Fitzenreiter, Martin: Statue und Kult Eine Studie der funerären Praxis an nichtköniglichen Grabanlagen der Residenz im Alten Reich

Kapitel 11. Statuen, die den Inhaber unbekleidet abbilden (Nacktfigur)

(Tab.10)

11.1 Auftreten und Formen<434>

1. Die in diesem Kapitel besprochenen Statuen, die eine Person unbekleidet abbilden, stellen nicht nur im Korpus der Grabstatuen des AR eine Besonderheit dar, sondern sind in der altägyptischen Plastik überhaupt eine der wenigen größeren Gruppen solcher Darstellungen<435>. Unter einer eine unbekleidete Person darstellenden Statue - im folgenden "Nacktfigur" - wird verstanden, daß der Dargestellte kein die Geschlechtsorgane bedeckendes Kleidungsstück trägt, also bei Männern keinen Schurz und bei Frauen kein Kleid. Meist wird bei dieser Darstellungsform auch auf eine Perücke verzichtet und der Dargestellte mit natürlichem Haar gezeigt - auch das ein Element von Nacktheit. Nackte Personen können aber Halskragen, Halsketten und Armbänder tragen.

2. Es sind neben vier weiblichen Nacktfiguren vor allem männliche Nacktfiguren aus den Residenzfriedhöfen von Memphis in der Belegliste vertreten. Alle Statuen zeigen die Person als Standfigur. Bei den männlichen Nacktfiguren lassen sich zwei Typen unterschieden:

  1. Typ II.a: Die Person trägt keine Perücke, einige Exemplare zeigen Andeutungen von Haarsträhnen oder einer engen Kappe<438>. Häufig zeigen die Statuen einen aufgemalten Halskragen und auch ein an einer Halskette hängendes Amulett. Die Person ist in Schrittstellung wiedergegeben oder mit geschlossenen Beinen; die Arme hängen immer am Körper herab. Ältere Exemplare - aus Basalt, Kalkstein und Holz - haben die Hände zur Faust geballt; jüngere Exemplare aus Kalkstein und Holz können die Hände auch geöffnet haben<439>. Die Kalksteinstatuen dieses Typs sind tendenziell mit Titeln und Namen beschriftet, sie stellen dann immer den Grabherrn dar.
  2. Typ II.b: Der wesentliche Unterschied zu Typ II.a ist, daß diese Statuen eine Perücke tragen (Löckchen- oder Strähnenperücke). Sie können sonst dem Typ II.a entsprechen, es ist aber auch die Darstellung der Person mit einem Stab in der erhobenen linken Hand belegt. Die Statuen sind aus Holz und datieren vom Ende der 5. und aus der 6. Dynastie (10.13; 10.17?; 10.25).

3. Die belegten Nacktfiguren von Frauen stellen eine Besonderheit dar, wobei die Interpretation als Nacktfigur nicht immer eindeutig ist<440>. Soweit erkennbar, stellt wenigstens CG 121 (10.30) eine erwachsene Frau mit Perücke und aufgemaltem Halskragen dar und ist damit Typ II der männlichen Statuen parallel zu setzen. Wie bei der weiblichen Standfigur üblich, sind die Beine geschlossen, die Arme hängen am Körper herab und die Hände sind geöffnet. Ob unter den Belegen auch ein Typ I der männlichen Figuren entsprechender Typ einer nackten Mädchenfigur belegt ist, ist nicht gesichert, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Prinzipiell ist davon auszugehen, daß die wenigen weiblichen Nacktfiguren typologisch und funktional den männlichen entsprechen.

4. Nackte Knabenstandfiguren als Teil von Gruppenfiguren sind seit der späten 4. Dynastie belegt (siehe Kap. 9.1.). Daß die Ikonographie dieses Darstellungstyps wahrscheinlich aus dem Flachbild übernommen wurde, wurde oben dargelegt<441>. Die echten nackten Knabenstandfiguren sind


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insgesamt eher selten; es sei aber auf die Belege von separat gearbeiteten Nebenfiguren verwiesen, die mit anderen Figuren aus Kalkstein oder Holz auf einer gemeinsamen Basis zu Gruppenfiguren kombiniert sind<442>. Die Knabenfiguren sind verhältnismäßig klein; das Exemplar aus G 2009 (10.1) entspricht in seinem Größenverhältnis zur Gruppenstandfiguren im Serdab etwa dem der Nebenfiguren zu den Hauptfiguren bei Gruppenstatuen. Eine Ausnahme bildet die große Knabenstandfigur aus der Sargkammer von G 1152 (10.12), die aber eine Sonderfunktion gehabt zu haben scheint (s.u.)

5. Männliche Nacktfiguren vom Typ II sind tendenziell deutlich größer und entsprechen in ihren Maßen etwa dem anderer männlicher Standfiguren, die gemeinsam mit ihnen in einem Ensemble auftreten. Sollte die Basaltfigur (10.4) aus der Anlage GIIS in Giza aus dem Ensemble des kA-m-nfr.t stammen, wäre das der früheste Beleg einer separaten Nacktfigur; er würde dann in die späte 4. Dynastie datieren. Die Serdabfunde von Nacktfiguren vom Typ II aus Giza und auch aus Saqqara werden überwiegend in die späte 5. Dynastie und den Übergang zur 6. Dynastie datiert<443>. Der pauschal späte Ansatz ist jedoch nicht gerechtfertigt, sowohl die Anlage des snfrw-nfr als auch die Ensembles des mjtr(j) und des Ax.t-Htp kann man in die erste Hälfte der 5. Dynastie setzen; hier ist die Nacktfigur vom Typ II je einmal belegt (10.5; 10.21; 10.22). Auch die anderen Funde, die aus Serdaben stammen oder Serdabensembles zugeschrieben werden können, weisen nur eine Nacktfigur vom Typ II je Ensemble auf.

