Fitzenreiter, Martin: Statue und Kult Eine Studie der funerären Praxis an nichtköniglichen Grabanlagen der Residenz im Alten Reich

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Teil II - Statuentypen des hohen und späten Alten Reiches

1. Der Übergang von Periode III zu Periode IV funerärer Praxis der Residenz ist u.a. durch die Einführung ganz neuer Typen rundbildlicher Darstellungen des Grabherrn, aber auch von anderen Personen geprägt. Im folgenden Teil werden die neuen Statuentypen im einzelnen besprochen. Es wird versucht, von der Ikonographie der Statue, ihrer eventuell rekonstruierbaren Aufstellung und weiteren Hinweisen auf die Bedeutung des jeweiligen Statuentyps in der funerären Kultur zu schließen. Ziel ist es, die Vokabel "Statuentyp" im kulturellen Kontext "lesbar" zu machen. Einige der hier behandelten Statuentypen spielten in Periode III funerärer Praxis bereits eine Rolle (Ersatzköpfe) bzw. wurden in der späten Periode III entwickelt, erleben den Höhepunkt ihres Gebrauchs aber in Periode IV (Schreiberfigur, Standfigur mit Vorbauschurz, Gruppenfigur). Nicht gesondert eingegangen wird in diesem Zusammenhang auf die Statuentypen Sitzfigur und Standfigur, deren Indizierung und Funktion bereits im ersten Teil besprochen wurden.

2. Deutliche Veränderungen sowohl in der Ikonographie der im funerären Zusammenhang verwendeten Statuen, als auch ihrer Aufstellung, kennzeichnen auch den Übergang von Periode IV zu Periode V funerärer Praxis der Residenz. Besonders am Gebrauch der Dienerfiguren läßt sich diese Entwicklung nachvollziehen. Die Weiterentwicklung kultureller Ausdrucksformen der Periode V funerärer Praxis der Residenz im späten AR und der 1. ZZ sowie deren lokale Weiterentwicklung in den Zentren der Provinz werden nicht in die Betrachtung einbezogen. Wird sich auf die memphitische Variante dieser Stufe funerärer Praxis bezogen, so wird sie als Periode VI bezeichnet.

Kapitel 6. "Ersatzköpfe" und Büsten

(Tab. 4)

6.1 "Ersatzköpfe"<184>

6.1.1 Auftreten und Formen

1. Die allgemein als "Ersatzköpfe"<185> bezeichneten Skulpturen stellen lebensgroße menschliche


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Köpfe dar. Kleinere Exemplare (4.35) sind eher als abgebrochene Statuenköpfe anzusehen<186>. Das Material ist meist Kalkstein; zwei Exemplare aus Nilschlamm (4.7; 4.25) sind bekannt. Zwei jüngere Exemplare bestehen aus einer Gipsschale mit Kern und sind wohl in einer Negativform im Schwenkverfahren gegossen worden (4.33; 4.34)<187>. Reste von Farbe lassen wenigstens die teilweise Fassung einiger der Köpfe vermuten (4.2; 4.17; 4.20; 4.21; 4.23). Die Standfläche am Hals ist glatt und gerade gearbeitet, so daß die Köpfe in der vorliegenden Form als vollständig und nicht zu einem weiteren Statuenteil o.ä. gehörig anzusehen sind.

Die Lebensgröße hebt die Ersatzköpfe von der üblichen Statuenproduktion der vorhergehenden 3. Dynastie und auch der Masse der Statuen der 5. und 6. Dynastie ab. Sie sind formal nur den lebensgroßen Statuen der Periode III vergleichbar, sowie der Büste des anx-HA=f - und dem konserviertem Leichnam.

2. Eine genauere Zuschreibung der Köpfe zu bestimmten Personen ist nur durch die Fundumstände möglich, d.h. wenn sie sicher dem Grab einer bekannten Persönlichkeit zugeordnet werden können. Die Köpfe selbst tragen keine Inschriften, auch wurden in ihrer Umgebung keine derartigen, die Identität festschreibenden Hinweise gefunden. Dafür zeichnen sich die Köpfe durch nicht-standardisierte Gesichtszüge und Kopfformen aus, die sie untereinander unterscheidbar machen und sie auch von anderen, idealisierten Statuenköpfen einigermaßen sicher trennen lassen. Die Konkretisierung der dargestellten Person erfolgte offensichtlich über Gesichtszüge und Kopfform; es handelt sich also um Porträts<188>.

Einige Köpfe aus den Cheopsfriedhöfen weisen die relativ hart modellierten Gesichtselemente (Mund, Wangenknochen, Stirn und Augen) auf, die aus der Plastik des Djedefre (bereits Cheops?) bekannt sind, andere die vollere Modellierung der Wangen, wie sie ab Chefren üblich wird. Die Gestaltung der Augenbrauen ist als stilistisches Datierungskriterium problematisch<189>, dennoch sind tendenziell die Köpfe, bei denen die Augenbrauen nicht plastisch aufgesetzt sind und solche, bei denen nur die untere Brauenkante markiert ist, früher anzusetzen, als solche Köpfe, die gänzlich plastisch ausgebildete Brauen zeigen. Die Köpfe vom Central Field in Giza und aus Abusir (4.33; 4.34), auch der vom Steindorff-Cemetery (4.28), alle aus der Zeit vom Ende der 4. / Anfang der 5. Dynastie, nehmen die weichere und volle Gesichtsmodellierung und die leicht blasenartige


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Hinterkopfform auf, die in kontemporären Flachbildern ebenfalls zu beobachten ist, zeigen aber ebenfalls nicht-standardisierte Eigenheiten. Die Köpfe besitzen also Elemente des "Zeitgesichts", die in individueller Weise zu einem plastischen Ganzen kombiniert werden.

