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3  Die Tamarinde

3.1 Botanische Beschreibung

Die Tamarinde, Tamarindus indica Linné (1753), wird zur Familie der Caesalpiniaceae (Johannisbrotbaumgewächse) gezählt (Kunkel 1978, Lötschert und Beese 1992, Breman und Kessler 1995, Erhardt et al. 2000). In der Literatur ist sie jedoch auch oft den Familien Leguminosae bzw. Fabaceae (Daßler und Heitmann 1991, Bärtels 1996) oder Mimosae (Blanke 1999) zugeordnet. Dabei werden die Caesalpiniaceae zum Teil als eine Unterfamilie der Leguminosaeangesehen (Anonymus 1979, Chapman 1983). T. indica gehört zu einer Gattung, die nur eine Art umfasst (Lötschert und Beese 1992).

Die Tamarinde (Abbildung 3) ist in der Regel ein immergrüner Baum, der jedoch in heißen Gebieten während der Trockenzeit befähigt ist, teilweise sein Laubwerk abzuwerfen (Anonymus 1996). Der Baum wird normalerweise 10 bis 15 m hoch, kann bei optimalen Bedingungen aber auch 30 m erreichen und über 200 Jahre alt werden (Gysin 1984).

Abb. 3: Tamarinde (Tamarindus indica) in Süd-Kordofan (Sudan).

Der kurze Stamm mit einem Umfang von bis zu 10 m teilt sich häufig schon von der Basis an in zahlreiche Teilstämme (Wurzer 1994). Der Tamarindenbaum ist höchst windresistent mit starken, biegsamen Ästen und graziös herabhängenden Zweigen. Die Kronenausbreitung kann 12 m betragen (Chapman 1983). Im hohen Alter bilden sich mächtige Baumgestalten, die im Habitus unseren Eichen ähneln [Seite 23↓](Jenuwein 1992). Ältere Stämme besitzen eine nur 1 bis 1,2 cm dicke, graue Borke, die tiefe Längsrisse aufweist. Horizontale Einschnitte lassen stark faserige, rosafarbene bis rötlichbraune innere Schichten erkennen.

Die Blätter sitzen wechselständig an den hellbraunen schlanken Zweigen (Gordon 1997). Sie sind jadegrün und 5 bis 16 cm lang, paarig gefiedert mit 9 bis 18 Fiederpaaren (Griffiths 1992). Die schmalen und elliptischen Blättchen haben eine Abmessung von 1,2 bis 3,2 cm mal 0,3 bis 1,1 cm (ElAmin 1990) und werden in der Nacht zusammengefaltet. Die Blätter der Tamarinde sind in der Form und Größe denen der Gleditschie (Gleditsia triacanthos) ähnlich.

Die unscheinbaren, hübschen kleinen Blüten gleichen der Blüte der Orchideen (Randall 2001). Sie sind zart, gelblich und rot gezeichnet (Bärtels 1996). Am Ende der Äste entwickeln sich lockere, traubige Infloreszenzen mit 10 bis 15 Einzelblüten. Der blasse Kelch hat vier ca. 13 mm lange Sepalen (Kelchblätter) und die Blütenknospen bestehen aus drei hellgelben, rot geaderten, gekielten Petalen (Kronenblätter), die in einem leicht gewellten Apex auslaufen. Die beiden lateralen Kronenblätter sind etwas länger (ca. 15 mm), zwei weitere sind zu kleinen Schuppen reduziert. Drei der insgesamt fünf Staubblätter sind grünlich und fertil, die beiden anderen klein und steril. Der bohnenförmige Stempel (ca. 15 mm lang) weist einen gekrümmten Griffel auf (Cooke 1967) und besitzt bis zu 18 Samenanlagen (Verheij und Coronel 1991). Die Blühdauer einer Einzelblüte beträgt nur wenige Stunden.

Aus dem einzigen Fruchtblatt entwickelt sich anfänglich eine flache, grüne Frucht, die im Inneren ein zartes, dünnes, sehr saures Fruchtfleisch enthält (Chapman 1983). Mit zunehmender Reife wird die Hülse bauchig und das Fruchtfleisch (Mesokarp) verfärbt sich je nach Typ rot bis schwarz (Daßler und Heitmann 1991). Das Exokarp (Fruchthülle) wird holzig, spröde und brüchig und weist einige grob strähnige Fasern auf, die das Fruchtfleisch durchziehen. Die Farbe der Hülse ist im reifen Zustand zimtbraun, oft grau überlaufen, matt, mit schwacher, feiner Netzstruktur (Nowak und Schulz 1998). Die Frucht der Tamarinde öffnet sich nicht, wenn sie reif ist und bleibt länger als sechs Monate nach der Reife noch am Baum hängen (Anonymus 1996).

