungen1852, das völlige Versagen bei der Zufuhr von Infanterie-Munition und besonders SmK-Patronen1853, die offenbar geringe Wirkung der Stahlkernmunition gegen die Tanks1854 und maßgeblich auch das „verspätete“ Eintreffen der 107.ID1855 umfaßten, hatte die Division aus seiner Auffassung heraus glänzend gefochten. Die Infanterie hatte sich mit aller Macht bis zum Äußersten gewehrt, war vor den Kampfwagen ausgewichen und hatte ihre Überlegenheit über die britische Infanterie in „glänzendem Lichte gezeigt“1856. Allein vor dem Gefechtsstand von Major Krebs hätten 15 zusammengeschossene Tanks gelegen1857, und Grund dafür war in erster Linie, daß die Divisionsartillerie „schon aus früheren Kämpfen und durch monatelange Ausbildung besonders gut“ auf die Bekämpfung von Tanks vorbereitet worden sei1858. Vorwürfe gegen den Divisionskommandeur oder seinen Verband mußten aufgrund dieser Feststellungen, wie in den vorherigen Abschnitten auch schon gezeigt wurde, durchaus zurecht, infamen Charakter haben. Der schwerste Hieb aus der Parade Watters gegen die Diskreditierung seiner Division und Person heraus lag in den Ausführungen zur Bedeutung der 107.ID und deren Einsatzes durch die Gruppe Caudry:

„Wäre die Infanterie der Eingreifdivision rechtzeitig und nicht erst nach Stunden an den zugewiesenen Stelle gewesen, wäre es nach Ansicht aller Überlebenden möglich gewesen [1859], den eingedrungenen Feind zurückzuwerfen und die abgeschnittenen Truppen herauszuhauen. Es kann nicht genug betont werden daß Eingreif-Divisionen nur Zweck haben, wenn sie mit ihrer Infanterie und Artillerie dicht hinter den eigenen Truppen stehen. In diesem Falle war eine eigentliche Eingreif-Division nicht vorhanden; die 107.I.D. wurde dies erst im Verlauf des 20.11. und war nur herangezogen um die 20.Ldw.Div. als Stellungs-Division abzulösen.“1860

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Explizit klagte Watter die Gruppe Caudry nicht wegen des „Mißverständnisses“ über die Unterstellung der 107.ID an, doch handelte sich auch so um Vorwürfe schwerster Art, deren Kern, mit dem falschen Einsatz einer Eingreifdivision, schon bei Arras zu härtestem Durchgreifen geführt hatte und wenigstens für den heutigen Beobachter auch jetzt doch wieder heftigste Reaktionen der OHL erwarten ließ. Wie oben bereits angemerkt, blieben diese aus und niemand wurde gezwungen, seinen Posten wegen der katastrophalen Ausgangslage, den eklatanten Kommunikationsproblemen auf allen Ebenen, verwegenen Lageeinschätzungen oder unangemessenen Entscheidungen aller Art zu räumen.

Die Schulddebatte wegen des ersten Schlachttages fand ein bis zum Kriegsende vorläufiges und zutiefst eigenartiges Ende mit der Verleihung des Ordens Pour le Mérite an Stappf, Krebs und Oskar Freiherr von Watter am 23.Dezember. Man kann die beiden Orden für die 54.ID als allerhöchste Anerkennung auffassen, die im Fall Krebs mit dem Charakter als Auszeichnung für persönliche Tapferkeit für die Fragen der vorliegenden Arbeit vollends unverfänglich ist. Die Verleihungsbegründung für Watter, der für den Orden vom Kommandeur der Gruppe Caudry erstaunlicherweise selbst vorgeschlagen wurde, beinhaltete dagegen ausdrücklich die Würdigung seiner Leistungen als Divisionskommandeur und den Umstand, daß er mit seiner Division den Ausschlag zum Scheitern des britischen Angriffs gegeben hatte1861. Konterkariert wird dadurch nicht nur die oben angeführte und in den Archivalien nachweisbare, taktisch-konzeptionelle Irrelevanz der Inhalte seines Berichts vom 28.November 1917 in der Diskussion um die Tankabwehr bei Cambrai und der ihr unterstellten Unzulänglichkeiten, sondern auch Ludendorffs spätere Aussagen in seinen Kriegserinnerungen, nach denen es die 107.ID war, die den Tag und die deutschen Linien rettete, nachdem die Stellungstruppen und damit primär die 54.ID überrannt worden waren beziehungsweise sich hatten überrennen lassen1862. Und diese Aussage machte nicht nur in der Zwischenkriegszeit Eindruck und führte zu Rehabilitationsbestrebungen, die dann im Krüger-Denkmal ihren Kulminationspunkt fanden1863, sondern scheint schon -und trotz der Orden Pour le Mérite für Watter und Krebs- um die Jahreswende 1917/18 so verbreitet gewesen zu sein, daß sich ein anonymer Schreiber aus dem Bereich der 9.RD, die mit dem RIR 19 ebenfalls von den generalisierenden Anschuldigungen betroffen war, dazu berufen fühlte, der Gruppe Caudry einen für die 54.ID sehr positiven, für das Generalkommando aber scheinbar wenig schmeichelhaften Bericht über die Vorgänge am 20.November zukommen zu lassen. Hierauf reagierte der Gruppenkommandeur, Theodor Freiherr von Watter, persönlich und mit großer Schärfe1864. Er untersagte die Weitergabe des Schriftstückes, das offenbar die 54.ID als Bollwerk und Entscheidungsfaktor bei der Abwehr der Briten dargestellt hat, und witterte wohl -vor dem Hintergrund einer noch immer möglichen Abstrafung durch die OHL- so etwas wie Verrat aus den eigenen Reihen, als er auf den für ihn bemerkenswerten Umstand hinwies, daß der Verfasser seine an sich genaue aber nach Meinung des Kommandierenden Generals natürlich völlig falsche Darstellung mit internen Papieren und Quellen belegt hatte, die nicht jedermann zugänglich sein konnten. Der Bericht der 9.RD verschwand in einer Schublade oder sonstwo, jedenfalls spielte er keine Rolle mehr.

Daß aus den Erfahrungen der Tankschlacht bei Cambrai, deren Aufarbeitung den bis hierhin aufgezeigten Einschränkungen durch irreführende, zurückgehaltene oder zu positivistisch-einseitige Verlautbarungen unterlag, überhaupt etwas herauskommen konnte, daß die deutsche Tankabwehr konzeptionell voranbringen konnte, scheint an sich schwer denkbar zu sein. Doch tatsächlich sind selbst diejenigen Weisungen und Befehle, die im Kern nichts als die Rekapitulation längst schon veröffentlichter Erfahrungen bedeuteten1865, durchaus positiv zu sehen. Schließlich dürfte, außer bei den noch immer wenigen Kampfverbänden, die, wie die 54.ID, zuvor schon mit Tanks direkt in Berührung gekommen waren und in deren Reihen man aufgrund persönlicher Erfahrung und Eindrücke wußte, wie gefährlich das neue Kriegsgerät gegebenenfalls sein konnte1866, kaum ein anderes Bild von dem neuen Kriegsmittel der Gegner vorhanden gewesen sein, als das, was sich vielleicht für einen neugierigen Offizier eines Stabes aus dem Papierberg an Berichten verschiedenster Stäbe -und über die generelle Aussage der geringen Wirkung von Tanks hinaus- ergeben konnte. Diese Umstände, der Papierberg, der durch die bei nicht wenigen Divisionen oft wechselnden Unterstellungsverhältnisse zwangsläufig zustandekommen mußte, weil die Vorgesetzten gerne und viel schrieben oder dazu auch aufgefordert waren, sowie ein geringer Realitätsgehalt des Schriftgutes zu einem Sachverhalt, den man selbst nicht einmal im Ansatz anhand eigener Erfahrungen einschätzen konnte, war tatsächlich ein genereller Mißstand1867, der auch bei Cambrai deutlich zutage trat. General von der Marwitz ließ in diesem Zusammenhang ziemlich verärgert verlautbaren, daß ihm persönlich am 23.November 1917 Vertreter einer –von ihm bedauerlicherweise nicht näher spezifizierten- neu bei Cambrai eingesetzten Division begegnet seien, die nicht einmal theoretisch über Tankbekämpfungsmöglichkeiten orientiert gewesen waren1868.

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Die Wiederholung altbekannter Grundsätze konnte dementsprechend dazu dienen, sie wieder in Erinnerung zu rufen und auf ihre stärkere Berücksichtigung zu drängen1869. Die Notwendigkeit dazu wurde von einigen Stäben noch im Dezember 1917 zum Anlaß genommen, nach Lehrmaterial und aktuellen Informationen zu den Grundlagen der Tankabwehr zu fragen1870, oder für den eigenen Führungsbereich Merkblätter herauszugeben1871. Das Informationsblatt des AOK 21872, das in 7.000 Exemplaren und von der Heeresgruppe Rupprecht autorisiert ausgegeben werden sollte1873, basierte vornehmlich auf der Arbeit des Chefs der Feldkraftfahrtruppen bei der 2.Armee, Borchert1874, und zeigte anhand klarer und leicht verständlicher Skizzen des britischen männlichen und weiblichen Tanks die besten Wirkungsbereiche für SmK-Munition, Handgranaten und leichte Minenwerfer. Die simple und informative Machart des Blattes, das auch ohne umfangreiche Ausführungen seinen Zweck erfüllen konnte, gefiel augenscheinlich auch der OHL, die drei Monate später eine ähnliche, allerdings mit Photographien arbeitende Informationsschrift für das gesamte Feldheer herausgab1875.

Neue Ideen zur Tankbekämpfung aufgrund der Erfahrungen bis Ende 1917 tauchten etwa in Form eines durch die Heeresgruppe Rupprecht weitergeleiteten und leidlich obskuren Vorschlages des AOK 1 vom 29.November 1917 auf, das als Warnsystem gegenüber überraschenden Tanks Seismographen nutzen wollte, die den Stellungsbesatzungen die Annäherung durch Tanks anhand der hervorgerufenen Bodenerschütterung anzeigen können sollten. Diese Idee, die vom Chef des Feldkraftfahrwesens tatsächlich auch einer Prüfung unterzogen und schließlich wegen fehlender Nutzungsmöglichkeiten verworfen wurde1876, kam bis auf die allerhöchste Führungsebene und wurde dort beachtet.

Dasselbe galt für die Anfertigung behelfsmäßiger „Panzerjäger“-Fahrzeuge, wenn man den viel später gebrauchten Begriff wegen seiner zutreffenden Nutzungsbeschreibung für diese Wagen anführen darf. Nachdem die K-Flak ihren großen Wert unter Beweis gestellt hatten, wurde von der OHL am 11.Dezember 1917 angeordnet, daß Feldkanonen 96 auf Lastkraftwagen zu montieren seien1877. Schon am Tag darauf gab die Heeresgruppe Rupprecht ihren Armeen eine Anleitung zum Bau solcher Improvisationen an die Hand1878, und auch die Heeresgruppe Kronprinz scheint sich augenblicklich mit der praktischen Umsetzung des Befehls auseinandergesetzt zu haben1879. Das AOK 2 und das AOK 7, also diejenigen Armeestäbe bei den beiden Heeresgruppen, die zuletzt mit feindlichen Tanks in Berührung gekommen waren, ließen praktische Versuche mit den Behelfsfahrzeugen durchführen und kamen zu dem Ergebnis, daß sie nur in sehr begrenztem Maße ihren Aufgaben beziehungsweise ihren an den K-Flak orientierten Erwartungen gerecht werden konnten, weil ein zu geringer Feuerbereich, schlechte Geländegängigkeit und die wenig stabile Gesamtkonstruktion eklatante Mängel darstellten1880. Die OHL kam daraufhin im Februar 1918 zu dem Schluß, die Idee selbst sowie auch den Vorschlag des AOK 7 zur alternativen Bereitstellung von Kraftwagen zum Anhängen von Feldgeschützen nicht weiter zu verfolgen und die Option zum „Herrichten einiger Geschütze auf Lkw“ zur Sache der Heeresgruppen und Armeen zu machen1881. Keine tiefergehende Beachtung fand gegenüber diesen Vorschlägen das, was die Heeresgruppe Kronprinz am 13.Dezember 1917 anführte. Sie sprach von der Notwendigkeit, die feindlichen Stellungen samt ihres Hintergeländes auf mögliche Versammlungsräume von Tanks hin ausgiebig zu erkunden, für jeden eigenen Divisionsabschnitt lückenlose Abwehr-Pläne zu erstellen, die sämtliche Mittel der aktiven und passiven Tankabwehr berücksichtigen müßten, und hierdurch einen tief bis ins Hinterland reichenden „Kampfwagen-Abwehr-Raum“ zu schaffen1882. Besonders der letzte Punkt, der die Einbeziehung mehr oder weniger bodenständiger Formationen außerhalb der eigentlichen Kampftruppen- oder Divisionsverbände implizieren mußte, sollte später, 1918, noch von Bedeutung sein1883.

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Eine Reaktion der OHL auf diese Vorschläge, die hinsichtlich der eigentlichen Bekämpfungsmittel auch etwa die Frage nach dem Gebrauch von Flammenwerfern einschloß1884, ließ sich nicht auffinden und belegt vordergründig einmal mehr eine nur dürftige Beschäftigung des wichtigsten Führungsstabes mit ungelösten und neuen Tankabwehrfragen, deren Relevanz sich andererseits auch in Beutedokumenten für jedermann, auch Ludendorff, klar darstellte und entsprechende Würdigung erfuhr. Die OHL veröffentlichte am 26.Dezember ein italienisches Schriftstück zu Entwicklung, Ausrüstung und Einsätzen der französischen und britischen Tanktruppen mit dem Kommentar1885:

„Mit Sicherheit ist anzunehmen, dass im kommenden Frühjahr Engländer und Franzosen versuchen werden, sich durch überraschenden und gleichzeitigen Masseneinsatz von Tanks und von niedrig fliegenden Schlachtfliegern die Basis für einen grossen Schlachterfolg zu schaffen.“1886

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Daß, wie Petter es sah1887, die OHL daraus nicht die entsprechenden Folgerungen zog, lag darin begründet, daß es genau dieses kommende Frühjahr sein sollte, das mit einem alles entscheidenden deutschen Unternehmen die Gesamtheit dieser Bedrohungen würde eliminieren können und die angesprochenen Fragen und notwendigen Rückschlüsse zu Themen der Nachkriegszeit machen mußte. Die strategische Lage definierte Prioritäten der Taktik, wobei die Tankabwehr nach dem Überstehen der Abwehrschlachten von 1917 sekundärer Aspekt wurde, während die Verstärkung der Angriffskraft des deutschen Heeres aber in den Vordergrund trat. Insofern kann, wie es im deutschen amtlichen Werk zu lesen ist, auch kaum davon gesprochen werden, daß der Eindruck der Tankschlacht durch den letztendlichen Sieg bei Cambrai „völlig verwischt“ worden sei1888. Die Erfahrungen aus den Kämpfen, die im Zugeständnis effizienteren Gebrauchs von Tanks durch die Briten1889 und die zumindest in einen gewissen, noch nicht gegen den Feind getesteten Offensivwert der Kampfwagen kulminierten, dazu gewiß auch die persönlichen Eindrücke bei hohen und höchsten Persönlichkeiten der militärischen Führung aus den erstmaligen Vorführungen von Beutefahrzeugen beinhalteten1890, mußten unterstreichen, daß der Tank im Angriff tatsächlich einen Gefechtswert hatte. Daher nahm man die Fertigung eigener Kampfwagen Anfang Dezember 1917 in die allerhöchste Dringlichkeitsklasse der Kriegsrüstung auf1891.

Da man die Offensive mit ihrem bekannten Ausgang am 21.März 1918 nur mit einer Handvoll A7V und Beutetanks von Cambrai beginnen konnte und tatsächlich ein Jahr vergangen war, in dem man den Bau eigener Kampfwagen nur halbherzig betrieben hatte, bot sich späterhin eine große Angriffsfläche für Kritik an der OHL1892. Bei dieser Kritik sollte allerdings nicht unberücksichtigt sein, daß neben den Belegen für die unwiderlegbaren Schwächen von Tanks, wie sie auf dem Gefechtsfeld und in Versuchsreihen erkennbar waren, belegbar ist, daß man beim Gegner auch um die Jahreswende 1917/18 noch auf deutsche Kampfwagenangriffe vorbereitet war1893 und die Alliierten außerdem über eine immens starke Artillerie, den Hauptträger der damaligen Tankbekämpfung, verfügten. Über höhere Siegeschancen für eine auf zahlreiche Tanks gestützte Frühjahrsoffensive von 1918, fern der Wahrscheinlichkeit, daß diese zweifellos einen taktischen Gewinn in der Frühphase der Operation impliziert hätten, kann man daher auch nur spekulieren1894. Ein wirklich beachtliches Versagen der OHL und der politischen Führung des Deutschen Reiches läßt sich dagegen konstatieren, wenn man bedenkt, daß nicht bedacht wurde, daß der Krieg vielleicht bis zum Eintreffen der Amerikaner nicht beendet sein würde.


Fußnoten und Endnoten

1235  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 102, mit dem Hinweis auf einen Vorschlag zum Einsatz einer „Tankarmee“ mit mehr als 1.800 Fahrzeugen vom März 1917.

1236  Bezeichnenderweise fand dieser Aspekt Eingang in den Angriffsbefehl des Tank Corps, „Special Order, No. 6“ vom 19.11.1917: „To-morrow the Tank Corps will have the chance for which it has been waiting for many months, to operate on good going in the van of battle.“ Zitiert nach William-Ellis: Tank Corps, S. 108. Siehe auch Wright, S. 78.

1237  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 153.

1238  Siehe ebenda, S. 152. Vorgesehen waren für einen Schlag gegen St.Quentin zwei Tank-Brigaden, zwei britische und zwei französische Divisionen sowie drei Kavallerie-Divisionen zum Ausnutzen eines möglichen Erfolges oder als infanteristische Reserve.

1239  Dies ist durchaus als glücklicher Umstand für die britische Operation zu werten, da man auf deutscher Seite Ende Oktober 1917 mit einer Unternehmung gegen die Stadt rechnete, die Heeresgruppe Rupprecht ihr Augenmerk auf den Sektor gerichtet und für den Fall der Fälle von der OHL Verstärkungen zugesichert bekommen hatte; siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): HGr Rupprecht an OHL wegen Möglichkeiten eines britischen Angriffs auf St.Quentin vom 29.10.1917.

1240  Offenbar sah nicht nur Fuller selbst Anzeichen für eine zutiefst „antifranzösische“ Einstellung Haigs, sondern zumindest auch Elles; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 106. Siehe auch Travers: How The War Was Won, S. 70.

1241  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 153, und William-Ellis: Tank Corps, S. 101.

1242  Abb. oben nach nach http://www.1914-1918.org/MAPS/maps/cambrai.jpg , Abb. unten nach Banks, S. 174.

1243  Siehe Cooper: Cambrai, S. 68, und Fuller: Erinnerungen, S. 163.

1244  Siehe Fuller: Tanks, S. 138f., und Fuller: Erinnerungen, S. 155f.

1245  Siehe Cooper: Cambrai, S. 66, MO 1917, Bd. 3, S. 8, und Paschall: Defeat, S. 105.

1246  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 7.

1247  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 101.

1248  Siehe ebenda, S. 77.

1249  Siehe ebenda, S. 74f.

1250  Siehe Cooper: Cambrai, S. 67: „Haig looked around for some operation that could be mounted quickly to show immediate results in order to raise morale both at home and among his troops.“

1251  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 152. Mit einem ganz ähnlichen Tenor warb auch Byng bei Haig für die Operation; siehe Winter: Haig’s Command, S. 116.

1252  Siehe Marshall-Cornwall: Haig, S. 250.

1253  Siehe Cooper: Cambrai, S. 68, und Fuller: Erinnerungen, S. 163. Ebenda liest man: „Hieraus ist ersichtlich, daß die Operation keineswegs ein Vorstoß, sondern vielmehr eine entscheidende Schlacht war. Als ich [Fuller] zu dieser Erkenntnis kam, war ich entsetzt, denn am 4.August hatte ich diesen Angriffsabschnitt deswegen ausgewählt, weil er gerade für einen Vorstoß geeignet und für eine entscheidende Operation ungünstig war.“

1254  Siehe Winter: Haig’s Command, S. 115f.

1255  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 95.

1256  Siehe Winter: Haig’s Command, S. 118, und Marshall-Cornwall: Haig, S. 250

1257  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 18 bzw. App. 1 (The Third Army Plan), S. 306ff.

1258  Siehe dazu auch Abschn. 9.5.

1259  Siehe MO 1917, Bd. 3, App. 1, S. 307 und S. 308, sowie App. 2 (Third Army Instructions to Cavalry Corps), S. 311.

1260  Siehe Winter: Haig’s Command, S. 116f. Fuller gab dagegen in einer frühen Darstellung an, daß der Einsatzplan der 3.Armee bereits einen Stoß auf Valenciennes beinhaltete; siehe Fuller: Tanks, S. 144. In die offiziellen Befehle floß dies aber nicht ein, so weit man sie auf Grundlage der edierten Schriften in MO 1917, Bd. 3, als vollständig betrachten kann.

1261  Siehe Prior/Wilson: Passchendaele, S. 179. Angezeigt wurde von den Verfassern der verschwenderische Umgang mit Eliteverbänden, die, wie das Kanadische Korps, unsinnigerweise in den letzten Zügen der Schlacht verbraucht wurden und für die Operation gegen Cambrai nicht zur Verfügung standen. Winter gab zusätzlich dazu an, daß Byng das Kanadische Korps im September noch für den Angriff auf Cambrai angefordert und dessen Einsatz quasi als Grundbedingung für das Gelingen betrachtet hatte; siehe Winter: Haig’s Command, S. 116.

1262  Siehe MO 1917, Bd. 3, Sketch 2 und 3.

1263  Siehe Cooper: Cambrai, S. 75. Es handelte sich um die 40., die 59. und die Garde-Division, die erst im weiteren Verlauf der Schlacht aktiv wurden.

1264  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 23.

1265  Siehe ebenda und Zindler, Erwin: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in Watter, S. 135 und S. 138.

1266  Siehe Golla: Tanks, S. 53.

1267  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S.105, und Fuller: Erinnerungen, S. 164.

1268  Zur Zusammensetzung der Artillerie siehe MO 1917, Bd. 3, S. 24f.

1269  Als Erfinder dieser Methode gilt auf britischer Seite der Artilleriekommandeur der 9.Division, Brigadegeneral Tudor. Mit der Anwendung der Methode konnte der Überraschungsfaktor gewahrt und gleichzeitig die ziemlich unkontrollierte Verwüstung des Geländes an wichtigen Stellen, die bis dahin mit Massenfeuer auf Basis eines „trial and error“ Verfahrens durchgeführt worden war, vermieden werden; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 6f., Smithers: Cambrai, S. 95, und Cooper: Cambrai, S. 80.

1270  Im Zusammenhang mit der Abänderung des Einsatzplans der Tanks bei der 51.Division (s.u.) schrieb Fuller von seiner Intervention beim Stab der 3.Armee. Dort wurde seine Kritik zwar aufgenommen, „aber die Doktrin von der Kommandogewalt [der Divisions- und Korpskommandeure] war zu tief eingewurzelt“ und nichts geschah; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 178.

1271  Über eine Besprechung im Hauptquartier der 3.Armee am 8.11.1917 urteilte Fuller: „Für mich war diese Besprechung von hohem psychologischen Interesse, denn sie zeigte, daß nur sehr wenige von den anwesenden Generalen ein Verständnis für die Leistungen des Tanks und infolgedessen auch kein Vertrauen in ihn besaßen.“ Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 169. Siehe dazu auch Cooper: Cambrai, S. 59, bzw. Abschn. 8.1.

1272  Fuller nahm dies sogar hin und formulierte für die Tanks die grundsätzliche Einsatzmaxime, daß sie die feindlichen Stellungen zu durchbrechen, die Infanterie durch die Einbruchzone zu begleiten und sie in den Grabengefechten zu schützen hätten; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 173. Ebenda, S. 175f., wird dies nochmals dadurch unterstrichen, daß Fuller in einer Denkschrift vom 1.11.1917 auf den Charakter der Tanks als Unterstützungswaffe der Infanterie und die Verantwortung der höheren Infanteriestäbe für die gemeinsame Ausbildung einging.

1273  Diese Auffassung findet sich bei Fuller mehr oder weniger direkt geäußert wieder, und er wog in seinen Kriegserinnerungen zwischen der aufgezwungenen Ausweitung seines ursprünglichen Plans und den bei der Operation erstmals berücksichtigten Grundlagen und Vorteilen (Überraschung, Wahl des Geländes, Aufgabe des vorbereitenden Trommelfeuers) ab; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 163.

1274  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 104, und Fuller: Erinnerungen, S. 177.

1275  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 178.

1276  Siehe BA-MA, PH 3/560, Bl. 83f.: „Uebungen zusammen mit der Infanterie wurden nach den von der 3.Armee herausgegebenen Instruktionen angestellt. Leider war die Zeit nur kurz, da nur 8 Tage zur Verfügung standen. Es war dem [jeweiligen Tank-] Bataillon auch nicht immer möglich, zusammen mit der Infanterie derjenigen Division zu üben, mit welchen es den Angriff auszuführen hatte. Während der Uebungen konnte man erkennen, dass die nötigen taktischen Bewegungen einem grossen Teile der Infanterie neu waren. [... .] Während der Uebungen zeigten sowohl Tank- als auch Infanterie-Offiziere und Mannschaften großen Eifer, und nur so konnten die guten Erfolge in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit erreicht werden.“ Bei dem Text handelt es sich um einen Auszug aus den am 8.4.1918 vom NO AOK 2 weitergereichten „Erfahrungen der 2.Tank-Brigade aus der Cambraischlacht“.

1277  Dazu gehörte allerdings nicht die vom Generalstab herausgegebene Denkschrift „S.S. 164“ von Mai 1917, die bis hinab zu den Bataillonen und Batterien verteilt wurde und allgemeinere „Anweisungen über den Gebrauch der Tanks und über die Grundgedanken bei ihrer Anwendung als Hilfsmittel beim Infanterieangriff“ enthielt. Die enthaltene, zugleich oberflächliche und schematische Deklassierung der Tanks als reine Infanterie-Unterstützungswaffe, deren effizienteste Einsatzweise kaum thematisiert wurde, entsprach in keiner Weise den Vorstellungen des Tank Corps; siehe dazu Abschn. 5.6.1. Siehe auch Borchert: Tanks, S. 27, mit Auszügen und HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 178ff. Es handelt sich dabei um eine deutsche Übersetzung des erbeuteten Schriftstückes durch den NO AOK 2 vom 7.1.1918.

1278  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 172ff., und Borchert: Tanks, S. 7ff.

