Schmall, Susanne: Das Ökotourismusprogramm der Organización de Pueblos Indígenas de Pastaza (OPIP) im Amazonastiefland Ecuadors Ansätze selbstbestimmter Entwicklung einer indigenen Basisorganisation

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Kapitel 7. Konzept des ÖTP

Die Einzelfallstudie des ÖTP beginnt mit der Darstellung des Konzeptes des ÖTP, d.h., es wird im wesentlichen der Entwurf des ÖTP und seine Modifikationen während der Planungs- und Aufbauphase (Anfang 1995 bis Anfang 1997) beschrieben. Er ist aus Projektdokumenten, Workshopunterlagen, Veröffentlichungen und teilnehmender Beobachtung beinahe aller Zusammenkünfte der Projektbeteiligten entnommen.

7.1. Die Anfänge

Seit Beginn der 90er Jahre fragten die ersten Comunidades um Hilfe zum Aufbau ihrer eigenen Ökotourismusprojekte bei der OPIP nach. Das Interesse entstand vor allem in solchen Comunidades und Asociaciones , die bereits regelmäßigen Kontakt mit Touristen hatten. Die Shuar-Familie Moya mit ihrem Reisebüro Tsantsa-Tours in Baños führte Touristen nach Curaray und Pavacachi, die in mitgebrachten Zelten oder gegen Bezahlung in Privathäusern von einzelnen Familien schliefen ( Moya1998 ). In Pavacachi hatten bereits einige Bewohner vor ihrem Umzug in die neue Siedlung in den Tourismuszonen der Provinz Napo Erfahrungen als Kanufahrer, Hilfsführer etc. gesammelt. In Curaray und Llanchamacocha besaß der Fremdenführer Héctor Vargas aus Puyo eigene Cabaña s. Nach Canelos reisten Individualtouristen mit dem Bus an, verbrachten die Nacht im Hotel eines Siedlers und wanderten einige Tage in den Wald. Keine dieser Comunidades und Asociaciones war jedoch bisher an Planung, Durchführung und Gewinn des Tourismus beteiligt.

Im Jahr 1994 schlossen die OPIP und CETUR in Pastaza ein allgemeines Abkommen zum gegenseitigen Informationsaustausch und zur Zusammenarbeit im Tourismus ab, welches jedoch nie umgesetzt wurde. Nachdem meine Aufgaben als Entwicklungshelferin verändert und auf den Aufbau des ÖTP gerichtet wurden, ernannte der Rat der OPIP im März 1995 einen Koordinator und wählte die oben genannten Comunidades für das neue Programm aus. In einem Wettstreit zwischen den vier Comunidades um den besten Namen des Programms wurde es schließlich ”Atacapi Tours“ nach dem mehrköpfigen mystischen Schlangentier ”Atacapi“ getauft.

”Atacapi ist ein Geist des Waldes, der in der Macht der Boa verkörpert ist. Er ist Herr aller Tiere in den Flüssen, Lagunen und Salzquellen. Wo sich Atacapi aufhält, kann eine reichhaltige Tierwelt beobachtet werden. Zieht er sich aber zurück, trocknen die Flüsse und Lagunen aus. Wie Atacapi die Wesen

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des Waldes anzieht, wird er auch die Touristen zum Wohl der Comunidades anlocken“ (aus der deutschen Broschüre von Atacapi Tours).

7.2. Angebot in den Comunidades

Atacapi Tours begann seit 1996, Reisen in die Comunidades Pavacachi (55 Flugminuten von Puyo entfernt), Curaray (40 min), Llanchamacocha (22 min) und Canelos (eineinhalb Stunden Autofahrt von Puyo) anzubieten. Die ersten drei Orte liegen im primären Regenwald, welcher lediglich durch die zerstreute Siedlungsform der Quichuas mit ihren Häusern und Chacra s unterbrochen wird. Canelos befindet sich in der dichter besiedelten Randzone des Regenwaldgebietes ( Abbildung 4 ).

