Freise, Stefan: Behandlung und Verlaufskontrolle der therapieresistenten Leberegelinfektion (Fasziolose) mit Triclabendazol

24

Kapitel 3. Ergebnisse

3.1 Befunde vor Therapie

3.1.1 Klinische Befunde bei Erstuntersuchung

(36/81) 44,4% der Patienten wiesen bei Erstuntersuchung eine palpatorisch vergrößerte Leber auf. Bei (2/81) 2,5% konnte eine Splenomegalie festgestellt werden. Folgende Symptome wurden von den Patienten bei der Erstuntersuchung berichtet: epigastrische Schmerzen (4), Kopfschmerzen (6), Pruritus (5), Schmerzen im rechten Oberbauch (4), Nausea (2), Diarrhoe (1), Urtikaria (1), Schmerzen im linken Oberbauch (1), Arthralgien (1). 51 Frauen und 30 Männer wurden in die Studie aufgenommen. Es fällt der hohe Anteil weiblicher Patienten auf. (63 %) Nach Befragen der Patienten läßt sich das auf einen erhöhten Gemüsekonsum der weiblichen Bevölkerung in dieser Provinz Kubas zurückführen bzw. einige Männer lehnen den Konsum von Gemüse und Salaten gänzlich ab. Ein Patient gab an während der gesamten Infektionsperiode asymptomatisch gewesen zu sein.

Eine Patientin berichtete während der akuten Phase einen Pleurabefall mit Fasciola hepatica durchgemacht zu haben, zum Zeitpunkt der Aufnahme waren keine Veränderungen mehr zu beobachten. Fünf Patienten waren choleszystektomiert. Es konnte nur in einem Fall ein direkter Zusammenhang mit einer Fasciola hepatica-Infektion nachgewiesen werden. Diesem Patienten wurden nach OP-Bericht bei einer Cholezystektomie zwei Fasciola hepatica aus dem Ductus zystikus und drei Fasciola hepatica aus dem Ductus hepato-choledochus entfernt. Das Gewicht der Frauen betrug im Median 56 Kg. Das Gewicht der Männer betrug im Median 60 Kg. Der Puls betrug im Median 80 Schläge/min; kein Patient war bradykard (<60/min), 1 Patient war tachykard (>100/min). Die sublingual gemessene Temperatur betrug im Median 36,2°C, kein Patient war febril (>37,2°C). Der nach Riva-Rocci gemessene Blutdruck betrug im Median 120/80 mmHg. Nach WHO Definition waren 4 Patienten hyperton (>140/90mmHg) und ein Patient hypoton (<100/60), (127).


25

Tabelle 1 Klinische Parameter bei Erstuntersuchung (n=81)

 

Median

Min.

Max.

Perzentilen

 

 

 

 

 

25

75

Gewicht(C)

56,0

32

83

46,0

67,0

Gewicht(X)

60,0

36

88

50

67

Temperatur

36,2

35,6

37,1

36,0

36,6

3.1.2 Laborchemische Befunde bei Erstuntersuchung

3.1.2.1 Hämatologische Befunde:

Blutsenkungsgeschwindigkeit:

Die Blutsenkungsgeschwindigkeit der Frauen betrug im Median 20 mm in der ersten Stunde.

Die Erythrozytensedimentation der Männer betrug im Median 15 mm in der ersten Stunde.

(Normwert: Frauen 6-11 mm, Männer 3-8 mm in der ersten Stunde)

Hämoglobin:

Der Hämoglobingehalt des Blutes der Frauen betrug im Median 12,0 g/dl.

Der Hämoglobingehalt des Blutes der Männer betrug im Median 12,6 g/dl.

33/81 (40,7%) Patienten waren anaemisch. Von diesen zeigten 7 Patienten Werte unter 10mg/dl. (Normwert: Frauen 12-16g/dl, Männer 13,5-17g/dl

Hämatokrit:

Der Hämatokrit der Frauen betrug im Median 39%. Der Hämatokrit der Männern betrug im Median 44%. 19/81 (23,4%) der Patienten hatten einen erniedrigten Hämatokrit. (Normwert: Frauen 37-48%, Männer 40-52%)


26

Differntialblutbild:

63/81 (77,7%) wiesen einen erhöhten Eosinophilenanteil im Differentialblutbild auf.

Werte bis maximal 62% Eosinophile wurden diagnostiziert. Im Mittel fanden sich folgende Ergebnisse: Neutrophile : 46,3%, Lymphozyten: 35,9%, Eosinophile: 17,6%, Monozyten: 0,5%, Basophile: 0 % (Normwerte: Neutrophile 30-80%, Lymphozyten 15-50%, Eosinophile 0-6%, Basophile 0-2%, Monozyten 1-12%)

Leukozyten:

Die Leukozytenzählung ergab im Median 8.1 G/l. 6/81 (7,4%) der Patienten wiesen eine Leukozytose auf (Normwert: 4,3-10,0 G/l)

Eosinophilenzählung:

Die Eosinophilenzählung ergab im Median 800 mm³. 67/81 (82,6%) der Patienten wiesen einen erhöhten Wert auf (Normwert 80-360 mm³).

Tabelle 2 Laborchemische Befunde bei Erstuntersuchung (n=81)

 

Median

Min.

Max.

Perzentile

 

 

 

 

25

75

BSG (C)

20

5

155

12,00

33,50

BSG (X)

15

3

120

5,00

30,00

Hb(C)

12,0

8,5

15,0

11,6

13,0

Hb(X)

12,6

9,4

14,6

11,7

13,6

Hkt (C)

39

28

46

38,00

42,00

Hkt (X)

44

32

58

39,75

44,50

Leuko.

8,10

5,00

16,00

7,0

9,0

Eos.

800

50

5250

350

1250


27

3.1.2.2 Biochemische Laborparameter:

Harnstoff:

3/81 (3,7%) der Patienten hatten einen erniedrigten und ein Patient einen erhöhten Serumharnstoffwert. Im Median 20 mg/dl. (Normwert 11-55 mg/dl )

Kreatinin:

Bei Bestimmung der Serumkreatininwerte wurden keine pathologischen Werte festgestellt Der Median betrug 77 µmol/l. (Normwert:62-132 µmol/l)

Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT)

41/81 (50,6%) der Patienten wiesen einen erhöhten GOT -Wert auf . Im Median 23 IU/ml (Normwert < 21 IU/ml)

Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT)

32/81 (39,4%) der Patienten wiesen einen erhöhten GPT -Wert auf . Im Median 18,5 IU/ml (Normwert < 21 IU/ml)

Bilirubin:

4/80 (5%) der Patienten zeigten einen pathologisch erhöhten Billirubinwert. Im Median 0,50 mg/dl. (Normwert bis 1,2 mg/dl)

Alkalische Phosphatase:

14/79 (17,7%) der Patienten wiesen einen erhöhten AP -Wert auf. Im Median 101 IU/ml (Normwert < 170 IU/ml)

Tabelle 3 Biochemische Laborparameter bei Erstuntersuchung

 

Median

Min

Max.