1279  Interessant ist, daß der Bericht der 2.Tank-Brigade den Abstand zwischen Spitzentanks und Hauptkräften mit 135m angab, was kaum auf einer Fehlberechnung des deutschen Übersetzers basiert haben dürfte; siehe BA-MA, PH 3/560, Bl. 83f. (S. 2), Ziff. II., zu b).

1280  Siehe Cooper: Cambrai, S. 78, Fuller: Tanks, S. 141f., und Fuller: Erinnerungen, S. 172ff., mit der ausführlichen Darstellung der Einsatzweise.

1281  Diese Auffassung hatte als Tatsache Eingang in die S.S. 164 von Mai 1917 gefunden; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 179, Ziff. 3.I., und ebenda, Bl. 180, Ziff. 6.: „Da das Erscheinen der Tanks sofort das feindliche Artillerie-Sperrfeuer auf sich zieht, so muessen die Tanks im allgemeinen weder der Infanterie vorausfahren noch zusammen mit der Infanterie beim Anfang des Angriffs vorgehen.“

1282  Siehe Smithers: Cambrai, S. 94, und Fuller: Erinnerungen, S. 178. Dort wird die von Harper befohlene Distanz mit 200-300m angegeben.

1283  Siehe Abschn. 9.6.

1284  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 35.

1285  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 165: „Dann wurde nämlich beschlossen, diese dürftige Reserve auf eine Kompanie herabzusetzen und schließlich verzichtete man überhaupt auf eine Reserve. Das war ein törichter und, wie ich zeigen werde, verhängnisvoller Beschluß. [... .] Die Wahrheit ist, daß der Generalstab der 3.Armee, der wegen der Neuartigkeit des ganzen Angriffsplans naturgemäß etwas nervös war, den Befürchtungen der Korps- und Divisions-Kommandeure zum Opfer fiel.“ Diese Einschätzung offenbart ein absolutes Kuriosum insofern, als es zuvor ja zu den elementaren Wünschen der Heavy Branch und des Tank Corps gehört hatte, endlich alle Kräfte vereinigen zu können. Daß dies nun geschah, konnte unter diesen Bedingungen kaum Freude hervorrufen, denn schon für den Auftakt der Kämpfe bei Arras im April 1917 war das Fehlen von Reserven als schwerwiegender Fehler erkannt worden; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 100, bzw. Abschn. 5.6.1.

1286  Siehe Borchert: Tanks, S. 23f.

1287  Siehe ebenda S. 22.

1288  Siehe ebenda, S. 17.

1289  „In front of the main line lay band of band and acre upon acre of dense wire; nowhere was it less than 50 yards deep“; siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 102.

1290  Siehe ebenda.

1291  Die Grabenüberschreitfähigkeit des Mark IV wurde in der S.S. 164 von Mai 1917 mit 2,70-3m angegeben; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 179, Ziff. 2.b).

1292  Siehe Borchert: Tanks, S. 38.

1293  Bspw. „F.W. 1“, was den „Wire cutter“ Nummer 1 des F-Bataillons markierte. Diese Fahrzeuge, auch „Wire-crushers“ genannt, waren außerdem durch ein am Heck aufgemaltes „WC“ erkennbar, wie Photos belegen; siehe etwa Cave, Nigel/Horsfall, Jack: Flesquières (Battleground Europe), Barnsley 2003, S. 87.

1294  Siehe Smithers: Cambrai, S. 84, und Fuller: Erinnerungen, S. 166. Nach Fuller wurden 32 Fahrzeuge derartig ausgerüstet.

1295  Siehe ebenda, S. 82f., und William-Ellis: Tank Corps, S. 102.

1296  Wie wichtig die Faschinen für das Überwinden der Gräben waren, legte Smithers unter Bezugnahme auf die Arbeit des „Chinese Labour Corps“, das mit seinen Arbeitern wichtigen Anteil an der Fertigung hatte, folgendermaßen dar: „Their part in the play was indispensable; no Labour Corps, no fascines. No fascines, no tank battle.“ Siehe Smithers: Cambrai, S. 83. Das dort angeführte Verbot zum Gebrauch des despektierlichen Begriffs „Kuli“ gegenüber den chinesischen Arbeitern fand, anders als die Betonung ihres Wertes für das Tank Corps, durch Fuller allerdings keine Berücksichtigung; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 145. In den MO findet man zusätzlich zu den Angaben über die Faschinen die Bemerkung, daß bei einigen Infanterie-Truppenteilen transportable Brücken zum Überwinden der breiten Gräben angefertigt wurden; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 15.

1297  Nach Fullers Denkschrift S.G. 192 betrug der Bedarf an Schmier- und Betriebsstoffen für einen zehnstündigen Einsatz eines Tanks: 318l Benzin, 23l Motorenöl, 182l Wasser, 63l Getriebeöl und 7 Pfund Schmierfett; siehe Borchert: Tanks, S. 23.

1298  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 161 und S. 166, sowie Smithers: Cambrai, S. 83. Nach Aussagen bei beiden Autoren wurden 110 solcher Schlitten gefertigt.

1299  Nichtsdestotrotz wurde der Gebrauch der Transportschlitten durch deutsche Gefangene bestätigt, die beim Zurückgehen hinter die britischen Linien solche Gerätschaften auf dem Weg nach vorne sahen; siehe BA-MA, MSg 101/242: Bericht Major Hermsdorffs (RIR 90) zum Verlauf des Kampfes bei Cambrai am 20.11.1917. Der Einsatz von „W“-Tanks während der Schlacht wird durch MO 1917, Bd. 3, S. 56, und Hinweise auf erbeutete bzw. abgeschossene Fahrzeuge dieses Typs bestätigt; siehe Borchert: Tanks, Anlage 1, S. 85f.

1300  Siehe Abschn. 8.1.

1301  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 105.

1302  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 27f.

1303  Aufstellungen zur Verteilung der Tanks auf die Divisionen und ihre Brigaden finden sich bei Fuller: Erinnerungen, S. 166, und Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 41. Dabei sind einige Unterschiede deutlich festzustellen, die sich wohlmöglich auf die unterschiedliche Einberechnung der Reservetanks in die Fahrzeug-Gesamtzahl und variierende Angaben zu den diversen Spezialfahrzeugen berufen können.

1304  Siehe Cooper: Cambrai, S. 77, bzw. Abschn. 5.1.

1305  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 25f.

1306  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 179, und MO 1917, Bd. 3, S. 36.

1307  Bereitstellungsräume lagen bei Gouzeaucourt, Villers Guislain, im bzw. am Dessart- und Havrincourt-Wald sowie bei Villers Plouich. Zur Bereitstellung der Tanks siehe dazu MO 1917, Bd. 3, S. 45f.

1308  Siehe ebenda. Ein weiterer Tank fiel mit technischen Problemen aus. Das Taschenbuch der Tanks weist aus, daß insgesamt 16 Tanks vor Angriffsbeginn mit Pannen (aller Art) ausfielen; siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 41, Anm. 3. Zu den Trassierbändern siehe auch Abschn. 9.6.1.

1309  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 30f., und Fuller: Erinnerungen, S. 178f.

1310  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 44.

1311  Siehe ebenda, S. 46. Eine Brigade der 4.KD kam am Morgen des 20.11. unter den Befehl des III.Korps, während die 1.KD ab 6.15 Uhr dem IV.Korps unterstellt wurde.

1312  Siehe Abschn. 9.2.

1313  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 41, Anm. 2.

1314  Elles regelte am 19.11. seine Nachfolge im Fall einer leichten, weniger ernsten und ernsten Verwundung, verwies aber in ironischem Ton darauf, daß diese Regelungen der Wahrscheinlichkeit nach nicht zur Ausführung kommen bräuchten; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 180.

1315  Siehe ebenda, S. 179.

1316  Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 108: „The statement that the G.O.C. was to lead the attack came as a great surprise to every one; it was probably greater surprise to some of the authorities than it was even to the Tank Corps themselves. This decision was generally accepted with pleasure by the fighting troops, but many of the more thoughtful were filled with very great anxiety. It was clear that the General’s Tank, The ‘Hilda’, was going to be trust close behind the barrage in a conspicuous position flying the flag; the dangers that it ran were, therefore, greater than those run by any of the other Tanks. On the other hand, it was generally realised that the Tank Corps had, in this action, a very great deal at stake; it risked not merely machines and lives of its officers and men, but its existence.“ Fuller urteilte über Elles’ Entscheidung, am Angriff selbst teilzunehmen, daß sie die eigentliche geistige Schöpfung des Tanks Corps bedeutete und als Inspiration und Ansporn gelten konnte; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 180.

1317  Die Episode findet sich in nahezu allen Schilderungen der Tankschlacht bei Cambrai mehr oder weniger breit ausgeführt wieder, wobei sich der zugrundeliegende Tenor vielleicht am besten bei Paschall nachweisen läßt: „Cambrai was a battle that would forever be marked by courage.“ Siehe Paschall: Defeat, S. 110. Dies schrieb er einen Absatz unter der Aussage, daß Elles beim Angriff den (!) Spitzentank führen würde, und zwei Seiten vor seinen Ausführungen über die herausragenden Leistungen des deutschen Majors Krebs bei der Verteidigung von Flesquières am 20.11.1917 (siehe dazu Abschn. 9.3.). Besonders betont wird das aufopferungsvolle Verhalten Elles’ bei William-Ellis: Tank Corps, S. 109f.

1318  Siehe Perrett, S. 51, und Cooper: Cambrai, S. 102.

1319  Als einzige Veröffentlichung, in der auf diese nachvollziehbare Einschränkung des Mythos’ vom General an der Spitze der Tanks hingewiesen wurde, ließ sich vom Verfasser ein Beitrag in der Militärwissenschaftlichen Rundschau ausmachen; siehe Müller, Eduard: Der englische Panzerangriff bei Cambrai am 20.11.1917 und seine Lehren für die Gegenwart, in Militärwissenschaftliche Rundschau, Heft 3/1939, S. 395.

1320  Siehe Perrett, S. 50.

1321  Siehe dazu HStAS, M 33/2, Bü. 256, Bl. 115: 54.ID Ia Nr. 2138 op. vom 31.8.1917: „Das Gelände vor der K1 Linie der S1 Stellung ist für den Angreifer im Allgemeinen günstig. Sein Gelände überhöht teilweise das unsere. Die nicht annähernde Fertigstellung des Siegfried, als die Rückzugskämpfe begannen, seine ungünstige taktische Lage und das schnelle Folgen des Gegners haben unsere Vorgänger veranlasst, vor dem Siegfried Gelände zu behalten, in Besitz zu nehmen, als Vorpostenzone zu sichern und allmählich auszubauen.“ Siehe auch ebenda, Bü. 72: Gr Caudry Ia Nr. 49 op. (Entwurf vom 14.11.1917) abgegangen am 20.11.1917 an AOK 2 wegen Mängel der Gruppenstellung, und Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 334.

1322  Siehe Golla: Tanks, S. 9.

1323  Tatsächlich galt sie auch nach der Erfahrung mit dem „überraschenden“ Angriff auf Cambrai noch weiter, wie eine Antwort der OHL auf die dringende Bitte um Zuführung von Verstärkungen durch die AAbt. B von Ende Dezember 1917 belegt. Die AAbt. hatte darauf hingewiesen, daß der Munitionsbestand weit unter das Normalmaß gefallen sei, woran auch Transportschwierigkeiten ihren Anteil hatten und erbat mit Unterstützung der HGr, die ihrerseits vor jeglicher Überraschung durch baldigen Munitionsersatz geschützt sein wollte, baldigste Aufstockung der Bestände. Die OHL sagte dies zu, vertröstete aber gleichzeitig auf einen späteren Zeitpunkt, wenn hoher Munitionsverbrauch an anderen Stellen geschwunden sei. Noch im Januar 1918 erinnerte die HGr die OHL an diese Zusage, der „trotz wiederholter dringender Aufforderung“ und der trotz der Gefahr von Überraschungsangriffen nicht nachgekommen worden war; siehe HStAS, M 30/1, Bü. 55, Bl. 4802, Bl. 4401 und Bl. 5089.

1324  In den Anweisungen des AOK 2 zur besonderen Bedeutung dauernder Aufklärungsarbeit durch Patrouillen fand sich für den Zeitraum direkt vor der Tankschlacht der Hinweis auf die Dringlichkeit, die sich dafür nach den überraschenden Vorstößen bei Verdun und Laffaux ergab; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 72: AOK 2 Ia Nr.328/Okt. geh. vom 31.10.1917.

1325  Der Frontsektor gehörte bereits seit längerer Teil zu den ruhigen Abschnitten, in denen nur abgekämpfte Feindverbände festgestellt wurden; siehe bspw. KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 174: HGr Rupprecht Ia Nr. 3116 geh. vom 28.5.1917. Enthalten ist der Hinweis an die OHL, daß die kampfkräftigen feindlichen Divisionen vor dem AOK 2 aus der Front gezogen worden und lediglich abgekämpfte Divisionen zurückgeblieben waren.

1326  Dokumente zum Austausch zwischen den Divisionen, der Gr Caudry und dem AOK 2 wegen der neuerkannten feindlichen Division und dem „Fall Havrincourt“ beinhaltet HStAS, M 33/2, Bü. 256, Bl. 1ff.

1327  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 356, Bl. 1ff.: AOK 2 Ia Nr. 323/Juni vom 29.6.1917.

1328  Es ist wahrlich bezeichnend für die Anlage der Siegfried-Stellung und die Unmöglichkeit einer Behebung ihrer Mängel, daß der Wald und sein dichter Baumbestand bereits fünf Monate vor der Tankschlacht derartige Beachtung fand; siehe ebenda, Bl. 1.

1329  Zu bedenken ist, daß um 4,5km Abschnittsbreiten als verträgliches Maß galten und während der Flandernschlacht mit 2,5-3km sogar deutlich darunter gegangen wurde; siehe BA-MA, RH 61/50597: Anonyme Ausarbeitung über „Gefechtsausdehnungen“ vom 10.3.1944, S. 2, bzw. Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 296.

1330  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 356, Bl. 7.

1331  Siehe ebenda.

1332  Die in beiden Fällen zu erwartenden oder erwarteten Feindkräfte wurden nicht spezifiziert. Ebenda, Bl. 5, nennt als Ausdehnung des Angriffs Havrincourt-Gonnelieu, also recht genau die Breite der britischen Operation im November.

1333  Siehe ebenda, Bl. 3.

1334  Von der Nennung der eingeforderten Unterstützungsteile der Nachrichtentruppe, des Sanitätsdienstes, der Kolonnen und Trains wurde mit Rücksicht auf ihre beträchtliche Zahl vom Verfasser Abstand genommen.

1335  Siehe ebenda, Bl. 7: „Der Ausbau der Kampfzone, besonders der rückwärtigen Stellungen, erfordert schnellen und reichlichen Einsatz von Stäben und Arbeitskräften. Es wäre sehr erwünscht den Ausbau vor [hervorg.] Einsetzen des Angriffs bis zu einem gewissen Abschluß zu bringen.“

1336  Siehe ebenda, Bl. 3 und Bl. 4.

1337  Siehe ebenda, Bl. 5 und Bl. 6.

1338  Auch diese Aufstellung ist nicht vollständig, sondern bezieht sich vornehmlich auf den Kern an Kampftruppen oder jene Truppengattungen, die nach Ansicht des Verfassers für den Verlauf der Kämpfe um Cambrai besonders relevant zu sein scheinen.

1339  Was nicht bedeutet haben dürfte, daß diese Kräfte bei der dortigen Stellungsdivision vorhanden waren. Eingerechnet wurden wahrscheinlich alle Batterien, die bei Havrincourt wirken konnten.

1340  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 356, Bl. 3ff.

1341  Siehe ebenda, Bl. 12: Gruppe Caudry Ia Nr. 5/op. vom 2.7.1917.

1342  Siehe ebenda.

1343  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 356, Bl. 13: Heeresgruppe Rupprecht Ia Nr. 3354 geh. vom 3.7.1917.

1344  Besonders für die Zeit nach dem Beginn der britischen Offensive bei Cambrai läßt sich dies nachweisen; siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240), bspw. HGr Kronprinz Ia 2204 geh. vom 21.11.1917 oder HGr Herzog Albrecht an OHL vom 22.11.1917.

1345  Ludendorff kreidete der Heeresgruppe schon am 20.11.1917 an, daß sie sich um potentielle Bedrohungen zu wenig gekümmert und ihr Augenmerk ausschließlich auf Flandern gerichtet habe; siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 291f., und Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 394.

1346  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0002: HGr Rupprecht Ic No 4561 geh. vom 24.11.1917.

1347  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 356, Bl. 13: Heeresgruppe Rupprecht Ia Nr. 3354 geh. vom 3.7.1917.

1348  Siehe ebenda.

1349  Der OHL bot die Diskussion um die Verstärkung des Sektors Cambrai offenbar ein Paradebeispiel für unnötige Nervosität der untergeordneten Führung. Wie das Ausbleiben eines britischen Angriffs unterstrich, konnte man derartigen Meldungen und Forderungen mit Gelassenheit entgegensehen und tat dies auch im direkten Vorfeld der Kämpfe im November; siehe BA-MA, RH 61/51766: Schreiben v. Ditfurths an die Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres vom 28.1.1939.

1350  Die Aufklärung durch Patrouillenunternehmungen der Stellungsbesatzungen scheint auf beiden Seiten intensiv gewesen zu sein. Das IR 395 (9.RD), das seit Ende September vor Ort war, berichtete in seiner Truppengeschichte von Nacht für Nacht erfolgten Erkundungsversuchen und auch davon, daß spezielle „Jagdkommandos“ aus Freiwilligen gebildet wurden, um beim Feind Informationen zu beschaffen; siehe Gerth, Max (Bearb.): Geschichte des Infanterie-Regiments Nr. 395, o.O. 1933, S. 137.

1351  Siehe Strutz, Georg: Die Tankschlacht bei Cambrai. 20.-29.November 1917 (Schlachten des Weltkrieges, Bd. 31), Berlin 1929, S. 8. Siehe auch Golla: Tanks, S. 16f. Hier allerdings fehlt bei allem Eingestehen der Schwächen der Stellungen vor Cambrai der klar formulierte Gegensatz zu vorherigen Aussagen über die vollständige Adaption des elastischen Abwehrverfahrens (S. 11ff.). Dabei muß klar sein, daß dieses nahezu unmöglich war, wenn schon aufgrund der langen Divisionsabschnitte keine Kräfte für eine Gliederung in die Tiefe vorhanden waren.

1352  Wie die TG RIR 90 (54.ID) festhielt, war der erste Kampfgraben der S-I außerordentlich befestigt, was in den weiteren Schilderungen von den übrigen Stellungsteilen nicht gesagt wurde; siehe Bibeljé-Schwerin: Cambrai. 27.August bis 20.November 1917 in div. Bearb.: Großh. Meckl. R.-Inf.-Regt. Nr. 90 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 153), Berlin/Oldenburg 1925, S. 232.

1353  Für den Bereich bei Banteux, in dem das RIR 19 (9.RD) ab Ende September eingesetzt war, attestierte das Regiment -beispielhaft für die Zustände im Gruppenbereich- zwar gute vordere Stellungen mit geräumigen und wohnlichen Unterständen, doch schon die durch bis zu 100m Drahtverhau geschützte Zwischen-Stellung besaß vielfach nur angedeutete Gräben und Baugruben für unfertige Unterstände; siehe Schwencke, Alexander (Bearb.): Geschichte des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 19 im Weltkriege 1914-1918 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 124), Berlin/Oldenburg/Ratzeburg i. Lbg. 1926, S. 275.

1354  Der Bericht des Regimentskommandeurs des RIR 227 bei seinem Vorrücken auf das Gefechtsfeld am 20.11. bezeugt den geringen Ausbaugrad der S-II-Stellung deutlich: „[...] wobei ich mit Mühe durch auf der Höhe angelegten Reihen-Hindernisse mit dahinter gelegenen, etwa 1 Fuß tief angedeuteten Gräben hindurch kam. Einige größere Lücken im Hindernis waren vorhanden. Ich ahnte nicht, daß dies die ‚S.II.’ Stellung, die zweite Siegfriedstellung war.“ Siehe Giese, Franz (Bearb.): Geschichte des Reserve-Infanterie-Regiments 227 im Weltkriege 1914/18, Halle a.S. 1931, S. 410.

1355  Dies kam in einer Mitteilung des AOK 2 zum Ausdruck, worin darauf verwiesen wurde, daß der Stellungsbau trotz Arbeitskräftemangels nach Möglichkeit zu berücksichtigen sei, um zumindest eklatante Schwächen der Linienführung zu beseitigen; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 72: AOK 2 Ia Nr. 230/Okt. geh. vom 29.10.1917.

1356  Siehe ebenda, M 206, Bü. 9: Chef d. Genst. d. Feldheeres II. Nr. 5370 geh. op. Geheim! vom 18.11.1918.

1357  Friedensgleiche Zustände und Zivilleben gab es in Cambrai selbst und bis zur Schlacht auch noch in den Dörfern Marcoing, Noyelles und Cantaing am Schelde-Kanal; siehe TG RIR 90, S. 233, und Ulrich, Herbert (Bearb.): Res.-Inf.-Regiment 52 im Weltkriege (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 112), Cottbus 1925, S. 25.

1358  Siehe etwa Arnold, Paul u.a. (Bearb.): Regimentsgeschichte L.I.R. 384 1916-1918, Hannover 1939, S. 12: „Es gibt auch einige Ruhetage, die natürlich durch den üblichen Dienst und durch Instandsetzen der Sachen ausgefüllt sind. [... .] Es sind Tage, die auch frohe Stunden und mancherlei Abwechslung bringen. Dazu gehört sogar eine Lustspiel-Aufführung im Theater, das von den Lachsalven der alten Krieger erdröhnt.“

1359  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 5359 geh.op. vom 20.11.1917.

1360  Siehe ebenda, Bü. 142, S. 29: Mittagsmeldung der Gr Caudry an AOK 2 vom 13.11.1917.

1361  Zwischen dem 13.10. und dem 13.11.1917 erhöhte sich die durchschnittliche Bataillons-Gefechtsstärke der Infanterie der 54.ID um lediglich 79, die der 9.RD um 56 und die der 183.ID um 24 Mann; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 894, Bl. 150: Stärkemeldung Gr Caudry Abt. IIb. Nr. 18060, 18180 vom 13.10.1917, und ebenda, Bl. 196: Stärkemeldung Gr Caudry Abt. IIb. Nr. 20920 vom 13.11.1917.

1362  Bei 5082 Mann Gefechtsstärke waren 637 „g.v.“ gemeldete Soldaten eingeschlossen. Zum Vergleich, und auch als Grund für die dringende Ablösung der Division, kann angeführt werden, daß der numerisch stärkste Verband der Gruppe, die 54.ID, ein Verhältnis von 6251:394 auswies; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 894, Bl. 196: Stärkemeldung Gr Caudry Abt. IIb. Nr. 20920 vom 13.11.1917.

1363  Siehe ebenda.

1364  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 117, Akt: 177, S. 612: HGr Rupprecht Ic No 1794 geh. vom 16.12.1916.

1365  Siehe etwa Dahlmann, Reinhold (Bearb.): Reserve-Infanterie-Rgt. Nr. 27 im Weltkriege 1914/1918, Berlin 1934, S. 346. Dort wird von Ausbildung beim jeweiligen Ruhebataillon des Regiments gesprochen, wobei man sich auch eines Übungswerkes nördlich Marcoing bediente.

1366  An dieser Stelle sei angemerkt, daß die OHL die bei Cambrai feststellbaren hohen Gefangenenzahlen auf genau diesen Umstand zurückführte und -in Ermangelung schlüssiger Alternativen und ohne Rücksicht auf die düstere Personallage- den zukünftigen Einsatz schlecht ausgebildeten Ersatzes untersagte; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 5870 geh. op. vom 25.12.1917.

1367  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 35: AOK 2 Kampfwert-Meldung vom 17.11.1917. Keine der klassifizierten Divisionen erreichte dabei den höchsten Status als „vollkampffähig“. Die Verbände der Gruppe Arras, auf deren Schultern maßgeblich auch der Gegenangriff vom 30.11.1917 lasten sollte (111., 240. und 20.ID), waren also zu diesem Zeitpunkt gleichfalls alles andere als voll einsatzfähig, was auch für die Divisionen der Gruppe Quentin (79.RD, 36. und 238.ID) galt.

1368  Siehe ebenda.

1369  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 35: AOK 2 Kampfwert-Meldung vom 17.11.1917.

1370  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 256, Bl. 142: Gr Caudry Ia Nr. 300 op. vom 11.11.1917.

1371  Siehe ebenda, Bü. 72: AOK 2 Ia/Ie Nr. 37071/17 vom 28.10.1917.

1372  Siehe ebenda, Bü. 142: Morgen-, Mittags- und Abendmeldungen der unterstellten Divisionen.

1373  Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): Schreiben der HGr Rupprecht an die OHL vom 29.10.1917 und Telegramm Ludendorffs (Ia Nr. 5337 geh.op.) an die HGr Rupprecht vom 14.11.1917.

1374  Zitiert nach KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 32: HGr Rupprecht Ia Nr. 4477 geh. vom 17.11.1917. Eine ähnlich lautende Erklärung der HGr findet sich auch für den folgenden Tag: „Auch bei der 2.Armee sind Teilvorstöße des Gegners wahrscheinlich.“ Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 208, Bl. 55: Mittagsmeldung HGr Rupprecht vom 18.11.1917.

1375  Siehe Nissen, Karl: Die Kämpfe in der Siegfriedstellung und die Tankschlacht bei Cambrai. 26.August bis 21.November 1917, in Hülsemann (Hg.): Erinnerungsblätter der ehemaligen Mansteiner. Geschichte des Infanterie-Regiments von Manstein (Schleswigsches) Nr. 84 1914-1918. 4.Folge, Hamburg 1923, S. 47f. Zur Vereinheitlichung der Zitierweise der Truppengeschichten wird ferner auch für diese Sammlung von Einzeldarstellungen die Abkürzung TG gebraucht. Sofern nicht anders angegeben, handelt es sich ausschließlich um Beiträge aus der 4.Folge der Erinnerungsblätter zu den Geschehnissen bei Cambrai 1917.

1376  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 1: 54.ID Ia Nr. 2884 vom 16.11.1917.

1377  Zwei Bataillone waren Gruppenreserve bei Cambrai und eines war in den Sektor St.Quentin gesandt worden; siehe Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in Watter, S. 133.

1378  Siehe ebenda, S. 131.

1379  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 1: Gr Caudry an 54.ID und 20.LD vom 18.11.1917. Erstaunlich ist hierbei, daß der 20.LD im Falle eines Angriffs damit faktisch nur ein Regiment blieb. Daß die Zustimmung zur Unterstellung des LIR 384 unter die 54.ID durch das Gruppenkommando irgendwelche Auswirkungen auf die Vorbereitungen zur Schlacht oder die Gefechtsführung am 20.11. gehabt hat, war nicht nachzuweisen.

