Fitzenreiter, Martin: Statue und Kult Eine Studie der funerären Praxis an nichtköniglichen Grabanlagen der Residenz im Alten Reich

Kapitel 26. Funeräre Praxis und Soziale Praxis

26.1 Einleitung

1. Oben war bei der Untersuchung der Frage nach dem Entstehen der Grabstatue angeführt worden, daß die Erfindung dieser kulturellen Ausdrucksform im Zusammenhang mit einer spezifischen sozialökonomischen Entwicklung gesehen werden müsse. Die Grabstatue sei eines der Medien gewesen, über das eine neue Elitegruppe ihre soziale Position im Rahmen der gesellschaftlichen Kommunikation kulturell beschreiben, manifestieren und vermitteln konnte. Zusammen mit anderen kulturellen Ausdrucksformen, insbesondere Flachbild, Schrift und dem Prinzip der "Monumentalität", hätte auch das Medium Grabstatue dazu gedient, einer sich sozial differenzierenden Elitegruppe Mittel der kulturellen (Selbst-)Definition und der Vermittlung der sozialen Veränderungen zu sein.

2. Diese These kann aus mehreren Gründen nicht unbedingt gleich einleuchtend sein. Zum einen darf man sich fragen, was denn die Statue eines Toten, die zudem oft unsichtbar in einem fern der Lebenden errichteten Grabbau verschlossen ist, mit der Vermittlung von Status einer lebenden Person zu tun haben kann. Und man wird sich fragen, ob die hier als Ausdruck sozialer Positionen interpretierten Indizes der Statuen nicht einfach über eine religiöse Vorstellung, ein Konzept des Weiterlebens nach dem Tod in einer dem diesseitigen Leben angeglichenen Form erklärt werden


493

können. Bei der Interpretation der gesamten funerären Kultur als das Abbild eines Konzeptes des jenseitigen Lebens in einer jenseitigen Welt ist ja nicht zwingend davon auszugehen, daß dieses jenseitige Leben und die jenseitige Welt an der tatsächlichen diesseitigen Existenz des konkreten Grabherrn orientiert sind. Die "sakrale Landschaft" der funerären Anlage kann ebenso eine ideale, dem Diesseits geradezu entgegenstehende Welt entwerfen, die höchstens als die Negation diesseitiger Realitäten interpretiert werden darf. Die entsprechenden Statuen können den Toten in idealen Positionen beschreiben, die er im Diesseits nie innehatte.

3. In den vorangegangenen Kapiteln wurde der Grundgedanke der Untersuchung, daß die funeräre Praxis und die Objekte der funerären Kultur in enger Beziehung zur sozialen Realität und der sozialen Praxis der pharaonischen Gesellschaft stehen, mehr oder weniger konsequent verfolgt, ohne daß umfassend auf alternative Interpretationsmöglichkeiten eingegangen wurde. Nur in solchen Fällen, in denen einschlägige Interpretationen konkreter Phänomene (Statuentyp, Entwicklung der Kultstelle etc.) von Fachseite vorlagen, wurde sich mit diesen auseinandergesetzt. Man könnte nun diese Form der Einzelfalldiskussion fortsetzen, um z.B. die These einer religiös motivierten idealen Gegenwelt im Bild der Grabdekoration zu entkräften. Dieser Ansatz ist aber insofern wenig vielversprechend, da er wieder in der Diskussion von Einzelfällen enden muß, die oft genug auf eine persönliche Interpretation hinausläuft. Deshalb soll in einem abschließenden Abriß versucht werden, die Stellung der funerären Praxis im Gefüge der sozialen Praxis der Residenz im AR zu charakterisieren. Es soll, einer Forderung P. Bourdieus entsprechend<1121>, vom opus operatum abstrahiert der modus operandi als eigentliche Ursache der Erscheinungsform gedeutet und so der Sinn der Erscheinungsform erfaßt werden. Auf diese Weise ist es möglich, sowohl die besondere Bedeutung funerärer Monumente als kulturelle Ausdrucksform der altägyptischen Gesellschaft zu klären, als auch die Frage nach dem Charakter der in einer funerären Anlage beschriebenen Realität zu beantworten.

26.2 Funeräre Praxis als Soziale Praxis

1. Daß funeräre Monumente im pharaonischen Ägypten eine weitaus größere kulturelle Bedeutung haben als etwa im Europa der Neuzeit, ist offensichtlich. Selbst wenn man die besonders für das AR geradezu erdrückende Präsenz der funerären Quellen gegenüber den übrigen kulturellen Äußerungen der Gesellschaft zum guten Teil den besonderen Umständen der Erhaltung zuschreiben kann, so bleibt nicht zu übersehen, daß gerade der zentrale kulturelle Ausdruck des AR auch ein funeräres Monument ist: die Pyramide. Und auch in den folgenden Perioden pharaonischer Geschichte bleibt die funeräre Kultur ein unübersehbares Medium gesellschaftlicher


494

Repräsentation. Die pharaonische Kultur thematisiert und präsentiert sich besonders im funerären Bereich; ohne das Studium funerärer Quellen gäbe es kein Bild vom alten Ägypten.

Dieser Gemeinplatz verdient deshalb festgehalten zu werden, weil er einen wesentlichen Unterschied der kulturellen Repräsentation der Gesellschaft zwischen dem pharaonischen Ägypten und dem neuzeitlichen Europa kennzeichnet, und damit eine konzeptuelle Barriere definiert: Funeräre Monumente sind in der Neuzeit nur ein sehr begrenztes und selten aktiviertes Medium kultureller Kommunikation (obwohl die funeräre Praxis der Neuzeit insgesamt sehr viel bedeutender ist, als es bewußt reflektiert wird). Diese Feststellung trifft für das pharaonische Ägypten nicht nur nicht zu, sondern ist geradezu in das Gegenteil verkehrt: Funeräre Monumente sind eines der am häufigsten aktivierten Medien kultureller Kommunikation. Und da als Faustregel gelten darf, daß häufig aktivierte Medien kultureller Kommunikation von besonderer Bedeutung für die kulturelle Kommunikation einer Gesellschaft sind, muß für Ägypten davon ausgegangen werden, daß funeräre Monumente und die sie konstituierende und aktivierende funeräre Praxis eine ganz andere Rolle spielen als im neuzeitlichen Europa.

2. Versucht man die besondere Rolle funerärer Praxis und ihrer kulturellen Ausdrucksformen zu definieren, so lehrt ein Blick in die ethnographische Literatur, daß in vielen Gesellschaften die funeräre Praxis von zentraler sozialer Bedeutung ist<1122>. Funeräre Praktiken (Bestattung, Totenkult, Ahnenkult) bieten den Rahmen für soziale Kommunikation auf der Ebene der kleinsten Institutionen der menschlichen Gesellschaft (Totenfeiern einer biologisch verbundene Kerngruppe) oder auch eine praktisch die gesamte Gesellschaft umfassenden Bühne (Staatsbegräbnisse, Heldenverehrung).

Sobald sich eine menschliche Gesellschaft als eine überindividuelle Institution welchen Charakters auch immer bildet, ist sie mit dem Phänomen des Todes einzelner Glieder dieser Institution konfrontiert. Im Rahmen bestimmter realer und virtueller (ritueller) Handlungen muß dieses Phänomen in der Institution behandelt werden. Wesentliche Aufgaben dieser Handlungen sind die Herauslösung des toten Gliedes aus der Institution (Bestattung), gegebenenfalls der Ersatz des Gliedes (Einsetzung eines Erben) und eventuell auch seine Reintegration (als Ahn). Über funeräre Praxis wird so die Kontinuität einer sozialen Institution erhalten; in ihr werden Abstammung und Erbschaft definiert, was die Voraussetzungen für die Stabilität der Institution sind, in ihr hat die die Institution bildende Gruppe zudem einen Rahmen, in dem soziale Kommunikation stattfinden kann, um die Institution zu beleben und zu erhalten (Ahnenkult).

