Schmall, Susanne: Das Ökotourismusprogramm der Organización de Pueblos Indígenas de Pastaza (OPIP) im Amazonastiefland Ecuadors Ansätze selbstbestimmter Entwicklung einer indigenen Basisorganisation

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Kapitel 5. Die OPIP als Entwicklungsagentur

Um die Einzelfallstudie der OPIP in einen weiteren Rahmen zu stellen und Charakteristika für Föderationen im Oriente herauszuarbeiten, befragte ich für dieses Kapitel-zusätzlich zu den Dirigentes und Mitarbeitern der OPIP und der sie unterstützenden Entwicklungsorganisationen Vertreter anderer Föderationen und ihrer Kooperationspartner und führte Gruppendiskussionen auf einer Fachgruppentagung des DED (April 1996 in Puyo) zur Problematik der Entwicklungs-zusammenarbeit mit indigenen Organisationen durch.

5.1. Entwicklungshilfe und andere Arten der Finanzierung

In den 70er Jahren begann der Staat Ecuador, Programme zur ländlichen Entwicklung aufzubauen, deren Erfolge aber wegen mangelnder Finanzierung und ineffizienter Durchführung begrenzt blieben. Es gab keine spezifische Ausrichtung auf die indigene Bevölkerung, ihre Comunidades und Vertreterorganisationen wurden nicht in die Projektplanung einbezogen. In den frühen 80er Jahren begannen die Föderationen daher, Finanzierungen bei internationalen Entwicklungsorganisationen zu beantragen und eigene Projekte durchzuführen ( ChaseSmith1996b ). In diese Zeit fällt die Entstehung der OPIP.

Hoffmeyer ( Hoffmeyer1995 ) bezeichnete die OPIP in ihren Anfängen als eine ”externe Organisation“, die auf die Verteidigung der ethnischen Integrität ausgerichtet war. Strategische Forderungen, wie die Erhaltung des Volkes und seiner Traditionen, standen im Vordergrund. Von den verschiedenen Arten der Entwicklungszusammenarbeit, die in der Tabelle 6 und der Abbildung 20 dargestellt sind, dominierte zu Beginn die Institutionenförderung, die die Föderation als solche stärken sollte. Durch neue Schwerpunktsetzungen der Entwicklungsorganisationen leiteten sie die Transformation der Föderationen in Entwicklungsagenturen ein: Die Institutionenförderung und Projekte zu Landrechtsfragen gingen zugunsten der Förderung von sozialen und kulturellen Programmen in den Bereichen Gesundheit und Erziehung sowie von einkommenschaffenden Projekten zurück. Die OPIP verwandelte sich in eine ”interne Organisation“, die sich auf nach innen gerichtete Zielsetzungen, u.a. auf Produktionsbeziehungen, konzentrierte. Heute wird diese Entwicklung häufig von Vertretern der Entwicklungsorganisationen kritisiert:

”Es una desviación de objetivos. Las organizaciones grandes se convierten en tramitadores de proyectos, son para captar recursos de afuera. Se convierten

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en ONGs ineficientes y corruptos, pero no ven la crisis“<49> ( Villaverde , Interview).

Es gibt verschiedene Gründe für die Föderationen, neben der politischen Arbeit Entwicklungsprojekte durchzuführen. Die OPIP versucht, die Bedürfnisse der Comunidades zu befriedigen, welche vor allem konkrete Projekte zur Verbesserung ihrer ökonomischen Situation erwarten. Entwicklungsprojekte stärken das Ansehen der OPIP gegenüber der Basis und gegenüber Entwicklungsorganisationen. So wurden letztere durch ”Vorzeigeprojekte“ mit Infrastruktur und sichtbaren Ergebnissen, wie dem Wildtierzuchtprojekt Fatima und dem Flugdienst, beindruckt. Dort, wo schon Projekte existierten, flossen weitere Entwicklungshilfegelder in die Föderationen , so daß heute die FICSHA , die OPIP und die FOIN im Vergleich zu den anderen Föderationen mehr Projekte und Personal aufweisen. Ein Kreislauf wurde in Gang gesetzt: Die Durchführung von Entwicklungsprojekten vergrößerte den Verwaltungsapparat, steigerte die Kosten und führte zu erneuter Beantragung von Entwicklungsprojekten als eine der zugänglichen Möglichkeiten, die Organisation zu finanzieren.

Die OPIP, wie die meisten Basisorganisationen ( Arnold1996 ), kann ihren Dirigentes keine regelmäßigen Gehälter zahlen und gibt statt dessen unregelmäßige Vergütungen, die sich weniger an der geleisteten Arbeit als an dem vorhandenen Geld in der Organisation ausrichten. Dies bringt die Dirigentes der OPIP in konstante ökonomische Schwierigkeiten, da sie ihre Familien und Landwirtschaft verlassen müssen, um für die Föderationen in Puyo zu arbeiten. Die Suche nach Geldern für die Verwaltung der OPIP inklusive Gehälter für Dirigentes und Mitarbeiter wird zu einem wichtigen Inhalt ihrer Arbeit ( Abbildung 21 ). Wenn die OPIP Entwicklungsprojekte beantragt, bezieht sie die Möglichkeit zur Finanzierung der Organisation mit ein. Auch von den Einnahmen der Projekte entziehen die Dirigentes bisweilen unplanmäßig Gelder, dekapitalisieren sie und verhindern somit Reinvestitionen. Das finanzielle Interesse der Dirigentes in den Föderationen an den Entwicklungsprojekten gibt nach Meinung vieler Interviewpartner von Entwicklungsorganisationen den Ausschlag für ihre Beantragung. Hans Hoffmeyer ( Hoffmeyer , Koordinator von Ibis, Interview) zog die Schlußfolgerung:


