Fitzenreiter, Martin: Statue und Kult Eine Studie der funerären Praxis an nichtköniglichen Grabanlagen der Residenz im Alten Reich

Kapitel 3. Grabstatuen der 2./3. Dynastie (Periode II)<71>

3.1 Auftreten und Formen (Tab. 2)

1. Etwa ab der Mitte der 3. Dynastie datierend sind Statuenfunde in größerer Anzahl bekannt, die mit großer Wahrscheinlichkeit Grabanlagen zugeschrieben werden können<72>. Allerdings ist nur für die Statue des mTn (2.15) der genaue Aufstellungsort in einer Grabanlage durch die Fundumstände gesichert. Sie wurde hinter der Nordwand des Scheintürraumes in einem abgeschlossenen Serdab gefunden, der durch einen Schlitz mit dem Scheintürraum verbunden


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war. Für einige weitere Objekte ist zumindest die Auffindung im Bereich des Friedhofs von Saqqara Nord gesichert bzw. sehr wahrscheinlich.

2. Die Fragmente der beiden schon erwähnten Standfiguren aus 3505 sind bisher die einzigen bekannten Holzstatuen der frühdynastischen Periode aus dem Bereich der Residenzfriedhöfe. Alle anderen in der Tabelle aufgezählten Statuen sind aus Stein gearbeitet; die Sitzfiguren bis auf die frühe Kalksteinstatue in Berlin (2.7) aus Hartgestein (Granit, Diorit), die Standfiguren aus bemaltem Kalkstein. Die Figuren sind überwiegend mit Namen und Titel der Statueninhaber beschriftet. Alle Sitzfiguren sind unterlebensgroß. Die Standfiguren des spA und der nj-sj-wa (2.2) erreichen annähernd Lebensgröße, die Fragmente der anderen Standfiguren deuten auf unterlebensgroße Statuen.

3. Die Sitzfiguren folgen einem einheitlichen Typ: Sie stellen den Statueninhaber auf einem Stuhl mit Andeutung der Holzkonstruktion sitzend dar, nur bei mTn sind die Seiten des Sitzes mit Beschriftung versehen<73>. Die Statueninhaber sind bekleidet (Perücke, Schurz oder Trägerkleid, verschiedene Ornate) und halten gelegentlich ein Amtszepter oder Wedel. Mehrere Figuren haben den linken Arm vor die Brust gelegt und strecken den rechten Arm auf dem Oberschenkel aus (2.9; 2.11; 2.12; 2.13). Die Hand auf dem Oberschenkel ist bei diesen Statuen geöffnet und liegt flach auf, die Handfläche nach unten. Die auf die Brust oder vor den Bauch gelegte Hand ist bei Männern zur Faust geballt, bei Frauen geöffnet. Dasselbe Bild zeigen die frühesten Reliefdarstellungen von Grabinhabern auf den Speisetischtafeln. Auch hier ist der rechte Arm zum Tisch ausgestreckt, der linke vor die Brust gelegt<74>. Der ausgestreckte Arm wird aus Rücksicht auf das Material im Rundbild als auf dem Oberschenkel liegend gebildet. Die Figur des mTn (2.15) zeigt dieselbe Armhaltung, aber umgekehrt<75>.

Einige Sitzfiguren - die des bDj-ms und zwei des anx (I) - zeigen abweichende Arm- und Handhaltungen. Bei bDj-ms (2.10) liegt der Unterschied darin, daß er ein Szepter in der auf die Brust gelegten Hand hält; die rechte Hand streckt er wie die anderen Statuen aus. Das Personen in der Hand auf der Brust Gegenstände - meist einen Wedel - halten, ist auch im Flachbild belegt. Wesentlicher sind die Unterschiede der Handhaltung bei den Statuen des anx (I). Die Statue in Leiden (2.8.2:) hat die rechte auf dem Oberschenkel liegende Hand zur Faust geballt, die linke liegt


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zur Faust geballt vor der Brust; die in Paris (2.8.1:) hat beide Hände im Schoß gefaltet. In beiden Fällen wird also keine geöffnete Hand in Richtung eines imaginären Speisetisches ausgestreckt.

4. Die Standfiguren zeigen den Mann in schreitender Pose, die Frauen mit geschlossenen Beinen. Die bisher einzigen Belege für männlichen Standfiguren dieser Periode, die Statuen des spA, halten in den Händen Amtstab und abA-Szepter, wobei der linke Arm vor den Bauch gelegt ist (2.2.1: + 2:). Die Frauenfiguren haben entweder den linken Arm vor den Bauch oder die Brust gelegt (2.2.3:; 2.3;) oder lassen beide Arme am Körper herabhängen (2.4); die Hände sind immer geöffnet. Beide Posen der Standfigur - die des Ausschreiten für den Mann<76>, die des mit geschlossenen Beinen Stehens für die Frau - sind ebenfalls die Haltungen, die die Flachbilder stehender Personen in der Scheintürdekoration der 3. Dynastie zeigen<77>.