Pavacachi ist eine am Ende der 80er Jahre gegründete kleine Siedlung am Río Curaray (ca. 20 Erwachsene; 1.500 km2, Barrera1995 ). Von zahlreichen Nebenflüssen und Lagunen kann der Besucher die reichhaltige Tierwelt beobachten. Auf dem Weg zur Salzquelle wurden während eines Spaziergangs am 28.11.1995 zwischen 16 und 20 Palmenarten identifiziert, ein Indiz für die hohe Artenvielfalt des Standortes ( Drumm1995 ). Pavacachi gehört keiner Asociación an, sondern ordnet sich direkt der OPIP zu, ebenso wie die kleine Comunidad Llanchamacocha (ca. 30 Erwachsene), in der neben den Quichuas wenige der letzten Nachkommen der Záparos leben. Llanchamacocha befindet sich in der hügeligen Landschaft der subandinen Kordillere.

Die Asociación Curaray liegt in der Nähe der Mündung des Río Villano in den Río Curaray. Mit ihren ca. 2.100 Einwohnern in 10 Comunidades <80> handelt es sich um eine der größeren Asociaciones der OPIP (ca. 8.000 km2) ( Carrión1986 ).

Canelos wird als die ehemalige ”Hauptstadt Pastazas“ angesehen. Der Ort wurde nach der tropisch-amerikanischen Baumart Canella alba benannt, von der die Rinde als weißer Zimt zum Würzen genutzt wird. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde hier die älteste Ansiedlung des Dominikanischen Ordens im Oriente mit Záparos des Río Bobonaza gegründet. Vor der Suche nach Erdöl in Pastaza und dem Anwachsen Puyos und Shells war Canelos die größte Niederlassung Pastazas. Sie ist heute eine Asociación der OPIP (500 km2) mit ca. 1.500 Einwohnern in vier Comunidades<81>


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( Carrión1986 ). Für die Besucher des ÖTP ist Canelos eine schnell zu erreichende und kostengünstige Alternative.

In den vier Projekten werden ähnliche Aktivitäten mit unterschiedlichen Schwerpunkten durchgeführt bzw. sind vorgesehen: Führungen durch den Regenwald und über einen botanischen Lehrpfad mit indigenen Nutzpflanzen, Kanutouren, Schwimmen ( Foto 20 ), Fischen, Vorführungen zur Herstellung von kunsthandwerklichen Arbeiten und ihr Verkauf ( Foto 21 und Foto 22 ), Darstellungen von traditioneller Musik und Tanz ( Foto 23 ), traditionelle Spiele ( Foto 24 ), ecuadoria-nischer Volleyball und die Teilnahme an einer Minga. Das Programm versucht, die Lebensweise der indigenen Bevölkerung zu vermitteln. Die Küche bietet traditionelle Gerichte, die für den Geschmack der Touristen erweitert und abgewandelt werden.

Über dem Kunsthandwerkladen der OPIP in Puyo befindet sich die Koordinierungsstelle und das Reisebüro von Atacapi Tours. Dort kann sich der Tourist mit Broschüren und Videos über die vier Projekte informieren und die Reise buchen. Sie organisiert außerdem Tagesausflüge in die nähere Umgebung, wie z.B. zum Wildtierzuchtprojekt Fatima.

7.3. Preis und Touristenprofil

Die Preise für den Besuch eines der vier Projekte für den einzelnen Touristen hängen von der Gruppengröße, Dauer des Aufenthaltes sowie von dem gewählten Projektort ab. Da die Flugpreise nach Flugminuten festgelegt werden, sind die weiter entfernteren Orte, wie Pavacachi, teurer. Die Gruppengröße ist entscheidend für die Kosten eines einzelnen Touristen, da sich die Flugkosten auf die Anzahl der Touristen verteilen.