Perzentile

 

 

 

 

 

25

75

HARN

20,0

6

66

15,0

26,0

KREA

77,0

61

129

71,0

84,0

GOT

23,0

12

213

19,0

29,0

GPT

18,5

6

315

13,5

33,0

BILI

0,50

0,15

2,5

0,40

0,64

AP

101,0

46

1116

73,0

148,0


28

3.1.3 Parasitologische Befunde :

Der Nachweis von Fasciola hepatica Eiern in mindestens einer der 3 mikroskopischen Stuhluntersuchungen ( Kato modifiziert nach Katz, Ritchie-, und Sedimentationsmethode) war ein Kriterium für die Aufnahme in diese Studie. Bei klinischem Verdacht wurden bei einigen Patienten Stuhluntersuchungen an mehreren Tagen durchgeführt.

Bei der Stuhluntersuchung nach Kato modifiziert nach Katz werden jeweils 3 Proben angefertigt.

Tabelle 4 Einachweis von Fasciola hepatica in den mikroskopischen Stuhluntersuchungen

Methode

N

In %

Durchschnittl. Eimenge pro Untersuchung

Kato-Katz

81

100

3,5 (Mittelwert aus 3 Proben / Gramm Stuhl)

Ritchie

67

82,6

4,2

Sedimentation

79

97,5

5,8

3.1.4 Immunparasitologische Befunde

3.1.4.1 Spezifische Antikoerperbestimmung mittels ELISA

Ab einem Wert von >= 0,368 optisch Dichte wurde die immunologische Serumantigenbestimmung mittels ELISA als positiv eingestuft. 74/77 (96,1%) der Patienten zeigten positive ELISA Werte.

3.1.4.2 Bestimmung exkretorisch-sekretorischer Antigene im Stuhl (FES)

Ab einem Wert von >= 0,24 wurde die immunologische E-S-Antigenbestimmung im Stuhl mittels Elisa als positiv eingestuft. 66/80 (82,5%) der Patienten zeigten positive FES-Stuhl-untersuchungen.

Tabelle 5 Immunparasitologische Befunde bei Studienbeginn

 

positiv

 

negativ

 

 

n

%

n

%

ELISA

74 (77)

96,1%

3 (77)

3,9%

FES

66 (80)

82,5%

14 (80)

17,5%


29

3.1.5 Ultraschallbefunde

Verdächtige und für Fasziolose pathognomonische Ultraschallbefunde (Score 3 und 4):

Spontan sich bewegende adulte Parasiten konnten bei Aufnahme nur in einem kleinen Teil der Patienten nachgewiesen werden (2/76, 2,6%).(Abb.6)

Durch mehrfachen Lagewechsel von liegend zu Seitenlage, Sitzen und Stehen konnte die Darstellung verbessert werden. Auch war es teilweise möglich durch vorsichtiges Palpieren

der Gallenblase mit einem Finger die Parasiten zu spontaner Bewegung zu stimulieren.

Abb. 4 Fasciola hepatica zeigte unter Ultraschall lebhafte Bewegung

Verdächtige Befunde die bei 14/76 (18,3%) Patienten gefunden wurden, waren: geformter, nicht der Gravitation folgender Gallenblasengries (4/76), siehe Abb. 5 und halbmondförmige Bestandteile in der Gallenblase oder in den Gallengängen (4/76), siehe Abb. 6 und Abb. 4.

Der geformte nicht der Gravitation folgende Gallenblasengries erscheint verdächtig für eine Fasciola hepatica Infektion da in Nachuntersuchungen ein Umbauprozess sich spontan bewegender Fasciola hepatica bis zu diesem Zustandsbild nachvollzogen werden konnte, und gewöhnlicher Gallenblasengries der Gravitation folgt (116). Halbmondförmige Bestandteile wurden als sehr verdächtiger Sonographiebefund bewertet, siehe frühere Untersuchungen (53, 30, 28, 25, 13, 9, 10). Bei eigenen Größenberechnungen ergab ein Mittelwert aus 10 Messungen eine Länge von 14,5 mm. Diese Messungen wurden von Scheitelpunkt zu Scheitelpunkt des halbmondförmigen Parasiten vorgenommen und zeigen eine gute Übereinstimmung mit Messungen von aus Schlachttieren gewonnen Fasciola hepatica.


30

Abb. 5 Geformter Gallenblasengries larr in der Gallenblase

Erstaunlicherweise gelang nur in einem kleinen Teil der Patienten die Bestätigung der Diagnose durch Ultraschall obwohl Fasciola hepatica die in einem Wassercontainer geschallt werden gut darstellbar sind. Eventuell sind die Parasiten durch ihre Saugnäpfe gut mit der Gallenblasenwand verbunden und können so nicht dargestellt werden. Diese Vermutung wird unterstützt von der Tatsache das bei postprandialen Untersuchungen trotz Behinderung durch Darmgase und Nahrungsmittelpassage in einigen Fällen die Egel darstellbar waren.

Abb. 6 Halbmondförmiger Bestandteil (Content) im Ductus biliaris communis


31

Wahrscheinlich liegt durch die postprandiale Kontraktion der Gallenblasenwand der Egel dieser nicht mehr vollständig an. Auch wurden nach Therapie deutlich mehr verdächtige und pathognomonische Befunde darstellbar. Score 3 (sehr verdächtige Befunde) erhöhte sich von 18,3% auf 30,3% und Score 4 (pathognomische Befunde), erhöhte sich von 2,6% auf 6,5 %.

Verdächtige aber weniger spezifische Gallengangsveränderungen (Score 2):

Bei 36/76 (47,3%) der Patienten konnten nur verdächtige Gallenwegsveränderungen nachgewiesen werden. Diese beinhalten das positive Murphy-Zeichen während der sonographisch gesteuerten Palpation, Gries und Steine in der Gallenblase, behinderte Gallenblasenkontraktion, und Gallengangserweiterung aufgrund extrahepatischer Obstruktion.

Patienten ohne Gallenwegsveränderungen (Score 0 und 1):

Nur eine Hepato- oder Splenomegalie ohne Gallengangsveränderungen oder sonstige für Fasciola hepatica verdächtige Befunde wurden bei 3/76 (3,9%) der Patienten erhoben. Bei 21/76 (27,6%) der Patienten konnten keine sonographischen Veränderungen dargestellt werden.

