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1  Einleitung

Der „Weltbericht zu Hunger und Unterernährung 2000“ der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zeigt deutlich auf, dass Nahrung noch immer für viele Menschen ein äußerst knappes Gut ist. Nach diesem Bericht haben ca. 826 Millionen Menschen nicht genug zu essen. Demgegenüber steht die weitere Zunahme der Weltbevölkerung, die nach heutigen Erkenntnissen bis zum Jahre 2020 auf etwa acht Milliarden Menschen ansteigen wird (Engelhard 2000).

Besonders in den Entwicklungsländern Afrikas sind die Geburtenraten sehr hoch. Südlich der Sahara befinden sich die Mehrzahl der ärmsten Länder der Welt, in denen Hunger und Unterernährung weit verbreitet sind (Waterlow et al. 1998). In vielen Gebieten sind die selbst bestellten Felder in der Umgebung und das Sammeln von Pflanzen und Früchten die einzige Nahrungsquelle (FAO 2000).

Der Boden und seine unterschiedliche Fruchtbarkeit spielt eine zentrale Rolle für die Ernährung. Jahr für Jahr gehen jedoch 20 Millionen Hektar an landwirtschaftlich genutzter Fläche durch Verwüstung und Versteppung verloren, die Wüsten dehnen sich jedes Jahr um sechs Millionen Hektar aus (BMZ 1992). Die Entwicklungsländer in Afrika sind am stärksten von der Desertifikation betroffen (Hammer 2000).

In vielen Gebieten ist eine landwirtschaftliche Nutzung der Böden ohne künstliche Bewässerung undenkbar. Aber Wasser steht nur selten in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung (Beese et al. 1997, Wolff und Stein 1999). Die nicht optimal be- und entwässerten Flächen werden zudem noch äußerst intensiv bewirtschaftet, um einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen. Nach relativ kurzer Zeit verlieren die Böden ihre Fruchtbarkeit und sind landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar. Auf der Suche nach neuen, fruchtbaren Böden wird im Regenwald und in den Savannenlandschaften Brandrodung betrieben. Zusammen mit dem Holzeinschlag zur Gewinnung von Harthölzern und dem Schlagen und Sammeln von Feuerholz wird jährlich weltweit eine Fläche von ca. 12,5 Millionen Hektar tropischer Naturwälder vernichtet (BML 1999). Die für die Landwirtschaft neu erschlossenen Böden sind oft nur für kurze Zeit nutzbar. Eine anschließende Viehbeweidung trägt dazu bei, dass die Flächen offen bleiben und sich keine neue Vegetation bilden kann (Beyer 2002). Ohne ihre natürliche Vegetationsdecke sind die Böden der direkten Sonneneinstrahlung, starken Stürmen, Regenzeiten und Dürreperioden schutzlos ausgesetzt. Die Folgen sind extreme Temperaturschwankungen der Bodenoberfläche, Austrocknung, Nährstoffauswaschung, Bodenabtragung (Erosion) und die Veränderung der Grundwasserverhältnisse (Engelhard 2000, Mörschel 2002).


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Aber auch die Bodenversalzung (Salinität) spielt eine zunehmende Rolle und zählt speziell in den Tropen und Subtropen zu den Hauptgründen für den weltweiten Verlust an landwirtschaftlich genutzten Flächen (Boyko 1966, Shay 1990, Ghassemi et al. 1995, Zech 2002). In ariden und semiariden Regionen dieser Klimazonen bedingt die starke Sonneneinstrahlung in Verbindung mit hoher Evapotranspiration eine überwiegend aufwärts gerichtete Wasserbewegung im Boden. Dadurch werden Salze in die oberflächennahen Bodenschichten verlagert. Dort können sich die Salzionen stark anreichern, da das Wasser verdunstet und die Salze an der Bodenoberfläche zurückbleiben (Fellenberg 1999).

