| Christoph Gillessen: Vergleich des Ressourcenbedarfs und der Personalkosten
an einem Ultraschallarbeitsplatz mittels Prozesssimulation
als Ausbildungsplatz und Facharztplatz
mit und ohne digitale Infrastruktur |
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Fragestellung
Betrachtet wird der Arbeitsprozess einer Ultraschalluntersuchung im diagnostischen Funktionsbereich einer radiologischen Abteilung hinsichtlich Arbeitsaufwand und Personalkosten pro Patient bzw. Untersuchung sowie Geräteauslastung.
3.1 Ultraschalluntersuchung des Abdomens
Eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens durch einen niedergelassenen Radiologen wird derzeit (Stand 4. Quartal 2001) mit Beträgen zwischen 13,09 € (Primärkassen) und 17,03 € (Sekundärkassen) vergütet. Niedergelassene Internisten erhalten zwischen 20,44 € und 25,84 € [6
, 37
]. Mit diesem Betrag müssen alle bei der Untersuchung entstehenden direkten und indirekten Kosten beglichen werden. Das beinhaltet den Arbeitsaufwand (Untersuchung, Befunderstellung, Bildarchivierung, Akten- und Terminverwaltung), Abschreibungs- und Unterhaltskosten für das Ultraschallgerät, Einwegmaterialien wie das Ultraschallgel, Druckerpapier und Büromaterial, Elektrizität, Raummiete und evtl. weitere versteckte Kosten.
Diese Beträge erscheinen subjektiv niedrig und dem zu erwartenden Aufwand plus Zusatzkosten nicht angemessen. Genaue Daten über den tatsächlichen durchschnittlichen Arbeitsaufwand einer Ultraschalluntersuchung des Abdomens mit allen Begleittätigkeiten und den damit verbundenen Kosten sind nicht bekannt. In dieser Arbeit werden Eckdaten zum Aufwand einer Ultraschalluntersuchung des Abdomens ermittelt:
- Wie hoch ist der Arbeitsaufwand einer Ultraschalluntersuchung des Abdomens?
- Wie hoch sind die Personalkosten für eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens?
3.2 Ausbildungs- vs. Facharztszenarium
Der betrachtete Arbeitsplatz ist ein Ausbildungsplatz. Ausbildung erfordert erhöhten menschlichen und finanziellen Einsatz im Vergleich zum Routinebetrieb.
- Ausbilder: Der ausbildende Arzt bereitet zusätzlich zu seiner klinischen Tätigkeit sein Fachwissen didaktisch auf und gibt es an auszubildende Ärzte weiter. Zudem kontrolliert er die Tätigkeiten und Entscheidungen des auszubildenden Arztes.
- Patient: Wird ein Patient von einem auszubildenden Arzt sonographisch untersucht, muss er mit zwei Einschränkungen rechnen. Zum einen wird die Untersuchung möglicherweise länger dauern als beim erfahrenen Untersucher, zum anderen kann die Ergebnisqualität eingeschränkt sein. Letzteren Punkt versucht man mit erhöhtem [Seite 19↓]
personellen Aufwand seitens des Ausbilders abzufangen, indem er die Bemühungen des Auszubildenden kontrolliert.
- Finanzen: Erhöhter finanzieller Bedarf entsteht aus dem erhöhten Aufwand des Ausbilders und der Nutzung von Materialressourcen der ausbildenden Institution. Letzterer Punkt betrifft Verbrauchsmaterial sowie Geräte, die während der Ausbildung nicht dem normalen Betrieb zur Verfügung stehen und kein Einkommen produzieren können.
Daraus resultierend werden folgende Fragestellungen untersucht:
- Wie hoch ist der zusätzliche Arbeitsaufwand pro Untersuchung für ein Ausbildungsszenarium im Vergleich zu einem Facharztszenarium?
- Wie hoch ist der Einfluss auf die Personalkosten in einem Ausbildungsszenarium im Vergleich zu einem Facharztszenarium?
