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3  Krankengut und Methodik

3.1 Patientenkollektiv

Zwischen 1992 und 2003 sind 46 Patienten mit Ohrmuscheldefekten in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie - Klinische Navigation und Robotik der Charité, Campus Virchow Klinkum in Berlin mit implantatverankerten Ohrepithesen behandelt worden. Die Daten der Patienten wurden der stationären Krankengeschichte und ambulanten Krankenakte entnommen. Die folgenden dokumentierten Daten wurden ausführlich retrospektiv registriert und analysiert:

  1. Patienten: Alter, Geschlecht, Indikation, Bestrahlung in der Anamnese, Grunderkrankung
  2. Chirurgische Verfahren: Vorgehensweise, intra- und postoperative Komplikationen
  3. Implantate: Typen, Zahlen, Verlustrate
  4. Suprakonstruktion: Typen
  5. Ohrepithese: Material, Häufigkeit der Neugestaltung
  6. Periimplantäre Situation: Periimplantitis und ihre eventuelle Behandlung (lokal oder systemisch, sekundäre Hautausdünnungen)

3.2 Nachuntersuchung

Die folgenden Parameter wurden an den Implantaten während einer Nachuntersuchung erhoben.

3.2.1 Periimplantäre Sondierungstiefe

Um die periimplantären „Taschentiefen“ zu bestimmen, wurde die Sondierungstiefe mittels WHO Parodontalsonde bei allen Implantaten unter Projektion des periimplantären Ziffernblatts einer Uhr bei 12, 3, 6 und 9 Uhr gemessen (Abb. 9). Zur Auswertung wurde aus den vier gemessenen Werten für jedes Implantat ein Mittelwert gebildet.


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Abb. 9: Messung der periimplantären Sulkustiefe mittels Parodontalsonde

3.2.2 Sulcus Fluid Flow Rate (SFFR)

Die Sulcus Fluid Flow Rate (SFFR) ist definiert als die Menge von Sulkusfluid, die innerhalb einer bestimmten Zeit mittels standardisierter Papierspitzen gesammelt werden kann. Sie wurde für die intraorale Anwendung entwickelt (61), läßt sich aber auch bei Hautdurchleitungen anwenden (62). Von einer gesunden periimplantären Tasche ist keine oder nur wenig Sulkusflüssigkeit gewinnbar; mit steigendem Entzündungsgrad tritt die Sulkusflüssigkeit vermehrt auf (62). Deshalb dient die Messung der SFFR der Erfassung des Entzündungsgrades. Das Vorgehen in dieser Studie war folgendes:

Ohne vorherige Manipulation oder Säuberung der perimplantären Region wurde eine stark absorbierende Papierspitze (Firma Oribis Dental, ISO-Größe 60) mit einer Pinzette jeweils in den zuvor gemessenen tiefsten periimplantären Sulkus plaziert und für zwei Minuten dort belassen (Abb. 10). Anschließend wurden die Papierspitzen mit einprozentiger Ninhydrin-Lösung (in 70% Ethanol) angefärbt. Die Strecke des violett angefärbten Sekretes wurde nach drei bis vier Minuten sichtbar und konnte mittels Lineal und Fadenlupe gemessen werden.


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Abb. 10: In den Sulkus eingesteckte Papierspitzen zur SFFR-Messung

3.2.3 Periimplantäre Hautreaktion

Das periimplantäre Weichgewebelager wurde auf seinen Entzündungszustand hin für jedes einzelne Implantat nach dem Graduierungssystem von Holgers (63) beurteilt. Das Graduierungssystem nach Holgers bietet eine günstige subjektive Auswertung für die periimplantäre Hautreaktion und die Möglichkeit, die Daten von verschiedenen Studien zu vergleichen (Tabelle 1).

Tabelle 1: Klassifizierung der Hautreaktionen nach Holgers

Grad

Bezeichnung

0

Unauffällig

1

Leichte Rötung

2

Rötung mit feuchter Sekretion

3

Entzündung mit tiefen Taschen

4

Infektion


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3.2.4 Subjektive Beurteilung

Neben der klinischen Untersuchung wurden 42 Patienten mit Hilfe eines einheitlichen Fragebogens postalisch zur subjektiven Bewertung der epithetischen Lösung ihres Ohrmuscheldefektes befragt. Die Bewertung der Zufriedenheit erfolgte durch die numerische Skala des deutschen Schulnotensystems (6 unzufrieden, 1 äußerst zufrieden); die Schulnoten von 1 bis 3 wurden als Zufriedenheit der Patienten definiert. Die Patienten wurden auch bezüglich der persönlichen Hygiene, hinsichtlich der Nachkontrollen und möglicher Beschwerden befragt (Fragenbogen, Anhang 10).

3.3 Statistik

Die mathematisch-statistische Auswertung wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für medizinische Biometrie der Charité durchgeführt.

Die statistische Auswertung erfolgte mit dem Tabellenkalkulationsprogramm Excel von Microsoft und dem Statistikprogramm SPSS für Windows (Version 10. 0). Für alle quantitativen Messgrößen werden die statistischen Kennwerte Mittelwert, Minimum und Maximum angegeben. Neben der deskriptiven Darstellung der Ergebnisse wurden die klinischen Befunde auf mögliche Unterschiede hin untersucht. Unterschiede wurden mit dem U-Test nach Mann und Whitney (für zwei unabhängige Stichproben) statistisch analysiert (nichtparametrische Tests).

Ein Vergleich mehrerer Gruppen erfolgte durch den Kurskal-Wallis-Test. Die subjektive Beurteilung der Hautreaktion wurde mit den objektiven Parametern (Taschentiefe, SFFR) anhand einer Korrelationsanalyse (Spearman) verglichen. Um die Unabhängigkeit der Implantate zu gewährleisten, wurde zur Berechnung einzelner Fragestellungen (Korrelation subjektiver Zufriedenheit mit klinisch erhobenen Parametern) von jedem Patienten nur das Implantat mit der größten sondierbaren Tasche ausgewertet. Ein P-Wert unter 0,05 wurde als statistisch signifikant angesehen.


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30.05.2005