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4  Der Sudan

4.1 Allgemeiner Überblick

Die Republik Sudan ist mit einer Fläche von 2,5 Mio. km2 das größte Land des afrikanischen Kontinents und damit siebenmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Das Land liegt im nördlichen Afrika und erstreckt sich zwischen 4° und 23° nördlicher Breite über ca. 2.100 km und zwischen 22° und 38° östlicher Länge über ca. 1.600 km (StBA 1990). Der Sudan (Abbildung 5) hat gemeinsame Grenzen mit neun afrikanischen Staaten: im Norden Ägypten, im Westen Libyen, Tschad und die Zentralafrikanische Republik, im Süden Zaire, Uganda und Kenia sowie im Osten Äthiopien und Eritrea. Im Nordosten grenzt der Sudan an das Rote Meer. Die Küste am Roten Meer erstreckt sich über mehr als 700 km (SudanInformation Office 2001).

Der Sudan hat ca. 35 Mio. Einwohner. In den Ballungsgebieten wie der Hauptstadt Khartoum, Kassala, Port Sudan oder Wadi Halfa leben 35% der Sudanesen. (Munzinger 2002). Es existieren 115 Sprachen und es werden 597 Völker unterschieden, die drei großen ethnischen Gruppen angehören (Sudan Information Office 2001). Die Bevölkerungsmehrheit stellen die Araber im Norden und in der Mitte des Landes dar, daher ist die Staatssprache Arabisch. Die zweite Gruppe umfaßt die Völker am Roten Meer im Nordosten. Zur dritten Gruppe zählen die schwarzafrikanischen Völker, die im Süden und in einigen Gebieten im Westen leben. Die Bevölkerung im Norden ist überwiegend muslimisch und die Südsudanesen sind Christen oder Anhänger verschiedener Volksreligonen.

Von 1899 bis 1955 galt der Sudan als britisch-ägyptisches Kondominium. Seit dem Jahre 1956 ist der Sudan unabhängig (Munzinger 2002)


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Abb. 5: Sudankarte (verändert nach Zahn 1996).


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Das Relief des Sudan besteht aus einer flachen, nach Norden geöffneten Beckenlandschaft mit vereinzelten Inselbergen. Im Westen wird das Becken von der Wadai-Darfur-Schwelle, im Südwesten von der Asandeschwelle, im Süden von den Imatong-Bergen, im Osten vom äthiopischen Hochland und dem Bergland am Roten Meer begrenzt. Im Norden liegt die Libysche- bzw. Nubische Wüste. Im südlichen Grenzbereich zu Uganda befindet sich mit dem Kinyeti (3.187 m) der höchste Berg des Landes.

Der Nil ist mit einer Länge von 6.737 km der bedeutendste Strom Afrikas und der längste Fluß der Welt (Metz 1992). Der Weiße Nil entspringt am Victoria See in Uganda und der Blaue Nil am Tana See im äthiopischen Hochland. Der Blaue Nil führt in der Regel sechsmal weniger Wasser als der Weiße Nil. Im August, während der starken Regenfälle im äthiopischen Hochland, steigt er jedoch stark an und speist zu 90% den Nil mit Wasser (Metz 1992).

Der Weiße Nil bildet im Süden des Sudan im Niltal ein riesiges Fluß-Sumpfland, den Sudd. Er ist mit mehr als 150.000 km2 das größte Sumpfgebiet Afrikas (Munzinger 2002). Auf dieser enorm großen Fläche verliert der Weiße Nil ca. 50% seines Wassers durch Verdunstung (FAO 1997). Um den massiven Wasserverlust einzudämmen und einen schnelleren Transport des Wassers in den Norden zu gewährleisten, begann der Sudan mit ägyptischer Unterstützung im Jahre 1978 mit dem Bau des 360 km langen Jonglei-Kanal (Caputo 1982). Aufgrund der kriegerischen Aktionen mußten die Arbeiten am Kanal im Jahre 1984 eingestellt werden (Metz 1992). Eine Fertigstellung scheint auch unter ökologischen Gesichtspunkten diskussionswürdig.

