Aus der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
–Klinische Navigation und Robotik
der Medizinischen Fakultät der Charité – Universitätsmedizin Berlin

DISSERTATION

Retrospektive Untersuchung zu implantatverankerten Ohrepithesen

Zur Erlangung des akademischen Grades
Doctor medicinae dentariae (Dr. med. dent.)

vorgelegt der Medizinischen Fakultät der Charité –
Universitätsmedizin Berlin

Von
Gao Guo
aus Jiangxi V. R. China

Dekan: Prof. Dr. med. Martin Paul

Gutachter:
1. Prof. Dr. Dr. K. D. Wolff
2. Prof. Dr. Dr. M. Klein
3. Prof. Dr. Dr. M. Farmand

eingereicht am: 29. 11. 04

Datum der Promotion: 02. 05. 05

(Tag der mündlichen Prüfung)


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Zusammenfassung

Die Rekonstruktion eines Ohrmuscheldefekts bei Totalverlust ist immer eine große Herrausforderung für chirurgisch-rekonstruktive Maßnahmen, so dass die epithetische Rekonstruktion hier eine Alternative darstellt. Die Verankerung der Ohrepithesen war jedoch immer ein großes Problem. Mit der implantatverankerten Ohrepithese können nicht nur ein sicherer Halt, sondern auch ausgezeichnete ästhetische Ergebnisse erzielt werden. Das Ziel dieser Arbeit war es, das klinische Resultat der implantatverankerten Ohrepithese retrospektiv zu untersuchen und auszuwerten.

Es wurden die Daten von 46 Patienten erhoben, die von 1992 bis 2003 mit implantatverankerten Ohrepithesen versorgt wurden. Bei 20 Patienten mit 53 Implantaten wurde eine spezielle Nachuntersuchung zur Beurteilung der periimplantären Weichgewebssituation durchgeführt. Zwei objektive klinische Parameter, die Sondierungstiefe und die Sulcus Fluid Flow Rate (SFFR), wurden hierfür angewendet. Die subjektive Beurteilung der Hautreaktionen war durch das Graduierungsystem von Holgers klassifiziert. 24 Patienten wurden mit Hilfe eines einheitlichen Fragebogens über die Zufriedenheit und auf mögliche Beschwerden befragt.

Die kongenitalen Ohrmissbildungen (62,5%) waren die häufigsten Indikationen bei dieser Behandlung. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von wenigen Monaten bis zu zehn Jahren. Insgesamt wurden 156 Implantate und eine Trägerplatte (Epitec-System®) bei den 46 Patienten inseriert, darunter waren 23 Implantate aus dem EO-System®, sowie 133 aus dem Brånemark-System®. Intraoperative Komplikationen traten bei der Implantatinsertion nicht auf. Die Implantationserfolgsrate liegt bei 100%. Bei 34 Patienten (74%) wurden insgesamt 42-mal Hautreaktionen (Entzündungen, Blutungen, Schwellungen) während der Nachkontrolle registriert, deren Häufigkeit mit der Zeit abgenommen hat. Die durchschnittliche Tragezeit der Ohrepithesen betrug 2,7 Jahre.

Periimplantäre Hauttaschen sind in unserer Studie bei allen untersuchten Implantaten beobachtet worden; gleichwohl spricht dieses Ergebnis für die Notwendigkeit stärkerer periimplantärer Hautausdünnung. In der speziellen Nachuntersuchung lag der mittlere Wert der Sondierungstiefe und der SFFR bei 2,1 mm bzw. 1,8 mm. Zwischen SFFR und Sondierungstiefe wurde eine starke Korrelation festgestellt: Je tiefer die Sondierungstiefe desto höher waren die Werte der SFFR. Die SFFR besitzt eine hohe Wertigkeit bei der Untersuchung der periimplantären Weichgewebe. [Seite 4↓]Bei 22 Implantaten (41,5%) ergaben sich keine Hautreaktionen (Grad 0). Hautreaktionen mit leichter Rötung oder Sekretion (Grad 1 und 2) wurden bei 27 Implantaten (51%) gefunden. Die Entzündungen (Grad 3) wurden nur an vier Implantaten (7,5%) beobachtet.

91,7% der befragten Patienten waren mit ihrer Ohrepithese „äußerst zufrieden“, „sehr zufrieden“ oder „gut“. Anhand dieses Ergebnisses lässt sich feststellen, dass bei schwerer Ohrmissbildung oder komplettem Ohrverlust mit der implantatverankerten Ohrepithese heute ausgezeichnete ästhetische und stabile Langzeitergebnisse erzielt werden können.

Eigene Schlagworte: Ohrepithese, Osseointegration, Extraoral Implantat, Periimplantitis


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Abstract:

Major ear defects always present challenges for reconstructive surgery. In this situation, prosthetic rehabilitation appears to be a viable alternative therapy. However, the retention of an auricular prosthesis is often problematic. Implant-retained auricular prosthesis have demonstrated not only much better stability, but also significant aestheitic attraction. The purpose of this study is to retrospectively examine and evaluate the clinical results of the implant-retained auricular prosthesis.

The data of 46 patients who were treated between 1992 and 2003 with implant-retained auricular prosthesis were collected. 20 patients with 53 implants were re-examined to evaluate the periimplant soft tissue situation. Two objective clinical parameters were applied, periimplant sulcus probing depth and sulcus-fluid-flow-rate (SFFR). The subjective evalution of skin reactions around the abutments was classified as reported by Holgers. Satisfaction and eventual complications were evaluated in 24 patients by using standardized questionnaires.

Congenital malformation (62.5%) was the most common indications for auricular prostheses. The follow-up time varied from several months to 10 years. A total of 156 implants and a plate (Epitec-System®) were placed in 46 patients, 23 of which were EO-System®, and 133 were Brånemark-System®. No intraoperative complications were reported during the insertion of implants. The implant survival rate was 100%. 42 times of skin reactions (inflammation, bleeding, swelling) were registered in 34 patients during the follow-up (74%). The average wearing time of the prosthesis was 2.7 year.

Skin pockets were found in all of the 53 re-examined implants, which indicates a necessary of stronger skin reduction. The middle value of sulcus probing depth and SFFR was respectively 2.1 mm and 1.8 mm. A strong correlation was found between the two parameters, which means that a deep sulcus always presents a high value of SFFR. Thus, SFFR can be a strong valuable parameter in the evaluation of periimplant soft tissue.

There were no adverse skin reactions (Grad 0) 22 implants (41.5%), skin reactions with slight red or secretion(Grad 1 and Grad 2) were found in 27 implants (51%). Severe inflammation (Grad 3) was observed in only 4 implants (7.5%).


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91,7% of questioned patients were significantly satisfied, very satisfied of good with their prostheses. From these results, it can be concluded that the implant-retained auricular prostheses offer a good aesthetic and secure long-term perspective for patients with severe defects or total loss of the ears.

Keywords: auricular prostheses, osseointegration, extraoral implant, periimplantitis


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Inhaltsverzeichnis

Tabellen

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30.05.2005