Guhr, Susanne : Visuell evozierte Flussgeschwindigkeitsänderungen in der A. cerebri posterior bei Normalprobanden und Patienten mit Leitungsverzögerungen im Sehbahnbereich: eine Untersuchung mit der funktionellen transkraniellen Dopplersonographie

25

Kapitel 3. Ergebnisse

3.1 Kontrollgruppe

3.1.1 Die Amplituden der Flussantworten und der visuell evozierten Potentiale

Die Kontrollgruppe bestand aus Patienten, die in einer VEP-Untersuchung Normwerte hatten und keine sonstigen zerebrovaskulären Veränderungen aufwiesen sowie aus Normalprobanden, die keine VEP-Untersuchung bekommen hatten und bei denen keine neurologischen oder ophthalmologischen Erkrankungen bekannt waren. Wie im Methodenteil beschrieben (Kap. 2.4 und Abb. 4 und 5) bestimmten wir beidseitig das Ausmaß (= die Amplitude) der Flussantworten beim Erreichen des ersten Maximums (vmax1) und des zweiten Maximums (vmax2), welches den Beginn des schnellen Abfalls der Flussgeschwindigkeit darstellt, in Absolut- und in Prozentwerten in Bezug auf die Ruhegeschwindigkeit (vRuhe). Die Ruhegeschwindigkeit wurde automatisch durch die im Gerätesystem integrierte Software ermittelt und als Baseline dargestellt. Wir erhielten insgesamt 33 gemittelte Flussantworten vom P2-Abschnitt der A. cerebri posterior, davon 16 rechts und 17 links. Wir ermittelten 33 Werte für vRuhe und für vmax1 (rechts n= 16, links n = 17). vmax2 stellte sich nicht in allen Flussantworten dar, wir erhielten deshalb insgesamt nur 30 Werte (rechts n = 14, links n = 16). Die Ruhegeschwindigkeit betrug im Mittel 39,3 cm/s ± 8,5, auf der rechten Seite 40,1 cm/s ± 9,7 und auf der linken Seite 38,5 cm/s ± 7,4. Nach Lichtstimulation stieg die Blutflussgeschwindigkeit auf der rechten Seite um durchschnittlich 14, 7 % ± 4,8 an und auf der linken Seite um 16,8 % ± 7,6 (vmax1). Die Mittelwerte für vmax2 in Prozent lagen rechts bei 17 % ± 6,8 und links bei 18,2 % ± 9,3. Für vmax1 und vmax2 ergaben sich zusammengefasst aus beiden Seiten Anstiege von 15,8 % ± 6,3 bzw. 17,7 % ± 8,1.

Aus den VEP-Untersuchungen zogen wir die Werte der Amplituden P100N145 zur Auswertung hinzu. Wir wählten diese Amplitude, da sich im Vergleich zur Amplitude N75P100 der Gipfel N145 in der Regel deutlicher abbildet und sie eindeutiger zu identifizieren ist [ (48) , (63) ]. Die Amplitudenwerte betrugen rechts 5,1 µV ± 1,6 und links 5,2 µV ± 1,3. Sie waren nicht pathologisch verändert, es gab auch keine pathologischen Seitendifferenzen von > 50 %. In Tabelle 1 sind die Werte der Ruhegeschwindigkeiten sowie vmax1 und vmax2 der Flussantworten der


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A.cerebri posterior (P2) zusammen mit den VEP-Amplitudenwerten im Einzelnen dargestellt.

Tab. 1 : Ergebnisseder Kontrollgruppe: es sind die Ruheflussgeschwindigkeiten (cm/s) und die Amplituden der Flußantworten (%) zusammen mit den Werten der Amplitude P100N145 (µV) aufgeführt. xx bedeutet, daß die A. cerebri media abgeleitet wurde.

 

vRuhe (cm/s)

vmax1 (%)

vmax2 (%)

Amplitude P100N145 (µV)

 

Re

Li

Re

Li

Re

Li

Re

Li

1

37,8

47,7

14,9

9,5

17,8

8

 

 

2

49

43,5

10,4

24,4

14,2

28

 

 

3

58,4

49,9

8,6

5

12,8

7,2

6,035

4,79

4

34,9

32

14,9

15,5

19

19,4

4,715

7,05

5

28,9

43,2

8,5

11,4

6,9

7,5

7,6

4,89

6

49,9

51,8

19,8

21,6

 

 

2,89

2,84

7

32,3

31

9

15,5

 

20,6

 

 

8

39,7

33,9

12,6

17,4

9,7

18,1

3,88

4,24

9

37,4

38,2

23,5

23,5

26

25,4

2,94

4,84

10

33,9

37,1

22,2

37,9

29,2

43

5,88

5,13

11

34,8

35,1

15,8

18,4

21,3

24,2

4,765

7,445

12

27,9

26,5

14,2

19

13,9

17,4

6,51

6,095

13

32

35,8

19,4

11,7

17,1

8,8

 

5,15

14

53,8

xx

11,7

xx

9,4

xx

 

 

15

54,1

xx

14,9

xx

26,4

xx

6,685

3,565

16

36,3

xx

14,6

xx

14,6

xx

 

 

17

xx

36,1

xx

17,1

xx

19,4

 

 

18

xx

41,6

xx

9,1

xx

16,2

 

 

19

xx

43,2

xx

18,1

xx

17,1

 