3. Ersatzköpfe stammen vor allem von den Friedhöfen des Giza-Plateaus - und zwar aus allen großen Kernfriedhöfen G 2400, G 2100, G 4000, Cemetery én echelon und G 7000 - und werden in die Regierungszeit des Cheops und seiner unmittelbaren Nachfolger datiert. Wenigstens ein Kopf aus Abusir (4.34) kann in den Anfang der 5. Dynastie gesetzt werden. Ob der Kopf Dahschur (4.1) schon aus der Zeit des Snofru stammt, ist unsicher; funktional steht dieser Kopf durch die von vornherein fehlenden Ohren den etwas späteren Köpfen nahe (s.u.) und auch stilistisch ist die rundliche Gesichtsmodellierung und der blasenartige Hinterkopf eher für die späte 4./ frühe 5. Dynastie typisch<190>.

4. Eine besondere Eigenschaft der Ersatzköpfe - und darauf hat R. Tefnin nachdrücklich verwiesen - ist, daß an fast allen Spuren nachträglicher Manipulationen feststellbar sind. Diese Manipulationen, die wohl nach der plastischen Fertigstellung der Köpfe in recht roher Weise vorgenommen wurden, sind vor allem:

  1. Die teilweise oder vollständige Abarbeitung der Ohren an solchen Exemplaren, die nicht von vornherein ohne Ohren gearbeitet wurden. Bei einem Teil der Köpfe waren die Ohren abnehmbar bzw. ansetzbar gefertigt, wie Bohrungen und Funde von Einzelohren nahelegen. Die ältesten Exemplare scheinen alle mit Ohren hergestellt worden zu sein, die man z.T unbeschädigt lies, z.T. aber teilweise oder ganz abarbeitete; jünger scheinen die Exemplare zu sein (vom Ende der 4. Dynastie und dem Anfang der 5. Dynastie), die mit abnehmbaren / ansetzbaren Ohren bzw. ohne Ohren gearbeitet wurden.
  2. Der Haaransatz wurde durch Ritzungen, oft mehrmals, nachgezogen. Dabei wurden auch Frisuren stärker akzentuiert, so die Kotletten vor den Ohren oder ein Mittelscheitel. In der ursprünglichen Fassung der frühen Köpfe ist der Haaransatz oft nur leicht an der Stirn angedeutet, spätere Exemplare zeigen von vornherein deutlicher akzentuierte, umlaufende Haaransätze.
  3. Vom Scheitel über den Hinterkopf bis zum Nacken wurde eine oft tiefe Kerbe mit einem groben bis spitzen Werkzeug gezogen. Diese Kerbe ist in der Vorderansicht nicht sichtbar.
  4. Am Hals, nahe der Standfläche, finden sich eine bis mehrere um den Hals laufende Ritzungen bzw. Kerben.
  5. Weitere Beschädigungen und Reste von Stuckbearbeitung treten unregelmäßig auf, so daß es sich bei den damit zusammenhängenden Manipulationen wohl um Einzelfälle handelte, die nur bedingt mit der primären Funktion der Ersatzköpfe in Zusammenhang stehen.


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6.1.2 Interpretation

1. Schon vor der umfassenden Untersuchung von R. Tefnin standen die Bearbeitungsspuren im Zentrum der Bemühungen, die Funktion der Köpfe zu erklären. Die bisher vorgelegten Deutungen lassen sich zwei Gruppen zuweisen. Die eine Gruppen geht davon aus, daß diese Spuren die Folge technischer Vorgänge sind, die im Zusammenhang mit einem Herstellungsprozeß stehen - also vor der Nutzung der Köpfe im funerären Kult entstanden und somit für die Erklärung der Funktion dieser Köpfe in einem rituellen Zusammenhang bedeutungslos sind. So gehen A. L. Kelley und N. B. Millet davon aus, daß die Spuren bei der Abnahme des Negativs für eine Gipsmaske entstanden sind, die das Gesicht der Leiche bedecken soll<191>. Nach Millet sind die Köpfe allgemein Bildhauermodelle für Repräsentationen im Rund- und Flachbild<192>. P. Lacovara nimmt an, die Spuren sind Vorritzungen der Bildhauer beim Herstellungsprozeß ("sculptur's guidelines"), den Vorzeichnungen der Reliefs vergleichbar, die am fertigen Objekt durch Kaschierung unsichtbar waren<193>.

Die zweite Gruppe - und der schließt sich auch der folgende Deutungsversuch an - geht davon aus, daß es Spuren einer (magischen) Nutzung dieser Köpfe sind, daß sie also während des rituellen Gebrauchs entstanden und Aufschluß über die Funktion dieser Objekte im Kult geben. Tefnin nimmt an, daß durch eine symbolische Köpfung, Aufbrechen des Schädels und Abschlagen der Ohren im Moment der Bestattung der Tote unfähig gemacht wurde, den Lebenden zu schaden<194>. H. Schmidt, schlägt vor, daß das Abschlagen der Ohren den Zweck hatte, dem Toten die Möglichkeit zu nehmen, dem Ruf des pr.t-xrw zu folgen<195>. Als eine weitere Möglichkeit erwägt C. Roehrig, daß die Beschädigung der Köpfe durch Grabräuber erfolgte, die sich der Verfolgung durch den Toten magisch entziehen wollten<196>.

