Fitzenreiter, Martin: Statue und Kult Eine Studie der funerären Praxis an nichtköniglichen Grabanlagen der Residenz im Alten Reich

Kapitel 14. Exkurs: Sonderfälle von "doppelten" Scheintür-Serdaben aus Periode IV.a und die Funktion der nördlichen Scheintürkultstelle

14.1 Einleitung - Scheintür und Serdab

1. Bei der bisher erfolgten Besprechung von Statuen aus den Residenzfriedhöfen seit dem frühen AR wurden zwei hauptsächliche und grundsätzlich voneinander verschiedene Orte ihrer


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Aufstellung beschrieben: a) die Aufstellung im Zusammenhang mit der Kultstelle an der südlichen Scheintür ("innerer" Bereich), und b) die Aufstellung in einem entfernt davon liegenden ("äußeren") Bereich. Eine kleine Gruppe von Statuen stammt aus Anlagen in Giza, in denen hinter oder bei zwei Scheintür-Kultstellen Statuen aufgestellt wurden. Dabei handelt es sich nicht um sukzessiv angelegte Serdabe für verschiedene Personen, sondern um das Ergebnis einer einheitlichen, auf eine Belegungsphase bezogene Bauplanung. Die Anlagen mit diesem besonderen Doppel-Serdab reflektieren den Übergang von Periode III.c der funerären Praxis zu Periode IV.a; mit ihnen zeitgleich treten die ersten Scheintürräume vom Typ (NS:L:2) auf, die zwei Scheintür-Kultstellen an der südlichen, der "inneren" Kultstelle besitzen. Es soll im folgenden versucht werden, den Charakter und die Funktion der beiden Scheintür-Kultstellen einer funerären Anlage der Residenz zu klären, da die Art und Weise der Statuenverwendung im "inneren" Kultbereich davon bestimmt zu sein scheint. Außerdem ist die Deutung der Nord-Kultstellen für die Deutung der Funktion des "äußeren" Bereiches der Anlage und seiner Statuen von Bedeutung. Dabei wird an Beobachtungen angeknüpft, die oben im ersten Teil für die Perioden II und III der funerären Praxis der Residenz formuliert wurden (siehe Kap. 5.3.).

2. Belege des besonderen, verdoppelten Serdabtyps aus der späten 4., eventuell noch frühen 5. Dynastie auf dem Westfriedhof wurden im Zusammenhang mit der Diskussion der Gruppenfigur schon erwähnt (Kap. 9.3.). Doppel-Serdabe dieser Art sind meines Wissens sehr selten, drei sichere Belege sind in der Tabelle aufgeführt. Es handelt sich um die beiden Anlagen G 4970 (nswt-nfr) (13.27) und G 5150 (zSA.t-Htp) (13.28), die bis in Details der Dekoration vergleichbar sind und bei denen die Merkmale der Periode IV.a funerärer Praxis, insbesondere der Scheintürraum (NS:L:2), bereits ausgeprägt sind. Als dritter Beleg ist die schon oben angeführte Anlage des snb (13.1) zu nennen, die ein Übergangsstadium von Periode III zu Periode IV repräsentiert, was u.a. die räumliche Trennung der beiden Scheintür-Kultstellen dokumentiert. Ein vierter, ebenfalls transitioneller Beleg ist die Anlage G 7391 des jttj (13.29)<563>.

3. Alle Belege besitzen hinter bzw. neben zwei Scheintüren einen Scheintür-Serdab. Bei snb befinden sich die Serdabe etwas versetzt nrbrn der Scheintür in der Mastabafassade (13.1). Die Anlage stellt strukturell eine elaborierte Anlage der niederen Residenzschicht mit zwei getrennten Kultstellen im Süden und Norden dar<564>. Beide Kultstellen besitzen den um sie konzentrierten Installationen nach zu urteilen unterschiedliche Funktionen. Vor die südliche Kultstelle ist ein Scheintürraum mit anschließender Erweiterung zu einer "äußeren" Kapelle gebaut. Im Scheintür-Serdab dieser Kultstelle befand sich eine hölzerne männliche Standfigur. Die nördliche Kultstelle steht mit einem Hof in Beziehung. In dem hier befindlichen Serdab wurde die berühmte


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Gruppenfigur des Zwerges, seiner Frau und Kinder gefunden. Die Süd-Scheintür ist als Kultstelle des Gatten dekoriert, die Nord-Scheintür nur als die der Gattin beschriftet<565>. Die Trennung der beiden Kultstellen in eine Süd-Kultstelle für den Mann und eine Nord-Kultstelle für die Frau ist in Periode II bereits belegt. Die unterschiedliche Gewichtung von Süd-Kultstelle (Opferplatz) und Nord-Kultstelle (Grabausgang)ist ebenfalls bereits bekannt. Die eigenartige Vermischung von Grabausgang und Kultplatz für die Frau ist jedoch neu, ebenso ist die im Nord-Serdab aufbewahrte Gruppenfigur ein typisches Produkt der Periode III.c bzw. schon der Periode IV funerärer Praxis. Das ältere Muster von Nord- und Süd-Kultstelle erfährt offenbar eine interpretierende Veränderung.

4. Der Bau des jttj auf dem Ostfriedhof in Giza (13.29) ist ähnlich ungewöhnlich wie der des snb und wurde für einen Grabherrn errichtet, der als Priester des Chefren ebenfalls zur Gruppe der dependent specialists zu rechnen ist. Die in PM gegebene Datierung in die späte 5. Dyn. ist aufgrund der Kapellenform, der Dekoration und der ungewöhnlichen Sitzfigur, die enge Bezüge zu Statuen des Chefren zeigt (Sitz als Stuhl ausgebildet), nicht zu halten; sicher datiert die Anlage in die zweite Hälfte der 4. Dyn.

Die Anlage besteht aus einem Mastabablock mit einer Palastfassade<566>. In der Palastfassade sind zwei Kultstellen hervorgehoben, eine im Süden (C), dem Zugang gegenüber, und eine kleinere im Norden<567>. Die südliche Kultstelle (C) liegt erhöht, besitzt eine kurze Treppe und war mit einer Scheintür versehen, die mit den Darstellungen von Angehörigen des Haushalts verziert ist und einen Serdabschlitz besitzt<568>. Vom Serdab oder seinem Inhalt sind keine Reste erhalten. Über die Gestaltung der nördlichen Nische liegen keine Angaben vor. Südlich von diesem Massiv wurde nachträglich ein Anbau mit einem dekorierten Scheintürraum (NS:L:1s) hinzugefügt. Die Scheintür im Scheintürraum ist nur mit dem Namen des Grabherrn beschriftet und besitzt einen Schlitz<569>, im Schutt dahinter wurde die qualitätvolle Sitzfigur des Grabherrn gefunden. Östlich der Mastaba liegt eine mehrräumige Kapellenanlage mit versetztem Zugangsbereich.

Der Mastabablock mit der Nischenfassade ist wie die Anlage des snb der frühen Periode III funerärer Praxis verpflichtet. Mit dem Anbau des Scheintürraumes (NS:L:1s) wurde ein typisches Element der Periode III.c erst nachträglich hinzugefügt, mit dem für diese Periode typischen West-Serdab. Auch die Größe und Qualität der Statue, ebenfalls die naturalistische Elemente (z.B. die Gestaltung des Stuhles) deuten auf die Periode III funerärer Praxis. Ob durch den Umbau die


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beiden Kultstellen im alten Mastabamassiv verändert wurden, ist ungewiß.

5. Bei G 4970 (13.27) und 5150 (13.28) befinden sich beide Scheintür-Serdabe im Scheintürraum (NS:L:2). Diese beiden Mastabas besitzen je eine kleine Nordkultstelle außerhalb des Scheintürraumes. Der Mastabatyp entspricht in Grundriß, Verteilung der Kultstellen und auch der Dekoration der Scheintürräume der Periode IV.a funerärer Praxis der Residenz<570>.

In den Serdaben hinter den Scheintüren befand sich je eine Statue. Im südlichen Serdab bei G 4970 eine männliche Sitzfigur, bei G 5150 eine Gruppenstandfigur von Mann und Frau. Im nördlichen Serdab befand sich bei G 4970 eine Gruppenfigur der sitzenden Gattin mit Sohn (der einzige mir bekannte Beleg dieser Kombination), die Statue von G 5150 ist verloren. Dekoration und Beschriftung der Scheintüren beziehen sich auf den Mann, unter Einbeziehung der Gattin.

6. Eine vergleichbare Kombination von zwei Serdaben hinter Scheintüren ist auch aus der Anlage des Hm-jwnw bekannt (3.3). Die Anlagen setzen demnach eine Tradition der Periode III fort, die wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Bau des Hm-jwnw-Monumentes überhaupt erst erfunden wurde und bei der zwei Kultstellen mit einem Serdab ausgestattet werden. Aufgrund der Größenunterschiede der beiden Serdabe des Hm-jwnw ist anzunehmen<571>, daß im südlichen Serdab keine Sitzfigur untergebracht war, sondern eine Standfigur, also die beiden Serdabe zwei verschiedene Aspekte des Grabherrn affirmierten.

Auch den hier aufgeführten Anlagen werden in den Statuen der verschiedenen Serdabe unterschiedliche Entitäten beschrieben. Die Person des Grabherrn bzw. des Grabherrn und seiner Gattin wird in den Belegen aus den Depots an der südlichen Kultstelle dargestellt. Die zwei Belege der nördlichen Kultstellen repräsentieren einen neuen Statuentyp: "zuordnende" Gruppenfiguren, in denen die familiäre Einbindung über die Kette der Nachkommen abgebildet wird.

7. An der südlichen Kultstelle einer formalen Vorgaben der funerären Kultur der Residenz folgenden Anlage wird die Existenz des Grabherrn in seinem Grab rituell affirmiert<572>. An diesem Platz befindet sich schon in Periode II die Opferstelle mit der Speisetischtafel, die den versorgt in seinem Grab existierenden Toten abbildet, der in der Scheintür ein Medium der Kommunikation besitzt (siehe Kap. 5.). Die Aufstellung eines Sitzbildes in einem verschlossenen Serdab seitlich der Scheintür, das mit diesem Flachbild korrespondiert, ist charakteristisch für Elitegräber der Periode II.b funerärer Praxis der Residenz. In Periode III gibt es Belege für die Plazierung dieser Statue "hinter" der Scheintür, wobei das Bild lebensgroß und lebensecht sein kann. Wie in Kap. 13. besprochen, ist in Eliteanlagen der Periode IV die Praxis der Aufstellung von Statuen hinter der


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südlichen Kultstelle nicht mehr üblich, gelegentlich aber noch in kleineren Anlagen.

