Goeze, Almut: Charakterisierung chromosomaler Imbalancen in Adenokarzinomen der Lunge mit Hilfe der Comparativen genomischen Hybridisierung (CGH)

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V. Zusammenfassung

Das Adenokarzinom ist weltweit das häufigste nicht-kleinzellige Lungenkarzinom mit ansteigender Inzidenz insbesondere bei Frauen. Zur genetischen Analyse dieses Tumortyps haben wir 60 Fälle mittels der Comparativen Genomischen Hybridisierung (CGH) untersucht, dabei wurden 60 Primärtumoren und von 10 Fällen zusätzlich 23 Metastasen (pro Primärtumor max. 4 korrespondierende Metastasen) analysiert.

Die CGH ist eine Screening-Methode zur Detektion chromosomaler Imbalanzen im Tumor-Genom. DNA-Gewinne und -Verluste werden dabei innerhalb des Tumors aufgedeckt und für jeden Tumor ein Muster chromosomaler Überrepräsentationen und Deletionen festgestellt. Dieses kann genutzt werden, um eine gegenüber der konventionellen Morphologie verfeinerten Tumorcharakterisierung durchzuführen.

Bei den 60 Primärtumoren wurden folgende Veränderungen in über 50% der Fälle beobachtet: Deletionen auf den Chromosomen 3p, 4p, 4q, 5q, 6q, 8p, 9p, 9q, 13q, 15q und 18q sowie Überrepräsentationen auf den Chromosomen 1q, 5p, 8q, 11q. 17q. 19q und 20q. Besonders häufig von Veränderungen waren folgende Chromosomenregionen betroffen: Deletionen auf 3p22-p21 (61,7% = 37 von 60 Fällen), 4q26-q28 (63,3%), 6q16 (60,0%), 6q22 (60,0%), 9p13-p21 (63,3%), 13q21 (68,3%) und 13q31 (68,3%) sowie Überrepräsentationen auf 1q22-q23 (73,3%), 8q23-q24.1 (61,7%) und 20q11.2-q13.2 (66,7%).

Beim statistischen Vergleich mittels chi2-Test von 24 nicht-metastasierten Primärtumoren mit der Gruppe von 23 metastasierten Primärtumoren und 10 Metastasen waren folgende Veränderungen statistisch signifikant mit Metastasierung verbunden: Deletionen von 3p22-p25, 4p13-p15.1 und 17p12-p13 sowie Überrepräsentationen von 1q21, 11q12-13, 14q11.1-q13, 15q24 und 20q12-13.1. DNA Gewinne auf Chromosom 1q sind ebenso bei Plattenepithelkarzinomen mit der Metastasierung assoziiert. Die Tatsache, daß die Überrepräsentation von 1q die häufigste Veränderung bei Adenokarzinomen ist, könnte erklären, weshalb Adenokarzinome gegenüber den Plattenepithelkarzinomen ein erhöhtes Metastasierungspotential aufweisen. Statistisch signifikant häufiger mit dem nicht-metastasierten Phänotyp assoziiert waren dagegen folgende Veränderungen: Deletion von 19p13.1-p13.3 und Überrepräsentationen von 3p12-p14 , 4q26-q28 und 5p14. Die Analyse der Primärtumoren und ihrer korrespondierenden Metastasen konnten in jedem Fall einen klonalen Zusammenhang nachweisen.

Zusammenfassend sind Adenokarzinome der Lunge durch wiederkehrende Muster chromosomaler Veränderungen charakterisiert, die eine Korrelation zwischen Tumor-Genotyp und -Phänotyp ermöglichen.


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Thu Sep 14 12:27:57 2000