2. Daß die regelmäßig auftretenden Manipulationen auf eine Nutzung der Köpfe im Rahmen von Zeremonien hindeuten und nicht als Spuren von technischen Prozessen zu deuten sind, hat Tefnin überzeugend dargelegt. Es wurden keine Belege für Gesichtsmaken gefunden, die von einem als


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Modell oder Matritze dienenden Ersatzkopf abgenommen worden sein könnten<197>. Die unregelmäßig auftretenden Veränderungen an einigen Köpfen sind als Spuren technischer Prozesse wie Überarbeitung und Nachbesserungen anzusehen (4.26; 4.36); das auf die systematischen Bearbeitungsspuren zu übertragen, ist aber nicht einsichtig. Wären die regelmäßig auftretenden Spuren Folgen des Herstellungsprozesses von Statuen überhaupt (Hilfslinien), müßte man solche Spuren auch regelmäßig an anderen Bildwerken aus Kalkstein beobachten können, was nicht der Fall ist.

Da aber, abgesehen von den Ohren, keine Sinnesorgane der Köpfe beschädigt wurden, ist auch die von Tefnin vorgeschlagene Deutung der Manipulationen unwahrscheinlich, der sie als eine magische Beeinträchtigung des Verstorbenen zum Schutz der Lebenden interpretiert, vorgenommen kurz vor Verschluß der Sargkammer (oder beim nachträglichen Grabraub). Das gänzliche Fehlen der Ohren bei den sicher jüngeren Köpfen (4.33; 4.34) legt nahe, daß einige Zeit nach der Einführung der Zeremonien am Ersatzkopf aus praktischen Gründen auf die Skulptierung der Ohren verzichtet wurde, da sie bei einem bestimmten Kultvollzug störend wirkten. Mit den fehlenden Ohren entfällt aber auch die Voraussetzung, dem Toten durch Zerschlagen der Ohren des Abbildes die Höhrfähigkeit nehmen zu können. Offensichtlich waren die Ohren aber in einigen Fällen montierbar, wie Bohrungen (4.14; 4.26) und Funde von Einzelohren nahelegen (4.4; 4.5; 4.6; 4.13; 4.16). Man legte bei jüngeren Exemplaren Wert auf eine zerstörungsfreie Abnahme oder Montage der Ohren. Das läßt es ebenfalls unwahrscheinlich erscheinen, daß eine magische Beeinträchtigung der Höhrfähigkeit Ziel der Handlungen war.

3. Die meisten Manipulationen - Abarbeiten bzw. Abnehmen der Ohren, Markierung des Haaransatzes und Kerbe am Hinterkopf - stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem hinteren Kopfteil und nicht primär mit den Sinnesorganen, denn Augen, Nase und Mund sind in der Regel nicht intentionell beschädigt. Es ist vielmehr denkbar, daß die Manipulationen in Zusammenhang mit einer nachträglichen bzw. zeitweisen Bedeckung des Hinterschädels stehen. Möglicherweise wurden die Köpfe, die auf eine Wiedergabe von Haar fast ganz verzichten, oft nur den Haaransatz an der Stirn markieren, nachträglich mit Kopfbedeckungen versehen. Eine Klärung der Art der Kopfbedeckung ist aus dem vorliegenden Material nicht zu gewinnen. Für eine Perücke o.ä. können die in einigen Fällen nur im oberen Teil beschädigten Ohren, deren unterer Teil unterhalb der Perücke sichtbar blieb, und die Markierung eines, unter der Perücke dann sichtbaren, Mittelscheitels bei (4.24) sprechen; vergleichbar etwa der Darstellung der Perücke der nfr.t aus Medum (3.1.2:)<198>. Denkbar wäre auch die Bandagierung des gesamten Kopfes, dessen


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Bandagen schließlich durch einen Schnitt über den Hinterkopf (Kerbe) geöffnet wurden<199>. Wahrscheinlich stammen die Manipulationsspuren auch aus unterschiedlichen bzw. mehrmals durchgeführten Zeremonien. Die Kerben am Hals sind nicht recht deutbar, sie könnten Hilfen bei der zeitweisen Fixierung der Köpfe mit einer Schnur o.ä. gewesen sein.

4. Der letzte Aufbewahrungsort der Köpfe war die Sargkammer oder der Zugang zur Sargkammer. H. Junker hat eine in einer Art Serdab vermauerte Aufstellung der Köpfe im Zugang vom Schacht zur Sargkammer rekonstruiert<200>; möglich ist auch die Aufstellung bei oder auf dem Sarg<201>. In einer derartigen Aufstellung sind Zeremonien am Kopf nach Verschluß der Sargkammer nicht mehr möglich. Als Hypothesen können aufgestellt werden:

  1. Zeremonien am Ersatzkopf fanden während der Zeit des Bestattungsrituals statt. Nach Abschluß der Überleitungsphase wurde er in der Sargkammer mitbestattet und vermauert.
  2. Der Schacht und der am Zugang zur Sargkammer aufgestellte Ersatzkopf blieben weiterhin im Rahmen regelmäßiger Zeremonien zugänglich. Eine endgültige Verfüllung des Schachtes kann erfolgt sein, als man den Kult am Zugang zur Sargkammer einstellte.
  3. Der Kopf diente ursprünglich dem Kult im Kapellenbereich und wurde erst nach Umgestaltung der Kultstellen in der Sargkammer vermauert.