Auf diese noch völlig unspezifischen und allgemeingültigen Ebene ist also festzuhalten, daß funeräre Praxis ein wesentliches Element der sozialen Praxis ist. Das Phänomen Tod ist universell


495

und ebenso universell ist die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Phänomen. Je nach lokalen Voraussetzungen und Traditionen wird die funeräre Praxis in größerem oder geringerem Maße als Bühne sozialer Kommunikation genutzt. Es gibt aber praktisch keine menschliche Gesellschaft, in der die funeräre Praxis keine soziale Bedeutung hat<1123>.

3. Das pharaonische Ägypten scheint eine der Kulturen zu sein, in denen die funeräre Praxis eine bedeutende Rolle als Segment der sozialen Praxis spielt. Die Rolle des Götterkultes ist noch zu wenig unter dem Aspekt der sozialen Praxis untersucht, als daß eine Gewichtung beider Elemente sozialer Praxis z.Z. möglich oder sinnvoll wäre. Der Königskult als eine spezifische Form sozialer Praxis tritt mit den Merkmalen eines sakralen Königtums schon früh in Erscheinung<1124>. In seiner formalisierten Form, die ihn als typisch pharaonisch kennzeichnet (fünfteilige Titulatur), konstituiert er sich aber erst im Verlauf des AR und ist dabei offenbar stark von funerären Vorstellungen inspiriert (Pyramide als Königskultstätte, Sohnschaft des Re als Legitimation über die Konstruktion "Erbe")<1125>. Monumente der funerären Kultur bleiben aber im archäologisch erfaßten Quellenspektrum bisher die kulturelle Ausdrucksform, die in der FZ und im AR am intensivsten genutzt wird. Unter der ausdrücklichen Einschränkung, daß die funerären Monumente nicht als die einzige kulturelle Ausdrucksform dieser Epoche und die funeräre Praxis nicht als die ihre einzige Bühnen sozialer Kommunikation mißverstanden werden darf, soll daher davon ausgegangen werden, daß im Ägypten der Formierung und Blüte des Alten Reiches als soziale Institution die funeräre Praxis innerhalb der sozialen Praxis eine äußerst prominente und vor allem auch strategisch potente Rolle spielte.

4. Welche Funktion ist nun der funerären Praxis innerhalb der sozialen Praxis zuzuschreiben und wo liegen ihre Potenzen? Unter praktologischen Gesichtspunkten lassen sich zwei Aspekte funerärer Praxis unterscheiden: der auf das Individuum bezogene Aspekt des Totenkultes und der auf das Kollektiv bezogene Aspekt des Ahnenkultes<1126>. Unter Totenkult sei hier zusammengefaßt, was der Behandlung eines Individuums, also eines Gliedes einer sozialen Institution, im Zusammenhang mit dessen Tod dient. Das ist zum einen die Behandlung und Bestattung der Leiche des Verstorbenen, dann seine (imaginäre) Reintegration in die soziale Institution und der Erhalt seiner Existenz in der neuen Existenzform des Toten. Unter Ahnenkult soll verstanden werden, was der Behandlung der Institution dient, deren Glied ein Individuum war, bzw. als Toter auf imaginärer Ebene weiter ist.

5. Während der Totenkult ein konzeptuell leicht faßliches Phänomen ist, das aus der


496

Leichenbehandlung, Speisungsopfern etc. besteht, ist das Phänomen des Ahnenkultes äußerst komplex. Im Prozeß der sozialen Kommunikation des Ahnenkultes, der den bzw. die Toten nur imaginär, die Lebenden aber real umfaßt, wird eine besondere Institution gebildet. Diese Institution kann von nur mittelbarer Bedeutung für eine Gesellschaft sein (eine Erbengemeinschaft z.B.), sie kann aber auch als die soziale Kerngruppe selbst verstanden werden. Soweit der Befund aus der Residenz im AR interpretierbar ist, liegt dort letzterer Fall vor. Die kleinste Form sozialer Institution ist im Rahmen der funerären Kultur abgebildet und für uns faßbar: die Ehe von Gatte und Gattin, die Familie aus Vorfahren / ego / Nachkommen und der Haushalt aus Herr und Hörigen. Alle diese Glieder der Institution sind dabei in solchen Zusammenhängen repräsentiert, die mit funerärer Praxis zusammenhängen: als Kultempfänger oder als Neben- und Funktionsfiguren im rituellen Zusammenhang. Funeräre Feste sind den Quelle nach im AR ein Rahmen, in dem sich diese Institution abbilden kann. Dabei ist der Bezug zu den Toten, die immer in der Rolle des Oberhauptes der Institution auftreten, von besonderer Bedeutung, denn er definiert den funerären Charakter dieses Aspektes sozialer Praxis. Es gibt meines Wissens kein Beleg aus dem AR, der der These widerspricht, daß eine soziale Kerngruppe im AR als eine Institution definiert ist, die sich durch den gemeinsamen Bezug ihrer Glieder zu einem toten Oberhaupt, einem Ahn konstitutiert. D.h., der Ahnenkult ist jene Bühne sozialer Praxis, auf der soziale Kerngruppen im gesellschaftlichen Bewußtsein kommuniziert und reflektiert werden.

Die so beschriebene Bedeutung des Ahnenkultes als Praxisform der Institionsbildung auf der Ebene sozialer Kerngruppen mag etwas überzeichnet sein. Wie wesentlich man die Definition solcher Institutionen auf funerärer Ebene auch immer hält, etwa im Gegensatz zur Definition über juristische Abmachungen, religiöse Gemeinschaft außerhalb der Konzeptualisierung des Todes usw., es bleibt als Faktum, daß die funeräre Praxis im Rahmen des Ahnenkultes eine Bühne der Abbildung und Umsetzung dieser Institution schafft. Insofern ist diese Bühne unter bestimmten gesellschaftlichen Voraussetzungen auch aktivierbar. Und damit ist funeräre Praxis potentiell eine wesentliches Segement der Vermittlung gesellschaftlicher Veränderungen, wenn man berücksichtigt, daß gesellschaftliche Entwicklung primär die Entwicklung sozialer Institutionen ist.

6. Bemerkenswerter Weise ist es aber der Totenkult, an dem die Aktivierung der kulturellen Ausdrucksformen der funerären Praxis im AR ansetzt. Die Perioden funerärer Praxis, die oben beschrieben wurden, zeichnen sich dadurch aus, daß die Grablege einer konkreten Person zuerst monumental vergrößert wird, dann der Kult dieser konkreten Person durch eine Kultstelle am Grab auf diese Person besonders bezogen und perpetualisiert wird und dabei der Beschreibung dieser konkreten Person durch spezifische kulturelle Medien große Bedeutung zukommt. Erst in Periode IV kommt eine Tendenz zum tragen, auch die Umgebung des Toten festzuhalten, wobei aber stets der Grabherr den Ausgangspunkt der Beschreibung bildet. Und das vielleicht am meisten Außergewöhnliche ist, daß es in der Regel der Grabherr zu seinen Lebzeiten ist, der die funeräre Anlage in dieser Weise errichtet und austattet.


