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2  Der Baobab

2.1 Botanische Beschreibung

Der Baobab, Adansonia digitata Linné (1753), wird zur Familie der Bombacaceae (Wollbaumgewächse) gezählt (Baum 1995, Felter und Lloyd 1998, Schemmerling und Uhlarz 1998, Wyk und Gerick 2000). Häufig wird er auch als Affenbrotbaum bezeichnet, da die Früchte gern von Affen gefressen werden (Rashford 1994). Der Baobab gehört zu einer Gattung, die acht relativ ähnliche Arten umfasst. Die Art A. digitata kommt in den Savannen Afrikas vor, eine zweite Art (A. gibbosa) ist beschränkt auf den Nordwesten Australiens und die verbleibenden sechs Arten (A. grandidieri, A. madagascariensis, A. perrieri, A. rubrostipa, A. suarezensis, A. za) sind endemisch in Madagaskar (Baum et al. 1998).

Der Baobab (Abbildung 1) ist ein mächtiger, die Landschaft prägender und laubabwerfender Baum, der eine Höhe von 20 bis 25 m erreichen kann und mehrere hundert Jahre alt wird (Venter und Venter 1996).

Abb. 1: Baobab (Adansonia digitata) in Nord-Kordofan (Sudan).

Der kurze und sukkulente Stamm erreicht einen Umfang von bis zu 40 m (Danert et al. 1993). Die Form des Stamms ist sehr unterschiedlich. Bei jungen Bäumen kegelförmig, bei ausgewachsenen Bäumen zylindrisch, flaschenförmig, spitz zulaufend mit Ästen nahe der Basis. Die runde und weit ausladende Krone hat dicke, knochige und unförmige Äste und Zweige, die im unbelaubten Zustand oft an [Seite 11↓]ein intensiv entwickeltes Wurzelsystem erinnert. Aufgrund dieses typischen Erscheinungsbilds wird er auch als “Africa’s upside down tree“ bezeichnet (Wickens 1982). Der Stamm besitzt eine außen harte und innen faserige, bis 2,5 cm dicke Borke, die grau bis rötlich und glatt, pockennarbig oder runzelig wie eine Elefantenhaut sein kann (FAO 1988a).

Der Baobab ist nur während der etwa viermonatigen Regenzeit beblättert. In den verbleibenden acht Monaten ermöglicht eine Schicht von grünen Zellen unmittelbar unter der Rinde ein Mindestmaß an Photosynthese, deren Grundlage die Wasserreserven im Stamm darstellen (Fenner 1980).

Es besteht Blattdimorphismus. Die Blätter von Sämlingen und jungen Bäumen sind von einfacher Form. Voll entwickelte Blätter sind wechselständig angeordnet, glänzend grün, fünf- bis maximal neunzählig gefingert und haben einen Durchmesser von etwa 20 cm. Am Ende des bis zu 16 cm langen Blattstiels sitzen die 10 mal 5 cm großen, ganzrandigen Fiederblättchen (El Amin 1990). Die Blätter des Baobab sind in der Form denen der Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) ähnlich.

Die großen und sehr auffälligen, wachsigweißen Blüten hängen einzeln oder zu zweit an langen Stielen herab, messen 5 bis 10 mal 4,5 bis 12 cm und verbreiten einen unangenehmen Geruch (Wickens 1982). Der Kelch ist tief drei- bis fünfzipfelig und innen samtig behaart. Die fünf Petalen (Kronenblätter) überlappen sich ein wenig und haben eine breit rundliche oder breit verkehrt eiförmige Form. Auffallend ist die sehr große Zahl von Staubblättern (720 bis 1600), die an der Basis zu einer 1,5 bis 4,5 cm langen Röhre zusammenwachsen (Schütt und Wolf 1996). Der fünf- bis zehnfächerige, oberständige Fruchtknoten enthält zahlreiche Samenanlagen und der Griffel überragt die Staublätter um ca. 1,5 cm. Die Blühdauer einer Einzelblüte beträgt höchstens 24 Stunden.