 

20

xx

28,3

xx

11

xx

11

4,085

6,19

Mittelw

40,1

38,5

14,7

16,8

17

18,2

5,1

5,2

SD

9,7

7,4

4,6

7,6

6,8

9,3

1,6

1,3

Mittelw (re +li)

39,3

15,8

17,7

5,1

SD

8,5

6,3

8,1

1,5

Weder in Ruhe noch unter Stimulation gab es signifikante Seitenunterschiede zwischen rechter und linker A. cerebri posterior (p = 0,86 für vRuhe, p = 0,21 für vmax1, p = 0,45 für vmax2). Das bedeutet auch, dass es keine Seite gab, die immer höher Flussantworten in Bezug auf die Gegenseite aufwies. Wir berechneten für vRuhe, vmax1 und vmax2 die absoluten Seitendifferenzen. Für vmax1 ergab sich ein absoluter Seitenunterschied von 5,4 % ± 4,7 im Durchschnitt, wobei es aber große interindividuelle Unterschiede gab. Der absolute Seitenunterschied für die Ruhegeschwindigkeiten betrug im Mittel 4,6 cm/s ± 4,2 und der prozentuale Unterschied 13 % ± 13,1. Da bei den Ruhewerten


27

der Winkel, mit dem das Gefäß beschallt wurde, nicht bekannt ist, dieser aber einen Einfluss auf die Werte hat, sind diese kritisch zu betrachten und sollen keine weitere Rolle spielen. Der absolute Seitenunterschied für vmax2 betrug 6,2 % ± 5 mit ebenfalls recht großen interindividuellen Unterschieden. Die Werte sind in Tabelle 2 im Einzelnen dargestellt.

Tab. 2: Rechts-/Links-Seitendifferenzen für vRuhe, vmax1 und vmax2 in der Kontrollgruppe.

 

Seitendifferenzen

 

vRuhe (cm/s)

(%)

vmax1 (%)

vmax2 (%)

1

9,9

26,2

5,4

9,8

2

5,5

12,6

14

13,8

3

8,5

17

3,6

5,6

4

2,9

9,1

0,6

0,4

5

14,3

49,5

2,9

0,6

6

1,9

3,8

1,8

 

7

1,3

4,2

6,5

 

8

5,8

17,1

4,8

8,4

9

0,8

2,1

0

0,6

10

3,2

9,4

15,7

13,8

11

0,3

0,9

2,6

2,9

12

1,4

5,3

4,8

3,5

13

3,8

11,9

7,7

8,3

Mittelw

4,6

13

5,4

6,2

SD

4,2

13,1

4,7

5

Insgesamt ergab sich eine große Variationsbreite der Flussantworten, wie sie auch bei den Amplituden der visuell evozierten Potentiale zu finden ist. Es zeigten sich aber keine statistisch signifikanten Zusammenhänge, d.h., eine große Amplitude in VEP korrelierte nicht mit einer starken Flussantwort, wie die folgende Grafik am Beispiel der linken Amplituden P100N145 der VEP und der linksseitigen Amplituden der Flussantworten verdeutlicht (r = -0,13, p = 0,71). Auch für die Korrelationsanalyse verwendeten wir die Amplitude P100N145, da sie der stabilere Teil der sekundären Antwortkomponente ist, welche durch höhere kortikale Verarbeitungsstufen hervorgerufen wird. Sie repräsentiert eine verstärkte neuronale Aktivierung und kann damit als verantwortlich für die messbare Durchblutungssteigerung angesehen werden, da diese erst nach Aktivierung einer größeren Anzahl von Neuronen deutlich wird.


28

Abb. 6: Das Scatterdiagramm zeigt das Verhältnis der linken Amplitude der VEP (X-Achse) und der linksseitigen Flußantworten (Y-Achse) der Kontrollgruppe. Die große Streuung der Punkte verdeutlicht, daß keine Korrelation zwischen den beiden Parametern besteht.

Ferner wurde in einigen Fällen einseitig auch die Geschwindigkeit und der Anstieg nach Lichtstimulation an der A. cerebri media ausgemessen (n = 7). Die Ruhegeschwindigkeit betrug 46 cm/s ± 16,1. Da der Antwortverlauf nicht so charakteristisch wie im P2-Segment der A. cerebri posterior war, bestimmten wir das Ausmaß der Flussantwort nur an dem Punkt, an welchem eine Antwortreaktion zu erkennen war. Dabei ergaben sich Flussgeschwindigkeitsänderungen im Mittel von 2,6 % ± 4,8. Die Werte sind in Tabelle 3 dargestellt.


29

Tab. 3: Ruhegeschwindigkeiten (cm/s) und evozierte Anstiege (%) in der A. cerebri media der Kontrollgruppe.

 

vRuhe (cm/s)

vmax (%)

1

68,5

10,4

2

42,1

0,8

3

30,4

5,3

4

32,4

-5,3

5

66,8

3

6

49

3

7

32,9

1,1

Mittelw

46

2,6

SD

16,1

4,8

Die Flussgeschwindigkeitsänderungen in der A. cerebri media waren nicht signifikant (p > 0,05). Im Vergleich dazu war der Anstieg der Flussgeschwindigkeit im P2-Abschnitt der A. cerebri posterior signifikant höher (p = 0,015).