497

Das Phänomen ist von J. Assmann griffig als "sepulchrale Selbstthematisierung" beschrieben worden, als die Selbstdarstellung des Individuums mittels der Ausdrucksformen der funerären Kultur<1127>. Dieses Phänomen umfaßt die Darstellung einer idealen Persönlichkeit genauso, wie die Beschreibung individueller, spezifischer Elemente. Die Besonderheit ist dabei, daß das Grab, ein Monument der funerären Praxis, das Medium dieser Selbstdarstellung ist. Konkret ist es der Aspekt des Totenkultes, der personenbezogenen Behandlung des Gliedes einer im funerären Rahmen verwirklichten Institution, der in diesem Zusammenhang aktiviert wird. Die Selbstdarstellung des Individuums fand also im AR in der funerären Praxis eine ebenso potente Bühne, wie es oben für die Darstellung der sozialen Kerninstitution postuliert wurde.

7. Damit klärt sich ein oben angedeutetes Paradox: Der funeräre Bereich der Kultur war im AR nicht deshalb ein Medium der Vermittlung von sozialen Positionen im Rahmen kultureller Kommunikation, weil er mit dem Tod zu tun hatte, sonder er war dieses Medium, weil in ihm das Individuum die habituell kommunizierbare Möglichkeit der Selbstbeschreibung hatte. Die Monumentalisierung des Grabbaues bedient sich der Potenz des Totenkultes unter einem höchst orginellen Gesichtspunkt: dem der Beschreibung des Toten zu Lebzeiten. Das Besondere der funerären Praxis ist, daß diese Beschreibung innerhalb eines konzeptuellen Rahmens stattfindet, der diese Beschreibung als Element des Totenkultes - also die weitere Behandlung des Individuums nach Ende der realen Anwesenheit - auffaßt. Aber die auf den biologischen Tod folgende Anwesenheit wird eben nicht weniger real verstanden, als die im Moment der Errichtung des Monuments. Der dem neuzeitlichen Rezipienten störende Widerspruch zwischen Aufwand des Lebenden und tatsächlichem Nutzen für den Toten besteht nicht. Ein totes Oberhaupt ist im Rahmen funerärer Praxis so real wie ein lebendes Oberhaupt.

8. Dieses Phänomen wirft wiederum ein bezeichnendes Licht auf den kollektiven Aspekt funerärer Praxis. Die Aktivierung des Totenkultes zur Selbstdefinition ist nur dann sinnvoll, wenn von einem Fortleben in der Institution ausgegangen wird. Ohne diese Vorraussetzung wäre die "sepulchrale Selbstthematisierung" allerdings Verschwendung. Also ist ein entwickelter Ahnenkult und die Konstitution sozialer Institutionen mittels dieses Kultes auch durch den Umkehrschluß über die Aktivierung des Totenkultes zu erschließen, denn die konsequente Aktivierung einer sinnlosen kulturellen Ausdrucksform im gesamten Zeitraum des AR ist unwahrscheinlich. Und die Gruppe der Rezipienten, die im Rahmen der kulturellen Kommunikation die Position des Toten im Totenkult vermittelt bekommt, wird oft sogar größer gefaßt als die Gruppe der sozialen Kerninstitution. Eliteangehörige adressieren ihre Grabmonumente seit der Periode I an ein viel größeres Auditorium als nur die nächste Verwandtschaft. Der Kreis derer, die über die direkte oder mittelbare Verbindung mit dem Totenkult an einer solchen Grablege eine Beziehung untereinander und damit eine Form sozialer Institution definieren, umfaßt in diesen Fällen Individuen, die auch


498

über lokale oder berufliche Spezifikationen verbunden sein können. Das trifft insbesondere für die Institutionen der Pyramiden zu, aber auch die sogenannten Domänen, Totenstiftungen (pr-D.t) oder Hw.t-kA von nichtköniglichen Personen.

9. Funeräre Praxis bietet der sozialen Praxis also zwei Aspekte der Kommunikation sozialer Beziehungen:

10. Bezieht man diese Überlegungen auf die Entwicklung der Grabstatue und der verschiedenen Typen von Rundbildern, die im funerären Kult in der Residenz im AR Verwendung finden, so ist diese eng mit dem Aspekt des Totenkultes und der "sepulchralen Selbsthematisierung" verbunden. Der Grabherr wird in ihnen als existent und handlungsfähig beschrieben (Sitz- und Standfigur), als Teil der Institution "Familie" (Standfigur mit Vorbauschurz, Gruppenfigur) und der Institution "Residenz" (Schreiberfigur). Im Kult wird die Anwesenheit des Grabherrn durch diese Statuen in der verborgenen, aber allen an der Kommunikation Teilnehmenden bewußten, Unterbringung im Grab (Serdab) und durch die Behandlungen von Statuen im Kult (Schreinfiguren, Prozessionsstatuen) vermittelt. Daß die Grabstatue als ein historisch und sozial konkretes Phänomen am Beginn der Institutionalisierung einer neuen Residenzelite auftritt, zeigt zudem, daß diese kulturelle Ausdrucksform der funeräre Praxis in einer konkreten historischen Situation von einer konkreten sozialen Gruppe aktiviert wird (s.u.).

Dieselbe Überlegung trifft auch für die anderen, im funerären Bereich seit Periode II funerärer Praxis aktivierten kulturellen Ausdrucksformen - Flachbild, Text, Monumentalisierung - zu. Wie fest die Präsentation von persönlichem Status im AR mit der Vorstellung von Totenkult / "sepulchraler Selbstthematisierung" und deren Ausdrucksformen verbunden ist, belegen Felsbilder auf Elephantine, in denen Personen das Bild der Speisetischikone nutzen, um ein Denkmal ihrer Aktivität auf administrativem Gebiet zu errichten, oder die von J. Assmann beschriebene "Geburt" der ägyptischen Literatur aus der Textdekoration funerärer Anlagen<1128>. Die kulturellen Ausdrucksformen der funerären Praxis sind im AR das Medium par excellence, um die konkrete, reale, diesseitige Position des Individuums zu beschreiben, selbst in einem außerfunerären Kontext.

11. Zuletzt sei unter diesem Gesichtspunkt kurz die Frage betrachtet, ob in einer funerären Anlage


499

überhaupt ein Bezug zur sozialen Realität hergestellt wird, oder ob die kulturellen Medien nur das Bild einer idealen jenseitigen Welt vermitteln. Sieht man die funeräre Praxis als Teil der sozialen Praxis, dann muß es geradezu das Ziel der kulturellen Kommunikation sein, eine Beschreibung des realen Toten im Rahmen des Totenkultes und der realen Institution im Rahmen des Ahnenkultes zu geben. In dieses Bild fließen Elemente des gesellschaftlichen Ideals der jeweiligen Entität ein. Aber auch dieses Ideal ist an den Realitäten der Gesellschaft orientiert und beschreibt z.B. sehr genau das soziale Selbstverständnis der Residenzelite im AR<1129>. Besonders die frühen Zeugnisse "sepulchraler Selbstthematisierung", wie die frühe Gruppe der Domänenaufzüge oder die Inschrift des mTn, geben äußerst präzise Angaben zu den Subsistenzbedingungen eines Grabherrn<1130>. Ebenso sind gerade die frühen Abbildungen der Institution aus Angehörigen und Abhängigen mit genauen Namensbeischriften versehen<1131> und die ausführlich besprochenen Ambivalenzen der Positionsbestimmungen sprechen für das Bestreben, reale soziale Bezüge so exakt wie möglich im Vokabular der funerären Kultur umzusetzen.

Erst die Tendenz der "Verschriftlichung" der funerären Praxis, der selbstwirksamen Affirmation besonders des Totenkultes, bewirkt eine immer stärkere Konzeptualisierung eines "Ideals", einer idealen Totenexistenz und deren Voraussetzungen. Diese Entwicklung ist aber sekundär und baut auf die Aktivierung der funerären Praxis als Element sozialer Praxis auf. Das zeigt sich an der intensiven Bezugnahme auf Vorbilder diesseitiger, residenzspezifischer sozialer Organisationsformen, z.B. das jmAx-Verhältnis und die "Entgegennahme der Urkunde", bei der Konzeptualisierung des "idealen Jenseits". Im Zuge der "Entprivilegisierung" der funerären Kultur der Residenz in Periode VI wird insbesondere das Konzept des königlichen Jenseits in diesem Rahmen rezipiert, aber immer unter Einbeziehung der sozialen Realität der jeweiligen Rezipienten<1132>.