Aus den Fruchtknoten entwickeln sich innerhalb von acht Monaten die auffälligen und an langen Stielen herabhängenden Früchte (Schütt und Wolf 1996), die sich während des Reifeprozesses von grün über gelb in graubraun verfärben. Die durchschnittlich 35 mal 16 cm große Kapsel besitzt ein bis zu 1 cm dickes, verholzendes Perikarp (Fruchthülle), das zur Reife außen von einem dichten Filz aus gelbbraunen, rauhen Haaren von bis zu 3 mm Länge überzogen ist und sich nicht öffnet (Nowak und Schultz 1998).

In der Literatur (Wickens 1982, El Amin 1990) wird von sehr unterschiedlichen Fruchtformen und -größen berichtet. Im Sudan sind die Früchte kugelig, eiförmig [Seite 12↓]oder länglich mit stumpfen bzw. zugespitztem Apex. In Abhängigkeit von den Herkunftsgebieten wurden folgende Fruchtlängen gemessen:

In der Fruchtkammer (Abbildung 2) befinden sich die zahlreichen rundlichen, ellipsen- oder bohnenförmigen Samen. Sie sind von brauner Farbe, haben die Maße 13 mal 9 mm und sind mit einer ca. 1 mm dicken und äußerst harten Testa umschlossen. Das Tausendkorngewicht der Samen beträgt 350 bis 500 g. Die Baobabsamen sind zum Zeitpunkt der Reife in eine zähschleimige, säuerliche, gelbweiße Pulpe (Fruchtfleisch) eingebettet, die die Fruchtkammer ausfüllt. Sie ist von einigen rotbraunen, grob strähnigen Fasern durchzogen. Durch Trocknung und Lagerung erreicht das Fruchtfleisch eine mehlige Konsistenz.

Die Bäume tragen im Alter von ungefähr 20 Jahren erstmals (Anonymus 2001) und später ausgewachsen mehr als 250 Früchte (Ibiyemi et al. 1988).

Abb. 2: Baobabfrucht aus dem Sudan.


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2.2  Natürliche Verbreitung und Entwicklung

Adansonia digitata ist endemisch in den heißen und trockenen Regionen Afrikas südlich der Sahara, insbesondere in der Sahelzone. Das Verbreitungsgebiet reicht von den Baum- und Strauchsavannen des afrikanischen Tieflands bis in Höhenlagen von 1250 m. Der Baobab fehlt jedoch im Bereich des zentralafrikanischen Regenwalds. Er ist oft als markante Solitärpflanze oder in kleineren Gruppen zu finden. Geschlossene Bestände bildet er nur selten (Fenner 1980). Im Bereich der trockenen Baumsavannen ist er auch mit den Gattungen Acacia, Albizia, Combretum, Commiphora, Diospyros, Terminalia, Tamarindus u.a. in wechselnden Anteilen vergesellschaftet (Purseglove 1982, Schütt und Wolf 1996).

Das geographische Hauptverbreitungsgebiet liegt in Afrika und erstreckt sich vor allem über die Länder Senegal, Gambia, Mali, Burkina Faso, Ghana, Togo, Niger, Nigeria, Tschad, Kamerun, Sudan, Eritrea, Äthiopien, Somalia, Kenia, Tansania, Angola, Sambia, Simbabwe, Mosambik, Namibia, Botswana und Süd Afrika (Garrity 2001a). Im Sudan ist der Baobab in den Gebieten Kordofan, Darfur, Blue Nile, Upper Nile und Bahr el Ghazal zu finden (ElAmin 1990). Außerhalb seines natürlichen Areals ist A. digitata u.a. auch in Indien, Kuba und Indonesien anzutreffen. Schon im 13. Jahrhundert haben arabische Händler zu seiner Verbreitung beigetragen (Maheshwari 1971).

Der Baobab übersteht gut Dürreperioden und ist ausgesprochen feuerresistent. Er besitzt ein sehr ausgedehntes Wurzelsystem und eine hohe Wasserspeicherkapazität im Stamm. Diese Anpassung erlaubt ihm ein Vorkommen in Gebieten mit Jahresniederschlägen von 100 bis 1000 mm. Er kommt jedoch auch in Gebieten mit noch geringeren Niederschlagsmengen vor. Ein optimales Gedeihen zeigt der Baobab bei 800 mm (Fenner 1980). Die Feuerresistenz verdankt er seiner dicken, faserigen, kaum brennbaren Borke (Garrity 2001a).