Die hier genannten Anlagen haben je eine "normale" Serdabstatue hinter der südlichen Scheintür plaziert: Standfigur, Sitzfigur, "echte" Gruppenstandfigur. In jedem der Fälle wird die Identität und Existenz der abgebildeten Person(en) am Ort des eigentlichen Grabkultes affirmiert, wobei die Varianz der Statuentypen bei identischem Funktionszusammenhang bemerkenswert ist.

8. Der Charakter der südlichen Kultstelle scheint also im ganzen AR relativ konstant und auch in allen sozialen Ebenen vergleichbar zu sein zu sein. An diesem Platz wird die Identität des Grabherrn durch Abbild und Text beschrieben. Indem an diesem Platz rituelle Handlungen durchgeführt werden, sichert man dem Toten die Existenz in seiner Grabanlage. Abbilder können die Existenz des Toten und den Vollzug des zur Existenzsicherung notwendigen Kultes magisch absichern, sei es als Dekoration im Flachbild, sei es durch die Plazierung eines rundplastischen Bildes bei der Opferstelle. Kultziel bleibt aber stets die durch die Scheintür markierte Nische. Die Interpretation der südlichen Scheintür-Serdabe der hier genannten Belege bietet also kaum Schwierigkeiten.

9. Weitaus weniger klar einzuordnen sind die Belege für Serdabe in Zusammenhang mit der nördlichen Scheintür. In beiden erhaltenen Fällen enthielten die Serdabe "zuordnende" bzw. "kombinierte" Gruppenfiguren mit Kinderdarstellungen; bei G 4970 ist die Hauptfigur allein die Gattin! Dazu kommt das Phänomen, daß in Periode IV.a ein Typ des Scheintürraumes eingeführt wird - (NS:L:2) - der eine Nord-Scheintür in die Süd-Kultstelle integriert. Der Charakter der nördlichen Kultstelle scheint einige Ambivalenzen zu besitzen, die dazu führten, daß im Verlaufe des AR die Rolle dieser Kultstelle in der Residenz gewisse Veränderungen erfuhr. Es sei die Entwicklung dieser Kultstelle deshalb skizziert.

14.2 Die Entwicklung der nördlichen Kultstelle an nichtköniglichen funerären Anlagen im AR

1. Seit Periode II ist eine nördliche Kultstelle an der Mastabafront markiert; wie bei der südlichen Kultstelle erfolgt die Markierung durch eine Nische, die sogenannte Scheintür<573>. Während in kleinen Anlagen beide Nischen etwa gleich groß sind, werden in Großanlagen seit der 2. Dynastie die Nischen in Form und Größe unterschieden, wobei die südliche ausgebaut wird und sich schließlich zu einer in das Mastabainnere verlegten Scheintür-Kapelle (Scheintürraum) entwickelt<574>. Die nördliche Kultstelle bleibt als schlichte Nische an der Mastabafront bzw. im Bereich eines Korridors markiert.


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Bereits G. Reisner stellte fest, daß sich die südliche Nische meist unweit der Sargkammer der Anlagen befindet, während die nördliche Nische mit dem Zugang zur Bestattungsanlage in Beziehung steht<575>. Von dieser Beobachtung wurde oben in Kap. 5. bei der Diskussion der Entwicklung der Kultstellen in Periode III ausgegangen.

2. Einige Belege für die Dekoration und Beschriftung aus der späten Periode II weisen eine nördliche Kultstelle jedoch als Scheintür und Opferstelle für die Gattin des Grabherrn aus, der an der südlichen Kultstelle den eigenen Opferplatz besitzt<576>. Es handelt sich dabei um Frauen der Elite, für die neben dem Gatten eine eigene, zweite Bestattungsanlage angelegt wurde, als deren Kultstelle diese Scheintür fungiert<577>.

Neben solchen Nord-Kultstellen, die einer Frau zuzuweisen sind, gibt es aber Belege dafür, daß auch in Periode II die dekorierte nördliche Kultstelle nur dem Kult des Grabherrn gewidmet ist. In diesen Fällen kann es Unterschiede in der Art und Weise geben, wie der Grabherr an jeder der Kultstellen dargestellt ist bzw. agiert. Bei Hzj-ra ist der Grabherr nur auf einem Scheintürpaneel sitzend abgebildet, auf allen anderen schreitend<578>. jj-nfr aus Dahschur wird im Mittelfeld der südlichen Scheintür schreitend gezeigt, im Mittelfeld der nördlichen sitzend<579>.

3. Die großen Mastabas der Königsfamilie auf dem Friedhof von Dahschur Mitte liefern die ersten Belege für geplante Anlagen, deren bauliche Struktur die Praxis der Periode III.a spiegelt. Die Mastabas sind jeweils nur mit einer Bestattungsanlage versehen. Die südliche Kultstelle besitzt eine Scheintür mit Reliefdekoration und davor liegendem Kultbereich. Die nördliche Kultstelle ist als undekorierte und kleiner dimensionierte Nische gestaltet<580>. Eine Zuweisung der nördlichen


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Kultstelle an die Gattin des Grabherrn ist bei solchen Anlagen nicht möglich.

In der Weiterentwicklung dieses Grabtyps auf dem Westfriedhof von Giza wird auf die Markierung einer Nordkultstelle an der Mastabafront verzichtet, da der Zugang zum Grab durch den Zugang zur Kapelle "naturalistisch" umgesetzt wird (siehe Kap. 5.3.1.).

4. Die großen Mastabas der ersten Belegungsphase des Ostfriedhofes von Giza führen das Konzept einer einheitlich geplanten königlichen Nekropole fort. Die acht großen Mastabas bestehen jede aus zwei Kernanlagen, die erst nachträglich zu einer Doppelmastaba verbunden wurden<581>. Wenn die Belegungsgeschichte dieser Anlagen auch recht bewegt zu sein scheint, so läßt sich doch annehmen, daß ursprünglich jeweils der südliche Kern einer Doppelmastaba einer männlichen Person, der nördliche einer weiblichen Person zugedacht war<582>. Die Kultplätze jeder der Kernanlagen blieben erhalten, so daß jede Doppelmastaba über zwei (Süd-)Scheintürräume (NS:L:1s) verfügt. Daneben befindet sich oft an der Mastabafront jeder der beiden Kernmastabas einer Doppelmastaba eine kleine Nord-Kultstelle. Die Anlagen vom Ostfriedhof kombinieren gewissermaßen die Verteilung der Kultstellen in Prinzenanlagen von Medum und Dahschur:

5. Es zeigt sich in Periode III also bei Eliteanlagen eine deutliche Ambivalenz: eine nördlich gelegene Kultstelle kann die der Gattin sein; was aber keineswegs die einzige und wahrscheinlich nicht die häufigere und ursprüngliche Funktion dieser Kultstelle zu sein scheint. Vielmehr wird in solchen Fällen eine kleine nördliche Kultstelle gelegentlich hinzugefügt.

6. Zusätzlich kompliziert wird die Deutung der nördlichen Kultstelle mit der Einführung des zwei Scheintüren umfassenden (südlichen) Scheintürraumes (NS:L:2) in Periode IV.a auf dem Giza-Friedhof. Es wurde oben (Kap. 5.3.1.) vorgeschlagen, daß die oft nach Norden versetzte Zugangstür zur Opferstelle in Periode III.b als reale Umsetzung der Nord-Nische mit dem Index "Zugang zum Grab" zu interpretieren ist. Entsprechend besaß in Periode III.c der daraus hervorgegangene Scheintürraum (NS:L:1s) auch nur eine Scheintür, und zwar im Süden, während die nach Norden versetzte Zugangstür den Index "Zugang zum Grab" beibehält.

In Periode IV.a wird nun, in direkter Verlängerung der Zugangstür, eine zweite Scheintür an der Westwand hinzugefügt. Die südliche der beiden Scheintüren einer solchen Installation ist unschwer als die klassische Grabkultstelle des Grabherrn zu identifizieren. Die neue nördliche Scheintür läßt


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sich in zwei Typen untergliedern:

7. Auch die Einführung des Scheintürraumes (NS:L:2) hebt die ursprüngliche Funktion der eigentlichen Nord-Kultstelle in Giza nicht auf; diese bleibt vielmehr in Form einer einfachen Scheintürnische außen an der Mastabafront markiert<587>. Diese Kultstellen sind nur als einfacher Schlitz mit "Rundholz" markiert ("Rillenscheintür") und tragen selten die Speisetischtafel<588>.

8. Felsgräber der Elite im Central Field und an der Steinbruchkante besitzen in der Regel ebenfalls zwei räumlich getrennte Kultstellen; eine, die den (NS)-Scheintürräumen entspricht und den Platz der "Süd"-Kultstelle einnimmt (mit einer oder zwei Scheintüren), und eine, die den Ort der "Nord"-Kultstelle bezeichnet. Es ist aber bei den Felsgräbern eine charakteristische Veränderung der räumlichen Bezüge festzustellen: Nicht die Himmelsrichtungen "Nord" und "Süd" sind für die Plazierung der Kultstellen entscheidend, sondern die Bezüge "Außen" und "Innen". So treten Scheintürräume teilweise im polaren Norden, aber tief im "Inneren" der Kapelle auf, Kultbereiche mit dem Grabschacht im Bereich des Kapellenzuganges, aber polar im Süden<589>. Diese Varianten belegen, daß es sich bei den beiden Kultstellen nicht eigentlich um die "Nord" und die "Süd"-Kultstelle handelt, sondern der Bezug eher in "Außen" versus "Innen", "Zugang zum Grab" versus "Ort im Grab" zu sehen ist.

9. Die Tradition, die "innere" Kultstelle im Süden und die "äußere" Kultstelle im Norden einer Mastaba anzubringen, ergab sich aus der Lage von Grabschacht und Sargkammer in Periode II. Die Veränderungen in der Gestalt der Bestattungsanlage brachten zwangsläufig auch


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Veränderungen der Lage der "äußeren" Kultstelle mit sich. Es finden sich daher immer wieder "verdrehte" Varianten der Grabstruktur, die dadurch motiviert sind, daß die sogenannte "Nord"-Kultstelle im Bereich des Kapellenzugangs, im "vorderen" Bereich einer Anlage, im Bereich einer Halle o.ä. plaziert wird<590>.