Graphische Darstellung der sonographischen Befunde am Aufnahmetag:

Abb. 7 Ultraschallbefunde vor Therapie mit Triclabendazol


32

3.2 Vorangegangene Therapieversuche

In der Vorgeschichte fanden sich alle bekannten fascioliciden Medikamente und Therapieschematata. 59 Patienten unterzogen sich einer Praziquanteltherapie, 26 nahmen Metronidazol ein, Thiabendazol kam in 7 Fällen und Mebendazol in 5 Fällen zum Einsatz. Außerdem wurden Emetin in drei und Bithionol in drei Fällen verabreicht .

7 Patienten waren mit drei, 7 mit zwei, und 68 mit einem Antihelminthika vorbehandelt worden.

Dosierungen:

Praziquantel war in einer Dosierung von 75 mg/kg Körpergewicht einmal täglich entweder

für drei oder für sieben Tage verabreicht worden. Metronidazol wurde in einem 14-tägigen Regime a drei mal zwei Tabletten ( 500 mg) gegeben, entsprechend einer Gesamtdosis von 42 Gramm. Für die folgenden Medikamente konnte nur noch die Anzahl der Tabletten aber nicht mehr die genaue Dosierung ermittelt werden. Thiabendazol 7 Tabletten für 10 Tage, Mebendazol 2 Tabletten für 2 Tage, Emetin eine Tablette für 10 Tage, und Bithionol 10 Tabletten für 10 Tage.

Abb. 8 Vorangegangene Therapieversuche bei chronischer Fasciola hepatica Infektion (n=Anzahl der Patienten)


33

3.3 Verabreichung von Triclabendazol:

Triclabendazol wurde in einer Dosierung von 10 Milligramm pro Kg Körpergewicht zwei mal im Abstand von 12 Stunden verabreicht. Da die postprandiale Gabe von Triclabendazol zu deutlich höheren Plasmaspiegel führt, wurde die erste Dosis um 20 Uhr zusammen mit dem Abendessen, und die zweite Dosis morgens um 8 Uhr mit einem Frühstück verabreicht (126). In keinem Falle kam es direkt nach der Aufnahme des Medikamentes zu gastrointestinalen Reaktionen. Eine geplante Nachdosierung im Falle von Erbrechen bis 2 Stunden nach Gabe der eigentlichen Dosis wurde nicht benötigt. Das Medikament lag als 250mg Tablette vor, so dass diese teilweise geviertelt werden musste um die Dosierung mit einer vorgegebenen Schwankungsbreite von ± 10% einhalten zu können.

3.4 Nebenwirkungen

61/81 Patienten (75,2%) berichteten über Nebenwirkungen, wobei in 54/81 (66,7%) diese Nebenwirkungen durch die Untersucher in wahrscheinlichem Zusammenhang mit der Wurmexpulsion oder der direkten Wirkung des Triclabendazol eingeschätzt wurde. Triclabendazol wird nach oraler Aufnahme in seine aktiven Metaboliten Triclabendazol-Sulfon und Triclabendazol-Sulfoxid metabolisiert. Bei in Vivo Untersuchungen an Hasen wurde die höchste Plasmkonzentration nach 7,5 h für das Sulfon beziehungsweise nach 9 Stunden für das Sulfoxid erreicht. Plasmaeliminationshalbwertszeiten betrugen 13 Stunden für das Sulfon beziehungsweise 13,8 Stunden für das Sulfoxid. Dies legt nahe, dass ein Teil der Nebenwirkungen auf der Wurmexpulsion beruht, da zum Zeitpunkt (Tag 3-7) der meisten Nebenwirkungen (Gallenwegskolik, epigastrische Schmerzen, Kopfschmerzen, Nausea, und Fieber), Triclabendazol zum überwiegenden Anteil bereits aus dem Körper eliminiert ist (128).


34

Abb. 9 Nebenwirkungen nach Triclabendazol Therapie

Gallenwegskolik:

40/81 (49,4%) der Patienten entwickelten eine Gallenwegskolik. Bei 21/81 (25,9%) der Patienten mussten die Beschwerden medikamentös behandelt werden in der Regel mit Butylscopolamin (Buscopan®) oral oder intravenös. Weitere 19/81 Patienten (23,4%) litten unter einer milden Gallenwegskolik, die entweder gar nicht oder mit oralen Spasmolytiika behandelt wurde. Auffällig ist das zeitliche Auftreten der Gallenwegskoliken mit einem Höhepunkt um Tag 4-5 und eine zweite Häufung in der Nachuntersuchungsperiode. Auch unter Berücksichtigung der nicht geheilten Patienten an Tag 15 (1 Patient),Tag 30 (2 Patienten), Tag 60 (2 Patienten) scheint hier eine zweite Passage von Fasciola Bestandteilen durch die Gallenwege stattzufinden. Es ist auch anzumerken, dass in der Phase der höchsten Inzidenz (Tag 3-5) keiner der Therapieversager (n=6) an einer Gallenwegskolik litt.


35

Abb. 10 Zeitlicher Verlauf des Auftretens einer Gallenwegskolik nach Therapie mit Triclabendazol (Tag 0= vor Therapie)

Epigastrischer Schmerz:

35/81 Patienten (43,1%) berichteten im Verlauf mindestens einmal über epigastrische Schmerzen. Bei starken Schmerzen wurden die Patienten mit oralen Analgetika behandelt.

Kopfschmerzen:

13/81 (16,0%) der Patienten berichteten über neuaufgetretene Kopfschmerzen während der Therapie. Sie waren von mittlerer Stärke und ließen sich mit einem oralen analgetischen Mischpräparat aus Acetylsalicylsäure und Metamizol behandeln.

Nausea:

Nausea trat bei 7/81 (8,6%) der Patienten auf. Diese Nebenwirkung trat in 3/7 (42,8%) in Zusammenhang mit einer Gallenwegskolik auf. In keinem Fall kam es während der Einnahme von Triclabendazol (Tag 0-1) zu Beschwerden.

Fieber:

Bei 7/81 (8,6%) der Patienten kam es zu Fieber das nicht auf andere Krankheitsursachen wie

Pharyngitis oder Virusgrippe zurückzuführen war. Sobald der Verdacht auf eine Choleszystitis bestand, wurde eine intravenöse antibiotische Therapie eingleitet.