Jeder Tag in einem Projekt hat für den Besucher einen Festpreis. Bei längerem Aufenthalt in einer Comunidad wird der Gesamtpreis pro Tag jedoch relativ niedriger, da er den gleichbleibenden Flugpreis enthält, der auf mehr Tage umgelegt wird. Der Flugpreis wird in die Berechnung des Tagespreises pro Tourist einbezogen, damit dieser mit anderen Tourangeboten im Oriente vergleichbar ist. Eine Reise nach Canelos kostet einen Touristen pro Tag ca. 40 US-$; zu den anderen drei Comunidades ca. 80-150 US-$. Mit Ausnahme von Canelos-Besuchern spricht das ÖTP Touristen mit mittlerem bis hohem Einkommen an. Für den klassischen Rucksacktouristen ist das Angebot zu teuer.


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Foto 20: Badestelle vor den Cabañas von Canelos (Aufnahme: Harald Schölzel)

Die Zielgruppe des touristischen Programms sind vor allem nordamerikanische und europäische Touristen im Alter von ca. 26-45 Jahren, die ein Interesse an Natur und Kultur, Abenteuer und Exotik mitbringen. Es wird der ”typische“ Ökotourist ( BMZ1995 ) erwartet, der als überdurchschnittlich gebildet, umweltbewußt, erlebnis-orientiert und ausgabefreudig bezeichnet werden kann. Seine Komfort- und Infrastrukturansprüche sind vergleichsweise niedrig, die Bereitschaft, sich auf Landestypisches einzulassen, überdurchschnittlich hoch. Große Ansprüche stellt er an Naturnähe und Erlebnisintensität, die Informationsvermittlung während der Reise und einer schnellen Erreichbarkeit von Zielgebieten. Das ÖTP spricht nicht diejenigen Touristen an, die sich aufgrund von Zeitmangel auf exakt eingehaltene An- und Abfahrtstermine verlassen müssen. Durch die häufigen und langen Niederschlagsereignisse können sich die Flüge in den Regenwald und zurück um Stunden oder gar Tage verzögern.


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Foto 21: Töpfervorführung in Curaray (eigene Aufnahme)

Foto 22: Knüpfen einer Tragetasche (eigene Aufnahme)


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Foto 23: Tanzdarbietung in Curaray (eigene Aufnahme)

Foto 24: Blasrohrwettschießen mit Besuchern (eigene Aufnahme)

7.4. Organisationsstruktur

In den ersten ÖTP-Versammlungen 1995 beschlossen die Comunidades und Asociaciones , ihr Tourismusprojekt kommunal durchzuführen und wählten Vertreter für die verschiedenen Ämter der Projekteams. Sie versuchten, möglichst viele ihrer


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Mitglieder am Projekt zu beteiligen. Die Rotation von Projektmitarbeitern wurde aber von vorneherein ausgeschlossen, da Zeit und Gelder für die Ausbildung begrenzt waren und die Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt sein sollten. Die Comunidades bestimmten für jeden Aufgabenbereich jeweils zwei Personen, die sich im Lernprozeß gegenseitig unterstützen und nach jedem Touristenbesuch abwechseln können.

In einem gemeinsamen Planungsworkshop im September 1995 einigten sich die Vertreter aller beteiligten Gruppen des ÖTP auf das Organigramm ( Abbildung 27 ) und die im folgenden beschriebene Aufgabenverteilung ( Atacapi1995a , Schmall1997a , Schmall1997b ).

Abbildung 27: Organigramm des ÖTP ( Atacapi1995a )


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7.5. Entwicklungshilfe und Eigenbeteiligung

Der größte Teil der Investitionen in der Aufbauphase des ÖTP wurde von Entwicklungsorganisationen getätigt. Der DED finanzierte bis Anfang 1997 zwei Entwicklungshelfer zur Beratung beim Aufbau des ÖTP (Projektplanung, Organisation und Ausbildung on-the-job) und zum Aufbau des Wasserver- und entsorgungssystems der Projekte. Der nachfolgende Entwicklungshelfer (1997 bis voraussichtlich 1999) berät das ÖTP in der Vermarktung des touristischen Angebots. Weiterhin gab der DED einen über die Jahre abnehmenden Zuschuß für das Gehalt des Koordinators und das Gehalt der Sekretärin/Buchhalterin, stellte ein Dienstfahrzeug sowie Zuschüsse für Arbeitsmaterialien, Flugtransport, Dienstreisen des Koordinators und vereinzelte Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung.