3.2 Interpretation der Sitz- und Standfigur

1. Zwei Posen - die sitzende und die stehende - sind die grundsätzlichen Darstellungsformen, in denen Grabinhaber im gesamten AR in ihren Gräbern im Rund- wie auch im Flachbild abgebildet werden. Darstellungen im Flachbild sind eng mit der Schrift verbunden, sie sind "lesbar"<78>. Bild und Schrift beschreiben und - als spezifische Qualität von Abbildern in einer liminalen Umgebung - affirmieren Eigenschaften und Qualitäten, die Personen und Dingen zukommen. Die Interpretation der beiden Darstellungstypen geht daher vom Flachbild aus.

2. Sitzfigur

2.1. In funerären Anlagen tritt die sitzende Pose im Flachbild zuerst auf der Speisetischtafel auf. Dieses Bild besitzt Vorläufer in Siegeldarstellungen der FZ und wird als erste allgemein gültige Darstellungsform eines Toten in den memphitischen Residenzfriedhöfen auf den Speisetischtafeln etwa in der 2. Dynastie formalisiert<79>. Das Bild ist als eine Affirmation lesbar, die die Existenz und Anwesenheit des Grabherrn in seinem Grab beschreibt: Der Tote befindet sich als physisch und namentlich beschriebene Entität in einer ruhenden, weitgehend passiven Pose in seiner funerären Anlage<80>. Er besitzt dort einen besonderen, durch den Sitz als "gehoben" angedeuteten Status.


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Außerdem steht vor ihm gewöhnlich ein Speisetisch oder ein Opferaufbau. Indem er die rechte Hand zur Speise ausstreckt, ist seine Fähigkeit beschrieben, die Gaben zu erlangen und zu konsumieren.

2.2. Die Speisetischtafel ist an einer Stelle des Grabbaus angebracht, die als Opferplatz zu interpretieren ist. In jüngeren Dekorationsprogrammen ist das Bild um Darstellungen von Personen erweitert, die zu dem am Speisetisch sitzenden Toten hinzutreten und Opferhandlungen durchführen (Speisetisch-Ikone, s.u. Kap. 20.1.2.). Erste Anklänge an diese Abbildung von Kulthandlungen sind kurze, formelartige Beischriften schon auf den frühen Speisetischtafeln<81>, die die zur Erzeugung der liminalen Situation notwendigen Handlungen wie Reinigung, Räucherung, Salbung etc. erwähnen.

Die sitzende Pose kann so auch die Situation beschreiben, in der der Verstorbene durch die Erzeugung einer liminalen Athmosphäre befähigt ist, mit den Lebenden in Kontakt zu treten. Es ist wahrscheinlich, daß die vor die Brust gelegte Hand, die auf Speisetischtafeln von den frühesten Belegen bis in die 6. Dynastie belegt ist, diesen Aspekt unterstreicht. Nach H. Müller ist die vor die Brust gelegte Hand als eine Gebärde mit "Grußcharakter" aufzufassen, die beim Zusammentreffen von Personen üblich ist. Entsprechend wird sie im Flachbild auch stets von den in einem "festlichen"/ liminalen Zusammenhang verbundenen Personen - Kultempfänger und Nebenfiguren - ausgeführt. Offenbar ist dabei üblich, daß ranghöhere Männer die Hand zur Faust ballen, während Frauen und Rangniedere die Hand geöffnet haben bzw die Hände verbergen<82>.

2.3. Die Flachbilddarstellung des sitzenden Grabherrn besitzt also über die bildliche Beschreibung von Körperlichkeit und die Benennung mit Namen und Titel mehrere ikonographische Elemente, die mit bestimmten Indizes belegt sind. Die sitzende Haltung beschreibt den gehobenen Status. Die ausgestreckte Hand beschreibt die Fähigkeit zum Opferempfang, die auf die Brust gelegte Hand kann als Andeutung der Kommunikationsfähigkeit im Rahmen liminaler Situationen interpretiert werden. Es ist davon auszugehen, daß auch die Sitzfigur, die den Grabherr in dieser Pose zeigt, ein Abbild, eine rundplastische Affirmation des Grabherrn als "versorgt Existierender in seinem Grab" ist<83>.


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3. Standfigur

3.1. Der schreitende Grabherr wird im Flachbild nicht am Speisetisch gezeigt<84>, sondern an den Pfosten bzw. im Mittelfeld der Scheintür, wie er "in Leserichtung" aus dem Grab hinaustritt bzw. in größeren Zusammenhängen der jüngeren Kapellendekoration, wie er sich auf Unterszenen aktiv zubewegt. Der Mann hält dabei in den Belegen der 3. / frühen 4. Dynastie meist Amtsstab und Szepter, eine Hand kann im Flachbild auch auf die Brust gelegt sein; bei Frauen ist eine Hand auf die Brust gelegt, eine hängt gerade herab, die Hände sind geöffnet. Die Schrittstellung deutet die Bewegungsfähigkeit an; die Insignien des Mannes beschreiben ihn als Inhaber eines besonderen Status. Aus der Haltung der auf die Brust gelegten Hand kann eventuell wieder auf die Fähigkeit der Kommunikation geschlossen werden. Die so affirmierte Bewegungsfähigkeit ist stets aus der Kapelle heraus, "in Richtung" Diesseits gerichtet.