Tamarinden besitzen einen hohen Heterozygotiegrad und variieren daher u.a. auch stark in den Merkmalen der Fruchtmorphologie. So unterscheidet Bole (1999)


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hinsichtlich der Fruchtform allein folgende vier unterschiedliche Gruppen:

In Indien zeichnen sich die Tamarinden durch besonders lange Fruchthülsen mit 6 bis 12 Samen aus. Im Gegensatz dazu sind in Amerika die meisten Tamarindenfrüchte sehr kurzhülsig (Anonymus 1996). Franke (1997) berichtet, dass sogar schon am einzelnen Baum die Fruchtlänge ganz erheblich, zwischen 3 und 18 cm, schwanken kann.

In den Hülsen (Abbildung 4) befinden sich 4 bis 12 eckig-abgeflachte, unregelmäßig geformte, von einer harten, glänzenden, braunschwarzen Testa

Abb. 4: Tamarindenfrucht aus dem Sudan.

umgebene Samen, die eine Größe von bis zu 18 mm besitzen (Nowak und Schulz 1998). Das Tausendkorngewicht der Samen beträgt 400 bis 500 g. Sie sind vom Endokarp, einer dünnen und ledrigen Membran, lose umhüllt (Verheij und Coronel 1991) und klappern beim Schütteln der reifen Frucht. Das Fruchtfleisch, auch Pulpa genannt, trocknet nach der Reife natürlicherweise zu einer dicken klebrigen Paste ein (Chapman 1983). Das Gewicht einer einzelnen Hülse schwankt zwischen 10 und 15 g (Samson 1986). Die Früchte sind etwas gekrümmt, von etwa [Seite 25↓]5 bis 10 cm Länge und von 2 bis 3 cm Breite. Zwischen den Samen sind sie mehr oder weniger eingeschnürt.

Die Bäume tragen nach Anonymus (1989) im Alter von 13 oder 14 Jahren erstmals Früchte und fruktifizieren dann reichlich für weitere 60 Jahre. Vom Fruchtansatz bis zur Reife benötigt die Tamarindenfrucht in der Regel 245 Tage (Hernandez-Unzon und Lakshminarayana 1982). Die Früchte können bis zu 6 Monate nach ihrer Reife ohne Schaden zu nehmen am Baum verbleiben, verlieren dabei an Feuchtigkeit und trocknen ein (Anonymus 1996). Die ausgewachsenen Bäume, an deren Ästen dann reichlich Früchte hängen, tragen jährlich bis zu 300 kg (Campbell 1982).


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3.2  Natürliche Verbreitung und Entwicklung

Die Herkunft der Tamarinde ist bis heute nicht eindeutig geklärt. In der Literatur sind sehr unterschiedliche Angaben zu finden. So wird ihr Ursprung auf der afrikanischen Insel Madagaskar (Wurzer 1994), in Südafrika (Franke et al. 1989) oder auch in Westasien (Blanke 1999) vermutet. Nach Knapp (1973) gehört die Tamarinde zu den endemischen afrikanischen Pflanzenbeständen, die sich in den Savannen und regengrünen Trockengehölz-Zonen ursprünglich und spontan verbreitet haben, aber auch bis in relativ niederschlagsarme Gebiete hinein eine große Rolle spielen können.

Die Tamarinde ist hervorragend an semiaride tropische Regionen im Tiefland angepasst, wächst aber auch in Monsun-Gebieten, wenn es nicht zu Staunässe in den oberen Bodenschichten kommt (Allen und Allen 1981, Purseglove 1982). Anonymus (1976) und Verheij und Coronel (1991) berichten, dass Tamarindus indica jedoch auch zum Teil in höheren Lagen bis 1500 m vorkommt. Sie fehlt aber im Tropischen Regenwald (Purseglove 1982).

Die Tamarinde ist oft vergesellschaftet mit Adansonia digitata, da sie ähnliche Standortansprüche stellt (vonMaydell 1990). Sie bildet von Natur aus keine geschlossenen Bestände, sondern ist eher locker verstreut und oft an sanften Hängen zu finden (Bole 1999).