6. Im Gegensatz zu anderen Statuentypen der Serdabensembles der Periode IV wie Schreiberfigur und Gruppenfigur werden Nacktfiguren in einigen Fällen mit in die Schachtdepots der Periode V übernommen und treten auch in Periode VI - in der 1. ZZ und dem Übergang zum MR - noch auf. In diesem Zusammenhang ist die Vervielfältigung von Nacktfiguren von Typ II belegt (10.23). Nackte Knabenstandfiguren vom Typ I treten nicht mehr auf; wie auch die Gruppenfigur - zu der die nackte Knabenfigur strukturell gehört - in Schacht- und Sargkammerensembles nicht mehr auftritt. Die Statuen dieser Ensembles sind tendenziell deutlich kleiner als die aus den Oberflächenserdaben.

7. Eine Sonderform ist das Auftreten von großen Nacktfiguren in Sargkammern in Giza schon in der späten 5. Dynastie (10.12; 10.13; 10.17). Diese Figuren entsprechen durch ihre Dimensionen, dem Sondertyp II.b (Nacktfigur mit Perücke und Stab), der Art ihrer Aufstellung am Sarg und durch das Fehlen weiterer Figuren nicht den kleinen Nacktfiguren aus Schacht- und Sargkammerdepots der Periode V und VI. Die Anlagen, in denen sie gefunden wurden, zeigen vielmehr noch


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Beziehungen zur funerären Praxis der Periode IV. Während in den späteren Schacht- und Sargkammerensembles nur Statuen vom Typ II belegt sind, ist in einer Sargkammer dieser Übergangsperiode in Giza die ungewöhnlich große Knabenfigur (10.12) gefunden worden.

11.2 Interpretation

1. Nacktfiguren treten seit der späten 4. Dynastie / frühen 5. Dynastie sporadisch in Serdaben auf. Es handelt sich dabei um Knabenfiguren (Typ I), die nicht den Grabherrn selbst abbilden, und um Darstellungen des Grabherrn vom Typ II. Die Knabenfiguren Typ I treten wohl immer gemeinsam mit weiteren Statuen auf, die den Grabherrn und gelegentlich andere Personen abbilden. Für Statuen vom Typ II ist es belegt, daß ein Serdab nur diese Statue des Grabherrn enthielt (snfrw-nfr, 10.5); in der Regel scheinen Nacktfiguren aber Teil eines Ensembles gewesen zu sein, in dem der Grabherr noch in anderen Statuentypen abgebildet wird. In diesen Serdabensembles ist jeweils aber nur eine Nacktfigur des Grabherrn vom Typ II vorhanden, erst in der 6. Dynastie treten mehrere Nacktfiguren in einem Ensemble auf.

2. Das Auftreten der Nacktfiguren ist damit in etwa zeitgleich dem Auftreten anderer neuer Statuentypen (Schreiberfigur, Standfigur mit Vorbauschurz) am Beginn der Periode IV der funerären Praxis der Residenz. Wie diese neuen Statuentypen werden die Nacktfiguren in die neuen großen Serdabensembles integriert, und ebenso wie die neuen Statuentypen wird die Nacktfigur tendenziell nicht vervielfältigt. Die Ansicht, daß Nacktfiguren erst relativ spät - in der Zeit des Überganges von der 5. zur 6. Dynastie - auftreten, ist nach den vorliegenden Belegen nicht aufrechtzuhalten. Im Gegensatz zu den anderen neuen Statuenformen sind bisher aber keine Belege für Vorgänger dieses Statuentyps in der Periode III bekannt.

3. Die Deutung der einzelstehenden Knabenstandfiguren vom Typ I scheint relativ sicher zu sein; es handelt sich hierbei um separat gearbeitete Nebenfiguren, die in einem Ensemble dieselbe Funktion haben, wie fest integrierte Nebenfiguren der Gruppenfigur. Für hölzerne Ensembles ist die separate Fertigung der Nebenfiguren logisch und man kann sogar annehmen, daß einige Belege hölzerner Knabenfiguren Teile von Gruppen waren. Auch die Elfenbeinfigur CG 815 (10.2) war offensichtlich in der Art einer Nebenfigur einer Sitzfigur des ra-wr zugestellt. Nur im Fall der Kalksteinstatuette (10.1) aus G 2009 ist eine etwas separierte Aufstellung gesichert; die Funktion der Statue wird ähnlich ambivalent zu sehen sein, wie die von sehr groß dargestellten Nebenfiguren in einigen Gruppenfiguren: der Dargestellte tritt zwar als Kind und damit Garant des Kultes auf, aber in so prominenter Form, daß er zugleich eine einer Hauptfigur ähnliche Position erreicht.

