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5.  Zusammenfassung

Das Fragestellung dieser Arbeit war die Untersuchung des Rehabilitationsverlaufes und der Gangentwicklung über ein Jahr nach Hüft-TEP-Implantation bei Dysplasiekoxarthrose. Bekannt war, daß trotz erfolgreicher endoprothetischer Behandlung gestörte Gangresiduen persistieren. Neben Faktoren wie dem Kraftdefizit der Hüftabduktoren oder der Verlagerung des Rotationszentrums mit erhöhter Muskelspannung um das Hüftgelenk kommen dafür weiterbestehende motorische Programme in Frage. Es bestand die Annahme, daß im Prozeß der Korrektur gestörter Bewegungsstereotype der Wahrnehmung und Koordination im gestörten Bereich eine entscheidende Rolle zukomme. Ein periartikuläres koordinatives Defizit parallel zur arthroseinduzierten Muskelschwäche gehe einher mit einer eingeschränkten Variationsfähigkeit im Modulieren der Bewegungen mit Gelenkbeteiligung. Dementsprechend nahmen wir an, die Verbesserung der periartikulären Koordination sei der Schlüssel zur allgemeinen Gangverbesserung.

Eine Kohorte von 22 Patienten mit Dysplasiekoxarthrose wurde über ein Jahr nach TEP-Implantation mit stationärer Anschlußheilbehandlung verfolgt. Es wurden Daten erhoben über Gangentwicklung, Wahrnehmung der Hüftbewegung und allgemeine begleitende Faktoren wie Schmerz, Übungsfleiß, Stützenbenutzung, um die Rehabilitation als motorischen Lernprozeß nachvollziehen zu können. Der Gegenstand dieses Entwicklungsprozesses war der Gang. Eine semiquantitative Rating-Skala mit einer maximalen Punktzahl von 50 Punkten wurde entwickelt, um Änderungen des Ganges einschließlich koordinativer Faktoren quantifizieren zu können. In dieser Skala waren neben metrischen Werten wie Geschwindigkeit und Schrittlänge ordinal skalierte Kategorien der Bewegungsskoordination wie Bewegungsfluß und Abrollbewegung enthalten.

Dieser Gangananalyse-Score wurde mit einer Probandengruppe ( Mann-Whitney-Test) und verschiedenen Juroren (Kappa-Wert) validiert. Auch die Bewegungspräzision im Hüftgelenk wurde visuell skaliert. In deskriptiven Statistiken wurde die Verteilung wichtiger Begleitfaktoren ermittelt. Das Verhältnis dieser Faktoren zu Gangentwicklung, Gangharmonie und Bewegungspräzision im Hüftgelenk wurde statistisch mit linearen Regressionsanalysen und der Korrelation nach Pearson untersucht.

Mehrere Aspekte der motorischen Rehabilitation nach TEP-Implantation können als Ergebnisse festgehalten werden. Die angewendete Methode der Ganganalyse mit [Seite 82↓]semiquantitativem Score stellt als Übersichtswert die Gangqualität dar und ist im Rahmen der Untersuchung zur Berechnung der statistischen Verhältnisse zwischen den Bewegungskategorien anwendbar. Im Vergleich mit der Probandengruppe und in der Interrater-Raliability wurden akzeptable Werte erzielt. Die Patienten erzielten signifikante Verbesserungen im Rahmen eines Jahres nach der Operation in den Bereichen Geschwindigkeit, Winkelverhältnisse der gesamten Extremität und Einbeinstand. Auch in der Bewegungspräzision im Hüftgelenk wurden signifikante Verbesserungen erzielt. Es besteht eine Korrelation zwischen der Gangharmonie und der Bewegungspräzision im Hüftgelenk.

Ob das nur ein Epiphänomen gemeinsamer motorischer Programme oder verknüpfte Kategorien motorischer Fertigkeiten sind, ist vorerst nicht zu erklären. Es konnte ein statistisch signifikanter bewegungsmodulierender Einfluß des präoperativen Schmerzes und der Vorerfahrung in übenden Verfahren nachgewiesen werden. Kein Zweifel besteht an der Tatsache, daß Verknüpfungen zwischen der Bewegungswahrnehmung im Hüftgelenk und der Entwicklung des Ganges in der Rehabilitationsphase bestehen. Im Hinblick auf das Verhältnis von rehabilitativem motorischem Lernen, Rehabilitationsprozess mit Wiedererlangung der Funktion und der Überarbeitung kompensatorischer Bewegungsprogramme ist es wichtig, Rehabilitationsziele individuell zu definieren und das Therapieprogramm in eine Beziehung zum erlebten Kontext zu stellen.


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25.05.2004