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Tabelle 6: Arten der Förderung von Föderationen mit Beispielen

Förderungsart Beispiele

Institutionen-förderung

Löhne für technisches Personal, finanzielle Hilfe für Versammlungen, Kampagnen, Streiks, Anschaffung von Computern, Bau eines Versammlungsraumes

Organisations-beratung

Projektplanung, Beratung in Management, Gestaltung von Arbeits-abläufen (z.B. Informations-, Kommunikations- und Entscheidungsfluß)

Politische Beratung

Definierung von Entwicklungszielen, Strategien zum Umgang mit der Landrechtsfrage, der Erdölproblematik, dem Schutz der Artenvielfalt und dem intellektuellen Eigentum an der Verwendung von Heilkräutern

Aus- und Fortbildung

Kurse zur Sensibilisierung für allgemeine Themen (z.B. Ressourcen-schutz, Selbstorganisation) für die Comunidades, allgemeine Kurse (z.B. Buchführung), gezielte projektbegleitende Kurse für das Projektpersonal (z.B. Kochkurs im ÖTP ), Vergabe von Universitätsstipendien

Lobbyarbeit

Aufklärungskampagnen von Menschenrechtsorganisationen über Diskriminierung indigener Völker in Industrieländern, internationale Veranstaltungen zu indigenen Themen mit Einladung indigener Vertreter

Beratung von Projekten

Beratung zur Projektplanung, Organisation, Verwaltung und projekt-spezifischen technischen Inhalten eines Projektes

”Si dinero no fuera un problema, las organizaciones indígenas trabajarían solamente en el área político.<50>

Das Verhältnis zwischen OPIP u.a. Föderationen und den kooperierenden Entwicklungsorganisationen ist durch die Umleitung von Projektgeldern für Organisationszwecke und die folglich mangelhafte Abrechnung von Projektmitteln in der letzten Dekade getrübt worden. Trotz der aufwendigen Verwaltung des Projektes Samay schätzte z.B. Hans Hoffmeyer ( Hoffmeyer , Interview), daß die OPIP 30 % der Projektgelder unplanmäßig für ihre Verwaltung verwendete. Hierfür ist mehr die Notwendigkeit der Eigenfinanzierung der Organisation verantwortlich, als Fälle von Korruption zur persönlichen Bereicherung. Neben der Umleitung von Projektgeldern und geringer Erfahrung im Umgang mit Geld ist von Seiten einiger Vertreter von Entwicklungsorganisationen noch ein weiteres Argument als Grund für die ungenügende Abrechnung zu hören:


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”Las organizaciones indígenas no tienen que aprender el manejo de fondos, porque siempre van a encontrar nuevos fondos<51>“ ( Tonello , Direktor der NRO FEPP Ecuador).

Abbildung 20: Arten der Förderung für die verschiedenen Ebenen der OPIP ( Schmall1997a )

Von der OPIP wird das Umleiten von Projektmitteln mit der Förderpolitik der Entwicklungsorganisationen begründet, die sich scheuen, direkt Gehälter an Dirigentes zu zahlen (Gruppendiskussion, Fachgruppentagung des DED in Puyo, April 1996).


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”Ninguna organización solidaria paga para colaboradores y la administración, por eso hay desvíos de fondos“<52> ( Cunambi , Dirigente der CONFENIAE , Interview).

Entwicklungsorganisationen können die direkte Zahlung an Dirigentes als politische Förderung nicht mit den Zielen ihrer Organisation vereinbaren und/oder wollen sich nicht in die Politik der Föderation einmischen. Häufig wird die Legitimität der Dirigentes als Vertreter der Basis hinterfragt ( Hoffmeyer1995 ; Gregori1997 ). Bei großen Organisationen wird vor Klientelismus gewarnt sowie vor der Gefahr, durch die Entwicklungszusammenarbeit Basisorganisationen zum Instrument privilegierter lokaler Gruppen zu machen ( Rauch1992 ; Elsenhans1989 ). Die Basis der OPIP drückt solche Zweifel mit dem verbreiteten Satz ”Los dirigentes estan comiendo a nombre de los indios<53>“ aus und Marco Restrepo ( Restrepo , Direktor der NRO CEDIME in Puyo, Interview) beobachtete:

”Mientras más fuerte está la organización indígena, es más lejos de la base.<54>

Trotz der Bemühungen zur Selbstfinanzierung mit einkommenschaffenden Projekten sind die Föderationen heute mehr denn je von Entwicklungshilfegeldern abhängig ( Serrano1993 ). Die OPIP befindet sich in einer vorher nicht gekannten ökonomischen Krise.

”Ahora hay menos apoyo. Ahora la OPIP negocia, y se vende a la mejor oferta<55>“ ( ViteriC , Koordinator der Presseagentur Tierra in Puyo, Interview).

Die Phase, in der Finanzierungen relativ leicht zu bekommen waren, geht aufgrund der Abrechnungsprobleme und der resultierenden Verschlechterung der Beziehungen zwischen OPIP und Entwicklungsorganisationen zu Ende. Ein interinstitutionelles Treffen von Entwicklungsorganisationen in Ecuador plädierte für mehr Auflagen und Kontrollen bei der Förderung von indigenen Organisationen und plante die Bildung


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eines Komitees, um mehr Transparenz bei der Mittelvergabe zu erreichen und Doppelfinanzierungen zu vermeiden ( Comunidec1996 ).

