Fitzenreiter, Martin: Statue und Kult Eine Studie der funerären Praxis an nichtköniglichen Grabanlagen der Residenz im Alten Reich

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Kapitel 1. Einleitung

1.1 Themenstellung

1. Ziel der Arbeit ist es, eine Ausdrucksform der funerären Kultur - die nichtkönigliche Grabstatue - in der Residenz im AR unter drei Gesichtspunkten zu untersuchen:

  1. dem Gesichtspunkt der Grabstatue als eigenständiges kulturelles Zeugnis,
  2. dem Gesichtspunkt der Funktion der Grabstatue im funerären Kult, und
  3. dem Gesichtspunkt der Funktion des funerären Kultes - im weiteren Sinne: der funerären Praxis - in der Residenz im AR, wobei letzterer Aspekt nur gestreift wird.

2. Daß gerade die Grabstatuen in den Mittelpunkt einer Studie der funerären Praxis gerückt sind, ist eher einem Zufall, als einer besonderen inneren Logik geschuldet. Ursprünglich war vorgesehen, möglichst alle kulturellen Medien zu bearbeiten, die im Bereich funerärer Anlagen des AR auftreten. Da aber bereits der Umfang einer Bearbeitung des Korpus der Grabstatuen unerwartet anschwoll, habe ich mich entschlossen, nur diesen Bereich der archäologischen Zeugnisse in einigermaßen ausführlicher Form zu behandeln.

Alle anderen Objektkategorien sind nicht in wünschenswerter Vollständigkeit aufgenommen, sondern werden nur stichprobenartig bei der Bearbeitung des jeweiligen Themas herangezogen. Darunter fallen so wesentliche Installationen wie die Scheintüren, die Dekoration der funerären Anlage durch Flachbilder und Texte und den Grabbau als architektonischen Komplex aus Grablege und Kultstelle überhaupt.

3. Die so auf den ersten Blick äußerst lückenhafte Materialbasis kann aus einigen Gründen dennoch als brauchbar für eine Studie der kulturellen Ausdrucksformen und ihrer Funktion in der funerären Praxis an nichtköniglichen Grabanlagen der Residenz angesehen werden. Das ergibt sich zum einen daraus, daß Statuen in den jeweiligen Kapiteln immer auch unter dem Aspekt ihres archäologischen Kontextes betrachtet werden, wodurch eine gewisse Menge von Befunden weiterer kultureller Ausdrucksformen in die Untersuchung einbezogen wird. Zum anderen hat die Konzentration auf die Belege mit Statuen den Nebeneffekt, daß der Belegkorpus dadurch eingeschränkt wird. Die Menge an funerären Anlagen der Residenzfriedhöfe des AR ist derartig groß, daß man zugunsten der Überschaubarkeit gezwungen ist, die Beschäftigung räumlich, zeitlich oder thematisch zu begrenzen. Statuenfunde mit gesichertem Kontext sind insgesamt gesehen nicht sehr häufig, aber gleichmäßig verteilt. So wird durch die Beschränkung der Betrachtung auf jene Anlagen, deren archäologischem Kontext Statuen zugeschrieben werden können, eine Belegauswahl getroffen, die relativ frei von subjektiven Faktoren des Bearbeiters ist.

4. Dem kann natürlich entgegengehalten werden, daß durch die Beschränkung auf Anlagen mit Statuen nur das Segment an funerären Anlagen in den Belegen abgedeckt wird, das durch die


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Nutzung von Statuen im funerären Kult geprägt ist. Alle Anlagen ohne Statuen fallen automatisch aus dem Feld der Betrachtungen heraus, und damit auch die eventuell besonderen funerären Praktiken in solchen Anlagen.

Es sprechen jedoch einige Indizien dafür, daß die Nutzung von Statuen ein typisches Charakteristikum der funerären Praxis der Residenz ist, das ab der späten 4. Dynastie prinzipiell bei allen Segmenten jener Bevölkerung vorausgesetzt werden kann, die zur besonderen sozialen Gruppe der Residenzbevölkerung zählt. Dafür sprechen:

  1. auf der Seite des positiven Befundes die weite Verbreitung und soziale Streuung von Statuenfunden. Statuen treten nicht nur in Elite-Anlagen auf, sondern auch in kleineren und mittleren Anlagen. Es ist sogar festzustellen, daß aufgrund der stärkeren Beraubung von Großanlagen mehr Statuen mit gesichertem Kontext aus eher kleinen Anlagen stammen<3>. Die verwendeten Typen, der Gesamtkorpus und die Qualität der Statuen schwankt außerordentlich, aber grundsätzlich können Statuen in jeder formalen Grabanlage der Residenz auftreten, wenn auch an verschiedenen Orten, in verschiedener Anzahl und Qualität. Das impliziert nicht, das letztendlich jede Anlage mit Statuen ausgerüstet war, es impliziert aber, daß Statuen zum Bestand jeder Anlage gezählt haben können. Das theoretisch obligate Vorhandensein in einer funerären Anlage verbindet die Statue mit den Installationen Sargkammer und Scheintür und unterscheidet sie z.B. von der nur fakultativen Dekoration im Flachbild.
  2. auf der Seite des negativen Befundes das Vorhandensein von Serdaben oder ähnlichen Installationen der Statuenaufstellung auch in solchen Anlagen, in denen keine Statuen gefunden wurden. Statuen als bewegliche Objekte sind offenbar besonders stark der Verschleppung und Zerstörung anheimgefallen. Dennoch verweisen die räumlichen Installationen darauf, daß Statuen in sehr viel größerem Maße wenigstens vorgesehen waren, als der tatsächliche Befund belegt<4>.