In Afrika liegt das Verbreitungsgebiet der Tamarinde vor allem in den Ländern Senegal, Gambia, Guinea-Bissau, Guinea, Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Tschad, Zentralafrika, Sudan, Eritrea, Äthiopien, Uganda, Kenia, Tansania, Simbabwe, Mosambik und Madagaskar (Garrity 2001b). Im Sudan ist sie in den Gebieten Blue Nile, Red Sea, Kordofan und Darfur zu finden (Sahni 1968).

Die Tamarinde gelangte vermutlich durch arabische Händler nach Asien (Herrmann 1987), von dort aus ins Mittelmeergebiet und im 16. Jahrhundert nach Amerika (Franke 1997). So ist sie heute auch in Süd- und Südostasien sowie in der Karibik stark verbreitet (Kratochvil 1995), kommt aber auch in Florida (Joyner 2000), Australien (Le Houerou 2001) und auf den Philippinen (Verheij und Coronel 1991) vor.

Die Tamarinde ist an trockene Savannengebiete angepasst und übersteht gut Dürreperioden (Purseglove 1982). Das tiefe und ausgeprägte Wurzelsystem trägt zur Trockenheitsresistenz des Baums wesentlich bei. Optimales Gedeihen zeigt die Tamarinde bei Jahresniederschlägen von 750 bis 1900 mm. In den trockenen Region der Sahelzone in Afrika wachsen Tamarinden noch bei 400 mm Niederschlag pro Jahr (FAO 1988b). Sie gedeiht jedoch nicht in immerfeuchten Klimaten und fehlt im tropischen Regenwald. Ein anhaltendes Übermaß an Wasser ist für die Pflanze unverträglich (Gysin 1984). Trockenes Wetter ist besonders [Seite 27↓]während der Fruchtentwicklung wichtig, da die Bäume sonst keine Früchte bilden (Chapman 1983).

Das ausgeprägte und tiefe Wurzelsystem verankert den Baum so fest im Boden, dass er in manchen Gebieten auch als “hurricane-resistant tree“ bezeichnet wird (Morton 1987). Die Stammbasis ist oft durch kräftige Wurzelanläufe gekennzeichnet. Auch die Krone zeichnet sich durch ihre kräftigen und geschmeidigen Äste als äußerst windstabil aus (Anonymus 1979).

Der Baum toleriert ein breites Spektrum an unterschiedlichen gut dränierten Bodentypen. Er wächst sowohl auf tiefgründigen alluvialen Böden als auch auf steinigem, porösen Ödland. Sumpfige oder felsige Standorte beeinträchtigen jedoch die Ausdehnung und Entwicklung des Wurzelsystems (vonMaydell 1990). Staunasse Böden werden gemieden, jedoch kurzzeitige Überschwemmungen toleriert (FAO 1988b). Hohe Luftsalzgehalte verträgt er gut und kann daher auch nahe der Meeresküste gepflanzt werden. Nach Bole (1999) werden leicht salzhaltige und schwach alkalische Böden toleriert.

Das Verbreitungsgebiet der Tamarinde wird durch Frost begrenzt. Jungpflanzen sind sehr frostempfindlich (Chapman 1983). Mit zunehmendem Alter vertragen sie aber auch Temperaturen bis -4°C ohne größere Schäden (Anonymus 1996) und sind daher frosttoleranter als Mango, Avocado, Litschi und Limonen.

Im Alter von ungefähr 13 bis 14 Jahren blüht die Tamarinde zum ersten Mal (Anonymus 1989). Die Tamarindenblüten sind selbststeril und werden von Insekten, meist Ameisen, bestäubt. Zeitpunkt und Dauer der Blüte variieren mit den Witterungsbedingungen. Die Blüten öffnen sich schon am frühen Morgen und schließen sich bereits drei Stunden später (Bole 1999).