3.1.2 Die Latenzen der Flussantworten und der visuell evozierten Potentiale

Wie im Methodenteil (Kap. 2.4., Abb. 4 und 5) beschrieben, bestimmten wir beidseitig die Latenz bis zum Beginn des Anstiegs der Flussgeschwindigkeit (tLat), die Latenz bis zum Erreichen des ersten Maximums der Flussgeschwindigkeit (tmax1) und die Latenz bis zum Erreichen des zweiten Maximums (tmax2) an den Flussantworten im P2-Segment der A. cerebri posterior. Wir erhielten 33 Werte für tLat und für tmax1 (rechts/ links n = 16/ 17) und nur 30 Werte für tmax2 (rechts/ links n = 14/ 16), da sich dieser Punkt nicht in allen Flussantwortverläufen darstellte. Die Mittelwerte für tLat lagen insgesamt bei 1,43 s ± 0,6. Die Mittelwerte für tmax1 betrugen 5,6 s ± 1,6 und für tmax2 12,86 s ± 0,7.

tmax2 gibt die Zeit von Stimulusbeginn bis zum Beginn des Abfalls der Flussgeschwindigkeit an. Subtrahiert man die 10 Sekunden der Stimulationsphase erhält man die Zeit, nach der die Flussgeschwindigkeit nach Stimulusende wieder abzufallen beginnt. Für die Kontrollgruppe liegt diese demzufolge bei 2,86 s ± 0,7. Tabelle 4 stellt die ausgemessenen Einzelwerte und die Mittelwerte mit den Standardabweichungen dar. Ebenso sind die Latenzen P100 dargestellt, sie sind nicht pathologisch verändert (rechts 99,54 ms ± 2,9, links 97,33 ms ± 2,4).


30

Tab. 4: Latenzwerte der Flussantworten (s) und der P100 (ms) der Kontrollgruppe. xx in den Feldern bedeutet, dass die A. cerebri media abgeleitet wurde.

 

tLat (s)

tmax1 (s)

tmax2 (s)

VEP P100 (ms)

 

Re

Li

Re

Li

Re

Li

Re

Li

1

0,2

1

5,6

4,3

12,4

13,1

 

 

2

2,3

1,6

5

5,3

12,3

12,4

 

 

3

1,2

1,1

4

4,3

14,3

14,6

101

97

4

1,8

1,7

5,2

5,4

12,7

12,7

101

95

5

1,9

1,5

6,5

6

13

13,3

102

98

6

0,8

1,1

11

10,2

 

 

95

94

7

2,1

1,7

8,7

4,7

 

12,7

 

 

8

2,1

2,3

5,3

5,4

13,1

12,7

102

98

9

1,8

1,9

4,7

4,8

12,9

12,9

101

101

10

0,6

0,4

5,2

5

13,5

13,2

99

99

11

1,3

1,4

4,9

4,6

12,1

12,1

96

96

12

1,4

1,3

4,4

4,5

12,3

12,7

95,5

94

13

0,9

1

5,9

6

12,3

12,6

97

96

14

0,2

xx

4,4

xx

12,6

xx

 

 

15

1,8

xx

4,3

xx

12,6

xx

102

100

16

1,5

xx

5,4

xx

13

xx

 

 

17

xx

2,3

xx

6,4

xx

13,6

 

 

18

xx

1,3

xx

4,5

xx

11,9

 

 

19

xx

1,8

xx

5,6

xx

12

 

 

20

xx

2

xx

7,3

xx

14,2

103

100

Mittelw

1,37

1,49

5,66

5,55

12,79

12,92

99,54

97,33

SD

0,7

0,5

1,8

1,5

0,6

0,7

2,9

2,4

Mittel (gesamt)

1,43

5,60

12,86

98,44

SD

0,6

1,6

0,7

2,8

An den Antworten in der A. cerebri media bestimmten wir keine Latenzen.

Es stellten sich unterschiedliche Verläufe der Flussantwortkurven (Kap. 3.4) dar und es zeigte sich, dass der Kurventyp mit „initialem undershoot“ tLat beeinflusste. Denn dabei fiel die Flussgeschwindigkeit zunächst ab und der Beginn des Anstieges der Geschwindigkeit, der gleichzeitig den tiefsten Punkt des Abfalles darstellt, verschob sich. Wir berechneten deshalb die Mittelwerte für tLat zusätzlich getrennt nach Fällen mit und ohne „undershoot“. Bei 19 von 33 (= 57,6 %) Flussantwortkurven zeichnete sich in dieser Gruppe nach Beginn der Lichtstimulation ein derartiger Abfall der Geschwindigkeit ab. Bei diesen betrug der Mittelwert für tLat 1,72 s ± 0,4. In den anderen Fällen mit erwartungsgemäßer sofortiger Geschwindigkeitszunahme (14 von 33 = 42,4 %) ergab sich für tLat ein Mittelwert von 1,0 s ± 0,6. Würde man bei den


31

Verläufen mit „initialem undershoot“ den Beginn des Abfalls der Flussgeschwindigkeit als eigentlichen Beginn der Flussantwort ansehen und nicht den Beginn des Anstieges der Flussgeschwindigkeit, wäre die Latenz geringer. Die Werte lägen in diesen Fällen bei 0,35 s ± 0,1 s (tLat*), wie wir zusätzlich ausmaßen und wie Tabelle 5 verdeutlicht.