5. Grundsätzlich hätte auch eine andere Objektgruppe, die hinreichend weit verbreitet ist, im Zentrum einer Untersuchung der funerären Praxis im AR stehen können. Es wurden jedoch mehrere Materialgruppen der funerären Kultur des AR in jüngerer Zeit monographisch behandelt bzw. es sind entsprechende Monographien in Arbeit, so daß eine neue Aufarbeitung des in diesen Arbeiten zusammengestellten Materials derzeit nicht notwendig ist. A. M. Donadoni Roveri hat die Särge des AR behandelt, eine Arbeit, die von G. Lapp für das späte AR und die 1. ZZ bis zum MR fortgesetzt wurde. Die Scheintüren des AR sind von S. Wiebach behandelt worden. Die Themen der Flachbilddekoration wurden von Y. Harpur zusammengestellt, mit Fragen der Stilistik und Datierung hat sich N. Cherpion beschäftigt. Bereits G. Reisner hatte die Architektur der Grabanlagen ausführlich dokumentiert; eine neue Studie zur Architektur der Mastabagräber von N. Alexanian ist abgeschlossen. Praktisch alle Erscheinungsformen der funerären Kultur wurden bereits ausführlich von H. Junker und Selim Hassan in den Publikationen des Giza-Friedhofes besprochen. Bei der Behandlung der entsprechenden Objekte wird sich daher im folgenden auf


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diese Untersuchungen und weitere Arbeiten zu den jeweils betreffenden Teilgebieten bezogen<5>.

6. Auch die Statuen aus funerären Anlagen des AR sind mehrfach Gegenstand von Untersuchungen gewesen. Die letzte umfassende monographische Untersuchung von Anwar Shoukry<6> liegt jedoch schon einige Zeit zurück, so daß eine Neubearbeitung lohnend erscheint. Shoukry selbst konnte sich auf Vorarbeiten insbesondere von H. Junker und Selim Hassan stützen, sowie auf das umfangreiche Material der Grabungen in Giza und Saqqara, das von A. Mariette und G. Maspero, L. Borchardt, G. Reisner und weiteren Archäologen publiziert und kommentiert worden war<7>.

7. Etwa zeitgleich der Entstehung der Arbeit von Shoukry schuf W. S. Smith das nach wie vor grundlegende Werk zur Kunst im AR, in der die Betrachtung des Rundbildes einen großen Raum einnimmt. Die Arbeit wurde aufgenommen und fortgesetzt von J. Vandier, der im dritten Band des Manuel eine umfassende Betrachtung auch der Plastik im AR vorlegte<8>.

Unter den neueren Arbeiten zum Rundbild im AR sind vor allem die Untersuchungen von M. Eaton-Krauss hervorzuheben, die neben der grundsätzlichen Behandlung der Flachbilddarstellungen von Statuen noch eine Reihe weiterer wichtiger Arbeiten zu den Statuen im AR vorgelegt hat<9>. D. Wildung hat im Rahmen der Beschäftigung mit der ägyptischen Kunst dem Rundbild besondere Aufmerksamkeit gewidmet, das vom Nestor der ägyptologischen Kunstgeschichte, H. Schäfer, im Vergleich zum Flachbild etwas vernachlässigt wurde<10>. Es sind besonders Wildungs Beobachtungen zur bedeutungstragenden Typisierung bestimmter Statuen, die der Beschäftigung mit dem Thema neue Impulse verliehen haben<11>. Die von Wildung definierten Bedeutungen der stehenden / schreitenden, der sitzenden, der hockenden und der schreibenden Figur sind nicht ohne Widerspruch geblieben<12>, bilden aber m.E. die wesentliche Voraussetzung für eine kontextuelle, funktionale Einordnung des Rundbildes in den praktischen Rahmen des Kultes<13>.

Auf die große Anzahl von Einzelstudien zu bestimmten Statuen, Statuentypen etc. wird an entsprechender Stelle verwiesen und soll hier nicht weiter eingegangen werden.


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8. Thema der Arbeit ist die Funktion und der "Sinn" bestimmter Statuen im funerären Kult. Es ist nicht angestrebt, eine umfassende Betrachtung des Rundbildes im AR vorzulegen, was schon durch den Ausschluß aller königlichen Belege unmöglich wäre. Formale Fragen wie die Gestaltung der Statue und bestimmter Details, des Materials, der Technik der Herstellung, der Bemalung und selbst der Beschriftung werden nur dann in die Betrachtung einbezogen, wenn sie unter dem Gesichtspunkt der Funktion der Statue im Kult von Interesse sind. Diese Beschränkung ist insofern sinnvoll, als die entsprechenden Themen von H. Schäfer, W. S. Smith, A. Shoukry, J. Vandier, N. Cherpion und J. C. Harvey<14> bereits ausführlich behandelt wurden und eine erneute Darlegung auf die Wiederholung der dort festgehaltenen Erkenntnisse zu den Werkverfahren und der formalen Entwicklung des Rundbildes im AR hinausgelaufen wäre.

Ebenso wird in der vorliegenden Arbeit nicht auf die Frage von individuellem oder überindividuellem Stil und Qualität, also auf künstlerische Aspekte der Statuen, die Art der Umsetzung der Naturvorgabe im Rundbild und deren konzeptuelle Grundlagen eingegangen. Eine Auseinandersetzung mit diesem Komplex würde eine völlig andere, kunstwissenschaftliche Herangehensweise und die Einbeziehung ganz anderer Quellengruppen verlangen. Auch hier sei auf vorliegenden Untersuchungen verwiesen<15>.

1.2 Chronologischer und lokaler Rahmen

1. Die Untersuchung ist örtlich und zeitlich auf die Residenz im AR beschränkt. Während die zeitliche Beschränkung auch in anderen Arbeiten zu diesem und verwandten Themen gebräuchlich ist, wird von einer Beschränkung der Materialbasis auf die memphitische Residenz meist abgesehen. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, daß im AR mit einer relativ einheitlichen kulturellen Entwicklung zumindest der Oberschicht im ganzen ägyptischen Niltal ausgegangen werden kann. Daß diese Annahme aber problematisch ist, belegen z.B. die Untersuchungen von B. Kemp zur Existenz von "zwei Kulturen" im gesamten Zeitraum des AR oder die Studie von St. Seidlmayer zur inneren Differenzierung der kulturellen Entwicklung im späten AR und der 1. ZZ<16>. Es ist daher ratsam, eine Studie der kulturellen Ausdrucksformen auch lokal zu beschränken, ehe man dazu übergeht, die Verwendung bestimmter Ausdrucksformen an verschiedenen Plätzen zu vergleichen. Im übrigen ist selbst der Befund der großen Residenzfriedhöfe derart reich, daß schon hier eine zeitliche, örtliche und soziale Differenzierung beim Gebrauch bestimmter kultureller


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Ausdrucksformen nachvollzogen werden kann.

