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Erkenntnisse hinsichtlich der Rolle von p53 für die Oligodendrozytenpathologie der MS liegen bislang nur in Form weniger Daten vor. Man weiss, dass in vitro durch Apoptoseinduktion mittels TNF-α p53 induziert wird. Die Überexpression von p53 in Oligodendrozyten von Mäusen führt zu Apoptose (Ladiwala et al. 1999). In den Subtypen III und IV nach Lucchinetti et al. 2000 läßt sich eine erhöhte Expression von p53 immunhistochemisch nachweisen. Daher liegt es nahe zu vermuten, dass eine solche Überexpression auf irgendeine Weise am apoptotischen Untergang von Oligodendrozyten beteiligt sein könnte. In vitro konnten Wosik et al. 2001 bereits zeigen, dass eine hohe Expression von p53 Apoptose induziert, eine niedrigere (sub-letale) Expression dagegen nicht zum Zelltod führt, aber die Zellen empfänglicher für Ligand-Rezeptor vermittelte Apoptose werden lassen. Ob die Überexpression von p53 in Oligodendrozyten in MS-Läsionen auf ein funktionell defektes Protein oder auf eine vermehrte Transkription zurückzuführen ist, muss in weiteren Studien geklärt werden. Die Beobachtung eines selektiven Anstiegs von p53 in Oligodendrozyten, die in eine Immunreaktion verwickelt waren, liefert Hinweise um zukünftig Läsionen mit einer Störung des Oligodendrozytenmetabolismus (Muster III und IV) von solchen mit einer typisch autoimmunen Pathogenese (Muster I und II) unterscheiden zu können.
Mutationen im p53 Gen sind eine ebenso bekannte wie häufige Ursache für die Entstehung von verschiedensten Tumoren. Veränderungen in der Proteinstruktur können zur Entstehung eines funktionsuntüchtigen Proteins führen und nachfolgend zu einer Störung des Apoptosevorgangs in Zellen mit DNA-Schäden und damit letztlich zu einer unkontrollierten Proliferation von Tumorzellen mit all ihren bekannten Folgen. In Tumoren betreffen verschiedene Mutationen in Form der sogenannten „hot spots“ bevorzugt bestimmte Codons der DNA-bindenden Region des p53-Proteins und führen so zu einer wesentlichen Beeinträchtigung seiner Funktion.
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Auch für die rheumatoide Arthritis spielt eine Störung des Apoptosemechanismus in Form einer Störung des p53-induzierten programmierten Zelltodes möglicherweise eine Rolle. Verschiedene Arbeitsgruppen konnten in Fibroblasten eine Reihe verschiedener Mutationen im p53-Gen nachweisen, allerdings weniger häufig als in Tumoren. Die Häufigkeit der Mutationen variierte allerdings in verschiedenen Studien beträchtlich, in einigen Fällen konnten gar keine Mutationen nachgewiesen werden (Müller-Ladner und Nishioka 2000).
Der mit einer veränderten Expression von p53 möglicherweise in Zusammenhang stehende vermehrte Untergang von Oligodendrozyten könnte die Ursache für chronische Verlaufsformen der MS sein. Der Verlust von Oligodendrozyten könnte eine Erklärung für die fehlende Remyelinisierung in einigen Läsionen sein. Eine p53-vermittelte Apoptose als Reaktion auf die bekannten auslösenden Stimuli wie Entzündung, Ischämie, Hypoxie, Trauma, verschiedene Zytokine oder Virusinfekt kommt möglicherweise als Ursache hierfür in Frage, da einige dieser Mechanismen auch in der Ätiopathogenese der MS beteiligt zu sein scheinen.
Da mit Hilfe des immunhistochemischen Nachweises nicht zwischen Wild-Typ-p53 und einem strukturell veränderten Protein unterschieden werden kann, sollte mit Hilfe der Sequenzierung geklärt werden, ob es auf Ebene der DNA Veränderungen in der codierenden Region des p53-Gens gibt. Der Fokus der Untersuchung lag dabei auf der DNA-bindenden Region. Da sich keine Unterschiede zwischen Kontrollen und RR- bzw. PP-MS Patienten fanden, scheint eine auf die Proteinstruktur zurückgehende Anomalie des p53-Gens, wie sie in Tumoren und manchen Autoimmunerkrankungen auftritt, eher unwahrscheinlich. Was letztlich zu einer Überexpression von p53 in Oligodendrozyten mit nachfolgender Apoptose führt, konnte bislang nicht geklärt werden.