Tab. 5: Werte der Latenzen aus der Kontrollgruppe in den Verläufen mit "initialem undershoot" bis zum Beginn des Abfalls der Flussgeschwindigkeit.

 

tLat* (s)

 

Re

Li

1

0,2

0,3

2

0,2

0,2

3

0,5

0,5

4

0,3

0,5

5

0,4

0,2

6

0,4

0,5

7

0,4

0,4

8

xx

0,3

9

0,4

0,4

10

xx

0,3

11

0,3

xx

Mittelw

0,34

0,36

SD

0,1

0,1

Mittelw (ges)

0,35

SD

0,1

Fasst man diesen Wert tLat* mit dem Wert tLat der Verläufe ohne „initiales undershoot“ zusammen, um die Latenz von Stimulusbeginn bis zum Auftreten einer Flussantwort - unabhängig von der Richtung der Reaktion - zu ermitteln, so erhält man als Reaktionszeit 0,64 s ± 0,5. Da wir aber als Antwort der Flussgeschwindigkeit auf die Lichtstimulation eine Zunahme dieser voraussetzten, verwendeten wir die Werte von tLat, also die Zeitspanne bis zum Beginn des Anstieges der Flussgeschwindigkeit, zur weiteren Auswertung.

Auch bei den Werten von tmax1 hatten ein Kurvenverlauf Einfluss. Es gab drei Flussantworten vom Verlaufstyp 4, die einen abweichenden zeitlichen Verlauf aufwiesen. Fallen diese heraus, ergibt sich für tmax1 ein etwas geringerer Gesamtwert von 5,22 s ± 0,8.


32

3.2 Patientengruppe

3.2.1 Die Amplituden der Flussantworten und der visuell evozierten Potentiale

Wir leiteten 29 mal das P2-Segment der A. cerebri posterior ab (rechts/ links n = 15/ 14) und bestimmten ebenso wie in der Kontrollgruppe beidseitig jeweils die Werte für vRuhe, vmax1 und vmax2 (jeweils n = 29, rechts n = 15, links n = 14). Dabei betrugen die durchschnittlichen Ruhewerte insgesamt 33,2 cm/s ± 8,9, auf der rechten Seite 33 cm/s ± 10 und auf der linken Seite 33,6 cm/s ± 8. Der reaktive prozentuale Anstieg nach Lichtstimulation lag rechtsseitig bei 16,3 % ± 9,8, linksseitig bei 15,5 % ± 5,6 und insgesamt bei 15,9 % ± 8. Die Mittelwerte für vmax2 betrugen 18,1% ± 10,3, mit 18,9 % ± 11,1 auf der rechten Seite und 17,2 % ± 9,6 auf der linken Seite. Auch hier waren die Amplituden P100N145 nicht pathologisch verändert (rechts 7,3 µV ± 4,9, links 7,6 ± 4,2), es traten keine Seitendifferenzen > 50 % auf. In Tabelle 6 sind die Einzelwerte zusammen mit den Amplitudenwerten der visuell evozierten Potentiale dargestellt.

Tab. 6:Ergebnisse der Patientengruppe: es sind die Ruheflussgeschwindigkeiten (cm/s) und die Amplituden der Flussantworten (%) zusammen mit den Werten der Amplitude P100N145 (µV) aufgeführt. xx bedeutet, daß die A. cerebri media abgeleitet wurde

 

vRuhe (cm/s)

vmax1 (%)

vmax2 (%)

Amplitude P100N145 (µV)

 

Re

Li

Re

Li

Re

Li

Re

Li

1

34,2

43,5

13

11

10,1

7,8

 

 

2

18,6

31,4

45,3

25,5

47,8

29,9

21,74

18,78

3

30,9

33

15,8

14,9

14,6

15,5

7

6,27

4

29,7

43,9

11,4

11,6

16,8

17,4

3,485

5,465

5

40,7

34,5

7,8

11,3

6,9

11,3

3,775

7,86

6

35,8

47,4

16,5

15,5

15,4

14,2

9,525

8,38

7

34,2

26,5

13,3

13

10,7

9,8

4,525

4,445

8

28,8

34,9

13

19,8

15,5

21,2

4,345

10,26

9

43,8

29,4

15,8

19,7

23,8

29,9

8,07

6,56

10

21,8

18

29,3

25,1

38,9

39,4

5,495

6,405

11

39

30,6

11

17

18,7

11,8

13,25

12,73

12

29,4

40,3

18,1

10,4

20,6

12,7

8,02

5,835

13

22,1

26,6

10,1

6,2

15,8

6,2

2,205

2,785

14

58,4

xx

5

xx

8,3

xx

7,66

 

15

26,8

xx

19,4

xx

19,4

xx

6,01

8,275

16

xx

29,8

xx

16,5

xx

13

4,37

2,29

Mittelw

33

33,6

16,3

15,5

18,9

17,2

7,3

7,6

SD

10

8

9,8

5,6

11,1

9,6

4,9

4,2

Mittelw (re+li)

33,2

15,9

18,1

7,4

SD

8,9

8

10,3

4,5


33

Sowohl bei den Ruhewerten als auch bei den Stimulationswerten gab es keine signifikanten Rechts/Links-Seitenunterschiede (p = 0,38 für vRuhe, p = 0,49 für vmax1, p = 0,29 für vmax2). Wir berechneten hier ebenfalls die absoluten Seitendifferenzen bzw. auch die prozentualen für vRuhe. Diese betrugen bei dem Anstieg vmax1 4,6 % ± 5,2, bei vmax2 5 % ± 5 und bei vRuhe 8,6 cm/s ± 4, bzw. 31,3 % ± 16,2. Auch hier gilt, dass es jeweils recht große interindividuelle Unterschiede gab und dass die Differenzwerte der Ruhegeschwindigkeiten unter dem Gesichtspunkt der Winkelabhängigkeit der Einzelwerte zu betrachten sind. Die Werte der einzelnen Seitendifferenzen sind in nachfolgender Tabelle aufgeführt.