10. Diese für die Giza-Friedhöfe in Periode IV.a charakteristische Entwicklung ist in Saqqara nicht in dieser Weise belegt. Mit der Verlegung der Königs- und auch Elitefriedhöfe im Übergang von der 4. zur 5. Dynastie kommt es zu Veränderungen in der Struktur der funerären Anlagen, die u.a. auf die stärkere Betonung von Saqqara-Traditionen zurückzuführen sind, so daß einige Neuerungen, die in Giza in den Perioden III.c und IV.a eingeführt wurden, nicht mehr oder nur in modifizierter Form auftreten. So wird in Saqqara in der ersten Hälfte der 5. Dynastie in Elitegräbern der Grundriß der südlichen Kultstelle in anderer Form entwickelt. Nicht der quergelagerte (NS)-Raum aus Giza erfreut sich besonderer Beliebtheit, sondern es tritt ein "in Kultrichtung" gestreckter (OW)-Raum ("tiefe Halle")<591> und davon abgeleitete Kapellenformen (modifizierte Kreuz-Kapelle, quadratische Kapelle) auf. Die nördliche /"äußere" Kultstelle ist in diesen Anlagen häufig als eine (Prunk-)Scheintür im Bereich des Hofes in unmittelbarer Nähe zum Zugang zur Bestattungsanlage belegt. Der Zugang zur Bestattungsanlage ist in Periode IV.b / c oft als Schrägschacht mit Zugang vom Hof gestaltet. Diese Entwicklung hat ihren Schwerpunkt in Saqqara, wird aber auch in Giza übernommen<592>.

11. Als ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist festzuhalten, daß die zweite "innere" Scheintür der (NS:L:2)-Räume, die typisch für Periode IV.a in Giza ist, in Saqqara in Periode IV nur selten auftritt<593> und wenn, dann meist Typ B entspricht, also keinen besonderen Bezug zum Kult der Gattin oder weiterer Familienangehöriger hat. Scheintüren für die Gattin, für Nachkommen und auch unter Einbeziehung von Vorfahren werden vielmehr getrennt von der Süd-Kultstelle in nördlich gelegenen Kultbereichen, also in Bezug zur Nord-Kultstelle angebracht. Dabei wird


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gelegentlich auf eine gesonderte Nord-Kultstelle für den männlichen Grabherrn ganz verzichtet<594>.

12. Ausgehend von diesen Anlagen mit Höfen wird seit Periode IV.c ein neuer Typ des Großgrabes entwickelt, bei dem eine Treppe vom Hof zum Mastabadach führt. Meist haben die Anlagen mit Treppen Grabschächte, die nicht im Hof liegen, sondern vom Dach aus erreicht werden können. In solchen Fällen gibt es in Periode V.a bemerkenswerter Weise keine erkennbaren Nord-Kultstellen im "Erdgeschoß" der Mastaba. Es kann aber davon ausgegangen werden, daß sich vergleichbare Kultplätze auf dem Mastabadach beim Grabschacht befanden<595>.

13. In Periode V.b werden von der Elite keine Anlagen mehr errichtet, die über zwei Kultstellen verfügen. Vielmehr wird die frühere Süd-Kultstelle zur alleinigen oberirdischen Kultstelle ausgebaut, während die ehemalige Nord-Kultstelle endgültig mit dem Zugang zur Sargkammer zusammenfällt. Schließlich wird der Index "Zugang zur Bestattung" als rein magisches, selbstwirksames Element von der Sargkammer selbst bzw. dem Sarg aufgenommen (Auftreten der Prunkscheintür am Zugang zur Sargkammer, in der Sargkammerdekoration und schließlich am Sarg selbst)<596>.

14. Grabanlagen von Angehörigen der mittleren Ebene der Residenz folgen in den meisten Fällen den hier anhand von Eliteanlagen nachvollzogenen Prinzipien. Anlagen von Angehörigen der unteren Residenzschicht hingegen haben nur selten von den übrigen Scheintüren unterscheidbare Nord-Kultstellen. Dafür besitzen diese Anlagen eine Vielzahl von Kultstellen und Schächten.

15. Faßt man die hier nur überblicksartig umrissenen Beobachtungen zu den Scheintür-Kultstellen zusammen, so ergibt sich:

  1. Eine funeräre Anlage, die den formalen Vorgaben der Residenzkultur folgt, hat seit Periode II zwei Kultstellen an der östlichen Mastabafront, eine südliche und eine nördliche. Beide Kultstellen werden durch Nischen markiert.
  2. Die südliche Kultstelle ist der Ort des Kultes für den Toten in seinem Grab. In dieser Funktion wird die südliche Kultstelle das gesamte AR beibehalten. Am Ende des AR

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    verbleibt die Süd-Kultstelle als eigentlicher oberirdischer Opferplatz und wird so in Periode VI tradiert.
  3. Die nördliche Kultstelle steht in Periode II mit dem Zugang zur Bestattungsanlage in Zusammenhang. Dieser Zusammenhang bleibt das ganze AR über erhalten, besonders mit der erneuten Einführung der Schrägschächte in der 5. Dynastie werden die nördliche Kultstelle und der Zugang zur Bestattung eng miteinander verbunden. Die Kultstelle ist in diesen Fällen oft als Prunk-Scheintür gestaltet und liegt im Bereich der "äußeren" Kultanlage<597>. In Periode V hat es möglicherweise archäologisch bisher nicht nachgewiesene "Nord"- Kultstellen auf dem Mastabadach beim Schachtmund von Großanlagen gegeben. In Periode VI schwindet die Bedeutung der nördliche Kultstelle am Graboberbau, wird aber in Elementen der Dekoration der Sargkammer und des Sarges aufgehoben (besonders das Element "Prunkscheintür" mit dem Index Zu- und Ausgang).
  4. Die Konvention, die Kultstelle nach c) im polaren Norden zu positionieren, ist in der funerären Kultur der Residenz ein weit verbreitetes Phänomen. Dieser kulturelle Standard wird in der Masse der einheitlichen formalen Prinzipien folgenden Grabbauten architektonisch umgesetzt. Besonders in individuellen Großanlagen zeigt sich aber, daß die polare Nordrichtung nicht das einzige Kriterium der Lage dieser Kultstelle ist, sondern daß ebenso ein Bezug zum Zugang zur Grabanlage, zum Zugang zur Bestattungsanlage und zu Installationen im "vorderen / äußeren" Bereich einer Kultanlage (Hof) vorliegt.
  5. In einigen Fällen ist belegt, daß die nördliche Kultstelle oder eine nördlich gelegene Kultanlage die Kultstelle der Gattin des Grabherrn ist. Die Einführung einer Kultstelle der Frau ist sekundär und mit der Einführung einer eigenen Bestattungsanlage verbunden. Dabei wird in Giza meist eine kleine Nord-Kultstelle entsprechend c) außen an der Mastaba noch hinzugefügt, was aber in Saqqara nicht üblich ist. Die Installation von Kultstellen für Frauen im Norden der Grabanlage stellt also in erster Linie die Umwandlung der Grabanlage von einer Einzelbestattung in eine Kollektivbestattung dar und ist nicht primär mit der Funktion der alten Nord-Kultstelle verbunden.
  6. Dieselbe Beobachtung läßt sich für die Einführung von zwei Scheintüren im Scheintür-Raum (NS:L:2) der südlichen Kultstelle in Periode IV.a in Giza machen. Die "eigentliche" Nord-Kultstelle ist von dieser Entwicklung nicht betroffen und behält ihre Funktion an der Grabfassade. Nur die nördliche Kultstelle im Scheintürraum (Typ A) kann als Kultstelle auch der Gattin des Grabherrn gestaltet sein.
  7. Die besondere Bedeutung der Nord-Scheintür in Scheintürräumen von Typ (NS:L:2) als Kultstelle auch der Gattin ist so nur für Periode IV.a und nur in Giza gesichert. Später ist eine Sonderrolle der zweiten "inneren" Scheintür in Bezug zur Gattin nicht mehr festzustellen. Sie ist eine ebenfalls dem Grabherrn gewidmete Kultstelle (Typ B), wobei nur am konkreten Beispiel geklärt werden kann, ob es einen Bezug zum Grab-Ein- und Ausgang gibt, oder ob es sich um eine Duplizierung im Sinne des Duals handelt<598>.

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  8. In Saqqara sind gelegentlich mehrere Nord-Kultstellen nach e) sowohl für den Grabherrn und die Gattin, auch unter Einbeziehung noch weiterer Angehöriger belegt. In einigen Fällen ist belegt, daß Nord-Kultstellen nur für einen männlichen Nachkommen des Grabherrn beschriftet sind und keine davon unabhängige Nord-Kultstelle des eigentlichen Grabherrn (= Erbauer der Anlage) vorhanden ist<599>.

16. Die aufgeführten Punkte machen recht deutlich, daß die eigentliche Funktion der nördlichen Kultstelle mit dem Zugang zur Bestattungsanlage in Verbindung steht, dem Ort der Einbringung der Leiche in das Grab und - theoretisch - des Verlassen des Grabes durch den Toten. Die Verbindung von nördlich gelegenen Kultstellen mit der Gattin und den Nachkommen ist sekundär.

14.3 Nordkultstelle und Familienkultstelle

1. In Periode IV tritt die nördliche Kultstelle in eine enge Verbindung mit dem in dieser Periode erweiterten "äußeren" Bereich der Grabanlage. Der Charakter dieser äußeren Anlage soll im folgenden Kapitel weiter behandelt werden. Hier soll noch auf die Besonderheit eingegangen werden, daß die nördliche Kultstelle in bestimmten Perioden mit dem Kult der Gattin und dem weiterer Familienangehöriger verbunden wird.

2. Das Auftreten von Kultstellen für Frauen im Nordteil von Elite-Grabanlagen in Periode II und Periode III ist durch die einfache Kombination von zwei Grabstellen zu erklären. Eine solche Kombination ist jedoch kein Zufall, der sich quasi zwangsläufig ergibt, sondern verändert den Charakter der Grabanlage radikal: Aus einer Einzelgrabstätte wird ein Kollektivgrab<600>. Das Grab beherbergt nicht mehr nur eine Person, deren nachtodliche Existenz regelmäßig durch rituelle Handlungen abzusichern ist, sondern es beherbergt eine Gruppe von Menschen, die eine soziale Institution konstituieren: die Ehe. Damit bekommt der Kult an dieser Grabanlage aber eine völlig


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neue Dimension: er erhält nicht nur die Existenz einzeln bestatteter Individuen, er erhält ebenso die durch sie konstituierte Institution.