36

Hautveränderungen:

Zwei Patienten zeigten urtikarielle Hautveränderungen. Bei einer Patientin korrelierten die Hautveränderungen mit der Einnahme von Triclabendazol. Wenige Stunden nach Einnahme der zweiten Dosis (Tag 1), präsentierte sich diese Patientin mit Urtikaria am ganzen Körper unter Aussparung des Gesichts. Diese Veränderungen waren ohne therapeutische Intervention an Tag 3 nicht mehr nachweisbar.

Pruritus:

5/81 (6,1%) der Patienten berichteten über Pruritus. In zwei Fällen im Zusammenhang mit Urtikaria und in drei Fällen im Zusammenhang mit Ikterus.

Inspiratorischer Atemschmerz:

3/81 (3,7%) der Patienten berichteten über inspiratorische Atemschmerzen. Ein Symptom über das bei Fasciola hepatica Infektionen gelegentlich berichtet wird (1, 4, 18).

Andere Nebenwirkungen:

-Andere eventuell mit Triclabendazol assoziierte Nebenwirkungen traten bei 10 Patienten auf: Schmerzen in der Milzgegend (1), Pharyngitis (2), Ikterus (2), erhöhter RR neuaufgetreten (1), Schmerzen in der Herzgegend (1), Makrohämaturie (1), Durchfall (1), Nierenschmerzen (1).

-Weitere Nebenwirkungen die als nicht im Zusammenhang mit der Therapie stehend eingeschätzt wurden: Rückenschmerzen (2), Katarh (2), Nierenkolik wegen Urolithiasis (1) (sonographisch bereits vor Aufnahme nachweisbar), Synkope bei erhöhten Blutdruck (1), Ischialgie (1).


37

3.5 Befunde nach Therapie

3.5.1 Klinische Beobachtungen

Vitalparameter:

Im Falle der Vitalparameter (Blutdruck, Puls und Temperatur) ließen sich keine relevanten Veränderungen während der Studiendauer beobachten. (Normwerte: RR systolisch 140-100mmHg, RR diastolisch 90-60mmHg nach WHO; Puls: 60-100 Schläge/min, Temperatur 36,2-37,2°C)

Tab. 6 Verlaufsbeobachtung der Vitalparameter nach Therapie mit Triclabendazol

 

Anz. Pat.

Median

Min.

Max.

Perzentilen

 

 

 

 

 

 

25

75

Puls

 

 

 

 

 

 

Tag0

82

80

62

118

76

84

Tag 3

82

80

62

88

76

82

Tag 7

82

80

60

90

76

84

Tag 30

77

80

64

88

76

80

Tag 60

79

80

68

92

78

80

RR systolisch

 

 

 

 

 

 

Tag 0

81

120

90

180

110

130

Tag 3

81

120

100

190

110

130

Tag 7

81

120

90

170

110

120

Tag 30

79

120

90

160

110

130

Tag 60

79

130

100

160

110

140

RR diastolisch

 

 

 

 

 

 

Tag 0

81

80

60

110

70

80

Tag 3

81

80

60

100

70

80

Tag 7

81

80

60

90

70

80

Tag 30

79

80

60

100

70

80

Tag 60

79

80

60

100

70

85

Temperatur

 

 

 

 

 

 

Tag 0

81

36,2

35,6

37,1

36,0

36,6

Tag 3

81

36,4

35,0

38,3

36,2

36,6

Tag 7

81

36,2

26,0

37,2

36,0

36,5

Tag 30

81

36,2

26,0

37,4

36,0

36,4

Tag 60

81

36,0

35,5

37,6

36,0

36,4


38

Gewicht:

Das Gewicht der Patienten nahm während des zweimonatigen Untersuchungszeitraumes im Median um zwei Kilogramm zu.

Tab. 7 Verlaufsbeobachtung Körpergewicht nach Therapie mit Triclabendazol

 

Anz. Pat.

Median

Min.

Max.

Perzentilen

 

 

 

 

 

 

25

75

Gewicht C

 

 

 

 

 

 

Tag 0

51

56

32

83

46,00

67,00

Tag 3

49

56

31

83

45,50

67,50

Tag 7

51

56

30

83

47,00

67,00

Tag 30

48

57

30

82

48,50

67,75

Tag 60

49

58

31

84

50,00

67,00

Gewicht X

 

 

 

 

 

 

Tag 0

30

60

36

88

50,00

67,00

Tag 3

30

60

36

89

50,75

68,00

Tag 7

30

59

35

89

50,75

66,25

Tag 30

28

60

38

89

52,00

66,00

Tag 60

29

62

39

89

50,50

67,00

3.5.2 Laborchemische Parameter

3.5.2.1 Hämatologische Laborparameter

Blutsenkung:

Die Blutsedimentationsgeschwindigkeit (BSG) wurde nach einer Stunde ermittelt. Bei den weiblichen Patienten findet sich an Tag 0 eine insgesamt erhöhte BSG von 20 mm/1h (Median), die unter der Therapie weiter steigt; 30mm/1h (Tag 7), um dann während der Nachuntersuchungen kontinuierlich bis auf einen Wert von 18 mm/1h abzufallen (Tag 60). (Normwert bis 6-11mm/1h) Bei den männlichen Patienten findet sich an Tag 0 eine insgesamt erhöhte BSG von 15 mm/1h (Median), die unter der Therapie weiter steigt; 20 mm/1h (Tag 7), um dann während der Nachuntersuchungen kontinuierlich bis auf einen Wert von 6 mm/1h abzufallen (Tag 60). (Normwert bis 3-8mm/1h)

Hämoglobin:

Bei den weiblichen Patienten zeigten sich unter Therapie keine nennenswerten Veränderungen des Hämoglobins, im Verlauf der Nachuntersuchungen ließ sich ein Anstieg von 0,6 g/dl beobachten. (Normwert:12-16 g/dl) Bei den männlichen Patienten zeigten sich unter Therapie keine nennenswerten Veränderungen des Hämoglobins, im Verlauf der Nachuntersuchungen ließ sich ein Anstieg von 0,5 g/dl beobachten. (Normwert:13,5-17 g/dl)


39

Vor der Therapie zeigten 33/81 (40,7%) der Patienten einen erniedrigten Hämoglobingehalt

Bei der Nachuntersuchung an Tag 60 wiesen noch 25/79 (31,6%) der Patienten einen erniedrigten Hämoglobingehalt auf. Die Anzahl der Patienten mit weniger als 10g Hb/dl verringerte sich von 7 Patienten (Tag 0) auf 3 Patienten (Tag 60).

Tab. 8 Verlaufsbeobachtung von BSG und Hämoglobin nach Therapie mit Triclabendazol

 

Anz. Pat.

Median

Min.

Max.