3.2. Auch hier ist davon auszugehen, daß die entsprechende Statue den Grabherrn ebenfalls als bewegungs- und handlungsfähige, aktiv agierende Person beschreibt<85>. Daß bei weiblichen Statuen die Beine geschlossen dargestellt werden, muß durch die kanonischen Regeln ägyptischer formaler Bildhauerkunst erklärt werden<86>. Im übrigen lassen sich gerade bei den Beinstellungen der Standfiguren sowohl von Frauen als auch von Männern im AR immer wieder Varianten beobachten<87>, die aber am Typ der Standfigur und damit deren Funktion im funerären Kult nichts ändern.


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4. Ensembles und Aufstellungsort

4.1. Bisher ist aus der Periode II noch kein Statuenensemble bekannt, das denselben Grabherrn sowohl als Sitzfigur als auch als Standfigur repräsentiert. Derartige Ensembles treten erst ab der hohen 4. Dynastie häufiger auf. Die Repräsentation desselben Grabherrn durch mehrere Statuen ist jedoch belegt. Die zwei Sitzfiguren des anx (I) stammen wohl aus ein und demselben Fundzusammenhang. Die zwei Statuen unterscheiden sich allerdings in Details der Bekleidung und vor allem der Handhaltung. Bei Statue (2.8.2:) trägt der Statueninhaber ein Amtsornat und hält beide Hände zur Faust geballt; bei Statue (2.8.1:) sind die Hände im Schoß gefaltet. Bei beiden Statuen schließt die Handhaltung den Empfang eines Speiseopfers aus. Möglicherweise zeigen diese Statuen den Toten in einer Pose der Teilnahme an einem Kultzusammenhang, der nicht der eines Speiseopfers an ihn ist. Da die Aufstellungsorte der Statuen nicht bekannt sind, ist die mögliche unterschiedliche Funktion der beiden Abbilder nicht zu klären<88>.

4.2. Die beiden Standfiguren des spA (2.2.1:+2:) sind sehr wahrscheinlich zusammen aufgestellt gewesen, analog dem Beleg aus S 3505 (2.1). Anders als bei den beiden Sitzfiguren des anx sind hier die beiden männlichen Statuen absolut gleichartig. Es liegt die Verdopplung nur eines Statuentyps vor, wobei beide Abbilder nicht nur formal identisch sind, sondern sogar der Ort der Verwendung derselbe gewesen sein dürfte. Im Gegensatz dazu war die Statue der Frau nj-sj-wa nur einmal vertreten.

4.3. Die Aufstellung der Statuen und damit der Ort kultischer Handlungen unter Einbeziehung von Statuen kann aufgrund der nicht bekannten Fundsituation fast aller Statuen nur über die Untersuchung möglicher Aufstellungsorte in den Grabanlagen der Periode annäherungsweise geklärt werden. Seit der 2. Dynastie bildet sich in Saqqara aber ein gewisser Standard der Gestaltung der Kultstellen an den Mastabas heraus<89>. Die Kapellen bestehen aus einem Gang vor einer unterschiedlichen Anzahl von Nischen an der Mastabafront, wobei eine nördliche und eine südliche Nische besondere Bedeutung haben. Der Kapellenzugang ist meist auf die südliche Nische ausgerichtet. Diese südliche Nische wird im Verlauf der 3. Dynastie zu einem Scheintürraum, oft mit Kreuz- oder T-förmigem Grundriß ausgebaut und auch überdacht. Am Zugang befinden sich gelegentlich weitere Räume. Mit der Standardisierung einer vergrößerten Süd-Kultstelle treten tendenziell südlich davon Einzelräume auf, die als Statuenkammern angesehen werden. Bei Hzj-ra wird vom Ausgräber in einem solchen Raum die Aufstellung von


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zwei oder drei Statuen angenommen<90>. Während einige der Räume zugänglich sind, waren andere von vornherein vermauert und entsprechen damit dem Typ des als Serdab zu bezeichnenden Statuenraumes, in dem eine oder mehrere Statuen verschlossen und für direkte Kulthandlungen unzugänglich verwahrt werden. Der Schlitz, der bei mTn Serdab und Scheintürraum verbindet, belegt aber, daß die Kommunikation zwischen Kultraum und Serdab beabsichtigt ist<91>.

4.4. Auch wenn die Beleglage in dieser frühen Periode noch sehr dünn ist, sind zwei getrennte Aufstellungsmöglichkeiten für Statuen zu unterscheiden<92>, was z.B. in der Anlage des xa-bA.w-zkr recht deutlich an zwei Nebenräumen zu erkennen ist<93>:

  1. Ein Statuenraum - wahrscheinlich ein verschlossener Serdab mit Fensterschlitz - befindet sich in unmittelbarer Nähe der südlichen Scheintür. Der Statuenraum liegt seitlich der Scheintür, tendenziell eher im Süden als im Norden. Als Hypothese sei vorgeschlagen, daß in diesen Räumen nur eine Sitzfigur des Grabherrn untergebracht war, die dem "Speisetisch-Typ" mit der ausgestreckten Hand entspricht und in Richtung der Scheintür blickt. Der einzige in situ Fund einer Statue, der des mTn, entspricht dieser Aufstellung.
  2. Ein zweiter Platz für Statuen befindet sich entfernt von der Scheintür und steht mit dem Zugang zur Kapelle in gewisser Verbindung, bei Hzj-ra und auch bei xa-bA.w-zkr ist dieser Standort ursprünglich nicht verschlossen. Als Hypothese sei vorgeschlagen, daß in diesem Raum Standfiguren untergebracht waren. Bei Hzj-ra wäre eine Ausrichtung nach Norden anzunehmen, bei xa-bA.w-zkr deutet die Form des Schreines auf eine Aufstellung in Richtung Osten. Wahrscheinlich ist, daß männliche Standfiguren verdoppelt wurden, weibliche Standfiguren aber nur einmal auftreten.