In der Hauptstadt Khartoum im Zentralsudan vereinen sich Blauer und Weißer Nil zum Nil, der dann durch den Nordsudan nach Ägypten fließt und schließlich ins Mittelmeer mündet.

Das Klima variiert von trockenem Wüstenklima im Norden bis zu tropischem Klima im Süden. Mit der Dauer der Regenzeit nehmen ebenso die Niederschlagsmengen von Nord nach Süd zu. Die Regenzeit erstreckt sich auf den Zeitraum von Juli bis September. Nur an der Küste am Roten Meer gibt es Winterregen. In den Wüsten im Norden liegt der durchschnittliche Jahresniederschlag bei unter 1 mm, im Süden bei mehr als 2000 mm (StBA 1990). Die mittleren Monatstemperaturen liegen zwischen 24°C und 32°C. In den nördlichen Trockengebieten können in den Monaten Mai und Juni Höchsttemperaturen um 52°C auftreten (Streck 1982). Der Zentralsudan wird dem trockenheißen Steppenklima und der Süden dem tropischen wintertrockenen Savannenklima zugeordnet (StBA 1990).


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Der Tourismus im Sudan ist unterentwickelt. Für die Einreise ist ein Visum von der sudanesischen Botschaft notwendig. Im Land besteht Meldepflicht und für Exkursionen außerhalb von Khartoum müssen weitere Reisegenehmigungen beantragt werden. Hotels von internationalem Standart gibt es in Khartoum und Port Sudan. Reisen in den Süden des Landes sind zur Zeit nicht möglich (Benjak und Enders 1992, Auswärtiges Amt 2001).


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4.2  Agrarwirtschaft

Der Sudan ist ein typisches Agrarland. Über 69% der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt (Sudan Information Office 2001). Die Land- und Forstwirtschaft bilden die Grundlage der sudanesischen Volkswirtschaft. Allein 95% der Exporterlöse sind land- und forstwirtschaftliche Produkte (StBA 1990). Mehr als 34% der Landesfläche des Sudan sind ackerbaulich nutzbare Flächen. Das entspricht einer Fläche von ca. 85 Mio. ha, von der zur Zeit nur 20% bewirtschaftet werden (Mohamed 1999).

Neben den landwirtschaftlichen Anbauflächen verfügt der Sudan über 120 Mio. ha Weideland. Die extensive Viehhaltung spielt eine außerordentlich wichtige Rolle (Grafe 1999). Das Weideland wird oft durch eine steigende Zahl von Weidetieren wie Rindern, Ziegen, Schafen und Kamelen übernutzt (Bliss 1989). Dabei werden zu viele Tiere auf einer zu kleinen Weidefläche gehalten. Langfristig kommt es zu einer Auflockerung und einem Rückgang der Pflanzendecke. Die dadurch entstehenden Lücken in der Vegetation vergrößern sich allmählich, wenn die Beweidung nicht nachläßt, und führt bis zur völligen Zerstörung der Pflanzendecke. In der Folge kommt es zu immer stärkerer Erosion des unbedeckten Bodens, insbesondere durch den Wind. Eine natürliche Neuansiedlung von Pflanzen wird verhindert. Derzeitig grasen über 80 Mio. Nutztiere auf den Weideflächen des Sudan (Mohamed 1999).

Aufgrund der geologischen, hydrologischen und klimatischen Verhältnisse in den verschiedenen Landschaftsregionen sind die Böden sehr unterschiedlich (StAB 1990).

Im Norden befinden sich die Sandwüsten der Sahara und die Sahelzone mit extremer Aridität und Temperaturen über 50°C. Wasser und Vegetationsarmut schließen diesen Raum von der landwirtschaftlichen Nutzung aus. Lediglich die zum Teil schmalen, aber fruchtbaren Überschwemmungsgebiete des Niltals östlich der Libyschen- und westlich der Nubischen Wüste bieten gutes, anbaufähiges Land und umfassen eine Fläche von ca. 34.000 ha (Buraymah 2000). Unter Schatten spendenden Bäumen nutzen die Bauern das Nilwasser zur Bewässerung, pflanzen und ernten (Streck 1982). Im Inland, entfernt vom Nil, befinden sich weiterhin die sogenannten „Wadis“. Das sind meist trockene Flussbetten , die heutzutage kaum Wasser führen. Die Böden sind meist fruchtbar, können salzbeinflusst sein und die Wasserknappheit ist hier der limitierende Faktor für eine Produktion.