Perzentilen

 

BSG C

 

 

 

 

25

75

Tag 0

42

20,0

5

155

12,00

35,00

Tag 3

43

20,0

5

135

12,00

33,00

Tag 7

44

30,0

5

133

18,25

45,00

Tag 15

47

22,0

5

125

15,00

42,00

Tag 30

48

21,5

5

87

15,00

30,00

Tag 60

49

18,0

5

80

8,50

27,50

BSG X

 

 

 

 

 

 

Tag 0

28

15,0

3

120

5,00

30,00

Tag 3

28

13,5

2

130

5,25

25,75

Tag 7

28

20,0

2

130

7,00

41,50

Tag 15

31

12,0

3

110

7,00

38,00

Tag 30

28

10,5

2

70

5,00

31,25

Tag 60

30

6,00

2

57

3,50

12,75

Hb C

 

 

 

 

 

 

Tag 0

51

12,00

8,5

15,0

11,700

13,000

Tag 3

51

12,20

8,3

14,9

11,600

12,900

Tag 7

51

12,40

8,9

15,3

11,100

13,100

Tag 15

51

12,00

8,8

15,0

10,800

13,000

Tag 30

51

12,30

9,0

15,0

11,500

13,200

Tag 60

51

12,50

8,8

15,3

11,800

13,000

Hb X

 

 

 

 

 

 

Tag 0

26

12,65

9,4

14,6

11,700

13,675

Tag 3

26

12,85

9,9

14,4

11,775

13,725

Tag 7

26

12,65

9,3

15,2

11,775

13,900

Tag 15

26

13,00

10,0

14,0

11,400

13,800

Tag 30

26

13,00

10,1

15,0

11,950

13,500

Tag 60

26

13,25

11,5

15,9

12,975

14,000

Hämotokrit:

Es wurden keine Veränderungen des Hämatokrit beobachtet:

(Normwert: M.40-52%, F.37-48%)

Leukozyten:

Es fand sich eine diskrete Erniedrigung der Leukozytenzahlen während der Studiendauer von 8,1 auf 7,2*10E9/l. (Normwert 4-10*10E9/l)


40

Tab. 9 Verlaufsbeobachtung Hämatokrit und Leukozyten nach Therapie mit Triclabendazol

 

Anz. Pat.

Median

Min.

Max.

Perzentilen

 

HämatokritC

 

 

 

 

25

75

Tag 0

51

39

28

46

38,00

42,00

Tag 3

50

39

28

45

38,00

42,00

Tag 7

50

40

30

44

36,00

42,00

Tag 15

48

39

28

46

35,25

42,00

Tag 30

50

40

30

46

38,00

42,00

Tag 60

50

40

24

48

39,00

42,00

Hämatokrit X

 

 

 

 

 

 

Tag 0

30

44

32

58

39,75

44,50

Tag 3

29

44

32

50

41,50

44,00

Tag 7

30

44

30

50

40,00

46,00

Tag 15

31

44

30

50

40,00

44,00

Tag 30

29

42

34

50

42,00

46,00

Tag 60

30

44

30

54

42,00

46,00

Leukozyten

 

 

 

 

 

 

Tag 0

72

8,10

5,0

16,0

6,925

9,000

Tag 3

71

8,0

5,0

11,0

7,300

8,600

Tag 7

70

8,0

4,8

12,0

7,075

9,100

Tag 15

70

8,0

5,2

19,1

6,975

9,175

Tag 30

69

7,8

1,0

10,2

6,650

8,650

Tag 60

70

7,2

4,3

13,5

6,000

9,000

Eosinophilenzählung:

Bei der Aufnahmeuntersuchung (Tag 0) findet sich eine erhöhte Eosinophilenzahl von 800/mm³ (Median), die im Verlauf der Wurmaustreibung auf 1050/mm³ (Tag 7) ansteigt um dann kontinuierlich bis auf 500/mm³ (Tag 60) abzufallen. Vor Therapie wiesen 67/81 (82,6%) einen erhöhten Wert auf. Bei der Nachuntersuchung an Tag 60 waren noch 36/68 (52,9%) der Patienten über dem Normwert. (Normwert: 80-360/mm³)

Abb. 11 Eosinophilenzählung nach Therapie mit Triclabendazol


41

Differentialblutbild:

Bei neutrophilen und basophilen Granulozyten, Lymphozyten, und Monozyten, lassen sich keine relevanten Veränderungen erkennen. Die eosinophilen Leukozyten stiegen von 17,6% (Tag 0) auf 19,8% (Tag 7) und fallen bis Tag 60 auf 9,3% . An Tag 0 wiesen 63/81 (77,7%) der Patienten einen erhöhten Eosinophilenanteil im Differtialblutbild auf. Bei der Nachuntersuchung an Tag 60 zeigten 45/79 (56,9%) der Patienten einen erhöhten Wert.

(Normwerte: Neutrophile 30-80%; Lymphozyten 15-50%; Eosinophile 0-6%;Basophile 0-2%; Monozyten 1-12%)

Tab. 10 Differentialblutbild nach Therapie mit Triclabendazol

 

Neutroph.

Lymph.

Eosin.

Monoz.

Basoph.

Tag 0

46,3%

35,9%

17,6%

0,55%

0%

Tag 3

43%

37,1%

18,6%

1,26%

0%

Tag 7

44,9%

34,7%

19,8%

0,41%

0%

Tag15

45,3%

45,3%

15,9%

0,95%

0%

Tag30

46%

46%

13,8%

1,16%

0%

Tag 60

51,9%

37,5%

9,34%

1,14%

0%

Legende: (Neutroph.) = neutrophile Granulozyten; (Basoph.) = basophophile Granulozyten, (Lymph.) = Lymphozyten , (Eosin.)= eosinophile Granulozyten, (Monoz.) = Monozyten,

3.5.2.2 Biochemische Laborparameter:

Harnstoff:

Bei Aufnahme betrug der Serumharnstoffwert im Median 20 mg/dl, an Tag 7; 27 mg/dl und bei der Nachuntersuchung an Tag 60; 19 mg/dl. 3/81 (3,7%) der Patienten hatten bei Aufnahme einen erhöhten und 1 Patient einen erniedrigten Serumharnstoffwert. An Tag 7 zeigte ein Patient einen erhöhten und ein Patient einen erniedrigten Wert. Bei der Nachuntersuchung an Tag 60 hatten 2/79 (2,5%) einen erhöhten und 2/79 (2,5%) einen erniedrigten Serumharnstoffwert. (Normwert 11-55mg/dl)


42

Serumkreatin:

Bei Bestimmung der Serumkreatininwerte wurden während der gesamten Untersuchungs- periode keine pathologischen Werte festgestellt. (Normwert: 62-132 µmol/l)

Tab. 11 Harnstoff und Serumkreatinin nach Therapie mit Triclabendazol

 

Anz. Pat.

