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6  Schlussfolgerungen

Die Belegung von Mutterkuhherden verläuft nach dem Erreichen einer ca. 80-prozentigen Trächtigkeitsrate stark verlangsamt. Deshalb ist die in der Literatur diskutierte bis zu
90-prozentige Trächtigkeitsrate innerhalb der überwiegend geforderten acht- bis zehnwöchigen Belegungsperiode nur erreichbar, wenn sehr günstige Bedingungen für die Belegung gegeben sind. Vor allem die Haltungsbedingungen, die Nährstoffversorgung und Körperkondition, die Organisation des Zuchtbulleneinsatzes sowie die Einhaltung einer Rastzeit zwischen der Kalbung und der Zustellung des Zuchtbullen, um zu diesem Zeitpunkt die Konzeptionsbereitschaft des überwiegenden Teils der Herde sicherzustellen, sind dabei
zu beachten.

Der Zeitpunkt der Zustellung des Zuchtbullen p.p. und damit das jeweilige Betriebsmanagement beeinflussen die Fruchtbarkeitsleistungen der Mutterkühe und die Länge der Kalbeperiode entscheidend.

Wird das Intervall zwischen der Kalbung und der Zustellung des Zuchtbullen unter 22 Tage minimiert, verkürzt sich die mittlere Zwischentragezeit auf das biologische Minimum. Die maximale Zahl der Kalbungen pro Kuh und Jahr wird ermöglicht. Gleichzeitig verschiebt sich die Kalbeperiode im Jahresverlauf und die Kalbezeit wird verlängert.

Die Verlängerung des Intervalls zwischen der Kalbung und der Zustellung des Zuchtbullen bewirkt eine konzentriertere Kalbeperiode, aber auch längere Zwischentragezeiten, wodurch die Kalbungen pro Kuh und Jahr reduziert werden.

Da eine längere Kalbeperiode in der Mutterkuhhaltung sowohl den Produktionsaufwand als auch die Aufzuchtleistung negativ beeinflusst, ist ein festgelegtes, mehr als 21 Tage langes Intervall zwischen der Kalbung der Kühe und der Zustellung des Zuchtbullen notwendig.

Um dennoch Zwischentragezeiten zu erreichen, die durchschnittlich eine Kalbung pro Kuh und Jahr ermöglichen und gleichzeitig eine im Jahresverlauf konstante Kalbeperiode gewährleisten, ist die Zustellung des Deckbullen zwischen dem 40. und 50. Tag p.p. zu empfehlen. Dieser Zeitraum scheint günstig, da er sowohl eine im Vergleich zur Zustellung des Zuchtbullen vor dem 22. Tag p.p. gedrängtere Abkalbung als auch ca. zwölf Monate Zwischenkalbezeit erwarten lässt.

Für die Belegung ungünstige Zeiten in der Belegungsperiode verlängern die Kalbeperiode. Durch die geringe Grundfutterqualität der Winterfütterung bewirkt der während der Winterperiode bis zum Weideaustrieb andauernde Körpersubstanzabbau zum Ausgang des Winters die niedrigste Körperkondition der Mutterkühe. Einige Tiere können nicht trächtig werden, bis sich mit dem Weideaustrieb die Fütterungs- und Haltungsbedingungen grundlegend ändern. Da in der Zeit unmittelbar vor Ende des Winters sowie während und kurz nach dem Weideaustrieb nur wenige Tiere konzipieren, sollten in dieser Zeit keine Kühe belegt werden.

Für zur Belegung anstehende Kühe scheint eine allgemeine Konzentratzufütterung nicht gerechtfertigt zu sein. Allerdings könnte zum Ende der Winterperiode eine auf das einzelne Tier bezogene Konzentratfütterung für Kühe mit schlechter Körperkondition die Belegungsergebnisse wesentlich verbessern.

Defizite der Trächtigkeitsrate, die durch eine Belegung in ungünstigen Zeiten entstanden sind, können in kurzer Zeit kompensiert werden. Dadurch verlieren die Nachteile dieser Perioden schnell an Bedeutung, wenn sie nur kurze Zeitspannen umfassen.


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Durch die verschiedenen Belegungszeiten zwischenzeitlich entstehende Unterschiede der Trächtigkeitsraten sind für die Wahl der geeigneten Kalbeperiode von geringer Bedeutung, da diese Unterschiede durch entsprechende Maßnahmen der Betriebsführung minimiert werden können.

Entscheidungen zu einer oder mehreren Kalbeperioden und zur Wahl der Kalbezeit müssen entsprechend der am Standort vorhandenen betriebsspezifischen Bedingungen gefällt werden.

Vor dem 40. Lebenstag nehmen nur sehr wenige Mutterkuhkälber aus der Winterkalbung Kraftfutter auf. Deshalb ist ein Kraftfutterangebot vor diesem Termin nicht zu empfehlen. Auf Grund rassespezifischer Unterschiede der Milchleistung der Mutterkühe sind genotypbedingte Abweichungen möglich.