Die natürliche Vermehrung ist sporadisch zu finden und vollzieht sich vor allem über Samen. Die Keimung erfolgt oft unter dem Schutz von anderen Bäumen im Halbschatten wie insbesondere unter dem Baobab (vonMaydell 1990). Die Samen können unter trockenen Bedingungen lange im Boden dormant verbleiben und somit ihr Aufkeimen zu einem ungünstigen Zeitpunkt vermeiden. In der Natur werden die Früchte von verschiedenen Tierarten verzehrt, die Keimhemmung im Verdauungstrakt abgebaut und so die Samen freigesetzt. Einen erheblichen Teil der natürlichen Verbreitung besorgen Affen, die das Fruchtfleisch fressen und die Samen verstreuen. Auch Termiten und Ameisen schätzen das Fruchtfleisch und tragen zur Verbreitung bei. In Afrika sind Tamarinden daher oft neben Termitenhaufen zu finden (Purseglove 1982).


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Die Keimlinge weisen zwei dickfleischige, sitzende, oberseits leicht konkave, elliptische Kotyledonen auf. Unter günstigen Bedingungen ist die Entwicklung der Sämlinge relativ zügig. In der ersten Saison können sie eine Höhe von mehr als 60 cm erreichen. Die Sämlinge bilden eine sehr lange und dünne Pfahlwurzel aus, von der viele zarte und kurze Seitenwurzeln abzweigen. Die Pfahlwurzel kann in den ersten zwei Monaten eine Länge von 30 cm erreichen (Troup 1921).

Die Tamarinde bildet eine intensiv verzweigte Krone mit langen herabhängenden Zweigen aus. Die Äste gehen von dem meist kurzen Stamm fast waagerecht ab. Im Schatten der dicht belaubten Bäume gedeiht oft keinerlei Unterwuchs (Bole 1999). Die Bäume entwickeln manchmal Wurzelschößlinge (Troup 1921). Die hängenden Zweige können bis auf einige Zentimeter tief auf den Boden herabhängen (Purseglove 1982).

Tamarinden erreichen ein beachtliches Alter. Einige Exemplare werden weit über 200 Jahre alt. Das durchschnittliche Lebensalter beträgt 80 bis 200 Jahre (Hughes 1999).

Im Verlauf ihres relativ langen Lebens nehmen Pflanzenkrankheiten und Schädlinge keine bedrohlichen Ausmaße an. Aber Schildläuse sind speziell für junge Pflanzen eine häufige Schädlingsgruppe. Hierzu zählen vor allem Aonidiella orientalis, Aonidiella tamarindi und Saissetioa oleae. Zahlreiche Käferarten spielen als Frucht- und Samenschädlinge wie z.B. Lasioderma serricorne, Calandra linearis und Aphomia gularis eine Rolle. Auch Nematoden wie Xiphinema citri und Longidorus elongatus können die Wurzeln der Bäume befallen (Morton 1987). Pathogene Pilze wie Sclerotium rolfsii oder Oidium spec. treten nur an Sämlingen auf. Gelegentlich parasitiert die Mistelart Loranthus longiflorus in den ausladenden Kronen von Tamarindus indica.

Insgesamt wird T. indica von mehr als 50 Schadinsekten und von etwa 25 pathogenen Pilzen und Bakterien angegriffen, die jedoch keine bedrohliche Rolle spielen (Bole 1999).

Wie auch bei anderen Bäumen und Sträuchern der trockenen Savannen tragen Trockenheit und unkontrollierte Buschbrände zu einer Gefährdung der Tamarinden bei. Ein erhöhter Beweidungsdruck durch landwirtschaftliche Tiere und der Verbiss durch Wildtiere führen oft zu einer erheblichen Dezimierung der Naturverjüngung, dessen Resultat vergreiste Bestände sind.


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3.3  Bedeutung und Verwendung

Die Tamarinde ist ein mächtiger Baum der trockenen und feuchten Savannen Afrikas. Aufgrund ihrer vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten ist sie auch im Sudan ein typisches “multipurpose“ Gehölz (Dirar 1993, El-Siddig et al. 1999). Der große Baum bietet den Menschen Schutz, ist Nahrungsquelle, Bestandteil von Medizin sowie das Material für Gebrauchsgegenstände aller Art. Auch für viele Tierarten ist er Lebensraum und Futterquelle. So bieten die nektarreichen Blüten einer Vielzahl von Insekten eine reiche Nahrungsquelle. Die Früchte werden u.a. von Ameisen, Termiten, Affen und Kleinsäugern gefressen und die Blätter stellen für Antilopen und Giraffen eine Äsungsgrundlage dar. Diese vielseitige Verwendung für Mensch und Tier ist auch der Grund dafür, dass die Tamarinde seit jeher von der einheimischen Bevölkerung geschützt und gepflegt wird.