4. Wesentlich problematischer ist die Deutung der Statuen vom Typ II. Sie stellen den Grabherrn selbst dar und da sie in Serdaben zusammen mit anderen Statuen belegt sind, kann man davon


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ausgehen, daß sie, wie die anderen Statuen auch, einen besonderen Aspekt des Toten bildlich beschreiben und affirmieren sollen. Wie die anderen neuen Statuentypen treten sie nicht regelmäßig auf, so daß der hier beschriebene Aspekt nicht von zentraler Bedeutung für die funeräre Praxis gewesen sein kann, sondern akzidentieller Natur, eventuell mit einem gewissen Prestigeindex, der auf besonders ausgeklügelte Konzepte schließen läßt. Andererseits kann dieser Statuentyp den Toten als Wesensheit vollständig rundplastisch beschreiben - wie durch die Nacktfigur als einzige Serdabstatue bei snfrw-nfr belegt. Um die Funktion der Nacktfigur zu klären, muß vor allem untersucht werden, welche ikonographischen Besonderheiten ihr eigen sind, was sie also "beschreibt" und mit welchem Index diese Ikonographie versehen ist.

5. Nur H. Junker hat sich meines Wissens bisher ausführlich mit dem Phänomen der Nacktfigur auseinandergesetzt<444>. Eine von ihm erwogene Möglichkeit ist die, in der nackten Statue den kA zu sehen, analog der Statue des Königs Hor aus der 13. Dynastie<445>, was aber von ihm selbst als recht unsicher angesehen wird, da seiner Meinung nach der kA auch bekleidet in den Pseudo-Gruppen auftritt. Vor allem stellen seiner Ansicht nach daher die Nacktfiguren vom Typ II den Grabherrn in einem bestimmten Alter dar. Die Person ist zwar schon beschnitten, aber noch vor dem eigentlichen "Mannbarwerden" gezeigt. Das Mannesalter wird Junkers Ansicht nach erst mit der Zeremonie des "Umbinden des Gürtels" (Tz mDH) erreicht, nach der dann eine Person auch erst mit der Schurztracht abgebildet werden kann<446>. Auch würde die Körperform der Statuen immer einen jugendlichen Menschen abbilden<447>. Unter Heranziehung einiger Sprüche der Pyramidentexte<448> schlägt Junker vor, die Nacktfigur im Zusammenhang mit der "Wiederverjüngung des Verstorbenen" nach dem Tod zu sehen. Während andere Statuen den Status des Grabherrn als Lebender festhalten, stellt die Nacktfigur den idealen, ewig-jugendlichen


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Körper des Toten vor, der ihm nach der Regeneration durch den Tod zukommt.

Problematisch an dieser Deutung ist vor allem, daß in den zitierten Texten der wiedergeborene König stets als Kleinkind, als Säugling beschrieben wird, jedoch nicht als schon fortgeschrittener "Jungmann". Somit kann nur die einzigartige Statue des als Kleinkind am Boden hockenden Pepi II. (10.34) eventuell in diesem Sinne gedeutet werden, und vielleicht auch die Knabenfigur (10.12) aus der Sargkammer von G 1152 (s.u.). Für alle anderen Statuen vom Typ II, besonders die mit eindeutigen Zeichen der Beschneidung, ist die Bezugnahme auf die Pyramidentexte ausgeschlossen.

6. Es ist für die großen und relativ früh anzusetzenden Statuen vom Typ II gerade charakteristisch, daß sie den Grabherrn nicht als statusloses Kleinkind oder Körper ohne besondere Abzeichen abbilden, sondern daß durch die aufgemalten Schmuckelemente wie Halskragen und Kette durchaus ein besonderer, gehobener Status angezeigt wird. Es ist wahrscheinlich also nicht "Jugendlichkeit", die in diesem Statuentyp abgebildet wird (dafür tritt die Knabenfigur ein), sondern tatsächlich "Nacktheit", und zwar präzise die Nacktheit der Geschlechtorgane. In diesem Sinne äußert sich H. Kees, der vorschlägt, daß in diesen Statuen vor allen die Fähigkeit eines Toten affirmiert wird, auch seine Geschlechtsorgane weiterhin nutzen zu können<449>. Denn während die Versorgtheit und die Bewegungsfähigkeit in der Sitz- und der Standfigur adäquat beschrieben werden, sind die Geschlechtsorgane dort aus Gründen der Statusbeschreibung via Kleidung stets verdeckt.

Eine Bezugnahme zum Geschlechtsakt, wie er in den von Kees herangezogenen Pyramidentexten geschildert wird, ist aber bei keiner der Statuen etwa durch einen eregierten Penis o.ä. zu verzeichnen. Kees entwickelt die These der Betonung der Zeugungsfähigkeit außerdem im Zusammenhang mit der Betrachtung der sogenannten "Beischläferinnen", kleinen nackten Frauenfiguren, die seit der FZ bekannt und in der 1. ZZ und dem MR oft in Gräbern der Provinz belegt sind. Diese wohl mit Vorstellungen von der Regeneration des Toten in Beziehung stehenden Figuren fehlen aber völlig in den Belegen der Residenz im AR; der entsprechende Kult scheint also nicht Element der funerären Praxis in Memphis gewesen zu sein. Außerdem sind diese Figuren stets weiblich und besitzen keine männlichen Pendants<450>. So bleibt auch diese Deutung zumindest vage.

