Schmall, Susanne: Das Ökotourismusprogramm der Organización de Pueblos Indígenas de Pastaza (OPIP) im Amazonastiefland Ecuadors Ansätze selbstbestimmter Entwicklung einer indigenen Basisorganisation

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Kapitel 8. Bewertung des ÖTP anhand ökotouristischer Kriterien

Die Bewertung des ÖTP anhand ökotouristischer Kriterien führt zu der Beantwortung der zweiten forschungsleitenden Frage, ob das ÖTP eine einkommenschaffende Alternative unter Erhaltung der natürlichen Ressourcen für die Comunidades und Asociaciones darstellt. Grundlage der Ergebnisse sind teilnehmende Beobachtung, informelle Interviews sowie Primär- und Sekundärliteratur. Vergleiche mit anderen indigenen Tourismusprojekten des Oriente sind als Textabbildungen in den Unterkapiteln zu finden.

8.1. Soziale, kulturelle und ökologische Verträglichkeit

Nach einer Gruppendiskussion im Kurs ”touristische Operation“ in Canelos im Mai 1996 hielten die Teilnehmer aus den Projektteams die von ihnen befürchteten Wirkungen des ÖTP fest ( Abbildung 28 , Foto 29 und Foto 29).

Abbildung 28: Von den Comunidades befürchtete negative Wirkungen des ÖTP (Tafelbild, Kurs ”touristische Operation“ in Canelos, Mai 1996)

Über das visualisierte Tafelbild hinaus äußerten Teilnehmer ihre Angst vor dem möglichen Alkoholkonsum der Touristen, welcher von den Comunidades nachgeahmt werden könne. Auch Kettenraucher würden mit ihrem Verhalten besonders die Jugendlichen anstecken, so daß die Comunidades bereits ein Rauchverbot für die Besucher erwogen hatten. Die anwesenden Männer sorgten sich außerdem um eventuell nackt badende oder nur halb bekleidete Touristen, die durch das Dorf laufen und einen schlechten Einfluß auf ihre Frauen und Töchter haben könnten.


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Die Diskussion mündete in dem gemeinsamen Entwurf von Verhaltensnormen, die den Touristen vor dem Besuch der Comunidad ausgehändigt werden sollen ( Abbildung 30 ). Den Salzquellen, an denen sich die Tiere zum Salzlecken versammeln, wurde dabei besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Sie sind von großer touristischer Bedeutung und besonders empfindlich gegenüber Störungen.

Um negativen ökologischen Wirkungen vorzubeugen, wurde bereits bei der Planung der Infrastruktur beschlossen, keine neuen Wege oder Pfade anzulegen, um die Störung der Vegetation durch Trittschäden gering zu halten. Das Freischlagen von Wegen mit der Machete soll soweit wie möglich vermieden und Tiere vom Boot aus beobachtet werden. An der Salzleckstelle in Pavacachi ist der Bau eines Turms geplant, der die Tierbeobachtung für die Touristen erleichtert und ihre Spuren am Boden vermeidet.

Auf Dieselgeneratoren zur Stromerzeugung wurde aufgrund des Lärms, der Abgase und des Verlusts an Authentizität des Regenwalderlebnisses verzichtet. Zum Kochen wird Feuerholz und Gas verwendet, Öllampen erhellen abends die Cabañas. Mittelfristig war der Kauf von Petroleum-betriebenen Kühlschränken und die Ergänzung mit Solarenergie geplant.

Die Küche des ÖTP bereitet den Touristen kein Wildfleisch zu. Auch Fisch gibt es im allgemeinen nur einmal während der Tour, um dem Touristen das unmittelbare Naturerlebnis des Angelns und der ”Selbstversorgung“ zu geben. Diese traditionell zubereitete Mahlzeit wird jedoch als eine Ausnahme gefeiert, um die Ressourcen der Comunidad zu schonen und sie nicht durch die zusätzlich anwesenden Touristen zu belasten. Auch erscheint die Gefahr der Verwendung von Dynamit beim Fischen für die Versorgung mehrerer Personen zu groß. Statt dessen wird dem Besucher das Servieren von Thunfischkonserven, Hühnchen und das für die Comunidades untypische vegetarische Essen erklärt.

Die Abwässer werden über Rohre (Küche, Wassertoiletten) in Sickergruben geleitet. Der organische Müll wird eingegraben, der anorganische vor Ort verbrannt. Von einem Rücktransport des Mülls nach Puyo wird abgesehen, da der Müll dort ungeregelt in den Fluß Puyo gekippt wird und die am Unterlauf liegenden indigenen Comunidades stark verschmutzt.


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Foto 28 und Foto 29: Gruppendiskussion im Kurs ”touristische Operation“ (Canelos, Mai 1996) (eigene Aufnahmen)


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Abbildung 30: Entwurf der Verhaltensnormen für Touristen (Tafelbild, Kurs ”touristische Operation“ in Canelos, Mai 1996)

Das ÖTP beantragte bei mehreren Entwicklungsorganisationen Unterstützung beim Aufbau eines partizipativen Monitoring- und Evaluierungssystems (M&E) zum Messen der Wirkungen und zur Einschätzung der ökologischen und sozialen Tragfähigkeit. Hierfür und für einen 1996 geplanten Workshop über die Wirkungen des Ökotourismus mit Gästen aus anderen indigenen Tourismusprojekten konnten aber keine Gelder gefunden werden. Ein M&E mit Inventuren von Flora und Fauna, regelmäßigem Beobachten und Evaluieren von Veränderungen und Diskussion mit der Comunidad kann zwar auch kostengünstig und effektiv von den Betroffenen selbst, d.h. der lokalen Bevölkerung in den Comunidades, begonnen werden, hierfür wird sich aber erst Interesse in den Comunidades und Asociaciones finden, wenn das


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ÖTP einen sichtbaren Nutzen für sie bringt, d.h. genügend Touristen angeworben werden können.

Die genannten Befürchtungen der Comunidades und die getroffenen Maßnahmen des ÖTP ergänze ich im Folgenden durch die eigene Einschätzung möglicher Wirkungen des ÖTP, die sich zum Teil in Projektdokumenten ( Atacapi1995b , Atacapi1996a und Atacapi1996b ) und einer veröffentlichten Fallstudie des ÖTP ( Schmall1997b ) wiederfinden.

Mit der Vermeidung jeglicher negativer Umweltwirkungen kann das ÖTP nicht rechnen. Sie entstehen bereits beim Flug der Touristen von ihrer Heimat in die Gastländer. Auch beim Fliegen von Puyo in die Comunidades des ÖTP werden Abgase und Lärm erzeugt und Flugpisten im Regenwald benötigt. Es kann aber als das kleinere ökologische Übel betrachtet werden, wenn man es mit der Alternative des Straßenzugangs vergleicht (Entwaldung durch Straßenbau und die nachfolgenden Siedler, Erosion etc.). Auch Bootsfahrten mit Außenbordmotoren sind nicht umwelt-verträglich mit ihrer Lärmemission, Abgasen, verschüttetem Benzin und Motoröl. Selbst Kanus ohne Motor wirbeln Sediment auf, stören die Wassertiere und verursachen Schäden an der Ufervegetation besonders von kleinen Gewässern ( Ceballos1993 ). Die Behandlung der Infrastruktur mit Holzschutzmitteln (Erdölprodukte) und Pestiziden (Insektizide und Fungizide) führen ebenfalls zu Gewässerbelastung. Der aktuelle Tierbestand um die Comunidades könnte durch den zunehmenden Lärm (mehr Flüge, Bootsfahrten, Stimmen und Feste), durch unbekannte Gerüche (von Insektenschutzmitteln, Sonnenöl, Zigaretten) und Gewässerverschmutzung gefährdet sein.