Die weit ausladende und dichte Krone bietet einen hervorragenden, kühlen Schatten, der als Ruhe- und Beratungsstätte dient. Auch viele Tierarten suchen unter dem dichten Kronendach der Tamarinde Schutz. Aufgrund ihrer Sturmresistenz wird die Tamarinde als Windschutz und Sturmbrecher in die Nähe von Ortschaften gepflanzt und erhalten. Das schöne und immergrüne Laubwerk und die zarten, traubigen, leuchtend gelben Blüten zeichnen sie als Zierbaum in Gärten, Parks und entlang von Straßen und Flüssen aus. Die Tatsache, dass keinerlei Unterwuchs unter den dichten Baumkronen gedeiht wie z.B. Gras, verhindert das Ausbreiten von Bodenfeuer (vonMaydell 1990).

Aufgrund ihrer Größe ist die Tamarinde eine hervorragende, weit sichtbare Landmarke zur Orientierung und Abgrenzung von Gebieten und Feldern.

Die Rinde besitzt einen hohen Gehalt an Tanninen (bis 7%), der in manchen Gebieten Afrikas zum Gerben von Häuten und Fellen verwendet wird (vonMaydell 1990, Rosa 1993, Garrity 2001b).

Das schwere und sehr harte Holz der Tamarinde ist sehr beständig und wertvoll (nach Lufttrocknung 930 kg/m3). Es besitzt einen gelblich-weißen Splint, der später grau-braun wird, sowie einen relativ kleinen, dunkel-rotbraunen Farbkern mit ungleichmäßigem Umriss (Bole 1999). Das kaum von Insekten angegriffene Kernholz wird u.a. zur Herstellung von Rädern, Achsen und Deichseln, Mörsern, Hämmern, Stößeln und Schlegeln, Ölpressen, landwirtschaftlichen Arbeitsgeräten wie Pflügen, Bootsplanken, Zäunen, Paneelen und Möbeln genutzt (Lötschert und Beese 1992). Aufgrund seiner enormen Härte ist es jedoch nur schwer bearbeitbar. Weiterhin eignet es sich gut zur Herstellung einer Holzkohle von hoher Qualität, die auch zur Schwarzpulver-Produktion taugt (Grieve 1995). Um den dringenden Bedarf an Brennmaterial zum Kochen in Afrika abzudecken, wird in vielen [Seite 30↓]Regionen auch das Tamarindenholz verwendet (Gamble 1972, Knapp 1973). Nach dem 6. Tropenwaldbericht der Bundesregierung (BML 1999) erreicht der Energieholzanteil vom Gesamtholzaufkommen in den Tropen durchschnittlich 82%, in Afrika sogar 92%.

Die Blätter und jungen Sämlinge werden oft gekocht und als Gemüse gegessen. Sie sind eine wichtige Zutat zu Currys, Suppen und Soßen. Regional wird aus frischen oder getrockneten Blättern ein Tee aufgebrüht, der mit Zucker ein schmackhaftes Getränk ergibt.

Nach entsprechender Aufbereitung kann aus den frischen Blättern ein roter Farbstoff zur Färbung von Stoffen und Tüchern extrahiert werden (FAO 1988b).

Die Blüten werden u.a. als Zutaten für Suppen und in Salaten verwendet und als Gemüse gegessen (Nowak und Schulz 1998). Sie können auch eine wichtige Quelle für Honig sein, der goldgelb und leicht säuerlich im Geschmack ist (Morton 1987).

Den Früchten der Tamarinde kommt die größte Bedeutung zu. Sie haben einen geringen Wassergehalt und einen hohen Anteil an Proteinen (31g/kg) und Kohlenhydraten (674g/kg) (Morton 1987, Hughes 1999). Die Hülsen der Tamarinde bestehen nach Bole (1999) in der Regel aus 55% Fruchtfleisch, 34% Samen und 11% Fasern und Schale.

Das reife Fruchtfleisch zeichnet sich durch ein erfrischend süß-saures bis herb-säuerliches Aroma aus (Teubner 1997). Der saure Geschmack kommt von der Weinsäure, die sich während des Reifens nicht abbaut, aber mehr oder weniger durch ansteigenden Zuckergehalt ausgeglichen wird. Deshalb gilt die Tamarinde gleichzeitig als die sauerste und süßeste Frucht (Verheij und Coronel 1991). Auch nach Gysin (1984) soll die Tamarinde tatsächlich den zweithöchsten Zuckergehalt aller Früchte aufweisen, der mit ca. 35% Invertzucker angegeben wird. Diesen Wert übertrifft nur die halbgetrocknete Dattel.