26.3 Aspekte der Aktivierung funerärer Praxis in der Residenz im AR

1. Da eine Sozialgeschichte des AR nicht allein unter dem Gesichtspunkt der funerären Praxis geschrieben werden kann, sondern die sozialökonomischen Grundlagen ebenso wie die politischen Rahmenbedingungen dieser Gesellschaft einbeziehen muß, soll hier dieser Versuch nicht unternommen werden. Es werden nur einige Aspekte zusammengefaßt, die im Verlauf der


500

Diskussion bereits eine Rolle gespielt haben.

26.3.1 Soziale Gruppen und Institutionen

1. Die Aktivierung der funerären Praxis als besonders potentes Segment sozialer Praxis fällt mit einer sozialökonomischen Differenzierung zusammen, die im Prozeß der politischen Reichseinigung zur Etablierung einer besonderen Elitegruppe führt. Diese Elitegruppe konzentriert sich in der 3. Dynastie auf die Residenz Memphis und konstituiert eine Reihe von Institutionen, die als ein frühes Staatswesen interpretiert werden können. Es sind die Angehörigen genau dieser Elitegruppe, die die Ausdrucksformen der funerären Kultur in besonderer Weise aktivieren. Dabei lassen sich drei Schwerpunkte feststellen:

c) Die Konzentration dieser Elemente auf Friedhöfen, die nach einem gewissen Muster um die königliche funeräre Anlage angelegt werden und in denen die räumliche Position der funerären Anlagen zur Pyramide mit besonderen Prestige-Indizes versehen ist.

2. Es ist möglich, anhand der oben vorgenommenen Verortung funerärer Praxis im Komplex sozialer Praxis die Aktivierung dieser Spezifika als Ausdruck der sozialökonomischen Veränderungen zu interpretieren. In den Ausdrucksformen des Totenkultes hatten die Angehörigen der Elite ein Medium, neuen sozialen Positionen Ausdruck zu verleihen. Das wurde zum einen durch die differenzierte Beschreibung neuer Positionen in Bild und Text ermöglicht. Die Fixierung von Bezugsspektren im Flachbild (juristische Texte, Güteraufzüge) wurde z.B. bei Snofru im Taltempel der Knickpyramide dazu genutzt, eine effektive ökonomische Machtausübung im Land kulturell zu kommunizieren und kann mit archäologischen Belegen solcher neuartigen Einzugszentren und Kultplätzen korrelliert werden<1133>. Ebenso nutzen nichtkönigliche Personen die Möglichkeiten der "sepulchralen Selbstthematisierung" zur Definition der ökonomischen Grundlagen ihrer Position<1134>. Auch die visuelle Umsetzung neuer sozialer Positionen z.B. in der Schreiberfigur mit dem Index "Residenzangehöriger" oder den verschiedenen Elaborationen der mAA-Ikone können genutzt werden, um den neuen Status und seine Grundlagen zu beschreiben.

Zum anderen wird durch die Integration der Grabanlage in eine geplante königliche Nekropole die Position des Grabherrn ganz klar als die eines Angehörigen der Residenz und damit der neuen


501

Reichselite umgesetzt. Während in der 4. Dynastie die Provinzfriedhöfe geradezu verarmen, erleben die Residenzfriedhöfe einen unglaublichen kulturellen Schub. Hier war die Vermittlung neuer sozialer Positionen möglich - und notwendig. In der Provinz war die Elite auf wenige Importe an Prestigeobjekten der Residenz angewiesen. Erst mit der Verschiebung der ökonomischen Basis der Elite seit der 5. Dynastie beginnt in der Provinz eine neue Elite Fuß zu fassen, die ihre Position in ganz vergleichbarer Weise im Rahmen funerärer Praxis verhandelt und manifestiert.

3. Neben dem Element der Präsentation von Status durch Monumente des Totenkultes ist aber auch der Aspekt der andauernden funerären Praxis nicht zu vernachlässigen. Als zweites Charakteristikum neben der Aktivierung der Ausdrucksformen funerärer Kultur steht die Aktivierung des praktischen, lang andauernden Kultes durch die Kombination von Grablege und Kultstelle seit Periode II.

Jede Form des Totenkultes steht vor dem Problem der Zeit, d.h., daß die im Rahmen der "sepulchralen Selbstthematisierung" erfolgte Definition ohne Aktivierung im Kult ihren praktischen Wert bald verliert. Durch die Kombination von individueller Grablege und permanenter Kultstelle bleibt die Definition des konkreten Status lange erhalten.

Dabei eröffnet sich aber eine ganz neue Dimension der funerären Praxis: Im kollektiven Kult konstituiert sich eine Institution, die durch den Bezug der Kulthandelnden zum Grabherrn gebildet wird. Sinn dieser Institution ist es, die um ein lebendes Oberhaupt gebildete Institution auch nach deren Tod zu erhalten. Das Konzept geht dabei von der Weiterexistenz des Oberhauptes als Grabherr aus, dem sein Erbe als Sohn gegenübersteht. Der Erbe verwaltet die Institution im Namen des imaginären Oberhauptes und weitere Personen haben an der Institution entsprechend ihrer Position zum Oberhaupt anteil<1135>. Dieses Konzept wirkt revolutionär, wenn es um die Stabilisierung neuer Positionen geht. In dem Moment, in dem der Inhaber einer neuen Position diese in die Statusbeschreibung seines Totenkultes inkorporieren kann, ist es möglich, diese Position in der Institution seines Ahnenkultes festzuschreiben. Ist die Position als solche aber innerhalb der Institution definiert und etabliert, kann sie in der Gemeinde des Ahnenkultes vermittelt und gegebenenfalls vererbt werden. Damit ist es möglich, einen spezifischen, möglicherweise neu erworbenen Status in einer Gruppe zu institutionalisieren und zu stabilisieren. In einer Periode sozialökonomischer Dynamik bietet die funeräre Praxis also nicht nur ein Medium der Präsentation von neuem Status, sondern sogar für dessen soziale Institutionalisierung<1136>.

4. Diese hier theoretisch umrissene Figur war offenbar bei der Stabilisierung einer neuen


502

sozialökonomischen Gruppe von Residenzbewohnern äußerst produktiv, die als dependent specialists<1137> und mittlere Residenzangestellte im Verlauf der 4. und 5. Dynastie personell ständig anwuchs. Charakteristisch für die Angehörigen dieser Gruppe ist, daß ihre Subsistenz allein über Institutionen der Residenz gesichert wird und sie keinen oder kaum Zugriff auf unmittelbare Produzenten haben. Da eine solche Gruppe bisher nicht existierte, mußten deren Angehörigen auf habituelle Muster der Institutionalisierung zurückgreifen, um ihre soziale Position zu konstituieren und zu stabilisieren. Die besondere Blüte gerade von kleineren und mittleren Anlagen der Residenz ist wohl auch dadurch begründet, daß diese Gruppierung in der funerären Praxis ein Medium besaß, die neuartigen Positionen (und mit ihnen verbundene neuartige Formen von Besitz und Verfügung) zu Institutionalisieren und über mehrere Generationen zu stabilisieren.