Die groben Abarbeitungen und die oft mehrmaligen Ritzungen lassen sich durchaus als Anzeichen für eine längere und häufigere Nutzung der Köpfe interpretieren, was besonders bei b) und c) der Fall wäre. Die gesicherte Umgestaltung etlicher Kapellen des Westfriedhofes<202>, die wohl erst nach einer Planänderung ausgebauten Kapellen der Prinzenanlagen auf dem Ostfriedhof und auch der Fundort der anx-HA=f-Büste in der Kapelle von G 7510 würden für c) sprechen, wenn man annimmt, daß die Köpfe ursprünglich wie die Büste im oberirdischen Kultbereich aufgestellt waren. Dennoch bleibt bis auf weiteres die Annahme a) am wahrscheinlichsten, die eine Behandlung der Köpfe in den Zeitraum der Bestattung im weiteren Sinne setzt, also nicht auf die bloße Leichenbestattung beschränkt, sondern den Abschluß der eventuell sehr lange dauernden Überleitung in eine jenseitige Erscheinungsform einschließend<203>.

5. Der Ersatzkopf und die damit verbundenen Zeremonien erlebten in Periode III.b ihre Blüte. Da


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die Datierung des Kopfes aus Dahschur in die Zeit des Snofru aus stilistischen Gründen und durch das Fehlen der Ohren unwahrscheinlich ist, ist die Einführung des Ersatzkopfes erst ab der Begründung des Giza-Friedhofes unter Cheops gesichert. Sie liegt damit zeitlich nach der Einführung naturalistischer Statuen unter Snofru. Ob die Verwendung von lebensechten Statuen durch die Einführung der Ersatzköpfe unterbrochen wurde, oder ob die Verwendung von Ersatzköpfen und / oder Statuen zur gleichen Zeit ununterbrochen möglich waren, ist nicht feststellbar. Es wurden in keinem der Gräber, die Ersatzköpfe enthielten, Spuren von anderen Statuen gefunden. Andererseits ist gesichert, daß zur Regierungszeit des Cheops und der anderen Herrscher der späten 4. / frühen 5. Dynastie Statuen im funerären Bereich Verwendung fanden, zur selben Zeit aber auch Ersatzköpfe auftreten (3.3-6). Wenn überhaupt, hatte sich die ausschließliche Nutzung von Ersatzköpfen nur kurze Zeit behaupten können.

Eine gewisse zeitliche Parallelität besteht zwischen dem Auftreten der Ersatzköpfe und der Einführung der Kultstellen, die auf Scheintüren verzichten und die Kultstelle nur durch eine Speisetisch-Tafel markieren. Anlagen wie die des nfr, in der ein Ersatzkopf (4.3) gefunden wurde, sind aber bereits mit einem Scheintür-Raum (NS:L:1s) ausgestattet, wie er am Ostfriedhof für Anlagen belegt ist, die sicher mit Statuen ausgestattet waren (z.B. die des kA-wab, G 7120; 3.5).

6. Ersatzköpfen blieben höchstens bis in die frühe 5. Dynastie in Gebrauch. Durch Weglassung bzw. Abnehmbarkeit der Ohren und stärkerer Akzentuierung des Haaransatzes wurden die Köpfe allmählich den praktischen Erfordernissen besser anpaßte. Eine Bedeckung des Kopfes war bei Abnehmbarkeit der Ohren leichter möglich, wodurch deren Beschädigung vermieden werden konnte. Die Markierung des Haaransatzes machte das Nachritzen unnötig. Man kann also davon ausgehen, daß die Weiterentwicklung der Köpfe gerade darauf zielte, unnötige "Verletzungen" des Gesichtes im Rahmen der mechanischen Zeremonien zu vermeiden, die an den Köpfen durchgeführt wurden.

Kurz darauf endet die Praxis des Ersatzkopfgebrauches. Es läßt sich innerhalb dieser kurzen Periode eine gewisse Konventionalisierung feststellen, die vom naturalistischen Abbild zu einem ohrenlosen, stärker formalisiertem Kultgegenstand führt. Es ist für die Periodisierung der funerären Praxis sehr kennzeichnend, daß der Ersatzkopfgebrauch, der für die Periode III.b charakteristisch ist, auch noch parallel zu Gebräuchen der Periode IV auftritt. Die etwas eigenartigen Exemplare (4.37; 4.38) können sogar andeuten, daß Zeremonien an Ersatzköpfen in einigen Fällen noch länger in Gebrauch blieben. Zeugnisse, die auf eine bestimmte Periode funerärer Praxis deuten, sind also kein absolutes Datierungskriterium, sondern Belege der Dynamik funerärer Kultur.