Messungen des freigelegten Wurzelsystems ergaben, dass es relativ flach ist, bis 1,8 m tief, sich aber über eine große Fläche erstreckt, deren Durchmesser größer ist als die Baumhöhe (Fenner 1980). Das ausgedehnte und dicht verzweigte Wurzelsystem ist wahrscheinlich die beste Anpassung an die geringen jährlichen Niederschläge, die oft als kurze und heftige Schauer fallen.

Der Baobab stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden (Hintgen 2001). Er gedeiht auf sandigen bis steinigen und alkalischen bis sauren Böden. Eine ausreichende Verankerung für das flache Wurzelsystem im Boden muss jedoch gewährleistet sein (FAO 1988a). Überflutungen auf schweren Böden sowie schlecht dränierte Substrate werden nicht toleriert (vonMaydell 1990).


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Das natürliche Verbreitungsgebiet des Baobab wird durch das Auftreten von Nachtfrösten begrenzt, da die Pflanzen sehr frostempfindlich sind (Venter und Venter 1996).

Im Alter von ungefähr 20 Jahren blüht der Baobab zum ersten Mal (Anonymus 2001). Die Bestäubung erfolgt durch Wind, vor allem aber auch durch Fledermäuse und Insekten, die von den großen und nach Aas riechenden Blüten innerhalb der relativ kurzen Blühdauer angelockt werden (Porsch 1935, Coe und Isaac 1965).

Nach der Reife fressen u.a. Termiten die süße Pulpe der abgefallenen, reifen Baobabfrüchte und legen so die Samen frei, die dann für mehrere Monate im Boden verbleiben können, ohne zu keimen. Diese Dormanz wird hauptsächlich durch die sehr harte Testa der Samen hervorgerufen. Wahrscheinlich ist die geringe Anzahl an Baobabbäumen in den Savannen auch auf die Keimhemmung der Samen zurückzuführen (Etejere und Osatimehin 1984). In der Natur wird die Dormanz durch das Passieren des Verdauungstrakts größerer Säugetiere gebrochen. Einheimische Tiere wie z.B. Elefanten, Affen, Kleinsäuger und Vögel, aber auch die Menschen tragen zur Verbreitung der Samen bei. Die Keimung ist epigäisch und erfolgt in der Regel während der Regenzeit (Schütt und Wolf 1996).

Die Keimlinge des Baobab haben große, flache und gegenständige Kotyledonen. Die ersten Blätter sind gestielt, generell einfach und schmal (Venter und Venter 1996). In der Jugendphase bilden sich dann mehr und mehr zwei- und dreiteilige Blätter aus. Unter günstigen Bedingungen ist ein rascher Höhenwuchs möglich, der in den ersten sechs Monaten bis 70 cm erreichen kann. Der Sämling bildet eine rübenförmige Pfahlwurzel, von der feine und dicht verzweigte Wurzeln ausgehen.

Die Äste des jungen Baobab entwickeln sich spitzwinkelig vom Stamm. Später im Alter von 30 bis 40 Jahren verlaufen sie eher rechtwinkelig (Wickens 1982).

VonBreitenbach (1985) unterscheidet nach dem Erscheinungsbild vier generelle Wachstumsphasen in der Entwicklung von A. digitata. Als erstes die Jugendphase (bis 10 oder 15 Jahre), dann die Kegelphase (bis 60 oder 70 Jahre), danach die Flaschenphase (bis 200 oder 300 Jahre) und schließlich die Altersphase. Anfänglich wachsen die Pflanzen sehr schnell, insbesondere in der Jugend- und Kegelphase. Bereits in einem Alter von 10 bis 15 Jahren beginnt sich der Stamm stark zu verdicken (vonBreitenbach 1985). Die enorme Stammmasse dient vor allem der Wassereinlagerung im Holz selbst und in großen Hohlräumen. Während der Trockenzeit kann sich der Stammumfang durch die Wasserverluste um mehrere Zentimeter verringern (Guy 1982).