5. Diese enge Verbindung von sozialer Entwicklung und funerärer Praxis erklärt auch, warum eine ganze Reihe kultureller Ausdrucksformen in der ersten Hälfte des AR fast ausschließlich auf die Residenz beschränkt sind. Nur dort waren die sozialökonomischen Voraussetzungen vorhanden, und mit ihnen auch die Notwendigkeit, um neue Formen sozialer Positionen im Rahmen sozialer Praxis zu kommunizieren. Mit der Tendenz zur "Verschriftlichung" und Selbstwirksamkeit der Elemente funerärer Kultur bot sich die Möglichkeit, kulturelle Ausdrucksformen aus dem konkreten sozialökonomischen Zusammenhang der Residenz zu lösen und in universeller Weise in der funerären Praxis zu aktivieren. Die so erfolgende "Entprivilegisierung" des kulturellen Vokabulars zeichnet sich u.a. durch die Miniaturisierung aus, wodurch der vorausgesetzte ökonomische Aufwand verringert wurde. Das ist aber auch ein Indiz dafür, daß sich der sozialökonomische Rahmen der Aktivierung der Elemente der funerären Praxis stark geändert hat. Diese Miniaturisierung kultureller Ausdrucksformen der Residenz am Ende des AR steht gewissermaßen der Monumentalisierung habitueller Ausdrucksformen der funerären Kultur am Beginn des AR durch die Elite gegenüber. Das Fehlen bestimmter Ausdrucksformen, etwa der Schreiberfigur, unter den in der 1. ZZ aktivierten kulturellen Ausdrucksformen deutet an, daß die soziale Situation eine andere ist und die in der Praxis aktivierten Ausdrucksformen nicht sklavisch das Modell der Residenz im AR repetieren.

26.3.2 Funeräre Praxis und Individuen

1. Die Agenten gesellschaftlicher Bewegung sind stets die Individuen. Deren individuelle Handlungen sind jedoch durch den gesellschaftlichen Habitus determiniert<1138>. So werden in den Objekten der funerären Kultur zwar in den meisten Fällen namentlich spezifizierte Individuen


503

repräsentiert, die dabei verwendeten Ausdrucksformen, die kulturellen Vokabeln und ihre Indizes, sind aber zwangsläufig solche, die Allgemeingültigkeit besitzen und die im Rahmen der sozialen Kommunikation von den betroffenen Rezipienten verstanden werden. Allerdings ist der Habitus einer Gesellschaft kein statisches Phänomen oder eine sich selbst bewegende überindividuelle "Idee", sondern er wird nur durch die Handlungen der Individuen im Zuge der Praxis realisiert und damit auch bewegt. Jede Aktivierung des habituellen kulturellen Vokabulars stellt eine Interpretation des Habitus dar. Enthält diese Interpretation ein neues Element, das ein neues Phänomen in für die Rezipienten faßbarer Weise beschreibt, wird der Habitus verändert und damit bewegt. Das so beschriebene Phänomen kann ein individueller, einmaliger Fall sein. Es kann sich aber auch um ein Phänomen handeln, das weiterhin Bedeutung hat. Dann kann der einmalige Fall der kulturellen Beschreibung habitualisiert werden und als neue kulturelle Vokabel in standardisierter Form in der sozialen Kommunikation eingesetzt werden.

2. Die Entwicklung der funerären Kultur der Residenz im AR bietet die Möglichkeit, sowohl die Habitualisierung einiger kultureller Vokabeln zu verfolgen, als auch Fälle der individuellen, einmaligen Interpretation des Habitus zu beobachten. Es kann bei dem ausgesprochen komplexen Charakter des kulturellen Vokabulars funerärer Praxis sogar davon ausgegangen werden, daß jede Aktivierung prinzipiell individuellen Charakter besitzt.

Diese Feststellung ist insofern wichtig, als damit die Möglichkeit gegeben wird, Quellen der funerären Kultur der Residenz immer unter zwei Aspekten zu interpretieren. Zum einen unter dem Aspekt des kulturellen Habitus und der gesamtgesellschaftlichen Tendenz seiner Bewegung. Diesem Aspekt folgt die vorliegende Untersuchung, deren Ziel es war, die Funktion einer kulturellen Ausdrucksform - der Grabstatue - im Rahmen funerärer Praxis einer bestimmten Epoche und Lokalität zu bestimmen. Der zweite Aspekt ist der der individuellen Aktivierung des Habitus in einem konkreten Zusammenhang. Dieser Aspekt, der die Analyse der Position einzelner Grabherren umfassen müßte, die Dauer des Kultes, die Zusammensetzung der Kultgemeinde usw., wurde hier vernachlässigt. Deshalb wurde auch auf eine Analyse "personenbezogener Daten" wie der Titel verzichtet. Für die grundsätzliche Funktionsbestimmung einer Statue sind sie unnötig; für die Betrachtung der konkreten Verwendung dieser Statue sind sie notwendig.

3. Es erweist sich aber besonders für die Interpretation der Denkmäler der Periode III und noch der Periode IV.a geradezu als unerläßlich, die individuelle Interpretation des habituellen kulturellen Vokabulars als ein systematisches Phänomen zu erkennen. Periode III ist u.a. dadurch charakterisiert, daß das Bemühen um individuelle Beschreibung den Charakter einer habituellen Ausdrucksform bekommt. Das zeigen die vielen ausgesprochen einmaligen und damit an sich individuellen Lösungen, im besonderen aber solche materiellen Quellen, in denen ein Individuum als einzigartige Persönlichkeit faßbar wird, bis zum Porträt. Dieses besondere Merkmal muß wieder im Zusammenhang mit der sozialen Dynamik dieser Periode gesehen werden, besonders dann, wenn neue, bisher nicht vorhandene Positionen und Konzepte formuliert werden. Jedes


504

neue Phänomen ist zuerst mit einem Individuum und seinem Handeln verbunden und wird über dieses konzeptualisiert, dann formalisiert oder aufgegeben<1139>. Das ist im Bereich der funerären Kultur bei Ausbildung neuer Darstellungstypen zu beobachten, die alle aus dem Umfeld der "Entsymbolisierung" in Periode III stammen, als man sich bemühte, die Objekte so real wie möglich in der kulturellen Kommunikation umzusetzen. Erst in Periode IV werden die gefundenen Lösungen formalisiert und dem habituellen Vokabular kultureller Ausdrucksformen mit ganz spezifischen Indizes zugeordnet<1140>. Die schon mehrfach genannten Beispiele dafür sind die Formalisierung der Dickleibigkeit, die von einem stilistischen Element zu einem ikonographischen Index wird, und die Entwicklung der Schreiberfigur von der Tempelstatue zur Grabstatue mit dem Index "Residenzangehöriger".

4. Dabei ist es möglich, die Individuen, zu deren sozialer Beschreibung neue Formen kulturellen Ausdrucks erfunden wurden, in einigen Fällen sogar namentlich zu bestimmen. Es waren konkret die Prinzen und Prinzessinnen der 4. Dynastie, deren Statuen im Taltempel der Knickpyramide und im Tempel der Pyramide von Abu Rawash aufgestellt waren, zu deren Repräsentation die Schreiberfigur "erfunden" wurde. Ganz außergewöhnlich ist der Charakter der Präsentation des Hm-jwnw, dessen einmalige Anlage in dieser Form nicht habitualisiert wurde, deren Installationen wie der West-Serdab und die neue Kapelle unter Aufnahme der Süd-Nord-Richtung aber in Periode III.c in veränderter Form auftreten. Die Anlagen der Prinzen im Ostfriedhof von Giza, recht gut erhalten die des kA-wab, bezeugen u.a. durch ihre Umbauten, wie intensiv die Gestaltung der funerären Installationen als eine konzeptionelle Aufgabe gesehen wurden, in der es um die Präsentation des Grabherrn geht. In den Anlagen der Periode IV.a werden die Möglichkeiten der Statuenverwendung bei bA-bA=f und ra-wr dann auf die Spitze getrieben.