Das interinstitutionelle Seminar über indigene Völker und Entwicklung der Weltbank im September 1993 ( Deruyttere1993 ) schlug eine ”globale“ Finanzierung der Organisationen vor, um künftig die Förderung von Projekten indigener Organisationen zu vermeiden, da das Projektkonzept der indigenen Kultur fremd sei. Diskutiert wird heute u.a. die Einrichtung von Fonds internationaler Geberorganisationen zur indigenen Entwicklung, über dessen Mittelvergabe indigene Vertreter selbst entscheiden oder zumindest mitentscheiden können (Wolfgang Oberreit, Lateinamerikareferat des DED , mdl. Mitt. 26.2.1997). Dies soll die Abhängigkeit von einzelnen Entwicklungsorganisationen verringern.

Die COICA sprach sich gegen die Vergabe von Entwicklungshilfegelder an nationale oder internationale NRO als Vermittlerorganisationen aus ( Ladok1989 ), bei denen die indigenen Organisationen Projekte beantragen und mit ihnen zusammenarbeiten müssen. Nach Ansicht der indigenen Organisationen gehen diese Entwicklungshilfegelder der Zielgruppe und ihren Vertreterorganisationen verloren. Die NRO werden als Konkurrenten um die Geldtöpfe ( Gregori1997 ; ChaseSmith1996c ) und als Hindernis zur Selbstbestimmung empfunden. Statt dessen fordert die COICA die direkte Finanzierung der indigenen Organisationen (Internationaler Kongreß ”Pacha Mama“ zur Situation der Urbevölkerung in Lateinamerika, Dezember 1993).

Eine Möglichkeit der Föderationen im Oriente , der Abhängigkeit von Entwicklungshilfegeldern zu entkommen, ist ihre Finanzierung durch Anteile an den Erdölgewinnen und Kompensationen für entstandene Umweltschäden. Sie wird von den Föderationen als weniger fremdbestimmt eingestuft als die Förderung durch Entwicklungsorganisationen. Im Norden des Oriente verwenden die Föderationen FOISE und FECUNAE bereits die Zinsen eines Entwicklungsfonds der Texaco zur Deckung ihrer laufenden Kosten. Dies schließt aber eine neue Form der Abhängigkeit nicht aus:

”Cuando los petroleros se van, nos dejan huérfanos<56>“( TapuyP , Präsident der FOISE , Interview).

Heute ist der Aufbau eigener Wirtschaftsunternehmen zur Selbstfinanzierung der OPIP ein aktuelles Thema. So wollte die OPIP einen kommerziellen Flugdienst


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einrichten und ihn mit garantierten Flügen von der Erdölfirma ARCO finanzieren, verwarf die Pläne aber Ende 1996 wieder. Für Dienstleistungen von Projekten an die Basis (z.B. Mechanikerwerkstatt der OPIP) wurden bisher keine Gegenleistungen gefordert. Die Comunidades sind nicht bereit, für Leistungen der OPIP zu zahlen, da diese i.d.R. von Entwicklungsorganisationen finanziert und somit als der Basis gehörend betrachtet werden. Das Verhältnis zwischen Basis und OPIP ist durch Passivität und Nehmermentalität von Seiten der Comunidades und Paternalismus<57> von Seiten der OPIP geprägt:

”La basis pide a la OPIP cosas gratis. Hay que enseñar método, que la OPIP no solamente dé. Las comunidades son contrapartes<58>“ ( Machoa , Interview).
”Hay que romper el paternalismo de la OPIP. Las comunidades no valoran que les damos. No cuidan radios, los rompen por ser borrachos, que dé arreglando la OPIP“<59> ( Grefa , Interview).

Ansätze, die Organisation zumindest teilweise von ihren Mitgliedern in den Comunidades finanzieren zu lassen, stecken noch in den Anfängen. Die Fähigkeit und Bereitschaft der Basis, die Föderation finanziell zu unterstützen, ist gering. Ende 1996 führte die OPIP gegen den Widerstand der Basis Mitgliedspässe ein (Mitglieder 1 US-$, Mitarbeiter 10 US-$ im Jahr), die zur Teilnahme an einer Versammlung vorgelegt und jährlich erneuert werden müssen ( Villamil , Koordinator des ÖTP , mdl. Mitt. 2.12.1996). Seitdem fordert die OPIP auch von ihren Entwicklungsprojekten, regelmäßig einen gewissen Prozentsatz der zur Verfügung stehenden Projektmittel an die Verwaltung der OPIP zu zahlen, um die Mitarbeit der Dirigentes in Versammlungen, Dorfbesuchen etc. zu kompensieren. Die erwähnten Möglichkeiten zur Finanzierung der OPIP werden in noch einmal zusammengefaßt.


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Abbildung 21: Potentielle Finanzierungsarten der OPIP ( Schmall1997a )

Mittel aus Provinzfonds für die OPIP oder andere soziale Kräfte werden lediglich als potentielle zukünftige Option in der Abbildung 21 erwähnt, existieren zur Zeit aber nicht. Die Bemühungen zur Dezentralisierung der staatlichen Mittel in Ecuador befinden sich noch in ihren Anfängen.