1380  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 142, S. 48ff. Wie die gemeldete Fliegertätigkeit auf britischer Seite mit der Behauptung Zindlers (siehe Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in Watter, S. 132) zur wetterbedingten Unmöglichkeit deutscher Luftaufklärung seit dem 12.11. in Einklang zu bringen ist, muß offen bleiben. Möglicherweise ist der Grund für das Ausbleiben deutscher Luftaufklärung primär in zu geringer Flugzeugausstattung des Gruppenabschnitts zu sehen. Vorhanden waren am 20.11.1917 lediglich zwei Fliegerabteilungen und eine Jagdstaffel, die am ersten Schlachttag arg dezimiert und erst später durch herbeigeholte Einheiten verstärkt wurden; Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S. 19f.

1381  Siehe ebenda, S. 1ff. Auf S. 1 wurde ausgesagt, daß sich hinter der britischen Front im zweiten Drittel des Monats „etwas lebhafterer Verkehr“ bemerkbar machte, sonst aber „keinerlei Anzeichen für einen feindlichen Angriff“ vorhanden waren. Eine Aussage, die schon in Hinsicht auf den spätestens seit dem 16.11. diskutierten „Fall Havrincourt“ stutzig machen muß und eigentlich allen Angaben und Maßnahmen der Gruppe in der Zeit zwischen dem 18. und 21.11.1917 deutlichst widerspricht; siehe vor allem HStAS, M 33/2, Bü. 144, Bl. 16: Gr Caudry Ia Nr. 403 op. vom 21.11.1917.

1382  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0002: HGr Rupprecht Ic No 4561 geh. vom 24.11.1917.

1383  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 142, S. 48, S. 50 und S. 52. Die Mittagsmeldung der Gruppe (S. 52) nennt als Ergebnis von „Udine“ 35 Gefangene und fünf Maschinengewehre als Beute.

1384  Genau dieser Faktor wurde von der HGr Rupprecht später zur Rechtfertigung gebraucht, da man ja keinerlei Information über potentielle Angriffs-, sondern nur über bereits erkannte Stellungstruppen erhalten hätte (!); siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0002f.: HGr Rupprecht Ic No 4561 geh. vom 24.11.1917.

1385  Siehe ebenda, S. 50 und S. 52.

1386  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 208, Bl. 54: Lagemeldung der HGr Rupprecht vom 19.11.1917 mittags. Bemerkenswert ist hierbei, daß es also eineinhalb Tage brauchte, um die Aussagen der Gefangenen vom 18.11. zur Kenntnis der Heeresgruppe zu bringen.

1387  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0002: HGr Rupprecht Ic No 4561 geh. vom 24.11.1917. Die TG IR 84, S. 48, sagt hierzu aus, daß von den britischen Gefangenen erst nachträglich, also wohl nach ihrer Überweisung an eine höhere Dienststelle (Die 54.ID oder die Gruppe?) von bereitgestellten Tanks bei Trescault gesprochen wurde. Dies reichte nach Aussage der TG aus, um die Division zu beunruhigen und an einen „Angriff größeren Stiles zu denken“.

1388  Siehe Hegermann, B.: Die Patrouillenunternehmung am 18.November 1917, in TG IR84, S. 63ff.

1389  Das Gruppenkommando schrieb hierzu, einmalig selbstkritisch und sich selbst mehrfach widersprechend, daß es erst am 18.11.1917 früh „Veranlassung zu Abwehrvorbereitungen“ gehabt hatte, nachdem Gefangene „von dem Vorhandensein einzelner Tanks sprachen“ und einen Angriff auf Havrincourt am 20.11.1917 nahelegten. Nach eigenen Angaben, die sich durch die überlieferten Akten des GK XIII.AK im HStAS, M 33/2, ausdrücklich nicht bestätigen ließen, ergriff man daraufhin Maßnahmen in Form von Anträgen beim AOK 2. Nachträglich betrachtet sei die Tiefengliederung der Infanterie und Artillerie ausreichend gewesen, wenngleich Anordnungen der Gruppe und deren Anträge beim AOK nicht mehr zur Geltung gekommen seien; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 144, Bl. 16: Gr Caudry Ia Nr. 403 op. vom 21.11.1917.

1390  Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 333. Moser fügte dieser Information bei, daß es eine schon oft wiederholte Nachricht war, aber man nach den auch bei der Gruppe Arras sehr beschränkten Möglichkeiten Vorsichtsmaßnahmen ergriff. Diese lassen sich durch die Alarmbereitschaft seiner drei Divisionen ab 19.11. abends bestätigen; siehe ebenda, S. 336 und Brandes, Heinz (Bearb.): Geschichte des Kgl. Preuß. Infanterie-Regiments v. Voigts-Rhetz (3.Hannov.) Nr. 79 im Weltkrieg 1914-1918, Hildesheim o.J., S. 449.

1391  Siehe Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in Watter, S. 131. Wie gering diese Ausstattung an Artillerie für eine bevorstehende Abwehrschlacht ist, kann ein Vergleich zur 10.RD in der Aisne-Champagne-Schlacht verdeutlichen: Diese Division verfügte damals über 18 Feldartillerie-, 6 sFH-, 2 Mörser-, 3 10cm- und 2 15cm-Batterien; siehe HStAS, M 30/1, Bü. 72: HGr Albrecht Ia Nr. 4334 geh. op. vom 14.11.1917: Bericht der 10.RD über die Kämpfe am 16.4.1917, S. 7.

1392  Siehe Kabisch, Ernst: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 73. Wie eine bewilligte Anfrage Kabischs bei der Forschungsanstalt des Heeres von 1937 wegen der Überlassung der Aufzeichnungen Oskar v. Watters nahelegt, dürften der Beitrag zu Cambrai im Gedenkbuch für Watter (nach 1939) und das entsprechende Kapitel in „Gegen englische Panzerdrachen“ (1938) maßgeblich auf den Aufzeichnungen des Kommandeurs der 54.ID beruhen. Dessen Bericht, der von Kabisch im Quellenverzeichnis zum Buch von 1938 auf den 28.Mai 1928 datiert wird, ließ sich bei den Recherchen zur vorliegenden Arbeit allerdings nicht in den durchgesehenen Unterlagen der Forschungsanstalt (BA-MA, RH 61) oder im Nachlaß Watters (HStAS, M 660/047) auffinden; siehe BA-MA, RH 61/51766: Anfrage Kabischs bei der Forschungsanstalt des Heeres vom 2.6.1937. Der Bericht Watters bzw. dessen bei Kabisch deutlich werdenden Inhalte scheinen die Lösung für verschiedene Unklarheiten hinsichtlich der Zeit bis zum Ende des ersten Schlachttages zu sein. Unterstrichen wird ein negatives Bild der Leistungen des Gruppenkommandos, wobei sich dieses für den heutigen Betrachter schon aus den oben geschilderten Vorgängen von Juni/Juli 1917 angedeutet findet.

1393  Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 73.

1394  Zur SmK-Munition vgl. RA, Bd. 13, S. 126.

1395  Siehe TG RIR 27, S. 353. Munition wurde zugesagt, kam aber in großen Teilen zum Verbrauch am 20.11. zu spät.

1396  Siehe Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in Watter, S. 133.

1397  Siehe etwa TG RIR 90, S. 237: „Gegen 2 Uhr [morgens am 20.11.] kam die Nachricht von der Brigade, nach Aussage des am Morgen eingebrachten Gefangenen habe der Gegner Tanks bereit gestellt. Daraufhin wurde sofort die Ausgabe aller vorhandenen K-Munition an die Maschinengewehre und an die Infanterie veranlaßt; viel K-Patronen kamen nicht auf jedes Gewehr und auf jeden Mann, aber wir hatten eben nicht mehr.“ Siehe auch TG RIR 27, S. 353: „Der allergrößte Mangel herrschte an Smk-Patronen, die bei der knappen Ausstattung der ‚ruhigen’ Front auch in kurzer Zeit gar nicht herbeizuschaffen waren. Versucht worden ist es.“ Unklar bleibt hier, durch wen und auf welchem Weg die Beschaffung angestrengt worden war.

1398  Siehe TG RIR 227, S. 416.

1399  Siehe TG RIR 90, 236.

1400  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 142, S. 54. Diese Bewegungen wurden von der Gruppe dem AOK 2 mitgeteilt, allerdings ganz offenbar ohne weiteren Kommentar.

1401  Siehe ebenda, Bü. 143, Bl. 45.

1402  Siehe ebenda, Bü. 363: Gr Caudry Ia Nr. 381 op. vom 19.11.1917, Ziff. 1.) und 6.).

1403  Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 73. Bei der späteren, mit sehr viel Herzblut und zum Teil großer Schärfe zwischen Oskar Frhr. v. Watter und dem im Reichsarchiv für die Reihe „Schlachten des Weltkrieges“ zuständigen Bearbeiter, Soldan, geführten Diskussion um den geschilderten Hergang des Treffens und seine Ergebnisse betonte Watter ausdrücklich, daß die 54.ID mit der Unterstellung der 107.ID fest rechnete. Dabei unterstrich er, daß es zum Wesen dieser Kämpfe gehörte, daß bestimmte Anordnungen schnell getroffen und wieder verworfen und oftmals auch gar nicht schriftlich fixiert worden sind; siehe dazu HStAS, M 33/2, Bü. 660/047, Heft 16 (Diverse Schriftwechsel Watters, dabei auch mit Soldan um die Jahreswende 1927/28).

1404  Siehe verschiedene Bearb.: Das Feldartillerie-Regiment 213 (Aus Deutschlands großer Zeit, Bd. 14), Zeulenroda o.J., S. 158. Wie es dazu kam, daß eine Ansprache Oskar v. Watters an die Abteilungsstäbe und Batterieführer des FAR 213 als ausführliches Zitat Eingang in die Truppengeschichte fand und sich ihr Inhalt alles andere als mit den Grundlagen des Einsatzes der beiden Abteilungen bei seiner Division deckt, muß fraglich bleiben. Daß es, laut dem Zitat, am 19.11.1917 in den Augen des Kommandeurs der 54.ID keinerlei Anzeichen für bevorstehende Kämpfe gegeben haben soll, ist jedenfalls schon wegen des diskutierten Szenarios „Fall Havrincourt“ vom 16.11.1917 abwegig und kann in aller Deutlichkeit auf die bei Abfassung der TG offenbare Konkurrenz zwischen 54. und 107.ID um die „Lorbeeren“ von Cambrai verweisen.

1405  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 45.

1406  Siehe ebenda, Bü. 72: Gr Caudry Ia Nr. 384 op. vom 19.11.1917.

1407  Siehe ebenda, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S. 3, Ziff. 5.

1408  Siehe TG FAR 213, S. 158.

1409  Siehe Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in Watter, S. 132.

1410  Erinnert sei an die ungeheuren Verbrauchszahlen an Artilleriemunition in vorangegangenen Kämpfen; siehe etwa Abschn. 3.3. Als Anhalt für den durchschnittlichen (!) Tages-Munitionsverbrauch kann eine Aufstellung des AOK 2 von Anfang 1917 dienen, die 250 Schuß für FK und lFH sowie 125 bzw. 100 Schuß für sFH und Mörser auswies; siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 64: AOK 2 Fussa. B. Nr. 4134/17. vom 7.2.1917. Und die Gr Caudry selbst hatte für einen Feuerschlag gegen die gegenüberliegenden britischen Stellungen Ende Juni 1917 das AOK 2 um Überweisung von 5.000 Schuß für Feldkanonen, 4.000 Schuß für lFH und 1.000 Schuß für sFH gebeten; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 256, Bl. 3: Gr Caudry Ia Nr. 1071 op. vom 29.6.1917.

1411  Siehe etwa TG FAR 213, S. 158.

1412  Siehe ebenda, S. 159.

1413  Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 74.

1414  Siehe ebenda.

1415  Siehe TG RIR 52, S. 400, TG RIR 227, S. 410, und Bartenwerffer, Erich v./Herrmann, Alfred (Bearb.): Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 232 in Ost und West, Teil II (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 211, Teil II), Celle 1927, S. 97.

1416  Siehe TG RIR 227, S. 410. Die hier angeführte Information, daß die Ablösung der 20.LD vom 20. auf den 25. und 26.11. verschoben wurde, findet sich auch in der TG RIR 232 (S. 97), nicht aber in der TG RIR 52. Laut Strutz (Tankschlacht, S. 14) wurde in einem Gruppenbefehl vom 19.11.1917 die Ablösung tatsächlich auf den 25./26.11. verschoben. Dies ist um so interessanter, als sich hierin einmal mehr die geringe Bereitschaft des Gruppenkommandos zeigt, die Infanterie der 107.ID über die Lage und die Abmachungen mit der 54.ID zu orientieren.

1417  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Anlage 3 zum Bericht der Gr Caudry: AOK 2 Ia/b Nr. 232/Nov. Geheim! Armeebefehl Nr. 15/Nov. Vom 19.11.1917, Ziff. 1.).

1418  Siehe TG RIR 19, S. 282, und Keffler, Wilhelm (Bearb.): Das Königl. Preuß. Res.-Feldartillerie-Regiment Nr. 9, Berlin 1938, S. 219.

1419  Siehe TG RFAR 9, S. 219.

1420  Siehe ebenda. Diese Batterie zu 8 Geschützen wurde zum Ausfüllen einer Lücke gebraucht, die durch den wegen Umbewaffnung befohlenen Abtransport einer 15cm Ringkanonen-Batterie aus dem Gruppenabschnitt direkt vor Beginn der Schlacht entstand.

1421  Siehe Moeller, Herbert/Reinicke, Georg: Der Krieg wie er ist! Erfahrungen und Lehren der Truppe, Bd. 1, Berlin 1942, S. 182. Dort ist ein entsprechender Bataillonsbefehl des I./RIR 19 vom frühen Morgen des 20.11.1917 wiedergegeben.

1422  Siehe TG LIR 384, S. 13. Da das Regiment der 54.ID unterstand, dürfte die Angabe über Gefechtsbereitschaft am Morgen des 19.11. (!) einen Schreibfehler darstellen. Zu erwarten wäre diese ab Abend des 19. oder, wie bei der 9.RD, ab Morgen des 20.11. gewesen.

1423  Im Unterschied zur Alarmbereitschaft, die sich auf das Bereithalten zu einem Einsatz bezog, bedeutete Gefechtsbereitschaft einen deutlich höheren Grad der Abwehrvorbereitung, der eine Truppe in unmittelbarer Nähe zum Feind bei einem Angriff jederzeit gefechtsbereit finden sollte; siehe und vgl. F.O., Ziff. 251, S. 67 und ebenda, Ziff. 401, S. 105f, und Immanuel (Bearb.): Lehnert’s Handbuch für den Truppenführer, Berlin 1915, Nr. 281, S. 117, und Nr. 319, S. 130f.

1424  Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 76f. Wie hier ausgesagt wird, wurde eine Besichtigung der Sprengvorbereitungen durch den Divisionskommandeur am 19.11. kurzfristig abgesagt. Andernorts wird darauf verwiesen, daß noch am 20.11. keine Zünder an den Sprengladungen angebracht worden waren; siehe Strutz: Tankschlacht, S. 59.

1425  Siehe etwa TG IR 79, S. 451, und TG LIR 384, S. 13.

1426  Siehe Moeller/Reinicke, S. 183. Auf die Meldung hin wurde beim I./RIR 19 -und wohl auch bei den anderen Teilen des Regiments- befohlen, SmK-Munition bereitzustellen.

1427  Die Zeitangaben variieren wie üblich (siehe Abschn. 3.3.), wobei der auf britischer Seite festgelegte Zeitpunkt 7.20 Uhr war, in deutschen offiziellen Berichten von 7.15 und in den Truppengeschichten von 7-7.30 Uhr die Sprache ist.

1428  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 57: Flakgruppen-Kommandeur 4, Abendmeldung vom 20.11.1917, TG IR 395, S. 141, TG RIR 19, S. 287, TG LIR 384, S. 13, TG FAR 213, S. 160. Der Bericht der 54.ID besagte in Hinsicht auf die feindlichen Fliegerkräfte: „Fliegergeschwader niedrig fliegend und mit Masch.Gew.-Feuer die Gräben bestreichend, warfen ebenfalls Brandbomben mit Leuchtwirkung ab.“ Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Bl. 91: 54.ID Ia Nr. 3013 op. geh. vom 28.11.1917. Die Brandbomben fanden Erwähnung, da die britische Artillerie nach Aussage von Angehörigen der 54.ID mit Brandmunition schoß. Diese ist nicht endgültig nachweisbar, und es bliebe die Frage, ob es sich um Beleuchtungs- oder Kampfmittel handelte.

1429  Bei der südlichen Flügeldivision der Gruppe Arras, der 20.ID, die an die 20.LD der Gruppe Caudry anschloß, wurden „Tanks“ mit MG beschossen , die sich schließlich als Attrappen herausstellten; siehe dazu Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 336, und TG IR 79, S. 452. Eine Bestätigung dieser bemerkenswerten Täuschungsmaßnahme fand sich in den britischen Beschreibungen der Schlacht nicht.

1430  Siehe Strutz: Tankschlacht, Anm. auf S. 43, Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 336f., TG IR 79, S. 452, TG IR 395, S. 141, TG IR 184, S. 62f., und Christian, Karl: Das Heldenbuch vom Infanterie-Regiment 418, Frankfurt a.M. 1935, S. 106.

1431  Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 336f., TG IR 79, S. 452, TG IR 395, S. 141, TG IR 184, S. 63, und TG IR 418, S. 106.

1432  Zitiert nach einem Feldpostbrief des Unteroffiziers Moes bei der 6./RIR 19 in TG RIR 19, S. 289f.

1433  Über das deutsche Artilleriefeuer urteilte das britische amtliche Werk, unter anderen enthaltenden, wenig vorteilhaften Passagen ausgewählt, grundsätzlich: „Few casualties were caused by the enemy’s counter-barrage, which was late, scattered and inaccurate.“ Zitiert nach MO 1917, Bd. 3, S. 54.

1434  Siehe BA-MA, MSg 101/242: Aussagen der am 20. und 21.11.1917 gefangenen Offiziere des RIR 90, S. 1, TG LIR 384, S. 15, TG FAR 108, S. 94, und TG RFAR 9, S. 220.

1435  Siehe TG RFAR 9. S. 220, und TG FAR 213, S. 169.

1436  Siehe TG FAR 213, S. 167f., und TG LIR 384, S. 14.

1437  Siehe TG FAR 213, S. 163, wo davon gesprochen wird, daß die 6./FAR 213 ihre drei Geschütze bereits um 8 Uhr durch feindlichen Artilleriebeschuß verloren hatte. Die Batterien des FAR 213 hatten offenbar ältere Stellungen übernommen, die dem Gegner bekannt waren und bekam daher heftigstes Feuer; siehe auch ebenda, S. 165

1438  Siehe BA-MA, MSg 101/242: Aussagen der am 20. und 21.11.1917 gefangenen Offiziere des RIR 90, S. 2.

1439  Siehe TG RIR 19, S. 290, und BA-MA, MSg 101/242: Aussagen der am 20. und 21.11.1917 gefangenen Offiziere des RIR 90, S. 2: „Von der vorderen Linie kommen Leute zurück, stehen unter Eindruck des Kampfes, truebe Stimmung, melden Tanks. Leute angesteckt, sehen Sache als verloren an. Es Bedarf des Eingriffs um sie während des feindlichen Feuers aus den Unterstaenden herauszuholen.“ (Aussage Lt. Schertz, 3./RIR 90, Lage um 7.50 Uhr.)

1440  Siehe ebenda und HStAS, M 660/047, Heft 11: Brief Hptm. von Köllers an Watter vom 27.11.1927.

1441  Dies ist der TG LIR 384, S. 13, zu entnehmen, die die einzige Truppengeschichte der Infanterie der 20.LD darstellt. Archivalien speziell zum Kampf der 20.LD bei Cambrai fanden sich allenfalls innerhalb der Berichte des Gruppenkommandos.

1442  Zitiert nach ebenda.

1443  Kabisch berichtete davon, daß der Regimentskommandeur noch um 9 Uhr an die 54.ID meldete, in seinem Abschnitt sei alles ruhig. „Kurze Zeit darauf mußte sich der Regimentskommandeur davon überzeugen, daß die feindlichen Tanks schon in gefährlicher Nähe seines Gefechtsstandes angelangt seien; sein Regiment war einfach weggewischt worden, ohne daß er eine Meldung davon erhalten hatte.“ Zitiert nach Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 84.

1444  Siehe BA-MA, MSg 101/242: Aussagen der am 20. und 21.11.1917 gefangenen Offiziere des RIR 90, S. 1 und S. 2. Gemeldet waren insgesamt fünf beobachtete Tankabschüsse.

1445  Das britische amtliche Werk bemerkte etwa über den Vorstoß nach Ribécourt, das zwischen S-I- und Z-Stellung lag und um etwa 9 Uhr angegriffen wurde, daß dort aus zwei Stützpunkten heraus heftigster Widerstand („two centres of resistance held stubbornly out“) geleistet wurde, bis Tanks ihn brachen; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 55. Es handelte sich bei den erwähnten Verteidigern vor allem um Angehörige des LIR 387 (siehe ebenda, Anm. 1, S. 56), die das gleiche Schicksal erlitten wie andere Teile links und rechts auch; siehe dazu etwa TG RIR 90, S. 241.

1446  Die beiden Meldungen sind wiedergegeben in Steuben, Arndt v.: Harro Soltau, das Lebensbild eines Frontoffiziers. Gefallen in der Tankschlacht bei Cambrai am 20.November 1917, Hamburg 1936, S. 93. Ein Faksimile der ersten Meldung findet sich bei Moeller/Reinicke, S. 200-201.

1447  Siehe ebenda.

1448  Siehe TG RIR 27, S. 362ff. Bezeichnend für den Verlauf des Gegenstoßes ist dabei der Bericht des Kompanieführers 1.MGK/RIR 27, Stoltenberg: „Der Feind nahm uns zwischen seine beiden Tankreihen, stellte uns mit seinen Geschützen und ermöglichte es so seiner Infanterie, uns zu überwältigen. Während der ganzen Kampfhandlung zählte ich in meinem Gefechtsabschnitt etwa drei Schuß deutscher Artillerie. Infanterieziele boten sich nur selten, kurz und einzeln. Unser instinktiv abgegebenes Feuer konnte dem Feind keinen nennenswerten Abbruch tun und hatte auf die Tanks keine Wirkung,-- zumal mein Ersuchen um S.m.K.-Munition unberücksichtigt geblieben war.“ Zitiert nach ebenda, S. 365.

1449  Siehe BA-MA, MSg 101/242: Aussagen der am 20. und 21.11.1917 gefangenen Offiziere des RIR 90, S. 3.

1450  Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 84f.

1451  Siehe TG FAR 213, S. 171, TG RIR 52, S. 401, und TG RIR 227, S. 411. In der TG RIR 227 wird davon gesprochen, daß man gegen 9 Uhr einen Befehl zu sofortigem Einsatz durch die 54.ID bekommen hatte. Diesem Befehl wurde scheinbar insofern gefolgt, als daß man sich –ohne Karten und Ortskenntnisse- zum Abmarsch bereit machte. Dasselbe galt wohl auch für die 2./ und 3./FAR 213, die sich mittags mit Teilen des RIR 52 zusammen auf dem Marktplatz in Cambrai versammelten. Die TG RIR 232, S. 98, berichtet ganz klar, daß die Befehle der 54.ID die drei Infanterieregimenter der 107.ID erreichten, dann aber offenbar ausgesetzt und durch die Sicherung der Kanallinie und des Südteils von Cambrai ersetzt wurden.

1452  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Anlage 4 zum Bericht der Gr Caudry: Fernspruch Gr Caudry an 107.ID vom 20.11.1917, 9.40 Uhr vorm.

1453  Siehe TG RIR 232, S. 98. Diese Handlungsweise erstaunt zutiefst, bedenkt man die Situation, in der diese Befehle erteilt wurden. Die Gruppe kam damit allerdings einer -durch die Lage zweifelsfrei überholten- Anordnung des AOK 2 vom Vortag nach, die ein Regiment der 107.ID als Armeereserve gefordert hatte; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Anlage 3 zum Bericht der Gr Caudry: AOK 2 Ia/b Nr. 232/Nov. Geheim! Armeebefehl Nr. 15/Nov. vom 19.11.1917, Ziff. 2.).

1454  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 22: Lagemeldung des LIR 387 vom 20.11.1917, 10.30 Uhr.

1455  Siehe ebenda, Bl. 25: Fernspruch der Gr Caudry an die 107. und 54.ID vom 20.11.1917, 10.50 Uhr.

1456  Siehe ebenda, Bü. 373a, Anlage 5 zum Bericht der Gr Caudry: Fernspruch Gr Caudry an 107. und 54.ID von 10.50 Uhr.

1457  Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 86.

1458  Als erster Teil der Artillerieverstärkungen kam die 1./b.FuAR 5 um 10.30 Uhr mit der Bahn in Cambrai an. Die Batterie wurde auch sogleich ausgeladen, doch wegen Munitionsmangels kam ihr Einsatz frühestens für den 21.11. in Frage; siehe Schlörer/Schwinn: Kriegstagebuch der 1.Batterie 5.bay. Fußart.-Regiments, Bühl (Baden) 1919, S. 42.

1459  Die ersten Verbände, die ab 16.30 Uhr in Cambrai eintrafen, waren das III./1.GRR unter Major Brederlow, das II./RIR 98 und das III./b.IR 13. Diese wurden am Abend des 20.11. als „Regiment Brederlow“ auf das Schlachtfeld geschickt; siehe KA, 1 R. Korps, Bd. 169: 1.GRD Ia Nr. 6804 vom 26.11.1917: Erfahrungen im Kampf gegen Tanks (III./1.GRR).

1460  Die Morgenmeldung der Gruppe Caudry an das AOK 2 beinhaltete lediglich starkes Artilleriefeuer bei Havrincourt seit 6 Uhr; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 142, Bl. 59. Die ersten Archivalien zu Meldungen über Kampfhandlungen in den Gruppenakten des HStAS ließen sich mit den Mittagsmeldungen der Divisionen (ebenda, Bl. 61ff.) auffinden, wobei ein vorheriger, mündlicher oder fernmündlicher Austausch über die Lage zwischen den Stäben anzunehmen ist. Ludendorff wurde um 8 Uhr von Major Stappf, dem Generalstabschef des AOK 2, telefonisch über Einbrüche bei der Gruppe in Kenntnis gesetzt. Die Informationen mußten zwangsweise vage sein, und auch erst für den Mittag des 20.11. finden sich in Kronprinz Rupprechts Aufzeichnungen genauere Angaben zum Ausmaß des britischen Angriffs; siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 394, und Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 291.

1461  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 394.