2. Der Ausschluß der königlichen Denkmäler aus dem Korpus der untersuchten Belege mag auf den ersten Blick einleuchtend sein, denn diese unterscheiden sich rein morphologisch beträchtlich von den nichtköniglichen Monumenten. Andererseits ist dieses Vorgehen nicht ohne weiteres plausibel, da die von den Ägyptern selbst vorgenommene starke Trennung von Königlich und Nichtköniglich zwar auf einer interkulturellen Konzeptualisierung der besonderen Position des Pharao beruht, aber dennoch nicht das soziale Faktum vergessen lassen sollte, daß der Pharao vor allem ein Exponent der politisch herrschenden Gruppe der Residenz ist. Es sind zwei Gründe, die eine Abkopplung der Untersuchung der funerären Monumente des Pharao von denen seiner Umgebung dennoch ratsam erscheinen lassen:

  1. die enge Verbindung von funerärem Kult und Götterkult, die sich in königlichen Monumenten aufgrund des institutionalisierten sakralen Charakters der Person des Pharao ergibt; und
  2. die stark durch individuelle Faktoren geprägte Ausformung der königlichen Monumente, die eine systematische Einordnung erschwert (z.B. dokumentiert in den häufigen Änderungen der Baupläne)<17>.

3. Unter dem AR als einem chronologischen Rahmen wird gewöhnlich die Regierungszeit der Pharaonen der 3. bis 8. Dynastie verstanden. In die vorliegende Untersuchung wird überblicksartig auch die die 1. und 2. Dynastie umfassende frühdynastische Periode einbezogen. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt in der Zeit der 3. bis 6. Dynastie, sozusagen der klassischen Periode des AR. Die Zeit nach Pepi II., für die noch keine befriedigende Einordnung von Denkmälern vorliegt, wird nicht mehr behandelt. Da chronologische Fragen nicht im Zentrum der Untersuchung stehen, werden die jeweiligen kulturellen Zeugnisse den Dynastien bzw. Pharaonen nur allgemein zugeordnet. Die Datierung der Objekte beruht gewöhnlich auf den traditionellen Angaben, wie sie in PM festgehalten sind. Berücksichtigt werden aber die wichtigen Umdatierungen, die in den letzten Jahren von N. Cherpion vorgenommen wurden<18>.

4. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Untersuchung der funeräre Praxis, also eines Komplexes von Handlungen. Aus diesem Grund werden die einzelnen Objekte im folgenden nicht nur allgemein chronologisch fixiert, sondern vor allem in eine Periodisierung der Handlungen funerärer Praxis eingebunden. Es soll bereits an dieser Stelle darauf verwiesen werden, daß die Periodisierung habituell üblicher Handlungsabläufe, in deren Rahmen die beschriebenen kulturellen Objekte erzeugt und genutzt werden, nicht mit der Datierung der entsprechenden Objekte zu verwechseln ist<19>. Eine Periode bestimmter Handlungen beschreibt einen längeren Zeitraum und kann sich mit


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anderen Perioden von Handlungen überlappen. (Siehe Tabelle 1)

5. Die Residenz im AR stellt ein komplexes kulturhistorisches und soziologisches Phänomen dar. Der Aufstieg der Festung und Siedlung Memphis ist auf das engste mit der Etablierung einer Institution politischer Machtausübung verbunden, die als das "Alte Reich" in der Ägyptologie behandelt wird. Nicht zuletzt dem Studium dieses außerordentlichen Phänomens soll die vorliegende Untersuchung dienen.

Schon in der frühdynastischen Periode hat sich in Memphis ein administratives Zentrum befunden, das bei der Etablierung der politischen Macht einer Gesamtägypten beherrschenden Elitegruppe eine wichtige Rolle spielte. Ein nicht unbedeutender Teil dieser Elitegruppe hatte bereits in dieser Phase auch den Bestattungsplatz im Bereich der Siedlung Memphis. Seit der 2. Dynastie werden Bestattungen des Pharao hier üblich, seit der 3. Dynastie die Regel. Darin spiegelt sich die herausragende Rolle dieser Lokalität und wie sie schrittweise zum alleinigen Zentrum der Elite in der Phase der Formierung des frühen Staatswesens "Altes Reich" wird. Auch in den folgenden Perioden des "hohen" und "späten" AR behauptet Memphis seine Stellung als adminstratives Zentrum. Das Ende der politischen Institution "Altes Reich" ist für die Siedlung Memphis zwar mit einem Verlust an Bedeutung verbunden, sie behält ihre herausragende Rolle gegenüber anderen ägyptischen Siedlungsplätzen aber bis in die griechisch-römische Zeit<20>.

6. Die Bestattungsplätze in der Umgebung von Memphis sind bisher die einzige ergiebige Quellengruppe dieser Entwicklung im AR. Diese Friedhöfe, die sich über eine beträchtliche Distanz erstrecken und dabei auch im Bereich von Ansiedlungen liegen, die nicht mehr mit der Siedlung Memphis im engeren Sinne in Zusammenhang stehen, sollen hier als die Gruppe der Residenzfriedhöfe im AR zusammengefaßt werden. Diese Friedhöfe liegen, mit Ausnahme des Friedhofs der 1. und 2. Dynastie bei Helwan, alle auf dem Westufer des Nils. Sie erstrecken sich von Medum im Süden bis Abu Rawash im Norden. Die Zentren der Friedhöfe sind jedoch die beiden schon in der 1. Dynastie belegten Bestattungsplätze Saqqara und Giza, in und um die sich mehrere Unternekropolen gebildet haben. Sie liefern das Material, das der folgenden Untersuchung zugrundeliegt.

1.3 Begriffsbestimmung und Methode

1. Wie bereits festgehalten, steht die nichtkönigliche Grabstatue im Zentrum der Untersuchung. Unter Statue wird ein rundplastisches Objekt aus Stein, Holz oder anderem Material verstanden,


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das im hier interessierenden Fall immer eine menschliche Gestalt abbildet. Wird die Statue auf einen bestimmten Statuentyp spezifiziert, so wird dieser als *-figur bezeichnet (Standfigur, Sitzfigur, Schreiber[figur], Dienerfigur etc.).

