Thesen

Die Länge des Zeitintervalls zwischen der Kalbung und der Zustellung des Zuchtbullen sowie der Belegungs- und Kalbezeitraum beeinflussen maßgeblich den Reproduktionsprozess der Mutterkühe.

Um die Einflüsse der Länge des Intervalls zwischen der Kalbung und der Zustellung des Zuchtbullen und unterschiedlicher Kalbe- und Belegungszeiträume auf die Reproduktions­leistungen der Mutterkühe zu ermitteln, wurden in den eigenen Untersuchungen die Kalbe- und Belegungsdaten der Mutterkühe unter Einbeziehung der Grundfutterqualität und der Körperkondition der Kühe im belegungsnahen Zeitraum analysiert.

Bei der Aufzucht von Mutterkuhkälbern besteht zur besseren Nutzung des physiologischen Entwicklungspotentials und zur Vermeidung von unerwünschten depressiven Wachstumsphasen die Möglichkeit, den Kälbern Kraftfutter zuzufüttern.

Um zu untersuchen, wie die Konzentratzufütterung an Mutterkuhkälber aus der Winterkalbung während der Stallhaltung die Kälberentwicklung im Winter und während der nachfolgenden Weidehaltung beeinflusst, wurden in den eigenen Untersuchungen die Daten der Kraftfutteraufnahme und der Körpermasseentwicklung dieser Kälber tierindividuell ermittelt und mit den Daten der Körpermasseentwicklung von nicht zugefütterten Kälbern verglichen.

Zur Gewinnung von auf das einzelne Tier bezogenen Erkenntnissen über die Kraftfutteraufnahme von älteren Mutterkuhkälbern, dessen Einfluss auf die Körpermasseentwicklung der Tiere und die Effektivität der Kraftfutterverwertung wurden Kälber aus der Sommerkalbung nach Weideabtrieb während der nachfolgenden Stallhaltung mit unterschiedlichen Kraftfuttermengen zugefüttert und die Daten der Kraftfutteraufnahme und der Lebendmasseentwicklung tierindividuell erfasst und analysiert.

Aus den Ergebnissen lassen sich folgende Thesen ableiten:

1.

Der Belegung von Mutterkühen mittels Deckbullen sollte zwischen dem 40. und 50. Tag nach der Kalbung beginnen.

Dieser Zeitpunkt lässt eine gedrängte Abkalbung, eine im Jahresverlauf konstante Kalbeperiode und durchschnittlich eine Kalbung pro Kuh und Jahr erwarten.

2.

Unmittelbar vor Ende des Winters sowie während und kurz nach dem Weideaustrieb sollten keine Mutterkühe belegt werden.

Auf Grund der von der geringen Grundfutterqualität im Winter verursachten, niedrigen Körperkondition der Mutterkühe konzipieren in dieser für die Belegung ungünstigen Zeit nur wenige Tiere. Damit wird die Kalbeperiode verlängert.

3.

Die Wahl der geeigneten Kalbezeit sollte durch die zwischen den einzelnen Belegungszeiten vorhandenen Unterschiede der Trächtigkeitsraten nicht entscheidend beeinflusst werden.

Innerhalb für die Belegung ungünstiger Zeiten entstandene Defizite der Trächtigkeitsrate können innerhalb kurzer Zeit kompensiert und durch entsprechende Maßnahmen der Betriebsführung minimiert werden.

4.

Vor dem 40. Lebenstag nehmen nur sehr wenige Mutterkuhkälber aus der Winterkalbung Kraftfutter auf. Deshalb ist ein Kraftfutterangebot vor diesem Termin nicht zu empfehlen.

Auf Grund rassespezifischer Unterschiede der Milchleistung der Mutterkühe sind genotypbedingte Abweichungen möglich.

5.

Ab ca. 70 Tagen Lebensalter bringt die Zufütterung von Konzentraten an Mutterkuhkälber aus der Winterkalbung bis zum Weideaustrieb Vorteile bei der Körpermasseentwicklung gegenüber Kälbern ohne Konzentratzufütterung.

Auf Grund ihres steigenden Nährstoffbedarfs und der durch die geringe Winterfutterqualität eingeschränkten Milchleistung ihrer Mütter benötigen diese Kälber Kraftfutter für eine kontinuierliche, ihrem Alter entsprechende Körpermasseentwicklung.

6.

Mutterkuhkälber aus der Winterkalbung, die während der Stallhaltung mit Kraftfutter zugefüttert wurden, haben nach dem Weideaustrieb bei gleichzeitigem Abbruch der Konzentratfütterung erhebliche Umstellungsprobleme, die sich in starken Depressionen der Körpermasseentwicklung äußern.

7.

Sowohl mit als auch ohne Konzentratzufütterung während der Stallhaltungsperiode haben Mutterkuhkälber aus der Winterkalbung Entwicklungsphasen mit unerwünschten Wachstumsdepressionen.

Die Kälber ohne Kraftfutter zeigen Defizite in den letzten Wochen vor Weideaustrieb und die Kälber mit Kraftfutteraufnahme in der Umstellungszeit von Stall- auf Weidehaltung bei gleichzeitiger Beendigung der Konzentratfütterung.

8.

Die in der Stallhaltungsphase erreichte höhere Körpermasse der Kälber mit Konzentratzufütterung wird durch nicht zugefütterte Kälber nach Einstellung der Konzentratfütterung während der nachfolgenden Weideperiode mittels kompensatorischem Wachstum annähernd ausgeglichen.

9.

Die Konzentratzufütterung an Kälber aus der Winterkalbung während der Stallhaltungsperiode beeinflusst, wenn die Konzentratfütterung während der Weidehaltung nicht fortgesetzt wird, das wirtschaftliche Ergebnis des Produktionsverfahrens Mutterkuhhaltung negativ.

10.

Der Beginn der Kraftfutteraufnahme, die täglichen Verzehrsmengen und die gesamt aufgenommene Menge sind zwischen älteren Mutterkuhkälbern stark differenziert.

Ursachen sind die durch die unterschiedlichen Milchmengen der Mutterkühe differierende Futterversorgung der Kälber sowie individuelle Vorlieben der Tiere.

11.

Die Kraftfutteraufnahme älterer Mutterkuhkälber sollte limitiert werden.

Kälber mit hoher Kraftfutteraufnahme betreiben Luxuskonsum und nehmen weniger Grundfutter auf.

12.

Mittels Konzentratzufütterung an ältere Mutterkuhkälber können Defizite der Körpermasseentwicklung durch kompensatorisches Wachstum ausgeglichen und damit bei den über die Mütter schlechter versorgten Kälbern Qualitätsverbesserungen erreicht werden.

13.

Entscheidend für die Effektivität der Zufütterung von älteren Mutterkuhkälbern ist die Höhe der Kraftfutteraufnahme.

Einerseits sinken die Kosten der Futterbereitstellung mit steigendem Verbrauch und andererseits nimmt mit erhöhter Verzehrsmenge der Kraftfutteraufwand je kg Körpermassezuwachs zu. Da die Quantität der Kraftfutteraufnahme durch die Kälber von der Milchleistung der Kühe und dem Grundfutterangebot abhängt, ist sie zwischen den Betrieben verschieden.


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25.04.2005