3. Neben die so im funerären Bereich ablesbare Etablierung von (neuartigen?) Institutionen auf familiär-sozialer Ebene tritt etwa zeitgleich die Etablierung von "administrativen" Institutionen, von Berufsfriedhöfen. Auch die großen Nekropolen der Königsfamilie in Periode III sind, wenn auch auf einer höheren Ebene, dem Vorbild der Familienanlage verpflichtet. Es sind Komplexe, die die soziale Position der einzelnen Angehörigen der Königsfamilie nach bestimmten Gesichtspunkten in räumliche, quantitative und qualitative Parameter einer einheitlich geplanten funerären Anlage umsetzen. Die in Teil I postulierte Existenz kollektiver "äußerer" Kultstellen der Königsfamilie in der ersten Hälfte der 4. Dynastie würde diesem Prinzip der Familiengrablege mit einer gemeinsamen Kultstelle ebenfalls entsprechen.

4. Ab Periode IV ist es in der Residenz allgemein üblich, Grabanlagen als kollektive Grabstellen zu errichten, häufig mit einer entsprechenden Anzahl kleiner Kultplätze<601>. Aber auch die planmäßige Einbeziehung des Kultes der in den Kollektivgräbern bestatteten Gattin und weiterer Angehöriger über eine nördlich gelegene Kultstelle ist immer wieder belegt<602>. Es treten auch andere Fomen von Integration von Familienangehörigen auf: In Eliteanlagen können Bestattungs- und Kultstellen weiterer Personen unabhängig vom Gatten bzw. Vater eingerichtet werden<603>, in Klein- und Mittelanlagen ist sehr häufig eine Art sukzessive Belegung derselben funerären Anlagen durch Angehörige und Nachkommen belegt.

5. Daß in den Belegen der Periode II und III den Frauen der nördliche Teil der Anlage gewidmet wird, kann über die Position "zur Linken" des Gatten erklärt werden. Diese Position wurde bereits als eine häufige Form der Gruppierung von Gatte und Gattin besprochen<604>. Auch auf Scheintüren,


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die Gatte und Gattin zusammen abbilden, ist die Tendenz vorherrschend, daß der Mann im Süden, die Frau im Norden abgebildet ist, was bei einer Umsetzung in "im Westen" stehender Personen die Frau "zur Linken" positioniert<605>. Ein Bezug zur nördlichen Kultstelle mit dem Index "Ausgang / Zugang" muß also nicht zwingend angenommen werden, man hatte einfach bei der Einführung des Kollektivgrabes für Gatte und Gattin die übliche Position der Frau räumlich umgesetzt.

6. Es wurde aber schon oben erwähnt, daß nur in den seltensten Fällen die Kultstelle im Norden tatsächlich der Frau allein gewidmet ist. Meist tritt der Gatte ebenfalls auf, dazu können Nachkommen und in seltenen Fällen Vorfahren<606> treten. Gerade in den beiden Anlagen von Medum wirkt die Dekoration der nördlichen Kreuzkapelle und der nördlichen Scheintüren weniger wie eine Kultstelle der Gattin, als eine Kultstelle von Grabherr mit zugeordneter Gattin<607>. Nur in den allerwenigsten Fällen kann also von einer wirklichen Frauen-Kultstelle im Norden ausgegangen werden<608>. Meist beschreibt die nördliche Kultstelle die Institution "Familie": Gatte


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und Gattin, eventuell Vorfahren und sehr oft Nachkommen zusammen. Genau dieser Aspekt wird auch in den zwei oben aufgeführten Belegen für Statuen aus einem Nord-Scheintür-Serdab beschrieben: Die Familie des snb (13.1.2:) und die Gattin des nswt-nfr mit ihrem Sohn (13.27.2:). Interessanter Weise ist dabei in der snb-Anlage die Nord-Scheintür nur für die sn.t-jt=s beschriftet, die Statue zeigt aber die Familie; bei nswt-nfr stellt die Scheintürdekoration keinen besonderen Bezug zur Gattin her, die Statue zeigt jedoch nur xn.t und ihren Sohn.

7. Die so affirmierte Institution der Familie, konstituiert in der Abfolge der Vorfahren über Grabherr und Gattin zu den Nachkommen, ist das Band, über das ein Grabherr sein Dasein im Diesseits sichert. Während der Kult an der südlichen Scheintür ausgesprochen statischen Charakter hat und nur den Status des versorgten Toten immer wieder affirmiert - hier tritt bei zSA.t-Htp auch die die statische Institution "Ehe" affirmierende "echte" Gruppenstandfigur auf (13.28.2:) -, hat die über die nördliche Kultstelle abgesicherte Wirksamkeit des Toten auch im Diesseits progressiven Charakter; ebenso wie die hier gefundenen "zuordnenden" und "kombinierenden" Gruppenfiguren.

Der Gedanke, das die Nord-Kultstelle den Bezug zwischen dem Toten und den Lebenden im Diesseits aufrechterhält und deshalb auch mit dem Kult der diesen Bezug aufrechterhaltenden Institution "Familie" verbunden wird, mag spekulativ wirken, aber legt man ihn der Auswahl des Platzes für die Kultstelle unter Einbeziehung der Gattin zugrunde, so ergibt sich, daß eben gerade über die Verbindung mit der Gattin die Nachkommenschaft gesichert wird, über die wiederum reziprok der Kult im Grab dauernd gemacht wird. Die "Wirksamkeit in Richtung Dieseits" bezieht sich in erster Linie auf die eigene Familie, die durch die Verbindung Gatte und Gattin konstituiert wird. Dabei erweitert sich das Spektrum der einbezogenen Personen auch auf die Elterngeneration und eben auf die Nachkommen. Und so bekommt auch die gelegentliche Position einer Kultstelle des Sohnes am Platz der Nord-Kultstelle des Vaters einen Sinn, denn der Sohn stellt die nächste Ebene der diesseitigen Wirksamkeit des Grabherrn her; sein Totenkult hebt den des Vaters dialektisch auf<609>.

8. Daß die Zuweisung der Nord-Kultstelle an Gattin / Familie und der Gedanke der Wirksamkeit des Grabherrn im Diesseits bzw. über und für die Nachkommenschaft in Verbindung stehen können, können zwei Darstellungen an den Wänden früher Varianten des L-förmigen (NS)-Scheintürraumes belegen. Der (NS:L:1s)-Raum setzt, zusätzlich zur schon in der Kreuzkapelle abgebildeten West-Ost-Richtung, auch die kultische Richtung Süd-Nord räumlich um. An der Nordwand von zwei frühen Beispiele für (NS)-Räume wird der Grabherr abgebildet, der sich aus


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dem Grab heraus wendet. Er ist dabei in einer besonderen Ikonographie dargestellt: dickleibig, ohne Perücke, im langen Schurz mit Vorbaufalte. Er wendet sich der ihm gegenüber stehenden Gattin zu, entweder leger auf den Stock gestützt, oder sogar in einer Geste der Umarmung<610>. Die Position der beiden Personen ist vielschichtig: Der Grabherr steht "im Norden", am Kapellenzugang, und agiert "von Westen nach Osten", ins Diesseits. Die Gattin ist ebenfalls "im Norden" positioniert, sie wendet sich aber "von außen / Osten" ihm zu<611>. Man kann dieses Bild als eine Darstellung der Institution "Ehe" deuten, ähnlich den Gruppenfiguren; die Gattin kommt dabei von "Norden", von der "Linken" des Grabherrn und zugleich "ihrer" Kultstelle. Sehr interessant ist die dickleibige Ikonographie des Grabherrn bzw. die Bekleidung mit dem Vorbauschurz in diesen Darstellungen. Denn folgt man der im Kap. 8. aufgestellten These, dann wird damit ein Bezug zur diesseitigen Wirksamkeit hergestellt und das wiederum verbindet die Darstellung mit der Nord-Kultstelle als Ort, über den die Wirksamkeit des Toten in Richtung Diesseits, zur Institution "Familie" realisiert wird.

9. Es gibt also eine Reihe von Indizien dafür, daß die Etablierung einer der Gattin und der Familieneinbindung gewidmeten Kultstelle im Norden der Grabanlage auch mit der Funktion der Nord-Kultstelle als Grab-Ein- und Ausgang und damit Schnittpunkt zwischen dem Existenzort des Toten und dem Diesseits in Zusammenhang steht. Die Beobachtung ist aus zwei Gründen interessant.

  1. Die Einführung der zweiten Bestattung und die Interpretation der nördlichen Kultstelle auch als Ort kollektiver Kultformen ist sekundär und bedient sich schon vorhandener kultureller Vokabeln. Die zugrundeliegende traditionelle Vorstellung ist die Wirksamkeit des Toten aus dem Grab hinaus - gewährleistet durch das Verlassen des Grabes im Norden der Anlage. Mit der Einrichtung neuer kollektiver Grabformen, die auch eine Institution abbilden, wird diese Vorstellung sozial konkretisiert. Die allgemeine Vorstellung der fortdauernden Wirksamkeit des Toten im Diesseits wird konkret über die Konstitution der Institution "Familie" gewährleistet. Familie wird dabei als über die Gattin gezeugte Nachkommenschaft definiert, was genau die zwei Belege für Gruppenfiguren im Nordserdab abbilden. In welcher Weise sich dabei die "übliche" Positionierung der Gattin "zur Linken" und die Funktion der Nordkultstelle als Kultplatz der diesseitigen Wirksamkeit überschneiden oder beeinflußt haben, ist kaum sicher festzustellen und für die Interpretation letztendlich unerheblich.
  2. Die Verbindung von Nordkultstelle und Kult der Kernfamilie stellt einen Bezug zu anderen Formen kollektiven Kultes her, die in der "äußeren" Kultanlage der Grabanlage

    266

    auftreten und seit Periode IV eng mit der nördlichen Kultstelle verbunden werden (siehe dazu Kap. 18.3.4.).

10. In den Prinzenanlagen des Ostfriedhofes hatte es klar getrennte Kultstellen für den Gatten im Süden, die Gattin im Norden gegeben. Die "innere" Kultstelle beider Teilanlagen war dabei je als Scheintürraum vom Typ (NS:L:1s) gestaltet worden, einer Neuschöpfung der Periode III.c in Giza, in der die beiden Vorstellung der Kultrichtung des "Zugangs zum Grab" (Ost-West vom Diesseits zum Grab, Nord-Süd im Grab) räumlich umgesetzt wurde<612>.

