Gericke, Gun: Beurteilung von vorherrschender Meinungsmacht privater Fernsehunternehmen nach dem Rundfunkstaatsvertrag

Dissertation
Beurteilung von vorherrschender Meinungsmacht privater Fernsehunternehmen nach dem Rundfunkstaatsvertrag

Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin

Gun Gericke

Gutachter:
Prof. Dr. Ulrich Battis
Prof. Dr. Hans-Peter Schwintowski

eingereicht: 20. Februar 2001

Datum der Promotion: 14. Juni 2001

Keywords:
pluralism, viewers quota system, cross-ownership, Media Authorities

abstract

A multifarious broadcasting sypply is an essential requirement/ prerequisite for a free shaping of public opinion in a democracy. Predominance on the opinion market endangers or hinders this opinion-forming.

Therefore it has to be avoided by looking first of the mechanism dominance can be developed.

It occurs by acting of only a few provider on this market or the impeding of the access of new companies to the relevant market. Further on by merging of the big players or the concentration of several programs in the hands of one supplier dominance can arise.

The instrument that states rules of media ownership to guarantee pluralism and diversity in the opinien market is the German Interstate Treaty of Broadcasting (Rundfunkstaatsvertrag). Hereafter a dominant position of a company is assumed by holding more than 30% of the recipients. Holding this high figure in one hand is not unconstitutional. Nevertheless this high market share must not erase competition on the opinion market? To identify an abuse of dominant positions you have to look at the behavior of the respective company, whether it is building up control over the adjacent markets and impeding of competing companies to enter the respective markets. This can only be done by looking at possible cross-ownership of the involved companies through a multi-tasking measuring system.

A new procedure was introduced that is comparable to the general competition-rules. It consists of supervision, intervention and sanctions to bring the companies to stick to the rules.

The thoroughly and strict enforcement of anticoncentration serves to shelter and enforce the free shaping of public opinion and meets -a few exceptions aside- all requirements given by the Federal Constitutional Court.

Schlagwörter:
Meinungsvielfalt, Zuschauermarktanteilsmodell, Cross-ownership, Rundfunkaufsicht

Zusammenfassung

Vorherrschende Meinungsmacht ist das in wenigen Händen liegende Potential, auf die Meinungsbildung einzuwirken. Sie behindert die Gewährleistung eines vielfältigen Rundfunkangebotes, das im Interesse der freien Meinungsbildung steht. Sie kann entstehen, wenn von Anfang an nur wenige Anbieter auf dem Markt sind oder bei anfänglicher Vielfalt kleinere Anbieter ausscheiden, die restlichen zusammenschmelzen oder ein Veranstalter mehrere Programme ausstrahlt. Doch auch die Einflußnahme eines Unternehmens auf verschiedenen Märkten oder die Bildung eines Informationsmonopols können zu vorherrschender Meinungsmacht führen. Daher stellt der Rundfunkstaatsvertrag Antikonzentrationsregelungen auf. Deren Ziel ist es, freie Meinungsbildung durch eine Vielfalt von Programmangeboten zu gewährleisten. Vermutet wird eine Gefährdung der Vielfalt im Fernsehen, wenn ein Veranstalter mehr als 30 % der Zuschaueranteile auf sich vereinigt. Diese Regelung gestattet eine recht hohe Konzentration von Rundfunkveranstaltern, die gleichwohl nicht verfassungswidrig ist. Zu verhindern ist aber, daß starke Unternehmen die vor- und nachgelagerten Märkte und die anderer Medien derart kontrollieren, daß Neueinsteigern der Zugang dazu verwehrt oder unverhältnismäßig erschwert wird. Das auf Zuschauermarktanteilen basierende Modell muß so ergänzt werden, daß die Cross-ownership umfassend berücksichtigt wird. Dies kann nur mit einer methodenpluralistischen Vorgehensweise bei der Messung des Einflusses erreicht werden.

Mit dem Zuschauermarktanteilsmodell wurde ein neues Verfahrensrecht eingeführt. Vergleichbar dem Recht der Wirtschaftsaufsicht wurde ein System aus Überwachungsmitteln, Eingriffsmitteln und Sanktionen geschaffen, das die Unternehmen stärker zur Mitwirkung verpflichtet. Die Aufklärung konzentrationsrechtlicher Sachverhalte dient dem Schutz der freien Meinungsbildung und kann daher mit einigen Ausnahmen als Umsetzung der Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts an den Grundrechtsschutz durch Verfahren aus dem Rundfunkgebührenurteil verstanden werden.