Mutterkuhkälber aus der Winterkalbung benötigen ab einem Alter von ca. 70 Lebenstagen in der zweiten Winterhälfte auf Grund ihres steigenden Nährstoffbedarfs und der durch die mangelnde Winterfutterqualität eingeschränkten Milchleistung ihrer Mütter Kraftfutter für eine kontinuierliche, ihrem Alter entsprechende Körpermasseentwicklung.

In dieser Zeit bringt die Zufütterung von Konzentraten für Mutterkuhkälber aus der Winterkalbung bis zum Weideaustrieb höhere Körpermassezunahmen im Vergleich zu Kälbern ohne Konzentratzufütterung.

Kälber, die während der Stallhaltung zugefüttert wurden, haben erhebliche Umstellungsprobleme von der Stall- zur Weidehaltung. Diese äußern sich in starken Depressionen der Körpermasseentwicklung während der Umstellungsphase. Verursacht werden die Probleme durch den Abbruch der Konzentratzufütterung sowie die gleichzeitig wirkendenden Stressfaktoren des Weideaustriebes.

Kälber aus der Winterkalbung haben sowohl mit als auch ohne Konzentratzufütterung während der Stallhaltungsperiode Entwicklungsphasen mit unerwünschten Wachstumsdepressionen. Die Kälber ohne Kraftfutter zeigen Defizite der Körpermassezunahmen während der letzten Wochen vor Weideaustrieb und die Kälber mit Kraftfutteraufnahme während der Umstellungszeit von Stall- auf Weidehaltung bei gleichzeitiger Beendigung der Konzentratfütterung.

Die in der Stallhaltungsphase erreichte höhere Körpermasse der Kälber mit Konzentratzufütterung wird durch nicht zugefütterte Kälber nach Einstellung der Konzentratfütterung während der nachfolgenden Weideperiode mittels kompensatorischem Wachstum annähernd ausgeglichen.

Wenn die Konzentratfütterung während der Weidehaltung nicht fortgesetzt werden soll, ist von der Konzentratzufütterung an Kälber aus der Winterkalbung während der Stallhaltungsperiode abzuraten, da damit das wirtschaftliche Ergebnis des Produktionsverfahrens Mutterkuhhaltung negativ beeinflusst wird.

Der Beginn der Kraftfutteraufnahme, die täglichen Verzehrsmengen und die gesamt aufgenommene Menge sind zwischen älteren Mutterkuhkälbern stark differenziert. Ursachen sind die durch die unterschiedlichen Milchmengen der Mutterkühe differenzierte Futterversorgung der Kälber sowie das individuell unterschiedliche Futteraufnahmeverhalten der Tiere.


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Ältere Mutterkuhkälber mit hoher Konzentrataufnahme betreiben Luxuskonsum und nehmen weniger Grundfutter auf. Deshalb ist die Limitierung der Verzehrsmengen zu empfehlen. Die Tiere sollten über ein kg Kraftfutter am Tag aufnehmen können, da erst ab dieser Menge höhere Lebendmassezunahmen nachweisbar sind.

Mittels Konzentratzufütterung an ältere Mutterkuhkälber können bei den über die Mütter schlechter versorgten Kälbern Defizite der Körpermasseentwicklung durch kompensatorisches Wachstum ausgeglichen werden. Für diese Absetzer ist eine wesentliche Qualitätssteigerung in Form von besserer Bemuskellung, höherem Futteraufnahmevermögen und besseren Masteigenschaften zu erreichen.

Die Zufütterung von Mutterkuhkälbern ist beim Auftreten von gravierenden Wachstumsdepressionen im letzten Drittel der Säugeperiode sinnvoll, da nicht nur geringere Absetzmassen, sondern vor allem massive Qualitätsbeeinträchtigungen der Kälber drohen.

Entscheidend für die Effektivität der Kälberzufütterung ist die Höhe der Kraftfutteraufnahme, da einerseits die Kosten der Futterbereitstellung mit steigendem Verbrauch sinken und andererseits mit erhöhter Verzehrsmenge der Kraftfutteraufwand je kg Körpermassezuwachs zunimmt. Da die Quantität der Kraftfutteraufnahme durch die Kälber von der Milchleistung der Kühe und dem Grundfutterangebot abhängt, ist sie zwischen den Betrieben verschieden. Auch der Aufwand für die Konzentratzufütterung ist zwischen den Unternehmen, vor allem durch differierende Transportentfernungen, unterschiedlich.

Ob ältere Mutterkuhkälber mit Konzentraten zugefüttert werden muss demnach entsprechend den einzelbetrieblichen Bedingungen entschieden werden. Einzubeziehen sind hierbei:


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25.04.2005