Auch im folgenden sind es immer wieder die Großanlagen der Elite, in denen neue Ausdrucksformen erfunden und oft anschließend in den Korpus des kulturellen Vokabulars aufgenommen werden. Seit Periode IV.b ist aber festzustellen, daß das Flachbild und der Text die rundbildliche Abbildung in der Beliebtheit bei der Neuformulierung von Konzepten ablöst. Die Anlagen des Tjj und des mrr.w-kA liefern ein Themenrepertoire an Flachbildszenen, die in anderen Anlagen übernommen und variiert werden.

5. Es ist natürlich nicht besonders verwunderlich, daß besonders die Eliteanlagen reich an kulturellen Innovationen sind. Aber diese Innovationen sind nicht auf die enge Gruppe der Elite beschränkt. Die ungewöhnliche Anlage des Zwerges snb und seine Gruppenfigur wurde oben mehrmals herangezogen, um die strategische Interpretation des kulturellen Habitus durch einen Angehörigen der Gruppe der dependent specialists der Residenz zu belegen. Ungewöhnlich


505

großzügig gemessen an der sozialen Stellung der Grabherren ist auch die Anlage des n-anx-Xnmw und xnmw-Htp angelegt und dekoriert. Die Notwendigkeit der individuellen Interpretation jedes konkreten Befundes für praktisch jede funeräre Anlage der Residenz im AR soll daher noch einmal betont werden. Unter einer funerären Anlage ist dabei immer ein Komplex von Grabstellen und Kulteinrichtung zu verstehen, die einen Zusammenhang bilden, denn gerade in der Gruppierung von Grabstellen um eine Kultanlage bilden sich soziale Institutionen mittlerer und niederer Residenzgruppen ab<1141>.

6. Neben der Repräsentation von sozialen Gruppen und Institutionen und den in ihnen aufgehobenen und sie zugleich konstituierenden Individuen fällt die spezifische Präsentation einzelner Gruppen auf. Dazu zählt besonders die Gruppe der Frauen, konkret der Mütter und Gattinnen von Grabherren (Töchter werden offenbar in den Söhnen vergleichbarer Weise abgebildet). In Periode II, mit dem Aufkommen individueller Präsentation im Totenkult, werden Männer und Frauen der Elite etwa mit denselben kulturellen Mitteln behandelt. Erst aus dem Übergang zur Periode III gibt es die Präsentation der Institution "Ehe" bzw. "Familie", wo eine Frau durch die enge Beziehung zum Gatten definiert wird. In Periode IV.a ist die kulturelle Umsetzung der aus Gatte und Gattin gebildeten Institution eines der am meisten innovativen Felder kultureller Entwicklung (Gruppenfigur, Einführung der "inneren" Nord-Kultstelle). Daneben steht die Präsentation von Frauen der königlichen Familie der 4. Dynastie, für die ebenfalls ganz außergewöhnliche Ausducksformen gefunden werden (Mantelstatue der xa-mrr-nb.tj, Grab der mr=s-anx III.). Diese Entwicklung wird zum einen damit in Verbindung stehen, daß die funeräre Anlage immer mehr von einer Kultstelle des Toten NN zu einer Kultstelle der Institution entwickelt wird, die sich um den Toten NN konstituiert. In diesem Zusammenhang ist die Gattin ein wesentliches, aber dem Gatten verbundenes Element. Zum anderen scheint die soziale Dynamik dieser Periode auch die Neuverhandlung der Position der Frau in der Gesellschaft einzuschließen. Wenigstens in der Königsfamilie erlebt diese Rolle in der 4. Dynastie eine bemerkenswerte Aufwertung. Im Rahmen der Residenzbevölkerung insgesamt wird in der 5. Dynastie die Rolle der Frau allerdings auf die der Hausherrin und Gattin und noch der Mutter beschränkt. Eine die Frau als Angehörige der Residenz definierende Präsentation wie die Schreiberfigur wird nicht entwickelt. Vielmehr bleibt die Möglichkeit, in einigen weiblichen Dienerfiguren die Präsentation der Hausherrin zu sehen, wie in der Gruppenfigur die der Gattin und der Mutter. Während der Bezugspunkt des Mannes meist die übergeordnete Institution der Residenz ist (siehe die Titel), ist der Bezugspunkt der Frau vor allem der Gatte (Hm.t=f). Der Prozeß der sozialen Differenzierung in der Residenz im AR ist damit als eine soziale Bewegung definiert, die sich vor allem innerhalb der biologischen Gruppe der Männer vollzieht. Frauen sind dieser Gruppe dann über institutionelle


506

Beziehungen (Ehe = Gattin; Familie = Mutter, Tochter) verbunden<1142>.

7. Durch die Dienerfigur werden noch einige andere Glieder der Gesellschaft in ihren Rollen in den Institutionen charakterisiert. Neben den im Haushalt tätigen Abhängigen, die gewöhnlich als bei der Bereitung von Speisen dargestellt werden, sind die in Elitehaushalten belegten höheren Chargen von Abhängigen interessant. Sie treten als Verwalter des Besitzes (Schreiber), Kultspezialisten (Priester) und Verwalter des Hauses (Kammerdiener) auf. In letzterem Fall scheint eine ambivalente Geschlechtsdefinition üblich zu sein.

Festzuhalten ist auch, daß in der Regel unmittelbare Produzenten nicht zur Gruppe der Residenzbewohner oder deren Institutionen gezählt werden. Zwischen den unmittelbaren Produzenten und den Residenzangehörigen steht gewöhnlich eine Institution (Hw.t; njw.t), die als autonom auftritt. Der jeweilige Grabherr hat zwar einen Zugriff auf das Produkt, sein Zugriff auf die Produzenten ist aber durch Institutionen vermittelt, die den Charakter von Selbstverwaltungen haben können. Eine wirkliche Abhängigkeit gegenüber dem als Grabherr auftretenden Oberhaupt einer Institution besteht also nur bei den Abhängigen des Haushaltes. Das gros der Residenzbewohner zeichnet sich dafür umgekehrt durch die Abhängigkeit von den Institutionen der Residenz aus. Die Regionalisierung bzw. Auflösung dieser Institutionen im späten AR nahm vielen Residenzangehörigen die Basis ihrer Reproduktion und bedeutete das Ende der sozialökonomisch distinkten Gruppe der Residenzbewohnerschaft.

26.3.3 Funeräre Praxis und die ökonomische und politische Entwicklung

1. Daß ein Zusammenhang zwischen der ökonomischen und politischen Entwicklung in Ägypten im 3. Jahrtausend v.u.Z. und den kulturellen Zeugnissen funerärer Praxis der Residenz dieser Zeit besteht, ist unnötig zu betonen. Die Pyramiden sind heute Sinnbild für das AR als ein ökonomische und politisch potentes Staatswesen, und sie waren es wohl auch zu jener Zeit. Gerade an diesen Monumenten zeigt sich aber, wie eng die funeräre Praxis dieser Epoche mit der Praxis als Bewegungsform der Gesellschaft überhaupt verbunden ist. Es war nicht zuletzt die Errichtung eines funerären Monumentes des Exponenten der politisch herrschenden Gruppe, was die Etablierung der Residenz als Institution und der Residenzbevölkerung als distinkte sozialökonomische Gruppe stimulierte<1143>. Als Teil dieses Monumentes wurden Friedhöfe für die direkte, später auch die weitere Gruppe der Königsumgebung - der Residenzangehörigen - geschaffen. In diesen Friedhöfen etablierten die Individuen ihren Totenkult und affirmierten den neu errungenen Status. Angeschlossen an die Grablege wurden Installationen, die über den


507

funerären Kult die um den Grabherrn gebildete Institution erhielten, im Bereich der königlichen funerären Anlage ebenso, wie im Bereich nichtköniglicher Personen.