7. Auch wenn das Problem der Nacktfiguren damit nicht endgültig geklärt werden kann, soll hier noch eine andere Möglichkeit erwogen werden, warum ein Grabherr sich als nackte Person in der Statuenkammer abbilden läßt. Zwei Beobachtungen sind dabei wichtig:

  1. Die Statuen vom Typ II.a bilden eine Person ab, die völlig nackt ist: sie trägt weder Schurz noch Perücke. Durch einen Halskragen und ein Amulett ist sie aber dennoch mit

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    einem ikonographischen Element ausgezeichnet, das sie vom Index "Statuslosigkeit" oder sogar "Armut / Unversorgtheit" unterscheidet, der der Nacktheit sonst zukommt<451>. Es ist wahrscheinlich, daß die seit dem Ende der 5. Dynastie zu beobachtende Konvention, Nacktfiguren mit Perücken und auch Amtsstäben auszustatten (Typ II.b) ebenfalls dazu dient, den Unterschied zur Statuslosigkeit der "normalen Nacktheit" zu unterstreichen, daß die Perücke also die Funktion des Halskragens übernimmt.
  2. Es fällt auf, daß die nackte Darstellung eines Grabherrn im Flachbild nur belegt ist, wenn es sich um Statuen handelt<452>. Selbst ist der Grabherr im Flachbild nicht nackt abgebildet; die "Nacktheit des Grabherrn" ist also ein statuenspezifisches ikonographisches Element. Es fehlen allerdings auch von anderen Statuentypen entsprechende Flachbildparallelen, insbesondere von der Schreiberfigur. Bei der Schreiberfigur ist die Situation der Nacktfigur durchaus vergleichbar: als Schreiber ist zwar nie der Grabherr selbst abgebildet, aber typologisch ist die Pose im Flachbild vorhanden. Da die Schreiberpose im Flachbild aber mit dem Index "untergeordneter Amtsträger" versehen ist, wird der Grabherr so nicht abgebildet<453>. Im Gegensatz zur Nacktheit des Typs II ist die nackte Knabenfigur und die Darstellung nackter Personen im Flachbild belegt, aber es handelt sich hier um Darstellungen mit dem Index "Kindlichkeit" bzw. "Statuslosigkeit". Das Element der "Kindlichkeit" wird im Rundbild bei der Nacktfigur vom Typ II aber durch die sichtbare Beschneidung ebenso bewußt negiert wie die "Statuslosikgeit" durch Halskragen und Kette.

8. Aus den Beobachtungen läßt sich ableiten, daß die Nacktfigur vom Typ II also keine jugendliche oder statuslose Person abbildet, sondern den Toten als Grabherrn im Vollbesitz des ihm zustehenden Status. Die Hinzunahme statusindizierter Elemente wie Perücke und Amtsstäbe im Typ II.b unterstreicht diesen Aspekt. Die Nacktfigur beschreibt mittels der Nacktheit darüber hinaus den Toten als eine Person, die über einen vollständigen Körper verfügt. In diese Beschreibung fließen schon von Junker und Kees beobachtete Aspekte ein; sie umfassen die Funktionsfähigkeit des Körpers, die nicht durch Alter beeinträchtigt noch durch Kindlichkeit beschränkt ist, was die sexuelle Leistungsfähigkeit einschließt.

Außerdem ist diese Form der Darstellung eines Grabherrn für das Rundbild typisch und hat keinen Vorläufer oder parallelen Beleg im Flachbild<454>. Die einzige Parallele ist m. E. die Leiche selbst, und zwar die vom Balsamierer in einen ewigen Leib verwandelte Leiche. Aus den wenigen Belegen der Leichenbehandlung im AR ist zu erkennen, daß ihr Ziel die Herstellung eines idealen,


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funktionsfähigen Körpers war<455>. Dieser Körper wird nackt vorgestellt, z.T. unter Nachformung der Geschlechtsorgane, aber auch durch die Beigabe von Status-Elementen wie Stäben, Schmuck etc. genauer definiert. Es wurde bei der Besprechung der Statuennutzung in Periode III und besonders der Ersatzköpfe bereits auf die enge Beziehung verwiesen, die zwischen Leiche, Leichenbehandlung und rundplastischer Abbildung besteht. Die Beziehung ging so weit, daß zeitweise am Grab die Leiche das einzige "Bild" des Toten war. In Periode IV wird diese enge Beziehung durch die Multiplikation der verwendeten Statuen aufgehoben. Diese Statuen vervielfältigen die als magische Mittler dienenden Abbilder und fügen neue Typen dem Repertoire hinzu, die bestimmte Aspekte des Toten genauer beschreiben. Es ist nicht unwahrscheinlich anzunehmen, daß auch ein Statuentyp in diesem Zusammenhang eingeführt wird, der den Körper, der dem Toten weiterhin zukommt, genau beschreibt. Wie bei der Standfigur mit Vorbauschurz und der Pseudogruppe ist die traditionelle Standfigur dabei der Ausgangspunkt; möglicherweise anfänglich mit geschlossenen Beinen, wie bei kA-m-nfr.t (10.4), was als Andeutung des Verharrens im Grab gedeutet werden könnte, dann aber in Form der schreitenden Figur, die das Element "Funktionsfähigkeit" in sich trägt. Die Nacktfigur vom Typ II kann in Periode IV auch als "Körperfigur" verstanden werden, als die rundbildliche Affirmation des körperlich im Grab anwesenden Toten. Eine solche Beschreibung kann im Flachbild nicht auftreten: Die Abbildung der Existenz des Toten im Grab ist auf die Darstellung des am Speisetisch sitzenden und die Opfer empfangenden Grabherrn traditionell seit Periode II festgelegt, die Szenen im Diesseits zeigen den Grabherrn als handelnde Person mit Amt und Status, was formelle Bekleidung voraussetzt. Die Beschreibung der Körperlichkeit ist damit nur über ein Rundbild (und die Mumie) möglich.