Der Zentralsudan ist das Gebiet der offenen bis halboffenen Landschaften, parkähnlichen Steppen oder Savannen mit Sand-, Lehm- und Tonböden (Gabriel 1996). Die schweren Lehmböden des Nilbeckens in Verbindung mit künstlicher Bewässerung eignen sich sehr gut für den intensiven Anbau landwirtschaftlicher [Seite 40↓]Produkte. Es entstanden Mammutfarmen, Stauseen und Kanalsysteme (Streck 1982).

Unter den herrschenden Klimabedingungen führt eine falsche Bodenbewirtschaftung wie z.B. eine Verkürzung der Brachezeiten oder mangelhafte Bewässerungstechniken zur Veränderung der Bodenverhältnisse, die sich als Nährstoffmangel oder als Anreicherung von Salzen in den oberen Bodenschichten darstellen und eine Verminderung der Ernteerträge zur Folge haben. Diese Prozesse sind meist irreversibel und führen zur Bodenerosion und Desertifikation.

Der Süden ist die meist überflutete Lehmebene der Nilmarschen. Sie ist gekennzeichnet durch zahlreiche Flußarme, Seen und Tümpel, die sich in den langen Regenzeiten zu riesigen Wasserflächen vereinen. Sumpf- und Buschgebiete prägen die Landschaft und bilden einen einmaligen Lebensraum mit unerbittlichem Klimarhythmus und heimtückischen Krankheiten (Streck 1982). Im äußersten Südwesten schließt sich der immerfeuchte, tropische Regenwald an.

Grundsätzlich läßt sich die pflanzenbauliche Landwirtschaft im Sudan in drei verschiedene Sektoren unterteilen. In den traditionellen kleinbäuerlichen Regenfeldbau, den mechanisierten Regenfeldbau und den modernen bewässerungslandwirtschaftlichen Sektor (World Bank 1992, Ministry of Agriculture 1996).

Fast drei Viertel der landwirtschaftlichen Bevölkerung sind im traditionellen Regenfeldbau beschäftigt. Kerngebiete dieser kleinbäuerlich-subsistenzwirtschaftlichen Produktionsweise befinden sich in den Provinzen Kordofan und Darfur im Westen sowie im Süden des Landes (StBA 1990). Kleine Farmen, die zur Eigenversorgung der Familie dienen, sind typisch. Oft werden noch traditionelle und einfachste, selbst hergestellte Handwerkzeuge für die Bewirtschaftung der kleinen Flächen verwendet. Im Anbau befinden sich vor allem Sorghum, Hirse, Maniok, Mais, Sesam und Erdnüsse (Ministry of Agriculture 1996). Brandrodung und Wanderfeldbau zur Erschließung neuer fruchtbarer Flächen sind im Süden besonders typisch, da die Böden oft schon innerhalb von fünf Jahren ihre Fruchtbarkeit verlieren (Metz 1992).

Der mechanische Regenfeldbau konzentriert sich im Osten des Sudan in den Provinzen Kassala und Blauer Nil. Die Produktion erfolgt in mechanisierten Großbetrieben, in denen Sorghum, Sesam, Baumwolle, Sonnenblumen, Hirse und Guar angebaut werden (Ministry of Agriculture 1996). Naturgemäß unterliegt der Regenfeldbau in Abhängigkeit von der Niederschlagsmenge erheblichen Produktionsschwankungen.