1462  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Anlage 7 zum Bericht der Gr Caudry: Fernschreiben AOK 2 Ia Nr. 260/Nov. Geheim! vom 20.11.1917, 14.25 Uhr. Bezeichnend für die undurchsichtige Lage war die ausdrückliche Aufforderung an die Gruppe Caudry, sie umgehend zu klären. Zudem wurde die 214.ID als Eingreifdivision bei der Gruppe Arras vorgesehen und nicht nach Cambrai beordert. Artilleristische Unterstützung hatte das AOK 2 bereits am Morgen in Form einiger Batterien der Gruppen Quentin und Oise zugesagt; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 20: Fernspruch AOK 2 an Gr. Caudry von 10.30 Uhr. Eine Betrachtung dieser beiden Gruppen dürfte mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ergeben, daß sie selbst, in Hinsicht auf Divisionsbreiten und Reserven, nun in einem genauso desolaten Zustand waren, wie die Gruppen Arras und Caudry zuvor.

1463  Siehe TG RIR 232, S. 101, und Strutz: Tankschlacht, S. 59. Laut Strutz gab die 54.ID den Befehl zur Sprengung der Hauptbrücke von Masnières und der Eisenbahnbrücke Marcoing um 13.15 Uhr.

1464  Siehe Köller, Max-Georg v.: Im Stab während der Schlacht, in Watter, S. 95. Es wäre möglich, daß diese Gerüchte in engerem Zusammenhang mit dem Aufklärungsunternehmen durch Tanks bei der britischen 62.Division oder Vorstößen der 1.Kavalleriedivision auf Anneux standen (s.u.).

1465  Siehe TG LIR 384, S. 14.

1466  Siehe ebenda.

1467  Siehe TG FAR 213, S. 161ff. Die Feuerunterstützung kam von der 5./FAR 213, die nahe des Regimentsgefechtsstandes des LIR 384 stand. Bis 16 Uhr war die Artillerie- und Infanteriemunition bei der Batterie verschossen, und sie gab ihre Stellung auf.

1468  Siehe TG LIR 384, S. 14. Die Truppengeschichte gibt an, daß noch bis 19 Uhr bei Cantaing und Moeuvres gehalten worden sei. Von koordiniertem Widerstand kann dabei allerdings keine Rede sein. Der Regimentsstab und Versprengte des LIR 384 zogen sich angesichts der aussichtslosen Lage ab 13.30 Uhr auf Cantaing und dann Proville zurück.

1469  Siehe Cooper: Cambrai, S. 123.

1470  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 86. Ob der Kommandeur der 186.Brigade den Befehl zum Halt nicht bekam oder er ihn einfach ignorierte, muß offen bleiben. Eine frühere Version der Begründung für das ausgebliebene Vorgehen der 62.Division gegen Bourlon legte nahe, daß die Erschöpfung der Truppe ausschlaggebend gewesen sei; siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 111. Eine Auffassung, die sicher den Divisionskommandeur so lange vor Kritik gegenüber seiner Risikofeindlichkeit bewahren konnte, bis das britische amtliche Werk (1948) die Verhältnisse zumindest anhand der gegebenen Befehle (ohne Wertung) richtigstellte.

1471  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 57 und S. 58.

1472  Bei der 4./FAR 213 soll es wegen der Hanglage ihrer Feuerstellung unmöglich gewesen sein, die Geschütze vollständig aus den Deckungen zu bringen, so daß sie im Gefecht nur begrenzt wirken konnten. Die 8./FAR 213 konnte nur ein Geschütz zum Einsatz gegen die Tanks bringen, da die Feuerstände der beiden anderen Geschütze äußerst ungünstig angelegt waren; siehe TG FAR 213, S. 160 und S. 167.

1473  Die TG FAR 108 machte hierzu keine detaillierten Aussagen, während das FAR 213 im Zusammenhang mit der Tankbekämpfung bei Flesquières 18 Abschüsse für sich reklamierte und von Feuerentfernungen zwischen mehr als 800 und etwa 275m sprach; siehe TG FAR 213, S. 160ff., und Abschn. 9.6.

1474  Zitiert nach Fletcher: Tanks and Trenches, S. 80f. Der Kommandant berichtete noch davon, daß ein niedrig fliegendes deutsches Flugzeug abgeschossen wurde, was eine zeitliche Einordnung des Geschehens vor 14 Uhr erlaubt. Für 13.40 und 14 Uhr meldete nämlich die Besatzung eines deutschen Beobachters, daß „Flesquières Park“ noch gehalten würde. Das Flugzeug wurde kurz darauf abgeschossen und die beiden Insassen schlugen sich nach hinten durch; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 55f.: Fliegergruppe Caudry, Abendmeldung vom 20.11.1917, Ziff. 9.).

1475  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 57ff. und S. 90, Anm. 1. Mit 26 Tanks griff die 152.Brigade der Division an und verlor sie alle. Von den 10 Tanks der 153.Brigade wurden die vorderen Fahrzeuge ebenfalls abgeschossen.

1476  Siehe Cave/Horsfall: Flesquières, S. 95. Im Gegensatz zu den Angaben in den MO wird hier von insgesamt 28 ausgefallenen Tanks gesprochen.

1477  Siehe Abschn. 9.6.

1478  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 82f.

1479  Siehe etwa TG RIR 27, S. 379, mit der Aussage eines Unteroffiziers der 6./RIR 27: „Warum nur unsere Artillerie nicht schießt? Nach Hilfe ausschauend, gleitet rückwärts der Blick. Da fährt hinter uns ein Geschütz auf, protzt ab und richtet das Rohr. Achtung! hallt’s zu uns herüber. Schon saust der erste Schuß über unsere Köpfe weg. Dicht beim Tank schlägt er ein. Der versucht zurückzuschleichen. Vergebens! Der zweite Schuß sitzt schon.“

1480  Siehe ebenda, S. 378, Bericht des Schützen Göpel, 2.MGK/RIR 27. Unter dem Bericht, der damit endet, daß eine Gruppe auf den Tank zugehender Leute auf die britische Infanterie trifft und abgewiesen wird, findet sich der Hinweis auf einen Artikel im „Ronneburger Tageblatt“ vom 31.3.1918. Der Inhalt des Berichts, so wie er in der TG veröffentlicht wurde, läßt seinen Gebrauch im Sinne deutscher Propaganda und damit das Wohlwollen der Zensurstellen sehr gut möglich erscheinen. Immerhin zeigte er persönlichen Mut, das Vorbild des Führers, die Stärke des Willens und der Männer gegenüber der Technik und nicht zuletzt auch die Bösartigkeit des Feindes, der dem Bericht zufolge zwei gefallene Unteroffiziere ausplünderte. Der Tenor anderer, unzweifelhaft nicht propagandistisch genutzter Berichte und Aussagen der TG in Hinsicht auf die Motivationslage der Verteidiger von Flesquières wurde jedenfalls getroffen, weshalb der Auszug an dieser Stelle auch zitiert wurde.

1481  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 86, und Cave/Horsfall: Flesquières, S. 58.

1482  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 83.

1483  Die genauen Verluste am ersten Schlachttag sind schwer zu eruieren. Für das IR 84 und RIR 90 führt Strutz allerdings eine Kampfstärkemeldung vom Morgen des 21.11. an. Vom IR 84 waren 7 Offiziere, 1 Arzt und 181 Mann vorhanden, vom RIR 90 noch 4 Offiziere und 229 Mann; siehe Strutz: Tankschlacht, S. 72. Die TG LIR 384, S. 16, nennt für denselben Zeitpunkt eine Regimentsstärke von 250 Mann mit 6 Maschinengewehren.

1484  Siehe BA-MA, MSg 101/242: Aussagen der am 20. und 21.11.1917 gefangenen Offiziere des RIR 90, S. 4. Lt. Schmid, 11./RIR 90, sagte aus, daß seine Verteidigungsstellung vor Marcoing nahezu vollständig eingeschlossen wurde, während seine Soldaten durchschnittlich noch 10-15 Schuß Munition gehabt hätten und vier Tanks auf Minimalentfernung zu feuern begannen bzw. sich der Position von den Flanken her näherten. Es herrschte „groesste Verwirrung unter den Leuten“. Nach seiner Darstellung gingen Einzelne bereits selbständig zurück und ließen sich nur teilweise wieder durch Vorgesetzte daran hindern.

1485  Siehe TG RIR 19, S. 292.

1486  Siehe ebenda, S. 297. Es handelte sich maßgeblich um Angehörige der Bagagen und das Personal eines Ausbildungskurses, die auch einige Maschinengewehre mitbrachten.

1487  Ein vorgeschobener Zug der 5./RFAR 9, der gegen 10 Uhr von Tanks überrollt wurde, zwei lFH der 9./RFAR 9 und vier 15cm Ringkanonen, welche um 10.50 Uhr vom Feind an der Zwischen-Stellung am Lateau-Wald genommen wurden; siehe TG RFAR 9, S. 221.

1488  Bspw. fielen dem letzten einsatzbereiten Geschütz der 9./RFAR 9 fünf Tanks zum Opfer, ein weiterer wurde laut TG RIR 19 durch eine gerade ankommende 12cm Batterie unbekannter Herkunft am Lateau-Wald zerstört; siehe TG RFAR 9, S. 222, bzw. RG RIR 19, S. 293f.

1489  Siehe dazu einige Schilderungen in MO 1917, Bd. 3, S. 66f.

1490  Siehe TG RIR 19, S. 297. Zuerst kamen zwei Kompanien des Rekrutendepots der 9.RD, dann das Ruhebataillon des IR 395.

1491  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 64f. Warum die Sprengung der Brücke fehlgeschlagen war, konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden.

1492  Siehe ebenda, S. 69.

1493  Siehe ebenda.

1494  Siehe ebenda, S. 65f.

1495  Siehe TG RIR 90, S. 242. Nach Aussage der TG sei die Zeit zum Sprengen zu kurz gewesen. Siehe dazu auch Strutz: Tankschlacht, S. 59.

1496  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 73.

1497  Siehe ebenda, S. 74f., und Strutz: Tankschlacht, S. 59ff. Die TG RIR 227, S. 416, spricht von drei Tanks, die an der Flot Ferme erschienen.

1498  Siehe TG RIR 232, S. 100, und Strutz: Tankschlacht, S. 58, wo ausdrücklich von der Sprengung durch Pioniere berichtet wird.

1499  Siehe TG RIR 232, S. 98ff, und TG RIR 52, S. 403f.

1500  Siehe Strutz: Tankschlacht, S. 65, und TG RIR 52, S. 405.

1501  Siehe TG RIR 52, S. 404 .Zwei K-Flak im Einsatz gegen Tanks an diesem Ort nennt Strutz: Tankschlacht, S. 64, wobei es sich beim zweiten Geschütz um jenes gehandelt haben dürfte, das an der Flot Ferme (s.u.) eingesetzt war. In die Abendmeldung des zuständigen Flakgruppen-Kommandeurs fand dieses Geschehen keinen Eingang, berichtet wurde lediglich von einem Tankabschuß am Lateau-Wald durch einen Zug der Flakbatterie 710 um etwa 12.20.Uhr; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 57: Flakgruppen-Kdr. 4, Abendmeldung vom 20.11.1917.

1502  Siehe TG RIR 227, S. 416, und TG RIR 27, S. 399.

1503  Siehe TG RIR 27, S. 399: „ [...] ein Fliegerabwehrgeschütz war bis auf 500m herangefahren und feuerte auch den ersten Tank, welcher nach ungefähr 25 Schüssen etwas von der Straße abbog und in einem Ackerstück stehen blieb; fünf Mann der Besatzung entflohen, als Offz.Stellv. Bergmann mit fünf Leuten, unter denen auch ich [ein gewisser Musketier Kunze des RIR 27] mich befand, sich dem Tank näherte. [... .] Wir bargen die fünf Maschinengewehre sowie zwei Brieftauben. Ich suchte noch an den Außenwänden nach den Einschlägen der Infanteriegeschosse, fand aber nirgends ein Loch oder eine Verbeulung, und nehme daher an, daß die Geschosse ohne Wirkung sind, nur könnten sie durch die Schießscharten die M.G.Schützen oder den Führer unschädlich machen.“ Die spätere Aufnahme von Tankabschüssen, wie sie Borchert vornahm, weist einen abgeschossenen weiblichen Tank zwischen Kanal und Bahnlinie südöstlich Flot Ferme aus, während ein zweiter direkt vor Rumilly an der Straße nach Cambrai lag. Letzterer könnte durch die K-Flak, der erste Tank durch das RIR 227 zum Stehen gebracht worden sein, wobei die Frage bleibt, wie und wann die Soldaten des RIR 27 diesen begutachteten. Zudem ist es möglich, daß der Tank an der Straße erst am nächsten Tag dort zum Stehen kam; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 105. Zur Verortung von Tankabschüsse siehe Borchert: Tanks, Karte 1.

1504  Nach Informationen über die Homepage des Amts für Umweltschutz und Stadtklimatologie der Stadt Stuttgart war der Zeitpunkt des Sonnenuntergangs am 20.11.1917 in Paris 17.06 Uhr; siehe http://cgi.stadtklima-stuttgart.de/mirror/SonneInt.exe .

1505  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 69f.

1506  Siehe TG FAR 213, S. 171ff. Es handelte sich um die 2./ und die 3./FAR 213. Die Stellung der 3.Batterie wurde durch die auf die S-II-Stellung vorgehenden Kräfte des Feldrekrutendepots wieder gewonnen, und die Geschütze konnten abends noch zurückgezogen werden. Die 1./FAR 213 war ab 16 Uhr bei Cantaing in Stellung gegangen, ihr boten sich allerdings am 20.11. keine Einsatzmöglichkeiten mehr; siehe ebenda, S. 170.

1507  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 72, TG RIR 19, S. 297, und Strutz: Tankschlacht, S. 62f.

1508  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 71.

1509  Siehe ebenda, S. 72.

1510  Siehe TG RIR 232, S. 101.

1511  Siehe Strutz: Tankschlacht, S. 68.

1512  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S. 9, und Strutz: Tankschlacht, S. 72.

1513  Siehe RA, Bd. 13, S. 130f. Tatsächlich führte eine Verlustaufstellung der Gr Caudry mit „annähernden Zahlen“ für die 20.LD und 54.ID zusammen etwa 7.300 vermißte Offiziere und Mannschaften an. Den allergrößten Teil dieser Soldaten dürften die Gefangenen des ersten Schlachttages ausgemacht haben; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S. 21.

1514  Das AOK 2 kündigte für die Gr Arras 12 und für die Gr Caudry 20 Feld- und Fußartillerie-Batterien an, dazu als Armeereserve weitere 45 Batterien; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Anlage 17 zum Bericht der Gr Caudry: AOK 2 Ia/b Nr. 296/Nov. Geheim! vom 21.11.1917.

1515  Siehe ebenda, Anlage 9: AOK 2 Ia/b Nr. 283/Nov. Geheim! vom 20.11.1917, und ebenda, Anlage 10: AOK 2 Ia Nr. 280/Nov. Vom 20.11.1917, 22.20 Uhr.

1516  Siehe ebenda, Anlage 10.

1517  Siehe ebenda, Anlage 11: Fernspruch der Gr Caudry an die 30.ID, 9.RD und 54.ID vom 21.11.1917, 10.40 Uhr. Siehe auch ebenda, Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S. 9.

1518  Siehe ebenda, Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S. 10, und Strutz: Tankschlacht, S. 70.

1519  Wer letztendlich den Befehl dazu gegeben hat, ist unklar. Jedenfalls hatte das AOK 2 noch am 20.11.1917 angeordnet, daß „planmäßige Gegenangriffe“ vorzubereiten seien. Inwieweit sich diese auf die Idee zu einem massiven Gegenangriff, wie er dann am 30.11.1917 erfolgte (siehe Abschn. 9.5.), bezog und nicht auf zeitnahe Einzelaktionen, bleibt ebenfalls fraglich; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Anlage 9 zum Bericht der Gr Caudry: AOK 2 Ia/b Nr. 283/Nov. Geheim! vom 20.11.1917, Ziff. 1.)b).

1520  Siehe TG RIR 232, S. 103f.

1521  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S. 11ff.

1522  Siehe Eimannsberger: Kampfwagenkrieg, S. 17.

1523  Siehe TG RIR 232, S. 103ff., und TG RIR 52, S. 410f.

1524  Siehe Eimannsberger: Kampfwagenkrieg, S. 17.

1525  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 92f.

1526  Siehe Smithers: Cambrai, S. 124.

1527  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 113.

1528  Siehe ebenda.

1529  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S. 11.

1530  Siehe KA, 1 R. Korps, Bd. 169: 1.GRD Ia Nr. 6804 vom 26.11.1917: „Die K.-Munition ging bald aus; das Feuer wurde mit S.-Munition fortgesetzt und hatte sichtlich auch gute Wirkung, wahrscheinlich gegen die Schlitze, da das zusammengefaßte Massenfeuer, auch der Infanterie, zweifellos, durch die Schlitze gehend, im Innern der Tanks durch Splitterwirkung sich unangenehm bemerkbar gemacht haben wird. Jedenfalls drehte ein Teil der Tanks ab und fuhr zurück.“ Das britische amtliche Werk bestätigte darüber hinaus zahlreiche Durchschüsse durch die Panzerung der Tanks und urteilte über das Geschehen, daß an dieser Stelle deutlich geworden war, daß die Mark IV nicht sicher gegen SmK-Beschuß waren; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 104f.

1531  Siehe KA, 1 R. Korps, Bd. 169: 1.GRD Ia Nr. 6804 vom 26.11.1917.

1532  Zitiert nach ebenda. Siehe dazu auch Strutz: Tankschlacht, S. 90.

1533  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 105. Die Truppengeschichte des RFAR 63 nennt lediglich einen sicheren Abschuß und daß zwei andere Tanks nach Treffern umkehrten; siehe Parrisius, Felix: Geschichte des Res.-Feldartillerie-Regiments Nr. 63 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 141), Oldenburg 1925, S. 96.

1534  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 105: „The tanks of A and F Battalions were, in the words of one commander, ‚badly mauled’. Only three were lost, two by direct hits from enemy field guns and one which reached Rumilly was stranded there, and remained in enemy hands; but several had been set on fire and many were holed by armour piercing bullets.“

1535  Siehe TG RIR 232, S. 106.

1536  Siehe TG RIR 52, S. 415f., und TG RIR 232, S. 105.

1537  Siehe TG RIR 52, S. 421.

1538  Siehe TG FAR 213, S. 177.

1539  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 115f.

1540  So wurde als Grund für die Fortsetzung der Operation im Nordteil des genommenen Geländes, direkt vor dem Höhenzug des Bourlon-Waldes, angeführt, daß die dortigen britischen Stellungen vollständig vom Feind eingesehen werden konnten und sich daher nicht für dauerhafte Verteidigung eigneten; siehe ebenda, S. 116, und Golla: Tanks; S. 64.

1541  Siehe Kap. 9.

1542  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 115f.. Die Rückgabe von zwei für Italien bestimmten Divisionen wurde von Robertson für möglich erklärt, doch diese Entscheidung mußte zwangsläufig von der Lageentwicklung auf dem italienischen Kriegsschauplatz abhängig sein.

1543  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 133, Strutz: Tankschlacht, S. 102, und Bodenschatz, Karl: Jagd in Flanderns Himmel. Aus sechzehn Kampfmonaten des Jagdgeschwaders Freiherr von Richthofen, München 61941, S. 56f. Die deutsche Führung hatte zudem schon am 22.11. den rücksichtslosen Schlachtfliegereinsatz mit Maschinengewehren und Bomben gegen Infanterie und Tanks gefordert; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 241: Kommandeur der Flieger beim AOK 2 Abt. I Br.-B. Nr. 5143 vom 22.11.1917.

1544  Siehe Eimannsberger: Kampfwagenkrieg, S. 17.

1545  Am frühen Morgen erfolgte ein britischer Vorstoß bei Crèvecoeur und Rumilly, der jedoch abgewiesen wurde; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S. 13.

1546  Siehe Strutz: Tankschlacht, S. 99.

1547  Zitiert nach MO 1917, Bd. 3, S. 127, Anm. 3.

1548  Siehe Strutz: Tankschlacht, S.103f., und MO 1917, Bd. 3, S. 127.

1549  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S. 16. Das britische amtliche Werk bezifferte die Tankausfälle beim Kampf um das Dorf auf insgesamt 13; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 128. Deutlich mehr, nämlich 20 zerstörte Tanks, nannte die 119.ID in ihrem Bericht zu den Kämpfen bei Cambrai; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 241: 119.ID Ia Nr. 2292 vom 28.11.1917.

1550  Siehe Abschn. 3.3. mit Ausführungen zum Angriff auf den Fureaux-Wald am 15.9.1916.

1551  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 131. Ausdrücklich wurde auf den gleichartigen Charakter der Kämpfe um Fontaine und Bourlon hingewiesen.

1552  Siehe Hansch, Johannes/Weidling, Fritz: Das Colbergsche Grenadier-Regiment Graf Gneisenau (2.Pommersches) Nr. 9 im Weltkriege 1914-1918 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 283), Berlin/Oldenburg 1929, S. 441f.

1553  Siehe Schulenburg-Wolfsburg, Graf v.d. (Bearb.): Geschichte des Garde-Füsilier-Regiments (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 157), Berlin/Oldenburg 1926, S. 191ff.

1554  Siehe bspw. MO 1917, Bd. 3, S. 153: „The two companies of Grenadiers moving south of the Bapaume-Cambrai road were almost wiped out by machine-gun fire from the direction of la Folie Wood [südöstlich Fontaine]: All officers and N.C.O.’s fell, save one sergeant who, with six men, fought his way trough to Fontaine church. Here he joined some of the other two companies of the battalion which, in spite of the help the tanks had given them, had also suffered heavily.” Siehe auch ebenda, S. 154.

1555  Siehe ebenda, S. 154.

1556  Siehe Moore, William: A Wood Called Bourlon. The cover-up after Cambrai, London 1988, S. 137.

1557  Siehe Strutz: Tankschlacht, S. 112ff.

1558  Siehe ebenda, S. 159ff., MO 1917, Bd. 3, S. 155f., und TG GR 9, S. 453.

1559  Siehe TG GFR, S. 195. Eine genauere Beschreibung der Machart dieser Fallen fehlt leider, doch wird auf S. 196 auf Straßensperren Bezug genommen. Siehe auch MO 1917, Bd. 3, S. 158, wo ausdrücklich von starken Barrikaden („strong barricades, stoutly defended“) gesprochen wird, und bei Strutz: Tankschlacht, S. 166. Für die Anlage echter „Fallen“ oder „Fallgruben“, wie sie für die passive Tankabwehr früher vorgeschlagen worden waren, dürfte mit allergrößter Sicherheit die Zeit gefehlt haben.

1560  Siehe TG GFR, S. 196, und Strutz: Tankschlacht, S. 165.

1561  Im Zusammenhang mit den Zahlenangaben zu eingesetzten und zerstörten Tanks ist eine Anmerkung Strutz’ von Interesse: „Die Zahl der abgeschossenen Tanks läßt sich infolge der vielen Widersprüche, die ebenso wie am 20. oder 23.11. vorhanden sind, nicht einwandfrei angeben, auch über die Zahl der gegen diesen Abschnitt [Dorf Bourlon] vorgehenden Tanks lauten die Berichte verschieden, III./Garde-Füs.-Regts meldete ‚etwa 10 Tanks’.“ Zitiert nach Strutz: Tankschlacht, S. 165.

1562  Zitiert nach TG GFR, S. 196.

1563  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 158.

1564  Siehe RA, Bd. 13, S. 131, bzw. MO 1917, Bd. 3, S. 273.

1565  Die Gesamtzahl der deutschen Gefangenen belief sich am Ende der Kämpfe bei Cambrai auf 11.100 Mann; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 273. Eine detaillierte Aufstellung der britischen Verluste nach einzelnen Tagen existiert scheinbar nicht, sondern lediglich für den Zeitraum 20.11.-8.12.1917; siehe ebenda, App. 22, S. 382.

1566  Zitiert nach ebenda, S. 164. Siehe auch Abschn. 9.2.

1567  Siehe BA-MA, RH 61/51766: Schreiben v. Ditfurths und Wetzells an die Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres vom 28.1. bzw. 18.1.1939. Ditfurth sagte hierin aus, daß Ludendorff und der Stabschef des AOK 2, Stappf, die Möglichkeit eines deutschen Gegenangriffs auf einen tief und fest in einem „Sack“ gefangenen Gegner bereits am 20.11.1917 diskutiert hätten. Und Wetzell berichtete davon, daß er mit Stappf am Abend des 20. oder 21.11., der genaue Zeitpunkt war ihm nicht mehr bekannt, über die Vorbedingungen einer solchen Unternehmung gesprochen habe. Dabei hätte man sich auf die schnellstmögliche Umsetzung geeinigt, war sich allerdings auch bewußt, daß dafür kurzfristig keine ausreichenden Kräfte vorhanden sein würden.

1568  Siehe ebenda, S. 5f., und HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 8f.

1569  Siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai 1917, S. 4. Siehe auch Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 344f.

1570  Es handelte sich um das GK XXIII.RK (v. Kathen), das am 23.11.1917 zwischen Gr Caudry und Gr Quentin eingeschoben worden war; siehe Strutz: Tankschlacht, S. 187.

1571  Oder auch nur noch „Flut“, nachdem das AOK 2 das zeitlich versetzte Antreten der Gr Arras befohlen hatte und das Gruppenkommando davon alles andere als erbaut war; siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai 1917, S. 27, und Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 346.

1572  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 12: Armeebefehl AOK 2 Ia Nr. 631/Nov. vom 28.11.1917. Siehe auch Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 345.

1573  Siehe BA-MA, MSg 101/200: Armeebefehl AOK 2 vom 29.11.1917: „Soldaten der 2.Armee! Der Engländer hat durch überraschenden Einsatz von zahlreichen Tanks am 20.XI. einen Erfolg bei Cambrai errungen, durchzustoßen, wie er es wollte, ist ihm Dank des glänzenden Widerstandes der hierfür eingesetzten Truppen nicht gelungen. Jetzt wollen wir ihm durch umfassenden Gegenangriff aus seinem Anfangs-Erfolge eine Niederlage bereiten. Das Vaterland blickt auf Euch und erwartet, dass jeder seine Pflicht tun wird. Also drauf, mit Gottes Hülfe zum Sieg!“ Als Verteiler nennt der Armeebefehl die Einheiten bis einschließlich der Bataillone und Feldartillerie-Abteilungen.

1574  Siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai 1917, S. 28.

1575  Abb. nach Banks, S. 174.

1576  Siehe ebenda, S. 9 und S. 12a.

1577  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 4. Es wurde dabei betont, daß zwar ausreichend Munition vorhanden sei, diese aber von den Divisionen selbst unzureichend verteilt würde. Die Gruppe Busigny verwies in diesem Zusammenhang auf Transportschwierigkeiten und die Möglichkeit nachhaltiger, negativer Folgen; siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai 1917, S. 39.

