Freise, Stefan: Behandlung und Verlaufskontrolle der therapieresistenten Leberegelinfektion (Fasziolose) mit Triclabendazol

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Kapitel 5. Zusammenfassung:

In Zusammenarbeit zwischen dem Tropeninstitut Berlin, dem Instituto de Medicina Tropical “Pedro Couri“, Havanna und der Firma Ciba-Geigy, Basel wurde das Antihelminthikum Triclabendazol auf seine Wirksamkeit gegen den Leberegel Fasciola hepatica untersucht. Ein Großteil der Patienten (95%) kam aus dem Dorf La Palma (Pinar del Rio), die Infektion ist wahrscheinlich auf eine Charge befallenen Kopfsalates zurückzuführen, der im Dezember 1994 dort verkauft wurde. Bei allen Patienten wurde die Infektion durch Einnachweis im Stuhl gesichert. Am empfindlichsten erwies sich die Untersuchung nach Kato modifiziert nach Katz (67), zusätzlich wurde die Anreicherungstechnik nach Ritchie (63) und die Sedimentationsmethode (56) verwandt. Alle Patienten hatten vorher mindestens eine antihelminthische Therapie gegen Fasciola hepatica erfolglos abgeschlossen. 81 Patienten wurden der Therapie mit Triclabendazol unterzogen. Das in der Veterinärmedizin seit 1983 verwendete Triclabendazol wurde bisher nur in Einzelfällen oder bei kleinen Patientengruppen am Menschen eingesetzt (44, 131, 7, 15, 16). Triclabendazol wurde in einer Dosierung von 10 mg/Kg KG zweimal im Abstand von 12 Stunden verabreicht. Triclabendazol wurde mit einer fetthaltigen Mahlzeit verabreicht, um die Resorption zu verbessern. In keinem Fall kam es direkt nach Einnahme zu Erbrechen oder anderen gravierenden Nebenwirkungen. Die Patienten wurden täglich klinisch untersucht, und sonographiert (Oberbauch). Es wurden alle Oberbauchorgane vermessen, die Gallenblase und die Gallengänge dargestellt, es wurde versucht die Egel direkt nachzuweisen. Ein Scoresystem für die Ultraschallbefunde wurde entwickelt. An den Tagen 0, 3, 7, 15, 30, und 60 wurden Blutbild mit Differentialblutbild, Blutchemie, parasitologische Stuhluntersuchungen, Antikörper- und Antigenbestimmungen durchgeführt. Im weiteren Verlauf berichteten 66 % der Patienten über Nebenwirkungen. Bei 49 % der Patienten kam es zu einer Gallenwegskolik häufig um den vierten bis fünften Tag. Diese Nebenwirkung kann auch mit der Passage abgestorbener Leberegel in Zusammenhang gebracht werden. 43 % der Patienten berichteten über epigastrische Schmerzen, 16 % über neuaufgetretene Kopfschmerzen, 9 % über Nausea, bei 9 % kam es zu Fieber, 6% berichteten über Pruritus, und 4 % der Patienten litten unter inspiratorischen Atemschmerzen. Bei zwei Patienten kam es zu urtikariellen Hautveränderungen, in einem Fall unmittelbar nach Einnahme der zweiten Dosis Triclabendazol. Im Verlauf der Untersuchung konnten keine Veränderungen der Vitalparameter beobachtet werden. Folgende Laborwerte stiegen zwischen den Tagen 3 und 7


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an, um in der Nachuntersuchungs-periode unter den Ausgangswert zu fallen:

BSG, eosinophile Granulozyten, alkalische Phosphatase, GOT, GPT. Vor Therapie wiesen 41 % der Patienten eine Anämie auf, an Tag 60 noch 31 %. Die mikroskopische Stuhluntersuchung wies an Tag 7 noch bei 3 Patienten Parasiteneier nach. Bei der Untersuchung an Tag 60 wurden bei 6 Patienten Parasiteneier nachgewiesen. Die Antigenbestimmung im Stuhl stieg unter Therapie, um danach unter den Ausgangswert zu fallen, an Tag 60 hatten 15 % der Patienten positive Testergebnisse. An Tag 90 hatten sich die Antigenwerte aller Ei-negativen Patienten normalisiert.

In der Ultraschalluntersuchung konnten in 6,5 % pathognomonische Veränderungen dargestellt werden. Fasziolose-verdächtige Ultraschallbefunde wurden vor Therapie bei 18% und nach Therapie bei 30% der Patienten erhoben. Bei den Nachuntersuchungen konnte nur bei 2,6% der Patienten Fasziolose-verdächtige Befunde erhoben werden. Bei zwei von sechs der als Therapieversager eingestuften Patienten konnte im Ultraschall während der Nachuntersuchungen pathognomonische Veränderungen (aktive Bewegung der Parasiten) dokumentiert werden.

Zur Beurteilung der Effektivität von Triclabendazol wurde ein Nachuntersuchungszeitraum

von 60 Tagen gewählt. Als sichere Kriterien für ein Versagen der Therapie wurde ein positiver Einachweis in einer der drei mikroskopischen Stuhluntersuchungen, sowie der sonographische Nachweis sich aktiv bewegender Fasciola hepatica in den Gallengängen erachtet. In 7,9 % (6/76) der Patienten musste nach diesen Kriterien die Diagnose einer persistierenden Fasciola hepatica Infektion gestellt werden, 92,1 % (70/76) der Patienten konnten als geheilt entlassen werden.


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Fri Jun 1 12:17:41 2001