Median

Min.

Max.

Perzent.

 

Harnstoff

 

 

 

 

25

75

Tag 0

81

20

6

66

15,00

26,00

Tag 3

81

28

8

98

22,00

33,50

Tag 7

81

27

14

59

22,50

34,00

Tag 15

79

21

7

71

16,00

28,00

Tag 30

79

22

9

82

18,00

30,00

Tag 60

80

19

6

69

15,00

24,00

Kreatinin

 

 

 

 

 

 

Tag 0

81

77

61

129

71,00

84,00

Tag 3

81

86

62

129

76,00

93,00

Tag 7

81

80

60

125

72,00

89,00

Tag 15

79

75

55

114

69,00

84,00

Tag 30

79

77

60

125

68,00

86,00

Tag 60

80

72

60

98

63,00

80,75

Leberenzyme:

Bei allen drei untersuchten Leberenzymen läßt sich eine deutliche Steigerung um den siebten

Tag erkennen, die in der Folgephase unter den Ausgangswert fallen. Es ist anzumerken das die GOT bei dem größten Teil der Patienten erhöht ist, die GPT jedoch den höchsten Zuwachs unter der Therapie erfährt. Bei der GPT findet sich Tag 7 eine Steigerung von 290%, bei der GOT von 140%,und bei der ALP von 26% gegenüber Tag 0.


43

Alkalische Phosphatase:

Bei der Aufnahme wiesen 14/79 (17,7%) der Patienten einen erhöhten ALP -Wert auf, im Median 101 IU/l. An Tag 7 hatten 41/81 (50,6%) der Patienten einen erhöhten Wert,

im Median 129 IU/l. Bei der Nachuntersuchung an Tag 60 zeigten 6/79 (7,5%) der Patienten einen pathologischen Wert, im Median 92 IU/l. (Normwert < 170 IU/ml)

Abb. 12 Verlaufsbeobachtung der alkalische Phosphatase nach Therapie mit Triclabendazol

Gluamat-oxalacetat-Transaminase: (GOT)

Bei der Aufnahme wiesen 41/81 (50,6%) der Patienten einen erhöhten GOT -Wert auf, im Median 23 IU/l. Bei der Untersuchung an Tag 7 hatten 54/81 (66,6%) der Patienten einen einen erhöhten Wert, im Median 29 IU/l. Bei der Nachuntersuchung an Tag 60 zeigten 37/79 46,8%) der Patienten einen pathologischen Wert, im Median 21 IU/l. (Normwert < 21 IU/ml)

Abb. 13 Verlaufsbeobachtung GOT nach Therapie mit Triclabendazol
Folgende Extremwerte wurden nicht in dem Box Plot abgebildet: Tag7 ( 209,214,259,417,447 U/L ); Tag15 ( 663 U/L )


44

Glutamat-Pyruvat-Transaminase: (GPT)

Bei der Aufnahme wiesen 32/81 (39,4%) der Patienten einen erhöhten GPT -Wert auf, im Median 18,5 IU/l. Bei der Untersuchung an Tag 7 hatten 54/81 (66,6%) der Patienten einen erhöhten Wert, im Median 43 IU/l. Bei der Nachuntersuchung an Tag 60 zeigten 29/79 (36,7%) der Patienten einen pathologischen Wert, im Median 18 IU/l. (Normwert < 21 IU/l)

Abb. 14 Verlaufsbeobachtung GPT nach Therapie mit Triclabendazol
Folgende Extremwerte wurden nicht in dem Box Plot abgebildet: Tag7 ( 837 U/L ); Tag15 ( 711 U/L )

Bilirubin:

Bei der Aufnahme zeigten 4/81 (5,0%) der Patienten einen pathologisch erhöhten Bilirubinwert, im Median 0,50 mg/dl. Bei der Untersuchung an Tag 7 hatten 6/81 (7,4%) der Patienten einen erhöhten Wert, im Median 0,45 mg/dl. Bei der Nachuntersuchung an Tag 60 zeigten 6/79 (7,5%) der Patienten einen pathologischen Wert, im Median 0,48 mg/dl. (Normwert bis 1,2 mg/dl)

Abb. 15 Verlaufsbeobachtung von Bilirubin nach Therapie mit Folgende Extremwerte wurden nicht in dem Box Plot abgebildet: Tag 3 ( 4,59 mg/dl ); Tag 7 ( 7,98 mg/dl )


45

3.5.3 Parasitologische Parameter

3.5.3.1 Stuhluntersuchungen

Stuhluntersuchung nach Ritchie:

Bei 67/81 (82,6%) Patienten wurden bei Aufnahme Fasciola hepatica-Eier durch diese Technik nachgewiesen, im Durchschnitt 4,2 Eier pro Probe. An Tag 7 wurden bei 3/81 (3,7%) Patienten, an Tag15 bei 1/79 (1,2%) Patienten, und an Tag 60 bei 2 /76 (2,6%) Patienten Fasciola hepatica Eier nachgewiesen.

Abb. 16 Verlaufsbeobachtung der Stuhluntersuchung nach Ritchie unter Therapie mit Triclabendazol

Sedimentationsmethode:

Bei Aufnahme gelang bei 79/81 (97,5%) Patienten der Einachweis im Durchschnitt 5,8 Eier.

An Tag 7 konnten bei 3/81 (3,7%), an Tag15 bei 2/79 (2,5%) und an Tag 60 bei 5/76 (6,5%) der Patienten Fasciola hepatica Eier nachgewiesen werden.


46

Abb. 17 Verlaufsbeobachtung der Sedimentationstechnik nach Therapie mit Triclabendazol

Einachweis nach Kato modifiziert nach Katz:

Bei dieser Methode wurden jeweils 3 Proben untersucht. An Tag 0 waren in 81/81 (100%)

Fällen mindestens eine Probe positiv, an Tag 7 fanden sich in 2/81; (2,4%), an Tag 15 in 1/79 (1,2%), an Tag 60 in 6/76 (7,8%) Fasciola hepatica-Eier in den Stuhluntersuchungen.

Abb. 18 Verlaufsbeobachtung des Einachweis nach Kato-Katz unter Therapie mit Triclabendazol


47

3.5.3.2 Immunparasitologische Befunde

ELISA:

ELISA-Titer wurden vor Therapie, an Tag 30 und an Tag 60 bestimmt. 57/76 (75%) Patienten hatten an Tag 60 positive Testresultate. 5/76 (6,5%) Patienten wiesen auch mikroskopisch gesichert eine Fasziolose auf. Ein Patient mit negativem ELISA Test wies an Tag 60 eine mikroskopisch und sonographisch gesicherte Fasziolose auf. Auch nach anderen Untersuchungen scheint die Immundiagnose mittels Elisa erst nach langen Beobachtungs-zeiträumen negative Testresultate zu liefern (44,61,l01,39), (Normwert: <=0,368).