Im Sudan wird ein Großteil der Landwirtschaft durch Bewässerung ermöglicht. Die Bewässerungslandwirtschaft als der wichtigste Sektor wird zum überwiegenden [Seite 41↓]Teil in regierungseigenen Großprojekten betrieben. Diese Gebiete erstrecken sich zumeist entlang des Nils und seinen Nebenflüssen Atbara und Rahad (World Bank 1990). Das bedeutendste bewässerte Agrargebiet des Sudan ist das “Gezira Scheme“, das mit fast 1 Mio. ha das größte Bewässerungsgebiet der Welt ist (StAB 1990, Yousif 1997). Es liegt südlich von Khartoum zwischen Blauem und Weißem Nil und wird mittels Schwerkraftbewässerung vor allem mit Wasser aus dem Blauen Nil bewässert.

Im Jahr 1959 wurde das Nilwasserabkommen zwischen dem Sudan und Ägypten geschlossen. Demnach stehen dem Sudan 18,5 Mrd. m3 und Ägypten 55,5 Mrd. m3 des Nilwassers zu. Trotz des geringeren Anteils für den Sudan werden die vertraglich gesicherten Wassermengen zur Zeit nicht ausgeschöpft und Ägypten profitiert davon (Becker 2000).

Weitere große Bewässerungsprojekte sind das “New Halfa Scheme“ nahe Kassala und das “Rahad Scheme“ nahe Singa (Craig 1991). In der Bewässerungslandwirtschaft werden hauptsächlich Baumwolle, Erdnüsse, Zuckerrohr, Weizen sowie Hülsenfrüchte angebaut. Baumwolle, Sonnenblumen, Erdnüsse und Hülsenfrüchte sind auch wichtige Exporterzeugnisse (Sudan Information Office 2001).

Zusätzlich werden in Privatgärten entlang des Nils Obst und Gemüse angebaut. Eine Bewässerung erfolgt dort mit Hilfe von Pumpen, die Wasser aus dem Nil fördern (Ministry of Agriculture 1996). Zitrusfrüchte, Guaven, Mangos, Bananen, Papayas, Melonen und Datteln bzw. Okraschoten, Auberginen, Paprika, Zwiebeln und Tomaten werden geerntet und in den Städten auf den Märkten angeboten oder dienen der Eigenversorgung (Ali-Dinar et al. 1997). In den niederschlagsreichen Gebieten im Süden werden neben den genannten Obst- und Gemüsearten auch Ananas angebaut.

Heute bedecken Wald- und Baumbestände weniger als ein Fünftel der Landesfläche im Sudan (Munzinger 2002). Diese Fläche nimmt durch anhaltende Trockenzeiten in den letzten Jahrzehnten, unkontrolliertes Schlagen von Brennholz sowie die Ausdehnung des Dauerfeldbaus in ökologisch labilen Zonen rapide ab (Ahmed 1982, Nelson 1990, Akhtar et al. 1992, Akhtar 1993, Kirkby 2001).

Wald bzw. einzelne Bäume werden gerodet, um landwirtschaftlich nutzbares Land, Holz für den Export oder Brennholz zu gewinnen. Mehr als 80% des Energiebedarfs im Sudan wird durch Feuerholz gedeckt (Ministry of Agriculture 1996). Im Sahel hat der Bedarf an Brennholz fast zum vollständigen Verlust von Bäumen in der Umgebung von Städten geführt und ist damit eine Ursache der Desertifikation (Babiker 1982).


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Wichtigste forstwirtschaftliche Produkte sind Harthölzer aus dem Süden und Gummiarabikum, das aus einer Akazienart (Acacia senegal), die in den Savannengebieten wächst, gewonnen wird. Mit einem Anteil von 80% der Weltproduktion an Gummiarabikum ist der Sudan der weltweit größte Lieferant dieses Naturstoffs (Sudan Information Office 2001).


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4.3  Wildobst

Der Sudan ist wie andere afrikanische Länder mit einem Spektrum an edapho-klimatischen Bedingungen ausgestattet. In den unterschiedlichen ökologischen Zonen gibt es eine Fülle von Wildpflanzen, die eine sehr unterschiedliche Nutzung ermöglichen. Hungersnöte, bedingt durch Dürreperioden, sind oft ein Problem im ländlichen Raum (Ibrahim 1988, Maxwell 1991). In diesen Zeiten stellen viele Wildobstarten eine wichtige Grundlage als Notnahrung dar.