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Aufgrund der enormen Ausmaße des Stamms und der Krone wurde das Alter von Baobabbäumen oft überschätzt. Eine Zählung der Jahresringe ist schwierig, da die Zuwachszonen im Alter extrem eng beieinander liegen. Erst die Anwendung der Radiokarbon-Methode ergab zuverlässigen Aufschluss über das Alter. So wurde für den Kernbereich eines 4,5 m starken Baums am Sambesi ein Alter von 1010 ± 100 Jahre ermittelt (Swart 1963). Eine Inventur in Mali, Kenia, Tansania, Sambia und im Sudan ergab, dass nur wenige Bäume älter als 400 Jahre waren (Wilson 1988).

Im Verlaufe seines relativ langen Lebens ist der Baobab gewissen Gefahren ausgeliefert. Hierbei spielen Schadinsekten, pathogene Pilze, Bakterien und Viren keine ernsthafte Rolle. Aber die auflaufenden, extrem lichtbedürftigen Keim- und Sämlinge sind durch die Konkurrenz der Bodenflora, durch Lichtmangel und Trockenheit, Feuer, Verbiss und Ackerbau gefährdet. Unkontrollierte Buschbrände in den trockenen Gebieten und zu starke Viehbeweidung tragen zu einer Verringerung der Anzahl junger Pflanzen bei (Danthu et al. 1995). Aber auch die einheimische Bevölkerung verkennt oft die Sämlinge als Naturverjüngung aufgrund ihrer abweichenden Blattform (Wickens 1982). Die Folge sind überalterte Bestände (Wilson 1988). Zu hohe Elefantenpopulationen tragen ebenfalls zur erheblichen Mortalität der Baobabbäume bei. Neben der Zerstörung der Naturverjüngung nutzen Elefanten in Trockenzeiten den hohen Wassergehalt des Holzes, indem sie mit den Stoßzähnen die Borke entfernen, das feuchte Holz kauen und es nach Aufnahme der Flüssigkeit inklusive der gelösten Salze wieder ausspeien. Dabei treten enorme Stammverletzungen auf, die zum Absterben des Baums führen können (Barnes 1980, Weyerhaeuser 1985, Swanepoel und Swanepoel 1986).


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2.3  Bedeutung und Verwendung

Der Baobab, der mächtigste Baum der trockenen und heißen Savannen Afrikas, ist einer der am vielfältigsten genutzten Bäume dieser Gebiete (Sahni 1968, Owen 1970, Wyk und Gerick 2000), insbesondere auch im Sudan. Das typische “multipurpose” Gehölz wird daher auch die „Mutter der Sahel“ genannt (vonMaydell 1990). Der beeindruckende Baum bietet den Menschen Schutz, ist Nahrungsgrundlage, Bestandteil für Kleidung, Medizin sowie das Material für Gebrauchsgegenstände aller Art. Auch für zahlreiche Tierarten ist er Lebensraum und Futterquelle. Viele Vogelarten nisten in den Kronen (z.B. Webervögel, Sperlingspapageien, Schleiereulen und Turmschwalben) oder in Stammaushöhlungen (z.B. Eisvögel, Nashornvögel, Blauracken, Papageien). Die Früchte werden u.a. von Elefanten, Antilopen, Affen und Kleinsäugern gefressen. Auch Schlangen sind schutzsuchende Tierarten (Schütt und Wolf 1996). Diese vielseitige Verwendung für Mensch und Tier ist auch der Grund dafür, dass der Baobab seit jeher von der einheimischen Bevölkerung geschützt und verehrt wird. Kein anderer Baum in Afrika steht so im Mittelpunkt von Legenden und Sagen. Als Sitz von Göttern und Geistern spielt er in der Mythologie verschiedener Volksstämme eine wichtige Rolle (Palgrave 1993).

Aufgrund seiner einzigartigen Form und seiner Größe ist der Baobab eine hervorragende, weit sichtbare Landmarke zur Orientierung und Abgrenzung von Gebieten und Feldern (Rocheleau et al. 1988). Im belaubten Zustand ist er ein großer Schattenspender und somit ein Ort für Markttreibende, für Versammlungen und andere soziale Veranstaltungen.