5.2. Einfluß auf Entwicklungsprojekte

5.2.1. Organisationsstruktur der OPIP

Die OPIP schwankt wie andere Basisorganisationen zwischen zwei Extremen: Einerseits dem absolut demokratischen Anspruch, die Basis in allen Fragen zu konsultieren, und andererseits, Aufgaben und Entscheidungen in allen Fragen zu übernehmen ( Charvet1991 ). In Versammlungen der OPIP treffen Repräsentanten der Basis Beschlüsse im Konsens. Viele Entscheidungen werden aber ohne die Einbeziehung der Basis getroffen. Sie und die Dirigentes tauschen sich informell, bei Besuchen in der OPIP oder auf Generalversammlungen (ca. einmal im Jahr) und politischen Versammlungen, Seminaren und Tagungen aus. Aufgrund der großen Entfernungen und der hohen Flugkosten besuchen die Dirigentes die Comunidades nur sehr selten. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich zudem eine intellektuelle indigene Spitze herauskristalliert ( Charvet1991 ) und in ”Berufsdirigentes“ verwandelt, die nicht mehr in die Comunidades zurückkehren und folglich eine größere Distanz zu ihr entwickelt haben. Die Demokratisierung von indigenen


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Basisorganisationen hat angesichts des Anspruchs, gleichzeitig politisch effizient, egalitär und partizipativ zu sein, ihre Grenzen ( Serrano1993 ).

Der integrale Führungsstil, der die meisten Aspekte des traditionellen Lebens der Quichuas umfaßte (siehe Kapitel 3 ), unterscheidet sich signifikant von modernen, stark spezialisierten Organisationsstrukturen. Dementsprechend wird die im Organigramm der OPIP implizierte Hierarchie so nicht umgesetzt. Die Dirigentes fällen für ihre Kommissionen und die zugeordneten Projekte keine Entscheidungen, sondern konsultieren den Rat der OPIP. Dieser wird stark vom Präsidenten beeinflußt, der den besten Zugang zu Informationen und Kontakten hat. Er wird beinahe in allen Fragen von Mitgliedern der OPIP und Vertretern anderer Organisationen direkt konsultiert.

Die Aufgaben der Dirigentes in den Kommissionen sind nicht definiert. Sie bekommen große Arbeitsfelder zugewiesen, für deren Strukturierung es ihnen vor allem an Planungs- und Managementkenntnissen fehlt. Die Vorerfahrungen der Dirigentes haben nichts mit der Kommission zu tun, für die sie eingesetzt werden. Kriterien zur Wahl von Dirigentes sind u.a. ihre Fähigkeiten zu reden, Außenkontakte, Prestige und Vertrauen in der Comunidad sowie ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Familie oder Asociación. Im OPIP-Kongreß im Mai 1996 kam es jedoch, abgesehen vom Präsidenten- und Vizepräsidentenposten, zu keiner Wahl, da sich für jede Kommission nur gerade ein Freiwilliger finden ließ, der sich angesichts der hohen finanziellen und familiären Opfer ernennen ließ.

Der formelle Bildungsgrad der Dirigentes ist i.d.R. niedrig. Das in einer Regierungsperiode erlangte Wissen kann in derselben Funktion nicht weiter genutzt und ausgebaut werden, da Dirigentes nicht wiedergewählt werden können. Dieses demokratische Prinzip der Rotation wird mit der Hoffnung begründet, daß die zurückkehrenden Dirigentes ihre neuen Kenntnisse und Außenkontakte für ihre Comunidad einsetzen. Die Distanz zwischen ihnen und der Basis soll nicht zu groß und einzelne Dirigentes und Familien sollen nicht zu dominant innerhalb der OPIP werden. Andererseits spricht für ihre Wiederwahl, daß erworbene Erfahrungen und Wissen in einem gemischten Rat der OPIP von alten an neue Dirigentes weitergegeben und dauerhaft umgesetzt werden können. Dirigentes könnten an die Organisation gebunden und somit ihre Abwanderung zu den Dachorganisationen verhindert werden ( Ramón1992 ). Auch Fortbildungsmaßnahmen könnten nachhaltige Wirkungen zeigen.

Zusätzlich zur Rotation wird eine längere Zusammenarbeit zwischen Dirigentes und Entwicklungsprojekten dadurch gefährdet, daß ein Teil der Dirigentes schon


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während der Regierungsperiode in ihre Comunidades zurückkehrt, wenn ihre finanziellen oder familiären Schwierigkeiten durch ihre Abwesenheit zu groß werden. Die vier Dirigentes, die in der Periode 1994-1996 bereits nach ein bzw. zwei Jahren ausschieden, wurden bis zur nächsten Wahl nicht mehr ersetzt.

5.2.2. Projektplanung und -durchführung

”La OPIP manda cién solicitudes para proyectos para conseguir un proyecto que no mantienen. Para la OPIP el éxito es proporcional a la cantidad de proyectos<60>“ ( Griñon , Entwicklungshelferin von Ibis in der OPIP, Interview)

Auf die Diskussion von Projektvorschlägen verwenden die Dirigentes viel Zeit, die für ihre politischen und sozialen Aufgaben verloren geht ( ChaseSmith1996a ). Zeitliches und finanzielles Engagement für partizipative Projektplanung ist in der OPIP gering. Die Projekte werden an der Realität der Comunidades , die den Dirigentes und vor allem den Vertretern der Entwicklungsorganisationen zu wenig bekannt ist, vorbeigeplant. Die Dirigentes besuchen die Comunidades vorwiegend aus persönlichen, organisations-politischen oder partei-politschen Gründen, die Projekte vor Ort kennen sie aber kaum.