Eine kontraproduktive Wirkung auf die natürlichen Ressourcen kann auch das Einkommen haben, wenn es zum vermehrten Kauf von Patronen, Dynamit, Außenbordmotoren und Motorsägen ausgegeben wird und so zur vermehrten Jagd, erhöhtem Benzinverbrauch, Lärm und Holzeinschlag führt.

Ein wichtiges Kriterium für soziale und kulturelle Wirkungen durch den Tourismus ist das zahlenmäßige Verhältnis von Touristen und lokaler Bevölkerung. In den Projekten des ÖTP kann durch die Höhe des Preises und des speziellen Angebots Massentourismus ausgeschlossen werden. Aber auch Ökotourismus, der in entlegenen dünn-besiedelten Landesteilen stattfindet, kann ein ungünstiges Zahlenverhältnis zur lokalen Bevölkerung aufweisen. In den großen Asociaciones des ÖTP ist dieses Verhältnis gering wie auch die Berührungspunkte zwischen Bevölkerung und Touristen. Die Besucher haben keinen individuellen Zugang zu den Comunidades und besuchen lediglich ein Mal pro Tour das kaum bewohnte Zentrum


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der Asociación. Auch in den kleinen Comunidades sind die Cabañas von der Comunidad physisch getrennt. Jedoch ist relativ zur Einwohnerzahl ein weit größerer Anteil in die touristischen Aktivitäten involviert und hat direkten Kontakt mit den Besuchern.

Ein Kulturschock in den Comunidades durch die Präsenz der Touristen braucht nicht befürchtet zu werden, da alle vier Comunidades bereits Erfahrungen mit Besuchen von Touristengruppen gesammelt haben. Obwohl der Tourismus i.d.R. den Einfluß fremder Kulturen verstärkt, soll die eigene Kultur durch die Darstellung den Touristen gegenüber revitalisiert werden, z.B. in dem sich die Comunidad auf ihr traditionelles Wissen über medizinische Pflanzen, die Geschichte der Comunidad, die Bedeutung von Zeichnungen und Formen in der Keramik zurückbesinnt und traditionelle Musik und Tanz wiederbelebt werden. Das heißt aber nicht, daß die Comunidades falsche Folklore vorspielen wollen. Die Projektteams tragen z.B. ihre alltägliche Kleidung.

Die Monetarisierung der Comunidades wird Verhaltensänderungen mit sich bringen, z.B. könnte der gegenseitige unbezahlte Austausch von Dienstleistungen durch zunehmende Einstellung von bezahlter Arbeitskraft sinken. Es kann zu Spannungen zwischen den Gehaltsempfängern des ÖTP und den Mitgliedern der Comunidades und Asociaciones, die nur über den kommunalen Fonds profitieren, kommen. Eine soziale und ökonomische Stratifizierung in den Comunidades wird eingeleitet bzw. verstärkt. Ebenso kann Konkurrenz und Eifersucht wegen ungleicher Touristenzahlen zwischen den Comunidades des ÖTP entstehen.

8.2. Partizipation

Dem ”participatory approach“ (Kapitel 6.1 ) entsprechend ging die Initiative für das ÖTP von der lokalen Bevölkerung aus, die das Programm selbst durchführt. Wie die Partizipation der verschiedenen beteiligten Gruppen des ÖTP aussehen sollte, wurde in Kapitel 7.4 zur Organisationsstruktur dargestellt. Hier werden nun die Probleme bei der Umsetzung und Wahrnehmung der vorgesehenen Aufgaben beschrieben.

Im Jahr 1995 besuchten der Programmkoordinator und ich die Comunidades Pavacachi und Llanchamacocha sowie die Asociaciones Curaray und Canelos, die vorher vom Rat der OPIP ausgewählt worden waren. Dies geschah nicht nach Kriterien der touristischen Attraktivität, sondern vor allem aufgrund des Nachdrucks, mit denen die Comunidades und Asociaciones die Unterstützung der OPIP eingefordert hatten.


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Während der ersten Versammlungen wählten die Comunidades und Asociaciones ihre Projektteams und planten den Bau der Cabaña s. Im weiteren Verlauf des ÖTP kam es zwar zu regelmäßigen, wenn auch i.d.R. mehrere Monate auseinanderliegenden Treffen zwischen der Koordinierungsstelle und den Projektteams auf Workshops und Ausbildungsveranstaltungen, aber nur in Curaray und Canelos nahm der Programmkoordinator an einer weiteren Versammlung der Asociación teil. Die Partizipation der Comunidades und Asociaciones am ÖTP beschränkte sich also meistens auf die Anwesenheit ihrer Präsidenten auf den Planungs- und einigen Fortbildungsveranstaltungen.

Im August 1995 fand die erste Planungssitzung mit dem Rat der OPIP und anderen OPIP-Mitarbeitern statt, in der der Koordinator und ich das Konzept des ÖTP vorschlugen. In einem Planungsworkshop am 13.-14. September 1995 nahmen erstmalig Vertreter aller Beteiligten des ÖTP teil: des Rates der OPIP, der beteiligten Comunidades und Asociaciones, der Koordinierungsstelle und der kooperierenden Entwicklungsorganisationen. Das Konzept wurde erneut diskutiert, modifiziert und die Ergebnisse der Diskussionen, wie Organigramm, Aufgabenverteilung, touristisches Programm, Einkommensverteilung etc. als vorläufig festgehalten (Kapitel 7 ).

In Pavacachi übernahm der Präsident der Comunidad selbst den Posten des Projektkoordinators. Dort und in Llanchamacocha besteht die gesamte Comunidad nur aus wenigen Familien, was die Kommunikation zwischen Projektteams und den Comunidades erleichterte, für die der Projektkoordinator verantwortlich ist. Diese kleinen Comunidades waren in der Planungs- und Bauphase im Gegensatz zu den beiden großen Asociaciones stark motiviert. Die grundlegende Infrastrukur wurde in Llanchamacocha etwa acht Monate und in Pavacachi ein Jahr nach unserem ersten Besuch fertiggestellt.

In beiden Comunidades kann man nicht nur formal, sondern auch real von kommunalen Projekten sprechen, da es keine eigentliche Differenzierung zwischen Comunidad und Projekt gibt. Die meisten Mitglieder der Comunidad nahmen an den Bauarbeiten teil. Sie profitierten von den Gehältern des Projektteams, da sie zum selben Familienverband gehören, und zusätzlich vom kommunalen Fonds, der in kleinen Comunidades im Vergleich zu den Asociaciones einen relativ großen Einfluß hat.

In Canelos blieben die Zuständigkeiten zwischen Projektteam und den Führern der Asociación lange ungeklärt. Die Asociación wählte einen in Führungsfragen unerfahrenen Koordinator, der die Projektinteressen gegenüber der Comunidad nicht


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geltend machen konnte. Um alle Comunidades der Asociación am Projekt zu beteiligen, verteilte die Versammlung die Ämter gleichmäßig. Dies erschwerte die Kommunikation und die Akzeptanz der Hierarchie innerhalb des Projektteams.

Auch die Asociación Curaray hatte zur Gleichbehandlung aller Comunidades das Projektteam aus Mitgliedern der verschiedenen Comunidades zusammengesetzt. Zwischen dem gewählten Projektkoordinator in Curaray (einem ehemaligen Präsidenten der Asociación) und dem aktuellen Präsidenten entwickelte sich eine Konkurrenz, die den Verlauf des Projektes stark behinderte. Es entstanden die ersten Diskussionen, einzelne Aufgaben des Programms an Familien zu delegieren, um Verantwortlichkeiten klarer zu verteilen.