Die Innenseite der Rinde des Stamms und der Wurzeln jüngerer und mittelalter Bäume liefert eine hervorragende glatte und dauerhafte Faser, die auch im Sudan direkt zum Weben verwendet und dann zur Herstellung von Handarbeitsartikeln, Seilen, Schnüren, Matten, Taschen, Körben, Fischnetzen oder Hüten genutzt wird (Fleuret 1980, Szolnoki 1985, Noad und Birnie 1990, Wyk und Gerick 2000). Durch das Schälen der Rinde werden die Bäume nicht ernsthaft beschädigt. Die Rinde regeneriert sich sehr schnell und kann einige Jahre später wieder geschält werden (vonMaydell 1990).

Das Holz der Baobabbäume ist weißlich bis hellgelb, sehr leicht (nach Lufttrocknung 320 kg/m3), schwammig und zeichnet sich durch einen sehr hohen Anteil an Holzparenchym aus (Venter und Venter 1996). Aufgrund der hohen Elastizität ist eine Bearbeitung mit der Axt schwierig. Als Bau- oder Möbelholz ist es nur eingeschränkt einsetzbar, da es eine geringe Festigkeit und Dauerhaftigkeit aufweist. In getrockneter Form findet das Holz in einigen Regionen Afrikas u.a. als [Seite 17↓]Kanu, als Schwimmer für Fischnetze und in Form von Servierbrettern Verwendung. Der hohe Bedarf an Brennholz zum Kochen der Speisen wird teilweise auch durch das Holz des Baobab mit abgedeckt.

Der erstaunlich hohe Wassergehalt des Holzes wird von den Tieren und auch Menschen in extrem trockenen Zeiten als zusätzliche Wasserquelle genutzt. Das feuchte Holz wird gekaut und so das Wasser zur Flüssigkeitsaufnahme entzogen. Die sukkulenten Stämme haben oft natürlich oder künstlich geschaffene Hohlräume, die vor allem im Westsudan als Wasserspeicher fungieren (Palgrave 1957, Sahni 1968). Während der Regenzeit werden sie von der einheimischen Bevölkerung gefüllt und fest verschlossen. Die Hohlräume können bis zu 10.000 Liter Wasser fassen, das dann für mehrere Monate oder sogar mehrere Jahre genießbar bleibt. Hohle Stämme dienen aber auch als Getreidespeicher, Lagerräume, Stallungen sowie als Schutzräume, manchmal sogar als Versteck für Wilderer. In Westafrika werden ausgehöhlte Baobabs als Grabstätten genutzt (Haq 2002). Vermoderte Überreste der durch Alter, Blitzschlag oder starke Stürme zerstörten Bäume eignen sich als Kompost und Dünger.

Die Blätter sind eine wichtige Nahrungsquelle in vielen Gebieten Afrikas (Yazzie et al. 1994). Während der Regenzeiten werden die jungen und zarten Blätter geerntet und frisch als Salat gekocht, als Gemüse in Suppen oder als Spinat gegessen (Dako 1981, Delisle et al. 1997). In den letzten Wochen der Regenzeit werden die Blätter in größeren Mengen geerntet und getrocknet, um sie während der Trockenzeit auf den Märkten als Nahrungsmittel zu handeln. Es wurde geschätzt, dass jährlich mehrere tausend Tonnen frischer oder getrockneter Blätter des Baobab in der Sahelzone konsumiert werden (vonMaydell 1990). Ein zu hoher Beerntungsgrad kann zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Baumvitalität führen. Die Blätter des Baobab werden üblicherweise in der Sonne getrocknet und dann als ganzes Blatt oder als feines Pulver gelagert. Sidibe et al. (1998a) untersuchte den Vitamingehalt der in der Sonne bzw. im Schatten getrockneten Blätter. Dabei zeigte sich ein höherer Vitamingehalt der im Schatten getrockneten Blätter. Auf den Märkten ist das trockene Pulver der Blätter die eher übliche Handelsform, die das ganze Jahr über im Angebot ist (Sidibe et al. 1998a). Das Pulver findet traditionell als Zuschlagstoff in vielen Speisen Verwendung, wie z.B. zum Andicken von Suppen und Soßen und beim Brotbacken.

