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6  Zusammenfassung

In der Behandlung der malignen Gliome sind nach wie vor tumorverkleinernde Operation und postoperative Strahlentherapie das Mittel der Wahl. Leider läßt sich der Gewinn an Lebenszeit für die Patienten durch die Behandlung eher in Monaten als in Jahren zählen. Unsere Untersuchung machte die vordringlichste Ursache hierfür deutlich. Alle Patienten, die ein radiologisch verifiziertes Rezidiv erlitten, taten dies im Bereich des Primärtumors. Nur 16 Patienten erlitten zusätzlich ein Rand- oder Fernrezidiv. Dies legt den Schluß nahe, daß die lokale Kontrolle des Tumors bislang das größte Problem in der Therapie maligner Gliome ist. Die Beschränkung des Zielvolumens auf den Tumor sowie eine 2 cm große Sicherheitszone scheint weitgehend gerechtfertigt, da alle Rezidive auch (wenn jedoch nicht ausschließlich) innerhalb dieses bestrahlten Bereiches lagen. Zusätzlich befanden sich noch sämtliche beobachteten Randrezidive zum Entstehungszeitpunkt in diesem Gebiet. Lediglich die Fernrezidive lagen außerhalb.
Eine mögliche Konsequenz hieraus wäre die Erhöhung der Strahlendosis bei der Bestrahlung des Primärtumors. Da aber andere Untersuchungen gezeigt haben, daß Dosen von 80 oder 90 Gy die Nekroserate erhöhen, ohne die Überlebenszeit zu verlängern bzw. diese teilweise sogar verringern, scheinen die therapeutischen Optionen ausgereizt. Es bleibt zu hoffen, daß hier neue Methoden gefunden werden.
Bezüglich der Rezidivausbreitung ist das Überwiegen von zentralen und Randrezidiven deutlich geworden, welche auch primär für die Klinik der Erkrankung verantwortlich sind. Zudem konnten mehrere Hinweise dafür gesammelt werden, daß es sich bei den Fernrezidiven meist um spätere Entwicklungen handelt, die überhaupt erst bei signifikanter lokaler Kontrolle der Primärläsion klinisch bedeutsam werden, also bei dem derzeitigen Stand der Therapieoptionen nicht handlungsleitend sein sollten.
Entscheidend bleibt also die präzise Planung der lokal begrenzten Strahlentherapie, um einen größtmöglichen lebensverlängernden Effekt bei gleichzeitig geringen unerwünschten Wirkungen für die Patienten zu erreichen. Verfahren zur lokalen Wirksamkeitsverstärkung der verfügbaren Optionen sind erforderlich und sinnvoll, wenn sie einerseits den therapeutischen Gewinn erhöhen (also mehr Effektivität als Toxizität beitragen), andererseits über eine ausreichende Reichweite verfügen (mindestens die Läsion plus 2 cm), um den klinisch relevanten Teil der Tumorzellen zu erfassen.


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10.11.2005