2. Die Methodik der Untersuchung ist dadurch bestimmt, daß die Statue nicht als ein isoliertes, selbstbewegtes Phänomen, sondern als das Produkt und das Objekt von Handlungen angesehen wird<21>. Die nichtkönigliche Grabstatue wird daher unter drei Aspekten untersucht<22>:

  1. Zum einen sollen die auftretenden Statuentypen klassifiziert und der "Sinn" des jeweiligen Statuentyps im Rahmen der kulturellen Kommunikation der Gesellschaft untersucht werden. Diese Stufe untersucht die Statue als ein eigenständiges Medium des kulturellen Ausdrucks, als eine "kulturelle Vokabel", die für den Rezipienten mit einem bestimmten Bedeutungsinhalt verbunden ist und so im Zuge der kulturellen Kommunikation auch verstanden wird. Der Prozeß der Reflexion eines Phänomens, seiner Definition als einen Bedeutungsinhalt und dessen Darstellung in einer der kulturellen Kommunikation verwendbaren Form wird als Konzeptualisierung des Phänomens beszeichnet<23>. Die entsprechenden Bedeutungsinhalte werden der Statue durch die typologische (Stand-, Sitz-, Schreiberfigur etc.) und die ikonographische (Kopfbedeckung, Handhaltung etc.) Gestaltung verliehen. Im folgenden wird diese Qualität als ein Index bezeichnet, der dem Objekt "Statue" jeweils zukommt<24>. Durch die entsprechende Indizierung bildet sich ein Statuentyp und gegebenenfalls davon weitere Untertypen, die als "kulturelle Vokabeln" der Vermittlung bestimmter Sachverhalte in einem bestimmten Kontext dienen können.
  2. Als ein zweiter Aspekt wird der Kontext untersucht, in dem das mit bestimmten Indizes versehene Objekt "Statue" im funerären Bereich auftritt und genutzt wird. Das betrifft die Gruppierung von Statuen zueinander, ihre Position in einer funerären Anlage und ihre Relation zu weiteren bedeutungstragenden Objekten wie Kultstellen, Zugängen, ihr Einsatz im Rahmen dokumentierter oder rekonstruierter Kulthandlungen etc. Damit wird die Funktion der Statue als ein Element der funerären Kultur und ihr Platz im funerären Kult der Residenz im AR bestimmt. Dabei wird der Begriff der Aktivierung von semantischen Potenzen des Objektes (also gewöhnlich von ikonographischen Indizes) benutzt, wenn ein potentiell bedeutungstragendes Element der Statue auch tatsächlich im entsprechenden Kontext eine Funktion besitzt<25>. Die Aktivierung eines Objektes und seiner Indizierung im Rahmen des Kultes hat oft den Charakter der symbolischen Verwirklichung, der Affirmation<26>.

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  3. Als ein dritter Aspekt wird versucht, den Sinn der Aktivierung des Objektes "Statue" im funerären Kult zu untersuchen. Auf dieser Stufe ist nicht mehr nur der innere Bezug der Elemente der funerären Anlage zueinander und ihr Gebrauch im Kult entscheidend, sondern der "Sinn", den die kultischen Handlungen für die sie durchführenden Personen haben. Da die entsprechenden Handlungen gewöhnlich auf nicht-dinglicher, imaginärer Ebene stattfinden, werden sie auch als rituelle Handlungen bezeichnet. Die klassische Form rituellen Handelns im funerären Bereich ist das Ritual, das der Realisierung einer bestimmten, tendenziell nicht-dinglichen Entität dient und sich aus einer Reihe von Zeremonien zusammensetzt<27>.

Rituelle Handlungen werden gewöhnlich unter veränderten, nicht-normalen Bedingungen durchgeführt, sie bedürfen einer besonderen Reinheit, einer besonderen Räumlichkeit, eines besonderen Gemütszustandes etc., um tatsächlich wirksam zu sein. Zur Beschreibung dieses besonderen Zustandes, der bei rituellen Handlungen im funerären Bereich grundsätzlich vorauszusetzen ist, wird der Begriff liminal verwendet<28>.

Der Prozeß dieser Handlungen wird als Praxis bezeichnet, wobei unter Praxis ganz allgemein der Prozeß der Aneignung der Wirklichkeit durch die menschliche Gesellschaft verstanden wird<29>, hier konkret unter funerärer Praxis der Prozeß der Auseinandersetzung einer Gesellschaft mit dem Tod und den Toten.

Kulturelle Merkmale, die auf einander vergleichbare funeräre Praktiken schließen lassen, werden


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zu Perioden zusammengefaßt. Dabei bezieht sich der Begriff "Periode" grundsätzlich auf die Ebene der Handlung, deren Produkt die jeweiligen kulturellen Manifestationen sind, und nicht auf die kulturellen Objekte selbst<30>.

3. Im Rahmen der Arbeit werden diese drei Aspekte nicht in strenger Abfolge untersucht, sondern gewöhnlich in einer gewissen Verbindung<31>. Da kulturelle Phänomene grundsätzlich als Produkte gesellschaftlicher Praxis anzusehen sind und selbst wieder nicht voneinander isoliert betrachtet werden können, ist eine mechanische Trennung der Aspekte weder sinnvoll noch vielversprechend. Es geht vielmehr darum, die gegenseitige Beeinflussung und die daraus resultierende Dynamik der Prozesse zu verfolgen, um ein Bild von der Bedeutung bestimmter kultureller Objekte in einer und für eine Gesellschaft zu erhalten. Innerhalb der jeweiligen Abschnitte wird aber versucht, die Abfolge a) Statuentyp als "kulturelle Vokabel"; b) Kontext des Statuentyp in der funerären Anlage und c) Funktion des Statuentyps im Prozeß funerärer Praxis einzuhalten.