Frische und junge Blätter haben einen Proteingehalt von 4% und sind außerdem sehr reich an Vitamin A und C (FAO 1988a, Sidibe et al. 1998a). In Bezug auf den Mineralstoffgehalt stellen Baobabblätter eine hervorragende Quelle für Kalzium, Eisen, Kalium, Magnesium, Mangan, Molybdän, Phosphor und Zink dar (Yazzie et al. 1994, Glew et al. 1997, Barminas et al. 1998, Sena et al. 1998). Der [Seite 18↓]Faseranteil und der Geschmack der Blätter variieren zwischen den einzelnen Bäumen (Schütt und Wolf 1996).

Die großen und auffällig weißen Blüten werden roh als Salat gegessen oder als Aromastoff in Getränken verwendet (vonMaydell 1990). Der Pollen (Blütenstaub) ergibt mit Wasser gemischt einen guten Klebstoff (FAO 1988a).

Den Früchten der Baobabbäume kommt die größte Bedeutung zu. Sie lassen sich gut lagern und sind daher ein wichtiger Bestandteil der Nahrung während der Trockenzeiten. Die gesamte Frucht, die Samen mit dem Fruchtfleisch und auch das getrocknete, pulverisierte und in Plastiksäckchen verpackte Fruchtfleisch werden auf den Märkten gehandelt (Sidibe et al. 1996). Das als “cream of tartar“ bezeichnete Fruchtfleisch kann auch roh als Snack gegessen werden (Wyk und Gerick 2000). Oft wird die Pulpe von den Samen getrennt, mit Wasser und Zucker vermischt und als heißes sowie kaltes süß-säuerlich schmeckendes Getränk verwendet (FAO 1988a). Dieses weißliche und wohlschmeckende Getränk trägt den Namen „Baobabmilch“ (Obizoba und Anyika 1994). In den letzten Jahren hat das Fruchtfleisch eine zunehmende Bedeutung in den Städten erfahren und wird hier vor allem als Geschmackstoff, Süßigkeit und Eiskremzusatz verwendet (Ibiyemi et al. 1988, Sidibe et al. 1998a).

Das Fruchtfleisch besitzt einen außerordentlich hohen Vitamin-C-Gehalt (Carr 1955, Nour et al. 1980, Eromosele et al. 1991) Von Werten bis zu 5000 mg/kg wird berichtet (Sidibe et al. 1998b). Jedoch kann der Vitamin-C-Gehalt von Baum zu Baum stark schwanken (Sidebe et al. 1996). Die trockene Fruchtpulpe enthält Zucker (23,2%), kaum Stärke und ist reich an Pektin (FAO 1988a). Saka et al. (1994) untersuchten die Früchte von verschiedenen Wildobstarten (Adansonia digitata, Azanza garckeana, Bauhinia thonningii, Flacourtia indica, Parinari curatellifolia, Strychnos spinosa, Syzigium guineense, Trichilia emetica, Ximenia caffra) auf ihre Mineralstoffgehalte. Die höchsten Werte an Kalzium, Magnesium, Eisen, Phosphor, Kalium und Natrium wurden bei A. digitata bestimmt (1,15 mg/g).

Die Samen sind roh oder auch geröstet essbar und finden oft als Zusatz- bzw. Notnahrung Verwendung. Sie enthaltend 48% Proteine und 15% Öle (Addy und Eteshola 1984, Igboeli et al. 1997). Das aus den Samen gewonnene Mehl findet beim Kochen und als Zuschlagstoff für Suppen und Eintöpfe Verwendung. Es verleiht den Speisen einen leicht mandelartigen Geschmack (vonMaydell 1990). Geröstet werden die Samen auch als Kaffeeersatz verwendet.