4.5. Die Beleglage erlaubt es aber bisher nicht, die beiden Grundtypen sitzend / passiv und stehend / aktiv sicher mit bestimmten Aufstellungsorten in der Kapelle und damit bestimmten rituellen Handlungen zu verbinden. Man kann annehmen, daß ein Rundbild aufgrund seiner insgesamt weniger symbolhaften Form unabhängig vom Typ den Grabherrn in verschiedenen Zusammenhängen darstellen konnte. Die beiden Sitzbilder des anx (I) in Amtstracht und mit abweichenden Handhaltungen (2.8) können z.B. ähnliche Funktionen gehabt haben, wie Standfiguren.

3.3 Die Funktion von Rundbildern im funerären Kult der Periode II

1. Grabstatuen der Periode II sind der Flachbilddekoration derselben Periode verwandt. Wie die


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Reliefs von Personen, Gegenständen und auch die entsprechenden Beischriften bilden sie realweltliche Dinge ab, die durch ihre Anbringung bzw. Aufstellung in einem als sakral definierten Bereich und durch die Erzeugung liminaler Situationen im Kult auf magische Weise wirksam werden. Die Nennung oder Schreibung des Namens, ein einfaches Flachbild oder ein grobes Rundbild können dazu dienen, die zeitweise Anwesenheit einer toten und am Ort der rituellen Handlung nicht mehr stofflich existenten Person unter bestimmten Bedingungen zu vermitteln. Über das Abbild kann die Kommunikation mit dem Toten aufgebaut werden. Der Aufbau der Kommunikation geschieht durch Handlungen am Abbild, sei es durch Anrede und Behandlung des Abbildes, durch ein Opfer vor dem Abbild o.ä.

2. Das rundplastische Abbild ist besonders geeignet, die Anwesenheit des Toten im Zusammenhang einer liminalen Situation zu vermitteln. Seine dem Lebenden nachempfundene Form, die erkennbaren Sinnesorgane und die Möglichkeit, Gesten und ikonographische Merkmale darzustellen, und auch die Beweglichkeit (im Gegensatz zum ortsfesten Flachbild) lassen es zu einem sinnfälligen Medium werden, die Anwesenheit des Toten beim Kult zu affirmieren. Indem man verschiedene Typen von Statuen in bestimmten kultischen Zusammenhängen verwendet, schreibt man dem Toten die jeweils notwendigen Eigenschaften zu: Die Fähigkeit das Opfer zu empfangen (= ausgestreckte Hand), die Fähigkeit sich zu bewegen (= stehend-schreitende Pose), wohl auch die Fähigkeit zu Kommunizieren (= Hand auf der Brust) usw.

3. Es ist aber festzustellen, daß diese Abbilder wohl nicht als der Tote selbst angesehen wurden, sondern als Medien, die den Toten symbolisieren<94>. Dafür, daß die Sitzbilder als Symbole aufgefaßt wurden, und nicht als dauernde Manifestation des Toten<95>, sprechen

  1. die meist geringe Größe und der Verzicht auf Individualisierung,
  2. die symbolisch vermittelte Funktionsbeschreibung über Idealisierung der Rolle (Mann / Frau, Sitzen / Stehen), Handhaltungen, Ornate usw.,
  3. die Vervielfältigung von Statuen derselben Person,
  4. die bei mTn belegte Aufstellung seitlich der Hauptkultstelle.

Besonders die Aufstellung seitlich von der Kultstelle an der Scheintür macht deutlich, daß an diesem Ort "der Tote selbst" vor allem hinter der Scheintür erwartet wird. Kein Beleg der Periode II läßt darauf schließen, daß eine Statue Fokus des Kultes in einem Scheintürraum war. Die Sitzfigur im seitlich gelegenen Serdab ist aber ein sehr wirksames und gut erfaßbares Medium, die Anwesenheit des Toten zu vermitteln; dies jedoch nur, wenn die entsprechenden rituellen Handlungen wie Räucherung, sAx.t und Mundöffnung vollzogen werden, wie bei mTn an der entsprechenden Wand im Flachbild dargestellt<96>. Damit ist die Möglichkeit der Kommunikation mit


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dem Toten über seine Statue auf den Moment der liminalen Situation beschränkt.

Im Scheintürraum des mTn entsteht damit eine bemerkenswerte Situation: Die Scheintür mit dem Flachbild des Toten am Speisetisch und den Bildern des heraustretenden Toten steht "in Kultrichtung" dem Handelnden gegenüber und ist wohl das eigentliche Ziel des Kultes. Im Rahmen des Kultes wird aber auch die seitlich stehende Statue als Medium aktiviert und ermöglicht dem Grabherrn, in Form der Statue an seinem eigenen Kult teilzuhaben.