7. Der Anstoß für die Herstellung von Ersatzköpfen kann im Zusammenhang mit der Tendenz der Periode III gesehen werden, den Toten als konkretes Individuum in seinem Grabbau zu lokalisieren. Im Grab wurde er nur noch durch seine mumifizierte Leiche manifestiert und auf Statuen im Bereich der eigentlichen Grabanlage wurde ganz verzichtet. Allerdings war aber für den Zeitraum der Bestattung, in der der Leichnam noch nicht in eine dauerhafte Erscheinungsform des


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Toten überführt war, offenbar ein Abbild des Toten notwendig. Vorstellbar ist, daß dieses Abbild mit einem porträthaften Kopf versehen wurde, an dem man eine Reihe von Zeremonien durchführte. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wurde der Kopf dann mit in der Sargkammer vermauert. Die im Central Field von Giza und in Abusir im Zusammenhang mit dem Kopf gefundenen Werkzeuge und Teile von Nahrungsmitteln und Geschirr deuten darauf hin, daß der Kopf u. a. die Fähigkeit des Toten sichern soll, an seiner Aufenthaltstätte Nahrung aufzunehmen. Die Funde der Werkzeuge machen die Annahme Tefnins wahrscheinlich, daß wenigstens ein Teil der recht groben Manipulationen in der engen und schlecht beleuchteten Sargkammer durchgeführt wurde.

8. Offenbar geht die Einführung von Gipsüberzügen bzw. von Gipsmasken auf Mumien mit dem Ende des Gebrauchs von Ersatköpfen parallel<204>. Indem die Leiche gänzlich zu einem manipulierbaren "Bild" des Toten geformt wurde, erübrigte sich wohl der Gebrauch eines separaten Kopfes im Zuge der Bestattung. Diese den Übergang von Periode III zu Periode IV markierende Entwicklung geht darüber hinaus parallel zur erstmaligen Darstellung von Zeremonien an einer Statue, die im Zusammenhang der Bestattung stattfinden (s.u. Kap. 21.). Für den Gebrauch von Ersatzköpfen ist das insofern interessant, als sich daran ablesen läßt, daß während der Bestattung tatsächlich ein Bild des Toten - seit Periode IV eine Statue in einem Schrein - eine Rolle spielt. Ein Objekt mit dem Ersatzkopf kann der Vorläufer dieser Statue gewesen sein. Während die bei der Bestattung behandelte Statue aber den Toten im Rahmen regelmäßiger Kulthandlungen weiterhin darstellen soll und eventuell als Schreinfigur im oberirdischen Bereich genutzt wird, wurde der Ersatzkopf nach Abschluß der Überleitungsphase in der Sargkammer vermauert und so der Leiche als einzige Manifestation des Toten beigeordnet. Ersatzköpfe sind also Teile der Ausstattung der Sargkammer und, mit Abschluß des Bestattungsrituals, kein Teil der diesseitigen, oberirdischen Kultausrüstung mehr. So ist der Ersatzkopf vor allem der Vorläufer der in der Art eines menschlichen Kopfes gestalteten Kopfpartie der Mumie bzw. der zu einem Kultgegenstand geformten Leiche überhaupt<205>.

6.2 Büsten<206>


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1. In die Periode III, als die Verwendung der Ersatzköpfe ihren Höhepunkt hatte, läßt sich auch die berühmte Büste des anx-HA=f einordnen (4.39). Sie wurde nicht, wie die Ersatzköpfe, im Bereich des Schachtes oder der Sargkammer gefunden, sondern in der oberirdischen Kapelle. Außerdem besaß anx-HA=f offenbar ein größeres Statuenensemble, zu dem u.a. eine Schreiberfigur gehört, was charakteristisch für Periode III.c ist.

Formal haben die Ersatzköpfe und die Büste des anx-HA=f einige Gemeinsamkeiten: Sie stellen die Person in Lebensgröße und auf naturalistische Weise ohne Perücke und mit Andeutung des natürlichen Haares dar, jedoch nicht vollständig, sondern auf den Kopfteil beschränkt. Bei anx-HA=f fehlen die Ohren, wie auch bei einigen Ersatzköpfen. Im Gegensatz zu den Ersatzköpfen ist die Büste rotbraun bemalt, in der konventionellen "Männerfarbe". Es fehlen die an den Köpfen auftretenden Kerben am Hinterkopf, am Hals und am Haaransatz. Besonders die Beschränkung auf den Kopfteil, die fehlende Perücke, die fehlenden, eventuell montierbaren Ohren und die naturalistische Gestaltung legen aber nahe, daß prinzipiell Ersatzköpfe und Büste zu einer funktionalen Gruppe von Kultfiguren gehören. Daß die Ohren der Büste fehlen, ist in Analogie zu den Ersatzköpfen ein Indiz für eine etwas jüngere Entstehung. Da aber andere Nutzungsspuren, besonders die Kerbe am Hinterkopf, fehlen, muß das Ritual an der Büste etwas anders verlaufen sein, als das an den Ersatzköpfen. Insbesondere die grobe Behandlung des Hinterkopfes - eventuell im Dunkel der Sargkammer - wurde an der Büste nicht vollzogen. Alle Voraussetzungen, um die Büste mit einer (wechselnden?) Kopfbedeckung zu versehen, sind aber gegeben.

