5 Zusammenfassung

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In dieser Arbeit wurden funktionelle Autoantikörper gegen die Thrombin-Rezeptoren PAR1 und PAR2 und gegen den Endothelin-Rezeptor ET(A) in Seren von Patienten mit Raynaud-Syndrom und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachgewiesen. Am Modell der spontan pulsierenden Ratten-Kardiomyozyten wurden diese Autoantikörper näher charakterisiert. Die positiv chronotropen Effekte der PAR1/2-Autoantikörper wurden durch das inhibitorische Peptid YFLLRN blockiert. Die Spezifität der negativ chronotropen ET(A)-Rezeptor-Autoantikörper wurde durch die antagonistische Wirkung des spezifischen Blockers BQ610 gezeigt.

Die Wirkung von Patienten-IgG-Präparaten mit den oben genannten Autoantikörpern auf weitere Funktionen von Ventrikel-Kardiomyozyten neonataler Ratten; von humanen, glatten Muskelzellen aus Coronararterien (hCASMC); von frisch isolierten, humanen Thrombozyten sowie von Monozyten wurden untersucht. Zum Vergleich wurden die PAR-Agonisten Thrombin und das synthetische, aktivierende Peptid SFLLRN sowie Endothelin-1 verwendet.

Kardiomyozyten reagierten auf Thrombin und das PAR1/2-stimulatorische Peptid SFLLRN positiv und auf Endothelin-1 negativ chronotrop. Endothelin-1 aktivierte die MAPK ERK1/2 in Kardiomyozyten im serumhaltigen System nur leicht, Thrombin dagegen nicht. Eine SFLLRN-Stimulation bewirkte eine transiente Aktivierung. Eine leicht erhöhte Menge der NADPH-Oxidase-Untereinheit p67phox konnte nach 24 h ebenso nur mit dem Peptid SFLLRN erzielt werden. Diese Effekte auf ERK1/2 und p67phox wurden wahrscheinlich über den Rezeptor PAR2 vermittelt.

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Während das therapeutische Immunglobulin-Präparat Endobulin und aufgereinigte ET(A)-Autoantikörper ERK1/2 nicht aktivierten, bewirkten IgG-Präparate mit PAR-Autoantikörpern und der PAR2-Autoantikörper aus Kaninchen eine ähnliche Aktivierung wie SFLLRN. Das Kontroll-IgG induzierte eine starke Aktivierung von ERK1/2. Die Coinkubation mit IL-1β, nicht aber mit IL-6 oder LPS, erhöhte die Phosphorylierung von ERK1/2 in allen Fällen. IL-1β und LPS aktivierten auch allein diese MAPK.

In hCASMCs erhöhte Endothelin-1 den Phosphorylierungslevel von ERK1/2 nach 20 min, Thrombin und SFLLRN zeigten keinen Effekt auf diese Signalproteine. Die Proteinlevel von TF und p67phox wurden von keinem der drei Stimulanzien verändert. IgG-Präparate mit PAR-Autoantikörper und Kontroll-IgGs bewirkten hingegen eine Aktivierung von ERK1/2. ET(A)-Autoantikörper ebenso wie das therapeutische Immunglobulin-Präparat Endobulin aktivierten diese MAPK nicht. Die Zytokine IL-1β und IL-6 sowie LPS hatten auf diese Wirkung der Antikörper keinen Einfluss.

Für die Beurteilung der Thrombozytenfunktion wurde zunächst die Aggregometrie im Labor etabliert. Die Reaktionen von PRP und gewaschene Thrombozyten wurden verglichen. Gewaschene Thrombozyten aggregieren weniger stark als PRP auf Collagen und SFLLRN, mit ADP aggregieren sie nicht. Die Serotonin-Freisetzung konnte ebenso als Maß für die Thrombozytenaktivität herangezogen werden. Die Ergebnisse der Thrombozytenaktivierung durch Patienten-IgG waren unterschiedlich. Versuche mit vorstimulierten Thrombozyten zeigten, dass ein fördernder Einfluss von Patienten-IgG auf die Aktivierung präaktivierter Thrombozyten nicht ausgeschlossen werden kann. Ohne Vorstimulation jedoch schien Patienten-IgG eher einen hemmenden Einfluss auf die Thrombozytenfunktion zu haben.

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Weiterhin wurde eine Methode zur Messung von Superoxidanion freigesetzt aus Monozyten etabliert. Eine Vorinkubation von Monozyten mit Patienten-IgG hatte keinen Einfluss auf die Produktion von Superoxidanion im Vergleich zu Kontroll-IgG. Die Beurteilung der Bestimmung von TF-Protein und pERK1/2 erwies sich durch die Verwendung unterschiedlicher Monozyten-Präparate als problematisch. Ähnlich wie bei Versuchen mit frisch isolierten Thrombozyten konnte nur bei zwei von fünf Patienten-IgGs eine stimulierende Wirkung anhand der ERK1/2-Phosphorylierung gefunden werden.

Aus den erhobenen Befunden kann geschlussfolgert werden, dass unter den gewählten Bedingungen PAR1/2- und ET(A)-Autoantikörper keine allgemeine Wirkung auf die in dieser Arbeit untersuchten Funktionen von glatten Gefäßmuskelzellen, Thrombozyten, Monozyten oder Kardiomyozyten zeigten. Der Nachweis der agonistischen Autoantikörper in den IgG-Präparaten der Patienten war jedoch über die Bestimmung der Pulsationsrate von Kardiomyozyten möglich.


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16.01.2009