Der etwas später eingeführte Scheintürraum vom Typ (NS:L:2) schließt sich dieser Struktur an, plaziert aber direkt dem Zugang gegenüber eine zweite, nördliche Scheintür<613>. Die Deutung des Auftretens dieser zweiten Scheintür bereitet einige Schwierigkeiten. Sowohl Reisner als auch Junker halten es für die wahrscheinlichste Erklärung, daß hier die beiden Scheintüren der Mastabafassade zusammengefaßt wurden<614>. Dem steht aber entgegen, daß in Giza eine kleine nördliche Kultstelle an der Mastabafassade erhalten blieb, die zweite Scheintür im Scheintürraum also nicht deren Funktion übernimmt. Dementsprechend verweist Reisner auch darauf, daß die Einführung der zweiten Bestattungsanlage - also des Kollektivgrabes - besondere Bedeutung bei der Einführung der zweiten Scheintür an der Westwand des Scheintürraumes hatte<615>. Auch m. E. ist die Einführung der kollektiven Bestattungsanlage mit einer gemeinsamen Kultstelle der Grund für die Einführung einer weiteren Kultstelle im "inneren" Kutbereich, während die eigentliche Nord-Kultstelle im "äußeren" Kultbereich von dieser Entwicklung unberührt bleibt.

11. Allerdings würde man unter diesen Umständen vor allem eine Kultstelle der Gattin an der nördlich gelegenen Scheintür des Raumtyps (NS:L:2) erwarten. Daß dem nicht so ist, wurde schon erwähnt. Es ist vielmehr so, daß in dieser Scheintür die eben erwähnten Vorstellungen a) Verlassen des Grabes / Wirksamkeit im Diesseits und b) Kultstelle der Gattin zur "Linken" des Grabherrn zusammenfallen. Und die eigentlich so wesentliche Verbindung mit dem Kult der Gattin ist nur in wenigen Fällen tatsächlich inschriftlich belegt. Die Gruppenfigur der Gattin und Sohn aus G 4970 (nswt-nfr) wurde im Serdab hinter einer Scheintür gefunden, die keinerlei besonderen Bezug zur Gattin zeigt und deren Architrav und Rundholz nur mit dem Namen des Gatten beschriftet ist! Gerade dieser Beleg zeigt aber, daß der Bezug zum Kult der Gattin vorliegen kann, auch wenn die Beschriftung das nicht ausdrückt. Aus den zugegebener Maßen sehr spärlichen zwei Belegen für Statuen aus einem verdoppelten Serdab ist m.E. zu postulieren, daß die Einführung des Scheintürraumes vom Typ (NS:L:2) ursächlich mit der Einführung der


267

Kollektivbestattung und daraus folgend einer Kultstelle der Gattin / Familieneinbindung in Zusammenhang steht. Über diese innere nördliche Scheintür wird der "institutionelle" Charakter des in der Grabanlage bestatteten Paares kultisch realisiert: die Kernfamilie, die im Diesseits weiterwirkt. Es ist für die Interpretation der Institution "Familie" in der Residenz im AR sehr charakteristisch, daß die Rolle der Gattin vor allem darin gesehen wird, über die Sicherung von Nachkommenschaft die Verbindung der Generationen und damit die kultische Betreuung des toten Gatten zu gewährleisten (siehe auch Kap. 9)<616>.

Zwischen den beiden Scheintüren wird in Periode IV.a die Ikone des "aus der Nord-Scheintür" schreitenden Grabherrn angebracht, dem Gaben gebracht werden<617>. Dabei ist der Tote gewöhnlich von seinen Nachkommen umgeben. Die hier wie auch in der Gruppenfigur umgesetzte Verbindung des Grabherrn mit Kindern und das Zuführen der Gaben stellt ebenfalls einen Bezug zu seinem Heraustreten und der Wirksamkeit bei der Familie her.

12. Diese Deutung der nördlichen "inneren" Scheintür (Typ A) als Platz der Affirmation von "Familie" ist nur in Periode IV.a kultisch relevant und wohl nur auf die funeräre Praxis in Giza zu beziehen. Jüngere Beispiele aus Giza zeigen auch in (NS:L)-Räumen den Verzicht auf die zweite Scheintür<618> oder die Interpretation der beiden Scheintüren als Doppelscheintür (Typ B). In letzterem Fall ist meist die Speisetisch-Ikone zwischen den Scheintüren an der Westwand angebracht, die den Grabherrn (gegebenenfalls mit Gattin zur Linken) gewissermaßen zwischen zwei Scheintüren gleicher Funktion sitzend abbildet<619>. Der Aspekt des "Ausganges" bleibt der zweiten Scheintür in (NS:L:2)-Räumen in Periode IV.b aber offenbar erhalten, was bei der dem Zugang zur Kammer gegenüberliegenden Position auch sinnfällig ist.

13. Die kurzzeitige Sonderfunktion des (NS:L:2)-Raumes muß unter dem Aspekt einer besonderen sozialen Situation in Giza in Periode IV.a gesehen werden, die vor allem die Institution "Familie" und die Rolle der Frau in der Gruppe der Elite betraf. Das Bemühen, diese sozialen Veränderungen in der funerären Praxis zu fassen und zu beschreiben, führten auch zur


268

Entwicklung der Gruppenfigur; Gruppenfiguren sind folglich auch der Bestand der hier besprochenen Serdabe.

14. In Saqqara ist der Scheintürraum (NS:L:2) kaum belegt, und in den Fällen, in denen eine nördlich gelegene Scheintür der Gattin oder einem Nachkommen gewidmet ist, tritt der Grabherr oft zurück bzw. die Kultstelle ist der Gattin oder dem Nachkommen allein gewidmet<620>. Hier wurde demnach die ältere Tradition weitergeführt, zwei (oder mehrere) Bestattungsanlagen mit zwei (oder mehreren) getrennten Kultstellen zu versehen, die sich aus der einfachen Kombination von Grabstellen für Mann, Frau und Nachkommen ergibt .

15. Es bliebe noch zu klären, warum in Grabanlagen der Elite und davon beeinflußten Anlagen anderer Residenzangehöriger die Nordkultstellen eine bedeutende Rolle spielen, in den Anlagen der niederen Residenzschichten aber nicht auftreten oder besonders gekennzeichnet sind. Die Erklärung wird damit zusammenhängen, daß in diesen Anlagen nur die dekorierten Scheintürstelen jeweils bestimmten Personen zugewiesen werden können, und daher eine unbeschriftete Kultstelle als (Nord-)Kultstelle des eigentlichen Grabzuganges gelten kann. Konnte sich ein Individuum eine formale steinerne Scheintür-Stele leisten, so fallen hier die Aspekte Versorgung im Grab und Verlassen des Grabes in Richtung diesseits wohl in der Dekoration zusammen - es sei der eigenartige Beleg der Nischenstele des mddj (13.7.4:) erwähnt, der Statue und Scheintür in einer Installation verbindet.

Man sollte aber auch erwägen, daß diese Anlagen prinzipiell Kollektivgräber sind und daher die Einrichtung einer Kultstelle, die die Wirksamkeit eines bestimmten Grabherrn in der Gruppe realisieren soll, unnötig ist, da dieses durch die Existenz der gemeinsamen Kapelle automatisch hergestellt ist. Das würde etwa den Belegen in Saqqara entsprechen, in denen anstelle der Nord-Kultstelle des Grabherrn die Kultstelle eines männlichen Nachkommen auftritt - auf diese Weise wird der Kult an der Anlage und damit die diesseitige Einbindung und Wirksamkeit der Toten im Wechsel der Generationen perpetualisiert. Der aktuelle Kultplatz ist stets der des Vaters des derzeitigen Familienoberhauptes, über den die Vorfahren aber in den Kult einbezogen sind<621>.


269

14.4 Zusammenfassung - Scheintür-Kultstellen und Statuenaufstellung

1. In funerären Anlagen der Residenz des AR spielen durch Nischen oder Scheintüren gekennzeichnete Kultstellen an der östlichen Grabfront eine wesentliche Rolle. Seit Periode II werden eine südliche und eine nördliche Kultstelle unterschieden und in den folgenden Perioden in unterschiedlicher Intensität entwickelt. Während die südliche Scheintür-Kultstelle in Anlagen aller durch Grabanlagen faßbaren sozialen Schichten der Residenz eine vergleichbare Funktion hatte, sind ausgebaute Nord-Kultstellen eher für Eliteanlagen typisch.

2. Die südliche Kultstelle kennzeichnet einen Ort, an dem die Kommunikation mit dem im Grab weilenden Toten möglich ist. Die Kultstelle ist seit Periode II in Form einer Scheintür-Nische mit dem Bild des Toten auf einer Speisetischtafel gebildet, nur in Periode III gibt es eine Variante, die auf den "symbolischen Durchgang" der Scheintür-Nische verzichtet und nur die Speisetischtafel zur Kennzeichnung der Funktion benutzt. Die südliche Kultstelle steht mit der oft räumlich in ihrer Nähe liegenden Sargkammer in Beziehung. Die Kultrichtung ist von Ost nach West. An dieser Stelle wird der eigentliche, auf den Erhalt des individuellen Toten in seinem Grab gerichtete Totenkult vollzogen.

3. Die nördliche Kultstelle steht mit dem Zugang zur Sargkammer in Beziehung. Sie ist meist schlichter gestaltet als die südliche Kultstelle, wobei aber wie dort durch eine Nische oder seit Periode IV.c die sogenannte "Prunkscheintür" der Charakter des "symbolischen Durchganges" betont wird. Eine spezifische Flachbilddekoration der nördlichen Kultstelle gibt es nicht. Seit Periode IV wird die nördliche Kultstelle und der Zugang zur Sargkammer in den "äußeren" Kultbereich integriert. An dieser Stelle besitzt der Tote einen Ausgang, über den er den "inneren" Bereich seines Grabes verlassen kann.

4. Die nördliche Kultstelle kann mit dem Kult der Gattin in Beziehung stehen. Das Phänomen tritt im Zusammenhang mit der Herausbildung von Familiengrabstellen auf, die in der Residenz die traditionelle Einzelbestattung ablösen. Bei der Einrichtung einer nördlich gelegenen Kultstelle für die Gattin wird einerseits die traditionelle Position der Gattin zur Linken des Mannes räumlich umgesetzt, andererseits an die Vorstellung der "Wirksamkeit" des Grabherrn im Diesseits angeknüpft, die sich über die Verbindung des Grabherrn mit der Gattin und die resultierende Nachkommenschaft realisiert. Damit wird auch die Verbindung dieser Kultstelle zum kollektiven Ahnenkult außerhalb der Grabanlage aktiviert.