2. Der genaue Aufstellungsort der Büste ist unbekannt. Wenn sie, was als eine Möglichkeit angegeben wird, im West-Serdab der Anlage vermauert war, so ist die Aufstellung in gewisser Weise der der Vermauerung der Ersatzköpfe in der Sargkammer analog. Die Kapellen der Gräber mit Ersatzköpfen besitzen keinen Serdab; die Ersatzköpfe wurden nach Abschluß der Bestattung mit der Leiche vereint beigesetzt. Die Büste des anx-HA=f hingegen fand nach dieser Aufstellungsvariante ihren Platz in einem West-Serdab, in dem in derselben Periode - bei Hm-jwnw - auch eine lebensechte Statue ihren Platz hatte. Der West-Serdab der Periode III.c erweist sich so gesehen als ein Ort, der die Sargkammer mit dem Toten symbolisiert. Er bedient das Bedürfnis, den Toten auch oberirdisch anwesend sein zu lassen, aber nicht nur symbolisch, mittels einer kleinen magischen Figur, sondern in Form eines naturalistischen Abbildes des "wirklichen" Toten in seinem Grab, in einer symbolischen Sargkammer (dem West-Serdab). Folgt man dieser Interpretation, war die naturalistische Büste des anx-HA=f zuerst das Medium von Überleitungszeremonien entsprechend den an den Ersatzköpfen vollzogenen; übernahm anschließend im West-Serdab aber die Rolle der naturalistischen Figur, vergleichbar der des Hm-jwnw.

3. Ein Beweis für diese Interpretation gibt es, abgesehen von der Plazierung der beiden im folgenden besprochenen Belege (4.40; 4.41) ebenfalls in unmittelbarem Zusammenhang mit der Scheintürkultstelle, nicht. Von den Ausgräbern wird als weitere Möglichkeit genannt, daß die Büste


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in einem der vorderen Räume der Kapelle aufgestellt war, etwa in Analogie zu einer angenommenen ersten Aufstellung der Statuen des ra-Htp und der nfr.t vor ihrer Vermauerung. Leider ist der Fundort und die Plattform, vor der die Büste angeblich gefunden wurde, auf den veröffentlichten Plänen nicht markiert. Eine solche Aufstellung würde andeuten, daß die Büste ihre Funktion vor allem in einem Kultplatz unabhängig von der Gabstelle hat.

4. Zwei sehr viel jüngere Anlagen aus der Übergangszeit von Periode IV zu Periode V besitzen Bildwerke, die der Büste des anx-HA=f nicht unähnlich sind. Die Scheintür im Grab des nfr-sSm-ptH am Teti-Friedhof in Saqqara ist mit zwei männlichen Standfiguren im Hochrelief zu beiden Seiten des Scheintürdurchganges versehen (4.40). Über der Tür, an Stelle der Speisetischtafel, befindet sich die Büste des Grabherrn, der keine Perücke trägt. Nicht viel später entstand die Halbfigur im unteren Teil der Scheintür im Grab des jdw in Giza (4.41). Auch hier trägt der Grabherr keine Perücke, aber die Büste besitzt Arme, die vor ihr auf dem Boden liegen, die geöffneten Handflächen nach oben<207>. Der Grabherr ist fett dargestellt, im Gegensatz zu den idealen Standfiguren an der gegenüberliegenden Westwand.

5. Festzuhalten an den beiden Beispielen ist, daß die Büste bzw. Halbfigur im Gegensatz zu den Standfiguren ohne Perücke und, bei jdw sichtbar, nicht-athlethischer Körperform auftreten. Auch wenn eine Verallgemeinerung bei so wenig Belegen kaum möglich ist, so stellen diese beiden Rundbilder m. E. die ortsfeste Reproduktion eines sonst nur in der Büste des anx-HA=f belegten Statuentyps dar. Die Büsten sind in den beiden Gräbern so angebracht, daß sie den direkten Empfang des Opfers durch den Toten bzw. die tatsächliche Anwesenheit des Toten beim Opfer anzeigen: Die Büste des nfr-sSm-ptH befindet sich am Ort der Speisetischtafel, jdw öffnet die Hände in Richtung der großen Opfertafel vor der Scheintür. Charakteristischer Weise sind die Handflächen der Halbfigur nach oben gekehrt, und nicht, wie bei dem Bild des Grabherrn am Speisetisch, nach unten; jdw greift nicht "aus dem Grab" nach den Gaben, sondern er empfängt sie. Auch das setzt Anwesenheit voraus. Die fehlende Perücke und die Korpulenz verweist auf die Statue des Hm-jwnw, die wie die zwei jüngeren Büsten im "Westen" der Scheintür aufgestellt war. Zugleich sind Barhäuptigkeit und Dickleibigkeit Metaphern, die im Zuge der Formalisierung in Periode IV solchen Darstellungen zukommen, die bei der Affirmation der Fähigkeit eines konkreten Grabherrn genutzt werden, als Teil seiner sozialen Gruppe weiterhin unter den Lebenden anwesend zu sein (s.u. Kap. 8.2.). So ersetzen die beiden Büstenbelege der Periode V auch nicht die Affirmation der Versorgtheit des Grabherrn in seinem Grab, wie sie durch die Speisetischtafel geschieht: Bei jdw ist der doppelte Grabherr am Speisetisch oben in der Scheintür dargestellt, bei nfr-sSm-ptH tragen beide Seitenwände der Kammer die entsprechende Speisetisch-Ikone. Dort wird der Grabherr jeweils in idealer Gestalt, mit Perücke abgebildet. Die Büste hat also eine andere Funktion, als die der Sitzfigur vom Speisetisch-Typ, die den Grabherrn als ideale Person in


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thronender Position mit zum Speisen ausgestreckter Hand zeigt.