Tab. 7: Rechts-/Links-Seitendifferenzen für vRuhe, vmax1 und vmax2 in der Patientengruppe.

 

Seitendifferenzen

 

vRuhe(cm/s)

(%)

vmax1 (%)

vmax2 (%)

1

9,3

27,2

2

2,3

2

12,8

68,8

19,8

17,99

3

2,1

6,8

0,9

0,9

4

14,2

47,8

0,2

0,6

5

6,2

18

3,5

4,4

6

11,6

32,4

1

1,2

7

7,7

29,1

0,3

0,9

8

6,1

21,2

6,8

5,7

9

14,4

49

3,9

6,1

10

3,8

21,1

4,2

0,5

11

8,4

27,5

6

6,9

12

10,9

37,1

7,7

7,9

13

4,5

20,4

3,9

9,6

Mittelw

8,6

31,3

4,6

5

SD

4,2

16,2

5,2

5

Auch in dieser Gruppe gab es eine große Variationsbreite in den Amplituden der Flussantworten. Hier zeigte sich ebenfalls keine signifikante Korrelation zu den Amplituden der VEP. Die folgende Graphik verdeutlicht dieses am Beispiel der rechtsseitigen Amplituden P100N145 der visuell evozierten Potentiale und der Amplituden der evozierten Flussantworten (r = 0,44, p = 0,11).


34

Abb. 7: Das Scatterdiagramm verdeutlicht am Beispiel der rechten Amplitude der VEP und der rechtsseitigen Amplitude der Flussantwort der Patientengruppe, dass zwischen den beiden Parametern keine Korrelation besteht.

Des weiteren leiteten wir in dieser Gruppe in 3 Fällen die A. cerebri media einseitig ab. Der Anstieg betrug in diesem Gefäß durchschnittlich 4,4 % ± 5,7. Die Werte sind in der Tabelle 8 zusammengestellt.

Tab. 8: Ruhegeschwindigkeiten (cm/s) und evozierte Anstiege (%) in der A. cerebri media der Patientengruppe.

 

vRuhe (cm/s)

vmax (%)

1

55,3

-2,2

2

34,5

7,5

3

36,8

7,8

Mittelw

42,2

4,4

SD

11,4

5,7

Die evozierten Flussantworten in der A. cerebri media fielen damit deutlich kleiner aus als im P2-Abschnitt der A. cerebri posterior. Eine statistische Analyse war wegen der geringen Fallzahlen (n = 3) nicht möglich und somit kann keine Aussage bezüglich der Signifikanz der Unterschiede getroffen werden.


35

3.2.2 Die Latenzen der Flussantworten und der visuell evozierten Potentiale

Die Personen in dieser Gruppe hatten alle eine VEP-Untersuchung bekommen, in der sie ein- bzw. beidseitige Verlängerungen der Latenz der P100 aufwiesen. Auch hier bestimmten wir an den Flussantworten im P2-Segment der A. cerebri posterior die Werte für die Latenzen tLat, tmax1 und tmax2 jeweils 13 mal (rechts/ links n = 15/ 14). Die Mittelwerte betrugen für tLat 0,95 s ± 0,8, für tmax1 5,22 s ± 0,8. und für tmax2 12,62 s ± 1,1. Aus tmax2 ergibt sich demzufolge, dass der Abfall der Flussgeschwindigkeit 2,62 s ± 1,1 nach Stimulusende begann. In Tabelle 9 sind die einzelnen Latenzwerte zusammen mit den Latenzen der P100 der visuell evozierten Potentiale dargestellt. Letztere sind formal auch als Mittelwerte zusammengefasst (rechts 124,44 ms ± 16,7, links 128,81 ms ± 17,4), wobei diese keine weitere Rolle spielen sollen, da in ihnen auf beiden Seiten sowohl verlängerte als auch nicht verlängerte Latenzwerte enthalten sind. Dennoch kann man erkennen, dass sie deutlich pathologisch verändert sind.

Tab. 9: Latenzwerte der Flussantworten (s) und der P100 (ms) der Patientengruppe. xx in den Feldern bedeutet, dass die A. cerebri media abgeleitet wurde.