4. Die Einführung solcher Serdab-Sitzbilder im Bereich der südlichen Kultstelle kann als Charakteristikum der Periode II der funerären Kultur der memphitischen Residenz angesehen werden, für die es bisher keine Vorbilder aus früherer Zeit oder außerhalb der Residenz gibt. Typ und Ikonographie leiten sich vom Flachbild der Speisetischtafel her. Wie die Einführung der formalisierten Speisetischtafel an der Süd-Kultstelle ist auch die Aufstellung dieser Sitzfigur vom Speisetisch-Typ in einem verschlossenen Statuenraum (Serdab) als Neuerung dieser Periode funerärer Praxis anzusehen. Durch einen Schlitz können diese Statuen am Kult teilhaben; ihre verschlossene Aufstellung stellt zugleich eine gewisse Beziehung zum "verschlossen" im Grab ruhenden Toten her. Daß die Statuen aus Gründen der Sicherheit vermauert wurden, ist sehr unwahrscheinlich: Der Kommunikationsschlitz zeigt den Aufstellungsort unmißverständlich an und ist bei mTn zudem noch mit n twt "für die Statue" beschriftet<97>.

4. Anders ist die Situation bei Statuen, die außerhalb des Raumes an der südlichen Kultstelle aufgestellt waren, wie hier für die Standfiguren angenommen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die kultischen Handlungen an diesen Statuen selbst vollzogen wurden, die Statuen also frontal zur "Kultrichtung" aufgestellt waren, jener Richtung, in die die Teilnehmer an einem Kult agieren. Das Format und vor allem die ganz symbolisch-magischen Prinzipien folgende Verdopplung der männlichen Figuren läßt aber auch hier annehmen, daß diese Abbilder als zu aktivierende Medien dienten und nicht "der Grabherr selbst" sind. Es ist aber festzuhalten, daß das Ensemble des spA und der nj-sj-wa praktisch Lebensgröße hat, den Toten also ausgesprochen unmittelbar abbildet.

5. Diese Art der Verwendung von Standfiguren - als Ziel einer kultischen Handlung - ist prinzipiell unabhängig von der Verwendung von "teilnehmenden" Sitzbildern am Scheintürkult zu interpretieren. Primär besteht kein Zusammenhang zwischen dem Serdab an der Süd-Kultstelle und dem Platz des Statuenkultes unabhängig von der Scheintür. Währen z.B. S 3505 bereits nördlich vom Mastabamassiv eine große Kapellenanlage mit einem Raum für den Kult an den beiden Standfiguren besaß, war im Bereich der südlichen Nische an der Mastabafront nur ein


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Flachbild des sitzenden Grabherrn, noch ohne Speisetisch, angebracht<98>. Eine Installation, die auf einen Serdab oder eine andere Art von Statuenaufstellung an der südlichen Kultstelle schließen läßt, ist in dieser Anlage noch nicht vorhanden .

Das Mastabamassiv von S 3505 gehört zu einem Grabtyp, der noch auf den Elitefriedhöfen in ganz Ägypten vertreten ist (Periode I). Die Hinzufügung des als ganz eigener Baukörper gestalteten nördlichen Kultbereiches mit einer Statuenkultstelle stellt eine bemerkenswerte Neuerung dar. B. Kemp hat auf einige Mastabas der 1. bis 3. Dynastie verwiesen, die, analog zur nördlich vom eigentlichen Mastabamassiv gelegenen Kultstelle in S 3505, von der Südkultstelle mit der Scheintür getrennte Kulteinrichtungen besitzen, in denen er Statuenkultstellen vermutet; keine dieser Mastabas besitzt einen Serdab an der Süd-Kultstelle<99>. Ein einheitlicher Typ der Kultanlage ist an diesen Beispielen (S 3121, QS 2464, QS 2407, S 3030) noch nicht erkennbar. Erst in der 3. Dynastie wird die Kultanlage zu einer Installation standardisiert, die sich im Bereich der südlichen Kultstelle befindet und über zwei getrennte Plätze für Statuen verfügt, wie bei Hzj-ra und xa-bA.w-zkr belegt.

6. In diesem Zusammenhang sei auch die auffällige Bevorzugung verschiedener Materialien erwähnt: Standfiguren sind nur aus Kalkstein und einmal (S 3505) aus Holz belegt. Hölzerne Standfiguren sind das ganze AR aber üblich und man kann annehmen, daß auch in Periode II eine größere Anzahl solcher Holzfiguren im Einsatz war, die verloren ist<100>. Die kleinen Sitzfiguren werden hingegen in dieser Periode fast immer aus Hartgestein hergestellt<101>; hölzerne Sitzfiguren sind auch im weiteren Verlauf des AR nur sehr selten belegt. Auch die Bevorzugung verschiedener Materialien ist m.E. als Indiz zu werten, daß die Sitzfigur vom Speisetisch-Typ und die Standfigur zwei unterschiedlichen funktionalen Traditionen entstammen<102>.