1578  HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 8f.

1579  Siehe ebenda, S. 2.

1580  Dieses wurde als solches auch in nahezu sämtlichen Geschichten der beteiligten Truppenteile genannt. So etwa in Bund der Offiziere, Sanitäts-, Veterinäroffiziere und Beamten [des] ehemaligen 4.Lothr. Feldartillerie-Regiments Nr. 70 (Hg.): Chronik Nr. 14: Cambrai, Münster o.J., S. 1: „Damit war die durch jahrelangen Stellungskrieg den Anforderungen des Bewegungskriegs entfremdete Division [34.ID, Gr Busigny] vor die besonders schwierige Aufgabe des Übergangs vom Stellungs- zum Bewegungskrieg gestellt! Für ihre Vorbereitungen dazu konnten nur wenige Tage gewährt werden- Novembertage mit nur 8 Stunden Tageslicht!“

1581  Fehlende Ausbildung wurde im Grunde genommen durch Appelle an die Truppe ersetzt, die dann beispielsweise bei der Gruppe Arras so lauten konnten: „Der Infanterie ist zu erklären, daß diese Feuerwalze ihr bester Freund ist, weil sie den Gegner niederhält, und daß jedes Zögern im Vorgehen dem Gegner Zeit läßt, sich wieder gefechtsbereit zu machen.“ Oder: „Während die hinteren Wellen den Kampf um die Ortschaften führen, gehen die vordersten Wellen weiter auf ihr Angriffsziel vor. Sich im weiteren Verlauf des Angriffs bietender Widerstand [...] ist unter Zuhülfenahme der beweglichen Feldartillerie und Ausnutzung jeder schnellen Umfassungsmöglichkeit zu brechen.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai, S. 25 bzw. S. 26. Zu den vor allem auch praktischen Fragen und Schwierigkeiten der Kommunikation und Logistik siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 3ff.

1582  Das KTB der Gr Busigny enthält dazu den Eintrag: „Das A.O.K. befiehlt als Angriffstag den 30.11. Trotz ungünstiger Munitionslage und der Vorstellungen seitens des Generalkommandos wird dieser Zeitpunkt festgehalten.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai, S. 13.

1583  Siehe ebenda, S. 7 und S. 21, und BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): HGr Rupprecht Ia Nr. 4579 geh. vom 25.11.1917.

1584  Der Abmarsch von 75 Tanks bei Masnères, Marcoing und Ribécourt mit Fahrtrichtung Westen und Südwesten war von der Gr Caudry am 28.11.1917 festgestellt worden; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 894, Bl. 221: KTB Gr Caudry vom 28.11.1917.

1585  Siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai, S. 21, mit dem Protokoll eines Telefonats zwischen Kuhl und Stappf am Abend des 28.11.1917.

1586  Siehe ebenda, S. 14f., und BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): HGr Rupprecht Ia Nr. 4613 geh. vom 28.11.1917.

1587  Erwähnt werden die Flammenwerfer in MO 1917, Bd. 3, S. 177, und von der Gr Caudry; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 1: „Verstärkung an Minenwerfern und Flammenwerfern traf erst am letzten Tage vor dem Angriff ein, die Flammenwerfer zunächst ohne Öl.“ Wie aus den verschiedenen Befehlen ersichtlich ist, handelte es sich bei den Minenwerfern zu einem Großteil um Kompanien verschiedener Divisionen, die an einigen Punkten zusammengezogen wurden. Dazu wurden auch Heerestruppen, wie das Minenwerfer-Bataillon II bei der 30.ID und X bei der 34.ID herangezogen; siehe ebenda, S. 22, und Isenburg: Das Königs-Infanterie-Regiment (6.Lothring.) Nr. 145 im Großen Krieg 1914-1918. Bd. II: Vom Eintreffen im Gebiet der 2.Armee (22.November 1917) bis zur Demobilmachung und Auflösung, Berlin 1923, S. 9, Anm. 2.

1588  Siehe Gruss, Hellmuth: Die Deutschen Sturmbataillone Im Weltkrieg. Aufbau Und Verwendung (Schriften der Kriegsgeschichtlichen Abteilung Im Historischen Seminar Der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, Heft 26), Berlin 1939, S. 96ff. Der Bericht der Gr Caudry zum Gegenangriff bei Cambrai enthält keinerlei Hinweise auf den Einsatz des Sturmbataillons.

1589  Siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai, bspw. S. 27: „Die Vorarbeiten zum Angriff sind streng geheim zu halten.“ Oder ebenda, S. 21: „Auf Kuhls Fragen haben Sie Munition und Artillerie antwortete Stappf mit ja. Zum Schluß sagte Kuhl: ‚Vor allem Vorsicht mit dem Einschießen, daß er [der Feind] nichts merkt.’“

1590  Dieser findet sich zumindest in einem Befehl der Gruppe Arras wieder; siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai, S. 25. Man kann davon ausgehen, daß sich der Wert künstlichen Nebels spätestens mit den Ereignissen des 20.11.1917 bewiesen hatte. Zuvor, schon 1916, hatte man offenbar in den Reihen der HGr Rupprecht an den sinnvollen Gebrauch dieser Sondermunition bei (Gegen-)Angriffen gedacht, war aber von der OHL darauf verwiesen worden, daß die geringen Bestände an Nebelmunition ausschließlich zum Kennzeichnen gasverseuchter Flächen gedacht und eine „Neufertigung vorläufig nicht beabsichtigt“ sei; siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 81: Anfrage der HGr Rupprecht an die OHL wegen Nebelgeschossen vom 26.9.1916.

1591  Siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai, S. 22ff., mit den Angriffsbefehlen der drei Gruppen.

1592  Siehe ebenda, S. 27, und HStAS, M 33/2, Bü. 363: Gr Caudry Ia/c 79 op. geheim! vom 28.11.1917, Ziff. 2.) und 3.).

1593  Siehe RA, Bd. 13, S. 139.

1594  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 168: „But many at General Byng’s headquarters appear to have been deeply influenced by the opinion of G.H.Q. Intelligence that the enemy’s losses in Flanders and in the Cambrai battle had exhausted him to such an extent that a heavy counter-offensive was hardly to be expected.“

1595  Siehe ebenda, S. 299f.

1596  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 18.

1597  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 177ff.

1598  Siehe ebenda, S. 177.

1599  Siehe ebenda, bspw. S. 180. Die Parallele zwischen dem hier beschriebenen, aufgrund dürftigster Lageinformationen agierenden Kommandeur der britischen 55.Division und den deutschen Führern am 20.11.1917 ist überaus deutlich.

1600  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 18.

1601  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 177.

1602  Siehe ebenda: „Nevertheless few posts appear to have been attacked from the front, the assault sweeping in between to envelope them from flanks and rear.“ Siehe dazu auch Abschn. 9.6.

1603  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 18.

1604  Siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai, S. 39f.

1605  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 18f.

1606  Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 351.

1607  Die Nachbardivision zur rechten Seite, die 28.ID der Gr Caudry, war am Nachmittag in dem erwähnten Grabengewirr der Siegfried-Stellung aufgehalten worden. Dem Befehl, an diese Division und damit die Nachbargruppe Anschluß zu halten, konnte durch die 34.ID gemäß der Anordnung zum bedingungslosen und raschen Stoß auf Fins unmöglich nachgekommen werden. Ihre Weisung beinhalte nämlich die Aussagen: „Je schneller 34.ID und 208.ID in Richtung Fins vorstoßen, desto günstiger für uns. Anschluß zwischen den Divisionen ist nach rechts [in Richtung Gr Caudry] zu suchen. Dies darf aber nicht dazu führen, daß eine Division das Vorgehen der Neben-Div. abwartet.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai, S. 34 (Angriffsbefehl der Gr Busigny).

1608  Das ist nach Schilderungen innerhalb der TG IR 145, Bd. II, allerdings anzuzweifeln. Fast nebenbei wird dort auf S. 13 erwähnt, daß die Division als Erfahrung aus vorangegangenen Kämpfen mitgenommen hatte, wie vielversprechend umfassende Angriffe auf Stützpunkte waren. Zudem scheint die Wiederkehr des Bewegungskrieges überaus motivierend gewirkt zu haben, wo sie sich deutlich zeigte; siehe ebenda, bspw. S. 16, Anm. 2.

1609  Die im Kampfgebiet noch vorhandenen Teile des Tank Corps war am Morgen alarmiert worden und setzten sich in größter Eile Richtung Gouzeaucourt in Bewegung. Siehe BA-MA, PH 3/561, Bl. 86: Erfahrungen der 2.Tank-Brigade in der Cambraischlacht, und siehe MO 1917, Bd. 3, S. 189.

1610  Siehe TG IR 145, Bd. II, S. 17f., und TG FAR 70, Chronik 14, S. 7f.

1611  Siehe TG FAR 145, Bd. II. S. 17.

1612  Siehe BA-MA, PH 3/561, Bl. 86: Erfahrungen der 2.Tank-Brigade in der Cambraischlacht, MO 1917, Bd. 3, S. 191, und Simon, Eduard: 4.Magdeb. Infanterie-Regiment Nr. 67. Band II: Von den Kämpfen vor Verdun bis zum Ausgang des Weltkrieges (Erinnerungsblätter Deutscher Regimenter, Bd. 156/II), Berlin 1927, S. 106. Im Gegensatz dazu besagt TG FAR 70, Chronik 14, S. 11: „Wie der Engländer dann seine Tanks in breiter Front –immer wieder neue- über den Höhenzug hinweg gegen uns vorschickt, wie wir deren etwa 30 auf kurze Entfernung abschossen, so daß lauter Jubel in den Batterien herrschte, wie seine Infanterie dann nur noch zaghafte Versuchte machte, hinter ihrem deckenden Höhenzug hervor uns anzugreifen,- das werden weiter unten die damaligen Batterieführer schildern.- Von unserem Sieg über die Tanks sagt der Bericht der 68.Inf.Brig.: ‚Dank unserer weit vorgezogenen schneidigen Feldartillerie wurde eine erhebliche Zahl durch direkten Schuß vernichtet.’“ Die enorme Diskrepanz zwischen fünf und 30 abgeschossenen Tanks könnte sich vor allem damit begründen lassen, daß die Mehrfachzählung von Abschüssen vorkam und Fahrzeuge, scheinbar getroffen, als stationäre Widerstandsnester vor der Infanterielinie blieben; siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 49.

1613  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 190.

1614  Siehe TG IR 145, Bd. II, S. 18f. Nach dortiger Aussage bewirkte der Einbruch von drei Tanks in die Linie des IR 67 auf der rechten Divisionsflanke die Krise. Siehe auch RA, Bd. 13, S. 140, wo die Bedeutung der Tanks beim britischen Gegenangriff nicht zuletzt dadurch unterstrichen wird, daß man der Feldartillerie jedwede Abwehrleistung absprach. Daß sich davon in der TG IR 67, Bd. II, nichts finden läßt, sondern zur Ehrenrettung des Regiments ganz allgemein vom Zwang zum Rückzug wegen offener Divisionsflanken gesprochen wird, kann demgegenüber aber nicht erstaunen.

1615  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 21: AOK 2 Ia 752/Nov. geh. vom 30.11.1917.

1616  Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 352, und RA, Bd. 13, S. 142.

1617  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 21: AOK 2 Ia 752/Nov. geh. vom 30.11.1917, Ziff. 6.) und 7.).

1618  Siehe bspw. Cooper: Cambrai, S. 209, der für ein Bataillon der Garde eine Stärke von 2 Offizieren und 151 Mann nennt, und Kipling, Rudyard: The Irish Guards In The Great War: The Second Battalion, Staplehurst 1997, S. 160, der für dieses Bataillon der Irischen Garde „400 Gewehre“ als Größenordnung nennt. Siehe auch TG IR 145, Bd. II, S. 28, Anm. 2, welche die durchschnittliche Bataillonsgefechtsstärke vor dem deutschen Gegenangriff am 30.11. mit lediglich 642 Mann angibt. Über den Zustand der 34.ID am Morgen des 1.12. berichtet die TG FAR 70, Chronik 14, S. 14, unter Bezugnahme auf eine Meldung der 68.Inf.Brig. vom 9.12.1917, daß innerhalb der Gliederung der Verbände Unordnung herrschte und die gewählte Stellung taktisch von großem Nachteil war.

1619  Siehe BA-MA, PH 3/561, Bl. 86f.: Erfahrungen der 2.Tank-Brigade in der Cambraischlacht.

1620  Ebenda lassen sich 41 Fahrzeuge zählen. Das Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 49, nennt 39 und MO 1917, Bd. 3, S. 240, Anm. 3, führt die Bereitstellung von insgesamt 57 Tanks an.

1621  „An verschiedenen Stellen wurden zerdrückte M.G. gefunden, die mitsamt der Mannschaft von den Tanks überfahren waren.“ Zitiert nach BA-MA, PH 3/561, Bl. 86.: Erfahrungen der 2.Tank-Brigade in der Cambraischlacht. Diese eigentlich zu den Aussagen über die Erschöpfung der deutschen Truppen vollends gegensätzliche Aussage dürfte in erster Linie unterstreichen, welche Unterschiede es innerhalb einer Einheit und erst recht innerhalb eines Verbandes hinsichtlich Kampf- und Leistungsbereitschaft der einzelnen Soldaten geben konnte.

1622  Siehe ebenda.

1623  Zitiert nach TG IR 67, Bd. II, S. 109f. Vergleichbares findet sich auch in der TG IR 145, Bd. II, S. 23f. Der Bericht der 2.Tank-Brigade erwähnte „die niederschmetternde Wirkung, welche die Tanks bei ihrem Erscheinen in den Reihen der deutschen Infanterie verursachten. Viele Infanteristen standen sofort auf und ergaben sich; andere liefen davon“; siehe BA-MA, PH 3/561, Bl. 88.

1624  Diese Zahl legt die TG FAR 70, Teil II, S. 16, nahe, während das Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 49, für den 30.11. und 1.12.1917 zusammen 17 Abschüsse anführt. Genauere Angaben enthalten weder die MO, noch der Bericht der 2.Tank-Brigade oder andere der für die Darstellung genutzten Titel und Quellen.

1625  Siehe TG IR 145, Bd. II, S. 26.

1626  Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): Tagebucheinträge Kuhls über ein Ferngespräch mit Ludendorff am 1.12.1917 und über eine Besprechung mit dem AOK 2 am Abend des 2.12.1917.

1627  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 249ff.

1628  Siehe S. 257ff. Ebenda, S. 257, werden die Motive Haigs für die Räumung eines Teils der genommenen deutschen Stellungen deutlich dargelegt: „The Commander-in-Chief, however, took a longer view: he expected that in spring the Germans would launch a large-scale offensive, and in making preparations to meet it he could not afford to retain any particularly vulnerable point.“

1629  Siehe RA, Bd. 13, S. 143.

1630  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 273 und S. 382, App. 22. Die Summe der deutschen Verluste wurde auf bis zu 53.300 geschätzt. Unabhängig von jeglichen und vielleicht im Detail noch so begründeten Zahlenspielen, bleibt hier letztendlich zu unterstreichen, daß beide Seiten offenbar nur unwesentlich voneinander abweichend große Ausfälle zu beklagen hatten.

1631  Siehe etwa Keegan, S. 515, der das Resultat der Kämpfe als „ein passendes Symbol für das prekäre Gleichgewicht der Macht an der Westfront Ende 1917“ betrachtete.

1632  Siehe bspw. Pemberton, Max: The Triumph Of The Tanks. How Sir Julian Byng’s Army Broke the Hindenburg Line, in TWI vom 8.12.1917, S. 322. Siehe auch Sir Arthur Conan Doyles späteren Bericht zu Cambrai, welcher dieselben Dinge ansprach, wenngleich etwas analytischer und weniger propagandistisch; siehe http://www.firstworldwar.com/source/cambrai_conandoyle.htm .

1633  Es scheint schon beachtenswert, mit welcher Klarheit selbst die britische Presse die deutsche Frühjahroffensive sehr früh ansprach und somit ihren Teil tat, um das Empire auf eine schwere Prüfung vorzubereiten; siehe etwa Fraser, Lovat: The Hun’s Last Hope. Gravity of the Coming German Offensive on the West, in TWI vom 29.12.1917, S. 382, und ders.: War Problems Of The New Year, in TWI vom 5.1.1918, S. 402.

1634  Siehe bspw. Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 23, S. 218ff. Die Zeitungen arbeiteten wie ihre Gegenstücke beim Feind stark mit Bildpropaganda, welche primär abgeschossene und erbeutete Tanks zeigte, streckenweise aber auch auf britische Darstellungen zurückkam, um sie zu widerlegen; siehe etwa Die Wochenschau, Nr. 3 vom 19.1.1918, S. 40, oder ebenda, Nr. 6 vom 9.2.1918, S. 87, wo sich des Vergleichs zwischen dem Masseneinsatz von Tanks und Hannibals „ebensowenig erfolgreichen“ Elefanten angenommen wurde.

1635  Siehe Baer (Hg.): Der Volkerkrieg, Bd. 23, S. 222f, und besonders Feldpressestelle im Hauptquartier Mézières-Charleville (Hg.): Die Tankschlacht und die Angriffsschlacht bei Cambrai, o.O. 1918. Das im Stil vorangegangener Erinnerungsschriften von Kriegsberichterstattern bei der Heeresgruppe Rupprecht verfaßte Buch thematisierte auf geringem Raum das Desaster vom 20.11., widmete sich aber ausführlich der erfolgreichen Tankabwehr und besonders den Erfolgen im Gegenangriff seit dem 30.11. Es begann mit den auf die bei Erscheinen (April 1918) bereits im Gange befindliche Frühjahrsoffensive gemünzten Worten: „Dies Büchlein soll euch eine Erinnerung sein an die Schlacht bei Cambrai, an diese schwere und merkwürdige Doppelschlacht, die vielleicht einmal als Wendepunkt des Krieges im Westen berühmt werden wird.“

1636  Siehe bspw. Winter: Haig’s Command, S. 114, oder Johnson: Stalemate, S. 199, wo mit den Worten Liddell Harts von Cambrai als „Wasserscheide“ zwischen dem seit Jahren andauernden Stellungskrieg und den modernen Methoden, die 1918 den Sieg brachten, gesprochen wird. Siehe auch Falls: First World War, S. 303: „However this may be, the Battle of Cambrai was the type of the battle of the future and its influence on the Second World War was as great as that on the remainder of the First.“ Siehe auch Cooper: Cambrai, S. 225.

1637  Wie es bei Keegan durch die ausschlaggebende Bedeutung des an der Tankabwehr sehr interessierten Kommandeurs der „54.Reservedivision“, „General der Artillerie von Walter“ [gemeint ist Oskar Frhr. v. Watter, seinerzeit Generalleutnant und Kommandeur der 54.Infanterie-Division], und „Feldwebel Kurt Krüger“ [Unteroffizier Theodor Krüger] dargestellt wird und bei Paschall noch intensiv durch die Verdienste Major Krebs’ Ergänzung findet; siehe Keegan, S. 513f. und Paschall: Defeat, S. 110ff.

1638  Siehe dazu etwa Paschall: Defeat, S. 115 und S. 125f., wo General Harpers Versagen bei Flesquières bzw. die bislang noch fehlende Professionalität britischer Führer im Umgang mit einem faktisch erreichten Durchbruch angesprochen wird. Siehe dazu auch Marshall-Cornwall: Haig, S. 254, Cooper: Cambrai, S. 226, Larson: Armored Warfare, S. 60, und Förster/Paulus, S. 41.

1639  Siehe Heydecker, S. 414.

1640  Siehe Chickering, S. 217. Hier wird allerdings noch angefügt, daß, wenn dem Tank und den Kämpfen bei Cambrai größere Bedeutung beigemessen worden wäre, keine Möglichkeit mehr bestanden hätte, das Rüstungsdefizit im Bereich des Tankbaus aufzuholen. Ohne eine derartige Einschränkung findet man Cambrai als Apologie des deutschen Zusammenbruchs von 1918 etwa auf den Internetseiten des Lebendigen Museums Online des DHM, wo ausgesagt wird, daß die Schlacht gezeigt habe, „daß die Deutschen den alliierten Panzern keine wirksame Verteidigung entgegenzusetzen hatten.“ Siehe http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/cambrai/ und http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/panzer/index.html .

1641  Siehe Griffith: Battle Tactics, S. 162.

1642  Gollas Ausarbeitung wurde als Book on Demand angeboten und im Jahr 2000 vom Verfasser angeschafft. Das eigentliche Erscheinungsjahr geht aus dem Buch nicht hervor.

1643  Siehe Griffith, S. 164f.

1644  Siehe ebenda, S. 162: „It [der Tank] also often seems to have held a disproportionately central place, both during and after the war, in the complex web of German mythologies that were so ingeniously spun to explain away the crushing allied victory. If this mythology later accidentally encouraged the Germans to invest in a weapon that would finally evolve into a serious instrument of breakout in 1939-41, then that surely had remarkably little to do with the technical capabilities of any tank that ever took the field during the Great War itself.“

1645  Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 536f.

1646  Siehe BA-MA, RH 61/50768. Die Ausarbeitung Jochims („Studie über die Tankfrage“, 1921) beschäftigte sich mit der Frage der rüstungstechnischen Möglichkeiten des Reiches im Weltkrieg und dem Anteil verschiedener Dienststellen und Personen am weitgehend unterlassenen Panzerbau.

1647  Siehe BA-MA, RH 61/50769 (Kampfwagenabwehr) und ebenda, RH 61/50771 (Entwicklung der deutschen Kampfwagen).

1648  Nehring zitierte Petter etwa in seiner Geschichte der deutschen Panzerwaffe mit dem Fazit zu 1918: „Die feindlichen Kampfwagen hatten ganze Arbeit gegen uns geleistet; nicht nur moralisch, sondern auch tatsächlich.“ Zitiert nach Nehring, Walter K.: Die Geschichte der deutschen Panzerwaffe 1916 bis 1945, ND Augsburg 1995, S. 27. Guderian führte Petters Denkschrift zur Kampfwagen-Abwehr von 1932 auch als Lehrmaterial in der Reichswehr ein, und das Taschenbuch der Tanks, zumindest dessen Teil III, mit einem Vorwort Guderians, kann als ein Medium zur weiteren Verbreitung der Forschungsergebnisse Petters angesehen werden.

1649  Diese fehlten auch durchweg in Nehrings oder Guderians Schriften, wenn dort Beispiele für den Kampf gegen oder mit Tanks im Weltkrieg angeführt wurden.

1650  So etwa dokumentiert durch Müllers Arbeit zur Tankschlacht in der Militärwissenschaftlichen Rundschau, Heft 3/1939, S. 389-409.

1651  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 119.

1652  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 434.

1653  Dies mußte keinesfalls bedeuten, daß mit Kritik und Schuldzuweisungen an Personen, Einheiten und außerhalb des eigenen Regiments (o.ä.) gefällten Entscheidungen gespart wurde. Beispielhaft sind hierfür im Rahmen der Kämpfe bei Cambrai die sich bei den Feldartillerieregimentern selbst zugesprochenen Tankabschüsse, oder die in den Truppengeschichten der 54., 107. und 34.ID aufzufindenden, gegeneinander und auch verbandsintern vorgebrachten Anschuldigungen. Insgesamt handelte es sich um den Ausdruck einer Konkurrenz aller Beteiligter um den größten Anteil an Siegen und die geringste Schuld bei Niederlagen.

1654  Ausdruck dessen konnte auch der Tank sein, der sich höchst symbolisch als Abbildung auf Einbänden der Truppengeschichten solcher Einheiten findet, die für sich reklamierten, auch mit diesem Kriegsmittel fertiggeworden zu sein; siehe etwa TG IR 67, Teil II, oder TG RIR 52.

1655  Siehe etwa das Schlußwort in Strutz: Tankschlacht, S. 183. Siehe auch Eimannsberger: Kampfwagenkrieg, S. 24.

1656  Siehe HStAS, M 660/047, Heft 11 und 16.

1657  Siehe Hoffmann: Haig, S. 162.

1658  Hauptmann a. D. Dahlmann, ehemaliger Angehöriger des RIR 27 und Verfasser der TG des Regiments, hatte 1927 im Zusammenhang mit seinen schriftlichen Aufzeichnungen an Watter davon geschrieben, wie schwer und unsicher es sei, sich mit 10 Jahren Abstand zum Geschehen auf seine Erinnerung zu verlassen. Einem Leutnant Behrmann, so darf man sicher etwas sarkastisch ergänzen, machte sein Erinnerungsvermögen dagegen auch nach 13 Jahren ganz offensichtlich keine Probleme.

1659  Siehe Kabisch: Gegen englische Panzerdrachen, S. 67f.

1660  Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß Watter vom früheren Hauptmann Wille (I./IR 84) schon Mitte der 20er Jahre darüber informiert worden war, daß Behrmann nach seiner Gefangennahme bei Cambrai angegeben hatte, fünf Abschüsse bei Flesquières erzielt zu haben; siehe HStAS, M 660/047, Heft 11: Bericht Willes vom 3.7.1924 über seine Erlebnisse bei Cambrai, S. 16.

1661  Schon 1919 waren die vom FAR 108 reklamierten Tankabschüsse in den Reihen des Regiments und auf einzelne Personen verteilt worden. Dabei waren auf Behrmanns 8./FAR 108 lediglich sechs entfallen; siehe TG FAR 108, S. 97. Das britische amtliche Werk urteilte 1948, daß es unmöglich sei, die Tankverluste von Flesquières einem von einer einzelnen Person bedienten Geschütz zuzuschreiben; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 59, Anm. 2. Dagegen führten schon William-Ellis 1919 an, daß bei Flesquières 16 Tanks direkte Treffer erhalten hatten, womit vielleicht die historiographische Grundlage für die Krüger zugeschriebenen Abschüsse gefunden ist; siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 111.

1662  Das britische amtliche Werk wies 1948 ausdrücklich darauf hin, daß von britischer Seite keine verläßlichen Angaben zur Grundlage von Haigs Aussage gemacht werden konnten; siehe MO 1917, Bd. 3, S 59, Anm. 2. Siehe auch Abschn. 9.6.1.

1663  Siehe Riebicke, S. 142f., und Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in Watter, S. 146. Tatsächlich zeitigte die Einsetzung Krügers als „Held von Flesquières“ selbst in den Reihen der früheren Angehörigen der 54.ID einigen Widerspruch oder zumindest doch Skepsis. Grund dazu bot die Unklarheit der Gefechtssituation und grundsätzlich die Unvereinbarkeit der von verschiedenen Personen zur Sache getroffenen Aussagen; siehe HStAS, M 660/047, Heft 11.

1664  Siehe HStAS, M 660/047, Heft 15: Bericht über die Taten Krügers im Hamburger Fremdenblatt vom 17.11.1937.

1665  Opposition aller Art und Herkunft, die Plänen zur Heeresmotorisierung auf Basis einer Überbewertung der Leistungen von Tanks bzw. Kampfpanzern entgegenstand, wurde etwa von Guderian, Nehring oder Manstein intensiv in ihren Memoiren abgehandelt; siehe bspw.: Guderian, Heinz: Erinnerungen eines Soldaten, Heidelberg 1951, S. 19ff.