Exkurs: Die Residenzfriedhöfe des Alten Reiches - Abriss der Belegungsgeschichte

1. Die Friedhöfe der Residenz sind in zwei Gruppen zu unterteilen. Die erste Gruppe umfaßt Friedhöfe, die in enger Beziehung mit bestimmten königlichen funerären Anlagen errichtet wurden. In der 4. Dynastie schließt diese Planung sogar die Anlage ganzer Gräberfelder für nichtkönigliche Personen im Rahmen des königlichen Bauprogrammes mit ein. In der 5. und 6. Dynastie ist die enge Verzahnung der Bauaktivität nicht mehr in diesem Maße gegeben, der Charakter des Pyramidenfriedhofes als eines privilegierten Bestattungsplatz bleibt aber erhalten. Diese Pyramidenfriedhöfe sind dadurch gekennzeichnet, daß die hier bestattetten Personen in enger Beziehung zu Institutionen stehen, die um den Pharao etabliert sind<32>. Dabei können diese Institutionen

  1. solche sein, die um den lebenden Pharao etabliert wurden, aber auch solche, die
  2. um den toten Pharao und den Kult an seiner Grabanlage etabliert blieben.


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Die Pyramidenfriedhöfe nach a) sind gewöhnlich die Elitefriedhöfe der jeweiligen Periode, so die Friedhöfe des Snofru in Medum und Dahschur Mitte, der Friedhof auf dem Giza-Plateau, in Abu Rawash, im Central Field in der späten 4. Dynastie und schließlich die Friedhöfe um die jeweilige Pyramide des Djedkare, Unas, Teti, Pepi I., Merenre und Pepi II. Nur in der hohen 5. Dynastie, der Zeit der Abusir-Könige, ist ein vergleichbares Muster bisher nicht festzustellen. Derartige Friedhöfe zeichnen sich durch eine gewisse kulturelle Innovativität aus und korrespondieren dabei mit der individuellen Ausprägung jeder königlichen Anlage.

Bei Weiterexistenz der Kultanlagen der Pyramide nach b) werden die nun meist zur Gruppe der dependent specialists<33> zu zählenden Angstellten der Institution ebenfalls im Bereich des Pyramidenfriedhofes bestattet, so besonders in Giza und auf verschiedenen Pyramidenfriedhöfen im späten AR (Unas, Teti). Diese Anlagen repetieren die kulturellen Traditionen der jeweiligen Periode.

2. Die zweite Gruppe der Friedhöfe sind die eigentlichen Lokalfriedhöfe, in denen Angehörige der Residenzbewohnerschaft ohne eine direkten Bezug zu königlichen Anlagen bestattet werden. Der Friedhof, der dieses Kriterium in erster Linie erfüllt, ist der alte Lokalfriedhof von Memphis auf dem Wüstenplateau von Saqqara. Hier werden Bestattungen der Elite seit der Begründung der Ortschaft vorgenommen und die Belegung wird mehr oder weniger bruchlos das gesamte AR und darüber hinaus in der 1. ZZ und den folgenden Perioden fortgesetzt. Dabei sind spätestens seit der Rückverlegung der königlichen Bestattungen in diesen Bereich in der 5. Dynastie aber auch immer Bezüge zu königlichen Anlagen vorhanden.

Weniger klar ist die Entwicklung in Giza. Die Begründung der Nekropole hängt mit der Etablierung der königlichen funerären Anlagen der 4. Dynastie in diesem Bereich zusammen. Es gab allerdings bereits einen lokalen Elitefriedhof auf dem Südfeld. Die um die Anlagen des Cheops, Chefren, Mykerinos und deren Familienmitglieder massierten funerären Institutionen bewirkten offenbar, daß auch in der 5. und 6. Dynastie ein nicht unbeträchtliches Segment der Residenzbevölkerung in diesem Bereich ansässig blieb bzw. hier bestattet wurde. Damit entwickelte sich die Nekropole von Giza zu einem zweiten großen und lange belegten Residenzfriedhof. Es entwickeln sich hier gewisse eigene Traditionen gegenüber den auf dem Friedhof von Saqqara üblichen, was sich u.a. in einigen Differenzen der kulturellen Ausdrucksformen niederschlägt. Im Gegensatz zu Saqqara wurde die Belegung des Giza-Friedhofes am Ende des AR weitgehend eingestellt<34>.

3. Kaum eine der hier interessierenden funerären Anlagen kann einem der beiden Typen in "reiner" Form zugeschrieben werden. Es ist vielmehr die spannungsreiche Kombination von Pyramidenfriedhöfen, die theoretisch ausschließlich mit Personen belegt sind, die Institutionen um


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den Pharao bilden, und dem Lokalfriedhof, der der Bestattungsplatz einer sozialen Entität mit der Basis "Siedlung" ist, die den besonderen Charakter der Residenz im AR bestimmt. Diese Residenz ist natürlich eine Ansiedlung von Menschen wie jede andere Ortschaft auch; ihr besonderer kultureller Charakter wird aber durch Institutionen geprägt, die überregionale Bedeutung besitzen.

4. Die Belegungsgeschichte dieses riesigen Areals ist naturgemäß äußerst komplex und soll hier nur in groben Umrissen unter Angabe der wesentlichen Literatur nachvollzogen werden.

Zu den in der 1. Dynastie im ganzen ägyptischen Reichsgebiet verteilt belegten Elitefriedhöfen gehören bereits das südliche Plateau von Giza<35> und die Bestattungsplätze von Saqqara Nord. Saqqara Nord zeichnet sich bereits in der 1. und dann verstärkt in der 2. Dynastie durch die ungewöhnlich dichte Belegung mit Eliteanlagen aus<36>. Etwas nördlich vom Elitefriedhof befindet sich ein frühdynastisches Gräberfeld, das offenbar den Lokalfriedhof einer sozial weniger hochstehenden Bevölkerung darstellt<37>. Der ebenfalls von einer Elitegruppe belegte Friedhof von Helwan auf dem gegenüberliegenden Ostufer unterstreicht die Bedeutung, die die memphitische Region bereits in dieser Periode hat<38>. Die Lokalfriedhöfe in Saqqara und Giza sind jeweils auf repräsentativen Plätzen (Plateaus) in unmittelbarer Nähe zum Fruchtland angelegt.