Der Artenreichtum der tropischen und subtropischen Flora und damit ihr genetisches Potenzial ist riesengroß. Die hohe Biodiversität ermöglicht es, dass in den Entwicklungsländern dieser Regionen hunderte verschiedener Pflanzenarten zur Verfügung stehen, die in vielen Gebieten zur Sicherung der Nahrungsgrundlage und des Einkommens beitragen (vonMaydell 1990, Franke 1997, Karmann und Lorbach 2002). Während in Ländern kühler Klimate Fleisch, Getreide, Wurzel- und Blattgemüse die Hauptnahrungsmittel darstellen, sind in tropischen Gebieten neben Reis, Mais oder Hirse die Früchte krautiger Pflanzen und sehr vieler Gehölze wichtigste Ernährungsgrundlage. In den Tropen zählen etwa 90% der Arten, deren Früchte als Nahrungs- und Genußmittel verwendet werden, zu den holzigen Gewächsen, die meisten davon sind Bäume (Nowak und Schulz 1998). Die Früchte weisen oft sehr interessante Eigenschaften auf, stellen aber auch eine wichtige Quelle für Mineralstoffe u.a. lebensnotwendige Substanzen dar.

Beeindruckend sind oft die botanischen Kenntnisse der Menschen über Verwendung und Eigenschaften der Früchte. Das Wissen kann aber von Region zu Region stark variieren. Neben den wertvollen Früchten als Nahrungs- und Heilmittel liefern die Gehölze auch Bau- und Brennholz, Grundstoffe für Medizin, Fasern, Öle, Harze und spenden Schatten für Mensch, Tier und Boden (Milimo et al. 1992, Garrity 2000).

Oft ist der potentielle Nutzen der Wildobstgehölze bei weitem noch nicht ausgeschöpft (Bonkoungou et al. 1999, Muok et al. 2001). Eine Ursache dafür ist, dass das Interesse der Forschung bislang nicht besonders ausgeprägt war (Buwalda et al. 1997). Nur wenige Obstarten werden in Plantagen angebaut und dienen als Exportfrüchte, wie z.B. Kakao, Kaffee oder Mango. Der internationale Fruchthandel ist seinerseits ständig auf der Suche nach neuen Früchten und Produkten. Viele Wildobstarten sind bis heute kaum bekannt, wissenschaftlich wenig untersucht und damit züchterisch nicht bearbeitet (Gunasena 2001).

Wildobstarten in den Tropen und Subtropen zeichnen sich im Gegensatz zu den Kulturpflanzen durch eine hohe Lebensdauer, Toleranz bei Trockenheit und Dürre [Seite 9↓]und eine relativ gute Resistenz gegenüber Schädlingen und Krankheiten aus (Packham 1993). Einheimische Strauch- und Baumarten sollten deshalb verstärkt angepflanzt und genutzt werden. Sie könnten auch eine nachhaltige Nutzungsform für landwirtschaftlich unbrauchbare Flächen sein. Gerade Dauerkulturen wie Obstgehölze können speziell in Gebieten mit hoher Sonneneinstrahlung dazu beitragen, eine Degradierung von erosion- bzw. austrocknungsgefährdeten Böden zu verhindern, da im Obstbau die Bodenbearbeitung minimal ist und die Schattenwirkung von Obstbäumen einer übermäßigen Erhitzung des Bodens entgegenwirkt. Wissenschaftliche Untersuchungen der Ökophysiologie von Wildobstarten, ihrer Standortanprüche, des Wachstums und der Entwicklung, ihrer Vermehrung und Kultivierung liegen kaum vor und können auch in nächster Zukunft von den Entwicklungsländern nicht geleistet werden. Hier ist die Unterstützung der Industrieländer gefragt!

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Baobab (Adansonia digitata) und der Tamarinde (Tamarindus indica) als interessante Wildobstarten im Sudan und den Problemen der dortigen Bodenversalzung. Im zweiten Teil der Arbeit wird der Einfluss von NaCl-Salinität auf Wachstum und Stoffwechsel bei Baobab- und Tamarindensämlingen untersucht, um Aussagen zur Salzverträglichkeit dieser Wildobstarten treffen zu können.


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20.11.2003