Der Versuch des DED und des Projekts Samay, in der OPIP partizipative Projektplanungsmethoden, wie Rapid Rural Appraisal (RRA) or Participatory Rural Appraisal (PRA) ( Cernea1985 ; Chambers1992 ; Schmall1994 und Schmall1995 ) einzuführen, scheiterten u.a. daran, daß der Rat der OPIP meinte, die Realität der Comunidades bereits zu kennen, und die Basis Fakten sehen möchte, statt Versammlungen abzuhalten.

Einige Entwicklungsorganisationen erwarten lediglich Projektideen, die die OPIP in schlagwortartigen Anträgen zusammenstellt. Von dieser Wunschliste suchen sie sich dann nach ihren Interessen und Bedürfnissen geeignete Kooperationsmaßnahmen aus. Dieses Vorgehen zeigt der OPIP, daß Finanzierungen lediglich durch das ”Schreiben“ von Projekten durch wenige Mitarbeiter oder Berater erreichbar sind.

”Desconocemos un proyecto, pero lo justificamos, firmamos, porque se necesita visto bueno de la OPIP<61>“ ( Grefa , Interview).


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Nachdem die Zusage der Unterstützung durch die Entwicklungsorganisation eingegangen ist, wird der weiteren Projektplanung in der OPIP relativ wenig Interesse gewidmet.

Der Rat der OPIP nimmt weniger durch Projektplanung als durch die Benennung des Personals Einfluß auf die Entwicklungsprojekte. Entscheidend hierfür sind politische und familiäre vor fachlichen Kriterien. Dies gefährdet die Stabilität eines Entwicklungsprojektes besonders nach der Wahl eines neuen Rates der OPIP, der Personaländerungen vornehmen kann. Die Beispiele des Projektes Samay und der Schreinerei (Kapitel 4 ) zeigen, daß zähe Personalverhandlungen zwischen Projekt, Rat der OPIP und Entwicklungsorganisationen zu monatelangen Arbeitsausfällen führen können.

Technische Mitarbeiter der OPIP und viele Vertreter der Entwicklungsorganisationen kritisieren mangelndes Interesse der Dirigentes an Projektinhalten und fehlende Motivation zur Zusammenarbeit ( Schmall1997a ).

”Los dirigentes no están interesados en nada, solo quieren plata. No nos acompañan, no visitan a las comunidades“<62> ( Flores , Mitarbeiter des Projektes Samay, Interview).
”Los dirigentes solo se preocupan de los proyectos donde hay recursos“<63> ( Karakras , ehemaliger Koordinator des Projektes Samay, Interview).

Im Normalfall informieren sich die Dirigentes der Föderationen nur oberflächlich über die Projekte und lesen kaum Projektplanungsunterlagen und andere Dokumente. Ihre mangelnde Kommunikation mit Entwicklungsprojekten ist u.a. auf ihre Unsicherheit gegenüber Projektpersonal und Beratern zu finden, die i.d.R. eine bessere Ausbildung und mehr Wissen über das betreffende Projekt haben.

Entwicklungsprojekte kommen oft zum Stillstand, weil das technische Personal in die politischen Aktivitäten einbezogen wird oder das Projekt auf Entscheidungen der Dirigentes warten muß. Die Grätsche der OPIP zwischen Entwicklungsprojekten und politischer Arbeit führt zur beidseitigen Vernachlässigung.


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Die Dezentralisierung der Entwicklungsprojekte wurde seit Mitte der 90er Jahre von Projektmitarbeitern der OPIP, kaum jedoch vom Rat der OPIP, diskutiert ( Villamil , Interview). Auch in anderen Organisationen, wie der FOIN ( AlvaradoC , Interview), FICSHA ( Jimbiquiti , Präsident der FICSHA , Interview) und COICA ( COICA1994 ) lief der Diskussionsprozeß an. Eine OPIP-Versammlung von 1995 beschloß, daß einkommenschaffende Projekte in ihrer Autonomie gestärkt werden sollten, um nach technischen und ökonomischen Gesichtspunkten funktionieren zu können. Mitarbeiter und Dirigentes stimmten darin überein, daß Comunidades und Asociaciones mehr Verantwortung bekommen, ihre eigenen Projektanträge schreiben und eigene Projekte durchführen sollen. Das Verständnis über die Rolle der Dirigentes geht jedoch auseinander und wird von vielen Dirigentes so gesehen:

”Es bueno, si proyectos son autónomos. 60 % debería participar el dirigente en un proyecto, en la economía debería estar adelante de un proyecto, no dejarlo suelto<64> ( Machoa , Interview).

Daran sieht man, daß der Rat der OPIP noch nicht bereit ist, seine Kontrollmechanismen über Projekte (z.B. Personalbenennung durch den Rat der OPIP) aufzugeben. Von der Dezentralisierung befürchtet er unter anderem, daß sie in den Augen der Basis eine Schwächung der OPIP bedeuten würde.

5.2.3. Kommunale einkommenschaffende Projekte

”Lo comunitario no funciona, 50 % de las Comunidades piensan así“<65> ( Toquetón , ehemaliger Koordinator der OPIP-Schreinerei, Interview).

Die COICA und Oxfam Amerika ( COICA1996 ) analysierten 24 indigene Produktions- und Vermarktungsprojekte in Amazonien und stellten fest, daß ihre Lebensfähigkeit besonders durch die Entscheidung beeinflußt wird, die Projekte kommunal durchzuführen. Als ”kommunale Projekte“ werden dort Projekte von kollektiven formalen Institutionen wie einer Comunidad, Asociación, Föderation oder Kooperative bezeichnet, zu denen beinahe alle indigenen einkommenschaffenden Projekte gehören.