1666  Besonders deutlich wird dieser Gegensatz der Anschauungen in der TG RIR 27, S. 415f., in der sich einmal gegen das von Ludendorff entworfene Bild überraschter und überrannter Stellungstruppen sowie ganz besonders gegen die darauf aufbauenden, von einem ausgesprochenen „Panzerbefürworter“, Borchert (ehem. Chef der Kraftfahrtruppen beim AOK 2 und Autor von „Der Kampf gegen Tanks“), formulierten Erkenntnisse aus den Kämpfen bei Cambrai gewandt wurde.

1667  Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 197ff.

1668  Siehe Guderian, Heinz: Achtung-Panzer! Die Entwicklung der Panzerwaffe, ihre Kampftaktik und ihre operativen Möglichkeiten, Stuttgart 5 (1937), S. 64-82. Als Grundlage für die zum Teil sehr detaillierten Schilderungen scheint Guderian ausschließlich Strutz’ auch in seinem Literaturverzeichnis genannten Band 31 der Reihe „Schlachten des Weltkrieges“ genutzt zu haben.

1669  So betitelte Krüger die Berliner Morgenpost vom 21.11.1937, die sich, wie zahlreiche andere Blätter auch, recht intensiv an der Verbreitung des Mythos’ beteiligte; siehe dazu HStAS, M 660/047, Heft 15 und 43.

1670  Eine Abbildung des Denkmals findet sich in Giles, John: The Western Front Then And Now, London 1992, S. 183.

1671  Siehe Watter, Oskar Frhr. v.: An der Spitze des Waffenrings der deutschen Feldartillerie. Abschiedsgruß des Generals, in Watter, S. 228.

1672  Siehe HStAS, M 660/047, Heft 43: Festschrift zur Weihe des Reichsehrenmales der Deutschen Feldartillerie in Köln a. Rhein am 30.August 1936 (Sondernummer der Zeitschrift: „Die Deutsche Feldartillerie“), S. 8.

1673  Siehe Riebicke, S. 142. Auf telefonische Nachfrage bei potentiellen Nachfahren Krügers in Garwitz hin wurde dem Verfasser bestätigt, daß dies mit großem Aufwand geschah und zahlreiche „Goldfasane“, also Vertreter der NSDAP, und hohe Herren der Veteranenverbände und der Wehrmacht anwesend waren.

1674  Im Rahmen der Begutachtung von Namen der Kasernen der Bundeswehr beim MGFA im Jahr 2004 konnte der Verfasser Einsicht in die Unterlagen zur möglichen Benennung einer „Unteroffizier-Krüger-Kaserne“ im Bereich des II.Korps im Jahr 1965 nehmen. Begründet wurde der Vorgang damit, daß sich Krüger zur Hebung des Ansehens der Unteroffiziere in der Bundeswehr eignete, wobei seine Leistungen im Abschuß von 16 Tanks bei Cambrai und seinem Selbstopfer kulminierten (II.Korps, G1-Az 45-01-00, vom 22.9.1965). Die Bundeswehrkaserne in Kusel trägt seinen Namen bis auf den heutigen Tag.

1675  Siehe http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Kasernen/Wehrkreis09/Kaserne_BuedingenKrueger-R.htm . Ein ganz ähnlich gelagertes Beispiel findet sich mit der Winkelmann-Kaserne in Iserlohn, die ihren Namen einem Vizewachtmeister des RFAR 63 verdankte, welcher 13 Tanks mit seinem Geschütz abgeschossen haben soll; siehe dazu http://www.fschjgbtl273.de/winkelmann.htm bzw. Kap. 13.

1676  Ohne vor den Kapiteln zu 1918 zu weit abzuschweifen und den Focus zu sehr auf die deutsche Panzertruppe legen zu wollen, sei nebenbei erwähnt, wie, zeitgleich zu den geschilderten Vorgängen, die heroischen Weltkriegs-Wurzeln der Panzertruppe im Kinofilm gefeiert wurden. Im Ufa-Film „Unternehmen Michael“, Regie: Karl Ritter, 1937, wird eine abgeschnittene deutsche Einheit von einem Beutetank mit Befehlen versorgt, wobei im Kontext des Films klar ist (ab 1.06h Spielzeit), daß einmal nur ein Tank überhaupt durch das feindliche Feuer zu den Eingeschlossenen durchkommen kann, dann das dadurch, bei Gelingen der „Höllenfahrt“ des Vehikels, die moralische Wirkung auf die eigenen Kräfte enorm ist (Spielzeit 1.07h: „Ein deutscher Tank! Ein deutscher!“) und das in einem solchen Gefährt nur der Typus eines neuen Heeresoffiziers zu Hause sein kann. Es handelt sich um einen Offizier, der dem Stereotyp des jungen dynamischen Jagdfliegers entsprechen könnte, aber ohne irgendwelche snobistischen Allüren, ölverschmiert und mit Ruß bedeckt, von einem feisten Unteroffizier einer Stabswache als „Schmierfink“ angesprochen werden kann (Spielzeit 0.59h). Als Beleg der literarischen Aufarbeitung der Wurzeln der deutschen Panzertruppe in dieser Zeit können die Schriften Volckheims angeführt werden, der aus einem reichen Fundus eigener Erfahrungen bei den ersten Panzerverbänden 1918 schöpfen konnte und seit Mitte der 20er Jahre mit mehr oder weniger wissenschaftlichem Impetus schrieb; siehe bspw. Volckheim, Ernst: Der Kampfwagen in der heutigen Kriegführung, Berlin 1924, ders.: Deutsche Kampfwagen greifen an, Berlin 1937 und ders.: Unsere neue Panzertruppe, Berlin 1938.

1677  Wie schwer das attestierte Versagen der OHL hinsichtlich des Erbes der neuen Panzerabwehrtruppen wog, läßt sich an der Diplomarbeit Fleischers ersehen, selbst wenn diese eher technisch orientiert ist und propagandistisch-ideologische Komplexe wie den besagten Gründungsmythos ausklammerte; siehe Fleischer, Wolfgang: Die Entwicklung der Panzerabwehr in Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen. Diplomarbeit, Militärgeschichtliches Institut der DDR, o.O. (Potsdam) o.J., S. 12f.

1678  Bezeichnend dafür und für die Verquickung von Wehrmachts- und Veteraneninteressen war, was Watter 1938 in seiner Abschiedrede als Vorsitzender des Waffenrings der deutschen Feldartillerie bezüglich des Krüger-Denkmals ausführte: „Als Motiv für die Darstellung des bis zum letzten auch am zerschossenen Geschütz noch aufrechterhaltenen Willens zum Widerstand, wurde die im englischen Heeresbericht ruhmvoll genannte Tat eines Unteroffiziers des Feldartillerie-Regiments 108 in der Tankschlacht bei Cambrai genommen. Es war für uns eine Genugtuung, daß der zur Enthüllung gekommene Oberbefehlshaber des Heeres unter dem lebendigen Eindruck sich anerkennend dahin aussprach, daß man bei diesem Denkmal sofort wisse, was damit gesagt sein soll.“ Zitiert nach Watter, Oskar Frhr. v.: An der Spitze des Waffenrings der deutschen Feldartillerie. Abschiedsgruß des Generals, in Watter, S. 228.

1679  Siehe dazu Behrenbeck, Sabine: Heldenkult oder Friedensmahnung? Kriegerdenkmale nach beiden Weltkriegen, in Niedhart, Gottfried/Riesenberger, Dieter (Hg.): Lernen aus dem Krieg? Deutsche Nachkriegszeiten 1918 und 1945 (Beiträge zur historischen Friedensforschung), München 1992, S. 357f.

1680  Wie sehr viel ambivalenter dem Verlauf der Schlacht und ihren Führern begegnet werden mußte oder hätte begegnet werden müssen, legen die bis heute überlieferten Schriftwechsel und Ausarbeitungen der Forschungsanstalt zu Cambrai dar. Das Ergebnis, RA, Bd. 13, S. 124-145, blieb dahinter weit zurück.

1681  Siehe BA-MA, RH 61/51766: Die Tankschlacht bei Cambrai Ende 1917.

1682  Das Reichskriegsministerium wies ausdrücklich darauf hin, daß sich der zuständige Bearbeiter des Ministeriums mit „Wünschen für die Ausgestaltung des Aufsatzes“ an den Präsidenten der Forschungsanstalt wenden würde; siehe ebenda: Reichskriegsministerium 6703/37 J III d vom 15.10.1937. Arbeiten über Cambrai, die sich mit voller Absicht nicht allzusehr an die historische Genauigkeit hielten, hatte es bereits zuvor gegeben, wie Watters heftige Reaktion auf den Artikel eines Rittmeisters a.D. Plessing vom 1930 belegen kann. An der Anfertigung des Beitrages war anscheinend das Reichsarchiv beteiligt, das Watters Reaktion dem Verfassers zukommen ließ. Plessings Antwort auf das Schreiben beinhaltete die gegenüber den zahlreich angemahnten Fehlern bezeichnende Aussage: „Es kommt heute denjenigen gegenüber, die das alles nur hören oder lesen sollen, wohl einzig darauf an, dass sie einen Begriff von der unerhörten Leistung der Truppe, jeden einzelnen Mannes bis hinauf zum Führer bekommen und von den [hervorgeh.] Stunden, in denen die Division vom Führer bis zum neueingetroffenen Rekruten, von allen guten Geistern verlassen, indem die furchtbare Gefahr nicht einmal von der O.H.L. zunächst erkannt und gewürdigt werden konnte oder wollte, auf sich selbst gestellt, sich dieser entfesselten Hölle –ich kann das auch heute nicht anders sagen- gegenüber sah.“ Siehe M 660/047, Heft 16.

1683  Siehe BA-MA, RH 61/51766: Die Tankschlacht bei Cambrai Ende 1917, S. 3. Möglicherweise wollte man sich auf der Seite der Forschungsanstalt nicht allzu sehr auf unbelegbare Mythen einlassen, um den eigenen Ruf zu wahren. Zudem kam man auch ohne Krüger zu nennen dahin, ein feldgraues Helden-Szenario mit vielen Einzeltaten zu konstruieren.

1684  Siehe ebenda S. 2. Die Begriffe „Panzerabwehrgeschütze“ und „Panzerkampfwagen“ sind im Original durch Unterstreichung hervorgehoben. Dasselbe gilt für zahlreiche andere Begriffe und Namen, wie etwa „Flieger“, „Flaks“ und „Freiherr von Richthofen“ (alles S. 6). Es wäre zu spekulieren, ob die Unterstreichungen direkt auf die vom Reichkriegsministerium geäußerten „Wünsche“ bezüglich der inhaltlichen Ausgestaltung und Schwerpunkte des Artikels verweisen.

1685  Siehe Klöss, Erhard (Hg.): Reden des Führers. Politik und Propaganda Adolf Hitlers 1922-1945, München 1967, S. 191.

1686  Wie forciert der Mythos von „Neuen Menschen“ des III.Reiches angelegt war und wie sehr er auf ein mit Legenden überfrachtetes Fronterlebnis des Ersten Weltkrieges aufbaute, zeigte eine Arbeit Hüppaufs. Darin wurden Langemarck, Verdun und Somme als die zentralen Schlachtenmythen ausgemacht; siehe Hüppauf, Bernd: Schlachtenmythen und die Konstruktion des „Neuen Menschen“, in Hirschfeld (u.a. Hg.): „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch“, S. 53-103. Cambrai blieb wohl zu sehr ein Spezialfall mit enger Bindung an einen komplexen militärischen Fachdiskurs und zudem mit derart vielen problematischen Fragen zur deutschen Führung des Weltkrieges behaftet, daß die Schlacht in der Öffentlichkeit ausschließlich mit der markanten und generellen Vorbildfunktionen Krügers als Konstruktionshilfe des Frontkämpfermythos’ nutzbringend sein konnte.

1687  Eines der in dieser Hinsicht ausdruckstärksten Produkte der Verquickung von nationalsozialistisch heroisiertem Frontsoldatentum des Ersten Weltkrieges und neuem Regime stellt die Rundfunkkampagne des Reichssenders Berlin von 1935 dar, die 1938 in Buchform verarbeitet wurde. Unter den friedfertig und gut gemeint erscheinenden Aspekten von Aussöhnung unter den Frontsoldaten aller Seiten, der Klärung der Schicksale Vermißter und Gefallener sowie der Pflege von Kameradschaft kam ein Stück Musterpropaganda zustande, das in die Richtung wies, die in Hitlers Rede am 26.9.1938 zum Ausdruck gebracht werden sollte. Unter anderen Beispielen ist besonders das im Buch enthaltene Hörspiel des bekannten Kriegsschriftstellers Ettighofer, „Traum am Douaumont“ bemerkenswert. Es schildert den schaurig-fiktiven Besuch von drei bei Verdun 1916 Gefallenen im nationalsozialistischen Deutschland von 1938 und zeigt deren Beglückung im Angesicht der geistigen und materiellen Wiederaufrüstung ihres Vaterlandes. Nachdem sie ihre „prachtvollen“ Nachfolger in „Feldgrau“ und dazu die Flieger, Bomber („Fliegende Festungen“) und die von Kraftwagen gezogenen Panzerabwehrgeschütze gesehen haben, kehren sie, beruhigt für die „Ewigkeit“, in ihre Gräber zurück. Siehe Ettighofer, Paul C.: Traum am Douaumont. Ein Hörspiel von Kameradschaft und Ehre, in ders.: „Wo bist du- Kamerad?“ Fronterlebnisse unbekannter Soldaten, Essen 1938, S. 304-329.

1688  Wie an den überlieferten Manuskripten zu diesem Teil des Weltkriegswerkes deutlich wird, wurden Passagen, die Uneinheitlichkeiten innerhalb des Führungsgebietes der Gruppe Caudry vor dem 20.11.1917 illustrieren mußten sowie Fragen nach der Unterstellung von Verbänden unter die 54.ID für den „Fall Havrincourt“ hätten aufkommen lassen können, gestrichen; siehe BA-MA, RH 61/51765, Heft/Akt 1826: Manuskript Renner zur Schlacht bei Cambrai von 1939, S. 6.

1689  Siehe RA, Bd. 13, S. 125f. Dasselbe ist für „Der Weltkrieg wie er ist!“ von Moeller/Reinicke, zwei Stabsoffiziere des OKW bzw. des OKH, zu sagen, die ihrer Leserschaft 1942 Lehren des „Frontkämpfers“ des Ersten Weltkrieges an die Hand geben wollten. Dahinter verbarg sich in erster Linie ein in Kapiteln zu verschiedenen Gefechtsformen subsumiertes Konglomerat an Beispielen für Durchhaltewillen, kühlen Professionalismus eines deutschen Über-Soldaten und Todesverachtung. Das entsprechend konzipierte Kapitel zu Cambrai (S. 159-205) ließ es aus, grundlegende Fragen, etwa nach dem Ursprung der augenscheinlich verzweifelten Lage der Truppe im Angesicht der Tankmassen, zu stellen, oder diese gar zu beantworten.

1690  Siehe RA, Bd. 13, S. 126ff.

1691  Siehe ebenda, S. 145.

1692  Ein Paradebeispiel für diesen Umstand stellt der Artikel Werths zu Cambrai in der „Enzyklopädie Erster Weltkrieg“ dar. Nicht nur die enthaltenen Information weisen allergrößte Nähe zu englischsprachigen Darstellungen auf, sondern auch der einzige Literaturhinweis, zu Smithers‘ „Cambrai“, ist bezeichnend. Mit einem Blick in Smithers’ Bemerkungen zu den von ihm selbst genutzten Quellen und Titeln wird deutlich, daß die Perspektive des ehemaligen deutschen Kriegsgegners nahezu vollständig ausgeklammert bleibt. Lediglich eine englische Übersetzung von Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“ findet überhaupt Erwähnung. Siehe Werth: Cambrai, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg, S. 403-404, bzw. Smithers: Cambrai, S. 184ff.

1693  Siehe bspw. http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Cambrai (Stand vom 14.02.2006). Als internationale Enzyklopädie gedacht und mittlerweile von einem zumindest zweifelhaften Ruf behaftet, der auch zahlreiche Kritiker auf den Plan rief, dürfte Wikipedia eine der meistbesuchten Informationsplattformen weltweit sein. Dementsprechend sollte dort dargebotenen Inhalten, etwa dem dubiosen Artikel zu Cambrai, entsprechende Beachtung auch in einer wissenschaftlichen Arbeit geschenkt werden dürfen.

1694  Siehe ebenda. Unter der Hutier-Taktik soll dem Artikel zufolge „gezieltes Einsetzen dieser Stoßtruppen [?] in kleinen Operationsgebieten“ verstanden werden, was die deutschen Erfolge von 1918 ermöglichte. Wie man durch den internen Wikipedia-Link zur Seite über Oskar von Hutier erfahren kann, gilt er als Urheber der „Infiltrationstaktik“, die u.a. bei Cambrai 1917 die Rückeroberung des während der Tankschlacht verlorenen Geländes ermöglicht haben soll; siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_von_Hutier (Stand vom 14.02.2006).

1695  Siehe Gruss: Die Deutschen Sturmbataillone, S. 96.

1696  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 177.

1697  So formuliert in einem Bericht der durch Teile des Sturmbataillons 3 verstärkten 28.ID zu den Erfahrungen beim Gegenangriff; siehe Gruss: Die Deutschen Sturmbataillone, S. 96f. Smithers führte zudem an, daß die Angreifer sich im hügeligen Gelände sehr gut verschiedener Einschnitte und Hohlwege bedienen konnten, Gas und Nebel die Sicht der Verteidiger einschränkten und diese zudem massiv von deutschen Tief- und Schlachtfliegern angegriffen wurden; siehe Smithers: Cambrai, S. 158f. Es wäre demzufolge anzunehmen, daß die Wahrnehmung des deutschen Vorstoßes und seiner Ausführung an vielen Stellen äußerst begrenzt war.

1698  Hinweise auf eine derartige Durchbildung von Führern und Truppe ließen sich nicht finden. Was, wie bei der 34.ID, gegeben zu sein scheint, sind Elemente des Bewegungskrieges bei der früheren Ausbildung als Eingreifdivision oder divisions- oder verbandsinterne Lehren aus vorherigen Kämpfen; Abschn. 9.5.

1699  Wie verbreitet die Annahme einer erheblichen Bedeutung der Sturmtruppen und der Infiltrationstaktik bei Cambrai 1917 ist, kann mit geringem Aufwand, etwa mit den Suchbegriffen „Stormtrooper Cambrai“, über Internet-Suchmaschinen überprüft werden. Wie durch zahlreiche Ergebnisse nahegelegt wird, findet sich zumindest ein Ursprung der Legende in einem Cambrai gewidmeten Kapitel einer neueren Arbeit zur Taktik der deutschen Sturmtruppen des Ersten Weltkrieges; siehe Gudmundsson, Bruce I.: Stormtroop Tactics, New York 1989, S. 140-154. Siehe auch Paschall: Defeat, S. 127, und Asprey: The German High Command At War, S. 353, dort: „The storm struck early on November 30 with a brief but effective bombardment by gas and smoke shells. Small German units composed of Sturmtruppen or storm troops used von Hutier’s new assault tactics to bypass enemy strongpoints and penetrate weaker points in the British line. Lager units followed to neutralize strongpoints while the spearhead advanced over two miles west of the British line to be halted only with difficulty by infantry and tanks.”

1700  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 88. Fuller nannte in seinen Kriegserinnerungen die Verlustzahlen der 16.(Infanterie-)Brigade, welche zwischen dem 20. und 23.11.1917 209 Mann verlor: „Jeder, der diese Verluste, mit denen irgendeiner Front-Brigade während der ersten drei Tage des Kampfes entweder der Schlacht an der Somme oder der Schlacht von Passchendaele vergleicht, wird verblüfft sein, wie niedrig sie sind.“ Zitiert nach Fuller: Erinnerungen, S. 190.

1701  Ein Autor erwähnt ausdrücklich, daß es das erste Mal während des Krieges überhaupt war, daß zu einer derart emotionsgeladenen Verkündigung einer absolut eindeutigen Siegesbotschaft geschritten wurde; siehe Griffith: Battle Tactics, S. 164.

1702  Das Erinnerungsbüchlein der HGr Rupprecht zur Schlacht beinhaltete einen Abschnitt zum „Stand des engl. Stimmungsbarometers waehrend der Schlacht“, worin Presseaussagen verschiedener britischer Zeitungen zwischen den Extremen „Ein glaenzender Sieg“ (Times, 22.11.1917) und „Mißgeschick“ (Daily Telegraph, 6.12.1917) propagandistisch ausgeschlachtet wurden. Das Glockenläuten wurde und wird in nahezu sämtlichen Schriften zur Schlacht thematisiert; siehe u.v.a. Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in Watter, S. 136, oder Keegan, S. 514.

1703  Siehe Marshall-Cornwall: Haig, S. 251, Winter: Haig’s Command, S. 123f., und Smithers: Cambrai, S. 124.

1704  Die unmittelbare Verbindung der Siegeszeichen und Pressemitteilungen mit dem Wert des Tanks funktionierte in den Folgetagen so sehr, daß der Tank Synonym für Siegeszuversicht generell werden konnte, als Werbemittel für Kriegsanleihen äußerst erfolgreich war und dies über die Niederlage nach dem 30.11.1917 hinaus auch bleib; siehe Wright, S. 81ff. „There has been no more popular appeal to investors, large and small, than the Tank. This mysterious engine of war has excited the imagination and the curiosity of everybody. Coming as it did out of the trenches direct to the homes of British people, it touched the hearts of those part it was to remain in Blightly.“ Zitiert nach ebenda, S. 92.

1705  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 197.

1706  Durch eine Dankadresse des Befehlshabers der 3.Armee an Elles und dessen Tank Corps wurde diese Auffassung am 27.11.1917 grundsätzlich manifestiert; siehe ebenda, S. 193.

1707  Zitiert nach Smithers: Cambrai, S. 122.

1708  Siehe Abschn. 9.3. und Paschall: Defeat, S. 114.

1709  Die britische Presse feierte den Einsatz der Schwadron als „one of the most thrilling charges in British cavalry annals. The squadron sabred its way through a battery of German guns and penetrated two miles into enemy territory. It fought its way back on foot, bringing in all its wounded and a dozen prisoners, having killed 150 of the enemy and put a battery out of action.“ Zitiert nach TWI vom 5.1.1918, S. 403. Die für den Umgang der Kriegspropaganda mit Fakten große Beispielhaftigkeit dieser Darstellung läßt sich übrigens bereits im Vergleich zu den zeitgenössischen Meldungen über die Episode, die tatsächlich nur 9 deutsche Gefangene und 12 Überlebende der Schwadron zurück in den britischen Linien sah, belegen; siehe http://www.webmatters.net/france/ww1_cambrai_fgh.htm bzw. den Bericht des mit dem Victoria Kreuz ausgezeichneten Schwadronführers, Lt. Strachan, unter http://www.webmatters.net/france/ww1_cambrai_fgh2.htm .

1710  Siehe dazu MO 1917, Bd. 3, S. 279.

1711  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 190.

1712  Siehe RA, Bd. 13, S. 128.

1713  Zitiert nach HStAS, M 660/047, Heft 11: Bericht Willes vom 3.7.1924 über seine Erlebnisse bei Cambrai, S. 8f. Auf S. 10 des Berichtes beschrieb Wille das „planlose Herumkutschieren der englischen Batterien und auch die Reitübungen der Cavallerie“ zudem als „komisch“ und unterstrich nochmals die aus diesen Beobachtungen resultierende Hoffnung der in Gefangenschaft geratenen Deutschen darauf, daß der Angriff „sehr bald pariert werden würde“.

1714  Siehe TG IR 84, S. 91.

1715  Siehe MO 1917, Bd. 3, App. 6a (Third Army Artillery Instructions No. 18), S. 323.

1716  Siehe ebenda, App. 2 (Third Army Instructions To Cavalry Corps), S. 309.

1717  Siehe ebenda, S. 310.

1718  Siehe ebenda, S. 309f.

1719  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 191: „Was die Tanks anbelangt, so mußten wir die kampfmüde 3.Brigade aus dem Abschnitt des III.Korps in den des IV.Korps dirigieren, eine Seitenbewegung, die die meisten Telegraphen- und Telephondrähte zerstörte und eine grenzenlose Verwirrung hervorrief.“

1720  Daß es sich bei den Kommunikationsproblemen auch beim mit Funkstationen ausgerüsteten Tank Corps um einen dauernden Zustand während der Kämpfe handelte, führte der Bericht des Nachrichtenoffiziers der 2.Tank-Brigade deutlich aus. Sein Fazit für die Belange des Tank Corps lautete: „Die Erfahrungen haben mich überzeugt, dass es ausgeschlossen ist, bei grösseren Kampfhandlungen Unterstützung durch das bestehende Nachrichtenmittelnetz zu bekommen. [... .] Die in der Druckvorschrift SS 167 vorgeschlagenen Einrichtungen haben völlig versagt. Um eine gut arbeitende Verbindung vor der Kampfhandlung aufrecht erhalten zu können, ist es notwendig, einen Bauzug zu haben, welcher rasch leichte Luftleitungen –am besten auf den leichten schwarz-weissen Masten- herstellt. Dazu muß die Abteilung einen besonders hierfür eingerichteten 3 Tonnen-Kraftwagen haben. Kabelleitung ist unpraktisch, da die Leitungen dort, wo Tanks operieren, auf Masten angebracht werden müssen, sonst werden sie dauernd von den Tanks zerstört.“ Zitiert nach BA-MA, PH 3/561: Erfahrungen der 2.Tank-Brigade in der Cambraischlacht, Bl. 90f. Über die Funkstationen des Tank Corps legte der Funkoffizier der Brigade einen gesonderten Bericht vor (ebenda, Bl. 91), der Schwierigkeiten beim Stellungswechsel und Transport des Gerätes herausstellte.

1721  Siehe Paschall: Defeat, S. 112: „Throughout the day the cavalry units moved from one place to another, mostly on false information.“ Siehe dazu auch Cooper: Cambrai, S. 132ff.

1722  Siehe Cooper: Cambrai, S. 224, und Paschall: Defeat, S. 126: „An exploited breakthrough would probably involve a maneuver of fifty to sixty miles. While losses would decrease in the enemy rear, there was little doubt that a tank formation in 1917 would not be able to sustain a march of ten to twelve miles. That left only the infantry to exploit a breakthrough, and there is no indication that the British were prepared to use their foot soldiers in this role. Thus, although the British army hat demonstrated that it could achieve a penetration, it was poorly prepared to sustain a breakthrough, and had little hope of taking advantage of it.”

1723  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 281f. Zu den Angeboten siehe Abschn. 9.3. bzw. MO 1917, Bd. 3, S. 86, Smithers: Cambrai, S. 121, und Cave/Horsfall: Flesquières, S. 58. Fullers Vorstellung allerdings, daß die herankommende Kavallerie mit Leichtigkeit die Verteidiger durch beherzte Attacke in Rücken und Flanke zur Aufgabe zwingen und den Ort „in einer halben Stunde“ hätte säubern können, klingt, nach dem zu urteilen, was die Verteidiger schon zuvor erfolgreich be- und überstanden hatten, mehr als optimistisch; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 188.