In den beiden großen Asociaciones wurden die Bauarbeiten wegen mangelnder Kommunikation und internen Konflikten mehrmals monatelang unterbrochen und bis zum Ende der Erhebungsphase dieser Arbeit nicht abgeschlossen. Die Infrastruktur wurde beinahe ausschließlich vom ernannten Projektteam selbst und einigen ihrer Familienangehörigen gebaut, was auf mangelnde Einbeziehung und Interesse der Asociaciones schließen läßt.

”Pavacachi es un proyecto familiar y funciona, Llanchamacocha también. Canelos y Curaray son proyectos comunales, por eso hay problemas. Empezamos bien pero tenemos que cambiar. Varios grupos de familias se responsabilizan para areas del programa. Pero nunca habrá un jefe con empleados, es demasiado lejos de nuestra cultura“<84> ( Villamil , Interview).

Die Verzögerungen beim Bau sind neben den oben genannten Gründen auf die mangelnde Konzentration der Projektteams auf das ÖTP zurückzuführen, die ihre Funktionen in der unbezahlten Aufbauphase nicht als Jobs verstanden, die andere Aktivitäten ausschließen. Sie nahmen an Mingas teil (z.B. in Curaray am monatelangen Freischlagen einer neuen Flugpiste) und gingen ihren traditionellen Beschäftigungen nach. Die Projektkoordinatoren in den Comunidades waren zudem mit zusätzlichen Aufgaben innerhalb der Organisation belastet, so daß die Grenzen zwischen Projekt- und Organisationsarbeit nicht deutlich und effizientes Arbeiten gehemmt wurde ( Jovanov1998 ).


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Mangelnde Zeit, Konzentration und Interesse gegenüber dem ÖTP zeigte sich vor allem bei der Partizipation der Dirigentes. Bereits die ersten Planungsworkshops fanden erst nach monatelangem Verschieben statt. Später geplante Veranstaltungen, z.B. die Sitzung mit einem beaufragten Rechtsanwalt zur abschließenden Festlegung der Rechtsform des ÖTP, fielen ganz aus, da immer wieder aktuelle politische Ereignisse im Vordergrund der Arbeit der Dirigentes standen (Beispiele in Box 2 ). Ohne sie konnten jedoch einige Entscheidungen nicht getroffen werden, so daß Rechtsform und Statuten des Programms nie offiziell festgelegt wurden.

Box 2: Auswahl politischer Ereignisse, in die die Dirigentes der OPIP involviert waren (1995-1997)

  • Krisenmanagement im Grenzkonflikt zwischen Ecuador und Peru (März 1995) und Verhandlungen mit Regierung und Militär
  • Hilfe der OPIP für die Huaoranis, die die Erdölanlagen von Maxus besetzten (April 1995)
  • Wahlkampf für das Parteibündnis Pachacutik /Nuevo País im Rahmen der National-wahlen (April 1996)
  • Kongreß der OPIP mit Wahl der Dirigentes (Mai 1996)
  • Versammlungen der indigenen Bewegung zur Stellenbesetzung innerhalb der neuen Partei und dem 1996 gegründeten Ministerium für ethnische Fragen
  • Kongreß der CONFENIAE (November 1996)
  • Kongreß der CONAIE (Dezember 1996)
  • Besetzung der OPIP -Gebäude durch den vorhergehenden Präsidenten und Sympathisanten (April 1997).

Neben seinen Aufgaben für das ÖTP wurde der Programmkoordinator vom Rat der OPIP beauftragt, die OPIP in den Verhandlungen zur Änderung des Tourismusgesetzes zu vertreten ( Box 3 ). Für die entsprechenden Reisen nach Quito in den Jahren 1995 und 1996 ging dem ÖTP viel Arbeitszeit und -mittel für die eigentliche Projektarbeit verloren. Darüberhinaus war der Programmkoordinator an den Wahlkampfaktivitäten und anderen politischen Arbeiten der OPIP beteiligt.

Nach dem Kongreß der OPIP im Mai 1996 wurde die Leitung der OPIP an einen neuen Rat der OPIP übertragen. Es gab kein schriftliches, von dem alten Rat der OPIP abgesegnetes Regelwerk für das ÖTP, welches an die neue Leitung übergeben werden konnte. Bis zum ersten Treffen zwischen ÖTP und den neuen Dirigentes


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vergingen wiederum Monate, die sie zur Einarbeitung und Konzentration auf die dringendsten Probleme der OPIP (z.B. Schulden aus der vorhergehenden Regierungsperiode und Probleme personeller Besetzung im Projekt Samay) benötigten.

Box 3: Die Änderung des ecuadorianischen Tourismusgesetzes

Überschneidungen der Aufgabenstellungen der staatlichen Tourismusgesellschaft CETUR und des Tourismusministeriums erforderten eine Überarbeitung des ecuadorianischen Tourismusgesetzes von 1989 ( CETUR1989 ). Seit 1994 arbeiteten die Tourismuskoordinatoren der FOIN und OPIP im Namen der indigenen Dachverbände CONFENIAE und CONAIE an einem Reformvorschlag: Laut bestehendem Tourismusgesetz dürfen touristische Aktivitäten nur von eingetragenen Unternehmen (Personen- oder Kapitalgesellschaften, Art.48) und von Instanzen durchgeführt werden, die sich ausschließlich der touristischen Dienstleistung widmen (Art.34). Eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit der Comunidades mit staatlich anerkannten Tourismusagenturen ist möglich, eine selbständige Durchführung durch die Comunidades aber nicht vorgesehen ( SUBIR1994 ). Der Ausschuß der indigenen Organisationen forderte folglich die rechtliche Zulassung von selbstverwalteten kommunalen Unternehmen (Empresas Comunitarias de Autogestión).

Im Planungsworkshop des ÖTP im September 1995 wurde beschlossen, dem Programm vorerst eine im Gesetz bereits vorgesehene rechtliche Form zu geben, bis die genannten Empresas Comunitarias de Autogestión legalisiert werden. Zur Ausarbeitung der Vor- und Nachteile sowie administrativer und ökonomischer Konsequenzen der Rechtsformen ”Stiftung“, ”Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ (GmbH) oder ”Aktiengesellschaft“ (AG) beauftragte ILDIS einen Rechtsanwalt. Er wurde jedoch nie vom Rat der OPIP zur Beratung eingeladen. Ende 1996 wurde das neue Gesetz unter Einbeziehung des genannten Änderungsvorschlags im Nationalkongreß verabschiedet. Über die juristische Form des Programms wurde aber weiterhin keine abschließende Entscheidung getroffen. Die Verwendung des Begriffs ”Ökotourismus“ wurde auch in dem neuen Tourismusgesetz nicht reglementiert.

Ein Jahr nachdem die Provinz Pastaza den damaligen Präsidenten der OPIP als Abgeordneten für das Parteibündnis Pachakutik/Nuevo País ins Nationalparlament wählte, wurde ihm nachgewiesen, Schmiergelder angenommen zu haben. Er suchte


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die politische Unterstützung der OPIP, die die aktuelle Führung ablehnte. Einige Asociaciones stellten sich aber auf die Seite des Ex-Präsidenten, warfen der OPIP-Führung Mißwirtschaft vor und forderten ihren Rücktritt. Nachdem im März 1997 rivalisierende Gruppen den Sitz der OPIP in Puyo zerstörten, sprachen die Mitglieder der OPIP von der schwersten Krise seit ihrer Gründung ( Jovanov1997 ). Alle Projekte der OPIP wurden vorübergehend geschlossen und anschließend zahlreiche Projektkoordinatoren ausgewechselt ( Jovanov1998 ).