Stuhluntersuchung auf exkretorisch-sekretorische Antigene (FES):

Bei 12/79 (15,2%) Patienten konnte an Tag 60 noch ein positives Ergebnis erhoben werden.

Bei 6/6 (100%) mikroskopisch bestätigten Therapieversagern reagierte der Test positiv.

6 mikroskopisch nicht bestätigte positive Ergebnisse normalisierten sich bei einer Nachuntersuchung an Tag 90 (persönliche Mitteilung des Klinikleiters Dr. Millán), (Normwert: <= 0,24).

Abb. 19 Verlaufsbeobachtung der ELISA und FES-Titer nach Therapie mit Triclabendazol


48

3.5.4 Signifikanzberechnung der Laborparameter

Signifikanzberechnung der Laborparameter vor und nach Therapie mittels Wicoxon-signed- rank Test. Es wurde die Aufnahmeuntersuchung (vor Therapie, Tag 0 ) mit der letzten Nachuntersuchung (Tag 60 nach Therapie) verglichen.

Parameter

Z

p

Median

 

 

 

 

Tag 0

Tag 60

Hämatologische Parameter

 

 

 

 

BSR

-2,789

<0,005

20

12 mm/1h

Hämoglobin

-3,486

<0,001

12,2

12,9 g/dl

Hämatokrit

-1,783

0,075

42

42%

Leukozyten

-3,082

<0,002

8,1

7,2*10E9/L

Eosinophile Leukozyten

-2,309

<0,021

800

500/mm³

Biochemische Paramete

 

 

 

r

Harnstoff

-0,764

0,445

20

19 mg/dl

ALP

-2,139

<0,032

101

92 IU/ml

GOT

-1,995

<0,046

23

21 IU/ml

GPT

-0,603

0,546

18,5

18,0 IU/ml

Bilirubin

-0,777

0,437

0,50

0,48 mg/dl

Parasitologische Parameter

 

 

 

 

Stuhluntersuchung n. Ritchie

-7,533

<0,001

2

0 Eier

Sedimentationsmethode

-6,928

<0,001

4

0 Eier

Stuhluntersuchung n. Kato-Katz

-7,342

<0,001

54

0 E./gr.Stuhl

ELISA

-6,260

<0,001

1,13

0,73 OD

FES

-6,393

<0,001

1,7

0,11 OD


49

3.5.5 Ultraschallbefunde:

Pathognomische und verdächtige Ultraschallbefunde: Score 4 und 3

Spontan sich bewegende Parasiten konnte in drei Fällen dargestellt werden (3,9%).

Ein Patient zeigte vier sich deutlich bewegende Fasciola hepatica bei der Aufnahmeuntersuchung. Diese konnten in unveränderter Stärke bis Tag 4 dargestellt werden. An Tag 5 zeigten sich nur noch vereinzelt Bewegungen, an Tag 6 und 7 konnte keine Bewegung mehr nachgewiesen werden. Bei der Nachuntersuchung an Tag 15 war nur eine homogene Masse nachweisbar. An Tag 30 konnten durch Lageänderung des Patienten wieder aktive Bewegungen gut abgegrenzter Fasciola hepatica dargestellt werden. Aktive Bewegung konnte durch gezielte Palpation der Gallenblase, Husten oder forciertes Atmen des Patienten stimuliert werden. Auch zeigte sich mehrmalige Lageänderung (von liegend zu sitzend, -zu Linksseitenlage, -zu stehend) als hilfreich, um die Fasciola hepatica frei in der Gallenblase schwebend darstellen zu können.

Abb. 20 Fasciola hepatica in erweitertem Ductus hepatis communis

In 12 Fällen (15,8%) wurden Fasciola-ähnliche Bestandteile in den Gallengängen dargestellt (siehe Abb.20), in zwei Fällen konnte aktive Bewegung dokumentiert werden. Bei einer Patientin war an Tag 3 nach Therapie eine Fasciola in einem erweiterten Ductus hepato-choledochus (11mm) zu beobachten, die mit einem Ende fest an der Wand des Ductus (etwa 2cm intrahepatisch) haftete, und heftige schlängelnde Bewegungen zeigte (siehe Abb.21 ). Auch 3 Stunden später nach einem fettreichen Mittagessen konnte die Fasciola an der gleichen Stelle dargestellt werden (Tag 4). An Tag 5 konnte keine Fasciola in dem noch erweiterten Ductus (9mm) dargestellt werden. Erwähnenswert ist das die Patientin trotz deutlicher Bewegung des Parasiten keine Schmerzen oder Koliken verspürte, und ein Mittagessen zu sich nehmen konnte.


50

Abb. 21 Fasciola hepatica in erweitertem Ductus hepatis communis (5 Mhz Schallkopf)

In 18/76 Patienten (23,6%) konnte die Passage von Gallenblasengries oder halbmondförmigen Bestandteilen zwischen Tag 4 und Tag 7 beobachtet werden. An Tag 60 konnten noch bei 2/76 Patienten (2,6%) verdächtige Befunde erhoben werden.

Die Diagnose Gallengangserweiterung erhöhte sich von 31,5% vor Therapie auf 48,0% zwischen Tag 4 und Tag 7, ebenso wurden in diesem Zeitraum bei 49,3% der Patienten

Gallenwegskoliken beobachtet, sowie bei 50,6% der Patienten eine vorübergehende Erhöhung der alkalischen Phosphatase. An Tag 60 wiesen nur noch 8/76 (10,4%) Patienten eine Gallengangserweiterung auf. Bei 6 dieser 8 Patienten konnte eine teilweise Verkleinerung beobachtet werden. Auf der anderen Seite wurde bei 4 von 6 als nicht geheilt entlassenen Patienten eine Gallengangserweiterung nicht beobachtet. Ob hier ein Kriterium für eine Therapieerfolg vorliegt müssen weitere Studien zeigen. Ein als nicht geheilt entlassener Patient mit Gallengangserweiterung klagte über Gallenwegskoliken nach Triclabendazol-Therapie, eventuell wurde hier nur ein Teil der Würmer abgetötet.