9. Wahrscheinlich ist der Nacktfigur gegen Ende der Periode IV eine gewisse Universalität eigen. Da sie das Abbild des Toten nicht auf eine bestimmte Funktion festlegt - Empfang von Opfergaben, Heraustreten aus dem Grab, Anwesenheit zum Fest etc. -, aber durchaus seinen Status über bestimmte Elemente wie Halskragen oder Perücke ausdrücken kann, läßt sie sich als Prototyp der Darstellung des Toten ohne engere Funktionsbeschreibung nutzen. Nacktfiguren treten neben anderen Abbildern oder auch allein in einigen Schacht- und Sargammerensembles der Periode V (10.8; 10.23-10.26) und noch der Periode VI (10.27) auf. In der Zeit des Überganges zur 1. ZZ ist die Nacktfigur in der Provinz recht beliebt. Es ist zu vermuten, daß die ebenfalls in dieser Periode forcierte Entwicklung der Leichenbehandlung hin zur "echten" Mumie und das Interesse an der dauerhaften Manifestation der Körperlichkeit in einer Statue in einem konzeptionellen Zusammenhang stehen. Mit der Etablierung der Bündelmumie und den deren Form imitierenden Prä-Uschebtis endet der Gebrauch der Nacktfigur im funerären Kontext.

10. Eine Sonderform der Nutzung von Nacktfiguren muß separat behandelt werden, kann die gegebene Interpretation der Nacktfigur als "Körperfigur" in Periode IV aber stützen. Bisher sind nur


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aus Giza eine Reihe von Belegen bekannt, die bekleidete und auch nackte Holzfiguren direkt bei oder in der Sargkammer lokalisieren (10.19-10.22). Soweit datierbar, stammen sie aus der Übergangszeit von der 5. zur 6. Dynastie. Was diese Funde von den im Laufe der 6. Dynastie beginnenden Belegen für Schacht- und Sargkammerensembles unterscheidet, ist das Fehlen weiterer ein Ensemble konstituierender Figuren, insbesondere von Dienerfiguren, und die außerordentliche Größe einiger Statuen. Es ist hierbei nicht davon auszugehen, daß die Statuen zu einem Sargkammerensemble im Sinne eines Statuendepots gehören. Vielmehr belegen sie eine Sonderform funerärer Praxis, die durchaus noch der Spätphase der Periode IV zuzurechnen ist<456>.

Die bekanntesten Funde wurden von G. Reisner gemacht; es handelt sich um die große nackte Knabenfigur (10.12) aus G 1152 und zwei nackte männliche Figuren mit Perücke und Stab (10.13) aus G 2378 A. Bei letzteren ist die Aufstellung in oder bei der Sargkammer nicht gesichert. H. Junker erwähnt daneben zwei weitere bekleidete lebensgroße Holzfiguren in den Sargkammern des xwfw-snb und des ra-wr II (10.14; 10.15). Auch hier ist bei der zweiten Statue die Aufstellung nicht gesichert. Die wenigen Belege reichen nicht aus, dem Problem systematisch auf den Grund zu gehen. Es sei vorgeschlagen, in diesen Statuen ebenfalls Belege für "Körperfiguren" zu sehen, die man aber in einer Variante der funerären Praxis nicht mit anderen Statuen im oberirdischen Serdab unterbrachte, sondern neben dem echten Körper in der Sargkammer. Die Position hat natürlich eine gewisse Logik, indem sie die rundbildliche Affirmation des Körpers direkt am Ort der Funktion lokalisiert; außerdem entspricht sie der erwähnten Tendenz der späten Periode IV, die Sargkammer immer mehr in die Kulträume der Anlage einzubeziehen, z.B. durch die Dekoration mit Opferlisten oder ähnlichen Abbildungen. Daß dabei auch bekleidete Statuen (10.14-10.16; 10.18) eingebracht werden, kann damit erklärt werden, daß Nacktfiguren insgesamt selten sind und prinzipiell die Standfigur den Körper des Toten ebenfalls abbildet. Die Aufnahme von Nacktfiguren in ein Statuenensemble ist wie die aller anderen "modernen" Statuentypen mit dem strategischen Interesse verbunden, außergewöhnliche Varianten des Kultes zu integrieren. Der einmalige Beleg der nackten Knabenfigur aus G 1152 kann versuchsweise auf diese spekulative Weise gedeutet werden. Sieht man das Fehlen der Kinderlocke als relevant an, so kann in dieser Statue tatsächlich eine Ambivalenz von vollwertigem Mann und neugeborenem Kind beschrieben werden, wie es wohl die Statue Pepi II. (10.34) und die Sprüche der Pyramidentexte ausdrücken.