1724  Tatsächlich findet sich nicht nur diese Beschuldigung in der umfangreichen Literatur zur Schlacht, sondern generell der Vorwurf, daß Harpers Fehlentscheidungen beim Einsatz der Tanks und damit das quasi zwangsweise existente Problem mit dem Bollwerk Flesquières ursächlich für das Scheitern der gesamten Operation verantwortlich zu machen sei; siehe dazu die Ausführungen bei Fuller: Erinnerungen, S. 187, worin die Kritik. Wie für den Autor üblich, allerdings sehr stark auch gegen die höhere Führung, hier das IV.Korps, richtete, und siehe bspw. auch Smithers: Cambrai, S. 118ff. und Keegan, S. 514.

1725  Siehe dazu auch Moore: Bourlon, S. 72f.

1726  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 281.

1727  Siehe Abschn. 9.3. bzw. MO 1917, Bd. 3, S. 73.

1728  Siehe Moore: Bourlon, S. 82.

1729  Siehe Cooper: Cambrai, S. 126f.

1730  Siehe ebenda, S. 128.

1731  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 191, William-Ellis: Tank Corps, S. 115, Moore: Bourlon, S. 80, Cooper: Cambrai, S. 224, und Abschn. 9.2.

1732  Dies gilt im übrigen auch für die französischen Kräfte, die Gewehr bei Fuß standen, um im Fall des Durchbruchs den Einsatzbefehl zu erhalten. Haig beschloß, sie nicht heranzuführen, obwohl er die Fortsetzung des Unternehmens befahl und davon ausging, auf zusätzliche Unterstützung angewiesen zu sein; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 91. Zu der Einschätzung des Verfassers, daß die tatsächlich vorhandenen Reserven nicht angemessen genutzt wurden, kam auch Müller in seinem Artikel in der Militärwissenschaftlichen Rundschau. Ihn interessierten die ihren Einsatz in der Praxis hemmenden Zustände allerdings nicht; siehe Müller: Der englische Panzerangriff bei Cambrai, in Militärwissenschaftliche Rundschau, Heft 3/1939, S. 408.

1733  Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 293ff., Moore: Bourlon, S. 165ff., Marshall-Cornwall: Haig, S. 254ff., und Johnson: Stalemate, S. 197f.

1734  Bei einer für die britische Seite positiv ausgelegten Berechnung, die auf qualitative Wertungen vollends verzichtet und die deutsche 107.ID als einsatzfähigen Kampfverband einbezieht, kommt man auf ein Verhältnis der Infanteriebataillone von 120 britischen bei der 3.Armee gegen 45 deutsche der Gruppe Caudry. Die 5 britischen Kavalleriedivisionen sind nicht berücksichtigt und, für die Einschätzung der deutschen Abwehrkraft wesentlich, die deutsche Artilleriestärke im Angriffssektor bleibt unverändert auf geringem Niveau.

1735  Siehe Abschn. 9.6.2.

1736  Siehe bspw. Cooper: Cambrai, S. 225: „Whatever it did not achieve, Cambrai proved beyond any doubt the value of tanks. The Tank Corps came through with flying colours and even Haig and others at GHQ were convinced.”

1737  Das Taschenbuch der Tanks bezeichnete die britischen Tankverluste „keineswegs als zu hoch“, was die Durchdringung der Siegfried-Stellung bis zum Mittag des 20.11.1917 anbelangte. Es ging, für diesen unerklärlicherweise isoliert betrachteten Zeitraum, von 59 verlorenen Fahrzeugen (knapp über 16% der hier angenommenen 362 Tanks) aus; siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 46.

1738  Dabei wäre u.a. zu nennen Paschall: Defeat, S. 113. In diesem Fall tritt die Person des Divisionskommandeurs, Watter, weit hinter dem als ausschlaggebend klassifizierten Krebs zurück, dessen Taten quasi gleichberechtigt neben den Fehlentscheidungen Harpers erscheinen. Erst mit Krebs –oder besser, erst bei Cambrai durch ihn- lernten die Deutschen „to direct their machine-gun fire at the vision slits of a tank.“ (S. 114.)

1739  Siehe Keegan, S. 514. Kaum so klar wie hier wird dem Leser in wenigen Zeilen dargelegt, wieviel Schuld Harper ganz persönlich daran trug, dem Befehlshaber der 3.Armee (nicht Haig!) den Durchbruch versagt zu haben. Dies ist angesichts des anzunehmenden Verbreitungsgrades des Buches bedauerlich.

1740  Siehe Moore: Bourlon, S. 82.

1741  Siehe TG FAR 108, S. 96.

1742  Vgl. Travers, Tim: How The War Was Won, S. 7. Selbst in diesem Buch, das durchaus die Mängel des Mark IV und die blutigen Verluste gegen die deutsche Tankabwehr bei Cambrai berücksichtigte, klang zumindest an, daß es die fehlende Nähe zwischen Tanks und Infanterie war, welche der deutschen Feldartillerie die Gelegenheit zum effizienten Einsatz bot. Dem ist generalisierend schon deshalb entgegenzutreten, weil die Reichweite der Feldgeschütze erheblich größer war als diejenige der Infanteriewaffen, deren Wirkungsmöglichkeit gegen weiter entfernt stehende Batterien dementsprechend gering sein mußte.

1743  Bereits im September 1917 hatten Versuche mit dem Mark IV in der Heimat seine fahrtechnischen Mängel herausgestellt; siehe Smithers: Excalibur, S. 146f.

1744  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 202, und MO 1917, Bd. 3, S. 290f.

1745  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 202.

1746  Die Zahlen für die Tankverluste und -ausfälle am 20.11.1917 werden durchweg so angegeben, wie angeführt; siehe bspw. Cooper: Cambrai, S. 135. Für die folgenden Tage fehlen entsprechende Angaben und sind letztendlich so unsicher wie die Gesamtzahl der am ersten Schlachttag überhaupt eingesetzten Fahrzeuge.

1747  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 191: „Er [Elles] war fröhlich gestimmt, doch ich wußte, daß die Schlacht vorüber war oder vielmehr, daß man ihre Beendigung hätte verkünden müssen, denn ohne Reserven glich sie einem Motor, dem der Betriebsstoff ausgeht. [... .] So weit war es eine Ritter-Turnierschlacht gewesen. Jetzt aber, infolge des Mangels an Reserven, sollte es ein Handgemenge werden, eine Reihe von tapferen, heroischen, verworrenen, hastig inszenierten, unsicheren Angriffen, in denen Infanterie und Tanks hingeschlachtet und außer Gefecht gesetzt wurden, und zu keinem anderen Zweck, als nur um die Schlacht fortzusetzen.“

1748  Zu den Fahrzeugdaten siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 25.

1749  Tatsächlich sollte mit der Serienproduktion bereits im Oktober 1917 begonnen werden, was sich durch das Fehlen verschiedener Bauteile verschob; siehe dazu Childs, S. 34.

1750  Zu den Fahrzeugdaten siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 26f.

1751  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 114f.

1752  Siehe dazu Childs, S. 34ff.

1753  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 198.

1754  Siehe Fuller: Tanks, S. 153.

1755  Der Begriff ist zugegebenermaßen nur allzu schnell und nur allzu leichtfertig gebraucht. Travers weist in seiner Arbeit berechtigterweise darauf hin, daß bezüglich der Positionierung gegenüber dem Tank wenigstens vier Gruppen zu unterscheiden seien: Die enthusiastischen Befürworter (bspw. Fuller und Churchill), die starken Befürworter, die sich eine Schlüsselstellung der neuen technischen Waffe(n) wenigstens sehr gut vorstellen konnten (Rawlinson oder der Befehlshaber des Mitte 1918 formierten Australischen Korps, Monash; siehe Abschn. 10.2. und Kap. 12.), die Traditionalisten (Haig oder Harper) und die graue Masse der Unentschlossenen. Fullers Erinnerungen machen dazu noch überdeutlich, daß es jedenfalls in der erstgenannten, vordergründig so eindeutig positionierten Gruppe deutliche Differenzen in den individuellen Anschauungen gab; siehe Travers: How The War Was Won, S. 42f., bzw. Fuller: Erinnerungen, S. 199f.

1756  Die Planungen waren darauf ausgerichtet, zusätzlich zu den etwa 450 vorhandenen Schneider und St.Chamond bis Ende 1918 30 Bataillone des leichten Typs FT-17 mit insgesamt 4.000 Wagen zu formieren; siehe LAF, Bd. VI.2., S. 55.

1757  Dabei war durch Stern ein britisch-französisch-amerikanisches Projekt zum Bau eines schweren Tanks, dem Mark VIII oder „Liberty Tank“, initiiert worden. Vom Mark VIII sollten auf französischem Boden noch 1918 1.500 Stück für die britische und amerikanische Armee gebaut werden, wozu es allerdings bis Kriegsende nicht mehr kam. Von diesem Projekt erfuhr man auf deutscher Seite durch Gefangenaussagen im August 1918; siehe dazu Fuller: Erinnerungen, S. 200, Smithers: Excalibur, S. 145, bzw. HStAS, M 206, Bü. 9: GK zbV 54 Abtlg. Ic Nr. 170 vom 6.8.1918.

1758  Siehe Kap. 2.3.

1759  Zitiert nach Churchill, Winston: The World Crisis 1911-1918, Bd. II, London o.J. (1923), S. 1271. Die Textpassage entstammt einem Memorandum Churchills an das War Cabinet vom 5.3.1918 über das Rüstungsprogramm für 1919. Churchill sicherte sich übrigens durch seine gerade in dieser Phase, nach Cambrai, „weitschauenden und gründlich durchdachten Abhandlungen“ als Munitionsminister das Wohlwollen Fullers bis in dessen Erinnerungen hinein, was angesichts der so breitgefächerten und scharfen Kritik des visionen- und ideengeladenen, damaligen Oberstleutnants an Vorgesetzten aller Art und Rangstufen schon beachtlich sein muß; siehe Fuller: Erinnerungen, bspw. S. 197.

1760  Siehe ebenda. Interessant ist, daß Fuller den zur Tankabwehr vorbereiteten Feind selbst ja auch ausgemacht und zum Gegenstand von Abhandlungen gemacht hatte, diesen Umstand seinerseits aber als zwingenden Grund für bessere und vor allem zahlreichere Tanks anführte.

1761  Siehe dazu Travers: How The War Was Won, S. 37.

1762  Siehe Churchill: World Crisis, Bd. II, S. 1255.

1763  Siehe dazu auch Fuller: Erinnerungen, S. 199.

1764  Siehe ebenda, S. 103f. und S. 199, bzw. Kap. 8.

1765  Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 199 und S. 218f., sowie Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 50f.

1766  Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240), bspw.: HGr Rupprecht Ia Nr. 4372 geh. vom 5.11.1917. Das Dokument, das in seiner Form keinen Einzelfall bei der Konzentration der HGr auf diesem Frontabschnitt darstellt, beginnt mit den Worten: „Es ist jetzt schon zu erwägen, welche Maßnahmen nach Beendigung des Großkampfes in Flandern zu treffen sind.“ Vergleichbare Aussagen wie die folgenden detaillierten Anweisungen fehlen für andere Sektoren des Führungsbereiches der HGr.

1767  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 394. Ludendorff wiederholte an dieser Stelle zwar nicht den damals gegenüber Kronprinz Rupprecht vorgebrachten Vorwurf des Versagens, bedeute dem Leser aber, daß sich das Absenden von Verstärkungen durch die Abwesenheit des Stabschefs der Heeresgruppe verzögerte.

1768  Siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 292.

1769  Die Besprechung hatte am 11.11.1917 bei der HGr Rupprecht in Mons in Anwesenheit der Stabschefs der HGr Kronprinz, der 2. und 6.Armee stattgefunden; siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 284f., und Asprey: The German High Command At War, S. 349.

1770  Anders als Kronprinz Rupprecht ging Kuhl in seinen Aufzeichnungen mit keinem Wort auf die Kritik Ludendorffs ein, sondern unterließ es zugunsten der Frage nach der Bedeutung des deutschen Gegenangriffs und der Offensivplanungen für 1918 vielmehr, überhaupt auf die „Tankschlacht“ einzugehen; siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, Einträge nach dem 21.11.1917.

1771  Die aus Kronprinz Rupprechts Aufzeichnungen herauszulesende Hoffnung, daß alles halb so schlimm ausfallen würde, fand sich am Abend des 20.11. nicht bestätigt; siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 291f.

1772  Siehe dazu Abschn. 8.1. und 8.2.

1773  Ein besonders deutliches Beispiel dafür läßt sich mit den Vorgängen rund um das AOK 6 der Heeresgruppe Rupprecht in der Osterschlacht bei Arras von 1917 verorten, siehe Abschn. 5.6.2.

1774  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 144, Bl. 16: Gr Caudry Ia Nr. 403 op., Lagebeurteilung vom 21.11.1917, 11 Uhr.

1775  Einen aktenkundigen Hinweis auf Anschuldigungen gegen die Gruppe wegen des Einsatzes der Division beziehungsweise deren Unterstellungsverhältnisse am 20.11. durch das AOK 2 oder die Führung der 54.ID ließ sich für diesen Zeitpunkt nicht ausmachen. Daß das AOK etwa fernmündlich kompromittierende Fragen formuliert hatte, ist allerdings möglich.

1776  Ludendorff ging auf die kritische Situation des Heeres und ihre Wahrnehmung durch die OHL auch als Anlaß für den Entscheidungsschlag 1918 in seinen Kriegserinnerungen ein. In den vom Verfasser gesichteten Archivalien zu den Kämpfen bei Cambrai fand sich dazu nichts; siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 434.

1777  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721 AOK 2 Ia Nr. 434/Nov. vom 23.11.1917.

1778  Zu diesem Umstand schrieb der über einen primär auf den Unterlagen der höchsten Kommandobehörden basierenden Artikel zu Cambrai erzürnte Krebs 1927 an den Verfasser, den ehemaligen Stabschef der Gr Caudry, Müller-Loebnitz: „Das bedauere ich [daß nur diese Akten benutzt wurden], zumal ich auch schon im Kriege –nach den Tagen von Cambrai- den Eindruck hatte, dass zur Klarstellung der Ereignisse die Truppe und ihre Führer, die doch in erster Linie dazu hätten beitragen müssen, nicht bezw. nicht genügend herangezogen worden sind. [... .] Die über den Tankangriff am 20.XI.17 von Generalfeldmarschall v. Hindenburg in seinen ‚Lebenserinnerungen’ und vom General Ludendorff in seinen ‚Kriegserinnerungen’ gefällten Urteile können m.E. nur auf der mündlichen und schriftlichen Berichterstattung der 54.I.D. vorgesetzten Kdobehörden beruhen.“ Zitiert nach HStAS, M 660/047, Heft 16.

1779  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: AOK 2 Ia Nr. 434/Nov. vom 23.11.1917, Ziff. 1.). Beachtenswert ist, daß ausgerechnet die infanteristische Tankbekämpfung zuerst genannt wurde, nicht etwa die für die Schlacht wesentlich wichtigeren Defizite der artilleristischen Fern- und Nahbekämpfung. Als Ziffer 2.) folgte die Abwehrleistung der deutschen gegenüber der feindlichen Infanterie. Sehr überspitzt, aber wohl nicht zu unrecht, dürfte man hier anführen, daß den übergeordneten Dienststellen damit das gegeben wurde, was diese auch zur Beruhigung und Beschwichtigung hören wollten, vorher gehört hatten und auch weiterhin, ungeachtet aller abweichenden Erkenntnisse, hören würden: Der deutsche Soldat war dem Feind überlegen, gleich unter welchen Verhältnissen.

1780  Siehe ebenda, Ziff. 8.).

1781  Siehe ebenda, Ziff. 7.). Ziff. 4.) wies außerdem darauf hin, daß jedem Bataillon zwei Geschütze zur Tankabwehr beigegeben worden waren und man darf annehmen, daß auch dies als „Lehre“ verstanden werden sollte. Zu diesen Maßnahmen und ihrer längst erfolgten Diskussion vgl. bspw. Abschn. 5.6.2., 6.5.2. und 7.1.

1782  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0002: HGr Rupprecht Ic No 4561 geh. vom 24.11.1917.

1783  Wie aus den Aufzeichnungen Kuhls hervorgeht, erfuhr die HGr Rupprecht erst im Laufe des 19.11. vom AOK 2, „daß irgend etwas bevorstände, aber auch offenbar nur ein örtlicher Angriff“; siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): Tagebucheintrag Kuhls vom 22.11.1917.

1784  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 32: HGr Rupprecht Ia Nr. 4477 geh. vom 17.11.1917, Lage bei 2.Armee, und ebenda, Akt: 208, Bl. 55: Lagemeldung der HGr Rupprecht vom 18.11.1917, mittags.

1785  Einen interessanten Beleg für diese Verfahrensweise stellte etwa auch die Warnung der HGr Rupprecht durch die OHL vor feindlichen Truppenbewegungen bei St.Quentin dar, das so weit nun nicht vom Sektor Cambrai entfernt war und wo man auf Bahnverkehr hinter der englischen Front (!) aufmerksam geworden war; siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): OHL (Ia Nr. 5337 geh. op.) an HGr Rupprecht vom 14.11.1917.

1786  Moser sprach von einem weit verbreiteten Kadavergehorsam der kommandierenden Generale gegenüber der höheren Führung. Den Gruppenkommandeuren sei der Einblick in größere Zusammenhänge zudem verwehrt worden, was die Bildung eigener Urteile und die Äußerung abweichender Meinungen von sich aus unterband. Mißtrauen gegenüber der Armeeführung aber auch Abstumpfung seien die Folgen dieser Zustände gewesen. Auch General v. Gallwitz führte entsprechende Anmerkungen zu Führungsverhältnissen an der Westfront aus, allerdings von der Position des Armeeoberbefehlshabers der 5.Armee aus gesehen. Nach schweren Mißerfolgen bei Verdun im Frühjahr 1917 sei eine Art Kontrollsystem durch die OHL und dann die Heeresgruppe Kronprinz zum Prinzip erklärt worden, das ihm mit tradierten Führungsgrundsätzen unvereinbar und zutiefst peinlich erschien: „Wo sind unsere altpreußischen Grundsätze hin? Man verliert wirklich die Lust an der eigenen Arbeit und die Verantwortungsfreudigkeit.“ Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 334, bzw. BA-MA, N 2214/32: Nachlaß Obkircher, Auszüge aus von Gallwitz, Bd. II‚ Erleben im Westen 1916/18, S. 4.

1787  Schon 1916 hatte Kuhl die ersten Anregungen zur passiven Tankabwehr mittels Hindernissen gegeben, und die Heeresgruppe Rupprecht wog sich spätestens seit den Kämpfen bei Arras im Frühjahr hinter der Siegfried-Stellung in Sicherheit. Damals waren Gräben von 2,50m Breite als für Tanks unüberwindlich und einige zufällig vorhandene Baugruben in der eigenen Linie als musterhafte Tankfallen präsentiert worden. Siehe dazu Abschn. 3.5.2. bzw. 5.6.2. und 8.2.

1788  So nicht zuletzt formuliert als Erfahrung der Osterschlacht von Arras, aber auch zuvor bereits als äußerst bedeutender Faktor bei feindlichen Angriffen und vor allem für Tankeinsätze eingestuft. Noch Mitte September 1917 hatte die HGr Rupprecht die unterstellten Armeen darauf hingewiesen, daß es die in Rauch in Staub unerkannt an die Truppe herangelangten Tanks gewesen waren, die für Verwirrung und Verluste verantwortlich gemacht werden konnten; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 573: HGr Rupprecht Art. Nr. 27557 vom 16.9.1917. Die Anwesenheit von Tanks, die wenigstens seit der Abwehrvorschrift des AOK 6 von März 1917 (siehe Abschn. 4.2.) uneingeschränkt als Ankündigung eines größeren Angriffs gewertet werden mußte, war der HGr am 19.11. bekannt, ohne daß es ihrerseits zu einer Reaktion auf die Bedrohung kam. Damals hatte man u.a. gesagt: „Haupterfordernis: fruehzeitiges Erkennen und Bekaempfen: (dies bester Schutz gegen Tanks). Endziel: Vernichtung durch Massenfeuer ganzer Batterien, bevor Tanks zum Nahangriff uebergehen.“ Zitiert nach MGFA, Bibliothek, Signatur 53000: AOK 6, Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917, S. 6, Ziff. 19.

1789  Siehe Kap. 5. und Abschn. 9.2.

1790  Zitiert nach KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0003: HGr Rupprecht Ic No 4561 geh. vom 24.11.1917.

1791  Loßberg äußerte gegenüber Kuhl, daß das AOK 6 am 9.4.1917 Opfer eines Überraschungsangriff geworden sei, was nur möglich gewesen sei, weil man fest mit einem mehrere Tage dauernden Trommelfeuer gerechnet habe; siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 58, Eintrag zum 21.4.1917.

1792  Siehe Abschn. 8.2. bzw. HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 152f.: AOK 7 Ia Nr. 101/Nov. 17 vom 14.11.1917.

1793  Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 241): HGr Kronprinz Ia 2225 geh. (eingegangen bei OHL am 6.12.1917) und HGr Herzog Albrecht Abtlg. Ia Nr. 4846 geh. op. vom 9.12.1917. Das GK XIX.AK bei der 6.Armee sprach die Verhältnisse überaus deutlich an, indem es auf die „Notwendigkeit zur Selbsthilfe“ zu sprechen kam, welche aus dem Mangel an Abwehrkräften resultierte; siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 88, Akt: 40, Bl. ILL 40 [Behelfsangabe d. Verf.]: Gr Aubers Nr. 6193 Ia op. vom 25.11.1917.

1794  Zitiert nach KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 27: HGr Rupprecht Ia Nr. 4567 geh. vom 25.11.1917 (bei der OHL via Fernschreiber am 24.11.1917 abends eingegangen).

1795  Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): Auszug aus dem Bericht der HGr Rupprecht (Nr. 4567) nach den Unterlagen der Operationsabteilung der OHL, die ihn mit Datum vom 25.11.1917 in ihre Akten aufnahm, S. 2.

1796  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 27: HGr Rupprecht Ia Nr. 4567 geh. vom 25.11.1917.

1797  Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): Auszug aus dem Bericht der HGr Rupprecht (Nr. 4567) nach den Unterlagen der Operationsabteilung der OHL, S. 1.

1798  Siehe ebenda, S. 1f. Es wurde ausdrücklich gefordert, daß sämtliche Maschinengewehre mit der Sondermunition auszustatten seien, was, wie die Heeresgruppe damit eingestand, nicht der Fall gewesen war.

1799  Siehe ebenda, S. 1.

1800  Siehe ebenda: „Es ist dann gelungen, hinter den Tanks die Linien wieder zu schließen und die nachfolgende feindliche Infanterie abzuwehren.- Ein Tank kann wohl Gelände gewinnen, aber er wird es nicht behaupten. Das kann nur die folgende Infanterie. Wird der Tank von seiner Inf. getrennt, dann wird es oft möglich sein, ihn zu erledigen, zumal er nur eine beschränkte Munition mitführen kann.“

1801  Siehe ebenda, S. 2.

1802  Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 46ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II. Nr. 71189 op. vom 24.11.1917. Der Verteiler umfaßte die Heeresgruppen und AOK der Westfront, die Inspektion der Artillerie-Schießschulen, die Artillerie-Übungsplätze, den Generalstabskursus Sedan sowie den Kommandierenden General der Luftstreitkräfte. Der Oberbefehlshaber Ost und die ihm unterstellten Heeresgruppen- und Armeeoberkommandos wurden zudem „nachrichtlich“ informiert.

1803  Zitiert nach ebenda, Bl. 47, Abschn.: Allgemeines.

1804  Erinnert sei an die Aufarbeitung der Kämpfe bei Arras 1917, wo schnell die 14.b.ID und ihre Führung in den Focus des Interesses rückten, oder an die beiden Stabschefs, die nach der Schlacht von Malmaison ihrer Stellung enthoben wurden; siehe Abschn. 5.6.2. und 7.2.

1805  Siehe dazu Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 396. Es findet sich hier auch der direkte Bezug zu den erfolgreichen Kämpfen am 23.11.1917, was die besondere Wirkung des Erfahrungsberichts des AOK 2 sowie gleichgearteter und noch folgender Gefechtsberichte der nach dem 20.11. eingesetzten Verbände auf Ludendorffs Auffassung unterstreichen dürfte.

1806  Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 46: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II. Nr. 71189 op. vom 24.11.1917, Ziff. 1.).

1807  Siehe ebenda, Ziff. 2.).

1808  Siehe Abschn. 4.2.

1809  Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 47: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II. Nr. 71189 op. vom 24.11.1917, Ziff. 3.). Die Flachbahnlafetten, die den direkten Schuß mit dem sonst nur zum Steilfeuer geeigneten Minenwerfer ermöglichten, waren laut OHL bereits zur Massenfertigung vorgesehen, würden aber in größerer Zahl erst in einigen Monaten ausgeliefert werden.

1810  Siehe ebenda, Bl. 47, Abschn.: Allgemeines.

1811  Eine erste Darstellung mit genaueren Erkenntnissen über die Grundlagen des britischen Angriffes scheint eine vom NO AOK 2 aufgrund erbeuteter Papiere und Gefangenenaussagen gefertigte Meldung gewesen zu sein; siehe HStAS, M33/2, Bü. 373a, Bl. 86ff.: NO AOK 2 Nr. 4803 vom 27.11.1917: Der englische Angriff vor der 2.Armee.

1812  Die Reste der 20.LD wurden von Cambrai aus an die Ostfront transportiert; siehe RA, Bd. 13, Beilage 28b, S. 9. Berichte über ihren Einsatz bei Cambrai ließen sich in den Unterlagen der Gr Caudry und der HGr Rupprecht nicht finden und womöglich ist dies ein Hinweis auf einen durchaus eingeschränkten Meldeweg auch zwischen West und Ost, wenn man davon ausgeht, daß die OHL ebenfalls keinen Erfahrungsbericht der Division erhielt.

1813  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 396.

1814  So führte er dem Reichskanzler gegenüber noch am 17.10.1918 die herausragenden Tankabwehrleistungen von Teilen der preußischen Garde an, um dem Argument der allgemeinen Hilflosigkeit der Truppe den Wind aus den Segeln zu nehmen; siehe Ludendorff: Urkunden, S. 567.

1815  Siehe KA, 1 R. Korps, Bd. 169: 1.GRD Ia Nr. 6804 vom 26.11.1917: Erfahrungen im Kampf gegen Tanks.

1816  Zitiert nach ebenda, Abschn.: Lehren.

1817  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0008f.: 3.GID I Nr. 11086 geh. (ohne Datum, nach dem 23.11.1917).

1818  Zitiert nach ebenda, Bl. 0009.

1819  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 241: 119.ID Ia Nr. 2292 vom 28.11.1917.

