Giesche, Carsten: „Die Symptomatologie fortgeschrittener rektosigmoidaler Tumoren unter palliativer Therapie mit dem Neodym:YAG-Laser“

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Kapitel 5. ZUSAMMENFASSUNG

Das rektosigmoidale Karzinom stellt in der Bundesrepublik Deutschland die zweithäufigste maligne Neoplasie dar. Ein wesentliches diagnostisches Problem der Erkrankung ist die Fehlinterpretation früher Symptome, wodurch häufig eine rechtzeitige Diagnose verhindert wird. Desweiteren werden die Möglichkeiten zur Vorsorge durch die Bevölkerung nur unzureichend genutzt. Die Folge ist, daß bei Diagnosestellung bereits bei einem Großteil der Patienten (bis 50 %) die Tumore ein fortgeschrittenes Stadium erreicht haben und somit oft nur noch ein palliativer Therapieansatz besteht. Palliative Therapieziele sind die Passagesicherung und der Erhalt der Lebensqualität. Eine wichtige Behandlungsmethode ist die endoskopische Laservaporisation.

Die vorliegende Dissertation hat zum Ziel, den Einfluß der palliativen Tumortherapie mit dem Neodym:YAG-Laser auf die Symtomatologie fortgeschrittener rektosigmoidaler Tumore zu analysieren. Dazu wurde ein unselektiertes Patientengut prospektiv in einem 3jährigen Beobachtungszeitraum untersucht und die gewonnenen Ergebnisse wurden mit denen anderer Autoren verglichen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht der Langzeiteffekt der Lasertherapie auf die Symptomatologie kolorektaler Karzinome, da hierzu in der Literatur Angaben fehlen.

Für jeden Patienten wurde ein umfangreiches Datenmaterial erfaßt und ausgewertet. Außerdem sind die Patienten mit einer Behandlungsdauer von mehr als 3 Monaten (Langzeittherapie) bezüglich ihrer subjektiven Einschätzung zur palliativen Lasertherapie befragt worden.

Die Ergebnisse nach bis zu dreimonatiger Lasertherapie bestätigen den auch in anderen Studien erwiesenen Kurzzeiteffekt. 80 % der behandelten Patienten gaben eine Beschwerdebesserung oder -beseitigung an. Peranale Blutungen, abdominale Beschwerden und Subileussymtomatik weisen einen statistisch signifikanten Rückgang auf, was für die okklusionsbedingte Symptomatik zu erwarten war.

Bei einer Behandlungsdauer von mehr als 3 Monaten konnten okklusionsbedingte und Blutungsbeschwerden mit dem Nd:YAG-Laser weiterhin gut behandelt werden, obgleich sich die Resultate der ersten 3 Therapiemonate nicht fortsetzen lassen, sondern eine Art „steady state“ erzielt wird. Eine Subileussymptomatik war unter Langzeitbeobachtung nicht mehr nachweisbar. Allerdings zeigen Tenesmen und Stuhlinkontinenz unter Langzeittherapie eine deutliche Häufigkeitszunahme. Die Ursachen dafür (infiltratives/extraintestinales Tumorwachstum, weiter nach distal gerichtete Tumorausdehnung) bleiben vom Laser unbeeinflußt.

Die Stuhlpassage konnte bei 91,8 % der Patienten mit gutem bis sehr gutem Erfolg gesichert werden, unter Langzeittherapie bei 87,5 % der Patienten. Die Komplikationsrate des untersuchten Patientengutes liegt bei 8,2 % (unter Langzeittherapie bei 6,3 %). Eine therapiebedingte Letalität war nicht zu verzeichnen. Die mittlere Überlebenszeit aller Patienten liegt zum Endpunkt bei 5,8 Monaten.

Die Befragungsergebnisse zur subjektiven Einschätzung der Lasertherapie zeigen eine ausgesprochene Diskrepanz gegenüber den objektivierbaren Beschwerden. Der Großteil der Patienten (87,5 %) sieht in der palliativen Lasertherapie einen Beitrag zum Erhalt der Lebensqualität. Demgegenüber stehen nur 28 % der Patienten, die eine Besserung der Symptomatik angaben.

In Abhängigkeit von Tumorlängsausdehnung und -lokalisation wurde die Symptomatologie unter Langzeittherapie ebenfalls untersucht. Unabhängig von der Ausdehnung blieben die kurzfristig erzielten Effekte auf peranale Blutungen erhalten. Eine deutliche Zunahme von Stuhlinkontinenz schon während der ersten 3 Monate der Therapie ließ sich für ausgedehnte Tumore feststellen, was vermutlich auf die größere Infiltrationstendenz zurückzuführen ist.

Bei der Tumorlokalisation im rektosigmoidalen Übergang kehren sich im Gegensatz zu den Rektumkarzinomen die Kurzzeiteffekte des Lasers auf peranale Blutungen und abdominale Beschwerden unter Langzeittherapie um. Ursache dafür könnte eine zurückhaltendere Anwendung des Lasers oberhalb der peritonealen Umschlagsfalte wegen der Gefahr der Perforation sein. Unterschiede in der Häufigkeit von Stuhlinkontinenz gibt es zwischen beiden Lokalisationen nicht.

Über Tumorstenosen größer 10 cm und Sigmakarzinome ist die Arbeit aufgrund des zu geringen Datenmaterials nicht aussagefähig.


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Die palliative endoskopische Lasertherapie stellt die Therapie der Wahl bei fortgeschrittenen Rektumkarzinomen und Karzinomen des rektosigmoidalen Übergangs bis 10 cm Ausdehnung dar. Durch den Laser lassen sich okklusionsbedingte und Blutungsbeschwerden auch im Rahmen einer Langzeitpalliation gut behandeln. Die Sicherung der Stuhlpassage als wichtigste Zielgröße der Therapie gelingt unter Langzeit-Lasertherapie in 87,5 %. Methodenbedingte Komplikationen sind selten. Eine therapiebedingte Letalität war nicht zu verzeichnen. Problematisch ist der Anteil von Patienten mit Inkontinenz, der im Verlauf der Behandlung von 6,2 % auf 40,6 % drastisch anstieg. Trotzdem bleibt für fast 90 % der Patienten ihre Lebensqualität erhalten, da es sich meist um eine Inkontinenz I. oder II. Grades handelt, was von der Mehrzahl der Patienten angesichts ihrer Lebenssituation toleriert wird.

In einer vergleichenden Betrachtung mit der palliativen Anlage eines Anus praeter ist der Laser trotz Wiederholungsbehandlungen kostengünstiger, komplikationsärmer und führt zu einer deutlich besseren Symptombeeinflusssung. Zudem kann die Lasertherapie in vielen Fällen ambulant erfolgen.

Andere palliativ-endoskopische Verfahren wie die Implantation von Metallstents oder die Photodynamische Therapie bleiben Einzelfällen vorbehalten. Lediglich die Argon-Gas-Koagulation (Argon-Beamer) kann als Alternative zum Neodym:YAG-Laser erwogen werden.


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Fri Aug 16 10:07:19 2002