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Die Planung von kommunalen Projekten geht in die 60er und 70er Jahre zurück, in denen viele kirchliche und Entwicklungsorganisationen in Lateinamerika eine Utopie der sozialen Gerechtigkeit mit sozialistischer Orientierung suchten, die sie in den indigenen Gesellschaften mit ihren kommunalen Werten bestätigt glaubten. Diese Generation übte einen großen Einfluß auf die Entstehung der Föderationen und ihre ersten Entwicklungsprojekte aus ( ChaseSmith1996c ). Heute werden kommunale Projekte in einigen Entwicklungsorganisationen kritischer betrachtet:

”Es una visión paternalista creer que es la belleza que el salvaje es comunitario“<66> ( Palomeque , Mitarbeiter der Weltbank, Interview).

Wie in Kapitel 3.2 beschrieben, wurden wirtschaftliche Aktivitäten traditonell im erweiterten Familienverband, dem Ayllu , durchgeführt. Die heutigen Comunidades sind aber weit über ihn hinausgewachsen und umfassen mehrere Ayllus und einzelne Familien. Die monetäre Ökonomie hat die ehemaligen Wirtschafteinheiten verändert (Kapitel 3.3 ). Da einige Ressourcen zur Marktproduktion genutzt werden, greifen die traditionellen Regelungen der Ressourcenaufteilung nicht mehr ( ChaseSmith1996a , ChaseSmith1996c ). Es wird eine neue Moral gebraucht, die die traditionelle Ökonomie der Indigenen mit der Geldwirtschaft zusammenführt. Kommunale Projekte, in denen Kapital und Gewinne allen Mitgliedern der Comunidad gehören, fallen in diesem Kontext weder in traditionell noch modern definierte Spielregeln und Erfahrungen.

Die Folge der kommunalen Ausrichtung ist das Scheitern vieler Projekte, da der Nutzen für den Einzelnen zu gering ist. Es mangelt den Mitgliedern der Comunidad an Motivation und Initiative, so daß zu wenig Verantwortung für den Gruppenbesitz übernommen wird. Die Aufgaben werden an die Führer der Comunidad delegiert, während sich der Rest um seine persönlichen Angelegenheiten kümmert ( ChaseSmith1996c ).

In Planungssitzungen werden jedoch von den Comunidades häufig kommunale Projekte gewünscht. Sie eignen sich für Bereiche wie Erziehung, Gesundheitswesen, Bau von Straßen und Gemeinschaftshäusern. Erfahrungen, wie z.B. mit den kommunalen Läden, haben zwar eine kritische Haltung gegenüber kommunalen Projekten geschaffen, wirtschaftliche Aktivitäten einzelner Familien werden dennoch erst langsam akzeptiert. Entwicklungshilfeförderungen an einzelne Familien sind noch zu wenig bekannt und können zu Neid und Spaltungen in den Comunidades


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führen. Die Öffnung der Basis für Familienprojekte hat jedoch begonnen, z.B. plante das Projekt Fatima kleine Wildtierzuchtprojekte in drei Comunidades zusammen mit Familien.

Heute plädieren auch Dirigentes zunehmend für Familienbetriebe, da Familien die Träger von ökonomischen Entscheidungen sind ( ViteriL , Interview; Karakras , Interview; Knoblauch , Projektkoordinator Gran Sumaco, Interview; Kilian , Fachberater des DED Ecuador, Interview, COICA1994 ).

5.2.4. Strategien zur alternativen Entwicklung

”Que todos indígenas tengamos dinero!“<67> ( Cunambi , Interview).

Ein Ziel der indigenen Bewegung ist die Suche nach einem autonomen indigenen Entwicklungsweg ( COICA1994 ). Es gibt jedoch kaum eigene Vorschläge der OPIP und anderer Föderationen , wohin die indigene Entwicklung führen soll und auch keine übergeordnete Strategie zur Bewahrung und Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen. Auch im Wahlkampf für die indigene Partei Pachakutik wurden in Föderationen und Partei Inhalte kaum diskutiert.

”Las organizaciones indígenas están sin propuestas. Es un ”cortoplazismo“. Faltan proyecciones políticos“<68> ( ViteriC , Interview).
”La OPIP no tiene interés de discutir modelos de desarrollo, es una lucha de recursos. El desarrollo indígena alternativo es un gran míto más“<69> ( Hoffmeyer , Interview).
”La OPIP no tiene una propuesta clara, antes para los territorios sí, ahora para proyectos productivos no hay nada concreto que se ve“<70> ( Villamil , Interview).

Statt dessen herrscht in der OPIP ein Aktionismus vor, der versucht, der Erfüllung von kurzfristigen Zielen nachzukommen. Auch wenn es einige Studien über


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alternative Entwicklungsmodelle für indigene und andere ländliche Bevölkerung gibt, haben auch die Entwicklungsorganisationen keine klaren Vorstellungen, was Ziel der indigenen Entwicklung sein sollte. Isabel Griñon ( Griñon , Interview) weist auf das Dilemma der NRO hin:

“No queremos apoyar a un desarrollo tipo colono, no queremos occidentalizar a los indígenas. Pero algunas comunidades lo quieren. No tienen ni desean un desarrollo alternativo.“<71>

Entwicklungsorganisationen und die Dirigentes der Föderationen unterscheiden sich nicht durch den Besitz von entwicklungspolitischen Vorstellungen, sondern durch die Wahrnehmung des Fehlens solcher Zielvorstellungen. Die Krise der mangelnden Inhalte wird von den Entwicklungsorganisationen deutlich und von den Dirigentes der OPIP nicht empfunden.