Es gibt jedoch nur spärliche Informationen über das Spektrum der im Sudan genutzten Wildobstarten, deren Potenzial und Verwendung. Ein Zentrum der Artenvielfalt sind die Trocken- und Feuchtsavannen bis hin zum Tropischen Regenwald (Engelhard 2000, Bashir 2001).

Im Rahmen der Forschungsaufenthalte im Zentralsudan wurden Recherchen zur Vielfalt, Verwendung, Bedeutung und zum Zukunftspotenzial von Wilobstarten durchgeführt. Feldstudien vor Ort, Befragungen der einheimischen Bevölkerung, Gespräche mit Forstkollegen und Untersuchungen auf den Märkten zum Angebot von Wildobst in den Gebieten von Khartoum, Wad Medani, Ed Damazin bei Er Roseires, El Obeid und Kadugli ergaben eine Auswahl von Wildobstbäumen, -palmen und -sträuchern, die in Tabelle 3 zusammengefaßt sind.

Die Früchte von wildwachsenden Gehölzen beinhalten viele wichtige und lebensnotwendige Substanzen wie Vitamine, Proteine und Mineralstoffe. Sie werden von Frauen und Kindern in ihren natürlichen Verbreitungsgebieten geerntet und gesammelt, dienen der Eigenversorgung bzw. werden auf regionalen Märkten verkauft (Abbildung 6) und sind damit auch eine wichtige Einkommensquelle. Plantagen der genannten Wildobstarten sowie Aufforstungsmaßnahmen sind im Sudan nicht bekannt, allenfalls sind einige einzelne Bäume in Hausgärten vorhanden.

Oft ist der potenzielle Nutzen der Wildobstgehölze bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Sie bieten eine Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten und werden als “multipurpose woody plants“ bezeichnet.

Die Früchte von Cordia africana, Diospyros mespiliformis, Pithecellobium dulce und Ximenia americana werden als Frischobst gegessen. Aus den Früchten von Adansonia digitata, Sclerocarya birrea und Tamarindus indica werden erfrischende Säfte hergestellt. Die zermahlenen Samen der meisten Früchte liefern ein Mehl, das als Zuschlagstoff zum Andicken von Suppen und Speisen verwendet wird. Die zermahlenen und gepressten Samen von Balanites aegyptiaca ergeben ein hochwertiges und hitzebeständiges Speiseöl. Die Blätter, junge Wurzeln und [Seite 44↓]Sprossen der Baumarten Adansonia digitata und Tamarindus indica werden auch als Gemüse gegessen.

Tab. 3: Auswahl wichtiger Wildobstarten im Sudan.

Wildobstart

Familie

Erscheinungsbild

Acacia nilotica

Mimosaceae

laubabwerfender Baum, bis 20 m hoch, Früchte essbar, Holz hart und dauerhaft

Adansonia digitata

Bombacaceae

laubabwerfender Baum, bis 25 m hoch, Früchte essbar, Holz schwammig und wasserspeichernd