Die jungen und zarten Früchte sind sehr sauer und werden zum Säuern von Fleisch und Fischgerichten verwendet (Johns und Stevenson 1979). Das reife Fruchtfleisch wird zum Teil frisch mit Zucker bestreut gegessen (Bärtels 1996). Aber die eigentliche Bedeutung liegt weniger im Direktverzehr als in der Weiterverarbeitung zu Fruchtmus und Sirup (Bonkoungou et al. 1999). Um das zu verwendende Fruchtmus zu erhalten, erntet man die reifen Früchte und befreit sie von der Außenschale und den Samen. Das Rohmus wird in heißem Wasser eingeweicht, durch ein Sieb getrieben und dann bis zur Konsistenz eines dicken Saftes eingedampft und mit 20% Zucker angereichert (Pahlow 1993). [Seite 31↓]Anschließend wird das klebrige, dunkle Tamarindenmus oft in Ballen gepresst und in Palmblattmatten oder in Plastiksäcken verpackt, gelagert und als Rohstoff auf den Märkten verkauft (Gysin 1984). Das Fruchtfleisch der Tamarinde hat einen sehr hohen Nährwert, einen Vitamin-C-Gehalt von 7 bis 30 mg/kg und hohe Kalium-, Calcium- und Phosphoranteile (Morton 1987, Daßler und Heitmann 1991). Gysin (1984) weist darauf hin, dass der hohe Wert an Mineralstoffen (29 g/kg) mit Vorsicht zu interpretieren ist, da das Fruchtmark nur selten unverdünnt genossen wird.

Das Fruchtfleisch ist wichtiger Bestandteil von Produkten wie Worcester- und Barbecue-Soßen. Tamarinden-Sirup wird gern als Grundlage für erfrischende Getränke und Sorbets, für süss-saure Soßen, Konfitüren, Eiskremstabilisatoren und Bonbons verwendet (Teubner 1997, Corvallis 1999), ja selbst als Würze im Kautabak (Liebster 1990).

Die reifen Früchte können in getrockneter Form für einen längeren Zeitraum gelagert werden, ein Schutz gegen Schadinsekten ist jedoch notwendig (vonMaydell 1990).

Das überreife Fruchtmus kann auch mit Salz gemischt zum Polieren von Messing, Kupfer und Silber verwendet werden (Purseglove 1982, Hughes 1999).

In Deutschland gibt es u.a. neben Tamarindenfrüchten auch Tamarindenmus, Tamarindensaft und Tamarindenkonzentrat zum Kochen zu kaufen. Aber auch als Inhaltstoff in weiteren Produkten ist die Tamarinde zu finden.

Die Samen werden häufig in Wasser eingeweicht, um sie von ihrer unverdaulichen Schale zu befreien. Das verbleibende Innere wird gekocht oder geröstet (Daßler und Heitmann 1991) und dient in vielen Gebieten als Notnahrung (Franke et al. 1989). Der Nährwert der Samen ist als relativ gering einzustufen (FAO 1988b). Das aus den Samen gewonnene Mehl wird als Zuschlagstoff lokaler Gerichte und zum Backen von Brot verwendet.

Nach Bole (1999) ist das Samenöl mit dem Erdnussöl vergleichbar. Es dient als Lampenöl sowie zur Herstellung von Farben und Lacken.

Die bei der Aufarbeitung anfallenden Samen in Indien finden wegen des Gehaltes an hydrokolloiden Substanzen als Samenmehl in der Jute- und als Appreturmittel inder Textilindustrie Verwendung (Franke 1997).

Die Fruchtschalen, die als Nebenprodukte bei der Verwendung von Tamarindenfrüchten anfallen, haben einen Gehalt an Tanninen und Farbstoffen, der sie u.a. zur Färbung von Wolle, Seide und Baumwolle tauglich macht.


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Die Asche des Holzes wird zur Enthaarung von Tierhäuten verwendet (Garrity 2001b).