5. In der 2. Dynastie werden die ersten königlichen Anlagen in Saqqara, weit entfernt vom Elitefriedhof an der Plateaukante, in der Wüste errichtet<39>. Vorbild dieser Position ist wohl die der königliche Nekropole von Abydos. In dieser Region hat es bereits in der 1. Dynastie einen formal gegliederten Bestattungsplatz gegeben, der von W. Kaiser mit einer königlichen Kultanlage des Den in Verbindung gebracht wird<40>.

Mit der Errichtung der Anlage des Djoser in genau diesem Friedhofsbereich wird eine neue Etappe der Friedhofsgeschichte der memphitischen Region eingeleutet. Von nun an werden alle Pharaonen des AR in aufwendig konzipierten funerären Anlagen in der memphitischen Region bestattet. Bereits bei Djoser sind Gräber vorhanden, die wohl für weitere Angehörige der Königsfamilie vorgesehen waren<41>. Aber erst mit dem Übergang zur 4. Dynastie kommt es zur Bildung echter Pyramidenfriedhöfe, die in der Anlage des Snofru in Medum bereits vorgeprägt


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sind<42> und auf dem Friedhof in Dahschur Mitte ihre klassische Ausprägung erhalten<43>.

6. Die Nutzung des Lokalfriedhofes von Saqqara setzt sich auch in der 4. Dynastie fort, wobei die Fläche in Richtung Westen und Süden ausgedehnt wird<44>. In Dahschur werden unabhängig von der königlichen Anlage Gräber an der Wüstenkante errichtet<45>.

7. Cheops verlegt die königliche Anlage nach Giza. Unter seiner Regierung und den Nachfolgern Chefren und Mykerinos wird hier das wohl bedeutendste funeräre Bauprogramm des pharaonischen Ägypten durchgeführt, das neben den drei Pyramiden die Errichtung großer, geplanter Gräberfälder um die Cheopspyramide, im Central Field und den angrenzenden Felshängen umfaßt<46>.

8. Nur eine relativ kurze Episode scheint die Errichtung der Pyramide des Djedefre in Abu Rawash, ebenfalls im Gebiet eines frühdynastischen Lokalfriedhofes, gewesen zu sein. Es befinden sich aber auch hier jüngere Anlagen, die eine gewisse Kontinuität der Belegung bis in die 5. Dynastie sichern<47>.

9. Die Übergangszeit von der 4. zur 5. Dynastie ist durch die Verlegung der königlichen Anlagen des Schepseskaf nach Dahschur, des Userkaf nach Saqqara Ost und des Sahure nach Abusir gekennzeichnet. In Abusir etabliert sich schließlich der Königsfriedhof der hohen 5. Dynastie<48>. Abgesehen von einer kleinen Gruppe von Gräbern aus der Übergangszeit von der 4. zur 5. Dynastie<49> wird nach dem bisherigen Kenntnisstand im Gegensatz zu Dahschur und Giza hier keine große Nekropole bei den Pyramiden errichtet, sondern selbst Elitepersönlichkeiten (z.B. Tjj) lassen sich im wenig entfernten Saqqara Nord bestattet. Auch der Friedhof von Abusir Süd, der von der 4. bis zur 6. Dynastie belegt ist, kann als Ausläufer der Nekropole von Saqqara angesehen werden<50>.

10. Die Nekropole von Saqqara scheint die gesamte Zeit über kontinuierlich belegt worden zu sein und auch in Giza reißt die Belegung nicht ab. Auch in Dahschur befinden sich Gräber aus dem


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hohen AR<51>. In Saqqara ist zu beobachten, daß im Übergang zur 5. Dynastie das Gebiet östlich der Djoser-Anlage, in dem auch Userkaf seine Pyramide anlegen lies, in den Friedhof einbezogen wird<52>. Damit wird eine bis dato bestehende Trennung des Saqqara-Nekropole in einen nichtköniglichen Bereich im Norden und den königlichen Bereich der 2. und 3. Dynastie im Südwesten aufgehoben<53>. Außerdem kommt es analog zu einer Entwicklung in Giza schon in der späten 4. Dynastie zur Bildung von Berufsfriedhöfen von dependent specialists der 5. Dynastie an der Peripherie dieses neuen Elite-Bereiches, südlich im Bereich des späteren Unas-Aufweges und nördlich im Bereich der späteren Pyramide des Teti<54>.

11. Die Anlage der gewaltigen Mastaba des ptH-Spss in Abusir markiert den Übergang zu einem neuen Typ von Pyramidenfriedhöfen am Ende der 5. und in der 6. Dynastie, in denen die höchsten Würdenträger ihre großen Mastabas wieder in unmittelbarer Umgebung der Pyramide des jeweiligen Königs errichten. Dieses Prinzip ist bei den Anlagen des Unas, des Teti und Pepi II. gut belegt<55>, während die Angaben für Djedkare, Pepi I. und Merenre noch spärlich sind<56>.

12. Parallel werden die Friedhöfe in Saqqara und Giza in der 6. Dynastie weiter genutzt. Es verstärkt sich die schon in der 5. Dynastie belegte Tendenz zur Errichtung von Komplexen großer Elitefamilien, die die Grab- und Kultstellen mehrere Familienmitglieder über einige Generationen verbinden. Um diese Komplexe bilden sich weitere Ansammlungen von Klientelanlagen. Solche Komplexe sind in Giza bei der sSm-nfr IV.- und der snDm-jb-Familie südlich und nördlich der Cheops-Pyramide zu beobachten<57>. In Saqqara bildet sich ein bedeutender Komplex um die Anlage der ptH-Htp / Ax.t-Htp-Familie westlich vom Djoser-Bezirk<58> und ein Friedhof an dessen Nordmauer<59>, außerdem im Bereich der Pyramiden des Unas und des Teti, hier die kA-gm.n-Mastaba und deren Klientelfriedhof umfassend<60>. Auch in Abusir befindet sich ein Friedhof mit Kleinanlagen vom Ende des AR<61>.

13. Im Übergang zur 1.ZZ bilden diese cluster den Ausgangspunkt der lokalen Friedhöfe der im


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Gebiet von Memphis ansässigen Bevölkerung. Solche Friedhöfe der 1. ZZ sind in Giza nicht mehr vorhanden, wohl aber im Bereich der Teti-Pyramide, des Unas-Aufweges, in Abusir und eventuell auch bei der Anlage des Snofru in Dahschur<62>.