Der Programmkoordinator des ÖTP, Bruder des nun offiziell verfolgten ehemaligen Kongreßabgeordneten, legte nach diesen Ereignissen sein Amt nieder. Kurz zuvor (Ende 1996) waren die Finanzierungen durch das Projekt Samay und ILDIS ausgelaufen, und ich war von einem Nachfolger des DED abgelöst worden. Die Asociación Canelos kündigte ihre Zusammenarbeit mit dem ÖTP auf, da sie sich nach der Krise in der OPIP von ihr abspaltete. Die Comunidad Pavacachi gab als Grund für ihren Ausstieg die schlechte Vermarktung des ÖTP an ( Jovanov1997 ). Sie hatte bereits 1996 Kontakte mit der NRO Imágenes del Nuevo Mundo geknüpft, die ihr zukünftig im Ökotourismus und bei der Anlage von Fischteichen helfen wollte. Das Zusammentreffen der oben genannten Veränderungen führte dazu, daß sich das ÖTP Mitte 1997 annähernd einem zweiten Neuanfang gegenüber sah.

Das ÖTP wollte ursprünglich als Beispiel dienen, daß Planung und Durchführung von Projekten der OPIP dezentralisiert werden und Comunidades ihre eigenen Projekte haben können. Betriebswirtschaftliche Entscheidungen, wie Personalfragen, Verwaltung, Kreditnahmen etc., sollten zukünftig nicht mehr von den Dirigentes der OPIP abhängen, d.h. beispielsweise der Programmkoordinator von den Comunidades und nicht vom Rat der OPIP benannt werden (Galo Villamil, mdl. Mitt. 5.3.1995). Regelmäßige Versammlungen sollten das Selbstvertrauen, die Organisationsfähigkeit und Initiative der Comunidad stärken. Ein neues Verständnis für die Bedeutung einer von der Basis initiierten Entwicklung sollte geweckt und durch die Bewußtseinsbildung der Dirigentes der Dezentralisierungsprozeß eingeleitet werden. Es zeigte sich aber, daß der Programmkoordinator des ÖTP durch seine Vermischung von politischen und technischen Aufgaben besonders eng in die Geschehnisse der OPIP eingebunden war. Die Koordinierungsstelle stand räumlich und politisch der OPIP zu nahe, als daß sie den Comunidades und Asociaciones das Gefühl vermitteln konnte, daß es sich beim ÖTP um ”ihr“ Programm handelte.

Die Partizipation der Comunidades und Asociaciones und somit ihre Identifikation mit dem ÖTP stieß auch an ihre Grenzen, wenn es um die Entscheidungen sehr technischer und komplexer Sachverhalte geht, wie z.B. die Berechnung der Preise.


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Dieses Dilemma der angestrebten Partizipation wird von Tendler bei der Arbeit vieler NRO beschrieben( Tendler1982 ).

Die OPIP überschätzte die zeitlichen und finanziellen Kapazitäten des ÖTP, als sie sich für die Teilnahme aller vier Comunidades und Asociaciones in der Pilotphase entschloß. Dies ging auf Kosten der aktiven Einbeziehung der einzelnen Comunidades und Asociaciones. Die Finanzierung der Flüge zur Gestaltung einer partizipativen Projektplanung war zu Projektbeginn nicht sichergestellt. Der DED stellte einen gewissen Betrag zur Verfügung und erwartete von der OPIP als Counterpartleistung die Übernahme der Kosten für weitere Flüge. Die Erfahrung zeigte jedoch, daß diese Erwartungen nicht realistisch waren und die Finanzierung der Flüge jedes Mal bei anderen Entwicklungsorganisationen gesucht werden mußten. Den Anspruch an Partizipation der Comunidades und Asociaciones als Voraussetzung für Dezentralisierung konnten sich das ÖTP und die OPIP schon aus finanziellen Gründen heraus nicht leisten.

8.3. Einkommen

Die jährlich zu erwartenden Einnahmen des ÖTP von ca. 4.320 US-$ jährlich in Pavacachi, Llanchamacocha und Curaray sowie von ca. 10.800 US-$ in Canelos, (Kapitel 7.6 ) sind niedrig, wenn man sie mit den in Tabelle 14 dargestellten indigenen Tourismusprojekten des Oriente vergleicht. Bei ihnen sind jedoch der Verkauf von Kunsthandwerk, Schätzungen von Trinkgeldern und Schenkungen an den kommunalen Fonds eingerechnet. Auch die Kosten, wie z.B. für Nahrungsmittel und Benzin, wurden noch nicht abgezogen.

Die Einnahmen der OPIP mit 1.320 US-$ im Jahr können lediglich als eine Art Steuer auf das Programm verstanden werden und tragen nicht dazu dabei, die Verwaltung der OPIP wesentlich zu unterstützen. Der geringe Abgabensatz von 1 US-$ pro Touristentag wurde anfänglich eingeführt, um die Preise für Touristen möglichst niedrig zu halten, da sie als Probetouristen noch kein reibungslos laufendes Programm erwarten können. Bei der Tendenz der Projektteams, als erstes ihre Gehälter zu erhöhen (dominierendes Diskussionsthema in den Kursen zu Buchhaltung und touristischen Operationen) und der relativ geringen aktiven Partizipation der OPIP im ÖTP, muß die OPIP damit rechnen, daß die Abgabe von den Comunidades und Asociaciones eher gestrichen als erhöht wird.

In dem Buchhaltungsworkshop wurde gemeinsam das Einrichten eines Bankkontos für jede Comunidad geplant, die alle bisher noch keine Erfahrungen mit kommunlen Fonds haben. Die Gelder, die die Comunidades und Asociaciones mit den ersten


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Touristengruppen verdienten, wurden aber sofort ausgegeben. Über ihre Verwendung erhielt das ÖTP keine Auskunft. Box 4 gibt einen Einblick in die Einkommensverwendung anderer indigener Tourismusprojekte des Oriente.

Box 4: Einkommensverwendung in den Tourismusprojekten Capirona und Zábalo

In Comunidades mit kommunalen Fonds kann generell die Tendenz zu einem verbesserten Ernährung-, Erziehungs- und Gesundheitswesen wahrgenommen werden ( Tapuy1995 ). In der Comunidad Capirona, die zum Netzwerk RICANCIE gehört, trifft die Vollversammlung Entscheidungen zur Verwendung des Geldes. Es wurde für den Tourismusbetrieb ausgegeben (z.B. Ersatz von Teller und Besteck), für Krankenhilfe, Feste, Reisen in die Provinzhauptstadt, einen Stromgenerator, einen neuen Außenbordmotor, neue Kanus, Essen für die Mingas etc.. 1996 legte die Comunidad erstmalig 10.000 US-$ für mehrere Monate auf der Bank an. Weiterhin vergibt die Comunidad Capirona an einzelne Familien Kredite, die aber selten produktiv investiert werden. Die einzige bisherige Investition ist die Anlage von Fischteichen aus Einnahmen vom Tourismusprojekt und der Unterstützung der NRO Ayuda en Acción. Die Fische werden außerhalb des Dorfes und an das Tourismusprojekt verkauft. Capirona verweist außerdem stolz darauf, daß sie die FOIN mit 200 US-$ für eine politische Aktion unterstützt hat. Regelmäßige Abgaben an die FOIN lehnt sie wie die anderen Comunidades von RICANCIE aber ab.