In der OPIP gibt es verschiedene Vorstellungen über die ökonomische Entwicklung der Comunidades und der Organisation. Es wird der Wunsch nach einer Verbindung von einerseits traditionellem und modernem und andererseits zwischen kommunalem und individuellem Wirtschaften artikuliert ( Schmall1998 ). Der Plan Amazanga des Instituts Amazanga ( Viteri1992 ) weist auf die Gefahr hin, daß die OPIP Entwicklungsmodelle nach westlichem Zuschnitt beschleunigt. Er bemängelt das Fehlen eines eigenen Entwicklungsplans, der nicht nur die Verteidigung gegenüber dem Staat zum Inhalt hat, sondern auch eine eigene Vision enthält.

Die OPIP strebt bei Beibehaltung der Subsistenzwirtschaft und traditioneller Strukturen die Integration in die ecuadorianische und internationale Wirtschaft an. Die indigene Bevölkerung soll nicht mehr ihre Comunidades verlassen müssen, um Arbeit und Einkommen zu finden.

”En 20 años la OPIP deberá tener un sinnúmero de empresas, todos con fines de lucro. La OPIP tiene que ser empresario. Las ONGs no van a financiar siempre, se necesita autofinanciamiento<72>“ ( Toquetón , Interview).


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So hoffen viele Dirigentes und Projektmitarbeiter, daß sich die OPIP in eine Firma mit vielen einkommenschaffenden Projekten zur Selbstfinanzierung entwickelt.

Die Föderationen wollen ökonomische Entwicklung mit dem Schutz der natürlichen Ressourcen verbinden. Die Viehwirtschaftsprogramme der FICSHA , OPIP (damals FECIP ) und der FOIN aber demonstrierten die kurzfristige Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Viehwirtschaft hat durch die individuellen Landtitel die Integrität der Comunidades und die natürlichen Ökosysteme gefährdet (Kapitel 2.4.2 ). Nach Ramón et al. ( Ramón1992 ) verursachten ihre Auswirkungen den Beginn der Forderung nach umweltverträglichen nachhaltigen Alternativen in den Föderationen.

Es gibt keine eindeutige Politik der OPIP in umweltrelevanten Fragen. Die OPIP ist zwar als Organisation gegen den Straßenbau in ihrem Territorium, aber zur transozeanischen Straße von Kolumbien über Curaray nach Peru gibt es keine offizielle Stellungnahme. Mit der Asociación Arajuno soll die Auswirkungen der geplanten Straße diskutiert werden, doch wird sie ohnehin von den Comunidades befürwortet, und der Bau ist nicht mehr aufzuhalten ( Machoa , Interview).

Ebenso vertritt die OPIP keinen einheitlichen Standpunkt mehr gegenüber der Erdölindustrie und stellt die Verhandlungen gegenüber der Basis nicht transparent dar. Als Folge der zunehmenden Finanzierung der Föderationen durch die Erdölindustrie gehen politische Diskussionen und Protestaktionen zurück. Die entschiedene und geschlossene Haltung der indigenen Vertreter gegenüber den Erdölfirmen im Oriente löst sich auf, und politische Aktionen werden unglaubwürdig.

”Porqué la OPIP quiere negociar con petroleras? No para conservar cuatro árboles, sino por la plata“<73> ( Barrera , Beraterin für das ÖTP , Interview).
”Las organizaciones negocian para recibir los beneficios máximos. Muchas organizaciones verdes se sientan traicionadas por la negociación a corto plazo“<74> ( MorenoC , Mitarbeiter des UNDP , Interview).


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Nach Neumann ( Neumann1994 ) kommt es nur dort zur Entstehung ethnischer Bewegungen, wo Kultur und Traditionen als Vehikel genutzt werden, um gleiche oder gar besondere Rechte in Bezug auf Ressourcen einzuklagen. Die Betonung des traditionellen naturschützenden Verhaltens ethnischer Gruppen folgt demselben Mechanismus und wird dort angewandt, wo sie zur Erlangung von Finanzierungen, als Chance zur Integration in die Weltgemeinschaft, gesehen wird.

“Indígenas sind keine Naturverteidiger. Der Ökodiskurs wurde erlernt, um an Gelder zu kommen. Sie spritzen wie wild Chemikalien und werden nicht die Anbieter von Bio-Naranjilla sein“ ( Kuderna , ÖED , Interview).
”Die OPIP führt den Ökodiskurs und einige von Ihnen glauben auch daran. Jedoch ist das Folge der Gebersituation. Wenn Frauenförderung modern ist, führt die OPIP den Frauendiskurs“ ( Kilian , Interview).

Zusammenfassung von Kapitel 5

In diesem Kapitel wird der Wandel der OPIP von einer politischen Organisation zu einer Entwicklungsagentur diskutiert, der von internationalen Entwicklungsorganisationen verstärkt wurde. Trotz der Bemühungen zur Selbstfinanzierung ist die OPIP heute mehr denn je von Entwicklungshilfegeldern abhängig und einkommenschaffende Projekte werden für sie immer wichtiger. Ihrer erfolgreichen Umsetzung steht aber die zentralisierte Organisationsstruktur der OPIP entgegen. Die Dirigentes verzögern u.a. Entscheidungen, ohne die Planung und den Projektverlauf inhaltlich ausreichend zu begleiten.