5. Die Rolle der eigentlichen Nord-Kultstelle als Ort des Ein-und Ausganges zur Sargkammer bleibt in Giza von dieser Neuerung unberührt, es kommt vielmehr zur Herausbildung eines besonderen Typs des südlichen Scheintürraumes mit zwei Scheintüren (NS:L:2), bei dem aber nur in Periode IV.a in Giza jede Scheintür einen besonderen Charakter hat. Dabei dient die südliche (Haupt-


270

)Scheintür dem Versorgungskult des Grabherrn, die nördliche Scheintür verbindet den Kult der Familie unter Einbeziehung von Gattin, auch Vorf- und Nachfahren, mit dem Gedanken der Wirksamkeit des / der Toten in das Diesseits. Jüngere Beispiele vom Typ (NS:2) oder auch "tiefe Hallen" mit zwei Scheintüren (OW:2) verdoppeln einfach die Süd-Kultstelle oder weisen der nördlichen Scheintür die Rolle des Grabzuganges zu.

6. Statuen können seit Periode II im Zusammenhang mit der südlichen Scheintür-Kultstelle auftreten. Es handelt sich stets um vermauerte Statuen in einem Serdab. Es handelt sich bei diesen "echten" Serdabstatuen der Perioden II und III wahrscheinlich immer um nur eine Statue jeder Person. Die Vermauerung kann hier als symbolische Bezugnahme darauf gesehen werden, daß der Tote beim Kult an der südlichen Kultstelle "in seinem Grab verbleibt". Seine dabei nur mittelbare Anwesenheit wird über die Statuen vermittelt. Dabei überwiegt in Periode II die Position im Süden, die der Abbildung "in Leserichtung" entspricht, aber auch der "Aktionsrichtung" des Toten von Süd nach Nord, die an der Nord-Kultstelle umgesetzt wird. In Periode III wird auch die Ost-West-Richtung für auf die Scheintür bezogene Serdabe üblich (West-Serdab). Ab Periode IV sind verschiede Positionen von auf die Scheintür bezogenen Serdaben möglich (Scheintür-Serdab).

7. Statuenverwendung in engem Zusammenhang mit einer nördlichen Kultstelle ist nur in wenigen Sonderfällen sicher belegt. In diesen Fällen wird über die Statuen - es sind zwei "zuordnende" bzw. "kombinierende" Gruppenfiguren gefunden worden - die Funktion der Kultstelle als Ort der Wirksamkeit im Diesseits und kollektiver Kulthandlungen angeknüpft.

8. In Anlagen der niederen sozialen Schichten der Residenzbevölkerung sind die anhand von Eliteanlagen bzw. solchen Anlagen, die sich an denen der Elite orientieren, gewonnenen Ergebnisse nicht in vergleichbarer Weise vorauszusetzen. Die vorhandenen Statuen werden in der Regel universell als rundplastisches Abbild verstanden worden sein, wobei sich gewisse Unterschiede der Plazierung auch hier erkennen lassen. So treten in Serdaben hinter Scheintüren in der Regel keine großen Statuenensembles auf. Der Nord-Kultstelle vergleichbare Installationen gibt es in solchen Anlagen kaum.


Fußnoten:

<563>

Dem Beleg der snb-Anlage ist sehr wahrscheinlich die noch nicht publizierte Anlage des Zwerges pr-n-anx zur Seite zu stellen, bei der den Angaben nach ebenfalls jeweils ein Serdab jeder der beiden Scheintüren zugeordnet ist (13.6).

<564>

Reisner 1942: 256 (Typ 5)

<565>

Junker Giza V: Abb. 5-26 (die Dekoration der Süd-Scheintür setzt das Bildprogramm eines Scheintürraumes um), Abb. 27

<566>

In der Zeit des Chefren ist diese Fassadengestaltung nicht einmalig, siehe z.B. das große "rock-cut-tomb" im Central Field (Hassan Giza I: Site Plan).

<567>

Curto 1963: fig. 4; Badawy 1976: fig. 5

<568>

Curto 1963: tv. V; VI.a; VII

<569>

Badawy 1976: pl. 11

<570>

Reisner 1942: 214 (Typ 4)

<571>

Die Fläche des südlichen Serdabs ist mit 1,02 m x 0,79 m besonders in der Länge wesentlich kleiner als die des nördlichen Serdabes mit 1,57 m x 1,03 m; Junker Giza I: 137f.

<572>

Wiebach 1981: 63-71, 198-203; für die Anlage des Hm-jwnw trifft diese Zuweisung nicht zu, s.u.

<573>

Wiebach 1981: 7

<574>

Reisner 1936: 248, 256-278; Reisner 1942: 292-294

<575>

Reisner 1936: 249

<576>

Belege: Saqqara: Scheintür der nfr-Htp-Hw.t-Hr neben der des xa-bA.w-zkr in S 3073 (Murray 1905: pl. II); Medum: Doppelanlagen von nfr-mAa.t und jt.t sowie ra-Htp und nfr.t, deren nördliche Kultstellen die Gattin jeweils einbeziehen (Petrie 1892: pl. XV, XXVI).

<577>

Bei der Anlage S 3073 ist diese Behauptung nicht zu verifizieren, da der offensichtlich sehr ungenaue Plan Mariette / Maspero 1889: 71 nur eine (!) Kapelle und überhaupt keine Schächte verzeichnet, Reisner 1937: fig. 158, 162 nur die Grundrisse der zwei Scheintürräume gibt. Laut PM III: 449f ist zumindest gesichert, das die südliche Nische die des xa-bA.w-zkr ist, die nördliche die der nfr-Ht-Hw.t-Hr. Für die Anlage des nfr-mAa.t gibt Reisner 1937: fig. 117 zwei Schächte und korrespondierend zwei Scheintür-Kultstellen an; für die Anlage des ra-Htp verzeichnet Petrie 1892: pl. V eine Kernmastaba mit zwei Schächten und zwei Scheintür-Kultstellen sowie eine Erweiterung des Kerns nach Norden mit einer weiteren Kapelle und Scheintür-Kultstelle.

<578>

Nach Reisner 1936: 248 befand sich die Speisetischszene in der fünften Nische. Demgegenüber rekonstruierte sie Wood 1977: 32-38 / Wood 1978 in der ersten Nische (= im Süden). Eine klare funktionale Unterscheidung der Nischen ist durch Dekoration und Beischrift vorgenommen: nur der Darstellung des sitzenden Grabherrn sind einige Angaben zum Ritualvollzug beigeschrieben (Reinigung, Räucherung), von den übrigen Darstellungen des schreitenden Grabherrn zeigen nur einige Angaben der Inventarliste (Barta 1963: 28f). D.h., nur die Nische mit dem Sitzbild ist ein Opferplatz "im Grab" (= Süd-Kultstelle, mit Angaben zum Ritualvollzug an der Kultstelle), die übrigen Nischen affirmieren die Fähigkeit des Grabherrn, das Grab im Zuge von Ritualen (siehe das rituelle Inventar) zu verlassen (= Nord-Kultstelle).

<579>

Barsanti 1902: pl. I, II. Die Aufteilung entspricht der Rekonstruktion der Serdabstatuen bei Hm-jwnw: im Serdab hinter der südlichen Scheintür hat sich eventuell eine Standfigur befunden, im Serdab hinter der nördlichen Scheintür befand sich die Sitzfigur.

<580>

Alexanian 1995: Abb. 1, 3

<581>

Reisner 1942: 80f, 296

<582>

Die Behauptung ist nicht gesichert, da nur einige der Kapellen mit Sicherheit bestimmten Personen zugeschrieben werden können und offenbar auch männliche Personen in nördlichen Mastabakernen bestattet wurden; siehe den Übersichtsplan mit Zuschreibung der Besitzer in BGM 3: fig. 1. Ein Beispiel der äußerst komplizierten Belegungsgeschichte (Grab der Htp-Hr=s II.) diskutiert Jánosi 1996.b.

<583>

Wiebach 1981: 227; z.B. die nördliche Scheintür im (NS:L:2)-Raum des wHm-kA (Kayser 1964: 24f).

<584>

Junker Giza III: Abb. 27. Ebenso bei G 5150 mit leerem Nord-Serdab, über dessen Inhalt also nur spekuliert werden kann ("zuordnende" Gruppenfigur?) (Junker Giza II: Abb. 28).

<585>

Z.B. in der Kapelle des sSm-nfr III (G 5170); Brunner-Traut 1977: Beilage 3

<586>

Z.B. Kapelle des Ax.t-Htp (Louvre E 10958); Ziegler 1993: 30

<587>

Z.B. Junker Giza II: Abb. 23 (G 5150); Junker Giza III: Abb 36 (G 5170); Junker Giza III: Abb. 26 (G 4970)

<588>

Belege, in denen in Giza eine "äußere" Nord-Kultstelle mit der Speisetischtafel versehen ist, sind Sonderfälle; in der Regel handelt es sich um die Kultstellen für Frauen; siehe dazu unten.

<589>

Siehe die Beispiele und Diskussion in Jánosi 1996.a: 132, Abb. 65.

<590>

Die wenig standardisierten Grundrisse der Felsgräber der Periode IV.a in Giza bieten Beispiele für solche Varianten, z.B. Reisner 1941: fig. 132 (MQ 1), fig. 133 (rx.t-ra), fig. 134 (Hm.t-ra), fig. 135 (bw-nfr), fig. 136 (anx-ma-ra), fig. 139 (LG 71). Erst die etwas jüngeren Anlagen an der Steinbruchkante legen tendenziell wieder Wert auf die Position der Kultstelle mit dem Zugang zur Bestattung im Norden: Reisner 1937: fig. 127 (LG 92), fig. 126 (LG 90). Sonderfälle sind z.B. auch die Kapelle des Hm-jwnw mit der südlichen Kultstelle, die dem Zugang gegenüberliegt und wohl als "äußere / Nord"-Kultstelle fungiert (Junker Giza I: Abb. 18, 20); siehe auch die Treppenstufen vor dieser Kultstelle, die mit den Stufen der "alten" Süd-Kultstelle bei jttj übereinstimmt. Weitere Belege mit "gedrehter" Orientierung der Kultstellen sind die Mastaba des n-anx-ra (Junker Giza X: Abb. 58); die Kultanlage des kA-m-anx (Junker Giza IV: Abb. 3). Warum bei der Gestaltung der Scheintüren des jj-nfr in Dahschur (Barsanti 1902: pl. I, II.) eine "Verdrehung" der Funktionszuweisung vorliegt, ist unklar.