2. Die uns erhaltenen Quellen, die Aufschluß über die ökonomischen Verhältnisse des AR bieten, insbesondere die Subsitenzbedingungen der Residenzangehörigen, entstammen fast alle dem Umfeld dieser funerären Anlagen (was bei den Hw.t- und njw.t-Anlagen der königlichen Totentempel zugegebenermaßen sehr weit zu fassen ist)<1144>. Auch die ökonomische Absicherung einer im funerären Bereich etablierten Institution ist also eng mit der funerären Repräsentation der entsprechenden ökonomischen Basis im Flachbild oder Text verbunden. Und wie die Erfindung juristischer Formulare zeigt, ist die gesellschaftliche Definition von ökonomischer Verfügung im AR von der funerären Praxis stimuliert: Es sind Problemfälle der Definition funerärer Institutionen und ihrer ökonomischen Absicherung, die zu ersten uns überlieferten Formen juristischer Besitzbeschreibung und -verfügung führen<1145>.

3. Die Etablierung von Institutionen mit einem gewissen ökonomischen Hintergrund ist natürlich nur möglich unter den Bedingungen einer entsprechenden ökonomischen Entwicklung, vor allem der Produktivkräfte, um ein hinreichendes Mehrprodukt zu erwirtschaften. Andererseits stellt die Etablierung von Institutionen mit angeschlossenen Wirtschaftseinrichtungen einen wichtigen Stimulus der Produktion von Mehrprodukt dar und wirkt so auf die ökonomischen Bedingungen ein. Auch hier ist wieder festzustellen, daß, soweit uns Quellen erhalten sind, die Intensivierung und Systematisierung der Mehrproduktabschöpfung durch die Residenz im AR besonders über die Konstruktion funerärer Institutionen ("Domänen") geschieht.

Man sollte das Modell der funerären Institution als Organisationsform ökonomischer Institutionen aber nicht überstrapazieren, denn neben dieser Form der Institutionalisierung sind durchaus andere Formen möglich und zu erwarten. Allerdings zeichnet sich z.B. auch die Institution der Sonnentempel der 5. Dynastie noch durch eine starke Verbindung zu den Pyramidenanlagen aus<1146>. Erst in der 6. Dynastie wird mit der Etablierung königlicher Hw.t-kA in direkter Verbindung mit Göttertempeln die Potenz des Götterkultes bei der Bildung von regionalen Institutionen stärker aktiviert<1147>. Und selbst die Institution Hw.t-kA kann zumindest in ihrer Konzeption auf funeräre Vorbilder zurückgeführt werden<1148>.


508

4. Für die Klärung konkreter politischer Entwicklungen ist die Analyse funerärer Praxis relativ unergiebig. Hier ist erst durch die Deutung der individuellen Aktivierung des kulturellen Vokabulars durch Einzelpersonen oder bestimmte Gruppen ein gewisses Bild von den Prinzipien der Verhandlung und Umsetzung von Macht und individuellen Strategien zu erhalten.

Ein Indiz der politischen Entwicklung ist die kulturelle Stagnation funerären Praxis der Provinz in der 4. und teilweise 5. Dynastie, die darauf deutet, daß es im Rahmen funerärer Praxis nicht nur wenig ökonomische Potenzen, sondern auch wenig soziale Positionen umzusetzen gab. Daß das Aufkommen großer Elitegräber in der Provinz in der 6. Dynastie eine Verschiebung der ökonomischen Organisation und auch der politischen Struktur des Reiches bedeutet, ist allgemein anerkannt, beleuchtet aber ebenfalls die besondere, politisch stagnierende Situation in der vorangehenden 4. und noch 5. Dynastie. Demgegenüber spiegelt sich in der Prosperität der funerären Praxis der Periode IV eine gewisse ökonomische und politische Stabilität der Residenz und des hier institutionalisierten Staatswesens in genau diesem Zeitraum.

Es ist sehr riskant, die Elemente "Verschriftlichung" und "Entprivilegisierung" der funerären Kultur in der 5. und 6. Dynastie als Spiegel eines ökonomischen und politischen Verfalls der Residenz zu werten<1149>. Primär stellen sie die Umsetzung des kulturellen Vokabulars in standardisierter und universell einsetzbarer Form (funeräre Hochreligion ohne direkte Bindung an bestimmte sozialökonomische Muster) und dessen kulturelle Diffusion zuerst unter der Elite, dann weiteren sozialen Segmenten der Gesellschaft dar. Daß diese Ausdrucksformen in der 1. ZZ zeitgleich mit dem politischen und ökonomischen Verfall der Residenz besonders aktiviert werden, ist vor allem Ausdruck des Erblühens neuer regionaler ökonomischer und politischer Zentren, weniger des Verfalls der Residenz.

5. Daß eine Beziehung zwischen der allgemeinen kulturellen, aber auch der politischen Entwicklung im AR, und der hier besprochenen Entwicklung kultureller Ausdrucksformen besteht, wird auch durch alternative Untersuchungen der kulturellen und politischen Entwicklung belegt. Daß die von N. Cherpion festgestellten Perioden stilistischer Gestaltung in etwa mit den Perioden funerärer Praxis korrelieren, ist natürlich nicht verwunderlich, denn beide Periodisierungen beruhen auf der Zusammenstellung von Merkmalen kultureller Zeugnisse der funerären Praxis<1150>. Aber auch die Institutionalisierung der administrativen Verwaltung der Residenz in der 3. bis 5. Dynastie und deren Reorganisation in der hohen 5. und 6. Dynastie, die K. Baer, N. Strudwick, N. Kanawati und P. Andrassy untersucht haben, geht in etwa mit sozialen Brüchen einher, die sich in der


509

funerären Praxis spiegeln<1151>. Demnach kann in der administrativen Struktur der Residenz eine Aufbauphase in der 3. / 4. Dynastie und eine Phase der Standardisierung in der frühen 5. Dynastie beobachtet werden. Diese Entwicklung wird in der funerären Praxis etwa durch die Phasen II und III (= Etablierung neuartiger Status und neuartiger sozialer Institutionen) und dann Phase IV (= Stabilisierung der Gruppe der Residenzbewohnerschaft) reflektiert. Bemerkenswert sind die Brüche der Entwicklung etwa unter Djedkare, die sich in der funerären Praxis keineswegs derart markieren. Der kontemporäre Beginn der Periode IV.c funerärer Praxis weist zwar in vielen Aspekten Merkmale auf, die in Periode V ihre Blüte erleben, stellt aber m.E. vor allem eine Weiterentwicklung der Periode IV dar. Dennoch muß der Übergang zu Periode IV.c offenbar als der Moment eines gewissen kulturellen Umschlages gewertet werden, in dem sich tiefgreifende Veränderungen der inneren Struktur der Residenz ankündigen. Diese Phase ist gewissermaßen "noch hohes AR", und doch "schon spätes AR". Wieder ganz konform mit dem Bild der funerären Praxis der Periode V ist die administrative Entwicklung in der 6. Dynastie, die durch zunehmende Regionalisierung gekennzeichnet ist. Diese Regionalisierung zeigt sich in der Ausprägung lokaler Varianten funerärer Praxis, in der sich die lokale und soziale Fragmentierung der entsprechenden Agenten spiegelt.

Das Problem ist jedoch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, denn die Quellen, die die genannten Autoren in der Regel auswerten, entstammen zum großen Teil der funerären Kultur. So kann durchaus eine Beeinflussung der Repräsentation administrativer Strukturen durch funeräre Besonderheiten vorliegen, wenn die entsprechende Quelle eine besondere Funktion in der funerären Anlage besitzt. Siehe z.B. die Veränderungen der Textdekoration einschließlich der Titel- und Namensnennung im Rahmen der Opferformel und deren Anbringungsort. Hier ist die Prüfung des Einzelfalles notwendig, insbesondere bei Ausnahmepersönlichkeiten wie dem Vezir.