- Wie groß ist der Einfluss auf Gerätetaktzeiten in einem Ausbildungsszenarium im Vergleich zu einem Facharztszenarium?
3.3 Digitale Infrastruktur
Effektivität, Aufwands- und Kosteneffizienz einer digitalen Infrastruktur wurden bisher in erster Linie im Zusammenhang mit telemedizinischen Anwendungen evaluiert [13
, 20
, 21
, 27
, 28
, 34
, 38
, 41
, 42
, 43
, 44
, 50
, 59
]. Auch Einzelkomponenten einer digitalen Infrastruktur wurden hinsichtlich ihrer Kosteneffizienz evaluiert [18
, 35
, 52
]. Während die Effektivität fast durchgängig gleichbleibend oder besser als mit konventioneller Infrastruktur beschrieben ist, variieren die Ergebnisse bzgl. der Kosteneffizienz. Dies ist auf unterschiedliche Kostenmodelle [18
] und unterschiedliche Einbettung der digitalen Hilfsmittel in den Arbeitsablauf [58
] zurück zu führen.
Ein Aspekt, der in vielen Betrachtungen zu digitalen Hilfsmitteln zu wenig beachtet wird, ist ihr Einfluss auf den Arbeitsablauf. Ein wesentlicher Effizienzgewinn lässt sich nur durch Anpassung des Arbeitsablauf an die Möglichkeiten einer digitalen Infrastruktur erreichen [10
, 11
, 12
, 58
].
Die hier vorausgesetzte digitale Infrastruktur umfasst mehrere funktionale Komponenten.
- Elektronische Patientenakte: Die medizinischen Patientendaten sind elektronisch gespeichert und per Computer und Netzwerk abrufbar.[Seite 20↓]
-
PACS (Picture Archiving and Communications System): Bilddaten aus bildgebenden diagnostischen Modalitäten sind elektronisch gespeichert und per Computer und Netzwerk abrufbar.
- Terminplanung: Ein flexibles elektronisches System übernimmt klinikumsweit die Planung und Koordination von diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen (z.B. [4
]).
Die Erwartung eines Effizienzgewinns durch eine digitale Infrastruktur stützt sich auf die umfassenden funktionellen Möglichkeiten, die eine elektronische Datenverarbeitung eröffnet.
- Daten werden weitgehend automatisch erfasst und gespeichert. Dies ermöglicht eine höhere Datendichte (z.B. können physiologische Messwerte von Patienten automatisiert und in geringeren Zeitabständen protokolliert werden) und möglicherweise eine verbesserte, weil automatisch verifizierte Datenqualität. Der Arbeitsaufwand zur Dokumentation wird verringert.
- Während die Informationsdichte steigt (z.B. können statt nachbearbeiteter Filme die Rohdaten von Bildern gespeichert werden), kann durch eine ausgefeilte Metaanalyse die Aussagekraft der Information erhöht werden.
- Medizinische Informationen sind ubiquitär und ohne zeitliche Verzögerung verfügbar. Es müssen keine physischen Akten von A nach B transportiert werden, auch entstehen keine Irritationen bezüglich des Aufenthaltsorts der Akten.
- Zusätzliche Funktionalitäten automatisieren Abläufe. So kann z.B. die Erstellung von Arztbriefen oder die Kodierung von Diagnosen nach DRG beschleunigt werden.
- Per automatischem Terminmanagement werden Mitarbeiter und andere Ressourcen koordiniert, um eine effizientere Ressourcenauslastung bei gleichzeitig verkürzten Durchlaufzeiten der Patienten zu erzielen.
Im Einzelnen werden folgende Fragestellungen behandelt:
- Um wie viel kann der Arbeitsaufwand pro Untersuchung durch eine digitale Infrastruktur reduziert werden?
- Um wie viel können die Personalkosten pro Untersuchung durch eine digitale Infrastruktur reduziert werden?
- Wie groß ist der Einfluss auf Gerätetaktzeiten in einem Szenarium mit digitaler Infrastruktur?
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