Fußnoten:

<3>

Siehe dazu die Belegtabellen für Statuenensembles mit gesichertem Fundort, besonders Tabelle 14.

<4>

Der Befund möglicher Statuenplätze ohne Statuenfunde wurde jedoch nicht systematisch aufgenommen. Siehe die einschlägigen Publikationen, insbesondere die Giza-Bände von Junker und Hassan, die für fast jede Anlage einen Serdab verzeichnen, der in den meisten Fällen leer war.

<5>

Donadoni Roveri 1969; Lapp 1993; Wiebach 1981; Harpur 1987; Cherpion 1989; Reisner 1936; Reisner 1942; Junker Giza I-XII; Hassan Giza I-IX

<6>

Shoukry 1951

<7>

Junker Giza I: 57-65; Junker Giza XII: 54-61 (erst nach Shoukry 1951 erschienen); Hassan Giza V: 45-52; Mariette / Maspero 1889; Borchardt 1911; Reisner 1936, 1942

<8>

Smith 1946: 1-104; Vandier 1958: 1-143

<9>

Eaton-Krauss 1984, 1995, 1997, 1998

<10>

Schäfer 1930: 299-327; Schäfer 1936

<11>

Wildung 1983, 1985, 1990

<12>

Assmann 1983: 20; Schulz 1992: 713-715

<13>

Siehe bereits Wood 1977: 65-68 zur Unterscheidung in einen passiven und einen aktiven Statuentyp; dazu auch Schulz 1992: 719.

<14>

Schäfer 1930: 318-327; Smith 1946: 105-109; Shoukry 1951: 86-105; Vandier 1958: 3-13; Cherpion 1998; Harvey 1999

<15>

Schäfer 1930: 308-310; Junker Giza XII: 122-143; Scharff 1940; Vandier 1958: 116-143; Assmann 1983; Wildung 1983; Junge 1983; Assmann 1991: 138-168; Junge 1995; Schulz 1995; Stadelmann 1995; Russmann 1995.a, Ziegler 1999, Cherpion 1999

<16>

Kemp 1989: 64-107; Seidmayer 1990: 431-441

<17>

Erst im Verlauf der 5. Dynastie bildet sich ein gewisser Standard der Pyramidenanlage, siehe zu den königlichen Anlagen: Stadelmann 1985 / 1991.

<18>

Cherpion 1989: 83-138; dazu auch Seidlmayer 1997; Cherpion 1998

<19>

Es stellt sich bei einer chronologischen Fixierung immer die Frage, ob der Zeitpunkt der Herstellung, der ersten Benutzung oder der finalen Deponierung gemeint ist. Im hier interessierenden historischen Rahmen sind die betreffenden Differenzen meist zu vernachlässigen, es zeigt sich aber auch beim Versuch einer chronologischen Fixierung von Objekten, daß im Prinzip immer ein Aspekt der Handlung (= Herstellung oder Nutzung) der Datierung zugrundeliegt und das letztendlich damit auch eine Periode der Handlung beschrieben wird.

<20>

Zivie, C. M.: s.v. "Memphis", LÄ IV: 26-31; Giddy 1994, Malek 1997: 92-95, fig. 1

<21>

"Um dem Strukturrealismus zu entgehen, der die Systeme objektiver Relationen derart hypostasiert, daß er sie in jenseits der Geschichte des Individuums oder der Geschichte der Gruppe angesiedelte präkonstruierte Totalitäten verwandelt, gilt es und genügt es auch, vom opus operatum zum modus operandi, von der statischen Regelmäßigkeit oder algebraischen Struktur zum Erzeugungsprinzip dieser observierten Ordnung überzugehen und die Theorie der Praxis, genauer gesagt, die Theorie des Erzeugungsmodus der Praxisformen zu entwerfen, die die Bedingung der Konstruktion einer experimentellen Wissenschaft von der Dialektik zwischen Interiorität und Exteriorität, d.h. zwischen der Interiorisierung der Exteriorität und der Exteriorisierung der Interiorität bildet." (Bourdieu 1979: 164)

<22>

Siehe auch den ähnlich gearteten systematischen Ansatz in Bolshakov 1997: 40-49.

<23>

Zur Konzeptualisierung siehe auch Fitzenreiter 1998.b: 28.

<24>

Unter "Indizierung" soll im folgenden verstanden werden, daß ein kulturelles Element eine bestimmte, für alle Teilnehmer an der kulturellen Kommunikation verständliche Information enthält. Insbesondere wirken bestimmte ikonographische Elemente der Gestaltung im Rund- und Flachbild als informationsgeladene "Indizes", aber auch architektonische Elemente (z.B. Nische mit der Bedeutung "Tür").

<25>

Dazu, daß potentielle Indizes nicht zwangsläufig in jedem Zusammenhang aktiviert werden bzw. die Indizierung eines Elementes wechselt oder der Interpretation unterworfen ist, siehe z.B. van Walsem 1998.

<26>

Unter "Affirmation" soll eine Beschreibung verstanden werden, die im Sinne einer symbolischen Handlung eine Entität so beschreibt, daß der beschriebene Zustand als durch den Akt der Beschreibung verwirklicht angesehen wird. Die Affirmation ist stets als Handlung, Aktivierung zu verstehen, selbst dann, wenn die Agenten davon ausgehen, daß die Affirmation "selbstwirksam" ist. Ohne das "aktive Bewußtsein" der Selbstwirksamkeit unter den Teilnehmern der Kommunikation ist die Qualität der "selbstwirksamen Affirmation" hinfällig (z.B. bei unsichtbar aufgestellten Objekten, die nur solange "funktionieren", solange sich die Agenten ihrer Existenz bewußt sind). Der Gegensatz zur affirmativen Beschreibung würde eine rein "deskriptive" Beschreibung sein, die sich auf die detaillierte Benennung aller Elemente einer Entität beschränkt, der Benennung aber keine Qualität als verwirklichende Handlung zuerkennt. Deskriptive Beschreibungen treten im funerären Bereich des AR praktisch nicht auf, da jede Art von Beschriftung, Dekoration, rundbildlicher Darstellung, räumlicher Inszinierung etc. den Charakter einer funerären Installation hat, die der Verwirklichung der dort vorgenommenen rituellen Handlungen dient - diese also "affirmiert". Deskriptiv hingegen ist z.B. die hier vorgenommene Beschreibung von Statuen und deren Funktion. Dabei werden dieselben Elemente benannt, der Kontext und das Ziel der Beschreibung - Affirmation versus Deskription, Kult versus Dokumentation - sind aber grundverschieden.