In der Comunidad Zábalo kommen die meisten Konsumgüter durch die Einnahmen der Familien in die Comunidad. Beinahe alle Familien besitzen inzwischen einen eigenen Außenbordmotor ( Borman1995 ), und in vielen Haushalten gibt es Radios, Stereoanlagen, Elektrogeneratoren, Motorsägen und Solarpanel ( BMZ1995 ). Die Prioritätensetzung erst Außenbordmotor, dann Stereoanlage, Licht und Kühlschrank kann in vielen indigenen Comunidades des Oriente beobachtet werden ( Amend , GTZ Mitarbeiter PROFORS , Interview). Darüberhinaus sind Kleidung, Schuhe, Küchenutensilien, Schulutensilien, Medizin, Treibstoff, Salz, Zucker, Streichhölzer, Seife, Spiegel etc. begehrt.

Die in Kapitel 7.6 dargestellten Einkommensziffern des ÖTP sind noch Theorie. Für das tatsächlich erzielte Einkommen ist die Vermarktung ausschlaggebend, deren Probleme in diesem Zusammenhang angesprochen werden.


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Tabelle 14: Einkommenshöhe und -verteilung in indigenen Tourismusprojekten im Oriente (eigene Darstellung)

Projekt US-$ /Jahr Verteilung des Einkommens

Aguarico-Trecking in Zábalo

28.000

Einnahmen für die 10 Mitglieder der Comunidad (ca. 30 %), Verkauf von Kunsthandwerk (ca. 30 %), Gehälter für die Angestellten aus der Comunidad. Jeweils ca. 1.695 US-$/Tour gehen an Transturi und an Aguarico-Trecking ( Wunder1996 ).

Museum der Cofanes in Zábalo

21.000

2 US-$/Tourist an den kommunalen Fonds, bis zu zwei Gruppen/ Woche ( BMZ1995 ).

Playas de Cuyabeno

32.500

13 Mitglieder der Comunidad sind Angestellte von Cemecotur/ Transturi. Die Agentur zahlt zusätzlich gelegentliche Unterstützungen (ohne Abkommen) ( Wunder1996 ).

Puerto Bolívar

15.000-20.000

Einkommen für individuelle Transportunternehmer in der Comunidad (6 Kanus mit Motor, 10 ohne, ONISE1996 ) und für Angestellte von Neotropic Turis. Ein Abkommen zwischen ONISE , OISE und INEFAN legt die Monopolisierung des Kanutransports für Puerto Bolívar fest ( Saravia1996 ).

Reserva Kapawi

24.000

30 % an die Comunidad Kapawi (an Mitglieder verteilt), 30 % an die Asociación Amuntay, 30 % an die FINAE , jeweils 5 % an die Asociaciones Akap u. Kimpuenka, zusätzlich 10 US-$ pro Tourist an die FINAE . Ca. 18 Touristen/ Woche seit 4/1996 ( VargasL , Mitarbeiter der FINAE , Interview; Roseguín , Interview).

RICANCIE

keine Information

35 % vom Preis der Tour gehen an RICANCIE (tatsächlich geben die Comunidades nur etwa 9 % ab, Rivera1995 ), davon 15 % für Verwaltung, 8 % für Werbung, 2 % an die FOIN , 5 % für Versicherungen, 5 % für Kapitalbildung ( RICANCIE1994 ). 300 Touristen 1994; 720 Touristen für 1996 vorgesehen ( Rivera1995 ).

San Pablo

14.500

Individuell gemanagter Kanutransport (größter Anteil), gefolgt von Gehältern u. Entrittsgeldern (5 US-$/ Tourist). Zusätzliche Unterstützung für Transport, medizinische Versorgung, Fischzuchtprojekt etc. durch Etnotur. Wegen Vermarktungsproblemen spielen die kommunalen Cabaña s Teodoro nur eine geringe Rolle ( Wunder1996 ).

Zancudo-cocha

32.000

7 Angestellte (je 170 US-$/Monat), 8 Tagesarbeiter (US-$ 2,20/Tag), 340 US-$/Monat an den kommunalen Fonds. Zusätzliche medizinische, schulische und logistische Unterstützung von Transturi ( Wunder1996 ).

Im Jahr 1996 besuchten die ersten acht Probetouristengruppen die Comunidades Pavacachi und Llanchamacocha. Das ÖTP senkte die Preise und erklärte ihnen ihre Bedeutung als erste Touristen eines neuen Programms. Obwohl die Qualität der Reisen zwischen den Gruppen deutlich schwankte, kehrte die Mehrzahl zufrieden


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zurück und gab dem Programm Empfehlungen zu seiner Verbesserung. Aus diesen Besuchszahlen kann keine statistische Hochrechnung für die nächsten Jahre gemacht werden, da es sich durchweg um Touristen handelte, die aufgrund von persönlichen Kontakten zum DED und mittels eines Zeitungsartikels in der Frankfurter Rundschau angeworben wurden (”Wir wissen auch nicht genau, was Ökotourismus ist“ von Peter Korneffel, 31.10.1996).

Regelmäßige Einkünfte sind bisher nicht in Sicht, da noch keine Touristen durch allgemein zugängliche Werbung angezogen wurden. Schwierigkeiten bei der Werbung ergaben sich dadurch, daß sich die Fertigstellung der Infrastruktur sehr verzögerte. Feste Abkommen mit Reiseagenturen und Universitäten, die langfristig vorgesehen waren und die Werbung auf Institutionen außerhalb des ÖTP verlagern würden, konnten in einem halbfertigen Projektzustand nicht geschlossen werden. Auch die mangelhafte Wartung der Anlagen und ihr schneller Verfall durch Klima und Termiten ( Jovanov1997 ) tragen zur Unsicherheit bei der Vermarktung bei.

Die Koordinierunsstelle erstellte eine einfache Broschüre und verteilte sie in touristischen Einrichtungen in Puyo und später in Quito. Ein achtminütiger Film über das ÖTP in spanischer, englischer und deutscher Sprache wird zur Werbung in Reisebüros und auf Messen verwendet. Broschüren und Video sind als vorläufige punktuelle Werbemaßnahmen zu bewerten. Ein Werbekonzept, welches auf die Besonderheiten des ÖTP, wie seine Gestaltung durch indigene Comunidades und eine indigene Organisation, die Attraktivität des Fluges über das größte zusammmenhängende Primärwaldgebiet Ecuadors und die unmittelbare Nähe des Nationalparks Yasuní zielt, wurde noch nicht erarbeitet. Da Ökotouristen die Qualität der Attraktion oft höher bewerten als die Qualität der Reise (saubere und komfortable Unterbringung, sicheres und genießbares Essen, freundliches und informiertes Personal; Ashton1992 ), müssen die Attraktionen entsprechend betont werden.

Tabelle 15 listet Kriterien für das touristische Potential von Regenwäldern auf und gibt eine Einschätzung, wo die Stärken und Schwächen des ÖTP liegen, auf die die Werbung entsprechend reagieren sollte.

Das Schlüsselkriterium für die Qualität der ökotouristischen Attraktion ist die Sichtbarkeit von Wildtieren. Sie ist im tropischen Regenwald eingeschränkt, da viele Tiere scheu und z.T. nachtaktiv sind. Die Touristen sind also als Kompensation besonders auf ausgebildete Fremdenführer, Waldlehrpfade, botanische Gärten, Informationszentren mit Schautafeln und Demonstrationsobjekten etc. angewiesen ( Stecker1996 ).