Während des ersten Jahres machten Tourismusveranstalter und verschiedene Organisationen<82> Vorschläge zur Zusammenarbeit im Bereich Ökotourismus, die aber von der OPIP abgelehnt wurden.

Anfang 1995 wurde die Kooperation mit dem Lateinamerikanischen Institut für soziale Forschung (Instituto Latinoamericano de Investigaciones Sociales, ILDIS) der Friedrich-Ebert-Stiftung aufgenommen. ILDIS finanzierte Workshops und Berater zur Konzepterstellung und übernahm Kosten, Organisation und Durchführung der Ausbildungsseminare (zwei Kurse für Fremdenführer, ein Kochkurs, ein Kurs für Verwaltung und Buchhaltung und ein Kurs für touristische Operationen, allgemeine Organisation und touristischen Betrieb).

Das Projekt Samay finanzierte mit Geldern der Europäischen Union den größten Teil der Infrastruktur in den Comunidades, den Transport von Material und Teile der Kommunikationskosten der Koordinierungsstelle in Puyo. Die Europäische Union sagte für die Finanzierung weiterer Infrastruktur für neue kommunale Projekte im Jahr 1998 3.000 ECU zu ( Jovanov1997 ).

Die OPIP stellte weiterhin Büroräume in einem von ihr besetzten Haus der Stadtverwaltung für die Koordinierungsstelle des ÖTP zur Verfügung ( Foto 25 ). Sie beteiligte sich an einigen Veranstaltungen und verpflichtete sich zum finanziellen Beitrag für die Flugtransporte während der Planungsphase.


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Die Comunidades bauten die Cabaña s der Projekte im traditionellen Stil mit einigen Variationen (Veranda, Zimmerunterteilungen etc.) ( Foto 26 und Foto 27 ). Sie verwendeten soweit wie möglich Materialien aus eigenen Ressourcen (Holz, Blätter für das Dach etc.). Die lokal nicht vorhandenen Materialien und Werkzeuge sowie den Flug- und Kanutransport des Materials an die Bauplätze finanzierte das Projekt Samay mit einem Zuschuß von ca. 3.000 US-$ pro Projekt. Außerdem vergab Samay zinslose Kredite von ca. 2.000 US-$ pro Projekt zur Ausstattung der Cabaña s (Matratzen, Küchenmaterial etc.). Letztere sollen proportional zur Anzahl der empfangenen Touristen von den Comunidades an einen Programmfonds des ÖTP zurückgezahlt werden.

Die Bauarbeiten fanden in Form von Mingas der Comunidades bzw. Asociaciones statt. Darüber hinaus investierten die Projektteams ihre unbezahlte Zeit bei der Projektplanung, den Ausbildungskursen und Evaluierungsveranstaltungen.

Foto 25: Das Büro der Koordinierungsstelle in Puyo (eigene Aufnahme)


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7.6. Kosten- und Einkommenskalkulation

Im Vergleich zu den operativen Kosten der Projekte in den Comunidades liegen die monatlichen Fixkosten für die Koordinierungsstelle des ÖTP sehr hoch, wie die folgenden Schätzungen in Tabelle 9 zeigen. Obwohl sie in der Planungs- und Aufbauphase größtenteils von den Entwicklungsorganisationen getragen wurden, flossen sie bereits in die Berechnung des Produktpreises mit ein.

Foto 26: Cabañas des ÖTP in Curaray (Aufnahme: Harald Schölzel)

Damit sollte dem Gefühl der Comunidades vorgebeugt werden, die Koordinierungsstelle sei von ihnen unabhängig und werde für immer von außen bezahlt.