7. Eine ganz ungewöhnliche Pose zeigt die Statue des Htp-dj=f / rDjt (2.20). Der Statueninhaber kniet auf dem Boden, die Füße unter dem Gesäß. Beide Arme sind auf die Oberschenkel gelegt, die Hände geöffnet, Handflächen nach unten. Auch die Beschriftung der Statue ist ungewöhnlich, neben Titel und Namen auf dem Sockel sind drei Horusnamen von Königen der 2. Dynastie und wohl die Hieroglyphe Gardiner G 32 (Phönix auf Dreieck) auf das rechte Schulterblatt graviert. Der genaue Fundort der Statue ist unbekannt, der CG gibt "1888 in Mitrahinneh gefunden" an; R.


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Stadelmann<103> vermutet aber die Herkunft aus dem Friedhof Saqqara Nord. Die ungewöhnlich Haltung und die Beschriftung, die auf einen Zusammenhang mit dem Kult der Könige verweist, lassen die Möglichkeit zu, daß es sich bei dieser Statue nicht um die Wiedergabe eines Grabherrn aus seinem Grab handelt, sondern daß die Figur die Anwesenheit der Person an einem Kult, eventuell der genannten Könige, affirmieren soll. Damit entspräche die Statue des Htp-dj=f funktional den später belegten Statuen mit am Boden hockender Pose bzw. im "Schreibersitz", die die Teilnahme der Abgebildeten am Kult bzw. der dauerhaften Versorgung einer anderen Person affirmieren sollen (s.u. Kap. 7.2. u. 7.3.)<104>.

3.4 Grabstatuen der 2./3. Dynastie (Periode II ) - Zusammenfassung

1. Die zu den Ausdrucksformen der als Periode II funerärer Praxis bezeichneten Phase zählenden Statuen setzen Vorbilder älterer Typen vor-formaler und früh-formaler Rundbilder in zwei Grabstatuentypen um: der Sitz- und der Standfigur. Die Beleglage erlaubt es nicht, einen genauen Zeitpunkt festzulegen, ab dem diese Statuentypen in funerären Anlagen üblich werden, aber es häufen sich diese Belege erst in der 3. Dynastie. Diese Statuen treten fast ausschließlich im Bereich der memphitischen Residenznekropole auf und kaum auf anderen kontemporären Friedhöfen<105>.

2. Als ein besonderer Typ bildet sich eine Darstellung heraus, die eine sitzende Person zeigt, die eine Hand, tendenziell die rechte, flach auf den Oberschenkel legt. Dieser Statuentyp setzt offensichtlich ein Bild um, das zuerst im Flachbild für eine Darstellung an der Opferstelle der Grabanlage entwickelt wurde und den Grabherrn zeigt, der vor einem Speisetisch sitzt und die Hand nach den Speisen ausstreckt. Es tritt, soweit bisher bekannt, jeweils nur eine Sitzfigur dieses Typs in einem Grab auf. Möglich ist eine Aufstellung dieses Statuentyps in einem geschlossenen Serdab seitlich zur Scheintür, wie im Fall des in-situ-Fundes der Statue des mTn.

3. Standfiguren dieser Periode sind weniger gut belegt. Nimmt man den Beleg des Statuenensembles des spA und der nj-sj-wa als repräsentativ an, so folgen die Standfiguren einer Tradition, die in S 3505 in Saqqara schon am Ende der 1. Dynastie ausgeprägt ist. Dabei treten zwei identische männliche Standfiguren auf, aber nur eine weibliche Standfigur. Aufstellungsort dieser Statuen ist wahrscheinlich eine offene Statuenkultstelle unabhängig von der Kultstelle an der Scheintür.


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4. Statuen bilden im Kult der Periode II den Grabherrn auf symbolische Weise ab. Die Sitzfiguren übernehmen ikonographische Elemente des Flachbildes, über die sie bestimmte Eigenschaften affirmieren, die dem durch sie abgebildeten Grabherrn zukommen sollen. Es sind dies die gesicherte, mit einem gewissen Status versehene Existenz im Grab, die Fähigkeit, das Opfer zu empfangen und möglicherweise auch, mit den Lebenden zu kommunizieren. Die Standfiguren vermitteln die Aktionsfähigkeit des Toten.

5. Aus dem Befund läßt sich nicht klären, inwieweit Statuen zur obligatorischen Grabaussrüstung der Residenzelite in Periode II gehörten. Immerhin sind Statuen häufig genug belegt, um annehmen zu können, daß tendenziell ein Bedürfnis bestand, den Grabherrn auch in einem Rundbild an der Kultstelle seiner Grabanlage darzustellen und im Rahmen des Kultes zu behandeln. Sicher beschränkte sich der Gebrauch von Statuen auf die direkte Königsumgebung und die Spitze der Residenzangehörigen; er umfaßte dabei Männer und Frauen gleichermaßen.


Fußnoten:

<71>

Shoukry 1951: 18-26

<72>

Zur Feindatierung und im einzelnen: Vandier 1952: 983-988; Stadelmann 1995: 156; Eaton-Krauss 1998; Sourouzian 1998.

<73>

Es handelt sich um den bisher frühesten Beleg für Beschriftung der Sitzseiten: Fischer 1977.a: 27.