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Die hölzernen Fruchtschalen werden aufgrund ihrer günstigen Größe und Form als Trink- und Essgefäße benutzt. Sie dienen auch als Brennmaterial und werden in einigen Gebieten zermahlen als Tabakzusatz verwendet.

Junge und zarte Wurzeln sowie Sprosstriebe werden vor allem in Hungerzeiten gekocht und wie Spargel gegessen. Aus den Wurzeln kann ein roter Farbstoff extrahiert werden.

Die Asche verschiedener Baumteile besitzt einen hohen Pottascheanteil (K2C03), der sie zur Seifenherstellung und als Dünger prädestiniert (vonMaydell 1990).

Blätter, Samen und Früchte werden aufgrund ihres hohen Nährwertes auch als Viehfutter eingesetzt, insbesondere am Ende der Trockenzeiten, wenn die Äsungsmöglichkeiten erschöpft sind (Venter und Venter 1996).

In der Volksmedizin spielt der Baobab eine sehr wichtige Rolle (Tabelle 1). Nahezu jeder Teil des Baums findet vielfältige Verwendung.

Tab. 1: Verwendung des Baobab in der Volksmedizin.

Frucht

Blätter

Samen

Müdigkeit bei Kindern

Pocken

Masern

Ruhr

Malaria

Wunddesinfektion

Augenlotion

Insektenstiche

Asthma

Husten

Harntreibendes Mittel

Ruhr

Entzündungen

Koliken

Müdigkeit

Herzmittel

Infektionen

Zahnschmerzen


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2.4  VermehrungundKultivierung

Neben der ursprünglichen und natürlichen Verbreitung werden die Baobabbäume in Afrika aufgrund ihrer vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten auch gern in die Nähe von Dörfern gepflanzt. Über Anzucht, Pflege und Kultivierung sind kaum Informationen bekannt (FAO 1988a). Eine gezielte Vermehrung scheint schwierig und wird fast ausschließlich über Aussaat der Samen aus den reifen Früchten erreicht (Okafor 1980, Esenowo 1991).

Im Sudan stammt die gesamte Ernte von wilden Baobabbäumen, die kaum eine Kultivierung erfahren.

Die Samen, die von einer äußerst harten Testa umschlossen sind, liegen unter natürlichen Bedingungen Monate oder gar Jahre im Boden ohne zu keimen (Esenewo 1991). Die physikalische Keimhemmung wird hier oftmals durch das Passieren des Verdauungstrakts größerer Säugetiere gebrochen.

A. digitata-Saatgut mit einem Wassergehalt von 8 bis 11% kann in luftdichten Gefäßen bei 3°C mehrere Jahre ohne erhebliche Keimverluste gelagert werden (Schütt und Wolf 1996). Für die Kultivierung ist eine Vorbehandlung der Samen notwendig, da die Keimrate ohne Vorbehandlung weit unter 20% liegt (Danthu et al. 1995).

Die Dormanz kann durch folgende Verfahren gebrochen werden:

Nach erfolgreicher Vorbehandlung keimen die Samen in der Regel innerhalb von sechs bis acht Tagen (Danthu et al. 1995).

Unter günstigsten Bedingungen ist ein schneller Wuchs der extrem lichtbedürftigen Sämlinge in Durchmesser und Höhe möglich. So können sie in 2 Jahren 2 m und in 12 Jahren bis zu 15 m erreichen (FAO 1988a). Nach dem Auspflanzen der Sämlinge ist ein wirksamer Schutz vor Verbiss durch Haustiere und Wild zwingend notwendig (FAO 1988a).

Nach Berichten von Sidibe et al. (1996) kann A. digitata auch über Stecklinge oder durch Veredelung vermehrt werden. Die vegetative Vermehrung ist eine Möglichkeit, Ökotypen mit besonderen Eigenschaften zu erhalten und zu verbreiten. Hierbei sind die Erfahrungen der einheimischen Bevölkerung über geeignete Ökotypen sehr wertvoll (Buwalda et al. 1997).


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Über eine Kultivierung der Baobabbäume in Plantagen oder Obstgärten liegen keine Berichte vor. Sie sind aber seit langem als Ziergehölz in vielen Parks und Arboreten vertreten.


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20.11.2003