Durch die Aufstellung von großen Figuren beim Sarg wird wohl auch dem Gedanken Ausdruck verliehen, daß notfalls eine Statue als "Ersatzkörper" fungieren kann. Dafür bietet sich die nackte Figur durch ihre große Ähnlichkeit mit dem Körper des Toten selbst natürlich an; diese Vorstellung wurde wohl auch auf kleinere Abbilder übertragen, die typisch für die echten Schacht- und


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Sargkammerensembles der Periode V sind und von denen eine Nacktfigur ebenfalls in einer Sargkammer in Giza gefunden wurde (10.8). Wenigstens strukturell kann man in dieser Art der Sargkammerfiguren Vorläufer späterer "Ersatzkörperstatuetten" sehen, die dann aber die äußere Form der Mumie imitieren<457>.

11. Bemerkenswert sind noch drei Belege für die Aufnahme von Nacktfiguren in Gruppenfiguren. Die Gruppenstandfigur (10.31) des Htb-jb und der stp.t zeigt eine nackte männliche Figur, die von einer bekleideten weiblichen Figur zur Rechten umarmt wird. Ein Verwandschaftsverhältnis zwischen den beiden ist nicht angegeben; da die Frau zur Rechten steht, einer Position, der ein gewisses Prestige eigen sein kann, muß es sich bei ihr nicht unbedingt um die Gattin des Htp-jb handeln. Ob die Nacktheit des Mannes vielleicht - in Anspielung auf die ebenfalls nackt dargestellten Knaben - auf seine Sohnschaft anspielen soll, darüber kann nur spekuliert werden. Ebenso ist bei den beiden Pseudo-Gruppen (10.32+33) je eines Mannes und einer Frau, die mit der nackten Standfigur des xnw verbunden sind, von einer individuellen Variante auszugehen, deren Bedeutung aufgrund des fehlenden Kontext nicht sicher bestimmbar ist. Möglich wäre auch hier die Vorstellung, in der Nacktheit eine Ambivalenz von Knabe = Sohn = Stifter der Statuengruppe einerseits und vollwertigem Abbild des xnw in Form der "Körperfigur" andererseits ausgedrückt zu sehen. Denn obwohl die Knabenfigur und die nackte männliche Standfigur primär ganz verschiedenen funktionalen Vorgaben ihre Entstehung verdanken, sind sie formal eng verwandt und als formale "Zitate" in ambivalenter Weise einsetzbar. Gerade bei ungewöhnlichen, mit formalen Mitteln spielenden Statuen müssen solche Möglichkeiten in Betracht gezogen werden; siehe auch den differenzierten Umgang mit der Größe von Nebenfiguren in der Gruppenfigur.

11.3 Nacktfigur - Zusammenfassung

1. Nacktfiguren stellen Personen mit unbedeckten Geschlechtsorganen dar. Im Korpus der Nacktfiguren des AR ist dabei zwischen der nackten Knabenstandfigur (Typ I) und der nackten männlichen Standfigur (Typ II) zu unterscheiden. Knabenstandfiguren besitzen ikonographische Merkmale (Kinderlocke, rechte Hand am Mund), die sie eindeutig als Kinder kennzeichnen. Nackte männliche Standfiguren entsprechen in ihren Posen der männlichen Standfigur und können mit verschiedenen Abzeichen versehen sein (Halskragen, Amulett, Perücke, Amtsstab), die einen gehobenen Status anzeigen. Durch die Beschneidung wird bei Typ II auf das fortgeschrittene, vollwertige Alter der Dargestellten verwiesen.

2. Durch ihre Ikonographie ist die separate Knabenstandfigur auf dieselbe Funktion festgelegt, die einer Knabenstandfigur als Nebenfigur einer Gruppenfigur zukommt. Es ist davon auszugehen,


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daß die Belege separater Knabenstandfiguren entweder Teile von Gruppenfiguren waren oder in Statuenensembles die Funktion einer Nebenfigur hatten. Im letzteren Fall kann durch die separate Ausführung eine Sonderrolle oder ein gehobener Status ausgedrückt worden sein. Das formale Vorbild der Knabenstandfigur ist die Nebenfigur der Gruppenfiguren, die selbst in der Kinder-Ikonographie des Flachbildes ihr Vorbild hat.

3. Die nackte männliche Standfigur zählt zur Gruppe der in Periode IV im Kontext von Serdabensembles auftretenden neuen Statuentypen, die den Grabherrn in besonderer Weise beschreiben. Wie die anderen neuen Statuentypen auch tritt die Nacktfigur nicht regelmäßig auf, wird tendenziell nicht vervielfältigt und ist schon durch ihr seltenes Auftreten mit einem gewissen Prestige versehen. Sie beschreibt den Toten als Person, die über einen vollständigen und funktionsfähigen Körper verfügt. Die männliche Nacktfigur kann daher auch als "Körperfigur" bezeichnet werden. Dieser Körper ist durch einige Statusinsignien (Halskragen, Amulett, dann Perücke) vom Index der "Statuslosigkeit" unterschieden, der der Nacktheit sonst zukommt. Für diesen Aspekt der Beschreibung des Toten gibt es im Flachbild keine Entsprechung. Vorbild der nackten männlichen Standfigur war vielmehr der tote, im Laufe der frühen Mumifizierungstechnik äußerlich wiederhergestellte Körper selbst bzw. der Wunsch, einen derart wiederhergestellten Körper zu besitzen<458>.