<591>

Reisner 1942: 260-272 (Typ 7); Junker Giza XII: 46-49 (Speisehallen-Typ)

<592>

Junker Giza VIII: 4-10; Z.B. Prunkscheintür bei sSm-nfr IV (Junker Giza XI: Taf. XIII.a+b); in elaborierten Form als Prunkscheintür bei mrr.w-kA mit einem eigenen Raum (A XI) der Grabschacht und Prunkscheintür umfaßt und östlich / "vor" der "inneren" Scheintür (Raum A VIII) liegt (Duell 1938: pl. 107).

<593>

Reisner 1942: 303

<594>

Tjj: im Hof die Scheintür des Sohnes, im Korridor - "näher" beim Grabherrn - die der Gattin (Steindorff 1913: Taf. 18, 19, 45). n-anx-Xnmw und Xnmw-Htp, die im Korridor des eigentlichen Felsgrabes je eine eigene kleine Nord-Kultstelle besitzen, neben der (nördlich davon!) der Sohn und seine Gattin ebenfalls eine Kultstelle erhielten (Moussa / Altenmüller 1977: 157-160, Taf. 80, 81). Die beiden nördlich gelegenen Scheintüren CG 1415 und CG 1417 aus Saqqara D 11, die der Grabherr seiner Gattin und seinem ältesten Sohn stiftete (Mariette / Maspero 1889: 196; Borchardt 1937: Bl. 19, 20). Ebenso in Giza: G 4630: die nördl. Scheintür des (NS:L:2)-Raumes ist als Stiftung des Vaters an den Sohn beschriftet (Reisner 1942: 492).

<595>

Gut erkennbar ist dieser Grabtyp auf dem Teti-Friedhof (Firth / Gunn 1926: pl. 51). Die Großanlagen des kA-gm.n, nfr-sSm-ra und anx-ma-Hr besitzen die entsprechenden Treppen und Dachschächte, wobei nur bei kA-gm.n eine "äußere" Kultstelle an der Ostfassade außen (!) an der Mastaba markiert ist; sonst besitzen die Anlagen keine weiteren "Nord"-Kultstellen im Bereich der Kapellen. Bei mrr.w-kA gibt es die charakteristische Ausnahme, daß der Grabschacht sich im Mastabainneren befindet, mit einer ausgebauten Nord-Kultstelle (Raum A XI). Die angeschlossene Anlage der Gattin des mrr.w-kA (B) besitzt hingegen die Treppe (B II) und den Dachschacht, aber keine Spur einer im Erdgeschoß liegenden Nord-Kultstelle.

<596>

Wiebach 1981: 16; Jánosi 1995: 163, Abb. 7

<597>

Spätestens in Periode V hat die Punksscheintür einen eindeutigen Bezug zum Index "Nord" / "Grabzugang" / "Außen". Ausgangspunkt der Benutzung des Motivs der Prunkscheintür für die Gestaltung der Nord-Kultstellen sind Belege schon der späten 4. Dyn. in Giza, so der Zugang zum (NS:L:1s)-Raum bei Dd=f-xwfw (Junker Giza X: Abb. 24) und die Flankierung der "inneren" Nord-Kultstelle mit dem Prunkscheintür-Motiv bei mr=s-anx III. (BGM 1: fig. 10, pl.XI.a). Der Zugang zum Scheintürraum (NS:L:1) trägt ebenso den Index "Zugang zum Grab" (siehe Kap. 5.3.1.) wie die besondere Kultstelle der mr=s-anx mit dem davorliegenden Grabschacht (siehe Kap. 18.2.2.2.2). Belege und Diskussion des Motivs der Prunkscheintür siehe zuletzt: Altenmüller 1997.a, dessen Schlußfolgerungen m. E. aber zu sehr auf die Herleitung des Motivs aus einer angeblich privilegiert-königlichen Sphäre fixiert sind. Sehr interessant als Beleg der Interpretation der beiden Kultstellen schon in Periode IV.c ist der Scheintür-Raum des ptH-Htp II., der die "alte" NS-Ausdehnung aufnimmt und dessen südliche Scheintür mit einer Hohlkehle versehen, dessen nördliche Scheintür als Prunk-Scheintür gestaltet ist (de Garis Davies 1900: pl. XIX-XX.A, XXIX). Damit wird das Motiv der Prunkscheintür als angemessen für die nördliche Scheintür interpretiert, die neue Form der Scheintür mit Hohlkehle (Schrein-Scheintür) für die südliche Kultstelle; zur Schrein-Scheintür siehe Kap. 18.4.1. Siehe auch das Statuenhaus sSm-nfr II., in dem die Südwand mit symbolischen Türen reliefiert ist, die Nordwand mit einem Prunkscheintürmuster (Junker Giza III: Abb. 33).

<598>

Ein klarer Bezug zum Grab-Ein- und Ausgang besteht z.B. bei der erwähnten Kapelle des ptH-Htp II., wo die nördliche Scheintür des (NS:2)-Raumes als Prunk-Scheintür gestaltet ist (de G. Davies 1900: pl. XXIX). Duplizierungen im Bereich dekorierter Süd-Kultstellen treten seit Periode II in symmetrisch angeordneten Bildern des Grabherrn auf; siehe schon mTn (LD II: 3) und die gelegentlich auftretenden Belege für gedoppelte Darstellungen des Grabherrn zu beiden Seiten des Speisetisches ab der 5. Dynastie auf der Speisetischtafel (z.B. bei jdw: BGM 2: pl. XXIX.d). Ein schönes Beispiel der symmetrischen Verdopplung bei Tjj (Steindorff 1913: Taf. 135, 136, 139, 140) mit dem "gespiegelten" Bild der Speisetischtafel. Dabei kommt der südlichen der beiden Scheintüren die Bedeutung der "eigentlichen" Süd-Kultstelle zu, wie die dort installierte Opfertafel zeigt, die nördliche Scheintür besitzt einen Bezug zum Grabausgang, der durch die Flachbilddekoration der Nordwand (mAA-Ikonen, Aktivität des Grabherrn im Diesseits) unterstrichen wird. In Sonderfällen kann die Duplizierung sich auf zwei Grabherren beziehen, so bei n-anx-Xnmw und Xnmw-Htp, deren gesamte Dekoration "dualisch" angelegt ist. Gerade hier zeigt sich, daß bei Typ B die zweite Scheintür oft dieselbe Funktion erfüllt und keine Sonderfunktion mehr hat (Moussa / Altenmüller 1977: Taf. 92, Abb. 26).

<599>

Tjj: im Hof nur die Scheintür des Sohnes (Steindorff 1913: Taf. 18, 19). Die Scheintüren CG 1415 und CG 1417 aus Saqqara D 11, die der Grabherr seiner Gattin und seinem ältesten Sohn stiftete (Mariette / Maspero 1889: 196; Borchardt 1937: Bl. 19, 20). Anlage des mHw: Scheintür eines Htp-kA (Enkel des Grabherrn?) im Hof (Altenmüller 1998: 72-77, Taf. 96, 97). Ebenso bei xntj-kA: jxxj: im Hof zwei Scheintüren, die später von einem Verwandten oder Angehörigen der Kultinstitution angebracht wurden, wobei die südliche eventuell dem eigentlichen Grabherrn jxxj, die nördliche dem Angehörigen jxxj gewidmet wurde (Fischer 1996: 6).

<600>

Reisner 1936: 285-287

<601>

In der Provinz scheint dieser Prozeß erst zeitlich versetzt und dann zuerst in Zentralorten einzusetzen (Seidlmayer 1990: 402-411). Siehe aber die Doppel-Anlagen in Naga ed-Der N 573 + 587 schon im frühen AR (Reisner 1936: fig. 86).

<602>

Ab Periode IV z.B. die nördliche Scheintür des (NS:L:2)-Raumes des wHm-kA (Kayser 1964: 24f); die Scheintür CG 1414 (Borchardt 1937: Taf. 19; Kairo 1986: Nr. 57); die südlich (!, "gedrehte" Orientierung der Anlage) gelegene Scheintür in der Anlage des kA-m-anx (Junker Giza IV: Abb. 6); die nördliche Scheintür des (NS:L:2)-Raumes von D 44 / No. 13 (Mariette / Maspero 1889: 297f). Bemerkenswert sind die beiden nördlich gelegenen Scheintüren CG 1415 und CG 1417 aus Saqqara D 11, die der Grabherr seiner Gattin und seinem ältesten Sohn stiftete (Mariette / Maspero 1889: 196; Borchardt 1937: Bl. 19, 20). Dieser Beleg ist dem aus der Anlage des Tjj vergleichbar, wo Scheintüren der Gattin im Korridor und des Sohnes im Hof auftreten (Steindorff 1913: Taf. 18, 19, 45). Ebenso die Scheintür Bologna KS 1901 (Fischer 1976: 3-17; Bologna 1994: 48), die einen Grabherrn, dessen Mutter und Gattin, Bruder und weitere Nachkommen zeigt und offenbar vom Vater gestiftet wurde. Der genaue Fundort der Scheintür ist unbekannt, eventuell handelt es sich um die (eine) Nord-Scheintür in der Anlage des stiftenden Vaters.

<603>

Siehe z.B. die Anlage des kA-n-nswt I. und die jüngeren Anbauten (Junker Giza II: Abb. 12), die Anlage des mrr.w-kA mit eigenen Kult- und Bestattungsbereichen für Gattin und Sohn (PM III: pl. LVI), die Anlage der sSm-nfr IV.-Familie (Junker Giza X: Abb. 49), die Anlage der ptH-Htp / Ax.t-Htp-Familie (Hassan Saqqara III: fig. 12).

<604>

Siehe z.B. auch den ersten Beleg für die Gruppierung einer Statue von Gatte und Gattin bei ra-Htp und nfr.t in Medum. Die Fundumstände der beiden Statuen sind nicht dokumentiert, aber schon in den frühen Publikationen ist die Statue der nfr.t immer zur Linken der des ra-Htp abgebildet (Mariette / Maspero 1889: 487), was dafür spricht, daß die Statuen so gefunden wurden. Das entspricht dann auch der Lage der beiden Kultstellen der Anlage und wohl auch der Zuweisung der Grabschächte - im Süden der Mann, im Norden (= zu seiner Linken) die Frau.