<74>

Beispiele bei Sourouzian 1998: fig. 17-20.

<75>

Eventuell ist diese Anomalie durch die Lage des Serdab im Norden der Scheintür zu erklären. Häufiger befindet sich der Statuenraum oder Serdab im Süden der Kultstelle, eine dort plazierte Sitzfigur entspricht, von Osten betrachtet, dem Reliefbild des am Opfertisch sitzenden Grabherrn, wenn sie den rechten Arm zum Opfertisch ausstreckt, den linken vor die Brust legt. Die umgekehrte Aufstellung der Statue des mTn veranlaßte möglicherweise die Umkehrung der Armhaltung, wie auch im Relief üblich, wenn Personen von rechts kommend abgebildet werden. Allerdings ist die Aufstellung der übrigen Figuren in südlichen Statuenkammern nicht gesichert und insofern die These nicht überprüfbar. Siehe auch Shoukry 1951: 205. Ebenfall den rechten Arm vor der Brust, den linken ausgestreckt hält die Serdabfigur des Djoser (Lange / Hirmer 1967/1985: Tf. 16, 17).

<76>

Shoukry 1951: 132f. Dazu, daß die Statue des spA tatsächlich das Ausschreiten abbildet: Eaton-Krauss / Loeben 1997: 83-87.

<77>

Schreitender Mann und stehende Frau: Scheintüren des xa-bA.w-zkr und seiner Frau (Murray 1905: pl. I, II); auch der auf die Brust gelege Arm der Frau und das Halten von Amtsstäben beim Mann stimmt überein.

<78>

Fischer 1986

<79>

Vandier 1952: 731-774, zur Datierung zuletzt Kahl 1997.

<80>

Wood 1977: 65; Wildung 1983: 33

<81>

Barta 1963: 8, 45

<82>

Müller 1937: 100-105; Dominicus 1994: 5-10, Abb. 1, Pose 7 und 8. Die bei beiden Autoren aus den Flachbildbelegen erschlossene Indizierung der Geste der auf die Brust gelegten Hand grundsätzlich als "Unterordnung" ist im Fall der Statuen sehr unwahrscheinlich; vielmehr scheint das Legen der Hand auf die Brust allgemeinen Grußcharakter zu haben, wobei zusätzliche körpersprachliche Gesten wie das Verbergen der Handfläche, die Öffnung der Hand und das Beugung des Rückens die Unterordnung im Rahmen der Begrüßung anzeigen. Shoukry 1951: 123f hingegen hält die Deutung der auf die Brust gelegten Hand als Grußgebärde für unwahrscheinlich. Nach Schulz 1992: 736-742 drücken über der Brust gekreuzte Arme (mit geöffneten Handflächen) eine "Demutsgebärde" aus. Siehe auch Kap. 8.4.

<83>

Wildung / Seidel in: Vandersleyen et al. 1975: 212; Wildung 1985: 25f

<84>

Die Speisetischtafel des Ab-nb, Leiden Am 10 (Sourouzian 1998: fig. 38), kombiniert die Darstellung des am Speisetisch sitzenden Grabherrn mit der dahinter stehenden Abbildung des Grabherrn in schreitender Pose; der Bezug zum Speisetisch besteht aber nur bei der Sitzdarstellung.

<85>

Wood 1977: 65; Wildung 1985: 25; Wildung 1990: 70

<86>

Daß der leicht vorgeschobenem "hintere" Fuß der stehenden Frau im Flachbild die Schreitpose andeutet, die dann im Rundbild nicht umgesetzt wäre, ist fraglich, da im Flachbild sitzende Frauen und sitzende Männer diese Fußhaltung zeigen.

<87>

Vandier 1958: 63f. Beispiele für weibliche Figuren in Schrittstellung: Hathor der Mykerinos-Triade Kairo JE 54934 (Kairo 1986: Nr. 33); Gruppenfigur Mykerinos und Frau BMFA 11.1738 (Lange / Hirmer 1967/1985: Taf. 41); Gruppenfigur des Tntj und Frau Berlin 12547 (7.114); Gruppenfigur des sSA.t-Htp und seiner Frau (7.11); Gruppenfigur Leipzig 3684 aus der Kapelle des jTw (7.44); zwei weibl. Standfiguren aus dem Grab des wp-m-nfr.t (12.3.3:+4:); Gruppenfigur in einem Schrein aus Giza, Schiaparelli-Grabungen, Turin Suppl. 1875 (7.40); Gruppenfigur (Pseudo-Gruppe?) zweier Frauen aus Gegend Chefren-Tempel (9.3); Gruppenfigur Louvre E 6854 (7.134). Es ist anzunehmen, daß alle Statuen, die Frauen in Schrittstellung abbilden, aus der späten 4. und frühen 5. Dyn. datieren (Periode IV.a).