 

tLat (s)

tmax1 (s)

tmax2 (s)

VEP P100 (ms)

 

Re

Li

Re

Li

Re

Li

Re

Li

1

1,1

0,4

4,8

5

13

13,1

99

149

2

0,2

0,1

5,5

5,5

14,3

14,5

100

115

3

2,1

2,1

5,3

5,5

13,1

13

109

129

4

1,4

1,3

5,9

5,4

13,3

13,5

110

116

5

1,4

1,4

5,2

4,7

12,8

12,7

118

132

6

0,4

0,6

4,3

4,2

11,1

10,8

140

137

7

0,2

1,4

4,4

4,2

12,8

13,2

124

140

8

0,2

1,8

5,6

5,5

10,8

10,6

152

142

9

0,1

0,2

6,6

6,3

12,5

12,4

153

159

10

0,1

0,1

5,2

5,2

12,3

11,5

117

114

11

1,9

2,1

4,9

5,5

10,9

15,7

118

119

12

0,1

1,3

6,4

6,1

12,4

12,1

140

149

13

0,1

0,3

3,7

3,6

13,7

14

138

99

14

2,4

xx

5,9

Xx

13,3

xx

132

138

15

1,9

xx

5,2

Xx

12,8

xx

117

121

16

xx

2

xx

6

xx

12,9

124

102

Mittelw

0,91

1,00

5,26

5,17

12,61

12,64

124,44

128,81

SD

0,9

0,7

0,8

0,8

1

1,2

16,7

17,4

Mittelw (ges)

0,95

5,22

12,62

126,63

SD

0,8

0,8

1,1

16,9


36

Auch hier bestimmten wir keine Latenzen an den Antworten der A. cerebri media.

In dieser Gruppe wiesen 12 von 29 Flussantworten (= 41,4 %) ein „initiales undershoot“ auf. Auch hier berechneten wir tLat zusätzlich gesondert nach diesen Flussantwortverläufen. Der Mittelwert für tLat lag bei den Verläufen mit „undershoot“, bei denen die Flussantwort mit einem Abfall der Flussgeschwindigkeit begann, bei 1,73 s ± 0,5. In den übrigen Fällen ohne „undershoot“, bei denen die Flussantwort gleich mit einem Anstieg der Flussgeschwindigkeit anfing, lag tLat im Mittel bei 0,45 s ± 0,5. Auch hier bestimmten wir zusätzlich die Latenz bis zum Beginn des Abfalls der Flussgeschwindigkeit. Dabei ermittelten wir einen Werte tLat* von 0,33 s ± 0,1. Dieses ist in Tabelle 10 dargestellt.

Tab. 10: Werte der Latenzen aus der Patientengruppe in den Verläufen mit "initialem" undershoot bis zum Beginn des Abfalls der Flussgeschwindigkeit.

 

tLat* (s)

 

Re

Li

1

0,3

0,2

2

xx

0,5

3

0,3

0,2

4

0,3

0,3

5

0,3

0,4

6

0,5

xx

7

0,3

0,3

Mittelw

0,33

0,32

SD

0,1

0,1

Mittelw (ges)

0,33

SD

0,1

Werden tLat* aus den Flussantworten mit „initialem undershoot“ und tLat aus den Verläufen ohne das „undershoot“ zu Beginn zusammengefasst, so ergibt sich eine Reaktionszeit von 0,42 s ± 0,4, die die Zeitspanne von Stimulusbeginn bis zum Auftreten einer Antwort der Flussgeschwindigkeit - unabhängig dabei wieder von der Richtung dieser Reaktion - repräsentiert.


37

3.3 Statistische Zusammenhänge zwischen Kontroll- und Patientengruppe

3.3.1 Die Amplituden der Flussantworten und der visuell evozierten Potentiale

Zwischen der Kontrollgruppe und der Patientengruppe gab es keine signifikanten Unterschiede in den Ruheflussgeschwindigkeiten (p > 0,05). Bei den Werten der Amplituden der Flussantworten gab es nach der Varianzanalyse ebenfalls keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen (p > 0,05).

Die Amplituden der visuell evozierten Potentiale waren sowohl in der Kontrollgruppe als auch in der Patientengruppe als nicht pathologisch verändert bewertet worden.

3.3.2 Die Latenzen der Flussantworten und der visuell evozierten Potentiale

Grundlage für die Aufteilung in die beiden Gruppen waren die Werte der Latenzen P100 der visuell evozierten Potentiale. Diese gelten nach unseren Ableitbedingungen ab 112 ms als pathologisch verlängert. In der Patientengruppe hatten alle Probanden eine pathologische ein- bzw. beidseitige Verlängerung > 112ms.

Bei den Latenzen der Flussantworten fanden sich sowohl bei den Werten für tLat, als auch bei den Werten für tmax1 und tmax2 keine signifikanten Unterschiede zwischen den Probanden der Kontrollgruppe ohne Latenzverlängerung in den visuell evozierten Potentialen und den Patienten mit Verlängerung (für tLat p = 0,6, für tmax1 p = 0,89, für tmax2 p = 0,32). Im Fall von tLat gilt dieses, wenn alle Werte, unabhängig, ob es sich um einen Verlaufstyp mit oder ohne „initialem undershoot“ handelt, verarbeitet werden. Werden jedoch nur die Latenzen der Verläufe mit „regulärem“ Anstieg der Flussgeschwindigkeit ohne das „initiale undershoot“ betrachtet, zeigt sich zwischen Kontroll- und Patientengruppe ein signifikanter Unterschied (p = 0,03), wobei die Werte der Patientengruppe kleiner als die der Kontrollgruppe ausfallen. Die Zusammenhänge sind in den folgenden Abbildungen 8 - 11 verdeutlicht.