Die Blätter, Samen und Früchte dienen auch als Viehfutter. Insbesondere die Blätter werden sehr gerne gefressen. In einer Untersuchung von Kibon und Orskov (1993) wurde herausgefunden, dass die Wachstumsrate bei Ziegen besonders hoch war, die bevorzugt mit Tamarindenblättern gefüttert wurden.

Die Samen, zerkleinert und in Wasser eingeweicht, dienen auch als schmackhaftes Viehfutter. Insbesondere Wiederkäuer sind gut in der Lage die Kohlenhydrate zu verdauen und aufzunehmen (FAO 1988b).

In der Volksmedizin spielt die Tamarinde eine wichtige Rolle (Tabelle 2). Viele Teile des Baums finden Verwendung.

Tab. 2: Verwendung der Tamarinde in der Volksmedizin.

Frucht

Blüten

Blätter

Abführmittel

Malaria

Ruhr

Rheuma

Hämorrhoiden Schlangenbisse

Wundheilung

Blähungen

Infusionen bei fiebrigen

Erkrankungen

Gallenleiden

Antiskorbutmittel

Rheuma

Schmerzen

Entzündungen

Wunden

Gelenkleiden

Husten

Fieber


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3.4  Vermehrung und Kultivierung

Da in Afrika die Tamarinde zu den wichtigen Nutzbäumen zählt, deren Früchte von der Bevölkerung als Wildobst gegessen werden und so zur Vitaminversorgung beitragen, werden sie oft in die Nähe von Ortschaften gepflanzt (Knapp 1973). Die Ernte erfolgt durch Schütteln der Äste und Aufsammeln der reifen Früchte per Hand (Anonymus 1989).

Im Sudan stammt die gesamte Ernte von wilden Tamarindenbäumen, die kaum eine Kultivierung erfahren (El-Siddig et al. 1999).

Die Vermehrung erfolgt überwiegend generativ. Dabei spaltet die Nachkommenschaft stark auf und die Sämlinge tragen in der Regel erst relativ spät nach 13 bis 14 Jahren Früchte. Dafür entschädigt eine lange Ertragsdauer von etwa 60 Jahren (Morton 1987).

Die Samen unterliegen einer physikalischen Keimhemmung, die durch die relativ harte Samenschale (Testa) hervorgerufen wird. Die Keimhemmung wird in der Natur durch das Passieren des Verdauungstrakts von Vögeln und Säugetieren gebrochen.

T. indica-Saatgut kann für mehrere Monate ohne nennenswerte Keimverluste gelagert werden (Verheij und Coronel 1991). Die Samen keimen ohne Vorbehandlung frühestens 15 Tage nach der Aussaat, erst nach 6 Wochen ist dann die Mehrzahl der Samen aufgelaufen. Nach Prins und Maghembe (1994) und El-Siddig et al. (2000) kann die Keimdauer durch folgende Vorbehandlungen des Saatguts deutlich verringert werden:

Unter günstigen Bedingungen ist ein rascher Wuchs der Sämlinge möglich, die im ersten Jahr eine Wuchshöhe von mehr als 60 cm und im zweiten von 120 cm erreichen können. Oft werden die Sämlinge von konkurrenzstärkeren Pflanzen an einer optimalen Entwicklung gehindert. Junge Pflanzen sind extrem frostempfindlich (Troup 1921). Ausreichender Regen oder Bewässerung der jungen Pflanzen ist in sehr trockenen Gebieten erforderlich, um ein ausreichendes Wachstum zu ermöglichen (Hughes 1999). Wirksamer Schutz vor Verbiss durch Haustiere und Wild ist während der Entwicklung zwingend notwendig.

Vegetative Propagation wird in Form von Pfropfung, Stecklingsbewurzelung und Absenkerbildung durchgeführt. Dabei kommen die Bäume eher in den Ertrag und die Vermehrung von wertvollen Ökotypen ist möglich (Gunasena und Hughes 2000).


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Kommerzielle Bedeutung hat die Vermehrung und Kultivierung in Indien, Brasilien, Zentralamerika, Vietnam und Thailand (Morton 1987, Franke 1997). Hier werden die Tamarinden zum Teil in Obstanlagen und Plantagen angebaut. In Indien, dem größten Produzenten, werden pro Jahr etwa 250.000 t Früchte geerntet, die getrocknet und ohne Schalen auf die Märkte bis nach Europa gelangen (Bole 1999).


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20.11.2003