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Während im ÖTP relativ wenig wissenschaftliche Fakten aus der Biologie und Ökologie erklärt werden, können die Führer des ÖTP die traditionelle nachhaltige Nutzung des Regenwaldes durch die Quichuas intensiv und emotional vermitteln. Die Touristen werden mit authentischem Wissen konfrontiert, dessen Weitergabe jedoch aus interkulturellen Gründen vorerst relativ wenig spezifisch auf den Touristen ausgerichtet und noch nicht durch didaktisches Material zu seiner Umwelterziehung aufgearbeitet ist.

Die Preise des ÖTP bestimmen seine Verkaufschancen. Für einen Touristentag in Canelos zahlt der Besucher ca. 40 US-$, in den anderen drei Comunidades ca. 80-150 US-$. Im Vergleich mit Touren in die bekannte Reserva Cuyabeno, wo der Tourist pro Tag zwischen 50 und 140 US-$ (bei einem Mittelwert von 116 US-$ für Luxusangebote und 56 US-$ für einfachere Touren) zahlt ( Wunder1996 ), liegen die Preise des ÖTP etwas höher. Da Ökotouristen oftmals gewillt sind, einen hohen Preis zu zahlen, wenn das Geld für eine besondere neue Erfahrung und für den Naturschutz des besuchten Gebietes eingesetzt wird ( Lindberg1991 ; Aldermann1990 ; Bovaird1984 ; Wight1994 ), sollte die Werbung entsprechend reagieren und die Verwendung der Einnahmen dem Touristen erklären. Daher hebt die Preiskalkulation des ÖTP, die für den Touristen erstellt und ihm übergeben wurde, die Einnahmen für den kommunalen Fonds zu sozialen Zwecken sowie die Höhe des Preises für den attraktiven Flug in Relation zum Gesamtpaket hervor.

Die Organisationsstruktur des ÖTP zeigt, daß die Comunidades und die OPIP möglichst wenig von anderen Akteuren des Tourismusmarktes abhängig sein wollten, sondern alle Funktionen bis hin zu Verkauf und Logistik (inklusive ursprünglich geplanter kommerzieller Fluglinie der OPIP) integrieren wollten. Da im Tourismusmarkt die Nachfrage ausschließlich in der nicht-indigenen Welt liegt, ist es für Comunidades mangels Erfahrung, Marktzugang und finanzieller Ausstattung beinahe unmöglich, national und international erfolgreich für ihr Produkt zu werben. Wunder nennt die Illusion der Selbständigkeit in allen Bereichen des Betriebes eine ”versión romántica de la autogestión“<85>( Wunder1996 , S.76), die große Erwartungen schafft, aber unrealistisch ist und sich im ÖTP in den hohen Kosten der Koordinierungsstelle wiederfindet. Wie Tabelle 8 bereits zeigte, gehen mehrere Comunidades den pragmatischen Weg der Aufgabenteilung: Der lokale touristische Betrieb wird von den Mitgliedern der Comunidad durchgeführt, die Logistik und Vermarktung von Reiseveranstaltern in Quito.


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Tabelle 15: Kriterien für das touristische Potential von Regenwäldern ( BMZ1995 ; modifiziert nach MacKinnon1986 )

Kriterien Bewertung

1. Attraktivität der natürlichen Ressourcen

Vielfältiges Landschaftsbild

2

Hohe Artenvielfalt

3

Vorkommen von Großtierarten

2

Vorkommen von anderen interessanten Tierarten (vor allem Avifauna)

3

Leichte Sichtbarkeit von Tieren

1

Ursprünglichkeit der Ökosysteme

3

Interessante Vegetationsformen

2

Einzigartigkeit von Arten und Landschaftselementen

1

2. Zusätzliche Attraktionen

Kultur der indigenen Bevölkerung

3

Archäologische/historische Gegenstände, Bauwerke

1

Möglichkeit zu schwimmen

2

Sportmöglichkeiten

1

3. Verkehrsanbindung und Infrastruktur

Nähe zu internationalen Flughäfen

1

Leichte Erreichbarkeit im Inland

1

Kommunikationsmöglichkeiten, medizinische Versorgung

1

Unterkunft und Verpflegung

2

Andere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

1

Landschaftlich reizvolle Anreise

3

4. Klima

Hohe tägliche Sonnenscheindauer, kurze u. wenig Niederschlagsereignisse

1

”Angenehme“ Temperaturen

2

Wenig Insekten

1

5. Politische und soziale Rahmenbedingungen

Stabile politische und soziale Verhältnisse in Region/Land

2

Sicherheit der Touristen (Kriminalität, Transport)

2

Akzeptanz der Touristen durch Einheimische

3

1: fehlend, ungünstig; 2: gering-mittel günstig, vorhanden, 3: günstig, hoch


142

Im November 1997 schloß auch die OPIP ein Abkommen mit dem Reiseveranstalter Papangu ab, welcher das ÖTP vermarkten soll. Pagangu gehört einem Quichua aus Pastaza, der bisher schon eigene Touren veranstaltete und verkaufte. Dies wird von Jovanov als einleitender Schritt zur Dezentralisierung von einkommenschaffenden Projekten gewertet, wobei sich die OPIP ihre Funktion als Kontrollorgan und zuständiger Institution des ÖTP vorbehält ( Jovanov1998 ).

Comunidades und OPIP sehen Ökotourismus nur als eine von vielen ökonomischen Strategien, die so früh wie möglich mit anderen Einkommensquellen ergänzt werden soll. Eine Dauerhaftigkeit des Einkommens aus dem Ökotourismus kann nicht mit Sicherheit angenommen werden, da es von der ökonomischen Situation und der Tourismusmode in den nördlichen Staaten sowie von Rahmenbedingungen des Staates Ecuador abhängt. Auch die Konzessionen der Erdölindustrie bedrohen den Tourismus und lassen im Nordwesten der Asociación Curaray bei demnächst beginnender Förderung zunehmende Umweltschäden erwarten. Hier zeigt sich deutlich die fehlende Koordinierung der Ökotourismusindustrie und der staatlichen Entwicklungsplanung im Oriente ( FundaciónNatura1994a ).

8.4. Naturschutz

Die oben betrachteten Kriterien des Ökotourismus hängen eng mit dem Potential des Programms zusammen, zum Schutz der natürlichen Ressourcen beizutragen. Je größer die ökonomische Partizipation der Comunidades ist, desto stärker ist der Anreiz zum Naturschutz ( Andy1993 ; Wunder1996 ). Eine vergleichende Analyse von Ökotourismusprojekten in Ecuador ( IUCN1995 ) stellte fest, daß der ökologische Wert eines Ökosystems an sich kein ausreichendes Motiv für eine Comunidad ist, es zu schützen. Wenn sich die touristische Aktivität finanziell nicht lohnt, wird sie keine Änderung im ökologischen Verhalten der Comunidad bewirken. Das wurde auch in den Diskussionen um die Gehälter der Projektteams im Kurs für Buchhaltung und Verwaltung (Canelos, März 1996) deutlich:

”Si el programa no me da un sueldo de 80.000 Sucres diario, no puedo seguir protegiendo la biodiversidad. Tengo que talar árboles para la industria petrolera como machetero“<86> (Alberto Tapuy, Koordinator des ÖTP in Pavacachi, ÖTP-Kurs ”Buchhaltung und Verwaltung“, 28.3.1996).


143

Auf allen Workshops und Ausbildungsseminaren des ÖTP wurde über Naturschutz und nachhaltige Entwicklung geredet. Schwerpunktthemen bildeten sie in den Kursen für die Fremdenführer in Pavacachi. Die Projektteams wurden somit regelmäßig mit dem Zusammenhang zwischen Ökotourismus und Naturschutz konfrontiert. Einige Mitglieder der Comunidades und Asociaciones nahmen an den Kursen teil, wenn sie vor Ort stattfanden, ansonsten blieb es dem Projektteam und dem Präsidenten überlassen, sie für dieses Thema zu sensibilisieren.