4. In einer Sonderverwendung tritt die nackte männliche Standfigur neben bekleideten Standfiguren in Sargkammern der späten 5. / frühen 6. Dynastie in Giza auf. Diese Statuen dienen offenbar der Affirmation des Körpers des Toten am Ort der Aufbewahrung, sind aber nicht den kleinen magischen Statuen der späteren Sargkammerdepots gleichzusetzen. Es handelt sich hier wohl um eine Variante der funerären Praxis der Periode IV.c, die die Sargkammer stärker in den Kultbereich einbezieht.

5. Männliche Nacktfiguren werden in die Schacht- und Sargkammerensembles der Periode V übernommen. Sie treten hier möglicherweise als allgemeingültige Affirmation der Existenz des Toten in Erscheinung und werden auch vervielfältigt. Sie treten dann meist mit weiteren Figuren auf und sind oft recht klein.

6. Neben den männlichen Figuren sind auch nackte weibliche Figuren belegt. Soweit erkennbar, entsprechen sie formal und funktional dem Typ II der männlichen Statuen. Auch für sie ist anzunehmen, daß sie der Affirmation der körperlichen Unversehrtheit einer konkreten Grabherrin dienen. Für magische nackte weibliche Figuren zum Zwecke der Regeneration von Toten (sog. "Beischläferinnen") gibt es in den Friedhöfen der Residenz im AR keine sicheren Belege (siehe Kap. 12.2.4.).


Fußnoten:

<434>

Quelle der Tabelle u.a. der Katalog Junker Giza VII: 40f, es wurden nur die Belege aus der Residenz berücksichtigt. Es sind nur separate Knabenstandfiguren verzeichnet; solche in Verbindung mit Gruppenfiguren siehe Kap. 9. Nicht aufgenommen wurden Belege nackter Dienerfiguren, siehe Kap. 12.

<435>

Siehe: Behrens, P.: s.v. Nacktheit, LÄ IV: 292-294; die Nacktheit ist sonst noch belegt als ikonographisches Abzeichen der Kind-Götter (Nefertem, Harpokrates), als kunsthandwerliches Element bei Toilettengegenständen (Spiegel- und Löffelgriffe) und im Korpus der nackten Frauenfiguren (sog. "Beischläferinnen") in Gräbern. Im Flachbild tritt die Nacktheit als Zeichen des niederen Status bei der Darstellung von Arbeitern, sowie als erotisches Moment bei Tänzerinnen auf. Einige Götter ausländischer Herkunft werden seit dem NR nackt abgebildet (Kadesch, Astarte). Belege verschiedener Typen von Rundbildern mit dem Element "Nacktheit" siehe Hornemann 1951-1966: VII, Index: 50.

<436>

Ausnahme: keine Kinderlocke bei der großen Knabenfigur aus der Sargkammer von G 1152 (10.12), aber Finger zum Mund und unbeschnitten.

<437>

Die Pose und auch der aufgemalte Halskragen sprechen bei dieser Statue eher für den Typ II; laut Borchardt soll die Figur aber eine Locke besessen habe, was unzweifelhaft für eine Knabenfigur spräche. Das veröffentlichte Foto läßt eine Überprüfung nicht zu.

<438>

Wahrscheinlich stellen auch die leicht gewellt um den Kopf laufenden Rillen das natürliche Haar dar; siehe die Bemerkungen von Borchardt 1911: 25 zur Haargestaltung bei CG 23 (10.20).

<439>

Geöffnete Hände: Leipzig 3028 (10.6), drei Figuren aus Nische in Schacht B in der Anlage des jxxj (10.23). Die geöffneten Hände treten bei Holzstatuen am Ende des AR häufig anstelle der zur Faust geballten Hände auf, vergleiche die Entwicklung von Typ E der Standfigur mit Vorbauschurz.

<440>

Hassan Giza V: 200f listet fünf Belege für nackte weibl. Figuren auf: 1. die aus der Anlage der nfr-nmt.t (10.9); 2. "a crude limestone figure of a seated woman found outside the mastaba of Hesy" (Hassan Giza III: pl. LXXI.2), deren Nacktheit nicht gesichert ist und die typologisch nicht zu den hier behandelten Statuen zählt; 3. "a damaged figure of unbacked mud found in the tomb of Sekhem-ka-Ra" (Hassan Giza IV: pl. XXXV.2), bei der die Datierung in das AR fraglich ist; 4. + 5. zwei Dienerfiguren nackter akrobatischer Tänzerinnen, die zum Korpus der Dienerfiguren zählen.

<441>

Siehe die Belege der Kinderikonographie (nackt, Hand am Mund) schon in Medum, Kapelle des nfr-mAa.t (Petrie 1892: pl. XVI, XX, XXIV).

<442>

Siehe Gruppenfigur: Kalkstein: Hildesheim Inv. Nr. 16 (7.60), CG 22 (7.86); Holz (nur Füße erhalten, daher nicht sicher, ob es sich um nackte Knabenfiguren handelte): kA-p-nswt (7.91.2:), Schreiberfigur des mjtr(j) (5.35.1:).

<443>

So noch Junker Giza VII: 44, der aber den kA-m-nfr.t-Beleg selbst in das Ende der 4. / Anfang der 5. Dynastie setzt.