38

Abb. 8: Boxplotdiagramm für tLat. Die linken Balken repräsentierten die Patientengruppe, die rechten die Kontrollgruppe. Es sind alle Werte unabhängig vom Kurventyp verarbeitet. Da in der Kontrollgruppe mehr Fälle mit „initialem undershoot“ waren, ergibt sich ein höherer Mittelwert für tLat als in der Patientengruppe.

Abb. 9: Boxplotdiagramm für die Werte von tLat ohne die Verläufe, welche ein "initiales undershoot" aufwiesen.


39

Abb. 10: Boxplotdiagramm für tmax1. Die linken Balken stehen wieder für die Patientengruppe, die rechten für die Kontrollgruppe. Die Sternchen bzw. kleinen Quadrate stehen für Ausreißerwerte.

Abb. 11: Boxplotdiagramm für die Werte von tmax2 (inklusive Ausreißerwerte). Links sind wieder die Patientendaten dargestellt, rechts die Daten der Kontrollgruppe.


40

3.4 Verläufe der Flussantwortkurven

Insgesamt erhielten wir 62 gemittelte Flussantworten aus dem P2-Abschnitt der A. cerebri posterior. Die Profile der evozierten Flussantwortkurven waren nicht einheitlich, sondern es stellten sich unterschiedliche Verläufe dar. Jedoch kann man für alle Verläufe (bis auf Typ 4, siehe unten) einen im wesentlichen konstanten zeitlichen Ablauf festhalten: nach Stimulusbeginn stieg die Flussgeschwindigkeit nach einer Latenz schnell auf einen Maximalwert an. Nach Stimulationsende kam es nicht sofort, sondern erst nach einer Latenz zu einem schnellen Rückgang der Flussgeschwindigkeit.
Die Höhe der Amplituden der Flussantworten variierte dagegen stärker. Bezüglich der Höhe von vmax1 und vmax2 unterschieden wir die Flussantworten in vier Verlaufstypen.

Am häufigsten (54,8 %, n = 34) trat der Verlaufstyp 1 auf (Abb. 12). Für ihn war charakteristisch, dass vmax1 < vmax2 war, d.h., die Blutflussgeschwindigkeit stieg nach Stimulusende nochmals auf Werte, die im Durchschnitt 4,9 % ± 3,1 über denen von vmax1 lagen, an (sogenanntes „off-Phänomen“).

Abb. 12: Diese Abbildung zeigt den häufigsten Verlaufstyp 1 einer Flussantwortkurve mit dem sogenannten “off-Phänomen" nach Beendigung des Lichtstimulus nach 10 s (Y-Achse). Die Flussantwort ist in Prozent dargestellt (X-Achse).

In 18 Fällen (= 29 %) trat eine Flussantwort vom Verlaufstyp 2 auf, bei der vmax1 > vmax2 war (Abb. 13). Das bedeutet, dass nach dem Erreichen des initialen Maximums (vmax1) die Flussgeschwindigkeit um durchschnittlich 2,4 % ± 1,2 bis auf vmax2 abfiel.


41

Abb. 13: Hier ist der Typ 2 einer evozierten Flussantwortkurve (in Prozentangabe) dargestellt.

In 11,3 % der Fälle (n = 7) stellte sich der Verlaufstyp 3 einer evozierten Flussantwort dar (Abb. 14). Bei diesem war vmax1 = vmax2.

Abb. 14: Beispiel einer evozierten Flussantwort vom Typ 3. Zur Verdeutlichung, dass vmax1 = vmax2 sind die auch Messwerte dargestellt. Vmax1und vmax2 betragen beide 20% (Werte rechts neben dem Fadenkreuz) und sind nach einer Zeit von 5,4 s bzw. 12,8 s (Werte über dem Fadenkreuz) erreicht worden.

In 3 Fällen (4,8 %) erhielten wir eine Flussantwort vom Verlaufstyp 4, die sich auch im zeitlichen Verlauf etwas von den anderen Flussantworten unterschied. Der Geschwindigkeitsanstieg zu Beginn erfolgte etwas langsamer bis nach einer Latenz von 8-10 s das Maximum vmax1 erreicht war. Die Flussgeschwindigkeit stabilisierte sich nur kurz und fiel nach Abschalten des Lichtreizes langsam wieder ab. Ein zweiter Punkt, im Sinne eines vmax2 wurde dabei nicht deutlich (Abb. 15).


42

Abb. 15: Typ 4 einer Flussantwortkurve, Angabe des Ausmaßes der Geschwindigkeitsänderung in Prozent (Y-Achse). Nähere Erläuterungen siehe Text.

Bis auf den Verlaufstyp 4, waren alle Formen der Flussantwortkurven sowohl in der Probanden- als auch in der Patientengruppe zu finden. Bis auf einige Ausnahmen (Kontrollgruppe n = 3, Patientengruppe n = 4) traten an ein und derselben Person rechts und links der gleiche Antwortverlauf in der A. cerebri posterior auf. In Tabelle 11 ist aufgeführt, wie viel Antwortkurven insgesamt vorkamen und wie deren Verteilung insgesamt und bezogen auf die Kontroll- und Patientengruppe ist.

Tab. 11: Zusammenstellung der absoluten und prozentualen Verteilung der Verlaufstypen der Flussantwortkurven insgesamt und bezogen auf die Kontroll- und Patientengruppe.