Bei einem Ausbildungskurs im Mai 1996 wurde besprochen, wie die natürlichen Attraktionen vor ökologischer Degradierung durch die Comunidades geschützt werden können ( Abbildung 32 ). Die Teilnehmer schlugen vor, die Comunidades sollten eine Regelung über die Nutzung der Ressourcen beschließen und diskutierten seinen Inhalt ( Abbildung 33 ).

”Necesitamos un reglamento para educar poco a poco a la gente, aunque los ancianos no van a cambiar, pero los jóvenes quizás“<87> (Alberto Tapuy, Koordinator des ÖTP in Pavacachi, ÖTP-Kurs ”touristische Operation“, 12.5.1996).

Abbildung 32: Schutzmaßnahmen der Comunidades für die natürlichen Attraktionen (Tafelbild, Kurs ”touristische Operation“ in Canelos, Mai 1996)

Die Projektteams aus Llanchamacocha und Pavacachi berichteten anschließend, daß ihre Comunidades bereits aus eigener Initiative Schutzzonen ausgewiesen hatten, in denen nicht gejagt werden dürfe. Damit folgten sie anderen indigenen Tourismusprojekten des Oriente, von deren Naturschutzbemühungen ihnen berichtet worden war ( Box 5 ).


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Abbildung 33: Entwurf einer kommunalen Regelung über die Nutzung der natürlichen Ressourcen (Tafelbild, Kurs ”touristische Operation“ in Canelos, Mai 1996)

”La reserva no tocamos. No matamos, no extramos madera y pescamos solo con anzuelo“<88> (Luis Vargas, ÖTP-Buchhalter in Pavacachi, ÖTP-Kurs ”Buchhaltung und Verwaltung“, 29.3.1996).

Über diese Maßnahmen hinaus können die Comunidades Investitionen aus ihren Fonds tätigen, die ökonomischen und ökologischen Nutzen erwarten lassen (z.B. für Kleintierhaltung) oder entsprechende Kredite an einzelne Familien vergeben. Mit einer derartigen Einkommensverwendung ist aber nach dem Vergleich mit den anderen indigenen Tourismusprojekten des Oriente ( Tabelle 14 ) für die ersten Jahre nicht zu rechnen. Diese gaben ihre ersten Einnahmen für privaten Konsum und soziale Zwecke aus. Die Fischteiche in Capirona entstanden zwar aus eigener Initiative und Geldern aus dem Ökotourismus, aber nur, da sie von einer Entwicklungsorganisation zusätzlich finanziell und technisch gefördert wurden.

Die Partizipation der Comunidad, ihr Einverständnis und ihre Kontrolle sind Voraussetzungen für das Umsetzen von Nutzungsverboten, z.B. für ein Verzicht auf das Sammeln von Schildkröteneiern oder das Jagdverbot in einem gemeinsam festgelegten Gebiet. Wegen der oben beschriebenen mangelnden Partizipation der großen Asociaciones Canelos und Curaray am ÖTP und ihrer niedrigen Einnahmen für den kommunalen Fonds im Vergleich zur Größe der Asociación kann vorerst keine naturschützende Wirkung des Programms erwartet werden. Die Übernahme des Projektes durch wenige Familien wird das Projekt zwar effizienter machen, die ökonomischen Anreize für die gesamte Asociación und somit der Einfluß auf ihr Verhalten der Umwelt gegenüber werden aber gering bleiben. Einzelne Familien


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werden eventuell ihren eigenen Umgang mit natürlichen Ressourcen verändern, ihr Einfluß auf das Verhalten der anderen Mitglieder einer Asociación ist jedoch i.d.R. gering. Ökotourismus als kommunales Projekt kann in den Asociaciones ohne die Einbeziehung von Familienwirtschaften keine positiven ökonomischen und damit auch keine positiven ökologischen Wirkungen entfalten.

Nicht nur die Comunidades, sondern auch die Touristen sollen durch das ÖTP Umwelterziehung erhalten. Das anschließende veränderte Bewußtsein und das Verhalten der Touristen sind aber noch schwieriger zu messen als Wirkungen der Umwelterziehung auf die lokale Bevölkerung.

Durch die tägliche Arbeit für den organisatorischen Aufbau und den Ablauf des Programms wurden die ökologischen Aspekte durch die Koordinierunsgstelle vernachlässigt. Sie und die Berater in den Kursen gaben Anregungen zur ökologisch freundlichen Gestaltung des Programms und für naturschützende Maßnahmen. Ihre tatsächliche Umsetzung wurde aber vorerst nicht weiter verfolgt bzw. kontrolliert, sondern den Comunidades selbst überlassen. So ist auch über den tatsächlichen Umgang mit den Schutzzonen in Pavacachi und Llanchamacocha außerhalb der Comunidades nichts bekannt, bis auf enthusiastische Aussagen, die den Entwicklungs-organisationen gefallen sollen, wie diese:

”Antes explotamos los recursos faunísticos, porque no habían otros recursos. Ahora con el programa ecoturístico enseñamos a otras comunidades la conservación“<89> (Alberto Tapuy, ÖTP-Kurs ”touristische Operation“, 13.5.1996).

Die Koordinierungsstelle und die Entwicklungshelfer des DED konzentrierten sich auf das Ziel der Schaffung von Einkommen, da hierin die prioritäre Motivation der Projektteams lag. Die verstärkte Arbeit des ÖTP zur Einbeziehung der Comunidad als Voraussetzung für positive Naturschutzwirkungen kann auch in eine Phase verschoben werden, in dem das ÖTP seine Wirtschaftlichkeit erreicht hat. Dann ist das Interesse der Comunidades am ÖTP und ihre Unterstüzung durch den schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen vermutlich größer, und die Motivation der Comunidad ist noch nicht durch die Teilnahme an der Aufbauphase ermüdet. Normative Ziele müssen im Vergleich zu den materiellen Zielen und der Behauptung auf dem Markt vorerst in den Hintergrund treten.


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Box 5: Naturschutzansätze in indigenen Tourismusprojekten des Oriente

Nach den Erfahrungen der Comunidad Capirona wird der kommunale Nutzen hinter den familiären Nutzen gestellt. Obwohl Capirona als das ökotouristische Projekt im Oriente beschrieben wird, an dem die Comunidad am stärksten teilnimmt und über den kommunalen Fonds profitiert ( IUCN1995 ), fahren dennoch viele Familien mit dem Einschlagen von Holz zum Verkauf fort ( TapuyT , ehemaliger Koordinator von RICANCIE , Interview), wenn auch in geringerem Maße als zuvor und nur in einer Distanz von mehr als 500 m vom Flußufer entfernt ( TapuyC , Mitarbeiter der COICA , Interview, ShihuangoS , Mitarbeiter der NRO Ayuda en Acción, Interview). Rivera Rodriguez stellte in seiner Evaluierung von RICANCIE fest, daß es keine Vision des Umweltmanagements, keine Landnutzungsplanung und keine Umwelterziehung gibt ( Rivera1995 ).

Zwischen der Naturschutzbehörde INEFAN und der Comunidad Zábalo wurde ein Nutzungsvertrag abgeschlossen und ein Landnutzungsplan mit einer Siedlungszone und Subsistenzwirtschaft, einer Zone für extensive Jagd, Fischfang und Sammelwirtschaft sowie einer Zone nur für Forschung und extensive touristische Nutzung erstellt ( Haas1995 ; IUCN1995 ).