Balanites aegyptiaca

Balanitaceae

laubabwerfender Baum, bis 10 m hoch, Früchte essbar, Holz hart und dauerhaft

Borassus aethiopum

Palmae

Palme, bis 15 m hoch, Früchte essbar, Holz hart und dauerhaft

Cordia africana

Boraginaceae

laubabwerfender Baum, bis 15 m hoch, Früchte essbar, Holz hart und wertvoll

Diospyros mespiliformis

Ebenaceae

immergrüner Baum, bis 20 m hoch, Früchte essbar, Holz hart und dauerhaft

Grewia tenax

Tiliaceae

laubabwerfender Strauch, bis 2 m hoch, Früchte essbar

Hyphaene thebaica

Palmae

verzweigende Palme, bis 15 m hoch, Früchte essbar, Holz hart und dauerhaft

Pithecellobium dulce

Mimosaceae

laubabwerfender Baum, bis 15 m hoch, Früchte essbar, Holz hart und dauerhaft

Sclerocarya birrea

Anacardiaceae

laubabwerfender Baum, bis 15 m hoch, Früchte essbar, Holz weich und leicht

Tamarindus indica

Caesalpiniaceae

immergrüner Baum, bis 30 m hoch, Früchte essbar, Holz hart und dauerhaft

Ximenia americana

Olacaceae

laubabwerfender Baum, bis 8 m hoch, Früchte essbar, Holz hart und dauerhaft

Ziziphus spina-christi

Rhamnaceae

immergrüner Strauch, bis 5 m hoch, Früchte essbar, Holz hart und dauerhaft


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In der Volksmedizin spielen die Früchte von Acacia nilotica, Adansonia digitata, Grewia tenax, Tamarindus indica und Ziziphus spina-christi eine wichtige Rolle. Sie werden u.a. bei Diabetes, starken Erkältungen, Fieber, Entzündungen und Verdauungsstörungen eingesetzt.

Abb. 6: Wildobstangebot auf einem Markt in Wad Medani (Sudan).

Von fast allen Wildobstarten werden die frischen Triebe, Früchte und Samen an das Vieh verfüttert. Eine Naturverjüngung ist aufgrund des enormen Weidedrucks in diesen Gebieten kaum möglich.

Viele dieser Wildobsarten sind massive Bäume, die ein gutes und dauerhaftes Holz liefern. So ist das Holz von Acacia nilotica, Balanites aegyptiaca, Cordia africana und Tamarindus indica sehr hart und beständig. Es wird als Bau- und Möbelholz verwendet, ergibt aber auch eine gute Holzkohle. Das Holz als Brennholz zum täglichen Kochen ist eine wichtige Lebensgrundlage der Menschen. Gerade in ländlichen Gegenden hat Brennholz als Energiequelle entscheidende Vorteile. Es ist in der Regel frei verfügbar, sofern die Mitglieder der Familien es selbst sammeln und es ihnen so kostenlos zur Verfügung seht (Engelhard 2000). Der ständig steigende Bedarf und das unkontrollierte Schlagen von Brennholz führen insbesondere in der Sahelzone zur Übernutzung der Brennholzressourcen und gefährdet die natürlichen Bestände der Wildobstarten zunehmend.

Die Fasern von Adansonia digitata,die aus der Rinde des Stamms gewonnen werden, sind für die Herstellung von Seilen und Schnüren geeignet, die Blätter der Palmen Borassus aethiopum und Hyphaene thebaica werden zu Matten, Körben und Taschen verflochten.


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Neben den vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten spenden die Gehölze Schatten für Mensch, Tier und Boden. Sie tragen speziell in Gebieten mit hoher Sonneneinstrahlung dazu bei, eine Degradierung von erosions- bzw. austrocknungsgefährdeten Böden zu verhindern.

Die Wildobstarten Baobab, Adansonia digitata (arabisch: “Tebaldi“) und Tamarinde, Tamarindus indica (arabisch: “Aradaib“) sind Gegenstand der folgenden Untersuchungen – zwei imposante Wildobstbäume aus der ursprünglich heimischen Vielfalt des Sudan, die durch die Desertifikationsprozesse bedroht sind. Insbesondere die Übernutzung, die überhöhte Viehbeweidung und der unkontrollierte Holzeinschlag verhindern die Naturverjüngung und gefährden die alten Bestände.

Der Baobab gilt aufgrund seines markanten Aussehens, seiner vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten sowie seiner kulturellen und spirituellen Bedeutung als ein Wahrzeichen Afrikas. Sein weiches und schwammiges Holz speichert Wasser, das speziell im Sudan von Nomaden genutzt wird (Tothill 1954, Craig 1991).

Die Tamarinde ist als Schattenspender beliebt, da ihr gefiedertes Laubwerk die Helligkeit in angenehmer Weise mildert. Im Sudan werden die essbaren Früchte sehr geschätzt.


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20.11.2003