Die forschungsleitende Frage, ob die OPIP eine alternative Entwicklung bei Wahrung der natürlichen Ressourcenbasis anstrebt, kann nur mit Blick auf die erklärten Entwicklungsziele positiv beantwortet werden. Sie delegierte die Erstellung eines Entwicklungsplans an das Institut Amazanga, der jedoch noch in seinen Anfängen steckt und bisher keine politischen oder praktischen Auswirkungen hat. Die Comunidades folgen dem Weg der Marktintegration, dem die OPIP bisher keine alternativen Modelle entgegenhalten konnte bzw. wollte. Auch die Politik der OPIP in Umweltfragen steht hinter dem Wunsch nach ökonomischer Verbesserung der Lebenssituation in den Comunidades (z.B. Hoffnung auf den Straßenbau) und der OPIP selbst (z.B. Forderung nach Anteilen aus der Erdölförderung) zurück.


Fußnoten:
<49>

”Die eigentlichen Ziele (der Föderationen) wurden umgeleitet. Die großen Föderationen verwandelten sich zu Abwicklern von Projekten, welche dazu da sind, Mittel zu besorgen. Sie verwandelten sich in ineffiziente und korrupte siehe .“

<50>

”Wenn Geld kein Problem wäre, würden die Föderationen nur im politischen Bereich arbeiten.“

<51>

”Die indigenen Organisationen brauchen die Verwaltung von Fonds nicht zu lernen, da sie immer neue Finanzierungen finden werden.“

<52>

”Keine solidarische Organisation zahlt für die Dirigentes und die Verwaltung, deshalb werden Projektgelder dafür umgeleitet.“

<53>

”Die Dirigentes essen auf Kosten der Indios.“

<54>

”Je stärker die Föderation ist, um so weiter entfernt ist sie von ihrer Basis.“

<55>

”Heute gibt es weniger Unterstützung. Heute verhandelt die OPIP und verkauft sich an das beste Angebot.“

<56>

”Wenn die Erdölfirmen gehen, lassen sie uns als Waisen zurück.“

<57>

”Als Paternalismus wird eine Staats-, Gesellschafts- und Wirtschaftsauffassung bezeichnet, in der das Staatsoberhaupt, der Grundherr oder der Unternehmer als eine Art Familienoberhaupt über den Untertanen, dem Gesinde, den Arbeitnehmern gedacht ist und umfassende Herrschafts- und Befehlsrechte aber auch umfassende Fürsorgepflichten und sonstige Verantwortlichkeiten hat“ ( siehe ).

<58>

”Die Basis verlangt von der OPIP alle Dinge gratis. Man müßte eine Methode einführen, bei der die OPIP nicht nur gibt, sondern die Comunidades Counterparts sind.“

<59>

”Man muß den Paternalismus der OPIP brechen. Die Comunidades schätzen nicht, was wir ihnen geben. Sie pflegen ihre Radios nicht, machen sie kaputt, weil sie betrunken sind und hoffen dann, daß die OPIP sie repariert.“

<60>

”Die OPIP verschickt hundert Projektanträge, um ein Projekt zu bekommen, welches sie dann vernachlässigt. Für die OPIP ist ihr Erfolg proportional zur Anzahl der Projekte.“

<61>

”Wir kennen das Projekt nicht, aber wir bestätigen und unterschreiben es, weil es das Einverständnis der OPIP braucht.“

<62>

”Die Dirigentes interessieren sich für nichts, sie wollen nur Geld. Sie begleiten uns nicht und besuchen nicht die Comunidades.“

<63>

”Die Dirigentes kümmern sich nur um die Projekte, in denen es Mittel gibt.“

<64>

”Es ist gut, wenn die Projekte autonom sind. Die Dirigentes sollten 60 % (ihrer Arbeitszeit) den Projekten widmen. In ökonomischen Aspekten sollte er das Projekt anführen und es nicht sich selbst überlassen.“

<65>

”Das Kommunale funktioniert nicht. 50 % der Comunidades denken so.“

<66>

”Es ist eine paternalistische Vision zu glauben, daß das Schöne an den Wilden ihre kommunalen Gesellschaften sind."

<67>

”Mögen alle wir Indigenen Geld haben!“

<68>

”Die indigenen Organisationen haben keine Vorschläge. Alles ist nur kurzfristig gedacht. Politische Visionen fehlen.“

<69>

”Die OPIP hat kein Interesse, Entwicklungsmodelle zu diskutieren, es ist nur ein Kampf um Mittel. Die alternative indigene Entwicklung ist nur ein weiterer großer Mythos.“

<70>

”Die OPIP hat keinen klaren Vorschlag, früher für die Landfrage schon, aber heute für die einkommenschaffenden Projekte sieht man nichts Konkretes.“

<71>

”Wir wollen keine Entwicklung nach Art der Siedler unterstützen, wir wollen die indigene Bevölkerung nicht verwestlichen. Aber einige Comunidades wollen gerade das. Sie haben und wollen keine alternative Entwicklung.“

<72>

”In 20 Jahren sollte die OPIP eine Vielzahl von Betrieben mit wirtschaftlichen Zielsetzungen haben. Die OPIP muß zum Unternehmen werden, das sich selbst finanziert, da die siehe sie nicht immer fördern werden.“

<73>

”Warum will die OPIP mit den Erdölfirmen verhandeln? Nicht, um vier Bäume zu schützen, sondern wegen des Geldes.“

<74>

”Die Föderationen verhandeln, um den maximalen Nutzen zu erzielen. Viele grüne Organisationen fühlen sich durch diese kurzfristig gedachten Verhandlungen verraten.“


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Fri Jan 28 10:16:17 2000