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Die unterschiedlichen histopathologischen Muster belegen, dass möglicherweise verschiedene pathogenetisch relevante Schädigungswege an der Entstehung einer Multiplen Sklerose beteiligt sind. Die Frage, ob die Zerstörung von Myelin oder der Untergang von Oligodendrozyten das auslösende Moment für die Entstehung einer Multiplen Sklerose ist, wird seit langem kontrovers diskutiert. Studien, die aktiv demyelinisierende Läsionen untersuchten, legen nahe, dass es mehrere völlig verschiedene Muster der Myelinschädigung und der Oligodendrozytenpathologie gibt (Lucchinetti et al. 1999, Lucchinetti et al. 1996, Brück et al. 1994, Ozawa et al. 1994). Anhand dieser Unterschiede schlugen Lucchinetti et al. 2000 ein Klassifikationssystem mit vier verschieden histopathologischen Mustern vor. Muster I und II zeigen große Ähnlichkeit mit einer T-Zell- oder T-Zell- und antikörpervermittelten Autoimmunenzephalomyelitis, während Muster III und IV Zeichen eines primären Oligodendrozytenschadens aufweisen, die eher an eine virus- oder toxininduzierte Dystrophie als an eine Autoimmunerkrankung erinnern. In Muster I und II findet sich eine primäre Zerstörung von perivenösem Myelin durch T-Zellen/Makrophagen oder Antikörper/Komplement-Komplexe mit einem geringen Verlust von Oligodendrozyten oder deren Vorläuferzellen. Nachfolgend kommt es hier zu einer ausgeprägten Remyelinisierung innerhalb des inaktiven Zentrums der Läsion. Dagegen finden sich in Muster III eine nicht-perivenöse Demyelinisierung, eine verminderte MAG-Expression und Zeichen eines apoptotischen Oligodendrozytenuntergangs. Diese Art von Läsionen tritt zumeist in Fällen mit einem erst kurzen Krankheitsverlauf auf und wird selten in Patienten mit chronischen Krankheitsverläufen beobachtet. Es könnte sich daher also um eine „Starter-Läsion“ handeln. Im vierten Muster kommt es zu einem frühen Untergang von Oligodendrozyten in der normal erscheinenden weißen Substanz. Aufgrund der fundamental unterschiedlichen Mechanismen und Angriffspunkte der letztlich in allen Mustern resultierenden Demyelinisierung liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den verschiedenen Subtypen um eigenständige Krankheitsentitäten handeln könnte, wenngleich weder Ursache noch Abfolge der einzelnen pathogenetischen Mechanismen geklärt sind. Muster IV findet sich ausschließlich in Autopsien von Patienten mit PP-MS. Auch Übergänge von einem in ein anderes Muster erscheinen denkbar. Die Tatsache, dass sich eine vermehrte Expression von p53 mit [Seite 46↓]nachfolgender Apoptose von Oligodendrozyten nur in Muster III und IV findet (Wosik et al. 2001), suggeriert in diesem Zusammenhang, dass ein Defekt der Funktion, der Transkription oder der induzierenden und regulierenden Mechanismen vorliegen könnte.
Gegenstand der vorliegenden Arbeit war die Suche nach Polymorphismen innerhalb der codierenden Region als mögliche Ursache für eine vermehrte Expression des p53-Proteins in Oligodendrozyten in MS-Läsionen. Es fanden sich jedoch weder Unterschiede zwischen Kontrollen und MS-Patienten, noch zwischen RR- und PP-MS-Patienten. Daher scheinen Sequenzveränderungen innerhalb der DNA-bindenden Region keine Rolle für bei der vorher gefundenen vermehrten Expression zu spielen. Weitere mögliche Ursachen für eine erhöhte p53-Expression könnten Anomalien im Bereich der Promotor- und Enhancerregion des p53-Gens, auf Ebene der Transkriptionsfaktoren oder Antagonisten sein. Es bleibt daher abzuwarten inwiefern weitere in vivo- und in vitro-Studien in diesem Zusammenhang neue Erkenntnisse zeitigen werden und damit Hinweise auf die immer noch unklare Pathogenese der MS liefern können.
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