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Inhaltsverzeichnis

TitelseiteBeurteilung von vorherrschender Meinungsmacht privater Fernsehunternehmen nach dem Rundfunkstaatsvertrag
1 Einführung in den Untersuchungsgegenstand
2 Berechtigung einer Kontrolle des Rundfunks
2.1Europarechtlicher Einfluß
2.2Art. 5 Abs. 1 GG als Ausgangspunkt
2.3Kommunikation durch Massenmedien
2.3.1Schutz der Freiheit der Massenmedien durch das Kartellrecht
2.3.2Unterschiede von Rundfunk und Presse und deren Folgen für die Kontrolle
2.3.3Einfluß der Werbefinanzierung auf die Meinungsbildung
2.4Rundfunkrechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes
2.4.1Fernsehurteil: BVerfGE 12, 205
2.4.2FRAG-Urteil: BVerfGE 57, 295
2.4.3Niedersachsen-Urteil: BVerfGE 73, 118
2.4.4Baden-Württemberg-Beschluß: BVerfGE 74, 297
2.4.5WDR-Urteil: BVerfGE 83, 238
2.4.6Gebührenurteil: BVerfGE 90, 60
2.4.7Extra-Radio-Beschluß: BVerfGE 97, 298
2.4.8Entscheidungen zum Deutschen Sportfernsehen und zur Kurzberichterstattung
2.5Konsequenzen für den Charakter und die Ausgestaltung der Rundfunkfreiheit
3 Sicherung der Meinungsvielfalt durch den Rundfunkstaatsvertrag
3.1Übersicht der verschiedenen Ordnungsmodelle
3.1.1Die Anbietergemeinschaft
3.1.2„one man/one show“ - Modell
3.1.3Mediennutzungsmodell
3.1.4Werbemarktanteilsmodell
3.1.5Binnenplurales Modell
3.2Das Außenpluralistische Modell des Rundfunkstaatsvertrages
3.2.1Regelung des § 26 RStV
3.2.2Zurechnung von Programmen
3.3Marktabgrenzung
3.3.1Zulässigkeit
3.3.2Sachliches Kriterium
3.3.2.1Keine Unterscheidung nach Übertragungs-, Programm- und Finanzierungsart
3.3.2.2Einbeziehung öffentlich-rechtlichen Rundfunks
3.3.2.3Einbeziehung entgeltfinanzierten Rundfunks
3.3.3Zeitliches und räumliches Kriterium
3.3.4„Medienrelevante verwandte Märkte“
3.3.4.1Auslegung des Begriffes
3.3.4.1.1Amtliche Begründung
3.3.4.1.2Einflußerweiterung durch Cross-ownership
3.3.4.1.3Digitales Fernsehen
3.3.4.2Bestimmtheit und Meßbarkeit
3.3.5„Geringfügige Unterschreitung“
3.3.5.1Wortsinn
3.3.5.2Systematischer Zusammenhang
3.3.5.3Entstehungsgeschichte
3.3.5.4Sinn und Zweck der Regelung
3.3.5.5Ergebnis der Auslegung
3.3.6„Gesamtbeurteilung“
3.4Zwischenergebnis
4 Verfahrensrechtliche Fragen der Konzentrationskontrolle im Rundfunk
4.1Grundrechtsschutz durch Verfahren
4.2Charakter der Aufsicht über private Rundfunkveranstalter
4.3Organisation der Aufsicht
4.4Verfahrensfragen
4.4.1Meßproblematik
4.4.1.1Rechtsstellung des Meßunternehmers nach außen
4.4.1.1.1Öffentlich-rechtlicher Beauftragter
4.4.1.1.2Beliehener
4.4.1.1.3Organisations- bzw. Aufgabenprivatisierung
4.4.1.1.4Funktionale Privatisierung
4.4.1.2Rechtsverhältnis zwischen Meßunternehmer und Kontrollbehörde
4.4.1.2.1Vertragstyp
4.4.1.2.2Inhaltliche Ausgestaltung
4.4.1.2.2.1Methodik der Ermittlung der Zuschaueranteile
4.4.1.2.2.1Berücksichtigung der Außerhaus- und Anstaltsnutzung
4.4.2Überwachungsmittel
4.4.2.1Auskunfts- und sonstige Informationsrechte
4.4.2.2Mitteilungspflichten
4.4.2.3Publizitätspflicht
4.4.2.4Informelle Mittel
4.4.3Eingriffsmittel
4.4.3.1präventive Aufsichtsmaßnahmen
4.4.3.2repressive Aufsichtsmaßnahmen
4.4.3.2.1Zulassungsentzug
4.4.3.2.2Vielfaltssichernde Maßnahmen
4.4.3.2.2.1Drittsendeverpflichtung
4.4.3.2.2.1Einrichtung eines Programmbeirates
4.4.3.2.3Schlußfolgerung für die Regelung vielfaltssichernder Maßnahmen
4.4.4Sanktionen
4.4.4.1Verwaltungsverfahrensrechtliche Sanktionen
4.4.4.2Ordnungswidrigkeitstatbestände
4.5Zwischenergebnis
5 Änderungsvorschläge
5.1Möglichkeiten zur Änderung der inhaltlichen Ausgestaltung der Vielfaltskontrolle im Fernsehen
5.1.1Deregulierung
5.1.2Kombination von qualitativen und quantitativen Aspekten
5.1.3Senkung der Zuschauermarktanteilsgrenze
5.1.4Beibehaltung der Anteilsgrenze unter Ausübung verstärkter Kontrolle
5.1.4.1Cross-ownership
5.1.4.1.1Beteiligungsbeschränkungen
5.1.4.1.2Digitales Fernsehen
5.1.4.1.3Auffanglösung
5.1.4.2Kompensationsmöglichkeiten
5.1.4.2.1Zulässigkeit
5.1.4.2.2Abgrenzung zum offenen Kanal
5.1.4.2.3Aufsicht
5.2Zuständigkeitsregelungen
5.2.1Neuordnung des Zuständigkeitsbereichs der KEK
5.2.1.1Einschränkung des Aufgabenbereichs der KEK
5.2.1.2Status als Sachverständigengremium
5.2.1.3Verbesserung der Mitwirkungsrechte der KEK
5.2.2Schaffung neuer Organe
5.2.2.1Gemeinsamer Kommunikationsrat von Bund und Ländern
5.2.2.2Gemeinsame Medienanstalt der Länder
5.3Ergebnis
6 Schlußbemerkung
Bibliographie Literaturverzeichnis
Danksagung
Selbständigkeitserklärung

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Mon Feb 17 10:14:47 2003