<444>

Junker Giza VII: 40-44

<445>

De Morgan 1894: Taf 33-35

<446>

Diese Trennung von Beschneidung und Tz mDH ist aber nicht gesichert. Zum Tz mDH eventuell auch als "Umbinden der Stirnbinde" siehe Staehelin 1966: 24-30.

<447>

Junker beruft sich bei der Diskussion der Möglichkeit, daß Personen in Statuen bewußt in verschiedenen Altersstufen abgebildet werden, auf drei Holzstatuen, die in Sedment im Grab des mrjj-ra-HAS.t=f gefunden wurden (Petrie / Brunton 1924: Bd.I: 2f). Der Beleg stammt nicht aus der Residenz, ist aber für die Betrachtung der Nacktfiguren von einigem Interesse. Die drei Statuen standen zusammen mit einer nackten weibl. Standfigur und drei Modellgruppen in einem Schachtdepot (op. cit.: pl. XI.3). Die Statuen sind unterschiedlich groß (die größte ist 74 cm hoch) und zeigen alle den Grabherrn nackt, beschnitten, mit Löckchenperücke und in Schrittstellung (Typ II.b). Die erste Statue hat die Arme gerade herabhängend, die Hände zur Faust geballt (op.cit.: pl. VIII), die zweite hält einen Stab in der erhobenen linken Hand (op.cit.: pl. IX), die dritte hält Stab und abA-Szepter (op.cit.: pl. X). (Zu den Statuen jetzt auch: New York 1999: Nr. 188 + 189, 460-463.) Von Petrie werden die Statuen als der Grabherr "as a youth", "as proprietor" und "as elder" angesehen. Grund der Interpretation sind die ansteigende Größe der Figuren und die bei den beiden letzten Figuren betonte Nasolabialfalte. Keine der Statuen hat jedoch ikonographische Abzeichen, die auf Kindlichkeit (Locke, Finger am Mund) oder Alter (gebeugte Haltung, faltiger Körper) deuten und die unterschiedliche Gestaltung der Gesichter ist zumindest nicht eindeutig, sondern durchaus als stilistische Varianz anzusehen. Es sei darauf verwiesen, daß die ägyptische Kunst im Flach- wie im Rundbild eindeutige ikonographische Mittel besaß, Jugend und Alter auszudrücken. Die in der Literatur offensichtlich allgemein akzeptierte Annahme der verschiedenen Lebensalter ist daher fragwürdig.

<448>

Junker Giza VII: 43

<449>

Kees 1956: 202

<450>

Zu den "Beischläferinnen" siehe: Helck: s.v. Beischläferin, LÄ I: 684-686; siehe auch Kap. 12.2.4.

<451>

Siehe den Topos der Idealbiographie, der Bedürftige beschreibt:"Ich habe dem Hungernden Brot gegeben und Kleider dem Nackten"; zu den Belegen aus dem AR und deren Datierung: Schenkel 1978: 37, Anm. 143.

<452>

Eaton-Krauss 1984: 33 listet Belege aus fünf Gräbern auf. Aus der Residenz sind es jeweils Szenen der Statuenherstellung, bei denen Nacktfiguren neben anderen Statuen produziert werden; Grab des Tjj (op.cit.: Cat. 27, 28); Grab des kA-m-rx.w (op.cit.: Cat. 34, 35); Grab des anx-ma-Hr (op.cit.: Cat. 43); Grab des kA-jrr (op.cit.: Cat. 46). Es handelt sich jeweils um nackte, beschnittene Standfiguren mit herabhängenden Armen, Hände zur Faust geballt. Die Statuen tragen jeweils Perücken. Es ist denkbar, daß die Perücke im Flachbild besonders betonen soll, daß es sich hierbei um Stauen des Grabherrn, und nicht um die eines Kindes o.ä. handelt, und das erst über die Flachbildkonvention die Perücke auch bei realen Nacktfiguren üblich wurde. Im Gegensatz dazu tragen die beiden Nacktfiguren bei ppj-anx: Hnj km aus Meir aber keine Perücken (op.cit.: Cat. 154, 155). Die Darstellung in Meir bezeichnen zwei nackte männl. Standfiguren und zwei Sitzfiguren als Bestand des pr-twt / Serdab.

<453>

Eaton-Krauss 1984: 20

<454>

Es ist dabei notwendig, eine strenge funktionale Unterscheidung zwischen der Knabenfigur (Typ I) und dem Bild des Grabherrn (Typ II) vorzunehmen. Eine Verwischung dieser Unterscheidung tritt, wenn überhaupt, erst am Ende des AR ein, s.u.

<455>

Tacke 1996: 313

<456>

Das die Sargkammer in Giza schon in Periode IV der funerären Praxis immer mehr in die Gestaltung einbezogen wird zeigt u.a. auch die Dekoration der Sargkammer des kA-m-anx in Giza, die Motive der Kapellendekoration der Periode IV repetiert (Junker Giza IV: 43-96). Siehe auch Kap. 16.2.

<457>

Siehe Schlögl, H: s.v. "Uschebti", LÄ VI: 896f.

<458>

Das Vorhandensein einer Nacktfigur impliziert keineswegs, daß auch der Körper entsprechend behandelt wurde; siehe die bescheidene Bestattung des snfr-nfr (10.5), der ohne Sarg auf dem Boden des Schachtes lag, nur mit einigen Tongefäßen als Beigaben (Junker Giza VII: 33).


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Wed May 2 14:17:41 2001