<605>

So bereits auf der Speisetisch-Tafel der nördlichen Scheintür der Mastaba von ra-Htp und nfr.t und auf den Pfosten der beiden Scheintüren von nfr-mAa.t und jtt in Medum (Petrie1892: pl. XV, XX, XXVI). Charakteristisch der Fall in der "gedreht" orientierten Anlage des kA-m-anx, wo auch der Grabherr im Norden, die Gattin im Süden auf der südlich gelegenen ("Nord"-)Scheintür dargestellt sind (Junker Giza IV: Abb. 6). Ansonsten ist tendenziell die Gattin links am Speisetisch und auf den linken Scheintürpfosten abgebildet, sofern sie zusammen mit dem Gatten auftritt. Es gibt aber Ausnahmen, bei denen die Motivation der veränderten Position nicht immer offensichtlich sind, z.B. die Scheintür in S 3511 (Martin 1979: 20f, pl. 21), auf der die Frauen (Gattin und Töchter) im Süden, die Männer (Gatte und Söhne) im Norden abgebildet sind; eventuell ist die ungewöhnliche Lage des Zuganges im Süden ein Grund der veränderten Anordnung. Solche Fälle sind jeweils individuell zu interpretieren.

<606>

Belege für die Nennung von Vorfahren: Scheintür aus der Anlage des n-kA.w-ra und der jHA.t, beschriftet für jHA.t, linker Außenpfoste: jHA.t und ihre Mutter in Umarmung (Kairo CG 1414, Borchardt 1937: Taf. 19; Kairo 1986: Nr. 57); nördliche Scheintür bei mr-sw-anx mit Widmungsinschrift an die Mutter (Hassan Giza I: fig. 184); nördliche Scheintür der Anlage des kA-Hj=f beschriftet für die Gattin und mit Darstellungen von Ahnenpaaren (Junker Giza VI: Abb. 32). Ein interessanter Beleg ist auch die Scheintür aus G 4520, auf der neben dem Grabherrn und seine Gattin auch der Vater und die Mutter des Grabherrn abgebildet sind (Reisner 1942: 504f, pl. 65.b). Auf der Scheintür ist vermerkt, daß es sich um eine königliche Stiftung handelt, die dem zur Gruppe der dependent specialists zählenden Grabherrn verliehen wurde, wahrscheinlich einschließlich des bisher ungenutzten Mastabakerns auf dem Westfriedhof. Die Scheintür befindet sich in Südposition, daneben gibt es eine kleine, unbeschriftete Nord-Scheintür. Die Anomalien müssen auf den besonderen Umstand der Stiftung zurückgeführt werden. Der Grabherr besitzt auch eine von seinem Sohn gestiftete Gruppenfigur. Offenbar richtete erst der Sohn die Stiftung ein, erkannte aber seinem Vater und den Ahnen die Position des Stiftungs-Oberhauptes zu.

<607>

Petrie 1892: pl. XXVI

<608>

Sicher bei der Dekoration der Scheintür allein für nfr-Htp-Hw.t-Hr (Murray 1905: pl. II), wohl auch bei den Doppelmastabas in Giza-Ost. Weitere Beispiele für Nord-Kultstellen, die allein einer Frau gewidmet sind: G 2097' (BGM 6: 137, fig. 190); G 7152 (sxm-anx-ptH) (Badawy 1976: fig. 24). Bei G 7152 wirkt die Dekoration der südlichen Kultstelle jünger, so daß von einer Neubelegung durch sxm-anx-ptH auszugehen ist, der aber die nördliche Kultstelle einer zA.t nswt n X.t=f bw-nfr unangetastet ließ. Nicht im Rahmen dieser Diskussion relevant sind Belege von Grabstellen, die allein von Frauen belegt sind; es sei aber auf den bemerkenswerten Fall der Anlage G 4840 der wnS.t verwiesen, deren dekorierte Scheintür an der nördlichen Kultstelle gefunden wurde, während die an der südliche Kultstelle undekoriert blieb (Junker Giza I: Abb. 62, 63). Die Betonung der nördlichen Kultstelle bei Frauengräbern in Periode IV.a ist auch sonst zu beobachten, siehe auch die Diskussion der Anlage der mr=s-anx III. in Kap. 18.2.2.2.2. Es besteht wohl auch dabei ein Zusammenhang zur Deutung der nördlichen Kultstelle als "weiblich" in Periode IV.a.

<609>

So bei Tjj (Steindorff 1913: Taf. 18, 19). Damit im Zusammenhang können auch Stiftungen von nördlich gelegenen Scheintüren an den Sohn durch den Vater stehen: CG 1417 aus Saqqara D 11 (Mariette / Maspero 1889: 196; Borchardt 1937: Bl. 20); Bologna KS 1901 (Fischer 1976: 3-17; Bologna 1994: 48). Eventuell ist die Belegung der "äußeren" Kultbereiche bei mHw und jxxj durch männliche Nachkommen ebenso zu deuten (mHw: Altenmüller 1998: 72-77, Taf. 96, 97; jxxj: Fischer 1996: 6). Siehe auch die Position der Kultstelle (C) des Sohnes des mrr.w-kA im Norden der Anlage des Vaters, und zwar mit Bezug zur Pfeilerhalle A XIII, dem "äußeren" / "nördlichen" Kultbereich (PM III: pl. LVI).

<610>

Harpur 1987: pl. 7 + 84 (xa=f-xwfw), pl. 30 (kA-apr). Die Weiterentwicklung des Dekorationsprogrammes zeig an dieser Nordwand dann die ersten Belege der Fest-Ikone mit Einbeziehung der Familie (darunter auch Vorfahren): op.cit.: pl. 18 + 89 (jttj), siehe auch allgemein den Diesseits-Bezug der Darstellungen an der Nordwand in Anlagen mit (NS:L:1s)-Räumen in Periode III.c und (NS:L:2)-Räumen in Periode IV.a in Giza. Es ist auch zuerst der Bereich der nördlichen Scheintür der (NS:L:2)-Kultstellen, auf denen Grabherr und Gattin gemeinsam am Speisetisch sitzen (Barta 1963: 37), während an der südlichen Scheintür der Gatte allein sitzt; ein schönes Beispiel dafür bietet Harpur 1987: pl. 103.

<611>

Eine Variante dieser Szene ist an der Fassade des Felsgrabes des nfr-kA in Giza Ost erhalten: hier tritt der Mann von Süden aus der südlichen "inneren" Kultstelle kommend der Gattin entgegen, die von der nördlichen, kollektiven "äußeren" Scheintür kommt (Curto 1963: fig. 22, tav. II). Bemerkenswerter Weise ist an der Nord-Scheintür die Gattin im Süden, der Gatte im Norden dargestellt, wie auch auf den inneren Pfosten von CG 1414. M.E. ist dieses Anordnung dadurch zu erklären, daß an der Nord-Scheintür die Gattin die Position des "Herautretenden" einnehmen kann.

<612>

Reisner 1942: 200-211, 296 (Typ 2 + 3)

<613>

Reisner 1942: 214-218 (Typ 4)

<614>

Reisner 1942: 297; Junker Giza XII: 46. Bei Junker ist diese Vorstellung auch klar in der Bezeichnung des Raumtyps als "Typ des verkürzten Korridors" dargelegt, da er die Verkürzung der bei Hm-jwnw noch die ganze Mastabafassade einnehmenden Korridorkapelle annimmt.

<615>

Reisner 1942: 298

<616>

Anders ist die Situation nur bei den Frauen der Königsfamilie, die eigene Grabanlagen erhalten. Die hier auftretenden Doppel-Scheintüren an der südlichen Kultstelle bedürfen einer gesonderten Betrachtung, insbesondere in den Kapellen der Königinnen-Pyramiden. Siehe dazu Jánosi 1996.a: 125-128, der darauf verweist, daß die dort angenommenen Doppel-Scheintüren oft nur auf Reisners Rekonstruktionen beruhen.

<617>

Diese Ikone tritt zuerst an den Westwänden von (NS:L:1s)-Räumen auf dem Ostfriedhof auf (Harpur 1987: pl. 7, 8, 11, 18, 20; letzter Beleg vom Westfriedhof). In den Belegen für (NS:L:2)-Räume der Periode IV.a ist sie an der Westwand zwischen den beiden Scheintüren angebracht, so, daß der Grabherr aus der nördlichen Scheintür zu treten scheint (Harpur 1987: pl. 39, 42, 43, 46, 47, 48, 50). In beiden Fällen ist wesentlich, daß es sich nicht um ein mAA / "Schauen" der Gaben im Diesseits handelt (mAA-Ikone), sondern um das jn.t / "Bringen" der Gaben zum Grabherrn in das Grab. Der Bezug ist also zum "inneren" Bereich, wodurch sich die Position "im Westen" erklärt.

<618>

Z.B. die strukturell noch dem Typ der Anlagen der Periode IV.a folgende Anlage des ra-wr II. (Junker Giza III: Abb. 44).

<619>

Harpur 1987: pl. 38, 40, 44, 52, 56, 58, 59, 61, 65, 66, 67, 70, 72, 77; es sind zum großen Teil Kapellen, deren Dekoration dem Periode-IV.b-Standard der Giza-Kapellendekoration entsprechen, siehe Kap. 19.2.

<620>

Die nördliche Scheintür des (NS:L:2)-Raumes von D 44 / No. 13 (Mariette / Maspero 1889: 297f); die nördlich gelegene Scheintür CG 1415 aus Saqqara D 11 (Mariette / Maspero 1889: 196; Borchardt 1937: Bl. 19); die Scheintür der Gattin des Tjj (Steindorff 1913: Taf. 45), in beiden letzten Fällen auch je eine Scheintür des Sohnes. Die Scheintür für Sohn und dessen Gattin bei n-anx-Xnmw und Xnmw-Htp (Moussa / Altenmüller 1977: Taf. 81).

<621>

Diese Konstellation wird in dem erst in jüngeren Quellen belegten Titel des Sohnes als zA=f sanx rn jt=f mw.t=f (LD III: 230) ausgedrückt. Zur Inkorporation des Kultes der Ahnen in die aktuelle Kultstelle des Familienoberhauptes im NR siehe Fitzenreiter 1994: 64-68. In rezenten afrikanischen Kulturen mit entwickeltem Ahnenkult gilt jener Sohn als Erbe, der mit dem Besitz des Vaters auch die Pflicht der Versorgung der Ahnen erbt (Thiesbonenkamp 1998: 100). Diese Kette ist z.B. auch bei der Stiftung der Kultstelle für den Vater in G 4520 (Reisner 1942: 504f, pl. 65.b) zu beobachten: Der Sohn richtet einen Kult für den Vater ein, unter Einbeziehung der Eltern. Theoretisch anzunehmen ist, daß der Enkel im Kult des stiftenden Sohnes wieder alle Generationen versorgt usw. Genau so verläuft auch die Bewegung der sozialen Institution Familie in einer patrilinear organisierten Gesellschaft.


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Wed May 2 14:17:41 2001