1820  Siehe ebenda, Bü. 330, Bl. 157: Gr Caudry Ia 529 op. vom 27.11.1917. Bei Treffern sei eine lange Stichflamme zu beobachten gewesen, die den Benzintank des Fahrzeuges zur Explosion gebracht habe.

1821  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Bl. 0016: Gr Arras Abt Ia Tageb. Nr. 8310 geh. vom 7.12.1917.

1822  Siehe ebenda, Bl. 0013: Gr Busigny Ia Nr. 8974 geh. vom 8.12.1917. Bemerkenswert ist, daß mit dem Geschehen nicht die 34.ID (siehe und vgl. Abschn. 9.5.) in Verbindung gebracht wurde, sondern die Artillerie der 208.ID.

1823  Gerade bei den von der Ostfront herangeführten Divisionen war dies in Form einer hohen Desertionsrate von 10% zu spüren; siehe dazu Bessel, Richard: Die Heimkehr der Soldaten. Das Bild der Frontsoldaten in der Öffentlichkeit der Weimarer Republik, in Hirschfeld (u.a. Hg.): „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch...“, S. 264.

1824  Siehe bspw. BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 241): OHL an die Heeresgruppen der Westfront wegen der Schonung württembergischer Divisionen, denen die Heimat kaum noch Ersatz überweisen könne, oder ebenda: HGr Rupprecht an OHL wegen 14 Divisionen des Heeresgruppenbereichs die 1917 keine Ruhezeit von 3 Wochen gehabt hätten, oder KA, 11.I.D., Bd. 96: 27.ID Ia Nr. 3150 op., worin die 27.ID sehr klar taktische und individuenbezogene Mißstände zum Ausdruck brachte, unter denen „der frische Geist in der Truppe“ litt. Nach einer Anfrage der OHL bei einer nicht näher genannten Armee (5, 7 oder 2 kämen in Frage), die hohe Gefangenzahlen bestätigen mußte, erklärte Ludendorff: „Der Ersatz ist mangelhaft ausgebildet, namentlich die Disziplin läßt sehr zu wünschen übrig. Die Eindrücke des Kampfes sind dagegen immer nervenaufreibender geworden.“ Zudem teilte Ludendorff mit, daß die Engpässe im Ersatzgeschäft des Heeres auch 1918 akut sein würden.

1825  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 5691 geh. op. Geheim! vom 14.12.1917, Ziff. 1.).

1826  Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 241): Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 5691 geh. op. Geheim! vom 14.12.1917: Ruhe und Ausbildung der Truppe, sowie ebenda: [Chef d. Genst. d. Feldheeres] Ia Nr. 5703 geh. vom 14.12.1917. Die Ausrichtung aller Heeresgruppenstäbe auf die Schonung und Ausbildung der Truppe während des Winters ist in beiden Dokumenten klar erkennbar. Vom Aufbau effizienter Angriffsverbände und der darauf gerichteten zielstrebigen Schulung der Divisionen war hier nicht die Rede. Doch spätestens seit der Aussprache über die deutsche Frühjahrsoffensive bei der HGr Rupprecht, mußte den relevanten Führern auch klar sein, daß es um Durchbruch und die Entscheidung ging. In einer Verlautbarung der OHL vom 20.November wurde auch deutlich darauf hingewiesen: „Da die Entscheidung des Krieges nur offensiv gesucht werden kann, so ist in unserer Winterausbildung dem Angriff der erste Platz einzuräumen.“ Siehe dazu auch ebenda: HGr Rupprecht Ibd Nr. 4781 geh. vom 11.12.1917, und ebenda (Heft/Akt 240): Tagebuch Kuhl vom 11.11.1917, sowie HStAS, M 206, Bü. 9: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 5359 geh. op. vom 20.11.1917, Ziff. II.1.

1827  Siehe dazu auch BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai 1917, S. 113.

1828  Vergleiche ebenda, S. 96. Renner unterstellte der deutschen Führung, daß ihr die Klärung von Fragen der Tankabwehr nach der Schlacht von besonderem Interesse gewesen sei. Was ihm bei der Aufzählung verschiedener Ergebnisse der Eruierung von Antworten nicht auffiel, war der Charakter des Altbekannten (bspw. bespannte Tankabwehrzüge der Feldartillerie) und der geringe Wille der OHL, auf grundlegende Mißstände und Effektivitätseinschränkungen überhaupt einzugehen. Siehe dazu auch BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 138.

1829  Moser notierte etwa für den 18.11.1917: „Der Armeeführer, General v. d. Marwitz, besucht mit dem Armeechef, Major Stappf, zum dritten Male die Gruppe. Dieser dritte Besuch gibt mir die vollends endgültige, aber freilich sehr unerfreuliche Klarheit darüber, in welch schlimmes dienstliches Verhältnis und Verhängnis ich geraten bin.“ Zitiert nach Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 333f.

1830  Die Gruppe wurde am 11.12. durch einen scharf rügenden Bericht mit der Unterschrift Hindenburgs direkt angesprochen. Behauptet wurde, daß verschiedene Grundsätze für die Durchführung eines Angriffs bei der Gr Arras nicht klar zum Ausdruck gekommen seien und daher nicht der Erfolg errungen wurde, der gewünscht war. Wie wenig Erfolgsaussichten man der Gr bei ihrem Angriff schon zuvor attestiert hatte, war ohne Bedeutung, genauso, daß der Befehl zu einem zeitlich hinter die beiden anderen Gruppen gelagerten Angriff aufgezwungen worden war; siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 241): Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 5680 geh. op. vom 11.12.1917 bzw. und bspw. BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai 1917, S. 37a.

1831  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: RIR 19 Nr. 5855 vom 27.11.1917.

1832  Siehe ebenda, Ziff. 8.) a.).

1833  Siehe ebenda, Ziff. 8.) e). Die Zweifel wurden von der 9.RD gestützt, nachdem man Beschußtests auf liegengebliebene britische Tanks am Lateau-Wald durchgeführt hatte. Lediglich an den Seiten und bei stehenden Ziel seien Durchschläge zu erreichen; siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 211, Bl. 0017: 9.RD Ia No. 4167 vom 8.12.1917.

1834  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: RIR 19 Nr. 5855 vom 27.11.1917, Ziff. 11.).

1835  Siehe Abschn. 8.2. bzw. HStAS, M 33/2, Bü. 573: HGr Rupprecht Art. Nr. 27557 vom 16.9.1917.

1836  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917. Die Akte umfaßt in erster Linie eine sehr ausführliche Darstellung der Tankschlacht aus der Perspektive des Gruppenkommandos. Enthalten ist aber auch der Bericht der 54.ID vom 28.11.1917, der als „kritische“ Anlage beigefügt wurde, sowie dutzende Seiten mit Abschriften eigener Befehle und vor allem der Weisungen der höheren und höchsten Vorgesetzten. Diese Abschriften lassen sich einerseits als Quellenmaterial bei der Abfassung des Berichts des Generalkommandos identifizieren, andererseits legt es der Gesamteindruck des Vorganges aber nahe, daß es sich um eine schriftlich fixierte Rechtfertigung gegen etwaige Vorwürfe übergeordneter Stäbe handelte.

1837  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0010: AOK 2 Ia/M.G.O. Nr. 286/Dez/1810/17 vom 10.12.1917. Im Armeebereich hatte kurz zuvor bereits die Gr Quentin angeordnet, daß als Richtwert für die Bestände an SmK-Munition 30% anzusehen seien. Zahlenangaben wurden nicht gemacht und auch nicht zwischen den beiden Standard-Maschinengewehrtypen unterschieden; siehe ebenda, Bl. 0018: Gr Quentin Ia Nr. 538/Dezbr geheim vom 7.12.1917.

1838  Die OHL ging in ihrem Bericht vom 24.11. zwar auf die K.Gr. 15 m.P. unter der Bezeichnung „Sondergeschoss mit Panzerkopf“ ein, gab allerdings auch diesmal keine Richtzahlen für Batteriebestände an; siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 47: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II. Nr. 71189 op. vom 24.11.1917, Ziff. 4.).

1839  Siehe BA-MA, PH 3/57: Chef d. Genst. d. Feldheeres II No 73004 op. vom 21.12.1917. Es handelt sich um die Abschrift des Berichtes der 119.ID zur Tankbekämpfung in Versuchen vom 12.12.1917.

1840  Siehe ebenda, Abschn. I.

1841  Siehe ebenda, Abschn. III. Der leichte Minenwerfer schuf mit dem 4.Schuß ein ca. 50cm großes Loch in der Panzerung, daß für die potentiellen Insassen tödlich gewesen wäre. Der Minenwerfer mußte zum direkten Schuß behelfsmäßig eingerichtet werden, da keine der wenigen testweise bereits an die Westfront ausgelieferten Flachbahnlafetten für die Versuche zur Verfügung stand.

1842  Siehe ebenda, Abschn. II. 30-50% einer nicht spezifizierten Anzahl von Schüssen mit Gewehr 98 und Maschinengewehr 08/15 ergaben laut Bericht Durchschläge.

1843  Ohne nähere Spezifizierung des Ziels, etwa nach Beschußwinkeln oder Art des Fahrzeuges, das auch das Feuer auf einen schwachgepanzerten Mark II Versorgungs-Tank beinhaltet haben könnte, bleiben an sich schon Fragen über Fragen an die Aussagekraft der Versuche. Noch ganz davon zu schweigen, daß die strukturelle Integrität ab- und angeschossener oder ausgebrannter Fahrzeuge, die seit wenigstens einigen Tagen auch der winterlichen Witterung ausgesetzt waren, kaum einer der Fragestellung angemessenem Relevanz der Beschußtests gerecht werden konnte.

1844  „Die Infanterie besitzt in geballten Ladungen, S.m.K. Munition und besonders dem leichten Minenwerfer [für den bislang nur wenige Flachbahnlafetten vorhanden waren] äußerst wirkungsvolle Tankabwehr- und Bekämpfungsmittel. Eine mit diesen Waffen wohl ausgerüstete Infanterie braucht einen Tankangriff größeren Stils nicht zu scheuen. Ferner darf sie kräftiger Unterstützung durch die Artillerie mit Tankabwehrgeschützen und Sperrfeuer gewiß sein. Jedes [hervorgeh.] Feldartillerie-Geschoß ist im Volltreffer gegen einen Tank von vernichtender Wirkung.“ Zitiert nach BA-MA, PH 3/57: Chef d. Genst. d. Feldheeres II No 73004 op. vom 21.12.1917.

1845  Siehe ebenda, Abschn. I bzw. II.

1846  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Bl. 90ff.: 54.ID Ia Nr. 3013 op. geh. vom 28.11.1917: Erfahrungen der 54.ID während der Schlacht von Cambrai vom 20.-23.11.1917.

1847  Die 11.b.ID, die ebenfalls bei der HGr Herzog Albrecht Verwendung gefunden hatte, nahm den Bericht der 54.ID Mitte Dezember in ihre Akten auf. Der Divisionskommandeur, Ritter v. Kneußl, erschloß offenbar ohne weitere Kenntnis über den tatsächlichen Sachverhalt mit wenigen Worten zwei grundsätzliche Mängel der Verteidigung des Divisionsabschnittes am 20.11.1917, indem er auf dem Dokument die Fragen nach ausreichenden Tankabwehrgeschützen und ausreichender Munition für die Artillerie handschriftlich vermerkte; siehe KA, 11.ID, Bd. 96. In den Unterlagen der Heeresgruppe oder den Verlautbarungen anderer Stäbe zur Tankschlacht fanden sich keinerlei Bezüge bzw. Kommentare zum Bericht der 54.ID oder dieser selbst.

1848  Kabisch führte dazu aus: „Mündlich hat mir General v. Watter dazu ergänzt, daß er ja eigentlich, wenn er die Sache so, wie sie gewesen wäre, in seinem Gefechtsbericht hätte aufnehmen wollen, das Generalkommando hätte anschuldigen müssen, denn bei diesem habe das, was der Kommandierende General ihm mündlich in Cambrai gesagt hatte [siehe Abschn. 9.2.], in keiner Weise mit dem gedeckt, was nachher von der Gruppe befohlen und dazu ihm nicht einmal mitgeteilt worden war.“ Zitiert nach Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 90.

1849  Sieh KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0014: 79.RD Ia Nr. 2082/17 op. vom 28.11.1917. Die 79.RD hatte mit Tanks bei Arras zu tun gehabt und bei Cambrai insofern als sie zur Gruppe Arras gehörte und am Gegenangriff vom 30.11.1917 teilnahm. Seit April 1917 hatte sie allerdings mit Tankabwehr nur indirekt zu bekommen. Als mit der obligatorischen Einforderung von Erfahrungen in der Tankabwehr bei Cambrai an sie herangetreten wurde, stand sie offenbar unter dem Zwang, etwas einreichen zu müssen, obwohl sie grundsätzlich nichts sinnvolles oder zielführendes einzureichen hatte. Nichtsdestotrotz wurde ein Bericht gefertigt, dessen Wert in jeder Hinsicht zweifelhaft erscheint und etwa davon sprach, daß die Tanks zwar die bekannte Form gehabt hätten, aber von verschiedener Größe gewesen seien.

1850  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Bl. 90.: 54.ID Ia Nr. 3013 op. geh. vom 28.11.1917, Ziff. 1.). Die Kritik an der Gr Caudry wurde an dieser Stelle auch ausgesprochen, denn durch die Division angeforderte Artillerie kam nur in geringer Zahl und ohne Munition (siehe auch ebenda, Bl. 95, Abschn.: Munition), und dringend gewünschte Gasmunition „traf überhaupt nicht ein“.

1851  Siehe ebenda, Bl. 91f., Abschn.: Verwendung der eigenen Artillerie.

1852  Siehe ebenda, Bl. 93, Abschn.: Eigener Stellungsbau, Ziff. b).

1853  Siehe ebenda, Bl. 94, Abschn.: Munition. Nach Berechnungen der Division wären für ihren Abschnitt von 9,2km Länge 10-12 Millionen (!) Schuß Infanteriemunition vonnöten gewesen, was keineswegs der Fall war. Empfohlen wurden für jedes Maschinengewehr 6.000 Schuß, wovon die Hälfte SmK-Patronen sein sollten.

1854  Siehe ebenda, Bl. 92, Abschn.: Verwendung der eigenen Infanterie, und Bl. 95, Abschn.: Munition. Zur Wirkung der SmK-Munition führte der Bericht aus: „Das Urteil, ob die S.m.K.-Patronen die Tankwände an schwachen Stellen durchschlagen, ist noch nicht feststehend. Von manchen Seiten wird es geleugnet; wo es zugestanden wird, muß es sich vielleicht um ältere Tanks mit schwachen Wänden handeln.“

1855  Siehe ebenda, Bl. 92, Abschn.: Verwendung der eigenen Infanterie.

1856  Siehe ebenda, Bl. 91, Abschn.: Tanks, bzw. Bl. 92, Abschn.: Verwendung der eigenen Infanterie.

1857  Siehe ebenda, Bl. 91, Abschn.: Tanks.

1858  Siehe ebenda, Bl. 91f., Abschn.: Verwendung der eigenen Artillerie.

1859  Ein hochrangiger Überlebender, der Kommandeur des RIR 90, der sich allerdings nicht in den Diskurs der Erfahrungen einschalten konnte, weil er in britische Gefangenschaft geraten war, sah dies mit gutem Grund anders. Er war zu der Erkenntnis gekommen, daß die Lage auch durch „in Aussicht gestellte“ drei Eingreifbataillone nicht zu ändern gewesen wäre, wenn diese keine Artillerieunterstützung gehabt hätten; siehe BA-MA, MSg 101/242: Bericht Major Hermsdorffs (RIR 90) zum Verlauf des Kampfes bei Cambrai am 20.11.1917, Abschn. A.

1860  Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Bl. 92.: 54.ID Ia Nr. 3013 op. geh. vom 28.11.1917, Abschn.: Verwendung der eigenen Infanterie.

1861  Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 91, und Hamelman, William G.: The History of the Prussian Pour le Mérite Order, Bd. III: 1888-1918, Dallas 1986, S. 535, Nr. 404: “Awarded the Pour le Mérite Order for outstanding leadership and distinguished military planning and successful operations during the British tank attack at Cambrai on November 20, 1917. After four days of fighting, the 54th Infantry Division brought the British offensive to a halt in its sector and prevented a breakthrough in the German lines.”

1862  Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 396.

1863  Siehe Abschn. 9.1.

1864  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 613: Gr Caudry Abt. I.c Nr. 2019 vom 21.1.1918. Der eingesandte Bericht selbst ist im Büschel nicht enthalten, sondern lediglich die Antwort des Gruppenkommandeurs, der mit Unterschrift zeichnete.

1865  Dazu gehörten -u.v.a. auf Guppen- oder Divisionsebene- Weisungen des AOK 1 zum Gebrauch geballter Ladungen, des AOK 2 zu allgemeinen Abwehrmaßnahmen gegen Tanks und Ausführungen der HGr Rupprecht zum Thema; siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Pi. Nr. 47900/498/18 vom 11.1.1918, KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0012: AOK 2 Ias Nr. 226/Dez vom 10.12.1917 bzw. HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 182f.: HGr Rupprecht Ic/Art. No 35761 vom 16.12.1917.

1866  Diese Annahme wird noch dadurch übertroffen, daß Hptm. Fürsen (ehem. IR 84) an seinen früheren Divisionskommandeur im Zusammenhang mit den 1917 praktizierten Tankabwehrübungen schrieb: „Euer Exzellenz haben uns dadurch den ‚Tank-Schrecken’ genommen.“ Siehe HStAS, M 660/047, Heft 11: Brief Fürsens an Watter vom 19.2.1924.

1867  Ohne Bezug zum Tank, sondern als eher generelle Beobachtung dieses Umstandes, führte die 27.ID zu ihren Erfahrungen in Flandern aus: „Sichtung und Beschränkung der ‚grundlegenden Befehle’ ist erwünscht. Sie haben einen Umfang angenommen, dass es Neulingen in der Abwehrschlacht unmöglich ist, sich waehrend eines voruebergehenden Einsatzes an der Front ihren Inhalt wirklich zu eigen zu machen.“ Zitiert nach KA, 11.ID, Bd. 96: 27.ID Abt. Ia Nr. 3150 op.: Erfahrungen der 27.Inf.-Division bei ihrem Einsatz am Houthulster-Wald vom 12.10.-13.11.17; Ziff. 2.). Die gleiche Aussage, allerdings so scharf formuliert, daß der Verfasser anonym bleiben wollte, kam der OHL auch in einem Schreiben zu Ohren, das in jeder Weise und zu zahlreichen Belangen ein „offenes Wort“ pflegte; siehe BA-MA, RH 61/50637: Privatakten Geyer, Bl. 103.

1868  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 124: AOK 2 Ia Nr. 626/Dez. Geheim! vom 24.12.1917. Petter führte in diesem Zusammenhang aus, daß für die von der Ostfront herankommenden Verbände, die über nur sehr geringes Wissen um die Tankabwehr verfügt haben dürften, keine besonderen Einweisungen befohlen oder Anweisungen herausgegeben worden sind; siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 120.

1869  Das AOK 2, dessen Oberbefehlshaber die geschilderten Erlebnisse bei Cambrai hatte, erließ im Februar besondere Weisungen für die Ausbildung in der Tankbekämpfung, deren Grundlage die Erkenntnis war, daß wenigstens die moralische Wirkung der Tanks auf Truppen, die nicht einmal über theoretische Abwehrmöglichkeiten orientiert seien, zweifellos sei; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Ias Nr. 294/Febr. Geheim! vom 17.2.1918.

1870  Eine Bitte zur Anfertigung eines Merkblattes für die Truppe kam beim AOK 2 von der Gr Oise; siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0020: Gr Oise Ia Nr. 2747 geh. vom 8.12.1917.

1871  Das AOK 6 veröffentlichte bereits am 10.12. für den Armeebereich ein „Merkblatt für die Tankbekämpfung“, worin einmal ausgesagt wurde, wie wichtig es sei, daß jeder Mann wisse, „daß er nicht wehrlos ist“ (Ziff. B.I.6.) und dann die derzeit gültigen und gängigen Abwehrmöglichkeiten zwischen Ausweichen der Infanterie (Ziff. B.I.4.) und dem Anfordern von Schlachtfliegern (Ziff. B. III.1.) aufgezählt wurden; siehe ebenda, Bl. 0022: AOK 6 Ia/Ib No 73871 vom 10.12.1917.

1872  Siehe ebenda, Bl. 0029: Kdr. d. Kraftfahrtruppen AOK 2 vom 23.12.1917: Merkblatt zur Tankbekämpfung.

1873  Siehe ebenda. Rückseitig findet sich der Eingangsvermerk der HGr Rupprecht als Ic Nr. 36532 op. und der Befehl zur Anfertigung von 7.000 Exemplaren.

1874  Borchert veröffentlichte 1931 das aufschlußreiche Buch „Der Kampf gegen Tanks. Dargestellt an den Ereignissen der Doppelschlacht von Cambrai“. Dort, S. 65, ist auch das Merkblatt abgebildet. Wie man seinem Buch entnehmen kann, war er am zweiten Tag der Schlacht zur „technischen Erkundung“ auf das Gefechtsfeld gesandt worden, wo er bei Fontaine verwundet wurde. Seinem Kommando gelang es aber zügig, einen ersten Tank fahrbereit zu machen und für Beschußtests hinter die deutschen Linien zu bringen. Eine weiterer, der zahlreichen von Borcherts Leuten vom Schlachtfeld geborgenen Tanks, wurde am 19.12.1917 der OHL vorgeführt und –so spekulierte Petter- dürfte seine Wirkung nicht verfehlt haben. Dies führte zumindest auf dem Sektor des Tankbaus zu verstärkten Maßnahmen, die auf deutsche Tankeinsätze im Rahmen der kommenden Offensive gerichtet waren und der Tankproduktion jetzt in die Dringlichkeitsstufe I der Kriegsrüstung verhalfen; siehe dazu BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 141ff.

1875  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0037: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic. Nr. 77655 geh. op. vom 8.3.1917.

1876  Siehe dazu BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 143. Verworfen wurde die Idee, weil man feststellte, daß die durch Radfahrzeuge hervorgerufenen Erschütterungen größer waren als die der Tanks. Wie sich Seismographen auf einem Schlachtfeld, das noch immer von Artilleriefeuer geprägt war, praktisch hätte bewähren können sollen, muß an sich wohl schleierhaft bleiben.

1877  Siehe ebenda, S. 145. Der entsprechende Befehl konnte in den Archivalien der Heeresgruppe Rupprecht nicht aufgefunden werden, was es fraglich erscheinen lassen muß, auf welche und wessen Anregung hin die OHL diese Weisung erteilte. Wichtig ist jedenfalls, daß sie auch dieser Idee gegenüber aufgeschlossen war.

1878  Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0026: HGr Rupprecht Art. Nr. 35407 vom 12.12.1917.

1879  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 145.

1880  Beim AOK 2 war mit den Tests zumindest das Jäger-Sturm-Bataillon 3 beauftragt worden, und über das AOK 7 hinaus führte Petter Versuche bei der Heeres-Artillerie-Schießschule Mouzon mit ebenfalls negativen Testergebnissen an; siehe dazu BA-MA, PH 10 III/22 und ebenda, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 148.

1881  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 147f. Wie man auf S. 142 erfährt, war kurzzeitig auch im Gespräch, die in diversen Typen vorhandenen „Raupenwagen“ als Träger für Kanonen zu nutzen, was von der OHL unter Hinweis auf den Rüstungsbedarf für den Tankbau und sogenannte „Raupen-Lkw“ (für Transportzwecke und als Artillerie-Zugmaschinen) abgelehnt wurde.

1882  Siehe ebenda, S. 124.

1883  Zum sogenannten „Tankfort“ siehe Abschn. 12.5.2.

1884  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 125.

1885  Siehe KA, HS 3402: Chef d. Genst. d. Feldheeres Abteilung Fremde Heere Nr. 4522 vom 26.12.1917: Übersetzung einer italienischen Denkschrift. Berichte des Hauptmanns Cavaliere Alfredo Bennicelli über den Gebrauch der Panzerkraftwagen „chars-d’assaut und Tanks“ im englischen und französischen Heere, August 1917.

1886  Zitiert nach BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 137f.

1887  Siehe ebenda, S. 138.

1888  Siehe RA, Bd. 13, S. 145.

1889  Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 135: Chef d. Genst. d. Feldheeres Abt. Fremde Heere Nr. 6730a. Geheim. Dezember 1917: Die militärische Lage der Entente im Winter 1917/18, Ziff. II.) 2.).

1890  Der Kommandeur der Chef der Kraftfahrtruppen AOK 2 führte der OHL am 19.12.1917 einen Tank vor, und anläßlich einer „Tankparade“, bei der Beutestücke der Schlacht hinter der Front ausgestellt worden waren, besichtigten Kronprinz Rupprecht und der Kaiser ein Fahrzeug; siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 141, und Feldpressestelle im Hauptquartier Mézières-Charleville (Hg.): Die Tankschlacht und die Angriffsschlacht bei Cambrai, o.O. 1918, S. 82ff.

1891  Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 141.

1892  Siehe ebenda.

1893  Siehe Abschn. 4.1. und BA-MA, PH 3/561, Bl. 210f.: NO AOK 18 B. Nr. 1791 vom 20.4.1918: Französische Befehle des XXXVII.CA von Dezember 1917 u. Januar 1918 für Tankbekämpfung bei vermutetem deutschem Tankangriff in Gegend St.Quentin.

1894  Siehe etwa Kuhl Hermann v.: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der Offensive von 1918 (Bd. 3/1 der 4.Reihe des Untersuchungsausschusses des Reichstages: Die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918), Berlin 1927, S. 81: „Im ganzen kann man wohl sagen, daß das neue Kriegsmittel dem Gegner im Jahre 1918 einen wichtigen Vorsprung verschafft hat, und daß es für uns sowohl beim Angriff wie bei der Verteidigung von großem Wert gewesen wäre. Bei unserer großen Offensive hätte es wesentlich zur Überraschung, auf die es in erster Linie ankam, dienen können. Wir wissen jetzt aus den Veröffentlichungen unserer Gegner, wie nahe wir Ende März dem Durchbruch waren, bevor die französischen Truppen zur Unterstützung der völlig geschlagenen Engländer herankamen. [... .] Es ist wohl nicht zu viel behauptet, daß dieser letzte noch fehlende Druck erreicht worden wäre, wenn 600 Tanks unsere Infanterie schneller Bahn freigemacht hätten.“ Die Schlußfolgerung Kuhls ließ vollends unbeachtet, wie viele logistische Probleme bei der Heranführung, Versammlung und Instandhaltung von 600 Tanks vonnöten gewesen wären und an wie vielen praktischen Erfahrungen, welche Briten und Franzosen in einem Jahr mit blutigen Verlusten bezahlt hatten, es deutscherseits schon in Hinsicht auf Kooperation von Infanterie und Tanks fehlte.



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22.04.2008