<27>

Z.B. ist die vordringliche Aufgabe des Bestattungsrituals, den Verstorbenen in die Entität "dauerhafter Toter / Ahn" zu überführen, was die dingliche Handlung der Leichenbehandlung aber einschließt; die Aufgabe des Opferrituals die Belebung und Speisung und damit die Erhaltung des nicht dinglich anwesenden Toten usw. Siehe dazu: Fitzenreiter (im Druck).

<28>

Liminale Situationen oder Zustände markieren den Moment einer "Grenzüberschreitung" im Rahmen ritueller Handlungen. Im Zuge eines rite de passage wird eine liminale Phase durchlaufen, die zwischen dem vorherigen und dem nachfolgenden Zustand steht und die sich vom normalen dieser beiden Zustände abhebt. Im Rahmen von Kulthandlungen werden liminale Situationen erzeugt, in denen Einzelne oder Kollektive in Kontakt mit nicht-natürlichen, sakralen Erscheinungen treten können. Liminale Zustände können kurzzeitig erzeugt werden, z.B. durch das Betreten eines als sakral definierten Raumes, durch Geruch (Räucherung), Licht und Dunkel, Musik, durch gemeinsame Benutzung (Kommunion) von Speisen, Getränke, durch besondere Kleidung, durch Extase etc., aber auch langandauernd oder gar institutionalisiert sein, z.B. bei Schamanen oder sakralen Königen (Turner 1989: 94-127). Die konkrete Empfindung der liminalen Situation durch einzelne oder alle Teilnehmer eines Rituals ist auf atypische Reizung ("tuning") des Nervensystems zurückzuführen, wodurch wiederum atypische Formen der Informationsumsetzung eintreten (d'Aquili, E. et al. 1979: 117-151, 159, 178).

<29>

Die Kategorie der "Praxis" wurde von Marx in der ersten Feuerbachthese in der Auseinandersetzung mit idealistischen Ansätzen der Interpretation der Bewegung menschlicher Gesellschaft als eine Bewegung der Ideen geprägt (MEW 3: 5, 533); unter sozialphilosophischen Gesichtspunkt wurde die Kategorie der "Praxis" von Bourdieu 1979: 139-202 u. passim ausgearbeitet.

<30>

Als ein Beispiel: Die Dienerfiguren treten als ein typisches Element der Periode IV funerärer Praxis der Residenz auf; d.h. die "kulturelle Vokabel" Dienerfigur wird im Rahmen von rituellen Handlungen in Grabanlagen geschaffen und aktiviert, die zu einer Gruppe von Handlungen gehört, die die Periode IV funerärer Praxis an der Residenz konstituieren. Eine "Periodisierung" der Objektgattung Dienerfigur selbst ist hingegen die unten vorgenommene Einteilung in Gruppe A und Gruppe B.

<31>

Der methodische Ansatz ist offensichtlich den drei oben genannten Zielen der Arbeit verwand, aber nicht damit identisch: die Methodik beschreibt eine Vorgehensweise, während die Ziele der Arbeit mit dem Blick auf positiv zu formulierende Ergebnisse gestellt sind. Während die Methodik in sich eine Einheit darstellt, sind die Ziele in einzelne und aufeinander aufbauende Ergebnisse zu fassen.

<32>

Roth 1988, 1993

<33>

Trigger 1993: 55-61

<34>

Seidlmayer 1990: 386

<35>

PM III: 294f; Martin 1997

<36>

PM III: 436-448; Tavares 1998: 1138f

<37>

Bonnet 1928; Tavares 1998: 1138

<38>

Vandier 1952: 674-681

<39>

Zur Diskussion um angebliche königliche Grabanlage der 1. Dynastie in Saqqara-Nord siehe Kemp 1966, 1967 und im folgenden. Zu den königlichen Galeriegräbern der 2. Dynastie: Stadelmann 1985 / 1991: 31-34, Abb. 9, 10; Tavares 1998: 1137, fig. 3.

<40>

Macramallah 1940; Kaiser 1985

<41>

Vandier 1952: 892-899

<42>

Petrie 1892: pl. I; Stadelmann 1980

<43>

Stadelmann et al. 1993: 268-290; Stadelmann / Alexanian 1998: Abb. 2

<44>

Die Belegungsgeschichte des Saqqara-Friedhofes ist weitaus weniger gut erforscht, als die von Giza; siehe: Smith in Reisner 1936: 390-411; Roth 1988; Tavares 1998.

<45>

Stadelmann / Alexanian 1998: 299-306

<46>

Reisner 1942: 66-84; Junker: Giza XII: 12-27; Helck 1956.b; Lehner 1985

<47>

PM III: 4-8

<48>

Stadelmann 1985 / 1991: 152-179

<49>

PM III: 342-344; Borchardt 1907: 109-134

<50>

Verner 1994.b; Tavares 1998: 1139

<51>

Stadelmann / Alexanian 1998: 314

<52>

PM III: 575-586; 632-637

<53>

Roth 1993: 48

<54>

Unas-Aufweg: PM III: 637-645; Teti-Pyramide: PM III: 541-543

<55>

Roth 1988: 208-213

<56>

PM III: 671-674

<57>

PM III: 223-228 (sSm-nfr); 85-92 (snDm-jb)

<58>

PM III: 596-608; Roth 1988: 213f, die vorschlägt, in diesem Komplex eventuell den Pyramidenfriedhof der nicht bekannten Anlage des Menkauhor zu sehen.

<59>

Baud 1997

<60>

Unas-Pyramide: PM III: 614-632; Munro 1993: 1-8; Teti-Pyramide: PM III: 508-539

<61>

Schäfer 1908: 3-14

<62>

Daoud 1998


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Wed May 2 14:17:41 2001