6. Zuletzt sei noch darauf verwiesen, daß auch die Ägypter die Entwicklung im AR in etwa vergleichbaren Perioden sahen und mit der politischen Entwicklung der Macht verbanden. Die klassische Einteilung in Dynastien vollzieht die Periodisierung funerärer Praxis gewissermaßen nach: Die Reichseinigungszeit, vor allem die mythische Etablierung der Oberhoheit über ganz Ägypten mit dem Beginn der 1. Dynastie, ist der Periode I funerärer Praxis im zeitgleich belegten


510

Elitefriedhof von Memphis parallel zu setzen. Perioden II.a und II.b sind etwa der Herrschaft der 2. und 3. Dynastie analog (wobei von der 2. Dynastie als einer Herrscherfamilie kaum die Rede sein kann). Periode III ist die Zeit der frühen 4. Dynastie, die sich in Periode IV.a fortsetzt, die formal als Weiterentwicklung der Periode III zu sehen ist. Periode IV.b entspricht der Zeit der Abusir-Könige, Periode IV.c der der letzten beiden Könige der 5. Dynastie. Mit der 6. Dynastie beginnt auch die Periode V funerärer Praxis an Bedeutung zu gewinnen, und die in den unzähligen Herrschern der 7."Dynastie" angedeutete Partikularisierung ist charakteristisch für Periode V.b und Periode VI.

Inwieweit der Autor dieser Untersuchung allerdings umgekehrt der Suggestion der altägyptischen Konzeptualisierung der Geschichte in Dynastien bei der Periodisierung funerärer Praxis der Residenz anheimgefallen ist, das muß der Leser entscheiden.


Fußnoten:

<1121>

Bourdieu 1979: 164

<1122>

Auf Einzelverweise soll hier verzichtet werden, siehe die Einträge der Encyclopedia of Religion, hgg. von M. Eliade, New York, 1987 s.v. "Ancestors" (vol. 1: 263-270) und "Funeral Rites" (vol. 5: 450-459) und die dort angegebene Literatur.

<1123>

Das auch dem neuzeitlichen europäischen Verständnis am ehesten in seiner sozialen Bedeutung voll faßbare funerär geprägte Phänomen ist das der Abstammung (= Selbstdefinition des Individuums) und der Erbschaft (= Definition der Kontinuität institutionalisierter Ansprüche des Individuums gegenüber der Gruppe).

<1124>

Frankfort 1948: 36-47; Fattovich 1970; Endesfelder 1994; Baines 1995

<1125>

Endesfelder 1991: 43f; Gundlach 1998: 137-197

<1126>

Fitzenreiter 1995: 96f

<1127>

Assmann 1987; Assmann 1991: 138-142, 169-189

<1128>

Habachi 1957: fig. 1, 4; ich verdanke den Hinweis Stephan Seidlmayer; Assmann 1991: 189-199

<1129>

Assmann 1991: 178-189

<1130>

Gödecken 1976: 338-349

<1131>

Vasiljevic 1995: 7-35

<1132>

Siehe z.B. das Motiv des Gerichtes in den Sargtexten; Grieshammer 1970.

<1133>

Seidlmayer 1996: 211-214

<1134>

Jacquet-Gordon 1962: 21-25

<1135>

Mrsich 1968: 165-171

<1136>

An dieser Stelle wirkt die von Bourdieu 1979: 164 beschriebene "Dialektik zwischen Interiorität und Exteriorität, d.h. zwischen der Interiorisierung der Exteriorität und der Exteriorisierung der Interiorität"; d.h. in diesem konkreten Fall die Dialektik der Beschreibung und damit kulturellen Kommunikation von Status und der Institutionalisierung genau dieses Status' im Zuge der kulturellen Kommunikation, was wiederum die Voraussetzung für dessen Beschreibung ist. Der habituelle Rahmen dieses praktologischen Prozesses ist die funeräre Praxis, die selbst in ihren kulturellen Ausdrucksformen exteriorisiert wird.

<1137>

Trigger 1993: 55-61

<1138>

Bourdieu 1979: 179

<1139>

Ein bekanntes Beispiel dieses Phänomens ist die individuelle Position des Gaius Caesar, über die die Position des Caesaren / Zar / Kaiser konzeptualisiert wurde.

<1140>

Assmann 1991: 147

<1141>

Solche cluster bilden z.B. der "Familienfriedhof" G 6000 (BGM 5) und der "Berufsfriedhof" Cemetery of Palace Attendants (BGM 6).

<1142>

Siehe hierzu etwas ausführlicher Fitzenreiter 2000.

<1143>

Helck 1975: 134f

<1144>

Jacquet-Gordon 1962: 125-455, mit Ausnahme einiger königlicher Einrichtungen im Zusammenhang mit Göttertempeln (op.cit. : 158f, 200). Eine Bild der engen Verflechtung der Ökonomie des Palastes, der Pyramidenanlage und des Sonnentempels zeichnen auch die Abusir-Papyri (Posener-Krieger 1976: 523f, 611-641)

<1145>

Mrsich 1968; Goedicke 1970; Gödicken 1976. Man muß in solchen Fällen aber stets einschränken, daß nicht-funeräre Quellengruppen bisher einfach nicht bekannt sind.

<1146>

Posener-Krieger 1976: 525f, 611

<1147>

Seidlmayer 1996: 213f

<1148>

Kaplony, P.: s.v. "Ka-Haus", LÄ III: 284-287

<1149>

Darauf verweist bereits Jequier 1935-38: 107f.

<1150>

Cherpion 1989: 80-82 konstatiert auffällige stilistische Veränderungen im Flachbild jeweils im Umfeld des Djedefre / Chefren und des Neuserre. Das fällt mit dem Zeitpunkt der Standardisierung der kulturellen Ausdrucksformen beim Übergang zur Periode IV.a und der Etablierung neuer Ausdrucksformen in Periode IV.c, die in Periode V.a ihren Höhepunkt erleben, etwa zusammen.

<1151>

Die Analyse von Baer 1960: 203f, 231-239 zeigt mehrere Etappen der Organisation und Reorganisation der Verwaltung. Dabei fällt die Stufe der Etablierung eines ersten geordneten Rangsystems etwa in die Zeit des Chefren bis Sahure (op. cit. 204); von Neferirkare bis Djedkare und von Djedkare bis Unas sind jeweils modifizierte Rangsysteme gültig (op. cit.: 231f). Die 6. Dynastie ist durch sehr häufige Reorganisation der Titelsequenzen gekennzeichnet. Strudwick 1985: 337-339 stellt bei der Analyse der sechs höchsten Residenzinstitutionen ebenfalls Umbrüche in der Übergangszeit von der 4. zur 5. Dynastie und dann unter Djedkare fest, mit der anschließenden Zunahme höchster Titel in der 6. Dynastie, was auf eine Dezentralisierung deutet. Kanawati 1980: 128-131 stellt bei der Untersuchung der Provinzverwaltung fest, daß etwa mit Djedkare eine Provinzverwaltung neuer Art installiert wird. Mit Teti I. ändert sich der Charakter der Provinzverwaltung und führt zur Begründung lokaler Zentren. Von Andrassy 1987: 123-140 wird die Periodisierung der administrativen Entwicklung des AR in eine Aufbauphase der Verwaltung in der 3. und 4. Dynastie, deren Ausbau in der 5. Dynastie, mit Veränderungen unter Neferirkare und Djedkare, und einer Trennung von Residenz- und Provinzverwaltung in der 6. Dynastie vorgenommen.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiML DTD Version 2.0
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Wed May 2 14:17:41 2001