Beispiele für männl. Figuren mit geschlossenen Beinen: Gruppenfigur des mr-sw-anx, Kairo JE 66619 (7.71.2:); Statue des jttj: anx-jr=s, Kairo CG 47 (Borchardt 1911: Bl.12); Gruppenfigur des nfr-Htp und der Tn-ttj, Kairo CG 89 (7.93); Gruppenfigur des smD-jb, Kairo CG 151 (7.95); Gruppenfigur des m-s.t-kA (7.48); Standfigur des ptH-Spss, Wien KHM 7508 (14.41.5:); Gruppenfigur aus G 2353B, BMFA 13.3164a-c (7.42); Gruppenfigur in Toledo/Ohio (7.75); Gruppe aus G 2099 (14.48.3:); Gruppenfigur aus dem Grab des dAg (7.54); Gruppenfigur (Pseudo-Gruppe?) aus dem Hof des Grabes des n-anx-ra (9.12); Statue aus "Mastaba No. 16, south of the pillared mastaba No. 15" (14.33.3:); männl. Standfigur aus Naga ed-Dêr, NN 17 (Lutz 1930: 15, Taf. 23b); rohe männl. Standfigur aus G 3093 (13.7.3:); Gruppenfigur des mmj: sAbw MMA 48.111 (7.118). Felsstandfiguren haben aus technischen Gründen häufig geschlossene Beine.

Ein Beleg für eine männliche Standfigur, die das rechte Bein vorgestellt hat, ist die Statue JE 44609 aus dem Ensemble des pHn-ptH (14.50.1:) (siehe dazu Kap. 15.1.2.).

<88>

Eaton-Krauss 1997: 12f schlägt vor, in den beiden Statuen Tempelstatuen zu sehen. Der ausgesprochen "erhöhte" Index des Thrones macht diese Deutung etwas problematisch, da auch später nichtkönigliche Personen im Tempelzusammenhang andere Posen bevorzugen (Kniefigur, Schreiber, Würfelfigur). Die Armhaltung der Statue (2.8.2:) tritt seitenverkehrt auch in der Statue des ra-Htp aus Medum auf (3.1.1:), die als eine Grabstatue anzusehen ist, auch wenn ihr ursprünglicher Aufstellungsort unbekannt ist, s.u.

<89>

Reisner 1936: 256-278

<90>

Quibell 1913:4, pl. I. Bárta 1998: 68-70 nimmt drei Statuen an, die den Grabherrn, seine Gattin und ein Kind darstellen. M.E. wäre eine verdoppelte Standfigur des Grabherrn und eine (kleinere) Statue der Gattin anzunehmen - analog dem Befund bei spA und nj-sj-wa.

<91>

LD I: 38; LD II: 5

<92>

Shoukry 1951: 201-205; Bárta 1998: 73

<93>

Reisner 1937: fig. 158-162

<94>

Shoukry 1951: 297, 309f; Eaton-Krauss 1984: 76

<95>

Die dauernde Manifestation des Toten ist in der gesamten pharaonischen Kultur die (mumifizierte) Leiche selbst (Shoukry 1951: 297-299).

<96>

LD II: 4, 5. Der Grabherr ist im Flachbild auf der Wand vor dem Serdab stehend abgebildet, weil es bei der Darstellung nicht um die Wiedergabe der Zeremonie an der im Serdab befindlichen Sitzfigur geht, sondern um die grundsätzliche Aktivierung des Grabherrn - nicht der Statue - durch Kult. Auch das ist ein Beleg, daß nicht der Kult an der Statue im Zentrum der Handlungen im Scheintürraum steht. Die Statue nimmt an diesen Zeremonien als Medium teil, ist aber nicht der durch die Zeremonien zu aktivierende Grabherr. Siehe auch die anderslautende Deutung bei Shoukry 1951: 271-275, der vorschlägt, in der Darstellung des Grabherrn eine Standfigur zu sehen, die entweder auch im Serdab oder aber im äußeren Bereich der Kapelle aufgestellt war.

<97>

LD II: 5

<98>

Kemp 1967: fig. 2

<99>

Kemp 1967: 28f, fig. 3; siehe auch Bárta 1998. Auch Mastaba S 3030 besaß einen nördlich gelegenen Kultbau, der dem von S 3505 nicht unähnlich ist (Tavares 1989: fig. 2).

<100>

Wood 1977: 20

<101>

Nur die sehr frühe Berliner Sitzfigur (2.7) ist aus Kalkstein. Das Argument, man habe Hartgestein nur für Sitzfiguren verwendet, da größere Blöcke für Standfiguren nicht zur Verfügung standen, ist sicher zutreffend, erklärt aber nicht, warum in Periode II kaum Sitzfiguren auch zusätzlich aus Holz bzw. Kalkstein angefertigt wurden.

<102>

Harvey 1999: 360 verweist auf dieses Phänomen und stellt fest, daß Holzfiguren meißt den aktiven Grabherrn vorstellen, hölzerne Sitzfiguren hingegen extrem selten sind.

<103>

Stadelmann 1995: 156

<104>

Wildung 1985: 20f verweist in diesem Zusammenhang darauf, daß die Kniefigur als Darstellungsform mit dem Index der "Unterordnung / Demut" immer auch einen Adressaten / Gegenüber voraussetzt.

<105>

Die Zuschreibung der Statuen einer oder zwei Personen mit Namen anx (2.8; 2.9) an Mastabas in Bet Khallaf ist nicht gesichert.


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Wed May 2 14:17:41 2001