In Comunidades wie Zancudococha, Zábalo und Puerto Bolívar, in denen das Einkommen fast ausschließlich von ihren Ökotourismusprojekten erwirtschaftet wurde, steigerte sich das Bewußtsein für den Wert der natürlichen Ressourcen. Dort, wo der Tourismus nur eine komplementäre Rolle in der dörflichen Ökonomie spielt wie in San Pablo und Playas de Cuyabeno, änderte sich das vorherrschende Produktionsmodell der Viehhaltung nicht. Die im Zusammenhang mit Ökotourismus beschworene ökonomische Diversifizierung (Ökotourismus als komplementäre Aktivität) zur Vermeidung von Abhängigkeiten wird daher von Wunder nicht empfohlen ( Wunder1996 ).

Auch in der Reserva Cuyabeno wurde von den Siona-Secoyas und INEFAN mit Unterstützung der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ein solcher Plan erarbeitet. Nach dem Abkommen zwischen ONISE / OISE und INEFAN vom 10.5.1995 wird den Comunidades die Nutzung der natürlichen Ressouren gestattet, wenn sie sich an die vereinbarten Nutzungsbestimmungen halten. Jagen und Fischen ist nur in einer Zone für Subsistenzzwecke erlaubt und einige Arten sind von der Jagd ganz ausgeschlossen ( Ceballos1995 ). Die Tourismusveranstalter brauchen eine Genehmigung der Parkverwaltung zum Betreten des Parks und die Zustimmung der indigenen Gruppe des betreffenden Gebietes. Die Besuchergruppen müssen von lokalen Hilfsführern begleitet werden ( Amend1997 ).

Weil die Naturschutzbehörde INEFAN nicht in der Lage ist, das Schutzgebiet zu kontrollieren, schützt sie die Nutzungsansprüche der Siona-Secoya. Jährlich ernannte ehrenamtliche indigene Parkwächter kontrollieren die absoluten Schutzzonen. Der Schutz der natürlichen Ressouren basiert auch dort auf der freiwilligen Selbstbeschränkung und Selbstkontrolle durch die Comunidades. Bisher konnten aber noch nicht einmal die Grenzen zwischen den Comunidades festgelegt werden. Die Mitglieder der Comunidad fahren mit Motorbooten in die Schutzzonen und jagen weiterhin. Die Regelungen für die verschiedenen Zonen sind ihnen zu wenig bekannt und die Sanktionen sind zu schwach ( Saravia1996 ). Da die Comunidades keine Gebietskörperschaft darstellen und somit nicht an Eintrittsgeldern der Reserva oder an Steuern partizipieren können ( BMZ1995 ), sind ihre ökonomischen Anreize, das Gebiet zu schützen, sehr gering.

Bevor Ökotourismus vorschnell als ”Ökoterrorismus“ beschimpft wird und dem Naturschutz keine Chance gegeben wird, sollte dem Aufbau und der Erreichung der


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ökonomischen Zielsetzung mehr Konzentration und Geduld entgegengebracht werden. Hier stößt die moderne Dynamik der Entwicklungsorganisationen und der Reiseagenturen auf den anderen Lebensrhythmus der indigenen Bevölkerung.

Projekte wie das ÖTP, die für die wirtschaftliche Effektivität auf kleinen flexiblen Mitarbeiterteams und für die Maßnahmen zum Ressourcenschutz auf der gesamten Comunidad aufbauen müssen, erfordern eine direkte intensive Beratung durch Entwicklungsorganisationen. Sie sollten sich auf wenige Comunidades und nicht auf komplexe Organisationsstrukturen wie Asociaciones konzentrieren. In dem Ausstieg von zwei Projekten aus dem ÖTP liegt auch eine Chance: Das Programm kann sich nun auf den Aufbau der verbliebenen beiden Projekte und das Training der Teams widmen. Diese wiederum bekommen einen höheren ökonomischen Anreiz, weil sich die Touristengruppen nur noch auf zwei Projekte verteilen. Daher sollte das Programm vor der Konsolidierung der Projekte in Llanchamacocha und Curaray keine weiteren Orte einbeziehen und dem entsprechenden Druck der OPIP standhalten.


148

Zusammenfassung von Kapitel 8

Das ÖTP stellt bisher keine einkommenschaffende Alternative für die vier Comunidades und Asociaciones dar, da die Besucherzahlen noch zu gering und unzuverlässig sind. Um die relativ hohen Preise des Programms für die Touristen konkurrenzfähig zu halten, sind die Einkommen für die Projektteams, die Comunidades und die OPIP im Vergleich zu anderen indigenen Tourismusprojekten des Oriente relativ niedrig.

Die kleinen Comunidades Pavacachi und Llanchamacocha nahmen an Planung, Aufbauarbeiten und Einkommen ihrer kommunalen touristischen Projekte teil und wiesen Schutzzonen mit unterschiedlichem Nutzungsgrad aus. Die Vermarktungsunsicherheit schwächte aber ihre Motivation und führte zum Ausstieg Pavacachis aus dem Programm.

Die großen Asociaciones beteiligten sich so wenig an Planung und Aufbau des ÖTP, und ihr Einkommen aus dem kommunalen Fonds ist relativ zur Bevölkerungszahl so gering, daß nicht mehr von kommunalen Projekten geredet werden kann. Aussicht auf naturschützende Wirkungen des Programms ohne die Partizipation der Asociaciones gibt es dort nicht. In Curaray ist die Übernahme des Programms durch wenige Familien in Diskussion. Als Familienbetrieb wäre es effizienter, verliert aber seine Verbindung zum Naturschutz und ist dann kein Ökotourismus mehr, wie er in Kapitel 6 definiert wurde. Canelos spaltete sich aus politischen Gründen von der OPIP ab und stieg aus dem ÖTP aus.

Durch die Anbindung des ÖTP an die OPIP hatten einige Projektbeteiligte gleichzeitig politische und programmspezifische Aufgaben zu erfüllen, was den Verlauf des Programms stark behinderte. Die vom ÖTP erhoffte Dezentralisierung von der OPIP konnte nicht verwirklicht werden. Das folgende Kapitel zieht entsprechende Schlußfolgerungen zum Umgang der OPIP mit einkommenschaffenden Projekten.


Fußnoten:
<84>

”Pavacachi und Llanchamacocha sind Familienprojekte und funktionieren. Canelos und Curaray sind kommunale Projekte, deshalb haben sie Probleme. Wir (das ÖTP) haben gut angefangen, aber wir müssen etwas verändern. Mehrere Familiengruppen werden für verschiedene Bereiche des Programms verantwortlich sein. Es wird jedoch nie einen Chef mit Angestellten geben. Das wäre zu weit weg von unserer Kultur.“

<85>

”Eine romantische Version der Selbstbestimmung“.

<86>

”Wenn das Programm mir keinen Tagesgehalt von 80.000 Sucres (ca. 30 US-$) gibt, kann ich die Artenvielfalt nicht weiter schützen, sondern muß als Machetero (mit der Machete) für die Erdölindustrie Bäume fällen.“

<87>

”Wir brauchen eine Regelung (zum Umgang mit den natürlichen Ressourcen), um die Leute nach und nach zu erziehen. Auch wenn sich die Alten nicht mehr ändern werden, so doch vielleicht die Jugend.“

<88>

”Die Schutzzone wird von uns nicht angerührt. Wir töten dort nicht, entnehmen kein Holz und angeln nur mit Haken.“

<89>

”Früher jagden wir zu viele Tiere, weil es keine anderen Ressourcen gab. Heute mit dem ÖTP zeigen wir den anderen Comunidades, was Naturschutz ist.“


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