6. Zur Deutung der wenigen Belege ist wichtig festzuhalten, daß die Büste solchen Bildwerken ähnlich ist, die den Toten naturalistisch, oft in Lebensgröße und ohne Kopfbedeckung zeigen. So affirmieren sie in besonderer Weise die Anwesenheit der toten Person am Ort des Kultes. Die Funktion einer Büste oder ähnlicher Abbildung ist weniger die Affirmation der "Versorgtheit" - wie im Fall der Sitzfigur am Speisetisch - und der "Handlungsfähigkeit" - wie bei der Standfigur -, sondern der "Anwesenheit" des Grabherrn. Spekulativ muß aufgrund der Fundlage bleiben, ob der Ort des Kultes an derartigen Büsten üblicherweise außerhalb der Grabanlage, etwa den Häusern der Lebenden zu suchen sei. Die drei Belege zeigen immerhin an, daß die Büste bereits im AR eine Rolle im funerären Kult der Periode III bis in die Periode V spielte. Belege für den Kult an Büsten im privaten Bereich und im Bestattungszeitraum sind dann vor allem aus dem NR bekannt<208>.

6.3 "Ersatzköpfe" und Büsten - Zusammenfassung

1. Ersatzköpfe stellen eine Sonderform rundplastischer Darstellungen des Grabherrn dar, die nur von der hohen 4. bis zur frühen 5. Dynastie belegt ist. Der Gebrauch von Ersatzköpfen ist charakteristisch für die Periode III.b funerärer Praxis der Residenz. Dabei wird offenbar auf die Darstellung des Toten am Grab durch andere Rundbilder verzichtet.

2. Der praktische Gebrauch der Ersatzköpfe scheint sich auf den Zeitraum der Bestattung zu beschränken. In diesem Zeitraum wurden mechanische Manipulationen am Ersatzkopf vorgenommen, die besonders mit dem hinteren Kopfteil in Zusammenhang stehen. Am Ende der Bestattung wurde der Ersatzkopf mit der Leiche und den Grabbeigaben vermauert und war keiner weiteren kultischen Behandlung mehr zugänglich.

3. Die Einführung und Verwendung von Ersatzköpfen ist im Zusammenhang mit dem Bemühen der Periode III zu sehen, im funerären Kult auf symbolische Elemente zu verzichten und dafür die konkrete und individuelle Erscheinungsform des Toten in den Mittelpunkt kultischer Aktivität zu rücken. Sowohl die naturalistische Gestaltung und vor allem die abschließende Vermauerung in der Sargkammer zeigt, daß die Köpfe als konkrete Manifestation, in gewissem Sinne als "Teil" des Toten verstanden wurden.


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4. Die Besonderheit, ein Objekt zu sein, das im Rahmen der Bestattung behandelt wird, haben die Ersatzköpfe mit einer etwas jüngeren Statue gemein, die als Objekt des Bestattungsrituals ab Periode IV.a belegt ist. Die Eigenschaft der Ersatzköpfe, den Toten naturalistisch abzubilden und als ein "Teil" von ihm mit in der Sargkammer bestattet zu werden, wird ebenfalls in Periode III.c/IV.a von der Mumie in der Art der Gips- oder Leinenmumie übernommen. Der mit den Ersatzköpfen erstmals manifeste enge Bezug von Leichenbehandlung / Mumifizierung und rundplastischer Abbildung des Toten wird in Periode IV also fortgesetzt und weiterentwickelt.

5. Nur drei Belege einer Darstellung des Toten in Form einer Büste sind aus der Residenz im AR erhalten. Die ikonographische Gestaltung dieser Büsten zeigt Bezüge sowohl zu den Ersatzköpfen, als auch zu anderen naturalistischen Bildwerken der Periode III. Eine systematische Verwendung von Büsten im funerären Kult am Grab scheint es im AR nicht gegeben zu haben. Denkbar ist aber, daß die Büste bzw. büstenartige Rundbilder schon im AR Objekte waren, die den Verstorbenen außerhalb der eigentlichen Grabanlage im Kult abbilden konnten.


Fußnoten:

<184>

Shoukry 1951: 45-52; Tefnin 1991

<185>

Der von Junge 1995: 103 genutzte Begriff ist "Kopfbüste"; allerdings impliziert das Wort „Büste“ ein Bruststück. Shoukry 1951: 52 schlägt, gemäß seiner Interpretation der Grabstatue als einen Anhaltspunkt für die Seele, die den Toten sucht und in der Statue erkennen soll, den Begriff "Seelenweiserkopf" vor.

<186>

Auch bei dem von Z. Hawass veröffentlichten Kopf vom Friedhof GSE in Giza wird es sich um ein Statuenbruchstück, und nicht um einen Ersatzkopf handeln (Hawass 1995: 97f).

<187>

Das von Wildung 1998: 415 bei der Diskussion von 4.34 angenommene Verfahren, das eine zweistufige Herstellung von Abguß aus einer Form (= Kern) mit anschließender freier Modellierung über diesem Kern (= äußere Schale) annimmt, erscheint ungewöhnlich. Wahrscheinlicher ist der Abguß einer Hohlform im Schwenkverfahren um die Bildung von Luftblasen an der Oberfläche zu verhindern (= äußere Schale), mit nachträglichem Ausgießen zum Vollguß (= Kern), was etwa modernen Verfahren bei der Herstellung von Gipsabgüssen entspricht. Nur werden Güsse dieser Größe heute eher hohl belassen.