Therapieversagen:

Nach Behandlung mit Triclabendazol konnte in zwei Fällen ein Therapieversagen durch Sonographie erhärtet werden. (bestätigt durch mikroskopische Stuhluntersuchungen) Es konnten sich aktiv bewegende Parasiten dargestellt werden. (Abb. 22)


51

Abb. 22 An Tag 7 nach Triclabendazol sind 3-4 sich spontan-bewegende Fasciola hepatica darstellbar

Sonographische Veränderungen unter Triclabendazol- Therapie:

Einige charakteristische sonographische Veränderungen unter der Therapie mit Triclabendazol ließen sich beobachten. War vor Therapie die Fasciola hepatica scharf begrenzt halbmondförmig, so stellte sich im Verlauf der Therapie eine Vergrößerung des Volumens ein und gleichzeitig waren die Ränder nicht mehr scharf abgrenzbar.

Nach einem Beobachtungszeitraum von 1-2 Wochen ließ sich in einigen Fällen geformter Gallenblasengries darstellen. (siehe Abb. Nr.23) Man könnte diese Beobachtungen mit Zerfalls- und Auflösungsprozessen der Parasiten in Zusammenhang bringen. Eventuell werden abgestorbene Parasiten nicht gleich durch die Gallengänge ausgestoßen. Dieses Phänomen konnte hauptsächlich bei Patienten mit hoher Parasitenbelastung und behinderter Gallenblasenkontraktion festgestellt werden.

Abb. 23 geformter Gallenblasengries an Tag 15 nach Therapie mit Triclabendazol


52

Sonographiescore:

(Erklärung der Scorekriterien siehe Kap 2.2.5.)

An Tag 0 wiesen 27,6% der Patienten einen Normalbefund auf. Unter der Therapie mit Triclabendazol (Tag 1-15) wurden bei nur 6,5 % keine Auffälligkeiten beobachtet. In der Nachbeobachtung Tag 60 (30) wiesen deutlich mehr Patienten als vor Therapie einen Normalbefund auf (59,1%).

Abb. 24 Score 0; Normalbefund in der Ultraschalluntersuchung

Nur eine Hepato- oder Splenomegalie ohne sonstige Gallengangsveränderungen wurden bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten beobachtet: Tag 0 = 3,9%, Tag 1-15 = 3,9%,

Tag 60 (30) = 2,6%.

Abb. 25 Score 1; Hepato- und Splenomegalie in der Ultraschalluntersuchung


53

Der Prozentsatz unspezifischer Gallengangsveränderungen erhöhte sich nach Therapie nur geringfügig (Tag 0 = 47,3%, Tag 1-15 = 52,6%), da einerseits mehr Patienten spezifische Veränderungen zeigten (Score 3 und 4), sowie andererseits bei mehr Patienten erstmals eine Gallengangserweiterung auftrat.

Abb. 26 Score 2; unspezifische Gallengangsveränderungen in der Ultraschalluntersuchung

Nach Behandlung fanden sich hier fast doppelt so viele Patienten (30,3%) wie an Tag 0 (18,3%). In der Nachuntersuchung fanden sich noch 2 Patienten (2,6%) mit verdächtigen Sonographiebefunden. Einer dieser Patienten wurde durch mikroskopischen Einachweis als Therapieversager eingestuft.

Abb. 27 Score 3: Fasziolose-verdächtige Gallenwegsveränderungen in der Ultraschalluntersuchung


54

Nach Behandlung finden sich in dieser Gruppe mehr als doppelt so viele Patienten (6,5%) wie an Tag 0 (2,6%). In der Nachuntersuchung finden sich 2 Patienten (2,6%) mit pathognomonischen Sonographiebefunden. Diese beiden Patienten wurden auch durch mikroskopischen Einachweis als Therapieversager eingestuft.

Abb. 28 pathognomonische Veränderungen der Gallenwege in der Ultraschalluntersuchung

3.5.6 Compliance

Durch die hervorragende Organisation der kubanischen Kollegen und die im Kollektiv durchgeführten Transporte zu den Nachuntersuchungen konnte eine hohe Compliance erreicht werden. Für die Nachuntersuchungen an Tag 15 erschienen 78/81 Patienten (96,2%), an Tag 30 : 78/81 Patienten (96,2%), an Tag 60 : 79/81Patienten (97,5%).

Abb. 29 Compliance bei Nachuntersuchungen


55

Es konnte nicht bei allen Patienten die sich zur Nachuntersuchung (Tag 15, 30, und 60) vorstellten, eine Stuhlprobe gewonnen werden. Andere Patienten die nicht erscheinen konnten schickten wiederum ein Stuhlprobe nach Havanna, so dass zur Beurteilung der Therapie-Effektivität folgende Zahlen zugrunde gelegt wurden. An Tag 15 ermöglichten 79/81 Patienten (97,5%), an Tag 30; 79/81 Patienten (97,5%), und an Tag 60; 76/81 Patienten 93,8% eine mikroskopische Stuhluntersuchung.

Abb. 30 Compliance bei Abgabe der Stuhlproben


56

3.6 Behandlungserfolg

Als Goldstandard in der Diagnose der Fasciola hepatica Infektion dient der direkte Einachweis im Stuhlpräparat. Bei allen Patienten dieser Studie wurden in der mikroskopischen Stuhluntersuchung Eier von Fasciola hepatica nachgewiesen. Als Kriterien zur Beurteilung der Effektivität von Triclabendazol wurden folgende Parameter definiert:

Der Einachweis in der Stuhluntersuchung nach Kato modifiziert nach Katz, Ritchie, oder Sedimentationtechnik, sowie der sonographische Nachweis sich aktiv bewegender Fasciola hepatica an Tag 7-60. An Tag 60 konnten bei 6/76 Patienten in mindestens einer der 3 Stuhluntersuchungstechniken Fasciola hepatica-Eier nachgewiesen werden. Bei drei dieser Patienten konnten zwischen Tag 7 und 30 keine Eier nachgewiesen werden. In diesen Fällen wäre eine Reinfektion denkbar, aber unwahrscheinlich, da die Eiablage nach Aufnahme der Metazerkarien frühestens nach 2 Monaten beginnt. Dieser Zeitraum wurde durch Versuche bei Schafen und Rindern ermittelt, Untersuchungen beim Menschen liegen nicht vor (68,79).

Bei 2/6 (33%) Patienten konnte der positive Einnachweis durch aktive Bewegung in der Sonographie bestätigt werden. Legt man diese Kriterien des Therapieversagens zugrunde (die Möglichkeit der Reinfektion nicht berücksichtigend) so ergibt sich eine Heilungsrate von 92,1% (70 von 76 Patienten) für Triclabendazol in dieser Studie.

Abb. 31 Behandlungserfolg der Triclabendazoltherapie bei Fasziolose


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