Bei einem angenommenen Besuch von je einer Touristengruppe im Monat mit jeweils fünf Touristen und einer Aufenthaltszeit von vier Tagen in den Comunidades Pavacachi, Llanchamacocha und der Asociación Curaray ergeben sich 20 Touristentage<83> pro Monat in diesen Comunidades. Für Canelos werden 10 Besuchertage im Monat mit jeweils fünf Touristen geschätzt. Um die Kosten der Koordinierungsstelle zu decken (Deckungsbeitrag), muß, bei einer Kalkulation von 110 Touristentagen pro Monat ( Tabelle 10 ), eine Abgabe von 10 US-$ für einen


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Touristen pro Tag an die Koordinierungsstelle berechnet werden (1.085 US-$: 110 Touristentageap10 US-$).

Foto 27: Der Projektkoordinator in Pavacachi beim Bau der Cabaña s (eigene Aufnahme)

Tabelle 9: Kalkulation der monatlichen Kosten für die Koordinierungsstelle ( Atacapi1995a )

Kosten In US-$/Monat

Gehalt Programmkoordinator

305

Gehalt Buchhalterin/Sekretärin

169

Miete und Strom

102

Kommunikation (Fax, Telefon, Post)

85

Arbeitsmaterial

68

Promotionsmaterial

102

Reisekosten für den Programmkoordinator

85

Fortbildung

169

Total

1.085

Die Kosten, die unmittelbar jedem Tag der Anwesenheit der Touristengruppe im Projekt (z.B. Gehälter) bzw. jedem Touristentag (z.B. Mahlzeiten) zugerechnet


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werden können, werden von den Einnahmen der jeweiligen Tour direkt gedeckt. So wird z.B. das Geld für die Mahlzeiten der Touristen oder das Benzin für die Kanus mit der Touristengruppe an die Projektteams in den Comunidades und Asociaciones weitergeleitet.

Tabelle 10: Kalkulation der monatlichen Touristentage für das ÖTP ( Atacapi1995a )

Kalkulation der monatlichen Touristentage Anzahl Touristentage/Monat

20 Touristentage x 3 Comunidades =

60

+ 50 Touristentage x 1 Comunidad (Canelos) =

50

Gesamte Touristentage des ÖTP

110

Für die Instandhaltung der Cabaña s wurden vorerst nur 1 US-$ pro Touristentag für die Projektkasse berechnet, ein zu geringer Betrag, um die Abschreibungskosten zu repräsentieren. Für größere Reparaturarbeiten und Anschaffungen ist die Hilfe des Programmfonds notwendig. Er war ursprünglich für den Aufbau weiterer Ökotourismuszentren in anderen Comunidades vorgesehen, sollte dann aber dem geplanten Rückzug der Unterstützung durch die Entwicklungsorganisationen vorbeugen. Seine Gelder wurden in der Planungsphase für notwendige Ausgaben der Koordinierungsstelle und zum Ansparen verwendet. Zusätzlich zu den Kreditrückzahlungen der Comunidades und Asociaciones wird er durch einen Preisaufschlag von 4 US-$ pro Touristentag aufgestockt.

Die im Organigramm dargestellten Akteure des ÖTP (mit Ausnahme des Konfliktkomitees und des Dirigentes für Gemeindeentwicklung) nehmen an der Verteilung des Einkommens durch das ÖTP teil. In den Comunidades bzw. Asociaciones profitieren die Mitarbeiter der Projekte durch Tagesgehälter, die Comunidades und Asociaciones durch einen vom ÖTP gespeisten kommunalen Fonds und die Verwaltung der OPIP durch Abgaben des ÖTP. Alle Einkommen sind direkt an die Zahl der Touristentage (OPIP-Fonds, kommunaler Fonds) bzw. die Aufenthaltszeit der Touristengruppen in den Projekten (Gehälter) gebunden.