<188>

Assmann 1991: 142

<189>

Smith 1946: 28

<190>

Laut der freundlichen Auskunft von Nicole Alexanian wird die Mastaba No. 5 durch die T-förmige Schachtöffnung sicher in die Regierungszeit des Snofru datiert; ebenso ist das Kraggewölbe der Sargkammer kennzeichnend für Snofru bzw. sehr frühe Cheops-Zeit. Aber auch Junge 1995: 107, Anm. 39, hält aus stilistischen Gründen die Einordnung des Dahschur-Kopfes an den Anfang der Reihe für problematisch. Momentan bleibt als Lösung nur anzunehmen, daß die Bestattung mit diesem Kopf einige Zeit nach der Fertigstellung der Mastaba erfolgte.

<191>

Kelley 1974; Millet 1981

<192>

Millet in: New York 1999: 233f

<193>

Lacovara 1997

<194>

Tefnin 1991: 75-89

<195>

Schmidt 1991: 336, 339f. Dieses wird im Zusammenhang mit dem Fehlen der Bitte um ein pr.t-xrw auf den Speisetischtafeln der frühen Kapellen von Giza gesehen. Ein "Grabluxusgesetz" unter Cheops habe den Gebrauch von Statuen und aller Installationen, die dem Heraustreten des Toten aus dem Grab dienen (auch Scheintüren), verboten. Die pr.t-xrw-Bitte ist jedoch auf Scheintüren oder Speisetischtafeln der Periode II.b noch nicht üblich und wird erst in Periode IV.b endgültig mit der Scheintür verbunden; siehe Kap. 22.2.

<196>

Roehrig 1999: 79

<197>

Tacke 1996: 315

<198>

Siehe die Abb. in Lange / M. Hirmer 1967/1985: Taf. 22, II. Daß bei Frauen ein Ansatz des natürlichen Haares unter der Perücke sichtbar ist, wird von Cherpion 1998 als typisches Kriterium der Datierung von Statuen in die 4. Dyn. angeführt, was dem Auftreten der Ersatzköpfe entspricht.

<199>

Eine solche, hier völlig spekulativ angenommene Zeremonie kann mit der sehr viel jüngeren Vorstellung verbunden werden, der Tote werfe nach erfolgreicher passage die Mumienbinden ab (Hornung 1983: 169f).

<200>

Junker Giza I: Abb. 4

<201>

Siehe die Lage des Kopfes 4.33, der in einem ungestörten, aber durch Wassereinbruch verworfenen Zusammenhang vor dem Sarg, inmitten von z.T. zerscherbter Keramik und Werkzeugen auf der Seite liegend gefunden wurde (Hassan Giza VII: pl. II.C, V.A). Ähnlich die Lage des Kopfes des kA-Htp (4.34) inmitten von Teilen der Beigaben am Sarg (Borchardt1907: 133). Allerdings handelt es sich in beiden Fällen um späte Exemplare; bei der Dynamik funerärer Praxis in Periode III kann von ihnen nicht ohne weiteres auf die früheren Fälle geschlossen werden.

<202>

Erkennbar u.a. in der Umgestaltung des Platzes mit der Speisetischtafel: G 1201 (Tafel vermauert), G 1221, G 1223 (Reisner Giza I: Map of Cemetry 1200), G 4150 (jwnw, Tafel vermauert; Junker Giza I: Abb. 29).

<203>

Ein Beleg für die Dauer einer Bestattung aus dem AR ist die Inschrift am Zugang zur Felskapelle der mr=s-anx III. (BGM 1: 8, fig. 2), die eine Spanne von 273 oder 274 Tagen angibt.

<204>

Tacke 1996: 313

<205>

Rückschließend aus dieser Weiterentwicklung des Ersatzkopfes zur mumifizieren Leiche kann vorgeschlagen werden, daß der Ersatzkopf im Zeitraum der Leichenbehandlung Teil einer Installation war, in der die Personalität des Verstorbenen solange bewahrt und behandelt wurde, bis die Manipulationen an der Leiche abgeschlossen waren und diese den Toten gewissermaßen wieder "aufnehmen" konnte. Mit der Einführung des Bestattungsrituals an einer Statue und der davon wiederum inspirierten Behandlung der Leiche wie eine Statue wurde die Verbindung Abbild - Leiche immer enger und ein besonderes Abbild neben der Leiche im Zuge der Bestattung unnötig; siehe Kap. 21.

<206>

Shoukry 1951: 53f

<207>

Diesen Beleg zieht Bolshakov 1994: 15f, fig. 6 heran, um eine ähnliche Aufstellung der Büste des anx-HA=f auf einem Podest mit angearbeiteten Armen zu rekonstruieren. Einen Beweis dafür gibt es nicht.

<208>

Boreux 1932; Kaiser 1990; im Bestattungszeitraum wurde offensichtlich die im Grab beigesetzte "Torso-Büste" des Tutanchamun benutzt. M. E. leitet sich auch der seit dem MR eine Eigenentwicklung erlebende Typ der Würfelfigur von solchen bisher hypothetischen büstenartigen Bildwerken her; siehe dazu Schulz 1992: 747-751, wo auch der mögliche Bezug zu den Ersatzköpfen mit Verweis auf Wildung 1978: Nr. 6 diskutiert wird. Allerdings bleibt die Diskussion auf das Motiv der "Wiedergeburt" fixiert, die mit diesem Statuentyp aber eher erst sekundär im Rahmen kultureller Elaborationen verbunden wurde.


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Wed May 2 13:49:56 2001