Flussantwortkurven

Anzahl insgesamt

Anzahl in Kontrollgruppe

Anzahl in Patientengruppe

Typ 1

34 (54,8 %)

18 (54,5 %)

16 (55,2 %)

Typ 2

18 (29 %)

8 (24,2 %)

10 (34,5 %)

Typ 3

7 (11,3 %)

4 (12,1 %)

3 (10,3 %)

Typ 4

3 (4,8 %)

3 (9,1 %)

0

Flussantworten der A. cerebri posterior

62 (100 %)

33 (100 %)

29 (100 %)

Des weiteren fanden wir andere Charakteristika in den Verläufen, welche überschneidend in allen der vier beschriebenen Antwortverläufen und in beiden Gruppen auftraten. In den meisten Flussantworten (71 %, n = 44) gab es einen überschießenden Anstieg der Flussgeschwindigkeit („overshoot“), d.h., nach Erreichen


43

des initialen Maximums gab es einen leichten, aber raschen Abfall der Geschwindigkeit (Abb. 16). Danach blieb das Niveau der Geschwindigkeit konstant (bzw. fiel langsam ab = Verlaufstyp 2). Diese „overshoot“ war aber meistens nur sehr gering ausgeprägt.

Abb. 16: Flussantwortkurve (Typ 3, vmax1 = vmax2) mit einem "overshoot" als maximale Flussantwort zu Beginn. Meistens trat es jedoch nicht so deutlich ausgeprägt wie in dieser Darstellung auf.

In 48,4 % (n = 30) fiel die Flussgeschwindigkeit nach Ende der Lichtstimulation auf Werte unter den Ausgangswert im Sinne eines „späten undershoot“-Phänomens ab und stieg dann wieder auf den Ruhewert (Abb. 17).

Abb. 17: Typ 1 einer evozierten Flussantwortkurve mit einem „späten undershoot“. Als Messpunkte sind vmax2 und der tiefste Punkt des "undershoot" gewählt. Die Werte über dem Fadenkeuz entsprechen wieder den Werten an diesem Punkt (in s), die Werte rechts daneben stellen die Abweichung in Prozent vom Ruhewert dar.

In 31 Fällen (50 %) begann die Flussantwort nicht mit einem Anstieg, sondern mit einem Abfall der Flussgeschwindigkeit unter die Werte der Ruhegeschwindigkeit (Abb. 18). Dieses bezeichneten wir als „initiales undershoot“. Es war in der Kontrollgruppe etwas häufiger zu finden (57,6 % gegenüber 41,4 % in der Patientengruppe).


44

Abb. 18: Darstellung einer Flussantwortkurve vom Typ 1 mit "initialem undershoot“. Nach 1,3 s (Wert über dem Fadenkreuz) ist die Flussgeschwindigkeit um 3,7% unter den Ruhewert (= 100 %) abgefallen. Der hier gekennzeichnete Messpunkt stellt den tiefsten Punkt des Abfalls dar und gleichzeitig den Beginn des Anstieges der Flussgeschwindigkeit.

Diese Merkmale traten sowohl einzeln als auch zusammen in den verschiedenen Kurvenverläufen auf und waren unterschiedlich deutlich ausgeprägt. So konnte z.B. in einer Flussantwortkurve sowohl ein „initiales“ wie auch ein „spätes undershoot“ vorkommen. Wenn ein solches Merkmal auftrat, war es beidseitig anzutreffen, wobei die Ausprägung jedoch unterschiedlich stark sein konnte. Prinzipiell kann auch das „off-Phänomen“, welches einen nochmaligen Anstieg der Flussgeschwindigkeit nach Stimulusende beschreibt, zu den Charakteristika gezählt werden, da es nicht nur im Verlaufstyp 1, sondern in einigen Fällen ebenfalls in den Verlaufstypen 2 und 3 (Abb. 14) anzutreffen war. Es war in diesen Fällen jedoch nicht so stark ausgeprägt, dass es über die Werte von vmax1 stieg und somit unsere Einteilung nach dem Verhältnis von vmax1 und vmax2 zueinander nicht beeinflusste. Deshalb behandelten wir diese Einzelverläufe nicht gesondert. Abschließend sind in Tabelle 12 die zuletzt beschriebenen Phänomene nach ihrer Häufigkeit insgesamt und in den Gruppen zusammengefasst aufgelistet.


45

Tab. 12: Zusammenfassung der Merkmale, die in allen Kurvenverläufen der Flussantworten auftraten und ihre Häufigkeit (in Absolut- und Prozentangaben) insgesamt und in den beiden Gruppen.

Merkmal

gesamt

Kontrollgruppe

Patientengruppe

„overshoot“

44 (71 %)

19 (57,6 %)

25 (86,2 %)

„off-Phänomen“

38 (61,3 5)

20 (60,6 %)

18 (62,1 %)

„initiales undershoot“

31 (50 %)

19 (57,6 %)

12 (41,4 %)

„spätes undershoot“

30 (48,8 %)

17 (51,5 %)

13 (44,8 %)

Flussantworten der A. cerebri posterior

62 (100 %)

33 (100 %)

29 (100 %)

Anhand dieser Zahlen wird nochmals deutlich, dass die Flussantwortverläufe insgesamt sehr unterschiedlich ausfallen. Es kann somit festgehalten werden, dass die Antwortreaktion auf einen visuellen Reiz nicht einheitlich abläuft, sondern einem ganz individuellem Reaktionsmuster folgt, was eine klare Einteilung schwierig gestaltet.


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