Als Beraterin des ÖTP entwickelte ich ein spezifisches Buchhaltungssystem für die Projekte und stellte es auf dem Kurs ”Buchhaltung und Verwaltung“ im März 1996 für die Koordinatoren und Buchhalter vor. Während der Diskussionen und Übungen


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wurde es weiter vereinfacht und angepaßt. Dieser Adaptationssprozeß setzte sich nach den Besuchen der ersten Touristengruppen in Absprache mit dem Koordinator und der Buchhalterin fort. Die Kursteilnehmer trafen nach langen Diskussionen eine vorläufige Festlegung der Gehälter für die Projektteams ( Tabelle 12 ). Sie geben trotz einiger inzwischen erfolgten Veränderungen in den einzelnen Comunidades einen Eindruck über die potentiellen Einnahmen durch Gehälter in den Comunidades:

Tabelle 12: Gehälter der Projektteams (Tafelbild im Kurs ”Buchhaltung und Verwaltung“ in Canelos, März 1996)

Mitglied des Projektteams Gehalt in US-$/Tag

Koordinator

14

Buchhalter

10

Köchin

10

Küchengehilfe

8

Fremdenführer

10

Kanuführer

10

Kanuhilfskraft

8

Projektteam pro Tag insgesamt

70

Wenn wie oben angenommen, die Comunidades Pavacachi, Llanchamacocha und Curaray mit 20 und Canelos mit 50 Touristentagen im Monat rechnen, ergeben sich die monatlichen Gesamteinnahmen der Tabelle 13 .

Die jährlichen Einnahmen erreichen nach dieser Schätzung in Pavacachi, Llanchamacocha und Curaray eine Höhe von je ca. 4.300 US-$ sowie in Canelos von ca. 10.800 US-$ .

Die Einnahmen der OPIP mit 1 US-$ pro Touristentag würden bei der Annahme von 110 Touristentagen monatlich 110 US-$, d.h. 1.320 US-$ im Jahr ausmachen.


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Tabelle 13: Kalkulation der monatlichen Gesamteinnahmen in den Comunidades ( Atacapi1995a , mit den an die Gehaltsabsprachen von März 1996 in Canelos angepaßten Werten)

Art der Einnahmen Kalkulation In US-$/ Monat

Pavacachi, Llanchamacocha und Curaray:

Gehälter

4 Tage x US-$ 70 =

280

Kommunaler Fonds

20 Touristentage x US-$ 4 =

80

Monatliche Einnahmen gesamt

360

Canelos:

Gehälter

10 Tage x US-$ 70 =

700

Kommunaler Fonds

50 Touristentage x US-$ 4 =

200

Monatliche Einnahmen gesamt

900

Zusammenfassung von Kapitel 7

Das ÖTP bietet seinen Besuchern Reisen in indigene Comunidades im Regenwald Pastazas an. Die vier beteiligten Comunidades bzw. Asociaciones , ihre Projektteams, die Koordinierungsstelle in Puyo und die OPIP partizipieren an der Planung, Entscheidung, Durchführung und Kontrolle des Programms. Auf sie verteilt sich auch das Einkommen. Während dieses Kapitel das ”Soll“ des ÖTP darstellte, werden Probleme bei Planung und Umsetzung als ”Ist“ im nächsten Kapitel diskutiert und geprüft, inwieweit das ÖTP den Kriterien des Ökotourismus, wie sie in Abbildung 23 formuliert wurden, tatsächlich entspricht.


Fußnoten:
<80>

Villano, Lorocachi, Toñampare, Golondrinacocha, Wamone, Quihuaro, Tzapino, Quillualpa, Jaime Roldós und Jesuscocha.

<81>

Chontoa, Tinguiza, Chapetón und Las Mercedes.

<82>

Turistopa, Imágenes del Nuevo Mundo, University of California.

<83>

Ein Touristentag ist definiert als der Besuch eines Touristen für einen Tag in einem Projekt.


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